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ich, was Trends sind» - South Pole Carbon

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Datum: 19.01.2014
Ostschweiz am Sonntag
9001 St. Gallen
071/ 272 77 11
www.ostschweiz-am-sonntag.ch
Medienart: Print
Medientyp: Tages- und Wochenpresse
Auflage: 100'000
Erscheinungsweise: wöchentlich
Themen-Nr.: 666.23
Abo-Nr.: 1088040
Seite: 9
Fläche: 134'734 mm²
Renat Heuberger, GEO des Klimaschutz-Unternehmens South Pole Carbon, trifft ab
Mittwoch am WEF die Mächtigen - so auch Nobelpreisträger Al Gore. Mit diesen
redet er nicht über Geld, sondern über Umweltschutz. Und auch mal über Religionen.
«Am WEF in Davos lerne
ich, was Trends sind»
DAS GESPRÄCH FÜHRTEN FELIX BURCH UND BRUNO KNELLWOLF, BILDER: MICHEL CANONICA
Renat Heuberger besitzt kein Auto, er fährt mit dem Velo zur Arbeit. Bei der Ernährung setzt der CEO voll auf Bioprodukte.
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Rüdigerstrasse 15, Postfach, 8027 Zürich
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von tieferen Energiekosten. Als Unternehmer
Darf Klimaschutz die Wirtschaftlichkeit
sage ich: Der Markt soll spielen. Beim Auto
beeinflussen?
Renat Heuberger: Zum einen sind der Klima- zum Beispiel: Das ist doch kein Vergleich
schutz und die Wirtschaft eng miteinander mehr, was ein Auto heute emittiert im Ververbunden, und zwar auf verschiedenen Ebenen. Der Klimawandel hat direkte Konsequenzen auf das Geschäft. Nehmen wir das Beispiel
eines Baumwoll-T-Shirts-Herstellers. Bekommen die Baumwollsträucher kein Wasser wegen einer Dürre, dann geht es um Wirtschaft
und nicht nur um Umweltschutz. Das beeinflusst die Wertschöpfungskette. Also hat der
Klimawandel mit der Wirtschaft so oder so
etwas zu tun. Bei Versicherungen ist der
Klimawandel ein absoluter Teil des Geschäfts.
Und zum anderen?
Heuberger: Zum zweiten haben die Leute, die
ein Interesse haben, den Klimaschutz kleinzureden, etwas Schlaues gemacht: Sie haben
den Menschen eine Nervenzelle in den Kopf
gesetzt, die beim Wort «Klimaschutz» sofort
Dollarzeichen und Kosten aufleuchten lässt.
Diese Nervenverbindung müssen wir endlich
kappen. Denn das stimmt so einfach nicht. Es
gibt zwar Branchen, für die der Klimaschutz
gleich zu vor zwanzig Jahren. Die Firmen hatten trotz des tiefen Treibstoffpreises genug An-
reiz, die Autos effizienter zu bauen. So kann
man Geld sparen. Die Autos sind qualitativ sogar noch besser, sicherer und komfortabler als
früher. Mit gewissen Umweltlenkungsabgaben
läge gar noch mehr Profit für den Kunden und
die Gesellschaft drin.
Wie erklären Sie den Leuten, dass es den
Klimawandel wirklich gibt?
Heuberger: Die Konzentration der Treibhausgase ist sehr einfach zu verstehen: Über Jahrtausende waren sie praktisch konstant. Im vergangenen Jahrhundert gibt es aber plötzlich
einen gewaltigen Ausschlag. Das ist verursacht
durch den Menschen. Dass jedoch dieser An-
stieg einen Klimawandel zur Folge hat, ist
«nur» zu 95 Prozent sicher. Wüssten Sie zu 95
Prozent, dass Ihr Haus morgen abbrennt, würden Sie auf jeden Fall eine Feuerversicherung
abschliessen. Beim Klimaschutz aber wird geein Verlustgeschäft ist, so etwa der Kohle- zweifelt. Weshalb, ist mir ein Rätsel.
abbau. Aber es gibt eben auch ganz viele Branchen, welchen der Klimaschutz nützt. Und das Was ist für Sie das beste Werkzeug für
Klimaschutz?
wird immer ausgeblendet. Das ist falsch.
Heuberger: Es braucht alles: Umweltverbände,
Was sind das für Branchen?
die den bewussteren Lebensstil aufzeigen, es
Heuberger: Schauen Sie mal in der Ostschweiz. braucht Anreize finanzieller Art, es braucht
Da sind keine Kohlegruben angesiedelt. Im Technik, es braucht klimafreundliche LandThurgau gibt es aber beispielsweise Textilfir- wirtschaft und Waldschutz. Wenn sich Vertremen, die hocheffiziente Maschinen herstellen ter verschiedener Branchen gegenseitig ausfür den Weltmarkt. Die Maschinen können ein spielen, bringt das gar nichts. So kommt man
Textil produzieren mit der Hälfte des Stroms, nicht weiter. Das politisch Machbare ist zuden andere dafür brauchen würden. Einfach, dem auch immer ein Faktor.
weil es High-Tech ist. Ist die Welt bereit, auf
den Klimaschutz zu setzen, durch die Reduk- Sie handeln mit Emissionszertifikaten.
tion von Strom, Öl oder Gas etwa, dann profi- Wie funktioniert das?
tiert diese Firma direkt davon, weil ihre effi- Heuberger: Wir vermitteln Firmen, die sich am
zienten Maschinen plötzlich mehr nachgefragt Klimaschutz beteiligen und ihre nicht anderwerden. Gerade in der Schweiz profitieren weitig vermeidbaren Treibhausgasemissionen
viele Branchen vom Klimaschutz, und das kompensieren wollen, dafür geeignete, nachwird komischerweise oft ausgeklammert.
haltige Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern.
Wälzen die Firmen am Schluss ihre
Klimaschutz-Investitionen nicht doch auf
Was ist der grösste Anreiz für eine Firma,
den Kunden ab?
mehr in den Klima-, in den Umweltschutz zu
Heuberger: Eben nicht. Der Kunde profitiert ja investieren?
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Heuberger: Die meisten Führungspersonen
wissen, dass es den Klimawandel gibt. Das
bietet für eine Firma die Möglichkeit, sich zu
profilieren. Also hat es für eine Firma einen
Dieses Jahr werden am WEF doppelt
so viele Veranstaltungen zum Thema
Klimaschutz durchgeführt wie im
Vorjahr. Das ist ein klares Zeichen.
direkten Nutzen, das Thema Klima anzugehen bin. An diesen möchte ich rüberbringen, dass
und das auch zu kommunizieren. Lebt eine Klimaschutz nicht in erster Linie Kosten verurFirma nachhaltig Klimaschutz, macht sie das sacht, sondern wirklich auch eine Chance, ein
glaubwürdig. Sagt sie, «mich gibt es noch in Vorteil sein kann, um wirtschaftlich gegenüber
20 Jahren, deshalb will ich auch Wert stiften der Konkurrenz zu punkten.
für die Umwelt», dann ist das eine Firma, in
welche Menschen investieren.
Wen treffen Sie denn in Davos?
Heuberger: Das sind Führungspersonen von
Ist es nicht so, dass sich grosse Firmen gerne Firmen wie BP, Unilever, Nest16, aber auch Verals «grüne Unternehmen» darstellen, aber in treter von Regierungen, der UNO oder OrganiTat und Wahrheit nur wenig dafür tun?
sationen wie Greenpeace. Es ist ein breites
Heuberger: Nein. Ich glaube, dass in der heuti- Spektrum von Leuten aus Politik, Wirtschaft
gen Zeit mit Twitter, Facebook und Handy- und Gesellschaft.
kameras eine immer grössere Transparenz
herrscht. In fünf bis zehn Jahren kann eine Was hat es für Sie rückblickend gebracht,
Firma kein sogenanntes Greenwashing mehr
betreiben. Posaunt eine Firma auf einer Webseite irgendetwas Unwahres über Klimaschutz
in die Welt hinaus, wird das früher oder später
an die Öffentlichkeit kommen. Irgendwo wird
es ein Mitarbeiter filmen und ins Internet stellen oder an die Presse weitergeben. Die Zeit
des Greenwashings läuft deswegen ab. Ich
glaube, dass die Firmen das begriffen haben.
Wie machen Sie den Klimaschutz dieses Jahr
am WEF zum Thema?
Heuberger: Es ist interessant, dass es im Vergleich zum letzten Jahr bereits einen grossen
Unterschied gibt. Es werden mehr als doppelt
so viele Veranstaltungen zum Thema Klimaschutz durchgeführt am WER Das ist für mich
ein ganz klares Zeichen. 2014 ist ein Klima-Superjahr. Im Herbst wird man in New York noch
einmal versuchen, einen globalen Deal auszuhandeln, das nachzuholen, was in Kopenhagen so grandios gescheitert ist. Das WEF ist
dafür ein Gradmesser. Man merkt schon jetzt,
dass vieles in Vorbereitung ist. Es gibt dazu
viele Roundtables, zu welchen ich eingeladen
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dass Sie letztes Jahr am WEF teilgenommen
haben?
Heuberger: Wir sind als Social Entrepreneur
eingeladen. Die erwarten, dass wir nicht einfach dasitzen und zuhören, sondern dass wir
aktiv unsere Standpunkte einbringen. Aber es
bringt mir auch für das Geschäft etwas. Ich
lerne in Davos, was Trends sind. Merke ich,
dass sich die Bedürfnisse unserer Kunden
wandeln, dann muss ich unsere Klima-Produkte entsprechend weiterentwickeln.
Gab es Begegnungen, die Ihnen bleiben?
Heuberger: Etwas vom Eindrücklichsten für
mich war eine Szene in einem Shuttle-Bus vor
einem Jahr. Da sassen ein buddhistischer
Chef-Lama und ein arabischer Leiter einer
Religionsgemeinschaft sowie der GEO von PWC
und ich. Niemand kannte den anderen. Aber
das ist das Schöne am WER Man geht hin,
stellt sich vor und sagt ganz kurz, was man
macht. Das ist total speziell. Das war also dieser Viererbus mit sich fremden Menschen.
Und wir hatten fünf Minuten lang eine Diskus-
sion über Syrien und Iran. Wir redeten ganz
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kurz darüber, was Lösungen wären für diese ich machen gerne Ferien in der Schweiz.
Regionen und inwiefern Religionen dazu beitragen könnten. Das war hochgradig spannend.
Dieses Jahr werden Sie Al Gore treffen.
Worum geht es da?
Heuberger: Um die Rolle der Politik im Klimaschutz. Zu was es dann kommt, weiss ich erst
danach. Er setzte sich sensationell für das
Klima ein vor sieben Jahren. Nach dem Nobelpreis ist es dann eher ruhig geworden. Ich bin
gespannt, was er 2014 genau vorhat. Dass
Leute wie Al Gore sich für das Klima stark
machen, Geld investieren, sich hinstellen und
sagen, es ist wichtig, jetzt über den Klimaschutz zu reden, das ist unheimlich wertvoll.
Während des WEFs laufen wohl die
Schneekanonen, ist das in Ordnung?
Heuberger: Ich war kürzlich in einem kleinen
Skigebiet im Berner Oberland. Da hatte es
mindestens 20 Schneekanonen. Ich überlegte
mir auf dem Lift, dass es vor zehn Jahren
wegen der Schneekanonen noch einen riesigen Aufschrei gab und heute nun jedes Kleingebiet eine Schneekanone hat. Es ist klar, dass
die Gebiete das brauchen, sonst können sie
nicht überleben. Eigentlich sind die Schneekanonen eine Anpassung an den Klimawandel.
Der Klimawandel führt also dazu, dass noch
mehr emittiert wird, noch mehr Strom verbraucht wird. Das ist nicht gut. Überraschenderweise haben sich aber alle daran gewöhnt.
Sie müssten am WEF doch auch ein Zeichen
setzen und schauen, dass die Reichen nicht
mehr in den grossen Audi-Limousinen
herumchauffiert werden.
Heuberger: Es gibt bereits eine CO2-Limite.
Kein Auto, das mehr als 165 Gramm CO2 pro
Renat Heuberger (Mitte) mit Bruno Knellwolf,
Tagblatt-Wissens-Redaktor (rechts), und
Ostschweiz-am-Sonntag-Reporter Felix Burch.
Kilometer ausstösst, darf zum WEF fahren.
Das passierte im Rahmen von «Greener Davos». Am Anfang hat das grosse Proteste ausgelöst. Hingegen sind die Helikopterflüge nach
Davos natürlich eine furchtbare Sünde.
Wie schützen Sie persönlich die Umwelt?
Heuberger: Alle South-Pole-Carbon-Büros sind
mit High-End-Videokonferenzsystemen ausgerüstet. Mit diesen führen wir Meetings durch,
und so können wir lange Reisen umgehen. Ich
habe kein Auto und komme mit dem Velo zur
Arbeit. Ich kaufe Bioprodukte und zahle dafür
mehr. Privat fliege ich nie. Meine Familie und
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Der Klimaschützer unter
den Reichen und Mächtigen
Die Firma South Pole Carbon ist weltweit tätig.
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Renat Heuberger wurde am 18. Dezember 1976 in
Zürich geboren. An der ETH studierte er Umweltwissenschaften, bevor er für Swisscontact, eine
Stiftung für technische Entwicklungszusammenarbeit, in Indonesien tätig war. Er gründete zuerst
die Stiftung MyClimate und dann South Pole Carbon. Das Klimaschutzunternehmen beschäftigt
weltweit 100 Mitarbeiter, 35 davon in Zürich. Heuberger, der CEO der Firma, ist als «Sozialer Unternehmer», als sogenannter Social Entrepreneur, ans
World Economic Forum (WEF) eingeladen. Er ist
verheiratet und hat zwei Töchter. In der Freizeit
hält er sich oft in der Natur auf. Zu seinen Hobbies
gehören Segeln, Kitesurfen und Skitouren. (bur)
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