close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

09 - Landeskirche Hannovers

EinbettenHerunterladen
LANDESBISCHÖFIN DR. MARGOT KÄßMANN
______________________________________________________
Loccum, 6.1.09
„Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich“ (Lukas 18, 27)
Wer den Bibelvers liest, der uns in diesem Jahr als Losung begleitet, erhält auf den
ersten Blick Mut und Zuversicht: „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei
Gott möglich“ (Lukas 18, 27), das erinnert ja fast an die Werbung: „Nichts ist unmöglich!“ Eine Entlastung kann dieser Satz auch sein für so manchen Menschen in Politik
und Wirtschaft, so manchen, der um den Arbeitsplatz, die Existenz bangt. Aber auch
eine Mahnung, dass unser persönliches Handeln begrenzt ist, wir nicht „alles im
Griff“ haben, sondern manches Mal auf Gottes Möglichkeiten angewiesen sind.
Die Jahreslosung stammt aus einer biblischen Erzählung, die unter der Überschrift
„Der reiche Jüngling“ bekannt ist. Der Zusage, dass bei Gott alles möglich ist, geht
zunächst eine gewaltige Infragestellung voraus. Der Mann, der hier fragt: „Was soll
ich tun, um das ewige Leben zu ererben“, ist in keiner Weise als jung gekennzeichnet. Mit dem griechischen Begriff (άρχων) ist hier wohl eine leitende Persönlichkeit
gemeint, vielleicht war er einer der Leiter der pharisäischen Bewegung. Einer der
„Notablen des Landes“ sozusagen, so hat Bischof Lilje einst die Einladungsliste zu
diesem Loccumer Empfang bezeichnet. Der Mann wird jedenfalls als Autorität geschildert. Aber er fragt Jesus um Rat. Das finde ich natürlich sehr sympathisch! Ein
Mann von Welt fragt einen Mann der Religion, ihm geht es also um die tiefere Dimension des Lebens. Allerdings hat er auch einiges vorzuweisen, er hält die Gebote
beispielsweise, rechtschaffen ist er also im besten Sinne. Als der erbetene Rat aber
allzu praktisch wird und außer dem Halten der Gebote auch noch das Verlassen von
allem Besitz und auch der Ehefrau verlangt wird, ist deutlich: die Anforderungen sind
zu hoch. So kann der notable Mann keinesfalls ins Himmelreich gelangen.
Lukas meint das offenbar in aller Radikalität: Reichtum, erst recht großer Reichtum
ist mit dem Eingehen in das Himmelreich unvereinbar. „Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher in das Reich Gottes komme.“
(Lukas 18,25). Dieses Bild, das vielleicht von Jesus selbst stammt, ist weltberühmt
geworden. In der Geschichte der Exegese wurde versucht, die Radikalität dieses Bildes durch ein Ersetzen von „Kamel“ durch einen „dicken Strick“ (kamilos) zu entschärfen. Aber das hilft nicht, auch ein Tau geht nicht durch ein Nadelöhr. Das Bild
zeigt eine Unmöglichkeit, die Lukas bitterernst ist. Die Einhaltung des Gesetzes teilt
seine Gemeinde mit dem Judentum als Anforderung, um Gott gehorsam zu sein. Jesus überhöht diese Forderung aber noch: alle Güter müssen aufgegeben werden. So
haben es die Jünger getan, das hebt Petrus hervor, und dafür wird ihnen Lohn schon
-2-
auf Erden und erst recht im Himmel zugesagt. (Lukas 18, 28f.) Für alle, die das nicht
können, die sich außerstande sehen, einen so radikalen Schnitt zu machen, bleibt
das Himmelreich eine Unmöglichkeit.
Die Radikalität des Bildes sagt: Es ist unmöglich, ins Himmelreich zu kommen. Wir
können uns das nicht verdienen, erleisten! Nicht durch Einhaltung der Gebote, nicht
durch Almosengeben, nicht durch irgendetwas, das wir tun. Auch nicht durch Aufgabe von Besitz und Beziehungen. So radikal der Ruf Jesu in die Nachfolge ist, so klar
wird doch gleichzeitig: Nichts, was wir tun, bringt unser Lebenskonto vor Gott in die
schwarzen Zahlen. Das kann nur Gott allein, das ist reine Gnade, Geschenk.
Reichtum bedeutet auch Sicherheit, ein Netz der Absicherung, das ich mir vielleicht
selbst erarbeitet habe, ein Bedürfnis, nach Unabhängigkeit von anderen. Aber wenn
wir uns klar machen, wie viele von uns - bei allen Einschränkungen - im Vergleich zu
den wirklich Armen im Land und erst recht weltweit leben, dann wird uns bewusst
werden: Vor Gott verantworten können wir solche Ungerechtigkeit nicht! Dass die
einen haben und besitzen, während 950 Millionen Menschen hungern auf dieser Erde, hat nichts mit Weltgemeinschaft, positiver Globalisierung und gelingendem Leben
zu tun. Wie wirken die radikalen Forderungen des Lukas mit Blick auf die Situation
unserer Kirche, von Christinnen und Christen heute? Beschwichtigen wir oder fühlen
wir uns gedrängt zur Umkehr, zur Veränderung?
Der „reiche Mann“ ist offen, sensibel, er fragt Jesus um Rat. Übersetzt könnten wir
sagen, er fragt: „Was kann ich tun, um mein Leben wirklich abzusichern, am besten
für immer und ewig?“ Die Antwort, die er bekommt, ist zunächst ziemlich enttäuschend und erschreckend für ihn und vielleicht auch für uns, weil sie doch so gar
nicht zu diesem Gefühl von „Alles ist möglich“ passt. Jesus sagt ihm: „Alles, was du
als Mensch besitzt und kannst, kann dir keinen endgültigen Halt und absolute Sicherheit geben.“ Insofern kann niemand durch eigene Leistung ins Himmelreich
kommen, aber je mehr wir meinen, selbst die „Macher“ zu sein, desto schwerer wird
es. Heilige, hat Martin Luther gesagt, sind eben gerade nicht perfekte Menschen,
sondern diejenigen, die sich mit ihrem Leben ganz und gar Gott anvertrauen.
Viele von uns bauen darauf, dass Geld uns absichert gegen jede Not. Wir beneiden
diejenigen, die viel haben. Wie unsicher und verletzbar diese Absicherung ist, wurde
im vergangenen Jahr bewusst, als alle Kurse wankten und nicht nur die Superreichen betroffen waren, sondern auch viele so genannte „kleine Leute“, die ein Häuschen oder ein kleines Kapital zur Altersvorsorge angespart hatten. Innere Freiheit
können wir aber gewinnen, wenn wir genau das begreifen.
-3-
Die Losung für das neue Jahr macht uns darauf aufmerksam, dass wir eben nicht
alles schaffen können, was wir uns vorgenommen haben, um unserem Leben eine
neue Richtung und Sicherheit zu geben. Es liegt nicht in meiner Hand, das ist die
entscheidende Erkenntnis. Wenn ich glücklich bin, kann ich dafür einfach nur dankbar sein, aber ich kann das Glück nicht selbst absichern. Falls mich Sorgen umtreiben, kann ich sie nicht einfach verscheuchen, aber ich kann mich mit meinen Sorgen
Gott anvertrauen. Wo ich Fehler, Ängste, Scheitern sehe, werde ich mich nicht selbst
davon befreien können. Ich bin angewiesen darauf, dass Gott mich hält und trägt in
diesem Leben und darüber hinaus. Rechtfertigung allein aus Glauben, darum geht
es, allein der Glaube zählt in meinem Leben – und damit sind wir beim zentralen
Thema der Reformation.
Das gilt auch für ein Jahr, das schon vorab als Krisenjahr gekennzeichnet wird und
nun in allen Ansprachen von Aufforderungen zum Durchhalten und Ermutigungsreden begleitet wird. Irgendwie ist auch das merkwürdig: Erst wird uns gesagt: die Krise ist da oder sie kommt! Viele Menschen fühlen aber – noch – nichts. Vor Weihnachten wurde mehr gekauft, als je zuvor. Noch nie hatten so viele Deutsche einen
Arbeitsplatz, melden die Zeitungen. Aber wenn dann in den Umfragen deutlich wird:
die Deutschen sind schlechter gestimmt als selten zuvor, dann heißt es: nun seid
doch nicht ängstlich, rückt zusammen, wir schaffen das!
Vielleicht wäre eine ganz andere Haltung angebracht: Dankbarkeit. Ich will die Krise
gewiss nicht kleinreden, auch die Ängste nicht. Aber eine gewisse Zuversicht ist mir
wichtig. Zum einen, weil wir aus einer sehr soliden Lage in die Krise gehen, die da
kommen mag. Denn andere Nationen kämpfen mit Krisen der ganz anderen Art. Ich
denke an den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, der einem das Herz
zerreißen kann. Die Frage, wie Frieden entstehen soll aus so viel Hass und Krieg,
das ist eine Krise, für deren Bewältigung kaum jemand eine Antwort weiß.
Oder denken wir an die Menschen im Kongo. Bei einem grauenvollen Massaker am
29. Dezember 2008 im Nordosten der so genannten Demokratischen Republik haben die Rebellen der Lord's Resistance Army (LRA) nach UN-Angaben fast 200 Zivilisten massakriert. Seit Donnerstag wurden im Bezirk Faradje 40 Menschen, 89 in
Doruma und 60 in Gurba getötet, wie das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer
Angelegenheiten mitteilte. Mindestens 120 Häuser seien zerstört worden. Was für
eine Krise, was für ein Grauen! Wer hat da Antworten, Perspektiven? Selbst die UN
Helfer resignieren ohnmächtig angesichts derartiger Gewalt.
-4-
Das ist mein erster Punkt: Ordnen wir die Krise ein, so können wir dankbar sein,
dass wir aus einer so abgesicherten Position möglichen Krisen des neuen Jahres
entgegengehen. Und diese Dankbarkeit stellt uns auch in Verantwortung für Menschen auf dieser Erde, die unter Hunger, Krieg, Ungerechtigkeit und Klimakatastrophe leiden.
Wenn heute von einer Weltwirtschaftskrise die Rede ist, lassen Sie uns zurückschauen auf die Wirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts. Manches Mal lässt sich ja
aus der Vergangenheit lernen.
Im Winter 1929/30 geriet Deutschland in den Strudel der sich aus dem Zusammenbruch der New Yorker Börse im Oktober 1929 entwickelnden Weltwirtschaftskrise.
Der Kapitalstrom nach Deutschland versiegte, als die für die deutsche Wirtschaft so
dringend benötigten ausländischen Kredite abgezogen wurden. In den USA und in
Europa setzte sich zunehmend nationaler Protektionismus durch, das Welthandelsvolumen fiel von 1929 bis zum Tiefpunkt der Rezession 1932 um 25 Prozent. Der
deutsche Warenexport sank in demselben Zeitraum von 13,5 auf 5,7 Milliarden
Reichsmark, weil der Außenhandel ebenso rapide zurückging wie die Industrieproduktion des Deutschen Reichs, die um ca. 40 Prozent fiel.
Firmenzusammenbrüche, Bankenschließungen und Massenarbeitslosigkeit waren
die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise. Zwischen September 1929 und Anfang
1933 stieg die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland von 1,3 auf über sechs Millionen. Das Realeinkommen sank um ein Drittel, Armut und Kriminalität nahmen
sprunghaft zu. Massenverelendung kennzeichnete in der Wirtschaftskrise das Alltagsleben breiter Bevölkerungsschichten. Für ältere Menschen bestand keinerlei
Hoffnung auf eine Anstellung. Auch jüngere Arbeitslose mussten jede Chance eines
kleinen Verdiensts ergreifen, um dem gefürchteten sozialen Abstieg und der Obdachlosigkeit zu entgehen. Viele Menschen erkannten nur im Freitod einen Ausweg aus
ihrer existenziellen Not. Andere versuchten durch Heimarbeit, Hausieren und
Tauschgeschäfte, den täglichen Überlebenskampf zu gewinnen oder zogen als Straßenmusikanten von Haus zu Haus. Für unzählige Frauen war Prostitution der letzte
Ausweg.
Die allgemeine Katastrophenstimmung veränderte zunehmend die politischen Rahmenbedingungen. Mit Erfolg entfesselten die Gegner der Weimarer Republik von
rechts und links eine beispiellose Agitation gegen die demokratische Ordnung. Der
seit den Landtagswahlen 1929 eingesetzte Aufwärtstrend der NSDAP verstärkte sich
mit der Reichstagswahl 1930. Auch die KPD profitierte bei den Wahlen von der all-
-5-
gemeinen Missstimmung gegen die Weimarer Republik und ihre Wirtschaftsordnung.
Die liberale Deutsche Demokratische Partei (DDP) als Vertreterin des parlamentarischen Systems hingegen versank in der politischen Bedeutungslosigkeit.
Wir wissen, wohin diese Entwicklungen geführt haben. Sie bereiteten einer menschenverachtenden Ideologie den Boden, die am Ende Terror und Schrecken übrig
ließ. An die Reichspogromnacht haben wir letzten November erinnert, in diesem Jahr
werden 60 Jahre Gründung der Bundesrepublik und 20 Jahre Fall der Mauer zu bedenken sein. Aber auch der Beginn des Krieges am 1.September 1939, also vor 70
Jahren, muss in diesem Jahr erinnert werden.
1945 stand unser Land vor den Trümmern der fehl gedeuteten Krise, weil Sündenböcke gesucht wurden und Menschen jüdischen Glaubens mitten unter uns zu solchen erklärte wurden. Die fatalste Form von Krisenbewältigung, die denkbar ist: anderen die Schuld zuschreiben. Das gilt auch heute übrigens. Viele sind schnell dabei,
mit dem Finger zu zeigen: DIE Banker, DIE Wirtschaftsleute, DIE Politiker sind
schuld. Das ist immer auch der Versuch einer Selbstentlastung. Denn, machen wir
uns nichts vor, einer Schnäppchenmentalität und der Sehnsucht nach dem schnellen
Geld unterliegt doch unsere ganze Gesellschaft. Warum sonst beispielsweise hätten
sich so viele von so hohen Renditeversprechen anlocken lassen?
Heute leben wir – Gott sei Dank – in Deutschland in einer gefestigten Demokratie. Es
geht deshalb darum, die Menschen in unserem Land für das Miteinander zu erwärmen, das Wir-Gefühl zu stärken, damit nicht extreme Positionen Raum greifen, Ideologien fruchtbaren Boden finden. Wenn wir aus der Krise von damals etwas lernen
können, dann das: Wirtschaftskrisen dürfen die Demokratie nicht in Frage stellen,
und die Kirchen tun gut daran, die Demokratie zu stärken!
Nachdenklich machen muss ein Satz aus dem Artikel im neuesten SPIEGEL (01/09),
in dem es heißt: "Es wird zudem ein Jahr des beinahe permanenten Wahlkampfs. …
Allen müsste bewusst sein, dass es nicht nur um den Wahlsieg geht, sondern auch
um die Verteidigung der Demokratie. Im abgelaufenen Jahr wurde so intensiv wie nie
zuvor die Frage diskutiert, ob nicht der Demokratie allmählich eine Konkurrenz erwächst. Autoritäre Staaten wie China, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Singapur schaffen zwar Wohlstand und Sicherheit, aber nur mit Hilfe von Unterdrückung. Die Krise ist auch ein Wettbewerb um Lösungskompetenzen. Welches System schifft seine Bevölkerung besser um die Klippen?"
-6-
Das ist mein zweiter Punkt: Wir sollten wachsam sein, dass „Krisengewinnler“
nicht die schnellen Verführer sind, die die Demokratie schwächen. Wir alle, die wir
Verantwortung tragen in Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Kirche sind mit verantwortlich, in unsicheren Zeiten glasklar für die Demokratie einzustehen.
In Interviews zum Jahresende wurde ich mehrfach gefragt, ob denn die Kirche nun
„Gewinnerin der Krise“ sei. Das finde ich einen absurden Gedanken. Unsere Kirche
will doch nicht mit Angst auf Menschenfang gehen sozusagen. Unsere Kirche will
Menschen durch den Glauben stärken für die Herausforderungen der Welt und den
Blick auf die wirklich entscheidenden Fragen lenken.
Das griechische Wort kritein bedeutet unterscheiden. Das scheint mir von entscheidender Bedeutung: Wir lernen im kommenden Jahr, zu unterscheiden zwischen
wichtig und unwichtig etwa. Fernsehen, Geld und Lottozahlen sind weniger wichtig
als Glaube, Liebe, Hoffnung. Schnelle Rendite ist kein wichtiges Ziel, sondern ob
Menschen füreinander einstehen. Wachstum ist kein Gott, den ich anbete, sondern
ein nachhaltiger Lebensstil. Und Gottvertrauen ist wichtiger als Geld. Miteinander
bringt mehr als Egomanie. In diesem Sinne finde ich auch gut, dass die Europäische
Union morgen das „Jahr der Kreativität und Innovation“ ausrufen will. Mut zur Kreativität, statt ängstlichem Erstarren und Festhalten, das macht Sinn.
Deshalb ist die Frage: Welchen Blick haben wir auf die Welt, auf unser Leben? Sehen wir alles am Ende negativ? Sehen wir die Probleme unserer Beziehung, die Frage, ob das Studium mich zu einem Arbeitsplatz führt, die Angst, allein zu sein? Oder
sehen wir das Leben aus Gottes Hand: du wirst mich Wege führen, auf denen ich
gehen kann. Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand…
Als Kirche stehen wir dafür ein, Menschen Mut zu machen, ihr Leben zu gestalten,
ihre Verantwortung an dem Ort wahrzunehmen, an den Gott sie gestellt hat. Wir treten ein für eine Kultur der Achtsamkeit, des Miteinanders statt der Egomanie. Und wir
werden auch in diesem Jahr mit unseren konkreten Hilfsangeboten Menschen zur
Seite stehen, die von Not bedroht sind in unserem Land wie in unseren Partnerkirchen in Osteuropa und in Übersee.
„Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich“ – das ist eine wohltuende Ermutigung für ein ganzes Jahr, finde ich. Es ist eine Lebenszusage, die ein
Jahr nicht von vornherein zum Krisenjahr abstempelt, sondern davon spricht, dass
auch Überraschendes möglich ist. Vielleicht sind Gottes Möglichkeiten nicht immer
die Wege, die wir uns erträumen und erhoffen. Aber es sind unsere Lebenswege, die
-7-
wir gestalten, vor Gott verantworten und auf denen uns Gott immer wieder Zukunft
eröffnet.
So ist dies mein dritter Punkt: Es ist gut, mit Gottvertrauen in ein neues Jahr zu
gehen. Gott schenkt uns die Kraft zur Bewältigung von Krisen nicht im Vorhinein,
sonst würden wir überheblich werden. Aber wir dürfen darauf vertrauen: wenn wir
Kraft brauchen, wird Gott sie uns auch schenken. Und wir sollten den Mut haben,
inmitten unserer Krisen, die Lebenskrisen anderer in unserer Nähe wie in der Ferne
der globalisierten Welt nicht zu übersehen. Das nämlich heißt: Verantwortung übernehmen, dazu ermutigt letzten Endes die Geschichte vom Mann auf der Suche nach
Sinn.
Ich wünsche Ihnen allen in diesem Sinne ein frohes und gesegnetes Neues Jahr.
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
3
Dateigröße
56 KB
Tags
1/--Seiten
melden