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(ADHS, früher POS) Was ist AD(H)S? AD(H)S - Praxis LichtBlick

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Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS, früher POS)
Was ist AD(H)S?
AD(H)S (“H” für Hyperaktivität) ist eine Störung und ein weltweites Phänomen, da sind sich
die führenden Wissenschaftler einig. Heute geht man davon aus, dass hauptsächlich eine
Stoffwechselproblematik zugrunde liegt. Dabei funktioniert die elektrochemische
Kommunikation mit den verschiedenen Neurotransmittern der Nervenzellen nicht richtig.
Verschiedene Hirnbereiche sind betroffen wie z.B. Frontalhirn, Basalganglien, Cerebellum,
Gyrus Cingulum. Dass die Informations-vorbereitung nicht optimal funktioniert, zeigt sich in
den bildgebenden Verfahren. Die Veränderung des Zentralnervensystems zeigt sich aber
auch im EEG (Elektroencephalographie). Diese Personen haben häufig einen erniedrigten
Stoffwechsel im vorderen Hirnbereich mit erhöhten langsamen Thetawellen (4-7Herz) und zu
wenig schnellen Betawellen (über 12 Herz). Damit beeinträchtigt ADHS die Selbstregulation
mit Aufmerksamkeitssteuerung und Impulskontrolle, was u.a. Lernen und angemessenes
Verhalten schwierig macht.
ADHS hat viele Namen
Für den heute üblichen Begriff „ADHS“ (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätssyndrom) hört
man z.T. noch andere Begriffe wie Psychoorganisches Syndrom (POS), Hyperkinetisches
Syndrom, Minimale Cerebrale Dysfunktion (MCD), Aufmerksamkeitsdefizit-syndrom (ADS),
Zappelphilipp-Syndrom etc. Alle diese Namen meinen das Gleiche. Diese Vielfalt zeigt, dass
viele unterschiedliche Kriterien „ADHS“ ausmachen und der Begriff schwer zu fassen ist.
ADHS ist keine Modediagnose
ADHS ist kein Mythos und kommt in allen untersuchten Kulturen und Ethnien vor (Europa,
Nord- und Südamerika, Japan, China, Türkei und Mittleren Osten). Etwa 3-7% der Kinder
und 4-5 % der Erwachsenen sind betroffen. Knaben sind mindestens 3mal häufiger von
ADHS betroffen als Mädchen und zeigen eher externalisierendes Verhalten, während
Mädchen eher zu Depressionen neigen. Als chronische Krankheit, welche die wichtigsten
Lebensbereiche beeinträchtigt, zieht sich ADHS in der Regel von Kindheit, Jugendalter bis
ins Erwachsenenalter hinein. Obwohl die Hyperaktivität bei Erwachsenen Personen mit
ADHS abnimmt, bleiben Inhibitions-, Aufmerksamkeits- und Impulsivitätsprobleme ein
Thema, was immer wieder zu Schwierigkeiten in Schule, Beruf, Familie oder Alltag führt.
Ursachen
ADHS hat viele Ursachen. Erbliche und neuropsychologische Faktoren sind die wichtigsten
Mitursachen für die Entwicklung dieser Störung. Weitere Umstände können eine Rolle
spielen, wie Genetik, toxische Einflüsse während der Schwangerschaft (z.B. maternelles
Rauchen und Alkohol), tiefes Geburtsgewicht, Hirnverletzungen, postnatale Verletzungen,
Umweltgifte (z.B. Blei).
Symptome
Die neuropsychologischen und psychosozialen Ursachen können sich allgemein in
folgenden Schwierigkeiten äussern: Verhaltenskontrolle, Aufmerksamkeit aufrecht erhalten,
Ablenkbarkeit, Arbeitsgedächtnis, angemessene Feinmotorik, emotionale und motivationale
Selbstregulation, Planung, Abfolgen; ferner reduzierte Reaktion auf Stimulus, gewisse Dinge
nicht spüren, schlechter Aufmerksamkeitsfokus oder tagträumerisch. Obwohl es sich um ein
organisches Problem handelt und die Ursachen nicht in Erziehungsfehlern liegen, kann das
Umfeld erzieherisch und stützend positiv einwirken.
Verschiedene ADHS Typen
Als Entwicklungsstörung kommt ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen vor und
umfasst generell chronische Schwierigkeiten das eigene Verhalten zu steuern, die
Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten, Ablinkungen zu widerstehen und allgemein die
situationsangepasste Regulation des Aktivitätslevels. Die primären Symptome bei ADHS
umfassen Impulsivität (mit Verhaltenskontrolle) und damit assoziiert Hyperaktivität sowie
Unaufmerksamkeit. Die hauptsächlich unaufmerksame Gruppe ist sehr heterogen.
Medizinisch unterteil man die ADHS-Typen nach dem hauptsächlichen Auftreten eines
Symptoms:
- Unaufmerksamkeit (ist sehr vielschichtig mit Schwierigkeiten mangelhafte
Auffassungsgabe, Ablenkbarkeit, Aufrechterhalten von Aufmerksamkeit,
Wachsamkeit, Wachheit, angepasstes Aktivitätsniveau etc.; eine Untergruppe
zeigt sehr langsames, schleppendes kognitives Tempo („sluggish cognitive
tempo“)
- Impulsivität (Störung der Inhibition: sich kontrollieren können, Selbstmotivation,
Steuerung des eigenen Verhaltens) und Hyperaktivität (Störung, die Impulse zu
kontrollieren, entwicklungsmässig unangepasster Aktivierungslevel)
- Unaufmerksamkeit und Impulsivität- Hyperaktivität
- Unspezifischer Typus
Die Ausprägung und das Vorkommen der Symptome sind jedoch sehr unterschiedlich
und variieren von Person zu Person stark. So kann der unaufmerksame Typus
kognitive Trägheit zeigen, während der kombinierte Typus ablenkbar, impulsiv,
überaktiv mit emotionalen Schwierigkeiten charakterisiert werden kann.
Am Morgen und in anregenden, stimulierenden Situationen sind die Auffälligkeiten
weniger ausgeprägt. Es gibt gute Gründe anzunehmen, dass Personen mit ADHS
durch ihre Hyperaktivität Stimulierung suchen.
Schwierigkeiten
Schwierigkeiten manifestieren sich in den verschiedenen Settings und Situationen
unterschiedlich (privat, öffentlich, schulisch, beruflich). Ebenso spielt das Umfeld wie
Erziehungsstil, anforderungsreiche Aufgaben oder freies Spiel eine Rolle. Je komplexer und
anforderungsreicher eine Aufgabe, desto höhere Ansprüche an Planung, Organisation,
Selbstregulation, Steuerung des Verhaltens, Negieren von Ablenkung, Halten eines
konstanten Arbeitstempos oder Impulskontrolle, desto schwächer die Leistung von Personen
it ADHS, Junge Personen mit ADHS. Junge Personen mit ADHS u.a. schauen deutlich mehr
TV (resp. PC), lesen deutlich weniger, sind mehr am Telefon.
Zusätzliche Schwierigkeiten oder Folgesymptome
Für viele bestehen noch zusätzliche Schwierigkeiten in anderen Bereichen, z.B.
- Kognition (z.B. schlechteres Arbeitsgedächtnis, unflexibel sein)
- Intellektuelle Leistungsfähigkeit (bringt mögliche Leistung nicht
- Lernschwierigkeiten (Sprache, Problemlösen, sich an Regeln halten, Organisation
u.a. mit Ordnung)
- Eine Art „Zeitblindheit“ (z.B. kein Zeitmanagement, unfähig Rückschau zu halten
und Schlüsse daraus zu ziehen, keine Vorstellung von Zukunft mit Planung)
- Entwicklungsrückstand (z.B. weniger „reif“, unangemessene Selbsteinschätzung
wie z.B. Überschätzen, schwache Selbstmotivation und Schwierigkeiten diese zu
regulieren).
- Altersgerechte emotionale Selbstkontrolle (z.B. Umgang mit Frustration,
Traurigkeit, weniger empathisch)
- Probleme mit Gleichaltrigen (z.B. ausgrenzen, sich als Opfer sehen)
-
Gesundheit (z.B. auffallende Motorik in Handschrift oder beim Zeichnen, Ängste,
häufiger Atembeschwerden wie z.B. Asthma, Ein- und
Durchschlafschwierigkeiten, erhöhtes Verletzungsrisiko.)
Komorbiditäten (zusätzliche Krankheiten)
Häufige bestehen auch koexistierende psychische Krankheiten wie Ängste,
Depressionen, Lernstörungen (z.B. Legasthenie, Dyskalkulie (Rechenschwäche) und
vor allem Störung mit oppositionellem Trotzverhalten
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Bildung
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