close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Der Fall Pödelwitz: „Hier wurde den Leuten was - Pro Pödelwitz

EinbettenHerunterladen
Der Fall Pödelwitz: „Hier wurde den
Leuten was vorgegaukelt“ – Warum sich die
Bürgerinitiative im Recht sieht und auf die
Landesregierung hofft (3)
Matthias Weidemann
21.06.2014
Kirche in Pödelwitz.
Foto: Matthias Weidemann
Wer auf Braunkohle lebt, lebt auf unsicherem Boden. Erst recht seit der unausgegorenen
Energiewende. Das planlose und überhastete Abschalten der AKWs hat der fossilen
Braunkohle zu einem neuen Boom verholfen. Das bekommen seit geraumer Weile auch die
Bewohner von Pödelwitz zu spüren, wo sich sieben Familien standhaft den
Abbaggerungsplänen der Mibrag widersetzen und sich dabei auf der Seite des Rechtes sehen.
In einem Gespräch mit der L-IZ erklären sie warum.
Jens Hausner, einer der Initiatoren von „Pro-Pödelwitz“ ist ein „Zugezogener“. Aber die
Familie seiner Frau blickt auf eine über 300-jährige Geschichte im 700 Jahre alten Pödelwitz
zurück. „Wahrscheinlich die älteste Familie hier im Dorf“, meint Hausner nachdenklich.
300 Jahre, das ist gelebte Geschichte. Geschichte, die man nicht so einfach hinter sich lässt
und die man sich nicht wegbaggern lassen will. Das unterstreicht Jens Hausner mit Nachdruck
und lässt sich auch nicht davon beirren, dass in Groitzsch so was wie ein „Neu-Pödelwitz“
entsteht: „Man kann ja als Privatperson einen Vertrag mit der Mibrag abschließen,
individuell. Das steht ja jedem frei. Wer da bis jetzt unterschrieben und das notariell unter die
Haube gebracht hat, das ist in Ordnung. Sollen sie das so machen. Das ist ja nicht unser
Problem. Ob die Mibrag die Grundstücke kauft, ob sie neu baut, das interessiert uns wenig.
Für uns ist alleine Fakt, dass wir nicht weg wollen. Es gibt dafür keine rechtliche Grundlage
und wir müssen darüber mit niemandem verhandeln. Anders als es in den Medien bisher
dargestellt wird. Auch die Aussage, dass dieses Dorf im Jahr 2028 abgebaggert wird. Mit
solchen Aussagen will man die Öffentlichkeit verschaukeln.“
Der Tagebau Schleenhain.
Foto: Matthias Weidemann
Auch die Begründung der Mibrag hält Hausner für fadenscheinig: „Es kann nicht sein, dass
im Braunkohleplan steht, dass angrenzende Ortschaften rechtzeitig mit Lärm- und
Staubschutzmaßnahmen zu versehen sind. Dieses ist vom Oberbergamt zu überwachen.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, sind sie zu erweitern. Es kann doch nicht sein, dass die
beste Lärm- und Staubschutzmaßnahme eine Umsiedlung ist beziehungsweise eine
Enteignung derjenigen, die nicht umsiedlungswillig sind. Warum sollen wir für etwas gerade
stehen, was von der Mibrag nicht eingehalten wird? Dafür sind nicht wir, sondern das
Oberbergamt zuständig. Und das wiederum ist dem Wirtschaftsministerium unterstellt. Hier
muss der Bürger dafür gerade stehen, dass Lärm- und Staubschutzmaßnahmen nicht so
eingehalten werden, wie es im Braunkohleplan vorgeschrieben ist. Außerdem wurde
Pödelwitz mit dem Heuersdorfgesetz zum Schutzgut erklärt. Hier wird also gegen alle
rechtlichen Grundlagen verstoßen. Das ist eigentlich eine riesengroße Schweinerei, was hier
läuft.“
Unterstützung aus dem Landtag erfährt Pödelwitz lediglich von Seiten der Grünen. Auch mit
mehr Öffentlichkeitsarbeit will man auf den „Fall Pödelwitz“ aufmerksam machen, um die
Landesregierung dazu zu bewegen, sich für den Erhalt von Pödelwitz einzusetzen. Inzwischen
sind noch zwei andere Mitglieder der Bürgerinitiative zum Gespräch erschienen. Tilo Kraneis
- Nachbar von Jens Hausner -, der hier im Dorf auch sein Metallbau-Unternehmen hat und der
Schweißer André Kremkow sind wie Hausner fest entschlossen, nicht aus Pödelwitz zu
weichen. Auch wenn sie wissen, dass die umzugswilligen Dorfbewohner schon ihre Verträge
für neue Grundstücke und Häuser in der Tasche haben.
Tilo Kraneis: „Die meisten Verträge sind abgeschlossen und das grobe finanzielle Muster ist
abgesteckt. Die sitzen schon in den Startlöchern.“ Noch einmal betont Hausner, dass man
alles dafür tun werde, dass hier die Bagger nicht beißen. „Das wird ein finanzielles
Verlustgeschäft für die Mibrag. Wir werden hier nicht weggehen. Dann sitzen wir auf der
Kohle, die das Unternehmen haben will. Also praktisch auf dem Gegenwert für das, was sie
an die anderen gezahlt haben. Das heißt, die machen eine Umsiedlung, obwohl sie nicht
wissen, ob sich das refinanziert.“
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
7
Dateigröße
253 KB
Tags
1/--Seiten
melden