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Expert Talk: Was bewegt - openautomation.de

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Feldebene
Expert Talk: Was bewegt
den Drehgebermarkt?
... diese Frage hat openautomation vier großen und kleineren Herstellern
gestellt. Experten von Baumer, Wachendorff, TR Electronic und TWK-Elektronik
erläutern Marktanforderungen, Entwicklungstrends und Produktneuheiten.
Der Maschinen- und Anlagenbau ist
derzeit mit vielen Themen konfrontiert.
Ganz allgemein lässt sich hier die Globalisierung nennen und maschinenspezifisch Themen wie, höhere Leistungsfähigkeit, kompaktere Bauweise, höhere Verfügbarkeit und gesteigerte Sicherheitsanforderungen. Ein Schlüssel zur Lösung
dieser Herausforderungen ist die Automatisierungstechnik und hierbei nicht
zuletzt auch die Drehgeber.
Die Marktanforderungen
Zu den Haupttrends gehören aus Sicht
von Michael Schneider, Leiter Produkt­
management Motion Control bei der Baumer Group, schon seit Längerem die Standardisierung und die Variantenreduktion.
Er geht davon aus, dass sich diese auch
in Zukunft noch weiter forsetzen werden,
da Kunden permanent Kosten optimieren
wollten. „Auf der anderen Seite setzen
Kunden bewusst auf individuell angepasste Produkte für eine noch bessere
Integration in die Anwendung, meist auf
Basis des Standards. So erreichen sie
einen Kosten-Nutzen-Vorteil, unter anderem durch eine Vereinfachung beim Einbau“, erklärt er weiter.
„Unsere Kunden erwarten mehr und
mehr spezifische Lösungen, die nicht aus
dem Standardregal kommen. Deshalb
haben wir ein flexibles Baukastensystem
entwickelt, mit dem sich aus vorhandenen Komponenten individuelle Lösungen
nach Bedarf konfigurieren lassen“, ist die
Erfahrung von Burkhard Düllo, Manager
Sales and Marketing bei TR-Electronic.
„Sollten die Kundenansprüche so ungewöhnlich sein, dass sie sich auch durch
den Baukasten nicht erfüllen lassen, entwickeln wir kundenspezifische Lösungen
von Grund auf – quasi Unikate bzw. Kleinserien, die nur für diesen einen Kunden
gebaut werden“, stellt er zusätzlich he­
raus.
Aus Sicht von M. Schneider treten
darüber hinaus auch der Service und
2
Burkhard Düllo ist Manager Sales
and Marketing bei der TR-Electronic
GmbH
Michael Schneider ist Leiter Produkt­
management Motion Control bei der
Baumer Group
die schnelle Produktverfügbarkeit immer
mehr in den Vordergrund: „Wir sind mit
weiter wachsenden Anforderungen nach
Vereinfachungen in der Lieferkette und
der Logistik unserer Kunden konfrontiert,
bei denen wir weltweit seit Längerem
direkt an die Montagelinie liefern.“ Darauf reagieren die Drehgeberspezialisten
unter anderem mit programmierbaren
Drehgebern sowie mit flexiblen, rückverfolgbaren Fertigungs- und Lieferkonzepten, wie sie im Automotivebereich üblich
sind. „Um die geforderte Verfügbarkeit zu
realisieren, wurden Produktionsabläufe
optimiert sowie Lager- und Vorzugstypen
definiert“, erklärt M. Schneider.
gebern müssen wir unsere Produkte
konsequenter für einen breiteren Markt
und mit vielen entwicklungsbegleitenden
Umwelt- und Belastungstests entwickeln.
Damit stellen wir die Zuverlässigkeit und
die weltweite Einhaltung der Normen sicher. Mit geeigneten Schnittstellen werden unsere Drehgeber über Fernwartung
weltweit diagnostiziert und konfiguriert.
Die Dezentralisierung fördern wir mit intelligenten Bussystemen, wie CAN­open
oder Profibus, bei denen die Steuerungen
oder Frequenzumrichter die Daten unserer Geber einfach empfangen können.“
Mit Blick auf den Trend zu kompakterer
Bauweise gibt er an, dass man bei Neuentwicklungen immer auf Technolo­
gien
setze, die in kompakten und leichten
Drehgebervarianten resultieren.
„Auch für uns ist die Kundenforderung
nach immer kleineren Drehgebern für
räumlich begrenzte Einbausituationen
ein wichtiges Thema“, sagt B. Düllo.
Während bislang 65 mm Außendurch-
Die technologischen Trends
Welchen Einfluss die Marktanforderungen auf den Drehgebermarkt haben,
fasst Robert Wachendorff, geschäftsführender Gesellschafter der Wachendorff
Automation GmbH & Co. KG, übergreifend zusammen: „Als Anbieter von Dreh-
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Feldebene
Andreas Meyer ist Produktmanager
bei der TWK-Elektronik GmbH in
Düsseldorf
Robert Wachendorff ist geschäfts­
führender Gesellschafter der Wachen­
dorff Automation GmbH & Co. KG in
Geisenheim
messer gefragt worden und Drehgeber
mit 58 mm Gehäuse fast schon Standard seien, sieht er einen Trend mehr
und mehr zu Drehgebern mit nur 36 mm
Durchmesser. „Da die Anforderungen an
die Messtechnik jedoch unverändert
hoch bleiben – was die Auflösung, den
Messbereich und die Einsatzoptionen als
Single- oder Multiturn-Drehgeber anbelangt – stehen unsere Entwicklungsingenieure vor der Herausforderung, das
technische Innenleben der Drehgeber zu
miniaturisieren – ohne Einbußen an Funktionalität, Leistungsfähigkeit und Sicherheit“, so der Spezialist. Als Lösung aus
dem eigenen Portfolio erklärt er: „Wir
bieten unseren Kunden schon heute eine
umfassende 36-mm-Produktfamilie aus
Inkremental-, Single- und Multiturn-Drehgebern mit Einfach- oder Doppelabtastung. Die 36-mm-Drehgeber kommunizieren mit der Steuerung über Inkrementalsignale (K1, K2, K0 und inverse), SSI,
Doppel-SSI, SSI + Inkremental und in
Zukunft auch über Drivecliq oder CAN.“
gen der Ethernet-basierten Schnittstellen und – daraus resultierend – die in
manchen Fällen fehlende Kompatibilität
untereinander. „Hier sind wir als Hersteller gefordert, einerseits eine möglichst
breite Schnittstellenvarianz zu bieten, die
andererseits auch in punkto Kompatibilität keine Wünsche offen lässt“, sagt
er weiter.
„Auch wir stellen fest, dass der Einsatz
von Industrial Ethernet bei Drehgebern
immer breiter wird“, bestätigt M. Schneider. Das schlage sich neben der weiter
steigenden Anzahl von Anfragen auch
in den Stückzahlen nieder. „Außer­
dem
sehen wir eine wachsende Nachfrage
nach Geräten, die über Safety-Protokolle
kommunizieren, insbesondere Profisafe
und CAN­open Safety. Ansonsten finden
Schnittstellen, wie Drivecliq, aufgrund
­ihrer hohen Leistung als Motor-FeedbackSchnittstelle immer mehr Akzeptanz“,
nennt er die Baumer-Erfahrung.
Große Schnittstellenvielfalt
Damit kommt B. Düllo bereits zum
nächsten wichtigen Thema im Drehgebermarkt, den Schnittstellen. „Ein aktuelles
Kernthema ist die zunehmende Variantenvielfalt an Schnittstellen. Klassische
Feldbusse, wie Profibus, CANopen und
Devicenet, sind weiterhin in vielen Unternehmen im Einsatz. Parallel sind neue
Schnittstellen auf Basis von Industrial
Ethernet hinzugekommen“, informiert
B. Düllo. Als Kehrseite dieser Vielfalt
nennt er die verschiedenen Ausprägun-
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Integrated Safety
Das Thema Safety/Integrated Safety
ist seit Längerem ein allgemein großes
Thema, das auch den Drehgeberbereich
tangiert. Forciert wurde dieses durch die
neue Maschinenrichtlinie. „Integrierte Sicherheitsfunktionen stehen für uns und
viele unserer Kunden im Fokus. Allerdings werden standardisierte oder nach
geringer Sicherheitsstufe geprüfte Drehgeber weiterhin die Mehrheit der Geräte
ausmachen“, ist B. Düllo überzeugt. Er
denk aber auch, dass je weiter die Maschinenrichtlinie in den verschiedenen
Industrien angewendet wird, zertifizierte
3
Feldebene
Der Kleine und der Sichere:
CEV36 und CDV75 von
TR-Electronic
Geräte weiter an Bedeutung gewinnen
werden. Aus seiner Sicht bleibt abzuwarten, wie sich zertifizierte Komponenten
gegenüber eigenen „Konstruktionen“ aus
nicht bzw. geringer zertifizierten Bauteilen durchsetzen. „Das ist sicher auch
eine Frage der verfügbaren Schnittstellen
und Ausführungen“, meint er weiter.
Als generelle Folge der neuen Maschinenrichtlinie und den geänderten Anforderungen hinsichtlich funktionaler Sicherheit nennt M. Schneider: „Wir gehen davon aus, dass dadurch auch ein größeres
Angebot an sicheren Drehgebern und
Sensoren benötigt werden wird. Als Komponentenhersteller sind wir hier im ständigen Dialog mit Kunden, um auch bei
steigenden Anforderungen weiterhin die
besten Lösungen aus unserem gewohnt
breiten Portfolio anzubieten. Der geforderte SIL-Level unterscheidet sich dabei
je nach Anwendung.“
„Die neue EU-Maschinenrichtlinie
macht nun auch Ethernet-basierte Systeme mit einer sicheren Kommunikation
bis SIL3-Niveau erforderlich“, kommt Andreas Meyer, Produktmanager bei TWKElektronik, noch einmal auf die Schnittstellenthematik zurück. Als Konsequenz
da­raus nennt er: „Es werden zusätzliche
Überwachungsmechanismen, wie Watchdogs, Togglebits und CRC-Summen, in
das Übertragungsprotokoll eingebaut
und der Übertragungskanal als ,Black
Channel‘ betrachtet. Das sichere Protokoll läuft als normaler Datensatz auf
dem Standardsystem. Mögliche Übertragungsfehler werden von den Überwachungsmechanismen erkannt und führen
in einen sicheren Zustand. Die schon
4
beim Feldbus eingesetzten Sicherheitsprotokolle und Profile werden hierbei zum
Teil weiterverwendet.“ TWK bietet Drehgeber mit Profisafe-Profil auf Profibus wie
auch auf Profinet an. „Der Anwender hat
den Vorteil der einheitlichen Safety-Konfiguration, egal ob Profibus oder Profinet
das Safety-Telegramm transportieren“,
stellt A. Meyer heraus. Zur Erreichung hoher Fehlererkennungsraten enthalten die
Drehgeber eine redundante Sensorik, diverse Überwachungen der Hardware und
eine Sicherheits-Task zur Überwachung
des internen Programmablaufs. Daneben
hat TWK auch SIL2-zertifizierte Drehgeber im Programm. Sie liefern neben dem
sicheren Positionssignal auch einen
sicheren Geschwindigkeitswert. „Positions- und Geschwindigkeitswert können,
wie beim Standard-Profinet-Drehgeber,
der Anwendung entsprechend über Profinet skaliert werden“, sagt der Experte.
Die in Zweikammerbauweise gefertigten
Drehgeber erreichen durch ihren robusten Aufbau eine hohe Schock- und Vibrationsfestigkeit und bieten Schutzarten
bis IP69K. Der Arbeitstemperaturbereich
reicht von –40 °C bis 85 °C.
TR-Electronic hat seit 2009 zertifizierte absolute Multiturn-Drehgeber, die nach
SIL3/PLe zertifiziert sind, im Sortiment.
„Dabei unterstützen wir a
­ktuelle Feldbus- und Industrial-Ethernet-Lösungen
(Profisafe über Profibus und Profinet). Die
Die Profibus-Drehgeber WDGA mit Endra-Technologie zeichnen sich durch ihre
Bautiefe von 60,7 mm aus
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Feldebene
Überwachung ist direkt im Gerät integriert, eine zusätzliche Auswerteeinheit ist
somit nicht erforderlich“, so B. Düllo. Der
zertifizierte Bus stellt gesicherte Positions- und Geschwindigkeitswerte direkt
zur Verfügung. Alternativ werden zwei
Positionswerte auf zwei unabhängigen
SSI-Schnittstellen mit Prüfsumme übertragen. „Damit steht der Sicherheitsstandard auch dort zur Verfügung, wo sichere
Feldbusse und Industrial-Ethernet noch
nicht verwendet werden. Für ex­plo­sions­
ge­
fähr­
de­
te Bereiche bieten wir auch
Atex-konforme Drehgeber an“, sagt er
weiter. Und apropos Schnittstellen: „­Eine
zentrale Herausforderung im Bereich Integrated Safety liegt für uns in der zunehmenden Profilvielfalt. Um hier eine
möglichst große Bandbreite abzudecken,
erweitern wir unsere bestehende Profilpalette in Kürze um Opensafety über
Powerlink“, so B. Düllo.
Dem fügt R. Wachendorff an: „Gerade
in den letzten Jahren haben wir sehr
viele Anwendungen bei unseren Kunden
mit unseren Drehgebern gelöst, die ihre
Maschinen sicherer entwickelt haben.
Die Kombination von unterschiedlichen
Sensoren für einen redundanten und für
eine Steuerung sicher messbaren Zustand, zum Beispiel von der Posi­
tion
oder des Wegs, haben wir in vielen Fällen
gemeinsam mit dem Kunden erarbeitet
und umgesetzt.“
rung die Signale, beispielsweise ein hochqualitatives Drehzahlsignal, direkt verarbeiten“, sagt er weiter. Hierzu ergänzt
R. Wachendorff, dass sich die Herstellerstellungsprozesse in vielen Fällen ihren
physikalischen Grenzen nähern und daher intensiver überwacht werden müssen. „Unsere Drehgeber werden für raue
und anspruchsvolle Anwendungen entwickelt und können aufgrund ihrer Spezifikationen und Umweltdaten nahe am Prozess zuverlässig messen.“
„Produkte mit Eigendiagnose werden
immer wichtiger“, führt M. Schneider
fort und begründet: „Dies führt zu einer
Verkürzung der Inbetriebnahme, einer
schnellen Fehleranalyse bei Ausfällen
und zu einer Unterstützung der vorbeu-
genden Wartung.“ Auf diese Weise würden Anlagenwerte gesichert sowie eine
höhere Anlagenverfügbarkeit und längere Laufzeiten erreicht. „Bei praktisch
allen unseren inkrementalen Heavy-DutyDrehgebern bieten wir hier mit unserem
Enhanced Monitoring System EMS eine
bereits seit Jahren bewährte Lösung an.“
Produktentwicklungen
Bei den Neu- und Weiterentwicklungen
seiner inkrementalen Drehgeber richtet
sich Wachendorff an den genannten
Trends aus. So wurde beispielsweise die
Auflösung auf 25 000 I/U erhöht und besonders in den Umweltdaten Produkte
entwickelt, die unter anderem lebensmittelfest oder salznebelresistent sind.
Entwicklungstrends
bei Drehgebern
Bei der technologischen Umsetzung
der Anforderungen sieht M. Schneider
zwei gegenläufige Trends: „Standardprodukte sind heute in ihrer Leistungsfähigkeit sehr ausgereift, sodass sie selbst
hohe Anforderungen weitgehend abdecken. Auf nicht zwingend notwendige
Funktionen oder Teile kann oft verzichtet
werden. Der wachsende Erfolg unserer
lagerlosen Drehgeber unterstreicht dies
eindrücklich.“ Baumer hält auch weiterhin an der ständigen Weiterentwicklung
seiner Standardprodukte fest, um den
Marktanforderungen weiterhin gerecht zu
werden. „Dem entgegen steht eine Nachfrage nach mehr Intelligenz und Leistung
im Drehgeber, etwa zur Unterstützung
des Benutzers, zur Verbesserung der Sig­
nalqualität und zur Vereinfachung der
Signalauswertung“, sagt der Leiter Produktmanagement Motion Control. Beispielsweise könnten die Rohsignale mit
im Sensor vorhandener Rechenleistung
aufbereitet und speziell auf die Anwendung zugeschnittene Daten bereitgestellt
werden. „Unser Kunde erspart sich dadurch Aufwand und kann in seiner Steue­
www.openautomation.de
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Feldebene
Ethernet-basierte Schnittstellen auf der Überholspur
TWK-Elektronik blick auf mehr als
50 Jahre Erfahrung bei Entwicklung,
Fertigung und Vertrieb von Sensorik für
Winkel- und Längenmessung zurück.
Dabei hat das Unternehmen auch die
Schnittstellenthematik von den Feldbussen bis hin zu Industrial Ethernet
erlebt:
Durch die in den 1990er-Jahren aufkommenden Feldbusse entstand ein
Netzwerk der E/A-Ebene unterhalb des
Netzwerks der Leitebene. Zwischen
diesen Netzwerken fungierte meist die
SPS als „Gateway“. Zugriffe vom einen
ins andere Netz mussten einzeln programmiert werden. Die passiven Netzwerkteile, wie Leitungen und Stecker,
waren unterschiedlich. Diese Trennung
der Automatisierung in zwei Welten sollte eine Ausweitung des Ethernet bis in
die Feldebene aufheben. Was fehlte, war
die Echtzeitfähigkeit und ein standardisiertes E/A-Protokoll des in der Bürokommunikation heimischen Netzwerks
mit seinem unberechenbaren Netzzugriffsmechanismus CSMA/CD (Carrier
Sense Multiple Access/Colli­
sion De­
tec­tion). Damals keimte die Hoffnung
nach einem Ende des Feldbuskriegs
und nach einem einheitlichen, standardisierten und herstellerunabhängigen
E/A-Netzwerk auf. Doch auch hier zeigte sich bald, dass die großen Hersteller
von Automatisierungstechnik jeweils ihr
eigenes Konzept hatten. Geblieben ist
nur die einheitliche passive EthernetNetzwerkhardware. Aber schon ­diese
bietet Vorteile im Vergleich zu den
„­alten“ Feldbussen: Die meisten Ge­räte
der E/A-Ebene mit höheren Schutzarten
verfügen über einen genormten Industrial-Ethernet-M12-Stecker mit D-Codierung. So können beidseitig gleiche, vorkonfektionierte Leitungen (Patch-­Kabel)
verwendet und Installationsfehler, be-
Drehgeber aus
dem Haus TWKElektronik mit
Profisafe über
ProfinetSchnittstelle
sonders bei der Schirmanbindung, vermieden werden.
DIP-Schalter zum Einstellen von Adresse oder Abschlusswiderständen, wie
bei den Feldbussystemen üblich, sind
unnötig geworden. Bei Profinet wird für
jedes Gerät bei der Projektierung ein
Name vergeben, der im Flash abgelegt
wird. Die IP-Adresse wird automatisch
vergeben. Hat man bei der Projektierung die Topologie des Netzes festgelegt, wird der Name bei einem Gerätetausch auch wieder in das Austauschgerät geschrieben. Dadurch müssen
weder Speicherkarten oder Set-Stecker
gewechselt noch muss mit dem Programmiergerät eingegriffen werden. Bei
Ethercat bestimmt die Reihenfolge der
Geräte im Bus die Adressierung.
Einschränkungen, die bei allen Feldbussen unterschiedlich waren, wie die
eingeschränkte Anzahl der Teilnehmer,
Repeater, Stichleitungslängen, verschiedene Leitungslängen und Baud-Raten,
gehören mit den Ethernet-basierten
Schnittstellen der Vergangenheit an.
Die maximale Entfernung zwischen
zwei Teilnehmern beträgt 100 m bei
einer fixen Baudrate von 100 Mbit/s.
Profinet-Drehgeber von TWK unterstützen außerdem das Medien-RedundanzProtokoll, sodass der Aufbau eines
Drehgeber mit
Profinet- oder
EthercatSchnittstelle
6
re­dundanten Rings mit einer einzigen
Rückleitung zum Master möglich ist.
In den höheren Schichten des ISO/
OSI-Modells hören jedoch die Gemein­
samkeiten auf. Oberhalb des EthernetTelegramms herrschen unterschiedliche Philosophien. Während bei Ethercat
nur ein Ethernet-Telegramm, ähnlich
dem Summenrahmenprotokoll von
Interbus, umläuft, aus dem alle Teilnehmer ­ihre Daten herausholen bzw.
schreiben, transportiert Profinet die
E/A-Daten über das eigene ProfinetRealtime-Protokoll direkt auf EthernetEbene und Ethernet/IP wiederum über
sein CIP-Protokoll via TCP/IP. Durch die
höhere Protokolleffizienz bei Ethercat
ergibt sich ein leichter Vorteil in der
Performance gegenüber den anderen
Systemen.
Zur Vermeidung von Kollisionen und
für Zykluszeiten im Millisekundenbereich setzen Profinet und E
­ thernet/IP
auf „switched Ethernet“, während diese
bei Ethercat systembedingt erst gar
nicht auftreten können. Für harte Echtzeitbedingungen mit einem Jitter unter
1 µs und Zykluszeiten im Bereich von
10 µs benutzen alle das nach IEEE
1588 genormte Verfahren zur Uhrzeitsynchronisation bei verteilten Uhren
(Distributed Clocks). So können Sendezeiten abgestimmt und Stausituationen in den Switches vermieden w
­ erden.
Doch auch bei der Diagnose der
Netzwerkverbindung haben Ethernetbasierte Geräte mehr zu bieten. So
können mit frei verfügbaren SNMP-Programmen Informationen über fehler­
hafte Telegramme aus den Teilnehmern
ausgelesen werden. Einen detaillierten
Blick auf den Telegrammverkehr bietet
das ebenfalls frei verfügbare Programm
„Wireshark“, das in seiner aktuellen
Version bereits Filter für Profinet und
Ethercat mitbringt.
4/13
Feldebene
Sichere Position mit dem „primeCAM“, wirtschaftliche Positions- und
Drehzahlerfassung für größte Wellen mit dem „HDmag flex“ von Baumer
Besonders stolz ist R. Wachendorff
auf die Entwicklung der Endra-MultiturnTechnologie, welche die Basis für die
neue Generation von Single- und Multiturn-Absolutwertgebern darstellt. „­Diese
Geber kommen ohne Pufferbatterie und
ohne Getriebe aus und sind daher wartungs- und verschleißfrei“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter. Er gibt
an, dass mittlerweile mehr als 15 000 Geräte mit dieser Technologie weltweit im
Einsatz sind. Die Referenzliste reicht von
„normalen“ industriellen Anforderungen,
wie im Aufzugsbau, bei Hallenkränen, in
Verpackungsmaschinen oder Regallagerautomaten, bis hin zu technisch anspruchsvolle Anwendungen, zum Beispiel
in LKW-Kränen, fahrerlosen Transportsystemen direkt am Antrieb oder kommunalen Arbeitsmaschinen. „Besonders stolz
sind wir darauf, dass unsere Endra-Multi­
turn-Technologie auch für den Einsatz in
einer Anwendung in einem Flugzeug zertifiziert wurde.“
Basierend auf dieser Multiturn-Technologie hat das Unternehmen nun zwei Innovationen hervorgebracht. „Erstens, die
kompakteste Serie von Multiturn-Dreh­
ge­bern mit und ohne Bushaube für Profibus“, sagt er und nennt als Hintergründe:
„Deutsche Maschinen arbeiten weltweit
erfolgreich mit hoher Leistungseffi­zienz
unter häufig auch widrigen Bedingungen.
Die geringe Bautiefe von 60,7 mm unterstützt die fortschreitende Miniaturisierung und damit verbundene Platzeinsparung.“ Die neue Serie von ProfibusAbsolutwertgebern bietet auch für raue
Einsätze mit Gehäusen, welche beispielsweise salznebelfest oder lebensmittel­
www.openautomation.de
resistent sind, eine gute Lösung. Zudem
sorgt sie mit unterschiedlichen Steckerkonzepten für die optimale Integration in
die Maschinenkonstruk­tion. „Mit diesen
Produkten können unsere Kunden ihre
Maschinen kompakter auslegen, weltweit
analysieren und konfigurieren und ihre
Intelligenz dezentralisieren“; so R. Wachendorff. Als zweites Beispiel führt er
einen absoluten Drehgeber mit integrierten IO an. „Unser absoluter Drehgeber
sitzt häufig als Sensor direkt am Motor
oder an Punkten, an denen weitere Parameter gemessen werden müssen“, sagt
er und verdeutlicht zum Hintergrund:
„Gerade, wenn sich der Herstellungsprozess immer näher an den physikalischen
Grenzen bewegt, oder wenn sicherere
Abläufe bezüglich dem Schutz vor Unfällen und Fehlbedienungen eingerichtet
werden sollen, benötigt die Steuerung
mehr Informationen über den Prozess,
um sorgfältig handeln zu können.“ Daher
seien häufig weitere Sensoren installiert,
zum Beispiel Temperatur-, Schwingungs,
Positions- oder Drucksensoren. Damit
die Leitungen der Sensoren nicht einzeln
durch die Maschine bis zur Steuerung geführt werden müssen, erfolgt oft die Zusammenfassung mehrerer Sensoren in
einer IO-Box. Sie erfasst die Signale und
gibt diese zum Beispiel als CAN-Bus-Sig­
nal über eine Leitung an die Steuerung
weiter. „Wir haben Universal-IO direkt in
den geringen Bauraum des Drehgebers
integriert. Über zwei unterschiedliche
Adressen können sowohl der Drehgeber
als auch bis zu drei frei programmierbare
analoge/digitale IO angesprochen werden. Damit lassen sich Sensoren direkt
an den Bus anbinden. Durch diesen mul­
ti­funktionalen Drehgeber erschließt sich
dem Maschinenbauer eine maximale
Flexibilität, bei optimiertem Fertigungs-/
Verdrahtungsaufwand“, nennt der Experte die Vorteile.
Als Highlight aus dem Baumer-Portfolio nennt M. Schneider den neuen
Spannbandgeber „HDmag flex“. Er ­wurde
speziell für große Wellendurchmesser
konzipiert, wird einfach wie ein Gürtel
um die Welle geschnallt und mit einem
Spannschloss fixiert. „Die Montage des
Geräts ist dadurch denkbar einfach und
selbst an den größten Wellen von nur
einer Person durchführbar“, sagt der
Spezialist und nennt als Vorteile: „Die
Welle bleibt dabei vollständig montiert
und Kosten für Demontage oder mechanische Anpassungen fallen erst gar nicht
an.“ Der Spannbandgeber ist für beliebige, unbegrenzte Durchmesser optimiert.
„Jede Variante ist auch in Einzelstücken
sofort und ohne Initialkosten lieferbar“
informiert M. Schneider und verdeutlicht:
„Dies ermöglicht das zum Patent angemeldete Konzept: Die magnetische Präzisions-Maßverkörperung wird passend
zum Umfang der gewünschten Welle
hergestellt. Verstellbare Abtasteinheiten
am Abtastkopf sorgen für eine optimale
Sensoranordnung. Die intelligente Echtzeit-Signalverarbeitung liefert jederzeit
die gewählte Signalauflösung sowie ein
optionales Drehzahlsignal – und zwar
unabhängig vom Wellendurchmesser und
von Toleranzen im laufenden Betrieb.“
Als weiteres Baumer-Highlight nennt er
den einzigartigen SIL2-Getriebeendschalter „primeCAM“, der in Kooperation mit
dem Getriebe-Endschalter-Spezialisten
B-Command entwickelt wurde und der
ihn auch exklusiv vermarktet. Er erfasst
elektronisch die sichere Absolutposition
über 4 096 Umdrehungen auf Grundlage
der neuesten Generation der innovativen Touchless-Multiturn-Technologie. Bei
Über­
schreiten vordefinierter Bereiche
übernimmt „primeCAM“ sicherheitsrelevante Steuerungsfunktionen für Anwendungen mit funktionaler Sicherheit
durch Schalten von bis zu acht sicheren
Relaisausgängen. Dies ermöglicht eine
einfache Integration in nahezu jedes
Sicherheitskonzept, da sichere IO auf
Steuerungsseite zur Auswertung genügen. Positionsrelevante Sicherheitsfunktionen sind so ohne komplexe Protokolle
oder steuerungsseitige Vergleiche realisierbar.
www.baumer.com
www.tr-electronic.de
www.twk.de
www.wachendorff.de
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