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Klar sagen, was man braucht

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L A N D K R E I S S Ü D W E S TPF A L Z
DIE RHEINPFALZ — NR. 113
DIENSTAG, 18. MAI 2010
03 _LP IR
IM BLICKPUNKT: Beruf und Familie (2) – Kind und Arbeit
ELTERN-INITIATIVEN
Klar sagen, was man braucht
Ein Verein in Lemberg
„Ferienbetreuung Lemberg“ – so
heißt der Verein, den Tina Pfeiffer
mit anderen Müttern vor zwei Jahren
gegründet hat. Die zweifache Mutter
arbeitet in einer Dreiviertel-Stelle,
aber auch wenn sie den Urlaub ihres
Mannes mitrechne, sagt sie, sei es
schwierig, die fast 13 Wochen Schulferien mit dem Urlaub der Eltern zu
vereinbaren. Deshalb haben die Mütter mit Hilfe der Grundschule eine
Ferienbetreuung aufgebaut. In den
Oster- und Herbstferien bietet der
Verein jeweils etwa eine Woche und
in den Sommerferien drei Wochen
Spiel und Spaß auf dem Schulgelände an, auch für Kinder aus anderen
Orten. Betreuung leisten vier Honorarkäften; finanziert wird das Ganze
über einen Teilnahmebeitrag (sieben
Euro pro Tag plus Essen) sowie über
einen Zuschuss vom Land für die
Sommerferien. Es laufe „sehr sehr
gut“, sagt Tina Pfeiffer, die den Verein auch aufrechterhalten will, wenn
ihre Kinder ihm „entwachsen“ sind.
Familie oder Beruf – diese kompromisslose Zeiten sind vorbei. Heute ist es selbstverständlich, dass
Mütter und Väter berufstätig sind. Doch Familie und Beruf gut zu vereinbaren, ist oft schwierig – und hängt
nicht selten vom Entgegenkommen des Arbeitsgebers ab. Aber auch Arbeitnehmer können dazu beitragen.
VON MECHTHILD TREUSCH
„Am besten, Sie lassen die Kinder
aus dem Lebenslauf ganz raus.“ – Alexandra Stöhr ärgert sich immer
noch, wenn sie an diesen „Tipp“ eines Bewerbungstrainers denkt. „Das
geht ja gar nicht“, sagt die 44-jährige
Betriebswirtin, „wer möchte schon
eine solche Maske aufrecht erhalten?“ Es ist einer der krassen Fälle,
zum Glück aber selten. In der Arbeitwelt bewege sich doch einiges, hat
sie nicht zuletzt in ihren Persönlichkeits- und Personalschulungen in
der Region beobachtet. Und die Entwicklung bei Arbeitgebern sieht sie
eher positiv: Auch diese wollten lernen, und der Trainingsbereich um
die so genannten Soft Skills – soziale,
kommunikative oder personale Kompetenzen – nehme zu.
Alexandra Stöhr weiß allerdings
auch, dass der Weg zu einer familienfreundlichen Arbeitswelt noch holprig ist. Dass das Verhältnis „Familie
und Beruf“ oft genug ein angespanntes ist: dass nicht jeder Arbeitgeber
Kulanz zeigt, dass Mütter und Väter
oft unter Zeitdruck stehen, die Öffnungszeiten von Kindergarten und
Hort nur schwer mit der Arbeitszeit
zu vereinbaren sind, Kind und Job
sich eben oft reiben. Denn die Pirmasenserin hat selbst zwei Kinder groß
gezogen, als berufstätige Alleinerziehende. Im Wirtschaftsprüfungs- und
Investmentbereich war sie tätig, bis
sie ins Sozialmanagement wechselte, ein Psychologie-Studium begann
und sich nach Weiterbildungen 2006
als Persönlichkeits- und Personaltrainerin selbstständig machte. Seit
Herbst 2009 moderiert sie noch den
Alleinerziehenden-Treff, der auf Initiative des Frauenforums Südwestpfalz entstand.
Zehn Frauen treffen sich dort zweimal im Monat – Männer sind in der
Minderheit. Daran habe sich insgesamt nicht viel geändert, meint Alexandra Stöhr: Paare wechselten sich
heute zwar eher mal ab bei der Erziehung, aber in der Regel sei es doch
die Frau, die aus dem Job aussteige.
Zahlen der Kreisverwaltung Südwestpfalz untermauern dies. Von
den für 2009 registrierten 709 Elterngeld-Beziehern sind 583 Frauen und
126 Männer. Dabei nutzen die meisten Frauen (521) das Elterngeld für
die vollen zwölf Monate, nur acht
Männer tun dies. Die meisten Männer (97) beanspruchen nur für zwei
Monate Elterngeld. Immerhin: Im
Vergleich zum ersten „ElterngeldJahr“ 2007 hat sich auch der Anteil
der Männer insgesamt erhöht: von
12,3 (2007) auf 17,8 Prozent (2009).
Um Themen wie gesunde Ernährung mit kleinem Budget, aber auch
um neues Selbstbewusstsein geht es
bei diesen Treffen. Denn Ziel sei es,
einen Perspektiv-Wechsel herbei zu
führen: aus der meist negativen
Wahrnehmung der eigenen Situation eine positive Sicht zu entwickeln.
Probleme ergeben sich meist
durch die Alltagsorganisation. Doch
damit einher gehe oft ein Verlust so-
TEL. 06331/209941 (AB 17 UHR)
Ein Plan für Thaleischweiler
Die Organisation der Kinderbetreuung, etwa in den Ferien, fordert viele Eltern.
zialer Kontakte. Das Selbstbewusstsein schwinde, die eigene Wahrnehmung werde immer negativer. Ganz
typisch sei, hat Stöhr festgestellt,
dass Frauen längere Erziehungszeiten dann so beschrieben: „Ich habe
ja nichts gemacht“ – eine glatte Fehleinschätzung, wie sie meint: „Da
muss man erst mal aufschlüsseln,
wie viele Berufe und Schlüsselqualifikationen drin stecken: mit Verantwortung,
Organisationsvermögen
und Führungserfahrung“.
Das Gefährliche daran ist für Ale-
xandra Stöhr, dass sich ein negatives
Selbstbild auf das Gegenüber übertrage, etwa beim Vorstellungsgespräch.
Präsentiere sich aber eine Alleinziehende mit positivem Selbstbewusstsein, werde der Arbeitgeber in der
Regel auch anders darauf reagieren.
Auch Mütter und Väter in schwierigen Situationen können also etwas
verbessern, glaubt Alexandra Stöhr.
Denn der häufigste Fehler bestehe
darin, „nicht zu sagen, was sie brauchen“. Doch nur wer sich melde, könne überhaupt etwas ändern. Wie
FOTO: SEEBALD
jene Alleinerziehende aus dem Landkreis, die mit den Öffnungszeiten ihres Kindergartens nicht zurecht kam.
Sie sprach einfach den Ortsbürgermeister an. Mit Erfolg: Die Zeiten
wurden geändert. – Manchmal
reicht sogar eine Frage.
INFO
— Alexandra Stöhr, 0170/2329798, stoehrtraining@aol.com
— Teil eins unserer Serie zu Familie und
Beruf erschien am 12. Mai, Teil 3 beschäftigt sich mit dem Thema Pflege.
Eine Initiative wie in Lemberg
wünscht sich Stephanie Nagel aus
Höhfröschen, deren Sohn jetzt in die
Schule kommt. Die Sachbearbeiterin
in der Kreisverwaltung, will nun über
das Lokale Bündnis für Familien für
die VG Thaleischweiler-Fröschen und
Umgebung eine Ferienbetreuung aufbauen, hat auch beim Kreis schon
vorgefühlt. Mit Erfolg: Jetzt sollen in
Kindergärten und Schulen Fragebögen verteilt werden, um den Bedarf
zu erfragen. Wenn es den gäbe,
könnte für die ersten drei Wochen
der Sommerferien 2011 ein erstes
Angebot erstellt werden. (tre)
Damit Mama ruhig arbeiten kann Zügig wieder zurück zur Arbeit
PIRMASENS:
Das Finanzamt organisiert mit anderen Arbeitgebern Ferienfreizeit
Zwölf Wochen Schulferien, davon
allein sechs Wochen im Sommer,
müssen gut geplant sein – bei
höchstens sechs Wochen Jahresurlaub für die Eltern oft ein Problem.
Mütter und Väter, die beim Finanzamt Pirmasens-Zweibrücken arbeiten, müssen sich seit 2008 zumindest um die letzte Sommerferienwoche nicht mehr kümmern: Dann
nimmt ihnen ihr Arbeitgeber die Betreuung ihres schulpflichtigen
Nachwuchses ab. Dabei hat das Amt
sich Partner ins Boot geholt: weitere Arbeitgeber, die dann gemeinsam die Ferienwoche organisieren.
Organisiert wird die einwöchige Freizeit seit 2008 über die Arbeitgeber,
die jeweils einen Tag gestalten und
dafür auch Mitarbeiter zeitweise abstellen. In der Regel komme ein Betreuer auf sieben Kinder, erklärt Kerstin Sefrin , Gleichstellungsbeauftragte beim Finanzamt und federführende Organisatorin der Freizeit. Die
Mütter und Väter sind natürlich
nicht dabei – die sollen ja während
dessen beruhigt zur Arbeit gehen
können. Damit jedoch für die Arbeitgeber die Kosten im Rahmen bleiben
– „wir verschwenden keine Steuergelder“, betont der Geschäftsstellenleiter Rainer Seibert –, bezahlen die
Eltern pro Tag und Kind fünf Euro.
Seibert weiß, wie schwierig es für
Eltern sein kann, die Betreuung der
Kinder mit der Arbeit unter einen
Hut zu bekommen. Wie für jene
neue Kollegin, die 2007 aus Baden-
S T I CH W O R T
Ferienbetreuung
2008 bot das Finanzamt PirmasensZweibrücken zum ersten Mal eine Ferienbetreuung für Mitarbeiter-Kinder
an. Die Idee entstand im Zusammenhang mit dem Audit „Beruf und Familie“ der Hertie-Stiftung, an dem das
Finanzamt Ende 2006 erstmals teilnahm. Schon 2008 waren weitere auditierte Arbeitgeber mit im Boot: das
Forstamt Westrich, das Vermessungs- und Katasteramt Pirmasens
und die Sparda-Bank Pirmasens. 25
Kinder nahmen an der ersten Freizeit teil. Im August 2010 findet die
Freizeit zum dritten Mal statt – mit
etwa 50 Kindern zwischen sechs und
13 Jahren. Dabei sind jetzt auch Kinder der Agentur für Arbeit und etwa
20 Kinder von Tehalit-Mitarbeitern
aus Heltersberg; der Kontakt zwischen der Hager-Gruppe und dem Finanzamt kam über das Lokale Bündnis für Familie zustande. Jeder Arbeitgeber bietet den Kids an einem Tag
Programm – ob Schatzsuche, Picknick, Waldabenteuer, Besuch im Museum, Werksbesichtigung und mehr.
Für weitere Arbeitgeber (ab 2011) ist
das Finanzamt offen. (tre)
DAHN: Die
Raiffeisen- und Volksbank bietet Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten
„Wenn wir uns nicht öffnen: Wer
soll denn die Kinder gebären, die
später einmal unsere Kunden sein
sollen?“ Für Manfred Willig, Vorstand der Raiffeisen- und Volksbank Dahn, ist Familienfreundlichkeit im Unternehmen keine Frage,
über die er noch diskutieren müsste. Im Gegenteil: Das Geldinstitut
setzt schon seit Längerem auf flexible Arbeitszeiten, die vor allem Müttern den Wiedereinstieg nach einer
Babypause erleichtern sollen.
Ausflüge in die Umgebung gehören auch zum Programm für die Sechsbis 13-Jährigen, hier ging‘s 2009 zur Landesgartenschau.
FOTO: FINANZAMT
Württemberg nach Pirmasens wechselte. Zum 1. Oktober sollte sie ihre
neue halbe Stelle in Pirmasens antreten – gerade zu einem Zeitpunkt, als
auch ihre Kinder Herbstferien hatten. Als Neue könne sie ja nicht
gleich Urlaub nehmen, wandte sich
die Mitarbeiterin mit ihrem Problem
an Seibert. Der zögerte nicht lange.
Sie könne doch eine Woche voll arbeiten und eine Woche gar nicht,
schlug er vor. Zum Erstaunen der Kollegin, die mit einem solchen Entgegenkommen nicht gerechnet hatte.
„Geht nicht, gibt‘s nicht“, beschreibt
Seibert die Philosophie der Amtsleitung – eine Flexibilität, die man landläufig einer Behörde kaum zutraut.
Die Ferienbetreuung ist daher nur
ein Baustein der „Philosophie“ des
Hauses. Ende 2006 nahm das Südwestpfälzer Finanzamt erstmals am
Audit „berufundfamilie“ der HertieStiftung teil – einem Instrument, mit
dem Lösungen zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf erarbeitet werden sollen. Dabei, berichtet Kerstin Sefrin, habe man auch
eine Umfrage unter Mitarbeitern gestartet, ob es Bedarf für Ferienbetreuungen gebe – und es gab ihn.
Das Bemühen um mehr Familienfreundlichkeit hat sich im Finanzamt
jedoch vor allem in flexibleren Arbeitszeiten niedergeschlagen: Während es zuvor feste Kernarbeitszeiten für alle gab, zählt der Geschäftsstellenleiter heute über 50 Arbeitszeitvarianten: von klassisch halbtags
bis tage- und wochenweises Arbeiten. Dass eine solche Vielfalt auch
funktioniert, führt Seibert vor allem
auf eines zurück: die Eigenorganisation der meist drei- bis vierköpfigen
Teams. Dort müsse jeweils ein Ansprechpartner in der Regelarbeitszeit anwesend sein – „wie sie das re-
geln, bleibt ihnen überlassen“.
Bei 280 Köpfen (davon 240 in Pirmasens) und etwa 20 Prozent „Teilzeitern“ bedeutet dies freilich organisatorischen Mehraufwand. Den nehmen Amtsleiter Konrad Götz und Geschäftsstellenleiter Reiner Seibert
aber in Kauf. Denn: „Zufriedene Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter“, sagen sie. Und dass ihre Mitarbeiter, zumindest die Mehrheit, zufrieden ist,
wissen sie. Bei einer Umfrage im
April hätten 171 von 175 teilnehmenden Bediensteten das Angebot ihres
Arbeitgebers mit „sehr gut“ und
„gut“ bewertet, sagt Seibert; nur vier
sei nicht zufrieden damit.
Die Zufriedenheit der Mitarbeiter
ist ein großer Vorteil für einen Arbeitgeber – ist seine Belegschaft dann
nämlich meist auch zu mehr Flexibilität bereit. Doch noch ein wichtiger
Aspekt kommt für die Amtsleitung
hinzu: die Bindung von qualifiziertem Personal. Durch die flexibleren
Arbeitszeitregelungen kämen Frauen nach der Babypause jetzt früher
in den Beruf zurück und stockten früher ihre Stunden auf, stellt Seibert
fest. Für ihn ein Gewinn: Besser die
vorhandenen Mitarbeiter stockten
auf, als dass das Unternehmen Ersatzkräfte anlernen müsse. Zumal, stellt
Seibert fest, es immer schwieriger
werde, qualifizierten Nachwuchs zu
gewinnen. Sein Fazit: „Beide Seiten
haben was davon: Die Familie kann
flexibler reagieren und wir haben unser qualifiziertes Personal.“
Auf dem Erreichten ruht sich dieser Arbeitgeber übrigens nicht aus.
In Planung ist schon eine neue Idee:
Von der Kantine soll nun ein Bereich
abgetrennt werden, damit Kinder
dort ihre Hausaufgaben machen können – wenn Mama oder Papa weiter
aufstocken wollen. (tre)
72 Arbeitnehmer inklusive drei Auszubildenden beschäftigt die Bank in
allen sieben Geschäftsstellen, davon
sind 22 Frauen voll beschäftigt. 14
Frauen sind in Teilzeit; neun davon
sind klassisch halbtags, fünf mit speziellen Arbeitszeitregelungen tätig.
Eine weitere ist in Elternzeit. Die
„Teilzeiterinnen“ sind Mütter, die
schon vor der Babypause dort gearbeitet haben und meist nach einem
Jahr zurück wollen in den Beruf. Und
dies schrittweise tun können – dank
der Flexibilität des Arbeitgebers.
Natürlich ist diese Flexibilität
nicht grenzenlos, und nicht jeder Arbeitsbereich eignet sich dafür – „der
Kunde darf dadurch keinen Nachteil
haben“, sagt Vorstand Manfred Willig. Ein Bereich, in dem dies funktioniert, ist beispielsweise der „Marktfolgebereich Kredit“, den Ulrike Kirs-
ten seit 1997 leitet. Dort werden
etwa Verträge erstellt, Bilanzen analysiert, Schriftverkehr abgewickelt –
alles, was nach dem Kontakt mit
dem Kunden im Hintergrund anfällt.
Allerdings verlaufe auch dort nie ein
Tag wie der andere, sagt die Abteilungsleiterin, weshalb sie ebenfalls
kurzfristig planen müssten. Wie
etwa für den Brückentag am vergangenen Freitag, den auch Kindergärten zumachten. Dass an diesem Tag
alle drei Teilzeit-Damen frei nehmen
konnten, habe sich erst am Mittwoch entschieden – als klar war,
dass der Arbeitsanfall es erlaube.
„Wer soll denn die Kinder gebären, die später einmal unsere Kunden sein sollen?“
Mit vier Vollzeit- und drei TeilzeitKräften arbeitet Ulrike Kirsten in ihrem Team. Die Teilzeit-Damen haben ihre festen Arbeiten, können diese im Notfall aber durchbrechen. Ist
zum Beispiel das Kind krank, kann
die Mutter die versäumte Arbeitzeit
nachholen – wenn gerade weniger
Arbeit anfällt, auch zu einem späteren Zeitpunkt. Vieles regeln die Mitarbeiter dabei direkt im Team, lösen
das Problem eigenverantwortlich.
Das Ganze läuft übrigens auch ohne
Stechuhr ab – und ohne Überwa-
chung der Chefetage. „Ich brauche
nicht zu kontrollieren“, sagt Ulrike
Kirsten lächelnd – Vertrauen gegen
Vertrauen. Das besitzt auch der Vorstand: „Bei uns wird eher zu viel gearbeitet als zu wenig“, sagt Willig.
Funktionieren könne dieses Modell aber nur, betonen Beide, weil
alle Mitarbeiter es akzeptierten.
„Und weil die, die ganztags da sind,
es auch mit ausgleichen“, sagt Willig, „zum Beispiel im Krankheitsfall
einspringen“. Aber auch, weil die Abteilungsleiterin selbst den organisatorischen Mehraufwand – etwa alle
unter einen Hut zu bringen bei Schulungen und mehr – ohne Wenn und
Aber erbringt.
Am Ende profitieren davon beide
Seiten: einmal die Frauen, weil sie
zügig wieder einsteigen können.
Und zum anderen der Arbeitgeber.
Denn der muss keinen Ersatz einarbeiten, erhält das Wissen qualifizierter Mitarbeiter. Heutzutage seien viele Frauen über 30, wenn sie ein Kind
bekämen, stellt Ulrike Kirsten fest,
verfügten über Ausbildung und weitere Qualifikationen. Damit dieses
Wissen nicht verloren geht, hält der
Arbeitgeber übrigens auch Kontakt
während der Elternzeit. Wie überhaupt persönliche Ansprache für den
Vorstand zum guten Ton gehört:
„Wir schreiben weniger E-mails, wir
reden noch miteinander.“ (tre)
W AS ANDE RE ARBE IT GE BE R T UN - BE IS PIE L E
Kreisverwaltung:
Hilfe im Notfall
Flexible Arbeitszeiten gibt es in etlichen Unternehmen und Behörden.
Auch in der Kreisverwaltung Südwestpfalz, mit etwa 500 Beschäftigten einer der großen Arbeitgeber im
Landkreis Südwestpfalz. Sie hätten
sehr viele Varianten, sagt Pressesprecher Ruven Fritzinger: von klassisch
halbtags bis zum Modell „drei Tage
arbeiten, zwei frei haben“ und andere Lösungen. Sie versuchten, so gut
wie möglich den Beschäftigten entgegenzukommen. Über 60 Prozent der
Beschäftigten sind übrigens weiblich; davon arbeiten wiederum fast
60 Prozent in Teilzeit. Männer in Teilzeit gebe es nur wenige, sagt Fritzinger. Mit wenigen Ausnahmen, zum
Beispiel für die Poststelle, gelte auch
Gleitzeit für die Mitarbeiter.
Darüber hinaus bietet die Kreisverwaltung ebenfalls Notfall-Lösungen
für Eltern an – beispielsweise für
den Fall, dass das Kind kurzfristig
ohne Betreuung sei. Es gebe, so Fritzinger, eine Kooperation mit einem
Kindergarten, dass Kinder von Verwaltungsmitarbeitern dort im Notfall mitbetreut werden können. Au-
ßerdem könne das Kind dann auch
mit ins Büro genommen werden.
Hager-Tehalit:
Ferien-Betreuung
Ein ganz anderes Angebot hat die Hager-Gruppe, zu die Tehalit GmbH in
Heltersberg mit über 500 Mitarbeitern angehört. Der weltweit tätige
Elektro-Konzern mit Sitz in Blieskastel unterstützt Eltern in der Belegschaft: mit einem zweiwöchigen
Schüleraustausch. Zuständig dafür
ist Petra Schreiner, Leiterin des Bereiches Care Management – was so viel
bedeutet wie Fürsorge für Mitarbeiter. 2006 hat Petra Schreiner das erste Mal einen Austausch zwischen holländischen und deutschen Mitarbeiter-Kindern zwischen 12 und 16 Jahren organisiert: Vier holländische
Kinder verbrachten zehn Tage in der
Südwestpfalz bei deutschen Familien; auf der Rückreise nahmen sie
vier deutsche Altersgenossen mit
nach Holland. Aus den acht Teilnehmern sind bis zu 30 geworden; Mitarbeiter aus Großbritannien, Irland,
Frankreich, Ungarn und Polen machen heute mit. Organisiert werden
die Reisen durch das Unternehmen
zusammen mit den Eltern. „Hager family“ heißt das Programm, das von
der Unternehmensleitung selbstverständlich mitgetragen wird – „damit
die Mitarbeiter den Kopf frei haben
für ihre Arbeit“, sagt Petra Schreiner.
„Denn wenn die Kollegen wissen,
dass ihr Kind gut versorgt ist, sind
sie auch entspannter bei der Arbeit.“
Dieser Gedanke steht ebenfalls hinter einem neuen Angebot für sechsbis zwölfjährige Kinder: eine einwöchige Ferienbetreuung in der Region
während der Sommerferien, die mehrere Arbeitgeber gemeinsam organisieren. 12 Wochen Ferien im Jahr
könnten Eltern gar nicht auffangen,
sagt Petra Schreiner, die selbst zwei
kleine Kinder hat. Gerade bei jüngeren Schulkindern sei dies schwierig.
Deshalb war sie gleich dabei, als
sie über das Netzwerk „Lokales Bündnis für Familien“ der Kreisverwaltung von dem Ferien-Projekt erfahren hat, das unter Federführung des
Finanzamtes Pirmasens läuft (siehe
Bericht auf dieser Seite). Bei TehalitEltern habe das neue Angebot „regelrecht eingeschlagen“: 18 Kinder von
Heltersberger Mitarbeitern und eines aus Blieskastel hätten sich angemeldet. (tre)
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