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Medikalisierung des Alltags • Was steckt dahinter? (wieso - SAMW

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04.07.2011
Di Medikalisierung
Die
M dik li i
d
des
Allt
Alltags:
Anreize und Kosten
Prof. Dr. Stefan Felder,
Wirtschaftswissenschaftliches Zentrum
Universität Basel
Medizin total, Tagung der SAMW und NEK, Bern, 1. Juli 2011
Felder
Anreize und Kosten der Medikalisierung
Bern, 1. Juli 2011
/20
Bern, 1. Juli 2011
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Vorbemerkungen
Medikalisierung des Alltags
• Was steckt dahinter? (wieso steigen die
Gesundheitsausgaben?)
• Wo ist das Problem?
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Anreize und Kosten der Medikalisierung
1
04.07.2011
BIP-Anteil der Gesundheitsausgaben (in %)
Belgien
Deutschland
Finnland
Frankreich
Irland
Island
Kanada
Neuseeland
Norwegen
Portugal
Schweden
Schweiz
Spanien
Vereinigte Staaten
Vereinigtes Königreich
Österreich
Felder
1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005
3.9
5.6
6.3
7.0
7.2
8.2
8.6 10.3
6.0
8.4
8.4
8.8
8.3 10.1 10.3 10.7
5.5
6.2
6.3
7.1
7.7
7.5
6.6
7.5
54
5.4
64
6.4
70
7.0
80
8.0
84
8.4
99
9.9
9 6 11.1
9.6
11 1
5.1
7.3
8.3
7.5
6.1
6.7
6.3
7.5
4.7
5.7
6.3
7.2
7.8
8.2
9.3
9.5
6.9
7.0
7.0
8.1
8.9
9.0
8.8
9.8
5.1
6.5
5.9
5.1
6.9
7.2
7.7
9.0
4.4
5.9
7.0
6.6
7.6
7.9
8.4
9.1
2.5
5.1
5.3
5.7
5.9
7.8
8.8 10.2
6.8
7.6
9.0
8.6
8.3
8.1
8.4
9.1
5.5
7.0
7.4
7.8
8.3
9.7 10.4 11.6
3.5
4.6
5.3
5.4
6.5
7.4
7.2
8.2
7.0
7.9
8.8 10.0 11.9 13.3 13.2 15.3
4.5
5.5
5.6
5.9
6.0
7.0
7.3
8.3
5.2
7.0
7.5
6.5
7.0
9.8 10.0 10.2
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Was steckt dahinter?
• Alterung der Bevölkerung?
• Angebotsinduzierte Nachfrage?
• Verhaltensrisiko der Versicherten?
• Baumolsche Krankheit?
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Was steckt dahinter?
Einkommensentwicklung
• Abnehmender Grenznutzen des Konsums
(Sättigung mit traditionellen Konsumgütern)
• Überproportionaler Anstieg der Nachfrage nach
Gesundheit
• Gesundheitsanteil am BIP 40 Prozent in 2040
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Wo ist das Problem?
Mögliches Staatsversagen
• Überbeanspruchung von sozialen
Sicherungseinrichtungen
• Verdrängung von privaten Aktivitäten
Anreize und Kosten
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Übersicht
1. Verhaltensrisiko
2. Verhaltensrisiko bei Kuren
3. Wie geht der Staat damit um? Beispiel IV
4. Fazit
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1. Verhaltensrisiko
Versicherungsdeckung wirkt sich auf das Verhalten
d Versicherungsnehmer
der
V i h
h
aus
• Prävention (ex ante)
• Höhe der Leistungsinanspruchnahme (ex post)
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1. Verhaltensrisiko
Preis
Angebot
PV
P
Nachfrage
Q
Felder
QV
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Menge
(z.B. Arztbesuche)
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1. Verhaltensrisiko
Ergebnis
• Zu wenig Prävention
• Zu hohe Preise und überhöhte Nachfrage
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2. Verhaltensrisiko bei Kuren
Leichter Zugang zu Kuren in der GKV Deutschlands:
„Medizinische
Medizinische Vorsorgeleistungen
Vorsorgeleistungen“ dürfen laut SGB V bereits bei einer
„Schwächung der Gesundheit, die in absehbarer Zeit voraussichtlich zu
einer Krankheit führen würde“, von Ärzten verschrieben werden.
„Medizinische Rehabilitationsleistungen“ dürfen dagegen nur bei
Vorliegen einer spezifischen Diagnose verschrieben werden.
Volumen 2008: 7.7 Mrd. Euro
2 Mio. Kuraufenthalte und 1 200 Reha- und Vorsorgeeinrichtungen
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2. Verhaltensrisiko bei Kuren
Regierung Kohl: Kostendämpfungsgesetz 1997
Verdoppelung
V
d
l
der
d Zuzahlung
Z hl
b i Kuraufenthalten
bei
K
f th lt
von 13 DM auf 25 DM
Rückgang der Kuren um 20%
Rückgang der Ausgaben von GKV und RV für
Kuren in 1997 um 25%
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Anreize und Kosten der Medikalisierung
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2. Verhaltensrisiko bei Kuren
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2. Verhaltensrisiko bei Kuren
Ziebarth (2011), Economic Journal
Preiselastizität der Nachfrage (Nachfrageänderung in
Prozent, wenn der Preis um 1 Prozent steigt)
• Medizinische Rehabilitation
zur Verhinderung von Arbeitsinvalidität
nach Unfällen bei der Arbeit
-0.3
-0.5
• Vorsorgemaßnahmen zwischen -1.1 und -2.4
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2. Verhaltensrisiko bei Kuren
Reichert, Augurzky und Tauchmann (2011), Ruhr Economic Papers
Präsentismus: Nehmen Beschäftigte
g in unsicheren Zeiten weniger
g
Kuren in Anspruch?
Ja: Eine um 1% höhere Arbeitslosenrate in der Region, senkt die
Wahrscheinlichkeit einer Reha-Maßnahme um 7%.
Führt die Angst, den Job zu verlieren, zu schlechter Gesundheit?
unklar: Der vorgängig selbsteingeschätzte Gesundheitszustand ist
unabhängig davon, wie stark man in der Krise auf Kuren
verzichtet.
Felder
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3. Wie geht der Staat mit VR um? Bsp. IV
• Anstieg der Prävalenz von psych. Erkrankungen
• Anstieg der Akzeptanz von psych
psych. Erkrankungen
• Lasches Screening und hohe Leistungen der IV
haben die Fallzahlen in der Vergangenheit
explodieren lassen.
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Durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der IVRentnerInnen nach Invaliditätsursache
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3. Wie geht der Staat mit VR um? Bsp. IV
• Anstieg der Prävalenz von psych. Erkrankungen
• Anstieg der Akzeptanz von psych
psych. Erkrankungen
• Lasches Screening und hohe Leistungen der IV
haben die Fallzahlen in der Vergangenheit
explodieren lassen.
• Diagnose ist schwierig: Nicht nur falsch
falsch-positive-,
positive ,
sondern auch viele falsch-negative Diagnosen
(25% USA).
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3. Wie geht der Staat mit VR um? Bsp. IV
Mögliche Reaktionen des Staates:
• Strikteres Screening
g (Zugangshürden
( g g
erhöhen)) und bessere
Missbrauchskontrolle
• Geringere Leistungen der IV
Befragung der US-Bevölkerung (Low & Pistaferri, 2010)
• Niedrige Eintrittsschwellen
• Leistungen < 50% des letzten Lohnes
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4. Zusammenfassung
• Steigende Nachfrage nach Gesundheit aufgrund
steigender
g
Einkommen
• Hohe Zahlungsbereitschaft für Gesundheit
• „Medikalisierung“ des Alltags ist Ausdruck dieser
Entwicklung
• Der Staat leistet dieser Entwicklung Vorschub
- umfassende Versicherungsdeckung
- zu niedrige Kostenbeteiligung der Versicherten
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