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Design-Trends Was auf der Kölner Möbelmesse imm cologne

EinbettenHerunterladen
Januar 2009
SPEZIAL
WOHNEN MIT STIL
Design-Trends
Stoffträume
Homestories
Was auf der Kölner Möbelmesse imm cologne angesagt ist
Die Weber aus dem Norden und ihre Kreativen
Richtig viel Platz zum Leben
WWW.IMM-COLOGNE.DE
DIE INTERNATIONALE MÖBELMESSE
WO SIND DIE MÖBELTRENDS?
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D E S I G N I N H A LT
WOHNTRENDS
Eine Jury zeigt auf der
imm cologne vier Stile
für 2009: vom neuen
Überschwang bis zur
Rückbesinnung auf das
Wesentliche (Foto)
5
ÖKO-SCHICK
Der New Yorker Designer
Stephen Burks schafft
Kultmöbel aus Altpapier
wie den „Love“-Tisch, der in
Südafrika gefertigt wird
12
K A F F E E - K U LT
14
Espressomaschinen für
Design-Liebhaber
und Augenmenschen
– und wo Sie die besten
Tipps zum Brauen
des Heißgetränks finden
18
SZENE KÖLN
Wo sich die Design-Szene die Klinke in die Hand gibt –
beliebte Treffpunkte wie die neue „Kunstbar“
DESIGN-DUO
20
Frankreichs Shootingstars der Möbelszene: Die Brüder Ronan und
Erwan Bouroullec zeigen in Köln ihren neuen Raumteiler „Clouds“
22
STOFFTRÄUME
Von Jütland in die Welt: Das dänische Textilunternehmen Kvadrat
beliefert die bekanntesten Designer, Möbelhersteller und Architekten
24
HOMESTORIES
Zwei Traumwohnungen und
eine Villa: Hausbesuche in
Düsseldorf, Köln und Münster
– vom Penthouse am Hafen
bis zur Jugendstil-Villa
mit Bertoia-Sesseln (Foto)
ENERGIESPENDER
30
Skulptural gestaltete Heizkörper geben stilvoll Wärme
F OCUS -SPEZIAL „WOHNEN MIT STIL“
FOCUS Magazin Verlag GmbH, Arabellastraße 23, 81925 München, Postfach 81 03 07, 81903 München, Telefon: 0 89/92 50-0, Fax: 0 89/92 50 - 20 26
Herausgeber: Helmut Markwort
Chefredakteure: Helmut Markwort und Uli Baur
Stellvertretender Chefredakteur: Stephan Paetow
Art Director: Manfred Neussl
Titel: Eva Dahme
Chef vom Dienst: Sonja Wiggermann
Konzeption & Redaktion: Gabi Czöppan
Mitarbeiter dieser Ausgabe: Ulrike Bartholomäus, Gabi Czöppan,
Michael Franke, Matthias Kietzmann, Pascal Morché, Jochen
Schuster, Thomas van Zütphen
Grafik: Kristina Runge
Bildredaktion: Edith Eberl, Sirka Henning
Bildtechnik: Harry Neumann (Ltg.)
Bildbearbeitung: Reinhard Erler (Ltg.)
Dokumentation/Schlussredaktion: Dr. Martin Seidl,
Petra Kerkermeier (stellv.)
Produktion/Herstellung: Peter Kiac˘ek, Helmut Janisch
Redaktionstechnik: Ingo Bettendorf, Peter Gaberle
FOCUS-Spezial „Wohnen mit Stil“ erscheint in der
FOCUS Magazin Verlag GmbH. Verantwortlich für den
redaktionellen Inhalt: Helmut Markwort
Die Redaktion übernimmt keine Haftung für unverlangt
eingesandte Manuskripte, Fotos und Illustrationen.
Nachdruck ist nur mit schriftlicher Genehmigung
des Verlags gestattet. Dieses gilt auch für die Aufnahme
in elektronische Datenbanken und Vervielfältigungen
auf CD-ROM. Sofern Sie Artikel aus FOCUS-Spezial
in Ihren internen elektronischen Pressespiegel
Titel: Courtesy: Trendbuch Kölnmesse
Lampe: Kartell, Kommode: Established & Sons, Liege und Teppich: Moroso
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Michael Mergenthal, Telefon 0 89/92 50-20 76,
Fax: 0 89/92 50-2494, michael.mergenthal@focus.de
Verantwortlich für den Anzeigenteil: Marlene Gunesch,
Arabellastraße 23, 81925 München, Telefon: 0 89/
92 50-29 50/51, Fax: 0 89/92 50-29 52. Es gilt die
Anzeigenpreisliste Nr. 20, gültig seit 1. Januar 2009.
Geschäftsführer: Helmut Markwort, Frank-Michael Müller
Druck: Burda GmbH, Hauptstraße 130, 77652 Offenburg,
Telefon: 07 81/84 01; Printed in Germany
Verleger: Dr. Hubert Burda
Fotos: O. Krato, Courtesy: Trendbuch Kölnmesse, D. Hudson, Hachette/Rossi Xavier
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DESIGN INTRO
TRENDBÖRSE
D
ie Farbe der Saison ist eindeutig Grün: Grün steht für Natur und
Umweltbewusstsein, für Frische, Optimismus und gute Laune.
In Stimmung bringt diese Woche in Köln viele, wenn am Montag die Möbelmesse imm cologne eröffnet: Design-Fans freuen sich
über neue Trends und Ideen, die Branche blickt in ein hoffnungsfrohes Jahr. Glaubt man zumindest den guten Prognosen des Verbands
der Deutschen Möbelindustrie, läuft das Geschäft der Einrichter trotz
oder gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise gut. Entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend haben die deutschen Einrichter im dritten Quartal des vergangenen Jahres ein Plus von 1,5 Prozent verzeichnet. Für
2009 prognostiziert Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie, sogar ein Wachstum von zwei
bis vier Prozent. Bei einem Volumen von knapp 20 Milliarden Euro ist
das kein Pappenstiel.
Die Zauberworte heißen „Homing“ oder „Cocooning“, zu Deutsch
„verpuppen“ oder schlicht: es sich zu Hause gemütlich machen. „Immer dann, wenn die Menschen größere Unsicherheit verspüren, bekommt das eigene Zuhause und die damit verbundene Geborgenheit
und Sicherheit einen höheren Stellenwert“, erklärt Dirk-Uwe Klaas.
„Die Möbelindustrie kann dieses Bedürfnis befriedigen.“
Die Trends für 2009, die dieses Lebensgefühl ausdrücken, stellt
die Kölner Messe in einem „Trendbook“ und einer Sonderschau vor.
Fünf Experten haben darin die vier Hauptströmungen auf den Punkt
gebracht. Aus Stockholm reiste der Architekt Eero Koivisto nach Köln,
aus New York Designer Stephen Burks, aus Paris der israelische Kreative Arik Lévy. Die Jury komplettierte der italienische Textilberater
Giulio Ridolfo und der Londoner Kritiker Marcus Fairs. Was sich unter
den extravaganten Begriffen „Extra Much“, „Near and Far“, „Tepee
Culture“ und „Re-Run Time“ verbirgt, verraten wir auf den nächsten
Seiten. Zudem stellen wir Stephen Burks mit seinen Recycling-Möbeln vor, die Pariser Bouroullec-Brüder, ein Stoffimperium aus Dänemark, schöne Heizkörper und funktionale Espressomaschinen sowie
drei Traumwohnungen zwischen Köln und Münster.
GABI CZÖPPAN
WOHNZIMMER-FLAIR
Die Kölner Möbelmesse imm cologne lockte im vergangenen
Jahr mit Neuheiten 1251 Aussteller und mehr als 107 000
Besucher an – am Wochenende hat auch das Publikum Zutritt
Fotos: Courtesy: Trendbuch Kölnmesse (2). privat
T R E N D - J U RY
Italiens Textilguru Giulio Ridolfo
(vorn) und der britische
Journalist Marcus Fairs (hinten).
Außerdem dabei: Eero Koivisto,
Arik Lévy und Stephen Burks
»Trends sind
wie Wellen
im Ozean. Sie
gleiten langsam heran und
wieder zurück
und wandern
dabei auf
eine andere
Ebene«
EERO KOIVISTO, STOCKHOLM
DESIGN TRENDS
INDISCH INSPIRIERT
Für die Liege „Charpoy“ (Moroso)
schwelgte das schottisch-indische
Designerpaar Levien Doshi aus London
in Farben und Mustern. Ins Bild
passen Accessoires vom Flohmarkt
6
EXTRA MUCH
Es darf wieder ein bisschen mehr sein:
Üppig gilt als chic. Ausufernde Formen, bunte
Farben, neuartige Materialien und Kunststoffe künden das Ende der Zurückhaltung an.
Wer auf sich hält, greift jetzt in die Vollen und in den Farbtopf – von Maigrün bis Knallgelb
NEU ERFUNDEN
Konstantin Grcics
Freischwinger „Myto“ (2007)
besteht aus einem
innovativen, besonders leicht
fließenden, technischen
Kunststoff. Er ist schon jetzt
ein Hit der Südtiroler Firma
Plank – in acht Farben
ORGANISCH GEFORMT
Fotos: Courtesy: Trendbuch Kölnmesse
Den Stuhl „Geoffrey“ entwickelte Designer
Johannes Hemann aus Schaumstoff,
den Tisch „Fridtjof“ aus Kork und die Lampe
„Oswine“ aus Polypropylen – die Exponate
sind noch Prototypen
FLORAL GEMUSTERT
Die Stardesignerin Patricia Urquiola
aus Mailand blieb für den italienischen
Möbelhersteller Moroso auf
dem Teppich – und ihrer Vorliebe für
auffälliges Design treu
F OCUS -SPEZIAL 2009
7
TEPEE CULTURE
Moderne Großstadtnomaden schlagen
ihr Zelt auf, wo es ihnen gefällt.
Sie fühlen sich wohl, wo die Natur nah ist und das wahre Leben Spuren, Risse und Schrammen
hinterlassen hat. In Massivholz, natürlichen Mustern, sattem Rot, Grün und Braun
MIT EIGENSINN
Den „Double Octopus
Chandelier“ (de la Espada)
haben die Shootingstars
der türkischen Designszene, Seyhan Özdemir
und Sefer Caglar, vom Büro
„Autoban“ entworfen
AUF DEM HOLZWEG
Fotos: Courtesy: Trendbuch Kölnmesse
Das massive Regalsystem
„Play Shelf“ (Morgen) wird
mit dem filigranen Sessel
„Stingray“ (Fredericia
Furniture) und der Leuchte
„Blossom“ (Belux) von
Hella Jongerius kombiniert
AUS DEM SCHREDDER
Hocker und Beistelltisch
von US-Designer Stephen
Burks (Cappellini) beruhigen
das Gewissen: Sie bestehen
aus Altpapier und sind
mit Ökokleber verarbeitet
8
D R A U S S E N V O M WA L D
Der froschgrüne „Forest“-Stuhl (Weishäupl) des italienischen
Architektenpaars Robby und Francesca Cantarutti harmonisiert
mit dem „Brennholzhocker“ (erhältlich z. B. im Magazin Köln)
M I T P AT I N A
Holzschalen vom letzten
Urlaub in Übersee und
ein flauschiger Schurwollteppich aus Michaela
Schleypens Kölner Atelier
„floor to heaven“ vermitteln heimelige Gefühle
RE-RUN TIME
Als ob die Zeit stillsteht –
Beständigkeit hat Konjunktur.
Gefragt sind klassische Formen
in klaren Tönen, Leder und Holz
PUR UND KLASSISCH
Susanne Philipsons
„Guardian of Light“ (Palluco)
schaltet man am Eselsohr
ein. Strahlend weiß: „Cuvert“Sofa (Cor) und Tischchen
„Tod 634“ (Zanotta)
S T I LV O L L U N D E C H T
WIE VOM MOND
Der „Teepee Chair“ (Cassina) von Konstantin Grcic ist mit
schmeichelndem Leder überzogen, der Tisch „Edge“ (Danerka)
der Brit-Designer Tom Lloyd und Luke Pearson ein Klassiker
F OCUS -SPEZIAL 2009
Jasper Morrisons zwei
Stuhlklassiker „Basel
Chair“ von Vitra lassen sich
am „Edge“-Tisch auch
mit ausgefallenen Vasen
und Schalen ergänzen
9
DESIGN TRENDS
FEDERLEICHT
Den aus Polyester
geflochtenen
„Tropicalia“-Stuhl
(Moroso) gibt es
auch in Leder für den
Innenbereich. Mit dem
Namen verriet die
Designerin Patricia Urquiola
ihre Inspirationsquelle
N AT Ü R L I C H G E W A C H S E N
Den „Root Chair“ und den „Root Table“ im Miniformat schuf
der Diplomand Kai Linke als Abschlussarbeit an der Hochschule
für Gestaltung in Offenbach. Die Hyanzinthe gedeiht darauf
NEAR AND FAR
Warum denn in die Ferne schweifen?
Die Natur liegt vor der Haustür. Öko und
Bio sind in. Das persönliche Paradies in den eigenen vier Wänden schaffen Materialien wie
Seegras und Bambus, filigrane Formen, Transparenz und sanft abgetönte Farben mit Weiß und Beige
SOMMERFRISCH
Die Leichtigkeit eines schönen Sonnentages vermittelt der
„Slow Chair“ (Vitra) der Brüder Bouroullec – der extrem belastbare
Strickstoff wird wie ein Strumpf über den Sessel gezogen
Kaum zu glauben:
Nur aus drei Holzbögen
haben die britischen
Designer BarberOsgerby
ihren tragfähigen Garderobenständer „Saturn“
(Classicon) gebaut
10
Fotos: Courtesy: Trendbuch Kölnmesse
FILIGRAN
ANMUTIG LEICHT
Metall und Buchenholz verbinden sich
im „Steelwood Chair“ (Magis) der
Bouroullec-Brüder. Ein hauchdünnes
Holzfurnier verbirgt die tragende
Metallstruktur von Bertjan Pots
„Slim Table“ (Arco). Kerzenständer von
Louise Campbell für Muuto
F OCUS -SPEZIAL 2009
Fotos: xxxxx/FOCUS-Magazin
Bxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
11
DESIGN PORTRÄT
ÖKO-TOUCH
W
R E C Y C E LT
Den Tisch der „Love“Serie aus geschredderten
Magazinschnipseln bringt
Cappellini 2009 auf den
Markt. Ein Biokleber hält
das Altpapier zusammen
egwerfen ist seine Sache nicht. Wochenlang stapelten sich in Stephen Burks’ New
Yorker Studio alte Magazine und Hochglanz-Gazetten. Eine Mitarbeiterin musste das bunte Altpapier in eine Schreddermaschine stopfen,
nach Farben sortieren und in Müllsäcke verpacken.
Monatelang experimentierte Burks’ Firma Readymade Projects mit den Papierschnipseln. Im April
letzten Jahres stellte Burks erstmals einen Prototyp
seiner visionären Recycling-Stücke in Mailand vor.
Der Stoff, aus dem die neuen Trendmöbel des
angesagten Designers bestehen, ist leicht, kompakt und fast überall auf der Welt erhältlich. Doch
Stephen Burks will seine Tische und Hocker an
einem ganz bestimmten Ort der Welt produzieren
lassen. Ein kleiner Betrieb in Kapstadt in Südafrika, wo der 39-Jährige in Townships und bei Kunsthandwerkern recherchierte, fertigt seine Hocker
und Tische aus Recycling-Papier in Handarbeit.
„Mein Ziel ist es, Material vor Ort zu benutzen“,
erklärt der smarte Kreative. „Wir verschiffen kein
Altpapier rund um den Globus.“ Es gehe ihm darum, „neue Wege des Vertriebs für einige der größten Handwerkstraditionen auf der Welt“ zu finden.
Ihnen will er neues Leben einhauchen, eine zeit-
gemäße neue Sprache geben. „Europa kontrolliert den Markt
für Luxusmarken“, so Burks. „Aber an wen wollen sie die teure
Ware in Zukunft verkaufen?“, fragt er.
Der Mann hat Visionen, er hat Leidenschaften. Um seine
„Love“-Kollektion aus recycelten Zeitschriften der Öffentlichkeit vorstellen und die scheinbare Billigware aus einem Schwellenland als schickes Kultmöbel in der Ersten Welt anbieten zu
können, hat er einen prominenten Fürsprecher überzeugt. Der
Mailänder Giulio Cappellini, der zur Crème der italienischen Designermöbel-Branche gehört, bringt die Kollektion von Stephen
Burks unter seinem Label heraus. Auch Vasen aus Altglas gehören dazu. Die Scherben hierfür treibt Burks in Mexiko auf.
Nachhaltig und für den Alltag tauglich müssen seine Produkte
sein. Zur Not testet er sie auch mal selbst. Für seine „Rajboori“Bettwäsche-Kollektion schliefen er und seine Frau wochenlang
im Ehebett in indischer Bioseide. Die fühlt sich so fest wie
Baumwolle oder Wolle an.
Die Do-it-yourself-Ästhetik und formale Wertigkeit seiner Produkte, sein Engagement für nachhaltige ökonomische Prozesse
in Entwicklungsländern zeichnen Burks in der schnelllebigen
Designszene aus. Mit seinem gewinnenden Lächeln, dem Kurzhaarschnitt und der schmalen Gestalt erinnert er beinahe an einen anderen Afroamerikaner, der ebenfalls aus Chicago kommt.
Barack Obamas Wahlspruch „Change“ könnte leicht auch für
den Industriedesigner gelten.
GABI CZÖPPAN
HANDARBEIT
Den „TaTu“-Tisch und
Korb (2002) fertigten
südafrikanische Kunsthandwerker eines Township. Die Lampe „Light
Frame“ (oben) aus Acryl
entstand 2005
12
F OCUS -SPEZIAL 2009
Foto: D. L. Taylor
Neue Formen, gebrauchte Materialien: Der New Yorker Designer Stephen Burks lässt seine Möbel
in Schwellenländern wie Südafrika oder Indien produzieren – aus Altpapier oder Bioseide
»Es geht
nicht immer
nur darum,
was die
Designwelt in
Italien oder
Deutschland
denkt. Der
Rest der Welt
hat auch viel
zu sagen«
Stephen
Burks
_Industriedesigner
Der 39-Jährige stammt
aus Chicago, wo er
Architektur studierte.
In New York gründete er –
mit erst 28 – sein Studio
Readymade Projects.
2000 erste Ausstellung bei
Cappellini. Aufträge für
B&B Italia, Missoni, Calvin
Klein, Tod’s. Auf der
imm cologne 2009 zeigt er
die „Composite Lounge“13
DESIGN GENUSS
RETRO-OPTIK
Die Illy-FrancisFrancisX1-Espressomaschine
von Luca Trazzi Design
ist ein Klassiker.
Rund 530 Euro
KAFFEE-KULT
Seit Kaffeeliebhaber Espressomaschinen
zum begehrten Designobjekt erklärt haben,
fachsimpeln sie über Druck, Temperatur,
Milchschaumkonsistenz und ideale Mahlstärke
ROBUST
Anhänger strenger
Formen schätzen das
Design von ECM.
Die Mechanika III
kostet rund 1700 Euro.
M U LT I C O L O R
Elektra-Maschinen werden in Italien seit 1947
hergestellt, dieses Modell, Familiy Retro S1CO,
ist aus Chrom und Messing. Ab 930 Euro
14
F OCUS -SPEZIAL 2009
4 Wände
sind ein
guter Anfang...
PORSCHE-DESIGN
Diese vollautomatische Siemens-Nespresso-Maschine
brüht Kaffee aus Kapseln (etwa 1000 Euro)
www.kaffee-netz.de
Web-Seite für Insider, die sich über
den Kauf, die Wartung und Benutzung
von Espressomaschinen austauschen
www.lamarzocco.com
Web-Seite des italienischen
Profimaschinen-Herstellers
La Marzocco für Liebhaber
www.baresta.com
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Beratung für Maschinen und
verschiedenen Sorten Espresso
http://coffeecollective.blogspot.com
Meist männliche Afficionados
schreiben über ihr neues
Lieblingsthema: das Kaffeekochen
...wir machen
aus Ihren Räumen ein
A U T O M AT I S C H
Diese Maschine
brüht auf Knopfdruck
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Design-Metropole Köln
Foto: Andreas Fechner für Peek & Cloppenburg
Foto: Hélène Binet, Kolumba 2007
Foto: DESIGN POST
Top-Gründe für die imm cologne
> Die einzigartige Vielfalt in der Angebotsbreite und -tiefe
> Eine an den Absatzwegen orientierte
Angebotsstruktur
> Eines der modernsten und attraktivsten
Messegelände Europas
> Die Vielfalt der Information durch Präsentationen, Vorträge und Diskussionen
> Die Konzentration auf neueste Trends
und visionäre Konzepte macht die Zukunft des Wohnens erlebbar
> Die Vielfalt der Nationen, die Köln zum
führenden, globalen Marktplatz macht
Während der cologne design week wird Köln zum ultimativen Design-Hotspot. Nicht
nur bei den 1000 Ausstellern in den Deutzer Messehallen dreht sich alles ums Wohnen
und Einrichten, auch im Rahmen des Off-Programms der führenden Kölner DesignInstitutionen Design Post, imm cologne, KAP Forum, Passagen, pesch wohnen, SIDI-Spot
und Spichernhöfe: In über 100 Showrooms, Ateliers und Galerien finden in der gesamten
Kölner City zahlreiche spannende Events statt. Der wohl angesagteste Treffpunkt der internationalen Design-Szene dürfte die Halle 11 im Rheinauhafen werden, wo den Besucher
einige Überraschungen rund um das Thema Design erwarten. Für das leibliche Wohl ist
hier selbstverständlich gesorgt und zum entspannten Ausklang des Messetages lädt eine
Club-Lounge ein, in der namhafte DJs auflegen. Eins ist sicher: This is the place to be!
Einmal mehr wird mit der cologne design week bewiesen, dass Köln eine äußerst lebendige Kunst- und Design-Szene hat, die sich auch in vielen kleinen Studios, DesignProjekten und Galerien wiederfindet. Auch für diese Szene ist die internationale Einrichtungsmesse imm cologne zusammen mit dem Rahmenprogramm und den über die Stadt
verteilten Passagen-Ausstellungen eine wichtige und spannende Plattform.
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imm cologne – cologne design week
A
C
B
D
E
G
H
I
F
K
J
A imm cologne
B Design Post
C SIDI-Spot
D Pesch Wohnen
E Spichernhöfe
F Poliform
G Natuzzi
H Kartell
I Bulthaup
J Kap Forum
K Halle 11
D E S I G N S TA D T
SZENE
KÖLN
In der Domstadt treffen sich die Kreativen in schrägen Bars und volkstümlichen Brauhäusern
GESAMTKUNSTWERK
Die „Kunstbar“ hat Arne Quinze
gestaltet. Eyecatcher ist eine
Videoinstallation, die Barbara
Beckers Augen zeigt
HIPPER HAFEN
Das Restaurant „Kap am Südkai“
mit gleichnamigem Designforum
liegt im neuen Rheinauhafen
18
Kunstbar ist nicht einfach nur ein Anlaufpunkt für Nachtschwärmer, sondern ein neues
KÖLSCHER
Projekt des belgischen Künstlers Arne Quinze.
TRINKTREFF
Die im November eröffnete Bar, nur wenige
Die derbe Stimmung
Meter von der Nordseite des Doms entfernt,
lockt kunst- und designbegeisterte Besucher in Brauhäusern wie dem
„Gaffel am Dom“
an. Blickfang ist Quinzes Videoinstallation
„Eye.C U“. Auf 20 Monitoren zeigt sie die Au- fasziniert Besucher aus
allen Schichten
gen seiner Partnerin Barbara Becker und unterlegt sie mit Sinnsprüchen wie „Big Brother
is always distracting you“ („Der Große Bruder
lenkt dich immer ab“). Wer sich nicht ablenken lässt, Getränke zu ordern, erhält auch belgisches Bier – und aus den Boxen ertönt Quinzes
Lieblingsmusik. Aktionssponsor ist der Kölnische Kunstverein, der jährlich wechselnde Künstler beauftragt, die Bar zu gestalten.
Einen Kontrast bietet das Brauhaus Gaffel am Dom, das nur wenige Schritte weiter deftige Kost und das ortsüblich Obergärige serviert.
Der Trink- und Treffpunkt lebt vom kölschen Flair: Es gibt keine Musik
und schon gar kein belgisches Bier. Wer gar ein alkoholfreies Getränk bestellt, muss sich Fragen nach der Gesundheit gefallen lassen: „Simme
he op der Intensivstation?“ Dennoch ist das „Gaffel“ auch bei Kreativen
beliebt – schlichtes Setting und volkstümliche Funktionalität faszinieren.
Und man will ja auch nicht jeden Abend Cocktails trinken.
Diskret und edel hingegen ist das Shepheard am Rathenauplatz
westlich des Rings. „Man muss genau hinschauen, denn wir haben
kein Schild“, sagt Inhaber Attila Kiziltas selbstbewusst. Der Name
erinnert an ein Traditionshotel in Kairo, das seit mehr als 150 Jahren Schriftsteller und Regisseure anzieht. Das Kölner Pendant ist für
seine Trinkkreationen bekannt: 2005 wählte es ein schottischer Spirituosenhersteller zur Bar des Jahres in Deutschland. Das cool möblierte Lokal liegt in einer ruhigen Seitenstraße des studentischen
„Kwartier Latäng“.
Zur Architekturmeile am Rheinauhafen locken avantgardistische
Baukörper wie die neu errichteten Kranhäuser von Hadi Teherani. Dazu
kommen Galerien und das Kap-Forum für Technologie, Architektur und
Design, das ab 20. Januar eine Foto-Ausstellung von H. G. Esch zu
Megacitys zeigt. Das Forum am südlichen Hafenrand kooperiert mit dem
Edelrestaurant Kap am Südkai. „Unser Design ist puristisch und vermittelt klare Linien, ohne durch zu viel Deko zu erdrücken“, so Küchenchef Steffen Kimmig, der bei Starkoch Eckart Witzigmann gelernt hat.
Anspruchsvoll geht es auch im Osman zu. Das Restaurant im
30. Stock des 148 Meter hohen Köln-Turms im Mediapark ist Treff von
Geschäfts- und Medienleuten. Manager Bajram Meta: „Wir wollen nicht
nur mit der Aussicht, sondern auch mit der Küche punkten.“
Down to earth, also bodenständig, ist dagegen die Metzgerei und
Salon Schmitz. Die Jugendstil-Schlachterei mit angeschlossener Kneipe ist einer der
angesagtesten Designer-Treffs. Hier stehen
Schauspieler, Musiker und Künstler neben
K U LT- T H E K E
Studenten an der Theke. „Bei uns ist niemand
Die Ex-Schlachterei
falsch“, erläutert Inhaber Dirk Mecky. „Das
mit angeschlossener
,Schmitz‘ ist emotional barrierefrei für jede
Kneipe „Salon
Art von Mensch.“ Ein Rezept, das laut Mecky
Schmitz“ lockt die
ein „Potpourri von Kreativen“ in die Nähe des
Kreativen an
Rudolfplatzes lockt.
MATTHIAS KIETZMANN
VOM NIL AN DEN RHEIN
Das reduziert möblierte
„Shepheard“ spricht wie das
gleichnamige Hotel in Kairo
extravagantes Publikum an
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Im „Osman³°“ im Mediapark
können Gäste Küche,
Mobiliar und Architektur auf
hohem Niveau genießen
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DESIGN PORTRÄT
RAUMTEILER
„Clouds“ – textile Wolken
im Zimmer: die schönste
Art, sich zu verstecken,
Fenster zu verhängen oder
selbst gebaute Skulpturen
im Raum zu platzieren
WIE AUF WOLKEN
Harte Zeiten verlangen weiche Stoffe: Textilien sind im Interior wieder beliebt.
Den Designern Ronan und Erwan Bouroullec kommt dieser Trend gerade recht
20
Fotos: Paul Tahon and Ronan & Erwan Bouroullec, Casper Sejersen
F OCUS -SPEZIAL 2009
FA R B E N S P I E L E
Mit dem Stuhl „Papyrus“ (Kartell) aus farbigem Plexiglas entwarfen
Ronan und Erwan Bouroullec einen Hingucker im Wohnraum
L
ange Zeit waren sie Geheimtipp, dann wurden sie zu
Shootingstars der Designszene. Inzwischen haben die
Brüder Ronan und Erwan Bouroullec mit ihrem minimalistischen Stil die internationale Designwelt erobert. Mehr
noch, Ronan und Erwan werden die höchsten Weihen zuteil:
Sie werden schon jetzt „Klassiker“ genannt. Das Œuvre der
beiden dezenten, leisen Arztsöhne aus der Bretagne ist denn
auch atemberaubend vielfältig. Innerhalb der vergangenen
zehn Jahre entsprangen ihrem Atelier im etwas schäbigen
Pariser Vorort St. Denis Entwürfe für die weltbesten Möbelproduzenten: Ob Vitra, Kartell, Cappellini, Boffi oder Ligne
Roset, alle haben sie Sofas und Stühle, Regale und Teppiche
der Bouroullec-Brothers im Programm – und weil diese Brüder Workaholics sind, haben sie auch noch einen Shop für
Issey Miyake eingerichtet und eine gläserne Lichtskulptur für
Swarovski entwickelt.
PERFEKTES DUO
Die Pariser Brüder Ronan, 37
(l.), und Erwan Bouroullec, 32,
eroberten die internationale
Designwelt. Bei ihren
Entwürfen widmen sie sich
gern textilen Materialien
21
DESIGN PORTRÄT
BASTELARBEIT
Die Stoffmodule von
„Clouds“ bestehen aus je
einem Element. Beim
Aufbau mit Gummibändern
werden sie spielerisch
zusammengefügt
Wer eine so herausragende Bouroullec-Lösung wie das „Alcove
Sofa“ von Vitra sieht, der erkennt schnell: Hier haben sich Designer
grundsätzliche Gedanken über das Leben und nicht nur über das Wohnen gemacht. Ihre Arbeiten sind funktional, aber niemals spröde; sie
sind poetisch, vielleicht auch verspielt, doch niemals naiv. Häufig folgen sie einem modularen Muster, das die freie Kombination einzelner
Elemente ermöglicht und dem Benutzer dabei viel Freiheit lässt. So
zum Beispiel jener Teppich für Cappellini, dessen Farbstreifen durch
Reißverschlüsse verbunden sind.
Weiter wohnen wie gewohnt? Für „die Bouroullecs“ gilt das nicht.
Besonders deutlich wird dies bei ihrem neuesten Entwurf, den sie
jetzt auf der Kölner Möbelmesse präsentieren. In dreijähriger Entwicklungszeit mit dem Stoffhersteller Kvadrat entstand „Clouds“, ein faszinierendes, ineinandergreifendes System aus Textilmodulen. Ebenso funktional wie dekorativ kann „Clouds“ Raumteiler sein oder als
Vorhang dienen; der Kunde kann sich aus den mit Gummibändern
zusammengehaltenen Elementen eine Wohnhöhle basteln oder eine
dreidimensionale Installation an die Wand hängen. In jedem Fall aber
wird er viel Spaß beim spielerischen Zusammenfügen der einzelnen
Module haben – und dabei vielleicht daran denken, dass deren Hersteller Kvadrat dänisch ist und diese Do-it-yourself-Wolken somit aus
Legoland stammen.
Filigran und flexibel, erinnern „Clouds“ an „modernes Nomadentum“, sagt Ronan, der Kommunikator der beiden, während Bruder Erwan sich versonnen eine Gitanes nach der anderen anzündet. Kaum zu glauben: Das eingespielte Duo fand erst als
Erwachsene zueinander. „Wir sind beide verheiratet. Jeder geht
privat seinen eigenen Weg“, meint Erwan, und Ronan ergänzt: „Nur
wenn wir entwerfen, ist das wie Pingpongspielen mit Ideen.“
PASCAL MORCHÉ
22
TEXTILIEN
für Innenausstattungen
kommen häufig aus dem kleinen dänischen Ort
Ebeltoft. Dort, beim Stoffhersteller Kvadrat, gehen die
berühmtesten Designer und Architekten ein und aus
J
ütland in Dänemark ist keine Gegend, von der jemand spontan
behaupten würde, sie sei von innovativ denkenden und kreativ
arbeitenden Menschen besiedelt. Die Bäume und Hecken zwischen
Mooren und Pferdekoppeln sind vom rauen Westwind stets in ein und
dieselbe Richtung gebürstet; einsam weiden Schafherden, und in der
Ferne glitzert das Meer. Doch ab und zu liegt in dieser Abgeschiedenheit eine kleine Ansammlung von Häusern. Ausgerechnet hier, genauer
in der Ortschaft Ebeltoft nahe Åarhus, leben innovativ denkende und
kreativ arbeitende Menschen. Schließlich gründeten hier Poul Byriel
und Erling Rasmussen 1968 das Textilunternehmen Kvadrat. Es wurde in 40 Jahren einer der weltweit bedeutendsten Stoffhersteller für
den Interior-Bereich. Egal, ob es sich um Stoffe für Vorhänge, Wandbespannungen, Teppiche oder Sitzmöbel handelt, kein wichtiger MöbelFoto: Paul Tahon and Ronan & Erwan Bouroullec
F OCUS -SPEZIAL 2009
EINE SCHAU:
D E R S H O W- R O O M
Das Designer-Duo
Bouroullec gestaltete auch
den Ausstellungsraum
von Kvadrat in Stockholm
A L L E FA R B E N – A L L E M U S T E R
Im Musterraum des dänischen Textilunternehmens findet die Elite der Möbelhersteller stets
den richtigen Stoff für den Interior-Bereich
D Ä N I S C H E K R E AT I V Z E N T R A L E
Kvadrat hat die Architektur seines Verwaltungsgebäudes der Firmenphilosophie angepasst:
klare Linien, pure Strukturen, keine Kompromisse
hersteller kann sich dem dänischen Unternehmen Kvadrat entziehen.
Ebenfalls aus Ebeltoft kommt aber auch der Stoff, aus dem Architektenträume sind: Als Sir Norman Foster die Bestuhlung des Bundestags in Berlin in europäischem Blau ins Auge fasste, lieferte Kvadrat
die strapazierfähigen Stuhlbezüge für deutsche Parlamentarier. „Auch
die Architekten Herzog & de Meuron sind gute Kunden von uns“, verrät
Anders Byriel, Sohn des Unternehmensgründers und CEO von Kvadrat,
„aber wir hängen das alles nicht an die große Glocke.“
Stimmt: Zwar liefert Kvadrat die textile Wandbespannung für die
Oper in Oslo ebenso wie Sofabezüge für Vitra, zwar steigert man hier
regelmäßig den Umsatz und arbeitet mit den weltweit bekanntesten Designern wie Andrée Putman, Charles Eames, Arne Jacobsen
oder den Brüdern Ronan und Erwan Bouroullec, doch bleibt man in
Jütland bescheiden und verschlossen. Dabei dürfte Kvadrats Erfolg
noch eine Weile anhalten. In harten Zeiten ist der Mensch weicher
Stofflichkeit im Wohnbereich durchaus gewogen. Byriel: „Über Jahre ging die Tendenz dahin, immer weniger Textilien zu verwenden.
F OCUS -SPEZIAL 2009
Gardinen verschwanden wie Teppiche; die Materialien der Innenarchitekten bestanden aus Glas, Beton, Stein und Holz.“ Das könne schön aussehen, sei aber „immer hart“, gibt der Kvadrat-Chef zu
bedenken. „Die Entwicklung ändert sich. Immer mehr Menschen
entdecken, dass Textilien sich nicht nur weich anfühlen, sondern auch
Schönheit ausstrahlen und Einfluss auf die Akustik in unseren Räumen haben.“ Das modulare Textilsystem „Clouds“ der BouroullecBrüder (das Designer-Duo entwarf auch den Kvadrat-Show-Room in
Stockholm) komme genau zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt.
„Mit ,Clouds‘ kann man kreativ wohnen.“ Beim Aufbau sei jeder für
sich „Architekt, Designer, Handwerker“. Und Künstler. Die Nähe zu
Kunst und Künstlern ist Anders Byriels Herzensangelegenheit: So
stellte Kvadrat die Wollstoffe für Rosemarie Trockels Ausstellung
„Post-Menopause“ im Museum Ludwig in Köln her. Wolle ist für
Trockel, was Filz im Werk von Joseph Beuys war. Nicht nur für Wohndesign, auch für Kunst kommt der Stoff aus Ebeltoft in Dänemark.
PASCAL MORCHÉ
DESIGN WOHNEN
24
HOMESTORIES VOM RHEIN
Uwe
Reppegather
_Immobilienhändler
Zeitlose Favoriten eines
Penthouse-Bewohners:
Barcelona Chair von Mies van
der Rohe aus der Pan-AmLounge in Buenos Aires sowie
die Decken-Uhr aus der
französischen Nationalbank
BOGEN RAUS
Das „Haus vor dem Wind“
mit geschwungener
Fassadenstruktur vom
österreichischen
Architekten Günter Zamp
Kelp liegt in 1-a-Lage
am Düsseldorfer Hafen
O
b in Reihe oder in Ruhe, ob Landhaus oder Loft – zwischen Parterre und Palast ist Wohnen in Nordrhein-Westfalen so vielfältig
wie die Lebensstile seiner Menschen. Dass Ruhrgebiet und Interieur – im selben Atemzug genannt – nicht unweigerlich zu Schluckauf führen, dokumentieren drei Beispiele, die unterschiedlicher nicht
sein können. Kaiserzeit-Villa, Penthouse-Wohnung, 50er-Jahre-Bau.
Dieter Sieger, Uwe Reppegather und Michael Erlhoff zeigen, wie Wohnen zum tagtäglichen Erlebnis wird und Design zum Fenster für Visionen. Einrichtung folgt Ausrichtung. Aus eigener praktischer Erfahrung,
langjähriger akademischer Auseinandersetzung oder, wohltuend unbefangen, unter Zuhilfenahme der Expertise anderer – alle drei haben
Lebensraum gestaltet und dabei (Einrichtungs-)Gegenstände gesucht,
die sich visuell und haptisch mit Lust wahrnehmen lassen.
So wie der geschorene Teppichboden, der die nackten Füße Uwe
Reppegathers wie frisch vom Meer modellierter Strand umschmeichelt: „Was immer ich in dieser Wohnung sehe oder fühle, es spricht
zu mir, hat seine eigenen Geschichten.“ Da bekommt selbst die einmalige Rheinblick-Lage am Düsseldorfer Hafen, in der der Immobilienhändler Etage fünf und sechs seines Bürohauses bewohnt, scharfe
Konkurrenz. Neben kubistischer Plakatkunst von Cassandre und
Hinterglasmalerei von Emil Schult
sind es vor allem die Lampen,
Uhren und ausgesuchte Möbelstücke, die der 260-QuadratmeterWohnung stilprägend eine HandEin Praktiker, ein Theoretiker und ein Seiteneinsteiger schaffen
schrift verleihen. Art déco on
top. Leuchten von Gispen oder
sich Lebensräume, kokettieren mit der Avantgarde und lassen ihre
Jacot, die Decken-Uhr in rasanter Streamline-Form der 20erLust am Wohnen dabei nie in Gier ausarten
F OCUS -SPEZIAL 2009
Fotos: O. Krato
25
DESIGN WOHNEN
V I A A U T O L I F T Reppegathers Mercedes-Cabrio 300 SL gehört quasi zur Familie
Jahre aus der französischen Nationalbank, die digitale Tischuhr aus
dem Hause Lawson nach einem Entwurf von Kem Weber aus den frühen 30ern oder der Barcelona Chair von Mies van der Rohe aus dem
Airline-Hauptquartier der längst abgestürzten Pan Am in Buenos Aires.
Es sind auch Mythos und Legende, die für Uwe Reppegather „einen
großen Reiz ausmachen“. Aber unbestritten sind es auch „die diffundierenden Grenzen zwischen Design und Kunst“, die den Mittvierziger etwa an Arbeitsproben von Paul Dupré-Lafon begeistern. Es sind
Stücke wie das Sideboard von 1929 aus der Werkstatt des Pariser
„Einrichters der Millionäre“, denen Design-Scouts wie die InterieurGaleristin Petra Josephs für Kunst-Connaisseure und Art-déco-Liebhaber weltweit hinterherjagen.
Aus anderem Grund Weltreisender ist auch Michael Erlhoff. Gastprofessuren in Tokio, Sydney, Hongkong und New York sind nur einige
Duftmarken, die der Gründungsdekan der Köln International School of
Design Nachwuchskreativen auf der ganzen Welt regelmäßig hinterlässt. Der Ansatz „Design mit seiner multidisziplinären Dimension ist
gleichsam eine undisziplinierte Disziplin“ verdeutlicht schon: Erlhoff
ist ein Freund philosophischer Grenzgänge. Ans Limit in ganz anderer
Sache musste der heute 61-Jährige gehen, als er 1991 von Frankfurt
nach Köln zog. „Ich brauchte für meine Bücher ausreichend Wandmeter, deren Statik ihr Gewicht verträgt.“ 50 000 Bücher, mehr als 20 davon selbst geschrieben, können schon mal zusammenkommen, wenn
sich ein Literaturwissenschaftler seit Jahrzehnten rein akademisch
mit Formgebung und Gestaltung auseinandersetzt.
Da kam es einem Sechser im Lotto gleich, dass das einzige Angebot des eingeschalteten Maklers dem Kraftakt gewachsen war und
in langen Fluren Raum für lange Regale bot. Und, was dem DesignTheoretiker und seiner Lebensgefährtin, der Soziologin Uta Brandes,
natürlich besonders gefiel: Das Haus mit der
240-Quadratmeter-Wohnung im ersten Stock
hat designgeschichtlich eine eigene Historie.
Ende der 40er-Jahre kombinierte der Kölner
Wilhelm Riphahn – wie vielerorts in der ausgebombten Domstadt – auch in der Hahnenstraße die Lauflernschritte der Nachkriegs-
L I G H T S H O W Wandleuchten von Gispen, das Sideboard von Dupré-Lafon (l.) sowie „Sputnik“ aus den 40er-Jahren (r.)
FREILICHTBAD
Für die Badezimmerlandschaft mit Blick
auf den Bambusgarten
im sechsten Stock
suchte Reppegather
die Beratung von Intact
H I G H T E C H & A R T D É C O Plattenspieler Quintessenz von Transrotor
26
Michael Erlhoff
_Design-Theoretiker
Gemeinsam mit der Soziologin
Uta Brandes lebt der gelernte
Literaturwissenschaftler „quasi unter
Denkmalschutz“ mitten in Köln –
in einem 40er-Jahre-Riphahn-Bau
F A LT E N W E R K Buckminster Fuller
T Y P I S C H B A U H A U S Lichthöfe und Dachterrassen – Handschrift von Wilhelm Riphahn
architektur mit dem von ihm – bis zur Nazi-Zeit –
exzessiv ausgelebten Bauhausstil. Grauer Sockel
unter ausladenden Schaufenstern im Erdgeschoss,
heller Fassadenputz, Flachdach. Erlhoffs Gesamtbetrachtung – „kubisch idyllisch“ – dankt die Wohnung
unter anderem gleich zweien der bauhaustypischen
Dachgärten.
Im Zentrum ein „Platz für Öffentlichkeit“, vor
70 Jahren „gepflastert“ mit Solnhofener Fliesen.
Hier diskutieren Erlhoff und Brandes gern mit ihren
Studenten, Gästen, Kollegen, Künstlern und Designern auf Arne-Jacobsen-Stühlen über die Faltstrukturen von Buckminster Fuller – ein unschwer zu erkennendes Faible Erlhoffs. Die Köpfe rauchen unter
Lichtkonstruktionen der Gruppe Pentagon und dem
„Stuhl, der sich hingesetzt hat“ (Timm Ulrichs),
dem „Verspannten Regal“ (Laubersheimer) oder am
Espresso-Tisch von Andreas Brandolini.
800 Quadratmeter für einen 2-Personen-Haushalt
mögen ambienten Kleingeistern etwas überdimensioniert erscheinen. Die 1904 in Münster von Alexander Cazin errichtete Jugendstilvilla mit Leben zu füllen war für Dieter Sieger „ein Traum“.
Angefangen bei der „Dancing Nana“ von Niki de
Saint Phalle in der Eingangshalle zum Treppenhaus –
mit Marmor-Schachbrettboden und tiefroten Läufern
auf den Stufen – über lippenschalige Bertoia-Sessel
in der Besucherecke bis zur One-Off-Vasenkollektion von Ettore Sottsass in der Orangerie und Lüstern
von Gino Sarfatti im „Büro“: Hier ist jeder Blick in die
vier Etagen ein Fest der Sinne. „Poltrana di Proust“
von Alessandro Mendini mag in erster Linie ein
F OCUS -SPEZIAL 2009
C O O L Lampe von Isamu Noguchi, Ascher von E. Sottsass
H O C H A LTA R
Bellefast-Tisch von
Andreas Brandolini
unter PentagonLeuchte – beides aus
den 80er-Jahren
DOWNLIGHT
Die mehrfach ausgezeichnete Bodenlampe von
Volker Albus illuminiert
Räume wahlweise direkt
oder indirekt
Fotos: O. Krato (5), D. Klammer (6)
27
Dream-Team
seit 45 Jahren
_Teamworker
D A N C I N G N A N A von Niki de St. Phalle
Kunstwerk sein, für Dieter Sieger
ist der Sessel unkapriziös vor allem
eine Sitzgelegenheit. „Kunst soll keine Distance schaffen, sondern Spaß
machen und uns nutzen.“
Bei der Einrichtung so einer Wohnung die gestalterische Bandbreite
zwischen üppig und schlicht auszuschöpfen fällt – Stichwort 800 Quadratmeter – nicht sonderlich schwer. Allerdings hat der 70-Jährige auch gelernt, Impression und Inspiration, die
von seinem gestalterischen Einfallsreichtum ausgehen, in Nuancen zu dosieren. Vom gelernten Maurerhandwerk über den Bauingenieur zum Architekten, Bootsbauer und Designer verstand der Un-Ruheständler es immer, bei der Entwicklung neuer Formensprachen darauf zu
achten, dass die Suche nicht zur Sucht wurde und die Leidenschaft am Tun nicht zur Gier
nach Ergebnissen.
So fällt es Sieger zwischen einem Wort über „Las Meninas“ von Manolo Valdés und der
flüchtigen Bemerkung zu Eames-Chairs und Mangiarotti-Tisch in seiner Bibliothek – mittendrin quasi im Who’s who des Designs – leicht zu erzählen, dass innovative Wege im Umgang
mit Werkstoffen seit jeher neben „spontaner Begeisterung“ auch schon mal „tiefe Irritation“
auslösen. Solche Spannungsbögen „sind ein Elixier“, findet der unermüdliche Ideenquell und
bedauert zugleich: „Mein Leben . . .? Schade, dass ich nur eins davon habe.“
THOMAS VAN ZÜTPHEN
S C H Ö N G E P A R K T Liegender Akt von Berrocal und der „Reiter“ von Heinrich Brockmeier
A L M O G A V A R E S von Berrocal
K O M M O D Schubladen im Sottsass-Style
28
F OCUS -SPEZIAL 2009
Fotos: O. Krato
M A S S I V Messing-Fensterbankleuchte
Eigentlich sind sie im Ruhestand –
Dieter Sieger und seine niederländische Frau Fransje, die die
Termine des Ideenquells koordiniert, in ihrer Villa in Münster
V O L L M U N D I G Ensemble aus Bertoia-Sesseln am Tisch von Ettore Sottsass. Unten: Mendinis Sessel „Proust“ unter dem Doppelporträt von Johann Hendrix
29
DESIGN TECHNIK
SCHÖNE WÄRME
Wie die Themen Heizkörper und Design zueinanderpassen
Weiß, einförmig, manchmal gerippt – man braucht sie in jedem Zimmer, auch wenn sie Platz wegnehmen. Gerade im Winter soll es im
Haus schön warm sein, und dafür bedarf es nun mal eines Heizkörpers. Dass diese nicht unbedingt trist und einfallslos aussehen müssen, zeigen Menschen wie Martin Goergen. Der Völklinger beschreibt
GUTES TEAM
HINGUCKER
Santiago Miranda (l.) und
Perry King arbeiten als Designer
für die Schweizer Zehnder Group
Das High-Tech-Modell Dualis mit seiner wellenförmigen
Aluminiumfront wärmt nicht nur Badezimmer, sondern macht
sich auch gut neben dem Le-Corbusier-Sessel
HANDARBEIT
Seit gut zehn Jahren
erschafft Martin Goergen
originelle Wärmequellen. Bisher hat der
39-Jährige knapp
160 Heizkörper gebaut
30
seine Arbeit als den Versuch, „die Begriffe Heizkörper und Design miteinander zu versöhnen“. Deshalb baut er Wärmequellen in Form von
Tieren, mal als Regal, mal als Garderobe oder Teil einer Treppe. Nicht
ganz so ausgefallen, dafür aber besonders chic sind die Modelle von
traditionellen Anbietern wie der Zehnder Group.
JOCHEN SCHUSTER
Fotos: Sven Paustian/FOCUS-Magazin, Thomas Bach
N AT U R M O T I V
Der 1,80 Meter große
Baum war der erste
von Goergen gebaute
Heizkörper. Auf alle
Modelle gibt es zehn
Jahre Garantie
F OCUS -SPEZIAL 2009
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[d³] design talents – Die faszinierende Nachwuchsshow
In Halle 3.1 bietet [d³] design talents jungen Gestaltern eine Bühne für ihre Ideen
rund ums Wohnen und Einrichten. Diese
ungeheuer abwechslungsreiche und spannende Schau zeigt neben vielen originellen
und witzigen Wohnideen für morgen reichlich Inspirierendes.
Bereits zum vierten Mal präsentiert der kreative Nachwuchs im Rahmen der [d³] design
talents auf der imm cologne frische Ideen und neue Konzepte. In Halle 3.1 geben junge
und unabhängige Gestalter Impulse und zeigen inspirierende Entwürfe für das Design
von morgen. So mancher Newcomer wurde hier schon von renommierten Herstellern
entdeckt, und so manches hier erstmals vorgestellte Möbel ist inzwischen Teil einer
erstklassigen Kollektion. Die Nachwuchsshow ist jedoch weit mehr als nur ein Karrieresprungbrett. Die aus den drei Events [d³] contest, [d³] professionals und [d³] schools
bestehende Veranstaltung beweist eindrucksvoll, dass immer noch Überraschungen
möglich sind und an frischen, neuen Ideen kein Mangel herrscht.
Von links nach rechts: ein Modell
aus der Stuhl- und Hockerserie „Juan,
Pedro und Pablo“ von Reinhard Dienes
Diaz, Objekt „What it is, it isn’t“
von Tineke Beunders und Nathan
Wierink, Leuchten der Serie „Lantern“
von Mathias Hahn sowie der Stuhl
„wrapped“ von Pierre Kracht
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imm cologne – Der Hallenplan
Hallen
Angebote
2.2
imm basic
Internationale Basics – Wohn- und Schlafraummöbel
4.1, 4.2, 10.1
3.2
imm prime
imm prime design
Moderne Wohn- und Schlafraummöbel, Stil- und Reproduktionsmöbel*
Designorientierte Wohn- und Schlafraummöbel*
3.1
[d³] design talents
Ausstellung für junges Design
4.2
imm solid
Natur- und Massivholzmöbel, Kindermöbel
4.1, 5, 6, 10.2
imm comfort
Polstermöbel – Sitzgarnituren, Sessel, Liegen, Einzelsofas, Funktionscouches
7, 8
imm smart
Junges Wohnen, SB-Möbel, Schlafzimmereinrichtungen*
9
imm sleep
Matratzen- und Schlafsysteme, Betten, Wasserbetten, Bettwaren, Bettwäsche
und Accessoires
11
imm pure
Modernes Möbel-Design und Küchen, komplette Wohnphilosophien*
* Wohnaccessoires und -textilien, Teppiche und Leuchten werden den entsprechenden Angebotsbereichen zugeordnet.
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