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AGRION-Veranstaltung “Den Wald vor lauter Bäumen sehen – Was

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AGRION-Veranstaltung
“Den Wald vor lauter Bäumen sehen – Was Unternehmen beim
CO2-Ausgleich mit Forstprojekten beachten sollten“
Wann:
Wo:
Dienstag, 12. April 2011
Business Center plug&work Westend, Wöhlerstraße 3-5, 60323 Frankfurt am Main
CO2-Ausgleich mit Forstprojekten
Um eine hohe Qualität von Waldklimaprojekten,
d.h. Aufforstung, Wiederaufforstung sowie
vermiedene Emissionen durch Entwaldung, zu
gewährleisten, werden zahlreiche Standards
angeboten. Die Komplexität der überprüften
Kriterien und die verschiedenen Zielsetzungen
der Standards machen es jedoch für
Unternehmen und Verbraucher häufig schwierig,
die Projekte richtig einzuschätzen. Vor diesem
Hintergrund fand am 12.04.2011 in Frankfurt am
Main die Konferenz „CO2-Ausgleich mit
Forstprojekten“ statt.
Max Vöhringer, Projektmanager Wald & Klima bei der Tropenwaldstiftung Oro Verde, gab zum Einstieg
einen Überblick über die Themen der Referenten, die von der Darstellung der komplexen
Wechselbeziehungen des Waldes mit dem Klimawandel über Standards für Waldklimaprojekte bis hin zu
konkreten Beispielen aus der Praxis der Realisierung von Waldprojekten reichten.
Wälder im globalen Wandel
Prof. Dr. Thomas Hickler führte in das Thema aus wissenschaftlicher Perspektive ein und erläuterte die
Zusammenhänge und Prognosen im Bezug auf Erderwärmung, Bevölkerungswachstum, Biodiversität und
neue Energie- und Ernährungssysteme.
So betrage der Anteil gespeicherten Kohlenstoffs in den Ozeanen und Ökosystemen an Land ca. die Hälfte
des Gesamtvorkommens. Dieses System unterliege jedoch jahresweisen Schwankungen, d.h. in
vereinzelten Jahren kommt es zu einer geringeren Aufnahme, bedingt etwa durch Dürren oder Brände. Es
sei also wichtig, nicht nur den Ausstoß von CO2 zu betrachten, sondern auch und vor allem den Wald,
bzw. alle Ökosysteme die Kohlenstoff aufnehmen können.
Anhand einer Animation zur Entwicklung der Entwaldung in den letzten 1200 Jahren veranschaulichte
Prof. Hickler, wie rasant die Entwaldung vor allem in den letzten 200 Jahren zugenommen hat. Die
Abholzung der Wälder und der Klimawandel würden auch als „größtes Fehlverhalten im Markt“
bezeichnet, da die Auswirkungen auf Mensch und Natur und damit auch auf die Gesellschaft und
Wirtschaft als Ganzes von enormer Tragweite seien und ihnen die Existenzgrundlagen langfristig entziehe.
Studien, die versucht haben, den Wert von Ökosystemleistungen für die Gesellschaft zu beziffern, kämen
beispielsweise auf eine Zahl von 33 Trilliarden US-Dollar pro Jahr.
Es müsse zu einem Paradigmenwechsel kommen, um die drohende Katastrophe abzuwenden. Das
Bewusstsein hierfür sei mittlerweile in der breiten Masse geschaffen, was sich an zahlreichen Initiativen
wider spiegele.
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AGRION Deutschland GmbH | Mainzer Landstr. 49 | D-60329 Frankfurt am Main
Tel: +49 (0)69 30 85 50 57 | Fax: +49 (0)69 30 85 51 00 | www.agrion.org
AGRION-Veranstaltung
“Den Wald vor lauter Bäumen sehen – Was Unternehmen beim
CO2-Ausgleich mit Forstprojekten beachten sollten“
Der Wald als Einflussfaktor
Vor allem sei der Wald stärker in den Fokus gerückt, mit dem sich das Klima gezielt beeinflussen lasse. Am
Beispiel einer Simulation, in der die komplette Abholzung rückgängig gemacht werde, zeigte Prof. Hickler
das Ausmaß der Auswirkungen auf. Selbst bei vollständiger Wiederaufholzung würde sich der Anteil von
380 ppm CO2 in der Atmosphäre lediglich um 40-70 ppm verringern lassen.
Mittlerweile habe man zudem erkannt, dass auch ältere Wälder einen deutlichen Beitrag leisten können
und ausreichend CO2 aufnehmen. Die Abholzung und Neubewaldung sei also nicht immer das Mittel der
Wahl.
Ein Szenario zur langfristigen Entwicklung der Landnutzung zeige, wie sich der Gesamtzustand verändern
könnte, je nachdem, welche der vier folgenden Dimensionen am stärksten ausgeprägt würden:
 Entwicklung zur rein materiell-orientierten Gesellschaft
 Entwicklung zur umwelt-orientierten nachhaltigen Gesellschaft
 Globale Betrachtung bei der Nutzung von Ressourcen
 Regionale Betrachtung bei der Nutzung von Ressourcen
Positiv wirke sich entsprechend aus, wenn es zu einer Hinwendung zur umwelt-orientierten Gesellschaft
komme und zugleich Lebensmittel und Rohstoffe dort produziert und abgebaut würden, wo es am
effektivsten und sinnvollsten ist, anstatt lokale Eigeninteressen zu befolgen und sich auf kurzfristige
materielle Zugewinne zu konzentrieren.
Auch zeigten Szenarien, dass etwa die Einführung einer globalen CO2-Steuer auf Fossile Brennstoffe zu
einer Verdrängung durch Bioenergie führen würde, was ebenfalls fatale Auswirkung durch monokulturelle
Nutzung hätte.
Als weiteres Beispiel für die Komplexität der Zusammenhänge nannte Prof. Hickler die Auswirkung der
Trockenlegung von Sümpfen, um sie zu bewalden. Hier müsse man berücksichtigen, dass es auch eine
große unterirdische Speicherung von Kohlenstoff gebe.
Biodiversität und Tipping Elements
Bei allen Aktivitäten müsse man auch die Biodiversität als wünschenswert im Blick behalten. Dies könne
vereinzelt zu Zielkonflikten führen, wenn sich die Förderung von CO2-Aufnahme und die biologische
Vielfalt im Wege stünden.
Ein Schaubild von so genannten „Tipping Elements“, also entscheidenden Faktoren für die
Gesamtentwicklung des Klimas, sehe man, wie sich einzelne Aspekte auf das Gesamtklima und auf lokale
Beschaffenheiten auswirke, etwa eine Begrünung der Sahara durch Klimaeinflüsse. Werde etwa die
Landnutzung stärker für Lebensmittel ausgeprägt, verändere dies die Aufnahme von CO2. Auch könnten
Ereignisse wie etwa die Waldbrände in Indonesien vor einigen Jahren massive Auswirkungen haben.
Damals sei ein Fünftel der globalen jährlichen Menge an CO2 in kürzester Zeit ausgestoßen worden. Ein
anderes Beispiel sei das Waldsterben in USA, bei dem – ausgelöst durch den Borkenkäfer – eine Fläche
von der Größe Österreichs zunichte gemacht wurde.
Bei Waldprojekten stelle sich oftmals das Problem der Landnutzungsrechte, da diese Rechte vielerorts
ungeklärt seien und die Nutzung beispielsweise einfach auf einem traditionellen Nutzungsrecht basiere.
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CO2-Ausgleich mit Forstprojekten beachten sollten“
Insgesamt sei eine der wichtigsten Herausforderungen die Nutzung der Ressourcen auf globaler und nicht
nur auf lokaler Ebene zu betrachten. Bei einer lokal-orientieren Nutzung werde in entsprechenden
Szenarien Indien vollständig zu Ackerland. Entsprechend sei ein umfassender Blick notwendig, d.h.
Überlegungen wo Anbau und Nutzung effizient und sinnvoll seien. Auf diese Weise ließen sich
Berechnungen zufolge bis zu 12 Milliarden Menschen versorgen, ohne das die Umwelt weiterhin im
bisherigen Ausmaß geschädigt würde.
Teilnehmerfrage: Wodurch kann eine Begrünung der Sahara ausgelöst werden?
Antwort Prof. Hickler: Vor allem durch erhöhten Niederschlag, der wiederum durch den Klimawandel
ausgelöst wird.
Teilnehmerfrage: Kann es nicht durch Vernässung von Sümpfen zunächst zum Ausstoß von gebundenem
Kohlenstoff kommen?
Antwort Prof. Hickler: Dies ist schwierig zu beurteilen, hier steht der Abgang von Methan der
anschließenden CO2-Aufnahme gegenüber. Für die biologische Vielfalt ist die Vernässung allerdings
sinnvoll.
Teilnehmerfrage: Wo besteht Ihrer Meinung nach das größte Potential für eine Kohlenstoffspeicherung?
Antwort Prof. Hickler: Vor allem muss man den Regenwald schützen, denn eine Abholzung beeinflusst
auch die Niederschläge und dies führt zu weiteren negativen Rückkopplungen. Es ist ein ganzheitlicher
Blick notwendig, aber die Wissenschaft geht oftmals gerne den „einfachen“ Weg, da er am besten
verständlich und vielleicht auch in Hinblick auf Publikationen aussichtsreicher ist.
Teilnehmerfrage: Ist es nicht falsch, lokale Projekte, etwa in Deutschland, zu realisieren, nur weil sie hier
finanzierbar sind?
Antwort Prof. Hickler: Im Zweifelsfall kann auch eine Aufforstung in Deutschland sinnvoll sein, dies muss
im Einzelfall entschieden werden. Vor allem muss man in relevanten Ländern finanzielle Anreize bieten.
Man muss den Ökosystemen quasi einen Wert geben, aber der qualitative Aspekt darf nicht aus dem Blick
geraten, Stichwort „biologische Vielfalt“.
Den Wald vor lauter Bäumen sehen
Im anschließenden Vortrag von Stefan Mielke, Projektmanager bei Global Nature Fund, ging es um die
Zertifizierung von Waldprojekten und der Rolle von entsprechenden Standards.
Waldklimaprojekte seien zunächst definiert als Projekte, bei denen die Speicherung von Kohlenstoff
erwirkt werde und zwar durch:
 Aufforstung und Wiederaufforstung
 Nachhaltige Waldbewirtschaftung
 Minderung von Emissionen aus Entwaldung und Degradierung von Wäldern
Außerdem sei ein Anspruch an diese Projekte, dass sie zum Schutz seltener Tier und Pflanzenarten
beitragen. Hinzu komme die soziale und ökonomische Dimension. Hierbei gehe es darum, die
Lebensgrundlage für die Bevölkerung zu erhalten und das Projekt zu einem langfristigen Erfolg zu machen.
Unternehmen müssten vor allem den folgenden Dreischritt beachten: Treibhausgasemissionen
vermeiden, vermindern, kompensieren! An dieser Stelle würden dann auch Waldklimaprojekte relevant,
die eine entsprechende Kompensation leisten könnten.
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“Den Wald vor lauter Bäumen sehen – Was Unternehmen beim
CO2-Ausgleich mit Forstprojekten beachten sollten“
Teilnehmerfrage: Müsste hier nicht das Kompensieren an erster Stelle stehen?
Antwort Mielke: Unternehmen vergessen gerne die ersten beiden Schritte, deswegen wurde die
Reihenfolge an dieser Stelle bewusst so gewählt.
Die Rolle von Standards
Standards helfen Mielke zufolge, die Qualität von Waldklimaprojekten zu beurteilen sowie den
Zusatznutzen zu maximieren und Risiken zu minimieren.
Grundsätzlich unterscheide man dabei zwischen Standards, die Emissionszertifikate ausstellen,
beispielsweise CDM, CarbonFix Standard, VCS und Plan Vivo und solchen Standards die keine Zertifikate
ausstellen, etwa CCB Standards und Social Carbon.
Bei der Treibhausgasberechnung gelte es für Unternehmen, die Investitionen langfristig abzusichern.
Hierzu leisteten Standards einen Beitrag, indem sie Berechnung der Emissionsbilanzen nach umfassenden
und strengen Methoden prüfen und auf eine Umsetzung ganzheitlicher Strategien zur Vermeidung von
Risiken sowie eine langfristig sichere Kohlenstoffbindung achten. Wenn es beispielsweise nach zehn
Jahren wieder zur Abholzung kommt, sei im Grunde jeglicher Effekt zunichte gemacht.
Wichtig sei zudem die Klärung sozio-ökonomischer Aspekte, d.h. vor allem die Einbindung aller Akteure
vor Ort. Hierzu müsse man die Land- und Nutzungsrechte klären, die betroffene Bevölkerung aktiv mit
einbeziehen und die positiven sozialen und ökonomischen Auswirkungen nachweisen.
Beim zentralen Punkt der ökologischen Aspekte komme es vor allem darauf an, dass mit den Investitionen
ökologisch wertvolle Wälder geschützt werden. Dazu bedürfe es einer Umweltverträglichkeitsprüfung, um
etwa sicherzustellen, dass es sich um heimische Baumarten handelt und dass keine Gentechnik eingesetzt
werde.
Zudem sei ein kontinuierlichen Monitoring und der Nachweise positiver ökologischer Effekte durch
Erhebung von Ausgangsdaten zur biologischen Artenvielfalt notwendig.
Leitlinien als Hilfestellung
Global Nature Fund habe Leitlinien erarbeitet, die Unternehmen helfen sollen, sich im Hinblick auf
Standards und Anforderungen an Projekte zu orientieren.
Die beiden Broschüren mit den Titeln „Investieren in Waldklimaprojekte“ und „Chancen und
Herausforderungen von Wald und Klimaprojekten“ geben einen Überblick über ökologische und soziale
Aspekte bei der Auswahl der Projekte und beinhalten eine Bewertung durch Global Nature Fund.
Abschließend erklärte Stefan Mielke, dass es vor allem darum gehe, Wälder nicht ausschließlich als
Kohlenstoff-Speicher zu betrachten, sondern sie vielmehr als Lebensgrundlage für Mensch und Tier zu
betrachten. Aus dieser Einstellung könne dann verantwortungsvolles Handeln resultieren.
Teilnehmerfrage: Ist der WWF-Standard nicht relevant, da er nicht erwähnt wurde?
Antwort Mielke: Wir betrachten vor allem Standards, die Zertifikate ausgegeben, deswegen ist der WWFStandard nicht enthalten.
Teilnehmerfrage: Wie läuft die Entwicklung von Projekten in Entwicklungsländern?
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“Den Wald vor lauter Bäumen sehen – Was Unternehmen beim
CO2-Ausgleich mit Forstprojekten beachten sollten“
Antwort Mielke: Hier ist es besonders wichtig, alle mit einzubeziehen. Dies gelingt uns vor allem über
lokale Partner, die sich vor Ort auskennen.
Teilnehmerfrage: Welchen Nutzen bringen Standards tatsächlich?
Antwort Mielke: Sie dienen vor allem als Indikatoren für die Nachhaltigkeit und Wirksamkeit von
Waldklimaprojekten.
Teilnehmerfrage: Neben der Bindung von CO2 muss doch die Nutzung der Wälder auch ein Ziel sein, also
die nachhaltige Bewirtschaftung, wie kann man das zusammenbringen?
Antwort Mielke: Es macht Sinn entsprechende Schutzzonen bzw. Nutzungszonen zu definieren und damit
allen Interessen gerecht zu werden.
Risikominimierung bei Waldprojekten
Michael Streck, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation der Forest Carbon Group, eröffnete
seinen Vortrag mit einem Film der Forest Carbon Group, der den Wald auch als „sinnliches Erlebnis“
thematisierte und verschiedene Projektbeteiligte zu Wort kommen ließ.
Die Forest Carbon Group möchte demnach vor allem Unternehmen helfen, ihre CO2-Emissionen zu
reduzieren. Nicht im Sinne eines „Ablasshandels“, sondern mit dem Versuch, dem Wald einen Wert zu
geben, der sich dann auch entsprechend in einem „Markt“ abbilden lasse. Die Philosophie sei dabei, den
Wald nicht auf einen Kohlenstoffspeicher zu reduzieren, sondern auf vielfältige Weise positive Effekte zu
bewirken, so etwa die Artenvielfalt zu fördern.
Die Forrest Carbon Group setze sich hierfür aus drei Partnern zusammen. Die Südhessische Energie AG sei
dabei vor allem als Geldgeber mit im Boot, die Agentur Business Communication Consulting sorge für die
notwendige Kommunikation rund um das Thema Waldprojekte und Ecosystem Restoration Associates sei
als Projektentwickler involviert.
Kriterien für Investitionsentscheidungen
Streck erläuterte die für die Forest Carbon Group relevanten Projektkriterien. Demnach müssen
Waldprojekte zunächst wirtschaftlich sein, d.h. profitabel, mit der notwendigen Infrastruktur und in einer
geeigneten Klimazone. Regulatorisch sei es wichtig, dass die entsprechenden Länder politisch stabil seien
und Rechtssicherheit gewährleisteten.
In technischer Hinsicht gelte es, höchste Standards – nach VCS oder CCBS – zu erfüllen, zuverlässige und
renommierte Partner mit im Boot zu haben und auf eine unabhängige Prüfung zu setzen. Wie in den
vorangegangenen Vorträgen betonte auch Streck die Relevanz sozial-politischer Faktoren, d.h. ein guter
Kontakt zu den ansässigen Kommunen, der Einklang mit der politischen Agenda und eine hohe Akzeptanz
des Geschäfts der Forest Carbon Group vor Ort.
Dies alles diene der Investitionsentscheidung unter Rendite- und Risikoaspekten. Der letztgenannte Punkt
verdiene eine gesonderte Betrachtung. Hier gelte es vor allem drei relevante Aspekte und Auswirkungen
vorab zu prüfen:


Kohlenstoff-Aspekt, d.h. Zusätzlichkeit, Problemverlagerung und Lebenszyklus
Soziale Auswirkungen, d.h. Landrechte, Ressourcenzugang, Partizipation und Gewinnverteilung
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“Den Wald vor lauter Bäumen sehen – Was Unternehmen beim
CO2-Ausgleich mit Forstprojekten beachten sollten“

Ökologische Auswirkungen, d.h. Biodiversität, Landschaftsökologie und Bodenschutz und
Wasserkreislauf
Projektabsicherung
Weiterer zentraler Punkt bei der Planung und Umsetzung von Waldprojekten ist nach Streck eine
technische und juristische Prüfung, d.h. ob die angewandte Methodik zur Berechnung des Projektes
angemessen seien, ausreichende Reservepuffer integriert wurden und ein systematisches Management
und Monitoring des Projektes gewährleistet sind. Außerdem müsse eine Prüfung und Zertifizierung bzw.
Registrierung des Projektes durchgeführt werden. Dabei gelte es, nationale und internationale Normen
und Gesetze einzuhalten.
Aus sozial-ökonomischer Sicht sei es wichtig, Beschwerde- und Schlichtungsmöglichkeiten anzubieten,
Partnerschaften einzugehen und für Transparenz und Adaption an lokale Charakteristika sicherzustellen.
Im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit NGOs merkte Streck an, dass diese oftmals meinten, aus ihrer
Vergangenheit heraus könnten sie auf Zertifizierungen verzichten – dies sei ein Irrtum, da vor allem große
Unternehmen externe Zertifizierungen für unverzichtbar halten.
Derzeit gebe es jedoch tendenziell zu viele Standards. Für Fachkundige seien die etwa neun Standards
zwar überschaubar, jedoch sei es hilfreich, wenn irgendwann lediglich ein einziges Gütesiegel existiere.
Streck resümierte, dass Waldprojekte aus Sicht der Forest Carbon Group realisierbar und absicherbar
seien und sich ähnlich umsetzen ließen, wie beispielsweise rein technische Projekte. Das Thema nehme
insgesamt an Fahrt auf und das Interesse von Firmen steige. Dabei gebe es durchaus Unternehmen, die
etwa mehr Wert auf den Aspekt Biodiversität legen, CO2 sei dabei lediglich die verwendete Währung.
Teilnehmerfrage: Auf der Website sind vor allem Projekte auf der Nordhalbkugel vorgestellt. Realisiert die
Forest Carbon Group auch Projekte in Afrika oder Asien?
Antwort Streck: Wegen der langen Planungsphasen von 2-4 Jahren sind nicht alle Projekte bereits auf der
Website dargestellt. Wir realisieren auch Projekte in Afrika und Asien, wobei die Projekte in Afrika weiter
vorangeschritten sind.
Moderator Max Vöhringer schloss mit der Frage an, wie die Erfahrungen mit der Nachfrage der
Unternehmen seien.
Streck erläuterte, dass Deutschland kein einfacher Markt sei. Hier hätten vor allem die NGOs Mitschuld,
die in der Vergangenheit viel Kritik an Waldprojekten geübt hätten. In Kanada sei der Markt viel
aufgeschlossener. Insgesamt sei jedoch festzustellen, dass die langjährige Skepsis von Unternehmen
nachlasse. Mittlerweile würden auch große, internationale Konzerne Projekte nachfragen. Dies liege auch
daran, dass das Monitoring der Projekte besser geworden sei. Bei den Energieversorgern sei allerdings das
Thema CO2 schwierig zu platzieren, diese setzten vor allem auf das Thema Biodiversität.
Schlussdiskussion/Fazit
Frage des Moderators an das Publikum: Wie sind die Erfahrungen der Teilnehmer mit der Nachfrage von
Unternehmen?
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AGRION Deutschland GmbH | Mainzer Landstr. 49 | D-60329 Frankfurt am Main
Tel: +49 (0)69 30 85 50 57 | Fax: +49 (0)69 30 85 51 00 | www.agrion.org
AGRION-Veranstaltung
“Den Wald vor lauter Bäumen sehen – Was Unternehmen beim
CO2-Ausgleich mit Forstprojekten beachten sollten“
Antwort Teilnehmer: Die Unternehmen sind sehr sensibel und achten vor allem auf Glaubwürdigkeit der
Projekte und auf Nachprüfbarkeit. Niemand wolle in den Verdacht geraten, sich lediglich ein „grünes
Mäntelchen“ umgehängt zu haben.
Antwort Teilnehmer: Neben dem Problem „Ablasshandel“, sei auch der Goldstandard problematisch. Hier
sei viel Lobbyarbeit geleistet worden, was dazu führe, dass oftmals nicht ausreichend konkret in die
Beschaffenheit der Projekte geschaut wurde. Auch sei der Aspekt Biodiversität im Goldstandard nicht
ausreichend abgebildet.
Antwort Teilnehmer: Lange standen die technischen Projekte im Vordergrund. Der Wald wurde als
Investment diskreditiert, nach dem Motto: „Bäume könnten ja umfallen“. Man vertraute einfach nicht auf
eine Dauerhaftigkeit.
Antwort Teilnehmer: Das Interesse an Waldprojekten steigt, es wird teilweise mehr kompensiert, als
selbst produziert wird. Die dient dann tatsächlich als Aushängeschild.
Frage des Moderators an das Publikum: Worin bestehen bei der Projektentwicklung Unterschiede
weltweit?
Antwort Teilnehmer: Afrika schneidet bei der Risikobewertung in der Regel schlecht ab. Die Länder
müssen politisch stabil sein und es darf keine allzu großen geologischen Risiken geben.
Frage: Wer wird eigentlich in den Ländern vor Ort bezahlt?
Antwort Teilnehmer: Bei unserem Projekt in Panama betreiben wir eine eigene Einheit, es gibt eine
Baumschule mit Angestellten. Das notwendige Stück Land wurde gekauft. In Vietnam wiederum haben
wir das Landstück geleast und Vietnam verpflichtet sich, den Wald anschließend zu erhalten.
Antwort Teilnehmer: Costa Rica ist ein positives Beispiel. Hier gibt es gute Rahmenbedingungen, sowohl
politisch als auch geologisch und im Hinblick auf Rechtssicherheit. Eine Maßnahme ist zudem, die Projekte
an Naturschutzgebiete angrenzen zu lassen, damit die Bereiche sich gegenseitig bereichern und ergänzen.
Max Vöhringer stellt abschließend fest, dass es offenbar noch einiger Öffentlichkeitsarbeit bedürfe, um
den Dreischritt „vermeiden, vermindern, kompensieren“ in den Köpfen zu verankern. Außerdem müsse
Biodiversität auf der Agenda platziert werden, da auch der Aspekt „Emotionalität“ für Unternehmen
offenbar eine wichtige Rolle spiele.
Koordination:
Nicola Appel, Conference Manager,
AGRION Deutschland GmbH,
Tel: +49 (0)69 3085 5057,
Email: nicola.appel@agrion.org
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