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Ferngesteuerter Terror - SWR

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SÜDWESTRUNDFUNK
FS-INLAND
R E P O R T MAINZ
S E N D U N G:
02.07.2013
http://www.reportmainz.de
Ferngesteuerter Terror: Was steckt hinter
den Anschlagsplänen mit
Modellflugzeugen?
Autor:
Eric Beres
Kamera:
Volker Kintzinger
Thomas Schäfer
Markus Stockhaus
Schnitt:
Marcus Kaul
Moderation Fritz Frey:
Manchmal ist der Weg zu einem REPORT-Beitrag schnell erzählt.
Letzte Woche überraschte uns und wahrscheinlich auch Sie eine
Meldung von Razzien gegen Islamisten. Diese hätten, so der
Verdacht, Anschläge mit ferngesteuerten Modellflugzeugen geplant.
Das wollten wir genau wissen und haben Eric Beres losgeschickt.
Bericht:
Ein ganz normales Modellflugzeug, mit gut zwei Metern Spannweite.
Könnte man ein Modellflugzeug – mit Sprengstoff beladen – direkt in
ein Gebäude steuern? Oder in eine Menschenmenge?
Vor einer Woche: Razzien in mehreren Wohnungen. Der Verdacht:
Mitten in Deutschland sollen mutmaßliche Gotteskrieger genau einen
solchen Anschlag mit Modellflugzeugen geplant haben.
2
O-Ton, Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik:
»Man wusste, dass Djihadisten zumindest
über ein solches Szenario nachdenken. Dass
das allerdings schon jetztz im
Planungsstadium hier in Deutschland sein
sollte, das war schon eine recht Aufsehen
erregende Neuigkeit.«
Guido Steinberg – einer der führenden Terrorismusexperten. Seit
Jahren beschäftigt er sich mit Anschlagsszenarien. Doch wer plant
einen Anschlag mit Modellflugzeug?
Spurensuche in Stuttgart. Hier wohnt einer der Beschuldigten: Zied
B., Maschinenbaustudent aus Tunesien. Wir wollen mit ihm
sprechen. Doch wir treffen ihn nicht an.
Diese Fotos zeigen Zied B. kurz nach der Razzia in Handschellen.
Später kommt er wieder frei. Sein Freund und ebenfalls
Beschuldigter: Mohamed A. Was wissen die Behörden über die
beiden?
Wir bekommen dieses interne Papier des Bundeskriminalamts
zugespielt. Es geht um die „Gefährdung durch mögliche terroristische
Nutzung von Modellflugzeugen/Drohnen“. Die Ermittler listen darin
gleich mehrere Sachverhalte in Deutschland auf.
Auch den Fall des Maschinenbaustudenten tunesischer
Abstammung, also Zied B. Es sei bekannt, „dass der radikalislamistisch eingestellte Beschuldigte sich für Bau und Funktion von
UAV, [also unbemannten Fluggeräten], Sprengmitteln und die
Steuerung von Fluggeräten sowie eine mögliche Gewichtszuladung
interessiert“.
Wir stoßen außerdem auf ein Internetforum. Es heißt „Al Jahad“. Hier
tauschen sich Gotteskrieger aus aller Welt aus. Laut
Sicherheitsbehörden hat Zied B. hier schon im Januar 2012 ein
konkretes Anschlagsszenario beschrieben.
Ein Anschlag mit einem ferngesteuerten Modellflugzeug,
Spannweite: zwei Meter, mögliches Ziel: Amerikaner und Zionisten.
O-Ton, Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik:
»Wenn in einschlägigen islamistischen Foren
Anschlagspläne diskutiert werden, muss man
das ernst nehmen. Das kann sich dann später
als Geschwätz herausstellen, aber darauf
können sich Sicherheitsbehörden nicht
verlassen.«
3
Und Mohamed A.? Der religiöse Moslem studiert lange Zeit an der
Universität Stuttgart. Und zwar an exponierter Stelle. An der Fakultät
für Luft- und Raumfahrttechnik.
Auffällig: Mohamed A. soll an speziellen Lehr-Veranstaltungen zu
unbemannten Flugobjekten teilgenommen haben.
Wir treffen den Dekan der Fakultät, Professor Stephan Staudacher.
Er erklärt: Seine Studenten werden anhand von Modellflugzeugen
ausgebildet. So erlangen sie die Fähigkeit, eigene Fluggeräte zu
konstruieren. Theoretisch auch für Anschläge.
Frage: Wenn ich so etwas vorhätte, was würde ich hier an Wissen
dafür bekommen?
O-Ton, Prof. Stephan Staudacher, Universität Stuttgart:
»Sie kriegen hier das Wissen, warum so ein
Flugzeug fliegt. Und was sie tun müssen, dass
es stabil fliegt. Dieses Wissen ist erstmal
wertfrei. Jedem obliegt es dann selbst.«
Das BKA kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: „Alle für den Bau
einfacher UAV benötigten Komponenten“ sind „auf dem freien Markt
verfügbar“. „UAV und/oder Modellflugzeuge“ könnten insbesondere
„durch islamistisch motivierte Täter zu terroristischen Zwecken
missbraucht werden“.
September 2011 – Fernsehsender weltweit berichten über die
Verhaftung eines Terrorverdächtigen in den USA. Er hatte einen
perfiden Plan:
O-Ton: Nachrichtensprecherin
»Nach Angaben der US-Justizbehörden wollte
der mutmaßliche Islamist mit Sprengstoff
beladenen Modellflugzeugen Anschläge auf
den Kongress und das Pentagon verüben.«
Ein Modellflugzeug hatte sich der mutmaßliche Terrorist schon
besorgt. Das Urteil gegen ihn: 17 Jahre Haft.
Verfolgten auch Zied B. und Mohamed A. heimlich solche Pläne?
Laut Sicherheitsbehörden haben sie sich konspirativ verhalten,
haben Kontakte zu vier weiteren Beschuldigten, gegen die wegen
Terrorfinanzierung ermittelt wird.
4
Die Gruppe soll auffällig oft Wohnungen wechseln und bei brisanten
Gesprächen auf abhörsicherere Kommunikation im Internet
umsteigen.
Fazit: Noch gibt es keine konkreten Beweise für Anschlagspläne mit
Modellflugzeugen. Doch durch ihr Eingreifen haben die Behörden
solche Pläne mutmaßlicher Gotteskrieger womöglich frühzeitig
verhindert.
O-Ton, Guido Steinberg, Stiftung Wissenschaft und Politik:
»Es zeigt sich doch, dass viele dieser
Rekruten versuchen, sehr kreativ zu denken.
Modellflugzeuge wären sicherlich eine solche
Variante, da sie einerseits sehr weit verbreitet
sind, andererseits es sehr schwierig ist, sich
gegen Anschläge mit solchen Flugzeugen
bzw. Drohnen zu schützen.«
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Kategorie
Seele and Geist
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