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Bauschaden – und was dann? - Nodig-Bau.de

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horizontalbohren
Bauschaden –
und was dann?
Mit Dipl.-Ing. Peter de la Motte und Dr. Rüdiger Kögler diskutieren
zwei Experten der Horizontalbohrbranche im Interview Probleme und
Fehler im Bauablauf, mit unter Umständen schwerwiegenden Folgen.
Durch den enormen Wettbewerbs- und Preisdruck werden viele Bauunternehmen heute
dazu gezwungen, Angebote mit minimalen finanziellen Reserven für die Bauausführung abzugeben. Wird dann der Bauablauf – selbstverschuldet oder nicht – auch nur geringfügig gestört, kommt es nicht selten zu einer Verkettung ungünstiger Umstände. Am Ende steht
dann mitunter sogar ein kapitaler Bauschaden
und ein – zumindest in dieser frühen Phase –
zusätzlich belasteter Bauunternehmer. Was ist
also zu tun, um mit einem Bauschaden rational
und effizient umzugehen?
Aus der Sicht des Bausachverständigen diskutieren im nachfolgenden Beitrag die beiden
dienstältesten vereidigten Sachverständigen
für Horizontalbohrtechnik, Dipl.-Ing. Peter de la
Motte und Dr. Rüdiger Kögler, beispielhaft für
dieses hochspezialisierte Bauverfahren typische Verfahrensabläufe und häufige Fehler bei
der Abwicklung von Bauschäden.
wie Herr de la Motte schon richtig ausgeführt
hat - eher etwas rückläufig.
bi: Welches sind aus Ihrer Sicht die häufigsten
Bauschäden im HDD-Bereich?
De la Motte: Die häufigsten Schäden rühren
nach meiner Erfahrung daher, dass zu wenig auf
die sichere Herstellung des Bohrloches, seien
es Ausbläser oder Einbrüche, geachtet wird.
Mit der Folge, dass die Umhüllungen der Rohre
beschädigt werden können.
Auch eine Kontrolle der Bohrlochgradiente
scheint mir nicht ausreichend. Die allgemeine
Auffassung, dass die Aufweitgänge es schon
richten würden, sind nicht geeignet, eine dogleg-lose Verlegung zu garantieren.
Dr. Kögler: Viele Bauschäden ereignen sich
nach meiner Erfahrung während des Einziehvorgangs. Immer wieder „gerne genommen“
werden dabei unterdimensionierte Schekel am
Ziehkopf, die irgendwann abreißen, oder
schlecht gewartete Drehwirbel, die während
des Einziehvorgangs plötzlich blockieren.
Bei den Aufweitgängen führen häufig Bohrlocheinstürze, besonders in nicht mit Grundwasser gesättigten Abschnitten, zu Problemen.
Während der Pilotbohrung, besonders auch in
tonigen Böden, kommt es mitunter zu Ausbläsern, die je nach Oberflächensituation zu ernsthaften Störungen führen können, z.B. im Bereich von Straßen oder Bahnlinien.
Hinsichtlich der Pilotbohrung stimme ich Herrn
de la Motte zu, dass die Aufweitgänge sicherlich kein Allheilmittel zur „Begradigung“
schlechter Pilotbohrungen sind. Deshalb sollte
man neben der angesprochenen Kontrolle der
Pilotbohrung auch schon in der Planung hinreichend große Bohrlochradien vorsehen, die
es den Bohrfirmen gestatten, auch einmal
etwas kleiner als vorgesehen, aber immer noch
größer als aus rohrstatischer Sicht erforderlich,
zu bohren.
bi: Wo liegen Ihrer Meinung nach die Schwerpunkte der technischen Verantwortlichkeiten,
bei den Bauherrn, den Planern oder den Baufirmen ?
bi: Wie schätzen Sie als Sachverständige die
Entwicklung der Bauschäden in Ihrem Bereich
hinsichtlich Anzahl und Schadenhöhe im Verlauf der letzten fünf Jahre ein?
De la Motte: Die absolute Schadenhäufigkeit
hat sich nach meinem Eindruck gerade in den
letzten 2 bis 3 Jahren eher verringert. Nach meiner Erfahrung hängt das jedoch daran, dass der
Umfang an Arbeiten stark rückläufig ist.
Dr. Kögler: Aus meiner Sicht hat sich die Anzahl
der Bauschäden im HDD-Bereich eher erhöht,
jedoch nicht das spezifische Schadenvolumen.
Viele Schwierigkeiten hat es zum Beispiel im
Zuge der verschiedenen GfK-Trassen gegeben.
Hierbei handelte es sich in der Regel um kleinere Schadenshöhen. Kapitale Bauschäden
sind in den letzten Jahren wegen geringerer Investitionen in Deutschland in diesem Bereich –
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Zu wenig auf die sichere Herstellung des Bohrloches geachtet: Ausbläser in landschaftlicher Idylle.
horizontalbohren
De la Motte: Die Schwerpunkte der technischen Verantwortung sollten von Bauherrenseite eindeutig auf den Ingenieur übertragen
werden, der dann auf der Basis seiner Planungsleistungen, unter Einbeziehung möglichst die Örtlichkeit kennender Baugrundsachverständiger, mit der ausführenden Baufirma die technische Verantwortlichkeit hat.
Wobei der Ingenieur in das Baugeschehen tunlichst nur dann eingreifen sollte, wenn Gefahr
im Verzug ist.
Dr. Kögler: Ich sehe im wesentlichen die gleiche Rollenverteilung. Der Bauherr sollte zunächst einen kompetenten Planungsingenieur
mit der Vorbereitung der Bauleistung beauftragen und anschließend eine kompetente Bohrfirma für die Durchführung der Arbeiten auswählen.
Die Schwerpunkte des Ingenieurs liegen naturgemäß im theoretischen Teil, diejenigen der
Baufirma im praktischen Teil. Ein guter Ingenieur zeichnet sich - für mich jedenfalls – durch
zusätzliche, praktische Erfahrungen aus. Eine
Immer wieder „gerne genommen“: Unterdimensionierte Schekel am Ziehkopf.
gute Bohrfirma wiederum ist nach meinem Dafürhalten in der Lage, auch umfangreiche Ingenieurleistungen zu erbringen.
Je größer die Überschneidungsbereiche dieser
beiden Parteien im konkreten Projekt sind,
desto effizienter ist die Durchführung der Bau-
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horizontalbohren
maßnahme bzw. die Bewältigung von Havarien,
weil beide Parteien prinzipiell die gleiche Sprache sprechen.
wenig Wert auf den Einsatz eines Baustellenkoordinators nach der Baustellenverordnung. Zu
seinen Aufgaben gehört zum Beispiel auch die
Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Dokumentation.
Eine HDD-Maßnahme zum Beispiel in einer Ausschreibung nur in einer kurzen Position, wie von
Ingenieurbüros teilweise vorgenommen, abzuhandeln, ist nach meiner Erfahrung häufig
Grundlage für auftretende Streitigkeiten bei der
Schadensverantwortung und –behebung.
In Bezug auf die Versicherungen kann ich den
Ausführungen von Herrn Dr. Kögler nur entschieden zustimmen.
bi: Wie würden Sie die Rolle bei der Abwicklun
von Schadenfällen hinsichtlich Bauunternehmer, Bauherr, Ingenieurbüro und Versicherung
beschreiben?
Dr. Kögler: Bei den Unternehmern würde ich mir
häufig eine bessere Dokumentation der Bauabläufe wünschen. Dies gilt insbesondere dann,
wenn man von der eigenen Unschuld überzeugt
ist. Auch diese „technische Unschuld“ kann ein
Sachverständiger nur glaubhaft nachweisen,
wenn er die dazu benötigten Unterlagen und Dokumente zur Verfügung hat.
Bei den Bauherrn ist es nach meiner Erfahrung
sehr unterschiedlich. Einige bekennen sich
durchaus zu ihrer Verantwortung und sind auch
bereit, finanzielle Lasten mitzutragen. Andere
stehen Bauschäden – die im Anfang ja fast immer
zuerst zu Lasten des Unternehmers gehen – eher
grundsätzlich reserviert gegenüber.
Bei denjenigen Ingenieurbüros, die nicht über
entsprechende Erfahrung und ausreichendes
Fachwissen im HDD-Bereich verfügen, wird häufig zuerst nach einem „Notausstieg für Helden“
Ausschau gehalten, um möglichst ungeschoren
aus der Sache heraus zu kommen. Dies gilt übrigens auch für viele Baugrundgutachter, die häufig am Ende ihrer Expertise noch umfangreiche
Hinweise für die Bauausführung von sich geben
möchten. So etwas kann auch kontraproduktiv
sein. Und Versicherungen? Ich denke, dass viele
bi: Wie groß ist der Einfluss der Qualität der Ausschreibungsunterlagen auf das Baurisiko ?
Einsparungen in der Bauvorbereitung führen nicht
selten zu kapitalen Bauschäden.
große Versicherer wegen schlechter Erfahrungen
in der Vergangenheit inzwischen sehr sensibilisiert sind und ganz vorsichtig an HDD-Projekte
herangehen. Zunehmend holt man sich von dieser Seite auch fachliche Unterstützung, bevor
man eine Deckungszusage gibt. Dies halte ich
für einen richtigen Weg, und zwar für alle Beteiligten.
De la Motte: Die Unternehmen sollten ihre Dokumentation, die direkt auf der Baustelle aufgestellt wird, auch im Original zur Verfügung stellen. Die Dokumentation ist oft mangelhaft.
Der Bauherr legt nach meiner Auffassung zu
Rüdiger Kögler: „Die Qualität der Ausschreibungsunterlagen steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit
der Höhe des Baurisikos während der Durchführung einer Baumaßnahme.“
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De la Motte: Die Ausschreibungsunterlagen sind
die Basis für das Angebot des Unternehmers.
Sind diese schon unvollständig bzw. beschreiben sie die zu erwartenden örtlichen Gegebenheiten, insbesondere den Baugrund nicht richtig, besteht die Gefahr, dass der Ausführungsbetrieb bei seiner Kostenermittlung die eine
oder andere Problematik unterbewertet. Die
Folge kann dann doch nur eine Einsparung bei
der Qualität mit der Erhöhung des Baurisikos bedeuten. Bauvorbereitung ist Sache des Bauherren, seines Vertreters und des Unternehmers.
Nur wenn diese Parteien zusammenarbeiten,
kann das Baurisiko in Grenzen gehalten werden.
Dr. Kögler: Ich glaube ebenfalls, dass die Qualität von Ausschreibungsunterlagen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Höhe des
Baurisikos während der Durchführung einer
Baumaßnahme steht: je schlechter die Ausschreibungsunterlagen, desto größer das Baurisiko. Leider wird an dieser Stelle immer wieder
– auch von großen und ansonsten professionellen Bauherren – „gespart“, d.h. die Ingenieurleistung wird zu Minimalpreisen eingekauft. Das
Ergebnis ist dann oftmals ebenfalls minimal.
Viele kritische Aspekte werden nicht oder unzureichend behandelt und man überlässt es nur zu
gerne dem Unternehmer, diese Klippen während
der Baudurchführung möglichst geräuschlos zu
umschiffen.
Ich halte deshalb diese „Einsparungen“ für sehr
bedenklich, da sie am Ende nicht nur den Unternehmern und Bauherrn schaden, sondern auch
der Bautechnik insgesamt. Als einzelner Ingenieur kann man hier nicht all zu viel ausrichten –
außer im Zweifelfall auch mal einen Auftrag abzulehnen. Ansonsten sind hier die „stärkeren“
horizontalbohren
Vereine wie DCA und GSTT gefragt, um ihren Einfluss auf die Qualität der Ausschreibungsunterlagen möglichst oft und hartnäckig auf allen Ebenen geltend zu machen.
bi: Wird nach Ihrer Einschätzung das Baugrundrisiko häufig auf den Bauunternehmer übertragen?
Dr. Kögler: Der Versuch, das „Baugrundrisiko“
vom Bauherrn auf den Bauunternehmer zu übertragen, ist nicht gerade selten zu beobachten.
Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass der Begriff
des Baugrundrisikos aus juristischer Sicht sehr
präzise definiert ist. In der Praxis findet jedoch
häufig eine Gleichsetzung bzw. Verwechselung
mit dem sogenannten „allgemeinen Baurisiko“
statt. Deshalb rate ich jedem, der mit dieser
Thematik zu tun haben könnte, sich von kundiger, juristischer Seite über die genauen Bedeutungen und Auswirkungen dieser Begriffe aufklären zu lassen. Ansonsten kann man auf dem
Papier viel hin und her übertragen, rechtswirksam wird es deshalb noch lange nicht.
De la Motte: Viele Bauherren sind bestrebt, das
Baugrundrisiko auf den Bauunternehmer zu
übertragen. Heute ist es eher als Ausnahme zu
bezeichnen, wenn der Bauherr bereit ist, den
P.W. de la Motte: „Viele Bauherren sind bestrebt, das Baugrundrisiko auf den Bauunternehmer zu übertragen.“
Baugrund als ein von ihm beigestelltes Gut zu
betrachten, für das er verantwortlich zeichnet.
bi: Wie könnte man für die Zukunft einen Rükkgang der Bauschäden erreichen?
Dr. Kögler: Einerseits durch eine konsequente
Umsetzung der obligatorischen Planungselemente wie sie z.B. in den Richtlinien des DCA
oder in den Publikationen der GSTT aufgezeigt
werden. Anderseits durch eine stärkere Bauüberwachung durch sachkundiges Personal vor
Ort. Dies scheint mir insbesondere in Zeiten, in
denen das Preisniveau für Bauleistungen sehr
niedrig ist, empfehlenswert.
De la Motte: Nach meiner Auffassung wäre insbesondere durch eine bessere Vorbereitung der
Bauarbeiten ein Rückgang von Bauschäden zu
erwarten. Für die Bauvorbereitungen sind der Ingenieur und der Bauunternehmer verantwortlich.
Der Ingenieur sollte einen technischen Fragenkatalog für eine Risikoanalyse erarbeiten, die
der Unternehmer nach folgenden Punkten tabellarisch abarbeitet:
- Was könnte passieren?
- Welche Folgen hätte das?
- Was muss getan werden?
- Wie vermeide ich den Vorfall?
bi: Noch ein kleines Statement zum Schluss?
De la Motte: Für die Zukunft wäre zu wünschen,
dass die Anregungen der Theoretiker und Praktiker besser gebündelt und der interessierten
Fachwelt kenntlich gemacht werden.
Dr. Kögler: Permanente Aus- und Weiterbildung
sind auch in unserer Industrie sicherlich ein
Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg. Und diese Einschätzung gilt meines Erachtens nach für alle Beteiligten, nicht nur für die Baufirmen, sondern
ebenso auch für die Ingenieure und für die Bauherrn.
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Erfolgreich und günstig
Bedingt durch die immer höheren Anforderungen und den größer werdenden Druck am
Markt, gilt es alle Ressorsen voll auszunutzen.
Dies war der Grund für die Firma Wähler Spezialtiefbau bei Ihrem Projekt in Kiel, die Bohrlochkontrolle und Spülungsaufbereitung in
Kompetente Hände zu geben.
Die M-I HDD GmbH, Mining & Waterwell hatte
für dieses Projekt ihre gesamte Produktpalette
angeboten und den Auftrag erhalten.
Max Bore HDD ist ein hochwertiger natürlicher
Natriumbentonit, der speziell für die Horizontalbohrindustrie entwickelt wurde. Das Produkt
zeichnet sich durch eine niedrige plastische Viskosität bei hoher Fließgrenze aus. Die Vergelung erreicht sehr schnell ein hohes und festes
Niveau. Dadurch ist eine ausgezeichnete Stützwirkung auch in grobkörnigen, wenig standfesten Böden, sowohl im Spülbohrverfahren als
auch im Microtunnelbau, gegeben.
Das Ein-Sack-Produkt hat besonders bei Böden
mit kontaminierten Grundwasser sehr gute Ei-
genschaften. So ist es bei einem Grundwasser
mit 1200 Microsiemens immer noch beständig
und flockt nicht aus. Max Bore HDD benötigt in
95 % der Anwendungsfälle keine Additive.
Außerdem ist es günstiger als gleichwertige
Produkte und von gleichbleibender Qualität.
Der Einsatz einer Hochdruckpumpe, einer kom-
Misch- und Recyclingtechnik von M-I HDD GmbH, Mining & Waterwell im Einsatz in Kiel.
binierten Misch- und Recyclinganlage sowie
Spülung Service und Soiledcontrol rundeten
die Palette der Leistungen von M-I HDD GmbH,
Mining & Waterwell in Kiel ab.
Die Firma Wähler Spezialtiefbau konnte so mit
Ihrer Wirth PB 70 ein PEHD Rohr Da 500 auf 480
m verlegen und ihren Spülungspreis von 35,50
Euro/cbm auf 13,50 Euro/cbm reduzieren.
Zur gleichen Zeit wurde von Wähler Spezialtiefbau eine Bohrung mit einer Ditch Witch
40/20 durchgeführt. Da es sich um das gleiche
Projekt handelte war auch hier ein PEHD Rohr
Da 500 einzuziehen. Auf dieser 150 m lange
Bohrung konnte der Spülungspreis sogar auf
9,00 Euro/cbm gesenkt werden.
Nicht zuletzt ist es auf die Misch- und Recyclingtechnik von M-I HDD GmbH, Mining & Waterwell zurückzuführen, dass dieses Projekt erfolgreich und kostengünstig abgeschlossen
werden konnten.
Von Andreas Schulze M-I HDD GmbH, Mining &
Waterwell
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