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Persönliche Erklärung
Die Sportmedizin der Universität Freiburg war in den 70iger bis 90iger Jahren
ein Zentrum der bundesdeutschen Dopingszene. Umso erfreulicher war es,
dass Ende 2009 der Vorsitz der Evaluierungskommission Prof. Letizia Paoli
angeboten wurde, einer international renommierten Kriminologin und
Mafiaspezialistin, den sie seitdem inne hat. Sie erfüllte und erfüllt diese
Aufgabe mit großem Engagement, gründlich und mit hoher Kompetenz.
Zunächst war erstaunlich, dass der Untersuchungsauftrag die Person des
bedeutendsten bundesdeutschen Sport- und Dopingarztes, Prof. Dr. Armin
Klümper (über 30 Jahre in Freiburg tätig) nicht den Untersuchungsauftrag
eingeschlossen hat. Frau Paoli kämpfte – gemeinsam mit der Kommission – für
einen umfassenden Auftrag, der die Person von Klümper und sein Wirken
mitenthielten (Keul, König und Scharnagl hatten ihn 1999 in ihrer Geschichte
der deutschen Sportmedizin allerdings nicht erwähnt). Sie schuf sich damit
viele Feinde.
Weitere Feinde schossen sich auf sie ein nach ihrem Hinweis auf einen
möglichen Plagiatsfall des früheren Leiters der Freiburger Sportmedizin, Prof.
Dr. Hans-Hermann Dickhuth (und von einem halben Dutzend anderer
Sportmediziner). Der Plagiatsfall Dickhuth ist inzwischen durch die Gremien
der Universität und das Wissenschaftsministerium bestätigt worden; die
Untersuchung der weiteren Fälle steht noch aus.
Angesichts dieses hohen Engagements und nachgewiesener Erfolge bei der
Aufklärungsarbeit war und ist es umso erstaunlicher, welche diskriminierende
Behandlung Frau Paoli durch das Rektorat und das Klinikum der Universität
erfahren hat, zuletzt deutlich in dem in der Badischen Zeitung (BZ) am 21.10.
veröffentlichten Interview mit Rektor Prof. Dr. Schiewer.
In einem langen Telefonat vor wenigen Tagen hatte ich zunächst den Eindruck
gewonnen, dass der Rektor kompromissbereit ist. Das Interview in der BZ zeigt
nun das genaue Gegenteil: Mit seiner harten Haltung versucht er die
Kommissionsvorsitzende weiter in den Rücktritt zu treiben, den sie aufgrund
der skandalösen Nicht-Unterstützung durch die Universität in Aussicht gestellt
hatte.
Zu hinterfragen ist zudem: Warum telefoniert der Rektor immer wieder mit
einzelnen Kommissionsmitgliedern, spricht aber seit dem 12. September 2013
nicht mehr mit der Kommissionsvorsitzenden? Im BZ.-Interview behauptet der
Rektor, alle Wünsche der Kommission seien erfüllt worden. Dies ist falsch. Frau
Paoli hat das in einem über 100seitigen Rechenschaftsbericht dokumentiert.
Ich habe in einem Kompromissvorschlag am Montag dieser Woche eine
Reduzierung der unerledigten Anfragen auf drei zentrale Punkte ins Spiel
gebracht und einige Tage zuvor den Vorschlag eines weiteren Runden Tischs
unter Vorsitz von Frau Ministerin Bauer zur Entschärfung der Situation
gemacht. Beide Vorschläge blieben ohne Reaktion.
Ich muss daraus den Schluss ziehen, dass der Wunsch nach dem Platzen der
Evaluierungskommission größer ist als der Wunsch nach einer sinnvollen
Beendigung der seit fast fünf Jahren geleisteten intensiven Arbeit.
Rektor Schiewer sagte in dem Interview mit der Badischen Zeitung: „Ich kenne
keine Stimme von Kommissionsmitgliedern – ausgenommen der Vorsitzenden
Paoli -, die behaupten, die Uni würde irgendetwas blockieren oder
ausbremsen.“ Dies ist falsch: Wenn die Kommissionsvorsitzende sich im
Namen der Kommission äußert, spricht sie im Namen aller
Kommissionsmitglieder, ich brauche dann nicht noch extra meine
entsprechende Meinung dazu äußern. Ich sehe dies als infamen Versuch an,
die Kommissionsmitglieder auseinanderzudividieren.
Rektor Schiewer vermittelt in dem Interview den Eindruck, als seien alle
relevanten Gutachten fertig und müssten nur noch in einer einzigen Sitzung
abgesegnet werden. Dies ist falsch. Zwar sind zwei Gutachten fertig und
wurden an die Universität weitergeleitet, von dieser aber bisher nicht
veröffentlicht. Vom Gutachten Klümper gibt es eine noch nicht abgestimmte
und von der Kommission angenommene Fassung (400 Seiten), vom Gutachten
Keul liegt ein Rohentwurf vor weit über 300 Seiten).
Und allein diese umfangreichen Gutachten sollen in einer einzigen Sitzung
durch die Kommission einfach abgenickt werden? Ist das unsere Aufgabe als
Wissenschaftler, die von der Politik und der Öffentlichkeit den eindeutigen
Auftrag der umfassenden Aufklärung bekommen haben?
Rektor Schiewer meint, in der gemeinsamen Sitzung im
Wissenschaftsministerium am 12. m September 2013 seien alle
Missverständnisse ausgeräumt worden. Um es deutlich zu sagen: Es handelte
sich dabei nicht um Missverständnisse, sondern um Anfragen und Forderungen
der Kommission aus einem ersten Rechenschaftsbericht von Anfang 2013.
Diese wurden weder beantwortet , noch wurde auf sie eingegangen, sondern
sie wurden von Frau Paoli „auf Eis gelegt“, um mit der Kommissionsarbeit
fortfahren zu können.
Seitdem sind neue Anfragen und Forderungen hinzugekommen, die ebenfalls
unbeantwortet blieben. Wenn z.B. vier Jahre lang nach dem Verbleib der Akten
des früheren Leiters der Abteilung Sportmedizin, Prof. Dr. Keul, geforscht wird
und diese dann plötzlich nur Monate vor dem ursprünglich vorgesehenen Ende
der Kommissionsarbeit zum September 2012 auftauchen (drei Regalmeter!
Angeblich gebunkert in der Garage der Abteilungsleiterin des Rektorats Frau
Seelhorst!), dann stellt sich die Frage der Verantwortung und nach den
fehlenden Konsequenzen.
Sollte es zu einer eigentlich sinnvollen Einrichtung einer „Forschungsstelle
Sportmedizin Freiburg“ kommen, die nach Abschluss unserer Evaluationsarbeit
die rein wissenschaftliche Arbeit fortsetzen wird, dann ist zum einen rechtlich
nicht geklärt, ob entsprechend von der Universität 2010 angeforderter
Rechtsgutachten überhaupt Unterlagen an die Stelle übergeben werden
können oder vernichtet werden müssen. Zudem ist die Frage der
Unabhängigkeit einer solchen Stelle vom Rektorat oder sonstigen Stellen der
Universität wie der Medizinischen Fakultät sowie vom Universitätsklinikum
völlig offen.
Deshalb bleibt für mich nur die eindeutige Feststellung: Ich stehe voll und ganz
hinter der Position der Kommissionsvorsitzenden Prof. Dr. Letizia Paoli.
Prof. Dr.Gerhard Treutlein
Heidelberg, den 23.10.2014
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Seele and Geist
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