close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

1. Lebensquell Wasser - Hans Harress

EinbettenHerunterladen
Das Lebenselement Wasser
Verfasst 1999
Wasser ist Leben! Ohne Wasser ist auf unserem Heimatplanet Erde keinerlei Leben möglich. Diesen Gedanken lernen Kinder bereits in der Grundschule kennen. Sie erfahren in der Regel aber
noch nicht, dass das Element Süßwasser, das Lebensmittel Nummer Eins, Ende des zweiten, Anfang des dritten Jahrtausends zu einem der kostbarsten Güter für die Menschheit geworden ist,
weil es im trinkbaren Zustand, durch den Einfluss des Menschen, zu einem immer seltenerem Gut
wurde. Die Schülerinnen und Schüler sollten indes in ihrem Alter bereits darauf aufmerksam gemacht werden, dass ein vernünftiger, das heißt sparsamer Umgang mit Wasser für ein gesichertes
Leben in der Zukunft immer wichtiger wird und dass Wassersparen dazu positiv beitragen kann.
Wie dramatisch die gegenwärtige Situation in zahlreichen Gebieten der Erde bereits vorangeschritten ist, geht u.a. aus einer Meldung des Deutschlandfunks vom 15.11.1999 hervor. Danach nimmt
der Anteil der Wüsten weltweit Jahr für Jahr um durchschnittlich 150.000 qkm zu, das ist ca. die
Hälfte der Größe von Deutschland. Laut Videotext des Bayerischen Rundfunks zum Thema Umwelt vom 28.11.1999 hatten sich in Recife in Brasilien 150 Staaten der Erde zu einer Umweltkonferenz getroffen, um über Maßnahmen zu beraten, wie der weiteren Ausdehnung von Wüsten Einhalt
geboten werden kann bzw. muss. Eine prinzipielle Einigung konnte zwar herbeigeführt werden, allerdings ist die Übernahme der nicht unerheblichen Kosten über Jahrzehnte zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern umstritten. Derzeit stehen lediglich 17,7 Millionen Dollar pro Jahr
aus Mitteln der UNO zur Verfügung, ein Tropfen auf den heißen Stein.
Auch am Rande um die Wüsten herum vergrößert sich der Gürtel von Steppen und
Wüstensteppen immer weiter, in weiten Teilen dieser Gebiete sind Niederschläge seit Jahrzehnten
immer häufiger ausgeblieben. Die wenige, verbleibende Vegetation wurde zudem oftmals durch
Überweidung von nomadisierenden Hirten mit ihren Ziegen- und Rinderherden vernichtet und
konnte sich nicht mehr regenerieren. Die Folge ist die vollständige Austrocknung und Erosion des
Bodens. In anderen Gebieten wurden ganze Flüsse oder Flusssysteme umgeleitet mit der Folge,
dass ehemals üppig sprießende grüne Landschaften verkarsteten, versteppten, versalzten und
schließlich zu Wüsten wurden, wie das Beispiel Aralsee zeigt. Selbst das bis dahin in diesen Gebieten beheimatete spärliche Leben wurde wegen vollkommenen Wassermangels schließlich weitgehend verdrängt.
Solche für Mensch und Natur zerstörerischen Entwicklungen sind uns auch aus der
Zeit der griechischen und folgenden römischen Weltherrschaft im Mittelmeerbereich bekannt. Seinerzeit waren große Gebiete Nordafrikas, heute in weiten Teilen unfruchtbare Wüsten- und Steppenzonen, die Kornkammer des riesigen Römerreiches. Die Anrainerländer des Mittelmeers waren
überwiegend von großen Waldflächen und fruchtbaren Feldern bedeckt und zahlreiche Flüsse
durchzogen und bewässerten das grüne Land, bevor der Mensch ganze Wälder rigoros abgeholzt
und so die Austrocknung und Erosion des Bodens bewirkt hat. Aus dem Holz baute man jahrhundertelang nicht nur zahllose Häuser und Gebäude etc., es wurde insbesondere immer wieder große
Flotten von (Kriegs-)Schiffen hergestellt, eine Wiederaufforstung kannte man noch nicht. Damals
war den Menschen noch nicht bewusst, dass Wälder u.a. riesige Wasserspeicher und Luftbefeuchter sind und den fruchtbaren Boden festhalten und schützen.
Wegen der derzeitig mehr als bedrohlichen Entwicklung in verschiedenen Ländern
der Erde hinsichtlich des gravierenden Süß- bzw. Trinkwassermangels werden in nicht allzuferner
Zukunft, so die Meinung besorgter, vorausschauender Politiker und Wirtschaftswissenschaftler, in
zahlreichen Gebieten der Erde erbitterte Kriege um die Wasserressourcen geführt werden, wobei
es insbesondere um die ausreichende Versorgung von Trinkwasser geht. Die Existenz ganzer
Volksgruppen und Völkern ist bereits seit Jahrzehnten akut bedroht. In einigen Trockengebieten
der Erde, die von einem oder wenigen Flüssen durchquert werden, plant man den Bau von Staudämmen - oder hat sie bereits errichtet, um sich gegen die Wassernot im eigenen Land insbesondere während der regelmäßig auftretenden Trockenzeiten abzusichern oder um zusätzlich trockenes Land und Wüstenzonen mit diesem Wasser zu bewässern, um mehr Landwirtschaft zu ermöglichen. Das Aufstauen, Zurückhalten und Verbrauchen des Wassers eines Flusses kann aber das
Verdursten nachfolgender, an diesem Flusse lebender Menschen, die von diesem Wasser abhängig sind, bedeuten, da sie nur noch wenig, wenn überhaupt Wasser erhalten. Im nahen Osten deuten sich solche Projekte bereits an. Die betroffenen Völker könnten sich dann nur noch mit einem
Krieg gegen das Zurückhalten des Wassers wehren.
Wasserplanet Erde
Man kann es durchaus als paradox bezeichnen, dass zwar mehr als 71 Prozent der Erdoberfläche
von Wasser bedeckt ist, weswegen die Erde auch als der Wasserplanet bezeichnet wird, dass aber
trotzdem vielerorts ein großer Mangel an trinkbarem Wasser herrscht. Das hängt zum einen damit
zusammen, dass der größte Teil des Wassers sich in den Ozeanen in Form von für Menschen und
Landbewohner ungenießbarem Salzwasser befindet und zum anderen ein nicht unerheblicher Teil
des knappen Süßwassers sich in der Erdatmosphäre, in den Erdschichten und auch in den Pflanzen befindet und darüber hinaus ein nicht unerheblicher Teil in Form von riesigen Eismassen gebunden ist. Dieses Wasser steht somit den Menschen nicht direkt zur Verfügung. Ein weiterer Teil
des Süßwassers ist durch den Einfluss des Menschen mit Giften, Mineralölen, Radioaktivität und
anderen lebensbedrohlichen Stoffen auf lange Zeit für den menschlichen Genuss unbrauchbar
gemacht worden.
Die riesigen Wassermengen der Ozeane sind allerdings die Grundlage des Leben fördernden globalen Erdklimas. Aus ihnen verdunstet durch die Kraft der Sonne die Hauptmenge des Wassers in
die Atmosphäre. Zum einen sorgt das Wasser der Meere mit seiner gespeicherten Wärmeenergie,
die es nur zögerlich wieder abgibt, auf großen Teilen der Erde für ein ausgewogenes Klima, dessen
ausgeglichene Temperaturen nunmehr ein Leben ermöglichen und extreme Temperaturen, sowohl
Hitze als auch Kälte, abgemildert, zum anderen verteilt sich die in der Atmosphäre gespeicherte
Feuchtigkeit über den gesamten Globus und bewirkt durch Niederschläge für eine Verteilung von
Süßwasser auf der Erdoberfläche.
Trinkwasserverbrauch
Der Trinkwasserverbrauch ist in Deutschland jahrzehntelang stetig gestiegen. 1950 lag er bei 85 l
täglich pro Person, 1990 bereits bei 150 l. Sollte die Entwicklung nicht durch geeignete Maßnahmen gebremst werden, wird für das Jahr 2010 ein Verbrauch um die 245 l angenommen. Die Menschen sind es gewohnt, dass das Trinkwasser zuverlässig aus der Leitung fließt, Tag und Nacht,
wann immer sie es brauchen, in jeder beliebigen Menge und in einer Qualität, in der sie es bedenkenlos trinken können; besondere Gedanken darüber, woher es kommt und welch enormer Aufwand erforderlich ist, das Wasser in Trinkqualität jederzeit zur Verfügung zu stellen, machen sich
vermutlich die wenigsten Verbraucher. Erst als gewisse Sorgen mancher Wasserwerke durch die
Medien in der Öffentlichkeit verbreitet wurden, ob es auch in Zukunft gelingen wird, stets genügend
sauberes und unbelastetes Trinkwasser in die Wasserleitungen Tag und Nacht einspeisen zu können - zu einigermaßen akzeptablen Preisen, fühlten sich mehr und mehr Menschen nach wiederholten Bitten und Aufforderungen der Wasserlieferanten veranlasst, das kostbare Nass sparsamer
einzusetzen. Es halfen ferner intelligente Vorrichtungen der Industrie wie Wasserdurchlaufreduzierer, insbesondere bei Duschen, ferner WC-Kasten Wasserstoppvorrichtungen, Wasch- und Spülmaschinen mit Geringerem Wasserverbrauch und andere sinnvolle Erfindungen, aber auch besondere Empfehlungen, statt zu baden des öfteren nur zu duschen, den Wasserverbrauch immer mehr
zu reduzieren. Doch auch der stetig steigende Preis für das Lebenselixier Wasser sowie dessen
kostenaufwendige Reinigung und Wiederaufbereitung in großdimensionierten Klärwerken, die vom
Verbraucher als Abwassergebühren bezahlt werden müssen, förderte bei einer zunehmenden Anzahl von Menschen das Bewusstsein und die Notwendigkeit, mit dem Wasser sparsamer umgehen.
So sank der Wasserverbrauch während der letzten Jahre von durchschnittlich 150 auf
etwa 135 Liter pro Bundesbürger pro Tag. Die größte Menge des Wassers rauscht im privaten
Haushalt durch die Toilettenspülung oder es wird zum Duschen, Baden, Waschen, Spülen und
Gießen von Pflanzen verwendet. Der geringste Anteil des Trinkwassers dient allerdings zu Trinkoder Kochzwecken, doch gerade für diesen Zweck muss es sehr aufwendig von allen Fremd- und
Giftstoffen befreit und gereinigt werden, denn Trinkwasser ist ein Lebensmittel, an das höchste
Qualitätsforderungen hinsichtlich seiner Reinheit gestellt werden.
Sehr viel mehr Wasser verbraucht die Industrie für ihre diversen Produktionsprozesse
verschiedenster industrieller Güter, auch sie wird ausschließlich mit saubersten Trinkwasser beliefert, ein für Umweltschützer oftmals viel zu aufwendiger und unnötiger Aufwand, der zudem hohe
Zusatzkosten verursacht. Eine Reihe von Betrieben wie beispielsweise Bierbrauereien oder Getränkehersteller, die einen hohen Verbrauch an Wasser haben, besitzen eigene Tiefbrunnen, aus
denen sie größere Mengen an Wasser fördern. Sofern sie damit nicht die Trinkwasserversorgung
von Städten und Gemeinden gefährden, ist ihnen eine Entnahme aus dem Boden mit festgelegten
Mengen gestattet.
Umweltschutzorganisationen beobachten mit wachsender Sorge die ständig zunehmende Entnahme von Grundwasser durch Wasserwerke und Betriebe. Eine dadurch oftmals hervorgerufene Absenkung des Grundwasserspiegels kann sich auf die Natur in solchen Gebieten
verheerend auswirken. Finden dadurch die hier beheimateten Tiere und Pflanzen nicht mehr den
für ein Überleben notwendigen Wasservorrat oder feuchten Untergrund, sterben sie aus oder müssen sich an anderen Orten einen neuen Lebensraum suchen, sofern möglich. Umwelt- und Naturschützer verweisen darauf, dass ein großer Teil des kostbaren Trinkwassers zudem regelrecht
sinnlos verschwendet wird. Sie sind der Meinung, dass es oftmals vollkommen ausreicht, statt des
stetig knapper werdenden Trinkwassers für zahlreiche Herstellungsprozesse ebenso gut Regenwasser zu verwenden. Sie erreichten schließlich nach langen Verhandlungen und zunächst gegen
den erbitterten Widerstand von Behörden, dass es beispielsweise Bürgern zunehmend gestattet
wurde, für den Privatgebrauch wie Wäschewaschen und WC-Spülung auch Regenwasser zu verwenden, sofern im Haus zwei von einander getrennte und geeignete Wasserversorgungsleitungen
vorhanden sind. Inzwischen werben sogar zahlreiche Dienststellen betroffener Behörden für solche
Doppelanlagen und gewähren oftmals finanzielle Zuschüsse für Regenwasseranlagen. Insbesondere aber weisen die Wasserwerke vermehrt auf Regenwasseranlagen hin, da sie zunehmend
Schwierigkeiten haben, jederzeit ausreichende Mengen qualitativ besten Trinkwassers bereitstellen
zu können.
Für Wasserwerke wurde es im Laufe der Zeit immer schwieriger, die vorgeschriebenen und schärfer werdenden Reinheitswerte für das Trinkwasser einzuhalten, ohne dafür die Kosten extrem steigen zu lassen. Ab dem 1. Oktober 1989 darf der Grenzwert für chemische Zusätze
im Trinkwasser nicht mehr den Wert von 0,1 Mikrogramm je Liter überschreiten. Sorgen machten
und machen den Wasserlieferanten noch immer die teils starken Einträge von chemischen Kunstdüngern und Pflanzenschutzmittel im Boden, von Nitraten, Pestiziden, Fungiziden und Herbiziden
durch Landwirte, weil diese Substanzen zum Teil mit dem Regen in das Grundwasser oder auch in
die Flusssysteme und Uferfiltrate gelangen, aus denen wiederum Trinkwasser gewonnen wird. Als
besonders gefährlich für die Gesundheit gilt das Herbizid Atrazin, das lange Zeit besonders im
Maisanbau eingesetzt inzwischen aber verboten wurde. Aber auch die Auswaschungen von Müllkippen und alten Industrieanlagen, deren Zahl in Deutschland auf über 50.000 geschätzt wird, die
größere Mengen insbesondere von halogenisierten Kohlenwasserstoffe im Erdreich hinterlassen
haben, werden von den Wasserwerken gefürchtet. Sie gelten als Zeitbomben, da sie unkontrolliert
und unaufhaltsam permanent ihre Giftfracht an das Grundwasser abgeben und eines Tages sogar
in die tieferen, bisher unbelasteten wasserführenden Schichten gelangen könnten. Eine weitere
Zeitbombe bilden die alten, teils maroden Abwasserkanalsysteme in Deutschland. Von den rund
250.000 Kilometern Kanalisation sind schätzungsweise 25 Prozent porös und defekt, durch sie
entweichen ungehindert große Mengen verschiedenster Gifte und Chemikalien in das Grundwasser. Sie zu sanieren, würde mindestens 100 Milliarden Mark verschlingen, Geld, das weder die
Städte noch die Gemeinden oder Kommunen besitzen und von den Bürgern nicht eingetrieben
werden kann. Gelangt von der Giftfracht ein Teil in die Brunnen der Wasserwerke, muss sie äußerst kostenaufwendig mit chemischen und mechanischen Prozessen wieder aus dem Wasser
herausgefiltert werden, soweit das überhaupt möglich ist. Es wurden an verschiedenen Stellen im
Grundwasserbereich beispielsweise Atrazinwerte nachgewiesen, die bis zu 1000 Prozent über dem
EG-Grenzwert für das Trinkwasser lagen. Selbst in den Niederschlägen, die in der Regel als rein
und unbelastet gelten, wurde noch zu Beginn der 90er Jahre mehr als ein Dutzend verschiedener
Pestizide in Konzentrationen nachgewiesen, die teils weit über den EG-Trinkwasserrichtlinien lagen.
Der jährliche Verbrauch an Trinkwasser liegt in Deutschland insgesamt bei etwa fünf
Milliarden Kubikmeter, das die Wasserwerke - in sauberster Lebensmittelqualität - den Bürgern und
der Industrie zur Verfügung stellen.
Wasserquellen
Vermutlich wissen nur wenige Bürger, woher das Trinkwasser, das in ihrem Haus bzw. ihrer Wohnung aus den Wasserhähnen strömt, ursprünglich stammt. Es wird zum Teil über Hunderte von Kilometern durch Fernleitungen zu den jeweiligen Wasserwerken geleitet und dort zu Trinkwasserqualität, an die sehr hohe Reinheitsmaßstäbe gestellt wird, aufbereitet. Die Bewohner der Stadt
Stuttgart beispielsweise erhalten ihr Trinkwasser zum größten Teil aus dem Bodensee, Bremen
bezieht das Wasser von Talsperren aus dem Harz, Hamburg aus der Lüneburger Heide und Frankfurt am Main größtenteils vom Oberrhein und aus dem Taunus. Für die Verbraucher läuft das Wasser wie selbstverständlich aus den Hähnen, es ist jederzeit verfügbar, und das in unbeschränkter
Menge. Für den Umweltforscher Ernst-Ulrich von Weizsäcker ist der enorme Wasserverbrauch der
Städte und Ballungsräume ein Beispiel für das "Schmarotzertum der Städte gegenüber dem Land".
Kaum ein Bürger macht sich ernsthafte Gedanken darüber, mit welch riesigem technischem und finanziellem Aufwand Wasser aus Tiefbrunnen, aus ihnen stammt ca. 70 Prozent des Trinkwassers
in Deutschland, aber auch aus Flüssen (Talsperren) und ihren Uferfiltraten oder aus Seen gewonnen werden muss. Die Brunnen des als Waldidylle bekannten Pfälzer Waldes sind noch immer bis
zu 95 Prozent mit Schadstoffen unterschiedlichster Art belastet, die mit großen Kosten aus dem
Wasser entfernt werden müssen, bevor es das Prädikat "Trinkwasser" erhält und zum Verbraucher
geleitet werden kann.
Wasserverschmutzer
Jeder Mensch, der Wasser verbraucht, "verschmutzt", d.h. belastet es auch, mehr oder weniger
stark, ob im Haushalt durch Wäschepflege, Körperpflege, Kochen, Spülmaschine, Reinigung usw.
oder im Industrie- bzw. Handwerksbetrieb, Groß- oder Kleinbetrieb. Das verschmutzte und belastete Wasser wird anschließend über das Abwasser-Kanalsystem den Klärwerken zugeleitet, dort
aufbereitet, d.h. gereinigt und anschließend einigermaßen gesäubert in die Flusssysteme geleitet.
Die Anforderungen an die Klärwerke hinsichtlich der Reinheit ihrer abgelassenen Klärwässer sind
immer schärfer geworden, so dass auch immer weniger die Natur belastenden Giftsubstanzen über
die Flüsse in die Meere gelangen. Die Gebühren der Städte und Gemeinden für die Abwasserreinigung bzw. Klärung steigen ebenfalls regelmäßig, da es zunehmend schwieriger wird, die zahlreichen zumeist giftigen und gesundheitlich bedenklichen Stoffe wieder aus dem Wasser zu entfernen, sofern das überhaupt möglich ist. Die Gebühren für das Abwasser zur Aufbereitung, Reinigung und Klärung können dabei bereits höher sein als der Bezug des frischen Trinkwassers. Wissenschaftler schätzen, dass in die bundesdeutsche Flusssysteme bereits mehr als 1000 unterschiedliche Gifte und chemischen Substanzen durch Industrieanlagen und Haushalte, teilweise
auch noch immer verbotenermaßen, direkt in die Flusssysteme geleitet werden, von denen die
Wasserwerke mit ihren Kläranlagen bisher nur einen sehr geringen Teil wieder herausfiltern können, trotz modernster Analyse- und Aufbereitungstechniken. Unverständlich erscheint es, dass
Großstädte wie Brüssel oder Mailand ihre stark belasteten Abwässer einschließlich der Fäkalien
noch immer vollkommen ungeklärt über den Rhein bzw. Po in das Meer entsorgen dürfen und der
Umwelt die schwierige Aufgabe der Reinigung überlassen, womit diese allerdings hoffnungslos überfordert ist. Geschädigt wird insbesondere die Pflanzen- und Tierwelt, Krankheiten können sich
verbreiten.
Die meisten der sich im Abwasser befindlichen chemischen Stoffe und Beimengungen, ihre Zahl wird auf mehr als 1000 vermutet, sind den Wasseraufbereitern nicht bekannt. Was
den Technikern und Chemikern der Wasserwerke nicht bekannt ist, danach kann von ihnen nach
ihren eigenen Angaben auch nicht erfolgreich gesucht werden. Folglich bleiben sie in der Regel im
Abwasser und gelangen teilweise auch ins Trinkwasser. Besondere Schwierigkeiten der Auffindung
und Entfernung aus dem Grundwasser und Flussfiltraten scheint die steigende Anzahl und Menge
von verschiedenen Hormonen (u.a. Pille der Frau) und Arzneimittelstoffen zu machen. Der Teil der
vom menschlichen oder tierischen Organismus nicht abgebauten und über den Urin wieder abgegebenen Mittel und Medikamente gelangen, zumindest teilweise, wieder ins Trinkwasser, womit ein
gewisser Kreislauf hergestellt ist, der nicht unbeträchtliche Gefahren birgt. Über diesen Zusammenhang machen sich insbesondere Ärzte zunehmend Sorgen. Das mit Medikamenten belastete
und nicht immer vollkommen rückstandsfreie Trinkwasser, das die Menschen aufnehmen, bewirkt,
dass einige der verabreichten lebensrettenden Arzneimittel wie Antibiotika bei Menschen in ihrer
Wirkung nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr wirken, wodurch es bereits zu etlichen Todes-
fällen gekommen ist. Einige im Wasser lebende Tierarten können sich aufgrund dieser in ihrem
Lebenselement gelösten Wirkstoffe - wie die der Antibabypille - offensichtlich kaum noch vermehren.
Der große Wasserversorger "Gelsenwasser AG" in Nordrhein-Westfalen wendet im
Jahr allein für Aktivkohlestaub zur Reinigung des aufzubereitenden Wassers mehr als zwei Millionen Mark auf. Ohne eine Reinigung des Wassers durch Aktivkohle wäre das Trinkwasser überall
ungenießbar. Fast vierzig Mitarbeiter dieser Firma haben nichts anderes zu tun, als ständig nach
Pestiziden und Nitraten etc. im Wasser zu fahnden, um sie notfalls rechtzeitig herauszufiltern, für
mehr als 250.000 Untersuchungen pro Jahr müssen inzwischen mehr als gut sechs Millionen Mark
ausgegeben werden, Kosten, die der Verbraucher über entsprechend höhere Wassergebühren zu
tragen hat.
Bedrohte Flüsse
Die Weltwasserkommission warnte Ende November letzten Jahres in Washington vor den fatalen
Folgen, die die zunehmende Verschmutzung der großen Flüsse zur Folge hat. Schon mehr als die
Hälfte aller großen Flüsse sind weltweit mehr oder weniger stark verschmutzt oder trocknen aus.
Im Jahre 1998 mussten in Folge dieser sich verschlechternden Umweltbedingungen 25 Millionen
Menschen umgesiedelt werden. Damit habe die Zahl der Umweltflüchtlinge erstmals die der Kriegsflüchtlinge übertroffen. Im Bericht des Kommissionschefs Ismail Serageldin heißt es weiter: "Im
Jahr 2025 könnte die Zahl der Umweltflüchtlinge viermal so hoch sein. Ausbeutung und Missbrauch der Land- und Wasser-Ressourcen in den Flussniederungen sowohl in Industrie- als auch
in Entwicklungsländern sind der Hauptgrund für ihren Rückgang." Die Kommission forderte daher
ein Umdenken und notwendige Schritte, um die Wasserversorgung für die stetig zunehmende
Weltbevölkerung zu sichern und Krankheiten als Folge der Verschmutzungen zu vermeiden.
Der Bericht nennt auch die am stärksten verschmutzten und gefährdeten Flüsse: Der
Gelbe Fluss in China, die beiden in den Aralsee mündenden Flüsse Amudarja und Syrdarja, der
Colorado Fluss in den USA, der Nil in Ägypten, die Wolga in Russland und der Ganges in Indien.
Lediglich zwei der rund 500 größten Flüsse stufte man als noch einigermaßen gesund ein, das sind
der Amazonas und der Kongo, an deren Ufer sich verhältnismäßig wenig Industrien angesiedelt
haben.
Vorbeugen gebietet die Vernunft
Der Biologe beim Bund für Umweltschutz und Naturschutz Deutschlands (BUND) in RheinlandPfalz und Leiter der Kampagne "Rettet die Quellen" - Dr. Thomas Paulus, führte zu diesem Thema
u.a. aus: "Die größte Bedrohung unserer Quellen ist unser mangelndes Wissen um ihre Verletzlichkeit." Es ist die Frage zu stellen, wie lange noch der Mensch derart sorglos mit den Quellen umgehen kann? Quellen waren einst den Menschen heilig und ein "Brunnenvergifter" wurde in jedem
Fall mit dem Tode bestraft. Heute wird der Industrie und Landwirtschaft immer noch mehr oder weniger großzügig gestattet, die der Allgemeinheit gehörenden Brunnen über die Einträge auf den
Erdboden mit zahllosen Schadstoffen und Substanzen zu "vergiften". Insbesondere einige große
Industriebetriebe können oder konnten über viele Jahre sich mit geringen Gebühren von einer Vorreinigung und Klärung ihrer teils stark verschmutzten und belasteten Abwässer loskaufen. Für jeden Umweltschützer ist ein solches Loskaufen und Belasten des Fluss- und Grundwassers ein
Skandal, für die Industrie, die eine starke Lobby bei Politikern hat, lediglich ein "Kostenfaktor".
Manchen Industriewerken sagte man nach, dass sie sogar über einen längeren Zeitraum immer
wieder versucht hatten, nachts ihre Schmutz- und Giftfracht heimlich durch Öffnen von Schleusen
zu entsorgen auf Kosten der Umwelt bzw. der Allgemeinheit, bis ihnen Umweltschutzverbände ihr
Vergehen nachgewiesen hatten. Solche und andere Umweltsünden aber muss der Bürger durch
ständig steigende Wassergebühren ebenfalls mit bezahlen, da die Wasserwerke, durch strenge
Vorschriften dazu angehalten, nahezu schadstofffreies Trinkwasser zu liefern haben und sich ihre
aufwendige Reinigungs- und Filtertechnik bezahlen lassen müssen.
Lösungsmodelle
Es haben eine Reihe von Wasserwerken begonnen, mit Landwirten und Gärtnereien zusammen zu
arbeiten und mit diesen besondere Vereinbarungen zu treffen. Die Betriebe haben sich verpflichtet,
ihre Anbauweise auf ökologischen Landanbau, der grundsätzlich auf das Ausbringen von Pestiziden und anderen Gift- und Schadstoffen verzichtet, im Einzugsbereich von Wasserförderbrunnen
umzustellen. Da diese Art von Landwirtschaft finanziell und manuell aufwendiger ist, erhalten die
Betriebe von den Wasserwerken Ausgleichszahlungen. Je weniger Gifte und Nitrate auf Wiesen
und Äckern versprüht werden, desto weniger befindet sich davon später im Grundwasser, das die
Wasserwerke aus diesen Gebieten gewinnen. Entsprechend preiswerter und einfacher wird die anschließende Aufbereitung und Säuberung des nunmehr weniger belasteten Grundwassers für die
Wasserwerke. Der Vorstandsvorsitzende der Gelsenwasser AG, Peter Scherer, ist der Meinung,
dass eigentlich "die ganze Bundesrepublik in ein Quellen-Schutzgebiet umgewandelt werden müsste". Auch die Bevölkerung, die dadurch nicht nur preisgünstiger ihr Wasser in bester Qualität beziehen könnte, sondern auch gesünderes, weil unbelasteteres und schadstoffärmeres Bio-Gemüse
erhielte, hätte also einen doppelten Nutzen durch eine solche Vorgehensweise. Ein Vorreiter in
dieser Zusammenarbeit ist die Stadt München mit ihren Wasserwerken.
Einsparpotentiale
Ein nicht zu unterschätzender kostensenkender Faktor ist das Einsparen von Trinkwasser. Hierzu
bedarf es weiterhin der intensiven Aufklärung der Bevölkerung. In einigen Gebieten Hamburgs, so
wurde berichtet, ging der Verbrauch an Wasser alleine dadurch um gut 15 Prozent zurück, dass in
Mehrfamilienhäusern jeder Partei ein eigener Wasserzähler eingebaut wurde, so dass der individuelle Verbrauch jeder einzelnen Familie nunmehr erkennbar war und ihr bewusst wurde. Die Menschen verbrauchten das Wasser nicht länger anonym auf Kosten der Allgemeinheit, sie konnten
nunmehr Einfluss nehmen auf den persönlichen Verbrauch und somit auf ihre Kosten. Es muss allerdings noch sehr viel mehr an Aufklärungsarbeit aufgebracht werden, damit der Wasserverbrauch
noch weiter zurückgeht. Das Bundesumweltministerium in Berlin schätzt, dass es problemlos durch
unterschiedliche Maßnahmen möglich sein wird, den Wasserverbrauch in einem ersten Schritt um
ein gutes Drittel auf durchschnittlich 100 Liter pro Tag und Person zu senken. In einigen Städten
laufen bereits Förderprogramme, um insbesondere die Nutzung von Regenwasser für die Toilettenspülung und zum Wäschewaschen und auch zur Bewässerung von Gärten zu unterstützen.
Auch die Betriebs- und Unterhaltungskosten der Klärwerke, d.h. für die von den Bürgern zu zahlenden Gebühren für das Abwasser und dessen Klärung, ließen sich senken, wenn
Hausbesitzer dafür sorgen würden, dass beispielsweise das Regenwasser, sofern möglich, auf ihren Grundstücken versickert und nicht zu den Kläranlagen geleitet wird, wo es, mit Staub und
Schmutz befrachtet, zusätzlich mit aufbereitet und gereinigt werden muss, wodurch es die Kapazitäten bzw. Größe der Klärwerke, also auch der Bau- und Unterhaltungskosten, stark erhöht. Es gibt
bereits Städte, zu nennen sind u.a. Freiburg im Breisgau und Münster in Westfalen, die ihre Bürger
sogar finanziell belohnen, wenn diese das Regenwasser auf ihrem Grundstück versickern lassen.
So stellt die Stadt Münster derzeit pro Jahr etwa 200.000 Mark ihren Bürgern zur Verfügung, die
Regenwasser von den Dächern auf ihrem Grund und Boden versickern lassen oder in Zisternen
sammeln. Geld wird auch bezahlt, wenn geteerte Straßen- und Bodenflächen wieder entsiegelt und
renaturiert werden, damit das Regenwasser wieder ins Erdreich abfließen kann. Zuschüsse kann
es auch für das Begrünen von Hausfassaden und Dächer geben, diese halten und verbrauchen
teilweise das Regenwasser oder verzögern dessen zu raschen Abfluss. Die Philosophie der Stadt
Münster erklärte deren Pressestelle folgendermaßen: "Die vielen kleinen Maßnahmen entlasten die
Regenwasserkanalisation und ersparen unseren Flüssen und Bächen den ersten schmutzigen
Spülstoß bei einem Regenguss. Außerdem stärken wir so das Umweltbewusstsein unserer Bevölkerung." Bis Mitte Juni 1996, so die Pressestelle, wurden in Münster rund 380 Versickerungen und
23 Rückhaltungen für Regenwasser gebaut. Schon mehr als 80 Hausgemeinschaften nutzen Regenwasser vom Dach inzwischen in ihren Haushalten, weitere 40 Anlagen wurden bereits genehmigt (Stand 1997). Auch in Freiburg/Brsg. ist ein solches Programm inzwischen angelaufen. Es
wird von der Stadt die Broschüre "Alles Gute kommt von oben" an die Bürger verteilt, in der die
Stadtbewohner über Maßnahmen und Förderungen informiert werden.
Stärker finanziell gefördert werden müssten insbesondere Anlagen zum Sammeln von
(gefiltertem) Regenwasser in Kellern oder unterirdisch gelagerten Tanks, die dann mittels eines
zweiten, separaten Rohrnetzes die WC-Spülung und Waschmaschinen etc. mit Regenwasser versorgen. Regenwasser ist bekanntlich für das Wäschewaschen und Gießen von Pflanzen hervorragend geeignet, weil es sehr weich ist und so gut wie keinen Kalk enthält. Insbesondere bei Neubauten sollten solche Anlagen eingeplant und von den Kommunen oder Gemeinden finanziell gefördert werden, da in diesem Falle das Verlegen von Doppelrohren weniger aufwendig ist. Das
Bundesland Hessen hat inzwischen ein solches Programm aufgenommen, nachdem Bürger erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt hatten, um nicht für aufgefangenes und privat
verwendetes Regenwasser im Garten zusätzliche Abwassergebühren zahlen zu müssen, die teilweise nach Grundstücksgröße oder Bebauungs- bzw. Versiegelungsfläche berechnet werden. Es
wurden bereits zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen, nachdem immer größere Investitionen
zum Einsparen von Wasser in neue Projekte, die von Hessen pro Jahr allein mit 100 Millionen
Mark gefördert werden, fließen. Die Stadt Coburg in Bayern berechnet z.B. keine Abwassergebühren für geliefertes Trinkwasser, das ausschließlich für die Gartenbewässerung verwendet wird.
Etliche Gemeinden sparen sich inzwischen auch die hohen Kosten für die Verlegung
von Abwasserrohren unter Straßen. Sie schaffen rechts und links von solchen Straßen besondere,
flache Regenwasserversickerungsgräben und erhalten auf diese Weise eine 'kostenlose' Wasserentsorgung. Außerdem entlasten sie durch solche Maßnahmen ihr Abwasser- und Klärsystem.
Auch die Natur hat dadurch großen Nutzen durch eine zusätzliche Bewässerung mit wertvollem
Regenwasser.
Es gibt in Deutschland bereits mehr als 30 Städte und Gemeinden, die Förderprogramme zur Nutzung von Regenwasser in den Haushalten aufgelegt haben. Manche Projekte
scheiterten zunächst am Widerstand insbesondere der Gesundheitsämter, die große Bedenken
wegen des möglicherweise verunreinigten und verkeimten Regenwassers hatten, weil es ihrer Meinung nach unbeabsichtigt in das Trinkwasser gelangen könnte. Inzwischen ist die Technik solcher
Anlagen soweit ausgereift und in DIN-Normen festgeschrieben, dass die Befürworter der neuen Idee sich durchsetzen konnten. Die Förderrichtlinien der Städte geben ganz präzise technische Anweisungen zum Einbau solcher Doppelwasser-Systemanlagen.
Wasser-Großverbraucher
Zahlreiche Industriebetriebe, wie beispielsweise die Automobilhersteller oder die chemische Industrie, gehören zu den Großverbrauchern von Trinkwasser, das im Produktionsprozess benötigt und
verbraucht wird. Manche Betriebe haben inzwischen große Anstrengungen unternommen, um den
Wasserverbrauch - insbesondere auch aus Kostengründen - drastisch zu reduzieren. Ökonomische aber auch zunehmend ökologische Gründe sind solchen Betrieben zunehmend wichtig. Durch
eigene Wasserwiederaufbereitungsanlagen und die Rückführung des gereinigten Wassers in den
Kreislauf konnte der Wasserverbrauch schon bis zu 90 Prozent reduziert werden. Es gibt auch Autowaschanlagen, die das gebrauchte, verschmutzte Wasser fast zu 100 Prozent wieder aufbereiten
und es erneut in einem geschlossenem Kreislauf dem Waschgang zufließen lassen. In Eschborn
bei Frankfurt sammelt seit ca. einem Jahr eine Autowaschgroßanlage das Regenwasser vom Dach
eines benachbarten großen Einkaufmarktes in einem riesigen ca. 200.000 cbm fassenden unterirdischen Tank und wäscht damit umweltschonend und kosteneinsparend die verschmutzten Wagen. Der überdimensionierte Tank übersteht auch längere Trockenperioden.
Die Umweltzeitschrift GLOBUS berichtete in diesem Zusammenhang über die erste
abwasserfreie Textilfabrik der Welt. Wie allgemein bekannt arbeiten Textilfabriken oftmals mit nicht
wenigen Giften und stark umweltbelastenden Substanzen, die bisher mehr oder weniger ungeklärt
den Abwässern beigemengt wurden. Der Inhaber einer solchen Textilfabrik in Warendorf in Westfalen, Hermann-Josef Brinkhaus, beschäftigt 430 Angestellte in seiner Fabrik, die einen Jahresumsatz von 90 Millionen Mark hat. Es werden Bettwäsche, Kopfkissen und diverse Stoffe hergestellt.
In Zusammenarbeit mit dem Bonner Umweltministerium entstand ein ehrgeiziges Umweltprojekt,
das knapp 19 Millionen Mark kostete. Der Ergebnis vom Einbau aufwendiger Filteranlagen und Änderungen von Produktionsprozessen war, dass rund 92 Prozent des verwendeten Wassers in einem geschlossenen Kreislauf in der Anlage verbleiben.
Mehr als 150 verschiedene chemische Substanzen wie Wasch- und Bleichmittel, Färbe- und Veredlungsmittel sind in dieser Fabrik im Einsatz, etliche für die Umwelt sehr gefährlich.
Nunmehr wird in mehreren Teilkreisläufen durch ein hochkompliziertes Verfahren das Abwasser
aus der Produktion gereinigt und zurückgewonnen, zum Schutze der Umwelt und Natur. Nicht nur
der ökologische Gewinn ist groß, auch der finanzielle Nutzen ist sehr beachtlich und war letztendlich auch ein Anlass für die Veränderungen und Verbesserungen. Im Jahre 1987 leitete diese Textilfabrik noch rund 160.000 Kubikmeter ungeklärte Abwässer in die örtliche Kläranlage und musste
seinerzeit dafür rund 600.000 Mark bezahlen. Bis 1994 stiegen die Abwassergebühren um 50 Prozent und näherten sich der 10 Mark Grenze je Kubikmeter. Diese Gebühren können zum größten
Teil nunmehr eingespart werden. Das Bundesumwelt- amt in Berlin hofft, dass immer mehr Unternehmer solchen positiven Beispielen folgen werden.
Pflanzenkläranlagen
Eine Reihe von Gemeinden oder Wohngemeinschaften versuchen mit Erfolg, das Abwasserproblem dadurch in den Griff zu bekommen und gleichzeitig die Umweltbelastung und Kosten zu verringern, dass sie ihre Haushaltsabwässer durch eigens dafür gebaute Schilfkläranlagen leiten und so
zu derart guten Abwasserqualitäten kommen, wie sie von modernen Klärwerken oftmals nicht erreicht werden. Nachdem Gemeinden und Kommunen den Wert solcher Anlagen erkannt haben,
waren sie vermehrt bereit, ihre Genehmigung zu erteilen. Inzwischen bauen anerkannte Fachbetriebe allenthalben solche Schilfkläranlagen, die nicht nur durch beste Abwasserqualitäten über-
zeugen, sondern auch durch ihre geringen Betriebskosten. Ein positiver Nebeneffekt ist die Verbesserung und Bereicherung der Landschaft und Natur. Schilfkläranlagen sind wertvolle Biotope
und bieten zahlreichen Tieren die Chance zum Überleben.
Rettet und schützt die Quellen
Die zunehmend starke Belastung der Quellen mit zahlreichen Schadstoffen brachte den Bund für
Umwelt und Naturschutz (BUND) in Rheinland-Pfalz auf den Gedanken, die Kampagne "Rettet die
Quellen" ins Leben zu rufen. Dahinter steht der Gedanke: "Kümmern wir uns wieder um die Quelle,
die unserem Haus am nächsten liegt!" Die erste Feststellung der Mitarbeiter des BUNDES war,
dass zahlreiche Quellen auf heimischen Karten gar nicht eingezeichnet und den dort lebenden
Menschen zum Teil sogar unbekannt waren. Daher unternahmen die Umweltschützer zunächst eine landesweite Kartierung der Quellen, die dann die Grundlage für Schutzmaßnahmen bildete und,
so die Vertreter vom BUND, in zukünftigen Zeiten mit zunehmender Wasserknappheit sehr wertvoll
werden könnte. In Altenkirchen, wo die Umweltschützer in den letzten zwei Jahren 55 Quellen entdeckt und bewertet haben, entsteht zur Zeit der Prototyp eines "Quellenlehrpfades", um Bürger
insbesondere auf die Gefährdung der (ihrer) Quellen aufmerksam zu machen. Von 24 Quellen in
diesem Gebiet außerhalb von Wäldern waren nur drei nicht oder nur leicht beschädigt. Der BUND
hofft, auch in anderen Bundesländern bald schon Nachahmer für solche Lehrpfade zu gewinnen.
Was bekannt ist, wird geschützt
1995 lud der BUND unter dem Motto "Wo der Salamander laicht" zu mehr als 100 Exkursionen,
Seminaren und Vorträgen ein über das Thema "Quellen", die sich insbesondere in dem Gebiet
zwischen Trier und Germersheim befanden. Eine Wanderausstellung, die den Zauber der Quellen
schildert und darstellt, wurde eingerichtet und war schon bald auf lange Zeit im voraus ausgebucht.
Sie zeigt u.a. Fotos vom Leben an und um Quellen und informiert detailliert vom natürlichen Kreislauf des Wassers. Allgemeine Hinweise runden das Programm ab. - Zur Nachahmung empfohlen!
Wasser im Leben der Menschen und der Erde
Wasser wurde in der Menschheit wegen seiner großen Bedeutung für das Leben, die Gesundheit
und alle Lebensprozesse schon immer besonders verehrt, geschützt und geheiligt. Der Mensch,
wie auch alle anderen Säugetiere und zahlreiche Lebewesen, bildet sich und nimmt Gestalt an im
(Frucht)-Wasser der Mutter, er ist also ein Wassergeborener. Der menschliche Leib besteht zum
überwiegenden Teil aus Wasser bzw. aus verschiedenen besonderen Flüssigkeiten. In seinem viele hundert Kilometer langen Adersystem zirkuliert permanent die Flüssigkeit Blut. Das Lymphwassersystem versorgt ebenfalls Zellen, Drüsen und Gehirn mit notwendiger Flüssigkeit, in der sich
Stoffe, wie auch im Blut, zum Aufbau und Erhalt befinden und das die Abbaustoffe in die dafür zuständigen Organe leitet.
Auch die Erde, die ein lebendiger Organismus ist, hat ein ausgeprägtes Adersystem.
Gewaltige, oft mehrere zehntausend Kilometer lange Ströme, die riesige Wassermassen führen,
durchkreuzen die Ozeane als kalte Ströme in den Tiefen oder als Warmwasserströme in den oberen Schichten und sorgen für einen permanenten globalen Austausch des Wassers. Besonders
bekannt und erforscht ist der im Golf von Mexiko beginnende und nordwärts strömende warme
Golfstrom, ein Oberflächenstrom, der in Europa für ein mildes, ausgeglichenes Klima sorgt. Auch
auf dem und unter dem Land existiert ein ausgebreitetes Fluss- bzw. Wassersystem, das sowohl
Oberflächenwasser bewegt als auch in den Tiefen der Erdschichten unterirdische Ströme und
Rinnsale, auch hier strömt ununterbrochen Wasser. Durch solch unterirdisch fließendes Wasser
werden beispielsweise Oasen mitten in der Wüste oder Quellen und Brunnen gespeist.
In der christlichen Religion wird der Mensch mit Wasser getauft und damit in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen. Mit Weihwasser bekreuzigen sich die Katholiken beim
Eintritt in das Gotteshaus. Die Gestalt der Erde hat die Form eines (riesigen) Wassertropfens, einer
Kugel, sie ist nicht nur zu mehr als zwei Dritteln ihrer Oberfläche mit Wasser bedeckt, sie wird auch
von einer Wasserschicht, der feuchten Atmosphäre umhüllt. Die ersten Lebensformen entstanden
und entwickelten sich im Wasser, höher entwickelte Lebensformen fanden ihren Lebensraum
schließlich an Land auf der Erdoberfläche, sind aber nach wie vor in allen Lebens- und Entwicklungsprozessen weiterhin eng mit dem Wasser verbunden.
Geheimnisse des Wassers
Das Element Wasser birgt eine Reihe von Geheimnissen, die vom Menschen noch längst nicht alle
enträtselt wurden. Wasser stellt sich sichtbar in Form von Wasser, Wolken, Nebel, Schnee, Raureif
und Eis dar, es ist aber auch im unsichtbaren, gasförmigen Zustand in der Luft gelöst existent.
Durch den ewigen Kreislauf des Wassers, - seine Verdunstung auf der Erdoberfläche von Meeren,
Seen, Flüssen und durch Pflanzen, die nachfolgende Kondensation des Wasserdampfes und Bildung von Nebel und Wolken, aus denen Niederschläge in Form von Regen, Schnee und Hagel fallen, der Rückfluss der Niederschläge auf Land über Bäche und Flüsse in Seen und Meere, eine
erneute Verdunstung usw. - reinigt es sich ständig und behält dadurch seine Lebendigkeit und Lebenskraft, die es auf die Lebewesen der Erde überträgt. Wasser formt auch vielfältig die Gestalt
der Erde wie ein großer Künstler. Dabei kann es sehr sanft und zart vorgehen, denn es hat alle Zeit
und wird sein Ziel immer erreichen - "steter Tropfen höhlt den Stein ..." - und baut ganze Gebirge
ab, es kann aber auch größte Gewalt anwenden, stellt sich ihm ein Hindernis in den Weg. Rinnsale
können bei Überschwemmungen zu reißenden Strömen werden, die jedes Hindernis beiseite
schieben oder mit sich reißen, Schneelawinen werden zu donnernden, zermalmenden "Riesenmonstern" und das Meer kann bei Orkanen und Sturmfluten größte Zerstörungen anrichten.
Wasser ist das Reinigungselement, das Lösemittel schlechthin und befreit in der Natur nahezu alles, was mit Schmutz oder Staub in Berührung gekommen ist. Diese Fähigkeit nutzt
auch der Mensch zu vielfältigen Reinigungsprozessen. Wasser löst und bindet, bindet und löst
wieder. Es ist das wohl neben dem Wind das bewegungsfreudigste Element in der Natur, schon
durch den leisesten Wind bildet es Wellen und Verwirbelungen. Wasser trägt mit Leichtigkeit größte Frachten von gelösten oder festen Stoffen in Bächen, Flüssen und Strömen; ganze Berge landen schließlich als feiner Sand, den die Kraft des Wassers und Frostes aus großen Steinen zu
kleinsten Teilchen zermahlen hat im Meer. Es trägt aber auch Baumstämme oder Schiffe. Wasser
will sich ständig bewegen und dabei möglichst weite Wege zurücklegen. Bäche und Flüsse bilden,
lässt man ihnen freien Lauf, Mäander in der Landschaft, das sind Windungen nach rechts und
nach links in der Landschaft, fließendes Wasser würde nie den direkten, kürzesten Weg von der
Quelle bis zum Meer suchen. Fließt Wasser aus einem Becken durch ein Rohr ab, bilden sich regelmäßig Strudel, die auch in Meeren, insbesondere bei Ebbe und Flut, oder in Bächen und Flüssen beobachtet werden können. Man spricht von der Eigendynamik des lebendigen Wassers. Wird
das Wasser in seiner Bewegungsfreude gehindert, so dass es steht und nicht fließen oder sich
bewegen kann, stirbt es, früher oder später auch seine Bewohnern, und es beginnt zu stinken.
Wasser ist nicht nur ein sehr guter Wärmespeicher, es überträgt auch die Wärme selbst über weite
Strecken, wie am Beispiel Golfstrom bereits verdeutlicht wurde.
Wasser als Heilmittel
Bei zahlreichen Heilkuren spielt die unterschiedliche Anwendung von Wasser eine große Rolle.
Bekannt ist, dass die Römer vor einigen tausend Jahren in ihrem Herrschaftsgebiet allenthalben
Thermen bauten, um Gesundheits- und Reinigungsbäder zu nehmen. Doch schon lange Zeit davor
kannten die Menschen, beispielsweise die Ägypter 3000 vor Christi, Heilquellen zum Baden oder
Trinken und nutzten die Heilkraft des Wassers zum Gesunden. In der Zeit der Antike priesen insbesondere der göttliche Äskulap und Hippokrates die Kraft des Wassers für Heilzwecke und wandten sie ausgiebig an. Selbst die Germanen nutzten das Wasser, sommers wie winters, kalt oder
heiß. In Deutschland brachte der Pfarrer Kneipp mit seinen besonderen Wasseranwendungen, wie
Güsse, Wickel, Wassertreten usw. neue Aspekte in die Wasserheilbehandlung, von der heute zahlreiche Kurorte leben. Unterrichtete Mütter versuchen das Fieber ihrer Kinder mit feuchten Wickeln
zu senken oder sie mindern damit Halsschmerzen. Die im 20. Jahrhundert zunehmend bekannt
gewordene Heilbehandlung durch die Homöopathie basiert ausschließlich auf Wasser. In immer
höheren Verdüngungsgraden werden ausgesuchte Substanzen in Wasser gelöst und Patienten je
nach Krankheit verabreicht.
In früheren Zeiten kursierten allenthalben Geschichten von der Existenz von Jungbrunnen durch die Lande. Auf der einen Seite dieser Wunderbrunnen stiegen alte, kranke und sieche Menschen in das Heilwasser und kletterten auf der anderen Seite munter als gesunde und
wieder junggewordene Menschen heraus. Die Jungbrunnen jener Zeiten setzen sich heute offensichtlich in den modernen Badeparadiesen und Spaßbädern, mit Solarien und Rutschbahnen,
Saunawelten und Restaurants fort.
In Mozarts Oper die Zauberflöte werden auf bestimmte Einweihungsriten von Menschen hingewiesen, wenn die zu Einweihenden als einen Teil ihrer Prüfungen die Feuer- und Wasserprobe zu bestehen hatten. Bei allen Naturvölkern wurden Quellen stets als heilig verehrt und
beschützt, die von Quell-Nymphen bewohnt und bewacht wurden. In der germanischen Mythologie
wurde der Göttervater Wotan wissend und sehend, als er an Mimirs Quell saß und die Weisheit unter dem Opfer eines Auges aufnahm. Eine Reihe alter Volksmärchen und Mythen haben das Thema Wasser z.B. als "Wasser des Lebens" oder als Hinweis auf die jenseitige, höhere geistige Welt,
die man durch Überquerung des Wassers erreichen kann, aufgegriffen und bildhaft geschildert.
Eine Reihe von modernen Forschern und Wissenschaftlern der Gegenwart befassen
sich zunehmend mit den besonderen, noch kaum erforschten Qualitäten und Eigenschaften des
geheimnisvollen Elements Wasser. Zu nennen sind hier u.a. Wilfried Hacheney, Roland Plocher,
Theodor Schwenk, Wilhelm Reich und viele andere, die über ihre Versuche, Versuchsergebnisse
und Gedanken in Büchern ausführlich und informativ berichten. Wasser, das sicherlich nicht nur
eine chemische Substanz H20 - also eine Verbindung von Wasserstoff und Sauerstoff ist, wird bis
ans Ende der Welt die entscheidende Rolle im Leben und für das Leben der Menschen spielen. Es
zu schützen ist eine Notwendigkeit für das Überleben.
Literatur:
1). "Ihr Trinkwasser" - Klares Wasser oder trübe Aussichten? - Verbraucher-Zentralen
2). Wasser, die geheimnisvolle Energie - Urs Honauer - Heinrich Hugendubel Verlag
3). Wasser, ein Gast der Erde - Wilfried Hacheney - Aquädukt Dingfelder Verlag
4). Todeskandidat Wasser - Herbert Schäfer - Knaur Verlag tb
5). Geheimnis Wasser - Reinhold D. Will - Droemersche Verlagsanstalt tb
6). Lebendes Wasser - Olof Alexandersson - Ennsthaler Verlag
7). Das sensible Chaos - Theodor Schwenk - Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
9
Dateigröße
95 KB
Tags
1/--Seiten
melden