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Getreideherbizidstrategie – Was gibt es Neues?

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uc
dr
Verlag Th. Mann
4/2007
Getreideherbizidstrategie –
Was gibt es Neues?
Dr. Dirk M. Wolber, LWK-Niedersachsen, Hannover
Die Entwicklung von
herbizidresistenten Unkräutern schwebt wie ein
Damokles-Schwert über
Norddeutschland. Das
mögliche Schadenspotenzial herbizidresistenter
Ackerfuchsschwanzpflanzen wird besonders
auf den norddeutschen
Marschböden aber auch
auf zahlreichen Binnenstandorten ersichtlich.
D
ie Unkrautbekämpfung in
Wintergetreide spielt eine
entscheidende Rolle für die Absicherung des Ertrages. Gerade auf
Standorten mit starker Verungrasung ist rechtzeitig und nachhaltig
zu handeln. Dieser Grundsatz hat eine zunehmende Bedeutung und
wird durch aktuelle Versuchsergebnisse aus dem Extremjahr 2006/
2007 bestätigt. Gesellt sich zu einem hohen Samenpotenzial aus
den Vorjahren auch ein früher Aussaattermin des Wintergetreides, bedarf es einer Herbizidanwendung
bereits im Herbst, besonderer pflanzenbaulicher Maßnahmen und einer
(Foto: Werkbild)
fruchtfolgeübergreifenden Strategie.
Die Konkurrenz durch Ungräser und
Unkräuter muss frühzeitig, kulturverträglich und möglichst kostengünstig beseitigt werden. Hohe Wirkungsgrade ergeben sich, wenn die
Herbizide zu einem für das Produkt
günstigen Zeitpunkt eingesetzt werden. Voraussetzung für eine ausreichende Bekämpfung im Herbst ist
die Sicherstellung eines gleichmäßigen Auflaufens der Ungräser und
Unkräuter. Bei geringen Niederschlägen und weitgehend trockenen
Bedingungen ist es mit reinen Bodenherbiziden schwer, ausreichende Wirkungsgrade zu erreichen.
Aber auch die blattaktiven Präparate benötigen entsprechende Anwendungsbedingungen. Um einen
guten Bekämpfungserfolg zu bekommen ist es erforderlich, dass alle Gräser aufgelaufen sind. Bei den
meisten Produkten sind nachfolgend noch 10 bis 14 Tage „Restvegetation“ erforderlich. Zur Sicherstellung des gleichmäßigen Auflaufens der Kultur, bzw. der Ungräser,
kann der Einsatz einer Walze nach
der Saat sinnvoll sein. Diese Maßnahme unterstützt die Herbizidmaßnahme besonders unter „nicht optimalen Saatbettbedingungen“. Wenn
man die Herbstbedingungen 2005
und 2006 betrachtet, mit wenigen
Niederschlagsereignissen und weitgehend trockenen Bodenverhältnissen, war der Auflauf der Ungräser
oft erst spät erfolgt. Ein Herbizideinsatz mit gewünschten Wirkungsgeraden ist unter diesen Bedingungen
auch künftig kaum zu erwarten. Die
gezielten Herbstbehandlungen bei
Saatterminen bis Mitte Oktober sind
meist wirkungssicherer als vergleichbare Frühjahrsbehandlungen.
Die Wirkungssicherheit steigt, je höher die Bodenfeuchtigkeit ausgenutzt werden kann. Die Anwendung
sollte daher so früh wie möglich
(z. B. EC 9 – 11) erfolgen, also so■ Getreide Magazin 4/2007 (12. Jg.) ■
1
PFLANZENSCHUTZ
Was gibt es Neues?
Orbit ist ein neues Herbstherbizid mit den Wirkstoffen Cinidonethyl (13,30 g/l) und Pendimethalin
(333,30 g/l). Durch das schnell wirkende, blattaktive Cinidon-ethyl besitzt Orbit eine gute Sofortwirkung
Abb. 1: Vergleich von Herbiziden gegen Ackerfuchsschwanz
in Gerste
100
90
80
Wirkungsgrad [%]
bald die Fahrgassen zu erkennen
sind!
Neben arbeitswirtschaftlichen
Vorteilen (Arbeitsspitzen sind verteilt) sind auch weitere Vorteile zu
nennen. Behandlungen im Herbst
ermöglichen meist eine bessere
Verträglichkeit. Auch kann gegenüber dem Frühjahr, neben einer geringeren Nachtfrostgefahr, auch eine meistens höhere Boden- und
Luftfeuchtigkeit ausgenutzt werden.
Insbesondere sei hier auf die Erfahrungen in dem extrem trockenen
Frühjahr 2003 verwiesen: Hier
konnte ein Unkrautwuchs durch die
alleinige Behandlung im Frühjahr
kaum mehr aufgehalten werden. Alle Wirkstoffgruppen, inklusive der
Sulfonylharnstoffe, versagten hier
ihren gewohnten Dienst. Die Folge
waren Rückstände einzelner Präparate wie z. B. Attribut, Monitor oder
Gropper, die vereinzelt der Folgekultur zusetzten. Auch die trocken-warme Witterungsbedingung im Frühjahr 2007 zeigte, dass fehlende
Niederschläge und geringe Luftfeuchtigkeiten keine ausreichenden
Herbizidwirkungen ermöglichen.
95
92
91
86
81
84
88
70
60
50
Wirkungsgrad Ackerfuchsschwanz
(Kontrolle Ø 48 Ähren/m2)
40
30
20
34 €
35 €
33 €
49 €
50 €
50 €
41 €
49 €
50 €
10
0
BBCH 9 – 11
Cadou +
Fenikan
0,4 + 0,5
BBCH 9 – 10 BBCH 9 – 10
Cadou +
Cadou +
Fenikan +
Herold
Access
0,3 + 0,15
0,4 + 0,5 + 0,5
BBCH 9 – 11 BBCH 9 – 11 BBCH 13 – 21 BBCH 13 – 21 BBCH 13 – 21 BBCH 13 – 21
Cadou +
Cadou +
Axial +
Ralon S. +
Axial +
Ralon S. +
Herold
Fenikan
Adigor +
Fenikan
Adigor +
Stomp SC
0,1 + 0,15
0,1 + 0,15
Bacara
0,8 + 0,8
Fenikan
0,8 + 2,0
NAF
NAF
0,4 + 1,2 + 0,4
0,4 + 1,2 + 0,8
Ralon S. +
Ralon S. +
Access
Access
0,8 + 0,5
0,8 + 0,5
auf bereits aufgelaufene, größere
Unkräuter. Hervorzuheben ist das
gegenüber reinem Pendimethalin
verbreiterte Wirkungsspektrum gegen spätere Entwicklungsstadien
von Ehrenpreis-Arten, Taubnessel,
Ausfallraps und Klettenlabkraut.
Die durch Cinidon-ethyl stark
geschwächten Unkräuter werden
durch das ausdauernd wirkende
Pendimethalin sicher erfasst. Orbit
lässt sich in Kombinationen mit IPU
oder auch mit Lexus oder Atlantis
oder auch Ciral und Pointer SX problemlos kombinieren. Nach Herstellerangaben sind allerdings Mischungen mit EC-Formulierungen
nicht möglich.
Nicht neu aber neu formuliert erhalten Sie in diesem Jahr das
Cadou SC und das Herold SC als
Flüssigpräparate. Die bisherigen
Abb. 2: Ackerfuchsschwanzbekämpfung in Wintergerste
2
96
87
■ Sonderdruck aus „Getreide Magazin 4/2007“ ■
Granulate werden nicht mehr angeboten, Restmengen sind allerdings
im Markt und können bis zum Zulassungsende aufgebraucht werden.
Die Umstellung beim Herold zum
Herold SC ist einfach, hier kann die
bisherige Aufwandmenge ohne Umrechnung verwendet werden (anstatt in kg/ha nun in l/ha). Beim Cadou SC ist eine Anpassung erforderlich, Cadou SC enthält 500 g/l Flufenacet, das alte Cadou dagegen
600 g/l Flufenacet.
Herold SC wird ab diesem
Herbst zusätzlich in einem HeroldSC-Harmony-Millenium-Pack angeboten. Das Harmony-Millenium besteht aus Flupyrsulfuron-methyl und
Thifensulfuron-methyl und ist ab
BBCH 11 in Weizen, Roggen und
Triticale zugelassen. Das Harmony-
Millenium ermöglicht als Zusatz
zum Herold SC eine verbesserte
Wirkung gegen weit entwickelte Kamille.
Aus Gründen der Resistenzvermeidung sollten jedoch auf Standorten die z. B. einen nur schwer bekämpfbaren Ackerfuchsschwanzbesatz aufweisen, keine reduzierten
Mengen des Sulfonylharnstoffs oder
Spritzfolgen mit mehreren Sulfonylharnstoffen im Vegetationsverlauf
zur Anwendung kommen.
Als weitere wichtige Zulassungsänderung kann ab sofort
Atlantis WG im Herbst mit einer
höheren Aufwandmenge (bis zu
400 g/ha) im Weizen eingesetzt
werden.
Ackerfuchsschwanzbekämpfung in
Wintergetreide
Gerade bei der Ackerfuchsschwanzbekämpfung in Wintergerste war in den vergangenen Jahren
nur der Einsatz von Bodenherbiziden bis spätestens zum Spritzen des
Getreides einigermaßen wirksam.
Wurden die Präparate allerdings zu
spät eingesetzt oder war die Bodenfeuchte zu gering, ergaben sich oft
ungenügende Wirkungsgrade. Auf
den Standorten, auf denen die
ACCase-Hemmer weiterhin sensitiv
sind, besteht die Möglichkeit den
Ackerfuchsschwanz mit ausreichenden Wirkungsgraden zu kontrollieren. Mit der Herbstzulassung von Ralon Super und Axial stehen zwei Gräserherbizide zur Verfügung. Da beide
Produkte ausschließlich auf Gräser
wirksam sind, ist jeweils ein Mischpartner erforderlich (Abb. 2).
Als mögliche Partner bieten sich
unter anderem Fenikan, Bacara
oder Herold SC an. Der Bekämpfungserfolg zeigt im Herbst 2006
Vorteile für eine Kombinationen von
Ralon Super 0,8 + Access 0,5 l/ha
mit einem hohen bodenwirksamen
Partner wie z. B. Cadou 0,1 kg/ha +
Herold 0,15 kg/ha. Wie bereits bei
der Windhalmbekämpfung mit Atlantis in Kombinationen mit Fenikan
beschrieben, fällt auch hier Axial,
Ralon Super oder Cadou SC jeweils
in Kombination mit Fenikan in der
PFLANZENSCHUTZ
Abb. 3: Vergleich von Herbiziden gegen Ackerfuchsschwanz
in Winterweizen
100
90
80
Wirkungsgrad [%]
Wirkung ab. Ein antagonistischer Effekt durch IPU im Fenikan ist auch
hier unter den trockenen Bedingungen zu vermutet. Da sich das Fenikan ansonsten in vielen Jahren bewährt hat, sollte dieser Jahreseffekt
nicht überbewertet werden. Auch ist
zu beobachten, dass bereits ein Additivzusatz bei der Mischung von
Cadou SC + Fenikan eine deutliche
Wirkungsverbesserung ermöglicht.
Allerdings sollte das Additiv nur unter trockenen Bedingungen hinzugefügt werden. Bei ausreichender
Bodenfeuchtigkeit kann ein Additivzusatz erhebliche Schäden verursachen.
Aufgrund der reinen Blattwirkung von Ralon Super und Axial,
darf die Anwendung gegen Ackerfuchsschwanz auf keinen Fall vor
BBCH 12 durchgeführt werden! Eine sicherere Wirkung ist ab BBCH
13 zu erwarten, da der Ackerfuchsschwanz in „Normaljahren“ dann
vollständig aufgelaufen ist. Der spätere Einsatzzeitpunkt der beiden
Produkte ermöglicht zusätzlich,
dass im Bedarfsfall auch ein Insektizid mitgeführt werden kann. Gegenüber den in früheren Zeiten eingesetzten Bodenherbiziden besteht
jetzt die Chance mögliche Maßnahmen zu kombinieren. Beide Ackerfuchsschwanzpräparate sind in
Wintergerste als Packs erhältlich.
Es gibt das Stomp Ralon Pack mit
15 l Stomp + 5,0 l Ralon. Sowie das
Axial Bacara Pack mit 2,0 l Axial +
6,0 l Adigor + 4,0 l Bacara. Leider
entsprechen die Abpackungen nicht
den zuvor empfohlenen Aufwandmengen.
Auf Standorten, wo im Frühjahr
Flughafer zu bekämpfen ist, kann im
Herbst mit einer Windhalmaufwandmenge Malibu vorgearbeitet werden. Im Frühjahr erfolgt meist eine
Nachlage mit z. B. Ralon Super um
den restlichen Ackerfuchsschwanz
und auch den Flughafer zu erfassen
(Abb. 3).
Um eine erfolgreiche Ackerfuchsschwanzbekämpfung durchzuführen, sind nicht nur die Wirkstoffe zu betrachten, sondern auch
mehrere pflanzenbauliche Aspekte.
Eine frühe Aussaat (überregional
meist vor dem 1. Oktober) fördert
den Feldaufgang vom Ackerfuchs-
96
85
95
97
98
98
99
99
88
70
60
50
Wirkungsgrad Ackerfuchsschwanz
(Kontrolle Ø 398 Ähren/m2)
40
30
20
50 €
39 €
36 €
BBCH 9 – 10
Boxer +
Cadou
2,0 + 0,4
BBCH 9 – 10
Fenikan
+ Cadou
0,8 + 0,4
BBCH 12
Stomp SC
+ Lexus
2,0 + 0,02
37 €
36 €
54 €
59 €
10
0
BBCH 12
BBCH 12
BBCH 12
Boxer
Absolut M
Boxer
+ Lexus
+ Breakthru
+ Ciral
2,0 + 0,02 0,18 + 0,02 % 2,0 + 0,025
schwanz erheblich. Eine rasche Vorwinterentwicklung bedingt einen
rechtzeitigen Herbizideinsatz. Soll
der Ackerfuchsschwanz mit einem
Herbizideinsatz kontrolliert werden,
muss sichergestellt werden, dass
dieser auch aufgelaufen bzw. angekeimt ist. Die einzusetzenden Herbizide (mit ausreichenden Wirkungsgraden) verfügen hauptsächlich
über eine Blattwirkung, bzw. Blattund Bodenwirkung. Weiterhin muss
für eine gute Wirkung der Blattherbizide noch 10 bis 14 Tage „Restvegetation“ vorhanden sein. Wenn der
Auflauf vom Ackerfuchsschwanz
sichergestellt und die Witterung offen ist, können folgende Pflanzenschutzmittelkombinationen zum
Einsatz kommen (Abb. 4).
Eine Möglichkeit den Ackerfuchsschwanz gut zu bekämpfen,
BBCH 13
BBCH 13
Axial
Atlantis OD
+ Agidor
+ Stomp SC
+ Stomp SC
0,6 + 2,0
0,4 + 1,2 +2,0
BBCH 13
Atlantis OD
+ Absolute M
0,6 + 0,09
bietet der Einsatz von Atlantis WG +
Genapol + Stomp. Zu beachten ist,
dass Atlantis WG tendenziell einen
noch weiter entwickelten Ackerfuchsschwanz benötigt als Lexus.
Für gute Wirkungsgrade sollten
Lexus oder Atlantis WG plus Genapol jeweils plus Stomp Kombinationen erst ab BBCH 12 eingesetzt
werden. Für einen früheren Einsatztermin BBCH 11/12 hat sich die
Kombination Lexus plus Boxer (nicht
in Triticale) mehrjährig als sehr wirkungssicher
herauskristallisiert.
Auch in diesem Jahr ist die Ackerfuchsschwanzwirkung von Lexus
plus Boxer vergleichbar mit der von
Lexus plus Stomp. Beim Boxer ist zu
beachten, dass es zulassungsbedingt nur bis BBCH 12 eingesetzt
werden darf.
Bei der dikotylen Wirksamkeit
der beiden Kombinationen gibt es
keine entscheidenden Unterschiede. In diesem Herbst können Sie
erste Erfahrungen mit dem neuen
Orbit machen, Orbit ist versuchsweise anstatt eines Stomp einzusetzen. Unterschiedliche Wirkstoffgehalte zwischen Stomp und Orbit bedingten eine Anpassung der Aufwandmenge.
Zunehmend ist auch Windhalm
in Gesellschaft mit Ackerfuchsschwanz zu finden, hier bieten sich
Zusätze von z. B. Cadou SC 0,18
g/ha an. Bei sehr starkem Auftreten
von Ackerstiefmütterchen besteht
die Möglichkeit, die 20 g/ha Lexus
der oben genannten Mischungen
durch 25 g/ha Ciral zu ersetzen.
Ciral ist allerdings teurer, die
Flurpyrsulfuronmethyl Menge ist
etwas geringer und somit wird die
Ackerfuchsschwanzwirkung auch
schlechter.
Auf Standorten wo aufgrund extremer Frühsaaten (tonige Höhenlagen) auch im Herbst schon Trespe
aufläuft, besteht mit 0,4 kg/ha Atlantis (nur in Winterweizen) + Genapol + Partner die Chance eine ausreichende Trespenwirkung zu erzielen. Somit ist die sehr konkurrenzfähige Trespe schon frühzeitig ausgeschaltet bzw. reduziert. Je nach
Auftreten kann eventuell im Frühjahr auf eine Bekämpfung verzichtet
werden. Wenn noch keine Fop-Resistenz beim Ackerfuchsschwanz
festgestellt ist, kann auch Axial 0,4
l/ha plus Adigor 1,2 l/ha plus Stomp
Abb. 4: Ackerfuchsschwanzbekämpfung in Weizen, Roggen und Triticale
■ Sonderdruck aus „Getreide Magazin 4/2007“ ■
3
PFLANZENSCHUTZ
der einzelnen Wirkstoffgruppen
durch Experten der Industrie (Arbeitskreis HRAC) kenntlich gemacht
(Abb. 6).
Ein regelmäßiger Wirkortwechsel
sollte aus Resistenzgründen auch in
der Fruchtfolge sichergestellt sein.
Besonders das Produkt Roundup
oder Kerb bietet Möglichkeiten andere Wirkmechanismen zu nutzen
und so eine Resistenzgefährdung zu
mindern.
Abb. 5: Strategien gegen schwer bekämpfbaren Ackerfuchsschwanz
2,0 l/ha zum Einsatz kommen, auch
hier zeigen die Versuche aus dem
letzten Herbst ansprechende Wirkung gegen Ackerfuchsschwanz.
Die letztjährigen Versuche zeigen
auch gute Wirkungsgrade für die
Kombination Atlantis OD 0,6 (= vergleichbar Atlantis WG 200 g) plus
Absolute M 90 g.
Das Absolute M enthält den
Wirkstoff aus dem Lexus. Antagonistische Effekte sind bei dieser Kombination nicht festzustellen, allerdings
darf die Aufwandmenge von Atlantis
WG auf Standorten mit schwer bekämpfbarem Ackerfuchsschwanz
nicht unter 400 g (in Weizen) reduziert werden (Abb. 5).
Die
Ackerfuchsschwanzbekämpfung muss bereits durch Behandlungen im Herbst sicher gestaltet sein. Wirkungsgrade von 85
– 90 % sind nicht befriedigend und
erhöhen nur unnötig die Resistenzneigung des Standortes.
Eine mögliche Resistenzgefährdung ergibt sich auf den Standorten
die möglicherweise aufgrund unzureichender Herbstbehandlungen mit
gleichen Wirkstoffgruppen im Frühjahr wiederholt behandelt werden.
Insbesondere auf Marschstandorten, wo der Ackerfuchsschwanz bereits eine Resistenz gegen Sulfonylharnstoffe entwickelt hat, sollte eine
Spritzfolge mit gleichen Wirkstoffgruppen unterbleiben.
Bei erhöhter Resistenzgefahr
bietet sich die Kombination Boxer
mit einem Bodenherbizid wie z. B.
4
Ackerfuchsschwanz in Winterweizen
Herold SC an, um noch gute Wirkungen zu ermöglichen. Boxer hat
bislang als Lipidsynthesehemmer
noch keine Resistenzen gezeigt,
auch ist der Wirkort ein anderer als
bei den sonstigen Wirkstoffgruppen.
Anwendungen nach BBCH 11 oder
mit höheren Konzentrationen sind
jedoch aus Verträglichkeitsgründen
zu vermeiden.
Im Binnenland stellt sich die Problematik eher entspannt dar. Hier
wirken meist noch FOP- oder DIMWirkstoffe, sodass hier ein Wirkstoff- und Wirkortwechsel möglich
ist und so eine weitere Zunahme
von möglichen Resistenzen vermieden werden kann. In der nachfolgenden Abbildung sind die Wirkorte
Abb. 6: Wirkstoffgruppen nach HRAC
HRACGruppe
Produkt
Wirkstoff
Wirkmechanismus
A
Topik/Ralon (FOP)
Clodinafop-propargyl/
Fenoxaprop-p-ethyl
Lipidbiosynthese (ACCase)
B
Lexus
Flupyrsulfuron
Aceto-LactatSynthase (ALS)
B
Attribut
Propoxycarbazon
Aceto-LactatSynthase (ALS)
B
Atlantis
Mesosulfuron & Iodosulfuron
Aceto-LactatSynthase (ALS)
C2
Arelon Top
IPU/CTU
Photosynthese PII Hemmer
F1
Bacara
Flurtamone
PDS Bleacher
K1
Stomp
Pendimethalin
Microtobuli
Synthese Hemmung
K1
Treflan
Trifluralin
Microtobuli
Synthese Hemmung
K3
Cadou
Flufenacet
Hemmung der Zellteilung
N
Boxer
Prosulfocarb
Lipidbiosynthese
(nicht ACCase)
■ Sonderdruck aus „Getreide Magazin 4/2007“ ■
Beispiel eines Wirkortwechsels zur Minderung der Resistenzgefahr in der Fruchtfolge:
1. Zuckerrübe: Roundup
(Gruppe G) oder
Raps: Kerb (Gruppe K1)
2. Weizen: Atlantis oder Lexus
(Gruppe B)
3. Triticale: Ralon Super
(Gruppe A)
Zusammenfassung
■ Die frühe Nachauflaufbehandlung hat gegenüber Frühjahrsbehandlungen von Ackerfuchsschwanz und Windhalm deutliche Vorteile. Witterungsextremen wie wüchsige Bedingungen
im Herbst-Winter oder nasse
Frühjahrsbedingungen muss im
Vorfeld begegnet werden.
■ Spät bestellte Weizensaaten mit
einem nur geringen Ungrasbesatz können auch im Frühjahr
wirkungssicher behandelt werden, frühe Saaten sollten im
Herbst behandelt werden, um eine ausreichende Wirkung gegen
Ackerfuchsschwanz und Windhalm zu gewährleisten.
■ Zusatzstoffe bewirken beim
Herbizideinsatz einen Zusatzeffekt besonders unter eher trockeneren Bedingungen, Schädigungen der Kultur sind dagegen
unter feuchten Bedingungen
möglich.
K
O
N
T
A
K
T
Dr. Dirk M. Wolber
LWK-Niedersachsen
Telefon: 0511-4005-2169
Telefax: 0511-4005-3169
E-Mail: Dirk.Wolber@
lwk-niedersachsen.de
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