close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Controlling nach IFRS: Was ist zu beachten? - Controller Akademie

EinbettenHerunterladen
IFRS-PRAXIS
Interview mit Siegfried Gänßlen (Hansgrohe)
Controlling nach IFRS: Was ist zu beachten?
Accounting:
Herr Gänßlen, die IFRS werden in Deutschland oft noch sehr emotional diskutiert.
Wie stehen Sie persönlich zu den IFRS?
provoziert die Frage, ob wir überhaupt
noch Controller brauchen oder ob deren
Arbeit gleich von der Bilanzabteilung mit
erledigt wird?
Gänßlen:
Ich stehe IFRS überwiegend positiv gegenüber, da endlich ein Gegenwicht zu
US-GAAP entsteht. IFRS führt zu einer
besseren Vergleichbarkeit der Unternehmensbilanzen im internationalen
Geschäftsverkehr und muss weiter vorangetrieben werden. Ich sehe aber auch,
dass die Bedürfnisse des deutschen Mittelstands und der international tätigen
Familienkonzerne im Moment noch unzureichend in den Standards berücksichtigt sind. Man muss Folgendes beachten:
Mittelständische Unternehmen werden
vom Eigentümer geführt und diese
orientieren sich an anderen Bilanzanforderungen als die kapitalmarktorientierten Unternehmen. Für die Eigentümer
entscheidend ist die nachhaltige Wertsicherung.
Gänßlen:
Das erinnert mich an die provokative
Frage eines Unternehmensberaters: „ob
nicht der Buchhalter die Arbeit des Controllers gleich mit erledigen sollte?“.
Das Controlling arbeitet an der Unternehmensstrategie, der Planung und an
der Steuerung des Unternehmens. Das
unterscheidet das Controlling deutlich
vom Accounting. Mit der Einführung von
IFRS kann man das interne Berichtswesen mit dem externen Berichtswesen aber
besser harmonisieren.
Hier ein Beispiel: Eine auf dem internen Berichtswesen basierende KeyAccount-Erfolgsrechnung kann ohne
Probleme in das externe Berichtswesen
überführt werden. Die Effizienzsteigerung ist möglich durch eine Minimierung der Überleitungsbrücken.
Accounting:
Wie beurteilen Sie den Einfluss der IFRS
auf die Rolle der Controller?
Accounting:
Welchen Nutzen sehen Sie bei Einführung der IFRS für die Unternehmenssteuerung?
Gänßlen:
IFRS hat vordergründig zuerst einen Einfluss auf die externe Rechnungslegung.
Das interne Rechnungswesen und das
Reporting zur Steuerung der Unternehmen sind davon weniger betroffen.
Aber für die Controller gibt es auch
wichtige Konsequenzen:
1. Controller müssen die Daten für das
interne Reporting sowie für die Unternehmenssteuerung bereitstellen.
Daher muss der Controller die relevanten Regelungen der IFRS kennen.
2. Der Controller muss die realisierten, historischen Werte, z. B. das real
verfügbare Eigenkapital im Auge
behalten, da IFRS sich ausschließlich
an den Prognosewerten (fair value)
ausrichtet.
Accounting:
Die angestrebte Harmonisierung von internem und externem Rechnungswesen
Gänßlen:
Der Finanzbereich
unterliegt mittlerweile den gleichen
Zwängen zur
Reduzierung der
Kosten wie die
Produktion.
Die Einführung von Riskmanagement,
IFRS und die Einhaltung der Bestimmungen von Sarbanes Oxley binden Ressourcen und führen auch zu deutlichen
Kostenerhöhungen.
Wir, bei Hansgrohe, haben nationale
und internationale Service Center unter
der Leitung eines Controllers gebildet.
Dadurch erreichen wir eine Standardisierung der Daten und der Reportingprozesse. Außerdem arbeiten Accounting
und Controlling Hand in Hand bei allen
Abschlüssen und Berichten.
Im Ergebnis steuern und analysieren
wir die Datenflut über Financial Analysts. Deren Aufgabe: Reportings der
Tochtergesellschaften werden analysiert,
auf Abweichungen gecheckt. Dann erfolgt die Konsolidierung der Abschlüsse
auf Konzernebene und das Reporting an
das Headquarter und Group Controlling.
Die Controller haben mehr Zeit, das Management zu beraten und auch aktiv an
der Strategie zu arbeiten.
Der Finanzchef auf englisch kurz CFO
kann sich dann vom „Finanzguru“ zum
Kopiloten des Gesamtchefs dem CEO
entwickeln.
Accounting:
Wenn die Entscheidung für IFRS im
Unternehmen gefallen ist. Empfehlen
Sie dann eine gleichzeitige Einführung
der IFRS für das externe Rechnungswesen wie für die interne Steuerung? Oder
sehen Sie eher das stufenweise Vorgehen
als sinnvoll an?
Gänßlen:
Ich würde eine stufenweise Einführung
empfehlen. Eine Umstellung auf IFRS
verschlingt Ressourcen nicht nur in der
Finanzabteilung und im Controlling,
sondern vor allem in der IT. Die Aufwendungen für Training und Schulung
dürfen ebenfalls nicht unterschätzt
werden. Meistens treten dann auch
noch Schwierigkeiten in der Abstimmung mit den Wirtschaftsprüfern
und den internen Auditors auf.
Siegfried Gänßlen: Stellvertretender Vorstandsvorsitzender
und Finanzvorstand der Hansgrohe AG, Schiltach und Neuerdings sind zusätzlich noch
stellvertretender Vorsitzender des Internationalen Cont- die Anforderungen der Betriebsprüfung „Dart“ zu beachten.
roller Vereins.
ACCOUNTING
4/2006
3
IFRS-PRAXIS
Accounting:
Welchen Zeithorizont haben Sie für die
Umstellung auf IFRS veranschlagt?
Gänßlen:
Wir planen einen Zeitraum von einem
Jahr. Für die Mitarbeiter lässt das nicht
viel Freiheit. Die Belastung neben den
vielen Abschlüssen ist schon enorm.
Accounting:
Was sind die kritischen Faktoren für eine
erfolgreiche Einführung der IFRS?
Gänßlen:
Aus der Pistole geschossen: Mitarbeiterressourcen, Abstimmung mit den Prüfern und weiteren Betroffenen, Training
und Schulung, passende Konsolidierungssoftware, frühzeitiges Einbinden
der betroffenen Abteilungen.
Accounting:
Hansgrohe ist ein erfolgreiches international tätiges Unternehmen mit
produzierenden Auslandstöchtern und
einer Exportquote von 75 %. Wird die
Anwendung der IFRS zur Festigung Ihrer
Wettbewerbsituation beitragen? Welche
Vorteile sehen Sie?
Gänßlen:
Auf jeden Fall wird die Einführung von
IFRS uns Pluspunkte beim internen Ban-
4
ACCOUNTING
kenrating bringen. Bei den internationalen Banken wird es sogar zum Abbau von
Misstrauen kommen, da HGB-Abschlüsse oft auf geringes Verständnis stoßen.
Ausländische Banken haben oft Probleme mit unseren Zahlen und leiten daraus
falsche Erkenntnisse ab. Der Kauf und
die Integration von Auslandstöchtern
dürften mit einer einheitlichen IFRSSprache deutlich einfacher werden. Die
Vergleichbarkeit zum Wettbewerb wird
ebenfalls verbessert.
Accounting:
Die Entwicklung der IFRS ist sehr dynamisch. Wie können die Anwender, besonders die Unternehmen, diese Dynamik
verkraften?
Gänßlen:
Für Unternehmen, die am Kapitalmarkt
sind, oder auch große Familienunternehmen, die kapitalmarktorientiert arbeiten
und über erfahrene Mitarbeiter in Controlling und Accounting verfügen, ist der
ganze Aufwand machbar.
Ich muss aber klar sagen: Für den
„normalen Mittelstand“ gilt das nicht; die
Regelungen und der erhebliche Aufwand
dafür erschlagen diese Unternehmungen.
Das derzeitige Regelwerk umfasst circa
2.000 Seiten. Voraussetzung für eine erfolgreiche Einführung von IFRS im Mit-
4/2006
telstand ist die deutliche Vereinfachung
der Regeln. Dafür setze ich mich im Rahmen meiner Arbeit beim ICV auch beim
DRSC ein.
Trotz IFRS-Konzernabschluss kommen
wir um die Erstellung einer nationalen
Handelsbilanz nach HGB nicht herum.
Und, so wie wir den Fiskus kennen, wird
eine eigene Steuerbilanz weiter gefordert.
Accounting:
Was möchten Sie aus Ihrer Erfahrung als
CFO und Vertreter des ICV den Controllern und Bilanzerstellern in den Unternehmen mit auf den Weg geben?
Gänßlen:
Ich kann nur empfehlen, vor einer IFRSEinführung zu überlegen, welchen Zweck
man verfolgt. Zum Beispiel:
l Kapitalmarktorientierung: Erfüllen und
verbessern der Kriterien nach Basel II
aus Bankensicht
l Vergleichsfähigkeit der Bilanzen im
internationalen Geschäftsverkehr
l Zielgruppe: Richtet sich die Bilanz an
die Eigentümer oder an Investoren?
Accounting:
Herr Gänßlen, wir danken Ihnen für das
Gespräch.
Das Interview führte MICHAEL BERNHARD,
Chefredakteur von ACCOUNTING.
Document
Kategorie
Bildung
Seitenansichten
66
Dateigröße
130 KB
Tags
1/--Seiten
melden