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"Wir müssen wissen, was geschehen ist!" - Das Doku - Presseportal

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"Wir müssen wissen, was geschehen ist!" - Das Doku-Event "Unsere Mütter, unsere
Großmütter im 2. Weltkrieg" am 30.8. um 20:15 Uhr bei VOX
27.08.2014 - 11:28 Uhr, VOX Television GmbH
Köln (ots) - Acht Frauen, acht Einzelschicksale. In dem Doku-Event "Unsere Mütter, unsere
Großmütter im 2. Weltkrieg" bringt SPIEGEL TV Zeitzeuginnen zusammen, die aus verschiedenen
Blickwinkeln berichten, wie der Zweite Weltkrieg sie geprägt hat. Alles dreht sich um die
Frage, welche Rolle die Frauen im Nationalsozialismus erfüllten. Eines steht fest: Es gab sie
alle - vorbildliche Mütter im Sinne Hitlers, glamouröse Aushängeschilder aus Film und Theater,
ängstliche Mitwissende, eiskalte Täterinnen, Millionen von Opfern.
Vor dem Zweiten Weltkrieg: Deutsche Frauen durften einen selbstbewussten und für damalige
Verhältnisse emanzipierten Lebensstil führen. Kind und Job unter einen Hut bekommen? Kein
Problem. Dann kamen die 30er und mit ihnen Adolf Hitlers ganz eigene Vorstellung von
deutscher Weiblichkeit. Gemäß der nationalsozialistischen Philosophie sollten Frauen vorrangig
zu Hause bleiben, heiraten, eine Schar Kinder groß ziehen und ihrem Mann treu und ergeben zur
Seite stehen.
Marianne Clemens (101), Tochter einer wohlhabenden Künstlerin und Gegnerin des HitlerRegimes, dachte damals noch nicht, dass sich der polarisierende Reichskanzler halten würde:
"Wir haben ja noch 1933 geglaubt, dass dieser dahergelaufene, ordinäre, ungebildete Hitler
wieder abgewählt würde." Die Zurückstufung der Frauen ließ bei ihr die Alarmglocken schrillen:
"Frauen sollten wieder an den Herd. Dabei waren sie ja nun gerade emanzipiert, hatten
studiert und gehörten dazu. Plötzlich sollten sie also wieder nur kochen und Kinder kriegen.
Wir wollten auch Kinder kriegen, aber nicht befohlen vom Staat und nicht als Programm!"
Magda Goebbels, die prominente Vorzeige-Frau, war die berühmteste Trägerin des von Hitler 1939
eingeführten "Mutter-Kreuzes" für besonders großen Kindersegen. Die Ehefrau von PropagandaMinister Joseph Goebbels ließ sich und ihren Nachwuchs für Nazi-Zwecke bereitwillig
vermarkten. Als die Kriegs-Niederlage schließlich unausweichlich schien, vergiftete sie ihre
sechs Kinder mit Zyankali und beging gemeinsam mit ihrem Mann Selbstmord.
Inge Deutschkron (92) wuchs mit ihren Eltern in Berlin auf. Sie ist Jüdin, doch Religion
spielte in ihrer Familie nie eine große Rolle. Dass ihr diese einmal zum Verhängnis werden
könnte, ahnte ihre Mutter früh. "Lass dir nichts gefallen - wehre dich!", gab sie ihrer
Tochter mit auf den Weg. Beide entgingen der Deportation ins KZ letzten Endes nur knapp,
weil mutige Deutsche die jüdischen Frauen im Untergrund versteckten. Doch die Ungewissheit,
was bei einer sogenannten "Umsiedlung" ins KZ durch die Nazis zu erwarten sei, war ihr
ständiger Begleiter: "Wir dachten immer: 'Na ja, was kann schon sein? Wir werden dort hart
arbeiten müssen.' Was wirklich war, hat keiner gedacht oder denken wollen. Ach Gott, manche
von ihnen zogen sich die beste Kleidung an, die sie hatten, für diese Fahrt." Erna de Vries
(90) ist "Halbjüdin" und wurde mit ihrer jüdischen Mutter in das Konzentrationslager Auschwitz
deportiert - freiwillig: "Wo meine Mutter hingeht, möchte ich auch hingehen." Ihre Mutter
stirbt im KZ - sie selbst sitzt im Todesblock und wartet auf ihre Vergasung. "Auf einmal
ging das Tor auf. Ich hatte keine Kraft mehr und habe gebetet und gesagt: 'Wie du willst.
Ich möchte leben, aber wie du willst.' Und ich hatte einen Wunsch - ich wollte noch einmal
die Sonne sehen, bevor ich ins Gas gehen musste", erinnert sie sich. Erna de Vries hat den
Holocaust überlebt, weil sie als "Rassen-Mischling" Glück hatte. Am Tag der geplanten
Vergasung wird sie als Zwangsarbeiterin bei Siemens untergebracht.
Viele junge Frauen in Erna de Vries' Alter waren damals vom Nationalsozialismus begeistert.
Wie kann man sich heute ihre fanatische Liebe zu Hitlers' Ideologie erklären - wie
rechtfertigen? Ingeburg Hölzer (90) war gerade zehn Jahre alt, als die Nazis an die Macht
kamen und stellte deren System nicht infrage: "Wir waren ja stolz auf unser Deutschland, wir
Jungen jedenfalls. So waren wir erzogen. 'Deutschland, Deutschland über alles' - das wurde
gesungen und das glaubten wir." Einrichtungen wie der "Bund Deutscher Mädel" sollten das
Gemeinschaftsgefühl der deutschen Jugend fördern. Ingeburg Hölzer ging gerne dort hin und sah
erst viel später, welchen Ideologien sie folgte. Heute sagt sie: "Wir haben viel Schönes
erlebt, aber die Hintergründe einfach nicht durchschaut. Wie sollten wir zum Beispiel wissen,
warum die Autobahn gebaut wurde? Das war schön, da konnte man schnell drauf vorwärts kommen!"
Lieselotte Raasch (91) aus Hamburg wurde deutsch-national erzogen. Ihr Vater half den Nazis
beim Aufbau der Wehrmacht. Als junges Mädchen trug sie stolz die "BDM"-Uniform, leitete sogar
als Führerin ihre eigene Mädchengruppe. Sie verlor ihre beiden Brüder und den Vater im Krieg.
Zu den Massen-Deportationen sagt sie rückblickend: "Wir haben gedacht, die seien alle
ausgewandert. Dass so viele ins KZ kamen, davon hatten wir keine Ahnung!" Viele Deutsche
arrangierten sich mit der nationalsozialistischen Diktatur. Annette Schücking-Homeyer,
pensionierte Richterin, (94) versteht dies bis heute nicht: "Was mich am meisten bedrückt,
ist, dass die Deutschen so schnell bereit waren, sich einer Diktatur derart anzuschmiegen."
Während ihrer Zeit als Helferin beim Deutschen Roten Kreuz in der Ukraine erlebt sie den
Massenmord an Juden hautnah. In einem Brief an ihre Familie schrieb die damals 21-Jährige:
"Das, was Papa immer sagt, dass von Menschen, die ohne moralische Hemmungen sind, eine
merkwürdige Luft ausgeht, ist wahr. Ich kann jetzt die Menschen unterscheiden. Man riecht bei
vielen richtig Blut. Ach Mami, was ist die Welt für ein großes Schlachthaus." Die
amerikanische Historikerin Wendy Lower erforscht seit Jahren die Rolle der Frauen im
Vernichtungskrieg: "Männer und Frauen arbeiteten natürlich zusammen. Frauen halfen zum
Beispiel bei der systematischen Organisation von Erschießungen. Todeslisten mussten erstellt
werden, die Opfer mussten vorher ausgewählt und erfasst werden, Erfrischungen für die Soldaten
mussten bereitgestellt werden." Tausende Frauen waren Mitwisserinnen und Täterinnen. Viele
von ihnen tauchen zwar auf Fotos in Geschichtsbüchern auf, im Gegensatz zu ihren männlichen
Kumpanen bleibt ihre Identität allerdings meistens unbekannt.
Jennifer Teege sieht sich mit dieser Tatsache innerhalb der eigenen Familiengeschichte
konfrontiert. Die 44-Jährige wuchs im Kinderheim auf und entdeckte mit 38 Jahren durch
Zufall, dass ihr Großvater KZ-Kommandant Amon Göth war und als "Schlächter von Płaszów"
zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Wahllos erschoss er KZ-Insassen - vom Balkon seiner nahe
gelegenen Villa aus. Teeges Großmutter Ruth Kalder war damals seine Sekretärin und Geliebte.
In dem gemeinsamen Luxus-Domizil genoss sie ihr Leben mit Musik, Mode und Kosmetik - nur
wenige Meter neben dem Lager. "Sie war juristisch betrachtet eine Mitläuferin. Ihr wurde nie
der Prozess gemacht. Ich glaube aber, dass es viele Situationen gab, in denen sie zur Täterin
wurde", erzählt die Halb-Nigerianerin. Was findet eine junge Frau an einem Mörder wie Amon
Göth? War es die Macht, der Ruhm? 1946 wird der Kommandant wegen Massenmordes zum Tode
verurteilt. Ruth Kalder ließ bis zu ihrem Selbstmord im Jahr 1983 sein Foto im Schlafzimmer
hängen. "Wie hätte ich mich verhalten?", fragt sich ihre Enkelin heute.
Mehr Hintergründe und die vollständigen Interviews zeigt VOX in dem Doku-Event "Unsere Mütter,
unsere Großmütter im 2. Weltkrieg" am 30. August um 20:15 Uhr.
Sehen Sie "Unsere Mütter, unsere Großmütter im 2. Weltkrieg" nach der Ausstrahlung sieben Tage
lang kostenlos online auf VOX NOW unter www.voxnow.de !
Weitere Informationen zum Doku-Event finden Sie auch unter:
http://kommunikation.vox.de !
Pressekontakt:
VOX Presse & Kommunikation, Janine Pratke, Tel.: 0221. 456-81511
VOX Bildredaktion, Lotte Lilholt, Tel.: 0221. 456-81512
Originaltext:
VOX Television GmbH
Pressemappe:
http://www.presseportal.de/pm/6952/vox-television-gmbh
Pressemappe als RSS:
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Seele and Geist
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