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Änderungen allerorten: Was KMUler neu beachten sollten - Alltax AG

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KMU info
Infoplattform für Klein- und Mittelbetriebe, herausgegeben von:
Alltax AG Treuhandgesellschaft, Basel;
Alltax AG Region Zürich Treuhandgesellschaft, Meilen, Zug, Freienbach;
Hersberger Revisionsgesellschaft AG, Seltisberg;
Treuhandgesellschaft Bont & Co., Reinach.
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Änderungen allerorten: Was
KMUler neu beachten sollten
MWST und weitere aktuelle Themen
Einen bunten Herbststrauss haben wir
für Sie in diesem KMUinfo zusammengestellt. Ganz frisch, aber auch mit
Stacheln versehen, ist das neue MWSTAbrechnungsformular, welches ab dem
3. Quartal 2010 zu verwenden ist.
Wieso die Eidgenössische Steuerverwaltung zusätzliche Felder (wie Subventionen oder Spenden und Dividenden) eingefügt hat, was für Stolpersteine es zu beachten gilt und welche
buchhalterischen Massnahmen notwendig sind, um das Formular korrekt
auszufüllen, erfahren Sie im Artikel
von Daniel Kuiper.
Neues bei den Steuern
Auch der Bereich Steuern ist ständig
im Fluss. Im Zuge der Unternehmenssteuerreform II treten per 1.1.2011
Änderungen in Kraft, über die Sie im
Artikel von Luc Riggenbach die Einzelheiten erfahren.
BVG-Strukturreform
Beat Hersperger erläutert die geplanten Anpassungen im Zusammenhang
mit der BVG-Strukturreform. Mit diesen Änderungen wird der administrative Aufwand für Personalvorsorgeeinrichtungen nicht geringer. Der Trend,
sich einer Gemeinschafts- oder Sammelstiftung anzuschliessen, verstärkt
sich für kleinere Stiftungen.
Nachfolgeplanung
Nachfolgeplanung ist ein weiteres
Thema, mit dem KMUler sich irgendwann befassen sollten. Gemäss dem
Motto «Nie ist es zu früh, manchmal
aber zu spät!» empfehle ich Ihnen den
Text von Rudolf Brauchli.
Nun wünsche ich Ihnen eine anregende Lektüre. Wenn Fragen auftauchen, stehen Ihnen die Berater in den
vier Herausgeberfirmen gerne für weitere Auskünfte zur Verfügung.
Kurt Rau
Ausgabe Nr. 2/2010
Die 27. Ausgabe von allen.
Kommentar:
Steuerdelikt als Geldwäschereitatbestand?
Das Geldwäschereigesetz regelt die
Bekämpfung der Geldwäscherei sowie der Terrorismusfinanzierung
und gilt für Finanzintermediäre.
Als solche gelten Banken und Versicherungen, aber auch Personen, die
berufsmässig fremde Vermögenswerte annehmen, aufbewahren
oder helfen, sie anzulegen oder zu
übertragen. Nebst Vermögensverwaltern können auch Treuhänder
unter dieses Gesetz fallen, wenn sie
diese Dienstleistungen anbieten.
Finanzintermediäre müssen die
Vertragsparteien identifizieren, die
wirtschaftlich Berechtigten feststellen, Hintergründe und Zweck der
Transaktionen oder Geschäftsbeziehungen abklären, alles dokumentieren und bei begründetem Verdacht auf Geldwäscherei der Meldestelle Meldung erstatten. So weit,
so gut. Die Financial Action Task
Force (FATF) ist die Arbeitsgruppe
der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) zur Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung. Sie plant, künftig Steuerdelikte als Vortaten zur Geldwäscherei
zu qualifizieren. Diese Neuerung
hätte in der Schweiz zur Folge, dass
die Finanzintermediäre nicht deklarierte Gelder ihrer Kunden der Meldestelle für Geldwäscherei melden
müssten. Der Finanzsektor würde
so zu einem verlängerten Arm des
Fiskus. Das darf nicht sein. Wenn
neu Steuerdelikte als Vortaten zur
Geldwäscherei gelten, so dient dies
dem ausländischen Fiskus und
nicht der Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Hoffentlich
kommt es nicht so weit.
Alltax AG Treuhandgesellschaft, Basel;
Alltax AG Region Zürich
Treuhandgesellschaft, Meilen;
Hersberger Revisionsgesellschaft AG, Seltisberg;
Treuhandgesellschaft
Bont & Co., Reinach
Ausgabe 2/2010 – Seite 2
MWST: Das neue Abrechnungsformular
nungen als definitiv betrachtete. Der
Steuerpflichtige musste sich auf seine
Angaben behaften lassen. Mit der Einführung der Steuerperiode erhalten
die Quartalsabrechnungen einen provisorischen Charakter. Mit der Finalisierung haben die Steuerpflichtigen
das Recht und die Pflicht zur Korrektur der Quartalsabrechnungen grundsätzlich ohne Folgen.
Wichtig: Die Finalisierung muss bis
29. Juni des Folgejahres eingereicht
werden. Diese Frist ist nicht erstreckbar. Nichteinreichen der Finalisierung
bedeutet stillschweigende Bestätigung, dass die Quartalsabrechnungen
in Ordnung sind.
Das Formular und weitere Informationen zur Finalisierung 2010 liegen
derzeit leider noch nicht vor. Die Eidgenössische Steuerverwaltung kann es
sich erlauben, damit noch etwas zuzuwarten, da ja dieses Formular erstmals
im Jahr 2011 eingereicht werden
muss.
Neues Formular auf dem Tisch
Ab dem 3. Quartal 2010 erhalten wir
bereits wieder neue Abrechnungsformulare für die Steuersatzerhöhung.
Die Umsätze werden aufgeteilt auf die
bis 31.12.2010 gültigen Steuersätze
und auf die Steuersätze, gültig ab
1.1.2011. Rechnungen, die bereits
heute ausgestellt werden mit Leistungen für das kommende Jahr (z. B. Wartungsverträge, Abonnemente usw.),
müssen die ab 2011 gültigen Steuersätze ausweisen. Ihre Buchhaltungssoftware muss also schon jetzt in der
Lage sein, die neuen Sätze (Umsatzsteuer und Vorsteuer) zu verarbeiten.
Nachstehend erläutern wir Ihnen
das neue MWST-Abrechnungsformular
und einige Aspekte des neuen MWSTGesetzes.
Im Weiteren weisen wir auf Fehler
hin, die Sie vermeiden müssen, wenn
Sie nicht in der von der Eidgenössischen Steuerverwaltung geführten
Liste der durchzuführenden Mehrwertsteuer-Revisionen einen Medaillenplatz einnehmen wollen.
Wirkung der MWST-Abrechnungen
Mit dem neuen Mehrwertsteuergesetz,
gültig ab 1.1.2010, wurde die bei den
direkten Steuern bereits bekannte
Steuerperiode
eingeführt.
Bisher
kannte die Mehrwertsteuer nur Abrechnungsperioden, was bedeutete,
dass die Steuerverwaltung die Abrech-
Das neue MWST-Formular – eine
buchhalterische Herausforderung
Mit dem neuen MWST-Formular können ab 3. Quartal 2010 die Leistungen,
welche bereits zu den neuen Mehrwertsteuersätzen abgerechnet werden,
deklariert werden.
Falls Sie solche Leistungen bereits
im 2. Quartal 2010 fakturiert haben,
konnten Sie diese nur zu den alten
Steuersätzen abrechnen. Die entsprechende Korrektur kann und muss nun
im 3. Quartal vorgenommen werden.
Nicht nur buchhalterisch (Softwareanpassungen!) eine Herausforderung…
Für die Bestimmung des relevanten
MWST-Satzes ist der Zeitpunkt der
Leistungserbringung massgebend (im
Gegensatz zur letzten Steuersatzerhöhung per 1.1.2001, als der Zeitpunkt der Rechnungsstellung massgebend war). Zentral ist die Abgrenzung
der Leistungen zum Jahreswechsel: für
Leistungen im Jahr 2011 ist der neue
Steuersatz anzuwenden, für Leistungen in den Jahren 2010 und 2011 muss
die Leistung zum alten bzw. neuen
Steuersatz aufgeteilt werden.
Wir empfehlen, jeder Buchung einen
MWST-Code zuzuweisen. Mit der korrekten Unterscheidung sämtlicher
Umsätze in die verschiedenen, für die
MWST-Abrechnung relevanten Umsatzarten erleichtern Sie sich das korrekte Ausfüllen des Formulars.
Ausgabe 2/2010 – Seite 3
Es empfiehlt sich, folgende Steuercodes einzurichten: steuerpflichtige
Umsätze (mit den verschiedenen alten
und neuen Steuersätzen), optierte
Umsätze, steuerbefreite Umsätze (vor
allem Exporte), Leistungen im Ausland, steuerausgenommene Umsätze.
Separate Steuercodes müssen zudem
für Subventionen sowie für Spenden/
Dividenden/Schadenersatz usw. eingerichtet werden, da diese Umsätze neu
unter Ziffer III «Andere Mittelflüsse»
deklariert werden müssen. Sie werden
überrascht sein, dass Sie höchstwahrscheinlich diese Steuercodes benötigen – lesen Sie deshalb diesen Artikel
zu Ende. Ihr Treuhänder unterstützt
Sie gerne bei der MWST-Codierung.
Abschlussersteller, Revisionsstelle
und der MWST-Revisor freuen sich,
wenn Sie Ende des Geschäftsjahres ein
MWST-Journal mit der vorstehend
erwähnten Unterscheidung vorlegen
können. Mit der Finalisierung sollten
Sie nochmals prüfen, ob das Journal
wirklich mit den Deklarationen und
der Buchhaltung übereinstimmt, und
allfällige Differenzen bereinigen oder
zumindest nachweisen.
Falls Sie sich bei einzelnen Umsatzarten nicht im Klaren sind, welcher
MWST-Kategorie diese zuzuordnen
sind, lohnt es sich bestimmt, mit
Ihrem Treuhänder Kontakt aufzunehmen. Entscheidend ist, dass Sie bereits
jetzt die richtigen Codierungen, gültig
ab 1.1.2011, vornehmen. So vermeiden Sie aufwendige Korrekturen oder
teure Nachbelastungen bei einer
MWST-Revision.
Erläuterungen zu einzelnen Ziffern
des neuen MWST-Formulars:
I. Umsatz
Ziffer 200 verlangt wie bisher das Total
der vereinnahmten beziehungsweise
der vereinbarten Entgelte. Neu ist
unter Ziffer 205 das Total der Entgelte
aus nicht steuerbaren Leistungen
MWST-Tipp
Auch bei der MWST bestehen gewisse Möglichkeiten zur Steueroptimierung. Infrage kommen
insbesondere die freiwillige
Versteuerung der von der MWST
ausgenommenen Umsätze, Leistungskombinationen, Saldosteuersätze usw. Wir klären gerne
für Sie ab, ob Sie die MWSTBelastung optimieren können.
(gemäss Art. 21 MWSTG [Mehrwertsteuergesetz]), für welche nach Art.
22 optiert wird, aufzuführen. Für Verwirrung sorgt, dass es sich um eine zusätzliche Angabe handelt und der Betrag nicht in eine Berechnung einfliesst. An dieser Stelle weisen wir auf
eine Änderung bei der Option hin: Bisher musste für die Option ein Gesuch
eingereicht werden, ab 1.1.2010
genügt für die Option, wenn auf der
Rechnung die MWST aufgeführt wird.
Abzüge
Zu unterscheiden sind die von der
Steuer befreiten Leistungen (vor allem
Exporte, anzugeben unter Ziffer 220)
und Leistungen im Ausland (Ziffer
221, Dienstleistungen mit Empfängerortsprinzip und Warenlieferungen
Ausland–Ausland).
Die Unterscheidung kann im Einzelfall Schwierigkeiten bieten. Verwechslungen sind jedoch im Normalfall nicht
folgenschwer, sind doch beide Umsätze steuerbefreit.
Wichtig ist hingegen die Unterscheidung zwischen «nicht steuerbaren Leistungen» (Ziffer 230) und den
unter Abschnitt III anzugebenden
«anderen Mittelflüssen»: Wenn Sie
hier Fehler machen, rücken Sie in der
Rangliste der Eidgenössischen Steuerverwaltung rasch nach oben. Warum
das so ist, zeigen wir Ihnen weiter
unten auf.
II. Steuerberechnung
Einen Champions-League-Platz in der
Rangliste der Eidgenössischen Steuerverwaltung erhalten Sie, wenn das
Total der unter Ziffer 300 bis 341
deklarierten steuerbaren Umsätze
nicht mit dem Betrag in Ziffer 299
übereinstimmt oder die deklarierte
Leistung, multipliziert mit dem Steuersatz, nicht die aufgeführte Steuer
ergibt. Vor dem Versand der MWST-Abrechnung müssen Sie diese Kontrollen
unbedingt vornehmen.
Unter der Ziffer 381 beziehungsweise 380 muss die Bezugssteuer deklariert werden. Bis 31.12.2009 musste der Dienstleistungsimport hier deklariert werden. Sofern Sie nicht mit
Saldosteuersätzen abrechnen oder
Vorsteuerkürzungen vornehmen müssen, können Sie die deklarierte Umsatzsteuer gleichzeitig vollumfänglich
als Vorsteuer wieder geltend machen,
sodass für Sie per Saldo keine Steuerzahllast resultiert.
Neu müssen jedoch auch Lieferungen (z.B. Montageleistungen), bei
denen der Importeur die Importsteuer
nicht bezahlt hat, deklariert werden –
ein Problem und Ärgernis vor allem für
Steuerpflichtige mit Saldosteuersätzen oder Vorsteuerkürzungen.
III. Andere Mittelflüsse
Unter Ziffer 900 werden Subventionen, Kurtaxen u. Ä., Entsorgungs- und
Wasserwerkbeiträge deklariert. Spontan glauben Sie wahrscheinlich, Sie
hätten sicher keine derartigen Umsätze! Schon steigen Sie in der Liste
der zu revidierenden Steuerpflichtigen
nach oben. Aus Sicht der MWST hat
fast jeder Steuerpflichtige solche Umsätze, denn die Rückvergütung aus der
CO2-Abgabe wird mehrwertsteuerlich
als eine Subvention qualifiziert und
muss demzufolge unter Ziffer 900 deklariert werden. Das Gleiche gilt für
Steuerpflichtige im Kanton BaselStadt, welche den sogenannten Arbeitsplatzbonus vom Stromsparfonds
Basel erhalten.
Damit nicht genug – immer, wenn
Umsätze in Ziffer 900 oder Ziffer 230
deklariert werden, muss eine Vorsteuerkürzung vorgenommen werden und
unter Ziffer 420 abgeliefert werden.
Wenn Sie während der ganzen Steuerperiode keine Vorsteuerkürzung vornehmen, spielen Sie in der «oberen
Liga» mit. Sie fragen sich, weshalb
unter Ziffer 910 Mittelflüsse deklariert
werden müssen, die weder steuerpflichtig sind noch zu einer Vorsteuerkürzung führen? Ganz einfach: Die
Steuerverwaltung schafft den «gläsernen» Steuerpflichtigen, da alle Umsätze deklariert werden müssen, auch
nicht MWST-relevante.
Daniel Kuiper
Alltax AG
Treuhandgesellschaft
Saint-Louis-Strasse 31
4056 Basel
Telefon 061 327 37 37
Fax 061 302 33 13
Internet www.alltax.ch
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Ausgabe 2/2010 – Seite 4
Steuern: Unternehmenssteuerreform II
Was ab 1.1.2011 in Kraft tritt
Im Zuge der Unternehmenssteuerreform II (USTR II – siehe auch KMUinfo
Nr. 2/2009) treten per 1.1.2011 die
folgenden Massnahmen in Kraft:
• Ausweitung des Beteiligungsabzugs;
• Einführung des Kapitaleinlageprinzips (siehe KMUinfo Nr. 1/2010);
• Ausweitung der Ersatzbeschaffung;
• Verpachtung eines Betriebes;
• Vorteilhaftere Bewertung von Wertpapieren im Geschäftsvermögen;
• Steueraufschub bei Übertragung von
Liegenschaften vom Geschäfts- ins
Privatvermögen;
• Aufschub der Besteuerung stiller
Reserven bei Erbteilung;
• Entlastung der Liquidationsgewinne.
Die wesentlichen Elemente
In den nachfolgenden Ausführungen
seien die wesentlichen Elemente dieser Massnahmen kurz erläutert:
1. Ausweitung des Beteiligungsabzugs
Hält eine Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft heute eine Beteiligung
von mindestens 20% oder CHF 2 Mio.
Verkehrswert an einer anderen Gesellschaft, so werden die Erträge aus dieser Beteiligung aufgrund des Beteiligungsabzugs von der Besteuerung enlastet. Der Beteiligungsabzug dient
der Vermeidung von wirtschaftlichen
Drei- oder Mehrfachbelastungen bei
Kapitalunternehmen mit massgeblichen Beteiligungen.
Mit der USTR II werden nun die Mindestbeteiligungslimiten für die Anwendung des Beteiligungsabzugs neu
auf 10% oder CHF 1 Mio. Verkehrswert
gesenkt, was eine erleichterte Anwen-
Treuhandgesellschaft
Bont & Co.
Talackerstrasse 15
4153 Reinach
Telefon 061 711 22 43
Fax 061 711 23 10
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dung des Beteiligungsabzugs bedeutet. Die Herabsetzung der Mindestlimiten ist bei Dividendenerträgen für die
Kantone zwingend. Bei Kapitalgewinnen aus der Veräusserung von während
mindestens eines Jahres gehaltenen
massgeblichen Beteiligungen ist die
Senkung der Mindestlimiten auf kantonaler Ebene dagegen optional. BS
und BL sehen eine entsprechende Senkung bei Kapitalgewinnen vor.
2. Ausweitung der Ersatzbeschaffung
Bei der Ersatzbeschaffung von betriebsnotwendigem Anlagevermögen
eines Betriebes war eine steuerneutrale Übertragung der stillen Reserven
beschränkt auf ein Ersatzobjekt mit
gleicher Funktion (Funktionsgleichheit). Neu wird nur noch verlangt,
dass es sich bei der Ersatzbeschaffung
wiederum um einen Gegenstand des
betriebsnotwendigen Anlagevermögens
handelt und sich dieses Gut in der
Schweiz befindet.
Die Ersatzbeschaffung muss in der
Regel innerhalb von 2 Jahren ab der
Veräusserung des Wirtschaftsguts erfolgen, ansonsten wird über die stillen
Reserven abgerechnet.
Bei der Ersatzbeschaffung von Liegenschaften durch Gegenstände des
beweglichen Vermögens ist weiterhin
kein Steueraufschub möglich.
Bei Kapitalgesellschaften ist neu
ebenfalls eine Ersatzbeschaffung von
Beteiligungen an anderen Gesellschaften möglich, wenn die veräusserte Beteiligung mindestens 10% des Kapitals
oder 10% des Gewinns und der Reserven der anderen Gesellschaft ausmacht. Bisher musste die Mindestquote 20% des Kapitals betragen.
3. Entlastung von Selbstständigerwerbenden/Personenunternehmen
Eines der Hauptziele, welche die USTR
II verfolgt, sind gezielte Massnahmen
zur Entlastung von KMUs, insbesondere für Personenunternehmen in
Übergangsphasen. Hierzu dienen diese
Massnahmen, welche per 1.1.2011 umgesetzt werden:
3.1. Verpachtung eines Betriebs
Entschliesst sich ein Unternehmer zur
Verpachtung seines Betriebes, so wird
nach der bisherigen Praxis eine Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit und eine steuerliche Überführung
ins Privatvermögen angenommen,
wenn die Verpachtung länger als fünf
Jahre dauert. Neu gilt eine Verpachtung nur dann als Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit, wenn der
Unternehmer dies bei den Steuerbehörden ausdrücklich beantragt.
Die Aufgabe der unternehmerischen
Tätigkeit wird bei Verpachtungen von
Geschäftsbetrieben somit erst dann
angenommen und besteuert, wenn der
Unternehmer dies tatsächlich verlangt. Erfolgt keine solche Erklärung,
so gilt der daraus fliessende Ertrag
weiterhin als Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit. Dieses Einkommen wird der AHV-Behörde gemeldet.
3.2. Aufschub der
Besteuerung bei Erbteilung
Beim Tod eines Selbstständigerwerbenden geht das Unternehmen auf die
Erben über. Dieser Übergang löst
zunächst keine Einkommenssteuerfolgen aus. Es sind jedoch nicht immer
alle Erben daran interessiert, den Betrieb fortzuführen. Treten diese ihre
Anteile an die weiterführenden Erben
ab, so realisieren die abtretenden
Erben oder Vermächtnisnehmer einen
steuerbaren Liquidationsgewinn.
Neu kann die Besteuerung der stillen Reserven auf Gesuch der den Betrieb übernehmenden Erben bis zur
späteren Realisierung aufgeschoben
werden, soweit diese Erben die bisherigen, für die Einkommenssteuer massgebenden Werte übernehmen.
Die Erben, welche den Geschäftsbetrieb weiterführen, übernehmen damit
die latente Liquidationssteuerlast auf
dem Geschäftsvermögen. Diese Massnahme gestattet, dass die Erben, die
den Geschäftsbetrieb des Erblassers
nicht übernehmen, nicht auf eine sofortige Auszahlung ihres Erbteils bestehen müssen, um die bei der Erbteilung fällig werdende Einkommenssteuer bezahlen zu können. Führt kein
Erbe oder Vermächtnisnehmer den Betrieb weiter, so können sie anstelle des
Erblassers die Liquidationsgewinnbesteuerung geltend machen (siehe 3.4).
3.3. Steueraufschub bei Übertragung
von Liegenschaften vom Geschäftsins Privatvermögen
Wird eine Liegenschaft aus dem Geschäfts- ins Privatvermögen überführt, so werden – obwohl kein Geld
fliesst – die in der Liegenschaft enthaltenen stillen Reserven im Moment
Ausgabe 2/2010– Seite 5
der Überführung aus steuersystematischen Gründen als Geschäftseinkommen besteuert. Bei der direkten Bundessteuer sowie in Kantonen, die bei
der Grundstückgewinnsteuer das dualistische System kennen, wird dabei
die Differenz zwischen dem Buch- und
dem Verkehrswert (Veräusserungserlös) besteuert. Bei den Kantonen hingegen, die bezüglich der Grundstückgewinnsteuer das monistische System
anwenden (u.a. BL, BS), wird lediglich
die Abschreibungsquote (Buchwert
minus Gestehungskosten) besteuert.
Neu kann der Unternehmer verlangen, dass die Einkommenssteuer vorerst nur auf der Abschreibungsquote
veranlagt wird. Die Wertzuwachsquote
(Differenz zwischen Gestehungskosten
und Verkehrswert) wird erst dann veranlagt, wenn die Liegenschaft tatsächlich verkauft und damit der Veräusserungserlös realisiert wird.
Diese Regelung hat in BL und BS lediglich für die direkte Bundessteuer
Bedeutung. In BS und BL, wo entsprechend dem monistischen System die
Grundstückgewinnsteuer sowohl auf
Privat- wie auch auf Geschäftsliegenschaften erhoben wird, kommt es bei
Überführung einer Liegenschaft vom
Geschäfts- ins Privatvermögen aufgrund einer fehlenden Handänderung
ohnehin lediglich zur Besteuerung der
Abschreibungsquote, nicht hingegen
der Wertzuwachsquote.
Es bleibt zu beachten, dass – sofern
ein Steueraufschub beantragt wird –
im Zeitpunkt einer künftigen Veräusserung der Liegenschaft bei der direkten Bundessteuer und den dualistischen Kantonen die Differenz zwischen dem Verkaufserlös (Verkehrswert) einerseits und den massgebenden Gestehungskosten eine Besteuerung erfolgt. Zudem wird im Zeitpunkt
der Veräusserung diese Differenz der
AHV-Behörde gemeldet.
Dies bedeutet aber auch, dass eine
Wertsteigerung auf der Liegenschaft,
die diese seit der Überführung ins Privatvermögen erfahren hat, ebenfalls
USTR-II-Tipp
Die USTR II bietet für Personenunternehmen in Übergangsphasen und für Nachfolgeregelungen diverse neue, interessante
Strukturierungsmöglichkeiten.
Reden Sie unbedingt mit Ihrem
Treuhänder!
besteuert und mit der AHV erfasst
wird. Hätte hingegen im Zeitpunkt der
Überführung vom Geschäfts- ins Privatvermögen eine Abrechnung stattgefunden, wäre diese Wertsteigerung
bei der Direkten Bundessteuer ein
steuerfreier Kapitalgewinn und würde
auch nicht der AHV unterliegen (auf
kantonaler Ebene wird diese Wertsteigerung ohnehin mit der Grundstückgewinnsteuer erfasst).
Sofern erwartet wird, dass Liegenschaften einen bedeutenden Wertzuwachs bis zur Veräusserung erfahren
werden, kann es daher von Vorteil
sein, auf einen Steueraufschub zu verzichten und im Moment der Überführung eine Besteuerung in Kauf zu
nehmen und die AHV abzurechnen.
3.4. Entlastung bei Liquidation
Wird eine selbstständige Erwerbstätigkeit aufgegeben, so werden alle stillen
Reserven auf dem Geschäftsvermögen
realisiert. Die Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit kann dadurch
geschehen, dass der Betrieb stillgelegt
und das Umlauf- und Anlagevermögen
an Dritte veräussert oder ins Privatvermögen überführt wird. Der Betrieb
kann auch weiter bestehen und an
Dritte verkauft werden. In beiden Fällen werden die stillen Reserven auf
dem Geschäftsvermögen aufgelöst. Ein
allfälliger Liquidationsgewinn stellt
steuerbares Einkommen des Unternehmers dar. Nach heutiger Regelung wird
dieser Gewinn zum Zeitpunkt der Auflösung zusammen mit dem übrigen
Einkommen erfasst und besteuert.
Um die Steuerbelastung und die
-progression zu mildern, bestimmt der
Bund, dass bei definitiver Aufgabe der
selbstständigen Erwerbstätigkeit nach
dem vollendeten 55. Altersjahr oder
bei Invalidität neu die in den letzten
beiden Geschäftsjahren realisierten
stillen Reserven (Liquidationsgewinn)
nicht mehr zusammen mit dem übrigen Einkommen, sondern separat und
zu günstigeren Bedingungen besteuert werden. Zudem kann der Liquidationsgewinn zum Decken von Vorsorgelücken und zum Einkauf von Beitragsjahren in die berufliche Vorsorge
verwendet werden. Der Einkaufsbetrag
wird sodann abgezogen und erst beim
späteren Bezug der Vorsorge als Rente,
zusammen mit dem übrigen Einkommen, oder als Kapitalleistung, separat
vom übrigen Einkommen, zum privilegierten Vorsorgetarif besteuert. Nimmt
der Selbstständigerwerbende trotz
Deckungslücke keinen Einkauf vor
oder ist er keiner zweiten Säule angeschlossen, so kann auf Antrag ebenfalls ein Betrag im Umfang der nachgewiesenen zulässigen Deckungslücke
vom steuerbaren Liquidationsgewinn
fiktiv abgezogen werden; jedoch ist
dieser Betrag nicht steuerfrei, sondern
ist, da er dem Unternehmer zufliesst,
als Kapitalleistung aus Vorsorge steuerbar. Der Restbetrag, der nach Abzug
des Vorsorgebedarfs vom Liquidationsgewinn verbleibt, ist ebenfalls separat
steuerbar.
Bei der direkten Bundessteuer wird
für die Bestimmung des Steuersatzes
ein Fünftel des Liquidationsgewinnes
herangezogen, wobei in jedem Fall ein
Mindestsatz von 2% gilt.
BL besteuert den Liquidationsgewinn zu dem Steuersatz, der sich ergäbe, wenn anstelle der einmaligen
Einkünfte eine entsprechende jährliche Leistung ausgerichtet würde, mindestens aber 2%.
BS sieht vor, dass für die Bestimmung des Steuersatzes ein Fünftel des
Gewinnrestbetrags massgebend ist.
Auch bei der Grundstückgewinnsteuer
sehen die Kantone BL und BS entsprechende Reduktionen vor, sofern im
Rahmen der Liquidation Liegenschaften veräussert werden.
Wird ein Personenunternehmen
nach dem Tod des Betriebsinhabers
von den Erben nicht weitergeführt
(siehe 3.2.), so haben auch sie Anspruch auf eine besondere Besteuerung des Liquidationsgewinns. Damit
können sie von den gleichen Steuerfolgen wie der Betriebsinhaber profitieren. Die steuerliche Abrechnung erfolgt spätestens fünf Jahre nach Ablauf des Todesjahres.
3.5. Vorteilhaftere Bewertung von
Wertpapieren im Geschäftsvermögen
Hält ein Personenunternehmen in seinem Geschäftsvermögen Wertschriften, so werden diese bei der Vermögenssteuer gegenwärtig zum Verkehrswert bewertet. Die USTR II sieht neu
vor, dass Wertschriften des Geschäftsvermögens zum steuerlich massgeblichen Buchwert (Einkommenssteuerwert) besteuert werden. Die Bewertung zum Buch- statt zum Verkehrswert bringt für die Personenunternehmen Entlastungen. Sie vereinfacht
ausserdem das Deklarations- und Veranlagungsverfahren, weil bei der Veranlagung des beweglichen Geschäftsvermögens konsequent auf die Bilanzwerte abgestellt werden kann.
Luc Riggenbach
Ausgabe 2/2010 – Seite 6
BVG: Was die Strukturreform bringt
Parlament hat Weg frei gemacht
Am 13.3.2010 hat das Parlament den
Weg freigegeben für die Umsetzung
der Strukturreform in der beruflichen
Vorsorge.
Ziel dieser Strukturreform ist die
bessere Überwachung und Führung der
Vorsorgeeinrichtungen. Vor dem Hintergrund der Vorgänge um Swissfirst
wurden zudem Bestimmungen über
Verhaltensregeln für die Verwaltung
von Vorsorgeeinrichtungen in die Revisionsvorlage eingebaut. Selbstverständlich sind – Sie ahnen es sicher
schon – auch patronale Stiftungen von
dieser Reform betroffen.Die Strukturreform wird in drei Etappen umgesetzt, wobei die erste und die zweite
Auswirkung auf die Vorsorgeeinrichtungen haben und die dritte die Aufsichtsbehörden, die neu zu schaffende
Oberaufsichtskommission sowie die
übrigen Akteure (Stiftungsrat, Revisionsstelle und Experten) betreffen.
Inkraftsetzung
1.1.2011: Massnahmen für ältere Arbeitnehmende;
1.7.2011: Governance- und Transparenzvorschriften;
1.1.2012: Übrige Bestimmungen der
Strukturreform sowie Regelung der
operativen Tätigkeit der neu zu schaffenden Oberaufsichtskommission.
Es sind keine Übergangsfristen vorgesehen!
Massnahmen für
ältere Arbeitnehmende
Mit den folgenden beiden Massnahmen
soll eine erleichterte Beteiligung älterer Arbeitnehmender auf dem Arbeitsmarkt ermöglicht werden:
1. Weiterversicherung des Verdienstes
Die Vorsorgeeinrichtung kann in ihrem
Reglement vorsehen, dass für Versicherte, deren Lohn sich nach dem 58.
Altersjahr um höchstens die Hälfte reduziert, die Vorsorge auf Verlangen der
versicherten Person für den bisherigen
Verdienst weitergeführt wird. Dadurch
kann bei einer Reduktion des Arbeitspensums die berufliche Vorsorge in der
Höhe des bisherigen versicherten Verdienstes weitergeführt werden.
Die Finanzierung erfolgt nicht paritätisch, d.h. eine finanzielle Beteiligung des Arbeitgebers ist nicht erforderlich, aber möglich.
2. Erwerbstätigkeit nach dem
ordentlichen Rentenalter
Die Vorsorgeeinrichtung kann in ihrem
Reglement vorsehen, dass auf Verlangen der versicherten Person ihre Altersleistung bis zum Ende der Erwerbstätigkeit, höchsten jedoch bis zur
Vollendung des 70. Altersjahres, aufgeschoben wird. Dadurch wird eine Erhöhung des Altersguthabens ermöglicht. Mit einer späteren Pensionierung kann zudem eventuell ein höherer Umwandlungssatz zur Anwendung
kommen.
Beide Fälle sind Kann-Bestimmungen, d.h., sofern diese Ermöglichungen gewollt werden, sind die Reglemente entsprechend zu ändern.
Governance- und
Transparenzvorschriften
Neu werden an die Integrität und die
Loyalität aller mit der Verwaltung
einer Vorsorgeeinrichtung oder deren
Vermögens betrauten Personen konkrete Anforderungen gestellt: guter
Ruf, Gewähr für eine einwandfreie
Geschäftstätigkeit, Interessenwahrung
für die Versicherten.
Rechtsgeschäfte, welche die Vorsorgeeinrichtung mit Nahestehenden abschliesst, müssen zu marktüblichen
Bedingungen abgewickelt werden. Sie
müssen gegenüber der Revisionsstelle
offengelegt werden. Die Revisionsstelle hat in diesem Zusammenhang die
Interessenwahrung zu prüfen und
trägt dafür die volle Verantwortung!
Experten sowie Anlageberater und
–manager müssen im Jahresbericht
mit Name und Funktion aufgeführt
werden. Um den Governance-Bestimmungen Nachdruck zu verleihen, sind
auch die Strafbestimmungen im BVG
entsprechend geändert worden!
Auf Verordnungsstufe werden die
Governance- und Transparenzvorschriften ebenfalls verschärft. So soll
das Parallel Running (zeitgleiches Ausführen von eigenen Anlagegeschäften
und solchen für die Vorsorgeeinrichtung) verboten werden.
Weiter wird vorgeschrieben, dass
Vermögensvorteile, die Personen und
Institutionen im Zusammenhang mit
der Ausübung ihrer Tätigkeit für die
Vorsorgeeinrichtung von Dritten erhalten, zwingend an die Vorsorgeeinrichtung abgeliefert werden müssen.
Zudem sollen alle mit der Verwal-
tung einer Vorsorgeeinrichtung oder
deren Vermögen betrauten Personen
zuhanden des Stiftungsrates in einer
Erklärung die Einhaltung der Loyalitätsvorschriften deklarieren müssen
(Offenlegungspflicht).
Bei der Ausweisung der Verwaltungskosten soll eine detailliertere
Auflistung als früher verlangt werden,
damit diese Kosten transparent in der
Jahresrechnung erscheinen.
Zu den Governance- und Transparenzvorschriften wird vor der Inkraftsetzung der neuen Bestimmungen
noch eine Vernehmlassung durchgeführt. Die letzten Details sind also
noch unklar. Unklar ist auch, ob diese
Vorschriften bereits per 31.12.2011
oder erst per 31.12.2012 anzuwenden
sind.
Oberaufsicht wird aktiver
Die Oberaufsicht, operativ tätig ab
1.1.2012, wird deutlicher von der Direktaufsicht über die Vorsorgeeinrichtungen getrennt und neu ausserhalb
der Bundesverwaltung von einer unabhängigen Kommission wahrgenommen
(bisher übte das BSV die Oberaufsicht
aus). Aufgabe der Oberaufsichtskommission wird es sein, für eine einheitliche Aufsichtspraxis zu sorgen und die
Stabilität des Systems der 2. Säule zu
garantieren. Sie wird Standards festlegen können und damit für die Qualitätssicherung zuständig sein. Sie hat
ein Weisungsrecht gegenüber den Aufsichtsbehörden und den Prüfungsorganen. Zudem verantwortet sie die Zulassung von Experten (neu) und Revisionsstellen (bereits bestehend – in
Koordination mit der Revisionsaufsichtsbehörde). Sie übt die Direktaufsicht aus über die Anlagestiftungen,
den Sicherheitsfonds und die Auffangeinrichtung. Ausserdem wird sie ein
Geschäfts- und Organisationsreglement sowie eine Gebührenordnung zu
erlassen haben. Die Oberaufsicht erhält eine aktivere und regulatorisch
weitergehende Funktion als bisher.
Rolle der Direktaufsicht wichtiger
Die Stellung der Direktaufsicht wird
gestärkt, indem ihre Aufgaben, Kompetenzen und die zur Verfügung stehenden Aufsichtsinstrumente klarer
geregelt werden. Die Direktaufsicht
wird neu von den Kantonen wahrgenommen und muss künftig verwal-
Ausgabe 2/2010 – Seite 7
tungsunabhängig in der Form einer öffentlich-rechtlichen Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit ausgestaltet
werden. Die bisher vom Bund beaufsichtigten Vorsorgeeinrichtungen mit
nationalem oder internationalem Charakter werden in die Direktaufsicht der
Kantone überführt, wobei der Zeitdruck dieser Umsetzung erheblich ist.
Die Details sind noch nicht geregelt.
Auch auf dieser Stufe müssen Geschäfts- und Organisationsreglemente
sowie Gebührenordnungen geschaffen
werden und die öffentlich-rechtlichen
Anstalten ab 1.1.2012 samt Organisation, Budget und Infrastruktur installiert sein.
Aufgaben für Stiftungsräte
Für den Stiftungsrat sind die Aufgaben
in Art. 51 a BVG klar zugewiesen:
• Finanzierungssystem festlegen;
• Leistungsziele und Vorsorgepläne
sowie die Grundsätze für die Verwendung der freien Mittel festlegen;
• Reglemente erlassen und ändern;
• Jahresrechnung genehmigen;
• Festlegung der Höhe des technischen Zinssatzes und der übrigen
gesetzlichen Grundlagen;
• Festlegung der Organisation der
Vorsorgeeinrichtung;
• Ausgestaltung des Rechnungswesens;
• Sicherstellung der Information der
Versicherten;
• Sicherstellung der Erstausbildung
und der Weiterbildung;
• Ernennung und Abberufung der
Geschäftsführung;
• Wahl und Abberufung des Experten
und der Revisionsstelle;
• Entscheid über die ganze oder teilweise Rückdeckung der Vorsorgeverpflichtungen und über allfällige
Rückversicherer;
• Festlegung der Ziele und der Grundsätze der Vermögensverwaltung
sowie der Durchführung der Überwachung des Anlageprozesses;
• Periodische Überprüfung der mittelund langfristigen Übereinstimmung
BVG-Tipp
Prüfen Sie, ob die Massnahmen
für ältere Arbeitnehmende in
Ihrer Vorsorgeeinrichtung sinnvoll sind und leiten Sie die entsprechenden Reglementsanpassungen ein. Wir beraten Sie bei
der Umsetzung gerne.
zwischen der Anlage des Vermögens
und den Verpflichtungen der Vorsorgeeinrichtung.
Aufgaben für die Revisionsstelle
Für die Revisionsstelle ergeben sich
neue und zusätzliche Aufgaben:
Umformuliert und verstärkt wurde
die Prüfung der Vorkehrungen zur
Sicherstellung der Loyalität in der Vermögensverwaltung und der hinreichenden Kontrolle über die Einhaltung
der Loyalitätspflichten durch den Stiftungsrat.
Eingang in das Gesetz gefunden
haben drei neue Prüfungen, bei denen
es sich um Teilbereiche der Geschäftsführungsprüfung handelt:
1. Prüfung, ob die freien Mittel oder
die Überschussbeteiligungen aus dem
Versicherungsvertrag in Übereinstimmung mit den gesetzlichen und den
reglementarischen Bestimmungen verwendet wurden.
2. Prüfung, ob die vom Gesetz verlangten Angaben und Meldungen an
die Aufsichtsbehörde gemacht wurden.
3. Prüfung, ob Art. 51 c BVG eingehalten wurde, d.h., ob die von Vorsorgeeinrichtungen abgeschlossenen Rechtsgeschäfte mit Nahestehenden marktüblichen Konditionen entsprechen und
ob in den offenen Rechtsgeschäften
die Interessen der Vorsorgeeinrichtungen gewährt sind.
Aufgaben für Experten
Für den Experten für berufliche Vorsorge ergeben sich ebenfalls neue Aufgaben. Der Experte hat dem Stiftungsrat Empfehlungen zu folgenden Bereichen abzugeben:
1. über die Höhe des technischen Zinssatzes und der übrigen technischen
Grundlagen;
2. über die Massnahmen, die im Falle
einer Unterdeckung einzuleiten sind.
Gestützt auf Verordnungen und Weisungen war dies bereits gelebte Praxis,
jetzt ist es in das Gesetz übernommen
worden analog der Bestimmung, dass
der Experte der Aufsichtsbehörde melden muss, wenn die Empfehlungen
nicht befolgt werden und dadurch die
Sicherheit gefährdet erscheint.
Konsequenzen und
Schlussfolgerungen
Die Aufsicht wird verstärkt. Es werden
an alle Organe höhere Anforderungen
gestellt. Durch die klare Umschreibung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten innerhalb der Vorsorgeeinrichtung und der Regelung des Ver-
hältnisses zwischen Vorsorgeeinrichtung, Revisionsstelle und Experte wird
nach allgemeinem Konsens eine erhöhte Rechtssicherheit erreicht.
Stiftungsrat bleibt oberstes Organ
Die Verantwortung des Stiftungsrates
hat sich durch die Strukturreform
grundsätzlich nicht geändert. Als
oberstes Organ wird er dem Verwaltungsrat gleichgestellt. Die oben aufgeführten 14 Aufgaben werden als
unübertragbare und unentziehbare
Aufgaben des Stiftungsrates bezeichnet, bei denen die Verantwortung
nicht wegbedungen werden kann.
Klare, belegbare Entscheidungen
Damit müssen die Entscheidungsprozesse im Stiftungsrat belegbar und
nachvollziehbar sein. Dafür sind entsprechende Kontrollsysteme einzurichten.
Sind autonome PKs noch tragbar?
Es wird sich weisen, inwiefern Unternehmen die mit autonomen Pensionskassen verbundenen Aufgaben und
Haftungsrisiken weiterhin zu tragen
bereit sind.
Die Tendenz, sich einer Sammeloder einer Gemeinschaftsstiftung
anzuschliessen, dürfte sich mit der
Strukturreform noch verstärken.
Für patronale Stiftungen gelten die
gleichen gesetzlichen Grundlagen. Die
Zahl dieser Stiftungen dürfte weiter
sinken, da viele Unternehmen nicht
mehr bereit sind, den weiterhin steigenden administrativen Aufwand zu
tragen.
Beat Hersperger
Hersberger Revisionsgesellschaft AG
Jurastrasse 45
4411 Seltisberg
Telefon 061 915 90 60
Fax 061 915 90 70
E-Mail info@hersberger-revi.ch
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Nachfolgeplanung: Wieder neu betrachtet
Im KMUinfo 2/2007 habe ich dieses
Thema bereits einmal ähnlich angepackt. Inzwischen ist Zeit verstrichen
und viel passiert. Im Herbst 2007 sah
die Welt noch anders aus und der Zeitpunkt für eine finanziell gute Nachfolgelösung schien ideal. Heute wissen
wir, dass die Zeiten schnell und heftig
ändern können. Aber: Gut geführte
Firmen sind immer noch da, wenn
auch da und dort am Erfolgsrezept Anpassungen nötig wären.
Der Zeitpunkt ist immer günstig,
aber manchmal günstiger
Nun, 2010 und für 2011, sehen die
Wirtschaftsprognosen gut aus und wir
dürfen auf mittlere Frist auf ein positives Szenario hoffen. Die Möglichkeit
eines vertrauensvollen Blickes in die
Zukunft macht den Zeitpunkt für konkrete Schritte in der Unternehmensnachfolge von Neuem günstig. So gesehen gilt es jetzt zu handeln, wo dies
ohnehin bald erforderlich ist.
Nachfolgefragen sind komplex
und mit Emotionen verbunden
Es erstaunt nicht, dass auch stramme
Unternehmer oftmals den Sprung über
das Hindernis verweigern und lieber
nochmals zu einer neuen Anlaufrunde
ausbrechen. Ganz abgesehen von dem
Nachfolger, den man ja erst einmal
haben muss!
Hohe Motivation oder Handlungsdruck verleihen Durchschlagskraft
Nur wenn der Unternehmer persönlich
wirklich will oder durch konkrete Fakten genötigt wird, handelt er.
Das mag nicht ideal sein, aber entspricht oft der Realität. Was uns
bleibt, ist, das Thema Nachfolge à jour
zu halten, die personellen und betriebswirtschaftlichen Faktoren laufend zu überprüfen und fit zu halten.
Wichtig für das Nachfolge-Timing
• Gute Bilanzstruktur und Ertragskraft
• Stabile Personalsituation im Kader
Impressum
KMUinfo erscheint zweimal pro
Jahr. Nachdruck unter Quellenangabe erlaubt. Konzept: Edwin
Tschopp, Fotos: KMUinfo, Cartoon:
Rolf Meier (Roloff), Druck: Express
Druck, Basel.
• Günstige Geschäftsaussichten
(Budgets, Konjunktur)
• Handlungsbereite Finanzierungspartner (Banken, Darlehensgeber)
• Logik und Machbarkeit des Nachfolgekonzeptes
Wer? – Die Antwort ist zentral!
Glück hat der Unternehmer, der im
Familienkreis den fähigen und motivierten Nachfolger findet oder sein Lebenswerk seinem Kader veräussern
kann. Solche Projekte kann ein erfahrener Treuhänder begleiten und rechtlich und steuerlich verlässlich umsetzen. Die professionelle Begleitung im
Sinne von Merger & Acquisition (M&A)
wird dagegen oft auf Erfolgsbasis mit
teilweisem Beratungsbudget abgewickelt. Die Vernetzung und die
Verhandlungserfahrung eines M&ABeraters können viel zum finanziellen
Erfolg der Transaktion beitragen, währenddem Steuer- und Finanzfragen
auch in diesem Szenario durch den angestammten, versierten Treuhänder
aus der besonderen Nähe beurteilt
werden können.
Preisbestimmend sind das
Nachfolgekonzept und das Timing
Abgesehen davon, dass sich insbesondere Kleinunternehmer teilweise Illusionen über den Wert ihres Unternehmens machen, gilt es festzuhalten,
dass die Art der Nachfolge stark preisbestimmend ist:
Nachfolge im Familienkreis
Meist zurückhaltende Bewertung, teilweise mit Erbvorbezug verknüpft.
Steuerliche und familiäre Anreize tendieren zur Abrundung. Muss sich der
Unternehmer leisten können (Lebensbedarf ermitteln und sicherstellen!).
Auch Miterben müssen gerade bei substanzstarken, aber ertragsschwachen
Firmen Familiensinn zeigen. Erbvertragliche Regelung ist zumeist zu empfehlen – immer aber Transparenz im
Familienkreis!
Nachfolge im Mitarbeiterkreis
Massvolle Bewertung angezeigt. Zumeist beschränkte finanzielle Ressourcen bei Nachfolgern. Unternehmer
muss allenfalls Teile des Kaufpreises
stehen lassen oder sich aus zukünftigem Erfolg zahlen lassen (earn-out).
Beides braucht Kreditwürdigkeit und
Vertrauen.
Nachfolge-Tipp
Halten Sie das Thema Nachfolge
aktuell. Setzen Sie sich Termine
im mittelfristigen Zeithorizont
und ziehen Sie sich mit Familie,
Kader oder einer Vertrauensperson mindestens einmal jährlich
zurück, um einige Stunden nur
dieses Thema zu überprüfen
und zu entwickeln. Ein Datum
eine Woche nach der Ferienrückkehr ist dazu ideal!
Nachfolge durch Verkauf an Dritte
Höchstes Ergebnis wird der Verkauf an
einen strategischen Partner bringen,
der sich Märkte, Know-how und Personal in Zeiten guter Konjunktur sichern
will. Reine Finanzinvestoren drücken
auf den Preis, da oft extrem hohe Ertragsvorgaben in die Ertragswertformel eingebaut werden, was den Unternehmenswert bzw. das Preisangebot
nach unten drückt. Vorgelegte Verträge sind sehr sorgfältig zu prüfen.
Steuerfallen vermeiden! Steuerplanungschancen realisieren!
Fazit
Alle reden von Nachfolgeregelung.
Zum Handeln braucht es reichlich Vorlaufzeit – da braucht es den Unternehmer mit Kopf, Herz und Hand!
Rudolf Brauchli
Alltax AG Region Zürich
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