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http://www.welt.de/print/wams/nrw/article13761727/Alles-Lat...
11.12.2011 | Autor: Stefan Laurin
Alles Latte, oder was?
In Köln und Düsseldorf wandelt sich der Charakter von Stadtteilen. Gutverdienende ziehen in einst gemiedene Viertel.
Davon kann man im Revier nur träumen
Es ist eine der vielen Konferenzen, in denen es um die Zukunft des Ruhrgebiets geht. Sie finden seit Jahren statt, vornehmlich in den
vielgepriesenen Stätten der Industriekultur, und sie alle sollen helfen, dem Revier neue Perspektiven zu eröffnen. Ende November ging
es auf Zeche Zollverein um die Chancen, die sich der Immobilienwirtschaft durch die Kreativwirtschaft eröffnen. Eingeladen hatte die
Landesinitiative Creative.NRW und die Wirtschaftsförderung Metropole Ruhr.
Die Aufwertung alter Stadtquartiere durch junge Kreative ist seit vielen Jahren ein großes Thema. Die Verbürgerlichung - in der
Fachsprache Gentrifizierung genannt - von Vierteln mit alter Bausubstanz, preiswerten Mieten und oft wirtschaftlich schwachen
Bewohnern ist ein großes Geschäft und läuft immer nach dem gleichen Schema ab: In einen etwas heruntergekommenen Stadtteil
ziehen Studenten, Künstler und Kleinstunternehmer. Sie werden angezogen durch charmante Altbauten und niedrige Mieten: Hier
bekommt man viel Platz für wenig Geld, gibt es die großen, billigen Wohnungen für Wohngemeinschaften und die leer stehenden
Ladenlokale für Cafés, Szenekneipen oder Galerien.
Das Viertel wird nach und nach attraktiv. Langsam kommen die Wohlhabenderen in den nun angesagten Stadtteil, die Häuser werden
renoviert und aus den Studentenkneipen werden schicke Restaurants. Irgendwann steigen dann die Mieten und die Immobilienwerte.
Musterbeispiel für diese Entwicklung ist der Prenzlauer-Berg in Berlin. An alten, heruntergekommen Stadtteilen herrscht im Ruhrgebiet so
wenig Mangel wie in Berlin nach dem Mauerfall. Nur hat hier noch niemand einen Weg gefunden, sie in größerer Zahl in attraktive
Wohnlagen zu verwandeln. Geschehen soll das durch junge Kreative. Sie sollen helfen, ganze Viertel wieder in Schwung zu bringen und
die Immobilienwerte zu steigern. Das Problem des Ruhrgebiets: Zwar gibt es viele Flächen, aber genau die, von denen die
Wirtschaftsförderer hoffen, dass sie zu Szenequartieren werden, eignen sich kaum.
Und weil man sich im Ruhrgebiet ungern von Experten sagen lässt, dass die eigenen Träume wenig mit der Wirklichkeit zu tun haben,
hörte man auch auf Zollverein den eigens eingeladenen Experten nicht zu. Zum Beispiel Ralf Ebert vom Dortmunder Planungsbüro
Stadtart. Der führte aus, dass zu den Bedingungen, die gegeben sein müssen, damit ein Quartiere durch Kreative aufgewertet werden
kann, die Nähe zu Szenekneipen, Cafés und Clubs gehört. "Wer darauf nicht achtet", sagte der Planer, "bekommt Schwierigkeiten."
Viele Gebäude, die von Kreativen im Ruhrgebiet nun aufgewertet werden sollen, liegen allerdings in Wüsteneien: Um das auf der
Konferenz beworbene Kreativquartier Zeche Lohberg in Dinslaken erstrecken sich eine alte Zechensiedlung und abbruchreife
Industrieanlagen. Nachtleben? Das ist hier das Spätprogramm im Fernsehen. Auch Zollverein, der Kongressstandort, hat Kreativen
außer dem Nobelrestaurant Casino zur Entspannung wenig zu bieten. Gerade einmal in Essen Rüttenscheid, dem Dortmunder
Kreuzviertel und der Nordstadt sowie Bochum-Ehrenfeld gibt es etwas, was man ernsthaft als Kreativquartiere bezeichnen könnte - vier
kleine Inseln in einem Meer aus 53 Städten.
Die umworbenen Kreativen haben ohnehin nicht das Gefühl, dass man sich abseits solcher Veranstaltungen im Ruhrgebiet für sie
interessiert. "Das Ruhrgebiet ist nicht Köln oder Düsseldorf. Hier spielt die Kreativwirtschaft keine so große Rolle, auch wenn viele das
herbeireden wollen." Ein Problem für Kreative sei, dass es im Ruhrgebiet zu wenig Aufträge für Kreative gebe.
Ein Gegenbeispiel findet sich in Düsseldorf. Das alte Arbeiterquartier Flingern, in den 80er- und 90er-Jahren für seine lebendige
Clubkultur bekannt, ist dabei, sich zu wandeln: Immer mehr der alten Häuser werden aufwendig renoviert. Neben dem
Werkzeugvermieter, der Pommesbude und der Altkneipe findet man heute dort Agenturen, Galerien und edle Restaurants. Bis zu zehn
Euro Kaltmiete kann dort eine Wohnung kosten - die Zeiten, in denen Flingern ein Refugium für preisbewusste Mieter war, gehen zu
Ende. Eine Entwicklung, die ganz Düsseldorf betrifft.
Vor allem Gruppen aus dem alternativen Milieu fürchten, aus der Stadt gedrängt zu werden. Unter dem Motto "Düsseldorf ist arschteuer"
protestieren sie gegen steigende Mieten in der Landeshauptstadt, die schon heute zu den hochpreisigsten Städten Deutschlands gehört.
Ihnen geht es nicht nur um Wohnraum: Auch immer mehr Künstler und Projekte können sich Düsseldorf nicht leisten. Die etablierte
Kreativwirtschaft schon, die in Düsseldorf zum Beispiel im Bereich der Werbeagenturen im Gegensatz zum Ruhrgebiet tatsächlich ein
bedeutender Wirtschaftsfaktor ist. Nach einer Erhebung des Düsseldorfer Maklerbüros Trombello-Kölbel steht die Kreativwirtschaft für
über 20 Prozent des Immobilienumsatzes in der Landeshauptstadt und liegt damit auf Platz zwei hinter den Unternehmensberatern.
Auch in Köln haben sich in den vergangenen Jahren Stadtteile gewandelt und steigen die Mieten. Nippes war lange Zeit kein allzu
attraktiver Stadtteil - heute finden sich auch hier die üblichen Bioläden, Buchhandlungen und Cafés. Und auch Ehrenfeld, lange Zeit ein
Problemquartier, gehört längst zu den begehrten Wohnlagen der Stadt. Bernd Streitberger, Kölns Planungsdezernent, sieht allerdings
keinen Grund zur Sorge. "Wir erleben die Veränderung von Stadtteilen als etwas Positives." Vieles, was nun durch den Zuzug von
Kreativen geschehe, sei eine Bereicherung: "In Köln wird keine Gruppe verdrängt oder alte Bausubstanz abgerissen. Köln ist bekannt für
seine Vielfalt und Buntheit - Ehrenfeld hätte auch homogen türkisch werden können. Jetzt bleibt es bunt."
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