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"Die Regierungen wollen genau wissen, was bei uns läuft" - kath.ch

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Interview:
Sechs Länder: Der Schweizer Kapuziner Paul Hinder ist Bischof von Arabien
"Die Regierungen wollen genau wissen, was bei uns läuft"
Interview: Walter Ludin / Kipa
Abu Dhabi, 8.3.06 (Kipa) Der Schweizer Kapuziner Paul Hinder (64) ist Bischof von
Arabien. Seine Diözese (offiziell: "Apostolisches Vikariat") umfasst sechs Länder: Die
Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Qatar, Oman, Saudi-Arabien und Jemen. Es
gibt keine einheimischen Christen. Die Gläubigen der Diözese sind Gastarbeiter aus
Dutzenden von Ländern, vor allem aus Indien und den Philippinen, aber auch aus
arabischen Ländern wie Jordanien und Syrien. Die Presseagentur Kipa sprach mit
Bischof Paul Hinder in Abu Dhabi.
Kipa: Man hört immer wieder, die Kirche sei in den arabischen Ländern unfrei, ja unterdrückt.
Wenn ich hier die Tausenden von Gläubigen sehe, die an den Gottesdiensten teilnehmen,
zweifle ich daran.
Paul Hinder: Wir müssen unterscheiden zwischen Religionsfreiheit und Kultusfreiheit.
Religionsfreiheit bedeutet das Recht des Einzelnen, zu entscheiden, welcher Religion er
angehören will – und somit allenfalls zu konvertieren. Es ist offensichtlich, dass es hier
dieses Recht nicht gibt. Ein Muslim darf nicht Christ werden.
Kipa: Und wie steht es mit der Kultusfreiheit?
Hinder: Abgesehen von Saudi-Arabien gibt es in unsern Ländern diese Freiheit, allerdings in
eingeschränktem Masse. Die regierenden Scheichs haben den Kirchen Freiräume
zugestanden. Dafür bin ich Ihnen sehr dankbar. Allerdings entsprechen die Freiräume nicht
dem tatsächlichen Gewicht der Kirchen. Konkret: Die Scheichs stellen Gelände zu
Verfügung, auf denen die christlichen Konfessionen Kirchengebäude erstellen dürfen.
Sehr oft gibt es aber in einem Land beziehungsweise Scheichtum nur ein Landstück.
Wegen den Distanzen ist es für viele Gläubige sehr schwierig, zu den Gottesdiensten zu
kommen. Trotzdem sind unsere Gottesdienste überfüllt. Denn beispielsweise in den grossen
Emiraten Abu Dhabi und Dubai zählt die jeweils einzige Pfarrei wohl mehr als 100.000
Mitglieder. Offizielle Zahlen gibt es nicht.
Kipa: Gibt es weitere Einschränkungen des kirchlichen Lebens?
Hinder: Wir dürfen nur eine beschränkte Anzahl Priester anstellen. Das Visum für einen
Neuen gibt es erst, wenn die Aufenthaltsbewilligung eines Bisherigen erloschen ist. Je nach
Land kann es bis zu drei Monaten dauern, bis ein Priester einreisen darf.
Kipa: Wird das alltägliche Leben der Kirchen von den Staaten kontrolliert?
Hinder: Die Regierungen wollen wissen, was bei uns läuft. Gerade heute hat mir ein Pfarrer
erzählt, er habe einen genauen Gottesdienstplan einreichen müssen: Wann wird in welcher
Presseagentur Kipa, Einzelmeldung aus dem Tagesdienst
S. 2
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Sprache Messe mit wie vielen Teilnehmenden gefeiert? Es ist schwer zu sagen, ob die
Kontrollen aus ideologischen (religiösen) Gründen geschehen oder ob sie einem kulturell
bedingten Kontrollbedürfnis entspringen. Insgesamt sind wir jedoch freier als die
muslimische Geistlichkeit, die vom Staat überwacht wird. Unsere Predigten werden nicht
kontrolliert.
Kipa: Wie sind die Beziehungen zu den Regierenden?
Hinder: Probleme gibt es eher mit dem mittleren Kader und kleinen Beamten. Mit den
obersten Stellen jedoch haben wir gute Kontakte. Es gibt erfreuliche Begegnungen. So
wurde ich am Stefanstag vom Religiösen Berater des Präsidenten der Vereinigten
Arabischen Emirate zu einem Empfang eingeladen. Äusserer Anlass war die Begrüssung
des neuen ägyptischen Botschafters. Scheich Hashemi machte daraus ein weihnachtliches
Treffen mit christlichen Vertretern. Ich wurde als Vertreter des Vatikans begrüsst, erhielt den
Ehrenplatz und konnte eine Ansprache halten.
Kipa: Wir haben in unserem Gespräch bisher die Situation von Saudi-Arabien
ausgeklammert. Dort wohnen die meisten Gläubigen des Apostolischen Vikariates von
Arabien. Wie ergeht es ihnen?
Hinder: Hier gibt es tatsächlich keine Kultusfreiheit. Internationale MenschenrechtsOrganisationen, aber auch westlichen Regierungen machen oft – aber meistens mit zu wenig
Nachdruck – darauf aufmerksam. Im Internet ist einiges darüber zu finden. Wer die
betreffenden Begriffe bei der Internet-Suchmaschine Google eingibt, stösst etwa auf eine
Seite des deutschen Auswärtigen Amtes, wo es heisst: "Die Versammlungs- und
Vereinigungsfreiheit sind in Saudi-Arabien stark eingeschränkt. Parteien sind verboten. Die
öffentliche Ausübung nichtislamischer Religionen ist streng untersagt; es gibt keine Kirchen.
Hinweis: Die Mai-Nummer der Eine-Welt-Zeitschrift ite ist der Kirche in Arabien gewidmet.
Gratisnummern können schon jetzt bestellt werden bei: Missionsprokura der Kapuziner,
Postfach, 4601 Olten. E-Mail: abo@missionsprokura.ch
Hinweis für Redaktionen: Bilder sind bei der Fotoagentur Ciric erhältlich (Ciric: Pérolles 36,
CH-1700 Freiburg, Telefon 026 426 48 38, Fax 026 426 48 36, E-Mail: info@ciric.ch,
www.ciric.ch).
(kipa/wlu/job)
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