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1. Platz B. Braun-Preis – Examen – und was dann?

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B. Braun-Preis
1. Platz B. Braun-Preis
Examen – und was dann?
Hoffnung und Enttäuschung
für die Zeit nach der Ausbildung
D
ie Interview-Gruppe befragte einen Berufsberater des Arbeitsamtes
und eine Krankenschwester, die
bei einer Krankenkasse beschäftigt ist.
Krankenpflegeschule
der Kreiskliniken Tuttlingen und
Spaichingen, Mittelkurs 2004
Auf Anregung unserer Lehrer sind wir,
Schüler im zweiten Ausbildungsjahr zur
Gesundheits- und Krankenpflegerin/zum
Gesundheits- und Krankenpfleger, auf die
Idee gekommen, am B. Braun-Preis 2004
teilzunehmen und haben uns für das
Thema: „Examen – und was dann?“ entschieden. Dieses Thema hat unser Interesse
geweckt, da wir selbst über die berufliche
Zukunft nach der Ausbildung nachdenken.
Um den Überblick nicht zu verlieren, haben
wir uns in drei Gruppen eingeteilt:
die Interview-Gruppe, die FragebogenGruppe und die Literatur-Gruppe.
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Die Fragebogen-Gruppe erstellte Fragebögen, mit denen
ehemalige Schüler der Krankenpflegeschule sowie examinierte Pflegekräfte je zweier
Sozialstationen, Kliniken, Hospize, psychiatrischer Einrichtungen und einer Rehabilitationsklinik befragt wurden.
Die Literatur-Gruppe hat die
Stellenanzeigen der Fachzeitschrift Die Schwester Der Pfleger in den Jahren 1998–2003
ausgewertet und einige Berichte über Tätigkeitsfelder in der
Pflege zusammengefasst.
Wissenschaftlichkeit
Dieses Projekt war unsere erste
Erfahrung mit Pflegeforschung.
Wir versuchten, uns u. a. mit
Hilfe examinierter Pflegekräfte
in unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen ein Bild von den beruflichen Möglichkeiten nach
dem Examen zu machen. Es
handelt sich hierbei nicht um
eine repräsentative Studie, da
wir nicht sagen können, ob das
Verhältnis der Merkmale (z. B.
männlich/weiblich, Alter, Berufsjahre, …) der Befragten in
den verschiedenen Bereichen,
dem in der Grundgesamtheit
entspricht. Die Ergebnisse sind
nicht verallgemeinerbar. Das
war in dem uns zur Verfügung
stehenden zeitlichen Rahmen
nicht möglich.
Ergebnisse der
Interview-Gruppe
Bei den Interviews haben wir
erfahren, dass es im Bereich der
Pflege viele unterschiedliche
Tätigkeitsfelder nicht nur im
Krankenhausbereich (OP-, Intensiv- und Anästhesiefachpflegekräfte) gibt, z. B. RehaKliniken, psychiatrische Einrichtungen, ambulante Pflegedienste, Krankenkassen und Hospiz, die zum Teil auch spezielle
Weiterbildungen erfordern.
Jeder von uns hat schon mal
über eine Fort- oder Weiterbildung nachgedacht. Dieses ergibt sich automatisch, wenn
man die momentane Situation
auf dem Arbeitsmarkt berücksichtigt. Eine Fort- oder Weiterbildung kann als persönliche
Weiterentwicklung und sicheres
Standbein für die Zukunft gesehen werden. Durch unsere
Recherche haben wir herausgefunden, dass es viele Weiterbildungsangebote gibt, die fachlich breit gefächert sind. Sehr
oft werden hausinterne Fortbildungen angeboten, die zum Teil
als „Pflichtfortbildungen“ angesetzt werden, um alle Mitarbeiter/innen im Pflegebereich
auf den neuesten Stand zu
Die Schwester Der Pfleger 44. Jahrg. 8/05
B. Braun-Preis
bringen. Wer sich in einem bestimmten Bereich spezialisieren
möchte, muss an einer Weiterbildung teilnehmen.
Darüber hinaus gibt es (mit
Abitur oder Fachabitur oder
durch eine Aufnahmeprüfung)
die Möglichkeit, Pflegestudiengänge (Pflegepädagogik, -management, -wissenschaft) zu
absolvieren.
Unserer Meinung nach sind
Weiterbildungen und Studium
meist mit einem großen zeitlichen Aufwand, psychischen
und finanziellen Belastungen
und eventuell mit einem Ortswechsel verbunden.
Die Fragebogen-Gruppe kann
eine Aussage dazu machen, ob
unsere Vermutung zutrifft.
Ergebnisse der
Fragebogen-Gruppe
Von insgesamt 435 Fragebögen
erhielten wir 168 ausgefüllte
Fragebögen zurück. Damit beträgt der Rücklauf 38,6 Prozent.
Wir wollten Pflegekräfte in unterschiedlichen Arbeitsbereichen
befragen, um einen weiten
Überblick zu bekommen.
Insgesamt lag das Durchschnittsalter der befragten Pflegekräfte bei 37,2 Jahren. 35
Männer (21 %) und 132 Frauen
(71 %) haben die Fragebögen
beantwortet.
Die Befragten haben ihr Examen im Zeitraum zwischen
1971 und 2004 abgelegt.
Bei einigen Punkten liegen die
Ergebnisse der Befragung über
100 Prozent, weil mehrfach geantwortet wurde, bei anderen
liegt der Wert unter 100 Prozent, weil nicht immer Angaben
gemacht wurden.
Die Fragebögen gaben uns Aufschluss darüber, dass die Kenntnisse zur beruflichen Weiterentwicklung sich bei den ehemaligen Krankenpflegeschülern,
die fast ausschließlich in einem
Krankenhaus arbeiten, und den
von uns befragten Kliniken auf
die Bereiche Intensivpflege, OP,
Stationsleitung und Mentorentätigkeit konzentrieren. In der
Die Schwester Der Pfleger 44. Jahrg. 8/05
Psychiatrie liegt der Schwerpunkt auf der psychiatrischen
Fachpflege, im Hospiz auf der
Schmerztherapie und bei den
Sozialstationen auf den Bereichen Wundmanagement und
Psychiatrie.
Die Fort- und Weiterbildungsinteressen sind in den Kliniken hauptsächlich im Intensiv- und OP-Bereich angesiedelt, bei den ehemaligen Schülern lässt sich kein Schwerpunkt ablesen.
Wundversorgung und Sterbebegleitung sind die Schwerpunktinteressen bei den Mitarbeitern der Sozialstationen.
Palliativpflege, Schmerztherapie und Qualitätsmanagement
interessieren besonders die
Pflegenden in den Hospizen.
Die Pflegekräfte in der Rehabilitationsklinik interessieren
sich hauptsächlich für Intensivpflege und die Pflegekräfte
in den psychiatrischen Kliniken für Fachpflege.
Kinästhetik findet in allen
Bereichen großen Zuspruch.
Die Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung in Form
von Fortbildungen wurden zu
über 80 Prozent von allen Teilnehmern der Befragung in Anspruch genommen.
Die Weiterbildungen in speziellen Bereichen (z. B. Intensiv,
OP), die größtenteils berufsbegleitend sind, werden weniger
genutzt.
Die Finanzierung von Fort- und
Weiterbildungen wird überwiegend vom Arbeitgeber übernommen.
Generelle Voraussetzungen für
Fort- und Weiterbildungen sind
das Staatsexamen, Berufserfahrung und Fachabitur oder
Abitur, z. B. Studium Pflegemanagement.
Einen Mehrverdienst durch die
Fort- oder Weiterbildung wurde von vielen verneint.
Ein großes Problem in der Zuordnung der Aussagen stellte
für uns die unklare Unterscheidung zwischen Fortbildung und
Weiterbildung durch die Befragten dar.
Ergebnisse der
Literatur-Gruppe
Um die Menge der Informationen einzugrenzen und Doppelungen zu vermeiden, haben
wir uns für die Fachzeitschrift
Die Schwester Der Pfleger in
dem Zeitraum von 1998 bis
2003 als Quelle für diese Arbeit
entschieden. Leider hatten wir
nicht zu allen Exemplaren des
Jahres 2002 Zugang, darum haben wir diesen Jahrgang ausgeklammert.
Aus den vielfältigen Berichten
über Arbeitsbereiche in der
Pflege haben wir exemplarisch
drei sehr unterschiedliche Artikel herausgegriffen, um die
große Bandbreite der beruflichen Möglichkeiten in der Pflege darzustellen.
Ergebnisse der Literaturrecherche zur Situation auf
dem Stellenmarkt
Bei Recherchen in der Fachzeitschrift Die Schwester Der
Pfleger haben wir festgestellt,
dass sich die Voraussetzungen
für eine freie Arbeitsstelle in
dem untersuchten Zeitraum
nicht viel verändert haben. Die
meisten Kliniken erwarten zum
Beispiel Berufserfahrung, Interesse, Teamfähigkeit, Flexibilität, patientenorientiertes Arbeiten und Freude an dem Beruf.
Aus den Diagrammen der
letzten Jahre konnten wir entnehmen, dass sich der Stellenmarkt in der Pflege stark verändert hat. Das Jahr 1998 bot
265 freie Arbeitsstellen im Bereich der allgemeinen Krankenpflege an. In den darauffolgenden Jahren stiegen die
freien Arbeitsstellen bis auf
881 an. Ab dem Jahr 2003
sanken die Stellenangebote
auf 270 rapide ab.
In dem Bereich der Anästhesieund Intensivpflege gab es im
Jahr 1998 insgesamt 160 freie
Arbeitsstellen, die Zahl stieg in
643
B. Braun-Preis
Verleihung des
B. Braun-Preises
2004 in der
AesculapAkademie in
Tuttlingen an
die Preisträger
des 1., 2. und
3. Platzes.
Der 3. Platz ging
an die Berufsfachschule
für Kinderkrankenpflege in Landshut
den darauffolgenden Jahren bis
auf 283 an. Auch hier nahmen
die freien Arbeitsstellen im
Jahr 2003 wieder bis auf 165
ab. Diese Kurve zieht sich
durch viele Bereiche.
Weiterhin stellten wir fest, dass
Lehrer für Pflegeberufe und
Pflegepädagogen sehr gefragt
sind. 2003 gab es 82 freie Stellen im Bereich der Pflegeausbildung.
Im Laufe der letzten Jahre entwickelten sich neue Arbeitsstellen, z. B. im Bereich der
Traumatologie, Nephrologie, Kardiologie, Gesichts-/Kieferchirurgie, da die Kliniken immer
mehr Qualität vorweisen müssen und dies durch, wie wir
vermuten, mehr Spezialisierung
erreichen wollen.
In den Stellenanzeigen sind
auch Angebote im Ausland zu
finden, wo vorwiegend Pflegekräfte für die Tätigkeit auf Station und im OP-Bereich gebraucht werden. Die Auslandsangebote kommen häufig aus
der Schweiz, Amerika und
Schottland.
Ergebnisse der
Literaturrecherche
Der Arbeitsmarkt bietet eine
große Auswahl an Arbeitsstellen im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege an,
644
diese fordern jedoch immer
mehr eine spezifische Fort- und
Weiterbildung und Berufserfahrung.
Dass in den meisten Stellenausschreibungen Berufserfahrung
von mindestens zwei bis drei
Jahren erwünscht ist, stellt für
uns Schüler eine Schwierigkeit
dar. Die meisten Auszubildenden können zurzeit nicht von
ihrer Ausbildungsstätte übernommen werden, um die nötige
Berufserfahrung zu sammeln.
Als Alternative zum deutschen
Arbeitsmarkt bietet das Ausland (z. B. Australien, Schottland, Schweiz, Neuseeland und
Afrika) Stellen für deutsche
Pflegekräfte an.
Fazit unserer Studie
Am Ende unserer Arbeit können wir alle unsere Forschungsfragen dahingehend beantworten, dass sich alle unsere Hypothesen weitgehend bestätigt haben.
Zur Forschungsfrage „Welche
Möglichkeiten zur beruflichen
Weiterbildung werden angeboten?“ lässt sich sagen, dass
viele Möglichkeiten angeboten
werden. Das Arbeitsamt informiert über verschiedene Weiterbildungs- und Studienmög-
lichkeiten; in Fachzeitschriften
wird immer wieder in Artikeln
über Weiterbildungen und besondere oder neue Tätigkeitsfelder in der Pflege berichtet –
was die Hypothese, dass es vielfältige Möglichkeiten des Berufsweges gibt und die Pflege
als Beruf mit Zukunft gesehen
wird, bestätigt.
Hier wird teilweise die zweite
Forschungsfrage beantwortet,
„inwieweit examinierte Pflegekräfte über diese Möglichkeiten
informiert sind“.
Das Arbeitsamt kann nur die
Pflegekräfte informieren, die
sich dort nach Möglichkeiten
zur Weiterbildung oder anderen
Tätigkeitsfeldern erkundigen.
Pflegekräfte, die selten oder gar
keine Fachzeitschriften lesen,
erfahren auf diesem Weg nichts
über neue Möglichkeiten in
ihrem Beruf, sie werden, wenn
überhaupt, vermutlich durch
die Mundpropaganda anderer
Kollegen informiert.
Ansonsten können wir die Frage mit „Was man sieht, kennt
man“ beantworten.
Wer im Krankenhaus arbeitet,
kennt schwerpunktmäßig Weiterbildungen im Intensiv- und
Anästhesiebereich und spezielle
Bereiche, die in dem Krankenhaus angeboten werden.
Die Schwester Der Pfleger 44. Jahrg. 8/05
B. Braun-Preis
Wer in speziellen pflegerischen
Bereichen wie der Psychiatrie
arbeitet, kennt überwiegend die
in diesem Bereich angebotenen
und/oder erforderlichen bzw.
erwünschten Fachweiterbildungen, die in einem Krankenhaus
weniger oder gar nicht bekannt
sind.
Das wird auch dadurch bestätigt, dass zum Teil andere
Weiterbildungen genannt wurden, als wir mit unserem Vorwissen erwartet hatten.
Diese Erkenntnis geht über unsere zweite Hypothese hinaus,
die sich dahingehend bestätigt
hat, dass die examinierten Pflegekräfte nicht alle Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung kennen und viele
hauptsächlich auf die anerkannten Fachweiterbildungen
wie Intensiv- und Anästhesiepflege hinwiesen.
Über die Möglichkeit, als Pflegekraft bei einer Krankenkasse
zu arbeiten, wusste keine der
befragten Pflegekräfte etwas.
Auch hat das Arbeitsamt darüber nicht informiert und in den
Fachzeitschriften, die wir analysiert haben, stand über dieses
Tätigkeitsfeld kein Artikel.
Die dritte Forschungsfrage
„Wie ist die Situation am Stellenmarkt für examinierte Pflegekräfte mit Zusatzqualifikation?“ wird durch die allgemeine
Situation in der Pflege beeinflusst.
Die Stellensituation ist, was den
Krankenhaussektor betrifft, zurzeit schlecht; in fast allen Kli-
niken herrscht Einstellungsstopp. Arbeitsplätze für Pflegende finden sich jedoch im
ambulanten Bereich und in Alten- und Pflegeheimen.
Die ausgeschriebenen Stellen
zeigen, dass Spezialisierung und
Zusatzqualifikation die Chancen auf einen Arbeitsplatz erhöhen, wodurch unsere Hypothese bestätigt wird.
Die durchaus vorhandenen Stellen sind über ganz Deutschland
verteilt, oder es bietet sich die
Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten. Diese Möglichkeiten sind
problembehaftet.
Wer bereit ist, unter Umständen über mehrere hundert Kilometer von zu Hause entfernt zu
arbeiten, muss Familie und
Freunde zurücklassen.
Wer einen Partner hat, muss
auch dessen berufliche Möglichkeiten berücksichtigen.
Darüber hinaus kann ein Umzug auch finanzielle Ängste
und Probleme z. B. durch unterschiedlich hohe Lebenshaltungskosten, Umzugskosten usw.
mit sich bringen.
Der Schritt, ins Ausland zu gehen, wird zudem durch die Frage der Anerkennung und eventuell durch Sprachprobleme erschwert.
Für uns als Berufsanfänger
erschwert sich die Lage durch
die geforderte Berufserfahrung und Spezialisierung zusätzlich, da wir das alles erst
erwerben können, wenn wir
die Chance dazu durch eine
Arbeitsstelle erhalten.
Zur vierten Forschungsfrage,
„wie die Möglichkeiten zur beruflichen Weiterentwicklung von
examinierten Pflegekräften genutzt werden“, konnte der Mitarbeiter des Arbeitsamtes keine
Angaben machen. Er erhält
keine Rückmeldung, wer von
den Pflegenden, die nach einer
Weiterbildung fragen, auch
daran teilnimmt.
Die Fragebögen zeigen, dass
der größte Teil der Befragten an
Fortbildungen teilnimmt. Die
Teilnahme an Weiterbildungen
ist deutlich geringer, obwohl
diese meistens voll vom Arbeitgeber finanziert werden und
berufsbegleitend stattfinden.
Als Grund dafür gaben die
meisten zeitliche und familiäre
Gründe an.
In diesem Fall hat sich unsere
Hypothese nicht bestätigt, dass
überwiegend jüngere Pflegekräfte an Weiterbildungen teilnehmen, weil für Ältere finanzielle Bedingungen ein Hindernis darstellen.
Abschließend ist zu sagen, dass
die derzeitige Stellensituation
für uns deprimierend ist, wir
aber andererseits auf eine Besserung der Situation hoffen,
weil die Literaturrecherche gezeigt hat, dass auf eine Flaute
auf dem Stellenmarkt meist
später eine Besserung der Stellensituation folgt.
Anschrift für die Verfasser:
Krankenpflegeschule der Kreiskliniken
Tuttlingen und Spaichingen
Petra Kung, Andrea Land
Schlößleweg 10
78532 Tuttlingen
Die AesculapAkademie
in Tuttlingen –
ein beliebter
Treffpunkt für
Tagungen
und Kongresse
Die Schwester Der Pfleger 44. Jahrg. 8/05
645
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