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Berufsbild PfarrerIn Beruf mit Nebenwirkungen - Kirchenbote

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10/2005
Kirchenbote
der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen
«Wir sind Mitarbeiter
an eurer Freude.»
2. Korinther 1, 24
54. Jahrgang
www.kirchenbote-sg.ch
Berufsbild PfarrerIn
Beruf mit Nebenwirkungen
«Hierarchie-Knacker»
Tun, was Bibel demonstriert
Im Anfang
Mitarbeiter an
der Freude
Was bei der Einsetzung eines
Pfarrers geschieht: das Pfarramt
aus der Sicht eines Dekans
Zu den schöneren Aufgaben eines Dekans gehört es, neu gewählte PfarrkollegInnen in ihr Amt einzusetzen. Der
Fachjargon spricht von einer «Installation». Was ich für ein gutes Wort halte:
Die Pfarrperson wird hineingestellt in
ihren Dienst.
Gemäss dem Neuen Testament ist
die christliche Gemeinde ein lebendiger
Leib, in dem jedes Glied für das andere
da ist und in dem alle miteinander «nahe bei Gott und nahe bei den Menschen» sein möchten. Da gibt es keinen Unterschied zwischen Grossen und
Kleinen, Vorgesetzten und Untergebenen. Christenmenschen sind gleichberechtigte und gleichwertige Brüder und
Schwestern. Da ist kein Platz für Standesdünkel, wie er sich – um eines der
jüngsten Beispiele zu nennen – nur
schon in der Gegenüberstellung von
«Laienbehörden» und «Ordinierten»
zeigt: «Laie» ist im heutigen Sprachgebrauch ein durchwegs negativ besetztes
Wort.
Laien gegen Ordinierte?
Unter «Laien» versteht man Leute, die
nicht viel bis gar nichts von einer Sache
begreifen. «Ordinierte» hingegen tönt
nur positiv; da klingt etwas von Eingeweihtsein an und von einem Expertentum, das weit über bloss fachliche Kompetenz hinaus reicht. Hilfreicher sind
mir da Begriffe, die der («ordinierte»)
Apostel Paulus in seinem zweiten Brief
an die («laienhaften») Korinther, Kapitel
eins, Vers 24 verwendet: «Nicht dass wir
Herren über euren Glauben wären,
sondern wir sind Mitarbeiter an eurer
Freude.» Eine solche Mitarbeiterin ist
die Pfarrperson nämlich. Als eine solche
Zur Bebilderung dieses Kirchenboten
Die Fotografin Trix Niederau, Preisträgerin des
Ostschweizerischen Medienpreises im Jahr
2003, hat sich an die Fersen von Pfarrerin
Margrit Lüscher geheftet. Und zwar bei der
Vorbereitung und Gestaltung eines Sonntagsgottesdienstes im vergangenen Monat in
Goldach. Entstanden ist ein bildhafter Einblick
in den Alltag des Pfarrerlebens zwischen
Gewöhnlichem und Faszinierendem. Zu diesem
Bildzyklus gehören das Titelbild sowie die kleine
Bildergeschichte von Seite drei bis Seite sechs.
2
Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
Mitarbeiterin darf und soll sie sich selbst
anschauen, darf und soll sie in der christlichen Gemeinde wahrgenommen werden.
Editorial
«Geschickt machen»
Das Pfarramt – Mitarbeit an der Freude!
Würde der Begriff «Amt» nicht so verstaubt klingen, wäre er von seiner Bedeutung her ebenfalls hilfreich. Das Wort
kommt aus dem Lateinischen «ambactus» und bedeutet soviel wie «Herumgeschickter»: der Pfarrer, die Pfarrerin als
Herumgeschickte. Kommt nur darauf
an, von wem und wofür!
«Da ist kein Platz für
Standesdünkel, wie er in
der Gegenüberstellung
von ‹Laienbehörden›
und ‹Ordinierten›
anklingt.»
Zur Klärung hilft ein weiteres Wort
aus dem zitierten Paulusbrief (2. Korin
ther 5, 20): «So sind wir nun Gesandte
(Herumgeschickte) für Christus, indem
Gott durch uns ermahnt; wir bitten
für Christus: Lasst euch versöhnen mit
Gott!»
Wir verstehen uns als eine basisdemokratisch organisierte Kirche mit Kollegialbehörden – in meinen Augen ein
Modell, das einer christlichen Kirche sehr
wohl ansteht! Weil es dem reformatorischen Grundsatz des allgemeinen Priestertums aller Glaubenden und dem paulinischen Postulat der Mitarbeit an der
Freude entspricht.
Klar ist: Es gehört zu unserem Amt,
dass wir es «geschickt» machen. Das traut
uns unser Auftraggeber, der gemeinsame
Auftraggeber aller Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter in der christlichen Gemeinde, zu: Jesus Christus.
Hans-Konrad Bruderer, Pfarrer in
Thal, Dekan des Kirchenbezirks Rheintal
Liebe Leserin,
lieber Leser
«Ich bin gerne Pfarrer, weil ich in
diesem Beruf Menschen begleiten
kann.» So eine Aussage auf Seite 15
in diesem Kirchenboten. Ein paar
Seiten weiter vorne steht: «Der Erwartungsdruck an die Pfarrer ist unter
den jetzigen Finanz- und Mitgliedsbedingungen der Kirche sehr hoch.»
Diese zwei Aussagen machen mein
Anliegen im vorliegenden Kirchenboten zum Thema «Berufsbild
PfarrerIn» deutlich: einen Einblick in
die Wirklichkeit des Pfarrerlebens
zwischen den Polen Faszination und
(manchmal ernüchternder) Realität
zu geben.
Klar ist: Dieses Berufsbild hat viele
Nuancen – der «Beruf Pfarrerin und
Pfarrer» lässt sich nicht mit wenigen
Strichen nachzeichnen. Das drückt
der Titel des vor knapp 20 Jahren erschienenen pastoraltheologischen
Klassikers von Manfred Josuttis immer noch unnachahmlich aus: «Der
Pfarrer ist anders». Darum ist die
Pfarrerin auf dem Titelbild eben nicht
gestochen scharf, sondern eher ein
«Suchbild»: Der Pfarrer, die Pfarrerin
ist immer noch anders.
Aber dieses Suchbild gibt verlässliche
Einblicke: Das Gespräch mit Hans
Strub und Monika Frieden («PfarrerInnen für das 21. Jahrhundert») zeigt,
wie zielstrebig das Konkordat die
Reform der Ausbildungsordnung angegangen ist und umsetzt. «Im Anfang»
umschreibt Hans-Konrad Bruderer
den Pfarrberuf als «Mitarbeiter an der
Freude». Und die Studentin Susanne
Zoller gibt Einblick, was an der
Schnittstelle zwischen Studium und
Beruf ablaufen kann.
Darin werden Vielfältigkeit, Verwurzelung in der Tradition und zugleich
zeitgemässe Aufbrüche des Pfarrberufs sichtbar – dass dieses Amt auch
Bürde mit sich bringt, ebenfalls.
Und es leuchtet auch ein: Denn es ist
auch für Pfarrpersonen kein Einfaches, als Menschen von dem zu zeugen, der Mensch und Gott war und ist:
Jesus Christus.
Daniel Klingenberg
Thema
Die PfarrerInnen
für das 21. Jahrhundert
Nicht nur Bibel, auch Gesellschaft «lesen»
Was sollen Pfarrer können? Gefragt sind in der christlichen Tradition wie in
der Gegenwart verankerte Persönlichkeiten. Ein Gespräch mit Hans Strub und
Monika Frieden von der Projektleitung der Ausbildungsreform.
Warum wird die Ausbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer «reformiert»? Müssen die Pfarrpersonen des 21. Jahrhunderts anderes können als bisher? Hans Strub, Beauftragter für Aus- und
Weiterbildung der Pfarrerinnen und Pfarrer im Konkordat
(Kasten Seite 4), gibt keine direkte Antwort, sondern weist auf
das Leitthema der Reform hin: Der neue Pfarrer muss «lernen
und reflektieren können, was es heisst, in Kirche und Gesellschaft reformierte Pfarrerin und reformierter Pfarrer zu sein».
Gemeint sind damit drei Dinge: Erstens soll er wissenschaftlich
und spirituell verankert sein in der christlichen und reformierten Tradition. Zweitens aber soll er verankert sein im kulturellen, sozialen und religiösen Diskurs der gegenwärtigen Gesellschaft. Er muss, wie Strub sagt, den «Kontext lesen können».
Will heissen: die heutige Welt verstehen und deuten. Denn in
dieser leben er und die Menschen, mit denen er es zu tun hat.
Das tun, was die Bibel demonstriert
Mit diesen zwei Voraussetzungen soll er in seiner Arbeit das
umsetzen, was schon Jesus, Paulus und die Propheten getan haben: die christliche Botschaft so in die Zeit hinein sagen, dass sie
gehört und verstanden wird. Denn dies werde, so Strub, «im
Grundtext der Bibel auf tausendfache Art und Weise demonstriert». Der Chor der biblischen Zeugen habe nichts anderes
getan, als die «immergleiche Botschaft der Befreiung zur Fülle
des Lebens in verständlicher und aktueller Form zu sagen».
Wobei das Schwergewicht beim Leitthema auf dem «Sein»
liege. Entscheidendes dürfte bei der Weitergabe der Frohen Botschaft nämlich in der Art und Weise, wie Pfarrpersonen ihren
Beruf ausüben und ihr Leben leben, geschehen. Strub vermutet, dass in Zukunft Pfarrerinnen und Pfarrer in wohl noch
stärkerem Mass als heute «die Kirche und ihre Botschaft repräsentieren». Das bedeutet aber, dass die Aus- und Weiterbildung
sich stark an den Kompetenzen orientieren muss, die ein Kandidat mitbringt: Diese schreibt er in reflektierter Form in einem
so genannten «Portfolio» auf, das auch prüfungsrelevant ist.
In den Blick kommt auch, dass Pfarrpersonen kompetent
am gesellschaftlichen Diskurs und seiner Gestaltung teilnehmen können– daraus ist ein weiteres Ziel abzulesen: die Stärkung und auch Rückgewinnung gesellschaftlicher Relevanz
von Pfarrern und Kirche. Denn auch da orten Hans Strub und
Monika Frieden, Pfarrerin und mit einem Pensum von 50 Prozent Projektkoordinatorin der Reform, Handlungsbedarf. Bis
gegen die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts sei der Pfarrer der
«Pfarrherr» gewesen: eine religiöse, kulturelle und soziale – oft-
mals etwas kantige – Grösse im unübersehbaren Talar. Mit den
68ern, so Strub, kam eine andere Gangart: Nicht mehr der Herr
als Pfarrer war das Modell, sondern eher der «Kollege». Mit einher ging damit eine Kritik an hierarchischen Modellen, an einer
Klassengesellschaft kraft des geistigen und sozialen Standes.
Die Pfarrperson habe mitteilen wollen: Auch wir sind «normale» Menschen. Die Kleider pendelten zwischen T-Shirt, Rollkragenpulli und dunklem Anzug.
Bedeutung wieder gewinnen
Verloren ging aber dadurch auch die Klarheit der Rolle – was
die Gemeinde «letztlich irritiere» –, einher damit ein Bröckeln
der Bedeutung. Die Frage sei, so Strub pointiert: «Lassen wir
diesen schleichenden, aber sich stetig fortsetzenden Verlust der
Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
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Bedeutung weiterlaufen, oder finden wir eine Neukonstituierung der Pfarrerrolle?» Die Reform der Ausbildung suche die
Grundlage zu legen, dass Pfarrer in der Gesellschaft des 21.
Jahrhunderts ihre Kompetenzen relevant einbringen können.
Was etwas allgemein klingt, bekommt Brisanz, sobald Strub
und Frieden von den Visionen sprechen, die auch in den
«Newslettern» auf der Konkordats-Homepage zugänglich sind.
Beispiel eins: Zu entdecken gelte es «kirchliche Räume an säkularen Orten» wie Bahnhöfe, Flugplätze, Stadtmittelpunkte.
Orientiert wäre eine solche Entdeckung daran, wo sich Menschen tagsüber aufhalten. Begleitet wird dies von der bemerkenswerten Beobachtung, dass sich das jetzige Gemeindeprinzip an einer «Nachtstruktur» orientiere: Entsprechend der
Zahl, wie viele Menschen wo schlafen, würden Pfarrstellen dotiert. Als Ergänzung biete sich an, Orte aufzusuchen, wo sich
Menschen tagsüber aufhalten. Übertragen auf St.Galler Verhältnisse: Gibt es im neuen Fussballstadion und Einkaufszentrum in Winkeln eine «spirituelle Ecke»?
Dort sein, wo Menschen sind
Beispiel zwei: In einer französischen Stadt wurden Pfarrpersonen von den städtischen Behörden angefragt, die Integration
von Ausländern, gestützt auf ihre (inter-)religiöse Kompetenz,
in die Stadt zu «übernehmen». Dies als Auftrag des Staates und
gegen Bezahlung. Vision darin ist, dass Pfarrpersonen ihr Wissen im gesellschaftlichen Raum zur Verfügung stellen und darin einen Platz haben. Auf St.Galler Verhältnisse übertragen ist
die interreligiöse Dialog- und Aktionswoche im letzten Monat
ein Beispiel, wie dies angegangen werden kann.
Neben diesen visionären Ideen muss aber klar gesagt werden: Ziel der neuen Ausbildungsordnung ist auch, dass die
Kandidaten in den vier kirchlichen Handlungsfeldern von
Gottesdienst, Seelsorge, Bildung und Kybernetik ihr «Handwerk» erlernen. Kybernetik ist die Lehre von Zusammenhang
zwischen Gemeinde und Gemeindeleitung.
Zügige Umsetzung
Die Reform ist alles andere als ein Papiertiger. 2003 wurde sie
gestartet, zurzeit wird sie umgesetzt. Sie läuft in einem breiten
Prozess ab: In der Planungsphase in den Jahren 2003/04 waren
15 Arbeitsgruppen mit je zehn Personen im Einsatz. In den Jahren 2005/06 läuft nun die Umsetzungsphase. Gegenwärtig werden gegen fünfzig Kirchgemeinden und Pfarrpersonen gesucht,
die sich zur Führung und Begleitung des «EkklesiologischPraktischen Semesters» für Studierende zur Verfügung stellen.
Auch dies ist ein Schritt hin zur Welt und Gemeinde von heute.
Übrigens: Im letzten Monat wurden erstmals Vikarinnen
und Vikare nach der neuen Prüfungsordnung geprüft. Drei von
ihnen machten im Kanton St.Gallen das Lernvikariat. Und der
Projektverantwortliche der Reform von Seiten der Konkordatskonferenz ist Dölf Weder, St.Galler Kirchenratspräsident.
Daniel Klingenberg
Konkordat und Konkordatsreform
Das «Konkordat» ist ein Vertrag zwischen den Evangelisch-reformierten
Landeskirchen der Deutschschweiz (ohne Bern). Es regelt den Rahmen
der Ausbildung für Pfarrerinnen und Pfarrer und die Voraussetzung zur
Zulassung zum Kirchendienst. In seiner Grundform stammt es aus dem
Jahr 1862, abgeschlossen von damals fünf Kantonsregierungen. Seine
vorletzte Totalrevision erfuhr es 1967, als es in eine rein kirchliche Trägerschaft überführt wurde. Im November 2002 hat die Konkordatskonferenz die Konkordatsreform verabschiedet, welche unter anderem die
Reform der kirchlichen Ausbildung zum Inhalt hatte. Sie trat 2003 in
Kraft. Unter www.konkordat.ch sind sämtliche «Newsletter» und die im
Text erwähnten Visionen zu finden.
«Im Grundtext der Bibel wird auf
tausendfache Art und Weise
demonstriert, was Pfarrpersonen
tun sollen: die immergleiche
Botschaft der Befreiung zur Fülle
des Lebens in verständlicher und
aktueller Form sagen.»
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Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
Thema
Hochhäuser
voller Leben
Ein Tag im Leben einer Theologiestudentin
Susanne Zoller hastet zum Seelsorgepraktikum ins
Spital Triemli. Was erwartet sie hinter den Spitaltüren?
Die Vorlesung über das Johannesevangelium von zehn bis zwölf Uhr ist einfach so an mir vorbeigerauscht. In
Gedanken bin ich im Spital bei den
Besuchen, die ich machen soll. Schnell
eile ich über die Terrasse der ETH und
fahre mit dem Polybähnli Richtung
Bahnhof. Dort setze ich mich ins Tram
zum Triemlispital. Jetzt kann ich verschnaufen und mein Thonbrötchen essen.
Und doch wird mir immer unwohler.
Wenn ich an die vier Betonblocks des
Triemlispitals denke, könnte ich weglaufen. Der erste Nachmittag, den ich im
Rahmen des Seelsorgepraktikums verbracht habe, kommt mir in den Sinn.
Den allerersten Besuch musste ich bei
einer krebskranken Frau machen. Ich
sehe jetzt noch ihr freundliches, aber
unendlich müdes Lächeln. Ich fühlte
mich so hilf- und sprachlos bei diesem
Besuch!
Jetzt muss ich wieder Besuche machen: Was soll ich mit den Kranken
sprechen? Welche Worte trösten? Bin
ich nicht fehl am Platz als gesunde,
kaum 25-jährige Frau?
Angeschnauzt
Immer wieder nehme ich einen Schluck
Mineralwasser. Mein Hals ist wie ausgetrocknet. Ein zweiter Besuch kommt
mir in den Sinn: eine Frau, die mich anschnauzte, weil ich ihren Namen falsch
aussprach. Je näher ich dem Triemli
komme, desto mulmiger wird mir.
Wie von selbst spreche ich plötzlich:
«Gott, jetzt musst du mir echt helfen.
Ich weiss nicht, was ich machen soll.»
Nachmittage lang sitze ich in der Zentralbibliothek und brüte über meiner
Seminararbeit zum Thema «Bittgebete». Beten, die Verbindung zu Gott suchen, das beschäftigt mich – aber in diesem Moment ganz anders, als wenn ich
in Büchern blättere. Hört Gott mich?
Im Moment kommt es mir nicht so vor.
Als ich an der Endstation aussteige,
beneide ich die Leute, die mir begegnen.
Die Glücklichen! Sie sind auf dem Weg
nach Hause oder zum Einkaufen, ich
aber muss im Spital Besuche machen –
wo ich nicht weiss, wer und was mich
hinter den Zimmertüren erwartet.
Spital statt Taizé
Bereits wartet mein Praktikumsleiter
auf mich. Mein Namensschild und die
Patientenliste liegen bereit. Wir gehen
durch unterirdische Gänge zum Hauptgebäude. Immer wieder begegnen uns
Mitarbeitende, ein «Grüezi» wird ausgetauscht. Im Hauptgebäude fahren wir
mit dem Lift auf unsere Abteilung und
verabschieden uns.
Jetzt muss ich alleine los. Die ersten
Besuche sind freundliche Begegnungen,
zwar keine längeren oder tieferen Ge-
spräche, aber «ganz normale» Gespräche. Es geht ja! Ich werde ein bisschen ruhiger. Dann kommt mir plötzlich auf dem Flur eine ältere, dünne
Frau mit riesiger Brille entgegen. «Die
kommt mir bekannt vor», schiesst es
mir durch den Kopf.
Etwa eine Viertelstunde später öffne
ich eine Tür und stelle mich vor: «Grüezi, ich bi d Susanne Zoller vo de Spitalseelsorg. Törf ich bi Ihne en Bsuech mache?» Die Dame bittet mich herzlich
herein: Es ist die alte Frau, die mir vorhin auf dem Flur begegnet ist.
Sie erzählt, dass sie eigentlich nach
Taizé habe fahren wollen, aber jetzt den
Oberschenkelhals gebrochen habe. Taizé, Moment mal! Mir dämmert, dass ich
die Frau aus einem Taizé-Gebet kennen
könnte. «Waren Sie im Taizé-Gebet?»,
frage ich. Tatsächlich, sie war auch dort.
«Bin ich nicht fehl
am Platz als
gesunde, kaum
25-jährige Frau?»
Dann haben wir uns also schon einmal gesehen: Wir freuen uns beide sehr
darüber. Wir reden übers Reisen, über
unverhoffte Begegnungen und göttliche
Bewahrungen. Sie betont immer wieder, wie sehr sie sich über meinen Besuch freut.
Solche Gespräche gibt es also auch
im Spital – ich bin sehr erleichtert. Ein
Gespräch mit einer solchen warmherzigen Frau, das ist es, was mir bisher gefehlt hat im Seelsorgepraktikum.
Eine warmherzige Frau
Wie war das mit meinem Gebet im
Tram? Ich empfinde die Begegnung als
Gebetserhörung. Wenn es denn Gebets-
erhörungen gibt, dann ist das eine! Zudem freue ich mich, weil ich plötzlich
Freude habe am Besuchemachen. Als
ich das Triemli verlasse, merke ich: Die
vier Hochhäuser füllen sich für mich
langsam mit Leben.
Susanne Zoller aus Rebstein studiert im
zwölften Semester Theologie in Zürich.
Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
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Thema
Das Pfarrerleben
auf die Reihe
bringen
Der Pfarrberuf hat Nebenwirkungen
Kirchenaustritte, schwindende Finanzen, hohe
Erwartungen: Der Pfarrberuf fordert viel. Der
Supervisor Jakob Federer sagt, was Pfarrer tun
können, um im Gleichgewicht zu bleiben.
Warum ist es heute so anforderungsreich, Pfarrer zu sein? «Weil der Erwartungsdruck an die Pfarrer unter den
veränderten Finanz- und Mitgliedsbedingungen sehr hoch ist», sagt Jakob Federer, Supervisor und Coach BSO. Der
Pfarrer solle sowohl ein begnadeter Rhetoriker sein als auch einen guten Draht
zur Jugend haben. Das aber, was ein Pfarrer nicht könne, werde sozusagen «kirchenaustrittsrelevant»: Denn genüge er
den Erwartungen nicht, könne das für
Kirchenmitglieder Austrittsgrund sein.
Solche stark veränderten gesellschaftlichen Bedingungen bedeuteten
Druck; und könnten «Stress» bewirken.
Dann trete die Frage auf: «Genüge ich
für das Amt oder genüge ich nicht?» Federer, der oft mit Metaphern und bild-
haften Vergleichen arbeitet, verwendet
für das, was dann passiere, das Bild eines Holzspeichenrades.
Wenn die Kraft verpufft
«Aus dem Gefühl des Ungenügens versucht der Pfarrer immer und überall da
zu sein – die Kraft verpufft über die
Speichen.» Gleichzeitig aber gehe die
Kraft für die Nabe, die Mitte, das Zentrum, verloren. Eine solche Dynamik
beobachtet Federer häufig in seiner Beratungstätigkeit. Vorläufiger Endpunkt
könne ein Burn-out sein. Was für Mög-
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Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
lichkeiten gibt es, mit solchen Anforderungen umzugehen? Federer betont
die Wichtigkeit einer Begleitung des
Berufswegs. Sinnvoll sei es, diese einzurichten, bevor man nur der Not gehorche. Ob sie durch einen Supervisor
oder durch Berufskollegen geschehe,
spiele keine Rolle. Wichtig seien die Regelmässigkeit, der Wille zur Bearbeitung sowie der Blick von ausserhalb
der eigenen Arbeitswelt.
Was für klassische Felder und Themen gibt es, welche im Pfarrberuf zu
Konflikten führen? Aus seiner Erfahrung – da die Grundlage der Supervision die Vertraulichkeit gegenüber den
Klienten ist, geht es nicht um konkrete
Beispiele – nennt Federer das Zusammenspiel der drei Grössen Kirchenvorsteherschaft, Gemeinde und Pfarrer. Oft
sei nicht klar, wer welche Kompetenzen
habe, was für den Pfarrer die Frage nach
seiner Aufgabe aufwerfen könne.
Prozess, die Erarbeitung einer Gesprächs- und Kompromisskultur. Dabei
kann die Frage auftauchen: Haben wir
eine Streitkultur trotz der «kirchlich
friedliebenden» Umgangsformen? Und
auf den Pfarrer bezogen: Bin ich noch
ein guter Pfarrer, auch wenn ich streite?
Die veränderte gesellschaftliche Situation nimmt Federer auch an einem
klassisch reformierten Topos wahr: dem
«Priestertum aller Gläubigen». Dieses
habe auch Kehrseiten – nämlich wenn
es verstanden werde als «Ich bin überall
kompetent». Wenn er die sechs Jahre
Beratungstätigkeit im Feld «Kirche»
überblicke, falle ihm auf: «Abgeleitet
aus der Tatsache, Steuerzahler zu sein,
gibt es wahnsinnig viele Leute, die überall mitreden. Und dies in der Meinung,
sich überall kompetent einbringen zu
können.» Bis zu den Kleidern des PfarDaniel Klingenberg
rers.
Jakob Federer
Dreieck auf Rollensuche
Weder die Rolle der Vorsteherschaft
noch diejenige des Pfarrers und der Gemeinde sei heutzutage einfach gegeben.
Alle Grössen hätten eine Geschichte, je
eigene lokale kirchgemeindliche Traditionen, die beachtet werden müssten.
Was es brauche, sei ein fortlaufender
Der 45-jährige Jakob Federer aus Berneck ist
Supervisor und Coach BSO. Seit sechs Jahren
berät er Pfarrpersonen beider Konfessionen.
Diese sind aber nur ein Teil seiner Klientel: Er
berät auch Führungspersonen in Schulen und
Spitälern, macht Teamentwicklungen in Privatwirtschaft, öffentlichen Verwaltungen und Kirchen. Zudem ist Federer Berater im Projekt
«Laufbahnberatung» der Kantonalkirche.
«Der Erwartungsdruck
an die Pfarrer ist unter
den jetzigen Finanz- und
Mitgliedsbedingungen
sehr hoch. Das aber,
was ein Pfarrer nicht
kann, wird sozusagen
‹kirchenaustrittsrelevant›.»
Foto: rem
Fokus
Reformierte:
Schön vielfältig
Aussprachesynode: «Was ist reformiert?»
Gäste an der von rund 120 Synodalen besuchten Tagung
waren Setri Nyomi vom Reformierten Weltbund und
Gottfried Locher vom SEK. Zu hören waren sowohl das Lob
der reformierten Vielfalt wie die Klage, nicht mit einer
Stimme sprechen zu können.
«Reformiert ist, wenn ich mich vom
Hahn auf dem Kirchturm immer wieder
wecken lasse», stand angenagelt am
Eingang zur Kreuzkirche in Wil. Erinnert wurde damit an den Thesenanschlag von Martin Luther. Zudem wurden die rund 120 anwesenden Synodalen aufgefordert, ihre eigene These zum
«Reformiertsein» aufzustellen. Zu lesen
war dort etwa: «Schade, dass die Menschen die Freiheit der Reformierten
Kirche so wenig schätzen.» In der Aussprachesynode vom 5. September ging
es um die Frage: «Echt reformiert im
21. Jahrhundert – was heisst das?»
Zu diesem Zweck hatte die vorbereitende Kommission der alle zwei Jahre
stattfindenden Tagung sowohl eine
Summe von Impulsen in Form von
«Marktplätzen» und Workshops wie
auch ein Referat und eine Podiumsdiskussion vorbereitet. Eingerahmt war der
Anlass mit einem liturgischen Beginn
und Abschluss – die Erörterung des Tagesthemas war als vielstimmige Predigt
zu begreifen. «Wir begreifen den Ablauf
als Gottesdienst», sagte Ursula Steiger
von der Vorbereitungsgruppe.
Nord-Süd «brauchen» sich
Auf dem Tisch der nachmittäglichen
Podiumsdiskussion stand eine Weinflasche mit der Etikette «Reformiert
D.O.C.». «Wie würden Sie die Reformierten mit Ausdrücken, die für Wein
gebraucht werden, beschreiben?», fragte Kirchenrat Jakob Bösch die vier Teilnehmer. «Oft etwas trocken», aber «mit
einem runden Abgang» war zu hören.
Was aber sind die Stärken und
Schwächen der Reformierten?
Den Einbezug der Kirchenbasis bei
Entscheiden verstand Gottfried Locher
klar als Stärke. Allerdings könne diese
zur Schwäche werden, wenn es in Zukunft nicht gelinge, zu mehr Einheit zu
kommen. Denn: «Was wir hier als reformiert anschauen, ist oftmals schweizerisch.» Aber Reformierte gebe es noch
in vielen anderen Ländern mit jeweils
anderen Traditionen.
Setri Nyomi, Generalsekretär des Reformierten Weltbundes: «Reformierte haben
die spirituelle Vielfalt wiederentdeckt.»
Bereits in einem Referat am Morgen
hatte Setri Nyomi darauf hingewiesen,
dass die Reformierten durch die Wiederentdeckung der spirituellen Vielfalt
der Welt ein grosses Geschenk gemacht
hätten. Die Vielfalt, nicht die Einheitlichkeit, sei daher Ausdruck der reformierten Identität. Er wies auch darauf
hin, dass die Kirche des Nordens und
diejenige des Südens sich «bräuchten».
«Hierarchie-Knacker»
Der Süden brauche nicht bloss Geld
vom Norden, sondern auch dessen Erfahrung gewachsener Kirchlichkeit. Der
Süden wiederum könne dem Norden
zeigen, wie die Kirche auf unterschiedlichen kulturellen Hintergründen relevant bleiben könne.
Der katholische Theologe und Redaktor Josef Osterwalder plädierte bei
der Frage nach der «Evangelisch-reformierten Wunschkirche» dafür, dass sie
sich als Kompetenzzentrum für alle
christlichen Strömungen sehe, die ihren
Ausgangspunkt in der Reformation genommen hätten. Gottfried Locher hofft,
dass die Reformierten weiterhin die Rolle eines «Hierarchie-Knackers» wahrnähmen. Zudem wünscht er sich eine
Kirche, «die so schön ist, dass sie nicht
krampfhaft nach ihrer Identität suchen
muss». Abschliessend brachte Ursula
Steiger die Voten in den Zusammenhang
der St.Galler Kirche: Deren Markenzeichen sei «Nahe bei den Menschen, nahe
bei Gott».
Daniel Klingenberg
Synodale über die Aussprachesynode
Für Käthy Högger-Buchenhorner, Präsidentin
der Kirchenvorsteherschaft Ebnat-Kappel, war
es eine sehr gute Aussprachesynode. Sie habe
gelernt, «was man als Reformierte alles habe».
Zum Beispiel eine vielfältige Unterstützung
durch die Arbeitsstellen der Kantonalkirche –
etwas, was sie für ihre Kirchgemeinde vermehrt in Anspruch nehmen will. Beim Marktplatz am Morgen habe sie die Porträts reformierter Personen und die Kinderzeichnungen
über die Wunschkirche angeschaut. Beim
Thema der «Kirchenstrukturen» sei sie dann
«hineingezogen» worden und lange geblieben.
Günter Schnöring, der schon 26 Jahre in Rorschach als Pfarrer arbeitet, hat zum Thema der
reformierten Identität nicht viel Neues gehört.
Allerdings musste er sich, da er aus der Lutherischen Kirche kommt, schon länger mit Unterschieden und Gemeinsamkeiten, und damit
dem «Profil der Reformierten», befassen. Zudem besuchte er den Workshop «Begegnung
mit dem Islam». Denn darin hat er auch Vorkenntnisse, da es in Rorschach regelmässige
Kontakte zwischen Vertretern von Christentum
und Islam gebe. So besuchte er auch schon mit
Konfirmanden eine Moschee.
Auch Urs Kunz aus der Kirchgemeinde GrabsGams konnte der Aussprachesynode viel Positives abgewinnen. Setri Nyomi habe ihn sehr
beeindruckt. Er glaube, dass die «Kirche des
Südens» tatsächlich eine grosse Herausforderung für die «Kirche des Nordens» sei. Als Frage stelle sich, was die St.Galler Kirche mit all
den angeschnittenen Themen aus der Aussprachesynode anfange. Er selber sieht, dass die
Reformierten des Nordens und des Südens
ähnliche Probleme haben: die Abgrenzung
gegenüber Freikirchen wie der «Pfingstmission». Urs Kunz wundert sich, dass statt des
Gesprächs oftmals eher die Distanzierung
gesucht wird. Zwar kann er auch dem interreligiösen Dialog viel abgewinnen, aber auch das
innerchristliche Gespräch sei wichtig.
kl
Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
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Panorama: St.Galler Erklärung für das Zusammenleben
Foto: Augustin Saleem
Panorama: Gemeinden
St.Gallen Straubenzell: neue
Pfarrpersonen ins Amt eingesetzt
Am 14. August wurden Pfarrerin Susanne Schewe
und Pfarrer Michael Seitz in der Kirche Bruggen in
ihr Amt eingesetzt. Beide kommen aus Deutschland. Susanne Schewe studierte Theologie in
Münster, Zürich und Bonn und wurde 2001 in die
Evangelisch-Reformierte Kirche des Kantons
St.Gallen aufgenommen. Michael Seitz versah
nach dem Studium Pfarrstellen in Frutigen und
Wiler bei Utzenstorf im Kanton Bern. Er ist in Bremen, Susanne Schewe in der Nähe von Dortmund
aufgewachsen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie
unierten Kirchen angehörten: Seitz einer protestantisch, Schewe einer lutherisch geprägten.
Die beiden neuen Pfarrer werden nicht nur in je einem Kirchkreis, in Lachen und Winkeln, zuständig
sein, sondern erhalten zusätzlich eine Aufgabe,
die sie in der ganzen Kirchgemeinde ausüben
sollen: die Arbeit mit Kindern, mit Familien und
der Jugend.
Bühne auf dem Klosterplatz: Kirchen- und Religionsvertreter, unter anderem Dölf Weder, und Politiker.
Zusammenleben der Religionen:
St.Galler Erklärung unterzeichnet
Am 10. September haben in St.Gallen
rund 300 Menschen an der Schlussmanifestation der Interreligiösen
Dialog- und Aktionswoche teilgenommen: Sie bekannten sich in der
St.Galler Erklärung zu Toleranz
gegenüber Andersdenkenden.
Auch in St.Gallen Centrum:
neue Pfarrpersonen
Auch St.Gallen Centrum hat neue Pfarrpersonen:
Ebenfalls am 14. August wurde Stefan Lippuner
für den Kreis Linsebühl eingesetzt (Bild). Stefan
Lippuner wuchs in Gossau ZH auf und absolvierte
das Theologiestudium in Zürich. Nach dem Lernvikariat in Bauma arbeitete er seit 1990 in Münchwilen. Lippuner ist in seiner Arbeit der Aufbau der
persönlichen Beziehung zu Gott wichtig. Damit
knüpft er an ein Verständnis der Theologie an, wie
es bereits seinem Vorgänger im Linsebühl wichtig
war. Am 6. November wird Peter Willi für den
Kirchkreis St.Laurenzen-St.Leonhard (50 Prozent)
ins Amt eingesetzt. Der Einsetzungsgottesdienst
«Heute leben im Kanton St.Gallen Mitglieder verschiedener Religionen und
Konfessionen: Christentum, Judentum,
Islam, Hinduismus, Buddhismus und
andere. Eine beachtliche Zahl von
Menschen fühlt sich keiner Religion
verpflichtet. Viele Angehörige nichtchristlicher Religionen sind Ausländer.
Das Zusammenleben in dieser Vielfalt
ist nicht immer leicht. Viele empfinden
es als Bedrohung. Das nehmen wir
ernst.» So lautet der Anfang der St.Galler Erklärung. Diese religiöse Vielfalt
war sowohl in den Voten hörbar wie im
Publikum sichtbar.
Toleranz verpflichtet auch!
findet um 10 Uhr in der Kirche St.Laurenzen
statt. Peter Willi ist seit Anfang 2002 ebenfalls
zu 50 Prozent in der Gefängnisseelsorge unter
anderem im Regionalgefängnis Altstätten, in der
Strafanstalt Saxerriet und im Bezirksgefängnis
Widnau tätig.
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Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
Auf Tibetisch erklärte eine Frau, dass
Unterschiede unter den Menschen relativ seien. Auf Arabisch wurde gesagt,
dass Unterschiede nicht verwischt, sondern verständlich gemacht werden
müssten. Und wer Hebräisch verstand,
hörte auch, dass der Gleichberechtigung der Frauen spezielle Aufmerksamkeit geschenkt werde.
Weiter führt die Erklärung mit Verpflichtungen – bei allem Ernstnehmen
der Ängste: «Wir verzichten darauf,
über Menschen andern Glaubens Pauschalurteile zu fällen.» Und: «Wir glau-
ben, dass Gott alle achtet, die ihn ernsthaft anrufen, auch wenn Menschen ihn
unterschiedlich nennen und ehren. Darum bejahen wir das Gebet verschiedener Religionen in gemeinsamen Feiern
und achten darauf, dass Unterschiede
nicht verwischt, sondern verständlich
gemacht werden.»
Weder: deutliche Worte
Viel Aufmerksamkeit bekamen auch
die Reden von Politikern und Kirchenvertretern auf der Bühne. Unter ihnen
befanden sich Kirchenratspräsident
Dölf Weder, Bischof Ivo Fürer, Regierungsrätin Kathrin Hilber, Stadtrat Hubert Schlegel und Hisham Maizar, Präsident des Dachverbands Islamischer
Gemeinden Ostschweiz. Sie gehören zu
den Erstunterzeichnern der Erklärung.
Von ihnen waren Worte zu hören
wie: «Dialog ist nicht nur Privatsache,
Dialog ist Gemeinschaft.» Oder: «Glaube, Liebe, Hoffnung.» Und: «Unrecht
darf uns nicht unbeteiligt lassen.» Dölf
Weder fand deutliche Worte für die Haltung der St.Galler Kirche: «Wir sind
überzeugt, dass wir zu diesem Zusammenleben in Frieden und Mitmenschlichkeit einen wichtigen Beitrag leisten
können und sollen. Der kantonale Kirchenrat hat deshalb ganz formell und
einstimmig beschlossen, die St.Galler
Erklärung mit zu unterzeichnen. Ich bin
überzeugt, dass interreligiöses Zusammenleben und Dialog für uns Kirchen
die grosse Herausforderung des 21. Jahrhunderts sind.»
pd/kl
Panorama: Kanton/Region
Gloria-Messe
zum Fünften
200 Aussteller werden an der Kirchenmesse erwartet. Ein Rahmenprogramm
verspricht heisse Diskussionen. Die
«Gloria» öffnet vom 14. bis 16. Oktober
ihre Tore.
Katechetisches Institut
Ingrid Grünenfelder, St.Margrethen, seit anfangs
2002 Leiterin des Katechetischen Institutes (KISG)
und Beauftragte für Religionsunterricht bei der
Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons
St.Gallen ist vor längerer Zeit erkrankt. Sie dürfte
ihre Leitungsaufgabe nicht mehr wahrnehmen
können. Daher ist mit ihr vereinbart worden, dass
sie ab 1. September 2005 mit einem Pensum von
25% bis Ende Februar 2006 an Reglementen und
Konzepten arbeitet. Der Ressortverantwortliche
Kirchenrat, Pfarrer Martin Schmidt, Berneck,
wird ein Konzept für die Leitung von KISG und ARU
ab 1. August 2006 erarbeiten. Drei Persönlichkeiten aus dem bisherigen Dozententeam, Jules
Widrig, Balzers, Pfarrerin Ursula Müller, Wattwil,
und Pfarrer Hannes Gantenbein, Sargans, haben
sich bereit erklärt, interimistisch die Institutsleitung zu übernehmen. Der Kirchenrat hat sie
rückwirkend auf 1. August mit dieser Aufgabe
betraut.
Sonderpädagogik
Foto: pd
Die Kirchenmesse lädt mit Kunstausstellungen, der Präsentation von fünfzig
christlichen Institutionen und einem
spannenden Kongressprogramm nach
Dornbirn ein. In den fünf Jahren ihres
Bestehens entwickelte sich die «Gloria»
zu einer Plattform für Kirchenbedarf.
Die Messe ist schwer zu beschreiben:
Einfacher ist es, sie zu erleben. Die Atmosphäre in der Halle mit Orgelklängen
und Glockengebimmel ist speziell. An
Ständen anzutreffen sind auch die Evangelische und die Katholische Kirche, die
Neuapostolische und die Christkatholische Kirche, die deutschsprachigen Litur-
Aus dem Kirchenrat
gischen Institute, der Bibellesebund, die
Ostkirchen und viele mehr. Auch Klöster
bieten ihre Produkte an.
Viele Pfarrgemeinden aus Österreich,
Deutschland und der Schweiz nutzen die
Messeangebote für Renovierungen, Neuanschaffungen oder Neubauten von Kirchen und Klöstern. Aber auch Schnitzereien, Rosenkränze, Pilgerreisen und
Weihnachtsengel gibt es zu kaufen.
An den drei Messetagen werden weitere rund dreissig Referenten mit aktuellen
Themen für viel Diskussionsstoff sorgen.
Zum Beispiel: «Glauben alle an den selben Gott?» Dazu nehmen Vertreter des
Buddhismus, des Islams und der Katholischen Kirche Stellung. Oder: «Halloween,
Harry Potter und Herr der Ringe –
Schlingen des Bösen oder heilsame Phantasiewelten?» Unter diesem Motto sind
Jugendliche und Erwachsene zur Mitsprache gebeten. Abgerundet wird der
Kongress durch 300 Sänger und Musiker,
die Lust auf Kirche und Lust aufs Leben
pd
machen.
György Lott, Wangs, Beauftragte für Heil- und
Sonderpädagogik, wird auf 31. Oktober 2005 pensioniert. Sie ist indessen bereit, die Arbeiten bis
Ende Juli 2006 interimistisch weiterzuführen,
bis die Nachfolgeregelung geklärt ist. In diesem
Zusammenhang wird auch das Konzept dieses
Dienstzweiges überprüft werden.
Musikschule: neue Lehrer
Der neue Studiengang Kirchenmusik C populäre
Musik an der Evangelischen Kirchenmusikschule
St.Gallen EKMS erfordert die Anstellung von neuen Spezialfachkräften. Mit Rolf Engler, Waldkirch,
und Armin Sprenger, St.Gallen, konnten zwei ausgewiesene Musiker gewonnen und gewählt werden. Das Fach Literaturkunde wird von verschiedenen Referenten betreut.
Neue Volontärin
Alles für den Kirchenbedarf: Gloria-Messe vom 14. bis zum 16. Oktober mit 200 Ständen.
Buchhandlung sucht
Genossenschafter
Die Vadian-Buchhandlung in St.Gallen
ist dem Verein FEG Stadtmission
angegliedert. Um ihr Überleben zu
sichern, ändert sie die Rechtsform:
Gesucht sind Genossenschafter.
Anfangs war es ein Verlag mit Buchhandlung mit dem Ziel, christliche Literatur und Schriften zu verbreiten und
zu drucken. In Spitzenzeiten beschäftigte das Unternehmen bis 40 Angestellte.
Die Konkurrenz der Grossbuchhandlungen, des Versandhandels sowie
des Internets ist auch an der Vadian-
Buchhandlung nicht spurlos vorbeigezogen. Deshalb wurden schon seit längerer Zeit verschiedene Möglichkeiten
geprüft, um die Zukunft der Buchhandlung zu sichern. Die Buchhandlungskommission hat sich nun für die Gründung einer Genossenschaft per 1. Januar 2006 entschieden. Einzelpersonen
wie auch christliche Gemeinden als juristische Personen können Genossenschafter werden. Ein Genossenschaftsanteil kostet 200 Franken.
Neue Zielsetzungen sind die Weiterführung der Buchhandlung und eine
breitere Abstützung durch christliche
Gemeinden und Einzelpersonen. pd
Das kantonalkirchliche Jugendvolontariat zur administrativen, organisatorischen und inhaltlichen
Unterstützung des Netzwerks Junge Erwachsene
bewährt sich bestens. Die aus Norddeutschland
stammende Katrin Koelmann hat am 25. August
2005 Barbara Moser aus St.Gallen abgelöst. Das
Volontariat dauert jeweils ein Jahr.
Spenden für Niger und Rumänien
Das Hilfswerk Evangelische Kirchen Schweiz hat
an die Mitgliedskirchen Spendenaufrufe erlassen,
einerseits zur intensivierten Unterstützung der
Hilfsbemühungen im Niger nach Dürre und Heuschreckeninvasion, anderseits zur Hilfsleistung
an der von Überschwemmungen hart betroffenen
Bevölkerung in der Südmoldau, einem der ärmsten Gebiete Rumäniens. Der Kirchenrat beantwortete beide Appelle mit der Überweisung von je
5000 Franken.
Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
kid
9
Panorama: Schweiz
In einem Interview forderte der Thurgauer
Roland Gahlinger privatwirtschaftliche Anstellungsverhältnisse für Pfarrer – und trat damit
massive Reaktionen los. Die «Reformierte
Presse» lancierte darauf ein Podium: «Sollen
Laienbehörden Ordinierte entlassen können?»
Roland Gahlinger ist Präsident der evangelischen
Kirchgemeinde Aadorf-Aawangen. Laut einem
Interview Anfang Juli mit der «Reformierten Presse» will Gahlinger privatwirtschaftliche Anstellungsverhältnisse in den Kirchgemeinden einführen. Für ordinierte Pfarrer und Diakone, heute
beide vom Volk gewählt, forderte er einen gewöhnlichen Anstellungsvertrag. Begründung:
«So könnte man sie bei ungenügender Leistung
entlassen.» Oder ihnen zumindest den Lohn kürzen. Das heutige Modell mit der gemeinsamen
Führung der Gemeinde hält er für untauglich, weil
die Kompetenzen zwischen Kirchenvorsteherschaft und Pfarrer nicht genau geregelt seien.
Momente der
Nähe im Netz
Die ökumenische Internet-Seelsorge
feierte ihr Zehn-Jahr-Jubiläum.
Begonnen hatte alles im Rheintaler
Bergdörfchen Wartau-Gretschins SG.
«Was soll ich tun? Bitte helft mir!» Solche oder ähnliche Hilferufe erreichten
Foto: Viviane Schwizer
Machtfrage in Kirchgemeinden:
Interview und Podium
Interview in Absprache mit Verband
Das Interview löste viele und heftige Reaktionen
aus. Gahlinger wurde fast durchwegs vorgeworfen, seine Vorschläge seien wenig durchdacht,
einseitig und stellten das Pfarramt in seiner Tradi-
Initiant Jakob Vetsch, ein Handy und Christine
Grünig, Präsidentin Kommission Internet-Seelsorge.
tion grundsätzlich in Frage. Mit seiner pointierten
Meinung ist Gahlinger allerdings nicht allein. Das
Interview habe er als Präsident des Verbandes der
evangelischen Kirchenpräsidenten des Kantons
Thurgau – insgesamt 46 Mitglieder – in Absprache
mit seinen Vorstandskollegen gegeben, sagte er in
einem Gespräch mit dem «St.Galler Tagblatt».
Zwar sei er von den heftigen Reaktionen zu seinem Interview überrascht. Es sei ihm aber recht,
dass es so hohe Wellen werfe. Denn damit werde
eine Diskussion angestossen, die seiner Meinung
nach längst fällig sei, weil es nicht so weiterlaufen
könne wie bisher.
St.Galler Modell positiv diskutiert
Weil die Emotionen so hoch gingen, organisierte
die «Reformierte Presse» am 6. September erstmals in ihrer Geschichte ein Podium. Gahlinger
stellte sich dabei seinen Kritikern. Unter den Teilnehmern waren auch Personen aus der St.Galler
Kirche: der Flawiler Pfarrer Felix Marti, Kirchenrätin Heidi Baer sowie der Synodale Christof Bose
aus Uznach.
Die Vorschläge von Gahlinger stiessen dabei allerdings auf wenig Verständnis und wurden teilweise
wiederum heftig kritisiert. Diskutiert wurden auch
die Anstellungsmodelle der Kantone St.Gallen
und Appenzell, die einen Umgang miteinander
ohne Konfrontation ermöglichten. Weiter wurde
auch vorgeschlagen, wie in der Wirtschaft strategische und operative Verantwortung zu trennen.
Erstere läge bei den Behörden, Zweitere beim
pd/kl
Pfarramt.
10
Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
die mittlerweile etablierte Internetund SMS-Seelsorge im letzten Jahr
wöchentlich rund dreissig Mal. Ein
dreissigköpfiges Freiwilligenteam von
ausgebildeten und erfahrenen Seelsorgern, Psychologinnen und Jugendberatern nimmt sich ihrer an. «Mein Ex
meldet sich wieder, aber ich will meinen neuen Freund, den ich auch liebe,
nicht enttäuschen», schreibt die junge
Frau von nebenan. Oder ein Berufssoldat aus Deutschland möchte wissen,
woran er die wahre Liebe erkennt.
Es gebe viele Menschen, die lieber
schreiben statt reden, wenn ein Kummer sie plage, sagt Pfarrer Jakob Vetsch,
der Begründer der Internet-Seelsorge.
Und heutzutage schreibe es sich eben
auf elektronischem Wege leichter. Was
sich nun als selbstverständlich anhört,
wurde vor zehn Jahren von vielen
belächelt, als er am 27. September 1995
im Pfarrhaus des Rheintaler Bergdörfchens Wartau-Gretschins SG das welterste Konzept einer ökumenischen Internet-Seelsorge über Online-Mails vorstellte.
Im Sommer 1999 ging er noch einen
Schritt weiter: Zusammen mit einer
Telekommunikationsfirma lancierte er
die erste SMS-Seelsorge der Welt. In
weiten Kreisen herrschte Kopfschütteln
über diese neuartige «Seelsorge in
Häppchen» vor, aber viele junge Menschen schrieben auf Anhieb fleissig ihre
Ängste, Fragen und Sorgen auf. Mittlerweile wurden durch die Internet- und
SMS-Seelsorge rund 14 000 Personen
begleitet. Die damals revolutionäre Idee
war eine Initialzündung: In Europa entstanden viele Seelsorgen nach ihrem
Vorbild. Die dreisprachige Internetund SMS-Seelsorge wird durch die Reformierten und Katholischen Kirchen
der Schweiz getragen.
pd
«Aufbruch»:
vorläufig gerettet
Dank zahlreicher Spenden ist die ökumenisch-interreligiöse Zeitung «Aufbruch» für mindestens ein weiteres Jahr
gesichert. Im vergangenen Mai hatte
das Blatt einen dringlichen Appell an
die Öffentlichkeit gerichtet: Es werde
die Zeitung bald nicht mehr geben,
wenn es nicht gelinge, die Finanzsituation zu verbessern. Dieser Aufruf nützte: Gemäss einer Medienmitteilung
sind Hunderte von Spenden eingegangen. Positiv entwickle sich auch die
Zahl der Abonnenten: Sie habe von
pd
3200 auf 3300 zugenommen.
Neue Kampagne
der Agentur C
Die Agentur C, eine christliche NonProfit-Organisation, lanciert in diesen
Tagen eine neue Plakatkampagne. Die
Initiative steht im Zusammenhang mit
einer dreiteiligen Kampagne für die
Bekanntmachung christlicher Werte in
unserer Gesellschaft. Im ersten Teil, der
bis Ende 2007 läuft, wird mit neun
Bibelzitaten (Beispiel siehe unten) auf
Gott und seine Fürsorge für die Menschen hingewiesen.
pd
Foto: Paul Baumann
Fünf Frauen, vier Männer: Sie arbeiten für den Kirchlichen Sozialdienst (KSD) an den Berufsschulen im Kanton St.Gallen.
Panorama: Sozialdienst
Kirchliche Pioniertat
bewährt sich
Was 1987 am Berufs- und Weiterbildungszentrum Wattwil begann, hat
sich kantonsweit ausgebreitet. Fünf
Frauen und vier Männer erfüllen
inzwischen an neun Berufsschulen im
Kanton St.Gallen einen diakonischen
Auftrag: Kirche macht Lebensschule.
Der Kirchliche Sozialdienst greift – wo
immer nötig – helfend und hilfreich in
den «Stiftenalltag» ein. Nutzen daraus
ziehen eigentlich alle: Lehrlinge, Lehrtöchter, Lehrmeister und die Lehrkräfte
an den Berufsschulen. Denn die «KSDLeute», wie die Fachleute mit sozialpädagogischer Ausbildung des Kirchlichen Sozialdienstes abgekürzt genannt
werden, nehmen sich Zeit für Gespräche und Beziehungspflege. Auch
wenn sie zu unterschiedlichen Bedingungen in den Schulhäusern präsent
sind, lassen sie sich jederzeit einspannen bei aktuellen Lebensfragen, in Krisensituationen, bei Schwierigkeiten im
privaten Bereich, im Lehrbetrieb oder
in der Schule.
Der «Versuchsbetrieb» in Wattwil
wurde Ende der achtziger Jahre von den
St.Galler Kirchen ins Leben gerufen, ab
1992 von der Evangelisch-Reformierten
Kirche des Kantons St.Gallen allein weitergeführt und 1997 durch eine Stelle in
Rorschach ergänzt. Vor zwei Jahren gelang es, auch den Kanton St.Gallen einzuspannen und die römisch-katholischen Instanzen für einen Wiedereinstieg zu gewinnen. Heute wird das allseits geschätzte Unternehmen zu je 20
Prozent von den Kirchen und zu 60 Prozent vom Staat finanziert. Im Endausbau soll bis im kommenden Jahr an
allen elf kantonalen Berufs- und Weiterbildungszentren der KSD flächendeckend präsent sein. Neun Stellen sind
derzeit besetzt: St.Gallen mit Clemens
Allenspach und Nicole Bauer, Uzwil mit
Ruedi Bamert, Buchs mit Alexandra
Büchel, Rorschach-Rheintal mit Manuela Kaltbrunner, Sarganserland mit Sabina Mannhart, Rapperswil mit Werner
Murer, Wil mit Brigitte Wagenbach und
Wattwil mit Lukas Weibel.
Seit dem Zusammenschluss mit dem
Kanton sind die «KSD-Leute» zwar
Staatsangestellte. Namensgebung und
Zielrichtung bleiben indessen unangetastet. Mit einer klaren Identität erfüllt
der KSD einen offenen kirchlichen Auftrag: Die Kirche hat im schulischen Alltag einen festen Platz.
fis
Leserbriefe
Interreligiöser Schnickschnack
Kibo 9/2005, Seiten 6 und 7: «Interreligiöse Aktionswoche» und «Zeichen setzen für den Dialog»
Ich habe den neuen Kirchenboten durchgeblättert
und dabei festgestellt, dass der Interreligiösität
erneut ein grosser Platz eingeräumt wird. Ich bin
überzeugt davon, dass Sie mit diesem Vorgehen
schlicht und einfach falsch liegen!
Es ist an der Zeit, wenn sich auch die Evangelischreformierte Landeskirche wieder besinnt und ihre
Werte in den Mittelpunkt stellt. Ein grosses Verständnis für ein ausgezeichnetes Einvernehmen
mit der katholischen Konfession kann ich nachvollziehen und ist überaus wichtig. Die ganze «Samthandschuh-Pflege» gegenüber dem Islam nimmt
jedoch bereits peinliche Züge an. Ihre Vertreter
sollten sich einfach einmal bei den so genannten
«normalen» Angehörigen der evangelischen Konfession über dieses Vorgehen umhören.
Sie sind bestens darüber informiert, dass die Christen in jedem islamischen Land Repressionen und
oft Repressalien ausgesetzt sind. Gleichzeitig kennen auch Sie die Doktrin des Islams, wonach die
religiöse Weltherrschaft angestrebt wird, wenn
auch auf ganz langsame Art und Weise. Mit solch
«interreligiösem Schnickschnack» erleichtern wir
dieser Religion, ihr Ziel schneller zu erreichen, als
uns bewusst ist. Frust ist draussen!
Simon Thalmann, Wil
Warum nicht vertrauenswürdig?
Kibo 9/2005, Seite 5: «Pilgern im Netz»
Mit Interesse habe ich den Artikel «Pilgern im
Netz» gelesen. Als Absolvent der Schule für Diakonie habe ich eine Diplomarbeit zum Thema Internet
und Kirche geschrieben. Sie ist auf meiner Homepage www.dasch.ch einsehbar. Neben meiner jetzigen Tätigkeit in der Geschäftsleitung des Vereins
Kompass betreibe ich eine kleine Firma, mit welcher ich unter anderem die Webseiten der Schule
für Diakonie, des Diakonieverbands sowie der
Jugendkirche erstellt habe und teilweise auch jetzt
noch aktualisiere. Das Thema Internet und Kirche
ist somit für mich kein unbekanntes.
Umso mehr habe ich über den letzten Abschnitt
des Textes gestaunt und mich auch geärgert. Sie
schreiben, dass bei Google vorwiegend freikirchliche Angebote in den vordersten Trefferrängen
stehen. Im Anschluss steht: «Wer daher nicht nach
bestimmten Stichworten suchen muss, ist besser
beraten, sich über die Links von vertrauenswürdigen Homepages durchs Netz führen zu lassen.»
Heisst das, Sie betrachten beispielsweise Livenet
nicht als vertrauenswürdig?
Ich begrüsse die verschiedenen Angebote der unterschiedlichen christlichen Gruppierungen. Sei
es refkirchebuelach, welche von einem Ausbildungskollegen erstellt wurde, oder eben jesus.ch,
livenet.ch, ref.ch oder wie die verschiedenen Angebote alle heissen.
Dario Schlegel, Wil
Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
11
Palette
Spiritualität
Sitzen in der Stille
Jeden Di, 12.15 – 13.15 Uhr
Tanzen als Quelle der
Spiritualität und Lebensfreude
29. und 30. Oktober
Bulgarische Volkstänze mit
Gergana Panova
Ort: Tanzschule Anliker, St.Gallen
Veranstalterin: Krisztina Sachs
Einführung ins Ritual: 12 Uhr
Ort: Offene Kirche St.Leonhard, St.Gallen
Veranstalter: Forum SOSOS
Stille am Freitagmittag
Jeden Fr, ausser Schulferien
12.15 – 13.15 Uhr
Pia Maria Brenn, Charlie und
Margrit Wenk-Schlegel
Ort: Ökumenische Kirche Halden
Der ganze Mensch singt und
schwingt im Rhythmus
14. – 16. Oktober
Gospel- und Rhythmustage mit
Rita Share, Annemone Gonon,
Urs Tobler
Ort: Schloss Wartensee
Veranstalter: Rita Share
Heilfasten
16. – 22. Oktober
Das Fasten ist die Nahrung der
Seele; mit Andreas Fischer,
Alexander Ilg, Esther Salzgeber
Ort: Sonneblick, Walzenhausen
Veranstalter: Forum SOSOS
Aramäisches Unser Vater
in Tanz und Meditation
22. Oktober, 10 – 21.30 Uhr
23. Oktober, 9 – 16.30 Uhr
Jesus lehrte seine Jüngerinnen
und Jünger das Unservater-Gebet
in seiner aramäischen Muttersprache. Wir lernen Jesus als
Orientalen kennen, indem wir
seine Worte singen und tanzen.
Mit Pfr. Dr. theol. Markus Nägeli,
Pfarramt für Spiritualität in
Thun-Strättligen.
Ort: Evangelisches Kirchenzentrum Jona,
Anmeldung: 055 220 52 45, Kosten: 80 Franken
Misa Latino Americana
22. und 23. Oktober
Choreographie in Symbolen von
Friedel Kloke-Eibl
Ort: Schloss Wartensee
Veranstalter: Krisztina Sachs
Das Enneagramm
10 Donnerstagabende,
27. Oktober – 9. März
Ein Weg, mich und dich auf tolerante und bewusste Art kennen zu
lernen; mit Werner Frei, Dalila
Brunner, Elisabeth Fontana
Veranstalter: Werner Frei
Gesang, Trommeln,
Kirchenorgeln und Texte
27. Oktober, 19.30 Uhr
«Christus spricht viele Sprachen»
mit der Gruppe Afrikaner.de
Ort: Offene Kirche St.Leonhard, St.Gallen
Veranstalter: Kirche im Dialog
12
Schreiten in die Stille
19. und 20. November
Meditation des Tanzes
Ort: Schloss Wartensee
Veranstalterin: Gudrun Kuhn
samstags.
kirche
Der Sündenfall – ein Glücksfall
22. Oktober, 18 Uhr
Gottesdienst für die ganze Stadt
mit Pfr. Carl Boetschi und Kunst-,
Theater- und Musikschaffenden
aus der Stadt St.Gallen
Ort: KGH Lachen, St.Gallen
Kain – wo ist dein Bruder
19. November, 18 Uhr
Gottesdienst für die ganze Stadt
mit Pfr. Carl Boetschi und Kunst-,
Theater- und Musikschaffenden
aus der Stadt St.Gallen
Ort: KGH Lachen, St.Gallen
Jugend/Junge
Erwachsene
Ökumenisches Taizé-Gebet
Region Toggenburg
7. Oktober, 20 Uhr
«Die fetten Jahre sind vorbei»
19. November, 18 Uhr
Gottesdienst zum gleichnamigen
zeitgenösischen Film des Netzwerks Junge Erwachsene:
Mit einem Sofa statt Altar, Moderator statt Pfarrer. Anschliessend
Imbiss und Diskussion
Ort: Evang. Kirche Gossau
Kurswochen
KURSTAGE HEIMELI, HEMBERG
Hotel Pension: Tel. 071 378 61 00
heimeli@vch.ch, www.vch.ch/heimeli
Bibeltage «Fröhliche Menschen»: mit Peter und Ruth
Matter, Gasel, 6. – 22. Oktober
Erntedank-Festwoche: mit
Susanne Sutter, 31. Oktober –
5. November
Sing- und Begegnungswoche:
mit Lisa Utiger, Bern,
12. – 18. November
Weihnachts- und Neujahrstage:
mit Pfr. Peter Rüesch,
21. Dezember – 6. Januar
Suchen Sie einen Ort für Ihr GemeindeWochenende, eine Retraite oder
Gemeindeferien? Tel. 071 378 61 00
KURSTAGE HEIMETLI, NESSLAU
Pension Heimetli – Blaues Kreuz
Lutenwil, 9650 Nesslau, Tel. 071 994 18 87
heimetli@web.de; heimetli-nesslau.ch
Wanderwoche: 8. – 15. Oktober
Lismi-Wuche: 15. – 22. Oktober
Bibelwoche: 22. – 29. Oktober
KURSTAGE HAUS SURVAL
7426 Flerden, Tel. 081 651 13 96
Ort: Klosterkirche Maria der Engel,
Wattwil
Dinkel: 24. – 27. Oktober
Modellier-Kurs: 4. – 6. November
Gospel-Kirche Jona
23. Oktober, 10 Uhr
Ferien für Einelternfamilien
2. – 8. Oktober
Ort: Evang. Kirchenzentrum Jona
St.Galler Stadtgebet
für junge Leute
27. Oktober, 19.30 Uhr
Ausspannen über dem Bodensee,
Kinder- und Elternprogramm.
Preis je nach Einkommen
Fr. 300.–, Kinder ab Fr. 60.–
Ort: Chorraum Kathedrale St.Gallen
Ort: Sonneblick Walzenhausen
Anmeldung: Tel. 071 886 72 72
Retraite Netzwerk Junge
Erwachsene
29. Oktober, 11 – 19 Uhr
Weiterbildung
Retraite der Kerngruppe des
Netzwerks, Gäste willkommen,
Kontakt: 01 312 56 14
Das Menschenbild der
Therapeuten, Kurs 430
17./24./31. Okt., 19.30 Uhr
Ort: Schloss Wartensee
Ökumenischer AlphaliveGottesdienst
8. November, 19.30 Uhr
Die Gottesdiensform von Alphalive inspiriert: moderne Glaubenslieder, thematischer Input
Ort: Andreaszentrum Gossau
Ökumenisches Taizé-Gebet
Region Toggenburg
13. November, 20 Uhr
Ort: Evang. Kirche Hemberg
Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
Christlicher Glaube in Psychologie, Psychiatrie, Psychotherapie
und in der Seelsorge
Veranstalter: SELS, Tel. 071 223 14 16
Ort: Rosenbergstr. 50, St.Gallen
Lateinamerikanische Literatur
8./15./22./29. November
Literaturdiskussion mit Manuel
Giron; Texte von Marcela Serrano
aus Chile und Carmen Posadas
aus Uruguay
Veranstalter: Casa Latinoamericana
Ort: Eisengasse 5, St.Gallen
Der Gewalt begegnen –
konfliktfähiger werden
29. Oktober, 9.30 – 17 Uhr
«Eingreifen in Gewaltsituationen»
Weiterbildung in Modulen. Mit
Susanne Friemel, Soziologin, Maja Kaltbrunner, Sozialarbeiterin,
Ueli Wildberger, Theologe
Ort: Widnau
Anmeldung: Peter Christinger,
T 071 227 05 62, christinger@ref-sg.ch
Seminar: Tabuthema Suizid
(Kurswiederholung)
3./10./17. Nov. (19.30 – 21.30)
Wir stellen uns diesem schwierigen Thema, hören auf eigene Signale und suchen Wege als Helfende und für Angehörige.
Kursleitung: Katharina und Marc
Peytrignet-Custer und Eltern eines
suizidverstorbenen Sohnes. Seminarort:
Dargebotene Hand, Oberstrasse 38,
9000 St.Gallen; T 071 223 14 15
E-Mail: ostschweiz@143.ch
Zivilcourage –
Mut zum Handeln lernen
19. und 26. November
Mit Ueli Wildberger, Eva Füssinger,
Christa Regli
Veranstalter: Evang.-ref. Kirchgemeinden und Pfarrei St.Maria Neudorf
Ort: KGH Stephanshorn
Eine Welt
Workcamp Nigeria 2006
Die Teilnehmenden am
internationalen Workcamp helfen
mit beim Aufbau einer Schule.
Während des vierwöchigen
Einsatzes von Mitte Januar bis
Mitte Februar 2006 erleben Sie
die Bevölkerung, die Landschaft
und die Kultur Nordnigerias in
Afrika.
Bedingungen: Mindestalter 18 Jahre, Englischkenntnisse, Teilnahme am Vorbereitungs- und Rückkehrertreffen
Die Kosten: US$ 550.– für den Aufenthalt;
Fr. 1950.– für Flug, Vorbereitungs- und
Rückkehrertreffen; Visum und Impfungen
zu Lasten der Teilnehmenden
Anmeldung bis 1.11.2005 bei: mission 21,
Workcamp Nigeria, Missionsstrasse 2,
4003 Basel; www.mission-21.org,
Tel. 061 260 23 06 oder 061 260 23 14
sandra.witschi@mission-21.org
Reise
Studien- und Ferienreise
auf die Insel Kreta
3. – 17. Oktober
Gelegenheit, die Orthodoxe
Kirche und die minoische Kultur
verbunden mit einer Reise und unter kompetenter Führung kennen
zu lernen
Info: Pfr. Dr. Alfred Gugolz, Spechtweg 3,
9463 Oberriet, Tel./Fax 071 761 12 30,
E-Mail: al.gugolz@bluewin.ch
Messe
Tipp des Monats
Kirchenmesse Gloria
14. – 16. Oktober, 9 – 16 Uhr
Sister Act – Die Schwestern sind
ab sofort zurück
200 Aussteller mit Kirchenartikeln,
Begleitprogramm mit Vorträgen,
Institutionen stellen sich vor
Ort: Messegelände Dornbirn
www.dornbirnermesse.at
Beratung
Die Dargebotene Hand
Telefonseelsorge Telefon 143
Evangelisch-reformierte Paarund Familienberatung St.Gallen
Oberer Graben 31, St.Gallen
Pfarrer Walter Feurer, Psychotherapeut
SPV/ASP, Tel. 071 220 88 00
Heidi Paulsen, dipl. Psychologin FH,
Tel. 071 220 88 02
Sprechstunden nach Vereinbarung
Evangelische Frauenhilfe
Beratungsstelle für Frauen
Tellstr. 4, 9000 St.Gallen
T 071 220 81 80, F 071 220 81 84
Bürgschaften und Darlehen
für Familien und allein Erziehende,
Landwirte und Selbständige. Gesuche
sind zu richten an: Evangelische Bürgschafts- und Darlehensgenossenschaft
des Kantons St.Gallen, Postfach 24,
9004 St.Gallen, Telefon 071 226 91 91
info@bonfida.ch
Unterwegs zum Du
für Partnerschaft und Ehe
Sylvia Blum, Romanshornerstr. 30,
8583 Sulgen, persönliche Gespräche
nach telefonischer Absprache.
Treffmöglichkeit: KGH St.Mangen,
St.Gallen; T 071 640 00 80, F 071 640 00 81
Die Eheanbahnungsstelle ist getragen
von Ostschweizer Kantonalkirchen und
vom Protestantischen Volksbund.
Pfarramt für Gehörlose
23. Oktober, Schaffhausen
Gottesdienst der Gehörlosengemeinde im Kirchgemeindehaus
Ochseschüür
Achim Menges, Oberer Graben 31,
9000 St.Gallen, Tel. 071 227 05 70
gehoerlosenseelsorge@ref-sg.ch
Gesprächsangebote
in der Kirche St.Laurenzen,
St.Gallen
jeweils Donnerstag, 16–19 Uhr
Jede Person kann dieses Angebot
nutzen, ohne Voranmeldung und
anonym.
Kirchen
Eglise française
Eglise de Saint-Mangen à Saint-Gall.
Culte chaque dimanche à 9 h. 30.
Cultes mensuels à Rapperswil, Rorschach et Uzwil. Renseignements auprès
du pasteur Marc Bridel, tél. 071 278 43 89.
Ausbildung
Auf dem zweiten Bildungsweg
Pfarrer oder Pfarrerin werden
Die Kirchlich-Theologische Schule
Bern (KTS Bern) eröffnet den Zugang zum Theologiestudium an
der Universität. Der Maturitätsstoff wird neu in einer 4-Tage-Woche unterrichtet.
Sekretariat KTS Bern, Ahornweg 2,
3012 Bern, Tel. & Fax 031 301 47 25,
sekretariat.kts@gmx.ch
Fairplay: Weltweit
Romero-Haus, Januar – Mai 2006
Der Grundkurs «Fairplay: Weltweit» richtet sich an offene, bildungsorientierte Menschen, die
ihr Leben bewusst gestalten. An
Frauen und Männer, die sich für
gesellschaftspolitische Fragen
interessieren. Der Kurs umfasst
fünf Sequenzen (Freitagabend und
Samstag) im Romero-Haus in Luzern. Im Mittelpunkt stehen Themen der Entwicklungszusammenarbeit.
Info und Anmeldung:
www.romerohaus.ch
Junge
Wallfahrt
Einsiedler Junge Wallfahrt
7. – 8. Oktober
Bereits zum fünften Mal laden Abt
Martin Werlen und die Klostergemeinschaft von Einsiedeln junge
Erwachsene ab 16 Jahren aus der
gesamten Deutschschweiz und
dem nahen deutschsprachigen
Ausland zu einer besonderen
zweitägigen Wallfahrt, an der rund
300 bis 400 Teilnehmer und Teilnehmerinnen erwartet werden,
ein. Die Juwa bietet die Möglichkeit, in Gesprächen und Begegnungen mit verschiedenen Menschen, aber auch in Momenten der
Stille, den Glauben zu leben und
gemeinsam auszudrücken.
Info und Anmeldung:
www.juwa-einsiedeln.ch
Impressum
Herausgegeben im
Auftrag der Synode
der EvangelischReformierten Kirche
des Kantons St.Gallen
Redaktionskommission
Pfrn. Christina Nutt,
Azmoos, Präsidentin
Kurt Zürcher, Kassier
Pfr. Andreas Fischer
Pfr. Daniel Klingenberg
Hajes Wagner
Pfr. Martin Böhringer
Alfred Ritz
Anna Zogg
Alexander Schär
Redaktion (Stellvertretung bis 31. Dez. 05)
Pfarrer Daniel
Klingenberg
Turnerstrasse 8
9000 St.Gallen
T 079 787 45 16
www.kirchenbote-sg.ch
kirchenbote.sg@ref.ch
Lokalredaktionen
Reto Neurauter, Grabs
Tel. 081 771 65 16
Katharina Meier,
Lütisburg Station
Tel. 071 980 06 01
Claudia Schmid,
St.Gallen
Tel. 071 223 58 60
Nächste Nummer
Thema:
Das Leben über 65
Erscheint am
4. November 2005
Redaktionsschluss:
12. Oktober 2005
Druck
Rheintaler Druckerei
und Verlag AG
9442 Berneck
Altpapieranteil: mind.
50%, Auflage: 71 000
erscheint monatlich
Gestaltungskonzept
TGG Hafen Senn Stieger
Vor sechs Jahren wurde das Musical Sister Act mit
grossem Erfolg in der Offenen Kirche St.Leonhard
in St.Gallen aufgeführt. Nun sind die Schwestern
zurück: Die Musical Company legt die Geschichte
um die abgebrühte Nachtclubsängerin Dolores
van Cartier neu auf. Gejagt von einem Gangsterboss, findet sie Zuflucht in einem Kloster – und
haucht diesem neues Leben ein. Unter der Regie
von Kurt Schwarz (ehemals Kellerbühne St.Gallen) finden die Schwestern zu neuer Hochform.
Wie bei der ersten Aufführung hat Jürg Schmid die
musikalische Leitung inne, Conny Jahn die Choreografie. Die Vorstellungen finden jeweils Mittwoch, Freitag und Samstag in der Offenen Kirche
St.Leonhard bis am 26. November statt. Billette
unter 071 228 66 00, Infos unter www.sisteract.ch.
Reformationsfeier:
«Vertikale Ökumene»
Kirche St.Laurenzen, 6. November, 17 Uhr
An der Reformationsfeier des Evangelisch-reformierten Forums ist Professor Othmar Keel aus Freiburg zu Gast. Er ist vielen bekannt als Initiant des
«Bibel+Orient Museum». Er spricht zum Wandel
der Gottesbilder über Generationen hinweg und zu
der Bemühung, diese sinnvoll zu begreifen. Deshalb
lautet der Untertitel seines Vortrags «Familientherapie für die Religionen und Konfessionen».
Veranstalter
Bestellen Sie das Detailprogramm und den neuen
Kurskalender 2-2005 der St.Galler Kantonalkirche.
Eine Veranstaltungsübersicht findet sich auf der Homepage
der Kantonalkirche: www.ref-sg.ch, Detailprogramme: «Leben gestalten» bei AkEB, Tel. 071 227 05 30, akeb@ref-sg.ch
AkEB Arbeitsstelle kirchliche Erwachsenenbildung, Oberer
Graben 31, 9000 St.Gallen, T 071 227 05 30, F 071 227 05 39,
www.lebengestalten.ch, E-Mail: akeb@ref-sg.ch
Forum Solidarität und Spiritualität Ostschweiz
(ehemals Verein Wartensee) Sekretariat: Beatrice Städler,
Auwiesenstr. 49c, 9030 Abtwil, T+F 071 311 86 10,
www.ref.ch/sg/wartensee, wartensee@ref.ch
Sonneblick Walzenhausen 9428 Walzenhausen,
T 071 886 72 72, sonneblick@walzenhausen.ch;
www.sonneblick-walzenhausen.ch
Schloss Wartensee 9404 Rorschacherberg,
Tel. 071 858 73 73, www.wartensee.ch; schloss@wartensee.ch
Offene Kirche St.Leonhard T+ F 071 278 49 69,
www.okl.ch, E-Mail: okl@okl.ch, Mittagstisch: Mi.: 12–14 Uhr
SELS Seminar für evangelische Erwachsenenbildung,
Abonnementspreis
11 Ausgaben Fr. 13.–
Adressänderungen
an die Kirchgemeinde
Rosenbergstr. 50, 9000 St.Gallen, Tel. 071 223 14 16
Netzwerk Junge Erwachsene Martina Tapernoux,
St.Gallen, Tel. 071 244 06 65, www.junge-erwachsene.ch
Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
13
Link
so genannten Evangelisten in der
Schweiz. Zehntausende haben
ihm bei Grossveranstaltungen zugehört, sind ihm bei Vorträgen
und Seminaren begegnet, haben
seine Schriften gelesen. Sein neustes, in diesem Jahr erschienene
Buch trägt den Titel «Glauben?
Vergiss es! – Warum sich Zweifeln
lohnt». Was ist da mit dem Gottesmann passiert? Wie schätzt er
heute die Situation von Christentum und Kirche ein?
Radio Zürisee
«Über Gott und d’Wält»
«Niederdorf-Geschichten» von
Pfarrer Kolb neu aufgelegt
jeden Sonntag 8.25 Uhr
16.10. Spiritualität lebt nur, wenn
ihr Taten folgen
SF2
«Fenster zum Sonntag»
jeden Sonntag 9.30 Uhr
Zu Besuch beim Schweizer Theologen Ruedi von Sinner in Brasilien
Samstag 17.30 und Sonntag 11.30 Uhr
DRS2
Religionsthemen im Kontext
23.10. Religion – vom Bekenntnis
zum Patchwork?
vorwiegend am Donnerstag
9 Uhr und 18.30 Uhr (Zweitausstrahlung)
Ein Gespräch mit dem Religionssoziologen Alfred Dubach, St.Gallen. Alfred Dubach war während
20 Jahren Leiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts und erforschte den religiösen
und kirchlichen Wandel in der
Schweiz. Das religiöse Verhalten
der Menschen hat sich in diesen
Jahren dramatisch verändert. Heutige Gläubige, insbesondere Christinnen und Christen, orientieren
sich kaum noch an religiösen Institutionen. Sie folgen ihren persönlichen Deutungsmustern, fassen
Religion als Privatsache auf und
mischen sich ihr Bekenntnis aus
verschiedenen Traditionen zusammen. In ethischen Fragen berufen
sie sich mehr auf Menschenrechte
als auf heilige Schriften. Weicht
der Bekenntnisglaube einer Patchworkreligion?
Der heute 77-jährige katholische
Priester Guido Kolb ist ein heimlicher Bestsellerautor: Von dem
Bändchen «Niederdorf-Geschichten», das 1976 erstmals erschien, ist kürzlich die dreizehnte
Auflage ausgeliefert worden. Insgesamt wurden über fünfzigtausend Exemplare verkauft. Das ist
viel für Schweizer Verhältnisse.
Die «Niederdorf-Geschichten»
erzählen vom Alltag in der Zürcher Altstadt und spielen in den
sechziger Jahren. Nach mehrjähriger Tätigkeit in der Textilbranche hatte Kolb damals Matura
und Studium nachgeholt und seine erste Stelle angetreten. In dieser Zeit, so erzählt er, sei er zum
Schreiben gekommen. Zu seinen
Aufgaben gehörte die Redaktion
des Kirchenblatts. Dieses erschien
alle zwei Wochen, und Vikar Kolb
musste regelmässig Texte beisteuern. Wenn ihm weder etwas Gescheites noch etwas Frommes
eingefallen sei, habe er halt kleine
Geschichten geschrieben, sagt der
77-Jährige schmunzelnd. Den
Stoff dafür lieferten seine Erlebnisse als Seelsorger. Begegnungen
mit Menschen am Rand der Gesellschaft: mit Clochards, eigenwilligen Künstlernaturen, gescheiterten Existenzen, aber auch
mit ganz normalen Leuten.
Radio
DRS1
Zum neuen Tag
Mo–Sa 6.42 Uhr und 8.50 Uhr
Zwischenhalt
jeden Samstag 19.30 Uhr,
anschliessend Glocken
Ein Wort aus der Bibel
jeden Sonntag 6.42 Uhr und 8.50 Uhr
(DRS2 So 7.05 Uhr)
Texte zum Sonntag
Blickpunkt Religion
jeden Sonntag 8.10 bis 8.30 Uhr
Predigten, Gottesdienste
So, 9.30 Uhr: röm.-kath. Predigt
So, 9.45 Uhr: evang.-ref. Predigt
2.10. Franziska Loretan-Saladin,
Theologin, Luzern; Heidrun
Suter-Richter, Zürich
9.10. Peter Henrici, Weihbischof,
Zürich; Pfr. Martin Liedtke
(freikirchlich), Liestal
16.10. Direktübertragung des
römisch-katholischen Gottesdienstes aus der Heilig-KreuzKirche, Zürich
23.10. Pfr. Erich Guntli, Buchs;
Andrea Brunner, Vikarin, Zürich
30.10. Martha Brun, Theologin,
Kleindöttingen; Pfr. Frank Jehle,
St.Gallen
Perspektiven
jeweils So 8.30 Uhr und Do 15.00 Uhr
2.10. Jesus gibt Traubensaft –
Krishna stiehlt Honig
Eine Sendung zum Hörpunkt-Tag
«Kleine Leute – grosse Töne»
Religiöse Musik für Kinder gibt es in
allen Sprachen, Stilen und textlichen
Variationen: In hinduistischen Wiegenliedern bedient sich Gott Krishna
verbotenerweise am Honigtopf seiner Mutter. Jugendliche erhalten in
Indien zur «Taufe» ein individuelles
Mantra, das sie allein in einem dunklen Raum singend meditieren müssen. Im Christentum hat sich der
religiöse Gesang für Kinder in den
letzten Jahrzehnten stark entwickelt:
Heute haben Gospels, poppige englische und schweizerdeutsche Lieder
die klassischen Messen und Kirchengesangslieder weitgehend ersetzt.
Die Orgel muss meist dem Schlagzeug und der E-Gitarre weichen.
9.10. Ein Pfarrer rät zum Zweifel:
Der Evangelist Fredy Staub zum
Umgang mit Glaubensfragen
Der reformierte Pfarrer Fredy
Staub gehört zu den bekanntesten
14
30.10. «Ich blicke ins Dunkel
und warte»
Robert Lax gilt vielen als einer der
grossen amerikanischen Dichter
des zwanzigsten Jahrhunderts. Der
Sohn jüdischer Einwanderer konvertierte in jungen Jahren zum
Christentum. 37 Jahre lang lebte er
als weltlicher Eremit auf griechischen Inseln, ehe er kurz vor seinem Tod im Jahr 2000 in sein Geburtshaus in Olean, New York, zurückkehrte. Die bewusste Verlangsamung ermöglichte ihm die
Wahrnehmung des Wesentlichen
und führte ihn zu einem Dialog
mit dem Du Gottes. Daraus sind
Texte und Psalmen von tiefer
Leuchtkraft entstanden.
Radio aktuell/Radio Ri
«Gedankestrich»
Mo–Sa tägl. 11.45 Uhr und irgendwann
am Nachmittag auf Radio aktuell
Mo–Sa tägl. 6.45 Uhr auf Radio Ri
«Prisma», jeden Sonntag
Kirchliches Magazin mit
Veranstaltungskalender
Radio aktuell zwischen 8.30 und 9 Uhr
Radio Ri zwischen 11 und 11.30 Uhr
Kirchenbote Kanton St. Gallen 10/2005
TV
SF1
Wort zum Sonntag: Sa 19.55 Uhr
Sternstunden:
10 Uhr: Religion. 11 Uhr: Philosophie
12 Uhr: Kunst
1./2.10. Talk: Weltverbesserer
8./9.10. Magazin: Krankenheilung
15./16.10. Talk: Knapp am Tod
vorbei
22./23.10. Magazin: Geister im Haus
29./30.10. Talk: Seitensprung
Tele Ostschweiz
«Gedanken zur Zeit»
Sa 18.55 Uhr, stündlich wiederholt
Die «Gedanken zur Zeit» werden
stündlich bis am Sonntag ausgestrahlt, letztmals um 13.57 Uhr.
Bücher
Neues Buch von Pfarrer
Alfred Eglin-Weidmann
Der Autor des Büchleins «Engel
sind auch nur Menschen», Alfred
Eglin-Weidmann, erzählt weitere
Episoden aus dem Pfarralltag.
Spannend und humorvoll schildert er in seiner neuen Publikation «Im Vorhof des Himmels –
wo es noch sehr irdisch zugeht»
Erlebnisse, die der Öffentlichkeit
normalerweise verborgen bleiben. Da ist von Schabernack treibenden Konfirmanden die Rede,
von Hausbesuchen voller Überraschungen, abenteuerlichen Reisen, mysteriösen Geistern und
Turbulenzen in der eigenen Familie. Die Kurzgeschichten, die sowohl zum Schmunzeln als auch
zum Nachdenken anregen, eignen
sich ausgezeichnet zum Vorlesen,
aber auch als Geschenk bei Geburtstags- oder Krankenbesuchen. Alfred Eglin-Weidmann
wurde 1936 im kleinen Bauerndorf Känerkinden im Kanton Baselland geboren. 1965 bis 1971 arbeitete er zusammen mit seiner
Frau im Auftrag der Basler Mission in einer chinesischen Kirche
in Hongkong. Von 1972 bis zu seiner Pensionierung arbeitete er als
Gemeindepfarrer in Muttenz BL
und wohnt jetzt in Winterthur.
Alfred Eglin-Weidmann, Im Vorhof des
Himmels, 112 Seiten, Fr. 19.80.
Guido J. Kolb, Niederdorf-Geschichten,
128 S. 13. Auflage, Fr. 19.80.
Tipp des
Monats
Zwischenhalt: «Spiritualität aus
dem Lautsprecher – Hörbücher
für Geist und Seele»
29. Oktober, 19.30–20 Uhr,
Radio DRS1
Die Hörbuchverlage entdecken einen neuen Bereich: Religion und
Spiritualität. Das Angebot ist breit:
indische Gedichte, indianische
Weisheiten, Texte zur jüdischchristlichen Verständigung. Ausserdem immer wieder gern gehört:
Texte über Engel. Anselm Grüns
Engelhörbücher sind besonders beliebt. Viele Menschen suchen eine
Orientierungshilfe, suchen Halt
und wollen Innehalten. Hörbücher
scheinen diesem Bedürfnis eher gerecht zu werden als gedruckte Bücher. Weshalb ist das so? Wie sieht
das Hörbuchangebot im Bereich
Spiritualität und Religion aus? Wie
steht es mit dem Preis-LeistungsVerhältnis?
Foto: kl
Interview
Tisch, Bett und Kanzel teilen:
Was ist Ideal, was Wirklichkeit?
Catherine McMillan und Peter Haueis, ihr seid
verheiratet und beide im Pfarrberuf in zwei
verschiedenen Gemeinden tätig. Was ist das
Schöne an einer solchen Situation?
McMillan: Schön ist, dass man genau weiss, was
der andere beruflich braucht. Denn man kennt
sich gut als Menschen, aber man kennt auch den
beruflichen Teil des Partners. Zudem können wir
zu grossen Teilen unsere Zeit flexibel einteilen –
das ist vor allem für die Familie von Vorteil.
Haueis: Es ist schön, das Eheversprechen, nämlich miteinander Freud und Leid zu teilen, auch im
Beruf leben zu können.
Bei der Lesung der Losung: Pfarrehepaar Catherine McMillan und Peter Haueis in Brunnadern.
Monatsporträt
Auch den Beruf
miteinander teilen
Privates und Arbeit gehen beim
Pfarrberuf oft ineinander über. Noch
verstärkt wird dies, wenn sich ein
Pfarrer und eine Pfarrerin heiraten.
Ein Besuch bei Catherine McMillan
und Peter Haueis in Brunnadern.
Seit Anfang Jahr sind sie ein Ehepaar:
die 44-jährige Catherine McMillan und
der 57-jährige Peter Haueis. Wohnen
tun sie im Pfarrhaus in Brunnadern im
Neckertal. Es ist ein gemütliches Toggenburgerhaus, schräg vis-à-vis vom
Polizeiposten.
Beide hatten schon vor ihrer Heirat
Pfarrstellen inne: Catherine McMillan
in Brunnadern, Peter Haueis in Kirchberg. Stellenmässig hat sich nichts verändert. Denn Peter Haueis bekam eine
Sondergenehmigung der Kirchgemeinde, ausserhalb des Gemeindegebiets
wohnen zu können. So fährt er denn jeden Tag die 15 Kilometer mit dem Töff
oder dem Auto. Für beide Ehepartner
ist es die zweite Ehe; im gemeinsamen
Haushalt wohnen auch zwei Söhne aus
Catherine McMillans erster Ehe.
Morgens früh, abends spät
Wie gestaltet ein Pfarrehepaar den Alltag, wie lebt es den Festtag? «Unter
der Woche manchmal entspannter, am
Wochenende ist oft sehr viel los», sagt
Catherine McMillan lachend. Im Arbeitsalltag ist die Zeit, die sie bewusst
gemeinsam erleben können, oft auf den
frühen Morgen und den späten Abend
beschränkt. Aber diese Zeit geniessen
sie: Am Morgen beispielsweise klingt
oft ein Lied durch das Pfarrhaus, am
Abend wird ein Tagesgebet gesprochen.
Das ist auch die Zeit des Austauschs
über berufliche Dinge. Peter Haueis
versteht das Eheversprechen, in «Freud
und Leid zueinander zu stehen», auch
für die Arbeit und das geistliche Leben.
Bereicherung für Beruf
Darum sagen beide: «Wir können uns
freuen über das, was der andere machen kann.» Aus dieser Erfahrung heraus erleben die beiden ihre Ehe als Bereicherung auch für die Arbeit. Was
heisst das konkret? «Catherine hat einen sehr natürlichen Zugang zu Menschen, da kann ich von ihr lernen», sagt
Peter Haueis. Und sie: «Peter entscheidet manchmal kurzentschlossen, wo
ich viel zu lange zögere.»
Tatsächlich: Während des Gesprächs
ist die Zeit zum Nachtessen gekommen,
und Peter Haueis steuert entschlossen
die Küche an – denn die Jungmannschaft hat Hunger. Und nachher muss
Catherine McMillan los, mit kirchlichen Mitarbeitern etwas vorbereiten.
Auch Peter Haueis muss noch weg: an
einen Elternabend der Schule. So greifen Berufliches und Privates ineinander
im Pfarrhaus.
Daniel Klingenberg
Wenn ihr einen Gottesdienst in Brunnadern und
Kirchberg habt, bereitet ihr ihn gemeinsam vor?
Haueis: Es kommt leider selten vor, dass wir denselben Bibeltext zum Ausgangspunkt haben, da
die Anlässe sehr verschieden sind. Kürzlich war
das aber so, im Zusammenhang mit dem Hochwasser in der Schweiz und in Amerika. Da nahmen
wir den Text über Noah und die Flut. In dieser Woche haben wir mit diesem Text gelebt; manchmal
hatte Catherine eine Idee, manchmal ich.
Feiert ihr auch miteinander Gottesdienst?
McMillan: Wir freuen uns, wenn das mal möglich
ist, aber da wir nicht an derselben Stelle arbeiten,
gibt es dazu leider selten Gelegenheit.
Was ist schwierig daran, dass ihr Beruf und
Privatleben miteinander teilt?
McMillan: Schwierig ist, dass fast alle Wochenenden im Voraus gebucht sind. Wir planen zurzeit,
dass wir im nächsten Jahr wenigstens alle zwei
Monate gemeinsam einen freien Sonntag haben.
Wir versuchen manchmal auch unter der Woche
mal einen halben Tag miteinander etwas allein zu
unternehmen. Peter muss mich manchmal von
der Arbeit weglocken.
Haueis: Die gemeinsame Zeit ist tatsächlich
etwas, bei dem wir als Pfarrehepaar darauf achten
müssen, dass wir sie nicht vergessen. Denn wir
sind ja nicht nur ein Berufs-, sondern auch ein
Liebespaar und wir haben gemeinsame Freunde.
Also ist manchmal die Abgrenzung zwischen
Beruflichem und Privatem tatsächlich schwierig?
Haueis: Ja, das ist so, aber das liegt auch am
Wesen des Pfarrberufs, so wie ich ihn verstehe.
Ich bin Pfarrer, weil ich gerne Menschen begleite,
und da gehört es dazu, dass ich einfach erreichbar
bin und manchmal los muss.
McMillan: Ich erlebe auch, dass die Gemeinde
sehr verständnisvoll darauf reagiert, wenn ich mal
Familienarbeit habe. Umgekehrt ist es für sie
schön zu sehen, dass wir ganz «normale» Menschen sind.
kl
Kirchenbote Kanton St.Gallen 10/2005
15
Stationen mit meiner Kirche: Der Hausbesuch
Die Freude eines geglückten Besuchs kommt
nicht von ungefähr. Sie liegt darin, dass man im
Besuchten nicht nur einem Menschen zu begegnen vermag, sondern auch Gott selbst. Jesus
hatte das einst seinen Freundinnen und Freunden
versprochen. Sie mochten ihm das zunächst nicht
so recht abnehmen und fragten nach: «Wann
haben wir dich je besucht, wir können uns nicht
erinnern.» Jesu Antwort: «Ihr habt mich in jedem
besucht, der eure Nähe brauchte, als er nackt
war, hungrig, durstig, fremd und obdachlos.»
Menschen besuchen Menschen
Letztlich besuchen sich Christen, seit es Kirche
gibt. Schon die allererste Gemeinde in Jerusalem
hat es so gehalten. Was in der Christnacht seinen
Anfang nahm – Gott besucht uns aus der Höh und
kommt uns Menschen nah –, dem eiferten sie
nach. Das motivierte sie, selbst Gastfreundschaft
zu üben. Gegenseitig. Gelebte Zeichen der Nächstenliebe.
Besuche gehören darum bis heute zum ursprünglichen Ausdruck der Gemeinde. Zuweilen erhalten
sie auch eine feste Form. Dort etwa, wo ein Kreis
von Engagierten regelmässig Besuche plant und
durchführt. Darum sind in vielen Gemeinden
Besuchsdienstkreise entstanden. Sie haben sich
ganz unterschiedliche Zielgruppen und Aufgabenstellungen gegeben. Manche besuchen zum Beispiel bevorzugt ältere Gemeindemitglieder anlässlich ihres Geburtstags. Bei anderen sind eher
Menschen im Blick, die auf die Erfahrung von Gemeinschaft besonders angewiesen sind. Wieder
andere stehen speziell bei Krisen und Konflikten
bereit oder besuchen Neuzuzüger und Menschen
im Spital. Oft wurde dadurch nach langer Zeit
erstmals wieder ein Kontakt zur Kirchgemeinde
geknüpft oder auch ganz konkret geholfen.
«Im Weitwurf warst
du ja besser!»
Paul Brenzikofer aus Azmoos leitet
einen Besuchsdienstkreis. Denn seit
den Zeiten der Apostelgeschichte
gelten Besuche als Zeichen der
christlichen Nächstenliebe.
«Wenn ich zu einem Besuch aufbreche,
erwarte ich nichts – nichts im Sinne eines Ziels oder einer Absicht. Das ist für
mich entscheidend. Ich besuche vor allem ältere, oftmals allein stehende Männer. Meine Erfahrung ist: Sie wünschen
sich jemanden, der ihnen zuhört. Deshalb höre ich am liebsten zu und bin gespannt, was sie zu erzählen haben.
Manchmal dauert es, bis sie ins Erzählen kommen. Bei Männern geht das
etwas länger als bei Frauen. Aber wenn
der Kontakt und das Vertrauen da sind,
dann erzählen sie und erzählen und erzählen. Da holt dann einer schon mal
sein Dienstbüchlein hervor und berichtet von seinen Einsätzen und Noten. Ich
freue mich, wenn ich ihm dann sagen
kann: Schau, im Weitwurf warst du ja
viel besser als ich.
Ein anderer hat zum Beispiel eine
Auszeichnung als Schütze. Oder er erzählt von seinem Alltag in der Festung
oder im Bergwerk. Es kann auch mal
um Frauen gehen, Probleme, Missverständnisse; eben das, was man lieber
einmal unter Männern bespricht. Ich
vermute, mit meinem eigenen Alter bin
ich für die älteren Männer einfach auch
glaubwürdiger als ein ganz Junger.
Manchmal erzählen die Männer
auch dasselbe noch einmal. Aber das
macht mir nichts. Auch wenn es einer
x-mal erzählt: Wichtig ist mir, dass ich
ihm dann bestätigen kann: Da hast du
was Tolles geleistet. Die Bestätigung finde ich bedeutend. Denn solche Bestätigung brauchen auch alte Männer.
Es gibt Gespräche, da möchte mein
Gegenüber lieber zuhören. Da erzähle
ich dann von Kontakten, Erlebnissen,
von früher, von der Kirche, was er eben
wissen will. Wenn mir danach einer
sagt, ihn habe das getröstet, ist mir, als
käme ich selbst weiter. So ist es, das
Besuchen bringt mich selbst voran. Es
freut mich, wenn ich spüre, wie dankbar
einer für die Begegnung ist. Belastend
kann sein, dass die Erwartungen zu
gross sind, mir aber die Zeit fehlt. Dann
hilft ein Telefon beiden Seiten.
In unserem Besuchsdienst pflegen
wir Kontakte zu etwa 15 Personen. Das
sind pro Person zwei. Wichtig ist uns,
dass wir verschiedene Altersstufen besuchen, die Besuche regelmässig machen, uns aber auch treffen und fortbilden. Unsere Aufgabe ist nicht Krisenintervention. Wir nehmen uns aber Zeit,
da zu sein. Ich empfinde das als wichtigen Ausdruck christlicher Botschaft.»
Notiert: Reinhold Meier
Foto: rem
«Ihr habt mich besucht ...»
Kantonalkirche fördert
Gemeinsam ist Besuchsdienstkreisen, dass sie ihre Arbeit zunehmend professioneller leisten. Dazu
tragen Pfarrpersonen vor Ort, aber auch die Kantonalkirche mit Fortbildungsangeboten bei. So hat
die Fachstelle für Diakonie im vergangenen Monat
in Altstätten eine Tagung zum Thema «Besuchsdienst in Kirchgemeinden» veranstaltet. «Wie
bauen wir eine Gruppe auf, welche Strukturen
brauchen wir?» Das waren nur zwei der Fragen,
welche die Mitarbeitenden interessierten. Im vergangenen Jahr gab es eine Tagung, welche die
möglichen Hindernisse beim Besuch beleuchtete.
Themen wie Verschwiegenheit, Achtung der
Wertvorstellungen und rechtliche Aspekte
standen dabei im Blickpunkt.
rem
Bei Wein und Dienstbüchlein: Paul Brenzikofer (links) im Gespräch mit dem
95-jährigen Otto Meier.
Kirchenbote
Gemeindenachrichten im Mittelbund
Retouren an Kirchgemeinde weiterleiten.
10/2005 | 54. Jahrgang
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Seele and Geist
Seitenansichten
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