close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Das Apostolikum: Was Christen glauben (Teil 14: „Ewiges Leben“)

EinbettenHerunterladen
Das Apostolikum: Was Christen glauben
(Teil 14: „Ewiges Leben“)
Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten
und das ewige Leben.
Amen.
Wir denken, dass das Kirchenjahr ein hilfreiches Werkzeug sein kann, um das
Kalenderjahr zu rhythmisieren und mit dem Evangelium zu füllen. Witzigerweise haben wir
für diesen Sonntag ungeplanterweise eine erstaunliche Übereinstimmung mit dem Inhalt
der Predigt. Das Kirchenjahr beginnt mit der Ankunft von Jesus, dem ersten
Adventssonntag. D.h., wir haben heute den letzten Sonntag des Kirchenjahres:
Totensonntag – oder Ewigkeitssonntag genannt. Und nachdem wir letzte Woche Sonntag
und Donnerstag die Auferstehung der Toten besprochen haben, ist das Thema heute aus
dem Apostolischen Glaubensbekenntnis der Glaube an das ewige Leben. Wir sprechen
also am Ewigkeitssonntag über das ewige Leben.
Vorletzte Woche hatte ich einleitend zu den letzten drei Punkten aus dem Apostolikum
gesagt, dass sie inhaltlich nicht großartig zusammenhängen. Da muss ich zurückrudern:
die Auferstehung der Toten und das ewige Leben gehören natürlich zusammen.
Der körperliche Tod ist nicht das Ende. Alle unsere Toten und auch wir selbst werden an
dem Tag, den Gott festgesetzt hat, körperlich auferstehen, um von Gott gerichtet zu
werden. Für Alle, die sich völlig auf Gottes Gnade verlassen haben, wird es ein Festtag
sein. Das ewige Leben wartet auf uns.
Der Glaube an eine Auferstehung aller Toten und die ewige Existenz jedes Menschen
sollte unseren Umgang mit einander sehr stark verändern. C. S. Lewis schreibt:
"Es ist eine ernste Angelegenheit, in einer Welt von möglichen Göttern und
Göttinnen zu leben und sich ständig vor Augen zu halten, dass auch der
langweiligste und uninteressanteste Mensch, mit dem wir hier zu tun haben, eines
Tages ein Geschöpf sein kann, das wir, wenn wir es jetzt schon wüssten, ernsthaft
versucht wären zu verehren, oder aber ein Schrecken und Verderben, wie er uns
jetzt höchstens in einem Alptraum begegnet. Jeden Tag verhelfen wir einander in
gewisser Weise gegenseitig zu der einen oder anderen Bestimmung. Im Licht
dieser überwältigenden Möglichkeiten, mit der ihnen gebührenden Ehrfurcht und
Umsicht, sollten wir unsere Kontakte miteinander, unsere Freundschaften, unsere
Lieben, unser Spiel und unsere Politik pflegen. Es gibt keine gewöhnlichen
Menschen. Wir haben nie mit bloßen Sterblichen gesprochen. (...) es sind
Unsterbliche, mit denen wir scherzen, arbeiten, verheiratet sind, die wir kurz
abfertigen und ausbeuten - unsterbliche Schrecken oder ewigwährender Glanz."
Im Volksmund ist mit dem Begriff 'ewiges Leben' einfach nur Unsterblichkeit oder der
Himmel gemeint. Aber eigentlich geht es beim 'ewigen Leben' nicht um die Dauer, sondern
die Qualität des Lebens. Nicht Wie lange lebe ich?, sondern Was für eine Art von Leben
führe ich?
Wir müssen den Grund, den Zweck für unsere Existenz kennen. Die Antworten, die man
bekommt, wenn man Gott ausklammert, sind traurig. Was soll dir der Naturwissenschaftler
denn sagen: Wozu gibt es mich?
Im kurzen Westminster Katechismus wird die Frage nach dem Hauptziel des Menschen
folgendermaßen beantwortet: Um Gott zu verherrlichen und ihn für immer zu genießen.
Ewiges Leben heißt, Gott zu kennen und zu genießen. Ihn zu verherrlichen, indem wir
unsere Erfüllung bei ihm suchen und finden.
Ich habe vier Punkte, die ich erklären möchte:
1.
2.
3.
4.
Was mit „ewigem Leben“ gemeint ist
Wie man ewiges Leben finden kann
Was es heißt, Gott zu erkennen
Wie man diese Erfahrung machen kann
1. Was mit ewigem Leben gemeint ist.
Leben ist das, wonach wir uns alle sehnen, was wir suchen. Leben ist Erfüllung.
Unser Streben nach Erfolg, Liebe, Annahme, Nähe, Spaß, Glück sind eigentlich
nichts anderes als der Hunger nach dem, was man Leben nennt. Wir haben
Hunger, Durst, nach diesem Leben. Finden wir es nicht wie erwartet, werden wir
frustriert, niedergeschlagen, traurig, deprimiert. Wir wollen glücklich sein!
Letzte Woche war „Zum Glück“ der Inhalt der ARD Themenwoche. Ich bin dankbar,
dass die großen und tiefgründigen Fragen aufgegriffen werden. Aber mir fällt auf,
dass der Konsens eigentlich ist, sich mit kleinen Glücksmomenten zufrieden zu
geben. Und natürlich ist Genügsamkeit und Dankbarkeit ein Weg zum
Glücklichsein. Aber wir dürfen uns nicht von der Tatsache ablenken lassen, dass wir
eigentlich vom ewigen Glück träumen. Davon ab und zu etwas schmecken zu
können ist zwar schön – aber damit dürfen wir uns nicht zufrieden geben!
In dem gleichen Aufsatz, den ich schon eben zitiert hatte, schrieb Lewis: „Wir sind
halbherzige Geschöpfe, die sich mit Alkohol, Sex und Karriere zufriedengeben, wo
uns unendliche Freude angeboten wird – wie ein unwissendes Kind, das weiter im
Elendsviertel seine Schlammkuchen backen will, weil es sich nicht vorstellen kann,
was eine Einladung zu Ferien an der See bedeutet. Wir geben uns viel zu schnell
zufrieden.“
Dass unser bleibender Hunger nach Ewigkeit und Leben ein Geschenk ist, hat der
deutscher Theologe, Philosoph und Mathematiker aus dem Mittelalter, Nikolaus von
Kues, ausgedrückt. Er schrieb: „Als Gabe Gottes liegt in allen Dingen ein
natürliches Verlangen, auf eine bessere Weise zu existieren, als es ihr natürlicher
Zustand zulässt.“ - D. h., wir wollen besser, erfüllter und glücklicher sein, als es uns
möglich ist. Das „angeborene, unersättliche Suchen“ nach bleibender Erfüllung ist
nichts anderes als der Wunsch nach ewigem Leben. Die Sehnsucht nach dem
verlorenen Paradies, dem Himmel.
Kleine Anmerkung: Für viele Menschen heute ist das persönliche Glück auch
in hohem Maße davon abhängig, ob es gelingt, eine gerechtere Welt zu
schaffen. Auch das deckt sich mit dem christlichen Glauben: Gott selbst ist
nicht vollständig glücklich, solange es Unrecht und Unterdrückung gibt. Noch
sollten wir es sein. Deswegen erwarten wir die Erfüllung in vollem Maße auch
erst dann, wenn Jesus wiederkommt, und für Gerechtigkeit sorgen wird.
2. Wie man ewiges Leben finden kann.
Wie kann man bleibende Erfüllung (ewiges Leben) finden? Wir finden die Antwort auf
diese Frage im Johannesevangelium. Der Begriff 'ewiges Leben' kommt im Neuen
Testament am Häufigsten bei Johannes vor. Er gebraucht es, um das zu beschreiben, was
andere Bibelautoren als 'Heil' bzw. 'Errettung' bezeichnen. Mehrfach sehen wir im
Johannesevangelium, wie Jesus eine universale Einladung ausspricht:
„Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an
mich glaubt, wird nie mehr dürsten. (…) Ich versichere euch: Wer glaubt, hat das
ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. (…) Wer mein Fleisch isst und mein Blut
trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn an jenem letzten Tag auferwecken.“
(6,35. 47-48. 54)
„Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; wer aber von dem
Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit;
sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers
werden, das ins ewige Leben quillt.“ (4,13-14)
Hier ist das besondere und schockierende: Jesus lädt alle Menschen zu sich ein. Er
präsentiert sich selbst als die Antwort auf das Verlangen. Und er verlagert die Erfahrung
eines ewigen Lebens nicht einfach auf die Ewigkeit, nach dem Tod. Er bietet sie seinen
Zuhörern jetzt und sofort an. Ewiges Leben ist also nicht einfach zukünftige Hoffnung,
sondern erfahrbare Realität. Er sagt: Ich bin die Erfüllung für euren Hunger nach Leben.
Hier spricht Gott zu uns.
In den Aussagen aus dem Johannesevangelium macht Jesus folgendes klar: wir
müssen an seine göttliche Identität glauben, wir müssen zu ihm kommen, um von
ihm zu empfangen, und – wichtig: er gibt sich uns selbst. Wir müssen ihn in uns
aufnehmen wie Brot, wenn wir hungrig sind, wie Wein oder Wasser, wenn wir Durst
haben. Letztendlich hat Jesus dabei ein Ziel vor Augen. Es geht darum, dass wir
durch ihn, den menschgewordenen Sohn Gottes, den himmlischen Vater
kennenlernen. Das wird in einem anderen Statement deutlich. Im 17. Kapitel von
Johannes lesen wir, wie Jesus betet:
„Vater, die Stunde ist gekommen! Setze deinen Sohn in seine Herrlichkeit
ein, damit der Sohn deine Herrlichkeit offenbar machen kann. Du hast ihm ja
die Macht über alle Menschen gegeben, damit er denen, die du ihm
anvertraut hast, ewiges Leben schenkt. Und das ewige Leben besteht
darin, dich zu erkennen, den einzig wahren Gott, und den, den du
gesandt hast, Jesus Christus.“ (17,1b-3; GNB)
Was für eine Wahnsinns-Aussage: Das ewige Leben besteht darin, Gott zu
erkennen. Gott zu erkennen, Gott zu kennen – darin liegt die bleibende Erfüllung.
Aber was heißt es, Gott zu erkennen? Und wie kann man diese Erfahrung machen?
3. Was es heißt, Gott zu erkennen
Vielleicht können wir eine Antwort finden, wenn wir uns ein praktisches Beispiel
anschauen. Dem Apostel Paulus war das Erkennen Gottes so wichtig, dass er bereit war,
alles andere hinter sich zurück zu lassen und dafür aufzugeben. Er schreibt:
„Aber seit ich Christus kenne, ist für mich alles wertlos, was ich früher für so wichtig
gehalten habe. Denn das ist mir klar geworden: Gegenüber dem unvergleichlichen
Gewinn, dass Jesus Christus mein Herr ist, hat alles andere seinen Wert verloren.
Ja, alles andere ist für mich nur noch Dreck, wenn ich bloß Christus habe. Zu ihm
will ich gehören. Durch meine Leistung kann ich vor Gott nicht bestehen, selbst
wenn ich das Gesetz genau befolge. Was Gott durch Christus für mich getan hat,
das zählt. Darauf will ich vertrauen. Um Christus allein geht es mir. Ihn will ich
immer besser kennen lernen...“ (Philipper 3,7-10a; HFA)
Was meinte Paulus, wenn er darüber schrieb, dass er 'Jesus immer besser kennen
lernen' wollte? A. W. Tozer (bekannter Pastor, Prediger und Buchautor) schrieb mit
Bezug auf den Philipper-Text:
„Wenn der Apostel sagt: "Ich will ihn erkennen!", dann meint er mit dem Wort
"erkennen" keine intellektuelle Erkenntnis, sondern eine Erfahrung. Wir müssen die
Bedeutung verstehen - nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Herzen. Theologische
Erkenntnisse, sind Erkenntnisse über Gott. Sie sind unentbehrlich, aber sie sind
nicht ausreichend. Der durstige Reisende verlangt nicht nach einer Grube in einer
Felsspalte, sondern nach dem erfrischenden, kühlen Wasser, das daraus
hervorfließt. Es sind keine intellektuellen Erkenntnisse über Gott, die den uralten
Herzensdurst des Menschen löschen, sondern die Person und Nähe Gottes selbst.“
Mit anderen Worten: unser Verlangen wird nicht durch Wissen über Gott gestillt,
sondern durch Gott selber. Laut Tozer sollen wir das erfüllende Leben in
übernatürlichen, mystischen, innerlichen Gotteserfahrungen suchen. Es ist gut,
möglichst viel über Gott zu lernen. Wir sollten richtig über Gott denken, richtige
Informationen über ihn haben. Theologie ist total wichtig. Aber bleiben wir beim
Kopfwissen stehen, und gehen nicht weiter, dann ist unsere Theologie nutzlos oder
sogar ein Hindernis.
Man kann das am Besten mit einer Beziehung zwischen zwei Menschen
vergleichen: Ich könnte alle richtigen Informationen über eine Person haben,
alles über sie wissen, was es zu wissen gibt, und sogar das Gefühl haben,
sie deswegen zu kennen. Und vom Kopf her kenne ich sie vielleicht auch.
Aber auf eine andere Weise kennt jeder Mensch, der ein paar Minuten mit
der Person verbracht hat, diese Person besser als ich. Er kennt sie anders –
durch Erfahrung.
„Ein Mensch kann theologisch gebildet und trotzdem geistlich unwissend
sein.“ (Stephen Charnock) - wenn er diesem Gott, von dem (bzw. über den)
er so viel weiß, nie persönlich begegnet ist. Das der einzelne Mensch, der
einzelne Christ diese Erfahrung macht, dass ist ein ganz zentrales Anliegen
unserer freikirchlichen Tradition!
Jesus verspricht uns, dass wir bleibende Zufriedenheit/echte Erfüllung darin finden
würden, dass wir Gott persönlich kennen und mit ihm leben. Hat Jesus Recht? Dann
müssen wir alle Erfüllung in unserer Beziehung zu Gott dem Vater und seinem Sohn Jesus
Christus suchen. Aber lasst es uns noch praktischer machen und fragen:
4. Wie kann man diese Erfahrung machen?
Wie kannst du jetzt und hier schon ewiges Leben erfahren, wie kannst du Gott kennen?
a) Indem du zuerst die (z.T. schmerzhafte) Sehnsucht zulässt. Unser Umfeld ermutigt uns
vielleicht eher dazu, nicht zu viel nachzudenken, und uns nur an den kleinen Dingen zu
erfreuen. Aber der Hunger nach bleibender Erfüllung drängt uns dazu, Fragen zu stellen
und zu suchen. Gib dich nicht zu schnell zufrieden.
b) Wende dich Jesus Christus zu. Nimm die unglaubliche Einladung von Jesus zu sich
selbst an. Wie wendet man sich Jesus zu? 1) Die Gemeinde ist sein Leib, sein Körper.
Sich Jesus zuzuwenden bedeutet deswegen zuerst, sich der Gemeinschaft zuzuwenden.
Gottesdienste zu besuchen, beim Beten und Singen dabei zu sein, mitzumachen. In der
Gemeinschaft sein Wort zu hören. Und am Abendmahl teilzunehmen. 2) Dazu kommen
persönliche spirituelle Übungen: persönliche Zeit der Stille, in der wir Lesen, Beten,
Nachdenken, uns innerlich auf Jesus konzentrieren und fokussieren.
c) Bleibe nicht bei Kopfwissen stehen, sondern suche die Erfahrung. Dazu gehört auch,
dass ich die Dinge, die er sagt, umsetze. Nicht nur über seine Worte nachzudenken,
sondern ihnen zu gehorchen. Das richtige Denken über Gott und das Suchen nach ihm
soll uns an einen Ort bringen, wo wir Gott begegnen. An diesem Punkt angekommen,
bleibt uns nur noch sprachlose Bewunderung – Anbetung. Wir sitzen in seiner Gegenwart,
zu seinen Füßen, und erleben ihn als Quelle, von dem alles Gute, alle Segnungen, alle
Erfüllung fließt. Und wir fühlen, dass wir dazu geschaffen sind, ihn zu genießen.
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
2
Dateigröße
101 KB
Tags
1/--Seiten
melden