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Management Report Was kommt wirtschaftlich auf die Schweiz zu?

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Management Report
Was kommt wirtschaftlich auf die
Schweiz zu?
Frühling 2012
Die wirtschaftliche Grosswetterlage
des europäischen Umfeldes verschlechtert sich von Tag zu Tag. Auf
der “Insel Schweiz” neigt man etwas
dazu, dies als externes Problem zu
betrachten. In diesem Beitrag wollen
wir auf die Bedeutung der Ungleichgewichte für die Schweiz hinweisen.
1. Ausgangslage für die Schweiz
1.1 Überschuldung der öffentlichen
Haushalte in den USA und in Europa
Die Verschuldung der USA erreicht $
15'000'000'000'000 (15 Billionen). Dies entspricht ihrer Wirtschaftsleistung (Bruttosozialprodukt: BSP) im 2011. Angesichts anhaltender Defizite des staatlichen Haushalts
und der politischen Unfähigkeit, eine Trendumkehr herbeizuführen, wird mit einer weiteren Erhöhung der US-Verschuldungsquote
gerechnet. Die USA erreichen somit die
Grössenordnung der akut in der Krise stehenden europäischen Saaten (Griechenland,
Italien, ...). Abbildung 1 lässt erahnen, dass
es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis das
Virus weitere Länder überfällt. Die öffentliche
Überschuldung der Schweiz liegt im Vergleich bei unter 40% der Wirtschaftsleistung.
1.2 Ausufernde Geldmengenentwicklung
aus verschiedenen Gründen
Die Aufgabe der Notenbanken besteht
grundsätzlich darin, den Geldumlauf und die
Preisstabilität sicherzustellen. Gewöhnt sich
eine Volkswirtschaft an Preisstabilität, kann
der Staat den “Illusionszustand des Publikums“ politisch nutzen. In Anlehnung an einer keynesianischen Politik kann er mit tiefen Zinsen sowie einer Geldmengen-Ausweitung die Nachfrage stimulieren und die Arbeitslosigkeit reduzieren, resp. tief halten. Es
stimmt somit theoretisch, dass Notenbanken
zur Stützung der Wirtschaft unendlich viel
Geld in Umlauf setzen können. Diesen
Inhalt
1 Ausgangslage für die Schweiz
2 Welche Handlungsalternativen bestehen für das Umfeld?
3 Was kommt auf die Schweiz zu?
Mitteln steht aber keine Leistung entgegen.
Merkt die Volkswirtschaft den Schwindel,
besteht mit Zeitverzögerung die Gefahr des
Geldwert-Verlustes (Inflation).
In den letzten Jahren hat sich die Finanzvon der Realwirtschaft abgehoben. Eine Finanzblase wie ab 2008/09 kann nur entstehen, wenn die entsprechende Geldmenge
vorgängig von den Notenbanken zur Verfügung gestellt wurde (in diesem Fall vor allem
von der US-Fed Reserve). Seit der Krise
2008 geht es primär darum, die Zahlungsfähigkeit von Staaten und Banken zu gewährleisten. Ein Zusammenbruch des Finanzsektors würde für die Realwirtschaft zu gewaltigen Verlusten und unweigerlich zur
Wirtschaftskrise führen. Vor allem die USA
Abbildung 1: Die Verschuldung in Europa
2011 in % des Brutto-Sozialproduktes
Maastrichtgrenze:
60%
Darstelllung: dimpro aufgrund veröffentlichter Informationen
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und GB haben frühzeitig zur Geldschöpfung
gegriffen, um die Wirtschaft zu stützen und
den Zusammenbruch der gegenseitigen finanziellen Abhängigkeiten zu verhindern.
Abbildung 2 zeigt, dass die SNB dem im
Vergleich zur Kaufkraft-Parität viel zu teuren
CHF mit dem Kauf von Fremdwährungen
(vor allem €) entgegenwirkt. Daraus resultiert
eine Ausweitung der Schweizer Geldmenge.
Abbildung 2: Währungsreserven der SNB
Seite 2
1.4 Wechselkursentwicklung des CHF
Die übermässige Nachfrage nach CHF
gründet in der politischen Stabilität und den
bisher geordneten Staatsfinanzen. Es ist ein
inländisches Problem. Seien wir uns bewusst, dass die Schweiz eine jährliche Leistung von ca. CHF 550 Mrd. erbringt (BIP:
Brutto-Inlandprodukt) und für CHF 200 Mrd.
Produkte und Dienstleistungen exportiert.
Auch ein Wechselkurs von 1.20CHF/Euro ist
ein tiefer Wert. Würde die SNB ihre Devisenbestände von über CHF 310 Mrd. (Ende
Okt. 2011) verkaufen, würde der Wert des
CHF noch zunehmen. 1
Abbildung 4: Eurokurs in CHF (2001 - 2011)
Quelle: SNB, von 1999 bis 2011 in Mio. CHF
Die EZB und der IWF werden vermehrt die
Schulden der europäischen Problemstaaten
übernehmen und/oder das Bankensystem
stützen müssen.
Abbildung 3: Rendite Bundesobligationen
Quelle: SNB, von 1999 bis 2011, 3 jährige Titel
1.3 Zinsen: Was ist Geld noch Wert?
Wie Abbildung 3 unter Berücksichtigung der
Bundesobligationen zeigt, haben die Zinsen
einen historischen Tiefpunkt erreicht. Zinsen
im Bereich des Nullpunktes sind nicht haltbar. Sie müssen die Rentabilität des Kapitals
und die Marktrisiken abbilden. Die Zinsen
können wieder so rasch in die Höhe schnellen, wie sie z.Bsp. im 2008 gefallen sind.
Das Problem des Zinsendienstes einiger
Staaten wird dadurch noch gravierender. In
der Schweiz sehen wir die Auswirkungen
tiefer Zinsen z.Bsp. auf dem Immobilienmarkt. Die tiefen Kapitalisierungssätze – zusätzlich zur hohen Nachfrage wegen des
Bevölkerungswachstums – führen zu erheblichen Wertsteigerungen der Immobilien.
1.5 Politische Erpressbarkeit
Die Schweiz hat wenig Freunde, ist von der
EU umzingelt und lebt von ihrer erfolgreichen Exportwirtschaft. Zudem wird sie oft als
„zu knackenden Tresor“ im Zentrum Europas
betrachtet. Die vergleichsweise gute Entwicklung und politische Stabilität ruft gleichzeitig Bewunderung und Neid hervor. Die
Erfahrungen der letzten Jahre haben die
Schwäche und Erpressbarkeit der Schweiz
gezeigt (z.Bsp: „nachrichtenlose Vermögen“,
„Preisgabe des Bankgeheimnisses“, „Beteiligung am EU-Solidaritätsfonds“, „GaddafiSohn-Affaire“, ...). Es ist eine Frage der Zeit,
wann erneut fragwürdige Forderungen gestellt werden.
2. Welche Handlungsalternativen bestehen für das Umfeld?
Die Abbildungen zeigen die Grössenordnungen der Ungleichgewichte. Die Staatsverschuldung ist keine „Naturkatastrophe“ und
fast immer eine Folge einer langfristig verfehlten Sozial- und Wirtschaftspolitik. Der
Druck des Marktes wird unabhängig politischer Prozesse mittel- bis längerfristig wie1
Die ganze griechische Staatsschuld beträgt im
Vergleich ca. CHF 400 Mrd.
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der für Gleichgewicht sorgen.
In einem ersten Schritt geht es darum, die
Haushaltsdefizite in den USA sowie in vielen
EU-Staaten zu reduzieren und die Schulden
auf ein vertretbares Niveau abzubauen. Völlig unabhängig vom Lösungsansatz müssen
die Schulden von jemandem bezahlt und /
oder abgeschrieben werden. Folgende kombinierbare Möglichkeiten stehen grundsätzlich zur Verfügung:
a) Steuererhöhungen: Sie reduzieren zwar
die Defizite, können aber auch Rezessionen verstärken. Die Schweiz gewinnt in
diesem Fall an Bedeutung für schutzsuchende Steuerzahler. Der politische
Druck auf das Schweizer Bankgeheimnis
wird nochmals erhöht.
b) Sparen, d.h. Reduktion von Staatsaufgaben und –personal: Dies bewirkt eine
kurzfristige Erhöhung der Arbeitslosigkeit
und ist i.d.R. mit der Regierungs-Abwahl
verbunden. Die Massnahme erhöht den
Einwanderungsdruck auf die Schweiz.
c) „Geld zur Schuldenzahlung drucken“: Das
führt einerseits zur Abwertung der Währung und zu Umverteilungskämpfen. Andrerseits wird die Wettbewerbs- und Exportfähigkeit wieder erstellt. Dieser Ansatz
steht zurzeit den einzelnen Ländern im
Euro-Raum nicht zur Verfügung und verhindert die lösungs-entscheidende Angleichung des Geldwertes an die Produktivität von Problemländern. Die Schweiz ist
in diesem Fall weiterhin mit WechselkursManagement gezwungen, für die wichtige
Überlebensfähigkeit der Exportwirtschaft
zu sorgen.
d) Umschuldung, d.h. die Schulden-Rückzahlung auf einen längeren Zeitraum
verteilen und unter Umständen Vorzugsbedingungen (Zinsen) aushandeln.
e) Die Schuld breiter abstützen, d.h mit „Rettungsschirmen“ und/oder mit den Reserven von China sowie weiterer Länder
(z.Bsp. die Schweiz) das Insolvenzrisiko
auf mehr Schultern verteilen.
f) Entwicklungsunterstützung für Problemländer, d.h. ein Marchall-Plan-ähnliches
Vorgehen.
Einige Ansätze verbergen die Gefahr, dass
der Druck auf die Hausaufgaben-Erfüllung
reduziert wird. Eine Kernfrage ist, ob sich der
Euro-Raum hält. Denkbar sind folgende
Szenarien:
Seite 3
a) Zurück zu Länderwährungen: Der
Euro-Raum zerfällt. Es werden wieder
Länderwährungen eingeführt.
b) Austritt von Problemländern: Problemländer treten aus der Euro-Zone
aus, führen ihre Währungen wieder ein
und vernichten ihre Schulden mit Hilfe
von Inflation, Staatsbankrott oder Umschuldung.
c) Euro-Zone überlebt: Mit massiver Hilfe
des IWF und der EZB gelingt es, die
einzelnen Staaten zu disziplinieren und
die Stabilitätskriterien durchzusetzen.
3. Was kommt auf die Schweiz zu?
Bezüglich Umfeld:
• Die Ungleichgewichte können nur in einem längerfristigen Prozess bereinigt
werden. Kurzfrisitig gibt es in Europa
vermutlich keine Alternative zur Einführung von Eurobonds. Die definitive
Lösung liegt aber in der Herstellung
der Wettbewerbsfähigkeit angeschlagener Volkswirtschaften.
• Die USA verfügen über einen liberaleren
Arbeitsmarkt. Sie werden sich deutlich rascher als Europa erholen.
• Der Kern der Schuldentilgung wird primär
mittels Geldmengen-Ausweitung erfolgen
(über EZB/IWF oder Länder-Notenbanken). Wir werden in Europa oder Teilen
davon eine Inflationswelle erleben.
• Die schrittweise Bereinigung struktureller
Defizite führt zu einer Erhöhung der Arbeitslosigkeit, zu politischen Konflikten
und unter Umständen zur Gefährdung
demokratischer Institutionen und/oder der
Wirtschaftsfreiheit.
• Die Zinsen werden sich nach mehreren
Phasen des Über- und Unterschiessens
auf ein wirtschaftliches Niveau stabilisieren, welches Risiko, reale Kapitalrendite
und Inflation gebührend berücksichtigt.
Sie müssen wieder steigen.
• Die Umfeld-Entwicklung könnte noch von
weiteren, unplanbaren Ereignissen beeinflusst werden (politische Wirren, Energieengpässe, ...).
In der Schweiz
• Die Umfeld-Ungleichgewichte und die
wirtschaftliche Vernetzung sind so bedeutend, dass die Schweiz auch vom bevorstehenden Sturm in Mitleidenschaft
gezogen wird.
• Die SNB versucht die Geldwertstabilität
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zu sichern und den Schaden für die Exportwirtschaft zu minimieren. Es ist aber
mit Geldwert-Schwankungen, eine eventuelle kurzfristige Deflation und -mittelfristig - mit Inflation zu rechnen.
• Die Schweiz wird
- sich aus politischen Gründen an den
Kosten der Stabilisierung beteiligen
müssen. Es wird auch für sie teuer.
- wegen ihrer Erpressbarkeit das Bankgeheimnis noch mehr einschränken
müssen.
• Die Geldwert-Schwankungen verursachen strukturelle Verschiebungen und
Verteilungskämpfe. Einerseits werden
zementierte und ineffiziente Strukturen
aufgebrochen, andrerseits ist mit sozialen
Konflikten, einer Zunahme der Arbeitslosigkeit und einer Bewährungsprobe für
die Sozialwerke zu rechnen.
• Insbesondere die Exportwirtschaft und die
Finanzindustrie geraten unter grossem
Kosten- und Restrukturierungs-Druck.
• Der Einwanderungsdruck nimmt zu.
Konsequenzen für die Unternehmen
Die verschiedenen Branchen werden unterschiedlich tangiert. Für die Unternehmen gilt
es,
- frühzeitig mögliche branchen- und lagespezifische Szenarien zu entwickeln und
sich keinesfalls überraschen zu lassen;
- die Chancen und Gefahren der bevorstehenden Veränderungen zu erkennen,
Schlussfolgerungen daraus zu ziehen und
Massnahmen aufzugleisen;
- sich rechtzeitig auf ein schwierigeres Umfeld, Geldwert-Schwankungen, Marktvolatilität und –veränderungen einzurichten;
- stets die unternehmerische Handlungsfreiheit und eine rasche Reaktionsfähigkeit sicherzustellen.
Der Verfasser Dr. Daniel Diserens hat nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre
an der Universität St.Gallen (HSG) für verschiedene Banken und Versicherungen
gearbeitet. Nach einigen Jahren im Dienst einer weltweit tätigen Prüfungs- und Beratungsgesellschaft ist er seit 1993 selbständiger Projektmanager. dimpro – Diserens
Management-Projekte ist auf die externe Unterstützung strategischer und organisatorischer Projekte spezialisiert. Dank einer schlanken Kostenstruktur und eines gut
ausgebauten Netzwerks ist dimpro in der Lage, eine hohe Professionalität zu attraktiven Konditionen anzubieten.
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Tel. 041 544 83 60
Fax 041 544 83 65
Homepage: www.dimpro.ch E-Mail: daniel.diserens@dimpro.ch
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