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Erzähl mir was - Ernste und heitere Geschichten. Karl Milton II

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Erzähl mir was - Ernste und heitere Geschichten.
Karl Milton II
Herausgeber:
Matthias A. Halbow / Im Sperber 2 / 60388 Frankfurt/M
Mobil 0173 – 660 – 9410 / Fax: 0 61 09 / 72 38 47
email: karl@halbow.com // www.halbow.com
Druckerei:
Joachim Lutz / Bruno-Dressler-Straße 9b / 63477 Maintal/Tel. 06109 / 3 68 18
Alle Rechte vorbehalten / ISBN: 978-3-00-040681-4
Inhaltsverzeichnis.
Patres mit großen Bärten
3
Kartoffelpuffer
5
Pfarrer Wessendorft mein Schutzengel und Lebensretter
7
Schwermut am Weihnachtsbaum. Was wird aus unserer Seele?
10
Die Pille und ihre Probleme
13
Heiliger Abend in La Paz
35
Griesgram (2 Weihnachtsgeschichten)
48
Eine Traumreise in die Vergangenheit
57
Chu-Chu der Zwerg, Raumschiff in Not
60
Rückkehr zum Glauben
85
Der Kongress. Dr. Sandon`s Zweifel
89
Utopie, Chris auf Terra
92
Buchvorstellung Karl Milton II
98
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Literarisches Vorwort
Die Lebensfrage
Rentner Gus plagen Zweifel an seinem Glauben an Gott, obwohl er an
sich recht gläubig ist. Durch Nachdenken und im Gebet findet er ihn
und damit auch seinen inneren Frieden.
Rentner Hagestolz merkt nicht, wie er sich seiner Familie entfremdet. Er
kommt aber zur Einsicht und wird ein Gut- Opa, den alle lieben.
Chu-Chu ist ein uralter Zwerg, der seit undenklich langer Zeit Kindern hilft,
die in Not sind. Auf dem Planeten Terra will er helfen, denn sein Einsatz ist
dringend notwendig. Er schafft es nicht allein. Die Jungen Hein und Jo
unterstützen ihn. Im Nu überbrücken sie alle Entfernungen. Sie verhindern,
dass ein Raumschiff abstürzt und erleben tolle Abenteuer
Opa Gustav hat Sorgen.
Seine Enkelin ist schwanger. Sie fragt ihren Opa um Rat. So beschäftigt er
sich mit den Themen der Abtreibung und dem Gebrauch der Pille. Er hat
Gewissensbisse und fühlt sich schuldig, denn sie hat abtreiben lassen.
Die Geschwister Mike (11) und Walli (9) erleben Weihnachten in der
Fremde.
Ihr Vater leitet in Südamerika die von der Uno neuerbaute Sternwarte. An den
Feiertagen kann er nicht heimfahren und seine Familie kommt zu ihm. Die
Kinder erleben tolle Abenteuer, da sich die Sternwarte in einem Krisengebiet
befindet, in dem Gesetzlose sich verstecken. Die Probleme lösen sich und sie
feiern mit den Einheimischen das schönste Weihnachtsfest ihres Lebens.
Auf der Suche...
Der Rentner Gus war in seinem Leben ein gläubiger Mann. Im hohen Alter
quält ihn der Gedanke, ob es einen Gott überhaupt gibt. Er ist auf der Suche
nach der Wahrheit. In vielen Geschichten denkt er nicht ,mehr an Gott und
zweifelt an ihn. Aber Gott belohnt ihn, denn er findet zum Glauben und damit
zu seinen inneren Frieden zurück
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Einiges über den Autor
Karl Milton
Als im Jahr 1924 Karl Milton in dem Dorf Bergen bei Frankfurt geboren
wurde, war die Inflation gerade vorbei. Er kann sich an die Notzeit in seiner
Kindheit erinnern. Das Tausendjährige Reich hat er bis zum bitteren Ende
miterlebt. Der 7. Mai 1945 war sein 21. Geburtstag. Dieser war der Tag der
Kapitulation, an dem er volljährig wurde. Vorher hatte er als jugendlicher
Unteroffizier Verantwortung für Waffen gehabt, mit denen er andere
Menschen töten musste.
Nach zweijährigem Studium auf der Frankfurter Universität arbeitete er vier
Jahrzehnte als Wirt und Hotelier in dem elterlichen Betrieb und hatte keine
Zeit für private Gedanken.
Im Ruhestand begann er sich über sein Leben, seinen Glauben und seine
Mitmenschen Gedanken zu machen, die er in seinen Büchern niederschrieb.
In den ersten Geschichten spiegeln sich Erinnerungen an die Kindheit
und Jugend.
Erinnerungen an die Kindheit. Heiliger Abend. Patres mit großen Bärten.
Elternhaus von Karl Milton
In dieser Geschichte will ich Ihnen von dem Heiligen Abend erzählen, so wie
ich ihn als Kind erlebt habe. Weihnachten ist ein religiöses und somit auch
kirchliches Fest. Damit Sie die Handlung verstehen, muss ich Ihnen erzählen,
wie unsere Familie in die katholische Kirche unseres Dorfes eingebunden
war.
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1920 kamen meine Eltern von Amerika
und haben 1921 die
Ausflugsgaststätte „Schöne Aussicht“ gekauft. Meine Mutter war in Fulda
geboren und streng katholisch aufgewachsen. In unserem Dorf gab es nur
wenige Katholiken. Die Bewohner waren Protestanten. Nur die Zugezogenen,
die meistens von der Rhön kamen, waren katholisch. Zwischen den Dörfern
Bergen und Enkheim wurde 1920 eine kleine katholische Kirche gebaut, hatte
aber keinen eigenen Pfarrer. Jeden Sonntag kam Pfarrer Scherer von
Seckbach mit seinem Fahrrad und hielt die „Heilige Messe“.
Pfarrer Scherer kam auch aus Fulda. Sein Vater war der Lehrer von meiner
Mutter. Wann er in unserem Dorf etwas zu tun hatte, war er bei uns zu Hause
und hat selbstverständlich mit uns am Familientisch gegessen, natürlich als
Gast. Zu Weihnachten hat er sich revanchiert und jeden der Familie fürstlich
beschenkt. So bekam mein Vater regelmäßig seinen Tabakbedarf für ein
ganzes Jahr, obwohl meine Mutter immer dagegen protestierte. Am Heiligen
Abend hatte er Schwierigkeiten. Zur Christmette um Mitternacht konnte er
nicht gleichzeitig in Seckbach und in Bergen sein. Patres aus GroßGrotzenburg haben ausgeholfen. Sie reisten schon am Nachmittag an und
haben im Kreis unserer Familie den Heiligen Abend verbracht.
Ehemalige katholische Kirche zwischen Bergen und Enkheim
Die Christmette.
Die Christmette in unserer Kirche zwischen den Dörfern Bergen und Enkheim
wurde von Patres aus Groß-Grotzenburg zelebriert. Ich erinnere mich
deshalb so genau daran, da sie große schwarze Bärte trugen. Heute weiß
ich, dass es junge Männer waren, die mir nur durch die Bärte so alt
vorkamen. Sie feierten das Weihnachtsfest mit uns. Sie kamen schon am
Nachmittag an und hielten sich bei uns auf. Meine Eltern hatten sie auch zum
Essen eingeladen. Aber erst gab es die Bescherung in der Veranda, das war
einer unserer Gaststättenräume mit großen Glasfenstern. Dort stand ein
großer Weihnachtsbaum, der bis an die Decke reichte. Dann saßen wir
zusammen in unserem Wohnzimmer. Als Kleinkind musste ich mich bis zur
Mitternachtsmesse wieder hinlegen. Aber ich brauchte nicht ins Bett zu
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gehen, sondern meine Mutter machte mir ein Lager auf dem breiten Sofa in
unserer Wohnstube. Ich wollte den Gesprächen der Erwachsenen zuhören,
schlief aber meist bald ein. Ich denke noch heute daran, da die Patres so
richtig lachen konnten und lustige Späße und Anekdoten erzählten. Sie
schienen andere Menschen zu sein als ein paar Stunden später, wenn sie bei
der Predigt in der Christmette mit feierlicher Miene ernste Worte sprachen
Kartoffelpuffer.
Zum ersten Mal im Leben am Heiliger Abend in der Fremde.
Die Zeit drehe ich zurück. Es ist ein Tag vor dem Heiligen Abend 1942 und
ich feierte zum ersten Mal Weihnachten nicht bei meinen Eltern. Um das
Vaterland zu retten, hatte ich mich als Kriegsfreiwilliger gemeldet. Zehn
Monate trug ich nun schon die Uniform und befand mich bei einer kleinen
Truppe in Südfrankreich, was gerade besetzt worden war. Wir hatten die
Aufgabe in Istres bei Marseille auf einem Flugplatz die von Marokkanern
benutzten Kasernen bewohnbar zu machen. Die Verpflegung war miserabel.
Wir hatten Hunger oder Kohldampf, wie es in der Landsersprache heißt.
Neben unser täglichen Ration bekamen wir zum Mittagessen ein halbes
Kochgeschirr mit dünner Suppe, in der einige Brocken Kartoffeln und Kohl
schwammen.
Am Tag vor dem Heiligen Abend gab es „Helle Aufregung“. Unsere Stube
bewohnten wir mit zwölf Mann. Zwei von uns hatten an diesem Tag einen
Lastwagen mit Kartoffeln abgeladen und die Säcke in den Keller der Kantine
geschleppt und das knapp über dem Boden liegende Fenster offen gelassen.
Das war die Chance, um einmal satt zu werden. Gemeinsam wurde
beschlossen, zwei kleine Säcke mit Kartoffeln zu organisieren. Für den, der
es nicht weiß, “organisieren“ ist die vornehme Bezeichnung für das Wort
“stehlen“, das so kriminell klingt. Es wurden Lose gemacht. Jeder konnte
wählen, welches er nehmen wollte. Ich habe vorher schon geahnt, dass ich
das Glückslos ziehen würde und die Kartoffeln klauen müsste. Lieber hätte
ich zwei Tage Schwerstarbeit gemacht, als mich als Einbrecher zu betätigen.
Aber es gab kein zurück. Meinem Kollegen und mir drückten sie ein
Säckchen in die Hand, die wir mit etwa je 15 Pfund füllen konnten. Wir
schlichen uns nach außen. Wegen der Verdunkelung gab es zwischen den
Kasernen nur eine ganz dürftige Notbeleuchtung. Um keiner Streife oder dem
wachhabenden Offizier in die Hände zu geraten, bewegten wir uns äußerst
vorsichtig. Bald standen wir vor dem kleinen Kellerfenster. Da die Kollegen
die Flügel nur leicht angelehnt hatten, konnten wir sie leicht aufdrücken. Die
Öffnung war nicht groß. Aber wir waren sportlich und gelenkig und gelangten
ohne Schwierigkeiten zu den Kartoffeln, obwohl es finster war. War hatten
zwar eine Taschenlampe, benutzten sie aber nicht. Wir schnitten einen der
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großen Säcke auf und füllten unsere kleinen. Mit größter Vorsicht traten wir
den Rückweg an. Die Kameraden haben uns als Helden gefeiert, als hätten
wir eine Festung gestürmt.
Kartoffelpuffer.
Nun konnten wir uns Kartoffelpuffer machen. Wir benutzten zum Heizen
unserer Stube einen kleinen Kohlen oder Kanonenofen, wie er auch genannt
wurde. Die Ofenplatte brachten wir zum Glühen. Die Kartoffel wurden
geschält und mit einer Reibe zerrieben. Die Masse füllten wir in einen kleinen
Sack, damit die Flüssigkeit abtropfen konnte und würzten sie mit einer
kleinen Prise Salz. Ohne Fett oder sonstigen Zusätze wurde die Masse in
kleinen Plätzchen auf die glühende Ofenplatte gelegt. Die hergestellten
Kartoffelpuffer schmeckten so gut, dass wir glaubten, nie bessere gegessen
zu haben.
Schlussgedanken.
Wenn der Landser satt ist, ist er zufrieden. So haben wir mit unserem
Schicksal nicht gehadert und freuten uns auf den kommenden „Heiligen
Abend“, der mir etwas besonderes gebracht hat, womit ich nicht rechnete.
Das werde ich Ihnen noch erzählen.
Heiliger Abend 1942.
Für Heimweh hatte ich keine Zeit, da wir immer auf Trab gehalten wurden.
Nach dem Dienst wurde mir schwer ums Herz. Ich hätte heulen können. Vor
dem Abendessen legte ich mich noch einmal kurz hin.
Ich dachte an meine Eltern, die vermutlich traurig zu Hause saßen und
grübelten. Ich war tief bedrückt, als ich zu unserer Kantine ging. Aber ich
wurde überrascht. Jeder von uns bekam eine Essensmarke, denn heute am
Heiligen Abend sollte es etwas besonderes geben. Erwartungsvoll stellte ich
mich an. Es gab Rippchen mit Kraut und Kartoffelbrei.
So eine Riesenportion hatten wir seit Wochen nicht bekommen. Als ich mich
auf meinen Platz setzte, staunte ich noch mehr. Meine Essensmarke hatte ich
noch in der Hand. Warum? Das wusste ich nicht. Was tun?
Heute könnte ich um keinen Preis eine zweite Portion essen. Aber ich war
jung. Ohne zu zögern holte ich mir noch eine zweite Portion.
Mit dem Hunger waren alle trübseligen Gedanken verschwunden und ich
dachte wieder mit Optimismus an die kommende Zeit.
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Wieder Optimismus
Heiliger Abend 1944.
Pfarrer Wessendorft war mein Schutzengel und Lebensretter.
Der Krieg war auf seinem Höhepunkt. Tausende Bomber flogen täglich nach
Deutschland, um unsere Städte zu zertrümmern. Feindliche Heere näherten
sich vom Osten und Westen unseren Grenzen. Tod und Elend, wohin man
schaute. Deserteure wurden ohne Gnade und ohne Prozess standrechtlich
erschossen. Beinah wäre ich in diesen Trubel geraten, denn ich hatte mich
von meinem Flaktrupp entfernt, um kurz meine Eltern zu besuchen und
konnte meine Kameraden nicht mehr finden. Aber ein Schutzengel hat mich
am Heiligen Abend gerettet. Im Einzelnen will ich davon berichten.
Pfarrer Wessendorft mein Schutzengel.
Der Schutzengel erschien mir in der Gestalt von Pfarrer Wessendorft, der mir
in meiner größten Not geholfen hat. Karl Wessendorft war Pastor der
evangelischen Kirche in Bergen. Für Generationen war er der Mann, der die
Heiratswilligen traute oder die tröstenden Worte bei der Beerdigung sprach.
Er wirkte in seiner Erscheinung aufrecht, ernst, zurückhaltend und väterlich.
Da meine Familie katholisch war, hatten wir keinen persönlichen Kontakt. Ich
grüßte ihn zwar, aber näher kannte ich ihn nicht, obwohl ich ihn fast täglich
sah, wenn er mit aufrechtem Gang zur Kirche ging, die sich unmittelbar
neben unserem Haus befand. In den letzten Kriegsjahren arbeitete Herr
Wessendorft als Hauptmann der Wehrmacht auf der Bahnhofskommandantur
am Frankfurter Ostbahnhof.
Zu unserer Geschichte:
Militärtransport nach Frankfurt.
Ich war bei der Eisenbahntransportflak. Drei Güterwagen waren bestückt mit
einem Vierling und zwei Sologeschützen 2cm. Dieser Flaktrupp fuhr hinter
den Lokomotiven und hatten die Aufgabe, diese und den Zug, meistens
Truppentransporte
und Munitionszüge,
vor Angriffen feindlicher
Jagdflugzeugen zu schützen. Im Dezember 1944 sollten wir einen
Militärtransport nach Frankfurt begleiten. So stand es auf unserem
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Einsatzbefehl. Meine Freude war groß, denn ich konnte damit rechnen,
meinen Eltern einen Blitzbesuch abstatten zu können. Was so freudig
begann, hätte beinah verhängnisvoll geendet. Am Bahnhof Friedberg stoppte
unser Zug. Es hieß, dass wir unseren Transport nicht direkt in Frankfurt,
sondern in der Nähe abgeben müssten. In der Regel dauert es ein bis zwei
Tage, bis uns wieder eine Rückfahrt mit einem anderen Transport
zugewiesen wird. Mein Freund Hans, der den Flaktrupp führte, meinte, dass
ich die Zeit nutzen und heimfahren solle. Das war sozusagen ein illegaler
Urlaub oder in der Militärsprache eine unerlaubte Entfernung von der Truppe.
Ich verabredete mit Hans, dass er mich anruft, wenn der Flaktrupp
ausrangiert wird.
In jugendlicher Unbekümmertheit habe ich mich abgesetzt,und bin in einen
Zug Richtung Frankfurt gestiegen, der an jeder Station hielt. Aber oh Schreck,
ich sah zwei Kettenhunde in dem Zug. Das waren Soldaten mit Stahlhelmen,
die an der Brust ein Metallschild trugen. Sie hatten die Aufgabe, die
Wehrmachtsangehörigen zu überprüfen, ob sie gültige Fahrausweise
besitzen. Wie in einem billigen Krimi wechselte ich die Abteile, um den
Brüdern nicht in die Hände zu fallen. Zum Glück hielt der Zug vor dem
Frankfurter Hauptbahnhof auf freier Strecke, da er keine Einfahrt hatte.
Schnell sprang ich heraus. Da ich mich im Vorortbereich von Frankfurt
befand, konnte ich mit der Straßenbahn bis Bergen fahren.
Die Geschichte, die so schön begonnen hatte, wurde mir bald brenzlig.
Obwohl es herrlich war, für ein paar Stunden zu Hause zu sein, hatte ich mein
Abenteuer bald bereut, denn es drohte einen schlechten Ausgang zu
nehmen. Ich saß zu Hause wie auf heißen Kohlen. Nach der ersten freudigen
Begrüßung meiner Eltern wartete ich auf den Anruf meines Freundes Hans.
Ich musste ja wissen, wo ich meine Kameraden wiederfinden konnte. Ich
wartete einen Tag, zwei Tage. Am dritten wurde ich unruhig und machte mir
schlimme Selbstvorwürfe. Unser Telefon besetzten wir Tag und Nacht. Wir
wollten das Klingeln nicht überhören. Am fünften Tag morgens um 8 Uhr kam
der erlösende Anruf. Hans sagte, ich solle sofort zum Bahnhof JenaGöschwitz kommen. Dort ging morgen Mittag unser Transport Richtung
Holland. Das Datum weiß ich genau, denn es war der Vormittag des Heiligen
Abends 1944, als ich mit Hans am Telefon sprach.
Jetzt kam die große Frage, wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach
Thüringen kommen kann, ohne geschnappt zu werden, wenn man keine
Papiere hat. Ich wollte mich in Güterzügen oder auf Lokomotiven dorthin
schmuggeln. Trotzdem musste man immer damit rechnen, dass es schief
geht. Bei unerlaubter Entfernung von der Truppe ist mancher erwischte
Landser mit dem Tod bestraft worden, denn am Ende des Krieges wurde mit
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solchen Exekutionen nicht lange gefackelt.
Mit meinen Eltern machte ich einen letzten Gang zum Friedhof. Dann wollte
ich mein Glück versuchen, um meine Kameraden zu finden. Wir befanden
uns auf dem Bürgersteig der Marktstraße neben dem Gasthof Goldner Engel,
als auf der anderen Straßenseite ein Hauptmann aufrecht daher schritt. Es
war Pfarrer Wessendorft in Uniform. Meine Mutter rief laut über die Straße:
„Herr Pfarrer, Herr Pfarrer“. Jetzt kam er zu uns. Ich stand zackig und hob die
Hand zum militärischen Gruß. Doch er bat mich, nicht stramm zu stehen und
fragte jovial freundlich, ob wir ein Anliegen hätten. Ich stammelte mehr als ich
sprach und sagte, dass ich nach Jena müsste und keine Papiere hätte. Er
sagte, dass er auf dem Weg zum Ostbahnhof sei. Ich solle auf der
Dienststelle nach ihm fragen. Selbstverständlich würde er mir helfen. Damit
ich rechtzeitig hinkäme, würde er mir eine D- Zug-Bescheinigung geben.
Ev. Kirche in Bergen
Nur ein kleiner Zettel.
Es war nur ein kleiner Zettel, den mir Herr Pfarrer Wessendorft gegeben hat.
Für mich war er mehr als Gold wert. Durch ihn konnte ich, ohne vor Streifen
Angst haben zu müssen, pünktlich zu meinen Kameraden kommen. Während
der Fahrt wurde unser Abteil dreimal kontrolliert. Ohne die Papiere hätte ich
keine Chance gehabt, unbehelligt mein Ziel zu erreichen. Wenn ich heute im
Neubaugebiet in unserem Stadtteil Bergen „Karl-Wessendorft- Straße“ lese,
werde ich an dieses Erlebnis erinnert. Ich denke an diesen großartigen
Menschen. Ich freue mich, dass ihm zu Ehren eine Straße benannt wurde.
Er hat mir das denkbar größte Weihnachtsgeschenk gemacht.
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Elternhaus von Karl Milton oben links neben der Kirche
Schwermut am Weihnachtsbaum,
Was wird aus unserer Seele?
Weihnachten mit dem Heiligen Abend und den zwei Weihnachtsfeiertagen ist
für die Familie ein Freudentag. Die Augen der Kinder und hier besonders der
Kleinen und Kleinsten leuchten und freuen sich über die Geschenke und den
brennenden Tannenbaum. Es gibt aber auch Menschen, die an Weihnachten
keine Freude haben. Oft denken sie an Verstorbene und verlorenes Glück
und fühlen sich einsam und verlassen Für sie wurde diese Geschichte
geschrieben.
Heiligabend.
Nach Einbruch der Dunkelheit versammelt sich die ganze Familie, soweit sie
noch in der näheren Umgebung lebt, bei den Großeltern. „Früher war mehr
los“, denkt Opa Gus wehmütig. Seine Gedanken ergreifen von ihm Besitz und
gehen zurück in die Vergangenheit. Die Kinder waren noch klein und steckten
mit ihrer Vorfreude und Aufregung die Erwachsenen an. Zuerst einmal
wurden die Lichter am Weihnachtsbaum angezündet, richtige Kerzen
natürlich, keine elektrischen. Danach sangen alle gemeinsam ein paar
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Weihnachtslieder. Das klang beileibe nicht schön, denn große Sänger waren
sie allesamt nicht. Und dann kam die Bescherung und danach das
Auspacken der Geschenke. Früher hatte sich Gus immer sehr auf diese
unbeschwerten Feiertage im Kreis seiner Familie gefreut. Aber heute ist er
ein wenig schwermütig.
Wie oft werde ich das Fest noch mit meinen Lieben feiern können?, fragt er
sich. Auch wenn er sich noch jung und rüstig fühlt, so weiß er doch, dass
auch für ihn die Stunde des Abschieds kommen wird. Einen guten Freund hat
er vor zwei Wochen zu Grabe getragen, man muss eher sagen zur letzten
Ruhe geleitet.
Es war eine Urnenbestattung, bei der nur die engsten Familienangehörige
und Freunde anwesend waren. Sie waren versammelt in einem engen Raum
in der Friedhofskapelle. Die Urne stand auf einem kleinen Tisch, daneben lag
ein kleines Kreuz. Der Priester kam, er sprach von dem Verstorbenen,
erzählte aus seinem Leben. Er sprach auch vom ewigen Leben und dass wir
den Toten nie vergessen werden. Da fielen Gus wieder die Worte von
Christus ein, von der Geburt, dem Leben und dem Sterben und von der
Seele, die unsterblich ist.
Als gläubiger Christ glaubt er an ein Weiterleben in irgendeiner Form nach
dem Tode. So hat er es schon im Religionsunterricht gehört, als er noch jung
war. Nur hat er sich damals keine Gedanken gemacht. Der Tod war so etwas
Fernes, dass er zwar an ihn dachte, aber in der Realität schenkte er dem
Gedanken an ihn keine Beachtung.
Jetzt aber, wo er ihm sozusagen ins Auge blickt, wird Gustav nachdenklich.
Um sein Herz zu beruhigen, will er deshalb in seiner schwermütigen
Stimmung seinen Freund Chris fragen und hofft, dass er von ihm besänftigt
und getröstet wird.
Engelchen Anne braucht ihn dieses Mal nicht zu begleiten. Neulich hat sie
zwar gesagt, sie wolle nicht sterben, als Chris vom Tod sprach, aber das hat
sie sicherlich längst vergessen. Das Leben liegt vor ihr. Der Tod und das
Abschiednehmen bereiten ihr noch keine Sorgen. Aber bei Gus ist das
anders. Er ist mehr als siebzig Jahre alt. Wie rasch sind die letzten zehn
Jahre vergangen! Es kommt ihm vor, als rase die Zeit immer schneller. Er
grübelt: Vor zehn Jahren war ich so schwer krank, war es nicht gestern? Wo
ist die Zeit geblieben? Was ist mit mir in zehn Jahren?
Diese und ähnliche Gedanken haben sich in ihm festgesetzt, belasten sein
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Herz und machen ihn schwermütig. Er ist so alt wie sein Freund, den sie
neulich bestattet haben. Ihn fröstelt und er fragt sich, wer wohl der Nächste
sein wird?
„Du fragst mich nach deiner Seele.“ Christus ist da. „Ich weiß genau, was
dich bedrückt. Aber es ist nicht einfach zu erklären. Die Seele ist kein Organ
wie das Herz oder die Lunge oder die Nieren. Und doch besitzt du eine. Dein
ganzer Körper ist durchflutet von ihr. Auch ich bin in ihr. Mit mir aber sind alle
deine verstorbenen Freunde, die es gut mit dir meinten. Es sind aber auch
die deiner Vorfahren in dir vereinigt. Mache dir deshalb keine Gedanken,
sondern bete zu mir und zu meinem Vater. Du wirst es erleben, dass du dich
wohler fühlst und alle Trübsal von dir weicht.“
„Es fällt mir schwer, dies zu verstehen“, murmelt Gus. „Ich weiß“, sagt
Christus, „ihr Menschen habt zwar Verstand, aber ihr tut euch schwer, die
Schöpfung und das Leben und das Sterben in seiner Größe zu begreifen. In
deiner Seele sind all deine Gefühle, Wünsche, Verlangen ebenso vereinigt
wie deine Liebe, aber auch Neid und Hass.“
Dem Gus wird es bange. Christus spricht weiter: „Schließe deine Augen. Bete
zu mir. Ich bin bei dir mit meiner ganzen Herrlichkeit, wenn du mich später
einmal in deiner letzten Stunde rufst. Ich werde dich mit Licht durchfluten und
bei dir sein, wenn dein Körper Abschied nimmt vom Leben.
Es nimmt nur dein Körper Abschied, nicht deine Seele. Diese werde ich
festhalten und werde mich mit ihr vereinigen bis in die Ewigkeit. Mache dir
deshalb keine Sorgen mehr.“
Gus folgt dieser Weisung. Er spricht ein Gebet und danach fühlt er sich wie
befreit und sogar unternehmungslustig.
Da es frisch geschneit hat, holt er sich seinen Mantel. Er macht noch einen
Spaziergang auf dem Höhenweg des Berger Hangs und erfreut sich an der
blütenweißen, herrlichen Natur. Verflogen sind Trübsal und Schwermut.
Freude erfüllt ihn. Er nimmt sich vor, seiner Familie die Weihnachtsstimmung
nicht zu vermiesen. In ihrem Kreis will er lustig und fröhlich sein.
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Die Pille und ihre Probleme. Schwangerschaftsabbruch
und Empfängnisverhütung.
Die Problematik erörtere ich an zwei Beispielen.
Allgemeines.
In dieser Erzählung geht es für katholische gläubige Menschen um einen
brisanten Stoff. Gustav erlebt, wie er von seiner Enkelin um Rat gefragt wird.
Sie ist schwanger, liebt aber ihren Freund nicht. Gustav rät ihr als Opa, nach
ihrem Gewissen zu entscheiden, ob sie abtreiben lässt, obwohl er aus
kirchlicher Sicht niemals so etwas hätte sagen dürfen. Sie hat abtreiben
lassen. Später lernt sie einen liebenswerten Freund kennen und die beiden
wollen Kinder haben, wenn sie verheiratet sind. Bis dahin nimmt sie die Pille.
Sie ist glücklich und schaut voller Hoffnung auf ihr Leben.
Im zweiten Fall geht es um eine Ärztin, die bei der gleichen Problematik eine
schwierige Entscheidung trifft. Es gibt einen großen Unterschied, denn sie hat
das Kind ausgetragen und einen ungeliebten Mann geheiratet. Nach zwanzig
Jahren ist die Frau geschieden und vergrämt, sieht in ihrem Leben keine
Perspektiven des Glücks. Aber sie hat eine Tochter, schön, liebenswert, wie
ein Sonnenschein, wie ein Wirbelwind des Glücks. Hätte sie abgetrieben,
würde dieser Mensch erst gar nicht leben.
Lesen sie diese Geschichte mit Genuss und fällen sie ihr eigenes Urteil. Die
Problematik ist aktuell wie eh und je.
Der Autor
Mizzi ist schwanger.
Gustav genießt den warmen Sommerabend mit seiner Frau Hildegard auf
seiner großen, am Hang gelegenen Terrasse. Von hier aus hat man einen
herrlichen Blick auf die nahe gelegene Großstadt Frankfurt mit ihren vielen
Lichtern. Am Ende des heißen Tages zeigt sich die untergehende Sonne wie
ein Feuerball am Himmel. Hildegard beschäftigt sich mit Handarbeiten. Ihre
Gedanken kreisen um ihre Familie, das sind die Söhne mit ihren Frauen und
die Enkel. Die große Familie ist ihr Lebensinhalt. Gustavs Söhne wohnen alle
in der Nähe und deshalb ist die schöne Terrasse im Sommer Treffpunkt für
die ganze Familie. Heute Nachmittag kam Enkelin Jenny, vierzehn Jahre alt,
auf einen kurzen Besuch. Freudig erzählt sie ihrem Opa: „Wir machen eine
Klassenfahrt nach Dresden, drei Tage lang!“
Gustav und Hildegard unterhalten sich über diese Fahrt: „So etwas hat es in
meiner Jugend nicht gegeben“, sagt HiIdegard, „dass Jungen und Mädchen
Seite -13-
zusammen über Nacht verreisen dürfen. Das kann doch bei allem
Wohlwollen gar nicht gut gehen. Die jungen Lehrer heute haben doch keine
Autorität mehr! Das sieht man daran, wie sie sich kleiden. Man kann sie kaum
mehr von ihren Schülern unterscheiden.“
Gustav gibt ihr Recht, aber nur um seine Ruhe zu haben. Im Grunde ist es
ihm gleichgültig, ob Jennys Klasse nun eine Fahrt macht oder nicht.
Mittlerweile ist es dunkel geworden. Seine Gedanken kreisen um andere
Dinge. Er schaut in den sternklaren Himmel. Irgendwo dort oben sind
Planeten und Sterne, über die er sich Gedanken macht, zumal der Himmel
klar ist wie selten und viele Sterne leuchtend zu sehen sind.
Hildegard ist müde und geht zu Bett. „Bleib nicht so lange auf. Morgen haben
wir einen anstrengenden Tag“, sagt sie und ergänzt noch: „Vergiss nicht
abzuschließen. Gute Nacht.“
Wenig später kommt die Enkelin Mizzi zu einem kurzen Besuch zu ihrem
Opa. Gustav ist nicht sonderlich erstaunt, obwohl es schon spät ist, als seine
Enkelin die Terrasse betritt und sich zu ihm setzt. Sie studiert Medizin und hat
bereits ihr Studium zur Hälfte abgeschlossen. Gustav mag Mizzi besonders
gern, denn sie ist ein intelligentes, aufgeschlossenes, patentes Mädchen,
immer chic gekleidet und frisiert. „Möchtest du noch ein Gläschen Wein mit
mir trinken?“, fragt er. Mizzi schüttelt den Kopf. Gustav ahnt, dass sie
Probleme hat. „Ich sehe dir an, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist“, sagt
er. „Hast du Ärger an der Uni? Na, komm Mizzi, raus damit!“ Mizzi schweigt.
Gustav spricht weiter: „Hast du Ärger mit deinen Eltern? Hast du vielleicht
Liebeskummer?“ Nach einer ganzen Weile sagt Mizzi: „Ich bin schwanger,
Opa, im zweiten Monat. Du bist der Einzige, mit dem ich darüber reden kann.
Mutti ist zwar herzensgut, aber wenn sie das hört, trifft sie der Schlag. Wie
konnte ich dumme Gans die Pille vergessen!“
Mizzi ist seit einiger Zeit mit Micha befreundet, ebenfalls Student, aber einige
Semester unter ihr. Mizzi hat ihn gerne, aber für immer will sie nicht mit ihm
zusammenleben. Ehrlich gesagt, sie kann sich ein Zusammenleben auf
Dauer mit Micha nicht vorstellen. Gustav betrachtet seine Enkeltochter eine
ganze Weile nachdenklich. Dann sagt er: „Davon geht die Welt nicht unter,
bloß weil du schwanger bist, mein Kind. Du hast deine Eltern, die dich auf
jeden FalI unterstützen werden und du hast Omi und mich. Lass uns
überlegen ...
Es gibt drei Möglichkeiten:
Erstens, du heiratest deinen Micha, bekommst dein Kind. In ein oder zwei
Jahren kannst du dein Studium fortsetzen.
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Zweitens, du bekommst dein Kind, heiratest aber nicht. Es gibt heutzutage
viele allein erziehende Mütter. Ein uneheliches Kind ist keine Schande mehr.
Omi und ich könnten das Kind betreuen. Oma hat fünf Söhne großgezogen.
Nach dem ersten Schreck würde sie hundertprozentig für dich da sein und dir
helfen, über die Runden zu kommen, wenn du durch dein Studium nicht viel
Zeit haben solltest.
Und drittens, es besteht die Möglichkeit einer Abtreibung. In diesem Fall rate
ich dir, es nicht an die große Glocke zu hängen. Deine Oma sollte davon am
besten gar nichts erfahren, es würde sie zu sehr belasten. Denke über alles
sehr gründlich nach, Mizzi. Egal für was du dich entscheidest: Mit meinem
Verständnis und meiner Unterstützung – auch finanziell – kannst du in jedem
Fall rechnen.“
Mizzi steht auf und umarmt Gustav. „Danke, Opa, ich wusste, dass ich mich
auf dich verlassen kann.“ „Du bist eine erwachsene Frau“, erwidert Gustav.
„Es ist einzig und allein deine Entscheidung, denn es ist dein Leben und du
musst es gestalten. Aber der Opa steht hinter dir. Und nun mach, dass du
nach Hause kommst!“
Nachdenklich bleibt Gustav noch eine Weile sitzen. Habe ich ihr richtig
geraten?, fragt er sich. Schließlich geht auch er zu Bett.
Drei Tage später bittet Mizzi ihren Opa zu einem Gespräch unter vier Augen.
„Ich habe mich entschieden“, sagt sie. „Ich werde abtreiben lassen.“ Gustav
hatte zwar insgeheim gehofft, die Entscheidung würde anders ausfallen, doch
er versteht seine Enkelin durchaus. Wahrscheinlich ist es die beste Lösung,
denkt er. Er hatte ihr Unterstützung in jedem Falle zugesichert und das würde
er auch großzügig tun. Für Gustav ist die Hauptsache, dass seine Frau
Hildegard nicht erfährt, dass er Mizzi nicht von der Abtreibung abgeraten hat!
Er muss über alles nachdenken und dazu braucht er Ruhe. „Komm, Waldi“,
sagt er zu seinem Hund. „Wir gehen Gassi!“ Die beiden machen sich auf den
Weg.
Gustav hat ein schlechtes Gewissen
Wenn Gustav seine Visionen mit Chris hat, spürt Waldi das auch. Er wedelt
dann freudig mit dem Schwanz, so als wenn er einen guten Bekannten träfe.
Heute aber ist er plötzlich verängstigt und duckt sich, als ob ihm Schläge
drohen. Obwohl Gustav gar nicht nach Chris gerufen hat, ist dieser mit einem
Male neben ihm. Es ist gleichsam sein schlechtes Gewissen, das in seiner
Fantasie körperliche Gestalt angenommen hat.
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„Komm, Gustav, setze dich neben mich auf diese Bank“, befiehlt Chris böse.
Gustav ahnt Schlimmes. So grimmig wie heute hat er ihn noch nie erlebt. Mit
einer Stimme, aus der größte Enttäuschung klingt, sagt Chris: „Mein bester
Freund auf Erden hat mich verraten! Du bist ein Anstifter zum Töten, denn du
hast deiner Enkelin einen Freibrief zum Töten ausgestellt. Du hast nicht den
geringsten Versuch unternommen, sie zu bewegen, ihr Kind auszutragen und
zu erhalten. Ich bin unendlich von dir enttäuscht!“
Ohne ein weiteres Wort entschwindet er, wie er gekommen war, im Zorn.
Gustav sitzt noch eine ganze Weile tief gedemütigt auf der Bank und muss
über diese Regung seines Gewissens nachdenken. Dann steht er auf, nimmt
den verstörten Waldi an die Leine und geht langsam weiter. Chris hat Recht,
denkt er beschämt. Seine Gedanken sind etwa so: Das Leben beginnt mit der
Zeugung. Schon im Embryo ist die Persönlichkeit vorgezeichnet. Vorhanden
sind alle Erbanlagen von Vater und Mutter. Zwar beeinflussen Erziehung oder
Erfahrung den Charakter eines Kindes, doch der Grundstock zu guten und
schlechten Anlagen ist bereits bei der Zeugung gelegt. Einem ungeborenen
Kind die Chance zu rauben, sich zu entwickeln, geboren zu werden und
leben zu können, ist Mord! Gustav denkt an Mizzi. Sie hat Eltern und
Großeltern, die sie unterstützen können und werden. Es gibt keinen Grund,
einen Schwangerschaftsabbruch zu rechtfertigen. Gustav fühlt sich schuldig,
weil er Mizzi, die sich vertrauensvoll an ihn wandte, weder bestärkt hat, das
Kind zu bekommen, noch sie dazu veranlasst hat, ihren Entschluss zur
Abtreibung noch einmal zu überdenken.
Gustav erinnert sich an einen ähnlichen Fall, den er erlebt hat und bei dem er
die Problematik einer Abtreibung kennen gelernt hat.
Es war kurz nach dem Krieg. Ein junges Ehepaar mit einem kleinen Jungen
suchte dringend eine Unterkunft und konnte keine finden. Die jungen Leute
taten ihm Leid und er stellte ihnen vorübergehend ein Zimmer zur Verfügung.
Der junge Ehemann erwies sich als ein HaIlodri. Er war oft tagelang
abwesend und kümmerte sich nicht um seine Familie. Er ging nur
unregelmäßig zur Arbeit. Wenn er aber zu Hause war, benahm er sich wie ein
Pascha. Eines Tages schließlich blieb er ganz weg und ließ seine Frau mit
ihrem Jungen einfach sitzen. Die junge Frau wusste nicht, wie sie sich und
ihren Sohn ernähren sollte. Obwohl sie wieder in anderen Umständen war,
reichte sie die Scheidung ein. Das Kind ließ sie von irgendeiner
Quacksalberin abtreiben. Sie tat Gustav Leid und er ließ sie und den Jungen
so lange in dem Zimmer wohnen, bis sie eine andere Bleibe gefunden hatten.
Über beide Fälle denkt Gustav nach. Aber er wagt es nicht, ein Urteil darüber
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zu fällen, ob die Abtreibung der jungen Frau gerechtfertigt war und ob es
richtig war, dass er sie bei Mizzi nicht verhindert hat.
Bei seiner Enkelin hat er ein ganz schlechtes Gewissen. Sie hatte nicht die
seelische und wirtschaftliche Not, die ein solcher Schritt rechtfertigt. Er fühlt
sich schuldig, weil er dem Mädchen, das sich Hilfe suchend an ihn gewandt
hatte, nicht abgeraten hat. Was ist gut? Was ist schlecht? Wie darf ich als
Christ darüber denken, urteilen?
2. Geschichte
Hier beschäftigt sich der Autor mit der Frage, wie er sich als gläubiger Christ
verhalten soll. Besonders die katholische Kirche ist strikt gegen jeden Eingriff
gegen das werdende Leben. Der Rentner Gustav hat ein ganz schlechtes
Gewissen, weil er seine Enkelin Mizzi nicht von einer Abtreibung
zurückgehalten hat, als sie ihn um Rat fragte.
Gustav im Krankenhaus
Gustav schläft. Er befindet sich in einem kleinen, weiß getünchten Zimmer.
Oben, etwa einen Meter unter der Zimmerdecke, ist der Bildschirm eines
Fernsehapparates auf ihn gerichtet. Gustav liegt nur mit einem Nachthemd
bekleidet auf einem Bett. Sein rechtes Bein ist hochgezogen und an einem
Gestell festgebunden. Neben ihm auf dem Nachtschränkchen stehen ein
Telefon und eine Vase mit frischen Blumen. Bevor er einschlief, fühlte er sich
so richtig hilflos und ohnmächtig. Als er aufwacht, denkt er: „Wie komme ich
überhaupt in dieses Zimmer und in dieses Bett?“ Er war gestürzt, konnte
nicht mehr auftreten und hatte starke Schmerzen im rechten Bein. Seine Frau
Hildegard hatte sich sehr aufgeregt, sie rief sofort Manfred, den ältesten Sohn
an, der seinerseits einen Arzt benachrichtigte. Dieser untersuchte das Bein
und veranlasste umgehend Gustavs Transport ins Krankenhaus. Nach den
üblichen Routineuntersuchungen, Röntgen, Blutabnahme usw., war er dann
in diesem Zimmer gelandet. Gustav sieht sich deprimiert um. Da er einen
komplizierten Knochenbruch hat, wird dieser Raum wahrscheinlich seine
Bleibe für die nächsten Wochen sein.
Gustav ist ein sensibler Mensch, der sich bemüht anderen Menschen zu
helfen. Es quält ihn der Gedanke, dass er seine Enkelin vielleicht falsch
beraten hat.
Die Geschichte aber geht weiter. Gustav lernt die Ärztin Frau Dr. Gisela
Sanders kennen, deren Schicksal durch diesen Problemkreis geformt worden
ist.
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Bald betrachtet er seine Handlungsweise gelassener, da er durch den Alltag
im Krankenbett davon abgelenkt wird. Da er seit Jahrzehnten selbst nicht als
Patient in einem Krankenhaus gelegen hatte, beobachtet er mit Interesse das
Leben und Treiben auf der Station. Er unterhält sich mit der Ärztin, Frau Dr.
Sanders, der er menschlich näher kommt und die ihm von ihrem Schicksal
erzählt.
Arme Ärztin
Prof. Saling, der bei Gustav im Krankenhaus morgens und abends die Visiten
macht, nimmt an einem Ärztekongress teil. In der Zeit seiner Abwesenheit
übernimmt Frau Dr. Sanders die Vertretung. Gustav, der durch seinen
Beinbruch zum Liegen verurteilt ist, hat sich gut im Krankenhaus eingelebt. Er
hat alles, was er braucht: Telefon, Fernseher und vor allem viel Ruhe. Die
jungen Schwestern mögen ihn und kümmern sich um ihn mit liebevoller
Aufmerksamkeit. Gustav genießt es, verwöhnt zu werden und hat für alle ein
liebes Wort.
Frau Dr. Gisela Sanders betritt das Zimmer. Gustav, der schon immer einen
Blick für gepflegte Menschen hatte, ist von dem Anblick der noch jungen
Ärztin fasziniert. Sie hat eine schlanke Figur, leicht gewelltes blondes Haar
und ein ebenmäßiges, gut geschnittenes Gesicht. Sie trägt einen sauberen
weißen Kittel und hinter der modischen Brille blicken freundliche blaue Augen
auf Gustav. „Ja, Herr Gustav“, sagt sie, „übermorgen ist es so weit, dann
werden Sie operiert. Danach braucht Ihr Bein absolute Ruhe.“
Sie versucht streng zu blicken, doch es gelingt ihr nicht so recht. Sie sieht,
dass Gustav vital und lebhaft ist und möchte sicherstellen, dass er sein Bein
auch wirklich schont. Sie erklärt ihm den Ablauf der Operation. Ihre Worte
sind sorgfältig gewählt und betont sachlich, doch Gustav spürt, dass sie sehr
viel Herzenswärme besitzt. Sie kommt ihm wie ein leuchtender Juwel vor, der
in einer festen Glaskugel eingeschlossen ist, dessen Wärme man ahnen,
aber nicht spüren kann, weil er diskret abgeschottet wird.
Später, als Schwester Maria auf ein Schwätzchen in sein Zimmer kommt,
fragt er sie über Frau Dr. Sanders aus. Er erfährt, dass sie geschieden ist und
eine siebzehnjährige Tochter hat. Ihr Vater war der bekannte Prof. Casco, der
lange Jahre eine Klinik in Berlin leitete. Sie lebt zusammen mit ihrer Tochter
und ihrer Mutter in der Nähe des Krankenhauses.
Gustav findet es seltsam, dass er sich so viele Gedanken über diese Ärztin
macht. Sie wirkt immer ein wenig unnahbar, streng und in sich gekehrt. Ein
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herber Zug in ihrem sonst so netten Gesicht lässt Gustav darauf schließen,
dass sie bereits einige bittere Erfahrungen hat machen müssen.
Der Name Casco kommt ihm bekannt vor. Es fällt ihm ein, dass ein
Mitschüler, der zusammen mit ihm das Abitur gemacht hat, diesen seltenen
Namen trug. Das wird doch nicht ihr Vater gewesen sein?
Als Frau Dr. Sanders am nächsten Morgen zur Visite erscheint, bittet er sie
um ein privates Gespräch. „Sie sind doch eine geborene Casco“, beginnt er,
„das ist ein sehr seltener Name.“ „Ja, mein Großvater war Italiener“, antwortet
sie. „Er hat während seines Studiums in Deutschland meine Großmutter
kennen gelernt. Sie haben geheiratet und sind nach Frankfurt gezogen.“ Frau
Dr. Sanders, die sich sehr zu Gustav hingezogen fühlt und Vertrauen zu ihm
hat, erzählt ihm ihre Lebensgeschichte. Gustav erfährt, dass sein Schulfreund
tatsächlich ihr Vater war. Als sie zweiundzwanzig Jahre alt war, wurde sie von
ihrem Freund, einem Kommilitonen, schwanger. Ihr Vater, damals schon ein
bekannter Spezialist in der Herzchirurgie, war entsetzt. Seine Tochter und ein
uneheliches Kind? Er bestand darauf, dass die beiden heirateten.
Gisela mochte den jungen Mann zwar, doch Liebe war es nicht. Sehr schnell
erwies er sich als egoistisch und arrogant. Sie fanden keine Basis für ihre
Ehe und so wurde sie bereits nach zwei Jahren wieder geschieden. Sie
trennten sich als Freunde, die zwar ihr Unvermögen einsahen, sich aber nicht
zu helfen wussten. Ihr Vater hat ihr bis an sein Lebensende vorgeworfen,
sowohl als Ehefrau als auch als Mutter versagt zu haben. Danach fehlte ihr
der Mut und auch der Wille, wieder eine neue Beziehung einzugehen, und sie
suchte ihre Erfüllung in ihrem Beruf. Dabei hatte sie sich als junger Mensch
immer sehr nach einer harmonischen, glücklichen Ehe gesehnt. Das Sexuelle
war für sie nie besonders wichtig, doch wenn keine Zärtlichkeit, sondern nur
Beruf und Pflichten den Lebensweg bestimmen, bleiben Herz und Seele auf
der Strecke. Sicher, sie liebt ihre Tochter und auch ihre Mutter, aber in ihrem
Inneren ist alles leer. Sie vermisst Gespräche mit einem liebenswerten
Partner und das Zugehörigkeitsgefühl zu ihm. Gerne würde sie wieder eine
Verbindung eingehen, ihre Interessen mit jemanden teilen können und
einfach nur glücklich sein.
Gustav hat großes Verständnis für sie. „Wenn ich aus dem Krankenhaus
entlassen werde, müssen Sie uns unbedingt einmal besuchen. Wir sind eine
große Familie, bei uns geht es locker zu, aber wenn es darauf ankommt,
halten wir zusammen wie Pech und Schwefel. Sie werden sich bei uns
bestimmt wohl fühlen!“ „Gerne!“, sagt Frau Dr. Sanders. „Danke für die
Einladung, bis morgen!“
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Gustav denkt lange über das freudlose und nicht ausgefüllte Leben seiner
Ärztin nach. Eigentlich hat ihr Vater die Schuld daran, sinniert er. Er hätte
seiner Tochter mehr Verständnis und Liebe entgegenbringen müssen,
überlegt er, und vor allen Dingen hätte er sie nicht zu dieser Ehe zwingen
dürfen. Wichtig sind nicht die so genannten RegeIn der Gesellschaft und
schon gar nicht, was die Leute denken. Bei einer Lösung ohne Zwang und
Erbitterung, aber mit Liebe hätte sich das Leben von Frau Dr. Sanders anders
entwickelt. Dabei denkt Gustav nicht an eine Abtreibung. Auch mit einem
unehelichen Kind hätte sie einen Partner finden können, der sie und auch
ihre Tochter aufrichtig liebt, und sie hätte heute nicht die Leere in ihrem
Herzen.
In Gedanken ist Gustav jetzt bei seiner Enkelin Mizzi und fragt sich, ob er
selbst alles richtig gemacht hat. „Ach, Chris“, so sagt er sich, „wir sollten
wieder miteinander reden.“ Er faltet die Hände zum Gebet.
Ihm wird immer mehr bewusst, dass die Umstände und die Auswirkungen auf
das Leben und das weitere Schicksal der Frau enorm sind. Das gilt genauso
für und gegen die Abtreibung, das heißt, sie wird mit Problemen konfrontiert,
egal ob sie abtreiben lässt oder nicht.
Babsi
Frau Dr. Gisela Sanders hält sich wieder einmal länger als normal bei dem
Patienten Gustav auf. Dieser Mann, den sie vorher nie gesehen hat, gibt ihr
etwas, was ihr in ihrem Leben immer gefehlt hat: väterliches Verständnis.
Dieses Vertrauensverhältnis wird gefördert durch den Umstand, dass der
Patient Gustav mit ihrem Vater das Abitur gemacht hat und mit ihm
befreundet war. Durch diesen Umstand hatte sie in ihrer Jugend in
Erzählungen ihres Vaters viel von ihm gehört. Er war ihr deshalb kein
Unbekannter.
Die Tochter von Frau Dr. Sanders heißt mit Vornamen Babsi. Sie ist siebzehn
Jahre alt. Da sie ihre Mutter sprechen will, ist sie ins Krankenhaus gekommen
und findet sie im Krankenzimmer des Patienten Gustav. Sie möchte ihre
Mutter um die Erlaubnis bitten, den Tag bei einer Freundin verbringen zu
dürfen. Schwester Maria schickt sie zu Gustavs Zimmer. Nach kurzem
Anklopfen tritt Babsi ein und drückt ihrer Mutter einen flüchtigen Kuss auf die
Wange. Zu Gustav sagt sie leger: „Hallo.“
Babsi ist etwas größer als ihre Mutter, hat deren blondes Haar geerbt und ist
ebenso schlank. Sie wirkt aufgeweckt, aber nicht ungestüm. In ihrem
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Aussehen gleicht sie ihrer Mutter. Sie ist das junge Ebenbild von ihr, die in
ihrer Jugend bestimmt auch diese lebendige, frische Ausstrahlung gehabt
hat.
Man merkt auf Anhieb, dass sich Mutter und Tochter gut verstehen. Ein
Mädchen, das man gern haben muss, denkt Gustav. Ebenso schnell wie sie
hereingekommen ist, verschwindet sie wieder. Beim Hinausgehen winkt sie
Gustav und ihrer Mutter zu. „Tschüss!“, und weg ist sie. Auch Frau Dr.
Sanders verabschiedet sich. „Es war wieder einmal schön, mit ihnen zu
plaudern“, sagt sie zum Abschied.
Gustav ist nachdenklich, als er wieder allein in seinem Zimmer ist. Er denkt
an Babsi Sanders. Es ist ein Gottesgeschenk, eine so schöne, intelligente
Tochter zu haben! Er fühlt sich schuldig, weil er seiner Enkelin Mizzi geraten
hatte, ihr Kind abzutreiben. Bestimmt hätte sich dieses Kind genauso gut
entwickelt wie Babsi. Gustav fühlt sich schuldig. Er sieht aber auch das
herbe, traurige Gesicht von Frau Dr. Sanders vor sich und fühlt die Leere in
ihrem Leben. Das ist eine wahrhaft verzwickte Situation, denkt er und dieser
Gedanke ist das einzige Ergebnis seiner Grübelei.
Es klopft, die Tür fliegt auf und hereinspaziert kommt Mizzi, Gustavs Enkelin,
bei der er die Abtreibung nicht verhindert hat, als sie ihn um Rat fragte.
„Hallo, Opa!“ Sie erscheint wie ein frischer Wirbelwind, alle Trübsal scheint
vergessen. Mit strahlenden Augen blickt sie zu ihrem Großvater. Ab nächster
Woche, erzählt sie, wird sie hier im Krankenhaus ein dreimonatiges
Praktikum absolvieren. Gerade habe sie mit dem Oberarzt gesprochen und
die Termine festgelegt. Vorsichtig betastet sie Gustavs Bein. „Morgen bist du
dran, habe ich gehört. Na, du wirst es schon überstehen und Bäume willst du
ja nicht mehr ausreißen.“
Sie liebt ihren Opa und hat ein gutes Verhältnis zu ihm, mit ihm spricht sie so,
wie ihr der Schnabel gewachsen ist.
So nebenbei sagt sie: „Opa, ich habe eine Neuigkeit für dich! Du kennst doch
den Otto, er hat neulich bei Schäfers an unserem Tisch gesessen. Er ist
unheimlich nett, wir verstehen uns blendend. Stell dir vor, wir wollen heiraten!
Im nächsten Jahr bekommt er eine Stelle als Assistenzarzt, später will er sich
selbstständig machen. Dann kann ich mit ihm in seiner Praxis arbeiten.“
Die Worte sprudeln nur so aus ihr heraus. „Nicht wahr, Opa, du hast doch
versprochen, mich finanziell zu unterstützen?“ Ihre innere Freude spricht aus
all ihren Worten. Gustav schaut seine Enkelin sinnierend an und dann sagt
er, und er weiß selbst nicht warum: „Nimmst du eigentlich die Pille, Mizzi?“
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„Na klar! So dumm wie ich war, kann man nur einmal sein. Aber nur noch so
lange, bis wir verheiratet sind und ich mein Examen in der Tasche habe. Du
sollst doch schließlich noch Urgroßvater werden!“
Für Gustav, der sich mit seinen Grübeleien und Vorwürfen gequält hat, ist
dieser Besuch wie Balsam auf seine Seele. „Tschüss, Opa, und alles Gute für
die Operation morgen! Ich komme bald wieder.“ Schon ist Mizzi wieder auf
und davon. Zurück bleibt ein anderer Gustav. Ihm ist leicht und froh zumute.
Mizzi will eine Familie gründen. Sie will Kinder haben. Sie hat die Abtreibung
gut überwunden. Es sind keine Narben an ihrer Seele zurückgeblieben.
Gustav nimmt sich vor, mit Chris, das heißt mit seinem Gewissen, die ganze
Problematik ins Reine zu bringen, die sich um Liebe und Ehe, Geburten und
Schwangerschaften und ihre Unterbrechung drehen. Ihm ist klar, dass es
auch für uns Christen nicht leicht ist, plausible Erklärungen und Antworten zu
diesen Fragen zu finden. Gustav will sich die Fragen so stellen, als wenn er
Chris befragen würde, zu dem er oft betet und deshalb ein
Vertrauensverhältnis hat. Er fragt sich, was er wohl für Antworten bekommt.
Er hat mich im Geiste beschimpft, oder besser ausgedrückt, er hat mein
Gewissen sehr belastet, denkt Gustav. Jetzt soll er mir alles ganz genau
erklären. Ich will es genau wissen! Ihm kommt es wie eine Gottesfügung vor,
dass er ausgerechnet in dieses Krankenhaus gekommen ist.
In der Fortsetzung werden mögliche Antworten auf diese für einen Christen
schwierige Gewissensfragen erörtert.
Seine Frau Hildegard besucht ihn fast täglich.
Im Krankenhaus hat der Rentner Gustav viel Zeit über Probleme
nachzudenken. Sein Gewissen ist belastet, wenn er das Wort Abtreibung
hört, denn er hat seiner Enkelin nicht von einer Abtreibung abgeraten. Er
wollte ihr helfen, wenn sie dabei oder hinterher Hilfe braucht.
Zu einer intakten Familie gehören auch Kinder. Gustav denkt, dass er sein
„Soll“ mehr als erfüllt hat.
Seine Frau musste sich neben ihrer Arbeit im Betrieb um fünf Söhne
kümmern. Er fragt sich manchmal, ob er ihr nicht zu viel zugemutet hat.
Im Krankenhaus besucht sie ihn täglich, denn jetzt wo ihr Mann krank ist, gilt
ihm ihre ganze Sorge. Gustav sagt sich, dass die Kinder ihnen viel Arbeit
gemacht haben, aber dass er und seine Frau durch sie viel Freude und ein
ausgefülltes Leben gehabt haben. Keinen von seinen Söhnen möchte er
missen. Auch heute noch und gerade durch die gemeinsame Aufgabe mit den
Kindern verbindet ihn mit seiner Frau eine tiefe Liebe.
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Langeweile kommt bei Gustav nicht auf. In sein Zimmer kommen nicht nur
häufig die Ärztin, die Schwestern und der Pfleger, er erhält auch viel Besuch
von seiner Familie und seinen Freunden. Soeben kommt seine Frau
Hildegard. Heute musste ist sie allein kommen. Zuerst ist sie mit dem Bus
gefahren, dann in die U-Bahn umgestiegen und für das letzte Stück bis zum
Krankenhaus musste sie noch mit der Straßenbahn fahren. Hildegard ist in
vielen Dingen ziemlich unselbstständig. Das ist kein Wunder, denn in ihrer
48-jährigen Ehe musste sie sich bei Reisen und Fahrten um nichts kümmern,
das erledigte alles ihr Mann. Völlig fertig erscheint sie bei ihm. Über eine
Stunde hat sie bis zum Krankenhaus gebraucht. Mit dem Auto benötigt man
höchstens zwanzig Minuten. Sie hat ihrem Mann Blumen mitgebracht und
eine große Tüte mit Obst. Gustav hat zwar keinen Hunger, aber er möchte
nicht unhöflich sein. Er bedankt sich herzlich, nimmt sich aber insgeheim vor,
das Obst den Schwestern oder dem Pfleger zu schenken, wenn seine Frau
gegangen ist.
Hildegard sitzt auf dem kleinen Schemel neben seinem Bett und erzählt von
zu Hause. Sie berichtet von all den kleinen Dingen, die ihren Lebenskreis
ausfüllen, Gustav aber wenig interessieren. Er hört ihr dennoch aufmerksam
zu, denn er will sie nicht kränken. Nach einer Stunde verabschiedet sie sich
mit einem Küsschen und vielen Genesungswünschen. Gustav bleibt alleine in
seinem Krankenzimmer zurück. In seinem Herzen spürt er ein tiefes Gefühl
der Liebe und Dankbarkeit für seine Frau. Fünf Söhne haben sie zusammen
großgezogen. Als der vierte oder der fünfte unterwegs war, riet ihnen ein so
genannter guter Freund, eine Abtreibung vorzunehmen. Er habe gute
Beziehungen und könne dies vermitteln. Selbst im Traum haben Gustav und
seine Hildegard den Gedanken daran nicht in Erwägung gezogen. Wenn er
sich seine Söhne mit ihren Familien vorstellt und sich dabei sagen müsste,
dass er einen auf dem Gewissen habe, er könnte nicht in Ruhe schlafen.
Wenn es auch schwere Jahre waren, so findet er doch Befriedigung, dass sie
sich durchgekämpft haben und mit ihrem Schicksal zufrieden sind. Sie haben
viele schöne Stunden gemeinsam erlebt. Gustavs Augen leuchten auf. Er
fühlt keine Leere in seinem Herzen, im Gegenteil, es ist voller Glück und
Zufriedenheit. Dankbar darüber versucht er, dieses Glück mit seiner Familie
und Freunden zu teilen.
Gustav denkt an die Leere im Herzen der Ärztin. Obwohl auch sie eine viel
beschäftigte Frau ist, so ist doch ein Teil in ihrem Innern nicht ausgefüllt.
Dabei meint er nicht die Sexualität. Sie ist auch entscheidend für eine gute
Ehe, aber nicht das Wichtigste. Er glaubt aber, dass in einer jungen Ehe bzw.
bei jungen Menschen in der Blüte ihres Lebens das Sexuelle eine wichtige
Rolle spielt. Für seine Hildegard wäre er am Anfang ihrer Bekanntschaft
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vielleicht nur ein guter Freund geblieben, wenn es ihm nicht nach langem,
beharrlichen Drängen gelungen wäre, in ihr Herz einzudringen und sie zu
erobern. Sie war kein leichtes Mädchen. Im Gegenteil, sie war sehr christlich
erzogen worden. Deshalb war für sie die Hemmschwelle riesig, aber als der
Damm gebrochen war, wurde sie ihrem Gustav bis auf den heutigen Tag
inniglich verbunden.
Gustav hat seinen Vorsatz nicht aufgegeben, sein Gewissen zu erforschen,
um eine für ihn verständliche Antwort auf all die Fragen zu finden, die in
dieser Geschichte angeschnitten worden sind. Die erste Frage, die er sich
stellt, lautet: Müssen zwei Liebende, die aus zwingenden Gründen zu einem
gewissen Zeitpunkt keine Kinder großziehen wollen oder können, auf
Sexualität zu verzichten? Gustav will unvoreingenommen sein Gewissen
befragen. Im Geiste stellt er sie seinem Freund Chris und überlegt, wie er sie
ihm wohl beantworten würde.
Gustav ist gespannt und versucht auf diese und noch andere Fragen eine
Antwort zu finden.
Gustav überlegt, wie Christus wohl entscheiden würde,
denn über dieses Thema gibt es die unterschiedlichsten Meinungen.
Konservativ ist die Lehrmeinung der katholischen Kirche, die sowohl den
Abbruch der Schwangerschaft als auch die Empfängnisverhütung als Sünde
bezeichnet. Diese Lehrmeinung ist so streng, dass viele junge Menschen sich
nicht mit ihr identifizieren können, sie einfach für veraltet halten und sich von
der Kirche abwenden. Das ist der Grund, warum sich der Rentner Gustav
über diese Problematik Gedanken macht.
Im Halbdunkel der Krankenstube forscht er in seinem Innern und betet und
sucht eine Lösung. Im Geiste will er Chris fragen. Er ist davon überzeugt,
dass er ihn gut berät.
Gustav ist von dem vielen Besuch, den er heute hatte, ermüdet. Nun herrscht
in seinem halbdunklen Einzelzimmer totale Ruhe. Er schläft ein, doch selbst
im Schlaf löst er sich nicht von seinen Problemen. Chris ist bei ihm. Er sitzt
neben Gustavs Bett auf dem gleichen Schemel, auf dem vor kurzem noch
seine Frau saß. Erleichtert bemerkt Gustav, dass Chris nicht böse blickt. „Ich
bin dir nicht mehr böse und grolle dir nicht mehr“, Chris spricht locker und
ohne Bitterkeit und fährt fort: „Du weißt ja, ich kann in deine Seele blicken,
deshalb kenne ich alle deine Fragen. Sieh hin zum Fenster, Gustav. Dort
lauert Luz und überlegt, ob er eine Chance hat, deine Seele doch noch zu
erwischen. Du aber hast wieder gebetet und so ist ihm der Eintritt verwehrt.
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Nun zu deinen Fragen. Eine meiner unumstößlichen Forderungen ist das
Recht auf Leben, das bedeutet, dass ich keine Abtreibung dulden kann. Es
gibt keine sozialen oder wirtschaftlichen Gründe, ein unschuldiges, im
Werden befindliches Menschenkind zu töten. Du durftest Mizzi nicht in dieser
Form beraten! Doch sie hat Glück gehabt, sie hat einen guten Freund
gefunden, mit dem sie eine Familie gründen und in meinem Geiste leben will.
Gisela Sanders bedauere ich aus vollem Herzen. Sie war ein gutes Mädchen,
liebte ihre Mutter und ihren Vater, auch wenn er sehr dominant war und die
Familie nach seinen Vorstellungen zu leben hatte. Es war richtig, dass sie
nicht abgetrieben hat. Du hast Babsi, ihre hübsche Tochter, kennen gelernt.
Sie braucht sich nicht vorzuwerfen, dass sie ihr Kind getötet hat. Dennoch
war es nicht richtig, einen ungeliebten Mann zu heiraten. Das entspricht nicht
meinem göttlichen Wunsch, sondern es war der Wunsch ihres Vaters, der von
gesellschaftlichen Vorurteilen geprägt war. Denke daran, mir ist die Ehe
heilig. Sie ist die innigste Beziehung zwischen zwei Menschen, die sich
lieben. Eine Ehe ohne Liebe, die zum Beispiel aus materiellen oder aus
sexuellen Gründen geschlossen wird, ist auf Sand gebaut und hält meist den
Wirren des Lebens nicht stand. So war das Verlangen deines alten Freundes
Casco, seine Tochter mit einem ungeliebten Mann zu verheiraten,
unverantwortlich und entsprang einer mit Beschränktheit und Vorurteilen
behafteten Erziehung.“ Chris hält kurz inne und spricht dann weiter: „Es
handelt sich hier um schwerwiegende Fragen. Auch ich als Gott muss mein
Gewissen prüfen. Deshalb habe noch ein wenig Geduld mit mir.“ Er sinniert
weiter. „Die Abtreibung muss verboten bleiben. Dennoch werde ich nicht
verhindern können, dass sie tagtäglich geschieht. Eine andere Frage ist der
außereheliche Geschlechtsverkehr. Hier geht es nicht um Tötung, sondern
um Moral. Ich glaube, dass ich vor der Beantwortung dieser Frage mit
meinem Vater reden muss. Auch du hast mit deiner Frau geschlafen, bevor
ihr verheiratet wart, doch du liebtest sie damals und du liebst sie noch heute,
obwohl so viele Jahre seitdem vergangen sind. Missbilligen muss ich den
Geschlechtsverkehr dann ...“ Chris spricht jetzt langsam und überlegend
weiter:
„Ich vermute, das ist auch die Meinung meines Vaters ...“ Diese Worte hat
Chris langsam gesprochen, so als müsste er sie überlegen. Dann aber hat er
sich gefasst und spricht mit fester Stimme: „Wenn der Geschlechtsverkehr
aus purer Sinnenlust, mit Begierde und ohne Liebe, nur um seiner selbst
willen vollzogen wird, hat Luz seine Hände im Spiel. Das ist gegen die
Gebote und die Regeln der Natur. Das kann ich niemals gutheißen und es
bleibt eine Sünde.“
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Chris schweigt eine Weile nachdenklich. Gustav spürt, dass ihm die
Antworten schwer fallen. „Ich habe allen Geschöpfen, Tieren und Menschen
einen ausgeprägten Sexualtrieb gegeben. Er ist die Basis für das Überleben
der einzelnen Individuen und ihrer gesamten Art. Es ist wichtig und
grundlegend, dass eine Paarung Folgen hat, dass eine Befruchtung
stattfindet und damit die Voraussetzungen für ein neues Leben geschaffen
werden. Bei einer dünn besiedelten Erde war es wichtig, dass sich die
Menschen weltweit ausbreiten konnten. Doch haben wir heute eine teilweise
Überbevölkerung. Es ist abzusehen, dass durch die Zunahme der
Weltbevölkerung der Lebensraum nicht ausreichen wird. Dieser Trieb, den ich
erschaffen habe, ist da. Sollen die Menschen, besonders die jungen, die
voller Kraft sind, ihn unterdrücken? Soll ich den kontrollierten Gebrauch der
Pille zulassen, um Ängste zu vermeiden? Wenn ich sie verbiete, besteht
dann nicht die Gefahr von abartigen Entwicklungen? Dieses Übel, diese
Sünde darf ich nicht verursachen und fördern, zumal der Luz hier kräftig
seine Seelen absahnen will.“
Chris quält sich bei diesen Worten. Als Gustav sieht, dass Chris sich quält,
spricht er bescheiden: „Darf ich auch eine Ansicht äußern?“ Er spricht weiter:
„Auf das Geschick von Mizzi möchte ich hinweisen. Ich meine nicht ihre
Abtreibung, sondern ich denke an ihren jetzigen Zustand. Im Moment hat sie
keine eigene Wohnung, keine Zeit und nicht die finanziellen und materiellen
Voraussetzungen, um eine Ehe schließen zu können. In etwa einem Jahr
möchte sie heiraten, eine christliche Ehe führen und Kinder haben. Sie nimmt
jetzt die Pille, weil sie sich nach dem intimen Zusammensein mit ihrem
Freund sehnt. Ich glaube, das fördert ihre Liebe und stärkt ihren Vorsatz, mit
ihm in harmonischer Liebe eine Familie zu gründen.“
Gustav bemerkt erleichtert, dass Chris bei diesen Worten nicht mit ihm
schimpft. Auch Chris hat Mizzi gern. Sie befolgt die Gebote, liebt und achtet
ihre Eltern und führt kein ausschweifendes Leben. Vom Verstand her
betrachtet ist die Art und Weise, wie sie ihr Leben plant und auch gestaltet,
richtig. „Oh, Gott, was wird mein Vater dazu sagen“, denkt Chris.
Chris spricht nun langsam und leise zu Gustav, der sich in seinem Bett
aufrichtet und ihm gespannt ins Gesicht sieht: „Versprechen kann ich dir
nichts, doch ich will meinem Vater vorschlagen, den eingeschränkten
Gebrauch der Pille zuzulassen.“ Seine Worte sind mit so viel Bedacht
ausgewählt, als würde er eine schwere Last tragen, und fast mühsam spricht
er weiter, wobei er jedes Wort einzeln abwägt: „Sicher wird er sich schwer
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tun. Ich kann wirklich nicht sagen, welche Antwort er mir gibt. Vielleicht lässt
er sich auf einen Kompromiss ein, wenn ehrliche Liebe zwei Menschen
verbindet. Ich könnte mir denken, dass folgende Kriterien eine Rolle spielen
könnten:
Unbedingte Liebe zum Partner, der Wunsch, ein ganzes Leben lang mit ihm
vereint zu bleiben, könnten die Voraussetzungen sein, meinen Vater dazu zu
veranlassen, den Gebrauch von Verhütungsmitteln bedingt zu dulden.
Keinesfalls darf Luz triumphieren, und den hemmungslosen Sex ohne Liebe
können weder mein Vater noch ich akzeptieren, ebenfalls nicht den Abbruch
einer Schwangerschaft, denn das bedeutet Mord an einem bereits
entstandenen Leben.“
Plötzlich wird es hell im Raum. Die Nachtschwester hat den Vorhang beiseite
geschoben, die Sonne scheint hell auf Gustavs Bett. „Guten Morgen! Wie
geht es uns heute? Haben wir gut geschlafen?“, ruft sie heiter. „Ich schon“,
denkt Gustav fröhlich. Laut sagt er: „Ja, danke, Schwester Karin, sehr gut
sogar.“
Als er wieder allein ist, denkt er noch einmal über das Gespräch mit Chris
nach. Dass bereits gezeugtes Leben erhalten werden müsse, ist der
unumstößliche Vorsatz von Chris. Beim Gebrauch der Pille jedoch war er
etwas unsicher in seiner Meinung. Gustav ist sicher, dass sich Chris bei
Gottvater verwenden wird, um im vorgezeichneten Rahmen die Regeln, die
das Sexuelle betreffen, etwas zu lockern, aber keinesfalls Ausschweifungen
zu billigen.
Ein neuer Tag hat begonnen. Heute wird Gustav operiert. Er hat keine Angst
davor. In ein oder zwei Wochen wird er das Krankenhaus verlassen können.
Er freut sich auf seine Frau und sein Zuhause.
Bitte denken Sie selbst über die Problematik nach. Auch Dogmen
können sich ändern und den Gegebenheiten anpassen. Viele Dogmen
wurden bei Konzilen beschlossen. Die Thesen wurden von Menschen
verfasst. Was Menschen geschaffen haben, können Menschen auch
wieder lösen.
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Schlussgedanken
Das Thema, das sich mit dieser schwierigen Problematik der
Empfängnisverhütung befasst, habe ich mit Absicht ausgewählt, da sich viele
Frauen in großer seelischer Not mit ihm quälen. Im letzten Kapitel habe ich
Chris bei den Gedanken an Verhütungsmitteln schwankend geschildert. Das
habe ich mit Überlegung und Bedacht so gemacht. Mir ist klar, dass sich die
katholische Kirche, wenn nicht heute, dann in Zukunft, ernsthaft mit der
Geburteneinschränkung auseinander setzen muss, da die Sachzwänge bei
weiterer Bevölkerungszunahme der Menschheit einfach über den Kopf
wachsen.
Wenn ich jetzt ein paar Gedanken als Regeln beschreibe, betrachten Sie
diese bitte nicht als Gebote oder Aussage einer Kirche. Es sind meine
persönliche Ansichten, also die eines älteren Menschen, der seine
Lebenserfahrung einbringt, welche er durch Gewissensbefragung zu läutern
versucht hat. Es ist sozusagen der Ausdruck meiner Überzeugung, die in
Jahrzehnten gewachsen ist.
1. Grundlage für alle Überlegungen ist ein intaktes Familienleben, zu dem in
der Regel Kinder dazugehören. Schon im frühesten Alter ist es wichtig, dass
Eltern ihren Kindern vorleben, so, wie sie es später einmal von ihnen
wünschen, dass sie auch leben sollen. Auch ist es wichtig, mit den eigenen
Kindern ungezwungen viele Gespräche zu führen, die auch die Aufklärung
mit einschließen.
2. Die Aufklärung ist sehr wichtig für die innere Festigung eines Menschen.
Dazu gehört nicht nur die Erzählung des Geschlechtsaktes. Wichtiger ist es,
das Verhältnis von Mann und Frau von der religiösen Seite zu erörtern, auf
Gefahren aufmerksam zu machen, über Geschlechtskrankheiten aufzuklären,
um damit die Hemmschwelle zu erhöhen, sich unbedacht das erste Mal mit
einem Partner einzulassen.
3. Junge Menschen laufen Gefahr, von gleichaltrigen Freunden und Kollegen
mitgezogen zu werden. Aus Angeberei, Neugier, Unwissenheit treiben sie es
oft, ohne die innere Reife dazu zu besitzen. Durch die geschilderte
Aufklärung kann man seine Kinder dazu bringen, dass sie nicht durch
Unerfahrenheit in ungewollte Situationen hineinschlittern, da sie schon eine
gewisse innere Festigkeit haben und nicht aus Neugier oder Angeberei
Erfahrungen sammeln müssen.
4. Das erste Mal. Dieses Wort klingt schön. Aus falschem Mund wirkt es
altmodisch. Die Moral früherer Zeiten war durch kirchliche Gebote geprägt.
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Es schickte sich nicht, vor der Ehe Geschlechtsverkehr zu haben. Da die
heutige Jugend anders darüber denkt, kann man das Rad nicht
zurückdrehen, aber man könnte es einschränken. Man sollte den
Jugendlichen beibringen, dass sie das erste Mal oder überhaupt das intime
Zusammensein mit einem Partner nicht wahl- und gedankenlos machen,
sondern nur dann, wenn sie das Gefühl haben, dass der Partner ihnen etwas
bedeutet und eine festere Bindung möglich erscheint. Da es ihnen nicht so
ergehen soll, wie es Mizzi in meiner Geschichte erlebt hat, sollten sie eine
Schwangerschaft verhindern. Wenn schon, dann sollten sie ein
Verhütungsmittel verwenden.
5. Die Abtreibung ist eine Sünde wider das Leben. Es gibt nur wenige
Gründe, sie zu rechtfertigen. Einen Fall habe ich in meiner Geschichte, bei
der eine junge Frau wohnungslos und arbeitslos, vom Mann verlassen, von
der Familie geächtet war, beschrieben. Wenn sie in dieser Situation abtreiben
ließ, kann man Verständnis dafür haben. Ein anderer denkbarer Fall wäre,
wenn die Mutter durch die Geburt schwer in ihrer Gesundheit und Leben
gefährdet ist.
Wirtschaftliche Gründe, etwa dass die Karriere einer Frau leiden würde oder
dass schon Kinder da sind, zählen nicht. Wo vier Kinder satt werden, ist auch
Platz für fünf. Wenn diese Frauen keine Kinder mehr wünschen, sollten sie
die Pille nehmen, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Das müssen sie
mit ihrem Gewissen ausmachen und ist ihre eigene Entscheidung.
Damit beende ich meine Überlegungen über dieses schwierige Thema.
Leider kann ich Ihnen keine endgültige Lösung anbieten. Die katholische
Kirche wird sich in Zukunft notgedrungen mit diesem Thema beschäftigen
müssen. Ich hoffe, dass Ihnen die Lektüre Freude bereitet hat.
Ihr Karl Milton
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Lästerungen
In dieser Geschichte geht es um unsere Kirche und unseren Glauben,
um Zweifel und Gedankenlosigkeit, mit der wir mit ihm umgehen und
um die Kraft, die uns Christus geben kann, damit wir in unserem Alltag
bestehen können.
Stammtischrunde
Gustav sitzt bequem in seinem Sessel. Den Fernseher hat er heute Abend
nicht an. Nach der „Glotze“ ist ihm nicht zumute. Gustav denkt über sein
Leben nach. 40 Jahre lang leitete er eine Gaststätte. Er war der Wirt. Hinter
dem Tresen fühlte er sich nie so richtig wohl, am liebsten arbeitete er in der
Küche und da wurde er auch am meisten gebraucht. Außerdem war er noch
verantwortlich für all den Klein- und Großkram, der in einem solchen Betrieb
anfällt.
Meistens ließ er seinen arbeitsreichen Tag bei der gemütlichen Runde am
Stammtisch ausklingen. Die Unterhaltungen dort waren unterschiedlich, mal
über Sport, mal über Politik. Mit einzelnen seiner Kunden verband Gustav
eine tiefe Freundschaft.
Derjenige, der sich dieser Stammtischrunde anschloss, wurde aufgenommen
wie in einer großen Familie. Die Freuden, aber auch die Sorgen und
Kümmernisse wurden untereinander geteilt, aber hauptsächlich lachte man
miteinander.
Letzte Woche streiften sie am Stammtisch ein Thema, das sonst immer tabu
ist: Die Kirche, das Christentum, die Religionen. Ein Thema, das eigentlich
nicht in einer solchen Tischrunde besprochen werden sollte. Ausgerechnet
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Manfred, ein guter Katholik übrigens, der sonntags zur Kirche geht, machte
ein paar – für Gustavs Ohren äußerst unpassende – Bemerkungen. „Der
Heilige Geist soll über Maria gekommen sein? Dass ich nicht lache! Der
Nachbar wirds gewesen sein, als Josef mal wieder in der Kneipe war, ha, ha.“
Manfred hat das nicht so gemeint, es war ihm so herausgerutscht. Aber er hat
es ausgesprochen und seine Worte standen im Raum.
Ein anderer erzählte von seinem Urlaub in der Türkei. Dort habe er die
Ruinen einer Kirche besichtigt und der Reiseleiter erzählte von einem Konzil
im 4. Jahrhundert. Dabei hätte man abgestimmt, ob Christus Prophet oder
Gott sei.
Schließlich lästerte auch noch ein Dritter. „Das mit der Himmelfahrt sei ja
auch so ein Ding gewesen“, meinte er. „Und wo mag Christus denn hin
geflogen sein? Nach drei Kilometern wirds da oben eiskalt! Hat er denn
seinen Wintermantel dabei? Wieso kann der überhaupt fliegen? Oder kam
zufällig ein Hubschrauber vorbei?“ Wieder Gelächter. Aber alle diese Sätze,
so schwerwiegend sie auch waren, wurden unbedacht ausgesprochen und
waren sicher auch nicht sonderlich ernst gemeint.
Das Thema wechselte, man kam zum Sport ... der Trainer von der Eintracht
soll endlich seinen Hut nehmen ... der Libero ist der einzig gute Mann von
den Bayern ... der Boris hat mal wieder gewonnen, und so ging es weiter.
Gustav war nachdenklich geworden. Er sitzt in seinem bequemen Sessel im
Fernsehzimmer, aber er ist unruhig. Christi Geburt, die Himmelfahrt und das
Leben nach dem Tod sind doch die Säulen unseres Christentums. Wer hier
rüttelt, macht den Glauben an Christus, an Gott unglaubwürdig. Unsere
ganze Kultur ist durch das Christentum geformt. Millionen Menschen suchen
ihren Halt im christlichen Glauben und in der Kirche bei gemeinsamen
Gebeten und Gesang. Soll das alles Götzendienst sein?
Gustav war zwar oft in der Kirche, aber seltsamerweise sieht er ein Bild vor
sich von einem Gottesdienst in Largo, einer Stadt in Florida, wo er einmal
Urlaub gemacht hat. Hier leben in einer Siedlung nur „Weiße“. Das große
Gotteshaus war gefüllt. Gustav sah unter den vielen Gesichtern nur zwei oder
drei, die von dunkler Hautfarbe waren. Es erschien eine Kolonne von fast 30
Personen, die mit Gewändern bekleidet zum Altar gingen. Als Letzter
marschierte ein Farbiger wie verlassen und in gebührendem Abstand
hinterher. Gustav war empört. Er fand es nicht richtig, dass dieser Mensch,
nur weil er eine dunklere Hautfarbe hat, in einer Kirche hinter den anderen
herlaufen muss. Dann aber wurde Gustav eines Besseren belehrt. Dieser
Schwarze war der Priester, die anderen waren Laien.
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Der Priester sprach von Liebe, spielte in seiner Predigt auch ein wenig auf
seine Hautfarbe an. „Vor Gott sind alle Menschen gleich“, sagte er. Die
Menschen beteten. „Beteten, ja, bete ich eigentlich?“, fragte sich Gustav. Er
musste gestehen, dass er in schwierigen Lagen oft Trost im Gebet gefunden
hat.
Ein anderes Erlebnis hatte Gustav sehr beeindruckt. Seine Mutter war
religiös. Sie erlitt einen Schlaganfall. Eine Woche lang waren ihre Sinne
verwirrt, aber dann war sie geistig wieder intakt. Doch sie blieb halbseitig
gelähmt und bettlägerig. Bis zu ihrem Tod zwei Jahre später musste sie
dieses traurige Schicksal ertragen. Alle vier Wochen kam der Pfarrer und
spendete die Sakramente. Freudig, glücklich und entspannt waren danach
ihre Gesichtszüge. Da meine Mutter in ihrer Lebenseinstellung sehr religiös
war, bedeutete für sie die Kommunion am Krankenbett nicht irgendetwas
Nebensächliches. Für sie war es der Heiland, war es Christus, der an ihrem
Krankenbett gewesen war und mit ihr gesprochen hat. Deshalb wurde sie
durch das Sakrament mit Seligkeit erfüllt und ihr trauriges Schicksal war für
sie nur eine Prüfung auf dem Weg zu Christus. Es war der Leib Jesu, den sie
in sich fühlte und der von ihr Besitz ergriffen hatte und alle Schmerzen und
trüben Gedanken verdrängte.
Sie hatte durch diese Sakramente ihren inneren Frieden gefunden und
haderte nicht mit ihrem Los. Alle diese Bilder bewegen Gustav.
Wie so oft ist Gustav bei seinen Gedanken eingeschlafen. Auf einmal ist das
Engelchen Anne wieder da. Sie umschlingt den lieben Opa, drückt und küsst
ihn. „Nun, Anne, hast du etwas auf dem Herzen?“, fragt Gustav. „Ja Opa. Der
liebe Gott schickt mich wieder. Ich soll dir etwas ausrichten.“ „Oh“, sagt
Gustav, „da bin ich aber gespannt! Na, was denn?“ „Der liebe Gott sagt, du
hättest im Religionsunterricht gelernt, dass Gott Vater, Sohn und der Heilige
Geist eine Einheit waren. Er hat dir seinen Sohn geschickt! Du sollst ganz
fest die Augen schließen, Opa, dann sollst du beten und Christus rufen. Je
mehr du ihn rufst, desto näher ist er dir.“
Gustav sieht Christus. „Sprich kein Wort“, sagt er. „Ich weiß, du bist ein guter
Mensch. Auch dem Manfred nehme ich seine Worte nicht übel. Sie waren
unbedacht und er hat sie bereut. Ich will dir nun alles erklären.“ „Das brauchst
du nicht, mein Gott“, sagt Gustav. „Doch, ich muss es. Sieh, Gottvater, mein
lieber Gott, kümmert sich um die große weite Welt. Diese ist viel größer, als
du zu denken vermagst. Von den vielen, vielen Sternen gibt es zwei, auf
denen die Lebensbedingungen so gegeben sind, dass sich intelligente
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Lebewesen, sagen wir Menschen, entwickelt haben. Das sind eure Erde und
Terra. Der liebe Gott hat mich geschickt, damit ich mich um diese Menschen
kümmere. Doch ich wurde traurig. Schon früh ahnten sie, dass ich da bin. Sie
beteten zu mir, gaben mir viele Gestalten. Sie suchten mich im Berg, im
Feuer, in der Sonne. Sie brachten mir Opfer dar. Tiere wurden geschlachtet,
sogar mit Menschenopfern erbaten sie meine Gnade. Dies alles machte mich
traurig. Oft haben sie junge, unschuldige Menschenkinder als Opfer
ausgewählt. Vater sprach zu mir: Erlöse sie. Du musst ein Mensch werden
wie sie. Du musst ihnen predigen und ihnen den richtigen Weg weisen. Gib
ihnen Gesetze, zeige ihnen, wie wichtig die Nächstenliebe ist. Sie werden
dich quälen, du wirst viel Schmerz ertragen müssen. Ja, sie werden dich
töten. Aber du wirst auferstehen. Du bleibst Gott und wirst doch Mensch
sein.“
Christus spricht weiter zu Gustav: „Und nun zu der Empfängnis. Sie ist ein
Geheimnis und muss es bleiben. Denke doch, ich bin als Gott in dir. Warum
soll Gott nicht auch in Maria sein? Und die Auferstehung? Sicherlich ist es
kalt, wenn man von der Erde aus nach oben steigt. Aber siehe, als Gott bin
ich überall. So auch auf der Erde Terra, die viele Lichtjahre entfernt ist. Für
himmlische Verhältnisse ist das eine kurze Entfernung. Erdenbürger können
niemals in ihrem Leben den Planeten Terra erreichen.
Viele Jahre braucht ein Lichtstrahl, um dorthin. Ich aber bin gleichzeitig dort
und hier. Um dir das zu beweisen, wirst du mich nun begleiten. Du wirst nicht
in körperlicher Gestalt bei mir sein, nur ein kleines Stück deines Geistes und
deiner Seele wird mit mir kommen.“
So kommt es, dass Gustav in seinem Traum Christus in die ferne Welt des
Universums begleitet.
Christus – oder kurz Chris genannt – und Gustav haben Terra erreicht. Dieser
Planet ist wie die Erde bei dem so genannten Urknall entstanden. Er hat
daher auch das gleiche Alter wie sie. Terra ist ein halbes Mal größer als die
Erde. Es gibt Wasser und Luft, aber diese sind anders zusammengesetzt.
Luft und Wasser haben neben Stick- und Sauerstoff einen erheblichen Anteil
Schwefel. Die Lebewesen, die diesen Planeten bevölkern, haben sich in
Millionen Jahren diesen Gegebenheiten angepasst.
„Ihr Menschen könntet hier nicht leben, denn euer Organismus hat sich auf
die Lebensverhältnisse der Erde eingestellt und ist durch sie in Millionen von
Jahren geformt worden. Aber eines habt ihr gemeinsam. Es leben hier
Geschöpfe mit der gleichen Intelligenz, wie ihr sie besitzt. Nennen wir auch
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sie Menschen. Sie denken und fühlen wie ihr. Auch ihnen habe ich die
Heilsbotschaft gebracht. Liebt euren Nächsten wie euch selbst, habe ich
ihnen gepredigt. Sie lieben mich. Ihre Entwicklungsstufe liegt 20 000 Jahre
zurück. Eine Art von Pest hat sie im vergangenen Jahr heimgesucht. Auch sie
bauen Gotteshäuser und beten. Komm, Gustav, begleite mich in eine Kirche!“
Die Kirche ist voller Menschen, die größer sind als die der Erde, aber ihre
Körper sind ähnlich geformt. Die Gesichter sind unterschiedlich und ihre
Hände drücken Kraft aus. Einige sehen sorgenvoll aus, andere intelligent,
kraftstrotzend andere. Eigentlich die gleichen Typen von Menschen, die man
auch bei uns sieht, denkt Gustav. Sie knien nieder. Christus erfüllt alle mit
seiner Kraft.
„Komm, lass uns gehen“, sagt Chris. „Einen Gang muss ich noch machen.
Bauer Remi liegt im Sterben. Er hat nach mir verlangt.“
Sie kommen in eine kleine Hütte. Die Familie sitzt zusammen bei einem
einfachen Mahl. Sie sprechen ein Tischgebet und wirken sehr bedrückt. Der
Großvater ist schwer krank, er wird nicht mehr lange zu leben haben. Chris
geht zu dem Kranken. Dessen Gesicht leuchtet auf. Er wusste, dass Christus
kommen würde. Der alte Mann faltet seine Hände zum Gebet. Nun kann er in
Ruhe sterben.
Gustav denkt in seinem Traum: Chris ist auch für andere Menschen auf
anderen Planeten der Gott und er ist bei ihnen in ihrer Sterbestunde.“
„Opa, Opa! Du bist ja schon wieder eingeschlafen.“ Klein-Anne drückt ihren
Opa. „Mutti hat mich geschickt. Ich soll noch mal nach dir schauen, bis Oma
aus der Kirche kommt.“ Gustav hört die Haustür klappern, seine Frau ist nach
Hause gekommen. „Schön wars in der Christmette“, sagt sie und beginnt, das
Essen aufzutragen. Gustav rekelt sich in seinem Sessel. Von seinem Traum
sagt er kein Wort, aber er ist sehr zufrieden mit sich.
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In der folgenden Geschichte wird erzählt, wie ein Familie kurzfristig
Weihnachten in der Fremde feiern muss. TrotzTurbulenzen sind die
Kinder glücklich und erleben mit dem amerikanischen Spielgefährten
Henry tolle Abenteuer.
Heiliger Abend in La Paz. Weihnachtsgeschichte.
Auch in der Fremde wird Weihnachten gefeiert. Oft sind die Gebräuche
anders als bei uns.
Diese Geschichte berichtet von dem Schicksal der Familie Werner, die den
Heiligen Abend zum ersten Mal in der Fremde verbringt.
Sohn Mike (11 J.) erlebt am Vortag in dem unwegsamen Gebirge der Anden
in Südamerika ein aufregendes Abenteuer mit Partisanen. Aber zum Heiligen
Abend haben sich die Spannungen gelöst und
gemeinsam mit den
Einheimischen feiert Prof. Werner mit seinen Lieben Weihnachten als das
Fest des Friedens. Seine kleine Tochter Walli (9 J.) sagt, dass sie noch nie so
schöne Weihnachten erlebt habe.
Vorweihnachtliche Aufregung
Astrid ist die Frau des bekannten Professors Gerhard Werner. In ihrem
kleinen Reihenhäuschen hat sie keine Zeit die herrliche Landschaft zu
genießen. Außerhalb des alten Ortskerns des Frankfurter Stadtteils BergenEnkheim steht das Häuschen am Hang in einem neu erschlossenen
Baugebiet. Von ihm aus hat man einen der schönsten Ausblicke der Siedlung.
Vor der vorbeiführenden Straße erstreckt sich der als Streuobstwiese
genutzte Hang bis hinunter ins Tal zum Naturschutzgebiet „Enkheimer Ried“.
Sichtbar ist anschließend die Mainebene bis zu den fernen Gebirgen
Spessart und Odenwald.
Astrid hat heute keine Zeit, um sich an der Landschaft zu erfreuen. Sie hat
Sorgen. Bald ist Weihnachten. Sie ist verantwortlich für alle Vorbereitungen
zum Fest. Ihr Mann ist noch beruflich in Südamerika, will aber mit seiner
Familie feiern und Weihnachten zurück sein. Er hat einen anstrengenden
Job. Er ist Leiter der zur Zeit größten Sternwarte der Welt in den Anden und
war maßgeblich bei deren Planung verantwortlich.
Sicherlich übertreibt Astrid in ihren Anstrengungen. Obwohl es im Haus vor
Sauberkeit glänzt, wischt und putzt sie in allen Räumen. Wenn ihr Mann
zurückkommt, soll er sich über sein gemütliches Heim und seine Familie
freuen. Sie hat auch noch andere Sorgen, denn sie macht sich über ihren
Vater Gedanken. Ihre Mutter ist im Frühjahr gestorben und ihr Vater hat den
Tod noch nicht verwunden
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Auch um die Großeltern kümmert sie sich. Sie sind zwar
nicht
pflegebedürftig, aber Hilfe brauchen sie doch. Den meisten Kummer hat sie
mit ihrem Sohn Mike. Nur Fußball und Sport hat er im Kopf. Die Schule und
die Schulaufgaben sind ihm Nebensache. Sie wird mit dem Jungen nicht
fertig. Bei ihr macht er, was er will und sie kann sich bei ihm nicht
durchsetzen. Zwangsläufig lassen seine Leistungen in der Schule nach. So
musste sie heute zwei Klassenarbeiten in „Deutsch“ und „Englisch“
unterschreiben, die er mit „vier“ und Minuszeichen geschrieben hatte. Wegen
diesen Noten will die Klassenlehrerin sie sprechen. Sie ist gedrückt und weiß
sich keinen Rat. Sie nimmt sich vor, strenger mit ihm zu sein. Sie beschließt,
dass er heute keinen Fußball spielen darf.
Die Tür öffnet sich. Mike mit Fußballschuhen in der Hand ruft: „Mach`s gut,
Mutti. Um
sechs bin ich zurück“.
„Stopp, halt, komm zurück“, ruft Astrid. Sie versucht ihrer Stimme eine
gewisse Strenge zu verleihen und spricht weiter: „Heute bleibst du zu Hause
und den Fußball kannst du dir abhaken“.
Mike steht wie erstarrt. Solche Töne ist er von seiner Mutter nicht gewöhnt.
Trotzig sagt er, dass Julian (sein Cousin) und seine Klassenkameraden am
Wäldchen auf ihn warten und sie wären verabredet. Astrid bleibt standhaft
und gibt nicht nach und spricht in einem festen Ton weiter, obwohl es ihr
schwer fällt:
„Du rufst ihn an und sagst ihm, dass du den Christbaum schmücken musst.
Wenn du deine Aufgaben beendet hast, fangen wir damit sofort an und ich
helfe dir dabei. Das Luderleben hört auf, denn deine Noten sind miserabel“.
Astrid hat sich bei dieser Auseinandersetzung so aufgeregt, dass sie sich
setzen muss. Ihr Herz rast und sie spürt jeden Pulsschlag. Sie will heute auf
keinen Fall den Wünschen ihres Sohnes nachgeben. Wenn nächste Woche
ihr Mann zurückkommt, soll er nicht denken, dass sie nicht in der Lage wäre,
ihren Sohn zu erziehen. Gerade weil sie ihren Sohn liebt, darf sie nicht
nachgeben. Mike muss lernen, dass er erst seine Schularbeiten machen
muss, bevor er auf den Sportplatz rennt. Ihm muss klar werden, dass
Pflichten den Vergnügen vorrangig sind. Astrid ist nicht der Typ für harte
Auseinandersetzungen. Ihr sehnlicher Wunsch ist in Harmonie mit ihrem
Mann und den Kindern zu leben.
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Ein folgenschwerer Anruf.
Professor Werner kann nicht zum Weihnachtsfest kommen.
Es klingelt das Telefon. Tochter Walli (9.J.) kommt von der Schule zurück. Sie
legt den Ranzen ab und geht zum Telefon. Aufgeregt ruft sie: „Mutti, Mutti,
Vati ist am Apparat., komm schnell“!!!
Astrid nimmt eilends den Hörer und meldet sich. In dem anschließendem
Gespräch versucht Professor Werner seiner Frau zu erklären, dass er
Weihnachten nicht heimkommen könne. Sie soll stattdessen mit den Kindern
ihn besuchen, damit sie zusammen den Heiligen Abend feiern können. Astrid
fühlt sich bei diesem Gedanken nicht wohl und spricht zitternd, dass ihr das
nicht gelegen komme, denn die Urgroßeltern seien krank und sie könne die
alten Leute nicht allein lassen.
Mike und Walli haben die Worte ihres Vaters gehört. Sie klammern sich an
ihre Mutter, damit sie zustimmt. Schließlich sagt sie zu. Jubelnd wird sie von
ihren Kindern umarmt und geküsst. Sie sind selig, denn noch nie in ihrem
Leben haben sie so eine weite Reise gemacht. Mike verspricht seiner Mutter,
seine Leistungen in der Schule zu steigern. Auch will er bis zum Abflug
keinen Fußball mehr spielen und keine Rockmusik mehr hören. Dafür will er
in „Englisch“ und „Deutsch“ büffeln, damit er eine gute Note bekommt. Auch
will er einen Plan machen, was vor dem Abflug alles erledigt werden muss.
Selbst für die Urgroßeltern weiß er Rat. Er wird die Gemeindeschwester
Wilhelmine, die er vom Roten Kreuz her kennt, bitten, dass sie sich um sie
kümmert.
Mike will jetzt den Weihnachtsbaum aufstellen, den er schon vom Keller
geholt hat. Da sie am Heiligen Abend nicht in der Wohnung sein werden,
beschließen sie, für ihn im Vorgarten einen Platz zu suchen. Hier wird er von
vielen Menschen gesehen werden, wenn sie auch nicht zu Hause sind. Mit
dem Nachbarn will Mike sprechen, damit er abends die Lichterkette
anschaltet.
Als der Baum geschmückt ist und die Lichter probeweise brennen, setzt sich
Astrid erschöpft auf das Sofa. Als sie ihren Kopf stützt, stehen ihr Tränen in
den Augen. Es sind aber keine des Schmerzes sondern Ausdruck eines
unsagbaren Glücksgefühls, das sie durchflutet. Der sonst unbekümmerte und
sorgenlose Mike ist betroffen und wie verwandelt. Allen drei erscheint die
Welt freundlicher und heller. Ihnen ist, als wäre ein Stern aufgegangen und
würde ihnen einen Weg ins Glück weisen. Sie werden ihren lieben Papa
wieder sehen und sie freuen sich auf den gemeinsam zu feiernden Heiligen
Abend. Sie berührt es nicht, dass dies in der Fremde sein wird. Aber vorher
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warten noch viele Erledigungen auf sie. Astrid muss mit dem Rektor
sprechen, damit Mike und Walli drei Tage der Schule fernbleiben dürfen.
Flugkarten, Pässe, Kofferpacken sind einige der wichtigsten Aufgaben.
Schnell vergehen die Tage und das große Erlebnis beginnt. Auch Professor
Werner freut sich. Die Arbeiten in den unwegsamen Bergen sind
verantwortungsvoll aber eintönig. Sein umfassendes Fachwissen, mit dem er
im Deutschen Fernsehen seine Serie „Wunder des Weltalls“ gestaltete oder
mit dem er viele Fachbücher geschrieben hat, benötigt er hier, um es in die
Praxis umzusetzen. Das erfordert seinen vollen persönlichen Einsatz. Jetzt
aber denkt er mehr an seine Familie und die bevorstehenden Feiertage.
Dieses Jahr feiert seine Familie zum ersten Mal nicht in der gewohnten
Umgebung. Er wird alles daran setzen, dass es seinen Lieben in der Fremde
gefällt. Er macht sich Gedanken, wie er sie am besten und sichersten hierher
bekommt. Er denkt an die Regierungs- und Handelsdelegation. Deren
überraschend angesagter Besuch ist die Ursache, dass er vor Weihnachten
nicht heim fliegen kann. Von der Sternwarte wird die Delegation nach der
Besichtigung mit dem Hubschrauber zum nächsten Flugplatz geflogen. Der
Hubschrauber könnte auf dem Rückflug seine Familie mitnehmen, zumal eine
Fahrt mit dem Wagen in diesem Krisengebiet zu gefährlich ist.
Professor Werner ist an sich ein ruhiger und überlegender Typ. Aber er fühlt
sich in der Erwartung seiner Familie und des Weihnachtsfestes unruhig und
er fiebert dem Augenblick entgegen, an dem er seine Lieben begrüßen kann.
Heiliger Abend in La Paz.
Professor Werner kann Weihnachten nicht wie geplant bei seiner Familie
verbringen. Er leitet die neu erbaute Sternwarte in den Anden. Eine
Delegation der Europäischen Union, die Südamerika bereist, hat sich
kurzfristig für eine Besichtigung angemeldet. Werner hat seine Frau gebeten,
ihn mit den Kindern Mike (11 J,) und Walli (9 J. ) zu besuchen, damit sie das
Fest gemeinsam feiern können. Frau Astrid hat nur schweren Herzens
zugesagt. Den Kindern aber macht es viel Spaß, dass sie eine so große
Reise machen dürfen.
Unterwegs nach La Paz.
Frau Astrid ist geschockt. Sie soll mit ihrer Familie den Heiligen Abend
außerhalb ihrer Wohnung in einem fernen Land verbringen
Den Heiligen Abend mit Familie und Weihnachtsbaum hat sie bisher zu
Hause gefeiert, als Kind mit ihren Eltern und nachdem sie verheiratet war und
Kinder da waren, trafen sich zum Fest ihre Eltern und auch die Großeltern in
ihrer Wohnung. Das war der Grund, warum sie beim Anruf ihres Mannes so
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betroffen und kopflos war. Doch sie hat sich gefasst und sich mit dem
Gedanken vertraut gemacht, Weihnachten in der Ferne zu erleben.
Schließlich ist es doch gleichgültig, wo sie mit ihren Lieben diese Tage
verbringt. Die Hauptsache ist doch, dass sie mit ihrem Mann und den Kindern
zusammen ist und Vati sich nicht irgendwo in der Welt alleine verlassen fühlt.
Diese Gedanken beruhigen sie. Sie bemüht sich, die Reise gründlich
vorzubereiten. Heute früh war sie beim Rektor, um ihn zu bitten, dass er den
Kindern drei Tage schulfrei gibt. Auch mit der Klassenlehrerin hat sie
gesprochen. Sie freut sich, dass Mike in den letzten Tagen sich angestrengt
und eine gute Note geschrieben hat, so dass keine Versetzungsgefahr mehr
besteht.
Eine Frau Dolores hat angerufen, deren spanischer Akzent nicht zu
überhören war, obwohl sie ein klares „Deutsch“ sprach. Sie ist eine
Angestellte der Sternwarte ihres Mannes. Sie befindet sich auf einer
Europareise. Da sie nach Südamerika zurückfliegen wird, wurde sie von
ihrem Mann angewiesen, ihr beim Flug behilflich zu sein. Waltrud ist darüber
erleichtert, denn sie hat bisher bei Reisen sich um nichts zu kümmern
brauchen. Die zwei Frauen werden sich zwei Stunden vor dem Abflug auf
dem Terminal A des Frankfurter Flughafens treffen, damit sie zusammen
einschecken und möglichst Plätze beieinander bekommen. In Südamerika
müssen sie zweimal in eine andere Maschine umsteigen. Astrid ist erleichtert,
da ihr Frau Dolores, die öfters diese Route fliegt, dabei helfen kann.
Der Reisetag ist gekommen. Astrid will mit einem Taxi zum Flughafen fahren.
Aber ihre Schwägerin Biggi mit ihrem Sohn Julian wollen sie mit ihren Wagen
dorthin bringen. Biggi`s Kombi ist mit dem vielen Gepäck und fünf Personen
überlastet. Als sie den Flughafen erreicht haben, fühlen sich Mike und Julian
als die Stärksten, als sie in der Tiefgarage die Koffer und Taschen auf den
Gepäckwagen verstauen und ihn hochbeladen durch die vielen Gänge bis
zum Terminal A schieben.
Julien ist traurig, da er gern mit fliegen würde. Mike muss ihm versprechen
anzurufen, wenn sie angekommen sind.
Mike sitzt neben seiner Schwester am Fenster. Damit er sich nicht erkältet,
legt seine Mutter eine Kolter über seine Schultern. Die beiden Frauen, die in
der Reihe hinter den Kindern sitzen, unterhalten sich angeregt. Dolores
erzählt, dass sie in dem kleinen Bergdorf in der Nähe der Sternwarte geboren
und aufgewachsen ist. Ihr Pfarrer hat es ihr ermöglicht, dass sie in der Stadt
in die Schule gehen konnte. Sie lebte dort bei einer Tante. Da sie schwarz
gekleidet ist, fragt Astrid vorsichtig, ob sie Trauer habe. Doloris erzählt mit
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gedrückter Stimme, dass ihr Vater vor drei Monaten ums Leben gekommen
ist. Niemand kann im Dorf ihr sagen, wer an seinem Tod schuld ist. Der
Bürgerkrieg ist schon Jahre beendet. Aber in dem unwegsamen Gelände
hausen noch immer Versprengte, die nicht aufgeben wollen. So können die
„Gesetzlosen“ ihn getötet haben. Sie vermutet aber, dass er von Soldaten
erschossen worden ist. Das Militär gehe rücksichtslos bei Kontrollen vor und
mache von der Schusswaffe zu schnell Gebrauch. Die Bevölkerung lebt
deshalb in Angst. Die Menschen trauen sich nicht, ihre Dörfer zu verlassen.
Astrid fragt vorsichtig: „Die Leute im Dorf müssten doch wissen, wie ihr Vater
gestorben ist oder haben sie Angst, etwas zu sagen?“ Dolores fällt es schwer
zu antworten. Sinngemäß beschreibt sie die Probleme in ihrem Land.
„Wenn jemand die Verhältnisse nicht kennt, ist es schwer, die Ereignisse zu
verstehen. Die meisten, die im Bürgerkrieg gekämpft haben, sind nach dem
Krieg in ihre Dörfer zurückgekehrt .Sie leben jetzt friedlich bei ihren Familien.
Aber einzelne, die sich bei dem oft von beiden Seiten grausam geführten
Krieg besonders eingesetzt haben und erkannt worden sind, werden
steckbrieflich gesucht. Ihr Portrait hängt in allen Polizeistationen.
Wenn sie gefasst werden, kommen sie vor Gericht. Da es bei allen Kämpfen
Tote gegeben hat, haben sie keine Gnade zu erwarten und die Todesstrafe ist
ihnen sicher. Sie verstecken sich deshalb in den unwegsamen Bergen. Die
Bevölkerung sympathisiert mit ihnen, denn oft sind es Verwandte oder Söhne
von Freunden. Offen dürfen sie sich nicht zu ihnen bekennen. Wenn eine
Unterstützung der Gesetzlosen nachgewiesen wird, greift das Militär
rücksichtslos durch. Das geht soweit, dass Gehöfte niedergebrannt oder
Männer wahllos erschossen werden. Jeder zittert, wenn er im Dorf einen
Gesetzlosen sieht. Alle wissen, dass sie oft bei einer Freundin eine Nacht
verbringen oder dass heimlich außerhalb des Dorfes Lebensmittel für sie
versteckt sind. Keiner wagt ein Wort darüber zu sprechen“.
Doris spricht jetzt flüsternd weiter:“ An dem Tag, als mein Vater starb, wurden
zwei Gesetzlose im Dorf gesehen. Vermutlich hatten sie in einer der Hütten
die Nacht verbracht. Drei Stunden später ritt ein Trupp Regierungssoldaten
schwer bewaffnet durch die einfachen Dorfstraßen. Sie suchten die
Schlupfwinkel, in den die Flüchtigen sich versteckt hatten. Das Dorf und die
Straßen schienen wie menschenleer. Ängstlich hatten sich die Einwohner in
ihre Hütten zurückgezogen. Die Frauen beteten, dass alles gut vorübergehen
würde. Unsere Nachbarin kam zu meinem Vater gerannt und sagte ihm, dass
ihre Kinder oben am Felsen sich befinden. Dieser Platz ist 500 m vom Ort
entfernt. Er eignet sich für die Kinder herrlich zum spielen. Sicher würden die
Soldaten hier zuerst suchen. Schweren Herzens hat sich mein Vater auf den
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Weg gemacht, um nach den Kindern zu schauen. Kurz darauf hörten die
Bewohner einige Schüsse. Sie wagten sich erst aus den Häusern, als es
dunkel wurde. Sie fanden meinen Vater blutüberströmt tot in der Nähe der
Felsen. Die Kinder waren unversehrt, denn sie hatten sich beim Nähern der
Soldaten in einer Höhle versteckt. Sie haben deshalb nicht gesehen, wer
meinen Vater erschossen hat“.
Jetzt übermannte es Dolores und sie konnte ihre Tränen nicht mehr
unterdrücken. Astrid drückte ihr fest die Hand. Sie empfand Mitgefühl und
Verständnis für die trauernde Frau. Sie stellte keine weiteren Fragen mehr.
Von dem Gehörten ist sie so bewegt, dass sie mit der armen Frau heulen
könnte.
Nach einigen Minuten des Schweigens haben sich die beiden beruhigt.
Dolores erzählt weiter, dass ihre Mutter vor drei Jahren gestorben ist. Sie
habe einen Bruder, der betreibe eine kleine Landwirtschaft in der Nähe der
Sternwarte. Wie alle Menschen in dieser Gegend müsse er viel arbeiten und
die Erträge seien gering. Aber er habe einen guten Kontakt zu dem Hotel der
Sternwarte, denn er kennt den Hotelier, da er mit ihm in die Schule gegangen
ist. Er beliefert ihn mit Gemüse, Obst und Kleinvieh. Auch hilft er ihm bei
Bedarf. Mit diesen Einnahmen kann er leben und hat sein Auskommen.
Durch die Unterhaltung erscheint den Frauen die Zeit im Flugzeug nicht lang.
Die beiden Kinder sind eingeschlafen. Sie sind von den Anstrengungen und
vielen neuen Eindrücken ermüdet.
Draußen vor den kleinen Fensterluken ist es finster, denn die Maschine ist
erst kurz vor Mitternacht gestartet. Auch Astrid spürt die Müdigkeit. Sie
schließt die Augen und versucht zu schlafen. Es wird ein Film in spanischer
Sprache gezeigt. Da Astrid kein „Spanisch“ versteht, hat sie den Kopfhörer
abgeschaltet. Sie kann nicht einschlafen, denn zu sehr sind ihre Gedanken
durch die Erzählungen von Dolores aufgewühlt. Mit Schrecken wird ihr
bewusst, dass die Sternwarte mitten in einem Krisengebiet sich befindet.
Bisher hat sie sich keine Sorgen um ihren Mann gemacht. Der Gedanke,
dass er sich in einem Gebiet befindet, in dem Menschen ohne zu zögern
erschossen werden, macht sie unruhig und ängstlich.
Frau Doloris hat sich beruhigt. Sie glaubt, dass Astrid schläft, denn sie hat die
Augen geschlossen und sich entspannt zurückgelegt. Von dem gerade
gezeigten Film ist sie begeistert, denn die Hauptrolle spielt ihr
Lieblingsschauspieler. Der Film ist zu Ende. Die Wochenschau begeistert sie
weniger. Aber sie schreckt auf, denn sie sieht eine europäische
Regierungsdelegation, die Südamerika bereist und von Regierungschefs
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begrüßt wird. Es wird jetzt gezeigt, wie der Hubschrauber, in dem sich die
Delegation befindet, vor der neu gebauten Sternwarte in 5500 m Höhe landet.
Die Abgeordneten werden von dem Leiter der Sternwarte, Prof. Werner,
begrüßt. Dabei erwähnt er, dass sich die bekannteste Stadt der Inka`s
„Cusco“ in der Nähe befindet. Aufgeregt rüttelt Doloris am Arm von Astrid.
Gerade noch kann sie die letzten Bilder sehen.
Heiliger Abend in La Paz
Die Sternwarte
Sie ist erst im vergangenen Jahr eingeweiht worden. Sie wurde im Auftrag
der Vereinten Nationen gebaut. Der Leiter ist der deutsche Professor Werner,
der auch bei der Planung beteiligt war. In Deutschland ist er durch seine
astrologischen Fernsehsendungen bekannt. Die Sternwarte befindet sich in
dem Hochgebirge der Anden auf einem Hochplateau in 5500 m Höhe. Hierhin
kann man nur mit einem Helikopter gelangen. Die fast senkrechten Hänge
machen ein Erklimmen oder Besteigen unmöglich. In der Ferne wird das
Hochplateau von Bergmassiven begrenzt, die es vor Witterungseinflüssen
schützen. So hat die Sternwarte ideale Voraussetzungen, um von hier aus
das Geschehen im All zu beobachten. Ein Gebäude für die Angestellten, ein
kleiner Flugplatz zum Landen der Hubschrauber, eine kleine Flugzeughalle
und ein Geräteschuppen gehören zu dieser Bergstation.
Die Talstation befindet sich in 2000 m Höhe. Wegen der Kriegswirren ist die
Anlage durch eine hohe Mauer geschützt und nur durch ein bewachtes Tor
betretbar. Sie wird durch eine Gruppe von Uno-Soldaten bewacht, deren
Kommandant der amerikanische Kolonel Smith ist. In dieser Anlage befindet
sich auch ein kleiner Landeplatz und ein Hotel zur Unterbringung der
Mitarbeiter und Gäste. In diesem Hotel wohnt Professor Werner und hier
bringt er auch seine Familie unter.
Nach anstrengendem Flug am Ziel.
Mit einem Heli holt Professor Werner seine Familie von dem Flugplatz ab. Die
Kinder sind aufgeregt, als sie in den Hubschrauber steigen dürfen. Während
des Fluges zeigt er seinen Lieben die Bergstation der Sternwarte. Bei dem
sonnenklarem Wetter bietet diese einen herrlichen Anblick. Doch bald landen
sie in der Talstation. Damit geht für Mike und Walli ein anstrengender Tag zu
Ende. Sie werden zum ersten Mal in ihrem neuen Urlaubsort schlafen und
von kommenden Abenteuern träumen.
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Frühstück im Speisesaal.
Obwohl der Speisesaal nicht pompös eingerichtet ist, wirkt er einladend und
gemütlich. Die drei geschwungenen Vorhänge der drei Fenster zeigen den
guten Geschmack der Frau des Hoteliers. Liebevoll hat sie die einfachen
Tische mit weißen Decken eingedeckt und mit Blumen aus dem eigenen
Garten verziert, die sie in kleine Vasen kunstvoll gesteckt hat. In dieser
Umgebung fühlt sich Professor Werner wie zu Hause wohl, zumal ihm der
Wirt ein extra aus Deutschland importiertes Bier anbietet. Auf dem Weg zu
seinem Stammplatz verweilt er an einem der besetzten Tische. Kolonel Smith
speist hier mit seiner Frau und seinem Sohn Henry. Werner stellt ihm seine
Frau und seine Kinder vor. Mike findet auf Anhieb Sympathie für den
gleichaltrigen Henry. Zu den Kindern gewandt sagt Professor Werner: „Wenn
Ihr wollt, könnt ihr im Hof spielen. Hier gibt es viel für euch zu sehen. Überall
dürft ihr auskundschaften und herumtollen. Nur die Hotelanlage dürft Ihr nicht
verlassen, denn draußen ist es gefährlich“.
Nach dem Frühstück dürfen die Kindern nach außen gehen. Astrid ermahnt
noch einmal Mike zu beachten, was Vati gesagt hat.
Henry ist ein Unruhegeist.
Henry spricht nur Englisch. Jetzt freut sich Mike, dass er die letzten Tage zu
Hause gebüffelt hat. Es macht ihm Spaß mit seinen Englischkenntnissen zu
protzen. So klappt die Verständigung prima. Henry ist unruhig. Nirgends kann
er lange verweilen. Er übernimmt wie selbstverständlich die Führung, als sie
jetzt das Lager inspizieren. Sein erstes Ziel ist der Hubschrauber. Dem
Piloten, der ihn reinigt, macht es Spaß, die Kinder
Das bewachte Tor
auf dem Pilotensitz spielen zu lassen. Nach wenigen Minuten ist es Henry zu
langweilig. Er springt von dem Sitz herunter und rennt zu den einheimischen
Soldaten, die in der nähe des Tores stehen. Mike folgt ihm, obwohl er die
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Unrast seines neues Freundes nicht versteht. Henry versucht sich mit den
Soldaten zu verständigen. Da sie Spanisch sprechen, verstehen sie ihn nicht.
Sie lassen ihn gewähren. Er darf sogar ein Gewehr in die Hand nehmen. Er
sieht jetzt den Posten an der Wache, der die Eingänge kontrolliert.
Er gibt das Gewehr zurück, fasst Walli an der Hand und geht zu ihm. Als er
merkt, dass er nicht aufgehalten wird, geht er mit Walli stolz an dem Posten
vorbei. Er rennt mit dem Mädchen wie ein Irrer durch die einfache
Dorfstraße. Mike ist entsetzt, als er ihn weglaufen sieht. Er denkt an das
Verbot seines Vaters. Unbedingt muss er Walli zurückholen. Er läuft so
schnell er kann. Erst am Ende der Straße kann er sie einholen. Er will seiner
Schwester zurück zum Hotel. Er fasst sie an der Hand. Aber er hat den
ungestümen Henry unterschätzt. Ehe sich Mike versehen kann, hat Henry die
andere ergriffen. Er reißt das Mädchen los und beginnt erneut zu rennen. In
100 m Entfernung hat er einen riesigen Felsen entdeckt und rennt auf diesen
zu. Jetzt reicht es Mike. Er schimpft seinen neuen Freund aus und sagt ihm,
dass er dieses Spiel nicht mit macht und zurückgeht.
Die Szene ändert sich. Einige Meter vor ihnen arbeitet ein Bauer, der ihnen
freundlich winkt und sich ihnen nähert. Es ist Niko, der Bruder von Dolores.
Da er kein „Deutsch“ kann, spricht er in gebrochenem „Englisch“ mit ihnen. Er
erzählt ihnen, dass er der Bruder von Dolores ist, die gestern mit ihnen von
Deutschland gekommen ist. Plötzlich erschreckt er, denn er sieht in der Ferne
drei Reiter, die sich vorsichtig nähern.
Niko zerrt die Kinder in sein Haus und schuppst sie unter eine Bank und
bedeutet ihnen, sich ganz ruhig zu verhalten. Die Reiter haben das Haus
erreicht. Sie fordern von ihm Lebensmittel, was er verweigert. Mit einem
Knüppel schlägt der eine Reiter auf ihn ein, so dass er bewusstlos zu Boden
stürzt.
Mike wagt kaum zu atmen. Er sieht, wie einer eine Klappe am Fußboden
aufreißt und einen Sack heraus nimmt. Er spuckt Niko an und tritt ihm mit
voller Wucht in den Rücken.
Nach einer Weile kriechen die Kinder aus ihrem Versteck. Sie rütteln den
Bewusstlosen wach. Dieser schüttelt sich und weint. Die Kinder verstehen
von dem Gejammer kein Wort. Obwohl er sie nicht versteht, versuchen sie
ihn zu trösten.
Mit hängenden Köpfen, tief aufgewühlt, trippeln sie heim. Aus Angst vor
Strafe erzählen Mike und Walli ihrer Mutti nichts von dem Vorgefallenen.
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Heiliger Abend in La Paz. Felice Navidad.
Niko in größter Bedrängnis. Heiliger Abend in der Fremde.
Ungewohnter Lärm
Am nächsten Morgen, es ist der 24. Dezember, der Tag des Heiligen Abends,
hören die Gäste beim Frühstück von außen kommend ungewohnten Lärm
und Geschrei. Der Gastronom stürzt an den Tisch des Kolonels Smith und
berichtet ihm hastig, dass die Soldaten Niko erschießen wollen. Seine
Schwester Dolores springt auf, um ihrem Bruder zu helfen. Die Soldaten
machen mit ihr keine Umstände und sperren die sich heftig wehrende Frau in
eine Zelle neben der Wache. Professor Werner, der Niko gut kennt, eilt zum
Tisch des Kolonels und bittet ihn, die Exekution zu verhindern. Dieser aber
schüttelt bedauernd den Kopf und sagt, dass er sich nicht in die inneren
Angelegenheiten des Landes einmischen dürfe. Er erklärt sich aber bereit,
einen Versuch zu wagen. Als die beiden Männer nach außen gehen, müssen
die Kinder innen bleiben. Aber sie beobachten vom Fenster aus das
Geschehen und hören wie der Commadante sich äußert, dass es ihm sehr
Leid täte. Sinngemäß sagt er, dass er mit seinen Soldaten nicht zum
Vergnügen hier wäre. Er verweist auf die überall aufgehängten Plakate, in
denen jedem, der die Gesetzlosen unterstützt, die Todesstrafe angedroht
wird. Niko habe ihnen Lebensmittel gegeben. Damit habe er eindeutig gegen
die Gesetze verstoßen. Er könne noch aus einem anderen Grund keine
Gnade gewähren, da bei dem Schusswechsel einer seiner Leute tödlich
verletzt worden ist. Er zeigt auf das Pferd mit einem toten Soldaten, das
gerade durch den Eingang geführt wird. Das ist der einzige Sohn meiner
Schwester und ich muss ihr nachher die traurige Nachricht von dem Tod
ihres Sohnes überbringen.
Mike und Henry erschrecken, als sie in dem Gefangenen ihren Bauern von
gestern erkennen. Als sie bemerken, dass ihre Väter sich mit traurigem
Gesicht abwenden, sind sie nicht mehr zu halten und stürmen zu dem
Commandande. Henry ist als erster bei ihm.
Mit hastigen Worten berichtet er ihm, was sie gestern erlebt haben. Der
Commandande versteht von seinem Gestammel kein Wort. Er fragt deshalb
den ruhigeren Mike, was der Auftritt zu bedeuten habe. Mike erzählt nun, was
er gestern gesehen hat. Er berichtet, dass die Gesetzlosen Niko bewusstlos
geschlagen haben. Sie haben aus einer Luke sich die Sachen genommen,
während Niko am Boden lag. Er vergisst auch nicht zu erwähnen, dass Niko
die Kinder, um sie vor den Gesetzlosen zu schützen unter einer Bank
versteckt hat.
Der Commandande ist kein rachsüchtiger und blutrünstiger Mensch. Er atmet
befreit auf, dass er nach dieser klaren Aussage den Gefangenen freilassen
kann, da er unschuldig ist.
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Die Weihnachtsfeier
Am Abend ist der Hotelsaal überfüllt. Die einheimischen
Weihnachten in der Fremde
Wachsoldaten und auch die der „Uno“ sind bis auf die, die Dienst haben, alle
im Raum. Auch viele Verwandte und Bekannte aus dem Dorf sind anwesend.
Zwischen ihnen sitzt auch Niko, der beinahe am Vormittag erschossen
worden wäre. Professor Werner, der Leiter der Sternwarte, begrüßt die Gäste
auf Englisch. Frau Dolores übersetzt seine Worte auf Spanisch. Die
Einheimischen singen ein spanisches Weihnachtslied. Vorher aber spricht
Dolores ein paar erklärende Worte in tadellosem Englisch. Sinngemäß sagt
sie, dass sie im vergangenen Jahr das Weihnachtsfest in Deutschland
gefeiert hat. „Ich war bei Ihnen“, dabei blickt sie Professor Werner und seine
Frau an. Dann fährt sie fort:
„Bei Ihnen ist es ein Fest der Familie. Die Geschäfte sind geschlossen und
die Straßen menschenleer. Die Eltern gehen zu ihren Kindern oder die Kinder
zu ihren Eltern. Bei uns ist es ein fröhliches Fest, was wir mit Bekannten und
Freunden feiern. Wir nennen es „Felice Navidad“. Wir feiern das Fest mit
fröhlichem und lustigem Gesang“.
Dolores stimmt ein Lied an. Der Saal erschallt von den durchdringenden
Stimmen der begeistert mitsingenden Gäste.
Professor Werner bedankt sich bei Dolores und ihren Freunden für das
schöne Lied. Er wolle aber diese schöne Feier nicht beenden, ohne noch ein
paar Worte zu sagen.
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„Vor zweitausend Jahren wurde unser Heiland geboren, der uns Menschen
Glück und Frieden bringen will. Ich freue mich, dass bei diesem Fest meine
Familie bei mir ist“. Bei diesen Worten drückt er seine Frau und mit den
Händen fasst er seine Kinder. Laut und vernehmlich spricht er weiter:
„Wir sind weit davon entfernt die Verhältnisse auf unserer Welt als ideal zu
bezeichnen. Aber ich wünsche uns allen, die wir hier versammelt sind, dass
wir gemeinsam ein friedfertiges, glückliches Weihnachtsfest erleben“.
Mit leiser Stimme beginnt er das deutsche Weihnachtslied: „Stille Nacht,
heilige Nacht“ zu singen.
Alle im Raum sind ergriffen. Nach dem Gesang ist Totenstille.
Niko steht auf und bittet freundlich Herrn Professor Werner ein paar Worte
sagen zu dürfen. Er spricht nur in gebrochenem Englisch. Aber die meisten
können ihn verstehen.
„Durch den nicht von mir und nicht von Ihnen verursachten Krieg wäre ich
beinah heute getötet worden. Euch Kinder war verboten worden, das Hotel zu
verlassen. War es nicht Gottes Wille, dass ihr ungehorsam wart. Das
Christkind hat euch aus dem Lager geführt, hat eure Schritte gerade in der
Stunde zu mir gelenkt, als die Gesetzlosen Lebensmittel von mir geraubt
haben. So konntet Ihr für mich zeugen. Wart Ihr nicht Werkzeug des
himmlischen Kindes? Mudias Grazias.“
Alle sind von diesen Worten gerührt. Niko macht ein Kreuzzeichen und betet
auf Spanisch das „Vater unser“.
Anschließend werden Geschenke verteilt.
Walli drückt sich an ihren Vati und sagt mit tränender Stimme: “Das ist die
schönste Weihnacht meines Lebens“.
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Weihnachtsgeschichte in 2 Folgen. Griesgram
Die Wandlung eines Geizkragens, der sich zum Gutopa mausert.
Es gibt außer uns auch noch andere Menschen!
Vorweg ein paar wehleidige Gedanken.
Der Alltag lässt uns oft vergessen, dass es außer uns noch andere Menschen
gibt, deren Schicksal uns gleichgültig ist. Dabei verlangen die „Zehn Gebote“
von uns Christen, dass wir uns um den Nächsten kümmern sollen. Dabei ist
es unwichtig, wer dieser Nächste ist. Tausende opfern sich für andere auf,
deren Namen und Schicksal sie oft nicht kennen. Tun wir das auch?
Deshalb ist jetzt an Weihnachtren die beste Gelegenheit, darüber
nachzudenken. Dies hat mich angeregt, die Geschichte von dem Geizkragen
zu schreiben, der seine Augen geöffnet und ein Herz für seine Umwelt
entdeckt hat. Sind wir nicht alle etwas egoistisch?
Wenn ich über mein Leben nachdenke, so sind meine Gefühle gespalten.
Es erfüllt mich mit Stolz, viel erlebt und manches erreicht zu haben. Doch ein
bitterer Geschmack bleibt. Ich bin mir bewusst, dass ich manches hätte
besser machen können, da das einfach „Menschliche“ zu kurz gekommen ist.
Ich will mich selbst auf die „Schippe“ nehmen, denn ich habe über einen alten
„Griesgram“, der ich selbst sein könnte, diese geschrieben. Der „Alte“ hat
sein Leben selbstherrlich verbracht und nur an sich gedacht hat. Durch einen
Traum wird er aufgeschreckt. Aus dem „Griesgram“, den seine Mitmenschen
nicht leiden konnten wird ein „Gutopa“, den alle lieben. Ich hoffe, dass es
Ihnen Spaß macht. Diese Geschichte ist nicht wahr. Wenn dem so ist, so ist
sie wenigstens gut erfunden. Aber sie klingt gut und lässt sich gut lesen. Ein
klein wenig werden Sie vielleicht angeregt, darüber nachzudenken.
Am Heiligen Abend.
Opa Gustav denkt, er wäre ein Gutopa. Der alte Griesgram ist von sich
so überzeugt und von sich eingenommen, dass er nicht merkt, dass er
ein alter Griesgram ist vor dem sich alle fürchten und froh sind, wenn
sie ihn nicht sehen.
Er liebt seine Familie, besonders seine Frau, seine fünf Söhne und seine
acht Enkel und fühlt sich wie ein Pascha, der über alle schwebt. Er hat aber
einen schrecklichen Traum durch den er aufgeschreckt wird. Er träumt, dass
er der Opa Griesgram sei, der nicht nur so heißt, sondern auch ein alter
Griesgram ist.
Seine eigene Seele schreit ihn an, dass er sein Leben ändern solle.
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Du bist ein Griesgram. Schäme dich, du bist stolz, geizig, reich und
gierig.
Erbärmlicher Wicht. Du kennst nur dein „Ich“ . Das „Wir“ ist dir fremd.
Einst warst du gütig. Das ist schon lange…lange Ewigkeiten her.
Siehst du nicht, dass Luz dort schon das Feuer anfacht. Siehst du es
nicht brennen und lodern. Er will dich rösten, braten und zertreten“Was
ist passiert?
Griesgram ist der Mittelpunkt seiner Sippe. Das war schon ewig so und wird
nach seinen Vorstellungen auch so bleiben, solange er lebt. Er merkt nicht,
dass seine Kinder, selbst seine Enkel schon erwachsen sind und bestrebt
sind, sich ihren eigenen Lebenskreis aufzubauen. Er hört nicht, wenn sie
sagen: „Oh Gott, der Alte ist schon wieder da. Was hat er heute zu meckern?
Ein Wunder geschieht über Nacht. Auf einmal ist alles anders. Alle freuen
sich, wenn sie Opa sehen. Sogar sein Ältester hat ihn heute gedrückt, was
schon Ewigkeiten her ist, dass er dies einmal getan hat.
Was ist geschehen? Es ist eine ganz einfache Geschichte. Ich will sie Ihnen
nicht vorenthalten.
Griesgram. Ein Gläschen zu viel. Wandlung vom Griesgram zum
Gutopa.
Opa Gustav hat kein schlechtes Gewissen, wenn er selbstgefällig sich
gemütlich macht, denn seine Mitmenschen interessieren ihn nicht. Die
Hauptsache ist, wenn es ihm gut geht
Gemütlich streckt er sich im Fernsehsessel. Seine Frau ist in der Christmette.
Er hatte keine Lust mitzugehen und ihr vorgetäuscht, dass er sich nicht wohl
fühle. Den Glimmerkasten lässt er aus. Dafür hat er eine Kanne mit heißem
Grog vor sich auf dem Tisch stehen, den ihm seine Frau vorbereitet hat,
damit er nicht krank wird. Selbstverständlich hat er dem Drink noch einen
ordentlichen Schuss Rum zugesetzt. Zwei Glas hat er schon getrunken. Er
friert nicht mehr. Ohne Schwierigkeiten trinkt er auch noch den Rest. Flugs ist
er eingeschlafen.
Aber es passiert etwas Fürchterliches. Eine grässliche Fratze grinst ihn an.
Es ist der Satan Luz, der ihn hohnlachend verspottet. Krächzend spottet er:
„Du alter Geizkragen, jetzt hol ich dich. Du belügst deine Frau, um dich zu
betrinken. Zertreten werde ich dich wie eine Laus, eine Laus,…. eine
Laus…“… Dem Gustav dröhnt es in den Ohren. Er will sie zuhalten, vermag
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es aber nicht. Ihm ist zumute, als wenn der Boden unter seinen Füßen
schwindet und er in eine bodenlose Tiefe fällt.
Ich, ich, eine Laus....… eine Laus…... eine Laus
Gustav Griesgram fühlt sich zertreten wie eine Laus. Bei anderen Menschen
hat er sich als der „Größte“ aufspielt. Jetzt bekommt er seine Strafe. Das fühlt
er, denn er hat unbändige Angst vor dem Satan Luz. Er weiß, dass er
verloren hat. Wie als wenn Schuppen von seinen Augen wegfallen, wird im
klar, dass es keine Rettung mehr für ihn gibt. Warum war er nur so ein
Miesepeter und geizig? Für Selbstvorwürfe ist es zu spät. Er hätte sein Leben
anders gestalten sollen….. … ….Überraschend retten ihn Anne und Jane.
Rettung naht.
Aber Rettung naht in Gestalt von zwei kleinen Engeln. Es sind Anne und
Jane. Dies sind seine Enkelinnen, die er sehr gerne hat. Sie schweben
herein, halten ein Kreuz in der Hand. Zähneknirschend fliegt Luz weg. Wenn
ein Kreuz in der Nähe ist, muss er verschwinden. Das ist ein Millionen Jahre
altes Gesetz. Notgedrungen verschwindet er.
Hasserfüllt schaut er noch einmal auf Griesgram und denkt, dass er den
Geizkragen noch erwischt, denn er kann sich nicht vorstellen, dass Gabius so
einen Sündenbock in den Himmel lässt.
Erschöpft setzen sich die beiden Engel neben ihren Opa. Sie sind tief
erschrocken und betrübt, denn sie glauben, dass Opa tot ist. Sie beschließen,
seine Seele sofort in den Himmel zu bringen. Das geht flugs. Im Bruchteil
einer Sekunde sind sie im Himmel. Hier ist die Wärme von Millionen Seelen
zu spüren. Sie setzen ihren Opa ab, denn sie müssen sich bei Erzengel
Gabius zurück melden.
Erzengel Gabius tobt.
Gabius ist als Erzengel ein alter Haudegen. Seit Millionen Jahren lebt er im
Himmel und in dem riesigen Weltall. Wie Luz ist er ein Stiefbruder von Gott
Vater. Während er ihm treulich dient, wenn er ihn auch seit Jahrtausenden
nicht mehr gesehen hat, so verspottet Luz seinen Halbbruder. Er will ihm die
Seelen abjagen. Er will sie nicht in die seligen Gefilde bringen. Nein, er will
sie zertreten, aber möglichst so, dass dies sein Halbbruder sieht, denn er will
sich an ihm rächen. Er quält seine Seelen aber nur so viel, dass ein Funken
Leben in ihnen bleibt. Dann wirft er sie in das Feuer der Hölle, damit sie
lebend braten.
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Dabei lacht er und hüpft vor Freude, dass er wieder einmal Gott Vater eine
Seele abgejagt hat.
Den Himmel darf er nicht betreten . Wenn er ein Kreuz sieht, muss er
verschwinden. Wenn er diese Regeln nicht befolgt, verliert er alle Macht, die
er als Satan schon seit Ewigkeiten besitzt. Luz ist jetzt scharf auf die Seele
des alten Griesgrämers Gustav. Auch seine Seele will er zertreten, um Gott
Vater zu ärgern.
Der Geizkragen muss aus dem Himmel raus.
Gabius sieht, dass die beiden Engel die Seele von ihrem Opa in den Himmel
gebracht haben. Er tobt über diesen Irrsinn. Erstens ist der Alte noch nicht tot,
sondern betrunken.
Das könnte er ihm noch verzeihen. Dieser Alte ist einer, der nur an sich denkt
und kein Herz für andere Menschen hat. Sein Entschluss steht fest, denn so
eine Kreatur hat im Himmel nichts verloren. Dieser Kerl muss hier raus aus.
Er ruft nach dem Himmelswächter, damit er ihn hinaus wirft. Ihn stört es nicht,
wenn Luz ihn zertritt und er in der Hölle braten muss. Er findet es gut, damit
er seine Strafe bekommt.
Er ruft so laut nach dem Himmelswächter, dass alle Seelen erstarren, denn er
ist ein alter Haudegen und Jahrtausende haben ihn geformt. Aber es
geschieht etwas Unerwartetes.
Es wird hell, die Seelen verstummen in ihrem rhythmischen Gesang. Oh Gott,
der Alte kommt, denkt er. Er meint damit Gott Vater. Laut aber spricht er zu
den beiden Engeln Anne und Jane, zu Gustav und den anderen umher
stehenden Engeln und den vielen Seelen im Himmel:
„Kniet euch nieder, Gott Vater kommt zu uns. Seit Tausenden von Jahren
habe ich ihn nicht mehr gesehen. Zeigt eure Demut und verneigt euch bis zur
Erde“.
Alle knien nieder und beugen ihren Oberkörper und berühren mit ihrer Stirn
den Boden. Sie wagen nicht aufzublicken. Nur Gabius bleibt aufrecht stehen.
Er braucht vor seinem Halbbruder sich nicht verbeugen. Aber er nimmt seine
Engelsmütze ab und erwartet demütig Gott Vater.
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Gustav wacht auf.
Dies ist der Augenblick, in dem Gustav aufwacht. Er ist schweißgebadet.
Jede Szene seines Traumes sieht er vor sich. Er fühlt, dass er sofort sein
Leben ändern muss.
Gustav ist ein Mann der Tat. Sein Rausch ist verflogen. Er steht auf, macht
sich frisch, ordnet das Zimmer, so gut er kann und spült die benutzen Gläser
und legt eine neue Tischdecke auf. Da seine Frau von der Christmette bald
zurückkommen wird, zündet er die Kerzen an.
Seine Frau Hildegard bemüht sich nach der Kirche so schnell zu gehen, als
sie kann, denn sie hat ein schlechtes Gewissen, dass sie ihren Mann am
Heiligen Abend allein zu Hause gelassen hat. Umso mehr ist sie überrascht,
als sie das aufgeräumte Wohnzimmer und die brennenden Kerzen am
Weihnachtsbaum sieht. Für die beiden wird es das schönste Weihnachtsfest
seit Jahren.
Es geschieht ein Wunder.
Seine Familie und seine Mitmenschen haben keine Angst mehr vor ihm. Das
Gegenteil ist der Fall. Alle freuen sich, wenn sie Gustav sehen. Er ist in
Zukunft nicht mehr der alte Griesgram sondern der Gutopa, den jeder gern
hat.
Gustav hat sich vorgenommen für den Rest seines Lebens zu allen
Menschen gut zu sein. Das Wunder ist wie bei einem Spiegel. Alle Güte, die
er ausstrahlt, strahlt wieder in sein Herz zurück. Er stellt fest, dass er sich in
seinem Leben noch nie so wohl gefühlt hat.
Eke-Ego- Griesgram
Noch eine Geschichte von einem Griesgram, der an Weihnachten zur
Besinnung kommt und seinen Lebensstil ändert. Er ist nicht mehr stur
und geizig, denn er hilft anderen, die in Not sind und findet dadurch
auch seinen inneren Frieden.
Sind wir nicht alle so ein bisschen wie der Griesgram, ohne dass wir
das merken. Ist nicht die Zeit an oder vor Weihnachten die beste, um
uns zu prüfen. Lesen sie mit Spaß deshalb die Geschichte von Eke-Ego
Griesgram.
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Eke-Ego Griesgram.
Hauptperson ist ein alter Griesgram, der zufälligerweise auch so heißt,
nämlich Eke- Ego Griesgram. Sein Schicksal kann uns helfen, den Weg zu
Gott und zum inneren Frieden zu finden, wenn wir ihn suchen. Für diejenigen
Menschen, die in ihrem Glauben Erfüllung finden, ist sie eine Bestätigung,
dass sie auf dem richtigen Weg sind.
Der rüstige Rentner.
Herr Griesgram ist ein rüstiger Rentner. Er hat in seinem Leben Glück gehabt
und könnte in Ruhe seinen Lebensabend genießen, wenn er nicht so ein
rücksichtsloser, egoistischer Mensch wäre. Sein Leben und sein
Wohlbefinden geht ihm über alles. Er bildet sich ein, für andere auch etwas
übrig zu haben. In der Regel sind dies wohlklingende, salbungsvolle Worte,
die sich erschöpfen, wenn es darum geht, anderen Menschen ernsthaft zu
helfen. In seiner Großfamilie ist er die dominierende Persönlichkeit. Seine
Söhne und Enkel, selbst seine Frau kennen ihn zur Genüge. Sie ehren und
achten ihn, aber sie haben den Versuch aufgegeben, ihn ernsthaft um Hilfe
und Unterstützung zu bitten. Seinen Ältesten, der ihn um Hilfe bitten wollte,
hat er mit leeren Worten abgespeist. Dabei erzählte er die Story, die schon
alle kennen, wie er in seinem Leben die Probleme meisterte.
Seine Frau Edith hat es lange bei ihm ausgehalten. Sie liebt ihn so, wie er ist.
Mehr als 50 Jahre leben sie zusammen. Dank ihrer Fürsorge und
Aufopferung für die Familie ist das Verhältnis ihrer Ehe als vorbildlich nach
innen und außen zu bezeichnen.
Edith geht es gesundheitlich seit Wochen nicht gut. Vor zehn Jahren war sie
ernsthaft krank. Zum Glück hatte sie es geschafft, die Krankheit zu
überwinden. Das dauerte bis vor ein paar Wochen. Sie fühlt sich elend und
wird von Schmerzen geplagt. Ihrem Mann getraut sie sich nicht zu
offenbaren. Allein ihr Gottvertrauen hält sie aufrecht. Im Gebet bittet sie ihren
Herrgott, dass er ihr nicht zu viele Prüfungen schicken solle.
Wie ein Fels steht Eke- Ego über allem. Scheinbar ist er immun gegen jede
Krankheit oder Unbill im Leben. Das ist in letzter Zeit aber nur äußerlich so.
Eke- Ego wird krank.
Seine Stimmung erreicht einen Tiefpunkt. Normal ist er lebensbejahend.
Schwierigkeiten, die nicht überwunden werden können, kennt er nicht. Aber
es kommen mehrere Faktoren zusammen, die ihm zu schaffen machen.
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Er fühlt sich nicht wohl, seine Füße erscheinen ihm wie Blei und sein Kopf
scheint zu zerspringen. Er betrachtet diese Symptome als Vorboten einer
Grippe. Um nicht ernsthaft krank zu werden, beschließt er, sich ins Bett zu
legen und sich auszukurieren. Vorher muss er aber noch ein Versprechen
einlösen.
Ein Spaziergang im Regen.
Eke- Ego pflegt die nachbarlichen Beziehungen. Nebenan wohnt Familie
Schulze. Die Mutter von Frau Schulze ist gestorben. Zur Beerdigung sind die
Eheleute Schulze zwei Tage verreist. Er hat ihnen großzügig versprochen,
ihren Hund zu versorgen und einmal ihn am Tag auszuführen. Da er sein
Wort halten will, reißt er sich zusammen, zieht seinen Anorak an, nimmt den
Regenschirm mit, den er sonst kaum braucht und holt den Schäferhund
Waldy. Nach drei Gehminuten hat er das letzte Haus erreicht und kommt zum
Höhenweg. Dieser wird so genannt, da er an der oberen Kante des Berger
Hangs verläuft. Von ihm aus hat man einen herrlichen Ausblick auf das ganze
Maintal bis zu den fernen Gebirgen des Spessarts und Odenwaldes.
Normalerweise drängen sich bei schönem Wetter auf diesem Weg die
Menschen. Bei dem heutigen Nieselwetter begegnet Eke- Ego mit dem
Waldy keinem Menschen. Ihm ist dies recht so. Da er sich nicht wohl fühlt,
hat er keine Lust, mit irgendjemandem ein Schwätzchen zu machen. Auch
will er den Spaziergang nicht allzu weit ausdehnen. Bei der letzten Bank will
er umkehren. Aber er schafft es nicht mehr, bis dorthin zu kommen.
Opa Griesgram beim Spaziergang
Einen heftigen Schmerz spürt er in seiner linken Körperhälfte. Mit letzter Kraft
erreicht er eine nahe Bank. Da ihm die Luft auszugehen droht, atmet er
kürzer und schneller. Als er sich hinsetzt, versinkt um ihn die Welt in
Finsternis.
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Läuterung.
Eke- Ego sitzt gebeugt auf einer Bank auf dem Höhenweg. Mit letzter Kraft
hält er seinen Schirm fest. Es dröhnt ihm in den Ohren. Dabei spürt er den
rasenden Schlag seines Herzens. Eine beklemmende Dunkelheit schnürt ihm
den Hals zu. Eine Fratze grinst ihn an. Es ist Luz, dieser Satansbraten, der
ihn mit krächzender Stimme anschreit, ohne dass er sich wehren kann.
Mit letzter Kraft macht Eke- Ego ein Kreuzzeichen, so wie es ihm vor vielen
Jahren seine Mutter gelehrt und was er als junger Soldat im Krieg oft
gemacht hatte, wenn er in Lebensgefahr schwebte.
Schlagartig hört das Dröhnen in seinem Kopf auf und sein Puls beruhigt sich.
Eine Gestalt kommt auf ihn zu. Die Gesichtszüge ändern sich. Erst glaubt er,
dass es Christus mit einem langen Gewand und einem leuchtenden
Heiligenschein ist, so wie er auf einem Bild im Wohnzimmer abgebildet ist.
Das Bild ändert sich und er glaubt, dass es der junge Chris ist, dessen
Geschichte er gerade liest. Wieder ändert sich die Erscheinung und er sieht
Christus, wie er am Kreuz hängt und ihn mit tränenden Augen anblickt.
Vor Schreck schließt Eke- Ego die Augen. Als er sie wieder öffnet, steht die
erste Erscheinung, Christus im weißen Gewand, in voller Größe vor ihm. Er
hat keine Angst, denn Christus blickt ihn mit gütigen Augen an. Wie er es als
Messdiener gelernt hatte, verbeugt er sich vor der Gestalt und macht wieder
das Kreuzzeichen. Im Unterbewusstsein hört er die Worte, dass er noch nicht
verloren sei. Auch jetzt noch sei er für ihn jederzeit da, aber er müsse ihn
rufen und wenn es am Sterbebett ist. Aber er müsse sich ändern und er
müsse ein Mensch werden, dessen Herz nicht aus Stein besteht, sondern für
die Mitmenschen da ist.
Es hat aufgehört zu regnen. Die Sonne strahlt durch einen schmalen Spalt in
den Wolken. Eke- Ego fällt der Regenschirm aus der Hand und er wacht aus
der Erstarrung auf. Die Verkrampfung seines Körpers löst sich und er spürt,
wie seine Kräfte wiederkehren.
Waldy sitzt brav an seiner Seite und drängt sich an ihn und schaut ihn mit
treuen Augen an. Er streichelt den Hund, um damit gleichzeitig seine
Gedanken zu ordnen. Er empfindet noch die Todesangst, die ihn vor wenigen
Minuten noch lähmte. Er fasst den Entschluss, sofort seine Lebenseinstellung
zu ändern. Heute noch will er damit anfangen. Beschämt denkt er an seine
Frau, die seit Jahrzehnten sich für ihn aufopfert. Er fühlt, dass sie selbst jetzt
Hilfe braucht.
Ebenso beschämt denkt er daran, dass er seinem Sohn finanzielle Hilfe
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verweigert hat, noch schlimmer, dass er ihn gar nicht angehört hat. Noch
heute will er auch mit ihm sprechen. Als er aufsteht, fühlt er neue Kraft. Mit
eiligen Schritten geht er heim, denn er hat ja heute noch viel vor.
Glücklicher Ausklang.
Seine Frau erwartete ihn schon unruhig, denn sie hat sich um ihn Gedanken
gemacht. Als er ihr mitteilen will, dass er am Sonntag mit in die Kirche geht,
kommt sie ihm zuvor. Sie erklärte ihm, dass er sie am Sonntag nicht mit dem
Wagen nach Enkheim fahren brauche, denn sie wolle schon am Samstag in
Bergen in die Kirche gehen. Dorthin könne sie laufen. Als er ihr sagt, dass er
mitgeht, schaut sie ihn wie ein Weltwunder an, das schwer zu begreifen ist.
Sie erfasst seine Hand und drückt sie, ohne ein Wort dabei zu sprechen.
Eke- Ego geht jetzt zu seinem Ältesten. Er will ihm seine Hilfe anbieten. Aber
er kommt zu spät. Sein Sohn sagt ihm, dass alles geregelt sei und er
bedanke sich für seinen guten Willen.
Wenig später sitzt er in seinem Büro. Diesmal arbeitet er nicht, denn er
versucht gedanklich nachzuvollziehen, was ihm Christus in seinem
Halbschlaf gesagt hat.
Nachgedanken:
Wenige Minuten haben genügt, um das Leben von Eke- Ego
grundlegend zu verändern. Er ist nicht mehr von Zweifeln geplagt und
hat seinen Frieden gefunden. Seine Mitmenschen ehren und schätzen
ihn. Er erfährt, dass die Liebe, die er zu anderen Menschen ausstrahlt,
vielfältig zurückgeworfen wird. So ist er für den Rest seines Lebens ein
glücklicher Mensch, der anderen hilft und damit sich selbst belohnt.
Er lebt mit dem Gedanken, dass Chris überall ist, sowohl im fernsten
Winkel des Weltalls, als auch in seinem Innern und deshalb will er in
dem Rest seines Lebens alle Gebote achten und befolgen.
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Traumreise in die Vergangenheit
In der folgenden Geschichte reist Opa Gus im Traum mit seiner Enkelin
in die Vergangenheit. Es ist eine ganz besondere Reise. Er erlebt die
Urzeit, als der Urknall unser Universum erschütterte. Ihm wird klar,
dass dieser gar nicht der Beginn des Universums ist. Lange noch
dauert die Reise, bis Gus und seine Enkelin feststellen, dass es im
ganzen Universum kalt und dunkel ist. In dieser Staubwüste soll Gott
sein? Unfassbar.
Doch sie finden ihn. Es wird ihnen bewusst, dass Gott in seiner
Allmacht bei der Entstehung der Welt schon da war und das Universum
sich in einem Zustand befand, wie es im Alten Testament beschrieben
wird.
Traumreise mit Enkelin Anne.
Im Traum reiste Opa Gus mit seiner Enkelin in die Vergangenheit so
weit, wie man es sich nicht vorstellen kann. Es gab noch keine Sonne
und keine Sterne, nur der liebe Gott war schon da.
Seine Enkelin die kleine Anne sitzt auf Opas Gus Schoß. Beide schlafen
friedlich. Im Traum hat er Großes vor. Er will mit Anne eine Reise in die
Vergangenheit in eine Zeit machen, als es noch keine Sterne gab und Gott
dort suchen. Er findet ihn in dem kleinsten Sandkorn, was so groß wie ein
riesiger Palast ist.
Eine Reise in die Vergangenheit.
Es ist der Nachmittag vom Heiligen Abend. Draußen vor den Fensterscheiben
tanzen die Schneeflocken, aber in Opa`s Stube ist es mollig warm.
„Hoffentlich bleibt der Schnee liegen“, denkt Opa Gus. Seine Frau ist in der
Christmette. Gus macht es sich in seinem Sessel bequem und liest die
Zeitung. Wehmütig denkt er an früher, als die Kinder noch alle im Haus
waren. Jeder hat seine eigene Familie. Sie haben am Heiligen Abend die
Eltern eingeladen. Aber Gus ist stur. Er will an Weihnachten nicht aus dem
Haus gehen.
Er liest einen Artikel über Astrologie, der ihn interessiert. Er verschlingt solche
Berichte, denn die Größe des Weltalls mit dem Mond, der Sonne und den
unendlich vielen Sternen beeindrucken ihn.
Er denkt an den Herrgott und fragt sich, wie mächtig er ist, da er alle diese
Dinge erschaffen hat.
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Es klopft und seine jüngste Enkelin Anne stürmt herein. Sie umarmt und küsst
ihn. Sie setzt sich auf seinen Schoß und bald ist sie fest eingeschlafen. Gus
passt auf, dass sie nicht fällt. Gus schläft ebenfalls, Krampfhaft hält er die
Kleine fest.
Im Traum bekommt Anne kleine Flügel und sieht wie ein kleiner Engel aus.
Sie sagt zu Gus: „Der liebe Gott hat mich geschickt. Wir beide sollen eine
große Reise machen. Wir sollen weit in die Vergangenheit reisen bis in eine
Zeit, als es noch keine Sterne gab. Dort sollen wir ihn besuchen. Wir sollen
staunen. Der liebe Gott will uns in einem Sandkorn empfangen, welches so
groß wie ein Dom ist. „Plapperlapp“, sagt Gus. „Deine Fantasie geht dir
wieder mal
Opa`s Traumreise in die Vergangenheit bis zu Urzeiten.
durch. So etwas gibt es doch gar nicht“!!
Anne nimmt den Opa beim Arm und er folgt ihr staunend. Sie fahren zurück in
die Vergangenheit. Die Zeit rast an ihnen vorbei, ….... gestern, hundert Jahre,
tausend Jahre, Millionen Jahre, Milliarden Jahre. Es wird heiß, immer heißer,
Feuer, eine Explosion, ohrenbetäubend.
Es war der Urknall ! Aber die Reise geht weiter. Der Weg zu den Ewigkeiten
der Vergangenheit will nicht enden.
Es wird dunkler, das Feuer und Licht der Sterne ist längst erloschen. Kein
Ende ist in Sicht.
Sie steigen aus. Tiefe Finsternis macht ihnen Angst. Es ist eiskalt. „Da, Opa,
ich habe für dich den Wollschal mitgenommen. Hier nimm auch die
Taschenlampe“.
Opa Gus staunt. „Hier soll der liebe Gott sein?“
Oh Schreck, sie werden ganz klein, so klein, wie man überhaupt werden
kann. Sie sehen Staubkörner. Sie vergrößern sich und wachsen ins
Unendliche. Eines wird so groß wie ein Dom. Den beiden wird angst und
bange. Furchtsam betreten sie das große Gebäude. Der Innenraum ist leer
bis auf einen einfachen Tisch, auf dem ein einfaches Kreuz liegt.
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Ein Mann, mittleren Alters, mit reifen freundlichem Gesicht kommt ihnen
entgegen. „Wie gütig seine Augen sind“, denkt Gustav. „Da bist Du ja Anne“,
sagt der Mann mit wohlklingender Stimme. „Du hast den Opa mitgebracht.
Das ist fein. Ich will mit ihm reden.“
Gus starrt Gott an und ist wie gelähmt. Dieser spricht weiter: „Ich bin dein
Gott und bin überall, in der Gegenwart, der Vergangenheit und in der Zukunft.
Euch Menschen erscheine ich nicht nur in dieser Gestalt. Die Schöpfung ist
mein Werk. Ich will euer Bestes. Aber Ihr Menschen seid oft undankbar. Ich
predige Liebe für den Nächsten. Ich weine oft, denn viele Menschen
missbrauchen meinen Namen“.
„Opa, ich friere“. Anne ist aufgewacht. Ich habe fest geschlafen. Aber ich
muss zur Mutti, denn ich sollte dich nur besuchen und dir sagen, dass wir
morgen Mittag zum Gänseessen kommen. Wir freuen uns schon darauf“,
Ein Küsschen für Opa und Anne ist verschwunden.
Gus ist zufrieden. Er freut sich schon auf morgen, denn seine Kinder und
Enkelkinder werden wie in früheren Jahren mit ihnen Weihnachten feiern.
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Chu- Chu der Zwerg
Raumschiff in Not
Diese Geschichte sollte nur der lesen, der nicht mit seinen Gedanken
sich nur auf die Erde beschränkt.
Zwei Jungen erleben auf dem fernen Planeten tolle Abenteuer und
retten die Besatzung eines Raumschiffes vor dem sicheren Tod. ChuChu der uralte Zwerg hilft ihnen und verleiht ihnen übernatürliche
Kräfte.
Allgemeines:
„Chu-Chu der Zwerg, Raumschiff in Not“ ist eine Fantasiegeschichte mit
ernstem Hintergrund. Chu-Chu
hat das christliche Gebot „den
Nächsten zu lieben“ zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Freuen Sie sich
auf die spannende Handlung, die uns aus dem Alltag herausreißt und in
der in einer Fantasiewelt unsere Gedanken uns in unendliche Fernen
führen.
Der uralte Zwerg Chu-Chu, der seit acht Jahrhunderten mit seinem
Raumschiff die Erde umkreist, hilft allen Menschen, die in Not sind. Es
plagt ihn die Gicht und seine Glieder werden schwer. Er kann, so wie er
möchte, seine Aufgabe nicht mehr erfüllen. Aber der 11 jährige Hein,
Sohn einer allein erziehenden Mutter, und Jo helfen ihm.
Streit im Schulhof
Schläge bekommen die Kleinen und Schwachen. Beginnt das nicht
schon in der Schule? Muss da nicht Chu-Chu eingreifen, um ihnen zu
helfen?
Die Geschichte beginnt mit einem Streit im Schulhof. Ausgerechnet Hein, der
Kleinste und Schwächste in der Klasse, wird von dem langen Jo drangsaliert
und sogar geschlagen. Der uralte Zwerg Chu-Chu, der den Armen und
Schwachen hilft, gibt ihm einen Rat, wie er dem Laffen einen Denkzettel
verpassen kann.
Bevor die Geschichte beginnt, muss ich etwas von Chu-Chu erzählen
Chu-Chu,
er ist als Zwerg kleiner als wir Menschen. Sein Gesicht ist zerfurcht, aber er
strahlt vor Güte, denn er will allen Menschen in Not helfen. Das tut er schon
seit Jahrhunderten. Daher ist er müde und ist traurig, dass er nicht alles mehr
schaffen kann. Aber Hein hilft ihm. Er ist zwar nur ein kleiner Junge. Wenn er
aber bei Chu-Chu ist, fühlt er sich stark und ist dann auch stark, wenn er mit
ihm Abenteuer erlebt.
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Hein hat Schwierigkeiten. In der Schule plagt ihn ein Mitschüler, der größer
und stärker als er ist. Er ärgert ihn bei allen Gelegenheiten. Wenn er ihm
widerspricht, schlägt er ihn. Aber er wird seine Strafe bekommen.
Schule von Hein und Jo
Böse Szene im Schulhof.
Hein steht in der Pause mit seinem Freund Fritzi zusammen. Sie schwärmen
von der hübschen Liesl. Aber der größere und stärkere Jo hat auch ein Auge
auf sie geworfen. Deshalb hasst er die zwei.
Als er die beiden sieht, wie sie zu einer Gruppe von Mädels schauen, bei
denen auch Liesl steht, wird er wütend. Er geht zu ihnen und brüllt sie an,
dass er sie verprügelt, wenn sie nicht ihre schmutzigen Finger von Liesl
lassen. Hein sagt in seiner ruhigen Art, dass er dazu nicht das Recht hat, dies
ihnen zu verbieten. Für Jo ist das zu viel. Mit aller Wucht schlägt er mit seiner
Faust ihm ins Gesicht, so dass er zurück taumelt. Es kommt zu keiner
Schlägerei, denn ein lauter Ton zeigt an, dass der Unterricht weiter geht. Das
ist auch gut so, denn Hein hätte es nie mit Jo aufnehmen können, da er viel
stärker als er ist.
Nach der Schule geht er niedergeschlagen heim. Seine Mutter hat ihm Essen
vorbereitet, was er sich warm machen soll, denn sie ist noch am arbeiten und
kommt erst am Abend heim.
Hein hat keinen Appetit. Zutiefst ist er gekränkt. Er ist nicht einmal
erschrocken, als Chu-Chu neben ihm sitzt. Der legt seinen Arm auf seine
Schulter, drückt ihn an sich und spricht kein Wort. Hein ist es selbst, der
anfängt zu sprechen:
„Dieser Lump und Drecksack. Ich möchte ihn am liebsten verprügeln“.
Leise spricht jetzt Chu-Chu: „Raffiniert musst du vorgehen. Bei einer
Schlägerei ziehst du den Kürzeren. Ich werde Dir sagen, wie du ihn schlagen
und bestrafen kannst. Sieh diesen Boxhandschuh, den halte ich mir vor das
Gesicht. Mit deiner Faust musst du darauf schlagen. Bitte tu das“.
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Hein folgt dieser Aufforderung. Aber Chu-Chu ist nicht zufrieden. Er lässt ihm
keine Ruhe, bis sein Schlag hart ist. Ihm genügt das aber noch nicht. Er rät
ihm, Jo zu reizen, Aber nicht so, dass man später sagen kann, dass er ihn
provoziert hat. Er soll ihm sagen, dass er ihm verbietet, dass er ihn noch
einmal schlägt. Das ist sein gutes Recht und ist niemals eine Provokation. In
seiner Dummheit wird er ihn wieder schlagen wollen. Dazu muss er sich ihm
nähern. In diesem Augenblick soll er gezielt auf seine Nase und noch fester
zuschlagen, wie er es zum Schluss gemacht hat. Chu-Chu verlangt erneut
von ihm, weiter auf seine Fausthandschuhe zu boxen, bis er zufrieden ist. Auf
einmal ist er verschwunden.
Revanche.
In der Pause am nächsten Tag ist die gleiche Situation wie am Vortag. Sein
Freund Fritzi will weggehen, denn er sieht den Jo in der Nähe. Dieser hat die
Hände in seinen Hosentaschen und geht schlenkernd auf sie zu, wobei er
besonders Hein wütend anblickt. Dieser schaut ihm fest in die Augen, was ihn
noch mehr reizt. Wütend sagt er zu Hein: „Du Drecksack hast noch nicht
genug. Ich werde dich zu Brei schlagen.“
Hein sagt laut, so dass die in der Nähe stehenden Schüler dies hören
können:
„Ich verbiete dir mich zu schlagen. Lass uns in Ruhe“.
Dabei wendet er sich zur Seite, so als wenn er sich weiter mit Fritzi
unterhalten will. In seiner Wut ist Jo nicht zu halten. Er springt vor, hebt zum
Schlag seine Hand.
Was sich jetzt ereignet, hat niemand erwartet.
Blitzschnell dreht sich Hein zur Seite, so dass der Schlag von Jo ins Leere
geht. Mit aller Wucht haut er ihm auf die Nase, die zu bluten anfängt. Die
Brille fällt klirrend zu Boden. Die Scherbe seines Brillenglases steckt
unterhalb seines Auges im Gesicht, wo es kräftig blutet.
Jo rennt heulend zum aufsichtsführenden Lehrer. Der Rektor kommt
gesprungen. Barsch wird Hein aufgefordert, mit ins Rektorzimmer zu
kommen. Dabei schimpft der Rektor und brüllt laut, dass Hein exemplarisch
bestraft wird.
Unsichtbar für die anderen steht Chu-Chu neben ihm und flüstert ihm ins Ohr:
„Bleib ruhig, du hast keine Schuld. Lass dich von keinem, auch nicht von dem
Rektor einschüchtern. Sage ruhig, ohne dass Du unhöflich wirst, dass Du
gerne aussagst. Aber Du macht es nur dann, wenn Fritzi und die anderen
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Jungen, die in der Nähe waren, berichtet haben, was sie gesehen haben.
Wenn der Rektor auch noch so schimpft. Lass Dich davon nicht
beeindrucken“.
Der Rektor ist wütend. Er hält Hein für einen Schläger, der verstockt und
frech ist. Da Hein beharrlich weiter schweigt und wieder seine Forderung
betont, entschließt er sich, mit ihm die Klasse aufzusuchen. Hier sagt er
wütend, dass dieser Skrupellose, dabei deutet er auf Hein, sich auch noch
erdreistet, die Aussage zu verweigern. Er werde seine gerechte Strafe
bekommen.
Als er hört, was sich wirklich ereignet hat, wird er kleinlaut. Er entschuldigt
sich sogar bei Hein und meint schließlich, dass Jo seine gerechte Strafe
bekommen hat
Im Raumschiff bei Chu-Chu.
Stellt euch vor, Heim ist nicht mehr in seiner Wohnung, sondern weit
weg zwischen Himmel und Erde.
Hein weiß nicht, was mit ihm geschieht. Er befindet sich im Raumschiff von
Chu-Chu. Dieses ist ihm vertraut. Er ist nicht überrascht, denn er war schon
oft hier und kennt jede Ecke. Vorsichtig fragt er den Zwerg: „Hast du wieder
etwas vor. Du blickst so schelmisch?
Chu-Chu antwortet: „Immer langsam. Zuerst will ich dir sagen, dass ich stolz
auf dich bin. Du hast es dem Jo so gegeben, dass er dich in deinem ganzen
Leben nicht mehr angreift. Mach die Augen zu. Ich will dich überraschen“.
Als Hein die Augen wieder öffnet, staunt er nicht schlecht. Verlegen steht der
lange Jo vor ihm. Ein Auge und Teile seines Gesichtes sind durch einen
Verband verdeckt.
Leise sagt er: „Ich war blöd, bitte verzeih mir.“
Chu-Chu stellt sich zwischen ihnen. Eindringlich sagt er: „Ich bitte euch mir zu
helfen. Ein Raumschiff ist in Not. Alle Insassen werden sterben, wenn wir
nicht eingreifen und sie retten. Schaut euch dieses Bild an““. Er zeigt auf die
riesengroße Leinwand, die Hein schon kennt.
Sie sehen den Cockpit eines großen Raumschiffes. Ein Roboter steht
unbeweglich vor den Instrumenten und überwacht alle Anzeigen. An einem
Tisch dahinter sitzt ein Mann mittleren Alters mit vorgebeugtem Kopf, den er
mit beiden Händen stützt. Ein Schäferhund ist der einzige, der Leben zeigt.
Die Ohren hat er gespitzt und mit seinem Kopf stößt er auf den Oberschenkel
des Mannes, als wenn er ihn aufwecken wollte,
Das Bild ändert sich. Zu sehen ist ein Raum mit fünf Männern in gläsernen
Särgen.
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Wie bei einem Kranken nach der Operation sind etliche Körperteile mit
Schläuchen verbunden.
Chu-Chu schaltet das Bild ab und bittet die Jungen sich zu setzen, denn er
will Ihnen erklären, was die Bilder bedeuten. Aber erst stellt er drei Gläser auf
den Tisch und holt eine Flasche mit einer dunkelroten Flüssigkeit. „Dies ist
der beste Drink mit den seltensten Heilkräutern, ihm verdanke ich mein
langes Leben“, sagt er mit verschmitztem Lächeln.
Jetzt wird er Ernst, als er weiter spricht.: „Die Männer in den Särgen sind vier
Jahre mit dem Raumschiff unterwegs. Sie lassen sich in einen Tiefschlaf
versetzen. Einer muss immer wach bleiben und dafür sorgen, dass die
Flüssigkeit mit Nahrung und Medikamenten richtig dosiert ist. Der Mann, der
den Kopf stützt, hat aus Versehen das Betäubungsmittel zu hoch dosiert. Die
Männer werden erst in drei Monaten aufwachen.
Der Computer, der am Cockpit steht, führt den Befehl aus, das Raumschiff zu
dem neu entdeckten Planeten Sylvia zu fliegen. Er hat den Planeten anvisiert
und wird, wenn er den Kurs nicht ändert, in drei Tagen direkt auf den
Planeten zufliegen und zerschellen. Der Mann, der am Tisch sitzt, könnte den
Befehl ändern. Aber er reagiert nicht. So nimmt das Schicksal seinen Lauf. Ihr
zwei könntet das Raumschiff retten. In wenigen Minuten seit ihr mit den
Raumschlitten im Raumschiff, rüttelt den Mann wach, damit er dem Roboter
neue Anweisungen gibt. Das Raumschiff soll übrigens feststellen, ob auf dem
Planeten Menschen leben und wenn möglich ein paar Gesteinsproben
mitbringen. Vielleicht gibt es sogar Pflanzen oder Tiere. Wenn es euch gelingt
hiervon etwas zu beschaffen, würdet ihr weltberühmt“
Jo, der sonst immer lässig war, streckt sich und sagt selbstbewusst.: „Bisher
war ich ein Nichtsnutz und Angeber. Die Zeit ist vorbei. Wenn Ihr wollt, mache
ich mit“.
Chu-Chu zeigt auf die zwei Weltraumschlitten. Sie sehen aus wie zwei kleine
horizontal liegende Raketen mit Rädern, die beim Flug eingezogen werden.
Chu-Chu macht eine Klappe auf und sagt in einem fast befehlenden Ton:
„Los, steigt ein und schnallt euch an. Ich habe die Steuerung schon
programmiert. Ihr werdet in wenigen Minuten im Raumschiff sein“.
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Ein Wunder geschieht.
Vier Jahre ist das Raumschiff unterwegs. Es ist nicht zu fassen, denn Hein
und Chu-Chu haben es ohne Anstrengung in kurzer Zeit erreicht.
Hein ist ein Meister im organisieren. Mit Jo rüttelt er den am Tisch sitzenden
Mann wach und zwingt ihn dem am Cockpit stehenden Roboter Alpha 1 zu
sagen, dass er ab jetzt den Befehlen von Hein und Jo folgen soll.
Hein spricht jetzt laut und deutlich zu dem Roboter, dass er nicht mehr direkt
auf den Planeten Sylvia zusteuern, sondern ihn umkreisen und die
Geschwindigkeit so weit senken soll, wie es möglich ist.
Die beiden Jungen setzen sich in eine Ecke. Sie wollen beraten, was sie
weiter unternehmen.
Diesmal ist es Jo, der vorschlägt nicht direkt zurück zu fliegen und sagt: „Ich
möchte mir den Planeten gern mal anschauen. Vielleicht werden wir
weltberühmt, wie es Chu-Chu gesagt hat. Aber wie kommen wir von dem
Raumschiff runter. Wir können doch mit ihm nicht landen?“
„Das ist kein Problem sagt Hein. Hier im Raumschiff gibt es eine Hratschka.
Den im Lager arbeitenden Roboter Alpha 2, setzen wir ans Steuer. So können
wir uns in aller Ruhe den Planeten ansehen. Außerdem nehmen wir uns aus
der Waffenkammer ein paar Waffen mit, denn wir wissen nicht, was uns
bevorsteht“
Hein weist den Roboter Alpha 1 an, ständig den Planeten zu umkreisen.
Dabei soll er die Kamera laufen lassen und das Geschehen auf dem
Planeten, aber auch den Sternenhimmel fotografieren. Außerdem soll er,
wenn sie das Raumschiff verlassen haben, mit ihnen Funkkontakt halten.
Die beiden Jungen strahlen vor Übermut. Sie heben ihre Hände und
klatschen sich. Dabei lachen sie und freuen sich auf das kommende Erlebnis.
Hein wird ernst und sagt: „Selbstverständlich denke ich auch wie du. Ich will
aber erst meiner Mutter eine Nachricht zukommen lassen. Sie macht sich
bestimmt Sorgen.“
Der zweite Roboter, der an Bord ist, ist zuständig für die Geräte.
Hein ruft Alpha 2 und weist ihn an, Kontakt mit der Erde herzustellen.
Die Mütter von Jo und Hein sind entsetzt.
Jo`s Mutter ist erschrocken, als sie von einem Einkauf zurückkommt. Das
Frühstück ihres Sohnes ist nicht angerührt, der Ranzen liegt noch auf dem
Tisch. Auch sein Mantel und seine Mütze hängen noch am Haken. Aufgeregt
durchsucht sie die Wohnung. Erschöpft setzt sie sich auf den Küchenstuhl.
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Himmelangst hat sie. Sie ist überzeugt, dass der Streit mit Hein eskaliert und
sie sich gegenseitig umbringen.
Sie ruft in der Schule an. Als sie erfährt, dass nicht nur ihr Sohn fehlt sondern
auch Hein, wächst ihre Besorgnis ins Bodenlose. Sie ruft Hein`s Mutter an,
da sie weiß, wo sie arbeitet. Diese ist natürlich genau so aufgeregt. Da Hein`s
Mutter Christine mit dem Bus zur Arbeit fährt, verabreden die beiden Frauen,
dass Jo`s Mutter Erika sofort mit ihrem Wagen sie abholt. Sie wollen zuerst
Christines Wohnung durchsuchen, ob sie eine Spur von ihren Söhnen finden
und dann in die Schule fahren. Bei Hein sind die Verhältnisse genau so wie
bei Jo. Alle Sachen liegen noch unberührt in der Küche.
So schnell sie können fahren die Frauen in die Schule.
Aufregung in der Schule.
Als der Rektor erfährt, dass sowohl Jo als auch Hein fehlen, eilt er schnellen
Schrittes in das Klassenzimmer. Keiner der Schüler hat irgendetwas bemerkt.
Es klopft kurz an der Tür. Die zwei Mütter stürzen heulend ins
Klassenzimmer. Hein`s Mutter Christine klagt weinend den Rektor an. „Sie
sind schuld, wenn dem Jungen was passiert, denn Sie haben ihm
drakonische Strafen angedroht“.
Der Rektor kann darauf nichts erwidern. Er sagt, dass sie jetzt die Nerven
behalten sollten. Wir müssen die Polizei einschalten, damit sofort nach den
beiden gesucht wird, bevor es zu spät ist.
Die Ereignisse überstürzen sich. Aufgeregt kommt der Hausmeister herein
gestürzt und brüllt:
„Sofort den Fernseher einschalten, der rechts in der Ecke steht. Er will
weitersprechen. Die Stimmer versagt. Keinen Ton bringt er mehr heraus.
Erschöpft setzt er sich auf einen Stuhl und starrt wie elektrisiert mit
gebeugtem Kopf auf den Fußboden.
In diesem Haus wohnt Hein mit seiner Mutter
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Hein und Jo im Fernsehen.
Der Klassenlehrer schaltet den Fernseher an. Es ist kaum zu glauben. Sie
sehen die beiden Vermissten Hein und Jo groß im Bild. Hein spricht und Jo
sitzt neben ihm.
„Liebe Mutter, mache dir keine Gedanken. Wir beide vertragen uns und es
geht uns gut. Alles kam so überraschend, dass wir uns nicht verabschieden
konnten. Auch Jo grüßt seine Mutti. Er kann aber vor Aufregung nicht
sprechen. Deshalb muss ich das tun.
Ich habe dir doch schon vom Zwerg Chu-Chu erzählt, der allen hilft, die in Not
sind. Ich will es dir genau erklären, damit du beruhigt bist und dich nicht
aufregst, denn wir hätten gar nicht anders handeln können. Ganz aufgeregt
kam Chu-Chu zu mir, als ich gerade frühstücken wollte. Er erzählte, mir, dass
ein Raumschiff schon vier Jahre unterwegs ist, um einen neu entdeckten
Planeten zu erkunden. Die Männer der Besatzung haben sich in einen
Tiefschlaf versetzt und einer von ihnen muss nach dem Rechten schauen.
Dieser hat das Betäubungsmittel aus Versehen zu stark dosiert, so dass sie
erst in ein paar Monaten aufwachen. Das Dilemma ist, dass das Raumschiff
vom Roboter Alpha 1 gesteuert wird, der genau das tut, was ihm aufgetragen
wird. Sein Auftrag war nun, den Planeten Sylvia anzufliegen. Wenn wir beide
nicht eingegriffen hätten, wäre das Raumschiff unweigerlich auf den Planeten
zugeflogen und zerschellt.“
Hein und Jo zeigen jetzt Bilder vom Sternenhimmel und im Großformat ist der
Planet Sylvia zu sehen. Sie versäumen auch nicht die Männer in den
Glassärgen zu zeigen.
Als sie jetzt den hilflosen Mann am Tisch zeigen, der seinen Kopf auf beide
Hände stützt und vor sich hinstarrt, spricht Hein verächtlich, dass dies ein
Waschlappen sei.
Er sagt zum Schluss seiner Mutter, dass Jo und er vereinbart haben, dass sie
den Planeten Sylvia mit der Hratschka erkunden wollen, damit der Flug des
Raumschiffes nicht umsonst war, denn sie werden es, wenn sie in ein, zwei
Tagen ihre Aufgabe erfüllt haben, das Raumschiff auf Heimatkurs schicken.
Er bittet deshalb seine Mutter der Schule Bescheid zu sagen, damit sie keine
Schwierigkeiten bekommen. Er erwähnt noch, dass sie das Raumschiff
verlassen. Aber in der Hratschka, mit der sie den Planeten erkunden wollen,
seien auch Filmgeräte. Wenn es klappt, werden sie „live“ von ihren
Erlebnissen berichten. Mit diesen Worten verabschiedet er sich.
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Spukgeschichten und Reklametricks.
Im Klassenzimmer hat die Fernsehsendung alle enorm aufgeregt. Außer den
beiden Müttern glaubt keiner, dass sich die beiden in einem richtigen
Raumschiff befinden Zumindest ist Ruhe eingekehrt, da sie wissen, dass
Hein und Jo leben.
Der Lokalsender berichtet von einer Befragung von zufällig angesprochenen
Fußgängern im Bereich der Frankfurter Hauptwache. Entweder lachen oder
schimpfen die Befragten auf die billigen Reklametricks. Sie rechnen damit,
dass entweder ein neuer Film uraufgeführt oder ein Großzirkus bald irgendwo
im Stadtgebiet gastieren wird. Nicht ein einziger glaubt, dass das wahr ist,
was sie im Fernsehen gesehen haben. Den meisten ist es zu dumm, auf die,
wie sie glauben, blöde Frage überhaupt zu antworten.
In den Nachrichten wird die Rede des Chefs der Weltraumbehörde der
Vereinten Nationen kommentiert
Es würde zu weit führen, die ganze Rede aufzuzeigen. Deshalb wird
zusammengefasst über ihren Inhalt berichtet. Sinngemäß hat er ausgesagt:
„Ich habe erst geglaubt, dass mit dieser Sendung ein riesiger Schwindel
inszeniert wird. Aber es ist tatsächlich ein Raumschiff von uns seit vier Jahren
unterwegs. Wir machen uns die größten Sorgen, denn seit vier Monaten ist
jeder Kontakt abgerissen. Nach unseren Berechnungen müsste es den
Planeten Sylvia erreicht haben. Die Fernsehübertragung habe ich mir genau
angesehen. Es ist tatsächlich unser Raumschiff, das gezeigt wurde. Die
Männer in den Glaskästen haben wir erkannt. Besonders Ralf Smith, der
angeblich die Überdosis des Betäubungsmittels gegeben hat, haben wir
eindeutig identifiziert. Einen eindeutigen Beweis habe ich auch gefunden.
Das Sternbild stimmt mit dem überein, was Raumsonden uns übermittelt
haben. Es gibt aber noch einen anderen Beweis.“
Er zeigt jetzt Ausschnitte aus früheren Fernsehbildern. Auf jedem Bild ist
kaum zu entdecken in der oberen Ecke ein kleiner Strich und unten links ein
Punkt zu sehen. Er weist darauf hin, dass dies ein Fehler des Gerätes ist.
Jetzt zeigt er ein Bild von Hein und Jo. Die gleichen Merkmale sind zu sehen.
Jetzt spricht er weiter, was in allen Sprachen übersetzt wird:
„Ich komme zu dem zweifelsfreien Schluss, dass es sich um Originalbilder
handelt. Allerdings kann ich mir nicht erklären, wie die Jungen dorthin
gelangen konnten. Wir haben drei Raumschiffe losgeschickt. Aber es dauert
Jahre, bis sie dort sind. Mit unserem ganzen Team beobachten wir die
weitere Entwicklung und hoffen, dass sich die Jungen wieder melden. Wir
werden Sie auf dem Laufenden halten“.
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Was steckt hinter der Sache? Ist dies Scharlatanerie? Ist es vielleicht blutiger
Ernst?
Das Stimmungsbild ändert sich. Fanatiker sprechen vom Weltuntergang,
wenn so etwas möglich ist. Die meisten werden aber nachdenklich und
denken, dass es vielleicht doch Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die
man nicht beweisen kann, aber vielleicht doch möglich sind. Ohne
Übertreibung hat sich das Stimmungsbild gewandelt. Millionen Menschen auf
der ganzen Welt warten wie bei einem spannenden Krimi, wie es weiter
gehen wird.
Hein wird nachdenklich.
Er sagt zu Jo: „Eigentlich ist es ein großes Wagnis, was wir vorhaben. Wir
wissen nicht, was uns bevorsteht. Vielleicht leben auf dem Planeten noch
riesige Urtiere oder Menschenfresser? Wir nehmen diese komischen Waffen
mit und wir wissen gar nicht, wie sie bedient werden. Wenn außerdem in der
Zeit die Männer in den Glaskästen sterben, wird uns noch vorgeworfen, dass
wir schuld an ihrem Tod sind“.
Diesmal hat Jo einen guten Gedanken. „Wir stellen alle Kameras auf Dauer.
So wird alles an die Erde gesendet, was wir hier tun. Wir geben dem Roboter
Alpha 1 genaue Anweisungen, wie er die Infusionen kontrollieren soll, so wie
es auf der Gebrauchsanweisung steht. Besonders achten muss er nämlich
auf die Aufwachtropfen, deren Dosis muss genau stimmen. Auf diese Weise
werden die Männer in zwei Wochen aus ihrem Koma erwachen. Den
Waschlappen“, er deutet auf den Mann, der die Überdosis seinen Kollegen
gegeben hat und jetzt selbst wie tot auf der Bank liegt, „legen wir auch in
einen Glassarg und werden ihn künstlich ernähren.
Alarm im Lyndon B. Johnson Kontrollzentrum in Houston in Texas.
Alle Mitarbeiter eilen in den Kontrollraum. Mit Windeseile verbreitet sich die
Nachricht, dass es Funkverbindung mit dem Raumschiff gibt. Wenigsten
fünfzig Mitarbeiter verfolgen das Geschehen auf Ihrem Bildschirm oder
betrachten es auf der großen Leinwand.
Sie sehen mit Spannung, wie die beiden Jungen dem Roboter genaue
Anweisungen geben und ihre Weltraumkleidung anziehen und in die
Hratschka einsteigen und mit diesem kleinen Flugzeugtyp das Raumschiff
verlassen und Richtung des Planeten Sylvia fliegen.
Erkundung von Sylvia.
Hein, Jo und der Roboter Alpha 2 haben das Raumschiff verlassen. Ihre
Hratschka fliegt langsamer als das Raumschiff. Aber sie bleiben mit dem
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Roboter Alpha 1, der in 100 km Höhe den Planeten umkreist, in ständiger
Funkverbindung. Das bedeutet im Klartext, dass alle Bilder und Gespräche
und Beobachtungen, die von Hein und Jo gesendet werden, auf der Erde
empfangen werden können. Den Männern in der Raumstation erscheint das
Geschehen wie ein spannender Krimi. Nachdem in den Nachrichten von
diesem Ereignis berichtet worden war, werden in den Programmen fast aller
Sender auf der Erde die Menschen laufend von dem unterrichtet, was Hein
und Jo an Abenteuern auf dem Planeten Sylvia erleben.
Der Planet Sylvia.
Er ist nicht so groß wie die Erde, aber hat ähnliche Lebensbedingungen. Sie
entdecken von Wald und Feldern umgebene Siedlungen im Norden. Am
Äquator scheint es zu heiß zu sein, denn hier sehen sie ausgedehnte
Wüsten. Es gibt wie auf der Erde Hochgebirge und Weltmeere. Jo und Hein
entscheiden sich auf der Nordhälfte einen Platz zu finden, auf dem sie landen
können. Hier wollen sie Gesteinsproben, Pflanzen oder was sonst noch
interessant sein könnte, suchen und dann schnellstens wieder zurückfliegen.
Schnell stellen sie fest, dass Sylvia nicht so dicht besiedelt ist wie die Erde,
denn es gibt keine Straßen oder große Städte. In der aufkommenden
Dämmerung sieht man kein Lichtermeer wie auf der Erde.
Sie entdecken eine Rauchsäule. Vorsichtig nähern sie sich, denn sie
erkennen, dass die Häuser einer kleinen Siedlung fast alle brennen. Mit
seiner klirrenden Stimme fragt der Roboter Alpha 1, der die Hratschka
steuert, ob er das Flugzeug unsichtbar machen soll.
Sie fliegen knapp über den Baumspitzen und entdecken an einer Lichtung
einige tote Menschen. Ein junger Mann bemüht sich, sie auf einen Wagen zu
legen. Angespannt hat er ein Zugtier, das wie ein Pferd mit langen zottigen
Haaren aussieht. Ängstlich schaut er ständig in alle Richtungen, als fürchte er
sich vor einer großen Gefahr. Die Hratschka bemerkt er nicht.
Jo und Hein fliegen langsam weiter, denn sie wollen die ganze Gegend
erkunden. Am Fuß eines großen Berges sehen sie einige Männer an einem
kleinen Bach gebückt mit großen Schüsseln hantieren. Sie vermuten, dass
sie nach Gold suchen. Ganz tief fliegen sie, natürlich unsichtbar, in ihre Nähe,
um sie zu beobachten. Durch einen Lautverstärker verstehen sie jedes Wort
ihrer Unterhaltung.
Sinngemäß sagen sie, dass sie die Alten erledigt haben. Der Junge dürfe
nicht überleben, der hetze ihnen den Priester mit dem ganzen Stamm an den
Hals, denn sie glauben dass der ganze Mammon ihrem Gott gehört. Einer
schreit auf: „Da unten fährt er mit einem Karren. Kommt alle, den kaufen wir
uns“. Der Junge sieht die Männer, lässt den Karren stehen und rennt in den
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nahen Wald und versteckt sich im Gebüsch. Nach einiger Zeit geben die
Verbrecher ihre Suche auf und gehen fluchend wieder zu ihren Werkzeugen.
Jo und Hein sehen für den jungen Mann keine akute Gefahr und fliegen
langsam weiter, da sie nach den brennenden Häusern noch mal schauen
wollen.
Hein und Jo werden Lebensretter.
Eigentlich wollten die beiden nur ein paar Steine auflesen und dann wieder
zurückfliegen.
Nie im Leben beabsichtigten sie, in ein Abenteuer verwickelt zu werden. Jetzt
wissen sie, dass es nicht nur Schurken auf unserer Erde gibt, sondern auch
hier auf einem fernen Planeten.
Jo sagt: “Bei den brennenden Häusern haben die Verbrecher auch gewütet.
Vielleicht gibt es noch Überlebende und wir können helfen. Da wir uns
unsichtbar machen können, gehen wir kein Risiko ein.
Vorsichtig fliegen sie ganz tief und selbstverständlich unsichtbar. Sie nähern
sich den brennenden Häusern
Das Lager der Banditen.
Auf dem Platz in der Mitte lungern zehn total betrunkene Banditen. Ihre
Grölerei hören sie
ohne Verstärker. Die müssen ja furchtbar gewütet haben.
Für die Banditen unsichtbar landen sie neben ihnen und sind unschlüssig,
was sie machen sollen.
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Sie sehen einen kleinen Hund, der die Betrunkenen anbellt. Einer steht lässig
auf, nimmt eine Peitsche und schlägt nach ihm. Der Hund springt fort. Jetzt
wird der Bandit lebendig. Er läuft mit Peitsche schlagend hinter ihm her. Aus
dem Gebüsch springt ein Junge, schnappt den Hund und rennt so schnell er
kann, damit ihn der Bandit nicht erwischt. Dieser kann nicht mithalten. Ihm
geht die Puste aus. Aber der Junge hat keine Chance. Eine Felswand
versperrt ihm den Weg. Verzweifelt dreht er sich um und sieht den Wütenden
mit seiner Peitsche auf sich zukommen.
Hein ist entsetzt. Er will nicht zulassen, dass der Junge mit der Peitsche
geschlagen wird.
Unsichtbar für den Banditen landet er neben ihm mit seiner Hratschka. An
Bord befindet sich auch eine Peitsche. Da er unsichtbar ist, nähert er sich
gefahrlos dem Verbrecher und schlägt mit voller Wucht nach ihm. Er trifft ihn
mitten ins Gesicht. Der Bandit rennt schreiend zu seinen Kumpels. In ihrem
Suff lachen sie ihn noch aus.
Hein, der sich sichtbar gemacht hat, geht zu dem Jungen, drückt ihn liebevoll
an sich und sagt ihm, dass er mit ihm gehen kann. Doch dieser antwortet,
dass sich zwei kleine Mädchen hinter dem Gebüsch, unmittelbar wo die
Betrunkenen sich aufhalten, versteckt haben, die er mitnehmen will.
Hein sagt dem Jungen: „Ich kann mit meiner Hratschka unsichtbar neben den
Halunken landen. Wenn du aber aussteigst, um die Mädchen zu holen, bist
du sichtbar. Wenn Sie dich angreifen, beschütze ich dich und wenn ich mit
meiner Pistole einen erschießen muss. Auf, wagen wir es!“.
Vorsichtig und langsam fliegt Hein auf den Dorfplatz zu und landet zehn
Schritt neben den Betrunkenen. Eriksen, so heißt der Junge, springt heraus
und rennt über die Trümmer eines abgebrannten Hauses und ruft nach den
Mädels..
Nur einer der Banditen hat ihn gesehen. Er reibt sich die Augen, denn er ist
sich nicht sicher, ob er Halluzinationen hat. Bedächtig steht er auf, nimmt
einen Knüppel und wankt zu der Stelle, wo er glaubt den Jungen gesehen zu
haben.
Hein hat Angst um den Jungen. Er macht sich unsichtbar, nimmt seine
Laserpistole, steigt aus und stellt sich unmittelbar neben den Ganoven.
Eriksen erschreckt, als er mit den zwei Mädchen an der Hand zurückkommt
und den Banditen sieht. Er will fliehen. Dieser aber hebt seinen Knüppel und
will ihm folgen. Hein zielt mit seiner Laserpistole auf seine Füße. Er stürzt.
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Sein rechter Fuß blutet. Er krümmt sich vor Schmerzen, die kaum
auszuhalten sind und brüllt und schreit.
Hein macht sich sichtbar, damit Eriksen ihn erkennt. Er winkt den Kindern, die
rasch in die Hratschka einsteigen und sie fliegen davon.
Der Getroffene hat keinen Schuss gehört. Ihm ist unerklärlich, warum sein
Fuß so blutet. Ein Kumpan verbindet ihn, damit er nicht verblutet.
Jo fragt die Kinder, ob sie Verwandte haben.
Auf einer Anhöhe finden sie bald das Dorf, in dem ihre Großeltern wohnen.
Als sie auf dem Dorfplatz landen, werden sie von Jugendlichen umringt, die
neugierig zuhören, was Eriksen ihnen berichtet. Die Großeltern sind entsetzt,
als sie hören, dass seine Eltern tot sind. Hein und Jo werden gebeten mit ins
Haus zu kommen. Nur mit Mühe kann Hein aussteigen. Ihm wird schwindlig
und er glüht vor Fieber,
Als er auf dem Sofa liegt, wird er ohnmächtig. Bald kommt eine uralte Frau
mit einer Flasche mit einer blutroten Flüssigkeit. Dieses Lebenselixier hilft, es
wird ihn wieder aufrichten“, sagt sie mit ihrer ächzenden Stimme. Tatsächlich
hat es geholfen. Hein fühlt sich besser. Er richtet sich auf und bittet um
Entschuldigung.
Für das Dorf ereignet sich eine kleine Sensation. Aus der Hratschka steigt für
sie ein übernatürliches Wesen aus. Es ist der Roboter Alpha 2, der den
Jungen eine wichtige Meldung bringen will.
Die Siedlung der Großeltern
Sie erschrecken, als sie hören, dass ein Heer mit 100 Kriegern sich dem Dorf
nähert. Das bedeutet nichts Gutes, sondern Tod und Gewalt.
Sie bitten die Dorfältesten zu holen und klären sie auf, welche Nachricht der
Roboter ihnen übermittelt hat. Sie beraten, wie sie die Gefahr abwenden
können.
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Hein schlägt vor, dass er und Jo mit der Hratschka versuchen die Krieger
aufzuhalten Zwei Männer sollten sie dabei begleiten. Eriksen schmiegt sich
an ihn und bittet, mitfliegen zu dürfen, was Hein ihm nicht verwehrt, denn er
hat den Jungen lieb gewonnen.
Loko und Laki, zwei junge Burschen vom Dorf, melden sich spontan freiwillig.
Sie staunen nicht schlecht, als sie im Inneren der Hratschka sich umschauen.
In ihrem ganzen Leben haben sie so etwas noch nicht gesehen. Sie denken
sogar, dass ihr Gott vom Berg gekommen ist, um ihnen zu
helfen. Als wenn er ihre Gedanken ahnt, sagt Hein: „Jo und
ich, wir sind Menschen wie Ihr. Nur kommen wir von einem
anderen Planeten“. Wird es gelingen, die Krieger
aufzuhalten? Hein spricht weiter: „Ich will keinen der Krieger
töten. Trotzdem müssen wir den Trupp aufhalten und wenn es
geht zur Umkehr zwingen. Das gelingt uns nur, wenn wir ihre
Fahrzeuge und Waffen vernichten. Wir haben zwar Waffen,
haben aber noch nie mit ihnen geschossen. Wir müssen
Schießübungen machen“. Jo und Hein, aber auch Loko und Laki und sogar
Eriksen steigen aus der Hatschka aus. Jeder hat eine Flinte.
Jo betrachtet seine Waffe. Roboter Alpha 1 hat ihm gesagt, wenn er kurz
drückt, wäre die Wirkung wie bei einer Gewehrkugel. Wenn er den
Abzugshahn nicht loslassen würde, könnte er sogar einen kleinen Baum
fällen.
Er zielt kurz auf einen Pfosten. Kein Knall ist zu hören. Aber der Pfosten hat
ein Loch. Mit dem nächsten Schuss gelingt es ihm, einen ganzen Ast eines
Baumes ab zu sägen.
Alle sind begeistert. Es gibt eine wüste Knallerei, bei der aber kein Schuss zu
hören ist. Hein gebietet Ruhe. „Ihr wisst jetzt, wie das Gewehr gehandhabt
wird. Ich verbiete euch, auf einen Menschen zu zielen. Wir wollen kein
Blutvergießen. Gott möge uns helfen“.
Langsam steigt die Hratschka auf, wird unsichtbar, so dass sie niemand mehr
sehen kann.
Hein ist zuversichtlich, dass sie mit ihren Waffen den Trupp aufhalten
können.Was er aber nicht weiß, dass mittlerweile Millionen Menschen auf der
ganzen Welt sie „live“ im Fernsehen sehen.
Als auf der Frankfurter Hauptwache eine erneute Befragung gemacht wird,
äußert sich niemand mehr abschätzig oder spricht von Scharlatanerie. Nur
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nachdenklich werden die Menschen, da sie sich das Geschehen nicht
erklären können.
Die Mütter von Jo und Hein haben sich angefreundet. Stundenlang sitzen sie
nach Feierabend vor dem Fernseher, denn interessante Szenen werden
öfters wiederholt und sie haben sie schon mehrmals gesehen.
Sie erkennen ihre Söhne. Daran finden sie nicht den geringsten Zweifel.
Trotzdem können sie sich die Umstände nicht erklären. Sie freuen sich, dass
ihre Kinder leben und sie sind fest davon überzeugt, dass sie gesund wieder
heimkommen.
Das Lager der Jogaren.
Es wird eng in der Hratschka. Der Roboter Alpha 2 ist Steuermann. Neben
Hein sitzt Eriksen, der sich an ihn schmiegt. Die zwei jungen Männer vom
Dorf kommen aus dem Staunen nicht heraus. Langsam hebt sich der
Senkrechtstarter. Sie sehen wie die Dorfbewohner schwere Balken
schleppen, um zwischen den Felsen eine Barriere zu errichten, damit die
Angreifer nicht ins Dorf können.
Bald erreichen sie das Lager der Jogaren. Sie sehen wie der Anführer
Putschu mit einigen Männern in das größte Zelt geht.
Hein denkt, dass das die beste Gelegenheit ist, um heraus zu finden, was sie
planen und vorhaben.
Er fragt Laki, ob er ihn begleiten will. Erkisen will auch mit. Aber Hein wehrt
ab.“Das ist zu gefährlich“.
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Das Jagdgebiet der Jogaren
Die Hratschka landet natürlich unsichtbar direkt neben dem Zelt. Hein und
Laki verlassen leise und ganz vorsichtig die Hratschka. Sie können nicht
gesehen werden. Wenn sie aber Geräusche machen, sind diese zu hören.
Das Zelt ist ein Spalt offen. Sie bücken sich und gehen vorsichtig hinein und
so weit es geht, treten sie zurück..
Putscha der Anführer hat das große Wort. Von dem großen mit einem
alkoholischen Getränk gefülltem Topf hat er schon einige Becher getrunken.
Er fühlt sich in seinem Element. Großspurig sagt er:“ Das Dorf radieren wir
aus. Von den Waschweibern bleibt keiner am Leben. Sie meinen mit den paar
Balken könnten sie uns aufhalten. Jufto“, so heißt einer von ihnen und
Putscha deutet auf ihn :“ Du kletterst mit zwanzig Mann, suchst dir die
Jüngsten heraus, über die Felsen. Während wir uns mit den Balken abquälen
und die Verrückten ablenken, greift ihr von hinten an und steckt die Häuser in
Brand“.
Putscha fühlt sich wie der Größte. Natürlich gibt es keinen Widerspruch. Er
brüllt: „Habt Ihr alle verstanden“.
Oh Gott, da sitzt ein Junge zwischen den wilden Kriegern. Es ist Arival der
Sohn des Regenten und obersten Priesters. Deshalb darf er am Tisch dabei
sein. Schüchtern sagt er:
„In dem Dorf leben mein Onkel und meine Tante. Als meine Mutter krank war,
haben sie mich ein halbes Jahr aufgenommen und ich bin mit jedem Jungen
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befreundet. Können wir das Dorf nicht verschonen. Ich könnte meinen Vater
bitten, jedem von euch eine großzügige Entschädigung zu geben und ihnen“,
er beugt sich vor Putscha, „das Doppelte“
Dieser springt auf und brüllt: „Halt deine Schnauze, du Laffel. Dein Vater kann
mir gestohlen bleiben. Wir holen uns das, was wir wollen. Wir wollen keine
Geschenke. Jetzt halte Deinen Mund“.
Der Junge sagt: „Selbstverständlich bin ich jetzt ruhig und werde Ihnen nicht
mehr widersprechen. Trotzdem bitte ich sie, das Dorf zu schonen“.
Das ist für Putscha zu viel. Er springt auf und brüllt: „Raus mit dem Kerl“. Er
gibt einem der Runde einen Knüppel, mit dem er seine Soldaten züchtigt, und
weist ihn an, den Jungen zu prügeln, damit ihm die Lust vergeht, ihm zu
widersprechen. Dieser packt Arival und zerrt ihn nach draußen. Ehe es Hein
verhindern kann, hat er ihm schon einen festen Schlag auf den Rücken
versetzt.
Als er zum zweiten Schlag ansetzt, hat Hein seine Laserpistole auf seine
Hand gerichtet. In der Aufregung drückt er nicht nur ab, sondern hält seinen
Finger am Drücker länger. Die Laserstrahlen schneiden die ganze Hand ab.
Der Knüppel fällt zu Boden. Der Bandit schreit und mit erhobenem Arm ohne
die Hand fällt er in das Zelt. Arival läuft zum Glück in die Richtung der
Hratschka, die er ja nicht sieht. Hein weist Laki an, ihm zu folgen und ihn in
das Flugzeug zu bringen. Er will in der Zeit weitere Verfolger aufhalten, da
schon zwei hinter den beiden herlaufen.
Laki, der jetzt sichtbar ist, da er nicht mehr bei Hein ist, hat Arival schnell
erreicht. Die beide kennen sich und sind befreundet. Sie sind jung und
wesentlich schneller als die Verfolger. Diese bleiben verdutzt stehen. Sie
sehen, wie die beiden, scheinbar, wie bei einer Treppe, in die Höhe steigen
und auf einmal verschwunden sind.
Hein hat es nicht so eilig. Er hat ja eine Schusswaffe und ist unsichtbar. Ihn
treibt der Schabernack. Er sieht die noch blutende Hand auf der Erde liegen.
Er hebt sie hoch und geht auf die ankommenden Banditen zu. Diese sehen
nur die blutende Hand und sind entsetzt. Sie halten an und rennen zurück.
Patschu ist kampferprobt und unerschrocken. Ihn stört die Hand nicht, die in
der Luft schwebt. Vor Geistern hat er keine Angst.
Er hat einen Knüppel in der Hand. Er bleibt stehen, um sich zu orientieren.
Dann geht er festen Schrittes auf die sichtbar in der Luft schwebenden Hand
zu.
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Einer seiner Leute läuft beim Fliehen direkt auf ihn zu. Mit seiner Faust
versetzt er ihm einen Hieb, so dass er zu Boden stürzt und nimmt sein
Schwert. Da er keinen Feind sieht, schlägt er beim Gehen wütend nach allen
Richtungen, als wenn er einen Geist erschlagen wolle. Jetzt hat Hein Angst
und rennt so schnell er kann zu seinem Flugzeug und atmet erst dann auf,
als sie einige Meter hoch sind.
Hein überlegt, ob er mit einem Trick die Jogaren von einem Angriff auf das
Dorf abhalten kann.
Eine Frau hat ihm, als er ohnmächtig war, ein Bild der Göttin Astra in die
Hand gedrückt. Er hat ein kleines Kopiergerät und könnte ein paar Exemplare
drucken.
Hein fragt die Jungen, ob sie Lesen und Schreiben können. Die beiden vom
Ort können es nicht. Aber Arival der Sohn des Regenten kann es.
Jo mischt sich in das Gespräch. Er ist nachdenklich, denn er ist davon
überzeugt, dass einige das Dorf angreifen werden.
Leise spricht er:
„Die meisten dieser Halunken sind Mörder, denn wir haben die Toten
gesehen. Ericsen`s Eltern gehören dazu. Wir müssen sicher gehen, dass
ihnen die Lust zum Angreifen vergeht, denn sie werden sich einen Dreck um
Astra kümmern. Ich schlage vor, dass wir alle ihre Wagenräder durchsägen.
Dort hinten steht ihr Fuhrpark“.
Hein lässt nicht locker,
„Wenn die Wagen kaputt sind, reiten sie einfach ohne Wagen dorthin und
schleichen sich von hinten ran, wie ihr Anführer es bei der Beratung
vorgeschlagen hat. Besser ist, wenn wir beide Vorschläge kombinieren. Von
der ganzen Meute können sowieso nur drei Personen lesen, das ist Putscha,
der Anführer, die Wahrsagerin und ihr Leibkoch. Ich schlage vor, dass ihr in
der Nacht die Wagenräder mit dem Gewehr durchsägt. Mit einiger Mühe
können sie repariert werden. Aber sie sind gewarnt.
Ich werde mich in der Zeit in das Lager schleichen und jedem der drei ein Bild
der Göttin Astra bringen. Als Botschaft lege ich ihnen noch ein Blatt bei auf
dem steht, dass sie weiß, dass einige das Dorf angreifen wollen. Da sie als
Göttin sie liebe und nicht töten will, werden sie mit dieser Aktion gewarnt.
Nächtliches Abenteuer.
Ohne dass die Wachen das Geringste merken, sind auf einmal alle Räder
kaputt. Putscha flucht, weil, wie er glaubt, einige seiner Leute dieses
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Unternehmen geplant haben, ohne ihn davon zu unterrichten. Er wird sie
gebührend bestrafen. Die Wahrsagerin wird alle ihre Kunden beschwören,
den Willen der Göttin zu achten. Jetzt glauben die Räuber wirklich, dass Astra
sie bestraft, wenn sie das Dorf überfallen.
Jo und Hein sind zufrieden. Am liebsten würden sie, wenn sie die Jungen
zum Dorf gebracht haben, sofort zu ihrem Raumschiff zurückkehren. Arival
und Ericsen bitten, dass sie mit ihnen gehen können. Arival sagt, dass
Putscha rachsüchtig ist. Er wird ihn töten, wo er sich auch befindet und sein
Vater kann ihn nicht schützen.
Wildes Land der Jogaren
Hein wird ernst. Er will den Jungen erklären, dass alles nicht so einfach ist.
Im Einzelnen sagt er:
„Ihr könnt mit uns gehen. Wir bringen Euch zum Raumschiff und regeln, dass
ihr mit ihm zur Erde fliegen dürft. Dort wird es euch gut gehen, da ihr noch
jung seid und könnt ein schönes und sorgenfreies Leben verbringen. Wir
beide werden bei dem Rückflug nicht bei euch sein, denn unser
Raumschlitten ist beengt und passt nur für uns“.
Ericsen und Arival umarmen Jo und Hein und freuen sich auf das Abenteuer.
Da Ericsen sich von seinen Eltern verabschieden will, werden sie sie erst
besuchen und dann geht`s zurück ins Raumschiff.
Abschied fällt schwer.
Ericsen und Arival werden ihren Planeten verlassen. Das ist leichter gesagt
als getan. Als sie am Abend gemütlich mit Jo und Hein im Dorf bei den
Großeltern sitzen, umarmen sie diese. Als Großmutter anfängt zu weinen,
muss sich Ericsen zusammenreißen, denn er hätte am liebsten mit geheult.
Das Zimmer füllt sich. Die ganze Verwandtschaft will sich für die Hilfe
bedanken und sie wollen beim Abschied dabei sein.
Jo und Hein haben ein schlechtes Gewissen. Sie wollen diesen einfachen
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Menschen klarmachen, dass sie beim Rückflug separat heim fliegen und
nicht bei den beiden Jungen sein können.
Hein bittet um Ruhe. Er will seinen Freunden seine Geschichte erzählen, die
für ihn auch nicht ganz verständlich ist.
Er beginnt: „Vier Jahre hat das Raumschiff gebraucht, um von der Erde bis
hierher zu kommen. Wissenschaftler sollten erkunden, ob Menschen auf
eurem Planeten wohnen und welche Kultur sie haben. Sie haben sich in
einen künstlichen Tiefschlaf versetzt, von dem sie nicht aufgewacht sind. Das
Raumschiff wäre zerschellt, wenn nicht übernatürliche Kräfte eingegriffen
hätten. Es gibt den Zwerg Chu-Chu, der seit achthundert Jahren überall im
Weltall Gutes tut, wo Menschen in Not sind. Uns beide hat er ausgewählt und
uns befohlen, die Insassen des Raumschiffes zu retten. In wenigen
Sekunden waren wir beim Raumschiff. Das Weitere wisst ihr.“.
Er fährt fort: „Ihr müsst es euch gut überlegen, ob ihr mitmacht. Der Roboter
Alpha 2 wird euer Vater und Lehrer sein. Er ist nur ein Roboter, aber er hat
ein Herz wie ein Mensch.
Er kann euch unsere Sprache lehren. Unsere Erde ist dicht bevölkert. Habt
aber keine Angst. Achtet darauf, dass er euch die zwei wichtigsten Sprachen
beibringt, das ist „Deutsch“, so spreche ich und „Englisch“, so sprechen die
Wissenschaftler, die irgendwann aus ihrem Koma aufwachen werden. Auf
unserer Erde gibt es Schulen. Viele Jahre werden diese von den Kindern
besucht. Ihr seid intelligent. Alpha 2 bringt euch alles bei. So werdet ihr auf
der Erde bestehen.
Wir beide sind von Chu-Chu vom Frühstückstisch weggeholt worden. Unsere
Mütter machen sich bestimmt die größten Sorgen, denn sie wissen nicht, ob
wir noch am Leben sind. Deshalb müsst ihr Verständnis haben, dass wir auf
dem schnellsten Weg wieder zu ihnen kommen müssen.“
„Hein und Jo ahnen nicht, dass ihre Mütter „live“ ihre Worte hören. Sie
weinen vor Freude, als sie die Rede von Hein hören, denn wissen jetzt, dass
sie bald heimkommen.
Arival und Ericsen haben weinend Hein und Jo umschlungen und sagen,
dass sie ihnen vertrauen.
So kann die Rückreise beginnen. Sie machen noch einen Abstecher zu
Arivals Eltern. Da sie dabei das Lager der Jogaren überfliegen, werden sie
dort noch mal nach dem Rechten sehen.
Als Hein und Jo in später Stunde zur Hraschka gehen, staunen sie nicht
schlecht. Kistenweise haben die Bewohner Steine gesammelt, bei denen
sogar Goldstücke dabei sind. Neben zwei Körben mit Pflanzen sind auch
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noch zwei Verschläge mit Kleintieren dabei. Jo deutet auf sie und sagt zu
Ericsen und Arival: „Passt gut auf die Tiere auf, damit sie lebend ankommen.
Sie sind für die Wissenschaft von großer Bedeutung“.
Wieder daheim.
Mutter Christine öffnet wie jeden morgen die Tür zu Hein`s Zimmer und
schaut auf sein Bett, obwohl sie genau weiß, dass er nicht da ist.
Sie erschreckt, Friedlich liegt er in seinem Bett und sieht, dass er fest schläft.
Leise schließt sie die Tür. Sie geht ans Telefon und entschuldigt sich im
Betrieb, dass sie nicht kommen könne. Sie wählt die Nummer von ihrer
Freundin Erika und erfährt, dass Jo auch gekommen ist und noch schläft.
Als er am Abend immer noch nicht wach ist, wird sie unruhig. Sie will ihn
wachrütteln, aber er reagiert nicht.
Selbst im Krankenhaus, wohin ihn der Notarzt eingewiesen hat, wacht er
nicht auf. Da Jo die gleichen Symptome hat, liegen die beiden in einem
Zimmer.
Die Ärzte nehmen Verbindung mit der Weltraumbehörde in Houston auf. Dort
herrscht größte Aufregung. Eine Sondermaschine mit zwei Ärzten fliegt die
beiden in ein Spezialkrankenhaus in Houston. Nur die beiden Mütter dürfen
sie begleiten und wohnen in einem benachbartem Hotel
Im Koma.
Acht Tage befinden sich die beiden schon im Krankenhaus. Ihre Atmung ist
normal und Zeichen irgendeiner Krankheit lassen sich nicht feststellen. Sie
liegen wie in einem Tiefschlaf. Selbst die halb geöffneten Augen reagieren
nicht auf Reize und Impulse.
Der amerikanische Präsident macht einen Krankenbesuch und bittet die Ärzte
um größte Sorgfalt. Da sich die Weltöffentlichkeit durch die vielen weltweit
übertragenen Sendungen für die beiden interessiert, verfasst das
Krankenhaus täglich ein Bulletin über den Zustand ihrer Krankheit..
Noch eine Sensation.
In dem Raumschiff sind
eine Sondersendung die
dem Koma erwacht sind,
einer Fußballsendung.
Im Vorbericht sieht man
die Wissenschaftler aus ihrem Koma erwacht. Als
Ansprache des Chefs der Wissenschaftler, die aus
angekündigt, sind die Einschaltquoten höher als bei
den vertrauten Cockpit des Raumschiffes mit dem
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stehenden Roboter Alpha 1, der starr die Instrumente im Blick hat. Im
Halbkreis sitzen die Wissenschaftler. Es fällt auf, dass sie alle blass und
abgemagert wirken. In ihrer Mitte sitzen die beiden außerirdischen Jungen
Arival und Ericsen.
Der Chef, ein Mann mit weißen Haaren, dunkler Sonnenbrille mit ernstem
aber freundlichem Gesicht beginnt zu sprechen.
Er entschuldigt sich, dass er sitzen bleibt, denn er sei zu schwach zu stehen.
Er werde sich kurz halten, denn auch das Reden strenge ihn an. Er spricht
weiter, dass sie einem Phantom oder Schutzengel ihr Leben verdanken. Für
ihn und seine Mitarbeiter an Bord sei alles unerklärlich. Wir danken unserem
Herrgott, dass wir zwei hilfsbereite Jungen in unserer Mitte haben, wenn wir
auch nicht wissen, wo sie herkommen, denn wir waren hilflos und sie haben
sich um uns gekümmert. Wir haben viele Schätze, die wir mitbringen, die wir
allein nicht uns hätten beschaffen können. Dabei ist eine Kiste mit wertvollen
Büchern, die unbezahlbar sind. Sie gehören unseren beiden Freunden. Mit
diesen Schätzen ist ihr Lebensunterhalt auf unserer Erde gesichert.
Er verabschiedet sich mit den Worten, dass er sich wieder meldet, wenn sie
zu Kräften gekommen sind. Er werde dann ausführlich über alles berichten.
Aus dem Koma erwacht.
Die Ärzte atmen auf. Nach vierzehn Tagen sieht man, dass sich bei Hein und
Jo die Finger bewegen. Sie öffnen ihre Augen und versuchen den Oberkörper
aufzurichten.
Die Mütter wollen sich auf ihre Söhne stürzen, um sie zu drücken und zu
küssen. Die Ärzte halten sie zurück und sie müssen im Hintergrund bleiben.
Hein kann sprechen und fragt den Arzt, wo er sei. Er sieht seine Mutter und
winkt ihr. Da Christin den Rat des Arztes beherzigt, geht sie langsam an das
Bett, ergreift seine Hand. Sie spürt förmlich, wie das ihrem Sohn gut tut..
Dabei spricht sie kein Wort.
Jetzt fragt er, wo sind wir hier?
Christin weiß nicht, was sie sagen soll. Der Arzt geht an sein Bett und spricht
beruhigend: „Sie waren schwer krank. Wir sind hier in Amerika. Aber sie
kommen bald nach Hause, denn sie sind wieder gesund und sie müssen
ganz ruhig bleiben. Wenn Sie etwas Schönes geträumt haben, erzählen Sie
das uns, dann können wir uns wenigstens etwas unterhalten“.
Hein antwortet:
„Ich habe nicht geträumt, nur ganz fest geschlafen. Ich weiß, dass mein
Frühstückstisch gedeckt war. Ich muss ja auch zur Schule, sonst spielt der
Rektor wieder verrückt“
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„Das hat noch Zeit“, antwortet der Arzt und spricht weiter: „Der Rektor weiß
Bescheid und er wird sich freuen, wenn du wieder kommst.“
Bei diesen Worten ist Hein wieder eingeschlafen. Alle atmen erleichtert auf.
Als letztes Bulletin spricht der Chefarzt persönlich über Heins Krankheit.
Er sagt: „Hein und Jo sind nicht krank, sondern kerngesund. Von dem, was
sie erlebt und was wir in vielen Sendungen gesehen haben, wissen sie
nichts. Trotzdem haben sie das richtig erlebt, denn der Chef des
Raumschiffes hat sich gemeldet und die Angaben bestätigt.
Keiner von uns kann das Geschehen begreifen, denn es ist übernatürlich wie
von einer anderen Welt. Aber es besteht eine große Gefahr, dass Hein und
Jo seelische Schäden erleiden, wenn sie damit konfrontiert werden. Deshalb
bitte ich alle seine Freunde, die Schule und die Familie und alle, die mit ihnen
in Berührung
kommen, zu schweigen. Das gilt auch für alle
Pressemeldungen und Fernsehsendungen, die sofort eingestellt werden. Nur
so können die beiden normal aufwachsen und sie werden, wenn das jeder
beachtet, keinen seelischen Schaden erleiden.
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Aber, aber, aber,,,,,
In drei Jahren, vier Monaten und zwölf Tagen wird das Raumschiff die
Erde erreichen,
Werden Hein und Jo die Jungen Arival und Ericsen erkennen und ihnen
helfen, wie sie es versprochen haben.
Die ganze Sache hat noch ein finanzielles Problem.
Die Weltraumbehörde betrachtet alle Dinge, die an Bord sind, als ihr
Eigentum. Die Steine und Pflanzen sind Millionen wert. Nicht zu
bezahlen sind die Bücher mit den außerirdischen Schriften. Die
Weltraumbehörde hat sie jetzt schon versichern lassen, obwohl sie
noch gar nicht auf der Erde sind und betrachtet sie als ihr Eigentum.
Millionen von Fernsehgebühren für die weltweiten Sendungen hat sie
kassiert. Eigentlich müssten Hein und Jo davon einen Anteil
bekommen.
Werden Hein und Jo rechtzeitig wach, damit sie um ihre Ansprüche
kämpfen können?
Werden die Außerirdischen betrogen und sind auf Almosen angewiesen,
obwohl die teuren Bücher ihnen gehören?
Weder Hein und Jo, erst recht nicht die Außerirdischen, werden es
schaffen, sich gegen die Allmacht des Staates und seiner Behörden
durchzusetzen, wenn ihnen niemand hilft, denn sie sind dafür zu
schwach und unerfahren. Wird Chu-Chu das zulassen?
Wird er nicht wütend werden und die Welt zum Wanken bringen, wenn
er davon hört?
Wird er nicht mit Donnern und Blitzen zuschlagen, bis die Schwachen
ihre Rechte bekommen?
Es wird spannend in der Zukunft werden!
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Rückkehr zum Glauben.
Gibt es einen Gott?
Lohnt es sich nachzudenken?
Allgemeines.
Bei meinen Geschichten beschäftige ich mich mit Fragen des Glaubens und
der Religion. Ich will nicht wissen, ob jemand Christ oder Moslem ist. Ich will
wissen, ob die Suche nach Gott einen Sinn hat, ob es einen gibt oder alles
nur in unserer Fantasie besteht. Letztes Endes will ich meinen Weg zu Gott
finden. Vielleicht können wir zusammen darüber nachdenken?
Grundsätzliche Gedanken:
Der Mensch und die Art, wie er Gott anbetet, das heißt seine Religion und die
Art wie sich ihr Verhältnis zu anderen Glaubensgemeinschaften verhält, hat
das Schicksal von Völkern und unendlich vieler Menschen beeinflusst. Viel
Leid kam durch Intoleranz gegenüber Andersgläubigen in der Geschichte und
sogar heute noch über die Menschen. Haben solche Gedanken der
Intoleranz in der Gegenwart noch Berechtigung?
Ich kann mir nicht denken, dass der Mönch, der in tiefer Versenkung im
Namen seines Gottes Gutes tut, ein böser Mensch ist, selbst wenn sein
Gott nicht Christus heißt. Sein Gott wird von ihm nicht verlangen Böses
zu tun. Deshalb gehört zum echten Christentum Toleranz zu den
Menschen, die mit ehrlichem Herzen ihren Gott anbeten und nicht in
seinem Namen Verbrechen begehen.
Die Fortschritte unserer Bildung bringt viele Menschen dazu, Gott nicht mehr
als schöpferische Kraft anzuerkennen. Es geht ihnen gut und kommen ohne
ihn zurecht. Sie vermissen ihn nicht und kommen gar zu dem Schluss, dass
es keinen gibt.
Da ich oft zweifelte, will ich mein Gewissen wachrütteln. Endgültige
Gewissheit wird man in vielen Fragen nicht finden können. Aber die
Wissenschaft hat auch nicht immer recht. Unseren inneren Frieden werden
wir nur dann finden, wenn wir wir aus vollem Herzen glauben können und
beim Gebet die Nähe Gottes in unserem Herzen spüren.
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Zurück zu unserer Geschichte.
Gus hat Zweifel
Wenn man von einer Rückkehr spricht , heißt das so viel, als wenn kein
Glaube mehr da wäre. Da sich die Geschichte auf den Rentner Gus bezieht,
stimmt das nicht ganz. Wenn man ihn fragt, ob er gläubig sei, würde er dies
selbstverständlich bejahen. Wenn auch nicht oft, so geht er doch in die Kirche
und verrichtet seine Gebete. Macht er dies aber mit offenem Herzen?
Glaubt er wirklich an den Herrgott, zu dem er betet. Macht er das vielleicht
aus Gewohnheit? In den Kurzgeschichten wird beschrieben, wie er seinen
Glauben überdenkt und festigt, so dass Zweifel ihn nicht mehr bedrücken und
somit seinen inneren Frieden findet .
Tödliche Leere.
Seit seine Frau Hilla verstorben ist, fühlt er tödliche Leere. Abends sieht er
das leere Bett und könnte weinen, da er sich verlassen und hilflos fühlt.
Es kommt hinzu, dass er in einem Alter ist, bei dem es um ihn herum einsam
wird. Die meisten seiner Freunde leben nicht mehr. Da jetzt auch noch sein
Herz rappelt, ihn Schmerzen plagen und ihm bei jedem Schritt bewusst wird,
dass seine Kräfte nachlassen, da er kaum die Kraft hat, seine Beine zu
heben, sagt ihm sein Verstand, dass seine Tage begrenzt sind. Wenn er
wenigstens mit vollem Herzen an den Herrgott glauben könnte.
Er klagte Christus an.
Als er nicht einschlafen konnte, wollte er beten. Aber er hat das Gegenteil
gemacht. Er hat ihm vorgeworfen, dass er ihn im Stich gelassen hat. Er hat
ihn beschimpft, dass er nicht nur bei ihm, sondern in der ganzen Welt so viel
Elend zulässt. Dabei war es ihm, als wenn er sinkt, immer tiefer, bis es völlig
dunkel war.
Auf einmal war ihm, als wenn sein Blut schneller durch die Adern rast. Er sah
eine Gestalt, die sich in der Dunkelheit vor ihm formte. Es wurde zusehends
heller. Es war tatsächlich Christus, der auf ihn zukam und sich zu ihm ans
Bett setzte.
Leise sagt er: „Du bist der einzige Mensch, dem ich erschienen bin. Du hast
mich angeklagt. Betrachte mich. Auch
ich weine. Sieh meine Hände und meine Wunden. Alles habe ich gegeben.
Wie wird es mir gedankt?“
Gus richtete sich auf. Er sah, wie er am ganzen Körper zitterte.
Leise sprach Chris weiter: „Was beklagst du dich. Du hast fünf Kinder, acht
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Enkel und zwei Urenkel. Alle sind gesund und keiner missraten. Du kannst
stolz auf sie sein. Was jammerst du wegen Deiner Wehwehchen. Du kannst
nicht ewig leben. Das musst du wissen. Sei froh und dankbar, dass du so alt
geworden bist. Einsam bist du nur, weil dein Bett neben dir leer ist, auch
nicht. Deine Verstorbenen, denen du beinah vorwirfst, dass sie dich verlassen
haben, sind immer in deiner Nähe. Du bist ein Egoist und willst sie nicht
sehen. Ich bringe dich jetzt mal zu ihnen, damit du wach wirst und deinem
Schicksal dankbar bist“.
Im Himmel.
Chris nahm Gus in seine Arme. Er war federleicht und Chris schwang seinen
Umhang um ihn.
Gus wusste nicht, was mit ihm geschieht. Sie lösten sich vom Bett und
schwebten ganz langsam durch das Zimmer zu dem geöffnetem Fenster.
Draußen stiegen sie höher, erst ganz langsam, dann in einem rasanten
Tempo näherten sich einem riesigem hellroten Gebilde, dessen Oberfläche
ständig sich bewegte. Chris hielt an. Er gab Gus seine Kleider und wies ihn
an, sich ordentlich anzuziehen. Er sagte: „Hier sind die Seelen aller deiner
Vorfahren. Du wirst es nicht glauben, aber es sind Millionen. Du bist nur ein
Glied in dieser unendlichen Kette. Zwei deiner liebsten Verstorbenen werde
ich zur Gestalt werden lassen. Es sind deine Mutter und deine Frau. Die
beiden lösten sich aus der Gruppe und streckten ihre Hände nach ihm aus.
Gus rannte auf sie zu und sackte zusammen, denn er konnte nicht mehr. Er
weinte bitterlich.
Er lag wieder in seinem Bett. Sein Atem war kurz und sein Puls war schnell.
Aber er beruhigte sich. Er sah zu dem leeren Bett, aber keine Bitterkeit
erfüllte ihn mehr, denn er wusste, dass seine Liebsten ganz nahe, nämlich in
seinem Herzen bei ihm sind.
Fazit.
Wir sind nie allein. Alle unsere Liebsten sind immer in unserer Nähe,
selbst wenn sie schon verstorben sind.
Auch unser Herrgott, in unserem Fall Chris, ist immer ganz nah in
unserem Herzen bei uns. Man muss ihn nur rufen. Deshalb verzweifle
nicht. Suche Frieden bei Gott und deinen Lieben und du wirst Frieden
haben.
Gus findet zum Glauben zurück.
Allgemeines.
Der Rentner Gus denkt über seinen Glauben nach. In die Kirche will er
nicht nur gehen, weil er das so gewohnt bin. Den Glauben sucht er,
damit er ihm eine innerliche Befriedigung gibt und nicht nur wörtlich,
Seite -87-
sondern tatsächlich seinen inneren Frieden findet und mit vollem
Herzen beten kann, wie es ihm seine Mutter gelehrt hat.
In unserer heutigen schnelllebigen Zeit werden wir mit wissenschaftlich
begründeten Fortschritten täglich konfrontiert. Da wo wir Gott in der
Ewigkeit suchen, finden wir den Urknall, der sich vor 13.7 Milliarden
Jahren
ereignet
hat.
Jetzt
haben
Wissenschaftler
im
Teilchenbeschleuniger nach jahrelanger Suche offenbar die zentralen
Bausteine der Materie gefunden. Von Gott ist bei allem keine Rede. Wir
müssen uns ernsthaft fragen, ob es einen Gott überhaupt gibt und ob
die Aussagen im Alten Testament über die Entstehung der Welt oder
über den Begriff der Ewigkeit eine Aussagekraft haben.
In meiner Geschichte ringt der Rentner Gus mit sich. Er spürt, wie sein
Inneres sich wandelt. Ihm wird klar, dass man die Existenz Gottes nicht
beweisen kann. Aber er spürt seine Nähe und glaubt an ihn, so wie er
als Kind dies getan hat.
Die Wandlung von Gus.
Er spürt förmlich, wie Gott und Chris ihm täglich vertrauter werden. Am
Anfang haben ihn viele Zweifel geplagt. Er konnte sich nicht erklären, wo
Himmel, Hölle und Fegefeuer sich befinden.Von der Himmelfahrt von Christus
dachte er, dass es eine schöne Geschichte ist. Aber wohin ist der Herr
aufgestiegen? Je mehr er sich Gedanken machte, umso mehr spürte er eine
Leere in seinem Herzen. Er fragte sich sogar, ob sein Gebet noch einen Sinn
hat.
Da es Gus nicht gelang die Existenz Gottes zu beweisen, rebellierte sein
Verstand und er zweifelte an Gott. Hinzukam dass er sich körperlich nicht
mehr wohl fühlte. Müdigkeit überfiel ihn. Dabei konnte er nicht einschlafen.
Seelisch war er am Ende. Sein Leben schien ihm nutzlos. Im Halbschlaf
spürte er förmlich die Fratze des Bösen.
Als ihn wieder Albträume plagen, kommt sogar der Herr zu ihm. Diesmal ist
Chris nicht friedlich. Er beschimpft ihn: „Du hast kein Vertrauen zu mir. Du
weißt doch, dass ich bei dir bin“. Er fasst ihn an den Schultern und schüttelt
ihn.Er brüllt ihn weiter an: „Ich bin doch bei dir. Warum rufst du mich nicht“?
Erschöpft ist Gus eingeschlafen. Als er aufwacht, geht es ihm besser. Sein
Puls rast nicht mehr. Er schaut auf das Kruzifix und spricht zu sich: „Jetzt rufe
ich Dich“ und spricht ein Gebet. Er fühlt sich wieder wohl und der Schrecken
des Albtraumes ist vergessen.
Seite -88-
Dr. Sandon.
Bei einem Kongress von Wissenschaftlern geht es um die Frage, wie alt
unser Universum ist. Ist es durch den Urknall entstanden oder besteht
es seit Ewigkeiten in Vergangenheit und Zukunft, so wie wir beten: „Von
Ewigkeit zur Ewigkeit“?.
Der erste Redner ist Dr. Sandon.
Seine kurze Rede.
Dr, Sandon hatte seinen Freund Gerd gebeten nach den Referaten der
Doktoranden als erster zu dieser Frage Stellung nehmen zu können.
Fast jeder der Teilnehmer wusste, dass er bisher nur die These des Urknalls
vertreten hatte. Da er als erster zu der neuen These sprechen durfte, war als
Wertschätzung für seine Person zu betrachten.
Für ihn war es anfangs ein Schock, als er einsehen musste, dass sein Freund
Gerd (Prof. Dr. Gerd Winkler) Recht hatte, denn er konnte durch Bilder der
neuen Sternwarte beweisen, dass das Universum größer ist, als bisher
angenommen wurde.
Dass er vor der allgemeinen Debatte als erster dazu sprechen darf, ist eine
Anerkennung für ihn als die Kapazität, der in Fachkreisen die größte
Anerkennung bisher hatte.
Bei seinen Ausführungen hat er den Mut zu sagen, dass seine
bisherigen Thesen über die Entstehung der Welt nicht mehr ganz
stimmen. Er begründet dies mit den durch die neue Sternwarte
erlangten Erkenntnissen. Er betont ausdrücklich, dass am Urknall nicht
zu zweifeln ist. Er muss aber zustimmen, dass es eine unendlich lange
Zeit vor ihm geben muss.
Die neuen Beobachtungen hätten ihn innerlich gewandelt. Bei seinen
Forschungen und Überlegungen hätte er früher keine Verbindung mit
religiösen Vorstellungen und Dogmen gefunden. Er will aber dieses
Thema nicht eingehend besprechen, sondern nur andeuten, denn er will
religiöse Gefühle und wissenschaftliches Forschen nicht vermischen.
Eines aber will er betonen, dass bezüglich der Entstehung der Welt die
Aussagen des Alten Testaments nicht mehr im Gegensatz zu
wissenschaftlichen Erkenntnissen stehen.
Seine bisherige Einstellung zum Glauben und zu Gott. Vom Atheismus
zum Glauben an Gott.
Seine innere Wandlung soll durch die weiteren Ausführungen erläutert
werden.
Seine Mutter war gläubige Katholikin. Allzu früh ist sie gestorben. Im Laufe
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seines Studiums hatte er sich vom Glauben an Gott abgewandt. Er bedeutete
ihm nichts und er fand in ihm keine Erfüllung mehr. Bei seinen Forschungen
fand er keinen Platz an dem er das Wirken Gottes entdecken konnte.
Das Universum war für ihn mit dem Urknall entstanden. Davor war Nichts
oder Leere. Er betrachtete die Aussagen über die Schöpfung als eine
Märchenerzählung für alte Mütter oder kleine Kinder.
Er konnte sich einfach im Einklang mit seinem Gewissen keinen Gott am
Anfang der Schöpfung vorstellen. So kommt es, dass er bis vor kurzem sich
als Atheist betrachtete. Es fand keine denkbare Brücke zwischen den
Aussagen der Bibel im Alten Testament und den Lehren der Wissenschaft.
Mit Galilei hatte vor Jahrhunderten die Kirche zum letzten Mal gewagt, einen
Gelehrten Mund tot zu machen und auszustoßen. Mit Genugtuung hatte er
festgestellt, dass sie der Wissenschaft nicht mehr widerspricht.
Dr. Sandon grübelt:
„Gibt es Gott?
Wie bete ich ihn an?
Ist es Christus oder ein anderer?
Die Situation hat sich für ihn sprunghaft geändert.
Seine Wandlung.
Er ist ein Suchender, aber kein Atheist mehr.
„Von Ewigkeit zur Ewigkeit“
Gerd hatte ihm die Möglichkeit verschafft die von der neuen Sternwarte
gemachten Bilder einzusehen. Er überzeugte sich, dass an verschiedenen
Stellen des Universums sich Konstellationen entwickeln, die einem Urknall
ähneln, das heißt, dass neue Welten sich formen und andere untergehen und
vielleicht dann wieder die Voraussetzung sein können, dass aus ihnen wieder
neue entstehen. Unwillkürlich wurde ihm bewusst, dass es für den Beginn
des Universums oder der Schöpfung keinen festen Termin geben kann. An
seiner Stelle gibt es für Vergangenheit und Zukunft nur den Begriff der
Ewigkeit.
Der Ausdruck „von Ewigkeit zur Ewigkeit“, wie er als Kind mit seiner Mutter
gebetet hat, wird ihm wieder lebendig und er betrachtet ihn nicht mehr als
eine nichts sagende Redensart.
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Fasziniert hat ihn der in Milliarden Lichtjahren entfernte Nebel. Das kann nur
ein Weltengebilde sein, das unserer sichtbaren Welt gleicht. Diese Sterne
können in dieser Entfernung und in ihrer Masse nie durch unseren Urknall
entstanden sein. Zusammengefasst kommt er wie sein Freund Gerd zu dem
eindeutigen Schluss, dass der Urknall nur ein örtlich beschränktes Ereignis
ist. Es ist nicht möglich einen Zeitpunkt für den Beginn und das Ende des
Universums anzugeben. Die Verhältnisse in Bezug auf Zeit und Raum und
Größe sind nicht zu überblicken. Der Begriff der Ewigkeit als Zeitpunkt für die
Entstehung der Welt ist nicht mehr auszuschließen.
Für ihn wird klar, dass der Gedanke an einen übermächtigen Gott durch die
Wissenschaft nicht bewiesen, aber auch nicht ausgeschlossen werden kann.
Er hat über dieses Problem nachgedacht, um seinen inneren Frieden wieder
zu erlangen. Um Religion und Wissenschaft nicht zu vermengen, hat er auf
dem Kongress nicht von Gott gesprochen, sondern darauf hingewiesen, dass
die Aussage der Bibel von Ewigkeit zur Ewigkeit nicht mehr im Gegensatz
zum Stand der Wissenschaft steht. Wenn auch Gemeinsamkeiten zwischen
Kirche und Wissenschaft sich ergeben, hält er doch eine strikte Trennung für
notwendig. Andererseits betrachtet er sich nicht mehr als Atheist. Er hat sich
aber noch nicht dazu durchgerungen, sich als Christ zu bekennen, so wie
seine Mutter ihm dies gelehrt hat und ist noch ein Suchender. Wohl fühlt er
sich dabei nicht und es ist zu hoffen, dass er zum Glauben zurückfindet.
Ist es denkbar, dass Christus oder Chris als Gottes Sohn, wie es im
nächsten Roman geschildert wird, auch auf einem anderen Planeten
missionieren, das heißt seine Heilslehre predigen kann?
Ist dies reine Utopie oder nicht ?????
Vorgedanke: Ich nenne meine Geschichte: „Chris auf Terra“ eine Utopie, die
uns helfen soll, Gott zu verstehen. Ist sie wirklich reine Utopie?
Chris hat ausgesagt, dass sein Reich nicht auf unsere Welt beschränkt ist
und hat von der Allmacht seines Vaters gesprochen. Daraus kann man
schließen, dass er sich als Gott für das ganze Universum betrachtet. Wenn
wir sie auch nie zu Gesicht bekommen werden, kann man bei dem riesigen
Universum annehmen, dass es noch Lebewesen gibt, die uns gleichen.
Dieses Problem ist die Grundidee meines Romanes „Das Kreuz von Jusa“.
Die Geschichte „Chris auf Terra“ ist ein Auszug davon. Chris will auf dem
Planeten Terra die Menschen wie auf der Erde erlösen. Dass der Rentner
Gus ihm dabei hilft, ist natürlich reine Utopie. Ist es aber unmöglich, dass
Chris nicht nur auf unserer Erde, sondern auch Menschen auf anderen
Planeten erlösen will? Ist das reine Utopie?
Denken Sie doch einmal darüber nach.
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Chris auf Terra.
Diese Geschichte ist Utopie.
Sie hilft uns, Gott zu verstehen.
Auf dem Planeten Terra leben auch Menschen. Sie sind uns in ihrer
Kultur um 10000 Jahre zurück. Sie beten falsche Götter an und bringen
ihnen Menschenopfer dar. Gott Vater kann das nicht mehr mit ansehen
und schickt seinen Sohn Chris hin, um ihnen den wahren Glauben zu
lehren. Chris wird in der Stadt Jusa in der ärmsten Familie geboren. Er
weiß nicht, dass er Gottes Sohn ist, Gott Vater will es ihm selbst sagen.
Bis dahin spürt er Zweifel und weiß nicht warum. In dieser Geschichte
wird berichtet, wie Gott Vater ihm erschienen ist.
Chris hat Zweifel
Chris wird im Schlaf von Träumen geplagt. Eine Erscheinung sagte ihm
gestern, dass er Gottes Sohn sei. Schweißgebadet wacht er auf. Er ist
wirklich Gottes Sohn, weiß aber nicht, dass in der Stadt Jusa auf dem
Planeten Terra seine Eltern nur seine Pflegeeltern sind. Seine Mutter Mira ist
aufgeregt und dem Weinen nahe. Mit tränender Stimme sagt sie: „Junge, du
hast Fieber, du bleibst heute im Bett liegen.“ Sie deckt ihn gut zu. Chris selbst
glaubt, er habe alles geträumt. Er spricht zu sich: „Ich, ein Gott? Ich, der arme
Junge aus der engen Gasse? Ich, der stundenlang vor Töpfen und Vasen
sitzen und auf Käufer warten muss. Meine Eltern und ich, wir können uns
noch nicht mal satt essen, und Geld für ordentliche Kleidung haben wir auch
keines. Von allen Kindern im Religionsunterricht habe ich die schäbigsten
Klamotten an. Ich, ich soll Gottes Sohn sein? Das ist doch Irrsinn. Ich glaube,
ich bin verwirrt“.
Chris ist von Natur aus bescheiden. Er liebt seine Mutter abgöttisch. Auch
seinen ruhigen, bedächtigen, fleißigen Vater liebt und achtet er sehr. Er fragt
sich: „Das sind doch meine Eltern! Hier ist mein Zuhause! Ich, ein Gott? Das
ist unmöglich.“ Sein Herz ist aufgewühlt, sein Puls rast. Doch bald fühlt sich
Chris körperlich besser und beginnt sich anzukleiden.
Er glaubt, dass seine Sinne durch das Fieber gestört wurden. Immer noch
plagen ihn die Gedanken. Er denkt, wenn er nur einen Ton von seinen
Träumen seinen Freunden erzählt, werden sie ihn verhöhnen und verspotten.
Er ist so verzweifelt, dass er sich sagt: „Oh Gott, wenn du ein Gott bist, der
mir erschienen ist, und ich nicht geträumt habe, oh Gott, was hast du dann
mit mir gemacht?“ Mit einem Mal durchflutet ihn Wärme. Eine innere Stimme
spricht zu ihm: „Du hast mit mir das Weltall erschaffen, jetzt musst du als
Mensch viele Nöte ertragen. Bitte verzeih mir. Ich als dein Vater mute dir viel
zu. Ich bringe dich in eine dir ausweglos erscheinende Lage. Aber beachte,
dein zukünftiges Leben wird für dich anstrengend sein. Ich will das Beste für
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die Menschen von Terra. Wir beide wollen sie von ihrem Irrglauben erlösen.
Du wirst mir dabei helfen. Mein Sohn, ich liebe dich. Doch auch dein
menschlicher Vater und deine Mutter lieben dich. Ich aber bin dein wirklicher
Vater. Die Menschen verstehen es nicht, nein, sie werden es schwer haben,
verstehen zu können. Deshalb helfe ihnen.“ Chris ist schweißgebadet. Dann
fragt er sich: „Bin ich krank oder hat Gottvater wirklich mit mir gesprochen, mit
mir, dem kleinen Jungen aus der engen Gasse von Jusa?“
Am Nachmittag geht Chris zu seinem Freund Ragu. Da er sich nicht sicher
ist, ob die Erscheinung gestern bei seinem Freund und Frau Ria Traum oder
Wirklichkeit war, nimmt er sich vor, darüber zu schweigen. Er denkt, wenn es
Wirklichkeit war, wird Ragu oder Frau Ria davon sprechen und dann wird es
sich aufklären. Als er das Haus betritt, will Ragu vor ihm niederknien und
sagt: „Chris, du bist Gott.“ Jetzt weiß Chris, dass er nicht geträumt hat. An
sich ist Chris jung, lebenslustig und unbeschwert. Die Ankündigungen über
seine Aufgaben betrüben ihn. Er empfindet Liebe und Freundschaft für seine
Eltern und seine Freunde, doch er hat das Gefühl, seinem Gottvater
gehorchen zu müssen. Ist er selbst Gott? Dieser Gedanke ist so
ungeheuerlich für ihn, dass er sich erst an ihn gewöhnen muss.
Angst in Jusa
Die beiden Engelchen Anne und Jane warten geduldig vor Logis Haus. Bei
ihnen befindet sich der Engel Gus, der eigentlich gar kein Engel ist, sondern
nur durch verschiedene Umstände dieses Abenteuer als Engel mitmachen
darf. Sie haben den Auftrag, auf Chris aufzupassen, der sich bei seinem
Freund Ragu und dessen Mutter Ria aufhält. Sie halten sich bescheiden
zurück, da Gottvater selbst in das Geschehen durch sein Erscheinen mit
eingegriffen hat. Mutter Ria hat einen großen Bogen Papier vor sich. Es ist
aber kein Papier, sondern ähnelt dem auf der Erde gebrauchten Pergament,
auf dem man Schriftzeichen aufmalen kann. Sie versucht den beiden das
Schreiben zu lehren.
Der Priester hat als Opfer für die Göttin Astard einen Scheiterhaufen errichten
lassen und ein junges Mädchen soll als Opfer getötet und verbrannt werden.
Chris weiß nicht, was er tun soll. Er spürt in sich einen unbezähmbaren
Drang, etwas zu unternehmen. Wie in Trance besteigt er einen Steinsockel.
Erstaunt betrachten ihn der Priester und alle Bürger. Jetzt spricht er mit
seiner hohen, jugendlichen und klaren Stimme: „Bürger von Jusa, hört nicht
auf den Priester. Unser richtiger Gott, mein Vater im Himmel, verbietet
Menschenopfer. Lasst eure Töchter zu Hause.“ Er steigt von dem Sockel
herunter. Er ist ganz verstört, denn er weiß nicht, was er gesprochen hat. Er
tut dies wie unter Hypnose und ist sich nicht bewusst, warum er das tut. Der
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Priester ist wie von Sinnen. Er schreit nach der Wache, die diesen Scharlatan
töten soll. Der Bürger Logi tritt den Soldaten entgegen. Er will den Jungen
nicht töten lassen. Er versteht nicht, warum er diese Worte gesprochen hat
und vermutet, dass er geistig verwirrt ist und in diesem Zustand nicht weiß,
was er getan und gesprochen hat. Logi zieht sein Schwert, von dem
Wunderdinge erzählt werden und spricht mit voller Stimme: „Der Junge steht
unter meinem Schutz. Wagt nicht, ihn anzugreifen.“ Der Regent Heribus kann
sich in Anbetracht des nahenden Feindes keinen Bürgerkrieg erlauben.
Deshalb ruft er die Soldaten zurück. Der Priester Largo ist felsenfest
überzeugt, dass die Rache der Asta furchtbar sein wird und Jusa total zerstört
und die Bewohner getötet werden. Als er in den Tempel geht, folgt ihm
unsichtbar der Engel Gabius. Er will aus dem Priester, dem Saulus, einen
Paulus machen, denn ihm ist klar, dass der Priester nicht blutrünstig ist,
sondern nur aus Furcht vor Asta die Opferungen durchführt. Largo liegt auf
dem Fußboden vor der Statue der Asta. Weinend fleht er sie an, sein Leben
als Opfer zu nehmen. Sie möge die Stadt verschonen und ihn töten. Bei
seinen Worten wird er von Weinkrämpfen geschüttelt.
Der Handelsherr Logi geht mit seiner Frau, seinem Adoptivsohn und Chris in
sein Haus. Dort verbarrikadieren sie alle Türen und Fenster, denn sie
fürchten die Rache des Priesters. Schweigend sitzt Logi mit seinen
Angehörigen in der halbdunklen Stube. Er will Chris fragen und
herausbekommen, warum er sein Leben durch diese Rede in Gefahr
gebracht hat und will wissen, ob er geistig gestört ist. Ihm ist das Verhalten
von Chris unerklärlich. Gerade will er seine Fragen an Chris stellen, erscheint
in der Ecke der Stube die Gestalt von gestern wieder. Alle sind erstaunt und
erstarrt. Jetzt spricht der gut gekleidete Mann mittleren Alters mit ruhiger,
Vertrauen erweckender Stimme: „Ich bin heute in dieser ernsten Lage wieder
bei euch. Dir, mein Sohn, danke ich, dass du dich zum ersten Mal als Gottes
Sohn bewährt hast. Deine Worte habe ich dir eingegeben, denn es darf nicht
noch einmal ein unschuldiges Kind dieser Götzengöttin geopfert werden.“
Aber seine Gesichtszüge werden bei den folgenden Worten ernst und er
spricht weiter: „Frau Lya, die Frau eures Regenten, ist gerade verstorben.“
Diesmal spricht er zu Chris folgende Worte: „Mein Sohn, lass dir von Ria ein
Schälchen mit Öl geben, gehe zu der Verstorbenen, mache auf ihrer Stirn mit
diesem ein Zeichen des Kreuzes.“ Die Gestalt verschwindet. Alle schauen
sich verdutzt an. Logi glaubt nicht mehr, dass Chris geistig verwirrt ist, zumal
Ria jetzt von der gestrigen Erscheinung berichtet. Er will sich vor Chris
verbeugen. Doch dieser wehrt entrüstet ab. Jetzt treffen sie die
Vorbereitungen, um zum Haus des Heribus zu gehen.
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Der Regent Heribus steht mit seiner Tochter an der Bahre, während zwei
Nachbarfrauen vor der Toten knien. Ebenfalls kniet der Priester und singt
melodisch die althergebrachten Gesänge. Die Engel Gabius und Gus
befinden sich unsichtbar hinter dem Priester. Gabius hat eine schwere
Aufgabe vor sich. Sein Herr will, dass sein Sohn ein Wunder vollbringt. Nur
so kann er die ungläubigen Menschen von seiner Macht, Größe und
Herrlichkeit überzeugen. Er will aber auch den Priester für den Glauben
gewinnen, obwohl er mit Mord- und Rachegedanken erfüllt ist. Der Priester
betet und singt bei der Bahre. Aber seine Gedanken sind bei Chris, den er ins
Jenseits befördern will. Unwillkürlich greift er immer wieder nach dem Dolch,
um sich zu vergewissern, dass er ihn noch griffbereit hat. Gabius muss mehr
als wachsam sein, denn er kennt die teuflischen Absichten des Priesters. Er
weiß, dass Chris bald kommen und der Priester mit dem Dolch schnell bei
der Hand sein wird. Gabius hat sich einen Plan ausgedacht, wie er den
Priester handlungsunfähig machen kann. Er will, wenn er nach seinem Dolch
greift, seine Glieder erstarren lassen, sodass er ihn nicht anfassen kann. Aber
er ist sich bewusst, dass er trotzdem höllisch aufpassen muss.
Der Handelsherr Logi ist mit seiner Frau und den Jungen unterwegs zu der
Toten. Da sie nicht so ohne weiteres hineingehen können, lässt er seinen
Jugendfreund Heribus herausrufen. Er bittet ihn zu erlauben, dass Chris
seine Frau salben darf. Jedem anderen hätte Heribus diesen Wunsch
verweigert, da der Priester gerade die Totengesänge singt. Aber seinem
Freund kann er diese Bitte nicht abschlagen. Schweren Herzens geht er in
die Stube und bittet den Priester, einen Augenblick seine Totengesänge zu
unterbrechen. Als dieser den in seinen Augen verfluchten Chris sieht,
übermannt ihn der Zorn. Er zieht seinen Dolch und will auf den Jungen
einstechen. Gabius blickt fest auf seine Hand. Erschrocken lässt der Priester
die Waffe los, die klirrend zu Boden fällt. Seine Hand ist plötzlich kraftlos,
steif, wie erstarrt und er kann den Dolch nicht mehr halten. Unabhängig
davon hält Logi sein Schwert griffbereit. Er hasst den Priester, weil er auch
seine Tochter auf dem Gewissen hat. Nur die Ehrfurcht vor der Toten hindert
ihn, ihm den Kopf abzuschlagen. Der Priester will wütend raus laufen. Doch
Gabius schaut fest auf seine Füße. Er kann sie nicht mehr bewegen und
steht wie angewurzelt da. Gerade noch kann er sich, wie von allen Kräften
verlassen, auf einen Schemel in der Ecke fallen lassen. Er begreift die Welt
nicht mehr. Seit Jahrzehnten betet er zu Asta und singt die Totengesänge.
Jetzt kommt so ein Jüngling daher und er soll weichen. Immer mehr stärkt
sich in ihm die Gewissheit, dass dies das Letzte ist, was er und die Stadt
erleben werden. Er sieht förmlich ihren Untergang und den Tod aller
Bewohner.
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Chris handelt wieder wie in Trance. Er kniet nieder und spricht Gebete in
einer fremden Sprache, die er vorher noch nie gesprochen hat. Nur Logis
Frau versteht die Worte. Es ist ihre Muttersprache und die der Priester ihrer
Heimat, die Liebe predigen und keine Menschenopfer bringen. Auch ist es die
Sprache des Predigers, der in ihrer Heimat von dem Gott der Liebe gepredigt
und die Menschen getauft hat. Jetzt erkennt Ria endgültig, dass Chris ein
Gott ist, denn sie weiß hundertprozentig, dass er niemals in ihrer Heimat war
oder Jusa verlassen hat. Chris fasst in das Öl und bekreuzigt sich. Er greift
erneut in das Ölgefäß und macht auf die Stirn der Verstorbenen ein
Kreuzzeichen. Dann tritt er zurück. Im Raum ist Totenstille. Keiner ahnt, was
das alles bedeuten soll. Plötzlich bewegen sich die Füße der Toten. Ein
Schütteln durchdringt ihren Körper und sie richtet sich auf. Verwundert fragt
sie, warum sie auf der Totenbahre liegt. Der Handelsherr verlässt mit seiner
Familie und Chris leise das Haus.
Die Bekehrung des heidnischen Priesters.
Auch der Priester wankt hinaus. Wieder geht er in den Tempel. Diesmal wirft
er sich nicht auf den Fußboden. Er setzt sich auf einen Schemel in der Ecke
und starrt die Statue an. Er spürt keinen Boden und Halt mehr unter den
Füßen. Sein Glaube an Asta ist zerbrochen und seine Seele verwundet. Chris
begleitet die paar Schritte Logi, seine Frau Ria und seinen Freund Ragu bis
zu ihrem Haus. Schweigend verabschieden sie sich, ohne ein Wort zu
sprechen, so sehr sind sie von dem Vorgefallenen ergriffen. Chris denkt an
den Priester. Er tut ihm leid. Auch will er seine Seele gewinnen und ihm
neuen Lebensmut verleihen. Er betritt den Tempel und sieht den Priester
Largo wie ein Häufchen Elend vor seiner Götterstatue sitzen. Er nimmt sich
einen Schemel und setzt sich neben ihn und schweigt. Nach ein paar Minuten
fängt er leise an zu erzählen, wie es ihm ergangen ist und wie er nach und
nach erfahren hat, dass er Gott sei. Er schildert Largo, dass er das nicht
wahrhaben wollte. Aber immer wieder sei ihm sein Vater erschienen. Jetzt
aber hat er durch das heutige Wunder keinen Zweifel mehr an seiner
Gottheit. Er bittet den Priester, sein Nachfolger zu werden, denn nach dem
Willen des Herrn müsse er in den Himmel zurückkehren. Er erzählt ihm
weiter, dass er in Rias Gepäck eine in einer fremden Sprache beschriebene
Tafel finden werde. Frau Ria könne sie übersetzen. Es handelt sich bei dem
Geschriebenen um zehn Gebote und Glaubensregeln. Er solle sie predigen,
besonders auf das eine Gebot möge er achten, dass die Menschen einander
lieben sollen. Chris sagt ihm weiter, dass er nicht eher in den Himmel
aufsteigen wolle, bis die Gefahr durch das feindliche Heer des Caro
abgewendet sei. Er erzählt ihm von dem goldenen Kreuz, welches vor
Sonnenuntergang auf dem Tempel angebracht wird, damit das feindliche
Seite -96-
Heer abzieht. Chris erfasst die Hand des Priesters, drückt sie fest und segnet
ihn. Damit hat er von seiner Seele Besitz ergriffen. Der Priester hasst ihn
nicht mehr, sondern er verbeugt sich vor ihm. Chris spricht in einem
feierlichen Ton: „Ich weiß, dass du kein blutrünstiger Mensch bist und die
Opfer für die Göttin Asta aus Furcht dargebracht hast. Da du jetzt keine Angst
mehr haben brauchst, bete meinen Vater und mich an und predige die Liebe,
die den Menschen den Frieden bringen soll.“ Und Chris löst sich in „nichts“
auf. Sein Körper ist verschwunden. Largo starrt auf die Stelle, wo er eben
noch gestanden hat. Jetzt ist auch er endgültig davon überzeugt, dass er in
Chris einen neuen Gott gefunden hat.
Seite -97-
Lieber Leser, ich möchte Ihnen meine Bücher vorstellen. Vielleicht kann
ich Sie dazu bewegen, das eine oder andere zu lesen.
Die „Verkannte Generation“.
Untertitel „Mein Leben“.
Ist es nicht so, dass unsere Söhne und Enkel wenig wissen,
wie wir diese Zeit erlebten. Vielleicht …
Auf der Frankfurter Buchmesse
…denken sie gar, dass wir dumm waren, da wir auf den Hochstapler Hitler
hereingefallen waren und uns von ihm täuschen ließen? Ist es nicht so, dass
vieles, was wir erleben mussten, uns aufgezwungen wurde und unser Schicksal
vielfach „verkannt“ wird.
Um für mich, meiner Familie, meinen Freunden, einfach meinen Mitmenschen
Klarheit zu schaffen, habe ich über diese Zeit nachgedacht und versucht, meine
Erinnerungen, Erfahrungen und Gedanken aufzuschreiben. Ich möchte nicht
hochtrabend urteilen, sondern nur davon erzählen, was ich erlebt habe.
Ich berichte nicht nur von den Ereignissen in meinem Leben, sondern
auch über das, was ich mir bei ihnen gedacht habe.
In meiner Kindheit gab es umwälzende Erfindungen, wie die Elektrizität, Telefon
und Flugwesen, Radio und Fernsehen. Die nachfolgende Generation tut sich
schwer vorzustellen, wie unsere Eltern ohne diese Annehmlichkeiten gelebt
haben.
Hitler und sein unseliges „Tausendjährige Reich“ beschreibe ich so, wie es
wirklich war oder wie ich es als wahr empfunden habe. Zwangsläufig gehören
dazu die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen in unserem Stadtteil
und der Stadt Frankfurt.
Seite -98-
„Das Kreuz von Jusa“.
Kurze Inhaltsangabe.
Als junger Engel begleitet der Rentner Gustav im Traum den Erzengel Gabius
auf dem Flug zu der fernen Erde Terra, auf der Menschen leben, die uns
gleichen. Dort lebt Christus, im Buch Chris, in der ärmsten Familie der Stadt
Jusa. Er weiß nicht, dass er der Erlöser und Gottes Sohn ist. Gott Vater wird
ihm seine Aufgabe selbst sagen, wenn er das Alter erreicht hat. Er soll den
Menschen so wie auf unserer Erde die Heilsbotschaft verkünden und ihnen den
Weg zum richtigen Glauben zeigen.
Robin
Geschichte eines Rentners im Altersheim, der neuen Lebensmut findet und
diese Institution nicht mehr als Endstation seines Lebens betrachtet. Opa
Gustav hat schon mit seinem Leben abgeschlossen, als er in das Altersheim
eingeliefert wird. Er glaubt, dass er in dieses Heim abgeschoben wird, um
seinen Mitmenschen nicht zur Last zu fallen. Er wartet auf seinen Tod und hat
keinen Funken Hoffnung und Lebensmut mehr. Aber er wird gefordert. Er muss
eine neue Aufgabe bewältigen. Dafür braucht er Kraft und neues
Selbstbewusstsein.
„Die Liebe der Kommissarin“
Dieser Krimi spielt im Frankfurter Milieu. Meine achtjährige
Tätigkeit als Schöffe hat mich zu diesem Roman inspiriert.
Kommissarin Ute hat im Beruf Karriere gemacht, denn sie wurde
Leiterin der MK1 in Frankfurt. In der Liebe hatte sie aber Pech,
denn sie hatte eine schwere Enttäuschung zu überwinden. Wie
sie einen neuen Partner findet, wird in dem Roman erzählt. Ihr
neuer Freund und späterer Lebensgefährte ist ein Kollege, der das gleiche
Schicksal hinter sich hat.
„Kyi-O 1“
“Kyi-O 2“ „Ka-Mi-Kom“
„Kyi-O 3“ „Die Welt von morgen“
Dies sind drei Zukunftsromane, in denen Jugendliche, die auf zwei
verschiedenen Planeten groß geworden sind, die Hauptrolle spielen. Es wird
von zukünftigen Erfindungen berichtet, die für die Außerirdischen
selbstverständlich sind. Die außerirdischen Jugendlichen gleichen uns
Menschen und haben auf der Erde Freunde gefunden.
Seite -99-
„Tim und Hein“.
Ein Jungenstreich.
Die Puppe am Kirchentor
Dies sind zwei Geschichten von Jungen, deren Eltern wenig Zeit für sie
haben.
In eigener Sache.
Hotel und Gaststätte"Schöne Aussicht“ in Frankfurt/M. , BergenEnkheim.
Lieber Leser,
bitte sind Sie mir nicht böse, wenn ich am Ende meines Buches etwas
Werbung für unser Hotel mache, denn vier Jahrzehnte bis zum Ruhestand
habe ich in ihm hart gearbeitet.
Erst dann hatte ich Zeit zum Schreiben.
Dieses Hotel ist mein Elternhaus. In ihm bin ich geboren und lebe in ihm bis
heute. Unsere Gaststätte ist 200 Jahre alt und für die Frankfurter ein Begriff
und ist einer der ältesten gastronomischen Betriebe; die es in Frankfurt gibt.
Selbst Goethe soll bei uns schon eingekehrt sein. Hölderlin hat in einem
Roman einen Ausflug zu unserem Haus und dem Berger Markt beschrieben
Schöne Aussicht um 1900
Äußerlich hat sich das Haus nicht verändert, denn es steht unter
Denkmalschutz. Die Fassade musste bleiben. Das Innere erneuerte und
erweiterten meine Söhne und Enkel mit viel Geschick, damit sich unsere
Seite -100-
Gäste wohl fühlen. Von der Gaststätte, den Gesellschaftsräumen, dem
Wintergarten und der Gartenterrasse hat man den Blick auf das Maintal bis
zu den Gebirgen Spessart und Odenwald. Der Name „Schöne Aussicht“ ist
deshalb gerechtfertigt. 1990 übergab ich meinen Söhnen Manfred, Gerhard
und Werner das Unternehmen. Jetzt wird es von der Enkelgeneration geführt.
Meine Söhne erweiterten das Hotel mit einem Neubau mit fünfzig
Gästezimmern. Unser Haus ist 10 km vom Zentrum in Frankfurt entfernt.
Unser Vorort Bergen liegt östlich der Stadt.
Zur "U-Bahnstation Enkheim" sind es drei Kilometer und ist mit dem Wagen
in drei bis vier Minuten erreichbar. Für unsere Hotelgäste machen wir einen
kostenfreien Transfer zur U- Bahn und den Betrieben im Industriegebiet. Mit
der U - Bahn ist man in wenigen Minuten im Stadtzentrum und auf dem
Messegelände. Zum Flughafen muss man einmal umsteigen.
In unserem Hotel arbeiten drei Generationen. Es macht mir heute noch
Freude, meinen Söhnen und Enkel bei Bedarf zu helfen. Viele Angestellte
sprechen Fremdsprachen, damit auch ausländische Gäste sich wohl fühlen.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.
Betriebsanschrift:
Hotel Schöne Aussicht, Im Sperber 24 60388 Frankfurt.
Tel.: 06109 / 5047 0 // Fax: 06109 / 5047 - 329
http://www.schoene-aussicht.de // e-mail:info@schoene-aussicht.de
Karl Milton ist mein Vorname.
Meine vollständiger Name ist Karl Milton Halbow
Anmerkung des Herausgebers:
Innerhalb Deutschland erheben wir keine Versandkosten.
mfg Matthias A. Halbow
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Seele and Geist
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