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Es kommt drauf an,was man draus macht Es kommt drauf an,was

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THEMA
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Es
kommt
drauf
an, was
man
draus
macht
Die Aktion „Schau hin!“
soll Eltern ermuntern,
sich mit dem Medienkonsum
ihrer Kinder zu befassen
Tilmann P. Gangloff
gänzen. Neben Familienministerin Renate
Zitat in einem zwei Seiten langen Beitrag über
Schmidt und Nena gehören zum Kuratorium
„Familien im Netz“ gar explizit, warnt aber
auch die Vorsitzende des Bundeselternrats,
auch: „Wir müssen Kinder beim Nutzen der
Renate Hendricks, Günter Struve, Programm-
Medien begleiten. Sie können schließlich auf
direktor der ARD, sowie Vertreter der anderen
dem Datenhighway so schnell unter die Räder
Initiatoren. Sie alle sollen eine „größtmögli-
kommen wie auf jeder Straße“. Seine „Faust-
che Mobilisierung der Öffentlichkeit für das
regeln aus Sicht der Wissenschaft“ für den
Thema ‚Kinder und Medien‘ erreichen“, wie
täglichen Medienumgang sind konstruktiv und
es im Strategiepapier heißt.
praxisnah. Hendricks gibt nicht nur Grenz-
Ausgerechnet die Privatsender sind im
werte für die Nutzungsdauer vor, sondern
Fachkuratorium allerdings nicht vertreten, was
spricht auch konkrete Empfehlungen aus. So
insofern von Bedeutung ist, da Kinder und Ju-
rät er den Eltern beispielsweise, einen „Inter-
gendliche vor allem die Programmangebote
net-Kurs“ bei ihren Kindern zu nehmen, sich
von RTL, Super RTL und ProSieben nutzen.
für die Faszination von GZSZ und Marienhof
Und gerade in der Zeit zwischen 18.00 und
zu öffnen und sich außerdem erklären zu las-
21.00 Uhr, in der die meisten Kinder vor dem
sen, wie man eine SMS verschickt.
Fernseher sitzen, zeigen kommerzielle Sender
Das mag ein bisschen betulich klingen,
viele Gewaltszenen. Dies macht sich die Akti-
doch es gibt offenbar tatsächlich eine Menge
on „Gewalt ist keine Lösung“ zunutze, eine
Nachholbedarf. Zur Vorbereitung der Aktion
gemeinsame Kampagne der Privatsender und
wurde eine Befragung von Eltern und Kindern
der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen
durchgeführt. Fast die Hälfte der Eltern gab
(FSF): Kinder und Jugendliche wurden aufge-
an, sich durch Medienerziehung überfordert
rufen, Ideen für einen Spot gegen Gewalt-
zu fühlen. Ein Fünftel der Kinder beklagte, die
tätigkeit einzureichen.
Eltern würden nicht zuhören, wenn sie Fragen
Auch bei „Schau Hin!“ ist Gewalt natur-
stellten oder über Medien reden wollten. Um
gemäß ein Thema. Eltern und Pädagogen
Eltern und Kinder miteinander ins Gespräch
fürchten schon lange, Kinder könnten durch
zu bringen, haben sich die Initiatoren ein
die ständige Berieselung abstumpfen oder
„Medien-Domino“ ausgedacht. Dessen Dar-
Noch nie haben Kinder so viel Zeit vor Bild-
gar beginnen, die gezeigte Gewalt zu imitie-
bietung in der Broschüre erinnert allerdings
schirmgeräten verbracht wie heute. Das be-
ren. Außerdem stempeln Politiker die Medien
unübersehbar an vergleichbare Gewinnspiele
reitet Eltern vor allem wegen des hohen
gern zum Sündenbock für jugendliche Ag-
im Fernsehen. Das gesuchte Lösungswort ist
Grads an Gewaltdarstellungen Sorgen. Ande-
gressivität, weil dies leichter ist, als die un-
auch ohne Antworten auf die Fragen auf An-
rerseits wissen sie oft gar nicht, womit sich ih-
gleich komplexeren tatsächlichen Wurzeln
hieb ersichtlich (es lautet wenig originell:
re Kinder – etwa bei Computerspielen – die
des Übels (soziale Verwahrlosung, fehlende
„Schau Hin!“). Überdies werden den Fragen
Zeit vertreiben. Gemeinsam mit verschiede-
berufliche Perspektiven, mangelhafte kosten-
nur eine halbe Seite, den angepriesenen Ge-
nen Partnern aus den Bereichen Medien und
günstige Freizeitangebote wie etwa Jugend-
winnen – darunter wertvolle Hardware- und
Kommunikation, darunter auch ARD und ZDF,
zentren) zu bekämpfen. Selbst die bestge-
Software-Preise – hingegen eine ganze Seite
hat das Bundesministerium für Familie, Senio-
meinte Medienkampagne kann da nur an
Platz eingeräumt. Die Fragen selbst („Wer ist
ren, Frauen und Jugend daher die Aktion
Symptomen herumkurieren.
Lara Croft?“) sind dank der vorgegebenen
Antwortmöglichkeiten auch nicht viel schwie-
„Schau hin!“ ins Leben gerufen. Sie soll mit
Allerdings scheinen Aktionen wie „Gewalt
Hilfe von Anzeigen, TV-Spots, Informationen
ist keine Lösung“ einen zumindest konstrukti-
und einem Medienspiel die Eltern von drei-
veren Weg der Auseinandersetzung mit Ag-
Der Nutzwert der restlichen Broschüre hält
bis elfjährigen Kindern dazu ermuntern, sich
gressivität zu bieten; selbst aktiv zu werden,
sich gleichfalls in Grenzen. Prominente Zeitge-
bewusster mit dem Medienkonsum ihres
ist höchstwahrscheinlich effektiver als alle Ap-
nossen wie Michael Preetz oder Gabi Bauer
Nachwuchses auseinander zu setzen.
pelle.
erzählen, wie sie es mit den Medien halten,
riger.
Der Startschuss erfolgte publicitywirksam
Jedoch muss man vielleicht schon dank-
ein Beitrag über die Soap-Produktion ist in
im Rahmen der Internationalen Funkausstel-
bar sein, dass Renate Schmidt eine vergleichs-
seiner mädchenhaften Naivität fast schon wie-
lung 2003. Da man außerdem Sängerin Nena
weise progressive Haltung zum Themenbe-
der rührend, und ein Fotoroman rückt das Heft
als Schirmherrin gewinnen konnte, war das
reich Kinder und Medien hat. Der Tenor einer
mit seinem lebendigen Layout endgültig in
Medienecho entsprechend groß. Teil des Ge-
kostenlos an Schulen und Kioske verteilten
„Bravo“-Nähe. Trotzdem, auch hier sollte gel-
samtkonzepts ist u. a. ein Fachkuratorium, des-
Begleitbroschüre entspricht dem Slogan aus
ten: Es kommt drauf an, was man draus macht.
sen Mitglieder sich mehrmals pro Jahr treffen
der Betonreklame: Es kommt drauf an, was
werden. Es soll den „Runden Tisch“ des Bun-
man draus macht. Wilfried Hendricks, Erzie-
Tilmann P. Gangloff lebt und arbeitet als freiberuflicher
deskanzlers gegen Gewalt in den Medien er-
hungswissenschaftler (TU Berlin), benutzt das
Medienfachjournalist in Allensbach am Bodensee.
tv diskurs 27
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