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MÄRCHEN – BÜCHER – FACEBOOK: WAS KINDER IN - EMS

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1/2014
ISSN 0947-5435
E 12344
MAGAZIN ÜBER CHRISTLICHES LEBEN IM NAHEN OSTEN
MÄRCHEN – BÜCHER – FACEBOOK: WAS KINDER IN NAHOST LESEN
DIE NOT DER SYRISCHEN FLÜCHTLINGE: WIE EMS UND EVS HELFEN
INHALT
MÄRCHEN – BÜCHER – FACEBOOK
„Damit sie bleiben können“2
Auf dem fliegenden Teppich der Worte
Welche Geschichten Kinder in Palästina vor dem Einschlafen hören
4
Das Heilige mit einfachen Worten erklären
Maria Khoury gibt in Kinderbüchern das orthodoxe Erbe weiter
8
Literatur auf Rädern10
Die Fahrbibliothek des Goethe-Instituts in Palästina
Regeln und Aufklärung sind der beste Schutz
Über den Umgang mit Internet an der Johann-Ludwig-Schneller-Schule
12
Geschichten werden vor allem erzählt
Vorlesen in Jordanien dient vorwiegend der Erziehung
14
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
Posaunen zum Glänzen und Klingen gebracht
Musikprofessor unterrichtet Kinder auf gespendeten Instrumenten
16
Endlich wie Menschen behandelt18
Flüchtlingsfrauen aus Syrien lernen nähen an der Schneller-Schule
Der Erfahrungsschatz bleibt erhalten20
Leitungswechsel an der Theodor-Schneller-Schule
Nachrichten22
CHRISTEN UND DER NAHE OSTEN
„Damit sie in Syrien bleiben können“ Schulprojekt im syrischen Tal der Christen gestartet
24
Kein Schulterschluss unter Brüdern26
Die Ökumene in Syrien hat es schwer
„Wem gilt meine Solidarität“28
Seminar bringt Ehemalige aus Freiwilligendiensten zusammen
Medien30
Impressum33
Titelbild: Jungen im Unterricht an der Theodor-Schneller-Schule. Foto: EMS/Martina Waiblinger
EDITORIAL
Liebe Leserin, lieber Leser,
mehr denn je ist der Nahe Osten in den Schlagzeilen.
Es sind schreckliche und traurige Nachrichten, die
uns aus Syrien, dem Libanon, Palästina und Ägypten
erreichen. Vielleicht werden Sie sich wundern, dass
wir ausgerechnet jetzt im Schwerpunkt nach den
Lesegewohnheiten von Kindern im Nahen Osten
fragen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden.
Wir wollen die Menschen im Nahen Osten nicht auf
Bürgerkrieg, Unruhen und Zukunftsangst reduziert
sehen. Deswegen haben wir Ali Qleibo, einen
An­thropologen aus Jerusalem, nach Gutenachtgeschichten für Kinder in Palästina gefragt und er hat
extra für das Schneller-Magazin einen wunderbaren
Text über Volksmärchen geschrieben. Die Schriftstellerin Maria Khoury erzählt von ihrer
Arbeit als Autorin christlicher Kinderbücher und George Haddad, Direktor der Schneller-Schule im Libanon, berichtet darüber, welche Rolle Facebook und Internet für die
Kinder und Jugendlichen spielen. In der jetzigen Zeit ist es wichtiger denn je, sich immer
wieder klarzumachen: Der Nahe Osten ist so viel mehr als Bürgerkrieg und Konflikt.
An den Sorgen und Nöten unserer Partner nehmen wir dennoch Anteil. So haben
an der Johann-Ludwig-Schneller-Schule Nähkurse für syrische Flüchtlingsfrauen begonnen, was nicht nur eine organisatorische Herausforderung darstellt, sondern auch emotional unter die Haut geht, wie George Haddad berichtet. Fast schon selbstverständlich
ist es dagegen, dass syrische Flüchtlingskinder bereits im zweiten Jahr in die SchnellerSchule gehen. Auch das EMS-Projekt im Tal der Christen ist mittlerweile gut angelaufen. Es bietet Kindern von Binnenflüchtlingen einen geregelten Schulalltag. Angesichts
der unermesslichen Tragödie, die das syrische Volk derzeit erlebt, sind diese Projekte
vielleicht nur wie Tropfen auf heiße Steine. Wir glauben aber, dass unsere Welt ohne
diese Tropfen ärmer wäre.
Ihr Interesse an unserer Arbeit hilft uns, trotz aller Ungewissheit weiterzumachen
und dem Auftrag gerecht zu werden, dass wir diejenigen unterstützen müssen, die am
meisten Not leiden.
In herzlicher Verbundenheit grüßt Sie im Namen des ganzen Redaktionsteams
Ihre
Katja Dorothea Buck
(Verantwortliche Redakteurin)
1
BESINNUNG
„DAMIT SIE BLEIBEN KÖNNEN“
V
ielleicht erinnern Sie sich an die
bezaubernden Winterbilder, die
Mitte Dezember alle deutschen
Medien aus Jerusalem veröffentlichten:
Kirchen und Kuppeln von Moscheen
unter einer Schneedecke, verschneite Winterlandschaften, Kinder, die Schneemänner bauten. Dieselben Bilder hätten sie
auch in Jordanien aufnehmen können. Als
wir – Pfarrer Dr. Uwe Gräbe, Pfarrer Klaus
Schmid und ich – zur Wahl nach Amman
gekommen waren, stapften wir durch
halbmeterhohe Schneeverwehungen und
konnten Palmen mit einer Schneehaube
bewundern.
Bei näherem Hinsehen stellte sich die
Lage aber gar nicht romantisch dar. Der
Straßen- und der Flugverkehr brachen
zusammen. Die Häuser sind für die eiskalten Temperaturen und den schneidend
kalten Wind nicht ausgelegt. Nicht nur
wir saßen zähneklappernd in unseren
Zimmern. Mit Schrecken wurde uns
bewusst: Hunderttausende müssen derzeit
in dieser Region im Freien kampieren. Viele syrische Flüchtlinge in der Türkei, im
Libanon, in Jordanien und in Syrien selbst
leben im Freien, mehrere Hunderttausende, wenn nicht Millionen. Zwei Millionen
Menschen sollen derzeit außerhalb Syriens
auf der Flucht sein, vier Millionen im
Land. Wir konnten uns nicht vorstellen,
wie man es auch nur eine halbe Stunde bei
diesen Temperaturen draußen aushalten
konnte, geschweige denn mehrere Tage
und Nächte hintereinander.
George Haddad, Direktor der JohannLudwig-Schneller-Schule im Libanon, den
wir aus Amman kontaktierten, erzählte
2
von noch härteren Bedingungen in der
Bekaa-Ebene. Er erzählte auch, dass Flüchtlingsfamilien im Libanon zu Beginn des
Winters Gutscheine für Kerosin zum Heizen bekommen hatten. Sie hatten sie aber
oft verkauft, um dafür Lebensmittel zu
erstehen. Als die große Kälte kam, konnten sie nicht heizen.
Ich habe mich an die Erzählungen meiner Mutter erinnert, die als Zwölfjährige
mit ihrer Familie im harten Winter
1944/45 aus Schlesien vertrieben wurde.
Ihr sind vor allem die schrecklichen Bilder
von erfrorenen Kindern und der ständige
Hunger in Erinnerung geblieben, daneben
die Angriffe aus der Luft auf die Flüchtlingstrecks. Weil ich die Geschichten von
Not und Entbehrungen aus meiner eigenen Familie kannte, konnte ich das ungeheure Bedürfnis meiner Elterngeneration
nach Sicherheit verstehen, das sich unter
anderem in immer überfüllten Speisekellern zeigte. Viele, die den Krieg überstanden haben, erinnern sich an die
Care-Pakete. Sie waren mehr als eine nette
Aufmerksamkeit. Jedes Paket konnte eine
Überlebensstation werden.
So verstehen wir unsere Hilfe für syrische Flüchtlinge. Die Schneller-Schule im
Libanon nimmt syrische Kinder auf, die
damit auch ein Dach über dem Kopf und
zu essen haben. Sie vermittelt den Müttern
– die Väter bleiben oft in Syrien – Grundkenntnisse für eine berufliche Tätigkeit. In
Syrien konnte mit Mitteln der EMS-Kirchen eine Schule für Flüchtlinge eröffnet
werden, die sich hoffentlich zum Kristallisationspunkt für weitergehende Unterstützungen entwickeln wird. Am 4. Januar
Foto: EMS/Uwe Gräbe
konnten die ersten Kinder in der Einrichtung aufgenommen werden. Die Nachfrage nach solchen Plätzen ist groß. Bei der
Auswahl zählt aber die Not der Kinder am
meisten. Ihr religiöser Hintergrund dagegen spielt keine Rolle. Der evangelische
Pfarrer in Kafroun, Ma’an Bitar, spricht
bereits jetzt von einer „gesegneten Initiative, die darauf angelegt ist, Familien aus
verschiedenen Glaubensrichtungen
zusammenzuführen.” Nun müssen wir
eine gewisse Zeit lang Erfahrungen sammeln, bevor wir das Projekt eventuell ausweiten.
Die Vorschule mag der berühmte Tropfen auf den heißen Stein sein: Zu den
100.000 Einwohnern in den 40 Dörfern
im Tal der Christen sind mittlerweile
400.000 Flüchtlinge hinzugekommen.
Man kann sich vorstellen, wie viel Bedarf
dort an Schulen, Kindergärten, Schulspeisung usw. besteht. Aber nun haben wir
zusammen mit unseren Partnern zumindest einen ersten Schritt gemacht, für den
man wohl nur Gottes Segen erbitten kann.
Was genau daraus wird, können wir
nicht sagen, denn die politischen Entwicklungen im Land sind unübersehbar. Leider
gibt es auch Berichte von furchtbaren
Übergriffen der Opposition auf Alawiten
und Christen. Unser Projekt im Ort Kafroun soll auch verdeutlichen: Trotz aller
Sperren für Nachrichten und Informationsweitergabe wollen wir die Menschen
nicht aufgeben, die die kämpfenden Parteien von der Öffentlichkeit abschirmen
und für ihre Zwecke missbrauchen wollen.
Beten Sie für alle, die ihre Zuversicht
auf Gott setzen, weil Menschen sich so viel
Schlimmes antun.
Pfarrer Jürgen Reichel,
EMS-Generalsekretär
3
MÄRCHEN – BÜCHER – FACEBOOK
AUF DEM FLIEGENDEN TEPPICH DER WORTE
Welche Geschichten Kinder in Palästina vor dem Einschlafen hören
Ob jemand Zugang zur Literatur
bekommt und später gerne liest, hängt
von vielen Faktoren ab. Wer Bücher
für sich entdeckt, kann sich ein Leben
lang beschenkt fühlen. Doch auch der
Schatz erzählter Geschichten kann
reich und bunt sein, wie das Beispiel
Palästina zeigt.
Z
ubeidah war die geliebte Frau des
Kalifen Harun Ar-Rashid. Sie war
mutig, schön und weise.“ Die
Geschichte von 1001 Nacht über den
ruhmreichen Kalifen von Bagdad und seine Eifersucht gehörte für mich und meine
Schwester zu unseren Lieblingsgutenachtgeschichten. Wir mussten immer gegen
halb acht im Bett sein. Kurz nach dem
Abendessen gingen wir ins Bad, putzten
uns die Zähne und wuschen uns. Mutter
wachte über alle Schritte, bis sie uns ins
Bett bugsierte, die Lichter auslöschte und
Verse aus dem Koran vorlas, die uns in den
Schlaf wiegen sollten. Wir blieben aber
wach, kämpften gegen den Schlaf und
warteten, dass Vater aus dem Café zurückkommen würde. Wir wollten unbedingt
noch eine letzte Geschichte von ihm
hören, bevor wir wirklich einschliefen.
Historische Anspielungen gemischt mit
fiktiven Personen beschwören eine UrGlückseligkeit herauf. Die Andersartigkeit
brachte uns eine ferne Welt näher, zu der
wir auf dem fliegenden Teppich der Wörter reisten. „Aladin und die ­Wunderlampe“,
„Der Dieb von Bagdad“, „Prinzessin Badr
El-Budur“ und die meisten Gutenachtgeschichten stammten aus der klassischen
arabischen Literatur, „1001 Nacht“, „Kalilah wa Dimnah“ (die arabisiche Version
4
aus dem elften Jahrhundert der Fabeln des
Indischen Panchatantra) und Geschichten
aus dem Leben der Propheten… Sie
schenkten uns eine Ersatzwirklichkeit, die
wesentlich bunter, leidenschaftlicher und
reiner war, als der graue Alltag des Lebens,
in das wir hineingeboren waren.
Später, als wir die Kunst des Lesens
beherrschten, ermöglichten uns diese
Klassiker in ihrer bereinigten Version die
ersten Ausflüge in die magische Welt der
Bücher. Als wir älter wurden, bereicherten
neben den ägyptischen Wochenmagazinen mit „Samir“ und „Superman“ die
herzzerreißenden Missgeschicke des
„Pinocchio“, „Tom Sawyer“, „Gullivers
Reisen“, „Alice im Wunderland“ oder „Der
kleine Prinz“ unsere Kindheit. Romane
wurden unsere ständigen Begleiter und
hielten uns bis spät in die Nacht wach. Der
Zauber, den wir schon in den Gutenachtgeschichten unserer frühen Kindheit
gespürt hatten, entwickelte sich zu einer
Leidenschaft für Bücher.
„Kan ya ma Kan“ (mit diesen arabischen
Worten beginnen die Geschichten von 1001
Nacht. Die Phrase entspricht im Deutschen etwa
dem Satzbeginn „Es war einmal“, Anm.d.R.):
Durch Alliteration und anagrammatische
Anspielungen wurde dieses Eingangsmotiv zum Zauberteppich, auf dem unsere
Fantasie in ein Traumland flog, dessen
Ende mit der idiomatischen Phrase „tutu
tutu khilset el-haddutu“ eingeläutet wurde. Bei der Frage, „hilweh willa mattutu“
(etwa: war die Geschichte gut oder
schlecht) konnten wir gerade noch zustimmend nicken, bevor wir in tiefen Schlaf
fielen.
Foto: GI/Cordula Treml
Kinder in einer Schule in Jerusalem
Lesen ist eine Kulturtechnik, die dem
Selbstausdruck und der persönlichen Identität dient. Zeit, Ort und Bereitschaft zu
lesen sind kulturell vorgegeben und variieren von Gesellschaft zu Gesellschaft in
Abhängigkeit von ethnischer Abstammung und sozio-ökonomischer Schichtzugehörigkeit. Die Heterogenität der
kulturellen Gemeinschaften in Palästina
spiegelt die verschiedenen Haltungen zur
Literatur wider und legt die individuelle
Bereitschaft zu lesen fest. Im Gegensatz zu
den städtischen Zentren wie Gaza, Nablus,
Jaffa und Jerusalem, in denen traditionell
eine gebildete Schicht lebte, waren die beiden anderen ethnischen Gruppen in
Palästina – die Kleinbauern und die nomadischen Beduinen – bis vor kurzem überwiegend Analphabeten, die von der
mündlichen Weitergabe kollektiven Wissens abhängig waren.
Ein Stadtkind, das daran gewöhnt ist,
mit einer Gutenachtgeschichte einzuschlafen, beginnt selbst zu lesen, wenn es
das entsprechende
Alter erreicht. Kinder
aus städtischem
Milieu sind daran
­
gewöhnt, allein zu
sein, die Ruhe zu
genießen und einen
unabhängigen Austausch mit sich selbst
zu entwickeln. Angeleitet und strukturiert wird dies durch
europäische oder
amerikanische Literatur in Englisch
oder Arabisch. Das
ländliche Leben oder
der beduinische
Lebensstil betont das
Muster des Kollektivs und lässt wenig
Raum für die individuelle Selbstfindung
und dementsprechend auch fürs Lesen.
In Tarqumia beispielsweise haben Frauen und Kinder vor allem in der Schutzhütte im Garten oder Weinberg, dort wo das
soziale Leben besonders intensiv ist,
Zugang zu den Volksmärchen. Alle sind
miteinander verwandt und Mitglieder des
gleichen Clans. Als solche kommen sie
gelegentlich, wenn nicht sogar jeden
Abend einfach vorbei. Gemeinsam genießen sie die langen Gespräche in den Sommernächten, tauschen Geschichten aus,
Parabeln, Rätsel und humorvolle Anekdoten, erzählen sich Volksmärchen wie die
Abenteuer von „Nus Nsis“ oder der Beduinen „Swelem and Swelmeh“, und die
Nöte und Missgeschicke von „Djbeneh“…
Poesie, Heldentum, Witz, Tugend, Liebe,
Hass, Eifersucht, Lust, Treue und Lüge,
Dschinne und brutale Kerle, fantastische
Tiere und übernatürliche Wesen sind die
Elemente, mit denen der gewiefte Erzähler
5
Foto: EMS/Uwe Gräbe
MÄRCHEN – BÜCHER – FACEBOOK
Das Motto steht in der integrierten Blindenschule in Irbid deutlich an der Wand: Lesen macht Spaß.
die Wendungen und Drehungen des Plots
webt, die Wechsel der Geschicke strickt
und am Ende eines spannenden Dramas
Liebe, Tapferkeit und Tugend triumphieren lässt. Es ist eine Ein-Personen-Vorstellung, in der Wörter, Gesten, Musik,
Rhythmus und Tonfall eine Unterhaltung
für die ganze Familie liefern.
Gutenachtgeschichten, mit denen meine Generation in Jerusalem aufgewachsen
ist, stammen sowohl aus der klassischen
arabischen und international europäischen Literatur im Gegensatz zu den
Geschichten des ländlichen Palästinas.
Nur die Geschichte von „Laila wil Dhi’eb“,
die arabische Version von Aschenputtel,
kennen wir alle.
Auch wenn das ländliche Volks­
märchen-Repertoire von Dorf zu Dorf
­unterschiedlich war, basierten die vorherrschenden Erzählmuster auf lokalen, alt-
6
hergebrachten Überlieferungen, die von
Generation zu Generation weitergegeben
wurden. Als sich ein modernes palästinensisches Nationalbewusstseins entwickelte
und sich die aufkeimende kollektive kulturelle Identität als echt erweisen musste,
wurden diese Überlieferungen aus einer
ländlichen Kultur ausgewählt, um das
authentische Brauchtum Palästinas darzustellen.
Mit der Geburtsstunde des palästinensischen Nationalbewusstseins wurde
gleichzeitig auch die Kindheit als eine
soziale Kategorie gefeiert. Die Vorreiter in
der Intellektuellenszene schrieben ihr eine
neue Dimension, ein neues Bild und eine
neue Identität zu. Die Schriftsteller nutzten Kindergeschichten als ein pädagogisches Mittel, um die klassische arabische
Sprache zu lehren, zu predigen und um
bestehende gesellschaftliche Werte zu
bestätigen. Plot und Charaktere wurden
aus den Volksmärchen und der klassischen
arabischen Literatur genommen und wurden vorgestellt als ein Ausbund an Tugend
und Heldentum. Die Literatur nach der
Nakbah hatte gemäß Yousef Yousef ein
pädagogisch-politisches Ziel. Die Themen
handelten vom israelisch-palästinensischen Konflikt, waren Kritik an überholten Bräuchen und Werten, und bestätigten
die palästinensisch-muslimisch-arabische
kulturelle Identität.
Sozialpsychologische Kulturfaktoren
verbunden mit dem Mangel an Literatur,
die für die ländliche palästinensische
Gesellschaft von Relevanz gewesen wäre,
stellen die größten Herausforderungen
dar, wenn man Kinder ans Lesen heranführen will. Palästinensische Volksmärchen auf Kindergeschichten zu reduzieren,
bedeutet zwangsläufig Verbiegung und
Verfälschung. Es entfremdet den klassischen, geschriebenen Text vom Original
der mündlichen Erzählung. In ihrer
ursprünglichen Form ist das Erzählen von
Volksmärchen eine allumfassende Kunst,
in welcher Dichtung, Musik und Tanz
zusammenfinden.
Das berühmteste Volksmärchen, die
Erzählung von Djebeneh, wurde als palästinensisches Symbol gewählt und wurde
in klassischem Hocharabisch als Kinderbuch veröffentlicht. Die Geschichte, die
jedes Dorf anders ausschmückt, hat viele
Varianten. Missbraucht von ihrem Diener
und von einem Dschinn in ein fernes
Land entführt, singt Djebeneh dem Himmel, den Tälern, den Vögeln, Tieren und
Pflanzen von ihrer Liebe und ihrer Sehnsucht nach der Heimat vor: Die Entfremdung von ihrem Land, ihre Nöte und
Probleme werden als Symbol für die palästinensische Diaspora gesehen. Außerhalb
seines ethnographischen Kontextes und
in klassisches Hocharabisch gegossen hat
das Buch das ursprünglich mündliche
Meisterwerk untergraben. Die Musik ist
verloren gegangen. Die reiche Erzählung
wurde auf einen politischen Slogan reduziert, die Sprache ist bevormundend
geworden; der Plot wurde zu einer rührseligen, sentimentalen Erzählung.
„Harun Ar-Rashid wollte die Treue seiner Frau prüfen.“ Vaters sanfte Stimme
hallt in meiner Erinnerung wider trotz des
großen zeitlichen Abstands. „Deswegen
beauftragte er einen besonders gut aussehenden Sklaven ihr zur Seite zu stehen.
Wohin Zubeidah auch ging, folgte der
Sklave ihr, bot ihr seine Hilfe an und blieb
in ihrer Nähe. Er befolgte die Anweisungen des Kalifen sogar soweit, dass er seine
Schulter an ihrer rieb und dass seine Zehen
und Finger aus Versehen ihre berührten.
Zubeidah fühlte sich zu ihm hingezogen,
aber sie war weise genug um zu erkennen,
dass seine Annäherungsversuche eine List
waren. Sie bat ihren Mann, den Sklaven
von seiner Aufgabe zu entbinden und
ermahnte den Kalifen der Muslime höflich: „Es ist nicht weise, den Menschen zu
prüfen, den man liebt.“
Der Zauber von Bagdad, die Menschlichkeit, Verletzlichkeit und Schwäche des
Großen Kalifen sowie seine Liebe und
Eifersucht waren die Fäden, aus denen die
Liebe zu Abenteuern und zum Leben
gestrickt waren. Eine Fülle von Büchern
füllte unseren Weg von der Kindheit durch
die Adoleszenz bis zum Erwachsenenalter
und bescherte uns eine lebenslange
Freundschaft.
Dr. Ali Qleibo ist Maler
und Anthropologe und unterrichtet an der
Al-Quds-Universität in Jerusalem.
7
MÄRCHEN – BÜCHER – FACEBOOK
DAS HEILIGE MIT EINFACHEN WORTEN ERKLÄREN
Maria Khoury gibt in Kinderbüchern das orthodoxe Erbe weiter
Haben Sie als Kind gerne gelesen oder
haben Ihre Eltern Ihnen vorgelesen?
Meine Mutter war Griechin, die in die USA
ausgewandert war. Wir sollten in einer
Umgebung aufwachsen, in der wir bessere
Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten
hatten als in Griechenland. Meine Mutter
hat mir täglich vorgelesen. Sie wollte, dass
wir uns die griechische Sprache bewahren.
Immer wenn ich aus der Schule kam, las
sie mir auf Griechisch vor. Auf diese Weise
habe ich schon sehr früh eine Liebe zum
Lesen entwickelt.
erstes Buch „Christina geht zur Kirche“
entstanden. Ich konnte damit meinem
eigenen Kind erklären, warum wir als
orthodoxe Christen in der Kirche Kerzen
anzünden, warum wir Ikonen küssen, warum wir die Hand des Priesters küssen, warum wir Kommunion haben, warum wir
zuhören, wenn das Evangelium in der
Kirche gelesen wird – einfach all diese
Warum-Fragen, welche ein zweijähriges
Kind stellen kann, wenn es zum ersten
Mal eine Kirche betritt. Ich bin überzeugt,
dass der Glaube einen Menschen das ganze Leben in guten und in herben Zeiten
tragen kann. Deswegen wollte ich eine
Geschichte haben, die bei meinem Kind
den Glauben weckt.
Foto: Privat
Eher zufällig ist Maria Khoury Kinderbuchautorin geworden. Als sie für ihre
Tochter nichts Passendes zum orthodoxen Glauben fand, fing sie selbst an,
Bücher für Kinder zu schreiben. „Der
perfekte Leser liebt das Leben und die
anderen“, sagt die Autorin aus Taybeh
in der Nähe von Jerusalem.
Was waren Ihre Lieblingsgeschichten
als Kind?
Das waren die Märchen mit einem Happy
End. Und natürlich fand ich es wunderbar,
wenn meine Mutter mir die berühmte
Geschichte von Aschenputtel vorlas.
Warum haben Sie angefangen, selbst für
Kinder zu schreiben?
Als meine Tochter klein war, habe ich viele Geschichten gelesen, die ich aus der
Bibliothek ausgeliehen hatte. Doch in den
Regalen fand ich nichts, was auf meine
Kultur und meine religiöse Identität eingegangen wäre. Ich wollte meiner Tochter
aber Bücher vorlesen, die ihr helfen sollten, unser einzigartiges Erbe und unseren
Hintergrund zu verstehen. So ist mein
8
Dr. Maria Khoury lebt in Taybeh.
Orte, in denen Jesus gelebt und gewirkt
hat, wo er Wunder vollbracht hat usw.
Warum sollten Ihres Erachtens Kinder
Ihre Bücher lesen?
Ich finde es wichtig, dass Kinder etwas
über die christlich-orthodoxen Werte und
Traditionen lesen sollten. So können sie
an die nächste Generation weitergegeben
und erhalten werden. Es ist eine Möglichkeit, Werte und Praktiken, die seit 2000
Jahren bestehen, zu bewahren. Literatur
über diese Traditionen hilft außerdem, ein
reiches Verständnis für das kulturelle Erbe
zu erlangen und Respekt zu bekommen
davor, dass der religiös-ethnische Hintergrund die Bildung der kindlichen Identität
beeinflussen kann.
Maria Khourys Bücher können über
www.holycrossbookstore.com bezogen werden.
Wer sind Ihre Leser?
Meine Leser sind in der Regel orientalischorthodoxe Christen, die etwas über die
Werte und Glaubenstraditionen lernen
wollen oder die Kirchensymbolik in einfachen Worten erklärt haben wollen.
Welche Themen greifen Sie in Ihren
Büchern auf?
Oft geht es um die Sakramente, die in der
Kirche vollzogen werden oder um die
Menschen, die sich voll und ganz in den
Dienst der Kirche gestellt haben, wie die
Heiligen zum Beispiel. Ich schreibe über
ihr Leben und warum sie ihr Leben Gott
geweiht haben oder warum sie anderen
helfen. In einem meiner „Christina im
Heiligen Land“-Bücher geht es um die Heiligen Stätten des Christentums, um die
Geben Eltern, Kinder oder Lehrer Ihnen
Rückmeldung auf Ihre Bücher?
Meistens bekomme ich positive Rückmeldungen auf meine Bücher. Manchmal
beklagen die Leute, dass die Hauptperson
in meinen Büchern weiblich ist. Einige
fragen, warum ich keine männlichen Figuren in meinen Geschichten habe. Viele
Lehrer aus kirchlichen Schulen schreiben
mir, wie viel einfacher ich ihnen den
Unterricht gemacht hätte. Sie schätzen die
einfachen Erklärungen in verständlichen
Worten über die Sakramente oder die Heiligen.
Wer ist Ihrer Meinung nach der p
­ erfekte
Leser?
Der perfekte Leser ist jemand, der täglich
oder wöchentlich mit Leidenschaft liest,
der in Bücher eintaucht und geistig, seelisch und mental an Orte reist, die er physisch nicht erreichen könnte. Der perfekte
Leser liebt das Leben und die anderen
Die Fragen stellte Katja Dorothea Buck.
9
MÄRCHEN – BÜCHER – FACEBOOK
LITERATUR AUF RÄDERN
Die Fahrbibliothek des Goethe-Instituts in Palästina
Seit 2010 betreibt das Goethe-Institut
Palästinensische Gebiete in Zusammenarbeit mit dem Institut Français
eine Fahrbibliothek für Kinder und
Jugendliche. Ausgangssituation war
die eingeschränkte Bewegungsfreiheit
im besetzten Westjordanland.
W
enn die Kinder nicht zu den
Büchern kommen können,
dann müssen die Bücher zu den
Kindern kommen.“ Unter diesem Motto
wurde 2010 eine Fahrbibliothek eigens für
das Goethe-Institut in Deutschland angefertigt. Seither besucht sie regelmäßig von
September bis Mai Schulen in den Palästinensischen Gebieten, an denen Deutsch
und Französisch als Fremdsprachen unterrichtet werden. Zusätzlich fährt das Tamer
Institute for Community Education1 an
den Wochenenden mit der Fahrbibliothek
in entlegene Dörfer, in denen es so gut wie
keine Medienversorgung gibt. In den Sommerferien wird die Fahrbibliothek außerdem vom Qattan Center for the Child2 in
Kooperation mit dem Tamer Institute in
Gaza betrieben. Mehr als 300 Tage im Jahr
ist die Fahrbibliothek im Einsatz.
Sie leistet einen wichtigen Teil zur
Informationsversorgung der jüngeren
Bevölkerung. Das Recht auf Information,
aber auch das Recht auf Spaß und ästhetisch wertvolle Medien, sind die ausschlaggebenden Prämissen im Konzept der
Fahrbibliothek. Der Erfolg ist enorm:
1www.tamerinst.org
2 Das Qattan Center for the Child ist mit 110.000 Medien und
einer Fläche von 1.100 Quadratmetern die größte Kinderbibliothek
des Nahen Ostens und der wichtigste Ort für Kinder in Gaza, der
Bildung und Freizeit unter einem Dach anbietet.
www.qattanfoundation.org
10
Innerhalb von drei Jahren wurden mehr
als 4.000 Kinder im Westjordanland und
in Ostjerusalem während der regulären
Touren sowie 14.000 Kinder im Gazastreifen während der Sommermonate erreicht.
Der Bus ist inzwischen zu einem Vorzeigeprojekt der kulturellen Bildung geworden,
auf das auch die deutsche UNESCO-Kommission für Lebenslanges Lernen aufmerksam geworden ist.
Der von einem Karosseriebauer in
Frankfurt umgebaute Mercedes Sprinter
bietet Platz für rund 1.500 Medien. Auf
einem ausfahrbaren LCD-Bildschirm können Filme gezeigt werden. Der Bestand
reicht vom Sachbuch über Comic, Belle­
klärung will der Bus den Informationsansprüchen einer jungen Zielgruppe gerecht
werden.
Foto: GI/Julia Wunderlich
Der Bücherbus des Goetheinstituts am
Checkpoint von Qalandia
tristik, Hörbücher und Musik bis hin zu
Zeitschriften für Kinder und Jugendliche
sowie pädagogische Begleitmaterialien für
Lehrer auf Arabisch, Französisch und
natürlich Deutsch. Die Auswahl richtet
sich an Kinder und Jugendliche zwischen
sechs und 16 Jahren.
2014 wird der Bus erstmals auch Projekte zur gesundheitlichen Aufklärung
anbieten – in einer nach wie vor traditionell geprägten Gesellschaft wie der palästinensischen kein leichtes Unterfangen.
Gemeinsam mit Veranstaltungen des lokalen Partner „Juzoor“ und Broschüren der
Bundeszentrale für gesundheitliche Auf-
Gleichzeitig leistet der Bus einen wichtigen Beitrag zur Förderung der deutschen
Sprache. Deutsch als Fremdsprache wird
an acht palästinensischen Schulen unterrichtet, an denen mehr als 1.300 Kinder
Deutsch lernen. Zusätzlich gibt es noch
zwei deutsche Auslandsschulen, Talitha
Kumi in Beit Jala und die Schmidt-Schule
in Ostjerusalem. Während der regulären
Touren hält die Fahrbibliothek in diesen
Schulen und verleiht Medien für die Dauer von zwei bis drei Wochen. In den Sommerferien kommen weitere Haltestellen
hinzu wie zum Beispiel öffentliche Parks,
Kinderkrankenhäuser, Kindertagesstätten
und Kinderferienlager. Geschichtenerzähler, Puppenspieler und Musikangebote lassen die Fahrbibliothek zur kleinen Bühne
werden.
Die Veranstaltungen helfen dabei, den
Medienbestand zu vermitteln und wecken
auf spielerische und ästhetische Art die
Kreativität und Neugier bei den Schülerinnen und Schülern. Die Resonanz ist so
überwältigend, dass die A.M. Qattan Stiftung inzwischen eine zweite Fahrbibliothek für den dauerhaften Einsatz im
Gazastreifen (1,7 Mio Einwohner) in Auftrag gegeben hat. Zum Vergleich: Finnland
hat 5,4 Mio Einwohner und mehr als 120
Bibliotheksbusse. Der Bedarf an Fahrbibliotheken in Palästina ist offenbar noch
lange nicht gedeckt.
Dr. Jörg Schumacher leitet das
Goethe-Institut Palästinensische Gebiete
im Deutsch-Französischen Kulturzentrum
Ramallah. Samira Safadi ist Leiterin der
dortigen Informations- und
Bibliotheksarbeit.
www.goethe.de/ramallah | www.goethe.de/bibliobus
11
MÄRCHEN – BÜCHER – FACEBOOK
REGELN UND AUFKLÄRUNG SIND DER BESTE SCHUTZ
Foto: JLSS/George Haddad
Über den Umgang mit Internet an der Johann-Ludwig-Schneller-Schule
Unterricht an der JLSS zum richtigen Umgang mit dem Internet.
Facebook und WhatsApp gehören für
die Jugendlichen an der Johann-Ludwig-Schneller-Schule im Libanon
(JLSS) zum Alltag. Solange sie sich an
die Regeln halten, dürfen sie die sozialen Medien und das Internet nutzen.
„Schüler können dadurch sehr viel
lernen“, findet Pfarrer George Haddad, der Direktor der JLSS.
Spielt Facebook (FB) eine Rolle im ­Alltag
der Schule?
Ja, natürlich. Alle Schüler über 13 Jahren
haben Handy oder Smartphones. Sie sind
auf FB, nutzen WhatsApp. Aber sie dürfen
ihre Handys nur zu bestimmten Zeiten
nutzen. Bevor sie zu Bett gehen, müssen
sie sie den Erzieherinnen oder Erziehern
aushändigen. Manchmal versuchen sie,
12
uns zu hintergehen. Wenn wir das herausbekommen, nehmen wir ihnen die Handys für eine Woche, einen Monat oder
sogar ein Jahr weg, je nach dem, was vorgefallen ist.
Hatten Sie schon einmal Probleme?
Ja, einmal gab es ein Problem mit dem
Kinderschutzsystem, das wir eigentlich für
die Internetnutzung im Klassenzimmer
installiert hatten. Ein sechs Jahre altes
Kind hatte das aber versehentlich umgangen und war auf einer Pornographie-Seite
gelandet. Die Eltern haben uns zu Recht
die Hölle heiß gemacht. Wir mussten den
Internetzugang in den Klassenzimmern
sperren. Das ist die gefährliche Seite des
Internets. Man darf aber nicht vergessen,
dass das Internet auch ein sehr gutes
Unterrichtsmittel sein kann. Alles Gute
kann missbraucht werden. Es bedarf
Regeln. Außerdem haben Kinder zu jeder
Zeit schon versucht zu schummeln.
Wie können Sie verhindern, dass negative oder falsche Urteile über die Schule
auf FB gepostet werden?
Vor einigen Jahren hatten wir ein Problem
mit einer FB-Adresse, die unter dem
Namen einer Schneller-Gruppe registriert
war, bei der es um Cannabis ging. Wir
hatten Sorge um unseren Ruf. Ein anderes
Mal nutzte jemand unseren Namen auf
einer FB-Seite und leitete sogar Spenden
für die JLSS um. Wir baten FB, dass sie
beide Seiten abschalten. Im ersten Fall war
es nicht möglich, aber im zweiten Fall
haben sie uns sehr unterstützt. Wir konnten die Seite, die den Namen der Schneller-Schule nutzt, sogar für uns
weiternutzen. Um auch das erste Problem
in den Griff zu bekommen, war ich damals
gezwungen, mich in FB einzuarbeiten.
Letztlich gelang es mir, die Seite doch
abzuschalten. Es ist gut zu wissen, wie FB
funktioniert und zu beobachten, was Kinder dort so alles machen, vor allem wenn
es um Mobbing geht. Am besten ist aber,
man klärt Kinder frühzeitig über Vorteile
und Gefahren auf. Wir arbeiten mit einer
Nichtregierungsorganisation zusammen,
die Unterrichtsmaterialien vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe ausgearbeitet
hat. Diese Lektionen sind bei uns Teil des
Englischunterrichts. Jedes Jahr gibt es für
jede K
­ lasse Einheiten über Themen des
Kinderschutzes und die Frage, wie Internet
und soziale Medien in guter Weise genutzt
werden können.
treffen sich auf FB, aber sie gehen noch
genauso wie früher aus, haben Spaß miteinander. Ich denke, dass es ein Glück ist,
dass wir solche Medien haben.
Lesen Kinder an der JLSS gerne?
Leider lesen Kinder an der Schneller-Schule keine Romane. Für sie sind Bücher nur
zum Lernen da. Sie sehen darin etwas
Unangenehmes. Wir planen deswegen
Ausflüge zu Buchläden, um ihnen die
schöne Seite der Bücher schmackhaft zu
machen.
Lesen Kinder heute mehr als früher?
Ja. Sie chatten über die sozialen Medien
und lesen so sehr viel mehr als früher.
Über den Inhalt müssen wir jetzt nicht
reden. Aber generell helfen die sozialen
Medien, eine Sprache schreiben und lesen
zu lernen. Viele nutzen FB ja noch auf
Englisch. Doch interessanterweise entwickelt sich im Nahen Osten in den sozialen
Medien gerade eine ganz neue Sprache.
Immer mehr Leute versuchen, den arabischen Dialekt, der eigentlich nur gesprochen, nicht aber geschrieben wird, in
lateinische Buchstaben zu fassen. Im Arabischen gibt es aber Laute, für die es keinen lateinischen Buchstaben gibt. Und so
erfindet die junge Generation einfach
neue Zeichen. Sie nutzen zum Beispiel
Ziffern für solche Laute. Ich bin wirklich
verblüfft, wie hoch entwickelt diese Sprache bereits ist.
Die Fragen stellte Katja Dorothea Buck.
Glauben Sie, dass FB die Beziehungen
zwischen den Menschen verändert?
Ich bin kein Experte, aber ich glaube
nicht. FB ist Teil des Alltags von so vielen
Menschen. Sie kommunizieren über FB,
13
MÄRCHEN – BÜCHER – FACEBOOK
GESCHICHTEN WERDEN VOR ALLEM ERZÄHLT
Vorlesen in Jordanien dient vorwiegend der Erziehung
Wir haben Judith Damian, ökumenische Freiwillige im Kindergarten der
Integrierten Blindenschule in Irbid,
gebeten, ein kleine Umfrage unter den
Kindern und Eltern ihrer Einrichtung
zum Thema Vorlesen zu machen. Hier
das Ergebnis.
W
Foto: Damian
enn man unsere 27 Kindergartenkinder fragt, ob ihre Eltern
ihnen oft vorlesen und wenn
ja, was, dann ist das Ergebnis recht ernüchternd. Mehr als die
Hälfte der Kinder meinte, dass ihre Eltern
ihnen nichts vorlesen.
Folglich können sie
auch gar nicht sagen,
welche Geschichten
ihnen am besten gefallen. Und die Kinder,
deren Eltern tatsächlich etwas vorlesen,
haben hauptsächlich
von
Geschichten
gesprochen, in denen
ein Hase oder ein anderes Tier die Protagonisten sind. Es sind kleine
Stories, anhand derer sie lernen sollen, wie
sie sich die Zähne putzen oder sich richtig
waschen sollen. Vorlesen dient mehr der
Erziehung als der Unterhaltung. Daneben
gibt es noch comicähnliche Geschichten
über Barbie und Superman.
Im Kindergarten lesen die Erzieherinnen zwar auch nicht viel vor. Dafür erzählen sie den Kindern aber Geschichten,
kleine Geschichten aus dem Alltag, die im
Arabisch- oder Englischbuch stehen. D
­ iese
14
Fächer werden hier ja bereits im Kindergarten unterrichtet. Meine Kollegin
meinte, dass die Kinder sich eher für TVSerien interessieren als für Bücher. Aber
das Gleiche gilt ja auch für viele Erwachsene. Oft werden Kinder einfach vor den
Fernseher gesetzt oder sie bekommen ein
iPad in die Hand gedrückt. Mein Fazit ist,
dass es in Jordanien keine ausgeprägte
Lesekultur gibt. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber eine k
­ lassische Kinderbuchlektüre konnte ich nicht finden.
Wo allerdings vorgelesen wird, ist der
Religionsunterricht.
Der findet ja für Muslime und Christen
getrennt statt. Im
christlichen Religionsunterricht jedenfalls
und auch oft zu Hause
bei den Eltern lernen
die Kinder anhand
einer Kinderbibel mit
Bildern die Geschichten aus dem Alten und
Neuen Testament kennen.
Judith Damian (links im Bild) arbeitet
derzeit an der Integrierten Blindenschule
in Irbid. Sie ist über das Ökumenische
Freiwilligen­programm (ÖFP) der
Evangelischen Mission in Solidarität
(EMS) für ein Jahr nach Jordanien
ausgereist.
FASTENBITTE 2014
Manche Menschen nutzen die Wochen
vor Ostern zum Abnehmen, andere schließen sich Fastenaktionen wie „7 Wochen
ohne“ an und nehmen sich Zeit, ihre
Gewohnheiten in Frage zu stellen. Die
Fastenzeit – eine Zeit der Besinnung und
Einkehr, in der wir auch an andere denken. Die Fastenbitte des Evangelischen
Vereins für die Schneller-Schulen (EVS)
hat eine lange Tradition. Auch in diesem
Jahr möchten wir um Spenden für die Kinder an den Schneller-Schulen bitten.
Aufgrund der Nähe zu Syrien ist die
Situation im Libanon angespannt. Bereits
im zweiten Jahr hat die Evangelische Mission in Solidarität im R
­ ahmen ihres Ökumenischen Freiwilligen-Programms keine
jungen Leute an die Johann-LudwigSchneller-Schule (JLSS) geschickt, was
Schulleiter George Haddad sehr bedauert.
Thomas Ruppert, ein ehemaliger Freiwilliger, erinnert sich an die Fastenzeit an der
JLSS. Die Jugendlichen in seiner Wohngruppe hätten die Zeit vor Ostern sehr
ernst genommen, berichtet er.
Sie hätten wie im Ramadan fasten wollen. Auch ein paar Muslime wollten
­mitmachen. Allerdings bestand die Schulleitung darauf, dass sie mindestens eine
Mahlzeit pro Tag zu sich nehmen sollten,
da sie ja noch im Wachstum seien und
sich viel bewegten.
Auch die Mitarbeitenden an beiden
Schulen betonen das Verbindende der Fastenzeit und des Ramadan für Christen und
Muslime. Es sei ein großer gegenseitiger
Respekt zwischen muslimischen und
christlichen Schülern zu spüren. Man
unterstütze sich gegenseitig beim Fasten,
berichten sie. Jeder achte darauf, dass die
Mitbewohner und Mitschüler ihren religiösen Vorsätzen nachkommen können.
Beide Schulen sind nach wie vor auf
Ihre Spenden angewiesen! Vor allem die
JLSS steht in diesem Jahr vor großen finanziellen Herausforderungen: Die libanesische Regierung hat die Aufstockung der
Lehrergehälter angeordnet. Neben diesen
erhöhten Kosten geht die Renovierung der
Schulgebäude in die nächste Phase und
ein Umstieg auf das duale Ausbildungssystem im Schreinerlehrgang steht an.
Helfen Sie mit Ihrer Spende, damit die
Schneller-Schulen auch weiterhin Orte des
Respekts und der Friedfertigkeit für Kinder,
Jugendliche und alle Mitarbeitenden der
Schulen bleiben können! Bitte schließen
Sie in dieser Zeit der Einkehr vor allem
auch die syrischen Flüchtlinge an der JLSS
und deren Familien in Ihr Gebet ein.
Annika Ganter
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
POSAUNEN ZUM GLÄNZEN UND KLINGEN GEBRACHT
Musikprofessor unterrichtet Kinder auf gespendeten Instrumenten
Schon lange träumt die Johann-Ludwig-Schneller-Schule (JLSS) von einem
eigenen Posaunenchor. Instrumente
gibt es genug. Nur der richtige Lehrer
hat bisher gefehlt. Jetzt hat der international bekannte Posaunist Armin
Rosin ein solides Fundament gelegt.
A
An der JLSS unterrichtete Rosin jeden
Tag. Er erklärte den Kindern, welche Sportübungen sie machen müssen, um gute
Bauchmuskeln zu bekommen – eine wichtige Voraussetzung für jeden, der ein
Blechblasinstrument spielen will. Unter
den 60 Jungen und Mädchen, die bei
Rosin die ersten Töne spielten, fanden sich
einige begabte Kinder, denen er zutraut,
dass sie es mit einem Blechblasinstrument
zu etwas bringen können. Sie sollen die
ersten Mitglieder des neuen Posaunenchors an der JLSS werden.
Foto: JLSS/George Haddad
ls wir beim Senior Expert Service in
Deutschland fragten, ob sie uns
jemanden schicken würden, der
einen Posaunenchor an der JLSS aufbauen
könnte, hätten wir uns nie träumen lassen, dass ein so berühmter und hoch qualifizierter Musiker wie Armin Rosin zu uns
kommen würde“, sagt George Haddad, der
Direktor der JLSS. Offen gibt er zu, dass es
ein regelrechter Schock gewesen sei, als er
erfuhr, wer da eigentlich an die Schule
gekommen war. Armin Rosin gilt in der
internationalen Musikszene als Wegbereiter der klassischen Konzertposaune. Er hat
in zahlreichen großen Orchestern und
unter namhaften Dirigenten gespielt. Seit
1980 ist er Professor an der Stuttgarter
Musikhochschule.
Die ersten Schritte auf dem Weg zu einem Posaunenchor.
16
Foto: JLSS/George Haddad
Unter Anleitung von Prof. Armin Rosin probieren sich die Kinder an den Instrumenten aus.
Rosin erarbeitete außerdem ein kleines
Lehrwerk für die Schüler mit genauen
Anweisungen zur täglichen Gymnastik, zu
Atemübungen und zu den ersten Übungen
am Instrument. Das Dokument liegt nicht
nur in Deutsch und Englisch vor, George
Haddad hat es außerdem in Arabisch übersetzt und jedem der begabten Schüler ausgehändigt. „Wir hoffen, dass wir bald
dauerhaft einen Posaunenlehrer an der
Schule anstellen können, der auf die wunderbare Arbeit von Professor Rosin aufbauen kann“, sagt Haddad.
Bereits seit einiger Zeit hat die JLSS
einen ganzen Fundus von Blechblasinstrumenten. Basil Rischmaui, EVS-­
Vorstandsmitglied und Mitglied im
Kuratorium der Schneller-Stiftung – Erziehung
zum Frieden, hatte eine Sammelaktion organisiert, bei der viele zum Teil sehr gute Instrumente gespendet wurden. Rosin
machte es sich zur Aufgabe, den Bestand
zu sichten. Für die Kinder war besonders
eindrücklich, diesem berühmten Professor
aus Deutschland jeden Tag dabei zusehen
zu können, wie er Posaunen, Trompeten,
Hörner und Tuben reparierte, reinigte und
stimmte und sich dabei die Hände mit Öl
und am oxidierten Blech dreckig machte.
„Das war für unsere Kinder eine Lektion
fürs Leben“, erzählt Haddad. Rosin habe
ihm gesagt, dass diese handwerklichen
Tätigkeiten in Deutschland eigentlich
nicht zu seinen Aufgaben gehörten. Für
die Schneller-Schule mache er es aber, weil
es sonst niemanden gebe, der diese Arbeit
tun könne.
Katja Dorothea Buck
VORSCHAU
Am Mittwoch, 23. Juli 2014 um 19 Uhr wird
Prof. Armin Rosin zusammen mit ­Friedrich
Fröschle (Orgel) ein Benefizkonzert für Syrische Flüchtlinge in der Stadtkirche Giengen
geben. Nähere Informationen folgen in der
nächsten Ausgabe.
17
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
ENDLICH WIE MENSCHEN BEHANDELT
Flüchtlingsfrauen aus Syrien lernen nähen an der Schneller-Schule
Seit einigen Wochen kommen jeden
Tag elf syrische Flüchtlingsfrauen mit
ihren Kindern an die Johann-LudwigSchneller-Schule (JLSS) und lernen
nähen. Was für alle Beteiligten mittlerweile eine wohltuende Routine
darstellt, hat allerdings unter schwierigsten Bedingungen begonnen. Pfarrer George Haddad, Direktor der JLSS,
berichtet davon in einer Email an den
Evangelischen Verein für die Schneller-Schulen (EVS).
S
eit meiner Rückkehr aus Deutschland
Ende Januar hatte ich nur eine Sorge.
Unser Verbindungsmann zu den syrischen Flüchtlingen, Mohammad, ist mit
seinem Bruder und den beiden Familien
für ein paar Tage nach Syrien gegangen
und nicht wieder zurückgekommen. Sein
Handy ist abgeschaltet und ich kann ihn
nicht kontaktieren. Ich bin sehr in Sorge
um die beiden jungen Familien mit ihren
Kindern. Mohammed weiß, dass wir mit
dem Ausbildungsprogramm für die syrischen Flüchtlingsfrauen am kommenden
Montag starten wollen. Heute ist Mittwoch und ich habe noch immer nichts
von ihm gehört.
Ich habe nur die Namen der angemeldeten Frauen und weiß, dass sie in El-Marj
im Lager leben. Deswegen bin ich heute
mit zwei Mitarbeitenden dorthin gefahren. Ich war nicht auf das Elend an diesem
Ort vorbereitet. Die Not ist unvorstellbar
groß, aber die unglaubliche Freundlichkeit
dieser verzweifelten Menschen hat mich
noch mehr erschüttert. Ich dachte, dass es
in El-Marj nur ein Flüchtlingslager gibt.
Weit gefehlt! Es gibt dort viele Lager. Wir
18
mussten von einem Lager zum anderen
gehen, um elf Frauen unter Tausenden
von Flüchtlingen zu finden, die in notdürftigen Zelten auf Matsch leben.
Ich traf einige Männer und bat sie um
Hilfe bei der Suche nach diesen Frauen.
Im ersten und zweiten Lager hatten wir
keinen Erfolg, aber im dritten Lager fanden wir eine der Frauen auf der Liste. In
zwei anderen Lagern fanden wir schließlich die anderen. Die erste Frage, die sie
mir immer stellten, war: „Welche Arbeit
sollen wir für dich tun?“ Ich sagte: „Ihr
werdet ein Handwerk lernen. Ich möchte
nicht, dass Ihr für mich arbeitet. Ich
möchte, dass Ihr nähen lernt.“ Sie antworteten: „Ja, aber welche Arbeit sollen wir
für dich tun?“ Mir wurde klar, dass diese
Frauen es gewöhnt waren, ausgenutzt und
betrogen zu werden. Sie konnten nicht
glauben, dass wir ihnen einfach nur etwas
beibringen, dass wir ihnen helfen wollten.
Ich erklärte ihnen, was sie alles bekommen würden: Ausbildung, Tageslohn, Diesel zum Heizen der Zelte, Milch und
Wasser für ihre Kinder, eine tägliche Mahlzeit.
Heute war ein emotional sehr anstrengender Tag. Die Not um uns herum ist
enorm. Zwar sehen wir das jeden Abend
in den Nachrichten, aber als ich heute
dort war, war es gänzlich unerträglich und
einfach nicht zu fassen. Die Grundidee der
Schneller-Arbeit ist aber, für diejenigen zu
sorgen, die am meisten in Not sind. Dafür
steht die Schneller-Schule.
Einige Tage später erhielt der EVS eine weitere Email von George Haddad:
Foto: JLSS/George Haddad
Nähkurs für syrische Flüchtlingsfrauen
Das Projekt hat begonnen. Jeden Morgen kommen elf Frauen mit ihren Kindern
an die JLSS. Wir haben festgestellt, dass
zwei Frauen unter ihnen gebildet sind. Wir
haben ihnen Unterrichtsmaterial gegeben.
Sie werden versuchen, den Kindergartenkindern etwas über Farben, Formen, Zahlen und Buchstaben beizubringen. Wir
haben die Frauen in zwei Gruppen aufgeteilt. Die einen lernen nähen, während die
anderen auf die Kinder aufpassen. Jeden
Tag wird abgewechselt. Die Frauen sind
stark und ich bin sehr froh, dass wir ihnen
helfen können.
Die Ausbilderin, Carmen Zino, erzählte
mir heute Morgen etwas Wunderbares. Die
Frauen hatten ihr gesagt, dass dies hier der
erste Ort sei, an dem sie wie Menschen
behandelt würden. Sie sind sehr glücklich,
dass sie hier sind und staunen darüber,
dass wir sie wie gleichberechtigte Menschen behandeln. Das ist schön, aber
gleichzeitig auch
sehr traurig. Für die
Schneller-Schule ist
es wunderbar. Dass
aber Menschen im
21. Jahrhundert
noch immer von der
Gesellschaft ausgebeutet werden bis
dahin, dass ihnen
aufgrund ihrer verzweifelten Lage ihr
Ansehen als gleichberechtigte Mitmenschen abgesprochen
wird, ist sehr traurig.
Ich danke Euch,
dass Ihr es möglich
macht, dass wir dieses wunderbare Projekt starten konnten.
Die lokale Bevölkerung ist zutiefst beeindruckt und schätzt ungemein, was wir tun.
SPENDEN
Pfarrer George Haddad
Damit der Evangelische Verein für die
Schneller-Schulen e.V. (EVS) weiterhin die
Arbeit mit syrischen Flüchtlingen unterstützen kann, sind wir auf zusätzliche Spenden
angewiesen.
Bitte helfen Sie mit!
Spendenkonto des Evangelischen Vereins für
die Schneller-Schulen bei der Evangelischen
Kreditgenossenschaft eG
Stichwort „Syrienhilfe“
BLZ: 520 604 10
Konto-Nr.: 407 410
IBAN: DE59 5206 0410 0000 4074 10
BIC: GENODEF1EK1
19
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
DER ERFAHRUNGSSCHATZ BLEIBT ERHALTEN
Leitungswechsel an der Theodor-Schneller-Schule
Im vergangenen Mai ist er siebzig
geworden. Für Ghazi Musharbash war
dies der Anlass, nun zum Jahresende
2013 aus seinem Amt als Direktor der
Theodor-Schneller-Schule (TSS) in
Jordanien zu scheiden. Indes gestaltet
sich die Neubesetzung der Direktorenstelle kompliziert. Die Geschicke der
Schule liegen derzeit in den Händen
eines kommissarischen Leitungsteams.
F
ast fünf Jahre lang – seit der erfolgreiche Geschäftsmann seinen offiziellen
Ruhestand angetreten hatte – leitete
er die Geschicke der TSS. Sehr bald war der
frische Wind, den er mitgebracht hatte,
überall in der Einrichtung zu spüren:
Schon bald wurde der Eingangsbereich der
TSS zu einem freundlichen, willkommen
heißenden Ort umgestaltet. Eine Fußgängerbrücke über die viel befahrene Straße
vor der Schule wurde errichtet, das Gästehaus renoviert, die Küche umgebaut.
Gemeinsam mit seinem damaligen pädagogischen Berater, Musa Almunaizel,
konnte Musharbash das pädagogische
Zentrum und ein ganzes Ensemble heilpädagogischer Gärten, den Kindergarten und
das Mädcheninternat einweihen. Der gute
Ruf der neuen Schulküche verbreitete sich
bald, so dass die TSS auch zu einem anerkannten Caterer in der Region wurde. Für
viele Kinder wurde die Möglichkeit
geschaffen, auch wieder über das Wochenende am Internat zu bleiben.
Durch seine vielfältigen Kontakte als
Politiker gelang es Musharbash zudem,
Investoren anzulocken und immer wieder
auch Mitglieder des jordanischen Königshauses in der Einrichtung zu begrüßen, die
20
ihren Weg hierher fanden, um die vorbildliche pädagogische Arbeit zu würdigen.
Der Mann, der von sich sagt, dass er
„Schneller im Blut“ habe, wird sich gewiss
auch in seinem achten Lebensjahrzehnt
nicht zur Ruhe setzen. Die familieneigene
Firma brauche ihn, sagt er. Außerdem
bemüht er sich als Mitglied der „Friends
of the Earth – Middle East“ gemeinsam mit
palästinensischen und israelischen Partnern ehrenamtlich um die Rettung der
sensiblen Ökosysteme am Jordan und ist
weiterhin im Rotary-Club aktiv. Auch der
TSS geht Ghazi Musharbash nicht verloren: Bischof Suheil Dawani lud ihn ein,
wieder seinen Platz im lokalen Verwaltungsrat der TSS einzunehmen. So können
alle Beteiligten auch weiter von seinem
Erfahrungsschatz profitieren.
Der Evangelische Verein für die Schneller-Schulen (EVS) und die Evangelische
Mission in Solidarität (EMS) danken herzlich für Ghazi Musharbashs unermüdlichen Einsatz. Ihm und seiner Frau Salwa
wünschen wir noch viele Jahre bei guter
Gesundheit und ohne den Druck, den ein
solches Leitungsamt auch immer mit sich
bringt.
Weiterhin vertrauensvolle
Zusammenarbeit
Die Wahl eines neuen Direktors oder
einer neuen Direktorin für die TSS hätte
eigentlich am dritten Adventswochenende stattfinden sollen. Aus Deutschland
waren dazu extra der EMS-Generalsekretär,
Pfarrer Jürgen Reichel, sowie der Vorsitzende und der Geschäftsführer des EVS,
Pfarrer Klaus Schmid und Pfarrer Dr. Uwe
Foto: EMS/TSS
Jürgen Reichel, Klaus Schmid und Uwe Gräbe danken Ghazi Musharbash (2. von rechts) im
Namen von EVS und EMS.
Gräbe, angereist. Doch ausgerechnet an
diesem Wochenende brachte ein Jahrhundert-Schneesturm das öffentliche Leben
im ganzen Nahen Osten zum Erliegen. So
auch in Amman. Der lokale Verwaltungsrat der TSS konnte nicht zusammenkommen und EMS-Generalsekretär und
EVS-Geschäftsführer mussten unverrichteter Dinge wieder abreisen. Allein Klaus
Schmid blieb und konnte so an der um
einige Tage verschobenen Wahl teilnehmen. Das Gremium stimmte für eine Frau.
Erstmals in der Geschichte sollte eine
Schneller-Schule von einer Frau geleitet
werden! Doch im Januar informierte uns
Bischof Suheil Dawani in einem Schreiben, dass die frisch gewählte Direktorin
schwer erkrankt sei und ihr Amt nicht
antreten könne. Wir erfuhren zugleich,
dass der Bischof ein Komitee aus Mitgliedern des örtlichen Verwaltungsrats eingesetzt hatte, welches seit Anfang Januar die
kommissarische Leitung der TSS übernommen hat.
EVS und EMS werden weiterhin eng
und vertrauensvoll mit der kommissarischen Leitung zusammenarbeiten.
Gemeinsam werden wir baldmöglichst ein
neues Stellenbesetzungsverfahren in die
Wege leiten. Wir wissen, dass wir eine
hohe Verantwortung für die Gaben unserer Spenderinnen und Spender tragen.
Auch in Zeiten der Umbrüche und der
Unsicherheit werden wir sicherstellen,
dass Ihre Spenden den Kindern aus armen
und zerbrochenen Familien zu Gute kommen. Ohne eine Einrichtung wie die TSS
hätten diese Kinder es unendlich viel
schwerer im Leben. Wir bitten Sie daher
in diesen schwierigen Zeiten auch weiterhin herzlich um Ihre Gebete und guten
Gaben!
Pfarrer Dr. Uwe Gräbe,
EVS-Geschäftsführer
21
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
Stuttgart (EVS). Im Januar ist Pfarrer
George Haddad, Direktor der Johann-Ludwig-Schneller-Schule (JLSS) im Libanon,
für vier Tage nach Deutschland gekommen – ein Kurzbesuch mit umfangreichem
Programm! Bei der Paulinenpflege in Winnenden informierte sich Haddad über das
Konzept von Jugendwohngruppen, welches womöglich auch für die Internatsarbeit im Libanon Anregungen zu geben
vermag. In Waiblingen öffnete Helmut
Hekmann, Vorstandsmitglied der SchnellerStiftung – Erziehung zum Frieden, manche
Tür: Bei den Stadtwerken gab es hilfreiche
Hinweise für den geplanten Umbau der
Heizungen und der Energieversorgung an
der JLSS – ein Projekt, für welches sich die
Schneller-Stiftung in besonderer Weise
engagiert. Beim Berufsbildungswerk
(BBW), dessen Ausbilder schon etliche
Handwerker und Lehrer der JLSS fortgebildet haben, wurde vereinbart, dass zwei
Schreiner, ein Mechaniker und eine
Schneiderin aus dem Libanon Ende Juni
2014 für einen Fortbildungskurs nach
Waiblingen kommen werden.
Mit dem Besuch bei der Firma Festo in
Esslingen sollte an eine frühere Kooperation wieder angeknüpft werden. Festo
engagiert sich stark für eine gute Ausbildung junger Menschen weltweit. Gemeinsam mit Alfons Riek, Projektleiter für
globale Projekte der Festo AG und Kuratoriumsmitglied der Schneller-Stiftung, wurde überlegt, wie die Auszubildenden der
JLSS auf dem Wege des computergestützten Lernens von Deutschland aus gezielt
gefördert werden können.
Zuletzt hielt Pfarrer Haddad in der EMS
einen eindrücklichen Vortrag über die
22
Situation an der JLSS und allgemein im
Nahen Osten. Trotz aller Gewalt, die in der
Region herrscht, hielt Haddad an der Hoffnung fest, dass ein respektvolles
­Miteinander der Menschen und Bevölkerungsgruppen im Libanon und in Syrien
möglich ist. Man müsse es nur einüben.
Und dazu sei die JLSS ein geeigneter Ort.
„Wir haben wunderbare Kinder an der
Schule. Die besten, die wir uns vorstellen
können“, sagte Haddad. Er freue sich, dass
er sich immer wieder voll und ganz auf die
Kinder und Jugendlichen in der Schule
verlassen könne.
PREISWÜRDIG!
Vechta/Stuttgart (EVS). Für seine herausragende und wegweisende Arbeit in
­Themenfeldern der interkulturellen Kompetenz hat die Universität Vechta EVSVorstandsmitglied Johannes Lähnemann
mit dem Höffmann-Wissenschaftspreis
2013 ausgezeichnet. Der Theologe, der bis
zu seiner Emeritierung 2007 den Lehrstuhl
für evangelische Religionspädagogik und
Didaktik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg innehatte,
setzt sich seit Jahrzehnten sowohl in sei-
Foto: Uni Vechta
VIELE IMPULSE FÜR DIE ARBEIT
DER SCHULE
Für seine interkulturelle Kompetenz ausgezeichnet: Prof. Dr. Johannes Lähnemann
VORSCHAU
Mitgliederversammlung 2014
Der Evangelische Verein für die SchnellerSchulen (EVS) wird in diesem Jahr seine
Mitgliederversammlung am Sonntag, 19.
Oktober 2014 in Ostfildern-Nellingen
abhalten. Bitte halten Sie sich diesen Termin
schon einmal frei. Weitere Informationen
folgen in der nächsten Ausgabe des Schneller-Magazins.
ner wissenschaftlichen Tätigkeit als auch
ehrenamtlich für die interkulturelle und
interreligiöse Verständigung ein. Seine
Arbeits- und Forschungsschwerpunkte
sind Weltreligionen im Unterricht sowie
interreligiöses Lernen. Lähnemann hat
das Interdisziplinäre Zentrum für Islamische Religionslehre an der Universität
Erlangen-Nürnberg aufgebaut und zusammen mit Professor Dr. Klaus Hock (Rostock) und Professor Dr. Wolfram Reiss
(Wien) das Forschungsprojekt „Die Darstellung des Christentums in Schulbüchern islamisch geprägter Länder“ geleitet,
bei dem auch Erfahrungen aus der Theodor-Schneller-Schule in Amman eingeflossen sind.
Neben seiner Arbeit im Vorstand des
Evangelischen Vereins für die SchnellerSchulen (EVS) engagiert sich Lähnemann
unter anderem auch im Vorstand der deutschen Sektion von Religions for Peace
(RfP) und ist Mitglied beim Runden Tisch
der Religionen in Deutschland. „Lähnemann hat nachhaltig praktischen, geistlichen und wissenschaftlichen Austausch
mit Vertretern anderer Religionen innerhalb und außerhalb Europas organisiert“,
begründete die Jury ihre Entscheidung.
Der von dem Reiseunternehmer Hans
Höffmann gestiftete Preis ist mit 10.000
Euro dotiert. Er wurde zum dritten Mal
vergeben.
ZUM TOD VON SAID SABBAGH
Ende Februar erreichte uns die traurige
Nachricht vom Tod Said Sabbagh, der im
Alter von 78 Jahren in Stockholm gestorben ist. Said Sabbagh war von 1954 bis
1960 Schüler an der Johann-LudwigSchneller-Schule und arbeitete nach seinem Abitur ein Jahr lang als Lehrer in der
Schule. Unter seinen Mitschülern war er
sehr beliebt und galt als überaus begabt
für die Fächer Mathematik, Physik und
Chemie. „Er war ein Sprachgenie, konnte
Gedichte schreiben und spielte sehr gut
Flöte“, erinnert sich sein Schulfreund Basil
Rischmaui, der Mitglied im Vorstand des
Evangelischen Vereins für die SchnellerSchulen (EVS) ist. „Said war ein Naturtalent und Klassenbester.“ Nach dem
Studium der Elektrotechnik in Esslingen,
ging Said Sabbagh für mehrere Jahre nach
Ägypten, wo er beim Aufbau des Telefonnetzes tätig war. Später zog er aber nach
Schweden. Er war verheiratet und hatte
einen Sohn und eine Tochter. Der EVS hält
Said Sabbagh in ehrender Erinnerung.
Pfarrer Klaus Schmid, EVS-Vorsitzender
IN EIGENER SACHE
Spendenbescheinigungen 2013
Falls Sie bisher keine Zuwendungsbestätigung
für Ihre Spende im Jahr 2013 an den Evangelischen Verein für die Schneller-Schulen (EVS)
erhalten haben, könnte es daran liegen, dass
wir keine vollständige Anschrift von Ihnen
haben oder das Feld „Jahresquittung“ auf der
Überweisung nicht angekreuzt war. Bitte melden Sie sich umgehend bei Frau Ursula Feist
in der Geschäftsstelle des EVS, Vogelsang­
straße 62, 70197 Stuttgart, 0711-63678-39,
feist@ems-online.org.
23
CHRISTEN UND DER NAHE OSTEN
„DAMIT SIE IN SYRIEN BLEIBEN KÖNNEN“
Schulprojekt im syrischen Tal der Christen gestartet
Derzeit gibt es nicht viel zu lachen in
Syrien. Seit Januar 2014 ist aber aus
einem ehemaligen Hotel am Rande
des Dorfes Kafroun im syrischen Tal
der Christen immer wieder lautes
Kinderlachen zu vernehmen. Das lang
geplante Schulprojekt der EMS und
seiner Partner hat begonnen.
A
m 21. Januar waren erstmals die für
dieses Schuljahr geplanten drei
Klassen des in Kafroun eingerichteten evangelischen pädagogischen Zentrums mit dreißig Kindern gefüllt. Alle Kinder sind Flüchtlinge im eigenen Land.
Zumeist sind sie mit ihren Müttern aus
den Kriegsgebieten in diese noch relativ
sichere Gegend geflohen. Sie kommen aus
christlichen, alawitischen, sunnitischen
und drusischen Familien.
Die 40 Dörfer dieser mehrheitlich
christlichen Region zählten vor dem Krieg
noch etwa 100.000 Einwohner. Heute
leben hier außerdem mehr als 400.000
Flüchtlinge. Für die Evangelische Mission
in Solidarität (EMS) war dies Grund genug,
hier gemeinsam mit dem Evangelischen
Verein für die Schneller-Schulen (EVS) und
ihren Mitgliedskirchen in Deutschland,
Japan und Indonesien aktiv zu werden.
Die Beziehung zu dieser Region ist dadurch
entstanden, dass die Evangelische Synode
von Syrien und dem Libanon, die mit der
Nationalen Evangelischen Kirche von Beirut (einer EMS-Mitgliedskirche) enge partnerschaftliche Beziehungen pflegt, hier
aktiv ist. Die Durchführung des Projektes
liegt bei unseren libanesischen und syrischen Geschwistern.
24
Die Idee für das Projekt geht auf Mai
2013 zurück. Zu diesem Zeitpunkt hatte
die Johann-Ludwig-Schneller-Schule im
Libanon schon seit fast einem Jahr syrische Flüchtlingskinder aufgenommen.
Dass aber auch Projekte für Binnenflüchtlinge innerhalb Syriens notwendig sind,
wurde immer deutlicher. Mehr als 50 Prozent aller syrischen Kinder haben keinen
Zugang zu Schulen oder Kindergärten.
Während immer mehr Menschen Syrien
verlassen, geht die EMS-Gemeinschaft mit
diesem Projekt nunmehr den umgekehrten Weg.
Unter Kriegsbedingungen war es
schwer, die notwendigen Genehmigungen
für das Projekt zu bekommen. So wurde
Foto: Caritas International
Syrische Kinder auf der Flucht
entschieden, die Einrichtung als Außenstelle einer Grundschule im 70 Kilometer
entfernten Mhardi zu gründen. So hat diese jetzt offiziell eine Vorschule im Tal der
Christen. Die Kinder verteilen sich auf
Kinderkrippe, Kindergarten und Vorschule. Die Hoffnung besteht, das Projekt später auch um weitere Grundschulklassen
auszuweiten. Die Projektbetreuung vor
Ort hat Pfarrer Ma‘an Bitar von der Evangelischen Kirche übernommen. Mit viel
diplomatischem Geschick sorgt er dafür,
dass das Projekt nicht die Aufmerksamkeit
der Kriegsparteien erregt.
Offiziell startete das Projekt „Damit sie
in Syrien bleiben können“ am Samstag,
dem 4. Januar. Nachdem das Gebäude
über die Weihnachtsferien zunächst provisorisch für seinen neuen Zweck
­hergerichtet worden war und einige Erzieherinnen angeworben werden konnten,
begann nun eine besonders schwierige
Projektphase: die Aufnahme der Kinder.
Ginge es allein nach dem Bedarf, so hätten
Hunderte von Plätzen eingerichtet werden
müssen. Für Mütter, die nicht wissen, wie
sie ihre Kinder ernähren sollen, ist es eine
große Entlastung, dass an der Vorschule
auch eine gute und gesunde Schulspeisung angeboten wird. Zwei Wochen lang
führten die Verantwortlichen Aufnahmegespräche. Wie auch bei den SchnellerSchulen im Nahen Osten zählt zuallererst
die Not der Kinder als Aufnahmekriterium. Sicher: Die Mehrheit der Flüchtlinge
in dieser Gegend sind Christen. Die Einrichtung steht jedoch allen Religionsgemeinschaften offen.
Erst am 19. Januar war die zunächst
angepeilte Zahl von 30 Kindern erreicht.
Und am selben Tag traf endlich auch der
lange erwartete Lastwagen ein, der das
kindgerechte Mobiliar lieferte. Am 21.
Januar 2014 schließlich fand zur offiziellen Eröffnung ein Tag für Eltern und Kinder statt. Da wurde nach Herzenslust
gemalt, gesungen und erzählt. Schulspeisung gab es dieses Mal für die Kleinen und
für die Großen. Auffallend oft war auf den
an diesem Tag gemalten Kinderbildern die
heile Welt aus der Zeit vor dem Krieg zu
sehen. Alle Verantwortlichen hoffen, mit
dem Projekt den Kindern zumindest ein
kleines Stück dieser heilen Welt zurückgeben zu können. Wenn man nach dem Kinderlachen urteilen darf, dann ist dazu ein
guter Anfang gemacht.
Pfarrer Dr. Uwe Gräbe
25
CHRISTEN UND DER NAHE OSTEN
KEIN SCHULTERSCHLUSS UNTER BRÜDERN
Die Ökumene in Syrien hat es schwer
In Syrien sorgen sich Bischöfe und
Patriarchen vor allem um die Zukunft
der jeweils eigenen Kirche. Die ökumenische Solidarität bleibt dabei auf der
Strecke. „Bei den Hilfsorganisationen
herrscht große Verwirrung, an wen
man eigentlich sein Geld schicken
soll“, sagt Habib Badr, Leitender Pfarrer der Nationalen Evangelischen
Kirche in Beirut. Es gebe ein großes
Chaos bei der Verteilung von Hilfsgeldern.
Wie war die Situation vor dem
­Bürgerkrieg?
30 Jahre lang hatten die Christen eine gute
Beziehung zum Regime, das ihnen Sicherheit garantierte. Zu Anfang der Revolution
vor drei Jahren hatten sie Schwierigkeiten,
eindeutig in Opposition zu Assad zu treten. Aber Schritt für Schritt haben sich
einige von ihnen dem Syrischen Nationalrat angeschlossen. Heute sind viele enttäuscht über das Verhalten der gespaltenen
Opposition. Und die radikalen Fundamentalisten, die in Syrien agieren, machen
allen von uns große Angst. Ihr Ziel ist
nicht Syrien zu reformieren sondern zu
islamisieren, wie wir es in Ägypten, Tunesien oder in Libyen erleben können. In
Syrien gibt es so viele verschiedene Positionen gegenüber dem Regime. Die Christen wissen nicht, auf welcher Seite sie
stehen sollen. Viele von ihnen sagen gar
nichts mehr, andere unterstützen das
Regime stillschweigend und viele versuchen auszuwandern. Ich gehe davon aus,
dass der Krieg noch lange dauern wird.
26
Wächst die Solidarität unter Christen
angesichts der Not?
Es gibt drei Ebenen von Solidarität. Auf
der Ebene des Volkes, wo sich Solidarität
in gemeinsamem Beten und in einem
Gemeinschaftssinn äußert, wächst zwischen den Denominationen die Solidarität. Auch unter christlichen Politikern und
Kirchenlaien gibt es viel Solidarität über
die Konfessionsgrenzen hinweg. In jüngster Zeit wurden verschiedene Konferenzen
in Jordanien und im Libanon abgehalten,
bei denen es immer darum ging, die Christen zusammenzubringen. Aber auf der
Ebene der Kirchenführer ist es sehr schwierig, sie überhaupt an einen Tisch zu
bekommen. Die meisten Bischöfe und
Patriarchen sorgen sich um die Zukunft
ihrer jeweils eigenen Kirche und das führt
dazu, dass man noch weniger solidarisch
mit den anderen ist. Bei den Hilfsorganisationen herrscht große Verwirrung, an
wen man eigentlich sein Geld schicken
soll. Dieser Mangel an Solidarität auf der
ökumenischen Ebene führt zu einem großen Chaos bei der Verteilung von Hilfsgeldern.
Es gibt aber auch ein Verständnis­
problem zwischen den westlichen
­Kirchen und den syrischen Christen.
Kaum einer kann verstehen, wie die
Christen in Syrien immer noch Assad
unterstützen können.
Der syrische Aufstand wurde anfangs in
der ganzen Welt als ein Aufstand gegen
eine Diktatur, ein autoritäres Regime verstanden. Der Arabische Frühling brachte
Hoffnung und nahm den Christen die
Angst. Für den Westen war der Arabische
Frühling ein Schrei nach Freiheit und
Foto: EMS/Corinna Waltz
Habib Badr ist Mitinitiator des EMS-Projektes
in Syrien.
Demokratie. Für die Christen in Syrien war
es ein Versuch, die Situation der Kirche im
Land zu verbessern. Nachdem sich die
Ereignisse gewendet haben, wurde die
Revolution gewaltsam, blutig und kam
unter die Kontrolle der Fundamentalisten.
Christen in Syrien haben mehr Angst vor
den Fundamentalisten als vor dem AssadRegime. Sie sagen jetzt zu ihren Partnern
im Westen: Wenn ihr gegen das Regime
plädiert, schadet ihr uns. Es ist ein Dilemma.
det ihr mit Nicht-Muslimen umgehen?
Wird es für uns einen Platz in einem islamischen Staat geben? Dann wird der
­Westen wissen, wie er sich den Fundamentalisten gegenüber verhalten muss. Aber
in dem ganzen Demokratisierungsprozess
müssen die Muslime eine sehr wichtige
Frage beantworten: Wärt Ihr im Zweifelsfall auch bereit, Euch von einem Christen
oder Juden, von einem Nicht-Muslim
regieren zu lassen? Demokratie fragt nicht
nach Religion.
Gibt es noch Hoffnung in Syrien?
Zum Thema Hoffnung könnte ich eine
mehrstündige theologische Vorlesung
­halten. Aber ich kann auch einige kleine
Beispiele nennen, wie Hoffnung praktiziert wird. Hoffnung ist Aktion. Nehmen
Sie das Beispiel der Nonnen in Maalula:
Am Tag nach dem Angriff auf ihr Kloster
durch Rebellengruppen haben sie angefangen, das Kloster wieder aufzubauen. Sie
haben es nicht verlassen. Sie vertrauen auf
etwas, das wir nicht sehen können.
Die Fragen stellte Katja Dorothea Buck.
Was kann getan werden?
Westliche Kirchen müssen lernen, den
Fundamentalisten gegenüberzutreten und
müssen wissen, wie hoch der Preis dafür
ist. Dafür müssen die arabischen Christen
die Islamisten öffentlich fragen: Wie wer-
27
CHRISTEN UND DER NAHE OSTEN
„WEM GILT MEINE SOLIDARITÄT“
Foto: EMS/Uwe Gräbe
Seminar bringt Ehemalige aus Freiwilligendiensten zusammen
Den eigenen Standpunkt erläutern aber auch in Frage stellen lassen
„Ich mag nicht dauernd als Vertreterin
der ‚israelischen Position‘ in Anspruch
genommen werden.“ „Mir haben die
pauschalen Schuldzuweisungen an
Israel aus der arabischen Welt nie
gefallen.“ Beim gemeinsamen Seminar
der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS), der Evangelischen Landeskirche in Baden und dem Forum
Deutschland-Israel-Palästina diskutierten 20 Menschen, die einen Freiwilligendienst im Nahen Osten geleistet
haben, die Frage: „Wem gilt meine
Solidarität – und wenn ja, warum?!“
28
V
iele Nahost-Engagierte wollen Polarisierungen überwinden, unterschiedliche Narrative miteinander
ins Gespräch bringen und auch die jeweils
eigene Solidarität von anderen in Frage
stellen lassen. Und so kam es bereits im
Sommer 2012 zu ersten Gesprächen zwischen den Ökumene- und Nahostverantwortlichen der Badischen Kirche und der
EMS darüber, wie so etwas in die Praxis
umgesetzt werden könnte. Als dann noch
das Forum Deutschland-Israel-Palästina zu
diesem Kreis hinzustieß, entstand die Idee,
ein Seminar ehemaliger Freiwilligen-
dienstleistender aus Israel, Palästina und
den arabischen Nachbarländern zu veranstalten. Sowohl die Badische Kirche als
auch die EMS entsenden immer wieder
Freiwillige in den Nahen Osten, und die
Arbeit des Forums stützt sich ganz wesentlich auf Rückkehrer aus der Region. Zudem
ist für Freiwilligendienstleistende die Frage der Solidarität keine Theorie, sondern
täglich geübte Praxis. Die Zielgruppe bot
sich also an.
Der fast anderthalbjährige Vorbereitungsprozess glich einer streckenweise
recht abenteuerlichen Reise. Wie theologisch sollte die Unternehmung werden?
„Es geht in erster Linie um eine theologische Standortbestimmung“, sagten die
einen. „Das wäre eine Engführung; wir
brauchen einen eher ethischen Zugang“,
entgegneten die anderen. Am Ende wurde
beidem Rechnung getragen.
Im November 2013 trafen in der
Jugendherberge Stuttgart zwanzig
­ehemalige Freiwilligendienstleistende
zusammen. Vom Freiwilligen der internationalen Solidaritätsbewegung (ISM) in
der Westbank, der später journalistisch in
Gaza tätig war, über ehemalige „Volos“ aus
Jordanien bis zur jungen Frau, die mit
jüdischen Holocaustüberlebenden in Israel gearbeitet ­hatte, waren alle vertreten.
Die erste, überraschende Einsicht war,
dass Solidarität selten statisch, sondern ein
hoch dynamisches Geschehen ist. „Ich
mag hier nicht dauernd als Vertreterin der
‚israelischen Position‘ in Anspruch genommen werden“, erklärte die Ehemalige, die
sich gerade noch für den Dienst in Israel
stark gemacht hatte. „Dann springe ich
hier ein“, entgegnete der junge Mann, der
ein Jahr an der Schneller-Schule in Jordanien gelebt hatte. „Mir haben nämlich die
pauschalen Schuldzuweisungen an Israel
aus der arabischen Welt nie gefallen. Ich
bin dann immer nach Tel Aviv rüber
gefahren, um normale israelische Jugendliche zu treffen.“
Eine zweite Einsicht bestand darin, wie
persönlich und kontextuell bedingt auch
theologische Zugänge sein können. Nicht
von „der Israeltheologie“ oder von „der
palästinensischen Theologie“ war da die
Rede, sondern von „meinem theologischen Zugang zu Israel“, und von „meinem Zugang zur Theologie christlicher
Palästinenser“. Entsprechend persönlich
waren die Reaktionen. Kann ich den anderen wirklich in dieser Weise theologisch
kategorisieren? Oder geht nicht gerade
dadurch auch etwas von der gewünschten
Solidarität verloren? Und hätte der Vollständigkeit halber nicht auch vom Islam
die Rede sein müssen?
Spannend wurde es da, wo der Versuch
unternommen wurde, sich auf ethische
Konsequenzen zu einigen. Selbstverständlich war die Verpflichtung zur Wachsamkeit gegenüber jedem theologisch oder
anders geprägten Antisemitismus. Deutlich wurde ebenso, wie sehr die andauernde Besatzung der Westbank nicht nur den
Palästinensern, sondern vor allem auch
den Israelis selbst schadet. Ob sich Solidarität in diesem Fall jedoch in ökonomischen Konsequenzen ausdrücken solle
oder dürfe, blieb hoch umstritten. Einigkeit bestand jedoch darüber, dass dieses
Seminar eine Fortsetzung finden sollte.
Am besten schon in zwei Jahren. Bis dahin
hieß es lehitra’ot oder ma’issalame – auf
Wiedersehen!
Dr. Uwe Gräbe
29
MEDIEN
Asiem El-Difraoui
Ein neues Ägypten?
– Reise durch ein
Land im Aufruhr
edition Körberstiftung
Berlin 2013, 264
Seiten, Euro 16 (auch
als e-Book erhältlich)
Aufschlussreiche Momentaufnahme
Mit „Ein neues Ägypten?“ hat die edition Körberstiftung ein Buch herausgebracht, das jedem empfohlen sei, der
spannende Reportagen und differenzierte Porträts wissenschaftlichen Analysen
vorzieht. Der Dokumentarfilmer und
Politologe Asiem El-Difraoui hat 2013
mehrfach Ägypten bereist. Er hat Menschen unterschiedlicher sozialer und politischer Herkunft getroffen und sie nach
ihrer Sicht der Dinge gefragt: einen Straßenpolizisten, einen jungen Filmemacher,
einen Intellektuellen, eine Frauenaktivistin, Oppositionelle, Muslimbrüder und
Salafisten. Dankenswerterweise ordnet der
Autor die Dinge immer wieder ein, wenn
seine Gesprächspartner sich auf Begebenheiten beziehen, die es nicht bis in die
Schlagzeilen der westlichen Medien
geschafft haben. Auch korrigiert er auf
sanfte Art allzu geklitterte Geschichtsdeutungen.
Das Kapitel über die Christen in Oberägypten bietet nur wenig Neues. Schockierend dagegen sind die Einblicke, die der
Autor in die Schicht der Superreichen gibt,
der Klasse, die wirtschaftlich die Strippen
in der Hand hält, aufs Engste mit dem
Militär verbunden ist, vom Leben der 99
Prozent anderen Ägypter aber nichts wissen will.
30
El-Difraoui hält sich glücklicherweise
mit allgemeinen Analysen der politischen
und wirtschaftlichen Situation zurück. Er
lässt die Leute reden und bezeichnet sein
Buch selbst als Momentaufnahme. Mehr
geht derzeit vielleicht gar nicht. El-Difraoui schafft es trotzdem, auf überaus
­lesbare Art einen tiefen Einblick in die
Gesellschaft Ägyptens zu geben.
Katja Dorothea Buck
Martin Tamcke
Erst das Leben muss
des Lebens Wert
zeigen.
Verlag Hans Schiler
Berlin 2013, 160 Seiten
Euro 16,80
Eigensinniger Theologe
aus dem Orient
Nicht immer geht es gut, wenn Autoren
akademischer Fachbücher das Genre
wechseln. Doch in diesem Fall ist es voll
und ganz gelungen. Die vorweggeschickte
Warnung des Göttinger Theologen Martin
Tamcke, dass er eigentlich „kein Schriftsteller“ sei, darf man bei dieser biografischen Skizze getrost übergehen. Um
Lazarus Jaure geht es, einen jungen syroiranischen Christen, der zu Beginn des 20.
Jahrhunderts zur theologischen Ausbildung nach Deutschland kommt. Nicht
immer werden seine Versuche, seinen
akademischen Lebensweg selbstbestimmt
zu gestalten, von den Lehrern in Deutschland verstanden oder gar anerkannt. Es
braucht kein Übermaß an Sensibilität, um
hier auch das Mitleiden Tamckes mit sei-
MEDIEN
nen eigenen internationalen Studierenden
wiederzuerkennen, die allzu oft von den
starren Regeln deutschen Akademikertums, Ausbildungsverordnungen, Förderrichtlinien und Vorurteilen in ihre
Grenzen gewiesen werden.
Teilweise verblüffende Zugänge zu dem
immer wieder um Stipendien und akademische Anerkennung buhlenden jungen
Mann eröffnet Tamcke durch literarische Zitate, die er jedem Kapitel voranstellt. Der Titel „Erst das Leben muss des
Lebens Wert zeigen“ stammt jedoch von
Jaure selbst – aus einem seiner Briefe, in
welchem er seinen deutschen Förderern
wieder einmal seine Handlungsweisen
erklären muss.
Gar kein gutes Haar lässt der Autor am
Hermannsburger Missionsseminar jener
Zeit. Von einer „drittklassige(n) theologi­
sche(n) Ausbildung“ ist da ebenso die
Rede wie von bornierten Missionsverantwortlichen, die den jungen Orientalen
eher nach seinem Nutzen für ihr Missionsprojekt in Persien einschätzen, statt in
ihm den potenziellen Gelehrten zu erkennen, als der er sich erst zum Ende seines
Lebens erweisen darf. Vielleicht mag man
sich aber auch zumindest ein wenig in die
Mentoren Jaures hineinversetzen, die
angesichts der Eigensinnigkeit ihres Zöglings wohl manches Mal nur den Kopf
schütteln konnten.
Zwischen der Studienzeit und einem
erfüllten Lebensabschluss liegen die Rückkehr Jaures in die Urmia-Region (im heutigen Dreiländereck der Türkei, des Iran
und des Irak), seine dramatische Zeugenschaft im Völkermord von 1916, seine
Flucht nach Europa und schließlich nach
Amerika, sowie kirchen- und regionalpolitische Wirren, die in dem nicht sehr
dicken Büchlein stets nur am Rande
anklingen. Dass am Ende „des Lebens
Wert“ ganz offen liegt, mag trösten. So ist
es ein menschlich anrührendes Büchlein
geworden, welches auch den Nichttheologen nachdrücklich zur Lektüre empfohlen sei.
Dr. Uwe Gräbe
Herbert Quandt-Stiftung
(Hg.)
Israel im Auge
des Sturms
Herder Verlag
Freiburg 2013
Euro 15,99
Unverbundene Parallelwelten
Antizionistische, ultraorthodoxe Juden,
die sich in den USA unter einer palästinensischen Fahne versammeln – mit I­ srael
hat das Titelbild dieses Buches nur wenig
zu tun. Eher ist es ein Sinnbild der höchst
unverbundenen Parallelwelten, die sich
durch Israel, die Palästinensischen Autonomiegebiete und den ganzen Nahen
Osten hindurch ziehen.
Die einzelnen Beiträge der 16. Jahreskonferenz des Trialogs der Kulturen, die
hier dokumentiert werden, sind in der Tat
sehr kenntnisreich, und ihre Autoren –
jüdische und arabische Israelis wie auch
deutsche Akademiker – gehören unzweifelhaft zu den Klügsten der Szene. Es
braucht wohl eine Herbert Quandt-Stiftung, um ein solch faszinierendes Spek­
trum an einem Tisch zusammenzubringen.
Nur: Warum steht das alles so eigenartig
berührungslos nebeneinander?
31
MEDIEN
LESERBRIEFE
Erhellend ist, was da erläutert wird über
aktuelle Entwicklungen in der jüdischisraelischen Ultraorthodoxie, in der
­Siedlerbewegung und in der israelischpalästinensischen Gesellschaft. Die Analyse des Journalisten Gil Yaron über die
Verschiebungen der politischen Gewichte
im Nahen Osten gehört zum Nachdenkenswertesten, was dazu in jüngerer Zeit
geschrieben wurde.
Ein Versuch, auseinanderdriftende Perspektiven zusammenzuführen, geschieht
jedoch kaum. Wie geht das beispielsweise
zusammen – das israelische Demokratiedefizit hinsichtlich der arabischen Minderheit im Staat, welches so treffend von
dem Politikwissenschaftler Amal Jamal
herausgestellt wird, und die einzigartigen
deutsch-israelischen Beziehungen, von
denen mit gleichem Fug und Recht die
Rede ist? Lassen sich solche Querverbindungen überhaupt noch diskutieren,
angesichts der dramatischen Umbrüche in
der arabischen Welt, die Israel tatsächlich
(allzu) oft „im Auge des Sturms“ erscheinen lassen? Oder haben sich die einzelnen
Akteure längst in ihren jeweiligen Narrativen trutzburgengleich eingerichtet?
BRIEFE AN DIE REDAKTION
Der Kontakt zu unseren Leserinnen und
Lesern ist für unsere Arbeit sehr wertvoll. Wir freuen uns über jede Rückmeldung, auch wenn sie kritisch ausfällt
oder eine andere Meinung als die der
Redaktion widerspiegelt.
Der Redaktion möchte ich mitteilen, wie
dankbar ich für die sachliche und umsichtige Zusammenstellung von Stimmen aus
dem Wirkungsgebiet der Schneller-Arbeit
bin, Stimmen von Betroffenen, die aus
naher Erfahrung und doch zuversichtlich
aus ihrem Leben im Nahen Osten berichten.
Georg Vischer, Basel
Die Fragen, die bei der Lektüre offen
bleiben, sind mindestens ebenso zahlreich
wie die Antworten, die hier gegeben werden. Und gerade deswegen lohnt es sich,
das Buch zu lesen!
Dr. Uwe Gräbe
Dank!
Mit herzlichem Dank bestätigen wir
den Eingang von Gaben unbekannter
Spenderinnen und Spender und von
Spendenden, die keinen Einzeldank
wünschen, sowie von denjenigen,
deren Name leider unleserlich war.
32
BRIEFESIE
WERDEN
MITGLIED IM EVS!
Der Evangelische Verein für die SchnellerSchulen e.V. (EVS) unterstützt und begleitet
die Arbeit der Johann-Ludwig-SchnellerSchule im Libanon und der Theodor-Schneller-Schule in Jordanien. Seine besondere
Aufgabe besteht darin, in den SchnellerSchulen bedürftigen Kindern Erziehung
sowie eine schulische und berufliche
Ausbildung zu ermöglichen.
Der EVS informiert in seinen Publikationen und Veranstaltungen über Kirchen und
Christen im Nahen Osten. Das SchnellerMagazin erscheint vier Mal im Jahr und
kann kostenlos abonniert werden. Referenten für Vorträge zu Themen rund um die
Arbeit der Schulen vermittelt die EVSGeschäftsstelle.
Wenn Sie Mitglied werden wollen, schicken wir Ihnen gerne eine Beitrittserklärung
zu. Der jährliche Mindestbeitrag beträgt für
natürliche Personen 25 Euro, für juristische
Personen 50 Euro. Mit einer Spende für die
Schneller-Schulen unterstützen Sie eine als
mildtätig anerkannte diakonische Arbeit.
IMPRESSUM
129. Jahrgang
Heft 1, März 2014
Herausgeber: Evangelischer Verein
für die Schneller-Schulen e.V. (EVS)
in der Evangelischen Mission
in Solidarität e.V. (EMS)
Redaktion: Katja Dorothea Buck
(verantwortlich), Ursula Feist,
Dr. Uwe Gräbe
Anschrift: Vogelsangstraße 62
70197 Stuttgart
Tel.: 0711 636 78 -0
Fax: 0711 636 78 -45
E-Mail: evs@ems-online.org
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Osten (SVS): Pfr. Ursus Waldmeier,
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Das Schneller-Magazin erscheint vier
Mal jährlich. Der Bezugspreis ist sowohl
im EVS-Mitgliedsbeitrag als auch im
SVS-Jahresbeitrag enthalten.
Englisches Schneller-Magazin online:
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33
Der Evangelische Verein für die
Schneller-Schulen (EVS) ist Mitglied
in der Evangelischen Mission
in Solidarität e.V. (EMS)
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Lichte sehen wir das Licht.“ (Psalm 36, 10)
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