close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

7. Deutscher Urogynäkologiekongress!

EinbettenHerunterladen
10/2014
Laborinformation
Diagnose der Präeklampsie mit dem sFlt-1/PIGF-Quotienten
Allgemeines
In Europa stehen an 1. bis 2. Stelle der mütterlichen Todesursachen Hypertensive Erkrankungen. Sie treten in 6 – 8 %
aller Schwangerschaften auf und tragen zu 20 – 25 % der
perinatalen Mortalität bei. Die Präeklampsie ist dabei von
besonderer Bedeutung, denn 10-15 % aller maternalen Todesfälle stehen in Zusammenhang mit einer Präeklampsie/
Eklampsie. Weltweit ist sie für mindestens 70.000 mütterliche Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Auch heute noch
sind in Europa > 90% der maternalen Todesfälle durch PE/E
potentiell vermeidbar. In Europa beträgt die Inzidenz der
Präeklampsie ca. 2 %.
Labordiagnostik
Elecsys sFlt-1/PIGF Ratio
Ein aussagekräftiger, alleiniger Test zur sicheren Früherkennung der Präeklampsie steht bislang nicht zur Verfügung. Zur Risikoabschätzung können im I. oder II. Trimenon
anamnestische Angaben (Mutterpass), mittlerer arterieller
Blutdruck, biochemische Marker und Dopplersonographie
herangezogen werden.
Ratio sFt-1/PIGF Gesunde
Ratio sFt-1/PIGF Präeklampsie-Fälle
Cut-Off 85
reichen. Es konnte gezeigt werden, dass sich die Serumspiegel von sFlt-1 (lösliches Fragment des VEGF-Rezeptor-1) und
PlGF bereits Wochen vor Manifestation der Erkrankung verändern und die sFlt-1/PlGF-Ratio eine prognostische Wertigkeit aufweist.
sFlt-1 („soluble fms-like tyrosine kinase-1“) hemmt das Gefäßwachstum der Plazenta, PlGF („placental growth factor“)
fördert es. Ist das Verhältnis von sFlt-1 zu PlGF über einen
Faktor von 85 zugunsten von sFlt-1 verschoben, spricht dies
für ein hohes Risiko für eine manifeste oder drohende Präeklampsie. Ein erhöhter sFlt-1/PlGF-Quotient geht dem klinischen Auftreten einer Präeklampsie bis zu 5 Wochen voraus.
Die Sensitivität des sFlt-1/PlGF-Quotienten für die Erkennung der Präeklampsie betrug in einer Studie von Verlohren
et al. [3] 89% für die frühe („early onset“) Präeklampsie und
82% für das Gesamtkollektiv. Die Spezifität lag bei 95–97%.
Die frühzeitige Erkennung einer Präklampsie ermöglicht
u.a. die rechtzeitige Vorbereitung einer Entbindung des
häufig unreifen Feten und ermöglicht so das Einleiten
von Maßnahmen zur Förderung der fetalen Lungenreife, maternale Anfallsprophylaxe und antihypertensiver
Therapie der Schwangeren.
Risikofaktoren für die Entwicklung einer Präeklampsie
Schwangerschaftswoche
sFlt-1/PlGF-Quotienten von 280 gesunden Schwangeren (blau) und 71
Schwangerschaften mit Präeklampsie (rot), modifiziert nach Verlohren S et al,
Am J Obstet Gynecol 2010;202:161-171.
Quelle: http://www.roche-diagnostics.de/
Berechnung des Präeklampsie-Risikos
SSW 11+0 bis 14+0: Die a-priori Risikoerfassung aus maternalen Charakteristika (Alter, Anamnese, Body-Maß-Index,
ethnische Zugehörigkeit) erlaubt in Verbindung mit biophysikalischen Faktoren (nach MoM adjustiertem Pulsatilitätsindex der Aa. uterinae, des mittleren arteriellen Blutdrucks)
sowie biochemischen Risikomarken (z. B. pregnancy associated plasma protein A (PAPP-A), placental growth factor
(PlGF)) eine individuelle Risikokalkulation, insbesondere der
early-onset Präeklampsie.
Mit dieser Kombination verschiedener Methoden werden
Erkennungsraten für eine frühe Präeklampsie von 93,4 bzw.
95,2 % erreicht bei einer Rate falsch-positiver Ergebnisse
(FPR) von 5 bzw. 10 %. Für die späte Präeklampsie zeigt dieser Algorithmus jedoch deutlich schlechtere Erkennungsraten von 37,8 bzw. 71,1 %.
Diagnose der akuten Präeklampsie
SSW 18+0 bis 40: Durch die Bestimmung von Angiogenese-/
Antiangiogenesefaktoren ist bei pathologischem Uterinadoppler im II. Trimenon eine weitere Risikoeinschätzung für
die Entwicklung einer Präeklampsie und eine prognostische
Abschätzung des klinischen Verlaufs der Erkrankung zu er-
Anamnestische Risikofaktoren
Relatives Risiko
(RR)
Antiphospholipid-Syndrom
~9
Z.n. Präeklampsie
~7
Body Mass Index > 30
~ 3-5
Vorbestehender Diabetes mellitus
~ 3,5
Familiäre Belastung
~3
Vorbestehende Nierenerkrankung
~3
Erstparität
~ 2,5-3
Alter >40
~2
Chronische Hypertonie
• Mit 1 zusätzlichen Risikofaktor
• Mit 2 zusät zlichen Risikofaktoren
• RR diastol > 110 mmHg (<20 Wochen)
RR↑
1,55
3
3,2
Autoimmunerkrankungen
7-9,7
Ethnizität (afroamerikanisch)
2
Schwangerschaftsassoziierte
Risikofaktoren
Relatives Risiko(RR)
Likehood Ratio(LR)
Bilaterales notching / erhöhter PI/
RI der Aa. Uterinae Persistierende > 24 SSW
LR 3,4-6,5
Mehrlingsschwangerschaften
3
IVF/Eizellspende
RR↑
Gestationsdiabetes
~ 3,5
Hydorps fetalis, Trisomien, Blasenmole
~3
» Fortsetzung auf der Rückseite
MVZ Dr. Engelschalk, Dr. Schubach, Dr. Wiegel und Kollegen | Wörth 15 | 94034 Passau | Tel: 0851 95 93 00
!
Material und Präanalytik
Normbereich
1 ml Serum und Anforderungschein Präeklampsie
(Transport bei Raumtemperatur möglich)
sFlt-1/PIGFG-Quotienten: <85, Graubereich 33-85
Hinweis: Stabilitätsuntersuchungen haben ergeben, dass
sowohl sFlT-1 als auch PIGF bei Raumtemperatur im Serum
4 Tage stabil sind. Daher kann die Probe ungekühlt als Serum eingesandt werden. Im nichtzentrifugierten Vollblut steigen jedoch beide Werte nach einem Tag an. Daher muss die
Probe vor Einsendung unbedingt zentrifugiert und nur das
Serum eingesandt werden. Aus EDTA- oder Heparinplasma
ist die Bestimmung nicht möglich.
Die Diagnostik der Präeklampsie ist keine Kassenleistung.
Anforderung
Die Untersuchung wird ins Labor Enders weitergeleitet. Bitte
verwenden Sie für Ihre Anforderung den Untersuchungsauftrag Präeklampsie-Diagnostik, den Sie über die Homepage
von Labor Enders beziehen können:
www.labor-enders.de/praeeklampsie.html
Abrechnung (Labor)
GOÄ
1fach
1,15fach
sFlt-1
4069
€ 43,72
€ 50,28
PIGF
4069
€ 43,72
€ 50,28
Literatur:
1
Levine RJ et al; N Engl J Med 2004; 350 (7): 672-682.
2
AWMF-Leitlinie Nr. 015/018 2010.
3
Verlohren S et al, Am J Obstet Gynecol 2010;202:161-171.
MVZ Dr. Engelschalk, Dr. Schubach, Dr. Wiegel und Kollegen | Wörth 15 | 94034 Passau | Tel: 0851 95 93 00
Document
Kategorie
Gesundheitswesen
Seitenansichten
7
Dateigröße
455 KB
Tags
1/--Seiten
melden