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Die Braut, die sich was traut - Vera Zischke

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Das Magazin für Reise und Freizeit
12. September 2009
Wochenende
Hockey: Beliebiger Name, fantastische Songs
Aus dem Inhalt
Strand-Mats hat alles fest im Blick
Er ist 23 Jahre jung, blond, schlank, immer gut
gelaunt: Mats ist Student in Kopenhagen, aber
in der Saison schiebt er Rettungsdienst an der
Nordsee in Henne Strand. „Keine schlimmen
Unfälle diesmal“, meldet der „Livredder“.
Urlauber in Westjütland lieben ruhige Strandwanderungen und Erholung im Ferienhaus.
» Reise Seite 5
Goldener Herbst in Franken
Das Laub raschelt unter den Füßen, die Sonne
schickt die letzten wärmenden Strahlen über
die abgeernteten Felder. Auf rund 520 Kilometern Länge führt der Frankenweg vom Rennsteig über den Frankenwald, die Höhlenlandschaft der Fränkischen Schweiz und die Burgenwelt der Frankenalb bis ins Altmühltal.
» Reise Seite 11
AUF DEN SPUREN DER BEATLES
„Yeah Yeah Yeah“
Auf den Spuren der Beatles rollt ein Bus durch Hamburg: Es geht jeden Freitagabend zu den Originalschauplätzen, an denen die Pilzköpfe einst wirkten.
An Bord spielt eine Live-Band Songs der „Fab Four“.
Außerdem erfahren die Teilnehmer allerhand Anekdoten und Geschichten aus der Zeit vor fast 50 Jahren:
Vom 18. August 1960 an spielten die Liverpooler fast
täglich in Clubs an der berüchtigten Großen Freiheit.
Die Tour rund um die Reeperbahn startet um 20 Uhr,
dauert 90 Minuten und kostet 27 Euro.
Ewww.beatlesbus.de
FOTO-SHOOTING Wer
sagt eigentlich, dass
Hochzeitsfotos vor
geschmückten
Karossen, in Gärten
oder vor Schlössern
entstehen müssen?
Im Trend liegen
Bilder, die nicht
jede hat. Und die
keine Rücksicht
aufs Kleid nehmen.
Grau, klamm, ungemütlich. So empfinden wir
in Deutschland meist einen Regentag. In Asien
sieht das anders aus: In der Regenzeit ist es grüner, ruhiger und für Urlauber günstiger als
sonst. Wer eine Tour nach Nepal, Thailand
oder Bali plant, muss die nassen Monate nicht
ausklammern. Für manche sind Reisen in der
Regenzeit sogar ein Geheimtipp.
» Reise Seite 12
Wochenende
Gemeinsame Beilage von
Westdeutsche Zeitung
Remscheider General-Anzeiger
Solinger Tageblatt
Die Braut, die
sich was traut
Von Vera Zischke
Aus Amerika schwappt eine
ganz neue Form der Hochzeitsfotografie herüber. Da räkeln sich Bräute im Schlamm
oder springen ganz in Weiß
ins Meer. Hauptsache, sie
nehmen keine Rücksicht aufs
Kleid.
Dabei sind Hochzeitsfotos
doch für die Ewigkeit gemacht. Die zeigt man noch
den Enkeln. Gut möchte man
darauf aussehen, möglichst
makellos.
Wenn Michaela Strauß
ihre Hochzeitsfotos zeigt, ist
zu sehen, wie sie mit einem
wunderschönen Brautkleid
im Rhein steht und von oben
bis unten mit Matsch besudelt
ist. Sie sieht dabei sehr glücklich aus. Sie wollte es so.
„Trash the Dress“ (Zerstöre das Kleid) heißt diese eigenwillige Form der Hochzeitsfotografie, die gerade in
unseren Breiten Fuß fasst.
Damien Küpper aus Wuppertal ist einer der wenigen Fotografen, die diese Shootings
hierzulande anbieten. Er erklärt: „Am Tag der Hochzeit
passt die Braut sehr auf ihr
Kleid auf, möchte gut aussehen und hat eigentlich gar
keine Zeit fürs Shooting.
Hochzeitsfotos wirken dann
oft gestellt.“ Trash-DressShootings finden also grundsätzlich nach der Hochzeit
statt. Und dann gilt: Alles ist
erlaubt.
Hochzeitsfotos hat jeder, ich
wollte etwas Verrücktes machen. Durch das Internet bin
ich auf Trash-the-Dress-Fotos gestoßen.“
Entscheidend, sagt Fotograf Damien Küpper, sei es,
eine natürliche Atmosphäre
zu schaffen, die zur Braut
passt. „Die meisten Menschen
finden immer noch den Gedanken toll, sich am Hochzeitsauto vor dem Schloss fotografieren zu lassen. Auf solchen Bildern sieht man alles,
nur keine Emotionen.“
Monica Fernandez aus
Remscheid hat gemeinsam
mit ihrem Mann beschlossen,
dass das klassische Hochzeitsbild einfach nicht zu ihnen
passt. „Wir wollten, dass die
Bilder uns so zeigen, wie wir
sind.“ In einem Internetforum fand sie elf weitere Bräute, die auf der Suche nach
dem etwas anderen Hochzeitsfoto waren. Kurzerhand
organisierten die Frauen aus
NRW ein gemeinsames Shooting in Hamburg. Treffpunkt
war ein Hotel, der Tag begann
mit professionellem Styling.
Fotografiert wurde auf der
Reeperbahn und am Containerhafen.
Zerreißen? Verbrennen?
„Die meisten entscheiden sich gegen die
komplette Zerstörung
des Kleides, obwohl das
sicher die tollsten Fotos
werden.“
Monica Fernandez, Braut
■
Im Sattel oder beim
Ölwechsel: „Es geht nicht
vordergründig darum,
das Kleid zu ruinieren.
Es muss nur alles
erlaubt sein.“
Damien Küpper, Fotograf
Asien-Reisen zur Regenzeit
SEITE 2
Damien Küpper bei der Arbeit auf Mallorca: Die Braut versinkt in den
Meereswellen. Fotos: Damien Küpper (oben) / Doreen Tomkowitz (unten)
Die Braut hat ein Pferd? Dann
geht’s im Kleid zum Ausritt.
Ihr Mann betreibt eine KfzWerkstatt? Na bitte, dann
ganz in Weiß zum Ölwechsel.
Der Fantasie sind dabei keine
Grenzen gesetzt. „Es geht
nicht vordergründig darum,
das Kleid zu ruinieren. Es
muss nur alles erlaubt sein“,
sagt Küpper, der eine aus der
Schwebebahn-Stadt
stammende Braut zuletzt im mallorquinischen Meer abgelichtet hat.
Für Michaela Strauß aus
dem rheinland-pfälzischen
Ingelheim war das TrashDress-Shooting ein lang ge- Ab in den Rhein. Zeichen ihres Mutes sind für Michaela Strauß die Flehegter Traum. „Normale cken auf ihrem Brautkleid, das sie nicht reinigen lassen wird.
INFO
BEZEICHNUNG Der Begriff
„Trash the Dress“ (Zerstöre
das Kleid) stammt von dem
Fotografen John Michael
Cooper aus Las Vegas/USA,
der als Erster Bräute in radikalen Umgebungen fotografierte. Sein berühmtestes
Foto zeigt eine strahlende
Braut, deren Kleid in Flammen aufgeht. Cooper ist spezialisiert auf individuelle
Paarfotografie.
KOSTEN Die Preise variieren
stark. Als Beispiel: Ein TagesShooting mit acht Bräuten
und professionellem Styling
kann 200 Euro pro Person
kosten. Ein eintägiges EinzelShooting mit mehreren Ortswechseln kann schnell mit
1000 Euro und mehr zu Buche
schlagen.
LINKS Adressen im Netz:
www.modern-wedding.de
www.meine-fotografin.de
www.trashyourdress.de
Die Bräute räkelten sich auf
dem Boden. Es war regnerisch
und schmutzig. „Jede von uns
durfte selbst entscheiden, wie
weit sie geht. Zerreißen, verbrennen oder einfach nur
dreckig machen. Die meisten
haben sich gegen die komplette Zerstörung entschieden, obwohl das sicher die
tollsten Fotos werden“, erinnert sich Monica Fernandez
und ergänzt: „Mein Kleid hat
sich problemlos reinigen lassen und sieht jetzt aus wie
neu.“
Ein Brautkleid fristet in
der Regel ein freudloses Dasein. Erst ist es die teuerste
textile Investition im Leben,
dann verschwindet es im Kleiderschrank. Durch die TrashDress-Shootings hat es noch
einmal einen großen Auftritt
und wird so selbst zum
Kunstgegenstand.
„Manche Bräute sehen darin etwas Symbolisches. Sie
sagen sich: Ich habe dieses
Kleid nur für meinen Mann
getragen, jetzt zerstöre ich es“,
erzählt Fotograf Damien
Küpper.
Für Michaela Strauß ist es
noch mehr. Ihr Kleid – sie hat
es nach dem Shooting nicht in
die Reinigung gegeben – ist
Ausdruck ihres Mutes: „An
diesem Kleid mit den Flecken
hängt jetzt eine Geschichte,
und ich möchte in 20 Jahren
meinen Kindern sagen können: Schaut mal, ich habe damals ein Trash-Dress-Shooting gemacht, und das sind
die Spuren.“
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