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BLICK, ET=20150318, Ausgabe Chemnitz

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Einführung in die quantitative
Sozialforschung
Wintersemester 2014/2015
Prof. Dr. Peter Ohler
1. Thematische Einführung
Inhalt der Sitzung:
1.1 Wozu quantitative Sozialforschung?
1.2 Empirische Sozialforschung: Grundlagen und Vorüberlegungen
Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
23.10.2014
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1.1 Wozu quantitative Sozialforschung?
Was heißt „empirisch“ ?
„Empirie“ = Erfahrung, unmittelbar gegebene Wahrnehmung
Erfahrung – nicht nur im Sinne passiven Registrierens, sondern vielmehr
als aktives Beobachten und Experimentieren – ist die zentrale Basis aller
empirischen Wissenschaften
Was ist empirische Sozialforschung?
!
Empirische Sozialforschung ist die Gesamtheit von Methoden,
Techniken und Instrumenten zur wissenschaftlich korrekten
Durchführung von Untersuchungen des menschlichen Verhaltens
und weiterer sozialer Phänomene.
Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
23.10.2014
3
23.10.2014
4
1.1 Wozu quantitative Sozialforschung?
Beispiel: JIM-Studie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland
Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
1.1 Wozu quantitative Sozialforschung?
Beispiel: Studie zur
Nutzung von Internetangeboten mittels
Blickbewegungsanalyse
Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
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5
23.10.2014
6
1.1 Wozu quantitative Sozialforschung?
Lebensdauer von Energiesparlampen
Konkurrenz
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unser Produkt
1.1 Wozu quantitative Sozialforschung?
Literatur
Grundlagen des Moduls „quantitative Forschungsmethoden“
Bortz, J. & Döring, N. (2006). Forschungsmethoden und
Evaluation für Human- und Sozialwissenschaftler.
ISBN-10: 3540419403
ISBN-13: 978-3540419402
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Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
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1.1 Wozu quantitative Sozialforschung?
Literatur
Grundlagen des Moduls „quantitative Forschungsmethoden“
Sedlmeier, P. & Renkewitz, F. (2013). Forschungsmethoden
und Statistik: Ein Lehrbuch für Psychologen und Sozialwissenschaftler.
ISBN-10: 3868941312
ISBN-13: 978-3868941319
Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
23.10.2014
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1.1 Wozu quantitative Sozialforschung?
Ziele der Vorlesung:
Erwerb grundlegender Kompetenzen der empirischen Sozialund Medienforschung
Aneignung von methodischen Grundlagen zur standardisierten
Datenerhebung und Datenauswertung
Befähigung, eigene empirische Untersuchungen zu
konzipieren, durchzuführen, auszuwerten und angemessen zu
interpretieren
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Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Theoretische Grundlagen:
Grundlagen:
Begriff, Regeln und Grenzen der
empirischen Forschung, Variablen,
Hypothesen und Theorien, Ethik
empirischer Untersuchungen
Untersuchungsplanung, Teil 1:
Planung, Ablauf, Gütekriterien
Untersuchungsplanung, Teil 2:
Untersuchungsdesigns und Stichproben
Überblick über Methoden der
Datenerhebung
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Begriffsverständnis
Was heißt „quantitative Sozialforschung“?
„Verhalten in Form von Modellen, Zusammenhängen und
zahlenmäßigen Ausprägungen möglichst genau zu beschreiben
und vorhersagbar zu machen“ (Rüger, 2007, S. 11).
Was heißt „qualitative Sozialforschung“?
„Qualitative Forschung kann zunächst als Sozialforschung bezeichnet
werden, die sich qualitativer Daten bedient, vor allem verbalisierter
oder verschriftlichter Daten oder Texte“ (Heinze, 2001, S. 12).
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Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
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Exkurs: Unterschiede zwischen quantitativer
und qualitativer Sozialforschung
Quantitativ
Qualitativ
Naturwissenschaftlicher
Ansatz (Positivismus)
Geisteswissenschaftlicher
Ansatz (Konstruktivismus)
Nomothetisches
Selbstverständnis
(Suche nach allgemeinen
Naturgesetzen)
Ideographisches
Selbstverständnis
(Suche von Beschreibungen
individueller Sachverhalte)
Untersuchungen unter
standardisierten (Labor-)
Bedingungen
Untersuchungen möglichst
unter unverfälschten
Feldbedingungen
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Exkurs: Unterschiede zwischen quantitativer
und qualitativer Sozialforschung
Quantitativ
Qualitativ
Deduktives Vorgehen
(Allgemeines Besonderes)
Induktives Vorgehen
(Besonderes Allgemeines)
Wahrheitsbewahrend
Wahrheitserweiternd
Ziel: Überprüfung
aufgestellter Hypothesen
Ziel: neue Entdeckungen und
Aufstellung neuer
Hypothesen
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Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
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Exkurs: Unterschiede zwischen quantitativer
und qualitativer Sozialforschung
Quantitativ
Qualitativ
Sachverhalte sollen erklärt
werden, dazu werden
äußere Ursachen
herangezogen
Sachverhalte sollen
verstanden werden, dafür
werden innere Gründe
betrachtet
Untersuchungen mit großen
Fallzahlen
Nur relativ wenige Fälle
werden untersucht
Einsatz standardisierter
Methoden
Einsatz dialektischer bzw.
kommunikativer, offener
Methoden
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Exkurs: Unterschiede zwischen quantitativer
und qualitativer Sozialforschung
Quantitativ
Prinzip des Messens und der
Operationalisierung
Gütekriterien sind Objektivität,
Reliabilität und Validität
Qualitativ
dichte Beschreibung von Fällen
Gütekriterien sind z.B.
Verfahrensdokumentation,
Regelgeleitetheit, Triangulation,
Argumentative
Interpretationsabsicherung,
Offenheit des Forschers,
Offenheit des
Forschungsgegenstandes
Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Notwendigkeit zur Methodenkenntnis der Forschung
z. B. Konsumierung vieler (pseudowissenschaftlich-) empirischer
Umfragestudien in Alltag und Beruf
Hinterfragung der Ergebnisse als Notwendigkeit für kritische
Auseinandersetzung mit postulierten empirischen Ergebnissen
und Einschätzung der Wertigkeit und Reichweite
Wie sind die Daten zustande gekommen?
Was sagen Sie eigentlich genau aus?
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Beispiel: Die Bewertung der CDU in einem Fragebogen
„Alles in allem, was halten Sie ganz allgemein von der CDU? Bitte
antworten Sie anhand dieser Skala.“
überhaupt nichts
sehr viel
Frage wurde drei verschiedenen Testgruppen (A,B und C)
gestellt Ergebnisse unterschieden sich jedoch beträchtlich:
Version
Mittelwert
A
B
C
3,4
5,2
6,5
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Beispiel: Die Bewertung der CDU in einem Fragebogen (II)
Reihenfolge der Fragen im Fragebogen unterschiedlich:
Version
Fragetext der
Vorfrage
A
Wissen Sie zufällig,
welches Amt Richard von
Weizsäcker ausübt, das
ihn außerhalb des
Parteigeschehens stellt?
Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
B
Ohne Vorfrage
C
Wissen zu zufällig,
welcher Partei
Richard von
Weizsäcker seit mehr
als 20 Jahren
angehört?
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Beispiel: Die Fernsehdauer (I)
Bei einer Erhebung wird nach der Dauer des Fernsehkonsums
gefragt:
„Wie viele Stunden sehen Sie an einem normalen Werktag fern?
Kreuzen Sie für Ihre Antwort eines der Kästchen an.“
zwei Varianten von Antwortmöglichkeiten
Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
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23.10.2014
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Beispiel: Die Fernsehdauer (II)
Variante A
%
Bis ½ Stunde
7,4
½ bis 1 Stunde
17,7
1 bis 1 ½ Stunde
26,5
1 ½ bis 2 Stunden
14,7
2 bis 2 ½ Stunden
17,7
Mehr als 2 ½ Stunden
16,2
Variante B
84 % Bis 2 ½ Stunden
%
62,5
2 ½ bis 3 Stunden
23,4
3 bis 3 ½ Stunden
7,8
3 ½ bis 4 Stunden
4,7
4 bis 4 ½ Stunden
1,6
Mehr als 4 ½ Stunden
0,0
Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
37,5 %
1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Beispiel: Erfolgsleiter
„Wie erfolgreich waren Sie bisher in Ihrem Leben? Sagen Sie es
bitte nach dieser Leiter hier!“
Erhebung mithilfe
von Skalen:
Variante A:
Mittelwert: 6.4
10
9
8
7
6
5
4
3
2
1
0
außerordentlich
Variante B:
Mittelwert: 7.3
überhaupt nicht
+5
+4
+3
+2
+1
0
-1
-2
-3
-4
-5
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Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Beispiel: Verboten oder nicht erlaubt
Variante A: „Glauben Sie, dass die USA öffentliche Angriffe auf die
Demokratie verbieten sollte? “
Variante B: „Glauben Sie, dass die USA öffentliche Angriffe auf die
Demokratie nicht erlauben sollte?
Variante A Variante B
JA
NEIN
54 %
46 %
Einführung in die quantitative Sozialforschung - Wintersemester 2014/2015
75 %
25 %
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Klassifikation der Untersuchung anhand von Fragen wie:
Wie soll die Untersuchung durchgeführt werden?
In welcher Weise sollen die erforderlichen Daten erhoben
werden?
Wie müssen die Daten beschaffen sein, damit sie sich
statistisch sinnvoll auswerten lassen?
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
… weiteren Fragen wie:
Welche statistischen oder interpretativen Verfahren sind zur
Auswertung der erhobenen Daten am besten geeignet?
Nach welchen Kriterien soll die Auswahl der Personen oder
Untersuchungsobjekte erfolgen?
Wie viele Personen oder Untersuchungsobjekte müssen
untersucht werden, um zu schlüssigen Resultaten zu gelangen?
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1.2 Quantitative Sozialforschung:
Grundlagen und Vorüberlegungen
Fazit der gezeigten Beispiele
Sind quantitativ gewonnene Daten nutzlos?
Nein.
Die Verwendung und das Verständnis quantitativer Methoden
ist ohne grundlegendes Wissen darüber kaum möglich.
Eingesetzte Methoden müssen immer hinterfragt und für die
vorliegende Problemstellung angepasst werden.
Das unreflektierte Übernehmen vorgefertigter Methoden
funktioniert nur selten.
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