close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Dankbarkeit – für was? - st-augustin-coburg.de

EinbettenHerunterladen
Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis/13.10.2013/St. Augustin, Coburg/ Dekan Roland Huth
Dankbarkeit – für was?
2 Könige 5,14-17
2 Timotheus 2,8-13
Lukas 17,11-19
Liebe Geschwister!
Sie sind mir bitte nicht böse, wenn ich heute das Thema, das Sie möglicherweise am meisten interessiert, nur streife und Sie und uns auf den nächsten
Sonntag vertröste. Sicher erregt die Bau- und wohl auch offensichtliche
Verschwendungssucht in Limburg, nebst den Erinnerungslücken des Limburger
Bischofs Tebartz van Elst bzgl. Flugreisen, grade die deutschen Gemüter.
Vielleicht sogar deshalb so arg, weil wir einen römischen Bischof haben, dem ja
ein bescheidener Lebensstil und Amtsführungsstil mehr als nur am Herzen liegt.
Ganz deutlich und klar definiert Franziskus, was ihm am Herzen liegt und
worauf er auch verstärkt achten wird, wenn es um seinen eigenen Klerus und
um das Gebaren unserer Kirche und kirchlichen Strukturen geht. Und zu Recht
fragen jetzt doch auch manche Menschen aus dem Umfeld unserer Gemeinde
und hinterfragen auf dem Hintergrund der 30 Millionen, die in das Limburger
Bischofshaus fließen, dann auch unsere geplante Generalsanierung von St.
Augustin. Aber – wie gesagt – darum kümmern wir uns am nächsten Sonntag –
grade auch im Hinblick auf unsere bevorstehende zweite Gemeindeversammlung.
Geld mag und muss ein Thema in unserer Kirche und in unserer Welt sein – das
spüren grade wohl auch die Amerikaner. Aber: Geld ist nicht alles… und trotz
aller Notwendigkeit auch nicht das Wichtigste.
Unangenehmer, weil existentieller, ist das, was uns grade an der Küste von
Lampedusa vor Augen gehalten wird. Die sich wiederholenden Dramen von
ertrunkenen Schiffsflüchtlingen aus Afrika und die Reaktionen aus der Politik
und auch aus manchen Bevölkerungsschichten, die müssten uns doch viel mehr
erschrecken. Tut es aber nicht!
Im Evangelium des heutigen Sonntags – und mit diesem Evangelium möchte ich
auch das eigentliche Predigtthema einleiten geht es nicht nur um eine klassische, dem alten Schema entsprechende Heilungserzählung. Hier sind es fast
mehr die Randbemerkungen, das leicht Überhör- und Überlesbare. Wo spielt
sich denn die Szenerie ab? Dort, wo Jesus immer auf Menschen und Situationen trifft, die existentiell sind – für den Glauben oder auch für die Menschen
selbst. In Samarien! Ein Landstrich, der sich schon lange vor Jesu Auftreten in
diesem Gebiet von den anderen Juden politisch als auch religiös abgespalten
1
hat. Es war eine tiefe Entfremdung entstanden. So war Samarien ein starker
Kontrast im Hinblick auf das traditionelle Judentum. Samarien war das, was wir
heute oft auch als Drittstaaten bezeichnen würden. Dort herrschte anderen
gegenüber Toleranz, dort fanden jene eine Bleibe und Zuflucht, die in ihrer
alten Heimat nicht mehr geduldet waren. Sicher auch manche Sonderlinge.
Aber auch politisch oder religiös Geächtete und eben auch augenscheinlich
unheilbar Kranke – besonders auch Aussätzige, die an den Grenzen und in den
Grenzgebieten geduldet wurden. Jesus erlebt dort immer wieder in seinen
Begegnungen Herausragendes – weil die Menschen offener sind, in manchem
auch kritischer hinterfragen….wohl aber auch ein wenig heilsbedürftiger als die
gut situierten sind, in aller abgesättigten, pseudo-normalen Welt darum herum.
Denken Sie nur an die tiefe, schöne Erzählung von der samaritischen Frau am
Jakobsbrunnen, an den barmherzigen Samariter. Und heute: 10 Aussätzige – im
Grenzgebiet von Samarien und Galliläa. Alle werden geheilt – einer kehrt um
und bedankt sich. Die Nachfrage Jesu ist eine kritische: „Wurden nicht alle Zehn
geheilt? Wo sind die übrigen Neun?“ Und: der eine, der umkehrte, um sich bei
Jesus zu bedanken, war ein Samariter. Ausgerechnet der, von dem man es
eigentlich gar nicht erwarten dürfte, mit dem ja ein gesetzestreuer Jude schon
gar keinen Kontakt haben dürfte, er zeigt sich dankbar. 10, die nicht nur von
ihrem Aussatz geheilt wurden, sondern die auch wieder in ihr normales Leben
zurückkehren konnten, aus der Isolation wieder in die soziale Gemeinschaft.
Nur einem davon kommt der Gedanke, dafür auch Danke zu sagen.
So – und jetzt der kurze Schwenk mit der Bedingung, dass sich jeder und jede
von uns selbst entscheiden muss – geht unser Blick nach Lampedusa und auf
unsere christlich-abendländische Kultur und Religion. Aber viel mehr noch auf
unseren christlichen Auftrag. Sind wir nicht die Geheilten, die von Jesus ins Heil
Genommenen? Glauben wir daran und an seinen Auftrag: Amen, was ihr einem
meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan?
Und was ihr ihm oder ihr nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.
Hat das Konsequenzen für uns und für unser Denken, Reden und Tun, wenn es
um die aus ihrer sozialen und oft auch politischen Not Flüchtenden geht. Und
wir zuschauen, wie sie abgedrängt werden und ihnen vorhalten: Ihr landet in
einem Landstrich an, der selbst von Arbeitslosigkeit geplagt wird. Sind das
wirklich die Antworten, die unserem christlichen Anspruch würdig sind. Sicher,
am besten wäre es und Ziel bleibt es, das jeder Menschen dort gut leben und
arbeiten kann, wo seine Heimat ist. Aber wenn es nicht geht? Wenn Jesus
heute in Lampedusa – so wie damals im Grenzgebiet von Samarien und Galliläa
2
unterwegs wäre – wie würde er denken und handeln? Den Anspruch an uns
nimmt uns nichts und niemand. Amen.
3
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
2
Dateigröße
355 KB
Tags
1/--Seiten
melden