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AUSGABE 6/2013
Mehr als nur ein Hype?
3-D-Drucker sollen die Produktion revolutionieren – aus dem Bastelkeller heraus Seite 13
Alles ist vernetzt
Die Industrie 4.0 beendet das Zeitalter
der Massenproduktion
Ins Handwerk gepfuscht
Seite 4
Die Gentechnologie hat einen Imageschaden – den sie auszubügeln versucht
Seite 23
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
Ausgabe 6/2013
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Von der Industrie 4.0 zur Wirtschaft 4.0
Von Klaus Burmeister
Das Zukunftsprojekt „Industrie 4.0“
ist vielversprechend und darf nicht
scheitern. Doch die Sichtweise muss
erweitert werden, findet Zukunftsforscher Klaus Burmeister.
© Thinkstock
Ein Kommentar.
Das Thema „Industrie 4.0“ bleibt ein zentrales Zukunftsprojekt der Hightech-Strategie
der Bundesregierung. Im aktuellen schwarzroten Koalitionsvertrag findet es gleich viermal Erwähnung. Spätestens seit der Hannover Messe steht es auf der Agenda von Unternehmen und Verbänden. Der Begriff steht für
die „4. industrielle Revolution“. Auf Grundlage cyber-physischer Systeme werden informationstechnische Komponenten mit mechanischen Teilen über eine Dateninfrastruktur wie das Internet vernetzt. Im Kern geht es
mit Industrie 4.0 um das Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Kernbranchen, insbesondere des Maschinenbaus, zu erhalten
sowie Wertschöpfung in Deutschland zu sichern. Inzwischen sind die ersten Projekte an-
gelaufen, und das Thema steigt weiter in der
öffentlichen Wahrnehmung. Dabei ist es zentral, ein solch umfassendes und ambitioniertes Vorhaben permanent zu reflektieren
und kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Die Industrie steht am Beginn einer neuen
Ära der Produktion, die den Abschied von der
von Henry Ford nach dem Ersten Weltkrieg
geprägten Massenproduktion, deren Ende
Michael J. Piore und Charles Sabel bereits
1984 vorgedacht haben, näherrücken lässt.
Auch sind erste Lehren aus dem Scheitern der
ab Mitte der achtziger Jahre propagierten
menschenleeren „Fabrik der Zukunft“ auf
Basis von CIM (Computer-integrated Manufacturing) als technikzentriertes Konzept gezogen worden. Heute sind die Gewerkschaften, wie zum Beispiel die IG Metall, bei Projekten wie der Industrie 4.0 bereits in der
Konzeptphase beteiligt.
Mit Blick auf die achtziger Jahre hat sich auch
das soziotechnische Umfeld radikal verändert. Was damals Vision war, ist heute in der
Realität angekommen. Chris Andersen hat dies in seinem aktuellen Buch „Makers“ als >
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
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Ausdruck der US-amerikanischen „Maker-Bewegung“ beschrieben. Demnach kann heute
jeder zum Produzenten werden. Voraussetzung dafür ist zunächst neben einer Produktidee deren Umsetzung in einen CAD-Entwurf.
Das allein reicht, um mit Hilfe einer Plattform
wie Alibaba.com den weltweiten Zugriff auf
eine kostengünstigste Fertigung herzustellen. Der Vertrieb erfolgt über spezialisierte
Communitys wie Shapeways oder gleich über
Amazon. Der vielzitierte Prosumer“, der
gleichzeitig Produzent und Konsument ist, ist
damit bereits Realität – erst recht aufgrund
der Möglichkeiten, die neuerdings 3-D-Druckverfahren ermöglichen. Die Basis von allem
sind das Internet der Dinge und Dienste, aber
auch eine Kultur des Unternehmertums und
Selbermachens sowie onlinebasierte Einkaufsroutinen und digitale Geschäftsmodelle.
Das Zukunftsprojekt „Industrie 4.0“ verspricht die Umsetzung kundenindividueller
Produktionsprozesse – kosteneffizient, ressourcenschonend und mit dezentraler Fertigung. Damit ist es zwar auf der Höhe der
Zeit, aber nicht seiner Zeit voraus. Denn der
Projektansatz setzt stark auf den offenkundigen Erfolg deutscher Ingenieurskultur und
die Stärke des deutschen Mittelstands. Bereits im Begriff „Industrie 4.0“ zeigt sich diese Fokussierung auf traditionelle Stärken.
Der Ansatz ist nachvollziehbar, aber nicht
hinreichend. Schließlich geht es nicht allein
um eine zukunftsfähige Industrie, sondern
auch um die Neugestaltung der Art und >
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Ausgabe 6/2013
27.04.12
14:50 Uhr
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Seite
Zukunftsmanager n Alles ist vernetzt
Die Industrie der Zukunft
soll neu gedacht werden
– gilt das auch für das
© DFKI
Wirtschaftsmodell?
Weise des Wirtschaftens im 21. Jahrhundert.
Deshalb greift es auch strategisch zu kurz,
wenn die Hightech-Strategie der Bundesregierung und das Projekt „Industrie 4.0“ bislang den Handels- und Dienstleistungssektor
ebenso ausgespart haben wie die Finanzbranche. Das Konzept setzt aktuell darauf,
die Industriegesellschaft unter Nutzung cyber-physischer Systeme fortzuschreiben. Sicher ist es strategisch richtig und wichtig,
sich in die weltweiten Standardisierungsund Normungsfragen einzubringen. Wer sich
Ausgabe 6/2013
dort durchsetzt und wie dies geschehen
wird, ist hingegen noch offen.
Die Wirtschaft der Zukunft wird anders funktionieren, kundenindividueller, dezentraler
und ressourceneffizienter, so viel scheint klar
zu sein. Aber wie sehen die neuen Wertschöpfungssysteme aus? Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus digitalen Geschäftsmodellen? Bereits heute zeigt sich deutlich,
dass nicht allein der Zugang zu Plattformen
wie Google wichtig ist für den Zugang zu
Märkten und Kunden, sondern auch die (Mit-)
Gestaltung der Geschäftsbedingungen. In
den USA hat eine Diskussion über eine „TheWinner-takes-it-all-Ökonomie eingesetzt, die
in der Digitalwirtschaft die Herausbildung
neuer Monopolunternehmen wie Google,
Amazon oder Apple sieht. Plattformbasierte
Unternehmen, wie Li & Fung, eines der größten Handelshäuser in der Textilindustrie, zeigen bereits heute die Konturen neuartiger
Business-Ökosysteme, die den Kunden die
Transparenz und Flexibilität ermöglichen, die
sie erwarten. Der B2B-Kunde kommt zu Li &
Fung und nennt seine Anforderung: zum Beispiel, in zehn Tagen 10.000 T-Shirts in sechs
Farben zu benötigen, die in Baumwolle und
für den europäischen Markt nachhaltig gefertigt sind. Li & Fung erledigt all das für den
Kunden. Dieses Beispiel zeigt eine Reihe strategischer Fragestellungen, die sich dem mittelständischen Zulieferer stellen. Muss ich
mich an einer solchen Plattform beteiligen?
Welchen Einfluss habe ich auf die Geschäfts-
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bedingungen? Wie verändert sich mein Kontakt zum Kunden? Wie kann ich meine Selbständigkeit dauerhaft sicherstellen? Auch der
deutsche Mittelstand wird sich darauf einstellen müssen, dass nicht nur die Qualität
des Produkts über den Wettbewerb entscheidet, sondern auch seine Positionierung in der
Wertschöpfungskette.
Das Zukunftsprojekt „Industrie 4.0“ sollte
mit der neuen Bundesregierung gezielt erweitert werden, und zwar mit Hilfe eines
ganzheitlichen Projektdesigns, das die gesamte Wertschöpfungskette abbildet und
vor allem die Qualifikationsentwicklung sowie die notwendigen Veränderungen in der
Unternehmensorganisation integriert betrachtet. Die „Plattform Industrie 4.0“ muss
deshalb selbstlernend angelegt werden, damit sie im ständigen Diskurs mit den beteiligten Unternehmen und auch mit der Öffentlichkeit entlang spezifischer Branchenerfahrungen und begleitet von Disruptionsanalysen, Roadmaps und Szenarien wertschöpfungsorientierte Zukunftsperspektiven entwickeln kann. <
Klaus Burmeister
ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von
Z_punkt, Köln.
burmeister@z-punkt.de
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Bildung
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