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1 Kön 191 Ahab berichtete Isebel alles, was Elija getan hatte: auch

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1 Kön 191 Ahab berichtete Isebel alles, was Elija getan hatte: auch dass er alle [Baals-] Propheten mit dem
Schwert getötet hatte.
2
Da schickte Isebel einen Boten zu Elija mit folgender Botschaft: „Die Götter sollen mir dies oder das antun,
wenn ich nicht bis morgen um diese Zeit dafür gesorgt habe, dass dein Leben genauso endet wie das Leben eines jeden von ihnen [= Baals-Propheten]!“
3
Da geriet er in Angst, und er lief um sein Leben. Er kam nach Beerscheba, das in Juda liegt; dort ließ er seinen
Diener zurück.
4
Er selbst ging einen Tagesmarsch weit in die Wüste hinein.
Dort, in der Wüste, setzte er sich unter einen Ginsterstrauch, und des Lebens überdrüssig, wünschte er sich den
Tod. Und er sprach: „Nun ist es genug, YHWH! Nimm mein Leben! Denn ich bin nicht besser als meine Väter.“
5
Und er legte sich nieder und schlief unter dem Ginsterstrauch ein.
Und siehe da, ein Bote rührte ihn an und sprach zu ihm: „Steh auf, iss!“
6
Er blickte auf, und siehe: neben ihm frisch gebackenes Brot und ein Krug Wasser. Und er aß und trank, legte
sich hin und schlief weiter.
7
Aber der Bote YHWHs kam ein zweites Mal, rührte ihn an und sprach: „Steh auf, iss! Denn der Weg ist noch
weit genug!“
8
Da stand er auf, aß und trank und ging in der Kraft dieser Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum
Gottesberg, dem Horeb.
9
Dort ging er in die Höhle und übernachtete darin. Und siehe da, das Wort YHWHs an ihn, und er sprach zu
ihm: „Was willst du hier, Elija!“
10
Er antwortete: „Mit leidenschaftlichem Eifer habe ich gestritten für YHWH, den Gott Zebaot. Denn die Kinder Israels haben deinen Bund gebrochen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet.
Nur ich bin übrig geblieben, ich als einziger. Und jetzt trachten sie mir nach dem Leben.“
11
Da sprach er: „Komm heraus und stelle dich auf den Berg vor YHWH! Und siehe: YHWH wird vorüberziehen!“ Und ein heftiger, gewaltiger Sturm, Berge spaltend, Felsen sprengend, vor YHWH. Aber: im Sturm war
YHWH nicht. Und nach dem Sturm: ein Erdbeben. Aber: im Erdbeben war YHWH nicht.
12
Und nach dem Erdbeben: Feuer. Aber: im Feuer war YHWH nicht! Und nach dem Feuer: eine Stimme einer
dünnen Stille!
13a
Es geschah, als Elijahu hört, da hüllt er sein Gesicht in seinen Mantel, tritt heraus und stellt sich an den Eingang der Höhle.
14
Und siehe da, eine Stimme geschah zu ihm: „Was willst du hier, Elija!“
Er antwortete: „Mit leidenschaftlichem Eifer habe ich gestritten für YHWH, den Gott Zebaot. Denn die Kinder
Israels haben deinen Bund gebrochen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet. Nur
ich bin übrig geblieben, ich als einziger. Und jetzt trachten sie mir nach dem Leben.“
15a*
„Geh, kehre auf deinem Weg zurück – durch die Wüste!“
SS 2012
Ein absichtsvoller Erkundungsgang
durch Milieus und kulturelle Räume der Gesellschaft
Wahrnehmung – auch des kirchenförmigen Christentums – und bibeltheologische Kritik, bes. anhand von
Mt 6,31-34; Mt 13,24-30; Mk 4,26-29; Mk 9,38-40; Röm 1,16 u. a. m.
1.
2.
Zwei Vorbemerkungen:
1.1
Eine religions-soziologische und religions-hermeneutische Vorbemerkung – oder: Von der spezifisch christ-katholischen Schwierigkeit, fremde kulturelle Räume und Milieus wahrzunehmen
und wertzuschätzen
1.2
Eine bibelhermeneutische Vorbemerkung – oder: Rezeptionsästhetische „LesArt“ – oder eine
methodisch verantwortet absichtsvolle Auslegung biblischer Texte
Die entgrenzende Dimension der Reich-Gottes-Botschaft Jesu
2.1
„Von selbst bringt die Erde Frucht“ (Mk 4,26-29)
2.2
„Und wollte uns nicht nachfolgen“ (Mk 9,38-40)
3. Eine religionssoziologisch fokussierte Zusammenfassung
und überleitende Pastoral(-theologisch)e Fragen
4. Die Frage nach der Reichweite der Toleranz – oder:
„Lasst beides zusammen wachsen bis zur Ernte“ (Mt 13,24-30)
4.1
Das Gleichnis vom Unkraut im Weizen
(Mt 13,24-30. 36-43)
4.2
Ausgewählte Beispiele der Auslegungs- und Wirkungsgeschichte des Gleichnisses
Brief von Papst Gregor IX. vom 11. Oktober 1231 an Konrad von Marburg (Lizenz zur
Inquisition in Deutschland]
Bulle „In agro dominico“ von Papst Johannes XXII. vom 27. März 1329 (Verurteilung
der Lehre Meister Eckharts)
5. Laterankonzil, Dekret über die Reform der kirchlichen Leih- und Pfandhäuser vom
4. Mai 1515
Konzil von Trient, Dekret über das Sakrament der Eucharistie vom 11. Oktober 1551
II. Vatikanisches Konzil, Dignitatis humanae 11,1
4.3
Eine „lyrische“ Zwischenbemerkung
4.4
Die Rezeption des Gleichnisses vom Unkraut im Weizen in der gegenwärtigen Toleranzforschung
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
2
(Vorlesung SS 2012)
dx'a, hwhy Wnyhel{a/ hwhy laer'f.yI [m;v.
Höre, Israel! YHWH, unser Gott, YHWH ist einzig.
Hans Blumenberg (1920-1996):
„Das Dilemma der christlichen Dogmengeschichte liegt darin, einen trinitarischen Gott zu definieren, aus
dessen Pluralität keine mythische Lizenz folgen darf. Zeugung des Sohnes und Hauchung des Geistes mögen
zur Metapher verblasste Anknüpfungen an biblische Prädikate in der trinitarischen Dogmatik als Abwehr
von Subordinationen sein – letztlich wird der trinitarische Gott dem aristotelischen unbewegten Beweger
immer ähnlicher, der seine Autarkie zur reinsten Wirklichkeit steigert, indem er auch Denken nur als Denken
seiner selbst vollzieht. Die trinitarischen Hypostasen bleiben Vorgänge reiner Innerlichkeit, und wegen der
gleichen Natur der Personen – also ihrer Gleichewigkeit – lässt sich auch keine Geschichte erzählen, wie es
zu Zeugung und Hauchung gekommen ist. Das Dogma ruft das mythische Bedürfnis, das es erweckt,
sogleich wieder zur Raison.“
Blumenberg, Hans, Arbeit am Mythos (1979), Sonderausgabe:
Frankfurt a. M. 1996, 290.
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
3
(Vorlesung SS 2012)
Sinus-Milieus
Quelle: www.milieus-kirche.de
4
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
(Vorlesung SS 2012)
Päpstliche Bibelkommission in ihrer Schrift
„Die Interpretation der Bibel in der Kirche“ (1993):
„Keine wissenschaftliche Methode der Erforschung der Bibel kann dem Reichtum der biblischen Texte ganz
gerecht werden. So kann auch die historisch-kritische Methode nicht den Anspruch erheben, allem zu genügen.
Sie lässt unweigerlich zahlreiche Aspekte der Texte, die sie erforscht, im Dunkeln. [...] Die ‘diachrone’ Forschung wird für die Exegese immer unerlässlich sein. Die ‘synchronen’ Zugänge, so nützlich sie sind, können
sie niemals ersetzen. Um auf eine fruchtbare Weise arbeiten zu können, müssen sie zunächst die Ergebnisse der
historisch-kritischen Methode, wenigstens in den Hauptlinien, übernehmen. Unter dieser Bedingung vermögen
die synchronen Zugänge [...] zur Erneuerung der Exegese beizutragen und die exegetischen Einsichten und Erkenntnisse zu erweitern. In der Tat kann die historisch-kritische Methode ja kein Monopol beanspruchen. Sie
muss sich ihrer Grenzen bewusst werden und auch der Gefahren, denen sie ausgesetzt ist. [...].“
Papst Gregor der Große, Moralia in Job IV, Praefatio 1):
Qui textum considerat et sensum sacrae locutionis ignorat, non tam se eruditione instruit
quam ambiguitate confundit quia nonnumquam sibi litterae verba contradicunt; sed
dum, a semetipsis per contrarietatem dissidunt, lectorem ad intellegentiam veritatis
tnittunt [...] Quae nimirum veritatis intellegentia cum per cordis humilitatem
quaeritur, legendi assiduitate penetratur. Sicut
enim ignotorum hominum facies cernimus et
corda nescimus, sed si familiari eis locutione
coniungimur, usu colloquii eorum etiam
cogitationes indagamus. Ita cum in sacro
eloquio sola historia aspicitur, nihil aliud
quam facies videtur; sed si huic assiduo usu
coniungimur, eius nimirum mentem quasi ex
collocutionis familiaritate penetramus. Dum
enim alia ex aliis colligimus, facile in eius
verbis agnoscimus, aliud esse quod intimant,
aliud quod sonant. Tanto autem quisque notitiae illius extraneus redditur quanto in sola
eius superficie ligatur.
Wer den Text der Heiligen Schrift betrachtet, aber nicht
weiß, wie sie zu verstehen ist, wird sich nicht so sehr mit
Erkenntnis unterweisen als vielmehr mit Zweideutigkeit
verwirren, weil sich die Worte in wörtlicher Hinsicht nicht
selten widersprechen. Indern sie aber durch Widerspruch
voneinander abweichen, schicken sie den Leser zur Erkenntnis der Wahrheit […] Wenn allerdings die Erkenntnis
der Wahrheit mit der Demut des Herzens gesucht wird, wird
sie in der Beharrlichkeit des Lesens durchdrungen. So wie
wir nämlich die Gesichter unbekannter Menschen sehen,
ihre Herzen aber nicht kennen, wir jedoch, wenn wir uns in
vertraulicher Weise mit ihnen verbinden, im Gespräch sogar
ihre Gedanken aufspüren, so wird, wenn in der Heiligen
Schrift nur die Geschichte in den Blick genommen wird,
nichts anderes gesehen als ihr Gesicht. Wenn wir uns aber
durch einen derartigen beharrlichen Gebrauch mit ihr verbinden, dringen wir ohne Zweifel gleichsam wie aus einer
vertrauten Unterredung in ihren Geist ein. Denn wenn wir
das eine mit dem anderen vergleichen, erkennen wir leicht in
ihren Worten, dass eines ist, was sie mitteilen, anderes, was
sie erklingen lassen. Je mehr aber jemand allein an ihre
Oberfläche gebunden bleibt, desto mehr bleibt er außerhalb
ihres Verständnisses.
5
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
(Vorlesung SS 2012)
Papst Gregor der Große (gest. 604),
Ezechiel-Homilien 1,7,8 (CCL 142, 87):
Unusquisque Sanctorum quanto ipse in Scriptura
sacra profecerit, tanto haec eadem Scriptura sacra
proficit apud ipsum. [...] Divina eloquia cum
legente crescunt, nam tanto illa quisque altius
intellegit, quanto in eis altius intendit.
„Wie viel ein jeder Heilige aus der heiligen Schrift
gewinnt, ebensoviel gewinnt diese heilige Schrift bei
ihm selbst. [...] Die göttlichen Worte wachsen, indem sie gelesen werden, denn jeder begreift sie um
so tiefer, je mehr er sich in sie vertieft.“
Johannes Cassian[us] (gest. um 435),
Conlationes patrum XIV, 11 (CSEL 13, 411):
Crescente autem per hoc studium innovatione mentis nostrae etiam scripturarum
facies incipiet innovari, et sacratioris intellegentiae pulchritudo quodammodo
cum proficiente proficiet.
Wie durch dieses Streben [= die Erforschung der Heiligen
Schriften] die Erneuerung unseres Geistes wächst, so wird
sich auch das Aussehen/Antlitz der Schriften zu erneuern
beginnen und die Schönheit eines eingeweihteren Verstehens
gewissermaßen mit dem Verstehenden wachsen.
Röm 113 Ihr sollt wissen, Brüder, dass ich mir schon oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen, aber
bis heute daran gehindert wurde; denn wie bei den anderen Völkern soll meine Arbeit auch bei euch
Frucht bringen.
14
Griechen und Nichtgriechen, Gebildeten und Ungebildeten bin ich verpflichtet;
15
so liegt mir alles daran, auch euch in Rom das Evangelium zu verkündigen.
16a
Οὐ γὰρ ἐπαισχύνοµαι
τὸ εὐαγγέλιον
δύναµις γὰρ θεοῦ ἐστιν
εἰς σωτηρίαν παντὶ τῷ πιστεύοντι,
Ἰουδαίῳ τε πρῶτον καὶ ἬλληνιÅ
16b
Denn nicht schäme ich mich des Evangeliums,
denn Gottes Kraft ist es zur Rettung jedem Glaubenden,
dem Juden zuerst, dann dem Griechen.
Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum Glauben, wie es in der
Schrift heißt: Der aus Glauben Gerechte wird leben.
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
6
(Vorlesung SS 2012)
Mk 426 Und er (= Jesus) sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft
27
und schläft und aufsteht, Nacht und Tag, und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht, wie. 28 Von
selbst (αὐτόµατος – autómatos) bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann volles Korn in
der Ähre. 29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, schickt er sofort die Sichel hin; denn die (Zeit der) Ernte ist
da.
Mk 938 Johannes sprach zu ihm (= Jesus): Lehrer, wir sahen einen, der in deinem Namen Dämonen austrieb,
und wir wollten ihn hindern, weil er uns nicht nachfolgt. 39 Jesus aber sprach: Hindert ihn nicht! Denn es
gibt keinen, der eine Krafttat/Dynamis (du,namij - dýnamis) auf meinen Namen hin wirken und mich bald
schmähen könnte. 40 Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
Num 1124 Mose ging hinaus und teilte dem Volk die Worte des Herrn mit. Dann versammelte er siebzig Älteste
des Volkes und stellte sie rings um das Zelt auf. 25 Der Herr kam in der Wolke herab und redete mit Mose. Er
nahm etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Sobald der Geist auf ihnen
ruhte, gerieten sie in prophetische Verzückung, die kein Ende nahm. 26 Zwei Männer aber waren im Lager
geblieben; der eine hieß Eldad, der andere Medad. Auch über sie war der Geist gekommen. Sie standen in der
Liste, waren aber nicht zum Offenbarungszelt hinausgegangen. Sie gerieten im Lager in prophetische Verzückung. 27 Ein junger Mann lief zu Mose und berichtete ihm: Eldad und Medad sind im Lager in prophetische
Verzückung geraten. 28 Da ergriff Josua, der Sohn Nuns, der von Jugend an der Diener des Mose gewesen war,
das Wort und sagte: Mose, mein Herr, hindere sie daran! 29 Doch Mose sagte zu ihm: Willst du dich für mich
ereifern? Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle
legte! 30 Dann ging Mose mit den Ältesten Israels in das Lager zurück.
Lk 951 Es geschah aber, als sich die Tage seiner Aufnahme [in den Himmel] erfüllten, da richtete er sein Angesicht fest darauf, nach Jerusalem zu gehen. 52 Und er sandte Boten vor seinem Angesicht her; und sie gingen hin
und kamen in ein Dorf der Samariter, um für ihn Unterkunft zu bereiten. 53 Und sie nahmen ihn nicht auf, weil
sein Angesicht nach Jerusalem hin gerichtet war. 54 Als aber seine Jünger Jakobus und Johannes das sahen,
sprachen sie: Herr, willst du, dass wir sagen, dass Feuer vom Himmel herabfallen und sie verzehren soll? 55 Er
wandte sich aber um und wies sie zurecht. 56 Und sie gingen in ein anderes Dorf.
7
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
(Vorlesung SS 2012)
synoptische Überlieferung
Matthäus
Markus 9,38-40
38
Lukas 9,49-50
Johannes sprach zu ihm:
Lehrer, wir sahen einen, der in
deinem Namen Dämonen austrieb, und wir wollten ihn hindern, weil er uns nicht nachfolgt.
39
Jesus aber sprach:
Hindert ihn nicht!
Denn es gibt keinen, der eine
Krafttat auf meinen Namen hin
wirken und mich bald schmähen
könnte.
40
Denn wer nicht gegen uns ist,
der ist für uns.
[ Mt 12,30 (= Q):
Wer nicht mit mir ist, ist
gegen mich; und wer
nicht mit mir sammelt,
zerstreut. ]
49
Johannes aber antwortete und
sprach:
Lehrer, wir sahen einen, der in
deinem Namen Dämonen austrieb,
und wir wollten ihn hindern, weil
er uns nicht nachfolgt.
50
Und Jesus sprach zu ihm:
Hindert [ihn] nicht!
Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch.
[ Lk 11,23 (= Q):
Wer nicht mit mir ist, ist
gegen mich; und wer
nicht mit mir sammelt,
zerstreut. ]
Mt 12,30 = Lk 11,23 (Q)
o` mh. w'n metV evmou/
katV evmou/ evstin(
kai. o` mh. suna,gwn metV evmou/
skorpi,zeiÅ
Wer nicht mit mir ist,
der ist gegen mich;
und wer nicht mit mir sammelt,
der zerstreut.
Mt 13 (1) An jenem Tag aber ging Jesus aus dem Haus hinaus und setzte sich an den See. (2) Und es versammelten sich große Volksmengen um ihn, so dass er in ein Boot stieg und sich setzte; und die ganze
Volksmenge stand am Ufer. (3a) Und er redete vieles in Gleichnissen zu ihnen und sprach:
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
I.
II.
8
3b-9:
Gleichnis von den viererlei Saatböden
9-23:
Deutung des Gleichnisses
von den viererlei Saatböden
24-30:
Gleichnis vom Unkraut im Weizen
(Vorlesung SS 2012)
(24) Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor und sprach: Mit dem Reich der Himmel ist es wie
mit einem Mann/Menschen, der guten Samen (καλός σπέρµα) auf seinen Acker säte.
(25) Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind (evcqro,j) und säte Unkraut (ζιζάνιον)
mitten unter den Weizen (σίτος) und ging weg. (26) Als aber die Saat aufsprosste und Frucht
brachte, da erschien auch das Unkraut. (27) Es kamen aber die Knechte des Landgutsherrn (οἱ
δοῦλοι τοῦ/ οἰκο-δεσπότου) hinzu und sprachen zu ihm: Herr (Κύριε), hast du nicht guten Samen
auf deinen Acker gesät? Woher hat er denn Unkraut? (28) Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch (ἐχθρὸς ἄνθρωπος) hat dies getan. Die Knechte (οἱ δοῦλοι) aber sagen zu ihm: Willst
du denn, dass wir hingehen und es zusammenlesen / ausreißen? (29) Er aber spricht: Nein, damit
ihr nicht etwa beim Zusammenlesen / Ausreißen des Unkrauts gleichzeitig mit ihm den Weizen
ausreißt. (30) Lasst beides zusammen wachsen bis zur Ernte (θερισµός), und zur Zeit der Ernte
werde ich den Schnittern (θερισταῖς) sagen: Lest zuerst das Unkraut zusammen / reißt zuerst das
Unkraut aus, und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt in meine
Scheune!
III.
31-32: Gleichnis vom Senfkorn
IV.
13,33: Gleichnis vom Sauerteig
34-43:
Deutung des Gleichnis vom Unkraut im Weizen
(34) Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Volksmengen, und ohne Gleichnis redete er
nichts zu ihnen, (35) damit „erfüllt“ würde, was durch den Propheten geredet ist, der spricht:
„Ich werde meinen Mund öffnen in Gleichnissen; ich werde aussprechen, was von Grundlegung
der Welt an verborgen war.“
(36) Dann entließ er die Volksmengen und kam in das Haus; und seine Jünger traten zu ihm und
sprachen: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Ackers! (37) Er aber antwortete und sprach:
Der den guten Samen sät, ist der Sohn des Menschen, (38) der Acker aber ist die Welt; der gute
Same aber sind die Söhne des Reiches, das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen; (39) der
Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters, die
Schnitter aber sind Engel. (40) Wie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt
wird, so wird es in der Vollendung des Zeitalters sein. (41) Der Sohn des Menschen wird seine
Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle Ärgernisse zusammenlesen und die, die
Gesetzloses tun; (42) und sie werden sie in den Feuerofen werfen: da wird das Weinen und das
Zähneklappern sein. (43) Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in dem Reich ihres
Vaters. Wer Ohren hat, der höre!
V.
44:
Gleichnis vom Schatz im Acker
VI.
45-46: Gleichnis von der kostbaren Perle
VII.
47-50: Gleichnis vom Fischnetz
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
9
(Vorlesung SS 2012)
Wortlaut des Briefes von Papst Gregor IX. an Konrad von Marburg vom 11.10.1231 in deutscher Übersetzung:
„Gregor Bischof, Knecht der Knechte Gottes, dem geliebten Sohne Magister Konrad von Marburg, Prediger des Wortes Gottes in Deutschland, Heil und apostolischer Segen!
Da es eine große Gnadengabe Christi ist, dass ihm von seinen Gläubigen auf eine würdige und wohlgefällige
Weise gedient werde, so lobpreisen wir nach Kräften den Schöpfer, der seine Gnadengeschenke an Dir zahlreich gemacht und Dich zu seinem wohlgefälligen Kinde auserlesen hat! Er gab Dir Gelegenheit, Deinen
frommen Willen in Werken zu betätigen, die ihm gefallen, auf dass so der Menge der Gaben einmal auch die
Größe des Lohnes entspreche! Denn von Eifer für den wahren Glauben entbrannt, hast Du Dich bereits daran
gemacht, die Ketzer aus den deutschen Marken zu vertreiben, und von Abscheu gegen dieselben erfüllt, hörst
Du nicht auf, sie aus voller Seele zu bekämpfen. Glorreiches wird daher von Dir erzählt und wir freuen uns
über Deine Fortschritte! Indem wir Dich so um der Erbarmungen Christi willen mit größerer Liebe als andere
umfassen, flösst Deine treue Hingebung uns auch Vertrauen ein! Mit Zuversicht wenden wir uns in religiösen
Anliegen an Dich, damit je reichlicher Dir Anlass geboten wird, Deine Kraft zu erweisen, desto größer auch die
Fülle Deiner Verdienste werde! Briefe unserer ehrwürdigen Mitbrüder der Erzbischöfe von Mainz und Trier
meldeten uns nämlich, dass fast durch ganz Deutschland ein feindseliger Mensch unter den guten Samen des
Glaubens Unkraut gesät habe, und zwar derart, dass nicht nur die Städte sondern auch die Burgen und Dörfer
von dem Verderben der Häresie angesteckt sind. Du aber ... wir danken dafür nach Kräften dem Geber alles
Guten und anerkennen Deine treue Ergebenheit vor Gott – Du aber – kämpfest mit all Deiner Kraft gegen diese
Schlechtigkeit so erfolgreich, dass nicht nur zahlreiche Ketzer, sondern auch Häresiarchen [=Begründer bzw.
Führer einer Häresie], deren jeder in Deutschland zur Ausrottung des katholischen Glaubens sein abgegrenztes
Bezirk hat, durch Dich vom Acker des Herrn sind ausgerottet worden. Damit Du aber diese Füchslein, welche
auf allerhand Schleichwegen den Weinberg des Herrn der Heerscharen zu verwüsten suchen [vgl. Hld 2,15],
um so schrankenloser bekämpfen könnest, so wollen wir, dass Du Dich mit der Untersuchung der Rechtsfälle
nicht abgebest und bitten, gemahnen und verpflichten Dich unter Erlass Deiner Sünden, dass Du Dir zur Ausrottung der verderblichen Ketzer um taugliche Mithelfer, sei es woher immer, umsehest, so oft es notwendig ist,
den weltlichen Arm zu Hilfe rufest und so in jenen Gegenden das Verderben der Häresie eifrig und tatkräftig
auszurotten suchest. Über die Verteidiger, Gönner und Hehler der Häretiker ist der Kirchenbann, über ihr Land
das Interdikt zu verhängen, im Übrigen aber gehe vor wie Du glaubst, dass es am besten ist. Will jemand die
Häresie gänzlich abschwören und zur Einheit der Kirche zurückkehren, so lasse ihm die Wohltat der Absolution
gemäß den Verordnungen der Kirche angedeihen unter Beifügung der entsprechenden üblichen Bußwerke und
habe wohl Acht, ob solche nicht hierdurch den Weinberg des Herrn noch mehr zu verwüsten trachten. Daher
wolltest Du die Verordnungen des apostolischen Stuhles, die wir neuestens in dieser Sache glaubten erlassen zu
müssen und durch unseren Mitbruder Hugo, Prediger des Wortes Gottes in Deutschland übersandten, durchschauen und Dich vor den Ränken der Ketzer gemäß der Dir verliehenen Klugheit wohl in Acht nehmen!
Übrigens damit Du das Dir übertragene Amt noch freier und wirksamer ausüben könntest, erteilen wir allen,
welche in den einzelnen Städten Deine Predigten besuchen, zwanzig Tage Ablass, jene aber, welche in den
Burgen und fernen Orten zur Bekämpfung der Ketzer, ihrer Gönner, Hehler, Verteidiger und anderer Aufrührer
gegen die Kirche Dich ernstlich mit Wohlwollen, Rath und Tat unterstützen, verleihen wir auf des Allmächtigen Erbarmen und die Autorität der seligen Apostel Petrus und Paulus vertrauend, drei Jahre Erlass der über sie
verhängten Kirchenstrafen. Sollte jedoch von diesen einer um der Ketzerverfolgung willen sterben, so verleihen
wir ihm über alle Sünden, die er herzlich bereut hat, vollkommenen Ablass.
Damit aber Dir in Ausübung dieses Amtes nichts fehle, erteilen wir Dir kraft dieses Schreibens die volle
Gewalt ohne Zulassung einer Appellation mit kirchlichen Zensuren gegen diese Rebellen und Widersacher vorzugehen. Gegeben zu Reate am 11. Oktober 1231 im fünften Jahre unseres Pontifikates.“
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
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Päpstliche Bulle „In agro dominico“
(Rom, Archivio segreto vaticano, AA. arm. I-XVIII, n. 3226)
(Vorlesung SS 2012)
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
11
(Vorlesung SS 2012)
„Johannes, Bischof, Knecht der Knechte Gottes, zum ewigen Gedächtnis.
Auf dem Acker des Herrn, dessen Hüter und Bearbeiter Wir nach himmlischer Verfügung, wenn auch unverdientermaßen sind, müssen wir die geistliche Pflege so wachsam und besonnen ausüben, dass, wenn irgendwann ein Feind auf ihm über den Samen der Wahrheit Unkräuter sät, sie im Entstehen erstickt werden, bevor
sie zu Schösslingen verderblichen Keimens aufwachsen, damit, nachdem der Same der Laster abgetötet und die
Dornen der Irrtümer herausgerissen sind, die Saat der katholischen Wahrheit fröhlich aufgehe.
Fürwahr, mit Schmerz tun Wir kund, dass in dieser Zeit einer aus deutschen Landen, Eckhart mit Namen, […]
mehr wissen wollte als nötig war, und nicht entsprechend der Besonnenheit und nach der Richtschnur des
Glaubens, weil er sein Ohr von der Wahrheit abkehrte und sich Erdichtungen zuwandte. Verführt nämlich
durch jenen Vater der Lüge, der sich oft als Engel des Lichtes verwandelt, um das finstere und hässliche Dunkel
der Sinne statt des Lichtes der Wahrheit zu verbreiten, hat dieser irregeleitete Mensch, gegen die hell leuchtende Wahrheit des Glaubens auf dem Acker der Kirche Dornen und Unkraut hervorbringend und emsig beflissen,
schädliche Disteln und giftige Dornensträucher zu erzeugen, zahlreiche Lehrsätze vorgetragen, die den wahren
Glauben in vieler Herzen vernebelt, die er hauptsächlich vor dem einfachen Volk in seinen Predigten lehrte und
die er auch in Schriften niedergelegt hat.
Aufgrund der Untersuchung nämlich, die hierüber auf Veranlassung Unseres ehrwürdigen Bruders, Erzbischofs
Heinrich von Köln bereits früher gegen ihn durchgeführt und schließlich auf Grund Unserer Veranlassung in
der Römischen Kurie erneut vorgenommen wurde, haben Wir in Erfahrung gebracht, dass durch das Bekenntnis
[s. DH 950] desselben Eckehart klar feststeht, dass er sechsundzwanzig Artikel gepredigt, gelehrt und geschrieben hat, die folgenden Wortlaut haben:
[Es folgen die 28 Artikel mit den verurteilten
bzw. kritisierten Aussagen Eckharts.]
[…] wollen Wir kundtun […], dass […] besagter Eckehart am Ende seines Lebens, als er den katholischen
Glauben bekannte, die vorher angeführten sechsundzwanzig Artikel […] widerrufen wie auch verworfen hat
[...], indem er sowohl sich als auch alle seine Schriften und Aussagen der Entscheidung des Apostolischen
Stuhles und der Unseren unterwarf.
Gegeben zu Avignon, am 27. März 1329, im dreizehnten Jahr Unseres Pontifikates.“
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
12
(Vorlesung SS 2012)
DiH 11,1: Gott ruft zwar die Menschen, Ihm im Geist und in der Wahrheit zu dienen, weshalb sie im Gewissen verpflichtet, nicht aber gezwungen werden. Er nimmt nämlich Rücksicht auf die Würde der von Ihm selbst
geschaffenen menschlichen Person, die durch eigenen Ratschluss geleitet werden und die Freiheit genießen
muss. Dies wurde aber in höchstem Maße in Christus Jesus deutlich, in dem Gott Sich selbst und seine Wege
vollkommen kundgetan hat. Denn Christus, der unser Meister und Herr [vgl. Joh 13,13] ist und ebenso mild
und demütig von Herzen [vgl. Mt 11,29], hat seine Jünger geduldig gewonnen und eingeladen [vgl. Mt 11,2830; Joh 6,67f]. Gewiss unterstützte und bekräftigte er durch die Wunder seine Predigt, um den Glauben der Hörer zu erwecken und zu bestätigen, nicht [aber], um auf sie Zwang auszuüben [vgl. Mt 9,28f; Mk 9,23f; 6,5f;
Paul VI., Enz. Ecclesiam suam vom 6. Aug. 1964: AAS 56 (1964) 642f].
Die Ungläubigkeit der Hörer machte er sicherlich zum Vorwurf, indem er aber die Strafe Gott für den Tag des
Gerichtes überließ [vgl. Mt 11,20-24; Röm 12,19-20; 2 Thess 1,8]. Als er die Apostel in die Welt sandte, sagte
er ihnen: „Wer glaubt und getauft wird, wird gerettet sein; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden (Mk
16,16). Als er aber das mit dem Weizen ausgesäte Unkraut bemerkte, befahl er, beides wachsen zu lassen bis
zur Ernte, die bei der Vollendung der Welt geschehen wird [vgl. Mt 13,30.40-42]. Da er kein politischer und
mit Gewalt herrschender Messias sein wollte [vgl. Mt 4,8-10; Joh 6,15], wollte er sich lieber Menschensohn
nennen, der gekommen ist, „um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele“ [Mk 10,45]. Er
erwies sich als vollkommener Diener Gottes [vgl. Jes 42,1-4], der „das geknickte Rohr nicht brechen und den
glimmenden Docht nicht auslöschen wird“ (Mt 12,20). Die staatliche Gewalt und ihre Rechte erkannte er an,
als er befahl, dass dem Kaiser die Steuer gegeben werden solle, klar aber mahnte er, dass die höheren Rechte
Gottes beachtet werden müssen: „Gebt also, was des Kaisers ist, dem Kaiser, und was Gottes ist, Gott“ [Mt
22,21]. Schließlich machte er, indem er das Erlösungswerk am Kreuz erfüllte, um dem Menschen das Heil und
wahre Freiheit zu erwerben, seine Offenbarung vollkommen. Er legte nämlich Zeugnis für die Wahrheit ab
[vgl. Joh 18,37], wollte sie jedoch den Widersprechenden nicht mit Gewalt auferlegen. Sein Reich wird nämlich nicht durch Dreinschlagen geschützt [vgl. Mt 26,51-53; Joh 18,36], sondern dadurch gefestigt, dass man
die Wahrheit bezeugt und hört, es wächst aber durch die Liebe, durch die Christus, am Kreuz erhöht, den Menschen an sich zieht [vgl. Joh 12,32].
11,2: Die Apostel sind, durch Wort und Beispiel Christi belehrt, demselben Weg gefolgt...“
Forst, Rainer, Toleranz im Konflikt. Geschichte, Gehalt und Gegenwart eines umstrittenen Begriffs,
Frankfurt a. M. 2003 (stw 1682), 535:
Ein drittes christliches Argument [betont] den Richterstuhl Gottes […]. Diesem Argument zufolge ist es allein
ihm vorbehalten, die Spreu vom Weizen zu trennen, und zwar sowohl im Urteil als auch in der strafenden Verurteilung. Auf Erden können sich endliche Menschen solch ein Urteil nicht anmaßen. Die Ungläubigen werden
ihrer Strafe zwar nicht entgehen, doch wird es eine göttliche sein; die irdische Toleranz unter Menschen weiß
sich in der Sicherheit göttlicher, gerechter Grenzen der Toleranz. – Auch hier zeigt sich eine folgenschwere
Ambivalenz und Umschlagsgefahr. Denn wenn die Gerechtigkeit Gottes sich seiner eigenen Offenbarung nach
gegen die Ungläubigen richten wird, und wenn es doch möglich sein sollte, auf Erden bereits das Unkraut, vielleicht sogar seine Wurzeln, zu erkennen und ohne Gefahr für den Weizen auszureißen, kann eine solche Tat
von Gott nicht verurteilt werden. Schließlich stellt bei solchen Konflikten nicht nur das Seelenheil der dem
Zwang Unterworfenen auf dem Spiel, sondern auch das anderer Unschuldiger, die vom Virus des Unglaubens
und der Häresie befallen werden könnten. Wieder schlägt das Argument für Toleranz in eines der Verpflichtung
zur Intoleranz um.“
Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
Erich Fried
(1921-1988)
Die Maßnahmen
Die Faulen werden geschlachtet
die Welt wird fleißig
Die Häßlichen werden geschlachtet
die Welt wird schön
Die Narren werden geschlachtet
die Welt wird weise
Die Kranken werden geschlachtet
die Welt wird gesund
Die Traurigen werden geschlachtet
die Welt wird lustig
Die Alten werden geschlachtet
die Welt wird jung
Die Feinde werden geschlachtet
die Welt wird freundlich
Die Bösen werden geschlachtet
die Welt wird gut
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(Vorlesung SS 2012)
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Glaube zw. Religiosität und Kirche
3. kulturelle Räume der Gesellschaft…
(Vorlesung SS 2012)
Mt 7 (15) Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen! Inwendig aber sind
sie reißende Wölfe.
(16) An ihren Früchten sollt / werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von Dornen Trauben oder
von Disteln Feigen?
(17) So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der morsche [sapro,j] Baum aber bringt
schlechte Früchte. (18) Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, noch kann
ein morscher Baum gute Früchte bringen. (19) Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt,
wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
(20) Deshalb: an ihren Früchten sollt / werdet ihr sie erkennen.
(21) Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Himmelreich kommen, vielmehr [avlla,] der, der
den Willen meines Vaters im Himmel tut. (22) Es werden an jenem Tag viele zu mir sagen: Herr, Herr,
haben wir nicht in deinem Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem Namen viele Wunder getan? (23) Dann werde ich ihnen bekennen: Ich
habe euch noch nie gekannt; weicht von mir, ihr Gesetzlosigkeit Tuenden [oi` evrgazo,menoi (Part. von evrga,zomai) th.n avnomi,an]!
Mt 24 (9) Dann werden sie euch in Bedrängnis überliefern und euch töten; und ihr werdet von allen Nationen
gehasst werden um meines Namens willen. (10) Und dann werden viele verleitet werden und werden einander
überliefern und einander hassen; (11) und viele falsche Propheten werden aufstehen und werden viele verführen; (12) und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt [kai. dia. to. plhqunqh/nai th.n avnomi,an], wird die Liebe
der meisten erkalten; (13) wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden.
Aurelius Augustinus (354-430),
De Sermone Domini in Monte 2,24:
„Multi enim quaedam in fructibus deputant, quae ad vestitum ovium pertinent.“ [„Viele nämlich sehen etwas
als Früchte an, was zum Schafspelz gehört.“]
Johannes Calvin (1509-1564)
„Christus wollte seine Lehre nicht einem so unklaren Urteil unterwerfen, dass sie am Leben eines Menschen
abgelesen werden müsste“.
Calvin, Calvin, Auslegung der Evangelien-Harmonie, hg. von StadtlandNeumann, H. / Vogelbusch, G., 2 Bde., Neukirchen-Vluyn 1966. 1974, hier: I,
239.
2 Kor 2 (14) Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzug mitführt in Christus und den Duft [ovsmh,] seiner Erkenntnis durch uns offenbart an jedem Ort! (15) Denn Christi Wohlgeruch sind wir für Gott [Cristou/
euvwdi,a evsme.n tw/| qew/|] unter denen, die gerettet werden, und unter denen, die verloren gehen; (16) den einen
Duft [ovsmh,] vom Tod zum Tode, den anderen aber Duft [ovsmh,] vom Leben zum Leben. Und wer ist dazu geeignet? (17) Denn wir sind nicht wie die vielen damit beschäftigt, das Wort Gottes zu verhökern, sondern wie
aus Lauterkeit, wie aus Gott reden wir vor Gott in Christus.
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Seele and Geist
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