close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Joh 1,1-5+9-14 26.12.08 Was an Weihnachten - eg-biebertal.de

EinbettenHerunterladen
Joh 1,1-5+9-14
26.12.08
Was an Weihnachten wirklich geschah
Kati hat zu Weihnachten ein Aquarium bekommen. Tim, ein guter Freund von Kati, kommt am 2.
Weihnachtstag zu Besuch. Begeistert zeigt Kati Tim ihr Aquarium. „Hast du das zu Weihnachten
bekommen?“ fragt Tim. „Ja, siehst du doch. Sehen die kleinen Fische nicht schön aus? Den
kleinen da unten, den finde ich besonders schön. Ich habe ihn Goldi genannt.“ „Die können ja ganz
toll flitzen.“ meint Tim. Kati klopft an die Scheibe und sagt: „Hallo Goldi!“ „Was soll das denn?
Warum klopfst du an die Scheibe?“, fragt Tim. „Ich will, dass der zu mir her schwimmt, das muss er
doch hören.“ „Du erschreckst die Fische nur. Die können dich nicht hören.“, erklärt Tim. „Ich
möchte aber dem Goldi etwas sagen.“ „Aber der versteht dich doch gar nicht.“ „Schade“, sagt Kati
traurig. „Weißt du wie die Fischsprache geht, Tim?“ „Fischsprache, red doch nicht so ein dummes
Zeug!“ „Aber ich will dem Goldi doch etwas ganz Wichtiges sagen.“ „Was denn?“, fragt Tim
neugierig. „Das ist mein Geheimnis! – Aber weil du mein Freund bist, verrate ich es dir. Also ich
will dem Goldi sagen, dass ich ihn ganz toll mag.“ Tim lacht: „Du hast vielleicht Geheimnisse! Aber
wie willst du das denn machen?“ „Hm“, Kati überlegt, „ich hab’s. Ich werde einfach ein Fisch.“
„Aber das geht doch gar nicht. Du bist viel zu groß. Du passt doch gar nicht in das Aquarium.“ „Na,
dann muss ich eben ein kleiner Fisch werden, so klein wie Goldi. Wenn ich dann zu ihm ins
Aquarium komme, dann freut er sich bestimmt und schwimmt nicht mehr von mir weg. Und ich
kann ihm erzählen, dass ich ihn mag und dass ich immer für frisches Wasser und für Futter sorgen
werde.“ „Du hast vielleicht Ideen“, meint Tim. Und dann erklärt er: „Wenn du ein Fisch werden
willst, dann musst du aber auch im kalten Wasser leben und Fischfutter essen. Und dein schönes
Zimmer und deine Spielsachen hast du dann auch nicht mehr.“ Kati denkt eine Weile darüber nach
und dann sagt sie entschlossen: „Aber ich möchte trotzdem mal ein Fisch werden, weil ich dann
dem Goldi mein Geheimnis sagen kann, nämlich, dass ich ihn ganz arg mag.“
Was hat Kati und ihr Aquarium mit Weihnachten zu tun? Kati möchte genau das tun, was Jesus
wirklich gemacht hat. Nein, Jesus ist kein Fisch geworden. Aber wenn wir diesen Vergleich jetzt
nehmen, dann ist das Aquarium die Welt. Die Welt, also das Aquarium gehört Jesus, er hat es
selbst gemacht. Und Jesus hat sich ganz klein gemacht und ist ins Aquarium gekommen, um
Fischen wie Goldi und ihnen und mir zu sagen, wie sehr er uns liebt. Dafür hat er im kalten Wasser
gelebt, sein schönes Zimmer aufgegeben und Fischfutter gegessen. Eigentlich ist die Geschichte
von Kati ein schöner Vergleich für das, was an Weihnachten wirklich geschehen ist. Lukas erzählt
uns die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht von Maria und Josef und den Hirten. Das ist
sozusagen das, was sich im Aquarium abgespielt hat. Johannes hat sein Evangelium viel später
geschrieben. Er wollte die bekannten Geschichten nicht wiederholen. So hat Johannes, erfüllt
durch den Heiligen Geist, das Ganze von außen her betrachtet und aufgeschrieben. Johannes
beschreibt, was hinter der Geschichte von Maria, Josef und dem Kind passiert ist. Bei ihm hört sich
die Weihnachtsgeschichte dann so an: Joh 1,1-5+9-14
1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.
2 Im Anfang war es bei Gott.
3 Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
4 In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
5 Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht.
11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an
seinen Namen glauben,
13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des
Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
1
Dieses Vorwort zum Johannesevangelium ist faszinierend in seiner Sprache und in der Tiefe,
die in diesen Worten steckt. Das besondere am Johannesevangelium ist ja, dass es im Grunde
ein Kind verstehen kann. Aber wenn man sich näher mit diesen Texten befasst und hineindenkt,
dann tun sich unergründliche Tiefen aus. Warum hat Johannes sein Evangelium so geschrieben?
Es kann im Grunde jeder verstehen. Es ist für jeden was dabei. Egal, welchen religiösen oder
welchen philosophischen Hintergrund ein Mensch hat, er kann etwas mit diesen Worten anfangen.
Das ist das Faszinierende daran! Jüdische Gelehrte, Bauern und Händler aus Kleinasien
Mediziner aus Ägypten oder griechische Philosophen, alle konnten einen Zugang zu diesem
Evangelium finden. Und, ganz wichtig, Johannes wollte, dass die Leser beim Lesen erkennen und
glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Sie wollten wissen, was er für sie getan hat und sie
sollen durch diesen Glauben das Leben finden. Am Ende seines Evangeliums, in Kapitel 20,31,
schreibt er über die Absicht dieses Buches: Es wurde aufgeschrieben, „damit ihr glaubt, dass
Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben an ihn in seinem
Namen das ewige Leben habt.“
Ich glaube, dass sich das Johannesevangelium auch heute sehr gut eignet, um postmodernen
Menschen einen Zugang zum christlichen Glauben zu geben. Allein schon die Formulierung, „Im
Anfang war das Wort.“ Das ist postmodern ausgedrückt. Dieses Wort, im Griechischen steht hier
„der Logos“ meint mehr, als wir landläufig unter Wort verstehen. Es ist ein religiöser Begriff. Den
Logos gab es schon in antiken Religionen. Dort ist er ein Mittelwesen zwischen Gott und Mensch.
Die griechische Philosophie kennt diesen Begriff. Für sie ist es die Weltvernunft. Im Alten
Testament Logos das Wort, mit dem Gott in der Welt wirkt. Gott schuf durch sein Wort. Und auch
die Gnosis, das war damals eine sehr populäre Religion, kannte den Logos. Mit Logos konnte
jeder aus seinem Hintergrund ahnen, dass Johannes hier von den Anfängen, den Ursprüngen
spricht. Der Logos, war für die einen die Basis unseres Seins oder eine Weltvernunft, eine göttliche
Kraft, er könnte aber auch das sein, was hinter dem intelligenten Design steckt. Um es einmal
ganz postmodern auszudrücken, es könnte der Gott sein, den alle Religionen meinen, auf den sich
im Prinzip alle Religionen stützen. Jeder wusste, mit Logos gehen jetzt ganz weit zurück zu den
Ursprüngen. Er schreibt von dem, was über uns ist und dem was schon immer war.
Johannes schreibt: Dieser Logos war Gott. Aber nicht in dem Sinne, dass er einmal Gott war
und jetzt nicht mehr Gott ist. „War“ meint, er war es immer. Er war schon immer Gott, er ist Gott
und er wird in Ewigkeit Gott sein. Im Anfang war er bei Gott. Jetzt stellt Johannes dieses
allgemeine Gottesbild etwas schärfer. Das Wort, der Logos war von Anfang an bei Gott. Also, es
sind zwei. Aber irgendwie sind diese zwei eine Einheit. Und der eine hat nicht den anderen
geschaffen, sondern sie waren schon immer da. Im Anfang bedeutet so viel wie: schon immer.
Sie waren schon da, als es das Universum noch gar nicht gegeben hat.
Dieser Logos, der bei Gott war und der auch Gott ist, der hat alles geschaffen. Da ist nichts, was
nicht von ihm ist. Das Bild wird noch schärfer. Es gibt also keinen Konkurenzgott, sondern nur eine
Macht, aus der alles kommt und die über allem steht. Alles Leben kommt aus diesem ewigen Wort,
dem Logos. Dieses Leben ist das Licht für die Menschen. Johannes stellt noch etwas schärfer.
Wenn es Licht gibt, dann muss es auch Finsternis geben. Finsternis ist dort, wo Menschen nicht
mehr aus dem Logos, aus diesem Wort leben. Finsternis ist dort, wo Menschen vom ursprünglichen Leben getrennt sind. Und jetzt kommen wir langsam bei der Weihnachtsgeschichte an. Und
auch wenn Johannes hier noch keinen Namen nennt, wird beim Weiterlesen nach und nach klar,
wer dieser allumfassende Logos ist. - Jesus.
Johannes führt seine Leser also von einer allgemeinen Gottesvorstellung oder Gottesidee, Schritt
für Schritt zu einer ganz konkreten Person: Jesus Christus. Er will damit sagen: „Alles, was ihr
bisher über Gott gedacht und geahnt habt, das ist Jesus Christus. Und in Jesus findet ihr das, was
ihr sucht und wonach ihr euch sehnt.“ Johannes holt seine Leser sozusagen bei einer allgemeinen
Gottesvorstellung ab, wird dann aber sehr eindeutig und beschreibt ganz klar wer dieser Gott ist
und wie er ist. Und Johannes fordert die Leser schon auf der ersten Seite seines Evangeliums zur
Entscheidung auf. Er zeigt den einzig möglichen Weg, wie Menschen zu Gott kommen können.
2
Johannes beschreibt hier ganz schlicht und trotzdem so faszinierend, wer Jesus ist und was er für
uns getan hat. So könnte man ganz einfach für Logos Jesus einsetzten. Und dann beginnt die
Weihnachtsgeschichte schon lange bevor es Bethlehem, Schafe und Menschen gab:
1Im Anfang war Jesus, und Jesus war bei Gott, und Jesus war Gott.
2 Im Anfang war er bei Gott.
3 Alles ist durch Jesus geworden und ohne Jesus wurde nichts, was geworden ist.
4 In ihm, Jesus, war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen.
So und jetzt möchte ich Sie/Euch zu einem großen Gedankensprung einladen. Ich komme wieder
zum Aquarium. Im Aquarium ging das Licht aus. Eine eklige Pflanze hat sich so ausgebreitet, dass
kein Licht mehr in das Aquarium hineinkam. Und das Schlimme war, diese Pflanze hat die Fische
angelockt. Wenn nun ein Fisch die Pflanze berührt hatte, wurde er krank, so dass er über kurz
oder lang sterben musste. Jesus, dem dieses Aquarium gehört, hat von außen das Drama
gesehen. Aber er hat nicht einfach von außen zugeschaut. Er hat auch nicht an die Scheibe
geklopft und gesagt: „Hallo, ich habe euch alle lieb.“ Sie hätten ihn nicht verstanden. Er nahm auch
keine Taschenlampe und hat damit in das Becken geleuchtet, damit es ein bisschen heller würde.
Das hätte nicht gereicht. Jesus wurde sozusagen ein Fisch und ging in sein Aquarium. Er musste
von innen den Stiel der Pflanze durchbeißen, damit die Pflanze eingeht. Dann würde es wieder hell
und die Fische müssten nicht mehr sterben. Bei dieser Aktion ist er vom Gift der Pflanze
gestorben. Aber der Vater hatte zu ihm gesagt: „Keine Angst, ich hole ich dann raus und ich
werde dich wieder lebendig machen.“ Der Vergleich ist ungewöhnlich. Aber damit kann man sich
ein bisschen vorstellen, was wirklich an Weihnachten passiert ist.
Würden sie als Fisch in ihr eigenes Aquarium gehen? das dramatische war ja, dass die Fische
ihren Retter nicht angenommen hatten. Stellen wir uns einmal vor, Kati kann sich tatsächlich als
Fisch verwandeln. Ihr Vater wirft sie in ihr Aquarium. Und nun schwimmt sie zu Goldi und sagt ihm,
dass ihr das Aquarium gehört, dass sie Goldi immer das Futter reingestreut hat und das sie ihn
sehr gern hat. Wie reagiert Goldi: „Was willst denn du hier? Spinnnst du? Natürlich, du bist
eigentlich ein Mensch und lebst auf der anderen Seite von der Scheibe! Hau ab und lass mich in
Ruhe mit deinem dummen Zeug. Auf der anderen Seite von der Scheibe da ist nichts.“
Zurück zu Johannes und seiner Weihnachtsgeschichte. Johannes sagt also wer dieser Gott ist und
was Gott für die Menschen getan hat, damit sie wieder zu ihm finden. Dieser Gott, von dem viele
irgendwie eine Ahnung haben oder eine Vorstellung haben ist kein anderes als Jesus. Er ist der
ewige Gott, durch den alles geschaffen ist. Er wurde Mensch und kam in sein Eigentum. Gott hat
sich den Menschen gezeigt, er hat sich erkennbar gemacht. Mit knappen, aber sehr deutlichen
Worten beschreibt Johannes die ganze Tragik, die hinter Weihnachten steckt. Das wahre Licht,
das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
Johannes macht ihr eine Aussage, die leicht überlesen wird. Jesus kam als das Licht in die Welt
und er hat jeden Menschen erleuchtet. Nehmen wir das einfach so wie es hier steht. Jeder Mensch
hat demnach mindestens einmal die Möglichkeit, Jesus zu erkennen. Jesus zeigt sich jedem
Menschen, so dass er sich für oder gegen ihn entscheiden kann. Das heißt, da wird niemand im
letzten Gericht sagen können, „Ich habe Jesus nicht erkannt.“ Ist das nicht ein Widerspruch zu der
Aussage, aber die Welt erkannte ihn nicht? Dieses Wort meint nicht das Erkennen mit dem
Verstand, sondern ein Erkennen durch Erfahrung. In der Bibel geht das Wort „erkennen“ sogar
noch viel tiefer. Es meint, intensive Gemeinschaft haben, sogar bis in sexuelle Erfahrungen. Das
bedeutet dann, ein Mensch erkennt Jesus, aber er will sich nicht auf in einlassen. Er will keine
Gemeinschaft mit ihm haben. Er möchte keine Erfahrungen mit ihm machen. Oder noch etwas
drastischer ausgedrückt: Die Welt hatte ihn nicht anerkannt. Die Menschen haben Jesus nicht als
den Sohn Gottes anerkannt, denn das würde Konsequenzen für ihr Leben bedeuten.
Johannes stellt uns, die Leser in eine Entscheidung: „Ich habe das aufgeschrieben, damit ihr
erkennt, anerkennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Und dass ihr durch den Glauben an ihn das
ewige Leben findet.“ Johannes zeigt uns hier eine sehr schöne Definition von Glauben. Glauben
bedeutet, Jesus aufnehmen. Das ist die andere mögliche Entscheidung. Jesus aufnehmen heißt
3
dann, dass sich ein Mensch auf ihn einlässt. Er macht Erfahrungen mit Jesus. Das kann eine
längere Phase sein, in denen sich die Erfahrungen vertiefen. Eine Beziehung zu Jesus entsteht.
Bis schließlich ein Mensch an den Punkt kommt, wo er Jesus als Sohn Gottes anerkennt. Dann
nimmt er ihn in sein Leben auf. Es geht dabei um eine willentliche Entscheidung. Diese
Entscheidung hat Konsequenzen. Er wird ein Kind Gottes, sozusagen adoptiert und gehört von
jetzt an für immer zu Gott.
Aber dieses Aufnehmen ist letztlich ein Wunder. In diesem Text stehen zwei Wunder. Das eine
Wunder ist, dass der ewige Gott ein Mensch wie du und ich geworden ist. Gott wurde ein Kind.
Dieses Wunder feiern wir an Weihnachten. Das andere Wunder geht eigentlich genau umgekehrt.
Ein Mensch wird zu einem Gotteskind. Auch das ist ein Wunder. Es gibt keinen natürlichen Zugang
zu Gott. Die Jahreslosung für 2009 erinnert uns daran. „Was bei den Menschen unmöglich ist,
das ist bei Gott möglich.“ Jesus sagte das, als er einmal gefragt wurde, „Wer kann denn dann
gerettet werden?“ Menschlich gesehen ist es unmöglich. Aber Gott macht es möglich. Das Wunder
von Weihnachten kann zu einem ganz persönlichen Wunder werden. Dann, wenn wir uns auf
Jesus einlassen, wenn wir ihn in unser Leben einladen und annehmen. Dann wird es erst im
eigentlichen Sinn Weihnachten.
Amen.
Reinhard Reitenspieß
4
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
9
Dateigröße
40 KB
Tags
1/--Seiten
melden