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Berufe für Frauen und Männer: Was möchtest DU studieren?

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Berufe für Frauen und Männer:
Was möchtest DU studieren?
Diese Broschüre möchte Frauen für „typische Männerberufe“
interessieren und umgekehrt Männer für „typische Frauenberufe“.
Impressum
Herausgegeben von der
Hochschule Bremen
Erstauflage 2014
Gestaltung: Andrea Heine-Jungblut
Fotos: Kathrin Doepner (außer Seite 18 und 20)
Konzept und Projektleitung: Dr. Barbara Rinken
Texte und Bearbeitung:
Laura Bohlmann, Viola Diem, Lea Drabent,
Natalia Flemming, Mareile Hankeln,
Miriam Kern, Antonia Kiel, Barbara Rinken,
Kristina Seum, Friederike Stüven
Diese Broschüre ist als Orientierungshilfe
gedacht und nach bestem Wissen erstellt.
Sie ist kein juristischer Ratgeber und entbindet
nicht von der eigenen Information.
Eine Haftung der Herausgeberinnen ist
ausgeschlossen.
Berufe für Frauen und Männer:
Was möchtest DU studieren?
Diese Broschüre möchte Frauen für „typische Männerberufe“
interessieren und umgekehrt Männer für „typische Frauenberufe“
Liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Studieninteressierte,
liebe Eltern als Beratende Ihrer Kinder,
mit dieser Broschüre möchten wir Sie ermutigen, sich bei der
Studienfachwahl die Zeit zu nehmen, in alle Richtungen zu denken und sich auch mit Fächern auseinanderzusetzen, mit denen
Sie bislang noch keine Berührungspunkte hatten.
Um Ihnen einen ersten Eindruck davon vermitteln zu können,
was Studieren und Arbeiten in den unterschiedlichen Fachgebieten bedeuten kann, haben wir Interviews mit Studierenden, Absolventinnen und Absolventen, Lehrenden und Berufstätigen der
verschiedenen Bereiche geführt. Die Auswahl der vorgestellten
Studiengänge und Berufsfelder ist exemplarisch – die Hochschule
Bremen hat selbstverständlich noch sehr viel mehr zu bieten.
Inhalt
Vorworte ..................................................................Seite 03
Erläuterung Broschüre ............................................Seite 06
Fakultät 1: Wirtschaftswissenschaften ...................Seite 08
Fakultät 2: Architektur, Bau und Umwelt ..............Seite 22
Diese Broschüre ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gleichstellungsstelle der Hochschule Bremen mit Studentinnen und Lehrenden
der Journalistik sowie der Zentralen Studienberatung.
Bei den Interviews für diese Broschüre sind wir von Studiengängen fasziniert worden, die uns bis dahin wenig vertraut waren.
Wir hoffen, dass es Ihnen beim Lesen dieser Broschüre ebenso
geht. Wir können in dieser Broschüre nur einige ausgewählte
Studiengänge vorstellen. Bitte informieren Sie sich über das breite
Angebot der Hochschule Bremen auf unserer Homepage (s.u.).
Wir wünschen Ihnen allen gute Entscheidungen bei der Wahl
des passenden Studienfaches.
Fakultät 3: Gesellschaftswissenschaften ................Seite 32
i.A. des Broschüren-Teams:
Fakultät 4: Elektrotechnik und Informatik ............Seite 46
Fakultät 5: Natur und Technik ................................Seite 62
Dr. Barbara Rinken,
Zentrale Frauenbeauftragte der Hochschule Bremen
Schlusswort ..............................................................Seite 76
Anmerkungen zur gendersensiblen Sprache .........Seite 76
www.hs-bremen.de
www.studiengaenge.hs-bremen.de
Hochschule Bremen | Vorwort
03
Liebe Studieninteressierte,
liebe Eltern,
Sehr geehrte Leser_innen,
die Hochschule Bremen bietet viele spannende und innovative
Studienfächer, die für das spätere Berufsleben eine gute Aussicht
auf einen Arbeitsplatz mit interessanten Tätigkeiten und guter
Bezahlung bieten.
in den vergangenen dreißig Jahren haben sich die Geschlechterrollen verändert – hin zu mehr Wahlfreiheiten für Frauen und für
Männer. Von gleichen Chancen und einer gleichberechtigten Verteilung der vielfältigen Aufgaben zwischen Frauen und Männern
sind wir in unserer Gesellschaft jedoch noch weit entfernt.
Mit dieser Broschüre möchten wir Ihnen einige dieser Studienangebote nahebringen. Dabei geht es uns insbesondere darum,
junge Frauen für Studienfächer zu begeistern, in denen bislang
noch mehr Männer vertreten sind (wie z.B. Ship Management oder
Maschinenbau). Aber auch umgekehrt: junge Männer z.B. für die
Aufnahme eines Studiums im Bereich Soziale Arbeit zu gewinnen.
Auf der Homepage der Hochschule Bremen können Sie sich weiter
über die vielfältigen Möglichkeiten des Studiums informieren.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die Zentrale Studienberatung
(Kontakt siehe unten) und besuchen Sie unseren StudienINFOtag,
der jedes Jahr im Frühjahr stattfindet.
Wir freuen uns auf Sie!
Prof. Dr. Karin Luckey,
Rektorin der Hochschule Bremen
Das hat auch damit zu tun, dass Geschlechterrollen immer noch
wenig kritisch reflektiert werden. Nein, Jungen können nicht aus
so genannten natürlichen Gründen besser Mathe und Mädchen
besser Sprachen. Das sind gesellschaftliche Bilder, die die Handlungsräume der Einzelnen erheblich einschränken und so als sich
selbst erfüllende Prophezeiungen wirksam werden. Lang genug
wiederholt werden diese Annahmen zu einer gesellschaftlichen
Wirklichkeit, die uns einengt.
Aber wir können den Blick neu öffnen und uns auf bisher nicht
unbedingt übliche Wege begeben. Als Frau in einer Führungsposition in der Wirtschaft, als Bauingenieurin oder als Mann in
Sozialen Bereichen.
Die vorliegende Broschüre der Hochschule Bremen unterstützt
Sie bei Ihrer Suche nach dem für Sie richtigen Studienfach. Dafür
wünsche ich Ihnen alles Gute, viel Erfolg und einen weiten Blick.
Studienberatung | Studierendenmarketing | Messe:
REFERAT 06
Welcher Studiengang passt zu mir?
Die Studienberatung der Hochschule Bremen ist die erste Anlaufstelle
für alle Studieninteressierten. Wir informieren über das Studienangebot
der Hochschule Bremen und geben Informationen rund um Zulassungsvoraussetzungen und Bewerbung. Außerdem vermitteln wir je nach Anliegen an die richtigen Ansprechpartner_innen innerhalb und außerhalb
der Hochschule.
Ulrike Hauffe,
Bremer Landesbeauftragte für Frauen
Leiterin der Bremischen Zentralstelle
für die Verwirklichung
der Gleichberechtigung der Frau (ZGF)
Informationen zum Beratungsangebot der Studienberatung:
www.studienberatung.hs-bremen.de
Studienorientierung: www.studienINFO.hs-bremen.de
04
Hochschule Bremen | Vorwort
Hochschule Bremen | Vorwort
05
Die Hochschule Bremen bietet eine enorme Viel-
Wirtschaftswissenschaften
zahl an Studienangeboten. In den fünf Fakultäten finden Sie viele verschiedene Studiengänge.
Um Ihnen einige Fachrichtungen vorstellbar zu
machen, haben wir Interviews in verschiedenen
Studiengängen durchgeführt und diese zusam-
Architektur, Bau und Umwelt
mengefasst bzw. Texte daraus geschrieben.
Besonders wichtig ist uns, Frauen für die (noch)
typischen Männerdomänen zu interessieren
und umgekehrt bei den männlichen Studienbewerbern Interesse für die bislang weiblich
Gesellschaftswissenschaften
dominierten Bereiche zu wecken. Wir hoffen,
damit einen Beitrag leisten zu können, sämtliche Berufszweige für alle geeigneten und
interessierten Menschen gleich zugänglich und
Elektrotechnik und Informatik
präsent zu machen.
Natur und Technik
06
Es geht um Geld in all seinen Erscheinungsformen.
Die Fakultät 1 – Wirtschaftswissenschaften –
beschäftigt sich mit internationalen Märkten,
Macht, Banken, fairem und weniger fairem
Handel. Wer schon immer der Meinung war,
dass Geld die Welt bewegt, bekommt hier die
Gelegenheit, zu verstehen, wie das funktioniert.
Vielleicht, um mitzumischen? Vielleicht, um die
Welt ein wenig besser zu machen?
Unabhängig von den Motiven, sicher ist: Wer
Fragen zu internationalem Management, Geld
und Wirtschaft hat, bekommt hier die Antworten.
08
Wirtschaftswissenschaften
»
Das Ziel nicht aus den Augen verlieren
«
So eine gewisse Zahlenaffinität muss
man schon haben.
Prof. Dr. Spiecker-Lampe studierte an der Hochschule Bremen
„Europäische Finanzierung und
Rechnungswesen“, absolvierte
während ihres Studiums einen
einjährigen Studienaufenthalt in
England und arbeitete nach dem
Studium in der Bremischen Volksbank. Darauf aufbauend studierte
sie an der Universität Bremen
Wirtschaftswissenschaft mit den
Schwerpunkten Controlling, Projektmanagement und Wirtschaftsinformatik. Sie promovierte im
Bereich Produktionswirtschaft
und stieg während der Promotion
bei der Commerzbank AG ein. Seit
2011 ist sie Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre,
insbesondere Finanzwirtschaft
und Internationales Management
an der Hochschule Bremen.
Hätte man Frau Spiecker-Lampe als junges Mädchen vorhergesagt,
dass sie später als Professorin Karriere machen und mit Zahlen jonglieren wird, sie hätte wohl vehement den Kopf geschüttelt. Bis
zu ihrem Abitur sieht sich die gebürtige Bremerin in einem weißen
Kittel. Sie will Kinderärztin werden, doch ein Studium außerhalb
von Bremen können ihre Eltern nicht finanzieren. Sie muss sich
kurzerhand neu orientieren. Während ihre Klassenkamerad_innen
schon genaue Pläne für ihre Zukunft haben, besucht sie Kongresse
und Veranstaltungen, nimmt Beratungsangebote in Anspruch und
entscheidet sich schließlich für Wirtschaftswissenschaften.
Sie erzählt, dass Zahlen sie schon immer fasziniert haben, in Mathe
hatte sie immer einen guten Stand. „So eine gewisse Zahlenaffinität, die muss man schon haben.“ „Etwas mit Sprachen“ sollte es
außerdem sein – da passte die Hochschule Bremen mit ihrer internationalen Ausrichtung bestens. „Ich wollte unbedingt ins Ausland“, sagt Frau Spiecker-Lampe. Um sich den Auslandsaufenthalt
in Leeds, Großbritannien, finanzieren zu können, jobbt sie neben
den Seminaren jede freie Minute.
Ihr Studium schließt sie mit einem Doppel-Diplom ab, womit ihr
Wissensdurst aber noch lange nicht gestillt ist. Nach dem Studium an der Hochschule Bremen arbeitet Frau Spiecker-Lampe als
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in einem europäischen Projekt. Im
Rahmen dieser Tätigkeit setzt ihr der damalige Rektor den „Floh
ins Ohr“, später zu promovieren. Es gelingt ihr, einen der Quereinsteigerplätze im Studiengang Wirtschaftswissenschaft an der
Universität Bremen zu bekommen, um die Voraussetzungen für
eine Promotion zu erfüllen. Als Frau Spiecker-Lampe dann eine
Promotionsstelle angeboten wird, greift sie zu. Auch die Tatsache,
dass sie die erste Frau an dem Institut war, habe sie eher gereizt.
Zwar merkte sie schnell, dass es nicht immer einfach ist, sich gegenüber den Männern zu behaupten, doch das war für sie kein Grund
klein beizugeben.
Noch während sie ihre Doktorarbeit schreibt, steigt Frau SpieckerLampe als Trainee bei der Commerzbank ein. Bald schon bekommt
Hochschule Bremen | Wirtschaftswissenschaften
11
sie ihren eigenen Firmenkundenstamm im Bereich Corporate
Banking, wird Spezialistin im Investment Banking und steigt zur
Abteilungsdirektorin im Bereich Interest, Currency and Liquidity
Management (ICLM) auf. Dort hat sie eine Ertragsverantwortung
von 12 Millionen Euro und trägt Personalverantwortung für 12
Mitarbeitende. Frau Spiecker-Lampe war Pionierin in vielen Bereichen. Sie schildert ihren Job bei der Bank als jeden Tag wieder
abwechslungsreich, spannend und herausfordernd.
Vierzehn Jahre nach dem Hochschulabschluss kehrt sie parallel zur
Arbeit in der Bank als Lehrbeauftragte an die Hochschule Bremen
zurück. Ein Jahr später bringt sie ihren Sohn zur Welt. Sie merkt,
dass es ein schmaler Grat ist zwischen Karriere und Selbstbestimmung. Je mehr Zeit sie in der Bank verbringt, desto weiter geraten ihre persönlichen Bedürfnisse in den Hintergrund. Kurzerhand
zieht sie die Konsequenzen und schließt einen Vertrag mit sich
selbst ab, wie eine Boxerin mit ihrem Coach. Ein Jahr ordnet sie
sich an, all die Dinge zu tun, die sie zuvor vernachlässigt hat und
die ihr Spaß machen. Sie paukt Italienisch, lernt ein Musikinstrument zu spielen und treibt wieder Sport.
„Mit dem Gedanken, als Professorin an die Hochschule zurückzukehren, habe ich seit dem Studium immer wieder gespielt.“ Das
Forschen, die Arbeit mit jungen und motivierten Studierenden und
das internationale Umfeld reizten sie besonders. Mit der Berufung
zur Professorin an der Hochschule Bremen war ihr Glück perfekt.
Für den Weg dorthin sei besonders das Netzwerken von großer
Bedeutung gewesen. „Sich immer wieder ins Gespräch bringen,
eine Runde schnacken und sei es bei Aldi an der Gemüsetheke.“
Heute möchte Frau Spiecker-Lampe etwas von ihren Erfahrungen weitergeben, jungen Menschen klar machen: „Es geht, wenn ihr es nur wollt und
dafür arbeitet.“
Doch beschreibt sie auch, dass ihre berufliche Karriere mit Kind ohne
ihren Mann vermutlich so nicht geklappt hätte. „Eine Mutter mit Kind,
das passte gar nicht in diese verstaubte Banker-Welt.“ Aber sie sagte sich:
„Und? Was interessiert mich das? Wenn ich das will, dann krieg ich das
auch hin.“ Nach der Geburt teilt sich das Paar die Betreuung für den
gemeinsamen Sohn. Sie gehen jeweils für vier Monate in Elternzeit. „Als
Sohnemann acht Monate alt war, ist er für drei Tage in der Woche in die
Krippe gekommen.“ Beide gehen Teilzeit ihrer beruflichen Karriere weiter
nach. „Man braucht ein ‚Backing‘, ganz klar, aber auch den Willen und
eine konkrete Zielvorstellung.“
In einem Satz bringt die Professorin es auf den Punkt: „Frauen
müssen sich in erster Linie klar
machen, was ihre Ziele sind
und auch in schwierigen Zeiten
durchhalten, nicht gleich aufgeben und das Ziel nicht aus
den Augen verlieren.“
European Finance and
Accounting B.A.
Abschluss: Bachelor of Arts
Studienbeginn: Wintersemester
Studiendauer: 7 Semester
inklusive Praxis- bzw.
Auslandssemester
Bitte allgemeine und studiengangsspezifische Zulassungsvoraussetzungen beachten!
Informationen zum Studiengang:
www.efa.hs-bremen.de
Bewerbungsfrist:
i.d.R. vom 15. Mai bis 15. Juli
Bewerbung: Online-Portal
www.bewerbung.hs-bremen.de
Allgemeine Informationen:
www.studienINFO.hs-bremen.de
www.studienberatung.hs-bremen.de
Ihr persönliches Netzwerk baute sie schon früh über das gesamte
Bundesgebiet auf. Vor allem bei Seminaren lernte sie Frauen aus
den verschiedensten Branchen kennen, mit denen sie noch heute
Kontakt hat. Sich einfach mal anhören, „wie die das so machen“,
das Wechseln der Perspektive und auch „mal über den Tellerrand
schauen“, habe sie viel gelehrt und ihr Vieles bewusst gemacht.
Interview und Text: Antonia Kiel
12
Hochschule Bremen | Wirtschaftswissenschaften
Hochschule Bremen Hochschule Bremen | Wirtschaftswissenschaften
13
Sabine Möller ist Gruppenleiterin im
Firmenkundenbereich der Bremer
Landesbank. Sie ist zum Zeitpunkt des
Interviews die Dienstvorgesetzte
von sieben Mitarbeitern. Nach dem
Abitur machte sie zunächst eine
Banklehre. Nach ersten Berufserfahrungen im Firmenkundenbereich
der Commerzbank studierte Frau
Möller Betriebswirtschaftslehre. Im
Anschluss war sie bei der Commerzbank an verschiedenen Standorten
in unterschiedlichen Funktionen
tätig, u.a. als Filialleiterin in Hamburg
und Senior-Firmenkundenbetreuerin
in Bremen.
»
Nicht in die Kuschelecke gehen und so
generalistisch wie möglich studieren
Wie funktioniert diese gläserne Decke, dass die Frauen so schwer
weiter nach oben kommen in den Hierarchien? Wenn ich Sie eben
richtig verstanden habe, dann sind in Ihrer Bank kaum Frauen in
der obersten Führungsebene?
Ganz genau. Unser Vorstand besteht aus Männern. Bis auf eine
Ausnahme sind die Bereichs- und Abteilungsleiter männlich. In
der Firmenkundenbetreuung sind wir zwei Gruppenleiterinnen,
weitere gibt es in den anderen Bankbereichen. Sie fragen, warum
es auf diesen Ebenen weniger Frauen gibt. Das ist eine schwierige
Frage. Sagen wir mal so: Sie müssen dazu in den Köpfen viel bewegen. Das ist sicherlich auch eine Frage der Kultur, der Einstellung. Die jungen Mädchen, die ins Studium gehen, sollten weit
denken, groß denken. Ich glaube, das fällt vielen Mädchen und
auch Frauen noch schwer: Sich etwas zutrauen, sich zu melden
und zu sagen, ICH WILL DA HIN. Ich will mal Vorstand werden. Die
Mädchen werden ja immer noch eher so erzogen: Sei zurückhaltend und gib bloß nicht an. Und mit zwanzig zu sagen, da will ich
mal hin, trauen sich viele nicht zu.
Wie war das denn bei Ihnen, als Sie zwanzig waren?
Wenn ich irgendwo engagiert bin,
dann möchte ich da auch etwas zu
sagen haben und Verantwortung
übernehmen.
«
(Lacht) Ich hatte mal ganz andere Ideen, was ich so machen wollte.
Ich war eine Leseratte, wollte gerne Lektorin, Journalistin oder
auch Archäologin werden (lacht). Ich hab mich für tausend Sachen
interessiert. Und dann war das klassisch. Mein Vater sagte: „Mach
doch erst mal eine Banklehre.“ Ja, habe ich gedacht, ganz gut.
Aber dann wollte ich mehr, auf jeden Fall studieren. Mir war dabei
wichtig, das Studium selber zu finanzieren. Aber erst einmal bin
ich nach der Sparkassenausbildung zur Commerzbank und in den
Firmenkundenbereich gegangen.
Hochschule Bremen | Wirtschaftswissenschaften
15
Dort habe ich schnell gemerkt,
ohne Studium bleibt man auf der
Sachbearbeitungsebene hängen.
Und so habe ich relativ spät – mit
27 – angefangen zu studieren.
Das war BAföG-berechtigt, rückzahlbar. Ich habe dann Betriebswirtschaftslehre (BWL) studiert.
Ist es wichtig für junge Frauen,
Kontakte aufzubauen, sie zu pflegen und zu gucken, dass Leute
einen kennen, die einen fördern
könnten?
Ja. Durch einen persönlichen Kontakt kann man als Frau, die es
sonst vielleicht schwer hat, eine
Chance zu bekommen – gerade
in einem männerdominierten Bereich – meiner Erfahrung nach
sogar konservative Vorgesetzte
dazu bewegen, etwas für einen
zu tun. Weil die einen dann kennen und sehen: Okay, mit der geht
das. Auch Praktika sind wichtig.
Und ganz viel auszuprobieren:
Was kann ich, wo fühle ich mich
wohl? Nicht immer das machen,
was Alle machen, sondern nach
etwas Besonderem suchen.
Das ist ein wichtiger Weg. Sie
haben auch gesagt: Gucken, wo
ich mich wohl fühle?
16
Ja. Aber nicht in der Kuschelecke
wohlfühlen.
für mich, dass die mich akzeptiert
haben, obwohl ich noch jung war.
Das hat großen Spaß gemacht.
Verantwortung habe ich nie als
Last empfunden, sondern immer
im Positiven als Motivation und
Herausforderung.
Sondern?
Wohlfühlen in Themen zum Beispiel. Vielleicht Themen, die ich
bislang nicht auf dem Zettel hatte.
Gerade Mädchen gehen ja immer
wieder in die gleichen Richtungen,
in den Wirtschaftswissenschaften
z.B. zu Marketing und Personal.
Und in Marketing und Personal,
kommt man da richtig weit nach
oben oder ist das schwierig?
Ich bin da wahrscheinlich subjektiv. Ich bin ja schon immer im
Vertrieb. Ich würde sagen, wenn
man Karriere machen und Geld
verdienen will, geht man in den
Vertrieb.
Was hat den Unterschied gemacht, dass Sie als Frau, obwohl
Sie erst mal auch etwas suchend
angefangen haben, dann irgendwann diesen Schwung genommen haben, hinein in eine Führungsposition? Das passiert ja
nicht von selbst.
Also während meiner Trainee- Ausbildung bin ich mehrfach gebeten
Hochschule Bremen | Wirtschaftswissenschaften
worden, Commerzbank-Filialen interimistisch zu leiten, für Urlaubsvertretungen und Ähnliches. Filialen sind kleine Einheiten, wie ein
eigenes Unternehmen. Ich war
für alles verantwortlich: Personal,
dass die Filiale läuft, morgens vom
Tresor öffnen bis zum ordentlichen
Erscheinungsbild. In erster Linie
war ich natürlich für die Erträge
verantwortlich, dass die Geschäfte
laufen. Ich war vor Ort einfach der
Chef, oder vielmehr die Chefin.
Und ich war sehr jung, 29 Jahre,
und hatte oftmals ältere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Es war eine wertvolle Erfahrung
Insofern bin ich dann noch während meiner Trainee-Ausbildung
gefragt worden, ob ich eine
Führungsaufgabe übernehmen
möchte. Konkret: ob ich das
Assessment-Center durchlaufen
und hinterher eine Filiale übernehmen will. Da habe ich gesagt:
„Ja gut, dann trau ich mich mal.“
– Und dann habe ich meine erste
Führungsaufgabe übernommen.
Woran hat es gelegen, dass man
Sie angesprochen hat? Welche
Signale haben Sie ausgesandt?
Sicherlich Ehrgeiz, ich möchte
schon immer die Beste sein, das
gebe ich ehrlich zu. Wenn ich
irgendwo engagiert bin, dann
möchte ich da auch etwas zu sagen haben und Verantwortung
übernehmen. Und eine wichtige Erkenntnis, wo es oftmals bei
den Frauen ein bisschen hapert:
Konfliktbereitschaft. Da leiden
Viele, sie sind anders erzogen. Da
muss immer Friede, Freude, Eier-
kuchen sein. Aber so ist es nicht.
Wenn man nicht aushält, auch
mal zu sagen: So, Leute, das hier
geht gar nicht, dann schafft man
es nicht. Sicherlich ist es auch
eine Frage des Charakters, damit
leben zu können, dass es Stress
gibt, damit leben zu können, dass
man aneckt. Aber man kann auch
etwas dafür tun, dass man damit
klar kommt. Man muss es sich bewusst machen.
Was würden Sie denn jetzt gerne jungen Frauen mitgeben, die
auf der Suche nach dem richtigen
Studium sind?
Wenn man nicht schon von Kind
an genau weiß, was man machen
möchte, ist es wichtig, in der
Orientierung weit zu bleiben.
Das heißt, immer versuchen, so
generalistisch wie möglich zu
studieren und eine Spezialisierung
erst später anzustreben.
Vielen Dank, Frau Möller, für dieses Interview.
Interview und Text: Barbara Rinken
Hochschule Bremen | Wirtschaftswissenschaften
17
Von der Hochschule aufs
internationale Karriereparkett
Sabine Simonneau war als Austauschschülerin in den USA und ging
nach der 11. Klasse für 6 Wochen
als Au Pair nach Frankreich. Sie
studierte drei Jahre an der Hochschule Bremen und zwei Jahre an der
École de Commerce de Grenoble und
besitzt das deutsche und das französische Hochschuldiplom. Nach dem
Studium arbeitete sie in verschiedenen internationalen Unternehmen.
Heute ist sie als Marketing Direktorin
im International Business Development bei Eckes-Granini tätig und
kümmert sich gemeinsam mit ihren
Kollegen und ihrem Team um die
geografische Expansion des Unternehmens und die Steuerung der
Eckes-Granini Marken bei existierenden und neuen Partnern.
»
Natürlich ist nicht alles rosarot,
aber es funktioniert.
«
„Eigentlich gibt es Ihren Job
nicht mehr. Der wurde leider
inzwischen im Headquarter in
London gestrichen.“ Als Sabine
Simonneau, heute Marketing Direktorin bei Eckes-Granini, diesen
Satz hört, ist sie knapp unter 30
Jahre alt, hat bei der Drogeriemarktkette dm eine neue Marke
kreiert, in einem amerikanischen
Filmunternehmen Videokassetten
vermarktet und eine Unternehmensfusion im Spirituosenbereich
miterlebt. Was viele Menschen aus
der Bahn geworfen hätte, nämlich
ein weggestrichener Job, war für
die junge Frau in den Startlöchern
einer ansehnlichen Karriere ein
Antrieb. „Ich habe dann erstmal
geprüft, ob es irgendeinen Job im
Unternehmen gibt, der noch nicht
gestrichen war und der für mich in
Frage käme.“ Den gab es.
Doch der Reihe nach. Etwas Internationales. Sprachen. Wirtschaft.
Und: „Nicht übersetzen, was andere vorgeben.“ Das sollten, soviel ist Sabine Simonneau bereits
als Abiturientin klar, die Grundbausteine ihres Berufslebens werden. Während Andere mit diesen
Interessen eine Dolmetscherausbildung machen würden, entscheidet sie sich für ein internationales Wirtschaftsstudium an
der Hochschule Bremen – damals
ein Studiengang, der noch in der
Pionierphase steckte. Als „perfekt“ bezeichnet sie noch heute
ihre Wahl. „Wir hatten damals
noch ein sehr theoretisches Studium. Wir haben viel gelesen und
gelernt zu analysieren.“ Doch klar
war auch, Analyse allein genügt
nicht. „Ich bin dann an die École
de Commerce de Grenoble gegangen, eine der Top-Ten-Schulen in
Frankreich.“ Dort studierte sie „in
die Breite und praxisnah.“ Beides zusammen – tiefe Theorie,
breite Praxis – haben sich bezahlt
gemacht, das sieht Simonneau in
der Rückschau. Seit 9 Jahren ist sie
nun bei Eckes-Granini in NiederOlm tätig.
„Dabei habe ich nicht unbedingt
einen straighten Lebenslauf“, sagt
sie. Karriereberater_innen würden
das anders sehen. Sie würden die
Zielstrebigkeit der jungen Frau in
den Vordergrund stellen: TraineeProgramm bei dm-Drogeriemarkt;
26-jährig bereits verantwortlich
für die Kreation einer eigenen
Marke; trotz des Erfolgs der Entschluss, sich andere Firmen anzuschauen, also Arbeitgeber zu
wechseln. Das spricht für Mut
zum Risiko, Neugierde, Flexibilität. Die Managerin sagt über
sich selbst: „Ich hatte viele Chancen. Heute, zurückblickend, sage
ich: Das war absolut einmalig.“
Nicht einmalig aber selten ist die
Tatsache, dass sie als MarketingDirektorin auch dreifache Mutter
ist. Nach der Geburt des dritten
Kindes, einer Tochter, bleibt sie
ein Jahr zu Hause. Danach entscheidet sie sich, „wieder ins
Operative zurückzugehen“. Hatte
sie bis dato „eine Stabsstelle, sehr
strategisch und konzeptionell“,
steigt sie nach dem Tochterjahr
in einen neuen Bereich ein. Seit
2011 kümmert sie sich vor allem
um die „geografische Expansion
von granini“. Ein Job, der abwechslungsreich und mit vielen
Reisen innerhalb und außerhalb
Europas verbunden ist.
Drei Kinder, viel reisen? Die Eltern
Simonneau stimmen ihre Terminkalender genauestens miteinander ab: Wenn Mama Simonneau
also in Belgien, Rumänien, Brasilien oder der Türkei unterwegs
ist, arbeitet Papa Simonneau im
Home-Office. Außerdem helfen
Tagesmutter und Freunde aus,
wenn es mal klemmt. „Natürlich ist nicht alles rosarot, aber
es funktioniert für mich, meinen
Mann und auch unsere Kinder“,
Hochschule Bremen | Wirtschaftswissenschaften
19
beschreibt sie das Jonglieren
zwischen Kindern und Karriere.
„Das muss man für sich entscheiden. Dieses Thema, in Deutschland geht das alles nicht, kann
ich nicht teilen.“ Dennoch gibt
es auch in ihrem Unternehmen
selbst aus internationaler Sicht
nicht allzu viele Mitstreiterinnen
in der Führungsetage. „Es gibt ein
paar im Marketing, HR* und eine
einzige im Finanzbereich. Man
merkt, da, wo ich jetzt bin, scheint
der berühmte ‘Glass Ceiling’ zu
sein.“ Und: „Ich wäre froh, mehr
Mitstreiterinnen zu haben.“
Den Kopf in den Sand zu stecken
kommt für die Marketing-Direktorin nicht in Frage. Deswegen
macht sie aus der Not wieder eine
Tugend und hilft mit beim Aufbau eines Direktorinnen-Stammtisches. Dort reden die Führungsfrauen über Gott, die Welt und
„Dinge, die nicht so lustig sind“.
Zum Beispiel, dass Frauen gern in
untergeordnete Rollen gedrängt
werden. Oder dass Frauen länger
nachdenken als Männer, wenn es
darum geht, Aufgaben zu verteilen.
*HR:
Director of Human Resources
„Wir denken oft nach, oh, wie
könnte ich das machen? In der
Zeit hat sich ein Mann das Projekt
schon gesichert. Die sagen einfach: Das kann ich schon.“
Präsent sein, da sein, was sagen.
„Das sind so Details“, sagt Sabine
Simonneau. „Frauen – ich auch –
neigen dazu, sich zurückzuhalten.
Ich muss da auch oft erstmal über
meinen Schatten springen.“
Sabine Simonneau wäre nicht da,
wo sie jetzt ist, wenn sie sich von
„so Details“ aufhalten ließe. Wen
ein gestrichener Job mit Anfang
30 nicht aus der Bahn wirft, der
sieht das mit dem Springen sportlich. Und strategisch. „Man sollte sich genau überlegen, welche
Schlachten man kämpfen möchte,
wie man seine Kraft einteilt. Man
hat nur diese eine Kraft.“ Gut
dosierter Krafteinsatz, gut organisiertes Privatleben und Kontakt
zu Mitstreiterinnen – ein anstrengendes Leben? „Ja“, sagt sie. Aber
es lohnt sich. Denn: Die Rolle als
Führungsfrau „fühlt sich gut an“.
Interview: Barbara Rinken
Text: Friederike Stüven
20
Hochschule Bremen | Wirtschaftswissenschaften
Es geht um Gestalten, Bauen und Bewahren in
der Fakultät 2 – Architektur, Bau und Umwelt.
Es geht um Vernunft, Wissen und Intuition.
Planer–innen und Konstrukteur–innen sind hier
ebenso gefragt wie Künstler–innen und Philosoph–innen. Wer es mag, über den eigenen
Horizont hinauszugehen und das eigene Fach
durch andere Fächer zu bereichern, lernt hier,
Häuser zu bauen und umweltfreundliche Techniken zu entwickeln. Vielleicht, um Lebensraum
und Umwelt verantwortungsvoll zu gestalten?
Vielleicht, um Wohnen und Umwelt mit schönen
Dingen zu bereichern?
22
Architektur, Bau und Umwelt
»
Männer haben mehr Kraft,
aber die ist hier gar nicht gefragt.
«
Sarah Klünder studierte Bauingenieurwesen an der Hochschule Bremen und startete im
Anschluss als Ingenieurin im
Gleisbau bei der BSAG.
Gummistiefel, Bauarbeitersprüche
und jede Menge Spaß
Ein Regentropfen hängt an ihrer Nasenspitze, wird langsam
größer und fällt herunter. Ein paar Haare gucken aus der Kapuze hervor und kleben an ihrer Stirn. Jeder Schritt hinterlässt
ein dumpfes Platschen, Matsch spritzt hoch. „Wenn man mit
einem Schirm rausgeht, dann wirst du nicht ernst genommen“,
sagt Sarah und wischt sich mit dem Handrücken den Regen aus
den Augen. Ein bisschen muss sie noch aushalten, dann kann sie
zurück ins Trockene, in ihr Büro.
Sarah hängt ihre Regenjacke schnell über die Garderobe, füllt den
Wasserkocher und sagt: „So ist das eben, bei Schmuddelwetter
müssen die Bauarbeiter halt auch arbeiten.“
Sie streift sich ihre noch feuchten dunkelbraunen Haare aus der
Stirn, bindet sie locker zusammen und richtet den Kragen ihrer
weißen Bluse, über der sie einen schwarzen Pullover trägt. Bei der
BSAG im Gleisbau geht es leger zu. Sarah Klünder arbeitet seit
zwei Jahren dort und hat vorher an der Hochschule Bremen Bauingenieurwesen studiert. Direkt nach ihrem Bachelor hat sie bei der
Bremer Straßenbahn AG angefangen. „Ich hätte nach meinem Studium auch Urlaub machen können, aber ich wollte gleich Geld verdienen“, sagt sie und gießt dampfendes Wasser in eine Teekanne.
Doch Sarah wollte nicht schon immer Bauingenieurin werden. Es
war eher Zufall, dass sie sich für dieses Studium entschieden hat.
Eigentlich wollte sie Architektur studieren, hatte aber Angst vor
der Aufnahmeprüfung. „Was für ein Glück, denn letztendlich finde ich den Beruf Bauingenieurin viel interessanter, denn hier muss
ich nicht unter Druck kreativ sein.“ Zu Sarahs Aufgaben gehören
Büroarbeiten aber auch die Bauüberwachung. Dafür muss sie
raus, auch wenn es regnet, aber das sei nicht schlimm. Denn nach
einem Tag am Schreibtisch und mit einem Kopf voller Zahlen, tut
frische Luft trotz Regen gut. Auch Telefonate mit Auftraggebern
führt sie oft und meint, dass es dort manchmal von Vorteil ist, dass
sie eine Frau ist.
Hochschule Bremen | Architektur, Bau und Umwelt
25
Der Zufall führte zur richtigen Entscheidung
Nicht viele Frauen arbeiten im Bauingenieurwesen, Sarah macht
das allerdings wenig aus: „Ich persönlich habe überhaupt kein
Problem damit, mit Männern zusammen zu arbeiten. Ich finde es
sogar angenehmer, weil man mit Frauen schon mal eher einen
Zickenkrieg hat“, meint Sarah und lächelt, während sie in ihren
heißen Tee pustet. Nur eines nervt: Bauarbeitersprüche. „Aber ich
habe sie von Anfang an in ihre Schranken gewiesen und habe gesagt, bis dahin könnt ihr einen Spaß machen und da ist die Grenze.“
Hannah Boehle studiert Bauingenieurwesen an der Hochschule
Bremen. Doch nicht mehr lange,
denn sie ist bereits im 2. Mastersemester. „Das ist auch gut so,
denn langsam reicht es auch mal“,
sagt sie und lächelt. Das läge jedoch nicht daran, dass ihre Kommiliton_innen fast ausschließlich
Männer sind. Um es genau zu
sagen, sie ist eine von zwei Frauen.„Ich fand das nie schlimm, ich
fand das eher normal. Ich habe
halt mehr männliche Freunde,
weil es eben mehr Männer gibt.“
Dass so wenige Frauen in diesem Beruf arbeiten, liegt für Sarah
daran, dass viele Frauen Bedenken haben, in einem von Männern
dominierten Beruf zu arbeiten. „Dabei gibt es ja nichts, was ein
Mann von Grund auf besser kann, außer vielleicht körperlich.
Männer haben mehr Kraft, aber die ist hier gar nicht gefragt“,
sagt Sarah und lacht, dass der Tee in ihrer Tasse fast überschwappt.
Sarah Klünder in ihrem Büro bei der BSAG.
Obwohl sie sich wohl fühlt bei der BSAG im Gleisbau, möchte sie
sich beruflich trotzdem irgendwann verändern. Der Vorteil dabei:
„Du kannst als Bauingenieur wirklich alles machen.“ Jetzt arbeitet sie in der Bauausführung, Baustellen werden überwacht und
koordiniert. „Reizen würde mich auf jeden Fall auch die Planung.
Jetzt gucke ich, ob die Gleise auch richtig gebaut sind. Als Planer
gucke ich, wie sie überhaupt gebaut werden können.“
Bauingenieurwesen B.Sc.
Abschluss: Bachelor of Science
Studienbeginn: Wintersemester
Studiendauer: 7 Semester
inklusive Praxissemester
Wenn Sarah heute die Wahl hätte, noch einmal von vorne anzufangen, dann würde sie alles noch einmal genauso machen. „Ich
bin zwar eher zufällig in das Bauingenieurstudium rein gerutscht,
ich kannte das vorher nicht, aber jetzt finde ich es gut.“ Sarah war
vorher gar nicht bewusst, wo eine Ingenieurin überall gebraucht
wird. Als ihr Professor zu ihr sagte, sie solle sich doch mal beim
Gleisbau bewerben, hat sie das erst gar nicht verstanden. „Ich
dachte in dem Moment, bei der BSAG, da gibt es doch nur Busfahrer.“ Sarah lacht, wirft den Kopf in den Nacken und wieder
spritzt ein Regentropfen aus ihrem Haar.
Bitte allgemeine und studiengangsspezifische
Zulassungsvoraussetzungen beachten!
Hannah Boehle befand sich
zum Zeitpunkt des Interviews
noch im Masterstudium Bauingenieurwesen.
Auf ihr Studienfach wurde
sie durch den StudienINFOtag aufmerksam.
Eigentlich wollte Hannah Medizin studieren, aber ihr Numerus
Clausus reichte dafür nicht aus.
An einem StudienINFOtag blieb
sie dann am Stand des Bauingenieurwesens hängen. „Ich kannte
das vorher überhaupt nicht, ich
wusste nicht, dass es das gibt. Ich
war eine verwirrte Schülerin, die
keinen Plan hatte.“
Informationen zum Studiengang:
www.baub.hs-bremen.de
Bewerbungsfrist: i.d.R. vom 15. Mai bis 15. Juli
Bewerbung: Online-Portal
www.bewerbung.hs-bremen.de
Interview und Text: Lea Drabent
Allgemeine Informationen:
„ Ich hatte Glück, dass es das war,
was mir gefällt.“
Die Sache interessierte Hannah
so stark, dass sie sich bewarb und
einschrieb. Was sie im Studium
wirklich erwartet, wusste sie allerdings auch nach ihrer Entscheidung nicht so genau. „Ich hatte
eher ein bisschen Glück, dass es
das war, was mir gefällt.“
Hannah war schon in der Schule
ein Mathe-As, das hilft ihr jetzt.
Interesse und die Lust, sich mit Mathematik und Naturwissenschaften
auseinanderzusetzen, würden jedoch ausreichen, um das Studium
zu schaffen.
Dass Frauen Vorteile gegenüber
Männern haben, wenn sie Bauingenieurwesen studieren, denkt
Hannah nicht. Manchmal würden
sich Professoren mehr Zeit nehmen, ihr etwas zu erklären als
den Männern. Selbstbewusstsein,
Lockerheit und Ironie würden
dabei helfen, solche Situationen eher positiv zu sehen. Einen
wirklichen Nachteil gäbe es aber
schon, wenn man fast die einzige
Frau im Seminarraum ist. „ Es fällt
schon mehr auf, wenn wir in einer
Vorlesung fehlen, weil dann der
Professor sofort fragt, wo ist denn
Frau sowieso“. Ein breites Grinsen
vertreibt den ernsten, zielgerichteten Blick.
www.studienINFO.hs-bremen.de
www.studienberatung.hs-bremen.de
26
Hochschule Bremen | Architektur, Bau und Umwelt
Hochschule Bremen | Architektur, Bau und Umwelt
27
Vor 20 Jahren schloss Maria Clarke in
England ihr Studium der Architektur
(damals ein von Männern dominierter
Beruf) mit einem Diplom ab und ging
danach nach Deutschland. Sie sammelte
Berufserfahrungen in unterschiedlichen
Büros und gründete 1996 das Architekturbüro „Clarke und Kuhn freie Architekten“ in Berlin. Neben der intensiven
Tätigkeit als entwerfende und bauende Architektin wurde sie ab 2000 als
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am
Lehrstuhl für Industriebau und Baukonstruktion an der TU Braunschweig
tätig. Die Mutter einer Tochter ist heute
Professorin für Architektur und Bauingenieurwesen an der Hochschule Bremen.
»
„Uns Frauen stehen alle Berufe offen. Auch wenn
derzeit mehr Männer im Bauwesen arbeiten,
sollte das Frauen nicht abschrecken.“
Wie sind Sie zu diesem Beruf und zu diesem Studium gekommen?
Das war fast Zufall. Eigentlich wollte ich Geographie studieren.
Meine damalige Lehrerin hat mir jedoch geraten, über ein Studium
im Gestaltungsbereich nachzudenken. Ich war siebzehn und habe
mich kurzfristig für ein Architekturstudium entschieden.
Was waren im Rückblick besonders schöne und besonders
unangenehme Erfahrungen in diesem Beruf?
Mit Männern zusammen zu arbeiten, empfand ich im Studium
nicht als Nachteil, das war eine eher gute Erfahrung. Ein bisschen
schwieriger wurde es auf der Baustelle. Es ist nicht der Respekt,
der fehlt, aber es kommen Vorurteile hoch.
Wenn man Interesse an etwas hat,
dann sollte man dem folgen.
Einfach offen sein für das,
was kommt.
«
Hochschule Bremen | Architektur, Bau und Umwelt
29
Wenn Sie heute die Wahl hätten, ihr Leben noch einmal von vorne
zu gestalten, würden Sie es dann genauso noch einmal machen?
Aber Sie konnten sich
durchsetzen?
Auf jeden Fall. Ich glaube, es ist
wichtig, dass man sich bewusst
durchsetzt, aber nicht zickig wird
oder überreagiert. Es ist wichtig,
sich bewusst zu machen, dass
Frauen genau die gleiche Berechtigung haben, sich für diesen Beruf zu entscheiden und ihre Arbeit
genauso gut machen.
Wie läuft das hier an der Hochschule Bremen unter den
Studierenden? Fühlen sich Frauen manchmal übergangen oder
können sie gut dagegenhalten?
Ja, ich glaube schon. Architektur war definitiv die richtige Entscheidung. Es
ist kein einfacher Beruf, denn es hat leider mehr mit Management als mit
Entwurf zu tun. Aber genau mit dieser Stelle hier an der Hochschule Bremen,
der Zusammenführung von Architektur und Bauingenieurwesen, bin ich sehr
zufrieden. Ich finde es immer interessant, etwas Neues zu machen.
Architektur B.A.
Abschluss: Bachelor of Arts
Studienbeginn: Wintersemester
Studiendauer: 6 Semester
Bitte allgemeine und studiengangsspezifische Zulassungsvoraussetzungen
Was sagt ihr Umfeld zu der untypischen Berufswahl?
Haben Sie deshalb schon einmal Gegenwind bekommen?
beachten!
Informationen zum Studiengang:
Wenn ich ganz ehrlich bin, ist meine Mutter meinem Beruf gegenüber
nicht nur positiv eingestellt, sie ist aber auch total stolz. Meine Mutter war
Hausfrau und mein Vater hat gearbeitet. Ich finde es ganz wichtig, das zu
erwähnen, denn das ist teilweise eine Generationenfrage. Meiner Mutter
war es noch völlig fremd, dass eine Frau arbeiten geht. Sie wollte, dass
meine Schwester und ich an die Uni gehen. Aber sie versteht nicht, dass
ich jetzt nicht zu Hause bei meinem Kind bleibe. Auf der anderen Seite
arbeiten mein Mann und ich als extrem starkes Team zusammen. Da gibt es
überhaupt keinen Gegenwind.
www.ab.hs-bremen.de
Bewerbungsfrist:
i.d.R. vom 15. Mai bis 15. Juli
ACHTUNG: Es ist eine künstlerischgestalterische Eignungsprüfung
abzulegen. Bitte Fristen beachten!
Bewerbung: Online-Portal
www.bewerbung.hs-bremen.de
Die können gut dagegenhalten.
Ich persönlich habe im Bauingenieurwesen nicht bemerkt, dass
Frauen anders behandelt werden
als Männer.
Welche Ziele haben sie noch in
ihrer beruflichen Laufbahn?
Ich habe zwei Ziele, das akademische Ziel und meine Werke als
Architektin.
Interview und Text: Lea Drabent
30
Hochschule Bremen | Architektur, Bau und Umwelt
Welchen Tipp würden Sie jungen Frauen geben, die jetzt vor der
Entscheidung stehen, einen Studiengang zu wählen?
Allgemeine Informationen:
www.studienINFO.hs-bremen.de
Sie sollten das machen, auf das sie Lust haben. Sie sollten meiner Meinung
nach bei der Wahl des Studiums nicht taktisch denken. Aber damit möchte
ich nicht sagen, dass man anfängt und alles ist leicht. Es ist auch schwer und
es gibt Tage, an denen man das Ganze vielleicht hinschmeißen möchte. Es
ist am Wichtigsten, dass man Lust auf den Beruf hat.
www.studienberatung.hs-bremen.de
Gibt es sonst noch etwas, dass Sie loswerden möchten?
Wenn man Interesse an etwas hat, dann sollte man dem folgen. Einfach
offen sein für das, was kommt. Vorurteile sollte man zur Seite legen. Auch
wenn es vielleicht 80 Prozent Männer im Studium oder Beruf sind. Ja und?
Wir sind gleichberechtigt. Die Frauen vor uns haben extrem gute Arbeit geleistet. Wir sind jetzt in einer Situation, in der uns alle Berufe offen stehen.
Das Geschlecht sollte keine Rolle spielen.
Hochschule Bremen | Architektur, Bau und Umwelt
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Es geht um Gesellschaft in der Fakultät 3 –
Gesellschaftswissenschaften. Themen sind hier:
Soziale Arbeit, Pflege und Gesundheit, Journalismus, Politik und Freizeit. Was hat Gesundheit mit Politik zu tun? Was ist für Männer an
der Sozialen Arbeit interessant? Welche Rolle
spielt der Journalismus in einer Gesellschaft?
Was machen Freizeitwissenschaftler–innen in
ihrer Freizeit? Wohin geht der Tourismus? In
der Fakultät 3 sind alle gut aufgehoben, die
sich Gedanken darüber machen wollen, wie
alles mit allem zusammenhängt.
32
Gesellschaftswissenschaften
»
Die sozialen Dachdecker
Jeder Tag ist verschieden und
ich kümmere mich um Alles,
von der Freizeitbeschäftigung
bis zu den Arztbesuchen.
«
Philip Reimers arbeitet zum Zeitpunkt
des Interviews als Heilerziehungspfleger
im St. Vincenz Haus in Cloppenburg.
„Wir haben viel zu wenig Männer“,
gesteht er ein. Er betreut Kinder und
Jugendliche mit sonder- und heilpädgogischem Förderungs- und Erziehungsbedarf. Gerade in seinem Bereich wären
männliche Bezugspersonen von Vorteil.
Carsten Greiser (ohne Foto) ist zum
Zeitpunkt des Interviews in der
ambulanten Jugend- und Familienhilfe
bei den Freien Sozialen Diensten
Friesland als Sozialpädagoge tätig.
Erziehung, Pflege und Betreuung: Das ist doch Frauensache!
Carsten Greiser musste sich wegen seiner Berufswahl schon oft
gegen diesen gesellschaftlichen Stempel wehren. Der 30-Jährige
ist in der ambulanten Jugend- und Familienhilfe bei den Freien
Sozialen Diensten Friesland als Sozialpädagoge im Einsatz. Viele Männer würden einen handwerklichen Beruf vorziehen und
nicht wie er „den ganzen Tag nur rumsitzen und quatschen“
wollen, zitiert er einen Freund, der Dachdecker ist: „Das wäre doch
keine richtige Arbeit!“ Ein wahrer Kerl gehe ins Fitnessstudio,
wisse, was er wolle und zeige, was er könne. „Wenn ich so an mein
Studium zurückdenke, saßen da keine durchtrainierten Bodybuilder, sondern Punker“, erinnert sich der großgewachsene Carsten
grinsend und bekräftigt somit selbst das herrschende Vorurteil.
Dass in der Sozialen Arbeit überwiegend Frauen angestellt sind,
bestätigt auch Philip Reimers. Als Heilerziehungspfleger im St.
Vincenz Haus in Cloppenburg weilt er als Rarität unter seinen
weiblichen Kolleginnen. „Wir haben viel zu wenig Männer“, gesteht er ein. Gerade in seinem Bereich wäre es von großem Vorteil,
männlichen Zuwachs zu erhalten, „da es an männlichen Bezugspersonen mangelt“. Der gebürtige New Yorker leistete seinen
Zivildienst im Grünen Haus in Rastede ab. Daraufhin wurde ihm
bewusst, dass er gerne mit Menschen zusammenarbeitet und
ihnen helfen möchte. Seit knapp drei Jahren betreut er nun
Kinder und Jugendliche mit sonder- und heilpädagogischem
Förderungs- und Erziehungsbedarf. „Jeder Tag ist verschieden
und ich kümmere mich um alles, von der Freizeitbeschäftigung
bis zu den Arztbesuchen“, gewährt Philip einen Einblick in seine
Allround-Tätigkeit.
Soziale Arbeit ist weitaus mehr als nur reine Erziehung, Pflege und
Betreuung. Genau wie der Dachdecker, der jedes Haus mit seinen
architektonischen Unebenheiten und Problemzonen individuell betrachtet, muss sich ein Sozialarbeiter mit den komplexen und vielschichtigen Charakterzügen seiner Klient_innen auseinandersetzen.
Philip Reimers bei seiner täglichen Arbeit
im St. Vincenz Haus.
Hochschule Bremen | Gesellschaftswissenschaften
35
„Wenn ich in eine Familie komme, dann als Gast“, erklärt Carsten.
„Und ich muss mir einen Überblick darüber verschaffen, was in dieser Familie los ist und ob die Luft brennt.“ Jeder Besuch ist eine
neue Herausforderung, jeder Mensch ein neues Rätsel, das gelöst
werden muss. Und das ist nicht immer einfach. „Ich erlebe viel
Selbstverletzung in meinem Berufsalltag. Kinder, die Scheiben zerschmettern oder den Kopf gegen Wände schlagen“, erläutert er.
Die Familien, die er besucht, sind oft zerrissen und von tiefgreifenden Problemen erschüttert. „Es ist immer sehr emotional und
man muss ein Feingefühl entwickeln, um mit diesen Menschen zu
arbeiten“, erklärt Carsten.
An persönliche Grenzen sind schon beide Sozialarbeiter im Laufe
ihrer Karriere gestoßen. „Das Krasseste für mich sind die einzelnen Schicksalsschläge der Kinder und auf welchem Weg sie zu uns
ins Heim gelangt sind. Und auch die körperlichen Angriffe“, erzählt Philip, „die sind zwar selten, aber sie kommen leider vor.“
Wenn Messer und andere gefährliche Gegenstände Teil der Auseinandersetzungen werden, ist es wichtig „sich zu helfen zu wissen
und einschätzen zu können, wie weit man gehen darf, um sich
zu wehren“. Auch Carsten ist schon oft an emotionale Grenzen
gestoßen. „Als vor einigen Jahren ein Jugendlicher die Kontrolle
verlor und anfing seine Wohnung auseinander zu nehmen, musste
ich handeln“, erinnert er sich. Anstatt direkt einzugreifen, verließ
er zunächst die Wohnung und kehrte nach 15 Minuten zurück.
„Das hätte auch nach hinten losgehen können. Aber es war die richtige Entscheidung, ihm den Freiraum zu lassen, sich zu beruhigen“,
erklärt er.
Interview: Laura Bohlmann
Text: Natalia Flemming
36
Hochschule Bremen | Gesellschaftswissenschaften
Trotz aller psychischen und physischen Belastungen, die dieses
Berufsfeld mit sich bringt, überwiegen für Philip und Carsten die
positiven Aspekte ihrer sozialpädagogischen Tätigkeit. „Die Arbeit
ist natürlich anstrengend, doch sie ist auch unglaublich dankbar“,
erläutert Carsten. „Und es ist einfach ein gutes Gefühl, etwas zu
bewegen.“ Das Schöne seien die kleinen Erfolgserlebnisse, „wenn
man Fortschritte bei den Kindern und Jugendlichen sieht und man
erlebt, wie man das Leben eines individuellen Menschen verändert und zu einem möglichst positivem Werdegang verbessern
konnte“, fügt Philip hinzu. Ein wasserfestes Dach schützt Familienmitglieder zwar vor Regen und Schnee, doch ein Dach allein kann
eine zerrissene Familie nicht zusammenhalten. Dafür braucht man
Sozialarbeiter, die sich den inneren Stürmen der Menschen stellen:
die sozialen Dachdecker. Erziehung, Pflege und Betreuung: „Das
ist halt auch Männersache!“, sagen Carsten und Philip.
Hochschule Bremen | Gesellschaftswissenschaften
37
„Ich weiß nicht, wo wir als Gesellschaft
ohne die Soziale Arbeit wären.“
Soziale Arbeit B.A.
Abschluss: Bachelor ?
Studienbeginn: Wintersemester
Studiendauer: 7 Semester
Aufbau: Generalistisch
Praxissemester:
In der Regel im 5. Semester
Auslandssemester: nein
Zulassungsvoraussetzungen: Allgemeine Hochschulreife (Abitur)
oder Fachhochschulreife oder Einstufungsprüfung / Sonderzulassung.
Vorpraktikum von 13 Wochen Dauer.
Gute Englischkenntnisse sind erwünscht, aber nicht Voraussetzung.
»
Spätere Berufsfelder:
breit gefächert, von der Arbeit in
Behörden, Gesundheitseinrichtungen, in der Kindertagesbetreuung
und Altenhilfe über Schulsozialarbeit,
offene Jugendarbeit und Erlebnispädagogik bis hin zu Streetwork,
Bewährungshilfe oder selbstständigen Tätigkeiten, wie z.B. gesetzliche
Betreuung.
Weitere Info:
Die Soziale Arbeit ist ein politischer
http://www.hs-bremen.de/internet/
Beruf, der hohe Flexibilität de/studium/stg/soz/aussichten/
erfordert
und Jobs in allen erdenklichen
Berufsfeldern bietet.
«
David Brazier hat sein Studium inzwischen erfolgreich abgeschlossen.
Heute arbeitet er, zu seiner eigenen
Überraschung, als Sozialarbeiter
im Jugendamt und findet das sehr
spannend und herausfordernd.
Wann ist ein Mann ein Mann? Wenn er ein Managergehalt hat?
Nein, sagt David Brazier. Er hat sich für Soziale Arbeit entschieden.
Und ist der Meinung: Soziale Arbeit öffnet viele Türen: Betriebe,
Krankenhäuser, Ämter, Kindergärten, Streetwork – alles ist möglich.
Wenn man David Brazier gegenüber sitzt, dann fragt man sich:
Wo ist es? Wo ist das Klischee vom soften Sozialarbeiter mit
Ernie-T-Shirt und Ringelmütze? David ist 30 Jahre alt, hat bereits
Erzieher gelernt und studiert zur Zeit des Interviews im sechsten
Semester Soziale Arbeit. Soft ist höchstens seine Art, die Dinge auszusprechen, unaufgeregt und durchdacht.
David ist überzeugt: Die Soziale Arbeit ist ein politischer Beruf,
der hohe Flexibilität erfordert und Jobs in allen erdenklichen
Berufsfeldern bietet. „Im Prinzip kann ich überall arbeiten. Angefangen beim Sozialarbeiter im Betrieb, über Krankenhäuser,
Kindergärten, Behinderteneinrichtungen oder Alteneinrichtungen bis hin zum Streetworker. Man kann sich kaum etwas vorstellen, bei dem Soziale Arbeit nicht geht“, wirbt er für sein
Berufsfeld. David wünscht sich kein klassisches Arbeitsleben mit
geregelten Zeiten und Häuschen mit Garten. Er hat eine andere
Lebensplanung. Er lässt die Dinge auf sich zukommen, möchte in
verschiedenen Bereichen arbeiten.
Das ist ein Grund, weshalb er sich für die Hochschule Bremen entschieden hat.„Das Studium ist hier generalistisch angelegt. Ich habe
also die Möglichkeit, in vielen verschiedenen Berufsfeldern zu
arbeiten“, sagt er. In der Sozialen Arbeit sei es ohnehin schwierig, unbefristete Stellen zu bekommen. David persönlich stört das
nicht. „Aber für den, der das nicht will, gibt es auch andere Möglichkeiten, auf dem Amt zum Beispiel.“ Da hat man dann mehr
Planungssicherheit. Leider seien diese Stellen heute rar, was ein
Problem für Viele darstelle, die diese Planungssicherheit suchen
oder brauchen, um beispielsweise eine Familie zu gründen.
Hochschule Bremen | Gesellschaftswissenschaften
39
Wenn er auf die zum Teil prekären Rahmenbedingungen seines
Berufsfeldes zu sprechen kommt, wird er energisch, nachdrücklich.
Natürlich, sagt er, natürlich seien das keine guten Bedingungen
und eigentlich wolle die auch keiner. Deswegen engagiert sich
David neben dem Studium auch im Fachschaftsausschuss und
möchte später in der Gewerkschaft mitmachen. Er spricht davon,
Möglichkeiten zu schaffen, Worte wie Vernetzung und Repolitisierung fallen so oft, dass man ihn gar nicht missverstehen kann.
Er plädiere dafür, die Soziale Arbeit wieder zu einem politischen
Beruf werden zu lassen und Dinge wie prekäre Beschäftigungsverhältnisse zu beseitigen. Und er sieht die Verantwortung auch bei
den Sozialarbeitern und Sozialarbeiterinnen selbst: „Wenn sich
die Sozialarbeiter schon nicht berufen fühlen, sich zu engagieren
wird sich wirklich nichts ändern.“
Soziale Arbeit B.A.
Abschluss: Bachelor of Arts
Studienbeginn: Wintersemester
Studiendauer: 7 Semester
David ist auch deshalb politisch aktiv, weil ihn das gut auf seinen
späteren Beruf vorbereitet, sagt er. Da müsse man solche Sachen
wie Vernetzung und Organisation drauf haben. Darüber hinaus ist
die Arbeit des FASA, wie der Fachschaftsausschuss kurz genannt
wird, auch für das Studierendenleben wichtig. Regelmäßig organisieren sie die Praxismesse mit, zu der verschiedene potentielle
Arbeitgeber ihre Projekte vorstellen und bei denen sich Studierende ein erstes Bild von der Berufswelt machen können. Die
Praxisnähe ist neben der generalistischen Struktur ein besonderes Anliegen der Hochschule Bremen.
Zu den sieben Semestern Studium zählt eine obligatorische Praxisphase im fünften Semester. Das gibt den Studierenden eine gute
Möglichkeit, Arbeitsluft zu schnuppern, so David. International
ausgerichtet sei der Studiengang leider nicht, was aber auch seine Gründe habe. „In der Sozialen Arbeit geht ja Vieles über die
Kommunikation“, erklärt er, so dass die sprachlichen Fähigkeiten
eine große Rolle spielen. Außerdem sind die rechtlichen Bedingungen der Sozialen Arbeit international sehr unterschiedlich.
Wer aber gerne ein Auslandspraktikum machen möchte, sagt David, der werde vom Studiengang in jedem Fall dabei unterstützt.
Zudem gebe es jedes Jahr die International University Week (IUW),
die immer an unterschiedlichen Orten in Europa stattfinde und
an der der Studiengang regelmäßig teilnehme.
40 Hochschule Bremen | Gesellschaftswissenschaften
inklusive Praxissemester
Bitte allgemeine und studiengangsspezifische Zulassungsvoraus-
Die Frage, ob der Mann zur Sozialen
Arbeit passt, kann David eindeutig mit
„Ja“ beantworten. Mit Vorurteilen sei
ihm während seiner praktischen Erfahrungen noch nie begegnet worden. Als
Mann in der Sozialen Arbeit sei man
immer etwas Besonderes und hätte
auch gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, erzählt David. Ob denn die
Soziale Arbeit auch zum Mann passt,
ist eine andere Sache. Männer wollen
Karriere und viel Geld, schreit das Klischee. Klar, Karriere könne man schon
machen, zum Beispiel in der Leitung einer Institution. Managergehälter könne man da zwar nicht erwarten, aber
am Hungertuch müsse man sicher auch
nicht nagen. Die Zahl der bereits erklommenen Sprossen auf der Karriere-
leiter mache allerdings nicht den guten Sozialarbeiter aus, erklärt David.
Empathie im Umgang mit Menschen sei eine wichtige Eigenschaft. Ein sicheres Gespür dafür, wann man lieber Distanz wahren sollte und wann nicht, die
Fähigkeit, sich zu vernetzen und gute Organisation seien für den Berufsalltag
wichtig, listet er auf.
setzungen beachten!
Informationen zum Studiengang:
www.sozarb.hs-bremen.de
Bewerbungsfrist:
Eine gute Portion professionelles Selbstbewusstsein sollte man haben und
sich nicht verunsichern lassen, nur weil andere Berufsgruppen mehr verdienen oder mehr Ansehen genießen.
„Ich weiß nicht, wo wir als Gesellschaft ohne die Soziale Arbeit wären“, sagt
David. Gerade in Zeiten, in denen die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergehe, in denen es immer mehr sogenannte soziale
Verlierer gebe, mit immer komplexeren Problemlagen, leiste Soziale Arbeit
einen besonders wichtigen Beitrag. „Und das muss man als Sozialarbeiter
auch selbstbewusst vertreten!“ Dann lächelt er das Lächeln von einem, der
das Gefühl hat, seine Botschaft sei angekommen.
i.d.R. vom 15. Mai bis 15. Juli
Bewerbung: Online-Portal
www.bewerbung.hs-bremen.de
Allgemeine Informationen:
www.studienINFO.hs-bremen.de
www.studienberatung.hs-bremen.de
Interview und Text: Laura Bohlmann
Hochschule Bremen | Gesellschaftswissenschaften 41
»
«
Wir sind wie eine große Wohnlebensgemeinschaft,
der Eine achtet auf den Anderen.
„Hier tue ich das Richtige auf meine Art
und Weise.“
Susanne Koch-Jakubigk ist seit zwölf
Jahren Leiterin der Pflegeeinrichtung
im Kurpark in Cuxhaven. Ihren Weg in
diese Position fand sie über die Arbeit
in der Praxis, verschiedene Weiterbildungen (Pflegedienstleitung, Heimleitung) und die Entscheidung, sich
selbstständig zu machen.
Margan Shahidi (links) hat sich nach
ihrer Ausbildung zur examinierten
Altenpflegekraft über Weiterbildungen
zur Pflegedienstleitung entwickelt.
Zwei Chefinnen im Gespräch über Ihren Beruf, in dem Durchsetzungs- und Einfühlungsvermögen gleichermaßen gefragt sind
Frau Koch-Jakubigk, Sie sind seit zwölf Jahren Einrichtungsleiterin der Pflegeeinrichtung in der Kurpark Residenz in
Cuxhaven, Frau Shahidi, Sie verantworten die Pflegedienstleitung. Was reizt Sie an Ihren Berufen?
Susanne Koch-Jakubigk: Da gibt es viele Aspekte. Das Verhältnis zwischen Nähe und Distanz, zum Beispiel. Man muss schon
eine gesunde Distanz haben und mit Respekt und Würde handeln. Aber gleichwohl ist es wichtig, dass man Momente wahrnimmt, in denen Nähe gebraucht wird. Manchmal ist das nur
eine kleine Geste. Zum Beispiel, dass man die eine Hand auf
die andere legt. Das kann Wärme und Sich-Geborgen-Fühlen vermitteln. Und das ist ein ganz großer Schwerpunkt unserer Arbeit.
Wichtig ist auch die aktivierende Pflege, mit dem Ansatz: so
wenig Pflege und so viel Selbstständigkeit wie möglich, so
viel Hilfe wie nötig, obwohl das schwieriger ist und mehr Zeit in
Anspruch nimmt. Aber so erhalten sie die Ressourcen, die sonst
irgendwann verschwinden würden – und das ist nicht im Sinne
des Erfinders.
Margan Shahidi: Wenn Sie zum Beispiel sehen, dass ein Bewohner nach einer Operation wieder am Rollator laufen kann, dann
gibt das Zufriedenheit im Beruf.
Sind Sie so eine Art Ersatzfamilie?
Koch-Jakubigk: Wir sind wie eine große Wohnlebensgemeinschaft, der Eine achtet auf den Anderen. Und wir haben die
Philosophie, dass wir Angehörigen, wenn Bewohner sterben,
die Möglichkeit lassen, Abschied zu nehmen. Mit einem Abschiedsritual erweisen wir den Bewohnern den letzten Respekt.
Hochschule Bremen | Gesellschaftswissenschaften
43
Ist es für Frauen einfach, hier die Führungsfunktionen zu übernehmen? Oder wird Ihnen dann und wann von Bewohnern und
Bewohnerinnen so begegnet, dass die sagen: Sie können das
nicht. Eben diese alten Rollenklischees?
Internationaler Studiengang Pflege- und Gesundheitsmanagement B.A.
Koch-Jakubigk: Da habe ich in all den zwölf Jahren keine schlechten Erfahrungen gemacht. Da gibt es keinerlei Probleme mit der
Akzeptanz. Ich selber würde mich so porträtieren, dass ich mit
allen Angelegenheiten gleich umgehe, ob das Personalangelegenheiten sind oder Bewohnerangelegenheiten. Ich habe immer
den fairen Führungsstil gewählt. Natürlich gab es Zeiten, in denen
jemand versucht hat, dir ein Bein zu stellen. So etwas gibt es im
Einzelfall sicherlich immer wieder.
Abschluss: Bachelor of Arts
Studienbeginn: Wintersemester
Studiendauer: 7 Semester inklusive
Auslandssemester
Bitte allgemeine und studiengangsspezifische Zulassungsvoraussetzungen beachten!
Shahidi: Also bei der Personalführung, da gibt es ab und zu mal
Probleme. Es gab Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, auch wenn
sie es nicht so zugegeben haben, die ein Problem gehabt haben,
dass hier die Leitung halt weiblich ist. Das konnte man merken.
Koch-Jakubigk: Das kommt ab und zu mal vor. Auch, dass Bewerber
nicht damit zurechtkommen, dass sie jemanden vor sich haben, der
stark ist und auch sehr selbstbewusst auftritt.
Warum haben Sie, Frau Koch-Jakubigk, sich entschieden,
die Einrichtungsleitung zu übernehmen?
Koch-Jakubigk: Um mein eigenes Konzept umsetzen zu können.
Meine Ideale und Ziele in der Form umsetzen, dass man dieses
Klischee Altenpflege, Altenheim auch mit ganz anderen Augen
sehen kann.
Und was sind Ihre Ideale und Ziele?
Koch-Jakubigk: Im Alter noch Gemeinschaft leben, pflegen und
Spaß daran haben. Und selbst bei Demenz noch Erreichbarkeit
schaffen. Einfach ausgedrückt: Das würdevolle Altern, egal ob
jemand demenzkrank oder altersgebrechlich ist. Das sind wichtige Dinge.
44
Hochschule Bremen | Gesellschaftswissenschaften
Was würden Sie jungen Pflegemanagement-Studierenden mit
auf den Weg geben?
Informationen zum Studiengang:
www.ispg.hs-bremen.de
Koch-Jakubigk: Also, als Erstes würde ich dringend ans Herz legen,
mindestens zwei, drei Wochen zu hospitieren, bevor sie das Studium beginnen. Das würde ich jedem raten. Man muss auf Menschen
zugehen können, man darf also nicht nur Schreibtischtäter sein. Im
Pflegemanagement ist Präsenz wichtig. Sie müssen Mitarbeitern
zeigen, dass sie da sind. Sie müssen das Gefühl von Sicherheit
vermitteln. Sie müssen Durchsetzungsvermögen haben. Sie müssen
klar begründen können, warum sie was tun. Und sie müssen wortgewandt sein. Das sind für mich ganz wichtige Dinge.
Bewerbungsfrist:
i.d.R. vom 15. Mai bis 15. Juli
Bewerbung: Online-Portal
www.bewerbung.hs-bremen.de
Allgemeine Informationen:
www.studienINFO.hs-bremen.de
www.studienberatung.hs-bremen.de
Das klingt anstrengend. Warum machen Sie das?
Koch-Jakubigk: Idealismus? Das ist meine Einrichtung, das ist mein
Baby und das habe ich mir immer gewünscht. Ich will einen Beruf
haben, der mich erfüllt. Hier tue ich das Richtige auf meine Art
und Weise.
Interview und Text: Laura Bohlmann
Heute kann man sich auch gezielt
im Rahmen eines Studiums für
eine Leitungsposition im Gesundheitsbereich qualifizieren, z.B.
im Internationalen Studiengang
Pflege- und Gesundheitsmanagement der Hochschule Bremen.
Hochschule Bremen | Gesellschaftswissenschaften
45
Es geht um die Zukunft in der Fakultät 4 –
Elektrotechnik und Informatik. Wie können wir
das Internet besser nutzen? Was heißt „besser“?
Schneller? Sicherer? Gerechter? Wie und wofür
nutzen wir mobile Kommunikation? Wie funktionieren Roboter? Welche Energie sichert die
Zukunft? Aus den Fragezeichen hinter diesen
Sätzen macht die Fakultät 4 Ausrufezeichen.
Wer also heute schon wissen will, was in zehn
Jahren möglich sein könnte, sollte sich über die
Fakultät 4 informieren.
Elektrotechnik und Informatik
46
»
Ich habe unterm Strich zehn Jahre
gebraucht, um herauszufinden,
was ich studieren will, aber diesen
Hang zur Technik habe ich gehabt.
«
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Eva Thieme (Bild links) ist Mutter von
zwei Kindern und hat eine abgeschlossene Ausbildung als IT Systemkauffrau.
Sie berichtete Viola Diem in einem
Interview über ihr Studium der Medieninformatik an der Hochschule Bremen.
Anna-Karina Herrmann studierte zum
Zeitpunkt des Interviews im vierten
Semester Digitale Medien, weil sie sich
für Neue Medien und für Alles, was
damit zu tun hat, interessiert:
Animation, Webdesign, Programmieren
und Gestalten.
Studierende der Informatik sind auch nicht mehr das, was sie
vielleicht nie waren: Freaks ohne soziale Kontakte aber mit drei
Computerbildschirmen. Zwei Updates verfügbar.
Eva Thieme betritt die Hochschule Bremen, Standort Flughafen, und
schüttelt sich den Wind aus der sportlichen Jacke. Es ist ungemütlich draußen. „Dann müssen wir wohl umso mehr strahlen“, meint
sie, strahlt und schaut nochmal zurück durch die großen Glastüren
auf die Straße. Seit zwei Jahren studiert die 30-Jährige hier Medieninformatik. Sie ist nicht männlich, sie zerkaut beim Reden nicht ihre
Fingernägel, sie sitzt nicht die ganze Nacht mit zwei Tiefkühlpizzen,
drei Bier und einem Artgenossen vor dem flimmernden Computerbildschirm und spielt Ballerspiele. Wie erfreulich – Eva passt nicht
ins Klischee. Nur eine Brille, die trägt sie.
Anna-Karina Herrmann betritt die Hochschule Bremen, Standort
Flughafen. Sie lässt sich auf das Sofa im Eingangsbereich plumpsen
und sagt, dass Digitale Medien eigentlich so ähnlich sind wie Medieninformatik. „Wir haben mehr Gestaltung. Die haben Englisch,
wir müssen uns das selber beibringen. Die haben ein Praxissemester
und wir nicht.“ Seit zwei Jahren studiert die 22-Jährige hier Digitale
Medien. Sie ist nicht männlich, sie zerkaut beim Reden nicht ihre
Fingernägel. Gut, sie sitzt ab und an zuhause und spielt Konsolenspiele – aber eine Brille, die hat sie nicht.
Anna-Karina Herrmann vor dem ZIMT
(Zentrum für Informatik und Medientechnologien)
„Ich habe unterm Strich zehn Jahre gebraucht, um herauszufinden,
was ich studieren will,“ sagt Eva. „Aber diesen Hang zur Technik
habe ich gehabt.“ Eva hat ein Studium abgebrochen, dann ein
Praktikum gemacht, dann eine Ausbildung. Währenddessen, in der
Berufsschule, merkte sie, was ihr Spaß macht. Programmieren. Im
Studium werden Grundlagen verschiedener Programmiersprachen
vermittelt. Ebenso gestalterische Grundlagen: sei es das Layouten
einer Broschüre oder erste Einblicke in gestalterische Aspekte von
Webanwendungen. „Und der dritte Part sind dann medientheoretische Grundlagen. Also wie die Medien funktionieren, wie man sie
beeinflussen und nutzen kann.“
Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik
49
In jedem Fall bietet der Abschluss in Informatik eine gute Ausgangssituation für den Start ins Berufsleben. Eva sagt, es sei nicht
grundlegend, extrem gut in Mathe gewesen zu sein. Man sollte
damit nur gut zurechtkommen. Eva tut das. Sie war eine der zwei
Personen, die die Mathematikklausur im ersten Semester bestanden haben. „Mit einer 4 oder 5 in Mathe wird es schwer“ sagt auch
Anna-Karina. Logisches Denken sei wichtig. „Man muss abstrakt
denken können. In der Informatik wird viel philosophiert, das
kann nicht jeder.“ Vorkenntnisse seien nicht unbedingt wichtig.
Dann müsse man aber hart arbeiten. Und auch die Abiturnote
sage nicht unbedingt etwas aus. „Man muss die Begeisterung dafür haben!“, sagt Anna-Karina voller Überzeugung. „Und wenn
man einen guten Schnitt hat, aber keinen Bock da drauf, dann
bringt es auch nicht viel.“
Genau diese Verbindung aus Gestaltung und Programmierung mag
Eva. „Sinn und Zweck des Studiengangs ist, dass es nicht nur den
reinen Informatiker gibt oder den reinen Gestalter. Es wird unter
einen Hut gebracht, so dass der Informatiker etwas rausbringt, was
nett aussieht, was für den User ansprechend ist.“
In unserer technisierten Welt voller Fernseher, Computer und
Handys wird diese Mischung gebraucht. „Es wird immer Neue
Medien geben“, meint Anna-Karina. „Es ist ein sicherer Beruf.“
Zuerst wusste Anna-Karina nicht, ob Digitale Medien das Richtige
für sie ist. Sie fing direkt nach dem Abitur an zu studieren. Und hatte vorher nie etwas mit Programmieren zu tun. „Zuerst war es ein
bisschen schwer – das erste Semester besonders. Aber wenn man
reingekommen ist, dann geht es, dann macht es Spaß.“ Was es am
Anfang schwer machte, waren vor allem die Schatten der Schulzeit: Warten mit dem Lernen bis zum Tag vor der Klausur. Und wer
das nicht änderte, hatte ein Problem.
In dem Studiengang Digitale Medien gibt es i.d.R. genauso viele
Männer wie Frauen. Bei der Medieninformatik sind es etwas mehr
Männer. Eva sieht sich eher bei den Programmierern. In beiden
Studiengängen wird viel in Gruppen gearbeitet. Sei es theoretisch
oder praktisch. Als Frau um Akzeptanz kämpfen müsse man nicht,
meint Eva. „Aber vielleicht liegt das auch an meiner Arbeit. Weil
ich mich da nicht so doof anstelle, sag ich mal so.“ Eva muss in
anderen Belangen um Gleichberechtigung kämpfen. Sie hat eine
Familie mit zwei kleinen Kindern. Schwer zu vereinbaren ist das
eh schon, wenn der Mann arbeitet. Und dann kommen ungelegene Vorlesungszeiten und das Auslandssemester dazu. Eva darf
Letzteres nach viel Papierkram durch ein Fernstudium ersetzen.
Viele Studierende in beiden Studiengängen kommen, gerade zum
Ende des Semesters, in Stress. Wenn sich die Abgaben häufen, die
Projekte ihre Deadlines haben.
Interview und Text: Viola Diem
50 Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik
Der Studiengang „Digitale Medien“ wird an der Hochschule Bremen nicht
mehr für Studienanfänger_innen angeboten, was zum Zeitpunkt der Inter-
Beide haben sich einen Ausgleich gesucht. Sport. Anna-Karina frönt außerdem von Zeit zu Zeit den Videospielen,
fotografiert, trifft sich mit Freunden.
Eva macht zusätzlich Musik, spielt in
einer Theatergruppe, hat ihre Familie.
Zum Abschalten ist das wichtig. Beide
wollen das Studium durchziehen. Danach muss nicht unbedingt die große
Karriere warten. Eva: „Für mich liegt
der Fokus darauf, wo ich aufgehen
kann. Sonst gehe ich irgendwann ein
und halte nicht lange durch.“ Sie will
vor allem sehen, was sie erarbeitet hat.
„Ich will, dass man das Gerät in der Hand
hat und seine Anwendung! Dass die da
läuft, dass man die anklicken kann. Weil
es ja letztendlich ein Produkt ist.“
views für diese Broschüre nicht abzusehen war. Da jedoch Überschneidungen
zum Studiengang „Medieninformatik“ bestehen, haben wir uns entschieden,
diesen Text vollständig abzudrucken.
Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik
51
Im Laufe der Zeit
Die Geschichte der Informatikerin Susanna Christinck und ihrer
langen Suche nach der beruflichen Bestimmung.
Susanne Christinck machte das Abitur
auf einer Abendschule. Über Umwege
kam sie zum Programmieren und
erwarb in der Schweiz das Diplom der
Fachinformatikerin. Nach erfolgreicher
Arbeit in der freien Wirtschaft wagte
sie den Sprung in die Selbstständigkeit.
»
Informatik wächst immer mehr in unser
tägliches Leben. Es sitzt heutzutage kaum
noch jemand auf dem Sofa, ohne das Handy
oder Notebook dabei zu haben...
«
Tick. Tack. Tick. Tack. Allen, die das Büro von Susanna Christinck
über eine knarrende Treppe erreichen, wird unweigerlich klar,
dass die Zeit nicht still steht. Tick. Tack. Tick. Tack. So klingt es
aus zahllosen Uhrgehäusen an den Wänden, in den Ecken, auf
dem Schreibtisch neben dem Computerbildschirm. Sie ticken
gleichmäßig, aber nicht völlig synchron – als gäbe es eine minimale Zeitverschiebung in der Uhrennachbarschaft. Susanna
Christinck, 48 Jahre, ist Informatikerin. Aus Leidenschaft. Erst
vor kurzem kam sie zurück in ihre Heimatstadt Bremen. „Der
Liebe wegen“, sagt sie. In den letzten 20 Jahren stand die Karriere im Vordergrund. Mit der im Gepäck sitzt sie nun in ihrem
Büro in Schwachhausen, die Sammlerstücke vom Freund – einem
Uhren-Restaurator – als tickende Zuschauer. Viele würde das nervös machen. Christinck nicht. Bei ihr haben die Uhren schon früh
begonnen anders zu ticken als bei den meisten. Sie fand trotzdem ihr Glück – persönlich wie beruflich. Tick. Tack. Tick. Tack. So
klingt die musikalische Hintergrundkulisse einer außergewöhnlichen Vita.
„Ich bin kein Musterbeispiel: Leute, so sollt ihr es machen! Und
vielleicht nicht so, wie es sich die Eltern von angehenden Studentinnen vorstellen. Aber ich bin eben ein gutes Beispiel dafür, dass
es nie zu spät ist und dass man immer noch irgendwas lernen
und ändern kann.“ Christinck wurde mit 16 Mutter, gewollt, mit
18 Ehefrau und kurz darauf Witwe. Sie schmiss die Schule, holte
mit 23 das Abitur in einer Abendschule nach, begann das erste
Studium. Psychologie in Bremen. Kurz vor dem Vordiplom brach
sie ab. „Es ging mir zu sehr am Menschen vorbei. Und ich konnte
mir dann im Verlauf auch nicht mehr vorstellen mit dem, was ich
im Studium lerne, zu arbeiten.“ Ein zweiter Anlauf mit Sozialwissenschaften in Oldenburg scheiterte erneut.
Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik
53
Dann ließ sie das Studieren vorerst hinter sich. Ging arbeiten: in
Büros als Aushilfe, Schreibarbeiten nach Diktat, übersetzte Reiseführer vom Englischen ins Deutsche. Das brachte sie nach München
und zum ersten Mal in Kontakt mit einem Computer. Ihre Übersetzungsarbeiten musste sie auf Diskette abgeben.„Und habe dann
bei einem Bekannten gefragt, ob ich abends mal an seinen Computer darf und mir dann schnell angeeignet, was ich brauchte.“ Sie
bemerkte schnell ihr Händchen für diesen Bereich. „Immer, wenn
jemand sagte: „Hilfe, das geht hier gar nicht. Und das druckt nicht.
Und das macht alles verkehrt! Da habe ich gesagt, ‚Lass mich mal
gucken, ich krieg‘ das hin‘.“
Bald kam der erste eigene PC. „Dann fing es an mit dem Internet.
Damals noch mit Modem an den Telefonhörer geschnallt mit furchtbaren Geräuschen. Das fand ich wahnsinnig faszinierend, dass ich
da Webseiten von Unis in Amerika aufrufen kann.“
Christinck nutze ihr neues Wissen auch im Job. Durch einen Zufall
bekam sie in der Schweiz eine Stelle als Büroleitung für Pflegeheime. Der Bürokratie rückte sie hier mit dem angeeigneten
Computergeschick zu Leibe. Doch, tick, tack, irgendwann war es
für Christinck wieder an der Zeit für einen Umbruch. Dieses Mal
in Richtung Karriere.
„Ich musste überlegen, wie es weitergeht. Punkt 1: Putzen. Geht
immer. Punkt 2: Ich könnte etwas mit Computern machen.“ Nach
der Entscheidung für Punkt 2 mauserte sich Christincks Hobby zu
ihrem Beruf. Sie fing in einer Bank im Support für das Internetbanking an. War diejenige, die hilflosen Anrufern sagt, wo sie draufdrücken müssen. „Nach zwei Monaten war mir das zu langweilig.“
Eine Stelle als Webmaster wurde frei – also jemand, der für die
Erstellung von Webseiten verantwortlich ist. Christinck ergatterte
auch diesen Job, ohne sich auszukennen. Sie setzte sich ran, lernte,
brachte sich alles selber bei. Das kann sie gut, sagt sie. In dem Team
war sie nach kurzer Zeit Leiterin. „Ich wollte schon immer weiterkommen, das liegt mir irgendwie im Blut. Immer weiterkommen,
mehr Geld, größere Teams leiten. Und dann bin ich an einen Punkt
gekommen, an dem es nicht mehr weiterging.“ Zumindest nicht
ohne weitere Ausbildung.
54 Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik
Die begann sie in Form eines Studiums 2003 in der Schweiz.
Über mehrere Vorbereitungsjahre und Zwischenprüfungen erarbeitete sie sich das Diplom der Fachinformatikerin. Für die Ausbildungskosten kam sie selber auf.
Trotz Titel bekam sie in der Bank nicht die erhofften
Projekte und Lohnerhöhungen. Alle Männer verdienten
mehr Geld als sie, selbst, wenn sie ihnen vorgesetzt war.
„Ich habe damals überhaupt nicht geschnallt, dass das
nicht mit mir und meinem Können zu tun hat, sondern
eine allgemeine Sache ist, die Frauen betrifft.“ Frauen
werden schlechter bezahlt als Männer. Einfach weil sie
Frauen sind. Als Christinck das schließlich verstand, kündigte sie. Und bekam gleich eine Stelle als Projektleiterin
in einer Firma für Gebäudeautomation – für einen angemessenen Lohn. Sie kletterte auch hier, bis es kaum mehr
höher ging. „Ich lerne sehr schnell. Und das finden alle
am Anfang immer ganz putzig und irgendwann finden
sie es dann gefährlich und wollen es nicht mehr.“ Die
Zeit war abgelaufen für diesen Job, eine neue Herausforderung musste her. Und dann war da ja noch die Liebe,
die in Bremen unruhig die Sekunden bis zum nächsten
Wiedersehen zählte. Tick. Tack. Tick. Tack. Christinck entschloss sich, zurück nach Bremen zu gehen.
Hier in ihrem Büro in Schwachhausen arbeitet sie nun
selbstständig. Das macht es einerseits unsicherer, weil
man nie weiß, wie die Auftragslage ist. Andererseits kann
sie sich bei Projekten teilweise selber aussuchen, mit wem
sie zusammenarbeitet. Und da wählt sie gerne Kolleginnen. Weil Frauen sich in dem Bereich noch immer mehr
durchboxen müssen. Nicht, weil Christinck nicht mit Männern zusammenarbeiten will. Die Zusammenarbeit mit
ihnen war gut. „Ich habe das als Teamleiterin nie so erlebt, dass Männer keine Frau als Vorgesetzte haben wollten. Im Gegenteil – ich hatte immer guten Kontakt und
das Gefühl, es läuft besser als in vielen Männerteams mit
männlichem Teamleiter. Weil nicht so eine Konkurrenz da
ist.“ Vermisst hat sie allerdings Kaffeepausen, in denen
sie mit einer Kollegin schwatzen kann. Einfach so.
Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik 55
„ Es ist vielleicht eine enorme Hürde, die man da erwartet,
aber ich sehe die nicht. Die ist da nicht. Das ist nur die
Vorstellung, wie furchtbar kompliziert das sein könnte.“
Christinck unterrichtet, zurück in Bremen, bei CBM - Computerberatung Medien – eine Gruppe von neun Frauen und einem Mann,
die eine Weiterbildung machen, inklusive Webprogrammierung.
„Es ist vielleicht gerade so schön zu unterrichten, weil der Großteil
Frauen sind. Für mich ist der schönste Erfolg, dass sie jetzt schon die
Pausen durcharbeiten und mittags gar nicht nach Hause gehen
wollen.“ Am Anfang hatten sie nicht geglaubt, dass sie nach einigen Monaten selber eine Website entwerfen können.
„Die Frauen können ja auch Microsoft Office bedienen und Briefe
schreiben. Und wenn sie das können, dann können sie auch Websites programmieren.“
Zusammengefasst sei der Beruf der Informatikerin simpel und
bestehe in ihrem Fall aus drei Teilen. Erstens dem Unterrichten,
zweitens der Projektleitung, bei der man ein Projekt und die Arbeit mehrerer ProgrammiererInnen für eine Firma koordiniert
und kontrolliert und drittens der Webprogrammierung. Bedeutet:
zusammenarbeiten mit Grafiker_innen oder Designer_innen, die
ein Bild von einer Website entwerfen und Christinck setzt es um.
„Meine berufliche Tätigkeit besteht also nicht nur darin, am PC
zu sitzen und den Bildschirm anzuglotzen!“ Für Einsteiger_innen
empfiehlt Christinck, Neugierde für Neues in sich zu wecken,
gerade in Zeiten des rastlosen Internets. Und auch ans Geld zu
denken, das sich in diesem vielfältigen Bereich verdienen lässt.
„Junge Frauen sollten sich klarmachen, dass mit gutem Geld
auch die Kinderbetreuung kein so großes Problem mehr ist.“
Interview und Text: Viola Diem
56
Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik
Internationaler Studiengang
Medieninformatik B.Sc.
Abschluss: Bachelor of Science
Studienbeginn: Wintersemester
Medieninformatik B.Sc.
Studiendauer: 7 Semester inklusive
Praxis- und Auslandssemester
Bitte allgemeine und studiengangsspezifische Zulassungsvoraussetzungen beachten!
Informationen zum Studiengang:
Für Christinck ist ihr Beruf allgegenwärtig. „Informatik wächst immer
mehr in unser tägliches Leben. Es sitzt
heutzutage kaum noch jemand auf
dem Sofa, ohne das Handy oder Notebook dabei zu haben, während er
gleichzeitig Fernsehen guckt. Deshalb
bin ich auch ganz gerne mal von antiken Uhren umgeben. Um zu merken,
dass es auch noch was Anderes gibt.“
Unsere hochtechnisierte Welt wird
von Menschen wie Susanna Christinck
entwickelt. „Es ist vielleicht eine enorme Hürde, die man da erwartet, aber
ich sehe die nicht. Die ist da nicht. Das
ist nur die Vorstellung, wie furchtbar
kompliziert das sein könnte.“ Christinck liebt ihren Beruf. Ob es aber
dabei bleibt, wie es im Moment ist,
weiß sie nicht. Ihr Büro flüstert ihr es
in jeder Sekunde: Zeiten ändern sich.
www.mi.hs-bremen.de
Bewerbungsfrist:
i.d.R. vom 15. Mai bis 15. Juli
Bewerbung: Online-Portal
www.bewerbung.hs-bremen.de
Abschluss: Bachelor of Science
Studienbeginn: Wintersemester
Studiendauer: 7 Semester einschließlich Praxissemester bzw.
Auslandsstudium
Zulassungsvoraussetzungen: Allgemeine Hochschulreife
Bewerbungsfrist:
15. April bis 15. Juli
Bewerbung: Online-Portal
www.bewerbung.hs-bremen.de
Allgemeine Informationen:
www.studienINFO.hs-bremen.de
www.studienberatung.hs-bremen.de
Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik
59
Wer Frauen will, muss ihnen auch was bieten
Ingenieurin Birgit Zich im Gespräch mit Kristina Seum über vielversprechende Karrierechancen und die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf
Birgit Zich ist Lehrkraft für besondere
Aufgaben an der Fakultät 4 der Hochschule Bremen.
Sie studierte Elektrotechnik (in Bremen
und Manchester) und Ökonomie
(in Oldenburg) und arbeitete danach
zehn Jahre in der Industrie in Bremen
bei Atlas Elektronik.
»
Wenn es politischer Wille ist, den Frauenanteil
in den naturwissenschaftlichen Berufen zu
erhöhen, dann müssen als Allererstes die
strukturellen Hemmnisse abgebaut werden.
«
Teamarbeit, internationales Parkett, abwechslungsreicher Berufsalltag, spannende Projekte: Wer so etwas hört, denkt nicht
unbedingt an Elektrotechnik. Sollte er aber, findet Birgit Zich.
Die Ingenieurin ist Lehrkraft für besondere Aufgaben an der
Hochschule Bremen. Und sie ist sicher: Viele Gründe sprechen
dafür, dass Elektrotechnik für Frauen hochinteressant sein kann.
Wenn Birgit Zich über Aufbau und Struktur des Elektrotechnikstudiums redet, wird deutlich: Diese Frau liebt ihren Beruf. „Die
Ingenieurarbeit ist so komplex, ist so umfangreich. Auf der anderen Seite ist der Technikzyklus so kurzfristig geworden, dass
Entwicklungen immer schneller Marktreife erlangen müssen. Das
führt dazu, dass man zwangsläufig im Team zusammen arbeitet.
Einer allein kann das gar nicht.“ Es stehen also Team- und Projektarbeit im Vordergrund. Nichts für Eigenbrödler. Außerdem:
„Man kann Sachen ausprobieren. Während des Studiums lernt
man nicht nur Theorie. Gerade bei uns an der Hochschule lernt
man in den Laboren, wie Geräte funktionieren.“
Obwohl der Bachelor-Studiengang Elektrotechnik ein nationaler
Studiengang ist, wird den Studierenden empfohlen, im fünften
Semester, also in ihrem Praxissemester, eine der über 145 Auslandskooperationen zu nutzen. Der darauf aufbauende Master
in Electronic Engineering ist nämlich ein internationales Programm,
Englisch ist Studienvoraussetzung. Aber nicht nur dafür sind die
englische Sprache sowie die Auslandserfahrungen wichtig, sondern
auch für das Berufsleben. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Absolventinnen und Absolventen in einer kleinen nationalen Firma
landen. Vielmehr werden sie in der Projektarbeit sein und mit internationalen Kolleginnen und Kollegen zu tun haben, sagt Zich.
Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik
59
Die Einsatzmöglichkeiten nach dem Studium sind vielfältig. Es gibt
die Möglichkeit in „reinen Ingenieurteams, wie in der Entwicklung
oder in der Forschung, oder sogar in interdisziplinären Teams, wie
im Projektmanagement, zu arbeiten.“ Projektmanagement meint:
Da arbeiten Elektrotechniker_innen als Spezialist_innen auch mal
mit Kaufleuten und Einkäufer_innen zusammen.
Wie sieht es mit den Karrierechancen für Frauen aus? „Viel versprechend“, sagt Birgit Zich. Die Arbeit werde, im Gegensatz zu sozialen Berufen, sehr gut bezahlt. Warum ist der Frauenanteil trotzdem
so gering? „Verwunderlich ist, dass sich die Frauen in Deutschland,
wenn es um die Wahl eines MINT-Studiums geht, oftmals unterschätzen und die Männer sich eher überschätzen“, findet Zich.
Und: „Interessant ist, wenn man mal ins Ausland guckt, bei den
Bewerbungen für das Masterstudium bekommen wir sehr viel mehr
weibliche Bewerbungen als für den Bachelor.“
Birgit Zich ist Mitbegründerin des Deutschen Ingenieurinnenbundes und arbeitet seit 25 Jahren an diesem Thema. Die Versuche, mit
Infoveranstaltungen für Frauen in Naturwissenschaft und Technik
oder mit Leuchtturmprojekten sowie Rolemodels, Frauen für einen
MINT-Studiengang zu begeistern, waren bisher nicht besonders
erfolgreich. „Ich denke, wir sind inzwischen wirklich an folgendem Punkt angekommen: Wenn die Industrie das ernst meint mit
Frauen in technischen Berufen, dann muss sich am Image der Industrie dringend etwas ändern.“ Es könne nicht sein, dass Frauen
sich in den Bereichen Naturwissenschaft und Technik immer noch
zwischen Karriere und Familie entscheiden müssten.
Elektrotechnik B.Eng
Abschluss: Bachelor of Engineering
Studienbeginn: Wintersemester
Studiendauer: 7 Semester inklusive Praxisphase
Bitte allgemeine und studiengangsspezifische Zulassungsvoraussetzungen beachten!
„ Man kann Sachen ausprobieren. Während des
Studiums lernt man nicht nur Theorie.
Gerade bei uns an der Hochschule lernt man
in den Laboren, wie Geräte funktionieren.“
Informationen zum Studiengang: www.etech.hs-bremen.de
Bewerbungsfrist: i.d.R. vom 15. Mai bis 15. Juli
Bewerbung: Online-Portal
Der Spaß an technischen Berufen könne
schon im Kindergarten geweckt werden.
Auch in der Schule sieht Zich Entwicklungsbedarf. „In Bremen wird momentan
nur an einem Gymnasium ein Physik-Leistungskurs angeboten. Dadurch bleiben
auch die Studierenden aus“, schildert Zich.
Dennoch sieht die Ingenieurin derzeit
einen Wandel.„Das Elterngeld hat dazu
geführt, dass zumindest in den jüngeren
Familien die Diskussion angestoßen wird,
ob nicht der Mann einen Teil der Elternzeit nehmen sollte.“ Und mit einem Appell
an die Politik endet das leidenschaftliche
Plädoyer der Elektrofachfrau: „Wenn es
politischer Wille ist, den Frauenanteil in
den naturwissenschaftlichen Berufen zu
erhöhen, dann müssen als Allererstes die
strukturellen Hemmnisse abgebaut werden.“ Wer Frauen im Berufsleben will,
muss ihnen also auch etwas bieten. Also:
Mehr Teilzeitarbeitsplätze und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssen
her. 12-Stunden-Arbeitstage und durchgearbeitete Wochenenden ohne Freizeitausgleich gehören auf den Müllhaufen
der Geschichte.
www.bewerbung.hs-bremen.de
Allgemeine Informationen:
Interview und Text: Kristina Seum
www.studienINFO.hs-bremen.de
www.studienberatung.hs-bremen.de
60 Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik
Hochschule Bremen | Elektrotechnik und Informatik
61
Es geht um vielerlei Maschinen, Natur und
Meer in der Fakultät 5 – Natur und Technik. Hier
werden die Bereiche Maschinenbau mit Luftund Raumfahrttechnik, Schiffbau und Meerestechnik, Nautik und Seeverkehr, Biologie und
Bionik abgedeckt. Wer wissen will, was sich
alles über oder unter dem Meeresspiegel,
hoch oben in den Lüften oder auch an Land
so bewegt, bekommt hier an die Hand, was
sie oder er zum Verstehen braucht. Auch, wer
neugierig darauf ist, was sich von der Natur
abgucken lässt, damit (z.B.) Maschinen und
Produkte besser funktionieren, ist hier richtig.
Natur und Technik
62
Interessantes, kreatives Studium mit
hervorragenden Berufsaussichten
Ein Praktikum bei Daimler führte dazu,
dass Katrin Christians ihr Interesse
für Maschinenbau entdeckte. Zum
Zeitpunkt der Fertigstellung dieser
Broschüre hat sie ihr MaschinenbauStudium an der Hochschule Bremen
bereits erfolgreich abgeschlossen.
Spaß an logischen Fragestellungen, kreativen Aufgaben und
Teamarbeit? Das sind gute Vorraussetzungen, um Ingenieur_in
zu werden. Das sagt Maschinenbaustudentin Katrin Christians im
Gespräch mit Barbara Rinken. Christians Fazit: Ein arbeitsintensives aber begeisterndes Studium, das von der Vielfalt der unterschiedlichen Anforderungen und von den unterschiedlichen
Persönlichkeiten der Akteur_innen lebt.
Wie bist Du darauf gekommen, Maschinenbau zu studieren?
»
Verständnis für logische Problemstellungen
ist unverzichtbar, Defizite im mathematischen
oder physikalischen Wissen kann man sicherlich nachholen.
«
Ehrlich gesagt hatte ich früher keine Ahnung, was ein Ingenieur
eigentlich macht. Nach meinem Erststudium, das ich aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig beenden musste, habe ich mich auf
verschiedene Praktikumsstellen beworben. Per Zufall bekam ich
ein Praktikum bei Daimler, das eigentlich für Vordiplomanden
im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen vorgesehen war. Natürlich
hatte ich Bedenken, die Anforderungen nicht erfüllen zu können.
Zudem hatte ich vorher noch nie Produktionsanlagen von innen
gesehen. Aber dann hat es keine paar Tage gedauert, da konnte
man mich aus den Hallen nicht mehr rauskriegen. Es hat mich sehr
fasziniert, wie viele Produktionsschritte heute schon automatisiert
sind. Meine Arbeitskollegen haben mir sehr viel erklärt. Aber natürlich kann man nicht alle Zusammenhänge in einem halben Jahr
Praktikum nachvollziehen. Als ich dann noch schlaflose Nächte
bekam, weil mich bestimmte technische Problemstellungen, die in
einem Projekt aufgetaucht sind, nicht mehr losließen, wusste ich,
dass ein Maschinenbau-Studium das Richtige für mich ist.
Hochschule Bremen | Natur und Technik
65
Wie ist denn das, muss man für Maschinenbau besonders gut in
Mathe sein?
Wo würdest Du denn später gerne arbeiten?
Mich interessiert sowohl der konstruktive Bereich, hier vorrangig
der Bereich Belastungsanalyse von Bauteilen, als auch Alles, was
mit der Produktion zu tun hat, sprich Produktionsplanung, Automatisierungstechnik und Qualitätssicherung. Vorrangig bei der
Auswahl meines späteren Jobs ist aber auch eine freundlich Stimmung im Unternehmen, nette Kollegen und nicht zuletzt halbwegs geregelte Arbeitszeiten, denn auch Zeit und Raum für ein
erfüllendes Privatleben spielen für mich eine große Rolle.
Jein. Man sollte sicherlich ein gewisses Interesse an Mathematik
und an logischen Fragestellungen haben. Sowohl in der Konstruktion als auch in der Produktionsplanung, der Automatisierungstechnik oder anderen Maschinenbaubereichen beruht ein Großteil
der Überlegungen auf logischen Verknüpfungen und physikalischen und mathematischen Grundsätzen. Verständnis für logische
Problemstellungen ist daher unverzichtbar, Defizite im mathematischen oder physikalischen Wissen kann man sicherlich nachholen.
Ich war, als ich anfing, Maschinenbau zu studieren, lange Zeit aus
der Schule raus und das meiste des Schulwissens über Mathematik und Physik hatte ich schon wieder vergessen. Außerdem hatte
ich in der Oberstufe nie wirklich verstanden, wozu man Differential- oder Integralrechnung eigentlich braucht. Man kriegt aber im
Studium ausreichend Gelegenheiten seine Defizite auszugleichen,
z.B. in mathematischen und physikalischen Vorkursen.
Was wirst Du als Ingenieurin verdienen?
Das hängt vom Tätigkeitsfeld und vom Unternehmen ab, wie auch
von meiner persönlichen Weiterentwicklung. Letztendlich kann
man sagen, dass man auf jeden Fall ein solides Auskommen hat
und sich später nicht allzu viele Sorgen um ein geregeltes Einkommen machen muss.
Maschinenbau B.Eng.
Einen technisch/naturwissenschaftlichen Leistungskurs muss man
nicht gehabt haben?
Abschluss: Bachelor of Engineering
Was müssen Frauen wissen, die sich überlegen,
Maschinenbau zu studieren?
Studienbeginn: Wintersemester
Nein. Das kann man alles aufholen.
Studiendauer: 7 Semester inklusive
Praxissemester
Wenn Du später als Ingenieurin arbeitest,
sitzt Du dann viel am PC?
Ja. Vieles wird heute am PC erledigt. So gibt es verschiedene
Programme, um z.B. technische Zeichnungen anzufertigen,
Produktionsabläufe zu planen oder Belastungsanalysen von
Bauteilen anzustellen. Aber auch Programmierwerkzeuge kommen zum Einsatz, z.B. in der Automatisierungstechnik oder zur
Berechnung und Simulation von Antriebskonzepten. Und nicht
zuletzt auch die gängigen Office-Anwendungen, denn auch
das Schreiben von Berichten und das Erstellen von Tabellen und
Präsentationen gehören zum Berufsalltag.
Natürlich verlässt man seinen Arbeitsplatz auch dann und wann, z.B. um sich
die Umsetzung in der Produktion anzusehen. Aber auch für Konferenzen,
Teambesprechungen und Absprachen
mit anderen Kollegen. Der Tüftler, der
alleine vor seinem Schreibtisch herumbastelt, ist schon lange out: Ingenieure
sind Teamplayer und arbeiten im Allgemeinen nicht alleine.
Bitte allgemeine und studiengangsspezifische Zulassungsvoraussetzungen beachten!
Informationen zum Studiengang:
www.me.hs-bremen.de
Bewerbungsfrist:
i.d.R. vom 15. Mai bis 15. Juli
Bewerbung: Online-Portal
www.bewerbung.hs-bremen.de
Interview und Text: Barbara Rinken
Also grundsätzlich sollte man keine Angst vor dem Studium haben. Das Studium ist schon arbeitsintensiv. Allerdings wird nichts
so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Das bedeutet, dass, wenn
man Freude und Interesse daran hat, man es auch absolvieren
kann. Natürlich sind die meisten Kommilitonen immer noch männlich. Aber es ist mir noch nie passiert, dass ich das Gefühl hatte, ich
sei hier nicht erwünscht, weil ich eine Frau bin. Und Frauen sollten
keinen übertriebenen Ehrgeiz entwickeln, nach dem Motto: Ich
muss jetzt eine supergute Studentin werden. Es sind schließlich
auch nicht alle jungen Männer sehr gute Studenten. Und ganz
wichtig ist, dass man sich auch etwas zutraut. Es wird viel in Projektteams gearbeitet und Männer neigen im Vergleich zu Frauen
tendenziell eher dazu, mehr zu wissen vorzugeben, als das tatsächlich der Fall ist. Sprich, wenn man einmal anderer Meinung ist:
Ruhig den Mund aufmachen.
Allgemeine Informationen:
www.studienINFO.hs-bremen.de
www.studienberatung.hs-bremen.de
66
Hochschule Bremen | Natur und Technik
Hochschule Bremen | Natur und Technik
67
Zwischen Mega-Yacht und Hydrodynamik
Schiffbauerin Reichenberg:
„Dieser Beruf ist so geil.“
Anke Reichenberg hat in der Hochschule
Bremen Schiffbau und Meerestechnik
studiert und fand im Anschluss mühelos
einen interessanten Arbeitsplatz.
Als Anke Reichenberg mit zwölf Jahren das Berufsinformationszentrum (BIZ) betrat, fragte sie ein freundlicher Mann in Anzug
und Krawatte, wofür sie sich interessiere. „Schau mal hier“, sagte er, schlug ein grünes Buch auf, „das und das gibt es“. Anke
Reichenberg setzte sich hin und antwortete direkt: „Sie brauchen
gar nicht zu fragen, ich möchte später Schiffbau studieren.“ Etwas
verdutzt schaute der Berufsberater drein, als er diesen Beruf nicht
in seinem grünen Buch fand und folgerte daraus: „Das kann man
nicht studieren.“ Stattdessen schlug er Anke vor, Werkzeugmacherin oder Schmuckdesignerin zu werden. „Das fand ich ganz
doof“, erinnert sie sich, „denn ich wollte schon immer unbedingt
zu den Schiffen“. Im Gespräch mit Natalia Flemming erzählt die
heutige Schiffbauingenieurin von ihren Erfahrungen an der Hochschule Bremen und wie sie ihren Platz in der Männerdomäne mit
Einsatz und Engagement gefunden hat.
Wie bist du an die Hochschule Bremen gekommen?
»
Ich fand das Studium toll, weil die
Atmosphäre sehr familiär war.
«
Ich bin ein praktisch orientierter Mensch und als ich damals mit
meinem älteren Bruder eine Fachhochschul-Tour gemacht habe,
hat mir der Dekan hier in Bremen sofort gesagt: „Dich kriegen wir
hierher!“ Er hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, dass ich
den Tag toll fand und hat mich in richtig nette Vorlesungen gesteckt, die total Spaß gemacht haben. Die waren dann auch eher
praktisch orientiert. Er hat das richtig gut gemacht, weil: Danach
hab ich mir keine andere Fachhochschule mehr angeschaut.
Was für Erfahrungen hast du in der Hochschule gesammelt?
Ich fand das Studium grundsätzlich toll, weil die Atmosphäre sehr
familiär ist. Jeder Dozent kennt die Namen der Studierenden.
Wenn wir vor den Klausuren mit rauchenden Köpfen zusammen
saßen, stießen die Dozenten dazu und sagten: „Na, habt ihr noch
Fragen? Ich seh‘ euch hier alle so sitzen, in zwei Tagen ist meine
Klausur, ich denke mal, ihr habt noch Fragen.“ Das fand ich klasse.
Hochschule Bremen | Natur und Technik 69
Wie wichtig sind praktische Erfahrungen während des Studiums?
Haben dich deine Eltern bei deiner Berufswahl unterstützt?
Sehr wichtig. Man bekommt natürlich auch theoretisches Formelwissen vermittelt, aber das allein reicht nicht. Mit einer Formel
kann man beschreiben, wie sich etwas verhalten wird. Aber sie
sagt dir nicht, wie du dein Verständnis für den späteren Beruf
schärfen kannst. Wenn ein kleiner Schlepper ein großes Schiff
zur Seite schieben will, kann dir eine Formel sagen, wie viel Kraft
der Schlepper theoretisch aufbringen muss. Aber als Schiffbauer
musst du praktisch denken. Wie viel Kraft darf der Schlepper aufbringen, ohne dass irgendetwas verbeult? Solche Fragen werden
hier gefördert.
Sie haben meine Wahl damals als mutig beschrieben. Dadurch,
dass wir gemeinsam viel gesegelt sind und ich auch immer gerne
an Schiffen und Autos rumgeschraubt habe, sind sie nie davon ausgegangen, dass ich mal Tierärztin werde. Um meinen Vater zu beeindrucken, habe ich mit acht Jahren auf die See rausgeschaut und
gesagt: „Ja, diese Schiffe da, die will ich mal bauen.“ Und mein
Vater hat stolz geschwelgt: „Das ist meine Tochter!“
Was für Tipps hast du für Studienanfänger?
Es hilft, wenn man schon an der Schule Mathe und Physik durchnimmt, weil im Studium Felder wie Festigkeitsberechnungen,
Statik, finite Elementenanalysen und Hydrodynamik auf einen
zukommen. Englisch ist auch ein wichtiger Bestandteil des Grundstudiums. Gerade in den ersten Wochen kann es Herausforderungen geben, mit denen man durchaus zu kämpfen hat. Und da das
meistens auch eine Zeit ist, in der man das erste Mal richtig von zu
Hause weg ist, ist das manchmal nicht einfach. Mein Tipp: Durchhalten. Dieser Beruf ist so geil.
Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?
Momentan betreue ich die Bauaufsicht eines Geräteträgers für
eine Megayacht, der aus Faserverbund zusammengestellt wird.
Damit haben die Werften hier in Norddeutschland wenig Erfahrung. Ich entwerfe Konstruktionszeichnungen und dimensioniere
den Träger. Und dann koordiniere ich auch den Bau und die Montage und überprüfe, ob am Ende alles passt. Das ist jetzt das erste
Projekt, bei dem ich einigermaßen alleine laufe und es ist durchaus auch beängstigend. Wenn ich so etwas auf die Reihe kriege
und alles klappt, dann bin ich zufrieden.
Internationaler Studiengang Schiffbauund Meerestechnik B.Eng.
Stoßen Frauen in deinem Arbeitsfeld auf Stolpersteine?
Abschluss: Bachelor of Engineering
Ich habe bis jetzt nur gute Erfahrungen gemacht und werde als
Frau super akzeptiert. Ich bin verflucht jung im Gegensatz zu
denen, die schon mit 14 Jahren ihre Lehre gemacht haben und
jetzt kurz vorm Rentnerdasein stehen. Da würde man schon
denken, dass die Probleme mit jemandem hätten, der ihnen gegenüber weisungsbefugt und dann auch noch eine junge Frau ist. Aber
nein, das ist überhaupt nicht so.
Studienbeginn: Wintersemester
Studiendauer: 7 Semester inklusive Praxis- und Studiensemester im Ausland
Bitte allgemeine und studiengangsspezifische Zulassungsvoraussetzungen beachten!
Informationen zum Studiengang: www.idino.hs-bremen.de
Bewerbungsfrist: i.d.R. vom 15. Mai bis 15. Juli
Bewerbung: Online-Portal: www.bewerbung.hs-bremen.de
Allgemeine Informationen:
www.studienINFO.hs-bremen.de
www.studienberatung.hs-bremen.de
Interview und Text: Natalia Flemming
70
Hochschule Bremen | Natur und Technik
Hochschule Bremen | Natur und Technik
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Eine Seebärin mischt die Meere auf
Dorina Pörksen studierte Nautik an
der Hochschule Bremen. Inzwischen
ist sie auf den Meeren dieser Welt
zuhause.
Über den Sandstränden Tasmaniens gleicht der Mond einer
überdimensionalen Schlaftablette. Mit den warmen Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne weicht das kühle Nachtblau
einem orange-roten Farbenmeer und Dorina Pörksen erwacht
an Bord eines alten Holzsegelbootes zum Rauschen der sich
brechenden Wellen. Vor ein paar Wochen träumte sie noch von
einem Medizinstudium. Erst eine Reise nach Tasmanien brachte
die empathische und selbstbewusste Nautikerin auf den richtigen
Kurs. Im Interview gewährt sie Einblicke in ihren Studienalltag an
der Hochschule Bremen und verrät, wie man sich als Frau unter
rauen Seemännern bewähren kann.
Was gefällt dir an deinem Studium besonders gut?
In der Schule war ich enorm strebsam. Dagegen ist das Studium
eher locker. Man geht hin, wenn man weiß, dass etwas Wichtiges
drankommt. Aber man hat auch die Freiheit, von zu Hause aus zu
lernen. Vielleicht weil man es sich dadurch schneller oder besser
merken kann. Sozial gesehen ist das Studium toll. Seeleute sind
einfach irgendwie lockere, offene Menschen.
Wie sieht dein Studienalltag aus?
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Zu Anfang waren die grundlegenden Fächer dran, dann Meteorologie oder Gesundheit. Man muss ja alles können, wenn man an
Bord ist. Wenn jemand krank wird, muss man dem helfen können.
Ich hatte das Glück, schon vor meinem Studium
Erfahrungen an Bord zu sammeln. Das muss
man auch während des Nautikstudiums. Man
kann ohne praktische Erfahrungen nicht durchs
Studium kommen.
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Hochschule Bremen | Natur und Technik
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Was würdest du einer Abiturientin raten,
die darüber nachdenkt Nautik zu studieren?
Du bist eine von 6 Frauen, die unter 60 Männern studiert.
Wie fühlt sich das an?
Die Entscheidung nicht davon abhängig zu machen, dass sie eine
Frau ist. Wenn man selbstbewusst auftritt und weiß, dass man seine
Arbeit macht und sein Bestes gibt, dann kann sich auch keiner
beschweren. Ansonsten, flexibel bleiben. Die Gesellschaft sagt
immer, man muss Karriere machen, man muss sich jetzt fürs
Richtige entscheiden, sonst wird man zu alt. Aber ich finde, man
sollte ruhig erst mal was ausprobieren und sich die Möglichkeit offen halten, zu sagen: Das war falsch. Und dass man etwas Anderes
machen will.
Im Studium macht es keinen Unterschied.
Und wie ist es an Bord? Wird eine Frau da anders behandelt?
Ja, definitiv. Zwar nicht von allen, aber ich hab‘ auch erst mal die
Erfahrung machen müssen, dass ich für manche nur eine Frau bin
und nicht richtig für voll genommen werde. Man sollte nicht mit
der Erwartung rangehen, dass man da ernsthafte Gespräche führt.
Obwohl das auch möglich ist. Wenn die da wochenlang keine Frau
sehen, geht es auf dem Schiff schon mal in eine Richtung, wo man
rechtzeitig gegensteuern muss.
Wie wichtig ist Praxiserfahrung, zum Beispiel durch
ein Praktikum, in deinem Studium?
Wie sieht der Arbeitsalltag auf einem Schiff aus,
im Gegensatz zum Studium?
Ich hatte das Glück, schon vor meinem Studium Erfahrungen
an Bord zu sammeln. Das muss man auch während des Nautikstudiums. Man kann ohne praktische Erfahrungen nicht durchs
Studium kommen. Das Studium allein würde nicht reichen, um
später an Bord klar zu kommen.
Studieren ist mit dem Leben an Bord nicht zu vergleichen! Da ist
man pünktlich (lacht) und strengt sich ganz anders an. Im Studium
lernen wir Vieles, was wir auf dem Schiff später brauchen. Aber die
wichtigsten Erfahrungen, die kann man sich nur an Bord aneignen.
Muss eine Frau in diesem Studiengang bestimmte Fähigkeiten mit
sich bringen?
Internationaler Studiengang
Ship Management B.Sc.
Also man braucht schon ein bisschen Kraft, weil man auch rausgeht und anpackt. Es gibt Leute,
die sind ein bisschen schmächtiger.
Selbst bei den Jungs. Die werden
natürlich noch mehr verarscht als
die Frauen. Da ist es dann wieder
ein Vorteil, eine Frau zu sein.
Abschluss: Bachelor of Science
Studienbeginn: Wintersemester
Studiendauer: 8 Semester inklusive 52 Wochen Praxisphase
Bitte allgemeine und studiengangsspezifische Zulassungsvoraussetzungen beachten!
Informationen zum Studiengang: www.issm.hs-bremen.de
Bewerbungsfrist: i.d.R. vom 15. Mai bis 15. Juli
Bewerbung: Online-Portal www.bewerbung.hs-bremen.de
Allgemeine Informationen: www.studienINFO.hs-bremen.de
www.studienberatung.hs-bremen.de
Interview und Text: Natalia Flemming
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Liebe Leserinnen und Leser,
wir hoffen, dass diese Broschüre Ihr Interesse geweckt und Sie auf
den einen oder anderen Studiengang aufmerksam gemacht hat.
Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre Entscheidungen und dass
Sie den Lern- und Berufsweg finden, der zu Ihnen passt.
Das Broschüren-Team
Anmerkungen zur gendersensiblen Sprache
Die Formulierungen in dieser Broschüre entsprechen nur teilweise
den Vorstellungen der Gleichstellungsstelle der Hochschule Bremen,
was gendergerechte Sprache betrifft. Dies ist den unterschiedlichen
Hintergründen von Interviewenden und Interviewten geschuldet,
welche für die Broschüre nicht „angeglichen“ werden sollten.
Gleichwohl sei hier vermerkt, dass wir es wichtig finden, die
Dominanz des Männlichen in der deutschen Sprache aufzulösen,
indem z.B. beide Geschlechter genannt bzw. der Unterstrich oder
neutrale Formen verwendet werden. Eine Handreichung zur
Anwendung von gendersensibler Sprache befindet sich auf unserer
Homepage (www.gleichstellungsstelle.hs-bremen.de).
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Hochschule Bremen
Neustadtswall 30
28199 Bremen
www.hs-bremen.de
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Seele and Geist
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