close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

(Eher Deflation als Inflation - was sind die Gr\374nde?) - Finanzhaus

EinbettenHerunterladen
Eher Deflation als Inflation - was sind die Gründe?
1 von 5
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/eher-deflation-als-in...
http://www.faz.net/-hbv-7st7m
FAZJOB.NET
FAZSCHULE
Anmelden
FAZ.NET
Abo
Newsletter
Mehr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERT HOLD KOHLER, GÜNT HER NONNENMACHER, HOLGER ST ELTZNER
Frankfurt 20°
Montag, 18. August 2014
VIDEO
THEMEN
BLOGS
ARCHIV
POLITIK WIRTSCHAFT FINANZEN FEUILLETON GESELLSCHAFT SPORT STIL TECHNIK & MOTOR WISSEN REISE BERUF & CHANCE RHEIN-MAIN
Home
Finanzen
Meine Finanzen
Eher Deflation als Inflation - was sind die Gründe?
ZERTIFIKATE UND ETFS
Preisauftrieb
Das Gespenst der Inflation
Wer hatte uns nicht alles erzählt, dass die Politik des billigen Geldes zu Inflation
führt. Bislang ist jedoch nichts passiert. Die Inflation sinkt immer weiter,
obwohl viele mit dem Gegenteil gerechnet hatten.
17.08.2014, von CHRISTIAN SIEDENBIEDEL
© ILLUSTRATION ISTOCK
Die Inflation geht in Deutschland weiter zurück. Einige Inflations-Propheten lagen mit ihren
Prognosen völlig daneben.
S
eit Mittwoch ist es amtlich. Die Inflation in Deutschland hat den niedrigsten Wert
seit mehr als vier Jahren erreicht. Die Inflationsrate rutschte im Juli auf mickrige
0,8 Prozent ab. Nicht nur Benzin und Diesel an der Tankstelle wurden billiger, auch
der Preisanstieg für Nahrungsmittel im Supermarkt kam praktisch zum Erliegen. Der
Preis für Kartoffeln sank sogar um 32 Prozent, der für Gurken um knapp 17 Prozent.
Das ist seltsam: Die Inflation sinkt immer
weiter, dabei hatten viele mit dem Gegenteil
gerechnet. Als die Notenbanken nach der
Finanzkrise begannen, die Welt mit billigem
Folgen:
Geld zu fluten, erwarteten viele Experten
Inflation. Und als dann auch noch EZB-Präsident Mario Draghi die Eurokrise mit der
Notenpresse bekämpfte, sahen viele Deutsche sich im Geiste schon wieder Geld in
Wäschekörben transportieren – wie während der Hyperinflation der 20er Jahre.
Autor: Christian Siedenbiedel,
Jahrgang 1969, Redakteur in der
Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung.
Warum also ist die Inflation bislang nicht gekommen? Sind wir diese Geißel der
Menschheit womöglich endgültig los? Sicher ist: Die Vorstellung einer starken
Geldentwertung als unmittelbare Folge der lockeren Geldpolitik hat sich als falsch
erwiesen. Wir haben zwar keine Deflation, also sinkende Preise, aber doch Disflation,
sinkende Inflationsraten. Viele Experten lagen mit ihren Prognosen daneben. Banken
wie die Commerzbank oder das Bankhaus Metzler hatten bereits für 2013 eine höhere
Inflation vorhergesagt. Die gängige Prognose, die damals einleuchtend klang: Die
Konjunktur in Deutschland zieht wieder an – und dann kommt die Inflation. Doch
18.08.2014 21:21
Eher Deflation als Inflation - was sind die Gründe?
2 von 5
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/eher-deflation-als-in...
obwohl die Wirtschaft wuchs und die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordtief sank, war von
Inflation weit und breit nichts festzustellen.
Bisher ist keine Inflation gekommen. Doch viele
Experten hatten sie prophezeit - hier der Beweis.
© RÖTH, FRANK
Es gibt drei Möglichkeiten, das zu erklären. Entweder die Gefahr einer Inflation wurde
grandios überschätzt. Oder die Inflation ist längst da und wird von der offiziellen
Statistik nur nicht vernünftig erfasst. Oder aber: Es gab Fehleinschätzungen
hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs – und das dicke Ende kommt noch.
Spielt klassische Inflation keine Rolle mehr?
Spekulationen über eine neue Ära, in der klassische Inflation (ein Anstieg der Preise
auf breiter Front) grundsätzlich keine Rolle mehr spielt, gibt es seit längerem. Schon
1996 erschien ein viel beachtetes Buch unter dem Titel „Das Ende der Inflation“ vom
Chefökonomen der britischen Bank HSBC. Seine Theorie: Mit der Inflation ist es in der
globalisierten Welt vorbei – weil immer neue Billigprodukte etwa aus Asien das
Preisniveau überall auf der Welt ständig sinken lassen und Druck nach unten auch auf
die deutschen Löhne ausüben.
Diese Theorie gibt es jetzt in neuer Gestalt. Sie besagt: Wenn heutzutage viel billiges
Geld unterwegs ist – und dass das so ist, daran gibt es wenig Zweifel –, dann führt das
vor allem zu einem Anstieg der Vermögenspreise, nicht mehr der Preise im
Supermarkt. Das Geld fließt also in Aktien und Immobilien und treibt Börsenkurse und
Hauspreise nach oben. Es bilden sich Finanzblasen, die zur neuen Gefahr in einer Welt
werden, die klassische Inflation wie in den 70er Jahren nicht mehr kennt.
Ein wichtiges Argument spricht allerdings dagegen, dass die Inflation als Phänomen
grundsätzlich ein für alle Mal verschwunden ist: „Es gibt in zahlreichen
Schwellenländern noch hohe Inflationsraten“, sagt Gertrud Traud, die Chefvolkswirtin
der Helaba. In Russland lag die Inflation zuletzt bei 7,5 Prozent, in Brasilien bei 6,5
Prozent – und im krisengeschüttelten Argentinien war sie sogar zweistellig.
Oder ist alles nur eine vorübergehende Erscheinung?
Vieles spricht deshalb dafür, dass auch bei uns die Inflation nicht für immer
verschwunden ist. Sondern dass es sich bei den sehr niedrigen Inflationsraten um eine
vorübergehende Erscheinung handelt. „Dahinter stecken Folgen der Finanzkrise“, sagt
Otmar Issing, der frühere Chefvolkswirt der Bundesbank.
Offenbar hat die Finanzkrise zunächst dafür gesorgt, dass die Notenbanken die
Schleusen der Geldpolitik öffneten – dann aber sorgte sie auch dafür, dass das Geld,
das die Notenbanken ausgaben, gar nicht bei den Haushalten und Unternehmen
ankam.
Der Mechanismus geht so: Die Notenbank hat zwar mehr Geld an die Banken
ausgereicht. Die Banken aber bieten weniger Kredite an, und die Unternehmen fragen
weniger Kredite nach als in normalen Zeiten. Deshalb hat sich zwar die Menge an
Zentralbankgeld in Europa stark erhöht – die entscheidende Geldmenge M3, die das
tatsächlich umlaufende Geld umfasst, wächst aber nur ganz schwach.
18.08.2014 21:21
Eher Deflation als Inflation - was sind die Gründe?
3 von 5
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/eher-deflation-als-in...
Warum aber haben Ökonomen das nicht geahnt – und sich so in ihren Prognosen
verschätzt? „Viele Ökonomen, da will ich mich gar nicht ausnehmen, hatten nicht damit
gerechnet, dass diese Krisenfolgen so lange anhalten“, räumt Issing ein. Die
Amerikaner Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff hätten jedoch gezeigt, dass es nach
Finanzkrisen lange dauern kann, bis die Wirtschaft sich wieder normalisiert – bis zu
zehn Jahre.
Die Inflation kommt noch: So argumentieren auch andere deutsche Ökonomen, die in
der Vergangenheit vehement vor Inflation gewarnt hatten – von Jürgen Stark (ehemals
EZB) über Joachim Starbatty (Universität Tübingen) bis hin zum Bankhaus Metzler. Sie
vergleichen die Inflation gern mit einer Ketchup-Flasche: Wenn man die umdreht und
draufklopft, kommt erst lange gar nichts. Aber auf einmal macht es dann „schwups“.
Und danach bekommt man das Zeug ausgesprochen schlecht zurück in die Flasche.
Ihnen allen hält der amerikanische Nobelpreisträger Paul Krugman vor, nicht genug
aus dem Ausbleiben der Inflation gelernt zu haben. Er spricht von der „Inflationis-coming-crowd“: einer Meute der unbelehrbaren Inflations-Erwarter. Manche, so
Krugman, glaubten wohl lieber an ein Wunder, als sich einzugestehen, dass mit ihrem
ökonomischen Modell etwas nicht stimmt. Allerdings: Mit Prognosen für die Inflation
hält Krugman sich zurück. Die Commerzbank jedenfalls ist umgeschwenkt. Und
rechnet jetzt mit niedriger Inflation, zumindest für die nächsten Jahre.
Aber auch wenn die Zahlen eine andere Sprache sprechen – die Bürger in Deutschland
fühlen eine starke Inflation bei den Fixkosten. Steigen nicht überall die Mieten? Sind
die Nebenkosten nicht geradezu explodiert? In einer Umfrage äußerten 42 Prozent der
Befragten den Eindruck, die meisten Produkte würden teurer – 17 Prozent meinten:
alle. Aber sollten solche Gefühle für die Politik einer Notenbank eine Rolle spielen?
Sicher nicht.
18.08.2014 21:21
Eher Deflation als Inflation - was sind die Gründe?
4 von 5
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/eher-deflation-als-in...
Die Phantomdebatte von der Deflation - ein
Kommentar
Mehr zum Thema
Fazit: Warum die Inflation ausgeblieben ist, lässt sich ganz gut erklären. Im Nachhinein
ist man aber immer schlauer. Ob sie in Zukunft kommt, weiß keiner. Im Moment
scheint der Anstieg der Vermögenspreise das größere Problem der lockeren Geldpolitik
zu sein, weil eine Finanzblase entstehen könnte – der Vorbote einer neuen Krise.
Quelle: F.A.S.
Zur Homepage
Themen zu diesem Beitrag: Deutschland | Otmar Issing | Commerzbank | Mario Draghi | Gespenst | EZB |
Alle Themen
Kurse und Finanzdaten zum Artikel: Commerzbank | HSBC Holdings
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben
Video-Empfehlungen
Drohgespenst Deflation
Deserteure?
Argentinien
Wenn alles billiger wird!
Hunderte ukrainische Soldate…
Stimmungstest für Präsidenti…
11.6.2014
5.8.2014
25.10.2013
Weitere Empfehlungen
Deutschland trägt Kredite ab
Der Niedergang der Staatsschulden
Zum ersten Mal seit 60 Jahren trägt Deutschland seinen
Schuldenberg ab. Das liegt auch daran, dass Staatsschulden heute
verpönt sind wie nie. Was ist da passiert? Mehr Von PATRICK
BERNAU
14.08.2014, 17:20 Uhr | Wirtschaft
Kommentar
Die Phantomdebatte von der Deflation
Europa sorgt sich vor fallenden Preisen. Aber ob das gefährlich ist, hängt von den Ursachen ab. Es
besteht kein Grund zur Panik. Mehr Von PHILIP PLICKERT
16.08.2014, 13:25 Uhr | Wirtschaft
Trotz niedrigerer Inflation
EZB hält Leitzins auf Rekordtief
Die Inflation ist in der Währungsunion gerade abermals zurück
gegangen. Die Währungshüter um Mario Draghi warten aber erst
einmal ab und lassen wichtige Zinssätze unverändert. Mehr
07.08.2014, 14:01 Uhr | Wirtschaft
18.08.2014 21:21
Eher Deflation als Inflation - was sind die Gründe?
5 von 5
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/eher-deflation-als-in...
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2014
Alle Rechte vorbehalten.
Quellen: TeleTrader Software AG, FWW GmbH, Morningstar Deutschland GmbH und weitere. Alle Börsendaten werden mit
mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt. Realtime-Index-Daten in Zusammenarbeit mit der Boerse Stuttgart Powered by Structured Solutions
18.08.2014 21:21
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
12
Dateigröße
448 KB
Tags
1/--Seiten
melden