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1 5. „Konsumopfer“ oder „Was hat der Mensch, der - Brot für die Welt

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5. „Konsumopfer“ oder „Was hat der Mensch, der da liegt, mit mir zu tun?“
Rollenspiel über Betroffene von Landraub in Entwicklungsländern und die
Suche nach den Ursachen
Ziel: Es handelt sich um ein szenisches Aktionsspiel, das an öffentlichen Orten gespielt werden kann. Ziel ist,
Aufmerksamkeit zu erregen und mit Passanten, über Landraub in Entwicklungsländern und die Auswirkungen
auf die Betroffenen, ins Gespräch zu kommen. Wichtig ist dabei, die Ursachen und die Verantwortung der
Verbraucher zu thematisieren. Empfehlenswert ist es, den Passanten nach Abschluss des Gespräches etwas
mitzugeben. Das kann z.B. ein Flyer von Brot für die Welt sein.
Zusammenfassung: Auf der Straße liegen Aktivisten, so genannte Konsumopfer. Diese Personen stellen
Charakterrollen aus Sierra Leone, Indonesien und dem Gran Chaco in Argentinien dar. Diese gespielten
Charaktere sind erschöpft, krank und müde, da ihnen die Lebensgrundlage geraubt wurde. Einer von ihnen ist
sogar schon tot. Statt Nahrungsmittel für die lokale Bevölkerung werden in ihren Herkunftsländern in großem
Stile Pflanzen für den Export angebaut. Daraus werden auch Agrotreibstoffe für Autotanks in Europa und
Futtermittel für europäisches Nutzvieh produziert. Andere Aktivisten nehmen die Rolle von Reportern ein und
sprechen Passanten an. Die Passanten sollen „erforschen“, welche Verbindung sie selber zu diesem Konsumopfer
haben. Die Reporter unterstützen dabei.
Achtung: Bei der Durchführung ist es notwendig, dass eine Person den Überblick bewahrt und auch als
Ansprechperson z.B. für die Polizei etc. zur Verfügung steht. Zudem muss im Vorfeld recherchiert werden, ob
Genehmigungen einzuholen sind, um an den jeweiligen Orten auftreten zu können.
Beteiligte Personen: Mindestens sieben Personen: zwei Konsumopfer; vier Reporter und eine Person, die den
Überblick bewahrt und die Aktion koordiniert. Bei mehr Beteiligten kann auch ein weiteres Konsumopfer
dargestellt werden, daher gibt es drei Rollenbeschreibungen für Konsumopfer. Dann sollte es allerdings auch zwei
weitere Reporter geben, denn mit jedem Konsumopfer sollten sich zwei Reporter beschäftigen. Wichtig ist, dass
sich die Reporter im Vorfeld mit der Thematik Landraub beschäftigt haben, da sie auskunftsfähig sein sollten.
Wichtige Hintergrundinformationen (Forderungen und Tipps für Verbraucher) finden Sie in der
Broschüre „Wenn das Land knapp wird“ auf den Kampagnenblättern zu Agrotreibstoffe, Fleischkonsum und
Landgrabbing sowie in der Palmölstudie von Brot für die Welt. Diese Materialien finden Sie auf der Internetseite
von Brot für die Welt.
Einführung in die Aktion:
Die Milchkuh, die für die Milch im Morgenkaffee sorgt und das Schwein, das uns das Schnitzel auf den Teller
liefert, erhalten häufig zusätzliche Futtermittel wie Soja(-schrot). Für die Produktion von Agrotreibstoffen, die wir
als Bio-Ethanol und Bio-Diesel tanken, wird neben anderen Energiepflanzen Zuckerrohr und Soja benötigt. Diese
Futtermittel- und Energie-Pflanzen werden in Ländern des Südens angebaut, jedoch in aller Welt verbraucht.
Wasser und Ackerland werden damit in Ländern des Südens beansprucht. Diese natürlichen Ressourcen stehen
dann nicht mehr für den Anbau von Lebensmitteln für lokale Bevölkerungsgruppen zur Verfügung.
Häufig wird dabei das Land von Industriestaaten und profitorientierten Investoren nicht rechtmäßig oder zu
unfairen Bedingungen erworben. Kleinbauernfamilien und indigene Völker verlieren ihr Ackerland und damit die
Grundlage ihrer Existenz.
Um Menschen auf die Problematik des Anbaus von Futtermitteln und Energiepflanzen anstelle von
Nahrungsmitteln für die lokalen Gemeinden aufmerksam zu machen, kann dieses Rollenspiel eingesetzt werden.
Es eignet sich durch seine Interaktivität auch zur Ansprache von Menschen, die sich bisher nicht mit der
Thematik der Flächennutzungskonkurrenz auseinander gesetzt haben.
Wichtig ist, die Rolle der Verbraucher zu thematisieren. Passanten können etwas tun. Sie können:
nach Möglichkeit weniger Autofahren,
Fleisch- und Milchprodukte konsumieren, die aus ökologischem Anbau und mit heimischem Tierfutter
hergestellt wurden,
weniger Fleisch- und Milchprodukte konsumieren.
5. Rollenspiel über Betroffene von Landraub in Entwicklungsländern
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Material:
Für die Reporter: eine Art Mikrofon, Schreibblock, Fotokamera o.ä.,
Materialien und Requisiten:
Absperrband für Aufmerksamkeit, evtl. Kreideumrisse um Konsumopfer. Zudem ergibt es Sinn, für die
Konsumopfer Isomatten und Decken bereit zu legen, da es kalt werden könnte.
Neben/Auf jedem Konsumopfer liegt jeweils mindestens ein Artikel, der auf unsere Lebensweise
hinweist:
- ein Spielzeugauto, Benzinkanister o.ä. bei Assiatu (in Sierra Leone wird Zuckerrohr zur Ethanolproduktion
angebaut),
- ein Benzinkanister, Kosmetik o.ä., Box einer Tiefkühlpizza neben Kertosudiro (in Indonesien werden
Ölpalmplantangen angelegt, aus Palmöl werden Biodiesel/Agrotreibstoff, aber auch Kosmetikprodukte wie
Lippenstifte und Lebensmittel (Tiefkühl-Pizza) gewonnen),
- eine Fleischverpackung, Milchkarton und Benzinkanister neben José (im Gran Chaco werden Soja-Plantagen
angelegt, die der Futtermittel- aber auch der Agrotreibstoff-Produktion dienen).
Ort:
Es bietet sich an, einen Ort mit viel Publikumsverkehr zu wählen – z.B. nach dem Gottesdienst, in einer
Fußgängerzone o.ä., da das Ziel die Sensibilisierung von Menschen ohne Vorkenntnisse für das Thema ist.
Durchführung:
Zur Vorbereitung auf das Rollenspiel in der Öffentlichkeit werden nach einer Einführung in die Thematik
zunächst die mindestens sieben Rollen an die Gruppenteilnehmenden verteilt. Zwei von ihnen übernehmen die
Rolle sogenannter „Konsumopfer“, mindestens vier spielen die Rolle des Reporters (Rollenbeschreibungen siehe
unten) und eine/r behält den Überblick.
Nach der Vorbereitung mit der Rolleneinführung und –verteilung kann die Aktion an einem vorher ausgewählten
öffentlichen Ort beginnen. Die Konsumopfer legen sich nun, gegebenenfalls mit weiteren Spielaccessoires
ausgestattet, auf den Boden. Neben ihnen werden die Schilder mit ihren Namen und Ursachen für die extreme
Erschöpfung aufgestellt.
Der Reporter spricht jetzt Passanten mit dem Mikrofon oder dem Schreibblock in der Hand an. Sie erkundigt sich
mit Impulsfragen nach deren Meinung zu der Erschöpfungsursache. Im so entstehenden Gespräch mit Menschen
auf der Straße soll nun durch Fragen und Rückfragen ein Dialog zu den Ursachen und zur Situation in den
Heimatländern der Betroffen (drohende Ernährungsunsicherheit lokaler Bevölkerungsgruppen) entstehen sowie
ein Bezug zu unserer Lebensweise geschaffen werden. Das Spiel ist beliebig oft mit wechselndem Publikum
wiederholbar.
Wichtig: Es ist notwendig, die Passanten nach dem Gespräch mit einer konkreten Handlungsanweisung und
nicht mit einem schlechten Gefühl gehen zu lassen. Es sollen positive Anregungen zu Verhaltensänderungen
gegeben werden. Dies könnte etwa sein, künftig beim Fleischkauf nachzufragen, wo die Futtermittel herkommen
oder gleich Biofleisch zu kaufen. Den Passanten sollten Flyer zum Nachlesen angeboten werden und sie sollten
eingeladen werden bei Unterschriftenaktionen von Brot für die Welt mitzumachen.
5. Rollenspiel über Betroffene von Landraub in Entwicklungsländern
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Rollenbeschreibungen (wenn genügend Reporter zur Verfügung stehen, dann können alle
Charaktere dargestellt werden. Sonst bitte nur Zwei aussuchen.)
Rolle Assiatu aus Sierra Leone:
Name: Assiatu ; Alter: 24 Jahre; Herkunft: Lungi Acre, Sierra Leone
Information:
Assiatu ist eine Kleinbäuerin mit eigenem Land im Dorf Lungi Acre im Norden von Sierra Leone, in der Region
Makeni. Vor fast zwei Jahren jedoch verpachtete der Gemeindeführer fast ihr gesamtes Ackerland an das
Schweizer Unternehmen Addax Bioenergy, das für die nächsten 50 Jahre auf Assiatus Land Zuckerrohr zur
Bioethanolherstellung anbauen wird.
Doch während das in Genf ansässige Unternehmen aufgrund der steigenden Nachfrage nach Agrosprit, mit
seinem Zuckerrohranbau auf 10.000 Hektar in dem armen afrikanischen Land, in Europa voraussichtlich rentable
Gewinne einfährt, werden die Lebensmittel für Assiatu und andere Kleinbauernfamilien knapp.
Assiatu hatte kein Mitspracherecht darüber, wie viel Land sie überhaupt verpachten wollte. Ihr Wunsch nur
bestimmte Teile ihres Landes abzugeben, andere hingegen nicht, wurde nicht berücksichtigt. Auch kann Assiatu
den Pachtvertrag nicht lesen, da dieser nicht in der lokalen Sprache, die sie spricht, verfasst wurde.
Somit steht Assiatu und den anderen Betroffenen weniger Land zur Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung.
Die Lebensmittel werden knapp. Hinzu kommt noch ein weiteres lebensbedrohliches Problem:
Sie haben keinen Zugang zu Wasser mehr. Da zur Bewässerung der Zuckerrohrfelder in der Trockenzeit Wasser
aus dem nahen Fluss Rokel umgeleitet wird, versiegte in Assiatus Dorf wie in anderen Dörfern der Region das
Wasser in kleineren Flüssen. Nun sind die Wege sehr weit und sie muss sehr weit laufen, um Wasser zu holen.
Auch sind die Wasserkanister sehr schwer. Um gegen die Pachtverträge gerichtlich vorgehen zu können, hätte
Assiatu zwar klagen können, allerdings vertraglich festgelegt nur in London, was für sie als Kleinbäuerin
unmöglich war. Und so wurde Assiatu immer hungriger und erschöpfter, während Autofahrende in Europa
Zuckerrohr, das auf Assiatus Land angebaut wurde, bald in ihr Fahrzeug tanken werden.
Rolle Reporter (für Rolle Assiatu aus Sierra Leone)
Mögliche Fragen:
Was ist denn hier los? Warum ist Assiatu so erschöpft, mit nur 34 Jahren?
Ich habe gehört, dass Assiatu noch vor zwei Jahren eigenes Land besaß. Da soll sie mit ihrer Familie
Maniok angebaut und sogar an andere verkauft haben. Wie kann es sein, dass sie nicht mehr genug
Lebensmittel anbauen kann?
Warum wird heute auf Assiatus einstigem Land Zuckerrohr von einer Schweizer Firma angebaut?
(Verweis auf die Beimischungsquote. Zurzeit werden Agrotreibstoffe zu einem Anteil von 6,25 Prozent
dem konventionellen Benzin/Diesel beigemischt.)
Früher gab es genug Wasser in Assiatus Dorf Lungi Acre, erzählte mir ihr Mann. Aber wie kommt es,
dass plötzlich die Flüsse dort versiegten?
Was könnte der Benzinkanister/Spielzeugauto neben ihr denn eigentlich mit ihrer Erschöpfung zu tun
haben? (Die bestehende Nachhaltigkeitsverordnung reicht nicht aus. Soziale Kriterien müssen mit
aufgenommen werden.)
Was können Sie tun?
5. Rollenspiel über Betroffene von Landraub in Entwicklungsländern
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Rolle Kertosudiro aus Indonesien:
Name: Kertosudiro; Alter: 37 Jahre ; Herkunft: Indonesien
Information:
Kertosudiro ist Arbeiter auf einer Palmölplantage in der Provinz Riau auf der Insel Sumatra in Indonesien. Er
liebte seine Heimat, seit seiner Kindheit lebte er direkt am indonesischen Regenwald in der Nähe seines Dorfes.
Doch seit in den Ländern des Nordens die Nachfrage nach Palmöl für Agrosprit, für den Lippenstift und die
Tiefkühlpizza immer stärker geworden ist, ist viel Regenwald in seiner Region abgeholzt worden. Unternehmen
rodeten den Regenwald, um auf dem einstigen Waldland riesige Plantagen für Ölpalmen anzulegen, von denen
manche mehr als 200.000 Hektar groß sind. Selbst auf den Torfböden wurden Plantagen für den Export
angepflanzt. So sparen sich die Palmölplantagenbetreiber viel Geld, welches sie sonst für Düngemittel auf
Brachflächen benötigen würden und verkaufen noch dazu das wertvolle Holz aus dem Regenwald mit großen
Gewinnen. Obwohl der Regenwald auf Sumatra eigentlich geschützt ist, erlaubt die indonesische Regierung den
Unternehmen, mit guten Kontakten in die Politik, das Abholzen zugunsten von Ölpalm- oder Akazienplantagen
oft.
Allein in Kertosudiros Provinz Riau wurden so in den letzten 25 Jahren 65 Prozent der gesamten Regenwaldfläche
für den Plantagenanbau gerodet. Um die Ölpalmplantagen zu bebauen und um die Ölpalmfrucht zu ernten, sind
viele Plantagenarbeiter wie Kertosudiro nötig. Pro Hektar Ölpalmplantage werden etwa 350 Arbeitskräfte
benötigt.
Doch obwohl ihre Arbeitskraft so wichtig ist, sind die Arbeitsbedingungen sehr schlecht. Kertosudiro muss die
Ölpalmen düngen und mit Pestiziden bespritzen, ohne einen Schutzanzug und eine Einweisung in die Arbeit
erhalten zu haben. Dafür wird er sehr schlecht bezahlt, sein Gehalt liegt unter dem gesetzlichen Mindestlohn in
Indonesien. So reicht Kertosudiros Verdienst nicht aus, um seine Familie ausreichend ernähren zu können.
Obwohl auch seine Frau als Tagelöhnerin zu noch schlechteren Bedingungen auf einer Plantage mitarbeitete,
können sie es sich nicht leisten, ihre Kinder auf die Schule zu schicken. Als Kertosudiro gemeinsam mit anderen
Arbeitern gegen die unwürdigen Arbeitsbedingungen auf den Plantagen demonstrierte, wurde er von
Sicherheitskräften brutal zusammengeschlagen und stark verletzt. Die schwere Arbeit auf der Ölpalmplantage fiel
ihm noch schwerer als ohnehin, sodass er schließlich so erschöpft war, dass er sich hinlegen musste.
Rolle Reporter (für Rolle Kertosudiro aus Indonesien):
Mögliche Fragen:
Was ist denn hier los?
Können Sie sich vorstellen, was diesem Mann passiert ist, dass er schon mit 37 Jahren so erschöpft ist,
dass er auf der Straße liegt?
Was denken Sie? Ob Kertosudiros Erschöpfung etwas mit seiner Arbeit in Indonesien zu tun hatte?
Vorhin meinte jemand, er habe lange mit Kertosudiro auf einer Plantage zusammengearbeitet. Was
könnte das wohl für eine Arbeit gewesen sein?
Wie läuft denn das wohl in Indonesien mit der Plantagenarbeit? Haben die Angestellten auch einen AchtStunden-Tag, bezahlte Urlaubstage usw.?
Warum wehrt er sich nicht gegen die Arbeitsbedingungen? Welche Risiken gibt es, wenn er sich wehrt?
Hat das eigentlich etwas mit uns zu tun – Palmöl benutzen wir das eigentlich hier in Europa? Wofür?
Könnte der Benzinkanister o.ä. mit Kertosudiros Erschöpfung verbunden sein?
(Hintergrundinformation: Die bestehende Nachhaltigkeitsverordnung reicht nicht aus. Soziale
Kriterien müssen mit aufgenommen werden. Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass die
Nachhaltigkeitsverordnung nur für Agrotreibstoffe gilt. Die Verordnung enthält keine sozialen
Kriterien und kann damit nicht sicherstellen, dass keine Menschenrechtsverletzungen stattfinden. Aber
für den Produktions-/Verwendungszweig Lebensmittel/ Kosmetika gibt es überhaupt KEINE
Verordnung. Langfristig sollte es auch dort verbindliche Standards geben (soziale plus ökologische
Kriterien.)
Was können Sie als Verbraucher tun?
5. Rollenspiel über Betroffene von Landraub in Entwicklungsländern
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Rolle José aus dem Gran Chaco:
Name: José; Alter: 53 Jahre
Herkunft: Argentinien (Gran Chaco Americano)
Information:
José lebt nicht mehr. Er hatte Hunger, aber er ist auch immer kränker, schwächer und trauriger geworden, weil er
seinen Wald und damit seine Lebensgrundlage verloren hatte. Er lebte in dem argentinischen Dorf Cuchuy, in der
Region Gran Chaco und gehörte zu dem indigenen Volk der Wichi. Die Wichi leben traditionell von der Jagd, dem
Fischen sowie dem Sammeln von Nahrungsmitteln im Wald wie Früchten und Honig. Seit Generationen lebt sein
Volk auf diesem Gebiet und nutzt dessen natürliche Rohstoffe Palo Santo-Bäume oder Bromelienpflanzen.
Doch mit dem Boom von Soja, deren Anbau von weltweiten Investoren vor allem als Futtermittel und
Agrotreibstoff gefragt ist, verloren Jose und sein Volk wie viele andere Indigene (Ureinwohner) in kurzer Zeit ihre
Existenzgrundlage, den Wald in Gran Chaco. Sie mussten zuschauen, wie Verantwortliche in den ProvinzRegierungen die Wälder ihrer Ahnen an in- und ausländische Pächter vergaben. Diese rodeten zum Anbau von
Monokulturen wie Soja rücksichtslos den Wald oder brannten ihn ab. Ihre Ernährungsweise und Medizin, die
ebenfalls aus den Wäldern kommt, ist ein bedeutender Teil der Kultur der Indigenen in Argentinien.
Wollten José und die anderen Indigenen auf der Suche nach Nahrung in anderen Wäldern sammeln und jagen, so
mussten sie dafür häufig über Zäune steigen, die für sie völlig überraschend auf dem Land ihrer Väter von den
Großunternehmen aufgestellt wurden. Überwindet ein Indigener diese Zäune, auch wenn es für ihn ein
traditioneller Weg ist, auf dem er noch nie eine Begrenzung durch ein künstliches Schloss kannte, so wird er dafür
hart wegen Diebstahls von Zäunen oder Pfosten bestraft. Das passierte José häufig, wenn er verzweifelt die
Ernährung seiner Familie zu sichern versuchte. So sagte seine Frau über ihn: Mein Mann hat mehr Klagen am
Hals als Haare auf dem Kopf. Jetzt ist José schließlich gestorben- an Hunger, aber auch an Trauer über den
Verlust der Heimat.
Rolle Reporter (für Rolle José aus dem Gran Chaco)
Mögliche Fragen:
Was ist denn diesem Mann passiert? Können Sie sich vorstellen, woran er gestorben ist?
Warum können Menschen in Argentinien an Hunger leiden, meinte eben jemand. Was denken Sie?
Warum geht José nicht einfach in einen argentinischen Supermarkt, wenn sein Wald gerodet wurde?
Und was hat das mit dem leeren Milchkarton neben ihm zu tun? Ob ich jetzt Milch in meinen Kaffee tue
hat doch nichts mit Josés Tod zu tun, oder?
Und was soll jetzt die Fleischverpackung hier – mein Steak auf dem Teller ist doch nicht schuld an Josés
Tod?
Allein der Anbau der Eiweißfuttermittel für die Europäische Union, überwiegend Soja aus Argentinien,
Brasilien und den USA, verschlingt eine Ackerfläche, die so groß ist wie die von Deutschland und
Österreich zusammen. Was meinen Sie dazu?
Könnte der Benzinkanister o.ä. mit José Leiden verbunden sein? (Hintergrundinformation: Die
bestehende Nachhaltigkeitsverordnung reicht nicht aus. Die Verordnung enthält keine sozialen
Kriterien und kann damit nicht sicherstellen, dass keine Menschenrechtsverletzungen stattfinden. Für
den Produktions-Verwendungszweig Futtermittel gibt es KEINE verbindliche Verordnung. Langfristig
sollte es auch dort verbindliche Standards geben (soziale plus ökologische Kriterien.)
Was können Sie tun?
Brot für die Welt wünscht Ihnen viel Erfolg und Freude bei Ihrer Aktion.
Kontakt:
Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst
Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung
Postfach 40 1 64; 10061 Berlin
Telefon: +49 30 65211 1189
E-Mail: Service@brot-fuer-die-welt.de
Internet: www.brot-fuer-die-welt.de
5. Rollenspiel über Betroffene von Landraub in Entwicklungsländern
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