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Hilfe! Was soll bloß aus uns werden? - Forum Lokaljournalismus

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Rems-Murr
C
1
Nummer 22 – RMR1
Freitag, 28. Januar 2011
RUNDSCHAU
Das Forum Lokaljournalismus
Von Apps über
Twitter bis
Youtube
Was ist was in der Welt der
modernen Kommunikation
ᔢ Apps: Abkürzung für Applikationen;
praktische
Anwendungen
für
Smartphones. Es handelt sich um herunterladbare und teils kostenpflichtige Programme, die beispielsweise das
Smartphone um weitere Funktionen
erweitern. Zum Beispiel Spiele und
Softwareanwendungen.
ᔢ Smartphone ist ein Multifunktionsgerät und im Prinzip eine Kombination
aus Handy und Handheld- oder PDAComputer. PDAs - Personal Digital
Assistents - sind kleine Computer mit
der Größe eines Taschenrechners.
ᔢ Das iPhone ist ein Smartphone von
Apple, mit dem man mehr als telefonieren, SMS schreiben und fotografieren kann.
ᔢ Das iPad ist sozusagen der große Bruder des iPhones. Es ist nicht als Notebook- oder gar Festrechner-Ersatz angedacht, sondern ein Tablet-PC, der
vorrangig für die Wiedergabe von Fotos, Videos, das Surfen im Web sowie
Spiele und als E-Book-Reader (Lesegerät für elektronische Bücher) konzipiert wurde.
ᔢ Mit dem Smartphone oder iPad kann
man entweder übers Telefonnetz ins
Internet zugreifen oder über WLAN:
Ein „Wireless Lan“ ist oft billiger. Kabellose Internetnetzwerke gibt es an
vielen öffentlichen Orten.
ᔢ Touchscreen:
Bildschirm
bei
Smartphones oder anderen Computern, der durch Berührung mit den
Fingern bedienbar ist.
ᔢ Facebook ist ein soziales Netzwerk im
Internet. Die Nutzer können sich mit
ihrem Profil präsentieren und Verknüpfungen zu Freunden herstellen.
Mit diesen tauschen sie sich dann online aus. Das Netzwerk wurde 2004 gegründet und hat heute weltweit über
eine halbe Milliarde Mitglieder. Inzwischen haben auch Unternehmen oder
Zeitungen ihr Profil in Facebook.
ᔢ Twitter ist ein
Service im Internet, der den
Austausch von
Kurznachrichten auch per
Handy ermöglicht.
Nutzer
können Nachrichten schreiben und empfangen.
Die
Nachrichten
werden „Updates”
oder
„Tweets” (englisch to tweet = „Always in touch“
zwitschern) ge- heißt: Übers Smartphonannt. Dabei er- ne, iPad oder Notebook
hält man nur die immer und überall erNachrichten von reichbar zu sein.
Bild: Habermann
Nutzern, die selber ausgewählt
wurden. Wenn Nutzer Nachrichten
schreiben, werden diese entsprechend
nur den Nutzern angezeigt, die diesem
Nutzer folgen („followen“).
ᔢ Unter Netiquette (englisch net = Netz
und etiquette = Etikette) werden die
Benimmregeln für das Verhalten im
Internet verstanden. Durch Social Media wieder aktuell.
ᔢ Social Media (deutsch: soziale Medien)
ist der Überbegriff für Medien, in denen Internetnutzer Meinungen, Eindrücke, Erfahrungen oder Informationen austauschen und Wissen sammeln.
ᔢ Crossmedia bezeichnet die Tatsache,
dass beispielsweise eine Zeitung oder
auch eine Werbekampagne über verschiedene Medien kommuniziert. Die
Medien werden dabei so aufeinander
abgestimmt eingesetzt, dass sich die
Medien ergänzen und verstärken.
ᔢ Mobile Informationsdienste beinhalten redaktionelle Inhalte, die über mobile Medien wie Handys vertrieben
werden: Nachrichten, Finanzdienste
und Börsenberichte (Mobile Banking),
Reisedienste (Fahrpläne, Flug- und
Zugverbindungen), Mobile Ticketing
oder Werbung (Mobile Marketing).
ᔢ Web 2.0 ist Kurzbegriff für das Mitmach-Web, bei dem Internet-Nutzer
aufgefordert sind, ihre Erfahrungen
und ihr Wissen mit anderen InternetNutzern zu teilen.
ᔢ YouTube ist ein Videoportal. Nutzer
können dort eigene Videos hochladen
und diese zur Ansicht freigeben. YouTube-Videos können auch auf Webseiten oder Weblogs eingebunden werden.
ᔢ Ein Weblog ist ein Journal, das ein
Blogger im Internet führt. Die Blogger
geben unkompliziert und subjektiv
Kommentare zu aktuellen Ereignissen
oder persönlichen Erlebnissen wieder.
ᔢ In einer Online-Community tauschen
sich die Teilnehmer aus. Meist verfolgen sie ein gemeinsames Ziel, was zum
Beispiel die Vermittlung von speziellem Wissen sein kann. Typische Beispiele für eine Online-Community ist
ein Forum von Spielern eines beliebten
Computerspiels oder auch ein Chatraum in einer Partnerbörse.
Hilfe! Was soll bloß aus uns werden?
Zwischen Papierzeitung und digitaler Avantgarde: Unzeitgemäße Betrachtungen eines Gestrigen
Von unserem Redaktionsmitglied
Peter Schwarz
Waiblingen.
Schrumpfende Anzeigenerlöse, sinkende Abozahlen, digitale Konkurrenz –
die Zeitung steht unter Druck. Wie
müssen die Verlage, wie die Journalisten
sich wandeln, um künftig noch bestehen zu können? Darum ging es gestern
beim Forum Lokaljournalismus. Wir
berichten darüber auf den folgenden
Seiten – und stellen voran: unzeitgemäße Betrachtungen und kleinmütige
Besorgnisse eines Gestrigen . . .
Die gute, alte Papierzeitung ist ein Saurier.
Die treuen Abonnenten werden älter und
älter – die jungen Leute aber flottieren frei
im Netz. Die Zukunft gehört der multimedialen Digitalmoderne: Hyperlocal Experiences! Apps! Always in Touch mit der Leserschaft, via Facebook und anderen Social
Media! Digital Thinking! Sätze, die am
Mittwoch fallen im Waiblinger Bürgerzentrum beim Forum Lokaljournalismus: Traditionelle Zeitungsverlage werden in zehn
Jahren komplett überflüssig sein, wenn sie
sich nicht grundstürzend verändern. Der
Journalismus muss sich neu erfinden.
Du kommst dir irrsinnig altbacken vor als
Schreiberling mit Blöckle und Kuli in dieser Runde der Vordenker und Avantgardisten: Jeder Zweite hat ein Laptop vor sich
stehen oder beharkt ein iPad, jeder ist überall: realkörperlich in Waiblingen, gleichzeitig via E-Mail-Austausch in der Heimatredaktion, via News-Liveticker in Ägypten,
via Facebook bei „Freunden“, via Twitter
in der großen weiten Zwitscher-Voliere.
Und du? Schaust dich beklommen um und
bist einfach bloß hier.
Der niederländische Referent Bart Brouwers sagt, der Journalist der Zukunft kann
sich nicht mehr in seinem gedanklichen Elfenbeinturm verschanzen und den Lesern
meinungshoheitlich die Welt erklären. Der
Journalist der Zukunft ist ein Moderator,
gleichrangig stehen seine Texte neben denen der bloggenden, twitternden Leser.
Raus aus der Einbahnstraße:
Die digitale Interaktivität
Das ist so faszinierend wie einleuchtend:
Wenn sich die traditionelle kommunikative
Einbahnstraße – der Journalist ist Sender,
der Leser Empfänger, Punkt – in einen Betrieb mit Gegenverkehr verwandelt, wenn
der Redakteur permanent im Auge behält,
was im Netz diskutiert wird, wenn er dort
mitmischt, seine Texte zur Debatte stellt
Bart Brouwers am Laptop: Der moderne Journalist mag realkörperlich hier sein – virtuell ist er gleichzeitig immer auch woanders.
und von den Lesern kommentieren lässt,
wenn er die dabei gewonnenen Erkenntnisse wiederum in seinen nächsten Bericht einfließen lässt und akzeptiert, dass seine
Stimme nur eine von vielen ist im interaktiven Gebrodel – dann würde er vielleicht
manchmal schneller begreifen, was die
Leute interessiert. Dann hätte er vielleicht
früher mitgekriegt, wie breit der Protest gegen Stuttgart 21 bereits war, als darüber
noch nirgendwo auf bedrucktem Zeitungspapier was zu lesen stand.
Brouwers empfiehlt auch, die traditionelle Mauer zwischen kommerziellen und redaktionellen Inhalten einzureißen, er zeigt
ein Internetportal, auf dem von MarketingLeuten eingespeiste Texte und Nachrichten-Beiträge optisch fast ununterscheidbar
nebeneinanderstehen. Und noch ein Brouwers-Satz: Der Journalist muss sich als
„Entrepreneur“ verstehen, muss unternehmerisch denken.
Frage in der Pause an einige Zuhörer: Ist
das unumstritten, was Brouwers gesagt hat?
„Ja.“ – „Klar.“ – „Unumstritten.“ Ach,
denkst du, und du hast dabei ein mulmiges
Gefühl gehabt; weil du gedacht hast, Werbung und Nachrichten seien zwei paar Stiefel; weil du dir pathetisch eingebildet hast,
deine Aufgabe sei es, zu schreiben, was du
für wahr hältst, und nicht, Geschäftsmodelle zu erschließen. Herrje, du bist ein Moralist der marderalten Schule.
Der Lokaljournalist der Zukunft wird
nicht bloß Texte für die Zeitung schreiben,
er wird Video-Blogs drehen, minutenaktuelle Informationen in die verschiedensten
medialen Kanäle schütten. Das klingt spannend. Und ein bisschen beängstigend. Man
kommt ja jetzt schon kaum rum mit seinem
Geschäft . . . Bist du hier der Einzige, der so
bedenkenträgerisch vor sich hin trotzt?
Uwe Rolf Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme, sagt: Man solle nicht so
tun, „als wären wir im Hospizdienst und die
Chefredakteure nur Sterbebegleiter der Tageszeitung“. Denn die angeblich zum Tode
verurteilte Papierzeitung bringt ja immer
noch vielerorts sehr gutes Geld, während
selbst die innovativsten Multimedia-Konzepte bislang in der Regel nicht kostendeckend funktionieren. Und, sagt Heer, ganz
Bild: Bernhardt
einfach sei das ja nicht: gute Geschichten
schreiben, ausführlich recherchiert, ordentlich formuliert, investigativen Lokaljournalismus betreiben – und dazu bloggen, filmen, twittern, online diskutieren.
Und nun geschieht etwas Seltsames: Beifall; durchsetzt gar mit BegeisterungsJuchzern. Offenbar schwirrt doch nicht nur
dir der Kopf.
Es kann nicht alles bleiben, wie es ist – so
viel hast du kapiert. Die Zukunft birgt
Chancen! Aber wie sollen wir alte Tugenden bewahren und uns gleichzeitig neu erfinden? Wie sollen wir verlässlich und
gründlich bleiben, Komplexes zu Ende denken und gleichzeitig immer schneller, multimedialer, interaktiver werden? Die Zukunft wird spannend. Und kompliziert.
Ach, die gute alte Zeitung: Man kann sie
lesen, das Frühstücksei draufkleckern, den
Fisch damit einpacken, ein Hütchen daraus
falten . . . Stopp! Jetzt klingst du wirklich
wie einst Kaiser Wilhelm II.: „Das Auto hat
keine Zukunft. Ich setze auf das Pferd.“
@ www.forum-lokaljournalismus2011.de
Oberste Pflicht: Den Leser ernst nehmen
Ob bei Stuttgart 21 oder in Alltagsgeschichten, dem Lokaljournalismus geht’s um Qualität
Doch es muss nicht immer der große
Skandal sein, der beim Lesen fesselt. Beim
Weser-Kurier in Bremen hat Chefredakteur
Lars Haider festgestellt: Es interessieren
auch Alltagsgeschichten. Vorausgesetzt, sie
sind spannend und elegant erzählt. Erreichen sie die Leser dann auch noch multimedial, also über die Zeitung und übers Internet, umso besser. Denn solche Situationen
kennt doch jeder: Die EC-Karte wird plötzlich vom Bankautomaten eingezogen oder
nach Jahrzehnten im Beruf beginnt das
Rentnerdasein – und jetzt? Dass die Zeitung
konkrete Alltagshilfen gibt, hat seinen Reiz.
Mit dem „Storytelling“ wird sich ein Modellseminar in Gummersbach beschäftigen.
Dass die Leserinnen und Leser – gerade
bei Wirtschaftsthemen – mehr lesen wollen
als Bilanzen und Unternehmensporträts,
dafür wirbt Michael Ohnewald von der
Stuttgarter Zeitung. Seit acht Jahren rückt
er Menschen in den Mittelpunkt – und nicht
„Fakten, Fakten, Fakten“. Tagesaktuell
lassen sich solche Geschichten freilich nicht
liefern: Drei Tage kann Ohnewald sich in
der Regel Zeit nehmen für seine Reportagen. Auf Halb-Stunden-Termine lässt er
sich mit seinen Gesprächspartnern grundsätzlich nicht ein. Geht’s ihm doch nicht
nur um den Inhalt, sondern auch um das atmosphärische Drumrum. Die Leser honorieren’s: „Es ist ein Trugschluss, dass lange
Geschichten nicht gelesen werden, sie müssen nur gut gemacht sein.“
Michael Ohnewald stellt den Menschen in den Mittelpunkt.
Lars Haider, Chefredakteur des Weser-Kuriers,
wirbt für Alltagsgeschichten.
Von unserem Redaktionsmitglied
Barbara Pienek
Waiblingen.
Stuttgart 21 ist überall. Seitdem die
Schwaben gegen den Umbau des Hauptbahnhofs und die Arroganz der Mächtigen massenhaft auf die Straße gegangen sind und noch immer gehen,
denkt auch der Lokaljournalismus neu:
Das Aufbegehren der Bürger wird als
Chance für die Berichterstattung begriffen. Doch nicht nur der Protest soll
ernst genommen werden. Die Alltagssorgen der Leser ebenfalls.
Die Bundeszentrale für politische Bildung
leistet sich ein eigenes Lokaljournalistenprogramm. Jährlich veranstaltet sie, wie
seit Mittwoch gemeinsam mit dem Zeitungsverlag Waiblingen im Bürgerzentrum,
das Forum Lokaljournalismus. Wesentlicher Grundpfeiler des Programms sind aber
auch Modellseminare, in denen Lokaljournalisten immer wieder Qualitätsarbeit leisten. In diesem Jahr werden sie sich Ende
Mai in Rostock mit dem Aufbegehren des
Bürgers beschäftigen – als Chance für den
Lokaljournalismus. Haben Medienschaffende doch spätestens seit Stuttgart 21 erkannt: Der Bürger lässt sich, wenn’s für ihn
wichtig ist, nicht gern von oben eine Sicht
der Dinge aufdrücken. Bürger wollen ernst
genommen werden – und das gilt auch für
die Zeitungsleser.
Monatelang Demonstrationen gegen
Stuttgart 21, seitenweise Leserbriefe – das
ist Ausdruck dieses Bedürfnisses. Und
Stuttgart 21 ist überall: Andreas Tyrock,
Chefredakteur des Bonner General-Anzeigers, konnte im Forum von einem Bonn 21
berichten. Auch hier begehren Bürger auf –
gegen den Bau des World Conference Cen-
Andreas Tyrock, Chefredakteur des Bonner General-Anzeigers, berichtet im Gespräch mit Joachim Braun
vom Tölzer Kurier von Bonn 21.
Bilder: Bernhardt
ters. Von der Politik als alternativlos dargestellt, hat es sich mittlerweile zur 300-Millionen-Euro-Falle entwickelt. Dass die Redaktion des Bonner General-Anzeigers sich
überhaupt des Themas annahm und mittlerweile in 53 Folgen darüber berichtet hat,
ist kritischen Bürgern zu verdanken: Sie
waren für die Redaktion „Impuls- und Ideengeber“, wie Chefredakteur Tyrock berichtete. Mittlerweile steht – als Ergebnis
der Recherche – die ehemalige Oberbürgermeisterin kurz vor der Haftstrafe. Möglich
war die Aufdeckung des Skandals indes nur
mit einem kompetenten, engagierten Reporterteam, das beim Arbeiten nicht auf die
Uhr geschaut und manche Nacht durchgemacht hat. Welche Lehren sich aus Stuttgart 21 und aus Bonn 21 ziehen lassen, darüber wird Tyrock beim Modellseminar mit
Lokaljournalisten diskutieren.
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