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1. Was gibt das Buch dem Leser? - Christiani

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24.04.2009
16:28 Uhr
Seite 9
9
1.1
Holz im Zeitalter von Stahl, Glas und Beton?
Lesernutzen
1. Was gibt das Buch dem Leser?
Obwohl der Glas-Stahl-Beton-Bau die architektonische Ausdrucksform
spektakulärer Neubauten ist, nimmt das Holz – mit zunehmender Tendenz – in Deutschland einen vorderen Platz ein. Ein hoher Anteil von
Altbauten besitzt Holzbalken-Geschossdecken und Holzdachstühle –
ganz zu schweigen von der Rolle des Holzes beim Kulturerbe mit seinen Burgen, Schlössern, Klöstern, Kirchen, Herrenhäusern, Rittergütern, Villen, Denkmalschutzobjekten aller Art bis hin zu alten und neuen Holzbrücken. Und gerade der »kalte« Glas-Stahl-Beton-Bau führt zu
einer Wiederbesinnung auf das warme, ästhetische, ökologische und
ökonomische Holz. Der Baustoff Holz erlebt zum wiederholten Male eine Renaissance!
Holz wird von Land zu Land und von Bundesland zu Bundesland sehr
unterschiedlich bewertet und eingesetzt; dies steht im Zusammenhang
mit den vorhanden Ressourcen und Traditionen. In Kanada geht der
Holzhausbau auf die Holzhäuser der Ureinwohner und die Möglichkeiten und Bedürfnisse der Einwanderer aus England und Frankreich,
der Goldgräber, Eisenbahnerbauer und Siedler zurück. Das holzreiche
Bayern hat eine lange Geschichte regional typischer Holzverwendung,
ebenso wie die Lausitz mit den durch Umgebindehäuser überbauten
ehemaligen Webstuben oder die zum Weltkulturerbe gehörende Stadt
Quedlinburg mit ihrem mittelalterlichem Fachwerkflair.
Bild 1 Verbreitung des Holzbaues
in Europa
(nach H. Phleps, Danzig) [21]
Oslo
St. Petersburg
NORDSEE
Riga
OSTSEE
London
KANAL
Danzig
Amsterdam
Berlin
Brüssel
Warschau
Paris
Wien
Bern
Bukarest
Barcelona
ADRIA
MITTELMEER
Rom
Sofia
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1. Was gibt das Buch dem Leser?
Bild 2 Moderner Holzbau
Therme in Bad Sulza (Thüringen), Gesamtansicht
Schließlich hat sich der Neubauboom »abgekühlt« und Investoren und
Bauträger wenden sich nun den verbliebenen Bauaufgaben zu: dem
Bauen im Bestand, dem Althausbau und damit zwangsläufig den
Holzkonstruktionen. Die Verknappung der Ressourcen Erdöl und Erdgas führt zu kontinuierlich steigenden Preisen für Energie und damit
für alle »Energiefresser« wie Stahl, Kunststoffe und Zement. Nur das
Holz bleibt von dieser Entwicklung weitestgehend verschont.
Kenntnisse über die Verwendung und den Umgang mit dem Holz im
Hochbau sind zu einer unausweichlichen Notwendigkeit geworden für
Bauherren, Architekten, Handwerker, Hausverwaltungen und auch
Mieter.
Ja: Glas, Stahl, Beton und Holz!
1.2
(K)eine OP ohne Diagnose?
Würden Sie – schriftlich – in eine Operation an Ihrem eigenen Körper
einwilligen (immerhin ist und bleibt dies ein risikobehafteter Eingriff),
obwohl keine zweifelsfreie Diagnose Ihres Arztes vorliegt? – Natürlich
nicht! Aber bauen, sanieren, modernisieren – ohne Bauwerksdiagnose – das ist an der Tagesordnung (»Das Geld kann eingespart werden!«). Und der Architekt wird auch gleich noch mit »eingespart« (»Kostet ebenfalls unnötiges Geld«). – Das alles macht der Bauherr bzw. Bauträger selbst, mit »seinen« Handwerkern.
Schäden an den Holzkonstruktionen der Dächer, Decken, des Fachwerks usw. werden somit nicht erkannt (Pilze muss man nämlich suchen und bestimmen können!) und neue »Infektionsherde« werden angelegt, und alles verschwindet unter neuen roten Dächern, hinter Gipskartonplatten und Auslegeware. Aber nur für kurze Zeit: Dann tropft
das Kondensat aus der Dachdecke, Schimmel und Schwamm haben die
Schalung unter Titanzinkdeckung befallen, die Rauhfasertapete reißt,
die Bodenfliesen zerplatzen, aus dem Vollwärmeschutz wachsen die Pilze – die Mieter ziehen aus ... und es beginnt die Sanierung der Sanierung (oder der Konkursverwalter nimmt seine Arbeit auf).
Bild 3 Größte hölzerne Achterbahn
der Welt im Heidepark Soltau
»Man mag immerhin Fehler begehen, bauen darf man keine!«
J. W. v. Goethe [3].
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1.3 Holzschutz ist Geldverschwendung?
Bild 4 Verhinderter Einsturz eines Silos
Der Zylinder wird abgehoben.
Bild 5 Der Trichter des Silos
wird abgehoben (Pfeil: der vom Schwamm völlig zerstörte Schwellenkranz
aus Fichte).
Bild 6 Aus der Nähe betrachtet:
Myzel vom Porenschwamm auf dem
Schwellenkranz aus Bild 5
Diagnose: Der drohende Einsturz wurde gerade noch rechtzeitig erkannt
und abgewendet. Ablaufendes Niederschlagswasser war immer wieder
in die Fuge zwischen Zylinder und Trichter gelaufen und hatte zu Befall
und Zerstörung durch Schwamm geführt. – Diese Situation war schwer zu
erkennen und auszumachen.
1.3
Holzschutz ist Geldverschwendung?
Viele Vögel sind in unserer umweltfeindlichen Zeit gefährdet. Wer bedrohten Arten (Turmfalken, Dohlen, Rauchschwalben ...) helfen will,
muss ihre Lebensweisen kennen und anerkennen (schließlich gab es die
Vögel vor den Menschen auf der Erde und nicht umgekehrt). Das betrifft das Futter ebenso wie die Anlage von Brutkästen bis hin zum Einflugloch.
Wer »Holzschutz« betreiben will, muss die Holzarten und den makroskopischen und mikroskopischen Aufbau des Holzes ebenso kennen
wie die Lebensweise der holzzerstörenden Pilze und Insekten.
Ein »richtiger« (artgerechter) Nistkasten wird angenommen (oder auch
nicht). Ebenso befallen Pilze und Insekten das Bauholz und zerstören
es (oder auch nicht), weil die arttypischen Lebensbedingungen stimmen. Hier – wo die Natur noch funktioniert – ist der Mensch nur Gast
und Zuschauer (hier stößt sogar der erfolgsgewohnte Investor an die
Grenzen der Naturgesetze). Missachten also (überhebliche) Investoren
und (halbgebildete) Planer die Gesetzmäßigkeiten der Kreatur aus so
genannten wirtschaftlichen Erwägungen (Steuervorteile, Sonderabschreibungen, höhere Renditen), nach dem Motto »schnell fertig stellen – schnell verkaufen und vermieten, schnell beziehen und möblieren«, dann stehen selbige früher oder später vor deutlich höheren Kosten!
Wer den Holzschutz – in Vorbereitung, Planung, Ausführung – negiert, zahlt bereits beim Verkauf oder nach zwei oder fünf Jahren drauf
(manchmal auch erst nach 30 Jahren). So wird zum Beispiel die mitt-
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lere Nutzungsdauer einer Bahnschwelle aus Buche durch Teerölimprägnierung von ca. drei auf etwa 45 Jahre [4] verlängert.
Auf einem Friedhof brach nach 20 Jahren (Erfahrung des Autors) ein
Grabkreuz aus der Holzart Eiche um, weil es regelwidrig (ohne Beachtung des baulichen Holzschutzes) eingegraben wurde.
Ein Glockenstuhl in einer norddeutschen Kleinstadt – sehr solide aus
Eiche gezimmert – brach auseinander, weil alle Fußpunkte weggefault
waren: In den Zapfenlöchern stand immer Wasser. Ein Knotenpunkt,
geschützt unter Dach, ist eben nicht gleichermaßen als Knoten im Freien geeignet!
Oder im Notarvertrag zum Kauf der Immobilie steht: »… der Verkäufer
erklärt, dass das Haus frei von Echtem Hausschwamm ist.« Hoffentlich
hat er die Wahrheit gesagt – arglistige Täuschung kommt teuer zu stehen! Selbst sanierter Schwammschaden, Schwammverdacht und unfachmännische Reparaturen sind offenzulegen – und drücken den
Kaufpreis [5] (Bild 10).
Bild 7 Fußboden und Geschossdecken
der neuen Dachterrasse wurden Schicht-um-Schicht »aufgenommen«.
Bild 9 Feuchtigkeit, Wärme
und Holzbalkendecke – der Echte Hausschwamm hat ganze Arbeit
geleistet.
Der Einbau einer Dachterrasse ist bautechnisch schwer lösbar – aber
lösbar (von Fachleuten!). – Hier war der preiswerte Alleskönner am Werk,
dem z. B. Kaltdach, Warmdach, Flachdach-Richtlinie Fremdworte waren.
Das Ergebnis: Nach 5 Jahren Totaleingriff in drei Zimmer im 2. und 3.
Obergeschoss, Freistellung von den Mietern und Kosten und viel Ärger ...
1. Was gibt das Buch dem Leser?
1.4
»Fachbetrieb« für Entrümpelung und
Hausschwammbekämpfung
... dies bieten ungelernte und dubiose Anbieter außerordentlich kostengünstig an. Denn: Billig einkaufen, billig sanieren und teuer verkaufen – das bringt das große Geld (siehe auch Bilder 7 bis 9).
Wenn Heizung, Warmwasser, Aufzug oder Elektrik nicht funktionieren,
merkt das jedermann. Wenn aber das Pilzmyzel weiß überstrichen oder
mit »rauher Faser« kaschiert wurde: Wer sieht das schon? Und in drei
Jahren sind entweder die Schuldigen nicht mehr am Markt – oder es
wird trefflich gestritten. Immerhin trägt dann der Bauherr die umgekehrte Beweislast.
Weil aber ein Schwammschaden nicht nur die Belange der öffentlichen
Sicherheit berührt, sondern auch ein volkswirtschaftliches Problem darstellt, wurde z. B. schon 1957 per Gesetz durch die Deutsche Bauordnung § 218 der Holzschutz im Hochbau vorgeschrieben [6]. Erfolgreiche Vorbeugung und dauerhafte Sanierung verlangen sehr umfang-
Bild 8 Alles ist vom Echten Hausschwamm
befallen und zerstört – und das Ende ist noch nicht abzusehen.
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1.4 »Fachbetrieb« für Entrümpelung und Hausschwammbekämpfung
13
Bild 10 Pflicht zur Offenlegung
dieses Sachverhaltes: merkantiler
Minderwert
Vollstreckungsgericht
Terminbestimmung
Grundstück, bebaut mit Wohn- und Geschäftshaus; 1912 als Villa errichtet; nach dem Krieg als
Gästehaus der sowjetischen Kommandantur genutzt; Gebäude wurde im Jahr 1991 umfassend
saniert, die meisten Räumlichkeiten wurden umgebaut; Anzahl der Geschosse: EG bis 3. OG und
ausgebautes DG; Gesamtfläche: 1 356 m2; Personenaufzug bis 3. OG; 13 PKW-Stellplätze (auf
dem Grundstück vorhanden). Durch ein Gutachten eines Sachverständigen für Holzschutz wurde
Verdacht des Befalls mit Echtem Hausschwamm bestätigt,
soll zum Zwecke der Zwangsvollstreckung versteigert werden.
Freitag, den 20. März 1998, 10.30 im Amtsgericht Leipzig, Angerstr. 40 – 44, 04177 Leipzig, Gebäude D, II. Etage, Saal 209
Am 08. 10. 1996 (Tag der Eintragung des Versteigerungsvermerks) waren als Eigentümer im
Grundbuch eingetragen:
……………………………............................................... und …………………...............................................…. – in GbR –
Der Verkehrswert ist gemäß § 74a Abs. 5 ZVG festgesetzt worden auf ……….......................……. €.
reiche theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen bei der Bestimmung der Schadorganismen, deren unterschiedlicher Bekämpfung
und der Auswahl (oder auch dem Verzicht) von Holzschutzmitteln nach
toxikologischen, ökologischen und ökonomischen Kriterien.
Heute verlangen die Landesbauordnungen von den Bauherren zur Gewährleistung der Bau- und Gebrauchssicherheit sehr differenzierte
Maßnahmen. So ist zum Beispiel in der Sächsischen Bauordnung [7]
vorgeschrieben:
§ 3 – Allgemeine Anforderungen
Bauliche Anlagen ... sind so zu errichten, zu ändern, instandzusetzen
und instandzuhalten, dass die öffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere Leben oder Gesundheit ... nicht gefährdet werden.
§ 13 – Schutz gegen schädliche Einflüsse
(1) Bauliche Anlagen ... müssen so beschaffen und gebrauchstauglich sein, dass durch Wasser, Feuchtigkeit, pflanzliche oder tierische
Schädlinge sowie andere chemische, physikalische oder biologische Einflüsse Gefahren oder unzumutbare Belästigungen nicht entstehen.
(2) Werden in Gebäuden Bauteile aus Holz oder anderen organischen
Stoffen vom Hausbock, vom Echten Hausschwamm ... befallen, so haben die für den ordnungsgemäßen Zustand des Gebäudes verantwortlichen Personen unverzüglich ein Fachunternehmen mit der Bekämp-
fung und Schadensbeseitigung auf Grundlage einer Sachverständigeneinschätzung zu beauftragen und der Bauaufsichtsbehörde die Beauftragung sowie den Abschluss der Arbeiten schriftlich anzuzeigen.
Dabei ist die handwerkliche Ausführung der Sanierung nicht den
»preiswerten Kolonnen« erlaubt; DIN 68 800 Teil 4 [8] verlangt:
Absatz 2.3 Voraussetzung für Bekämpfungsmaßnahmen ist die eindeutige Feststellung der Art der Schadorganismen und des Befallsumfanges durch dafür qualifizierte Fachleute oder Sachverständige.
Die Ergebnisse sind dem Auftraggeber in einem Untersuchungsbericht
vorzulegen.
Absatz 2.5 Die Bekämpfungsmaßnahmen erfordern grundlegende
Kenntnisse und Erfahrungen. Sie dürfen daher nur von qualifizierten
Fachfirmen bzw. Fachleuten durchgeführt werden, die über die erforderliche Ausrüstung verfügen.
Absatz 3.1 Es sind nur chemische Schutzmittel anzuwenden, deren
Wirksamkeit eine anerkannte Prüfstelle und deren gesundheitliche Unbedenklichkeit und Umweltverträglichkeit bei bestimmungsgemäßer
Anwendung das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) bzw. das Umweltbundesamt
(UBA) festgestellt haben. Entsprechende Produktunterlagen sind dem
Auftraggeber auszuhändigen.
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1. Was gibt das Buch dem Leser?
Ein »Fachkundiger« bzw. »Sachkundiger« im Sinne dieser Norm ist kein
selbsternannter Alleskönner, sondern er muss zum Erwerb dieser Sachkunde Lehrgänge besuchen, eine Prüfung ablegen und durch Zertifikat den Nachweis darüber erbringen (vgl. VOB Teil A, § 8 3. (1) g). Im
Regelfall wird dem Bauvertrag die VOB [9] zugrunde gelegt. Danach
hat der Unternehmer nach Teil B, § 4 2. (1) ... nach den anerkannten
Regeln der Technik und gesetzlichen Bestimmungen ... zu leisten. Eine Abweichung davon erfüllt im rechtlichen Sinne den Mangel und löst
Gewährleistungsansprüche aus.
Deshalb, wer billig baut – baut im Allgemeinen extrem teuer!
Mängelansprüche des Bauherren
Der benachteiligte Bauherr hat ein Recht auf Behebung des Mangels
nach BGB. Danach kann er vom Verursacher die Sanierung verlangen
bzw. Schadenersatz geltend machen für solche Positionen wie
❚ Verluste aus Mietminderung oder -ausfall
❚ Umzug/Miete einer Ersatzwohnung
❚ Reinigung bzw. Ersatz kontaminierter Gegenstände
❚ Ausgleich finanzieller Nachteile
❚ möglicherweise Schmerzensgeld nach BGB.
1.5
Holzschutzmittel – aber ohne Gifte
Ja und nein. Es gilt zu unterscheiden zwischen
❚ Holzschutz durch Wetterschutzmittel (ohne Biozide)
❚ Holzschutz durch Holzveredlung (ohne Biozide)
Dazu gehören Lasuren, Deckfarben und Lacke.
❚ Holzschutz durch Holzschutzmittel (biozidhaltig)
Das sind wässrige oder ölige Formulierungen mit bioziden (fungiziden bzw. insektiziden) Wirkstoffen, welche das pflanzliche (Pilze)
und tierische (Insekten) Biosystem schädigen (das heißt abtöten).
Deshalb können bei unsachgemäßer Verwendung Risiken für
Mensch und Umwelt entstehen.
Einen ungiftigen chemischen Holzschutz gibt es also nicht!
1.6
Holzschutz – rechtliche Ansprüche von
Bauherren und Mietern [10]
Jeder Unternehmer hat es auf der Grundlage von BGB bzw. VOB übernommen, dem Bauherren ein mangelfreies Werk zu erstellen. Dazu
muss er die einschlägigen Regeln der Technik sowie gesetzliche und
andere Bestimmungen kennen und sich über den neuesten Stand der
Entwicklungen auf seinem Fachgebiet informieren. Er hat also dafür
einzustehen, dass zum Beispiel das Holz mit dem geforderten Holzfeuchtesatz eingebaut wird, auf chemischen Holzschutz verzichtet werden muss – oder in anderen Fällen der vorbeschriebene chemische Holzschutz unter Beachtung der Gefährdungsklassen (neu: Gebrauchsklassen) und des Anwendungsbereiches in vorgeschriebener Qualität (Einbringmenge und Einbringtiefe) ausgeführt wird.
Fehlender vorbeugender chemischer Holzschutz (mangelhaft ausgeführt ist fehlend gleichzusetzen) bürdet dem Bauherren das Risiko auf,
dass eventuell nach Jahrzehnten Teile der durch Hausbock geschädigten Hölzer des Daches ausgebaut bzw. verstärkt werden müssen – mit
unverzichtbarer Neudeckung des Daches, einschließlich Klempnerarbeiten, Abnahme der Gipskartonplatten, Auszug der Mieter usw.!
Andererseits kann eine Fehlanwendung von Holzschutzmitteln dazu
führen, dass Innenraumluft, Hausstaub und Einrichtungsgegenstände
derartig schadstoffbelastet sind, dass eine aufwändige Sanierung und
die eventuelle Entsorgung auch von Polstermöbeln und Teppichböden
usw. erforderlich werden [11] [12].
Ansprüche der Mieter
Der Vermieter hat gegenüber dem Mieter nach § 535 BGB die Pflicht,
die Mietsache in einem zum vertragsgemäßen Gebrauch geeigneten
Zustand zu übergeben und zu erhalten. Ist die Mietsache mit Fehlern
behaftet, dann haftet der Vermieter. Ein »Fehler« in diesem Sinne ist
auch die Belastung der Luft mit Innenraumgiften.
Der Mieter hat u. a. Ansprüche auf Mietminderung (§ 536 BGB) bzw.
Rückzahlung des Mietzinses, Schadenersatz und gegebenenfalls
Schmerzensgeld. Der Vermieter wird sich mit derartigen Ansprüchen an
den verursachenden Planer bzw. Unternehmer wenden (sofern diese
noch »greifbar« sind).
Der Leser hat damit einen Überblick und Einblick zugleich gewonnen,
dass das Thema »Holzschutz« vom Gartenzaun über Pergola, Haustür,
Holzfenster, Hobeldielung, Wandpaneel, Holzbalkendecke, Dachstuhl,
Balkonkonstruktion, Fassadenbekleidung bis hin zum Grabkreuz sehr
aktuell und vielseitig ist und in Verknüpfung ökonomische und ökologische und toxikologische und ästhetische und rechtliche Belange berührt werden.
Ob Bauherr, Bauträger, Architekt und Ingenieur, GÜ/GU, Bauleiter, Unternehmer, Mieter, Hausverwalter – alle sind mehr oder weniger eingebunden und angesprochen, und es sollte sich nicht immer wieder der
alte Bauspruch bewahrheiten:
Das erste Haus baut man für seine Feinde.
Das zweite Haus baut man für seine Freunde.
Das dritte Haus baut man für sich selbst.
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