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- 39 - Was Schokolade mit Schule zu tun hat … - GGG NRW

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Anke Köster und Ulrike Kilp-Aranmolate
Was Schokolade mit Schule zu tun hat …
GESAMTSCHUL-PRAXIS
Anke Köster und Ulrike Kilp-Aranmolate
Was Schokolade mit Schule zu tun hat …
Und was hat Schokolade mit Musik zu tun? Beide machen glücklich.
Glückliche Kühe geben viel Milch. Sorry für den Vergleich – aber glückliche Kinder geben viel Gas, auch in der Schule.
Die Neurobiologie hat bestätigt, was wir schon lange geahnt haben: Ein
Instrument in einer Gruppe zu spielen, erhöht die Synapsenbildung erheblich und fördert das soziale Lernen enorm. Musik macht nicht nur glücklich, sondern auch schlau. Musik gehört – natürlich - in die allgemein
bildende Schule.
Die Landesregierung entdeckt die Notwendigkeit individueller Förderung
in der Schule. Das dreigliedrige Schulsystem manifestiert in Deutschland
die Schwächen der Schwachen. Es selektiert schon früh. Der Pisa-Schock
sitzt tief und lähmt. Wann immer neue und andere Diagnosen gestellt
werden, wird an dem Patient Schule herumgedoktert. Dabei soll die
Schulmedizin Wunder wirken. Tut sie aber bisher nur zweifelhaft. Im
Dortmunder Modell wirkt Musik wie ein homöopathisches Heilmittel. Es
weiß um die wechselseitigen Abhängigkeiten und die Langzeitwirkung
der Einflüsse auf Körper und Seele. Es beachtet das Umfeld und aktiviert
die Eigenkräfte.
Was ist das Dortmunder Modell?
Die Gesamtschule Gartenstadt in Dortmund hat seit vielen Jahren mit
ihrem Engagement für die musikalische Ausbildung gezeigt, wie individuelle und soziale Förderung optimal in das Konzept einer Schule integriert werden können. Dieses vielfältige und nachhaltige Konzept geht
auf. 7
Die Förderung beginnt mit der Auswahl eines passenden Instruments im
5. Schuljahr. Im Instrumentalunterricht während der regulären Unterrichtszeit wird in kleinen Gruppen die erste Begeisterung durch ausge7
Anmerkung der Redaktion: Alle Schülerinnen und Schüler sollten die Möglichkeit bekommen,
aufgrund ihres persönlichen Interesses ein Instrument zu wählen – oder auch nicht. Daher entschied man sich gegen „Musikklassen“, die vor einigen Jahren auch von der Schulaufsicht kritisch beurteilt wurden („frühe und eindeutige Festlegung von Schullaufbahnen“). In den Jahrgängen 5 und 6 findet ein differenzierter Musikunterricht statt: so gibt es beispielsweise eine
Gruppe der Streichinstrumentenschüler, eine für die Blechbläser, eine für die Gitarren, eine
Chorgruppe und eine Gruppe, die einfache Musikinstrumente selbst herstellt und erprobt. BiI
- 39 -
Gesamtschule
in Nordrhein-Westfalen
I/2007
Gesamtschul-Praxis
wählte Musikpädagogen geweckt. Das erste Ziel der „Kleinen“ ist die
Aufnahme in das passende Ensemble (B-Orchester, Stringtime, BrassConnection, Ramba Samba, Afrokids). Begleitend findet je nach Instrument ein gezielter Musikunterricht statt. Die Kinder wachsen also schon
frühzeitig in die Welt der Musik hinein und werden durch die Integration
in regelmäßig stattfindende Projekte bestätigt. Dabei geht es ganz und gar
nicht um Elitenförderung. Hier werden Kinder gewonnen, die im konventionellen Unterricht sich oftmals schwer tun oder diesen gar verweigern.
Aktuell zehren die Beteiligten noch von dem im September 2006 abgeschlossenen Projekt „What a wonderful world“. Der Hintergrund war das
Gedenken an die Katastrophe 1986 in Tschernobyl. Mit Tanzperformance, szenischen Darstellungen, rezitierten Texten und Chorwerken mit
Orchester wurde der Bogen gespannt von der wunderbaren Schöpfung
über die Zerstörungskraft der durch Menschen entfesselten Energie bis
hin zu der Vision von einer Welt, in der sich junge Menschen miteinander
gegen Zerstörung und Gewalt einsetzen. Dabei erlebten sie mit den anderen Musiker/innen Gemeinschaft, die sie aus ihrem Lebensalltag oft so
nicht kennen. Zugleich wurde jedem deutlich, wie unverzichtbar er zum
Gelingen des Projektes beitrug.
In dem Projekt fanden sich alle Gruppen einer Schule (Kinder und Jugendliche, Eltern, Lehrer und Lehrerinnen) und jede Menge „Externe“
(„Der andere Chor“ Herdecke) wieder. Insgesamt arbeiteten mehr als 90
Kinder und Jugendliche und 60 Erwachsene über 9 Monate konzentriert
und engagiert. Die vielen Mitwirkenden wussten zu Anfang nicht, was
auf sie zukam. Sie ließen sich mit aller Disziplin ein. Das Risiko, alle
Sparten der Aufführung erst zum Schluss hin zusammen zu bringen, war
groß. Der Nervenkitzel hat schlaflose Nächte gekostet.
Alle Beteiligten waren sich erst am Tag der öffentlichen Aufführung
gewahr, wie atemberaubend dieses Projekt für das Publikum und sie
selbst war. Instrumentalmusik, Tanz, Theater und Gesang verschmolzen
zum Schluss zu einer Einheit.
Was macht nun dieses schulische Engagement so erwähnenswert?
• Kinder aller gesellschaftlichen Schichten können teilhaben. Der Förderverein der Schule unterstützt diese Arbeit regelmäßig.
• Die Musik findet nicht nur außerhalb der eigentlichen Unterrichtszeit statt, sondern gehört zum Schulleben selbstverständlich dazu.
Zusätzliche Proben werden von den Schülern als fester Bestandteil
akzeptiert.
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Hinweis: Druckschriften aus der Weiterbildung
• Die Kinder gewinnen mit den öffentlichen Aufführungen und der
großen Anerkennung Selbstbewusstsein. Sie sind zudem stolz auf ihre Schule und identifizieren sich darüber mit ihr.
• Die Schule bindet Kinder, die ansonsten aufgrund der für eine Gesamtschule üblichen Heterogenität der Lerngruppen das Gymnasium
vorziehen würden. Gleichzeitig schafft sie es über die Musik, auch
die Kinder zu begeistern, die im Schulsystem gefährdet sind zu
scheitern. Selbst in der Pubertät gelingt es hier, die Kinder zu erreichen und ihnen Halt und Struktur zu geben.
• In der Musik spielen Unterschiede eine untergeordnete Rolle. Sie hat
eine große Integrationskraft und verbindet Generationen übergreifend Schüler, Lehrer und Eltern miteinander. Schule wird zum Lebensraum.
Diese Arbeit wäre ohne das persönliche Engagement und die Vision einiger Lehrer nicht ermöglicht worden. Stellvertretend soll der Vater des
Dortmunder Modells, Ernst-Walter Hemmerich, erwähnt werden. Wichtig ist aber auch immer die Schulleitung, die hinter dem Modell steht.
Als Mütter von Kindern, die von diesem Dortmunder Modell 8 in jeglicher Hinsicht profitieren, erwarten wir von der Schulpolitik die Würdigung und Wertschätzung durch entsprechende Förderung dieser Arbeit,
damit unsere Kinder auch in Zukunft noch Gas geben können und glückliche Menschen werden.
Hinweis: Druckschriften aus der Weiterbildung
Forum-Materialien – A&B-Materialien
Handreichungen für den
fächerübergreifenden naturwissenschaftlichen Unterricht
Verzeichnisse und Bestellung im Internet:
www.weiterbildung-fuer-schulen.de/materialien
8
Noch eine redaktionelle Anmerkung: Die Leser aus anderen Dortmunder Schulen und Einrichtungen werden merken, dass der Ausdruck „Dortmunder Modell“ keineswegs originell oder
gar geschützt ist – fast jede Dortmunder Gesamtschule, viele anderen Schulen und wohl auch
die Stadt selbst haben jeweils ihre „Dortmunder Modelle“. Das ist aber auch gar nicht schlimm
– es ist einfach der Ausdruck dafür, dass Innovationsbereitschaft an vielen Stellen auftritt und
bisweilen mit einem gewissen Stolz verbunden ist. ThJ
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Bildung
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