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GL 2/2011 - der Lorber-Gesellschaft eV

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Naturmäßige und geistige Hauserneuerung
Katastrophen und Menschheitsschicksal
Naturereignisse als Zeitzeichen
Was ist Mystik?
Der innere Weg
Heilige Lebenslehre
Das Wunder des Pfingstgeistes
Vom geistigen Frühling
INHALT
Ida Kling
Klaus W. Kardelke
Jakob Lorber
Viktor Mohr
Jakob Lorber
Max Schär
Thomas Noack
Jakob Lorber
M.B.
M.B.
Peter Forster
Jakob Lorber
Johannes Gommel
Weisheitsgeschichten
Heilsrat für Leib und Seele
Editorial
Naturgemäße und geistige Hauserneuerung
Katastrophen und Menschheitsschicksal
Naturereignisse als Zeitzeichen
Was ist Mystik?
Der innere Weg
Heilige Lebenslehre
Dem Herrn ähnlich werden
Gott die Quelle der Freude
Das Wunder des Pfingstgeistes
Vom geistiges Frühling
Lebendiges Wasser
Diamanten auf dem Weg
Die fünf Weisen
Das Hemd eines Glücklichen
Die Geschichte eines Menschen der beten lernen wollte
Buchbesprechung
Weltenstehung in antiken Lehrtexten
Verschiedenes
Jahrestagung der Lorber-Gesellschaft
S. 2
S. 3
S. 5
S. 8
S. 22
S. 24
S. 28
S. 35
S. 37
S. 39
S. 42
S. 44
S. 45
S. 46
S. 47
S. 48
S. 49
S. 50
S. 54
S. 55
IMPRESSUM
Herausgeber:
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Lorber-Gesellschaft e.V.
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Klaus W. Kardelke
Angelika Penkin
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BLZ 12 000
Postscheckkonto Basel (CH)
Kto. 80-50414-3
- Zeitschrift im Geiste christlicher Mystik Jahrgang 31
2011
„Danket dem HERRN; denn er ist freundlich,
und seine Güte währet ewiglich.
Der HERR ist mit mir, darum fürchte ich mich nicht;
was können mir Menschen tun?
Der HERR ist mit mir, mir zu helfen.
Es ist gut, auf den HERRN zu vertrauen,
und nicht sich verlassen auf Menschen.
Der HERR ist meine Macht und mein Heil.
Dies ist der Tag, den der HERR macht;
lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein.
O HERR, hilf! o HERR, lass wohl gelingen!
Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet.
Du bist mein Gott, und ich danke dir;
mein Gott, ich will dich preisen.“
(Psalm 118)
Heft 2
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Heilsrat für Leib und Seele
GL 2/2011
Heilsrat für Leib und Seele
Das ist die beste Arzenei:
Im Glauben stark, in Liebe treu.
Ein gutes Mittel ist auch: Hoffen.
Vertraun lässt dir den Himmel offen.
Und willst du froh und glücklich leben,
so übe dich auch im Vergeben.
Ergebung nur in Gottes Willen
kann deines Herzens Unruh stillen.
Zufriedenheit macht dich bescheiden
und bringt dir ungezählte Freuden.
Und fügst zu allem du Geduld,
dann stehst du hoch in Gottes Huld.
Doch willst du alle diese Gaben,
musst du auch Lust und Eifer haben
zur rechten Arbeit für den Herrn.
Dann findest du des Lebens Kern.
Erkennst, welch eine große Gnad'
in einer einz'gen Liebestat
verborgen liegt für jedes Leben.
Drum sei ein fröhlich Kind im Geben!
Denn wer dem Vater alles gibt Herz, Hab und Gut - der wird geliebt von Ihm.
Und was kein Aug' gesehn,
wird solchem Kinde Heils geschehn.
Ida Kling
GL 2/2011
Editorial
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Editorial
Als Nachfolger Christi streben wir nach Vollkommenheit
unseres Wesens. Wir sind aufgerufen unsere unvollkommenen Wesensanteile durch die Gnade Gottes zu vervollkommnen. „Darum sollt ihr vollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Mat 5,48)
Wie weit entfernt wir davon sind, erfahren wir tagtäglich Klaus W. Kardelke
Geschäftsführender
Vorsitzender der
im Alltag, in dem wir unsere Unvollkommenheiten immer
Lorber-Gesellschaft
mal wieder erfahren.
Sehen wir uns doch noch allzu oft durch die Brille unserer
Minderwertigkeit, der Selbstablehnung, des Selbsthasses, der
Unwürdigkeit und des Versagens.
Wir schauen auf unsere Fehler und Schwächen, auf unser materielles
äußeres Wesen, auf unseren Köper und identifizieren uns mit diesen und
vergessen dabei unser wahres, göttliches, inneres, geistiges Wesen.
Wir schauen zu sehr auf uns und nicht auf das vollkommen Göttliche,
auf Jesus in uns, und was Er für uns getan hat und vor allem tun will. Wir
identifizieren uns noch zu sehr mit unserem alten Adam, wo wir doch
längst ein neuer Mensch in Christus sein sollten.
Denn „ist jemand in Christo, so ist er eine neue Kreatur; das
Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!“ (2. Kor. 5.17)
Bin ich schon eine neue Kreatur oder wer bin ich? Bin ich der Körper,
bin ich der äußere mit Fehlern behaftete Mensch, bin ich meine Krankheit,
die sich in meinem Körper bemerkbar macht, bin ich meine Gedanken und
Gefühle? Machen diese mein wahres Wesen aus? Aber was ist mein
wahres Sein? Mit was oder wem identifiziere ich mich? Wie sehe ich mich
selbst?
Gott sieht mich in jedem Fall mit anderen Augen, als ich mich selbst
sehe. Er ist längst nicht so streng und urteilend über mich, wie ich es selbst
mit mir bin. Wenn ich mich mit Gottes Augen sehen könnte, käme ich
meiner wahren Identität wesentlich näher. Es gilt also zu lernen mich mit
den Augen Gottes zu sehen, meine wahre Identität in Christus zu erkennen,
indem ich mir immer wieder bewusst mache, was Gott in seinem Wort
über mich aussagt und dies für mich annehme.
Eine dieser Aussagen Gottes über mich ist, dass Er mich als sein
Ebenbild geschaffen hat und für gut befand: „Und Gott sah an alles, was
er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut.“ (1.Mos.1,31)
So darf auch ich mich als eine vollkommene Schöpfung Gottes
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Editorial
GL 2/2011
erkennen lernen, trotz meiner Unzulänglichkeiten, die ich als Mitgift in
diese Welt bekommen habe, um sie zu veredeln und Gott zurückzubringen.
Als Gottes Ebenbild habe ich Anteil an allen Seinen Eigenschaften, die
Er in mich legte und bin aufgerufen sie zu entwickeln.
Die Haupteigenschaft Gottes ist die Liebe, denn „Gott ist Liebe.“ Und
so bin auch ich als Kind Gottes ein Kind der Liebe, ja bin in meinem
innersten Wesenskern selbst Liebe.
Auch wenn sich in mir gegen diese Aussage etwas sträuben mag, da ich
mich ja selten als Liebe und liebevoll wahrnehme, bestätigt mir dies doch
der Herr selbst durch Sein Wort:
„Ihr seid ja selbst nur pur Liebe aus Gott und in Gott, und euer
Dasein ist in sich durch den Willen der Liebe Gottes selbst ja nur
verkörperte Liebe Gottes!“ (GEJ.07_141,05)
Meine Aufgabe ist es nun, dies aus der Hand Gottes anzunehmen und
mich als Liebe und als liebevolles Gotteskind zu erkennen. Indem ich mir
immer wieder Gottes Verheißungen über mich bewusst mache und mehr
dem Worte Gottes als meinen eigenen minderwertigen Gefühlen vertraue,
wachse ich mehr und mehr in mein eigentliches, wahres göttliches Wesen
hinein, dem Ebenbilde Gottes in mir. Denn wenn ich in der Liebe bleibe,
so bleibe ich in Gott und Gott in mir. Dann heißt es nicht mehr ich lebe,
sondern Christus lebt in mir und liebt durch mich.
„Du bist nun ein von Mir wie losgetrenntes Lebensfünkchen Meiner
Liebe und kannst selbst zu einer Mir ähnlichen, großen und selbständigen Liebesflamme werden, dadurch, dass du Mich über alles liebst
und deinen dir völlig ähnlichen Nächsten wie dich selbst.“ (GEJ.09_085,11)
Aus der Erkenntnis und Erfahrung meines inneren göttlichen Wesens,
kann ich dann auch mich selbst als ein Kind Gottes mehr achten, lieben
und wertschätzen und dadurch meine Nächsten als meine mir ähnlichen
Geschwister.
Denn so spricht der Herr: „Jeder Mensch ist Mein vollendetes Werk,
das sich als das auch erkennen und gerecht achten, aber nicht gänzlich
verkennen und unter alle Scheusale hinab verachten soll; denn wer sich,
als doch erkennbar Mein Werk, verachtet, der verachtet notwendig ja
auch Mich, den Meister“ (GEJ.07_141,08) und wer sich selbst als ein Werk
und Kind Gottes lieben kann, der liebt ja notwendig auch seinen Schöpfer
und himmlischen Vater.
Euer Klaus Kardelke
GL 2/2011
Naturmäßige und geistige Hauserneuerung
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Naturmäßige und geistige Hauserneuerung
„Je nachdem der Glaube bei den Menschen, also ist auch die
Wirkung desselben beschaffen. Denn der Glaube ist dasjenige mächtige
Band, durch welches der Leib, die Seele und der Geist miteinander
verbunden werden.
Es kann aber unmöglich eine Wirkung in der Körperwelt also vor
sich gehen, dass sie nicht fußen möchte auf dem Geistigen. So jemand
nun irgendein Bedürfnis empfindet, d.h. solange er selbst naturmäßig mit
der naturmäßigen Welt verkehrt, da sucht er auch alsobald irgendein
Mittel, das da helfend entspräche seinem Bedürfnisse. Da aber jeder
Mensch in seinem anfänglichen Dasein notwendigerweise nur naturmäßig
ist, so weiß er darob wenig vom Geistigen, noch sieht er es, noch hört er es
- und das darum, weil wie gesagt, er selbst noch naturmäßig ist.
Wie aber alles Naturmäßige gebrechlich ist, also auch ist es der Mensch
dem Leibe nach.
Was tut wohl ein Hausherr, wenn an seinem Hause sich Brüche oder
andersartige Mängel zeigen, welche ihn befürchten lassen, dass, wenn er
dem nicht alsobald abhilft, das Haus am Ende also locker werde, dass es
auch nicht einer kleinen Erschütterung Widerstand leisten möchte? Wird
der Hausherr hier nicht alsobald nach den geeigneten Mitteln greifen, um
seinem Hause wieder die gehörige Festigung zu geben? - Er wird solches
sicher tun, insofern er nicht lau ist und wohl achtet der Schadhaftigkeit
seines Hauses.
Was meinet ihr denn, welche Mittel dieser Hausherr ergreifen möchte?
- Ihr dürftet nicht lange raten, und sobald werdet ihr ihn finden, wie er sein
Haus untersuchen lässt von einem Bauverständigen. Wenn aber der
Bauverständige zu dem Hausherrn sagt: „Höre, du mein Freund! Mit
deinem Hause sieht es übel aus! Denn der Fehler, der sich da zeigt an den
Wänden, rührt her von dem schlechten Grunde. Was nützt es dir, so ich die
zersprungenen Wände mit Mörtel überwerfen lasse und verputze es also
von außen wie von innen!? So da ein allerleisester Erdstoß kommen wird,
dann wird es dich samt den Deinigen unter dem Schutte begraben.“
So aber der Hausherr solches üble Zeugnis vernimmt von dem
Baukundigen, da wird er kleinmütig über die große Schadhaftigkeit seines
Hauses und beratet bei sich selbst: „Was soll ich nun tun? Soll ich diesem
Bauverständigen glauben, das Haus ganz niederreißen und vom Grunde
aus ein neues bauen, was doch mit bedeutenden Unkosten verbunden ist?
Oder soll ich noch andere Verständige in diesem Fache herbeiziehen und
mein leckes Haus ferneren Untersuchungen überlassen?“
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Naturmäßige und geistige Hauserneuerung
GL 2/2011
Nachdem er solches gedacht, beratet er also mit sich: „Was des ersten
Baukundigen Rat betrifft, so ist der an und für sich wahr. Aber wenn es
sich dabei um das Aufbauen eines neuen Hauses handelt, so ist er für die
Reparatur dieses lecken nicht brauchbar. Denn ein neues Haus lässt sich
überall aufbauen; hier aber handelt es sich um die nötige Ausbesserung des
bestehenden schadhaften!“
Also wird zu einer neuen Beratung geschritten, dazu nicht nur einer,
sondern mehrere Baumeister herbeigezogen werden. Nun entscheiden aber
einige wie der erste. Andere aber schlagen Mittel vor, wie dieses Haus
wieder also hergestellt werden kann, dass es so fest wird wie ein neues,
vom festen Grunde.
Was meinet nun ihr, für welchen Rat sich der Hausherr beifällig
entschließen wird? - Sicher für keinen anderen, als für den zweiten Rat.
Nun sehet, eines jeden Menschen Leib ist nichts anderes als ein
bewegliches Haus des Geistes.
Diesem Hause drohen oft mannigfaltige Gefahren. Diese Gefahren sind
gewisserart schon wirkliche Risse in dem Hause oder sind so gestellt, dass
das Haus vermöge der Erfahrungen an anderen Häusern irgend
lebensgefährliche Risse erhalten möchte.
Da der naturmäßige Mensch solches wohl sieht, was ist dabei auch
wohl natürlicher, als dass er sich mit allerlei beratet, auf welche füglichste
Art und Weise er sein entweder schon zerklüftetes Haus wieder herstellen
könnte, als wäre es ein neues, oder, wenn er andere zerklüftete Häuser
sieht aus seinem noch unzerklüfteten, er dann denkt, wie er sein Haus
verwahren möchte vor Beschädigungen.
Auch er wendet sich zuerst - nach dem Rate des Wortes, das Ich da
gesprochen habe zu allen Menschen - an Mich, als den Hauptbaumeister.
Aber dieser Baumeister verlangt, dass das morsche Haus gänzlich
niedergerissen und auf dessen Stelle ein neues und festes vom Grunde aus
erbauet werde.
Allein ein solcher Rat kostet den Hausherrn zu viel. Daher wendet er
sich auch an andere, wenigstens seiner Meinung nach, Bauverständige.
Von denen raten ihm viele also wie der Hauptbaumeister, darum sie auch
nicht seinen Beifall haben. Andere aber, die nicht mit dem großen
Baumeister sich an dem Worte fest und ungezweifelt halten, geben ihm
den Rat der Ausbesserung, wodurch er gleichsam sein Haus gleich einem
neuen erhalten und befestigen könne - welchen Rat der dadurch hinters
Licht geführte Hausherr auch zuerst befolgt.
Was meinet ihr aber, ist dieser Rat wohl ein guter Rat? - Für den
Hausbesitzer ist er wohl gut, da er seinem Wunsche entspricht. An und für
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Naturmäßige und geistige Hauserneuerung
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sich aber ist er nicht gut, weil das Haus nur eine scheinbare, aber keine
wirkliche Festigkeit erlangt.
Sehet hier die Wirkung des Glaubens! Dieses Band verbindet nun den
Hausbesitzer mit dem Bedürfnisse des Hauses selbst und mit der ihm gar
nicht zu kostspieligen Hilfe desselben. Aber wie der Glaube, so auch die
Hilfe! - Fraget euch aber selbst, wie sich solches bei Mir ausnimmt?
Ich will euch ein kleines Gleichnis geben, und es soll euch zu einem
geistigen Spiegel dienen, darinnen ihr ersehen sollet das Bild eines
kostenscheuenden Hausbesitzers, wie es ihm am Ende eine bei weitem
größere Mühe und Arbeit kostet, wenn er sein Haus verschmieret, statt
dass er selbes alsobald abbrechen und unter der Leitung des großen
Baumeisters ein neues, festes Haus aufbauen möchte.
Dieses aber ist das Gleichnis: Jemand ist in dem vollsten,
überzeugtesten Bewusstsein, dass der Monarch eines Staates ein so
herablassender, guter Mensch ist, demnach ein jeder, der bei ihm etwas
ansucht, es ohne alle weitere Beanstandung erhält. Trotz dieser
Wissenschaft aber getrauet sich der Bedürftige nicht vor die Schwelle des
Monarchen, sondern kriecht bei allen Hofleuten herum, welche ihm
endlich den Zutritt zum Monarchen also erschweren, dass es ihm eine
platte Unmöglichkeit scheint, je zu dem Monarchen zu gelangen und noch
weniger vom selben etwas zu empfangen.
Daher bleibt er dann auch bei den Hofleuten stehen und sucht alles bei
denselben und korrespondiert in der unbegreiflichsten Kriecherei mit dem
Monarchen.
Der Monarch aber sieht solche Zaghaftigkeit; und damit dem Bittsteller
kein Zwang angetan werden möchte, so lässt er es auch bei dieser
demütigen Kriecherei bewenden bis zur Zeit, da es dem Monarchen zu
bunt wird, dass sich bei aller seiner unbegrenzten Güte und Herablassung
die armen Menschen verleiten lassen, durch andere gewinnsüchtige Mäkler
den Haupthelfer zu scheuen und Hilfe zu suchen bei denen, die nie helfen
können und, wenn sie es auch könnten, nicht helfen wollen, weil sie
eigennützig sind, und auch darum nicht, weil der Monarch sie übel
ansehen würde, so sie sich etwas anmaßen möchten, das doch allezeit nur
einzig und allein die Sache des Monarchen selbst war, ist und sein wird.
Sehet, wie dieses Gleichnis zeigt, also steht es mit dem Menschen, der
irgendwo anders Hilfe sucht, als allein bei Mir.“
(HiG.01_S. 375)
„Euch geschehe nach eurem Glauben.“
(Mt. 9,29)
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
Viktor Mohr (1896 -1969)
Alles äußere Naturgeschehen ist nur ein Gleichnis für
das planbeseelte Walten des ewigen Lebens, das dem
Atem
Gottes
entströmt
und
Seine
großen
Schöpfungsideen machtvoll in die Tat umsetzt. Wie aber
alles geschöpfliche Leben der Liebe des Allvaters
entspringt, so gründet auch die gesamte Ordnung der Natur
Viktor Mohr
auf Seiner Weisheit. Daraus geht hervor die Buchautor und Kenner
der NO
Unabänderlichkeit alles Naturgeschehens als Ausdruck der
Allmacht des Schöpfers, dessen Heiliger Geist wirkend jedes Atom des
kosmischen Weltenmenschen durchpulst. Daher ist jeder dieser kleinsten
Bausteine des Universums ebenso wichtig wie der gesamte Weltenbau und
kann nicht von seinem Platze gerückt werden, ohne das Gesamtgefüge zu
beeinträchtigen.
Wir erfahren durch das Lorberwerk im Großen Evangelium Johannis,
dass die Materie eine Erlösungsstätte für die Seele des gefallenen
Urgeistes Satana und seiner Nachschöpfungen darstellt. Und dass alle
Naturreiche nichts anderes sind als Potenzierungskräfte rückkehrwilliger
Lebensfunken, die erst in der Menschenseele ihren naturmäßigen
Abschluss finden. Hier erst wird das „Gericht der Materie“, ihre starre
gefestigte Ordnung zugunsten einer neuen Willensfreiheit gelockert. Diese
ermöglicht es dem Menschen, dank seines ihm innewohnenden göttlichen
Geistfunkens — wir nennen ihn das Gewissen und die höhere Vernunft —
aufs neue die alte Entscheidung zu treffen: für oder gegen Gott, für oder
gegen Seine Liebe und Weisheit, für oder gegen das Leben, das aus diesen
göttlichen Aspekten hervorgeht.
Warum nicht auch für oder gegen die Allmacht Gottes, in der die
gesamte Schöpfungs- und Naturordnung urständet? Wohl kann der
frevelnde Mensch auch diesen Versuch wagen, aber er zerbricht daran.
Denn die Allmacht des Schöpfers ist Sein Heiliger Geist und Sein Wille in
allen Welten und Sphären, der ihnen Ordnung und Bestand verleiht und
aus dem Chaos den Kosmos gestaltete. Darum steht geschrieben, es
würden alle Sünden vergeben, nur nicht die gegen den Heiligen Geist. Die
Auflehnung Luzifers wiederholen, heißt zurückfallen aus einer neu
gewonnenen Freiheit in das alte Gericht des Gesetzes. Wenn der Mensch
beginnt, in die Ordnung der Natur willkürlich einzugreifen, dann schlägt
diese erbarmungslos und unwiderruflich zurück. Immer und unter allen
Umständen, auch wenn da Gottes Mühlen scheinbar langsam mahlen. Aber
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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sie mahlen klein, und die Katastrophen sind das Mahlprodukt, das den
Hochmut des Menschen zu nichtigem Staub werden lässt.
Nur aus diesem Blickfelde sollen wir die Ereignisse unserer Welt und
speziell die Entwicklungstendenzen der Gegenwart betrachten lernen.
Wer Augen und Ohren hat, der sehe und höre! Denn in Überfülle
offenbart sich denen, die hinter die Kulissen des Weltentheaters zu blicken
vermögen, das wachsende Walten eines Ungeistes, der scheinbar
rettungslos die Menschheit ergriffen hat. Aber nur scheinbar, denn dieser
unheilige Geist als die Ausstrahlung des Widersachers in die Menschheit
ist — um ein Goethewort aus Faust zu gebrauchen — nur „ein Teil von
jener Kraft, die stets das Böse will und doch das Gute schafft“. Um der
Willensfreiheit der Menschen und aller Geister wegen sieht der göttliche
Führungsplan vor, dass sich noch einmal am Ende jenes Zeitalters, an
dessen Beginn die Verkündigung Christi stand — das Böse voll entfalten
darf.
In der Offenbarung Johannis heißt es: „Und dem Tiere ward Macht
gegeben.“ Warum wohl? Um die Menschen zu strafen? Wie aber könnte
Gott strafen wollen, der die reinste Liebe ist! So müssen wir all das
Negative unserer Tage, allen Unfrieden mit seinen bösen Folgen, die sich
immer drohender abzuzeichnen beginnen, nur als eines ansehen: als ein
zugelassenes letztes Erziehungsmittel der Menschheit, die an einem
ungeheuren selbst geschaffenen Leide endlich erwachen soll, um geläutert
die Rückkehr ins Vaterhaus des Geistes anzutreten.
Es wird jetzt viel von der Wiederkunft Christi als einem nahen Ereignis
gesprochen. Aber kann der Christusgeist denn in die Menschheit Einzug
halten, bevor nicht der Hochmut gedemütigt wird und sich die Herzen
wieder nach einem liebenden Vater sehnen, statt einen gnadenlosen
Richter zu fürchten? Darum sind die kommenden Großkatastrophen als ein
gigantischer Anschauungsunterricht zu betrachten, der alles klein machen
wird, was sich groß dünkt in dieser Welt.
Es ist freilich tröstlicher, von den verheißenen Zuständen zu reden, die
jenen unvermeidlich gewordenen Katastrophen nachfolgen. Von der neuen
Erde und dem neuen Himmel, von der Wiederkunft des Herrn, vom Neuen
Jerusalem und dem tausendjährigen Reiche des Friedens auf Erden. Aber stellt die göttliche Prophetie nicht vor dieses Erwachen des Geistes, vor die
Auferstehung der Menschheit ihr Golgatha? So hat auch in der
Menschennatur der gekreuzigte Christus Seinen Passionsgang zu tun,
bevor Sein Geist über die Macht des Antichrist den Sieg erringt. Irdisch
aber können wir den Antichrist nur durch sein Handeln innerhalb der
Menschheit erkennen, die sich zu Marionetten eines Drahtziehers macht,
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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der vom Übersinnlichen her sein Fadenspiel treibt. Darum sind alle
Katastrophen sichtbarer Art nur die letzten Auswirkungen von Siegen
Luzifers, die er in der Seelenwelt über die anfälligen Menschenseelen
errang und weiter erringen wird, solange die Menschen ihm ihre Kräfte
selbst zur Verfügung stellen.
Aus diesem Grunde dürfen wir den Begriff Katastrophen keineswegs
nur auf Naturvorgänge beschränken, denen wir diesen Namen zulegen. Die
erste „Katastrophe“ dieser Schöpfungsperiode war der Fall Satanas, eine
andere der Fall Adams. Und wem die Symbolsprache der großen
Propheten vertraut ist, der erkennt in den geweissagten Katastrophen der
Menschheit in erster Linie solche seelischer Art, dargestellt in
sinngemäßen Bildern der Natur. Da werden Erdbeben verkündet, die das
Erdreich, d. h. das irdische Denken erschüttern, und Überschwemmungen.
Das sind seelische Strömungen, die das Gefühlsleben des Menschen
überfluten. Da lesen wir von Kriegen, die seine Herrschsucht und innere
Friedlosigkeit kennzeichnen, und von Hungersnöten, die eine ungestillte
Sehnsucht nach geistigen Lehren meinen. Mit Pestilenz und Seuchen malt
die Weissagung seelische Krankheiten und Epidemien im
Menschheitsbewusstsein, und Feuer bildet oftmals einen Erregungszustand
revolutionärer Natur ab. Hier vermag nur die Einfühlung in die alte Lehre
der Entsprechungen die Brücke zwischen einem primär geistigen und
nachfolgenden natürlichen Geschehen herzustellen; denn alle seelischen
Vorgänge sind Ursache und finden sodann auch in der Materiewelt ihren
entsprechenden Niederschlag.
Wir verdanken es dem Lorberwerke, mit dem inneren Sinn solcher
Entsprechungen vertraut geworden zu sein. Im Lichte der Neuoffenbarungen, insbesondere der Weissagungen Jesu im Großen Evangelium,
gewinnt dabei unsere Gegenwart eine geistige Bedeutung, wie sie seit dem
Ereignis zwischen Bethlehem und Golgatha seither niemals bestand. Es ist
notwendig, immer dringlicher auf diese Prophetien des Gottessohnes
hinzuweisen, denn sie sind der Schlüssel zum Verständnis aller
umwälzenden Geschehnisse am Ende unseres Zeitalters. Was wir heute
erleben und weiterhin in steigendem Maße erleben werden, ist nichts
anderes als die Endphase jenes Weltgerichts, das nach den Worten Jesu
schon bei Seiner Geburt anfing und sich durch fast zweitausend Jahre über
die ganze Menschheit auszubreiten begann.
Im Sinne des Obgesagten musste sich dieses Gericht zunächst in
seelischen Katastrophen der Menschheit offenbaren. Eine solche war die
Zurückweisung des göttlichen Liebeopfers durch das übersinnliche
Menschheitskollektiv (ein Begriff, der einmal an anderer Stelle zu
GL 2/2011
Katastrophen und Menschheitsschicksal
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erläutern wäre). Gewisse Exponenten, im jüdischen Tempel inkarnierte
luziferische Geister, vollzogen darauf die sichtbare Katastrophe der Tötung
dessen, der das Licht Gottes auf die Erde trug. Und wie das Böse
fortzeugend Böses muss gebären, so war jene Katastrophe Ausgangspunkt
neuer und furchtbarer Seelenkatastrophen. Ihr Kernpunkt war die
Verzerrung der reinen Licht- und Lebenslehre des Heilandes zu
kirchlichen Machtgebilden, die im Papsttum des Mittelalters ihren
sichtbaren Höhepunkt erreichten. Damit aber trennte sich die weltliche
Kirche von der ewigen geistigen Kirche und verlor die innere
Führungsgabe, dem lebendigen Worte Christi eine herzenswarme
Aufnahme in der Christenheit zu bereiten. Auch die Reformation
vermochte an dieser seelischen Zerrüttung nichts Entscheidendes zu
ändern.
Ungezählte Kriegswirren und Machtkämpfe verheerten seitdem das
Abendland, obwohl immer wieder erweckte Seher und Mystiker das reine
Wort Gottes verkündeten und zur Einkehr riefen. In den beiden
Weltkriegen unseres Jahrhunderts nahm die Verhöhnung der Gottes- und
Nächstenliebe bereits globalen Charakter an. Und heute steht die ganze
Menschheit vor der Frage von Sein oder Nichtsein überhaupt — eine
seelische Dauerkatastrophe, die unablässig neues Misstrauen, neues
Wettrüsten, neuen Unfrieden und die große Weltangst als luziferische
Aussaat hervorsprießen lässt.
Das Prinzip des Bösen, Lebensfeindlichen besitzt ein Doppelantlitz. Als
seelische Überschwemmung durchflutet es die Gefühlswelt des Menschen
und erweckt dort den Hochmut und die Herrschsucht. Als Erdbeben
erschüttert es das irdische Verstandesleben und trennt das Denken völlig
vom Geiste. Die Folgen der Eigenliebe und geistigen Finsternis sind
unabsehbar. Sie zeitigten am Ende unserer Tage politische und
wirtschaftliche Machtgebilde des Materialismus, die — unterstützt von
Wissenschaft und Technik — einander als Todfeinde gegenüberstehen.
Die beiden Ur-Übel Herrschsucht und Besitzwahn wuchsen ins
Riesenhafte und bestimmen heute die Entschlüsse derer, die Geschichte
machen oder zu machen glauben. Doch bald ist das Maß voll, wo das Wort
Jesu zur schrecklichen, aber auch beglückenden Wahrheit wird: „Ich will
die Erde fegen von ihrem alten Unrat!“ Dann wird auch in natürlichen
Katastrophen offenbar werden, was die Menschheit seelisch schon längst
als unsichtbare Katastrophen hervorgerufen hat und erleiden musste.
Ist nun das Gespenst eines möglichen dritten und zweifellos letzten
Weltkrieges die einzige Großkatastrophe, die den Bestand der Menschheit
bedroht? Wer tiefer blickt, kann diese Frage nicht bejahen. Denn in einer
12
Katastrophen und Menschheitsschicksal
GL 2/2011
seltsamen, dem eingeengten Verstande kaum begreiflichen Weise wirkt
das Tun der Menschen auch auf die Natur und ihre Intelligenzen ein.
Lorbers großartige Schöpfungslehre bietet uns allerdings genügend
Hinweise, um diese Zusammenhänge geistig zu erfassen. Hier möge der
Hinweis genügen, dass die Menschenseele Elemente aller Naturreiche in
sich trägt und daher mit ihrer Harmonie oder Disharmonie auf die
Naturgeister übersinnlich einwirkt. Entsinnen wir uns eines Ausspruchs
des Herrn im Großen Evangelium: „Würden die Menschen nur fünfzig
Jahre nach der Ordnung Gottes leben, es gäbe keine Missernten, keine
Katastrophen, und die Jahre würden wie Perlen an einer Kette
abrollen.“
Zu der Ordnung Gottes zählt auch das Gesamtgefüge alles
Naturgeschehens. Und in dieses greift der Mensch in seiner Blindheit seit
Jahrzehnten immer stärker und verwirrender ein. Elektronengehirne,
Atomzentralen und Weltraumraketen sind das äußere Zeichen einer
scheinbaren Beherrschung von Naturgewalten, die sich bisher jeder
Bändigung entzogen. Die Technik ist der moderne Magier, der die
Elemente beschwören zu können vermeint und — auf den erreichten
Errungenschaften fußend — immer gigantischere Pläne schmiedet, um
sich die Erde und den Weltraum untertan zu machen.
Wie aber antwortet die Natur auf dieses Tun? Würde die Nutzung der
neugewonnenen Kräfte im Sinne der Ordnung, d. h. des ewig aufbauenden
Lebens erfolgen, dann müssten sich all diese Erkenntnisse doch zum Segen
des Ganzen auswirken. Die Natur und ihre geistige Substanz würde sodann
zum großen Helfer am Wege des Fortschritts, der die Menschheit ihrer
geistigen und natürlichen Vollendung entgegenführen will. Dass dem nicht
so ist und gerade die letzten großen Entdeckungen von tödlichen
Nachteilen begleitet sind, die alle von der Zivilisation gewonnenen
Vorteile weit in den Schatten stellen, zeigt offenkundig den Scheinwert
auf, den sich damit der kalte Intellekt ohne Mithilfe des Geistes erworben
hat. Ist es da nicht leicht vorauszusehen, dass die Elemente in Aufruhr
geraten und sich die vergewaltigte Natur am Menschen zu rächen beginnt?
Schon jetzt, und hundertfach in den nahenden Zeiten, denen wir mit
Riesenschritten entgegeneilen.
Gab die Natur nicht bereits genügend Warnungen? Da betreibt der
Mensch Raubbau an den Wäldern — und das Klima ändert sich und der
Boden beginnt zu versteppen. Da strotzen alle Gewässer vom Unrat der
Industrieabfälle — und Warntafeln mit Bade- und Trinkverboten mahnen,
dass hier von den Segenskräften der Natur nichts mehr vorhanden ist. Da
muss die Vogelwelt mangels Nistgelegenheit flüchten, weil diesen
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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natürlichen Reglern des Ungezieferbestandes der Lebensbereich entzogen
wird — und die Chemie muss dafür tödliche Gifte zum Schutze der
Pflanzenwelt erzeugen mit dem Erfolg, dass wir kaum mehr ein völlig
giftfreies Nahrungsprodukt besitzen. Da qualmen die Schlote der
Fabrikkombinate und speien die Millionenheere der Motoren ihren giftigen
Atem bis in die letzten Winkel aller Länder — und die Lunge des
Kulturmenschen ringt nach den letzten Resten des Leben spendenden
Sauerstoffs, den die Natur einst so verschwenderisch bereithielt.
Diese wenigen Beispiele zeigen, welch fühl- und greifbare Antworten
die Natur dem Menschen schon heute erteilt. Noch aber ist die Zeitspanne
zu gering, um die vernichtenden Schäden der Atomenergie-Verwertung
und ihrer Radioaktivität in vollem Maße zu offenbaren. Trotzdem sich in
allen Nationen die Stimmen der Vernunft mehren und der Beginn von
Hiroshima schon das Ziel ahnen lässt, das am Ende dieses Weges liegt.
Wir aber wissen durch das Neuoffenbarungswerk, dass Boden und
Klima das Produkt geistiger Faktoren sind, und dass solche Großeingriffe
Verletzungen der Naturordnung herbeiführen können, deren Folgen sich
überhaupt nicht vorausberechnen lassen. Wenn Hochmut mit Unwissenheit
Hand in Hand geht, kann dann der Weg anderswohin führen als dem
Abgrunde entgegen? Hin zu einer zweiten „Sündflut“, gleichviel, ob durch
Gewalten des Wassers oder des Feuers heraufbeschworen.
Wenn wir zu einem wahrhaft „erlebten Christentum“ kommen wollen,
müssen wir die volle Wahrheit jener tiefgründigen Weissagungen zu
erleben trachten, die uns im Großen Evangelium der Herr für unser
Zeitalter gab. Noch zu Lorbers Zeiten blieb ein Teil davon ein Buch mit
sieben Siegeln. Damals dürfte sich so mancher Leser kopfschüttelnd
gefragt haben, was denn diese Verkündigungen alles bedeuten mögen. Die
Welt stand am Beginn des Dampfzeitalters. Noch war die Epoche der
Elektrizität und der Motoren ungeboren, und über die Geheimnisse des
Atoms war noch ein dichter Schleier gebreitet. Heute erst, in der Ära einer
völlig gewandelten dynamischen Physik schufen Wissenschaft und
Technik die Voraussetzungen, um die ganze Größe, aber auch die
unerbittliche Wahrheit jener endzeitlichen Prophetien real zu erleben. Das
Weltgeschehen mit seinen überdeutlichen Zeichen der Zeit bietet uns den
Maßstab dafür, an welchem Punkte der Entwicklung die Menschheit
nunmehr angelangt ist.
Es wurde oft betont, dass jede echte Prophetie bedingt sei und auf
jenem unbekannten Wenn basiere, das in der Willensfreiheit des Menschen
begründet ist. Gerade aber bei den größten der religiösen Weissagungen —
seien es die der Evangelien und der Apokalypse oder auch der
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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Neuoffenbarungen — müssen wir erschüttert eines feststellen: sie alle
sahen bereits voraus, wie sich der irregeführte Geist der Menschheit frei
entschließen werde! Und damit wird aus jeder solcher bedingten Warnung
eine konkrete Wahrsagung, d. h. ein präzises Verkünden des kommenden
Schicksals der Erdenmenschheit. Darum auch das Wort Jesu: „Nicht, dass
etwa all dieses vorausbestimmt wäre. Aber Ich sage euch, dass es dennoch
also kommen wird!“ Das sollte uns hart machen gegenüber jeder geistigen
Vogel-Strauß-Stimmung und bereit machen, den kommenden Ereignissen
gefasst ins Auge zu blicken. Gefasst, aber auch mit vollstem Vertrauen,
dass in den unvermeidlichen Katastrophen nicht der „Zorn“, sondern der
erhöhte Liebeeifer Gottes waltet, der auch millionenfach irdische Leiber
hinwegrafft, wenn es gilt, das Leben der Seelen zu retten.
Eine der verborgensten Waffen Satans ist sein Inkognito. Wie treffend
formte Goethe diese Wahrheit im Faust zu den Worten: „Den Teufel spürt
das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte!“ So wandern auch
all die luziferisch inspirierten Entdeckungen der letzten Jahrzehnte unter
besonders tönenden Schlagworten einher. Eines der gefährlichsten ist jenes
vom „Segen“ der friedlichen Verwertung der Atomenergie. Und dennoch
dürfte diese neue, widernatürlich erschlossene Energiequelle bald den
Schlüsselpunkt bilden für Katastrophen, wie sie noch nie die Menschheit
jemals befallen haben seit dem Untergang des Kontinents Atlantis.
Nach der Schöpfungslehre Lorbers stellen die Atome als Urbausteine
der Materie „Geistiges im Gerichte“ dar. Das heißt: durch den Willen
Gottes gebundene Urlebensfunken aus der Seele des gefallenen
Erstlingsgeistes, die zuvor einer äonenlangen Läuterung bedürfen, um erst
nach Durchlaufen aller drei Naturreiche wieder in einen freieren Zustand
übergeführt werden zu können. So will es die Ordnung Gottes in der
Natur. Mit der Atomspaltung, bzw. Kernverschmelzung greift nun der
Mensch in diese heilige Ordnung willkürlich ein. Er setzt damit schlagartig
urgeistige Intelligenzen frei, die in ihrem ungeläuterten Zustand wahrlich
den Namen Dämonen verdienen! Wie ungeheuer deren Naturkräfte sind,
beweisen die Heftigkeit der Atomexplosionen und die dabei erzeugten
Lichtschlag und Hitzeerscheinungen. Und wie lebensfeindlich ihre
entbundene Aura ist, zeigt die freiwerdende Radioaktivität mit ihren
tödlichen Abstrahlungen.
Angesichts dieser drohenden Weltgefahr für alles Lebendige kann man
nur ausrufen: „Wohin führt dein Weg, o Menschheit!“ Vom geistigen
Standpunkte noch schrecklicher ist jedoch der Umstand, dass alle
Warnungen bisher vergeblich blieben: die mahnenden Stimmen der
Propheten, der Einspruch einsichtsvoller Wissenschaftler und
GL 2/2011
Katastrophen und Menschheitsschicksal
15
Menschenfreunde, ja sogar die schon offenbar gewordenen Verwüstungen
an Menschen- und Naturleben. Wie sprach doch einst Jesus? „Die
Menschen werden es mit ihren Künsten und Wissenschaften immer böser
treiben. Aber dann steht bald das letzte Gericht vor der Tür, das sie sich
selbst bereiten werden.“ Und was sagen die Zeichen der Zeit zu dieser
Weissagung? Vom Kriegswettrüsten soll hier gar nicht gesprochen
werden. Eroberung des Weltraums und Erschließung selbst der letzten
Bodenschätze der Erde sind zwei „friedliche“ Hauptanliegen der modernen
Wissenschaft, obwohl auch diese zu steigenden Spannungen zwischen Ost
und West führen. Schon werden mit Atomkraft getriebene interplanetarische Raketen geplant, und auch zu den Großprojekten im Erdinnern ist
der Einsatz von Atomenergie unerlässlich. Damit aber werden neue
Massen radioaktiver Substanzen nach oben und unten getragen, die dort ihr
Vernichtungswerk beginnen. So wird die Menschheit das Gericht aus der
Höhe und aus der Tiefe empfangen.
Hier sei daran erinnert, dass die feinen Messinstrumente der
Erdsatelliten in der höchsten Erdatmosphäre radioaktive Strahlungszonen
von ungeheurer Mächtigkeit und Ausdehnung festgestellt haben. Wir
haben somit in naher Zukunft mit verstärkten radioaktiven Regenfällen,
eventuell mit heftigen Unwettern verbunden, zu rechnen, die das tödliche
Gift in das Erdreich versenken. Wird dies zur Tatsache, dann ist die
gesamte Ernährungsgrundlage der Menschheit in Frage gestellt und die
geweissagten großen Seuchen und Epidemien wären daraus nur allzu leicht
erklärbar.
Andererseits deutet die zunehmende Erdbebentätigkeit der letzten Jahre
gleichfalls auf einen Zusammenhang mit den gehäuften Atomexplosionen
hin. Aber auch diese warnende Stimme wird verhallen. Welch unabsehbare
Folgen solche den ganzen Planeten durcheilenden Erderschütterungen
haben können, wird die Zukunft lehren.
Bildet der Missbrauch der Atomkräfte den Schlüssel zu den äußeren
Naturkatastrophen der kommenden Tage, so ist es die Radioaktivität, die
über den grobstofflichen Bereich hinaus weit in die feinstofflichen
Ätherwelten, ja sogar in die übersinnlichen Seelensphären übergreift. Was
ist denn dieser geheimnisvolle Vorgang überhaupt? Alle Menschen
fürchten heute die Radioaktivität als den Weltfeind Nr. 1, dem keinerlei
Abwehr entgegengesetzt werden kann. Und dennoch ist jener
Zerstrahlungsvorgang gebundener Materie etwas Heiliges und zutiefst
Verheißungsvolles! Denn es ist jener Erlösungsakt, der einmal allen
dichten Stoff entbinden und in den freien Ätherzustand zurückführen wird,
aus dem er einst durch Verdichtung geistiger Substanz entstand. Nur dass
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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eben alles im Schöpfungsplan sein Maß und seine Zeit hat und an die Reife
der geistigen Intelligenzen gebunden bleiben soll.
Werden jedoch zerstrahlende Entdichtungskräfte vorzeitig und jäh
freigesetzt, dann sind sie wie losgelassene Gefangene, die auch die Kerker
der anderen zu öffnen trachten, selbst wenn deren Gefängnis gesetzlich
noch so begründet ist. Oder anders gesprochen: sie ergreifen in einer Art
Kettenreaktion ihre atomare Umgebung, wo sie gleichsam
revolutionierend wirken; denn sie pflegen dort alle biologischen
Lebensformen gleichfalls radioaktiv zu machen, d. h. zur Entdichtung
anzuregen, was naturgemäß zu einer Zerstörung oder beträchtlichen
Wandlung dieser stofflichen Formen führt. Dies ist auch der geistige
Grund, warum sich die Radioaktivität im menschlichen Körper am
stärksten gerade an seinen dichtesten Organen auswirkt, nämlich im
Knochensystem, dessen Schädigung eine Entartung des Knochenmarks mit
nachfolgender Zersetzung des Blutes hervorruft. Ferner an der Erbmasse
der Gene, jener Geschlechtszellen, deren Zweck es ist, durch materielle
Verdichtungskräfte einen neuen physischen Körper aufzubauen. Die
erschreckend hohe Zahl von Missbildungen, die nach 1945 unter den in
Hiroshima zur Welt gekommenen Kindern auftrat, redet da eine deutliche
medizinische Sprache, ohne dass allerdings die geistige Ursache erkannt
worden wäre.
Die Geisteswissenschaft aller Zeiten kennt ferner einen feinstofflichen,
unsichtbaren Körper des Menschen, den sie den vitalen Lebensleib oder
den Ätherkörper nennt. Er bildet das Verbindungsglied zwischen dem
physischen Körper und der Seele. Wir finden ihn bei Lorber unter dem
Namen Nervengeist wieder. Ein Ätherleib von geringerer Dichte vermag
sich leichter vom stofflichen Körper zu lösen und bewirkt dann jenen
Bewusstseinszustand, den wir mit dem Sammelbegriff Medialität
bezeichnen: den Somnambulismus, heute Trance genannt, mit allen
Äußerungen der seelischen Wahrnehmungsorgane wie Hellsehen,
Hellhören, Hellfühlen und dgl. Ein verdichteter Ätherleib hingegen riegelt
das Tagesbewusstsein des Menschen völlig vom Unterbewusstsein und
damit von den übersinnlichen Wahrnehmungen der Seele ab.
Nun wurde bereits gesagt, dass die Radioaktivität die allgemeine
Tendenz zur Entdichtung in sich trägt und daher bis in die Welt des Äthers
hineinwirkt. Damit aber erfasst sie auch den Ätherkörper des Menschen in
Form einer gewaltsamen Auflockerung seiner Elemente. Bei genügender
Stärke und Dauer muss dieser Vorgang zwangsläufig eine künstlich
geschaffene, unnatürliche Hellsichtigkeit hervorrufen, die in Verbindung
mit dem verbleibenden Wachbewusstsein jenen Zustand bewirkt, der als
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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Schizophrenie (Bewusstseinsspaltung) für die heutige Medizin noch ein
ungelöstes Rätsel darstellt. Breitet sich also die Radioaktivität über die
Erde aus, so haben wir über die körperlichen Krankheiten hinaus noch mit
ungeheuren psychischen Epidemien zu rechnen, deren die Wissenschaft
nicht Herr zu werden vermag. Was dies für die Menschheit bedeutet, bleibt
Ihrer Einsicht überlassen.
Im Großen Evangelium Johannis nimmt eine bestimmte Weissagung
eine besondere Stellung ein. Es ist die Prophezeiung eines kommenden
„Feindes aus den Lüften“. Die Aussage, dass dieser Feind alles Grundböse
hinwegfegen, das Gute und Reine jedoch für eine neue Pflanzschule der
Menschheit unversehrt erhalten werde, lässt jede Deutung auf ein
materiell-kosmisches Ereignis hin als sinnlos erscheinen. Wenn dieser
Kraft, die ja nur den Gottlosen zum Feinde wird, eine scheidende
Eigenschaft zugesprochen wird, dann kann es nur der seelische Zustand
jedes Menschen selbst sein, der jene Scheidung der Geister bewirkt. Ich
vertrete die Auffassung, dass dieser Feind aus den Lüften die
Radioaktivität darstellt, die aus den weiten Lufträumen der Erdatmosphäre
herabdringt. Und zwar weil sie — wie zuvor ausgeführt — den Einbruch
des Übersinnlichen in das Wachbewusstsein der Menschheit hervorzurufen
vermag.
Im Zustande des Hellsehens erblickt ein jeder Mensch seine innere
Beschaffenheit als bildhafte Außensphäre, als seine Umwelt; schreckhaft
oder beglückend entsprechend seinem seelischen Zustande. Vergleichen
Sie dazu die genauen Jenseitsschilderungen Lorbers im „Bischof Martin“,
im „Robert Blum“, in der „Geistigen Sonne“, und Sie werden sich selbst
das Ereignis einer plötzlich und unvorbereitet hellsehend werdenden
Menschheit vorstellen können! Den Bildern dämonischer Erscheinlichkeiten wird ein zutiefst Gottloser wohl kaum gewachsen sein, während der
„Feind aus den Lüften“ den Guten und Reinen — gemeint sind da
zweifellos alle Menschen guten Willens — kein Leid tun wird. Das heißt,
deren Hellgesichte werden als Erscheinlichkeit den Stempel der Freude,
Harmonie und Erlösung tragen. Sie werden ihnen das verleihen, was dann
allein Not tut: die Seelenkraft, um mit Mut, Glauben und Gottvertrauen das
große Geschehen zu erleben.
Zur Stützung dieser Deutung seien unter vielen nur zwei Weissagungen
herangezogen. Zuerst das Bild der Johannesoffenbarung, Kap. 16 von der
Ausgießung der Zornesschalen und Plagen: „Und der siebente Engel goss
seine Schale in die Luft aus. Da kam eine laute Stimme von oben: Siehe,
es ist geschehen!“ (Verwandlung der irdischen und ätherischen Lufthülle
als dem menschlichen Lebensbereich.) — Und zum andern das Wort des
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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Paulus aus dem 1. Korintherbrief, Kap. 15: „Siehe, ich sage euch ein
Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle
verwandelt werden. Und dies plötzlich, in einem Augenblicke zur Zeit der
letzten Posaune.“ Dass im griechischen Urtext für den Ausdruck „in einem
Augenblick“ die Worte „en atomo“ stehen, sollte uns im angebrochenen
Atomzeitalter mehr als nachdenklich stimmen. Denn Atomspaltung gebiert
die Radioaktivität und diese die erwähnte Bewusstseinsverwandlung.
Auch Jakob Böhme, dieser vom Heiligen Geist durchglühte Mystiker,
der im Geschehen seiner Zeit die Eröffnung des sechsten Siegels der
Apokalypse erkannte, schrieb vom kommenden siebenten und letzten
Siegel: „Es ist das wunderlichste und ist dieser Welt Ende und letztes
Gericht. Es eröffnet eine Zeit voll Ernstes, Trauer und Trübsal, und der
Menschen Herzen und Gedanken werden offenbar werden. In dieser Zeit
werden die Geheimnisse Gottes vollendet.“
Wir können das Problem der kommenden Großkatastrophen hier anders
behandeln als die blinden Weltmenschen, denn wir wissen dank des
Gnadenwerkes der Neuoffenbarung um den Sinn und den heiligen Zweck
jener großen Weltwende, die uns in das neue Zeitalter des gottverbundenen
Geistes hinüberleitet. Wir wissen auch, dass in all diesen Katastrophen
stets nur die Liebe des himmlischen Vaters am Werke ist und Seine
Weisheit und Allmacht das Schicksal der Welt wie das jedes Einzelnen
lenkt. Darum sind wir inmitten der Wucht des sich langsam, aber sicher
vollendenden Weltgerichtes frei von jener Weltangst, die heute ungezählte
Menschen ergriffen hat. Diese kollektive Angst des modernen Menschen
ist an sich schon eine neue Seelenkatastrophe und gemahnt an Goethes
Zauberlehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wurde. Wirklich
grenzt fast an Zauberei die sprunghafte Entwicklung von Wissenschaft und
Technik innerhalb einer Generation. Ein Fortschritt, der freudig zu
begrüßen wäre, stünde nicht dahinter der Geist des ewigen Verneiners alles
Lebens.
Leider glaubt ein Großteil der Menschheit nicht mehr an die Geister der
Elemente, auch wenn sie sich gewaltig und zerstörend kundgeben. Wohl
aber beginnen die Menschen allmählich den Geist zu erkennen, der sich
zum Herrscher über alle Erfindungen und Entdeckungen aufgeschwungen
hat: den Ungeist der Herrschsucht, des Besitzwahns, des Materialismus,
des Vernichtungstriebes. Diesen Geist der Lieblosigkeit und Selbstsucht,
der Verkehrung alles Göttlichen ließ der Mensch allzu groß werden auf
Erden. Nun durchweht er alle politischen und sozialen Lebensbereiche,
entfremdet ein Volk dem anderen und brachte zustande, dass der Mensch
des Menschen größter Feind wurde.
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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Was aber ist die Reaktion der Menschenseele auf dieses Negative? Es
sollte die aufrüttelnde Stimme des Gewissens sein, die ihn in letzter Stunde
zur Einkehr und Umkehr mahnt. Da aber diese Stimme fast nicht mehr
gehört wird, kehrt sie in das Unterbewusstsein zurück und taucht von dort
eben als jene allgemeine „Weltangst“ auf, die nichts anderes ist als ein
verdrängtes Schuldbewusstsein! Was von dieser Angst dem wachen
Denken erklärbar ist, wurde schon oftmals definiert: Es ist die Angst vor
einem neuen Weltkrieg, vor der H-Bombe und der Auslöschung der
Menschheit, Angst vor Verseuchung der Erde durch die Radioaktivität
oder vor Vergiftung aller Lebensgrundlagen durch den gewaltsamen
Einbruch der Technik in die Natur.
In den Seelentiefen aber sieht es anders aus. Nochmals sei es gesagt: Es
ist als Schuldgefühl das innere Wissen, dass sich der Mensch selbst und
mit freiem Willen außerhalb der göttlichen Ordnung gestellt hat, von der
die Naturordnung nur ein Abbild ist. Nur aus diesem irrealen, nicht
unterdrückbaren Gefühl heraus sieht die Menschheit auch die Folgen
nahen, die das religiöse Weistum im Bilde eines Weltgerichtes prophetisch
erschaut hat. Wie will also der Mensch einer Angst entfliehen, deren Keim
unverrückbar in seinem eigenen Tun liegt? Wie kann er Gewalt erlangen
über etwas, das die ganze Welt erfüllt? Die Antwort kann nur lauten: durch
etwas, das über der ganzen Welt steht, auch über den Welten der
Seelensphären, und das ist einzig der göttliche Geist!
So können wir zum Abschluss noch tiefer schürfen und sagen: Nicht
der Unfriede in der Menschheit oder die Furcht vor einem drohenden
Katastrophenschicksal ist die primäre Ursache der allgemeinen Weltangst.
Es ist allein die Trennung des heutigen Menschen von seinem Gottesbewusstsein in sich, die das materielle Denken mit all seinen verheerenden
Folgen und damit auch die Angst in ihrer ganzen Größe schuf. Je tiefer
aber ein Mensch Anschluss an den Heiligen Geist, den Gottesfunken in
seinem Inneren durch die Macht der Liebe zu bewahren weiß, desto
weniger wird er von seelischer Dämonie verfolgt. Desto mehr festigt sich
sein Vertrauen in eine göttliche Weltordnung, in deren Vorsehung auch
das Menschheitsgeschehen fest und sicher ruht. Desto furchtloser wird er
auch einem Weltgericht gegenübertreten, das nur das Gottlose im
Menschen richten wird, um ihn aufs neue auf den Weg der vollendenden
Liebe zu führen. Und desto klarer wird sein geistiges Weltbild und seine
Erkenntnis, dass das irdische Reich der Materie samt allem
Geschöpflichen vergänglich, sein inneres Leben jedoch unzerstörbar ist.
Wohl dem, der in der seelischen Wirrnis unserer Tage das Reich in sich
findet, vor dessen Strahlen jede Angst weichen muss. Das Reich des
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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Christus, der einst — gültig für alle Zeiten sprach: „In der Welt habt ihr
Angst. Aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ Diese Wahrheit
lebendig in sich zu erwecken, bildet einen Teil erlebten Christentums.
Noch ist ein offenes Wort zu sagen über eine seelische Katastrophe, die
einen Teil der Menschheit heute befallen hat und dort dennoch keine
Weltangst hervorzurufen scheint. Gemeint ist der Atheismus, die völlige
Glaubenslosigkeit. Seinen unzweideutigen Ausdruck findet dieses
Weltbild in dem Glaubensbekenntnis: „Wir brauchen keinen Gott! Der
Mensch schafft sich sein Glück selbst!“ Hand in Hand mit dieser Absage
an jedes geistige Leben geht eine maßlose Überbewertung des Intellekts
und der wissenschaftlichen Erkenntnisse, deren Auswertung das perfekte
Paradies auf Erden herbeiführen soll. Dieses propagandareiche System
zeigt eine angstfreie Selbstsicherheit, wie sie nur die totale
Geistesfinsternis hervorzubringen vermag: die völlige Trennung der
Verstandes- von den Herzenskräften, so dass nicht einmal mehr ein
Schuld- oder Angstgefühl aus den Tiefen der Seele heraufzudringen
imstande ist.
Das ist rein luziferischen Ursprungs, aber nicht mehr inkognito,
sondern in völliger Demaskierung. Das ist nicht antichristlich, sondern der
Antichrist selbst, worunter wir uns nicht einen Menschen oder ein
politisches System oder einen Völkerverband vorzustellen haben, sondern
den Geist, der diese ergriffen hat. Wenn es von diesem Geiste in der
Offenbarung heißt: „Und dem Tiere ward Macht gegeben“, so müssen wir
in dem weltweiten Vordringen des Materialismus und Atheismus und
seiner irdischen Vertreter eine Zulassung Gottes erblicken, die einem
bestimmten, endzeitlichen Entwicklungsplane der Menschheit dient. Aus
den Weissagungen Jesu im Großen Evangelium, ja sogar schon aus den
großen Prophetien des Alten Testaments geht unzweideutig hervor, dass
diese „Zuchtrute Gottes“ am Ende der Tage notwendig ist, um nicht nur
ein morschgewordenes Scheinchristentum, sondern die Scheinwerte aller
äußeren Kirchen der ganzen Menschheit zu zertrümmern, damit
nachfolgend die innere Kirche in den Menschen Einzug halten kann. Und
diese Gottesgeißel wird so lange geschwungen werden, bis sie den Willen
und Plan Gottes erfüllt hat, keinen Tag kürzer und keinen Tag länger.
Denn auch alle Gewalt, die den Weltmächtigen gegeben ist, stammt von
oben!
Das Wort Jesu „Widerstrebet nicht dem Übel“ gewinnt einen neuen und
sehr tiefen Gegenwartssinn. Denn es ist im Willen des göttlichen Plans,
dass sich das Böse in seiner ganzen Größe demaskiert, um dadurch endlich
die Menschheit wahrhaft sehend zu machen. Paulus, dessen geistiges Auge
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Katastrophen und Menschheitsschicksal
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durch Christus geöffnet wurde, deutet diesen Endzustand mit den
prophetischen Worten an: „Denn es muss erst der Abfall kommen und der
Menschen Sünde, das Kind des Verderbens sich zeigen. Schon regt sich
das Geheimnis der Bosheit, nur dass, wer es jetzt aufhält, zuvor weichen
muss.“
Zu dem Geheimnis der Bosheit zählt auch die unsägliche Blindheit des
Nur-Verstandes und der Mangel an Willen, geistiges Licht aufzunehmen.
Wieder gab uns Jesus zwei Missionswinke hierzu. Es sind Seine
Aussprüche von den Perlen, die man nicht vor die Säue werfen soll — und
Sein Rat, wir mögen dort, wo Seine Lehre nicht angenommen wird,
weiterziehen und den Staub von den Füßen schütteln. Dies sagte der
Gottessohn, der die Liebe als höchstes Gebot forderte!
Das soll jedoch nicht bedeuten, vor den vielen suchenden Mitmenschen
das Licht unter den Scheffel zu stellen, das uns durch den Vater so hell zu
strahlen begann. Sie werden dankbar die helfenden Hände ergreifen und
den Tag segnen, der ihnen noch am Beginn der großen Nacht, Öl für ihre
Lampen schenkte. Die große und hochmütige Welt aber, auf die sich ja das
Wort vom „Weltuntergang“ bezieht, wird wohl allein durch das
Weltgericht zum leidvollen Erwachen gelangen. Und das ist der tiefste
Sinn aller kommenden Katastrophen, dass sie der göttlichen Liebe dienen
müssen zu ihrem Endziele, das da heißt: die Wiederkunft Christi im
Menschengeiste!
KJKJKJKJK
„Es versteht sich ja von selbst, dass da ein jeder nur durch die
freiwillige, völlige Beschränkung seiner äußeren Weltfreiheit, also
durch eine völlige Selbstverleugnung, zur inneren Freiheit des Geistes
gelangen kann, darinnen begründet ist das ewige Leben. - Denn was
immer der Mensch tut vergnüglich nach seinem äußeren freien Willen,
das zieht ihn ab vom Geiste und verrammet ihm den stillen und allzeit
schmalen Pfad in den geistigen freien Willen.
Er mag wohl äußerlich das Wahre, zum inneren Leben Benötigte als
solches erkennen. Aber er wird dennoch nie den mächtigen Liebetrieb in
sich gewahren, das auch völlig zu tun, sondern wird sich entweder mit
dem alleinigen Wissen begnügen oder er wird sein halb hin und halb her
- also ein Lauer, der schwerlich je zur inneren, geistigen Freiheit
gelangen wird!“
(HiG.02_S.232,3-4)
22
Naturereignisse als Zeitzeichen
GL 2/2011
Naturereignisse als Zeitzeichen
„Es geschehen nun so manche Dinge ganz ungewöhnlicher Art, als:
große Feuersbrünste, Erdbeben, Wasserhosen, Überschwemmungen und
dergleichen mehr. Was soll alles dieses im geheimen Schilde führen?“
„Was meinst du denn, was pflegt man wohl so allmählich nach und
nach mit denen zu tun, die da einen überaus starken Schlaf haben, wenn
der werdende Tag schon stark im Anzuge ist, so zwar, dass es wahrlich die
höchste Zeit ist, zu erwachen, aufzustehen und sich anzukleiden zum
neuen Geschäfte des neu gewordenen Tages?
Siehe, solche stark Schläfrige rüttelt, stupft, stößt, schüttelt, kneipt und
begießt man mit Wasser und tut solches so lange verstärkt fort, bis
derjenige, der sich nicht ganz in den Tod hineingeschlafen hat, wieder
erwacht in und für den neuen Tag. - Wer da aber unerweckbar ist, für den
wird das Grab gemacht!
Siehe, somit sind all diese Zeiterscheinungen nichts denn solche
Rüttler, um so manche starke Schläfer, deren es nun gar viele gibt, aus
ihren süßen Weltträumereien zu erwecken, die ganz Toten aber aus dem
Wege zu räumen.
Glaube es fest, eine andere Zeit ist nahe! Daher wird es auch schon
immer besser kommen. Und so wirst du in nicht gar langer Zeit auch von
einem Begebnisse hören, das da in so mancher Hinsicht alle die
übertreffen wird, von denen du bis jetzt Kunde erhalten hast. Und da
werden dann viele sagen:
„Wo sind nun jene Erdensöhne, deren stolze Legionen Zwietracht und
Krieg in allen Landen hätten anzünden sollen? Die Nacht hat sie
versammelt; aber der Tag sieht sie zerrinnen wie schwache Bäche, welche
durch einen Platzregen aufgeschwellt wurden, dann zwar über Felsen
dahinrauschten und tobten, als sollten diese sich beugen vor ihnen; allein
ihre wilden Wogen zerschellten und zerschäumten an den festen Stirnen
und eilen nun mit wütender Hast dahin, da des Meeres mächtiger und
breiter Arm für sie den sehr nahen Untergang in vollster Bereitschaft hält!“
Ich sage es dir, habe acht darauf, wann solches geschieht! Und es soll
da niemand bangen davor! Denn je mehr sich da häufen werden solche
Begebnisse, desto mehr wird auch von den Strahlen der großen
Morgenröte sichtbar werden auf der Erde und in der Erde des Menschen!
Auf der Hut aber soll da ein jeder sein! Denn ein Gedanke zu spät - und
der Dieb wird dringen in die Gemächer und wird rauben, morden, brennen
und sengen! // Sieh, das Wasser Funken sprüht, / und das Erdreich wird
durchglüht! / Die Sonne hat ihr Maß bekommen / und der „Karmel“ ist
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Naturereignisse als Zeitzeichen
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erklommen! / Bedenk, bedenk, wie weit, wie weit / noch reicht die arge,
finstre Zeit! / Ich sag' es dir darum noch heut': / Sie rüstet sich zum letzten
Streit!
Sieh, es ruft die Welt aus ihrem Traum, ja aus einem letzten Traume
ruft sie bei sich: „Gott! Was ist denn der Mensch? - Ein Wunderding? - Ist
er eine sich selbst widersprechende Zusammensetzung von lauter
Widersprechendem? Ist er ein unauflösliches Rätsel? - Oder ist er nicht
etwa ein Rest von sich selbst, ein Schatten nur kaum noch seines
Ursprungs, ein zerfallenes Gebäude, das da in seinen Ruinen kaum etwas
aufweiset, das da ein Zeuge sei von seiner früheren Schönheit, Erhabenheit
und Größe?“
Ja, er selbst hat sich vom hohen Gipfel seines freien Willens, den er
verdorben hat, herabgestürzt auf die Mauern und ist so auf den Grund
gefallen. - Siehe, der Traum ist nicht schlecht! - Und darum also auch die
Begebnisse!
Ich sage dir, wahrlich, die Menschheit ist zu einer alten, sehr
verwitterten und zerklüfteten Ruine geworden. Aber die „Ruinen“ wissen
es nicht, dass unter ihrem Schutte noch so manche große Schätze begraben
sind. Daher sind jetzt die „Schatzgräber“ gekommen, um die Schätze unter
den Ruinen zu suchen. Siehe, das ist der äußerste Entschluss!
Es muss aber der Herr einen guten Grund haben, darum Er sich nun „an
den Karren spannen“ lässt gleich einem Lasttier! - Es wird aber endlich
alles an die Deichsel kommen müssen und mitziehen an dem Karren und
sich schmiegen unter das Joch!
Siehe, davon zeugen die Begebnisse! - Wer da ein Licht hat, der lasse
es nun brennen in den vollen Tag hinein! - Amen. Das sagt der Erste und
der Letzte. - Amen, Amen, Amen.“ (HiG.02_S. 119)
JKJKJKJKJK
„Mag da geschehen, was da wolle, die Meinen werden allezeit sich
unter Meinem allmächtigen Schutze befinden, sei es auf der Welt oder in
der Hölle. Die Welt und ihre Schwester, die Hölle, aber wird stets das
bleiben, was sie ist – bis zu ihrem Gerichte.
Ich aber weiß gar wohl, warum Ich über ein oder das andere Volk
dies oder jenes kommen lasse. Euch aber genüge es, zu wissen, dass da
von Mir, dem Vater aller Menschen, keine bösen Gaben den Kindern,
wie diese auch beschaffen sein mögen, gereicht werden, am wenigsten
denen, die Mich suchen, erkennen und lieben. Amen!“
(HiG.02_S. 295,13-14)
24
Was ist Mystik?
GL 2/2011
Was ist Mystik?
Die Erfahrung des Ewigen im Vergänglichen
Max Schär
Der Begriff „Mystik“ steht heute für fast alles, was an neuen,
irrationalen und meist etwas diffusen Bewegungen auftaucht. Ein
Missverständnis. Die Mystik hat eine reichhaltige Tradition, sie ist
schöpferisch und motiviert zu Toleranz und politischem Engagement.
Um es gleich vorwegzunehmen: Die Mystik ist keine rein christliche
Erscheinung. Es gibt sie in allen Religionen. Nicht zuletzt deshalb haben
sich Theologen wie Karl Barth und Emil Brunner von ihr distanziert. In
den drei vergangenen Jahrzehnten ist das Interesse an Mystik und vor
allem das Verlangen nach ihr immer stärker gewachsen.
Auch zahlreiche Theologen verschließen sich ihr gegenüber nicht mehr.
Sie sind sogar zu Wegbereitern einer mystischen Religiosität geworden,
zum Teil aus innerem Erleben und zum Teil auch im Gegensatz zu jenen
Amtsträgern, die einer, wie sie es nennen, „modischen Erlebnisreligion“
kritisch entgegentreten.
Aufgehen in Gott
Was ist Mystik? Sowohl eine Sehnsucht als auch eine Erfahrung. Die
Sehnsucht entzündet sich im Leiden an der eigenen Begrenztheit. Diese
Begrenztheit wird erfahren als Beschränkung durch das eigene Ich. Das
Ich bindet und kettet, es umschlingt und versklavt. Es verdunkelt auch und
führt in die Verwirrung. Wie gelingt ihm das? Durch Verlangen und durch
Angst. Begehren und Fürchten sind seine Urtriebkräfte. Wollen und
festhalten.
Der Mystiker, die Mystikerin sehnt sich nach dem Überschreiten oder
mehr noch: nach der Auflösung des Ich. Er oder sie möchte eingehen ins
Ganze. Dieses Ganze nennen die einen Gott, andere das Göttliche, noch
andere das Umgreifende, das Formlose oder einfach das Sein. Für die
christlichen und jüdischen Mystiker, z.B. Martin Buber, bleibt Gott trotz
allem meist auch ein Gegenüber. Die buddhistischen Mystiker haben
demgegenüber keinen persönlichen Gottesbegriff. Für sie kann das
Absolute zugleich auch das Nichts sein. „Gefühl ist alles; Name ist Schall
und Rauch, umnebelnd Himmelsglut“, sagt Goethes nicht wenig mystisch
denkender und empfindender Faust.
Der Weg, den die Mystikerinnen und Mystiker einschlagen, ist
durchaus verschieden. Viele beten: das Unservater, den Rosenkranz, das
„Kyrie Eleison“. Sie treten mit Gott, mit Christus in einen Dialog. Viele
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Was ist Mystik?
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meditieren, mit Inhalten oder inhaltslos, indem sie einfach achtsam atmen.
Manche üben sich in mehr oder weniger schroffer Askese, manche führen
ein ganz normales, wenn auch maßvolles Leben und suchen, wie Ignatius
von Loyola, Gott im Alltag. Andere vertrauen auf das Bewusstwerden der
Schliche des Ego und machen die Erfahrung, dass sich dieses, sobald es
ertappt ist, verflüchtigt. Schließlich berichten auch Einzelne, dass sich das
Erwachen dann eingestellt habe, als sie gar nichts mehr taten. „Nichts
wollen und nichts festhalten“ ist ihr Rat. Loslassen.
Kreative Sprache
Was sich dann ereignet, ist eigentlich gar nicht zu sagen. In den
Versuchen, es trotzdem zu tun, wiederholen sich aber bestimmte Wörter
und Bilder. „Feuer, Gewissheit, Freude, Friede“ hat Blaise Pascal unter
dem unmittelbaren Eindruck seines Erlebens in der Nacht des 23.
November 1654 auf einen Zettel gekritzelt. Häufig ist von Licht die Rede,
von Leben, Liebe, Verschmelzung, Überfluss, von Ruhe und von Weite,
von Erwachen. Eine eigene Sprache hat der reformierte Mystiker und
Liederdichter Gerhard Tersteegen gefunden: „Luft, die alles füllet, drin wir
immer schweben, aller Dinge Grund und Leben, Meer ohn Grund und
Ende, Wunder aller Wunder: Ich senk mich in dich hinunter. Ich in dir, du
in mir, lass mich ganz verschwinden, dich nur sehn und finden.“
Wie Tersteegen haben auch viele andere Mystikerinnen und Mystiker
versucht, das von ihnen Erlebte, das Unerhörte und an sich
Unaussprechliche durch Sprache hörbar und fassbar zu machen. So mit
dem Ausdruck ringend, sind sie zu Sprachschöpfern geworden - vor allem
die großen deutschen Mystiker des Spätmittelalters: Meister Eckhart,
Heinrich Seuse und Johannes Tauler. Wer denkt schon daran, dass Wörter
wie „Eindruck“, „Einfluss“, „Gewissen“, „Verständnis“, „Zufall“,
„wesentlich“, „ursprünglich“, aber auch „begreifen“, „einsehen“,
„nachfühlen“ uns von Mystikern geschenkt worden sind?
Sinnlichkeit und Vernunft
„Ich in dir, du in mir“: das erinnert auch ganz an die Sprache der Liebe,
an die erotische Sprache. Mystikerinnen und Mystiker, die von den EgoSchlacken noch nicht ganz befreit sind, neigen zur Emotionalität und zur
Sinnlichkeit. Sie hören Gott nicht nur, sie sehen ihn auch. Sie riechen und
schmecken ihn. Die dulcedo, die „Süße“ Gottes, ja seine Schönheit werden
besungen. Gott wird „genossen“, die Seitenwunde, ja die Schulter Jesu
glühend verehrt. Immer wieder dienen Passagen des Hoheliedes, das ja
eigentlich ein reines Liebeslied ist, zum Ausdruck dessen, was die
26
Was ist Mystik?
GL 2/2011
mystische Seele erlebt und empfindet. So etwa im Visionsbuch Mechthilds
von Magdeburg mit dem urmystischen Titel „Das fließende Licht der
Gottheit“.
Kein Wunder, dass die Mystik auch in der Kunst begegnet. Die
deutsche Romantik zum Beispiel ist mit ihren Sehnsuchtsmotiven und
ihrem Universalismus auf weite Strecken der Mystik verwandt. Hermann
Hesse möge stellvertretend für viele der Mystik verpflichtete Schriftsteller
des 20. Jahrhunderts stehen. In der Musik wollte beispielsweise der
Komponist und Orgelvirtuose Olivier Messiaen mystische Werte
vermitteln. Der russische Maler Wassily Kandinsky lehrte: „Die Mystik ist
der rechte Weg, frei zu bleiben.“ Die Werke seines Landsmanns Marc
Chagall schließlich atmen ganz den Geist der jüdischen Mystik, des
Chassidismus.
Es wäre nun freilich verfehlt, zu meinen, die Mystik erschöpfe sich im
Gefühl. Die Mystiker trachteten stets danach, ihr Erleben auch rational zu
begreifen. So haben schon die alten christlichen Mystiker, etwa der später
verfemte Origenes oder Gregor von Nyssa, viel geschrieben. Schreibend
haben sie ihre Erfahrungen durchdacht und verarbeitet. Auch zahlreiche
Philosophen haben das mystische Gedankengut aufgenommen und auf
ihren eigenen Denkwegen nutzbar gemacht - unter ihnen der Grieche
Plotin, dann Spinoza, Leibniz, Schopenhauer, die Existenzphilosophen
sowie schließlich Ludwig Wittgenstein. Berühmt ist der Schlusssatz in
dessen „Tractatus“: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man
schweigen.“ Ein zutiefst mystischer Satz.
Toleranz und politisches Engagement
Abschließend sei noch auf zwei Grundhaltungen hingewiesen, die für
die Mystiker kennzeichnend sind. Da sie zwischen sich und den andern
keine Mauern aufrichten, sondern aufgrund ihrer Allverbundenheit im
Vielen das Eine sehen, sind sie auch außerordentlich tolerant. Der
Mystiker Heinrich Seuse schrieb die Worte: „Der gelassene Mensch
begegnet seinen Nächsten, ohne sie zu vereinnahmen, er liebt sie, ohne sie
zu binden, und teilt ihr Leid ohne falsche Fürsorglichkeit in rechter
Freiheit.“ Außer Bernhard von Clairvaux hat meines Wissens kaum ein
Mystiker zum Krieg aufgerufen. Der Mystiker Niklaus von Flüe hat
vielmehr einen Krieg verhindert. Der Mystiker Dag Hammarskjöld hat als
Generalsekretär der UNO während acht Jahren unermüdlich Friedensarbeit
geleistet.
Gerade Bruder Klaus und Dag Hammarskjöld dokumentieren auch,
dass sich Mystik und politisches Engagement auf keinen Fall ausschließen.
GL 2/2011
27
Was ist Mystik?
Wohl alle Gottsucherinnen und Gottsucher zogen sich regelmäßig in die
Stille zurück.
Die meisten von ihnen übernahmen aber auch immer wieder
Verantwortung für die andern, Verantwortung für die Welt. Der heilige
Columban oder die St. Gallerin Wiborada lasen furchtlos den Mächtigen
ihrer Zeit die Leviten. Hildegard von Bingen stand mit Kaiser und Papst in
Verbindung. Ebenso hat Katherina von Siena mit ihren Briefen Einfluss
auf die geistlichen und weltlichen Herren der Zeit genommen. Albert
Schweitzer, übrigens auch Verfasser eines Buches über die „Mystik des
Apostels Paulus“, hat in seinen letzten Lebensjahren gegen die atomare
Aufrüstung gekämpft. Und Mahatma Gandhi, auch er ein Mystiker, hat
gegen die englische Fremdherrschaft in seinem Land gewaltfreien
Widerstand geleistet.
Die Mystik ruft den Menschen aus der Vereinzelung. Sie führt ihn
durch das Vergängliche zum Ewigen. Und sie zeigt ihm die Verantwortung
für den Nächsten und die Gesellschaft. So ist sie denn nicht nur für die
Christenheit, sondern für alle Religionsgemeinschaften unverzichtbar. Sie
ist unverzichtbar für die Entstehung einer neuen Welt.
(Quelle: Kirchenbote 1/2007)
JKJKJKJKJK
Der beste Gedanke ist der Herr
„Also muss ja notwendig ein jeder, der in das Leben
seines Geistes eingehen will, sich tagtäglich auf eine Zeit
lang in die vollkommene Ruhe seines Geistes begeben und
muss in dieser nicht etwa mit allerlei Gedanken
umherschweifen, sondern er muss einen Gedanken nur
fassen und diesen als ein bestimmtes Objekt unverwandt
betrachten.
Der beste Gedanke ist hier freilich der Herr. Und wenn
jemand solches mit Eifer und aller möglichen
Selbstverleugnung fort und fort tun wird, so wird dadurch die
Sehe wie das Gehör seines Geistes stets mehr und mehr an
innerer Schärfe gewinnen.“ (GS.02_44,16)
28
Der innere Weg
GL 2/2011
Der innere Weg
Ansprachen an den äußeren Menschen
Thomas Noack
Entscheidungen
Stell dir vor, du seiest ein Wanderer und gehst deiner Wege,
und plötzlich stehst du am Scheideweg. Der Weg, der bislang einer war, teilt sich nun. Was ist zu tun? Du musst dich
entscheiden. Der eine Weg mag auf die Anhöhe führen, der
andere ins Tal. Bis an der Wegesgabelung konntest du beide
Thomas Noack
Ziele zusammen verfolgen. Doch nun musst du dich Pfarrer
der Neuen
Kirche in Zürich
entscheiden. Du musst für dich festlegen, was dir wichtiger
ist. Bislang konntest du unbestimmt bleiben. Nun aber musst du eines ganz
annehmen und ein anderes ganz lassen.
Was dem Wanderer widerfährt, kennzeichnet auch unsere Lebenssituation. Tagtäglich haben wir eine Fülle von Entscheidungen zu treffen.
Nur wenige werden uns bewusst. Doch aus dem Meer der Entscheidungen
ragen immer dann und wann einige heraus, die großen Entscheidungen, die
zu Schicksalspunkten unseres Lebens bestimmt sind. Dem Wanderer fällt
es noch vergleichsweise leicht, seine Entscheidung zu treffen, denn er
kennt sein Ziel. Anders ist es oft im seelischen Bereich. Wer kennt sein
Ziel?
Stell dir vor, du bist in eine Situation hineingeraten - und das passiert
häufiger -, die es dir nicht mehr erlaubt, zwei Dinge gleichzeitig
auszuführen. Es heißt für dich: Entweder - Oder. Aber hier müssen wir
bereits einhaken. Heißt es für dich wirklich: Entweder - Oder? Oder
versuchst du, die Kluft, die sich auftut, zu kaschieren? Willst du dir, aus
welchen Gründen auch immer, des inneren Zwiespaltes der Lebenslage, in
die dich eine weise Hand gebracht hat, nicht bewusst werden? Oh, dass wir
niemals zudecken, was Gott aufdecken will! Er sieht in unser Leben, das
wir Seele nennen, und sieht, wie unausgegoren es ist. Freund und Feind
sitzen an einem Tische und essen die gleiche Speise. Und dabei ist es doch
so, dass der Herr in seinem heiligen Tempel ganz allein wohnen möchte.
Deshalb muss die Klarheit im Gefolge des Lichtes kommen und muss die
Dunkelheit des Verdrängens vertreiben. Allerdings, und das ist unser
Eingangsthema, der Herr kann die Finsternis nur dann zerstreuen, wenn
wir die Entscheidungen des Alltags annehmen.
Nun, um sich in jeder Lebenslage richtig entscheiden zu können, ist es
wichtig, das Ziel zu erkennen. Unser Ziel ist Gott. Jedoch reicht es nicht
aus, dies nur so allgemein zu wissen. Vielmehr müssen wir jede
GL 2/2011
Der innere Weg
29
Kleinigkeit auf dieses Lebensziel hin befragen. So nur ziehen wir Gott in
die Tiefe der irdischen Vielfalt hinab, und da will er sein, um die Tiefe mit
seiner Gegenwart zu heiligen. Also, Gott als Ziel will nicht nur in Bausch
und Bogen, sondern im Dies und Das der Zeitlichkeit erkannt werden.
Deswegen führt er uns in Entscheidungen, damit unser Blick die
Wendigkeit erlange: Wo ist er jetzt? Ist er im Sturm oder Säuseln? Überall
dann, wo wir ihn sehen, sollen wir hingehen, und was uns demgegenüber
als leer und nichtig erscheint, das sollen wir lassen. So formt sich das Ziel
heraus. Ja, es durchformt, oder sagen wir doch es durchdringt unser ganzes
Wesen vom innersten Grunde bis in die äußerste Rinde. Gott zieht uns in
die Zeit, damit wir in Ewigkeit bei ihm sein können. Folge seiner Stimme,
die dich heute ruft. So wirst du ein wendiges Gefäß, das ihn, der die
Wendigkeit - weil das Leben - selbst ist, wohl aufnehmen kann.
Mit jeder Entscheidung formt sich dein Charakter. Bestimmtheit erlangt
er. Aus dem »Ich weiß nicht recht« wird ein entschiedenes Wesen. Aus
dem sumpfigen Grund trittst du heraus, denn dein Wesen klärt sich auf.
Das Unterscheidungsvermögen entwickelt sich. Kurz, der Mensch
bekommt Profil.
Daher vertusche nicht. Suche nicht den Frieden, der doch nur die
Trägheit des Todes ist. Stelle dich dem Alltag. Immer musst du dich
entscheiden, ob du willst oder nicht. So treffe denn die beste Wahl.
Vorstellungen und Verstellungen
Nichts und niemanden sehen wir an sich. Wir sehen alles nur durch
unsere Vorstellungen. Und so können wir mit ihnen den Anderen
einsperren oder frei lassen. Das ist in unser Belieben gestellt.
Vorstellungen können rein und klar sein, ebenso aber auch können sie
zu Verstellungen werden, die uns den Weg zum Nächsten versperren.
Nicht selten ist letzteres der Fall.
Wir haben uns ein Bild vom Anderen gemacht. So ist er, und so hat er
zu sein. Nun kommen wir allerdings, weil wir endliche Wesen sind, nicht
daran vorbei, Bilder zu fertigen. Die unendliche Fülle müssen wir
eingrenzen. Wir müssen Dinge auf einen Nenner bringen oder müssen sie
in Formeln packen. So gebieterisch dieser Sachverhalt auch ist, er darf uns
dennoch nicht dazu verleiten, das Bild festzuschreiben. Der Andere ist
immer anders. Das ist seine Aufgabe.
Meistens reduzieren wir das Gegenüber auf das Maß unserer Probleme
und Wünsche. Aus der unendlichen Fülle, die der Mitmensch ist, greifen
wir mit krankhafter Sicherheit nur ganz bestimmte Einzelheiten heraus,
und, was noch schlimmer ist, wir begründen uns in dem so gezimmerten
30
Der innere Weg
GL 2/2011
Bild.
Uns allen ist die missliche Situation geläufig, dass ein Mensch in unser
Spielfeld tritt und sich erklären möchte. Aber er schafft es nicht, weil die
Voreingenommenheit ihm jedes Wort im Munde umdreht.
Was ist zu tun? Lasse die Bilder frei. Lasse sie wachsen, denn sie sind
Leben und zeugen von Gott. Verlasse die gemachten Sicherheiten, und
erlebe die Welt um dich herum immer wieder staunend neu. So wirst du
das Wunder entdecken. Andernfalls bleibst du allein.
Unser Herr sagt: »Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und
stirbt, so bleibt's allein; wenn es aber erstirbt, so bringt es viel
Frucht.« (Joh 12,24)
Die Erde ist das irdischermaßen uns Umgebende. Falle hinein in dieses
Erdreich. Nur Hingabe öffnet das Gemüt für den Strom des Lebens. Und
wer sich selber verliert, der hat sich noch immer gefunden. Doch der
Mensch ohne Gott ist knöchern. Wo Gott nicht mehr der Halt deines
Lebens ist, da müssen künstlich Stützen herhalten, womit wir wieder bei
unseren Vorstellungen sind, die zu Verstellungen wurden. Anstelle eines
lebendigen Erkennens, welches das Merkmal der Frische an sich trägt, tritt
Dogma und Lehrmeinung, Vorurteil und (Er) Schlagwort. Und in seinem
Reichtum ist der Mensch sodann allein.
Das Erste, woran wir merken können, dass wir uns versteift haben, ist
die Empfindung des Störenden. Plötzlich passen gewisse Dinge einfach
nicht mehr in unser Welt- oder Personenbild. Anstatt nun aber diesem
sanften Ruf zu folgen, tritt Verschiedenes ein. Im Allgemeinen kann man
sagen, dass man verdrängt, nicht wahrhaben will, uminterpretiert oder was
auch immer.
Immer ist der Andere anders als wir denken. Er übertrifft unsere
kühnsten Erwartungen. Nur entbinden müssen wir ihn. Wenn wir ihn
jedoch in unsere Erwartungen einschnüren, dann muss er uns enttäuschen,
um uns zuzuflüstern: Ich bin anders.
Oftmals läuft ein Mensch immer und immer wieder gegen das
Bollwerk aufkeimenden Missmutes an. »Ach, der schon wieder«, sagen
wir. Dabei ist die Gabe, die er uns in einem fort anbietet, eigentlich der
Schlüssel zu seinem Wesen. Zwar kommen wir, vorausgesetzt dass wir das
Geschenk auspacken, nicht sogleich in die geheimsten Gemächer seiner
Seele, aber wir kommen eine Stufe tiefer in seine Wunderwelt. So könnte
der Eine dem Anderen ein Himmel werden. Weil wir uns aber allzu gerne
aneinander ärgern, deshalb verschließen sich die Tore, und wir bleiben
allein.
GL 2/2011
Der innere Weg
31
Die Fehler des anderen ...
... sind deine Fehler. Aus dem unermesslich Vielen, das der Andere
darstellt, greifst du dir bestimmt das heraus, was für dich eine Bedeutung
hat.
Du sagst, der Andere sei unausstehlich. Frage dich, warum du mit ihm
nicht zurecht kommst. Bedenke, Jesus, der vollkommene Mensch, kam mit
den Pharisäern zurecht, kam mit Judas zurecht und mit manchem anderen
auch.
Darum suche die Fehler nicht draußen. Du beraubst dich dadurch der
Möglichkeit des Wachstums. Denn denke doch einmal nach: Wenn du
darauf nicht verzichten kannst, den Anderen zu brandmarken, dann muss
es dir doch offensichtlich ein Bedürfnis sein, so zu handeln. Ist das nicht
der Sündenbockeffekt? Wenn du auf den da draußen alle Bresthaftigkeit
werfen kannst, dann kannst du dich leichter und ungestörter im Lichte der
Selbstzufriedenheit sonnen, denn Schuld sind ja immer die Anderen. Und
ich? Ich bin ein weißer Kreis, erhaben über jeden Makel.
Auf diese Weise ist meine Seelenwelt zwar immer noch nicht in
Ordnung, aber was bekümmert's mich?! Ich habe alle Mängel nach
draußen verlagert. Freilich ist der Preis sehr hoch. Denn um der so
geschaffenen Selbstzufriedenheit willen müssen unzählig viele Brüder und
Schwestern draußen leiden. Jeder, der meine Bahn kreuzt, ist ein kleiner
Schurke oder ein großer. Ich brauche das, damit mich das Bewusstsein
meiner Sündhaftigkeit nicht überschwemmt. Ich muss Massen von Seelen
verschlingen, um den trügerischen Stand zu halten. Armer Mensch!
Hole die Fehler in dich hinein! Nur dann kannst du an ihnen arbeiten,
denn alles, was draußen ist, gehört dir nicht. Hast du jemals erlebt, dass der
von dir Angeklagte deinen Vorhaltungen Folge leistet? Meistens war es
doch so, dass sich der Angeklagte immer mehr verhärtete. Und sollte sich
trotzdem mal hier und da einer deinem Willen gebeugt haben, dann warst
du anschließend auch nicht zufrieden, weil du die Anklagehaltung einfach
brauchst, um dich selbst ertragen zu können.
Aber glücklich oder gar selig wirst du auf diesem Wege nicht.
Versuche es einmal anders. Nimm, wie Christus, die Sünde der (Um-)
Welt auf dich. Was ändert sich? Zunächst einmal ist alles um dich herum
nicht mehr pechschwarz, sondern glänzend weiß. Tausende von Brüdern
und Schwestern sind plötzlich schön. Nur noch Einer ist schwarz, und das
bist du. Aber bist du wirklich so schwarz? Schau mal genau hin! Was hat
sich geändert? Indem nun du die Fehler hast, hast du gleichzeitig auch die
Macht gewonnen, an ihnen zu arbeiten, denn nun hast du sie in deinem
Wirkungskreis hineingeholt. Und du weißt doch: Alles, was man nach
32
Der innere Weg
GL 2/2011
Kräften der Besserung zuführen möchte, ist von Gott aus schon vergeben.
Ihm ist der gute Wille allein wichtig. Das heißt nicht, dass wir die Arbeit
an uns selbst leicht nehmen sollen, denn ein guter Wille drängt stets, in
Taten auslaufen zu können.
Also der Andere ist ein Geschenk Gottes. Der Herr will dir damit
deinen Schatten zeigen, damit er dir bewusst wird. Es ist unerhört wichtig,
dass uns die Schlangengrube, die wir sind, bewusst wird. Nur was über das
Bewusstsein läuft kann bearbeitet werden. Der Mensch soll mitwirken.
Deswegen kann der Herr nicht einfach die Schlangengrube reinigen, ohne
uns zu fragen. Er muss uns fragen. Und wenn wir Ja sagen, dann wird uns
das neue Leben angeeignet. Erst dann! So kommt es, dass alles aus der
Versenkung ins Bewusstsein gehoben werden muss.
Der Angelhaken, mit dem Gott aus der Tiefe den Schlamm hervorzieht,
ist der, genau der, der da schon wieder an der Ecke steht und so komisch
grinst. Es ist der Andere, der uns das Leben schwer macht.
Man könnte einwenden: Wieso wird mir immer nur über den Anderen
das eigene Manko bewusst, vorausgesetzt natürlich, dass ich den Anderen
recht zu nehmen weiß? Nun, das ist das Gesetz der Liebe. Es soll uns nicht
so erscheinen, als würden wir uns selbst erkennen können. Wir müssen es
zu spüren bekommen, dass wir den Mitmenschen brauchen, damit wir uns
an ihn gewöhnen, damit wir erkennen, dass alles eine große
Lebensgemeinschaft ist. Das ist das Gesetz der Liebe, die alles verbindet,
die nichts für sich stehen lassen will.
Bleibt noch zu fragen offen, wie das Anstößige, des nun schon oft
genannten Anderen, den eigenen Schatten aufdecken hilft? Die
Schlüsselfrage scheint mir die zu sein: Was in mir ist es, was mir den
Umgang mit gerade diesem Mitmenschen erschwert?
Wer so lebt, der wird ganz gewiss nicht nur noch lauter Freunde haben.
Auch Jesus hatte seine Feinde, aber es waren nicht seine Feinde.
Auch sollten wir uns vor dem Irrtum verwahren, mit dieser Frage
nunmehr in eigener Regie alle Rätsel unseres Lebens entschlüsseln zu
können. Dann sind wir unversehens sehr allein, nämlich auf uns gestellt.
Wir sollten nicht übertrieben psychoanalytisch in unserer Seele kramen.
Der Herr ist und bleibt der Erlöser. Jedoch mitwirken können und sollen
wir an seinem Werk. Es gilt, ein Gespür zu entwickeln, ob man eine
Methode überstrapaziert oder noch innerhalb ihrer Grenzen handhabt.
Sicherlich hat auch der Andere Fehler, aber diese seine eigentlichen
Probleme erfährst du erst, wenn du dein Eigenes vom Anderen abgezogen
hast. Es lag wie eine Schmutzschicht über den Vorstellungen, durch die du
den Anderen gesehen hast.
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Der innere Weg
33
Nachdem der Sichtschirm gereinigt ist, kann der Mitmensch eigentlich
erst als Mensch gesehen, geachtet und geliebt werden.
Vom gebenden Empfangen
Es liegt ein gewisser Reiz darin, sich selbst zu entdecken. Denken wir
nur an die vielen Arten der Selbstentdeckung wie Chirologie, Graphologie,
Physiognomik, Astrologie, usw.
Das mag alles seinen Wert haben. Aber das Grundgesetz der
Selbsterfahrung heißt: »Wer sein Leben findet, der wird's verlieren; und
wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird's finden.« (Mt. 10,39)
Ja, der wird's finden, der sein Leben verliert, allerdings nicht aus jedem
x-beliebigen Grunde verliert, sondern um seinetwillen. Gemeint ist der
Herr.
Alles, was der Mensch für sich behalten will, das hat er schon in dem
Momente verloren, da er sich sicher war, es für sich behalten zu wollen.
Wir sollen die anvertrauten Pfunde einsetzen (vgl. Lk 19,11-28).
Um noch einmal auf die Eingangsbemerkungen zu kommen: Wer sich
nur um seiner selbst willen entdecken möchte, der hat schon verloren. Da
nützt die beste Methode nichts. Bestenfalls erhascht du ein paar
Schlagwörter, in denen du dich zu sehen meinst. Aber es ergeht dir damit,
wie es dem Schiffsbrüchigen ergeht, der sich im Ozean noch eine Planke
angeln kann. Sie mag ihn vor dem Untergang einer gänzlichen IchUmnachtung bewahren, retten kann sie ihn nicht.
Selbsterfahrung ist etwas ganz anderes, als ein emsiges Sammeln von
Vorstellungen über sich selbst.
Alle Dinge in Gottes großer Natur lehren uns den Dienst. Es gibt
wirklich nichts, was nur für sich selbst da ist. Ein Baum beispielsweise
wächst und gedeiht. Schauen wir näher hin, so sehen wir: Während er das
tut, erfüllt er mannigfache Dienste für seine Umwelt. Wenn wir in
Anbetracht dessen nun überlegen, was ein Baum ist, dann würde es uns
wahrscheinlich kaum mehr möglich sein, ihn als eine, eben als die
bekannte Baumform zu charakterisieren. Treffender wäre es gewiss, die
Dienstleistungen des Baumes zu beschreiben. Der Baum ist die
Dienstleistungen, die er verrichtet.
Nichts anderes ist es beim Menschen. Wer sich erkennen will, der muss
den Nutzen freilegen, den er für das Gemeinwohl leisten kann. Das ist eine
Aufgabe, die kannst du nicht theoretisch befriedigend lösen. Denn zu
Beginn halten wir nur den Zipfel in der Hand. Erst wenn wir ihn
weitergeben, entdecken wir, dass ein ganzes Tuch an dem Zipfel hängt.
Hätten wir den Zipfel nicht tatsächlich eingesetzt, dann hätten wir uns an
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Der innere Weg
GL 2/2011
ihm noch und nöcher toterkannt, um die Fülle zu suchen, die freilich
unerkannt im Verborgenen hängen bliebe.
Wer heute das gibt, was er hat, der wird morgen mehr geben können,
denn Gott füllt das Vakuum stets und ständig mit neuen Wundern aus. Was
wir tun zieht Kreise, Erfahrungen fließen nach, und vor allem passiert sehr
viel Unerwartetes.
Nun sagen wir, man müsse dem Gemeinwohl dienen. Das ist zwar
richtig, bedarf aber einer Einschränkung. Wir können dem Ganzen nicht
unmittelbar, sondern nur mittelbar dienen. Eine Leberzelle, nur als
Beispiel genommen, dient zwar dem ganzen, großen Organismus, aber
davon weiß die Leberzelle nichts. Ihr Umkreis ist die Leber. Der dient sie
zunächst. Für uns heißt das: Dem Ganzen dienen wir vermittels der
Situation, in die wir gestellt wurden. Oder anders ausgedrückt: Gott dienen
wir über den Nächsten.
Darum nutze die Gelegenheiten, die dir geboten sind. Das ist die Wiege
deines Lebens. Glaube nicht, dass der Andere es besser hat, weil er es
anders hat. Jeder hat Seines und jeder das, was er braucht. Mache es
fruchtbar!
Morgen, morgen, nur nicht heute ...
Morgen wird alles anders sein und vor allem besser.
Heute, na ja gut, heute: Den Tag überlebt man irgendwie. Aber morgen
wird alles anders sein - und vor allem besser. Verlagere deine
Zufriedenheit nie auf den morgigen Tag. Heute lebst du. Gestern hast und
morgen wirst du leben, aber heute lebst du, lebst du tatsächlich. Heute
kannst du dich freuen. Selbst die Erinnerung an gestern ist heute lebendig.
Ja, heute lebst du.
Enge das Jetzt nicht durch das Morgen ein. Weite mit der Kraft deines
Geistes jeden Augenblick. Dann wirst du spüren, was Ewigkeit ist.
Arbeite niemals, um irgendetwas erreichen zu wollen. Denn dann ist
das vermeintlicherweise zu erreichen Beabsichtigte schon der Grund
deiner höchst vagen Zufriedenheit. Weißt du, ob du den morgigen Tag
erlebst? Du weißt es nicht! Erfülle jede Arbeit mit dem Geist der Liebe.
Verrichte sie nach bestem Wissen und Gewissen. Damit trägst du Gott in
das Heute hinein. Das Morgen liegt so unendlich fern.
Lasse dich nicht hetzen. Lasse dich nicht treiben. Sage nie: Ich habe
keine Zeit. Jeder hat Zeit, nämlich 24 Stunden am Tag. Es fragt sich nur,
für was er sich Zeit nimmt. Nimm die Zeit nicht so wichtig, dann wird
auch dich die Zeit nicht so wichtig nehmen, und du kannst ungestörter
deinen Gang gehen, frei vom Trubel, der die Seelen umherschleudert.
GL 2/2011
Heilige Lebenslehre
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Trage deinen Gott in die Zeit hinein, dann wird er dich durch die Zeit
hindurchtragen. Liebe jeden Augenblick, als wäre es der einzige deines
Lebens.
Lasse dich von deinen Plänen nicht hetzen. Trete nicht mit Bedingungen an den Augenblick heran. Freilich musst du Pläne haben, aber
achte darauf, dass sie dich nicht haben.
Gott ist alle Tage neu. Gebe ihm die Gelegenheit, deine begrenzten
Ansichten immerfort weiten zu können. Darum höre ihn heute, denn heute
spricht er mit dir. Aus dem Morgen sprechen dich deine Ideen an. Ihr
wesentlicher Wert muss sich erst noch erweisen. Und das Gestern ist
verklärt, weil das Heute dir Abstand gibt. So lasse denn die Zeit
entschwinden, damit heute dir ein Stück Ewigkeit wird.
(Quelle: Offene Tore 4/10)
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Heilige Lebenslehre
Tuet den Menschen alles, was ihr wollt, dass sie es auch euch tun
sollen!
Siehe, darin liegt alle Rechtfertigung einer guten Handlung! - Und zur
rechten Tugend gehört, dass man die Betrübten tröste, die Zerschlagenen
aufrichte in ihrem Gemüte, den Notleidenden helfe, die Gefallenen
aufhebe, die im Geiste Gefangenen erlöse, die Schwachen stärke, den
Irrenden den rechten Weg zeige, alle Ärgernisse vermeide und denselben
bei anderen vorbaue, auf dass, so jemand einen Schatz hat, er ihn nicht für
sich behalte, sondern ihn teile bis auf den letzten Tropfen.
Denn wahrlich, so lange wird niemand Mein Reich erben, bis er nicht
alles wird hergegeben haben, was er hat! - Und wahrlich, wer von euch
nicht weltlich und geistlich zuvor so arm wird wie eine Kerkermaus, der
wird Mein Reich in ihm nicht lebendig überkommen!
Denn so jemand zuvor nicht zum Fremdlinge wird auf der Welt, wird
er nimmer einheimisch in Meinem Reiche.
Wenn da aber jemand meint und spricht: „Herr, so ich auf der Welt nur
Ruhe habe durch ein Amt oder durch ein Vermögen und bin versorgt für
meine leiblichen Bedürfnisse, dann will ich, o Herr, alle meine Zeit Dir
widmen!“ - da sage Ich: Freund! - solche deine Zeit kann Ich zufolge
meiner ewigen Ordnung durchaus nicht brauchen! Denn Ich Selbst habe
nicht gelehrt, dass man zuerst die weltliche Versorgung suchen solle, und
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Heilige Lebenslehre
GL 2/2011
hat man diese gefunden, sodann erst Mein Reich - sondern gerade
umgekehrt! - Denn es heißt: „Vor allem suchet das Reich Gottes und
dessen Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere hinzufallen!“
Darum aber muss jemand zuvor alles von sich geben, so er Mein Reich
ernten will! - Gebe alles hintan und verteile es unter die Armen und folge
Mir nach, so wirst du Mein Reich ernten!
Damit ist nun zur Genüge gezeigt, was dazu gehört, um zu wissen,
wann man in und aus „Meinem Reiche“ handelt und wann Ich so ganz
eigentlich ein Wohlgefallen habe an einem vollbrachten Werke!
Wenn du Gutes tust und fragst, ob es Mir wohlgefalle, dann hast du
Mein Reich wohl äußerlich in dich einfließend, aber innerlich noch
lange nicht.
Wenn du aber Mein Reich auch innerlich also hättest, wie Ich es dir
von außen her gegeben habe, um dir dadurch die Aussicht in die Welt zu
verrammen - dann würdest du nach einer Handlung nicht fragen, ob sie
eine Eingebung von Mir, somit gerecht und Mir wohlgefällig sei, sondern
du würdest, so du auch aus aller Engel Liebe und Weisheit heraus
gehandelt hättest, nur sagen: „O Herr! Ich bin ein fauler und unnützer
Knecht!“
Siehe, also sieht das rechte „Reich Gottes“ aus! Und also musst du
handeln aus Meiner Liebe heraus - dann wird alles gut, recht und Mir
durchaus wohlgefällig sein.
Es war übrigens deine Handlung wohl gut und recht und eine gute
Tugend. Lege aber bei dir dennoch keinen Wert darauf, so du willst, dass
Ich sie ansehe! Rühme dich auch nirgends damit, willst du Meine Ehre!
Denn was deine Rechte tut, das erzähle nicht einmal der Linken! Dann
werde Ich dein Werk annehmen und werde dich ehren, weil du Mir die
Ehre gabst.
Vor allem aber suche Mein Reich auf die vorbesagte Weise in dir
lebendig - dann wirst du allezeit wissen, woher und woraus du gehandelt
hast und für Wen!
Diese Lehre sei dir heilig für ewig! Amen. Das sage Ich, dein guter,
heiliger Vater.
(HiG.02_S.289)
„Darum besteht die wahre Nächstenliebe in dem, dass man seinem
Nächsten alles das tut, von dem man vernünftigerweise wünschen kann,
dass er es einem auch tut.“
(GEJ.07_094,17)
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Dem Herrn ähnlich werden
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Dem Herrn ähnlich werden
Der Apostel Paulus schreibt: „Wer aber Christi Geist nicht hat, der ist
nicht sein.“ (Röm. 8, 9)
Hier stehen wir vor der praktischen Schwierigkeit: Was können wir
tun, dass wir wirklich von Christi Geist erfüllt werden? Wie viele von
uns sehnen sich danach; aber unüberwindlich scheinen die inneren und
äußeren Hindernisse. Der Apostel weist uns einen Weg: „Nun aber
spiegelt sich bei uns allen die Herrlichkeit des Herrn in unsrem
aufgedeckten Angesicht und wir werden verklärt in sein Bild von einer
Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.“ (2 Kor. 3, 18)
Anschauen, lieben, von Herzen ersehnen, das heißt ähnlich werden.
Auf diese Erfahrungswahrheit stützen sich die folgenden Betrachtungen.
Wenn wir, Tag um Tag, uns versenken in die Herrlichkeit des Herrn
und die geistigen Grundlagen, die das Leben unseres Meisters trugen, so
werden sie langsam aber sicher zu einem bestimmenden Teil unseres
eigenen Lebens.
Denn solche Betrachtung wirkt an und für sich als treibende Kraft.
Wir haften ja mit unserem Blick an dem Herrn der Herrlichkeit, der
Geist und Leben ist und eine Quelle der Kraft, die stärken und
verwandeln kann.
Um diese himmlische Erscheinung mit unserer menschlichen Vernunft
erfassen zu können, müssen wir, recht praktisch, das Ziel zu erschauen
suchen, das sich Jesus in seinem Erdendasein gesteckt hatte.
Nur wenig ist uns bekannt von den ersten dreißig Jahren seines
Lebens. Aber als er eines Tages öffentlich auftrat, da offenbarten sich an
ihm bestimmte charakteristische Geisteszüge, die zusammen
unvergleichbare Vollkommenheit darstellten. Seine Macht war nur die
äußere und hoheitsvolle Offenbarung seiner Meisterschaft über sich
selber.
Nirgends sonst in der Geschichte des menschlichen Geistes finden wir
eine solche vollkommene Einheitlichkeit des Wollens. Jesus hatte nur ein
Ziel, das ihm immer vorschwebte: der Menschheit den Vater zu
offenbaren. Er hatte diese Einheitlichkeit des Wollens auch in Bezug auf
sich selbst, auf seine Berufung und sein Verhältnis zum Vater; darum
fürchtete er auch keinen Misserfolg. Auch der Natur gegenüber hatte er
die gleiche Einstellung: alle Naturkräfte schaffen für den Menschen, nie
gegen ihn, unter der einen Voraussetzung, dass der Mensch in
Harmonie mit Gott ist. Auch dem Willen Gottes gegenüber besaß er die
gleiche Einstellung: in seinem Willen sieht er Liebe ohne Ende und die
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Dem Herrn ähnlich werden
GL 2/2011
feste Absicht, alle Ungerechtigkeit zu beseitigen, alle Krankheit zu
überwinden durch Leben und Harmonie, und auch den Tod — diese Folge
menschlicher Zwiespältigkeit — zu besiegen durch die Vollkommenheit
des Lebens, welches ewig ist. Ebenso schaut er auch das Verhältnis des
Menschen zu diesem Gotteswillen an: wo rechter Glaube ist, da wirkt
sich im Menschenwesen eine Lebenskraft aus, die den Absichten Gottes
entgegenkommt.
Ohne persönliche Vorbereitung und Selbsterziehung können wir
niemals Gottes Werke vollbringen. Der Musiker übt sein Gehör und
seine Hände täglich, das höchste Ideal stets vor Augen, bis er für seine
Ausdauer belohnt wird durch sicheres Können. Der Maler übt Auge
und Hand; der Baumeister, der Mechaniker, die Hausfrau und das Kind,
alle erreichen ihre Geschicklichkeit auf dieselbe Weise. Je klarer ihr
letztes Ziel vor ihrem inneren Auge steht, desto schneller ernten sie Erfolg.
Die innere Einstellung auf das Ziel ist die Grundlage des Erfolges.
Wenn diese erreicht ist, wird die Ausführung verhältnismäßig leicht.
Sollte der Nachfolger Christi nicht auf demselben Wege zur
Selbstbemeisterung gelangen? Sein Auge muss geschult werden, deutlich
die Herrlichkeit seines Vorbildes zu erkennen, welche er wieder
ausstrahlen möchte: sein Geist muss geschult werden, ständig nur
solche Gedanken zu hegen, die damit in Einklang sind (denn die ständigen
Gedanken sind das Maßgebende). Dann folgen die richtigen Worte und
Taten ganz von selbst. Anschauen, lieben, von Herzen ersehnen, das
heißt ähnlich werden.
Da aber das göttliche Wesen zu erhaben ist, als dass ein
Menschenherz es in seiner Ganzheit erfassen könnte, wollen wir versuchen,
uns Tag um Tag nur in eine der großen, lebendigen Wahrheiten zu
vertiefen, in denen unser Heiland gelebt hat, mit dem Bemühen, an dem
einen Tag ihre Kraft zu erproben in unserm eignen Leben und Denken.
Unter den ständigen Reibungen, Prüfungen und Schwierigkeiten
unseres täglichen Lebens können wir die Gotteswahrheit persönlich
erfahren, wenn wir jede Schwierigkeit vor Gottes Angesicht bringen
und dann die Erfahrung machen, dass Gott in allen Stücken Sieger
bleiben kann und will. So wird allmählich der Name dieses oder jenes
Tages die Wahrheit, die mit dem Tag verknüpft ist, oft unbewusst in
uns wachrufen, um für uns zu einer Quelle der Kraft und der Erhebung
zu werden.
Die größten Kräfte in dieser Welt schaffen in der Stille. Das Leben
kommt und arbeitet ganz stille. In der Stille spricht Gott zu den
Herzen der Menschen. Wir wollen uns üben, jeden Tag ein paar
GL 2/2011
Gott - die Quelle der Freude
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Minuten vor Gott stille zu werden. Wir müssen jeden unbedachten
Gedanken und Wunsch verbannen. Wir müssen stillehalten — innerlich
stille —, so dass Gott sich uns offenbaren kann, während wir unsere Seele
ganz der Wirksamkeit der einen Wahrheit öffnen, der wir den einen Tag
in Sonderheit gewidmet haben.
Wir werden nicht immer seine Stimme vernehmen, nicht einmal als
„das stille sanfte Sausen“ (1. Kön. 19,12), aber wir werden erbaut und
gestärkt aus der „leuchtenden Stille“ heraus an unser Tagewerk gehen
können, mit geschärftem Blick und Ohr.
Nicht im Bitten liegt die große Macht des Gebetes, sondern darin,
dass wir lernen zu empfangen.
Gott - die Quelle der Freude
„Darum bat dich, o Gott, gesalbt dein Gott mit dem Öl der Freude
wie keinen andern neben dir.“ (Hebr.1,9)
„Damit meine Freude in euch bleibe und eure Freude vollkommen
werde.“ (Joh. 1,11)
Die Kinder Israels werden immer wieder ermahnt: „Freuet euch in
dem Herrn!“ „Freuet euch und frohlocket!“ Freude und Frohlocken sind
eng verbunden mit jeder aufrichtigen Frömmigkeit. Gott selbst ist die
Quelle aller Freude, und sein eigenes Wesen verheißt er auch seinen
Kindern. (Matth. 5,48) „Siehe, ich verkündige euch große Freude“, sprach
der Engel in der Heiligen Nacht, „denn euch ist heute der Heiland
geboren“, (Lk. 2,10-11) und dieser Heiland sollte die Offenbarung Gottes
für die ganze Welt werden.
Wir denken so oft an ihn nur als den Schmerzensmann und
vergessen, dass er gesalbt war mit „dem Öl der Freude wie kein
anderer“. (Heb. 1,9) Er lebte in inniger Gemeinschaft mit seinem Vater im
Himmel, der „Quelle aller Freude“. Er freute sich an der Natur, an
Gottes Wirken und Schaffen. Er nahm teil an den einfachen Freuden
seiner Umgebung, er liebte die kleinen Kinder. Der Psalmist spricht: „Er
wird trinken vom Bach auf dem Wege, darum wird er das Haupt
emporheben.“ (Ps. 110,7) Diese tiefe, dauernde Freude in dem Herrn
sollte die Grundstimmung eines jeden Christenlebens sein. Gerade
unsere heutige Zeit hat es bitter nötig, diesen Ton der Freude klar und
deutlich zu vernehmen; und dieser Ton findet ein Echo in jedem
Herzen, denn die Freude zieht uns an wie ein Licht in der Finsternis.
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Gott - die Quelle der Freude
GL 2/2011
Wenn schon die Israeliten Grund zur Freude, zum Frohlocken hatten,
wie viel mehr wir, die wir „uns freuen in Gott, durch unsern Herrn
Jesus Christus“!
Um diese Freude zu erlangen, müssen wir die Gesinnung der
Dankbarkeit pflegen. Danksagung und Freude sind innig verwandt.
Ein dankbares Gemüt erst sieht die Dinge in ihrem wahren Licht. Wie
oft schauen wir kleine Sorgen an, als wären es große Sorgenberge. Da
gibt die Dankbarkeit das nötige Gegengewicht. So mahnt Paulus:
„Seid dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in
Christus Jesus an euch.“ (1.Thess. 5, 18)
Für wie vieles sollten wir dankbar sein! Denken wir nur an die Gabe
des Lebens selber. Oder an die Kraft, die uns geschenkt wird, unsern
Mitmenschen seelisch zu helfen, sie lieben zu können, bis sie aus Sünde
und Schuld emporsteigen zu Reinheit und Güte. Oder an die
Gemeinschaft aller Gotteskinder auf Erden und im Himmel. Oder an
Gottes ewige Macht, an der auch wir teilhaben dürfen. Herzensfreude ist
es auch, dass wir stündlich Schatten verscheuchen können. Aber nur
wirkliche Herzensfreude, die wir selbst in der Seele tragen, können wir
auf andere ausstrahlen.
Aus der ganzen Welt strahlt uns Freude entgegen, wenn wir nur
Augen haben, sie zu sehen. Da ist die Freude an der Natur und an der
Schönheit, die Freude an Menschenfreundschaft und Seelengemeinschaft,
die Seligkeit der Gottesanbetung und der Gottesgemeinschaft. Wie
könnten wir da noch unglücklich sein?
Wir ahnen die große Freude, die der Mensch erleben darf, der wirklich
Großes leistet in Kunst oder Wissenschaft. Da ist die Freude, die jeder
Mitarbeiter Gottes spürt, wenn er einem Mitmenschen ein Glück schafft,
wenn er einem Betrübten Licht und Frieden bringt, wenn er einem
müden Wanderer auf dem Lebensweg Kraft, Mut und Begeisterung
bringen kann.
Dazu kommt die Freude am eigenen innern Wachstum, dass wir, über
den Dingen stehend, alle Schwierigkeiten durch den Glauben
überwinden lernen. „In allem überwinden wir weit um des willen, der
uns geliebt hat.“ (Röm. 8,37) Dazu die Freude des bewussten Zusammenwirkens mit Gott, indem wir mithelfen, seine Gedanken zu
verwirklichen.
Lasst uns so jeden Tag unsere täglichen Lasten und Sorgen vor unsern
himmlischen Vater bringen, so werden wir in seinen Frieden eingehen.
Dann wird unsere Seele sich erheben zu neuem Ausblick, und wir werden
in den kommenden Tagen mit Freudigkeit unseren Weg gehen, mit neuer
Gott - die Quelle der Freude
GL 2/2011
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Erkenntnis und neuer Schwungkraft.
„Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet
euch!“ (Phil. 4, 4)
„Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ (Neh. 8, 10)
„Ihr sollt fröhlich sein über alles, was eure Hand erworben hat“
(5. Mose 12, 7)
(Quelle: Gedankensaat, Turm Verlag)
JKJKJKJKJK
„Gott ist in Sich ein Geist, voll Liebe, Wahrheit,
Weisheit und Macht unveränderlich von Ewigkeit her
und kann daher auch nur im Geiste und in der
Wahrheit, die inwendig im Menschen ist,
angebetet werden.
So jemand denn ein Anliegen hat, dass ihm Gott als
der allein wahre Schöpfer und Vater aller Menschen
und Engel in diesem oder anderem helfen möchte, so
gehe er mit seinem Anliegen nicht in einen Tempel oder
in eine Synagoge und auch zu keinem Priester, sondern
sperre sich in ein Kämmerlein, und besonders in das
ganz stille seines Herzens, ein und bete darin zu Gott
und bitte Ihn als den liebevollsten Vater um eine rechte
Hilfe. Und der Vater, der alles im noch so Verborgenen
hört und sieht, wird dem also allein recht und im Geiste
der Wahrheit lebendig Bittenden allzeit gerne geben, um
was er rechtlich gebeten hat, dessen ihr alle völlig
versichert sein könnet.“
(GEJ Bd.9; 209,5-6)
Ältere Hefte „Geistiges Leben“ zu verschenken
Bei Interesse bitte melden bei:
Lorber-Gesellschaft, Pf. 114, 83731 Hausham, Tel. 08026-8624
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Das Wunder des Pfingstgeistes
GL 2/2011
Das Wunder des Pfingstgeistes
Peter Forster
Wir hatten alle Angst und keiner wusste mehr, wie es weitergehen
sollte. Deshalb saßen wir zusammen, hatten die Fensterläden geschlossen
damit uns niemand sehen konnte, waren verzweifelt, mutlos, hoffnungslos.
Er hatte uns 50 Tage vorher allein gelassen, allein unter all den
Andersdenkenden, die nicht gut auf uns zu sprechen waren, oder uns gar
nach dem Leben trachteten.
Wie soll das weitergehen? Ohne den Meister war das Leben sinnlos und
leer geworden. Als er da war, fühlten wir uns geborgen, er hatte immer den
rechten Rat. Nun sind wir allein und fühlen uns völlig kraftlos, wie
ausgebrannt.
Warum musste er uns auch verlassen? Hätte er nicht hier bei uns
bleiben und mit uns sein Reich begründen können, von dem er immer
sprach? Was nützt es uns, dass er auferstanden ist, wenn er jetzt nicht mehr
da ist und wir uns unendlich verlassen fühlen und anfangen, alles was uns
wichtig war, zu vergessen?
Aber sind wir da nicht ein wenig egoistisch, dass wir ihn allein für uns
haben wollen? Und die anderen, die vielen, die auch von ihm berührt
waren, die er geheilt und getröstet hatte, die gehen wohl leer aus? Und was
ist mit den vielen, die er noch für seine Pläne dazu gewinnen wollte. Wenn
er bei ihnen wäre, könnte er nicht bei uns sein und wir wären wieder allein.
Es ist sinnlos weiter darüber nachzugrübeln. Wir finden keine Lösung.
Er kann sich ja nicht zerteilen und für alle gleichzeitig da sein. Es ist zum
Verzweifeln. Was immer wir auch grübeln, wir finden keine Lösung.
Erst war es nur wie von ferne zu hören. Dann kam es immer näher und
füllte schließlich den ganzen Raum, dieses Brausen, dieses vielstimmige
Dröhnen und Klingen. Mit einem Mal war es als würde Feuer unser Haupt
versengen, wie wenn wir von einer lodernden Flamme umfangen und
durchdrungen wären und dann brannten plötzlich unsere Herzen lichterloh
vor Liebe und neuem Mut. Wir öffneten die Fenster und Türen und traten
hinaus.
Da waren Hunderte, ja vielleicht sogar Tausende von Menschen vor
dem Haus zusammengelaufen. Auch sie hatten dieses beängstigende und
zugleich friedvolle, harmonische Brausen und Klingen gehört. Wir gingen
hinaus und mischten uns unter die Massen. Aber was noch schlimmer war,
ein jeder von uns suchte sich einen Platz und begann wie von Sinnen zu
reden, wie wenn die Angst, die vorher noch bleiern lähmend über uns
gelegen hatte, mit einem Mal weggewischt worden wäre. Jeder von uns
GL 2/2011
Das Wunder des Pfingstgeistes
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sprach auf besondere Weise von dem, was mit ihm und uns geschehen
war.
Wir hatten plötzlich den Mut, laut und in aller Öffentlichkeit über ihn
und seine Wunder, über seine Ermahnungen und Zusagen zu reden. Wir
kannten uns selbst nicht mehr. Es war als ob uns ein anderer Geist
eingehaucht worden wäre. Viele von uns hatten sich auf eine Stufe oder
ein kleines Potest gestellt und redeten oft merkwürdige, fremdartig
klingende Dinge. Und was das Erstaunliche war, die Menschen um uns
konnten uns verstehen und wir fanden eine unglaubliche Zustimmung und
Begeisterung für die Gedanken, die in uns aufgestiegen waren, die unsere
Herzen erfüllten und die wir nun hinauszurufen begannen.
Später, als wir wieder alleine waren, gestand ein jeder von uns, dass er
sich selber nicht mehr kannte. Da sagte einer: War es nicht wie damals, als
er uns zu zweien oder dreien ohne Sack und Pack aussandte, als plötzlich
bei einem jeden von uns seine Gegenwart zu spüren war? Es war, als ob er
wieder da wäre und nun selber durch uns gedacht, gehandelt und
gesprochen hätte. Ja, es war uns ganz warm geworden im Herzen und alle
Ängste und Bedenken von vorher waren vergessen.
War es nicht plötzlich wieder fast so wie früher, wo er mitten unter uns
weilte, nur dass wir ihn nicht sehen konnten?
Das Erstaunliche war, dass dieses Gefühl seiner Geistgegenwart nun
nicht mehr schwinden wollte, dass jeder von uns, wo immer er auch
hinging, nie mehr alleine war. Und besonders dann, wenn es die Not
erforderte, war dieses Brausen und Klingen im Herzen, war die Stimme
unseres geliebten Meisters, war seine Heil- und Segenskraft immer wieder
deutlich zu spüren. Wenn er uns zeigte, zu wem wir sprechen, oder wem
wir die Hände auflegen sollten, der wurde an Geist, Seele und Körper
geheilt. Wenn er uns im Herzen rief, war uns nun kein Weg mehr zu weit
und keine Mühe zu groß, denn es gab von nun an nichts Schöneres für uns,
als die Herzenswünsche unseres geliebten Meisters zu erfüllen, der nun
seinerseits alle mit seinem Geist erfüllte, denen wir die Hände auflegten
und wir sie in seinem Namen segneten.
Es begeisterte uns von Tag zu Tag mehr, wenn wir sehen konnten, wie
nun unser Meister mit einem jeden ging, wie jeder von seiner Kraft erfüllt
und getröstet wurde, wenn er an ihn glaubte und sein Leben ihm
anvertraute. Und dann erinnerten wir uns wieder und verstanden mit einem
Mal viele seiner Worte.
„Ich sende euch den Tröster, den Geist der Wahrheit und
ich werde bei euch sein, alle Tage bis ans Ende der Zeit,
denn ich bin es: - der Weg, die Wahrheit und das Leben .“
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Vom geistigen Frühling
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Vom geistigen Frühling
„Was ist der Frühling und was kann man vom Frühling lernen?“
Was hier den Frühling anbelangt, so ist er in natürlicher Hinsicht nichts
anderes, als was ein jeder Mensch am Morgen nach dem Erwachen erlebt,
nämlich eine geweckte Tätigkeit aller Lebensgeister.
Wenn diese Lebensgeister durch das Licht und durch die zunehmende
Wärme aus ihrem Schlafe geweckt werden, so beginnen sie ihre
ordnungsmäßige Tätigkeit von vorne. Alle Sinne erschließen sich; der
Magen kündigt sein Bedürfnis nach Nahrung an, und alle Säfte des Körpers
beginnen einen lebhaften Kreislauf.
Sehet, also ist es auch in der großen Natur! Zahllose Äonen (Natur-)
Geister werden durch das Licht und die Wärme der Sonne aus ihrem starren
Winterschlafe geweckt, beginnen ihre vegetative Tätigkeit von neuem und
fangen an, allerlei Pflanzen, Kräuter, Sträucher und Bäume wie auch
zahllose Heere der kleinen Tierwelt zu bilden und zu entwickeln, und das
alles nach der festgesetzten Ordnung.
Sehet, das ist der natürliche Frühling! - Was kann man aber von diesem
lernen? - Ich sage euch - sehr vieles!
Ihr wisst, wodurch er natürlicherweise entsteht, nämlich durch das
wachsende Licht und durch die Wärme.
Nun sehet, wenn ihr recht emsig treu Mein Wort anhöret oder selbst
leset, so nähert sich da ebenfalls die große Geistessonne eurer irdisch
oder weltlich noch kalten nördlichen Winterzone des Herzens. Dieses
„Sonnenlicht“ entbindet da auch nach und nach stets mehr und mehr
Wärme, welche die Liebe zu Mir ist, zur wahren geistigen Lebenstätigkeit.
Wenn nun solches vor sich zu gehen anfängt, dann ist bei dem
Menschen der „geistige Frühling“ eingetreten.
Wie es aber ist, dass der natürliche Frühling nebst vielen nützlichen
Pflanzen und Tieren auch ebenso viele giftige und schädliche ins Leben
erweckt, also ist es auch mit dem geistigen Frühlinge, dass dadurch im
Menschen auch viele giftige und schädliche böse Geister geweckt werden,
aus welcher Ursache dann auch die Versuchungen zur Sünde mächtiger
werden als in dem leblos starren Winter, welcher ist die laue weltliche
Gewöhnlichkeit des Menschen.
Daher muss der Mensch in diesem geistigen Frühlinge einem
sorgfältigen Gärtner gleichen, der seine Bäumchen und Pflanzen sorgfältig
von den schädlichen Raupen reinigt und alles Unkraut ausjätet, damit der
edlen Bäume und Pflanzen Leben keinen Schaden leide.
Wer nun auf diese Art seinen Lebensbaum von allen den bösen
Begierden und Leidenschaften durch die kräftigen Werkzeuge, welche sind
GL 2/2011
Johannes Gommel
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die Selbstverleugnung und die Demut, emsig reiniget, der wird dann gewiss
auch im Sommer und Herbste seine Tätigkeit mit den herrlichsten, reif
gewordenen Früchten belohnt sehen.
Diese Früchte aber sind keine anderen als die Erscheinung des „Zeichens
des Menschensohnes am Himmel.“ Die „Geschlechter der Erde“ sind die
hinausgeschafften bösen Begierden und Leidenschaften. Und darauf erfolgt
„das Kommen des Menschensohnes auf den Wolken des Himmels mit
großer Kraft und Herrlichkeit.“
(HiG.01_41.05.01.b)
Johannes Gommel
„Strebet nach dem höchsten Gut, der heiligen Liebe! Und wenn ihr diese
Liebe so recht im Herzen traget, so werdet ihr auch niemandem unrecht
tun; denn die Liebe trägt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet
alles; die Liebe hört nimmer auf. Alles, was ihr auf Erden habt, müsst ihr
verlassen; aber die Liebe, das größte Gut, sie geht mit hinüber und wird
sich drüben immer noch mehr vervollkommnen. Wer dem Herrn Jesu
nachfolgt, der wird stets auf Seine Langmut, auf Seine Geduld schauen.
Wie ist Er so langmütig mit den Menschenkindern, wie trägt Er sie auf den
Armen der Liebe. Wie geduldig wartet Er, bis das Menschenkind auf Seine
Stimme hört. Sollte da nicht ein Kind Gottes in diesen Stücken wachsen
wollen und zunehmen, auf dass es dem Meister ähnlich werde? Wer redlich
ist, der wird es auch so weit bringen und wird wachsen in der Geduld, in
der Demut, in der Liebe. O strebet nach der Liebe, nach dem höchsten Gut,
welches euch anweist, stets zu handeln nach den Geboten des Herrn.
Dringet mehr hinein ins Herz Jesu, mehr in die Stille, o da lernt man so
viel! Mit den Sinnen nicht so viel hinaus, sondern hinein, da wirkt der Geist
und da wächst man von einer Stufe zur andern hier in dieser Zeit. Selig und
herrlich ist der, welcher in der Gnadenzeit ausgegangen ist von der
Sinnlichkeit aller Art; selig ist, welcher ausgegangen ist von der Welt und
ihren Vergnügungen fein und grob. Wer hier noch Genuss sucht, der ist
noch nicht völlig eingedrungen in die Liebe Jesu; denn ein Gotteskind will
erst dort Genuss empfangen, und dort wird es genießen von Ewigkeit zu
Ewigkeit. Dort wird es nie gestört, keine Krankheit, kein Schmerz, kein
Kummer trübt die Freude, man hat keine Sorgen mehr, in keiner Weise,
man hat von dem Herrn bekommen, was das Herz befriedigt. Weil man auf
Erden keinen Genuss suchte, so wird einem dort alles versüßt und man darf
sich freuen ewiglich. Alles wird einem abgezogen, was man hier genossen
hat, und was man um des Herrn willen verlassen hat, das bekommt man
dort in reichem Maße.“ (Quelle: Lebendiges Wasser, Rohm Verlag)
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Diamanten auf dem Weg
GL 2/2011
Diamanten auf dem Weg
Es war einmal ein Holzfäller, der jeden Tag in den Wald ging.
Manchmal musste er hungrig bleiben, weil es zu heiß war, manchmal weil
es zu kalt war.
In dem Wald lebte ein Mystiker. Er sah, wie der Holzfäller alt und
krank wurde, Hunger hatte und tagein, tagaus hart arbeitete. Er sagte: „Hör
mal, warum gehst du nicht ein bisschen weiter?“
Der Holzfäller sagte: „Was hab ich davon, wenn ich ein bisschen weiter
gehe? Mehr Holz? Das ich dann meilenweit schleppen muss?“
Der Mystiker sagte: „Nein“ Wenn du ein bisschen weiter gehst, findest
du eine Kupfermine. Du kannst das Kupfer in die Stadt bringen, und das
wird dir für sieben Tage reichen. Dann brauchst du nicht mehr jeden Tag
kommen und Holz fällen.“
Der Mann dachte bei sich: „Warum soll ich es nicht versuchen?“
Er ging weiter und fand die Mine. Und er war überglücklich. Er kam
zurück und fiel dem Mystiker zu Füßen. Der Mystiker sagte: „Freue dich
nicht zu sehr. Du musst noch ein bisschen tiefer in den Wald gehen.“
„Aber wozu denn?“ fragte der Mann. „Jetzt habe ich doch für sieben
Tage genug zu essen.“ „Trotzdem“, sagte der Mystiker.
Aber der Mann meinte: „Wenn ich weiter gehe, verliere ich die
Kupfermine.“
Jedoch er sagte: „Geh nur. Sicherlich verlierst du die Kupfermine, aber
dort gibt es eine Silbermine. Und was du von dort bringen kannst, reicht
dir für drei Monate.“
„Der Mystiker hat mit der Kupfermine recht gehabt“, dachte der Mann.
„Vielleicht hat er ja auch mit der Silbermine recht.“ Und er ging und fand
die Silbermine.
Tanzend kam er zurück und sagte: „Wie kann ich dir das je vergelten?
Meine Dankbarkeit ist grenzenlos.“
Der Mystiker sagte: „Aber nur ein paar Schritte weiter ist eine
Goldmine.“
Der Holzfäller zögerte. Er war eigentlich ein armer Mann. Schon eine
Silbermine war etwas, was er sich nie hätte träumen lassen.
Aber wenn es der Mystiker sagt, wer weiß? Vielleicht hat er ja wieder
recht. Und er fand die Goldmine. Jetzt hatte er so viel, dass er nur einmal
im Jahr zu kommen brauchte.
Der Mystiker sagte: „Es wird lange dauern. Du kommst erst in einem
Jahr wieder. Und ich werde alt. Vielleicht bin ich dann nicht mehr da,
vielleicht bin ich dann fort. Deshalb muss ich dir sagen, dass du bei der
GL 2/2011
Die fünf Weisen
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Goldmine nicht aufhören sollst. Nur ein Stückchen weiter...“
Aber der Mann meinte: „Warum? Was soll das? Du zeigst mir etwas,
und kaum habe ich es, sagst du mir, ich soll es wieder loslassen und
weitergehen. Jetzt habe ich die Goldmine gefunden!“
Der Mystiker sagte: „Aber ein paar Schritte weiter im Wald ist eine
Diamantmine.“
Der Holzfäller ging noch am selben Tag los und fand sie. Er brachte
viele Diamanten mit und sagte: „Das reicht mir für mein ganzes Leben.“
Der Mystiker sagte: „Jetzt treffen wir uns vielleicht nie mehr wieder,
deshalb ist hier meine letzte Botschaft an dich: Jetzt, wo du für dein ganzes
Leben genug hast, geh nach innen! Vergesse den Wald, die Kupfermine,
die Silbermine, die Goldmine und die Diamantmine. Jetzt verrate ich dir
das letzte Geheimnis, zeige dir den größten Schatz, der in dir ist. Deine
äußeren Bedürfnisse sind erfüllt. Setz dich hin, so wie ich hier sitze.“
Der arme Mann sagte: „Ja, ich habe mich schon gefragt. Du weißt von
all diesen Schätzen - warum sitzt du die ganze Zeit hier? Die Frage hab ich
mir immer wieder gestellt. Und ich wollte dich gerade fragen: Warum
holst du dir nicht die ganzen Diamanten, die dort herumliegen? Nur du
weißt davon. Warum sitzt du die ganze Zeit unter diesem Baum?“
Der Mystiker sagte: „Nachdem ich die Diamanten gefunden hatte, sagte
mir mein Meister: Jetzt setz dich unter diesen Baum und gehe nach innen.“
Die fünf Weisen
Es waren einmal fünf weise Gelehrte. Sie alle waren blind. Diese
Gelehrten wurden von ihrem König auf eine Reise geschickt und sollten
herausfinden, was ein Elefant ist. Und so machten sich die Blinden auf die
Reise nach Indien. Dort wurden sie von Helfern zu einem Elefanten
geführt.
Die fünf Gelehrten standen nun um das Tier herum und versuchten,
sich durch Ertasten ein Bild von dem Elefanten zu machen. Als sie zurück
zu ihrem König kamen, sollten sie ihm nun über den Elefanten berichten.
Der erste Weise hatte am Kopf des Tieres gestanden und den Rüssel
des Elefanten betastet. Er sprach: „Ein Elefant ist wie ein langer Arm.“
Der zweite Gelehrte hatte das Ohr des Elefanten ertastet und sprach:
„Nein, ein Elefant ist vielmehr wie ein großer Fächer.“
Der dritte Gelehrte sprach: „Aber nein, ein Elefant ist wie eine dicke
Säule.“ Er hatte ein Bein des Elefanten berührt.
Der vierte Weise sagte: „Also ich finde, ein Elefant ist wie eine kleine
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Das Hemd eines Glücklichen
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Strippe mit ein paar Haaren am Ende“, denn er hatte nur den Schwanz des
Elefanten ertastet.
Und der fünfte Weise berichtete seinem König: „Also ich sage, ein
Elefant ist wie ein riesige Masse, mit Rundungen und ein paar Borsten
darauf.“ Dieser Gelehrte hatte den Rumpf des Tieres berührt.
Nach diesen widersprüchlichen Äußerungen fürchteten die Gelehrten
den Zorn des Königs, konnten sie sich doch nicht darauf einigen, was ein
Elefant wirklich ist.
Doch der König lächelte weise: „Ich danke Euch, denn ich weiß nun,
was ein Elefant ist: Ein Elefant ist ein Tier mit einem Rüssel, der wie ein
langer Arm ist, mit Ohren, die wie Fächer sind, mit Beinen, die wie starke
Säulen sind, mit einem Schwanz, der einer kleinen Strippe mit ein paar
Haaren daran gleicht und mit einem Rumpf, der wie eine große Masse mit
Rundungen und ein paar Borsten ist.“
Die Gelehrten senkten beschämt ihren Kopf, nachdem sie erkannten,
dass jeder von ihnen nur einen Teil des Elefanten ertastet hatte und sie sich
zu schnell damit zufrieden gegeben hatten.
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Das Hemd eines Glücklichen
Es war einmal ein mächtiger König, der wurde sehr krank und keiner
seiner Ärzte konnte ihm helfen. Da schickte er nach dem Weisesten seines
Reiches und fragte ihn: „Was kann ich tun, um wieder gesund zu werden?“
und der Weise sagte: „Was dir fehlt, ist das Hemd eines Glücklichen.
Trage das Hemd eines Glücklichen und du wirst wieder ganz gesund.“
Der König schickte sofort seine Reiter in sein Land, um ihm das Hemd
eines Glücklichen zu bringen. Die Reiter fragten jeden, ob er glücklich sei.
Der eine sagte, er sei so arm, dass er nicht glücklich sein könne, ein
anderer sagte: „Ich habe gerade mein Kind verloren, wie kann ich da
glücklich sein?“ Ein anderer meinte wiederum, er habe alles was man sich
wünschen könne, er sei zwar nicht glücklich, aber zufrieden.
Und so kehrten die Reiter, nach langer Suche enttäuscht in den Palast
zurück. Keiner in diesem Land schien wirklich glücklich zu sein.
Ein Reiter aber, der auf seiner Suche nach dem Hemd eines glücklichen
bis an die entferntesten Winkel des Reiches gelangt war, fand einen armen
Mann auf einem Feld bei der Arbeit und weil er schon jeden gefragt hatte,
fragte er auch diesen Alten ob er glücklich sei. Zu seiner Überraschung
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Die Geschichte eines Menschen der beten lernen wollte
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entgegnete ihm der arme Mann: „Ja, ich bin wirklich glücklich!“
Da war auch der Reiter glücklich, dass er seinen Auftrag erfolgreich
ausführen konnte und sagte zu dem Alten: „Gib mir dein Hemd für den
König.“
Da sagte der Glückliche: „Aber ich habe gar kein Hemd.“
Mit dieser Botschaft kehrte der Reiter zurück zu seinem König. Dieser
aber erkannte die Botschaft, dass man Glück nicht haben kann und jeder
alles hat, um glücklich zu sein und er wurde wieder gesund.
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Die Geschichte eines Menschen der beten lernen wollte
In den Wäldern der Vogesen lebten einst viele Einsiedler. Einer von
ihnen stand im Ruf großer Heiligkeit. Oftmals hatten Leute aus der
Gegend ihn gebeten, sie zu sich zu nehmen und sie beten zu lehren. Aber
alle erhielten die gleiche verneinende Antwort. Außer einem. Den Grund
erzählte dieser selbst kurz nach dem Tod seines Meisters.
Im Alter von achtzehn Jahren hatte ich mich ihm vorgestellt und ihn
gebeten, bei ihm bleiben zu dürfen. Auf seine Frage: „Warum?“ hatte ich
geantwortet: „Weil ich beten lernen möchte.“- „Und warum willst du beten
lernen?“ „Weil das die höchste Wissenschaft ist“ - „Ich würde dich gerne
annehmen, aber ich kann nicht“, antwortete er.
Nach drei Jahren besuchte ich ihn wieder. Er empfing mich herzlich,
wie ein Vater und stellte mir von neuem die Frage: „Warum willst du
beten lernen?“ - „Um ein Heiliger zu werden.“ Ich war überzeugt, dass er
mich diesmal annehmen würde. War ein solcher Beweggrund nicht der
höchste, der sich denken ließ? Aber er gab mir erneut eine abschlägige
Antwort, und tief enttäuscht verließ ich ihn.
Ich nahm die Feldarbeit wieder auf. Doch mehr als zuvor plagte mich
der Wunsch zu beten. Wenn ich an den dachte, der dort oben so vertraut
mit seinem Gott lebte, wurde mein Verlangen noch stärker. In einer Nacht
erhob ich mich plötzlich: Die Gewissheit hatte sich in mir festgesetzt, dass
er mich diesmal annehmen würde. Bei meiner Ankunft betete er und hörte
mich nicht. Ich wartete lange; meine Ungeduld beruhigte sich nach und
nach. Als er sich umwandte, schien er über meine Gegenwart gar nicht
erstaunt zu sein. Ohne ihm Zeit zu lassen, Fragen zu stellen, nahm ich das
Wort: „Ich möchte beten lernen, weil ich Gott finden möchte.“ Da schloss
er mich in seine Arme.
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Weltentstehung in antiken Lehrtext
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Buchbesprechung
Weltentstehung in antiken Lehrtexten
Dr. HANNELORE WINKLER M.A.
Archäologin, Alt-Historikerin
Von der Ur- und Schöpfungsgeschichte zur Kulturentwicklung
Anhang: Neuoffenbarungen und Naturwissenschaft
Das Werk zur Weltentstehung beantwortet Fragen, die sich ein an der
europäischen Kulturhistorik interessierter Leser stellt.
Ausgehend von religiösen Texten ab dem 2. Jahrtausend. v. Chr. aus Israel,
Kanaan, Mesopotamien und Sumer werden alle entsprechenden Aussagen zur
Weltentstehung in Übersetzung vorgestellt. In den alten Kulturen wurden die
entwicklungsgeschichtlichen Vorgänge der Schöpfung durch Entsprechungen
vorgetragen. Weshalb man heute von Mythen und Epen spricht. Tatsächlich
handelt es sich um kultische Texte, in denen über tatsächliche Geschehnisse
berichtet wird, so dass der Zuhörer über vorausgegangene Zeiten unterrichtet
wird; ganz so, wie in der hebräischen Thora. Als Verursacher der Welt- und
Kulturentstehung wird interkulturell ein Gott vorausgesetzt. Dieser Eine GOTT
ist männlich und wird teilweise zweigeschlechtlich gedacht. Aus dem Einen
entsteht in der zweiten/dritten Generation das weibliche Prinzip und damit die
Fähigkeit zur Reproduktion. Aus orientalischer, ägyptischer und griechischer
Sichtweise findet die Fortpflanzung zuerst unter Göttern, dann unter Menschen
statt. Nachdem zu allen Zeiten nach dem woher der Menschen gefragt wurde
und sich in dieser Frage viele unterschiedliche Meinungen unter griechischen
Philosophen und lateinischen Kirchenlehrern gebildet hatten, und heute von
Naturwissenschaftlern ungeheure Mittel vergeudet werden, um Antworten zu
geben, wurde es notwendig, dass Gott bzw. Jesus Christus seit 1840 durch sein
„Neues Wort“ den Menschen zur Aufklärung verhalf. Die von JAKOB LORBER
aufgeschriebenen Neuoffenbarungen (1840–1864) geben Antworten zur
Wirkung Gottes in der Geschichte, Erklärungen zum Gang der Geschichte und
zur Bedeutung der Heiligen Schrift der Hebräer. Vor allem aber geben sie
Auskunft darüber, wie Gottes Geist auf Menschen einwirkt.
Ab 4151 v. Chr. beginnt in der Weltgeschichte ein neuer Zeitabschnitt mit
den Adamiten. Es handelt sich um die Kulturstufe I einer neuen
Menschenrasse mit neuen Genen, die zuerst in Bethlehem, dann im Kaukasus
lebte (Lorber, Gr. Ev. Joh. VIII, 86, 3). Mit dieser Epoche setzen die Berichte
im Alten Testament (AT) ein. Das AT bezieht sich nur auf den Gang der
Geschichte seit Adam, nicht auf eine Beschreibung der Entwicklung der Erde.
Was von Forschern bisher falsch verstanden wird.
Die geistige Kulturstufe 1 währt 1656 Jahre und reicht bis zur Sündflut im
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Weltentstehung in antiken Lehrtexten
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Jahr 2495 v. Chr. In dieser Zeit wird 3231 v. Chr., noch unter Adam († 3221 v.
Chr.), die erste Kirche im Kaukasus unter den Sethiten und im Staat Hanoch
unter den Hanochiten eingerichtet. Nach dem Untergang der ersten Hochkultur
im Land Nhod, in Zentralasien, beginnt die Kulturstufe II unter den
Noachiden in Urartu/ Armenien, dann im hamitischen Kanaan und im
semitischen Sumer. Ab ca. 2350 v. Chr. leben die Semiten, Hamiten und
Japhiten weit verbreitet und sind Herren ihrer neuen Länder, worüber neben
den Neuoffenbarungen auch das im 2. Jh. v. Chr. in hebräisch verfasste Buch
der Jubiläen Auskunft gibt. Erhalten davon haben sich einige Fragmente in
lateinischer Übersetzung, die auch in deutscher Übertragung vorliegen.
Von den Adamiten–Noachiden der Kulturstufe II stammen die heutigen
Menschen ab. Die neue Kultur begann 2494 v. Chr. unter Noach (3095–2145 v.
Chr.) im Norden des Ararats, in Aserbaidschan, da wo heute Eriwan liegt;
durch Sem ca. 2400 v. Chr. (2592–1992 v. Chr.) im heutigen Iran, er wohnte
östlich des Berges Ararat; durch Japhet im Gebiet westlich des Ararats in der
heutigen Türkei; durch Ham 2483 v. Chr. in Tyrus in Kanaan (Hgt. III, 363, 8).
Nach der Verteilung des Landes durch Noach 2387 v. Chr. erblühen die
semitischen Hochkulturen durch Ashur in Assyrien, durch Aram in
Mesopotamien, durch Elam in Persien und durch Arphaxad (2492–2054 v.
Chr.) und seine Nachfahren in Sumer. Parallel dazu entwickeln sich hamitische
Hochkulturen unter Ham und Kanaan in Kanaan; unter Nimrod in Babel und
unter Mizraim und Kusch in Ägypten.
Anhand des Fixpunktes 4151 lassen sich alle Angaben im AT berechnen.
Insofern ist es mir gelungen, die Sündflut, die Lebenszeit des Abraham und des
Moses zu bestimmen, dazu den Zeitpunkt des Auszugs aus Ägypten, den
Termin der Landnahme und die Epoche der Richterzeit. Das Buch
Weltentstehung (2009) ist als ein Anschlusswerk zur Untersuchung zu den
Sündfluttexten zu verstehen. Mein Verdienst ist es, genaue historische
Datierungen ab 4151 v. Chr. vorzulegen. Dazu die genealogische Reihe, d.h.
die Lebenszeiten aller Erzväter, Vorväter, Väter und Davididen zeitlich
festzulegen. Meine Ausführungen reichen bis zur Geburt Jesu von Nazareth in
Bethlehem am 7.1.7 v. Chr.
Den Schöpfungsbericht in der Genesis, 1.Mo, in dem von sechs
Schöpfungstagen die Rede ist, erkläre ich gemäß dem „Neuen Wort“ des
HERRN. Durch JAKOB LORBER wird ausgeführt, dass sich diese Textstelle auf
die Einrichtung der ersten Kirche 3231 v. Chr. bezieht, die im Wesentlichen
innerhalb von 6 Tagen erfolgte (Hgt. II, 172, 1). Im Jahr 3231 v. Chr., 10 Jahre
vor dem Tod des Adam, war der Herr für zwei Monate unter seinen Kindern im
Kaukasus und lehrte sie viele Fertigkeiten. Er nimmt mehrere Erscheinungen
an: Asmahael – Emanuel – Abba – Abedam. Adam sieht zu diesem Zeitpunkt
seinen Schöpfer zum ersten Mal in Menschengestalt persönlich auf der Erde.
Garbiel und Besediel, Söhne des Seth, lernten die Buchstaben, die Schrift (Hgt.
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Weltentstehung in antiken Lehrtexten
GL 2/2011
II, 97, 4ff.) und die Ausdrucksweise gemäß der Entsprechungslehre.
Zur Siedlungsgeschichte der Noachiden nach der Flut liefern die
archäologischen sprach- und naturwissenschaftlichen Forschungsergebnisse der
letzten Jahre ein ungefähres Bild. Zur Beantwortung der Frage „was wussten
die Alten Kulturen über die Schöpfung und den Einen Gott“ habe ich die
keilschriftlichen Lehrtexte aus Sumer und Alt-Babylonien ab dem 2. Jt. v. Chr.
untersucht. Es betrifft die aussagefähigen Textstellen im sumerischen
Gilgamesch-Epos, im akkadischen Enūma-Eliš-Epos, im spätbabylonischen
Atram-Hasis-Epos, im sumerischen Lugalbanda-Enmerkar-Epos und im
sumerischen Ziusudra-Epos. Das gleiche gilt für die schriftlichen Zeugnisse aus
Kanaan, Kleinasien, Ägypten und Griechenland. Jedes der sechs Kapitel ist
untergliedert in Teil A Schöpfungsgeschichte und Teil B Kulturentwicklung.
Besonders zu beachten gilt, dass die Geschichte Israel-Judäa kulturhistorisch
und politisch komplett dargestellt wird. Und das im Hinblick auf die Ereignisse
in den sie umgebenden Parallelkulturen des 2. und 1. Jahrtausend v. Chr. Im
Anhang werden schließlich die Entwicklungsstufen der Erde, der Pflanzen, der
Tiere und der (Tier-)Menschen zusammengefasst, so wie das heute von
Naturwissenschaftlern vorgetragen wird. Im Kontrast dazu führe ich aus meiner
geistes- und kulturwissenschaftlichen Perspektive die Neuoffenbarungen des
JAKOB LORBER zur Entstehung des Himmels, der Planeten, der Erde und der
fortschreitenden Kulturen unter Gottes Führung an. Dies ist notwendig, damit
Wissenschaftler zur Kenntnis nehmen, dass Gottes Wort unter uns ist.
Diesbezügliche Schriften müssen nur gelesen werden. Lediglich von
Fachkollegen und Kennern alter Schriften kann beurteilt werden, ob ehemals
vorhandene Schriften neu offenbart wurden, z.B. das 6. und 7. Buch Mose, oder
ob Gott uns mit neuen Offenbarungen über tatsächliche alte Verhältnisse
genauer in Kenntnis setzt. Und darüber hinaus deutlich sagt, wie es sich mit
Geburt, Tod und mit dem Leben nach dem Tode im Geiste verhält. Lorbertexte
finden sich nicht nur im Anhang, sondern durchsetzen alle Kapitel.
Als Wissenschaftlerin war es nicht meine Absicht, die Aussagen LORBERS
historisch zu belegen. Das wird nicht gehen, da meines Erachtens viele
archäologische Datierungen in Sumer und in Israel falsch angesetzt sind.
Vielmehr ging es mir darum, Forschunglücken durch LORBER-Aussagen zu
schließen. Alles was bei Forschern bislang nicht zusammenpasst, müsste auf der
Grundlage der Neuoffenbarungen beurteilt werden. Das ist eine anspruchsvolle
Aufgabe, die ich nicht alleine durchführen kann. Sie betrifft den Kern des
Gegensatzes zwischen theoretischer Wissenschaft und dem Glauben an Gottes
Wahrheitslehren.
HANNELORE WINKLER : Weltentstehung in antiken Lehrtexten. Von der Ur- und Schöpfungsgeschichte
zur Kulturentwicklung; © LIT VERLAG Dr. W. Hopf Berlin
Reihe Religionswissenschaft: Forschung und Wissenschaft Bd. 6
ISBN 978-3-643-10445-8, 380 Seiten, 10 Karten, 1 Klapptafel; Euro 34,90;
http://www.lit-verlag.de/isbn/978-3-643-10445-8; Bestellung bei Autorin € 30,- 33.1.11xy1@gmx.net
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Verschiedenes
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Herbst-Tagung der Schweizer Lorberfreunde
im Bildungszentrum Matt, CH 6103 Schwarzenberg
vom 29. Sept. bis 2. Oktober 2011
Vorträge:
Karl Ulrich - Cyrenius
Dr. Gerhard Jaritz - Die wahre Buße
Franz Schnyder - Urknall oder Urschwung?
Gerd Kujoth - Der Tod des Leibes und das ewige Leben der Seele
Wilfried Schlätz - Das Schulhaus der 12 göttlichen Gebote
Anmeldung und Auskunft: Maria Tanner, Küntwilerstr. 77
CH-6343 Rotkreuz ZG, Tel.: (0041) (0) 41 311 16 42
Programm und Anmeldeformular unter:
www.lorber-gesellschaft.de/Tagungen
Lorber-Freundeskreise
Immer wieder wird bei der Lorber-Gesellschaft nach Kontaktadressen
der Freundeskreise in den verschiedenen Regionen Deutschlands und
des Auslandes angefragt. Doch leider sind die vorhandenen
Kontaktadressen der Freundeskreise selten aktuell.
Wir bitten daher alle Freundeskreise im In– und Ausland ihre aktuellen
Kontaktadressen an die Lorber-Gesellschaft zu übermitteln, sofern es
gewünscht ist diese an Suchende weiterzugeben, um so die Möglichkeit
der Kontaktaufnahme zu bieten.
Lorber-Gesellschaft, Pf. 114, 83731 Hausham, Tel. 08026-8624
E-Mail: lorber-gesellschaft@web.de
Inseratenwerbung der Werke Jakob Lorbers
Geistesbruder Helmut Betsch wirbt seit Jahren in Zeitungen und
Zeitschriften für die Werke Jakob Lorbers.
Die erfolgreiche Zeitschriftenwerbung in den letzten Jahren bestätigt
diese segensvolle Arbeit. Um diese auch zukünftig weiterführen zu
können, ist er auf unsere finanzielle Unterstützung angewiesen.
Wer diese segensvolle Arbeit finanziell unterstützen möchte, kann ihm
seinen Beitrag auf untenstehendes Konto überweisen.
Helmut Betsch, Postbank-Konto-Nr. 237410-705, BLZ 60010070
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Verschiedenes
GL 2/2011
(Betreutes) Wohnen auf dem Bauernhof im Biosphärenreservat Rhön
Noch zu rüstig fürs Altenheim, aber auf Unterstützung angewiesen?
Oder das Bedürfnis, mit christlichen Menschen in Frieden
zusammen zu leben? Raum für Gemeinsamkeit aber auch Einsamkeit?
Hier ist eine Wohnung frei: Bauernhaus (Fachwerk), mitten in einem
kleinen Ort 30 km NO von Fulda. 1. Etage, neu renoviert 2 ZKB/WC
An ruhige Person, Nichtraucher
Tel.: 06651-217625 (Schäfer) oder 06651-1490 (Weber)
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30 km von Fulda, im Biosphärenreservat Rhön, zu verkaufen.
Infos bei: Hedwig Czernek, Tel.: 06651-919578, hewdig.cz@gmx.de
Leben in Portugal
Leben wie Adam und Eva auf biologisch bearbeitetem Grundstück
mit See, Obstbäumen und Esel in Portugal.
Ich freue mich auf tätige Christen in jeder Beziehung.
Kontakt: Anneliese Metz, Casas Novas Do Vale Negro,
P-7665-881 Pereiras-Gare, Portugal.
Tel.: 00351 283 881955
Suche Bücher von Peter Helfer
Ich suche Bücher von Peter Helfer, unter anderem: „Diesseits und
„Jenseits, sowie „Die Bibel im Lichte der Wahrheit“.
Kontakt unter: Konrad Friedrich, Feldschmiede 9D,
22159 Hamburg, Tel.: 040-6439964
Berichtigung
Der Beitrag unter dem Titel: „Unsere Gedanken sind unser Schicksal“
im letzten Heft (Nr. 1/2011) war nicht von Peter Keune,
sondern von seiner Frau Saskia Keune verfasst.
Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
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Jahrestagung der Lorber-Gesellschaft
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Jahrestagung der Lorber-Gesellschaft
vom 12. bis 17. Juni 2011
im Hohenwart Forum
Schönbornstraße 25, 75181 Pforzheim-Hohenwart
Telefon: 07234/606-0, Telefax: 07234/606-46
In der geografischen Mitte zwischen Stuttgart und Karlsruhe liegt das
Hohenwart Forum, ein modernes Tagungs- und Bildungszentrum der
Evangelischen Kirche in Pforzheim.
Mit seiner preisgekrönten Architektur bietet es den Gästen eine Fülle
von Raum in einer offenen und lichten Wiesenlandschaft.
Die Anlage fügt sich aus mehreren achteckigen Häusern zusammen, die
in sich zentriert und miteinander verbunden eine Einheit bilden. Raum
für Bildung und Begegnung, Arbeits- und Gesprächsgruppen.
Das Forum bietet 40 Doppel- und 54 Einzelzimmer mit Dusche/WC und
Telefon.
Die Anmeldung und Abrechnung der Tagungsteilnehmer erfolgt direkt
beim „Hohenwart Forum“.
Das umseitige Anmeldeformular (auch im Internet unter www.lorbergesellschaft.de) bitte ausschneiden oder kopieren, ausfüllen und direkt
an das Hohenwart-Forum einsenden oder faxen.
Eine weitere günstige Unterbringungsmöglichkeit in Ferienhäusern mit
je 3 Doppelzimmern bietet ca. 3 Kilometer vom Forum entfernt der
Ferienpark Schwarzwald, Birgit u. Gebhard Mühltaler
75242 Neuhausen-Schellbronn, Tel.: 07234/1408
Geschwister, die die Kosten nicht oder nur teilweise aufbringen können,
wenden sich bitte vertrauensvoll an die Lorber-Gesellschaft.
Anmeldebogen zur
Tagung der Lorber-Gesellschaft e.V.
vom 12.6. - 17.6. 2011 im Hohenwart Forum
Tagungsbeginn:
Tagungsende:
Sonntag, den 12. Juni 2011 (zum Abendessen)
Freitag, den 17. Juni 2011 (nach der Verabschiedung)
Hiermit melde(n) ich mich / wir uns verbindlich zur obigen Veranstaltung an.
Anreise am: ….....…... zum
Mittagessen bzw.
Abendessen
Abreise am: ….....…….nach dem
Frühstück
Mittagessen
Abendessen
1. Vorname, Name: .............................................................................................
Straße, Nr., PLZ, Ort: ........................................................................................
Telefon-Nr. ......................................................................................................
2. Vorname, Name: .............................................................................................
Straße, Nr., PLZ, Ort: ........................................................................................
3. Kinder, Name, Alter: ......................................................................
Ich bin bereit, mit einer/m anderen Teilnehmer/in ein Zimmer zu teilen.
Ich bin Tagesgast ohne Übernachtung am: So Mo Di Mi Do Fr
und nehme am
Mittagessen (14,- €), am
Ich / wir wünsche(n):
Abendessen (11,- €) teil.
Normalkost
vegetarische Kost
310,- € pro Person
für die gesamte Tagung,
inkl. Übernachtung und Vollpension
Kinder von 4-14 Jahren erhalten eine Ermäßigung von 50 %.
Zusätzlich wird eine Tagungsgebühr von 25,- € / Pers. erhoben.
Bitte überweisen Sie nur diese vor der Tagung mit beiliegenden
Überweisungsträgern in der Heftmitte unter dem Stichwort: „Tagungsgebühr“.
Die Tagungsgebühr für Tagesgäste (5,- €/Tag) erbitten wir vor Ort zu entrichten.
Um möglichst vielen Geistesfreunden die Teilnahme an der Tagung zu ermöglichen,
sollen die Doppelzimmer möglichst mit zwei Personen belegt werden. Wir bitten
dies bei der Anmeldung zu berücksichtigen und eine zweite Person direkt zu benennen.
Datum / Unterschrift: .....................................................................................................................
Anmeldebogen bitte direkt an das Hohenwart Forum senden bzw. faxen:
Schönbornstraße 25, D-75181 Pforzheim-Hohenwart, Tel.: 07234-606-0, Fax: 07234-606-46
„Und hättet ihr nicht
das ganze Universum in euch“
Neu digitalisierte Bearbeitung des Lorberfilms auf DVD
Der 1989 von der Lorber-Gesellschaft produzierte Dokumentarfilm über
das Leben und Werk Jakob Lorbers war bisher nur im VHS-Format als
Videokassette erhältlich.
Da dies mittlerweile ein veraltetes und nicht mehr gebräuchliches System
ist, hat die Lorber-Gesellschaft die Produktion des Filmes auf Videokassetten eingestellt.
Um den Film in einer bestmöglichen Qualität als DVD herauszugeben, hat
die Lorber-Gesellschaft den Film durch ein professionelles Filmstudio neu
digitalisieren und bearbeiteten lassen.
Der Film liegt nun in zwei Sprachen, Deutsch und Englisch, und im 4:3
und 16:9 Format auf der DVD vor. Die Spieldauer beträgt 45 Min.
Die DVD „Und hättet ihr nicht das Universum in euch“
ist zu einem Preis von 9,90 € plus Versandkosten erhältlich bei:
Lorber-Gesellschaft e.V.
Postfach 114
83731 Hausham / Deutschland
Tel.: 08026-8624 / Fax: 08026-3294
Email: lorber-gesellschaft@web.de
Besinnliche Texte zur Meditation
„Der Weg, der zum Leben des Geistes führt, ist ein dorniger
und schmaler! Das will soviel sagen als: Alles, was dir in
diesem Leben von Seiten der Menschen auch immer
Ärgerliches, Bitteres und Unangenehmes begegnen kann,
das bekämpfe du mit aller Geduld und Sanftmut, und wer dir
Übles tut, dem tue nicht wieder dasselbe zurück, sondern
das Gegenteil, so wirst du glühende Kohlen über seinem
Haupte sammeln! Wer dich schlägt, dem vergelte nicht Gleiches mit
Gleichem, nimm lieber noch einen Schlag von ihm, auf dass Friede und
Einigkeit zwischen euch sei und bleibe; denn nur im Frieden gedeiht das
Herz und des Geistes Wachstum in der Seele.“ (GEJ.04_078,05)
Jakob Lorber 1800-1864)
JKJKJKJKJK
„Der höchste Grad der Arznei ist die Liebe. –
Was ist die Hilfe der Arznei anderes als Liebe?“
Paracelsus (1493-1541)
JKJKJKJKJK
„Die Liebe beginnt da, wo das Denken aufhört. Wir brauchen
aber die Liebe von Gott nicht zu erbitten, sondern wir
müssen uns für sie nur bereit halten.“
Meister Eckhart (1260-1328)
JKJKJKJKJK
„Wenn man einmal ganz in das Reich der Liebe eingetreten
ist, dann wird die Welt, so mangelhaft sie auch ist, dennoch
schön und reich; denn sie besteht aus lauter Gelegenheiten
zur Liebe.“
Sören Kierkegaard (1813-1855)
JKJKJKJKJK
„Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren der Liebe,
die wir hinterlassen, wenn wir gehen.“
Albert Schweitzer (1875-1965)
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Seele and Geist
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