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(Endfassung: Rede am 16.05.2013) Was für ein - christian-zylka.de

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(Endfassung: Rede am 16.05.2013)
Was f¨ur ein sch¨oner Donnerstag!
Meine Damen und Herren,
bevor ich Ihnen einladungsgem¨aß schildere, wie wir uns die Zukunft des Sch¨ulerlabors vorstellen, m¨ochte ich meine große Freude dar¨uber ausdr¨ucken, daß es
¨
uberhaupt
eine hat!
Ich erinnere mich noch gut – es ist etwa vier Jahre her –, da besuchte ich das
Sch¨ulerlabor des Elektromuseums in der Schlachthofstraße zum ersten Mal. Das
Labor begeisterte mich auf Anhieb so sehr, daß ich dachte, so etwas sollte es auch
an der FH geben. Ich war wild entschlossen, zu versuchen, daß entweder das Labor zu uns umzieht oder wir ein eigenes auf die Beine stellen. – Wie es danach
weiterging, hat Ihnen schon Herr Fiebich berichtet.
Meine Damen und Herren, wenn man u¨ ber Labore spricht, dann muß der Name
Galilei fallen. Es war eben dieser Gelehrte, der Anfang des 17. Jahrhunderts das
gezielte Experiment in die Physik einf¨uhrte. Dahinter steckte eine unglaubliche,
revolution¨are Einsicht: Das Kriterium der Wahrheit ist nicht (mehr) die Autorit¨at,
sondern das Experiment, die Praxis. Und sie steht noch nicht einmal neben der
Theorie, sondern u¨ ber ihr, bestimmt deren Tauglichkeit, deren Existenzberechtigung. Dies hatte die bekannten Folgen f¨ur Galilei, aber auch f¨ur die Entwicklung
der Wissenschaft, ja f¨ur die Entwicklung der Menschheit. Dahinter ging es nie
¨
mehr zuruck.
Es gibt in Brechts “Leben des Galilei“ einen aufschlußreichen Dialog zwischen
Galilei und dessen Freund Sagredo u¨ ber den Unterschied zwischen Vernunft und
Schl¨aue. Sagredo sagt:
Wie kannst Du ihre erb¨armlich Schlauheit mit Vernunft verwechseln!
Galilei antwortet:
Ich rede nicht von ihrer Schlauheit. Ich weiß, sie nennen den Esel ein Pferd, wenn
sie ihn verkaufen, und sie nennen das Pferd einen Esel, wenn sie es einkaufen
wollen. Das ist ihre Schlauheit.
Die Alte, die am Abend vor der Reise, dem Maulesel mit der harten Hand ein
Extrab¨uschel Heu vorlegt, der Schiffer, der beim Einkauf der Vorr¨ate des Sturmes
und der Windstille gedenkt, das Kind, das die M¨utze aufst¨ulpt, wenn ihm bewiesen
wurde, das es regnen kann, sie alle sind meine Hoffnung, sie alle lassen Gr¨unde
gelten. Ja, ich glaube an die sanfte Gewalt der Vernunft u¨ ber die Menschen. Sie
k¨onnen ihr auf die Dauer nicht widerstehen. ... Die Verf¨uhrung, die von einem Beweis ausgeht ist zu groß. Ihr erliegen die meisten, auf Dauer alle. Auf Dauer alle!
Von der Verurteilung Galileis durch die R¨omische Kirche 1633 bis zu seiner –
zwar halbherzigen, aber immerhin – Rehabilitation durch eben diese Einrichtung 1992 sind 359 Jahre vergangen. Von der Abwicklung des Labors an der
einen Th¨uringer Hochschule bis zur Wiedereingliederung in eine andere Th¨uringer Hochschule waren es nur 17 Jahre. Auf Dauer alle!
Aber von alleine geht das nicht. Dazwischen liegen K¨ampfe, wie auch Galilei lernen muß. Jahre sp¨ater erkl¨art der Brecht–Galilei dem kleinen M¨onch: Der Sieg
der Vernunft, kann nur der Sieg der Vern¨unftigen sein.
Und so w¨are jetzt eine gute Gelegenheit, denen zu danken, die f¨ur das Sch¨ulerlabor gek¨ampft haben:
– Herrn Fiebich, der mit einer unglaublichen Energie immer und immer wieder
auf der Matte stand,
– Mitarbeitern des Elektromuseums und Lehrern, die den Umzug organisierten,
– Altpr¨asident Kill, der noch in den letzten Monaten seiner Amtszeit die Weichen
stellte,
¨
– Herrn Reisen, dem Vorsitzenden des F¨ordervereins der FH, der die Ubernahme
des Sch¨ulerlabors zur Chefsache machte,
– Frau Prof. Krause, die den Gleichstellungsbeirat mobilisierte,
– dem Dekan der Fakult¨at f¨ur Geb¨audetechnik und Informatik, Prof. Kappert, der
aus dem Bestand der Fakult¨at einen modernen Laborraum zur Verf¨ugung
stellte,
– dem Leiter der Zentalwerkstatt, Herrn Tr¨ostrum, der mit seinen Mitarbeitern den
Anschluß der Ger¨ate bewerkstelligte und – last not least –
– Frau Pr¨asidentin Wydra, die Anfang M¨arz entschied, das Labor in die FH zu
u¨ bernehmen und es sogar personell zu unterst¨utzen.
Welche Hoffnungen verbinden wir nun mit dem Sch¨ulerlabor, wie sehen seine
Perspektiven aus?
– Das Labor wird in den Laborpool der FH integriert. Den Sch¨ulern werden neben
den altbew¨ahrten Sch¨ulerlaborversuchen nach und nach auch einfachere
Studentenversuche zug¨anglich gemacht. Umgekehrt dient das Sch¨ulerlabor in
der Studieneingangsphase auch Studenten, die experimentelle Defizite haben.
– Das Labor wird sich insbesondere zur Aufgabe machen, jungen Frauen den
Zugang zu den MINT–F¨achern zu erleichtern.
– Wir k¨onnen uns gut vorstellen, daß das Labor eine wichtige Rolle bei der
Interessen– und Begabungsf¨orderung spielen kann.
– Das alte Labor wurde auch zur Lehrerweiterbildung genutzt. Auch hier sehen
wir Potential.
– Das Labor kann auf Wunsch auch in die Ausbildung von Studierenden anderer
Fakult¨aten einbezogen werden. Beispielsweise lehrt das
Mathematisch–Naturwissenschaftliche Zentrum entsprechende Module
in der Kinderg¨arnerinnenausbildung der Fakut¨at Angewandte Sozialwissenschaften. Nach meinem Eindruck haben viele dieser Studierenden
Scheu vor Mathematik, Physik und Technik. Wenn dann ein kleiner Zwuller
fragt, warum der Himmel blau ist, dann gibts nur ein Schulterzucken.
Auch hier k¨onnte das Labor helfen.
– Wie man sich ebenso vorstellen kann, daß das Labor auch im Wohngebiet eine
positive Rolle spielen k¨onnte.
– Daß es bei der Gewinnung neuer Studierender f¨ur die FH viel leisten kann,
liegt auf der Hand.
– Ebenso, daß es die Hochschule bei Ereignissen wie Lange Nacht der Wissenschaft, Girl’s Day, Kinderuniversit¨at o.¨a. in kompetenter und o¨ ffentlichkeitswirksamer Weise vertreten wird.
Meine Damen und Herren, ich habe soeben mehrfach den Konjunktiv benutzt. Das
hat seinen Grund. Denn was davon wie und wann Wirklichkeit wird, h¨angt wieder
vom Engagement der “Vern¨unftigen“ ab. Aber ich bin zuversichtlich. Nochmal
der Brechtsche Galilei:
Ohne diesen Glauben (an die Vernunft, Z.) w¨urde ich nicht die Kraft haben, am
Morgen aus meinem Bett aufzustehen.
Jedoch – und das sind meine Erfahrungen – ganz ohne Schl¨aue wird es wohl auch
hier nicht abgehen.
Wie dem auch sei, ich denke, daß das Sch¨ulerlabor jetzt auf einem gesunden,
nachhaltigen Fundament steht und das Zeug dazu hat, ein Juwel der Fachhoch¨
schule Erfurt zu werden und nach ganz Thuringen
auszustrahlen.
Danke f¨ur Ihre Aufmerksamkeit.
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Seele and Geist
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