close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

ENERGIEWENDE – WAS KOSTET SIE WIRKLICH? FACHTAGUNG

EinbettenHerunterladen
DOKUMENTATION
ENERGIEWENDE –
WAS KOSTET SIE WIRKLICH?
FACHTAGUNG
28. JUNI 2013, Zürich
SES - Fachtagung 2013
ENERGIEWENDE –
WAS KOSTET SIE WIRKLICH?
Freitag, 28. Juni 2013,
9:00 – 17:00 Uhr
Technopark, Technoparkstrasse 1, 8005 Zürich, Auditorium
3
Energiewende
Die Energiewende ist eine Notwendigkeit. Sie ergibt sich aus der Logik endlicher Ressourcen, sowie untragbaren nuklearen und klimatischen Risiken.
Die SES geht davon aus, dass die Schweiz ihren Energiehunger in Zukunft
um den Faktor drei reduzieren und mit erneuerbaren Energien stillen muss.
Die Wende ist kein «nice to have» sondern ein absolutes «must». Es stellt sich
lediglich die Frage, wie sie umgesetzt wird und was sie kostet.
Kosten
Kostenschätzungen auf 40 Jahre hinaus sind schwierig und so oder so ungenau. Die Unschärfen sind gross und es wird mit verschiedenen Modellen
operiert. In der Energiewende-Debatte werfen unterschiedliche Akteure
mit Zahlen um sich: Für die Schweiz reichen die Schätzungen von 30 bis
zu 180 Milliarden Franken bis 2050. Wer über die Zukunft mutmassen
will, muss die Geschichte und die heutigen Kosten der Energie kennen:
Wer bezahlt wem für was zig Milliarden Schweizer Franken? Wie haben
sich die Kosten der verschiedenen Energieträger in der Vergangenheit entwickelt und warum?
Prognosen
Bei den Prognosen gilt es, richtig hinzuschauen und Kosten von Preisen
zu unterscheiden. Wer geht von welchen Preisentwicklungen aus? Was
sind z.B. Kosten für Infrastrukturerneuerungen die sowieso anfallen,
was sind zusätzliche Kosten? Was sind direkte und indirekte Kosten, ist
der Nutzen überhaupt eingerechnet und wenn ja wie? Interessieren darf
nicht nur der materielle Nutzen einer Energiekosteneinsparung, sondern
auch der immaterielle Nutzen wie Energiesicherheit, Unabhängigkeit
und politische Freiheiten.
4
Kosten der Nicht-Wende
Die SES stellt auch die Gegenfrage: Was kostet das
Nichtstun und Abwarten aus der Optik eines rohstoffarmen Landes wie der Schweiz, das zu 85 % von
Energieimporten abhängig ist? Was sind die Kosten
und Risiken einer Nicht-Wende?
Ziel
Die Tagung liefert einen Beitrag zur Versachlichung der Kostendiskussion rund um die Energiewende. Die TeilnehmerInnen
können danach die kursierenden Kostenschätzungen einordnen.
Die Gesamtkostensicht zeigt auf, dass uns das Lavieren teurer
kommt, als eine beherzte Energiewende.
Zielgruppen
VertreterInnen aus Verwaltung und Politik, EW,
Industrie, Gewerbe, CleanTech, Verbände, zivilgesellschaftliche Organisationen, sowie generell umweltund energiepolitisch Interessierte und Engagierte.
5
Programm
08:30
Eintreffen, Kaffeebar
09:00
Begrüssung, Einführung
Bernhard Piller, SES
09:10
Wer zu spät kommt …
Jürg Minsch
I Energiepreise und -kosten
09:35
Wie wir unsere Energiesklaven bezahlen
Hanspeter Guggenbühl
10:00
Energiezukunft mit Atomkraft oder Sonne – welche Strahlen kosten mehr?
Georg Klingler und Florian Kasser
6
10:25
Pause
10:55
Kampf ums Erdöl: Wie lange noch?
Daniele Ganser
11:20
TAP Theater am Puls, Bern
11:35
Diskussions-Panel zum Block I
12:05
Mittagspause
13:35
14:00
II Kosten der Energiewende
ie kommen wissenschaftliche Studien auf so unterschiedliche
W
Kosten für die Energiewende?
Philippe Thalmann
osten und Nutzen der Energiestrategie 2050
K
André Müller
14:25
Energiewende ja, aber zu welchen Kosten?
Kurt Lanz
14:50
Pause
15:20
as kostet die (Nicht-) Energiewende?
W
Beat Meier
15:45
TAP Theater am Puls, Bern
16:00
Diskussions-Panel zum Block II
16:30
arum rechnet sich die Deutsche Energiewende?
W
Miranda Schreurs
Schlussreferat
16:55Kostenwahrheit führt direkt zur erneuerbaren Energie
Geri Müller
17:00
Ende der Tagung
7
ABSTRACTS DER REFERATE
Bernhard Piller
Projektleiter SES, Zürich
Energiewende kostet weniger als die Nicht-Wende
Das Generationenprojekt Energiewende ist eingeläutet. Ein «Zurück» gibt es nicht mehr.
Die SES hat sich der Kostenfrage angenommen, weil diese korrekterweise zentral ist für unsere künftige Energieversorgung. Eine ganze Palette an Zahlen wurde in den vergangenen
Monaten präsentiert. Ein Vergleich ist schwierig, denn die Studien gehen von unterschiedlichen Prämissen aus. Gerade deswegen jedoch muss über die Kosten und Gewinne der
Energiewende ausführlich diskutiert werden. Die Fachtagung soll hierbei einen wertvollen
Beitrag zur Versachlichung der Kostendiskussion rund um die Energiewende liefern.
Eines ist klar: Die Kosten der Energiewende bis 2050 – also auf 40 Jahre hinaus – zu berechnen, ist immer auch Kaffeesatz-Lesen, oder diplomatischer ausgedrückt: Solche Berechnungen bleiben immer nur eine Annäherung an eine mögliche zukünftige Entwicklung und Realität. Die Spannbreite der errechneten Kosten liegt je nach Szenario sehr weit
auseinander. Die SES-Fachtagung 2013 soll auch als Hilfe zur besseren Einordnung dieser
unterschiedliche Kostenschätzungen dienen.
Ausgeklammert wurden bei allen bis anhin vorliegenden Studien die Milliarden, die bei
sinkender Abhängigkeit von fossilen Energieimporten gespart werden können. Ausserdem
wird in den meisten Berechnungen nicht genügend berücksichtigt, dass konventionelle
Technologien tendenziell teurer und erneuerbare Energien kontinuierlich günstiger werden. Auch Nutzen und Gewinne der Energiewende werden kaum mitgerechnet. Cleantech
Unternehmen und insbesondere das lokale Gewerbe können massiv von der Energiewende
profitieren. Das zeigt unter anderem die SES-Studie «85'000 Arbeitsplätze für die Schweiz».1
Ein anderer Punkt, der in Kostendiskussionen viel zu wenig berücksichtigt wird, ist der
massive Geldabfluss, der durch die Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern und
Uranbrennstoff entsteht. Jahr für Jahr fliessen zirka 10 Milliarden Franken ins Ausland ab.
Geld, das bei einer konsequenten Nutzung einheimischer, erneuerbarer Energien im Land
bleiben würde.
Natürlich stellt sich hier nun die Frage, was denn eine Nicht-Wende kosten würde. Die
brandneue SES-Studie, «Kosten der (Nicht-) Energiewende» zeigt: Die Nicht-Wende würde
teurer als die Energiewende, oder anders gesprochen: Die Energiewende lohnt sich auf jeden Fall auch finanziell für die Schweiz. Studienautor Beat Meier, bemepro wird an der
SES-Fachtagung die Ergebnisse präsentieren.
Zusammenfassend sind drei Punkte als Studienergebnisse besonders hervorzuheben:
– Ab spätestens 2040 kostet die Energiewende weniger als die Nicht-Wende.
– Bei höheren Ölpreisen rentiert die Energiewende spätestens ab 2020.
– Mit mehr Suffizienz rentiert sich die Energiewende noch schneller.
Es liegt auf der Hand, dass die Energiewende die Schweiz unabhängiger vom Ausland
macht, denn sie führt zu Einsparungen Importbereich: Heute fallen fast 40% der Energieversorgungskosten auf Importe, was mit der Nicht-Wende gleich bleibt. Die Energiewende
reduziert die Importkosten für Energieträger auf 16 % bis 2050. Das bedeutet jährlich mindestens 7 Mrd. CHF weniger Geldabfluss im Jahr 2050. Ein Teil davon wird eingespart, ein
Teil fällt als Investition im Inland an und bringt grosse Wertschöpfungs- und Arbeitsplatzpotenziale mit sich.
10
Aus energiepolitischer, versorgungstechnischer und volkswirtschaftlicher Sicht gibt es somit nur noch eine Stossrichtung: Wenden und zwar heute!
Die SES dankt Ihnen für Ihr Interesse an der SES-Fachtagung 2013 zu Kosten und Gewinnen
der Energiewende. Wir wünschen Ihnen viel Erkenntnisgewinn und natürlich viel Energie
für eine erfolgreiche und schnelle Wendepolitik.
Die von den ReferentInnen an der Fachtagung gezeigten Präsentationen finden Sie nach der
Fachtagung auf www.energiestiftung.ch/service/fachtagungen/fachtagung13
1 www.energiestiftung.ch/energiethemen/energiepolitik/energiewende/85000-jobs
Dr. Jürg Minsch
Unabhängiger Nachhaltigkeitsforscher, Zürich
«Wer zu spät kommt… »
Das Referat bietet eine mögliche Annäherung ans Tagungsthema in Form eines kurzen
Selbstgesprächs eines ökologischen Ökonomen als Citoyen. Es wird eine Auslegeordnung
der sich stellenden Fragen versucht in der Absicht, eine persönliche Positionierung in diesem Themenkosmos zu erleichtern und hoffentlich sinnvolle Orientierungsmarken zu
setzen für den Weg durch die Tagung. Dies im Dienste eines transparenten, sachlichen
energiepolitischen Diskurses.
11
I ENERGIEPREISE UND -KOSTEN
Hanspeter Guggenbühl
Freischaffender Journalist & Buchautor, spezialisiert auf Energie-, Umwelt-,
Verkehrs- und Wirtschaftspolitik, Illnau
Energiekosten oder
Wie wir unsere Energiesklaven bezahlen
Die Frage, wie sich die Energiekosten in der Schweiz entwickelt haben, und wie hoch sie
heute sind, ist differenziert zu beantworten; dies je nach Energieträger und Ausgangsjahr.
Die Preise von Erdöl zum Beispiel schwankten und schwanken im Rhythmus von Ölkrisen
und Ölschwemmen. Tendenziell lässt sich immerhin feststellen: Im Zeitraum von 40 Jahren ist Heizöl in der Schweiz teurer, Elektrizität hingegen billiger geworden; dies immer
real, also nach Abzug der Teuerung. Die Preisverschiebung wirkte sich auch mengenmässig
aus: Der Anteil von Erdölprodukten, vor allem von Heizöl, am Energiekuchen ist kleiner
geworden, während Erdgas und Strom Marktanteile gewonnen haben. Der Verbrauch von
Endenergie insgesamt hat zugenommen, in der Schweiz seit 1970 um rund 50 Prozent.
Für die gesamte Endenergie bezahlten die Verbraucher in der Schweiz im Jahr 2010 rund 30
Milliarden Franken; dies inklusive Steuern und Abgaben. Das macht 3700 Franken pro Kopf
und Jahr. Und es entspricht einem Anteil von 5,5 Prozent am Bruttoinlandprodukt. Im Jahr
1970 lag dieser Anteil am BIP noch bei 8,0 Prozent. Die Kosten der Energie in der Schweiz,
gemessen an der Wirtschaftsleistung oder am Gesamtkonsum, sind also gesunken. Ebenfalls gesunken sind die spezifischen Energiekosten pro kWh. Darum konnte die Schweiz
ihren gesamten Energieverbrauch ohne Not erhöhen, und sie hat es auch getan.
Wirtschaft und Bevölkerung in der Schweiz konsumieren heute 250 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Endenergie pro Jahr. Die Umwandlungsverluste von Primär- zu Endenergie
und der Importüberschuss an grauer Energie sind in dieser Summe also nicht enthalten.
Pro Kopf der Bevölkerung entspricht das einer Menge von 31 000 kWh Endenergie. Und damit kommen wir zu den Energiesklaven:
Mit ihrer eigenen Körperkraft schaffen Schwerarbeiter während 12 Stunden pro Tag und
365 Tagen pro Jahr eine konstante Leistung von rund 0,2 Kilowatt. Das hat der Physiker
Hans-Peter Dürr ausgerechnet. Pro Jahr ergibt das eine Menge von 875 kWh. Dividiert man
nun die 31 000 kWh Fremdenergie, die wir pro Kopf und Jahr konsumieren, durch die körpereigene Energie von 875 kWh, so stellt man fest: Eine Person in der Schweiz beschäftigt
durchschnittlich 35 Endenergie-Sklaven.
Damit lässt sich auch ausrechnen, wie wir unsere Energiesklaven bezahlen: Eine Kilowattstunde Endenergie kostet in der Schweiz heute durchschnittlich 0,12 Rappen. Das
ergibt für die 875 kWh Endenergie, die ein einziger Energiesklave für uns produziert, rund
100 Franken pro Jahr, oder einen Taglohn von 30 Rappen.
12
Angesichts dieses Hungerlohns braucht sich niemand zu wundern, dass wir immer mehr
Energiesklaven einstellen und ausbeuten. Doch die Energiesklaven lassen sich nicht beliebig vermehren; vor allem Ölsklaven werden langfristig knapp. Darum sollten wir sie
besser bezahlen. Zum Beispiel über eine Energie-Lenkungsabgabe. Damit liesse sich der
Lohn respektive Preis pro Energiesklave verdoppeln. Diese Lenkungsabgabe bietet damit
einen Anreiz, die Zahl der Energiesklaven pro Kopf zu halbieren, wie das Bundesrätin
Doris Leuthard mit ihrer Energiestrategie bis zum Jahr 2050 anstrebt. Daraus ergibt sich
ein neuer Faktor 2: Doppelter Energiepreis dank Energieabgabe mit Halbierung der Anzahl
Energiesklaven gleich stabile Energiekosten.
13
Georg Klingler
Experte für erneuerbare Energien, Greenpeace Schweiz, Zürich
Florian Kasser
Experte für Atomenergie, Greenpeace Schweiz, Zürich
Energiezukunft mit Atomkraft oder Sonne –
welche Strahlen kosten mehr?
Der Atomausstieg ist beschlossen. Über die konkrete Umsetzung und die Kosten wird aber
heftig weiter debattiert. Fest steht, dass die Erneuerung des Kraftwerkparks in Europa und
in der Schweiz zumindest kurzfristig zu Mehrkosten führen wird: Unser heutiges mehrheitlich abgeschriebenes Stromsystem (Kraftwerke und Netzinfrastrukturen) ist sehr günstig, jedoch nur was die monetarisierten Kosten betrifft.
So haben wir heute die Situation, dass Investoren für fast alle Kraftwerksneubauten staatliche Garantien fordern. Hohe Anfangsinvestitionen, lange Amortisationszeiten und tiefe
Strommarktpreise lassen Anlagenbauer sowohl auf der erneuerbaren als auch auf der nuklearen Seite zögern. Der grösste Betreiber von Atomkraftwerken (Electricité de France, EdF)
fordert vom englischen Staat garantierte Abnahmepreise für 40 Jahre (strike price). Auch
Gaskraftwerke werden heute nicht ohne staatliche Absicherung gebaut.
Damit wir als Gesellschaft entscheiden können, für welche Energieträger wir Geld investieren möchten, sollten wir die Optionen mit den langfristig geringsten Vollkosten wählen. In unserem Vortrag zeigen wir, dass Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare
Energien eine sichere Stromversorgung mit nachhaltigem Mehrwert schaffen, während die
nuklearen und fossilen Energien Kosten und Risiken mit sich bringen, die wir nicht mehr
zu tragen brauchen.
Eine detaillierte Untersuchung des Forums für Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft beziffert die direkte und indirekte Förderung der Atomenergie in Deutschland für die Jahre
1970 bis 2012 auf 3.97 ct/kWh (berücksichtigt sind Finanzhilfen, Steuervergünstigungen
und staatliche Regelungen mit Subventionswirkung, nicht aber externe Kosten, wie z.B. die
fehlende Haftpflicht-Versicherung). Im selben Zeitraum wurden die erneuerbaren Energien
mit 3.39 ct/kWh gefördert. Und heute tragen in Deutschland die erneuerbaren Energien
mehr zur Gesamtstromerzeugung bei als die Atomenergie.
Bezieht man auch die fehlende Haftpflichtversicherung in die Berechnungen mit ein, so
würden heute keine Atomkraftwerke mehr betrieben. Aus diesem Grund werden Forderungen nach einer korrekten Versicherung der Risiken immer wieder als ideologisch beurteilt. Das täuscht darüber hinweg, dass in der jungen Geschichte der Atomenergie schon
diverse «Haftpflichtfälle» aufgetreten sind, die von der Gesellschaft getragen werden mussten. Eine Studie des Max-Planck-Instituts (2012) im Nachgang des Unfalls in Japan kommt
zum Schluss, dass eine Kernschmelze weltweit alle 15 bis 20 Jahre stattfinden könnte. Und
der GAU von Fukushima führt zu Kosten, welche die aktuelle Versicherungsdeckung der
Schweizer Atomkraftwerke um ein Hundertfaches überschreiten.
14
Gas-, Öl- und auch Kohlekraftwerke weisen genau wie Atomkraftwerke versteckte gesellschaftliche Förderbeiträge auf, die es klar in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen
gilt. Darunter sind z.B. Gesundheitskosten durch die Emissionen der Kraftwerke, oder «Förderbeiträge», welche zukünftige Generationen berappen müssen, weil sie mit den Folgen
der Klimaerwärmung konfrontiert werden. Eine solche «Kostenteilung» ist nicht fair.
Investitionen in Energieeffizienz und erneuerbare Energien weisen heute geringere Vollkosten auf als die konventionellen Energien. Und in vielen Fällen führen sie zu positiven
lokalen Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekten. Sind die Investitionen einmal abgeschrieben, dann liefern sie noch einige Zeit sehr günstigen Strom. Damit hinterlassen wir
den künftigen Generationen ein deutlich attraktiveres Erbe als mit Investitionen in neue
oder nachgerüstete Atom-, Kohle- oder Gaskraftwerke.
15
Dr. Daniele Ganser
Historiker und Friedensforscher, SIPER, Swiss Institute for Peace and
Energy Research, Basel
Kampf ums Erdöl: Wie lange noch?
Die Wende hin zu einem Energiesystem, das vollständig auf erneuerbare Quellen und reduzierten effizienten Verbrauch setzt, ist richtig und wichtig. Klimawandel, Ressourcenkriege, Kernschmelzen, der Streit um atomare Endlager, erschöpfende Erdölfelder und ein
hoher Erdölpreis, der Rezessionen auslösen kann, unterstreichen die Bedeutung der Energiewende. Wie lange wird der Kampf um Erdöl noch andauern?
Fossile Schweiz
In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat die Energiewende viele Anhänger, und
es werden von Jahr zu Jahr mehr. Doch der Weg ist lang und voller Hindernisse. Die importierten fossilen Energieträger dominieren die Schweizer Energieversorgung auch heute
noch zu fast 70 Prozent. Erdöl hat einen Anteil von 54 Prozent, Erdgas liegt bei 14 Prozent.
Addiert man mit 10 Prozent die Atomkraft, so liegt der Anteil der nicht erneuerbaren Energieversorgung bei knapp 80 Prozent. Die Erneuerbaren decken in der Schweiz also erst
20 Prozent, in Deutschland sind es gar erst 12 Prozent, in Österreich immerhin 27 Prozent,
im Erdölland Norwegen mehr als 40 Prozent.
Fracking und Überfluss
Doch Erdöl und Erdgas sind endlich. Sie werden zuerst knapp und gehen dann aus. Wie
genau dieser Prozess ablaufen wird ist in der Forschung umstritten. Einige Experten und
Studien sehen ein Überfluss an Erdöl und Erdgas, andere Knappheiten. Wer hat recht?
Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris hat im November 2012 ihren World Energy
Outlook (WEO) präsentiert und darin erklärt, die USA werden in Zukunft mehr Erdöl und
Erdgas produzieren und um das Jahr 2020 Saudi Arabien als grössten Erdölproduzenten
ablösen, der Kontinent Nordamerika werde 2030 gar Netto-Exporteur von Erdöl.
Diese Meldungen wurden von den Medien mit Euphorie aufgenommen. «Neue Produktionsmethoden revolutionieren die Erdgas- und Erdölmärkte», so die Neue Züricher Zeitung, es
zeichne sich «ein Bild des Erdölüberflusses» ab.1 Die Basler Zeitung schrieb, die USA seien
«der am schnellsten wachsende Öl- und Erdgasproduzent und werden bald selbstversorgend
sein», die Welt «schwimme im Öl» und es werde «wahrscheinlich zu einem Zusammenbruch der Ölpreise» kommen.2
Ermöglicht werde diese Zunahme der Förderung durch das so genannte «Fracking», das sich
in den USA seit 2005 stark ausgebreitet hat. Hierbei werden Erdöl- und Erdgasbohrungen
zuerst senkrecht abgeteuft und dann auf einer Tiefe von rund 3 Kilometer horizontal durch
dichtes Gestein geführt. Mit Sprengungen werden danach Risse («Fracks») tief im Boden
erzeugt und Sand, Wasser und Chemikalien in den Boden gepresst, um aus dem dichtem
Gestein unkonventionelles Erdöl und Erdgas herauszulösen. Derzeit deckt Fracking weniger als 2 Prozent der globalen Erdölförderung.
Peak Oil und Knappheit
Weniger Beachtung fand in den Medien der Hinweis der IEA, dass in vielen Ländern beim
konventionellen Erdöl das Fördermaximum Peak Oil erreicht sei und die Förderung zurückgehe. Zu beobachten ist dieses Phänomen der Knappheit in Europa, wo die Förderung
der zwei wichtigsten Erdölproduzenten Norwegen und Grossbritannien in der Nordsee seit
16
dem Jahr 2000 zurückgeht weil in beiden Ländern der Peak Oil erreicht wurde. Auch die
USA erlebten beim konventionellen Erdöl schon 1970 die Peak, die Förderung vieler Felder
geht seither zurück.
Die IEA und ihr Chefökonom Fatih Birol kennen dieses Problem. Schon im April 2011 warnte Birol: «Es sind beunruhigende Nachrichten. Wir glauben, dass die Produktion von konventionellem Rohöl schon im Jahre 2006 den Peak Oil erreicht hat. Die Erdölfelder brechen
ein in der Nordsee und in den USA … Uns läuft die Zeit davon.» 3
Wer den jährlich erscheinenden WEO genau studiert, erkennt, dass das Angebot an konventionellem Erdöl schon seit Jahren stagniert und nicht mehr ausgeweitet werden kann.
Auch das Annual Statistical Bulletin der OPEC zeigt diesen historischen Wendepunkt. Von
Überfluss kann daher nicht die Rede sein. «Die Rohölproduktion erreicht ein welliges Plateau von 68-69 Millionen Fass pro Tag (mbd) im Jahr 2020, aber nie wieder den Peak Oil von
70 mbd, der im Jahr 2006 erreicht wurde», räumte der WEO im November 2010 erstmals
ein. Der Vortrag zeigt auf: Erdöl ist knapp und global umkämpft. Irakkrieg, Fracking, Erdöl
vom Nordpol, Ölsand und Tiefseeöl sind keine klugen Antworten auf die Knappheiten beim
konventionellen Erdöl.
Dr. Daniele Ganser leitet das Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER) in Basel und forscht
zum globalen Kampf ums Erdöl. Sein Buch «Europa im Erdölrausch. Die Folgen einer gefährlichen
Abhängigkeit» erschien im Oktober 2012 im Orell Füssli Verlag und hat bereits drei Auflagen erreicht.
1
2
3
Positiver Erdölschock in Aussicht. NZZ 10. Dezember 2012
Eine Welt, die im Öl schwimmt. Basler Zeitung 7. April 2012
Fatih Birol, Chefökonom der Internationalen Energie Agentur (IEA) in Paris.
Interview mit Dr. Jonica Newby im Australischen ABC Fernsehen im Programm «Catalyst»:
The Oil Crunch. 28. April 2011.
17
II KOSTEN DER ENERGIEWENDE
Prof. Dr. Phillipe Thalmann
ETH Lausanne, Leiter der Forschungsgruppe Umweltökonomie und -management
REME, Lausanne
Wie kommen wissenschaftliche Studien auf
so unterschiedliche Kosten für die Energiewende?
Auslöser für diese Fragestellung ist sicherlich die Präsentation von Schätzungen durch
Economiesuisse im Januar 2013, wonach die Energiewende in der Schweiz Einbussen von
bis zu 25 % des Bruttoinlandprodukts (BIP) verursachen könnte. Der Dachverband der Wirtschaft stützte sich dabei auf die Ergebnisse einer Studie, die Professor Peter Egger und sein
Mitarbeiter Sergey Nigai an der KOF / ETH im Auftrag des Verbands durchgeführt hatten
(Egger et Nigai, 2013). Im Kontrast dazu hat ein anderer ETH Professor, Lucas Bretschger,
die Kosten ähnlicher Energie- und Klimaszenarien auf weniger als 1 % des BIP geschätzt.
Unsere eigenen Simulationen, wie auch diejenigen von Ecoplan im Auftrag des BfE und
mehrere anderen, deuten ebenfalls auf Einkommens- und Wohlfahrtseinbussen von unter 1 %. Wie können wissenschaftliche Studien so unterschiedliche Resultate ergeben? Es
handelt sich nicht nur um eine rein wissenschaftliche Frage, denn die Bereitschaft von
Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die Energiewende zu unterstützen, ist bestimmt und
verständlicherweise nicht dieselbe, je nachdem ob dies praktisch schmerzlos geschehen
kann, oder zu einem Einbruch von einem Viertel unserer Einkommen führt.
Im Allgemeinen kann festgehalten werden, dass unterschiedliche Studien aus drei Hauptgründen zu unterschiedlichen Resultaten führen können:
– Unterschiedliche Modelle
– Unterschiede bei den simulierten Szenarien
– Unterschiedliche Wahl der Indikatoren für die Auswirkungen der Szenarien
Energieszenarien werden seit einigen Jahren anhand hoch komplexer Modelle simuliert,
die sowohl die gesamtwirtschaftlichen Verflechtungen darstellen (Makro), wie auch die detaillierten Produktionsmöglichkeiten und das Konsumverhalten (Technologien, Präferenzen, Mikro). Dennoch ist kein Modell fähig, alle Prozesse einer komplexen Wirtschaft im
internationalen Umfeld auch nur annähernd darzustellen. Je nach Zweck des Modellbaus
werden einzelne Bereiche mit grösserem Aufwand modelliert als andere. Das Egger-Nigai
Modell z.B., wurde für die Analyse der internationalen Handelsflüsse gebaut. Andere Modelle wurden spezifisch für die Analyse des Energiesystems entwickelt.
18
Die Modelle unterscheiden sich nicht nur im Detaillierungsgrad der einzelnen Wirtschaftsbereiche, ihnen liegen oft auch unterschiedliche Annahmen betr. dem Verhalten
der Akteure und Systeme zugrunde. So wird in den meisten hoch-detaillierten Energiesystemmodellen ein perfekt informierter Planer angenommen, der den optimalen Mix von
Energiequellen und -Verfahren auswählt. In den anderen Modellen sind es die Wirtschaftsakteure, die ihr persönliches Interesse (Gewinn, Wohlfahrt) maximieren. In den meisten
Modellen sind die Märkte vollständig und effizient, einzelne kennen den nicht perfekten
Wettbewerb und das Marktversagen. In den meisten Modellen geschieht technischer Fortschritt von selber, in gewissen muss er erkauft werden. Usw.
In der Schweiz gibt es vielleicht zehn Modelle, die für die gesamtwirtschaftliche Simulation
von Energiefragen eingesetzt werden (eine Übersicht der meisten dieser Modelle befindet
sich in Mathys et al., 2012). Bis zur Egger-Nigai Studie waren sie sich ziemlich einig: eine
mutige Energie- und Klimapolitik, behutsam über Jahrzehnte umgesetzt, führt nur zu sehr
geringen Wohlfahrtsverlusten. Um zu verstehen, wieso die Egger-Nigai Studie dermassen
aus der Reihe tanzt, muss diese genauer untersucht werden. Es zeigt sich dann, dass es zum
grossen Teil die Folge einer Besonderheit ihres Modells ist: die gesamte Energiestrategie
muss in einem einzigen Jahr umgesetzt werden, im Jahr 2000! Die Autoren selber schreiben
am Ende ihrer Untersuchung, dass eine graduelle Umsetzung über 15 Jahre zu Einkommensverlusten im Bereich von 0.5 % führen würde. Damit platzieren sie sich ins Mittelfeld
der anderen Studien.
Als zweiten Grund für unterschiedliche Resultate habe ich unterschiedliche Szenarien
aufgeführt, die simuliert werden. Es handelt sich einerseits um Unterschiede in der Formulierung der Energiepolitik, sei es weil sie zum Zeitpunkt der Simulationen noch nicht
feststand, oder weil sie nicht in ihrer ganzen Komplexität dargestellt werden konnte, oder
auch weil sie noch nicht vollständig festgelegt wurde (Wie wird die Energiestrategie 2050
nach 2020 umgesetzt? Wann genau wird das letzte AKW abgestellt?). Die Szenarien unterscheiden sich auch betreffend der Annahmen zum zukünftigen wirtschaftspolitischen
Umfeld (Was passiert mit dem Ölpreis? Wird der Rest der Welt eine griffige Klimapolitik
umsetzen?).
Schliesslich kann der dritte Grund für unterschiedliche Resultate kurz aufgeführt werden. Politiker richten sich nach dem BIP oder der Arbeitslosenquote. Das BIP ist aber kein
hinreichender Indikator für Wohlfahrtsveränderungen und es herrscht bei weitem keine
Einigkeit über die Determinanten der Arbeitslosigkeit. So schätzen wir Wohlfahrtsveränderungen direkt über den Konsum der Haushalte, wobei auch da nicht alle diese ähnlich
umsetzen. Auch betreffend dem Zeitpunkt, zu welchem die Auswirkungen der Energiepolitik bemessen werden gibt es Unterschiede. Dies, weil manche Autoren sich nicht gerne
über eine nahe Zukunft hinauswagen (auch Politiker sind eher myopisch), während andere
ohne Furcht Wohlfahrtsveränderungen bis ins Jahr 2050 oder gar 2100 voraussagen.
Bei so unterschiedlichen Ansätzen könnte es als magisch oder gar als verdächtig erscheinen, dass alle Simulationsmodelle, auch das von Egger-Nigai, geringe Einbussen für eine
ambitiöse aber behutsam umgesetzte Energie- und Klimapolitik schätzen. Dies kommt
daher, dass die fossile und nukleare Energie, trotz ihrer Bedeutung doch nur einen kleinen Teil aller Produktionsfaktoren ausmacht. Noch wichtiger aber ist die grosse Fähigkeit
unseres Wirtschaftssystems, sich an veränderte Bedingungen anzupassen. Alle Modelle
bilden dies ab.
Zitierte Literatur:
Egger, Peter H., et Sergey Nigai (2013) «Energy reform in Switzerland: A quantification of carbon taxation and nuclear energy substitution effects», KOF/ETHZ, KOF Working Papers 327, January, Zurich.
Mathys, Nicole A., Philippe Thalmann, et Marc Vielle (2012) «Modelling contributions to the Swiss
Energy and Environmental Challenge», Swiss Journal of Economics and Statistics 148(2): 97-109.
19
André Müller
Projektleiter und Partner Ecoplan AG, Bern
Kosten und Nutzen der Energiestrategie 2050
Energiestrategie 2050 – vom «Fördersystem» zum umfassenden «Lenkungssystem»
Der Bundesrat will den Umbau des Energiesystems im Rahmen der Energiestrategie 2050 in
zwei Etappen vornehmen. Die erste Etappe setzt auf ein «Fördersystem», das die heute vorhandenen Effizienzpotenziale realisieren will. Eine verstärkte internationale Zusammenarbeit ist dazu nicht gefordert. In einer zweiten Etappe soll für die Zeit nach 2020 mit der
Weiter-entwicklung der Klimapolitik die Schweizer Klima- und Energiepolitik strategisch
neu ausge-richtet werden: Das «Fördersystem» soll in ein «Lenkungssystem» überführt werden, das Energie und CO2 - Emissionen mit einer Abgabe belastet und die Einnahmen aus
dieser Ab-gabe an Wirtschaft und Haushalte zurückverteilt. Theorie und Praxis zeigen,
dass mit einem Lenkungssystem die volkswirtschaftlichen Kosten eines Umbaus der Wirtschaft geringer sind als mit einem Fördersystem.
Abgabeseite – ambitionierte Ziele bedingen griffige Instrumente bzw. hohe Abgaben
Zur Berechnung der Kosten und Nutzen der Energiestrategie 2050 wurden eine CO2 - Abgabe
auf fossile Energieträger und eine Strom¬abgabe auf dem Stromverbrauch mit einem «berechenbaren Gleichgewichtsmodell» simuliert. Mit der CO2 -Abgabe sollen die CO2 -Emissionen
gemindert und mit der Stromabgabe die Effizienz im Stromverbrauch erhöht werden. Im
am-bitionierten Szenario NEP («Neue Energiepolitik») soll bis 2050 der Schweizer CO2 -Ausstoss auf rund 1.5 t pro Kopf reduziert werden und gleichzeitig der Stromverbrauch um
knapp ein Viertel gesenkt werden. Bei diesem Szenario wird vorausgesetzt, dass die Ziele
und Instru-mente in der Energie- und Klimapolitik international harmonisiert werden. Zur
Erreichung der ambitionierteren Ziele im Szenario NEP wäre für das Jahr 2050 eine hohe
CO2 - Abgabe von rund 1’150 CHF/t CO2 (entspricht 2.75 CHF /Liter Benzin oder 3.05 CHF/
Liter Heizöl EL) und eine Stromabgabe von rund + 42 % (als Zuschlag auf dem Strompreis)
nötig. Allerdings muss hier angemerkt werden, dass auf solch lange Zeiträume die Höhe
der notwendigen CO2 - und Stromabgabe nur unter sehr grossen Unsicherheiten abgeschätzt
werden kann. Weiter ist zu beachten, dass in den nächsten 40 Jahren auch das Einkommen
zunehmen wird, die hohen Abgaben also diesbezüglich zu relativieren sind.
Die Kosten – spürbare, aber verkraftbare Verluste für die Wirtschaft
trotz hohen Abgaben
Für die Wirtschaft bringt die Energiewende positive Impulse: Weniger Importe von fossilen Energieträger, zusätzliche Beschäftigung in der heimischen Energieproduktion und im
Ener-gieeffizienzgewerbe. Negativ wirkt sich dagegen aus, dass «günstigere» Importenergie
durch «teurere» Eigenproduktion ersetzt wird und damit weniger Geld für den Konsum
von anderen Gütern zur Verfügung steht. Saldiert man diese wirtschaftlichen Effekte, so
zeigen die Simu-lationen mit dem Modell einen Rückgang der jährlichen Wachstumsrate
des Bruttoinlandpro-dukts von -0.08% und eine leichte Abnahme der Beschäftigung. Die
Energiewende ist somit keine Gefahr für die Gesamtwirtschaft und die Beschäftigung, ist
aber auch nicht als Wirtschaftswachstums- oder Beschäftigungsprogramm anzupreisen.
Ausnahmeregelungen für Grösstverbraucher sind nötig
20
Die Energiewende muss zu einem Strukturwandel führen. Es macht aber keinen Sinn, die
heimischen Grösstverbraucher so stark zu belasten, dass sie ins Ausland abwandern: Damit
würden heimische CO2 -Emissionen einfach ins Ausland verlagert – sogenanntes «carbon
leakage». Für die kleine und offene Schweizer Volkswirtschaft berechnen wir eine «leakage
rate» von über 30 %: Jede reduzierte Tonne CO2 - Emissionen würde zu einem Anstieg im
Ausland von 0.3 Tonnen führen. Ausnahmeregelungen sind also sinnvoll, solange sie sich
auf die Grösstverbraucher beschränken.
Die Nutzen – nur einige der Nutzen sind quantifizierbar
Einen Teil des Umweltnutzens haben wir quantifiziert – die sogenannten Sekundärnutzen
(bessere Luft, weniger Gesundheitsschäden, weniger Lärm und Unfälle). Bei ambitionierten
Zielen (Szenario NEP) sind längerfristig auch unter Einrechnung dieser quantifizierbaren
Sekundärnutzen keine positiven Wohlfahrtseffekte zu erwarten. Nicht quantifiziert wurden die Klimaexternalitäten, die Verringerung der atomaren Risiken und die durch die
Energiestrategie ausgelösten gesamtwirtschaftlichen Wachstumseffekte.
Per Saldo kommen wir für die quantifizierbaren Kosten und Nutzen zu negativen, aber verkraftbaren Auswirkungen auf die Wohlfahrt und die Wirtschaft. Die Energiewende wird
also etwas kosten und darf auch etwas kosten, da mit ihr der nötige Beitrag zu einer international harmonisierten Klimapolitik geleistet wird.
21
Kurt Lanz
Mitglied der Geschäftsleitung economiesuisse,
verantwortlich für Infrasstruktur, Energie und Umwelt, Zürich
Energiewende ja, aber zu welchen Kosten?
(und welche Energiewende überhaupt?)
Die «Energiewende» scheint für viele eine beschlossene Sache. Sie hat sich innert kürzester
Zeit als Projektionsfläche für ein umfassendes Wunschkonzert etabliert und umfasst die
Hoffnungen und Wünsche auf eine risiko- und schmutzfreie Zukunft. Doch je konkreter
die Vorstellungen werden, desto unklarer wird deren Umsetzung. Die Erreichung des einen
Wunsches geht aber zu Lasten des anderen. Zielkonflikte treten auf zwischen Energie-,
Sicherheits-, Wirtschafts-, Klima- und Umweltpolitik. Ein schwieriges Abwägen wird erforderlich, da nicht alle Ziele auf einmal erreichbar sind. Und wie man es auch immer dreht
und wendet: alles hat seinen Preis.
Die Kosten der «Energiewende» können nur in Abhängigkeit einer konkreten Vorstellung
beurteilt werden. Eine solche Vorstellung hat der Bundesrat mit seiner Energiestrategie
2050 vorgelegt. Diese umfasst zwei Phasen, die ungefähr je die Hälfte zur Zielerreichung
beitragen sollen. Das heisst: Zur Erreichung der Ziele des Bundes - und damit zur Realisierung der «Energiewende» – ist zwingend die Umsetzung beider Phasen erforderlich. Die
politischen Massnahmen (POM) wurden als erste Phase bereits detailliert ausgearbeitet.
Sie umfasst die bislang bekannten Massnahmen, wie die Subventionierung erneuerbarer
Energien oder staatlich verordnete Effizienz. Die zweite Phase (Neue Energiepolitik, NEP)
steht allerdings noch nicht zur Diskussion. Sie sieht die Einführung einer hohen Lenkungssteuer zur Reduktion der Nachfrage nach Strom und Energie vor. Der Bundesrat kommt in
seinen Studien zum Schluss, dass hierzu eine Besteuerung in der Höhe von 1140 Franken
pro Tonne CO2 (heute 30 - 60 Franken pro Tonne CO2 ) erforderlich sei, was einer Erhöhung
des Heizölpreises um 300% oder einer Erhöhung des Benzinpreises auf 5 Franken entsprechen würde.
In einer bei der ETH-KOF in Auftrag gegebenen Studie liess economiesuisse deshalb untersuchen, mit welchen volkswirtschaftlichen Auswirkungen bei solchen Szenarien zu rechnen wäre. Bezüglich Ersatz der ausfallenden Kernenergie wurden die beiden vom Bund
unterbreiteten Szenarien berücksichtigt, d.h. ein vollständiger Ersatz durch Gaskraft beziehungsweise ein Ersatz je hälftig durch Gaskraft und Erneuerbare. Im Unterschied zu den
Studien des Bundes modellierte die ETH-KOF zusätzlich auch die Abhängigkeit vom Ausland, da die Schweiz als exportorientierte Nation stark mit Europa und den OECD - Staaten
verflochten ist.
Die Resultate waren ernüchternd: Bei einem Alleingang der Schweiz in der Energie- und
Klimapolitik ist mit einer Abnahme des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf um 15 bis
20 % gegenüber einem «Business as usual» zu rechnen. Auf Annahmen zur technologischen Entwicklung wurde allerdings bewusst verzichtet. Das Resultat zeigt auf, dass
durch technischen Fortschritt ein zusätzliches Produktivitätswachstum von 0,5 % pro
Jahr nötig wäre, um den BIP-Einbruch zu verhindern. Dies entspricht einem Produktivitätswachstum, das um einen Drittel höher ist als der historische Durchschnittswert. Da
werden wir gefordert sein …
Die Wirkung der CO2 - Abgabe von 1140 Franken pro Tonne auf das BIP ist in allen Varianten
– Alleingang der Schweiz oder weltweite Koordination – sehr gross. Sie entspricht einem
kumulierten Verlust von 5 bis 10 Jahren Wirtschaftswachstum. Der zusätzliche Effekt der
22
Substitution von Kernenergie durch Gaskraft ist im Vergleich dazu wiederum eher klein,
besonders, wenn die ganze Welt dieselbe Klimapolitik (Kopenhagener Abkommen) umsetzt.
Es ist nachvollziehbar, die mit der Energieversorgung verbundenen Risiken minimieren zu
wollen. Es ist ebenfalls nachvollziehbar, als globale Gesellschaft negative Auswirkungen
unseres Handelns auf das Klima verhindern zu wollen. Das Problem der Energiestrategie
2050 ist nicht das beabsichtigte Ziel, sondern der hohe Preis für die geringe Wirkung. Aus
volkswirtschaftlicher Sicht ist das geplante Vorgehen dramatisch: Wir entziehen der Wirtschaft Geld, investieren in eine Energie, die keinen Wert hat, lösen damit hohe Folgekosten
aus und vernichten bestehende Werte. Und was erreichen wir damit? Eine Erhöhung der
Sicherheit im Bereich von mehreren Kommastellen nach der Null und – wenn überhaupt
– einen ebensolchen marginalen Effekt auf das Klima. Zudem eine abnehmende Versorgungssicherheit, höhere Energiekosten und einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.
Wir brauchen eine neue Klimapolitik, aber Strom ist nicht das Problem, sondern Teil der
Lösung. Denn Strom hilft uns, fossile Energie einzusparen und die Effizienz zu steigern –
vor allem im Gebäudebereich und bei der Mobilität. Wir brauchen aber dringend weitere
technologische Fortschritte, beispielsweise bei der Speicherung. Dezentrale, stochastische
Energie, wie sie mit der Photovoltaik anfällt, macht nur Sinn, wenn sie dort gespeichert und
konsumiert wird, wo sie auch anfällt. Da das nie richtig aufgehen kann und weil wir uns
regionale und internationale Unterschiede und Vorteile zu Nutzen machen sollten, brauchen wir Möglichkeiten, um Energie in Echtzeit zu handeln. Wir brauchen einen Markt mit
den richtigen Preissignalen und intelligente Netze für die Abwicklung. Wir müssen noch
viel lernen und die Zusammenhänge besser verstehen. Hierzu sollten wir technologieoffen
bleiben und das Geld besser in Forschung und Entwicklung investieren, als auf den Hausdächern verpuffen zu lassen.
23
Dr. Beat Meier
Inhaber bemepro, beat meier projekte, Ökonomische Forschung
und Beratung, Winterthur
Kosten der ( Nicht - )Energiewende
Im September 2012 unterbreitete der Schweizer Bundesrat seine Überlegungen zur Energiestrategie 2050 der Öffentlichkeit. Er stützte sich dabei auf mehrere Studien, die neben
der technischen Machbarkeit unterschiedlicher Zukunftsszenarien auch wirtschaftliche
Auswirkungen beurteilen. Diese Studien, wie auch unabhängig von den Bundesszenarien
publizierte Berechnungen kommen vereinfachend zu folgendem Schluss: Eine Energiewende kostet gegenüber einem Festhalten am bisherigen Kurs, das heisst die Umbaukosten des
Energiesystems sind höher als die Einsparungen durch den geringeren Energieverbrauch.
Zukunftsgerichtete Berechnungen zu technischen und wirtschaftlichen Entwicklungen
sind immer mit grossen Unsicherheiten behaftet, erst recht bei einem Zeithorizont bis
zum Jahr 2050. Die Unsicherheit betrifft vor allem auch die Annahmen zu den wichtigsten
Rahmenbedingungen, die von aussen in die Modellierung einfliessen. Dieser bekannten
Schwierigkeit kann mit einer Variierung der Annahmen in Sensitivitätsanalysen begegnet werden. Überraschenderweise lagen bisher zu den Szenarien des Bundes («Weiter wie
bisher» WWB, «Politische Massnahmen» POM und «Neue Energiepolitik» NEP) keine Sensitivitätsanalysen zu den Preisen fossiler Energieträger, zu den Kosten von Effizienzmassnahmen oder dem Einfluss unterschiedlichen Verhaltens vor. Die vorliegende Arbeit leistet
einen Beitrag zur Verkleinerung dieser Informationslücke. Dazu wurden die Kosten für die
Energieversorgung aus Sicht der Unternehmen und Haushalte berechnet, inklusive Kosten
für Effizienzmassnahmen und für Anlagen zur Energiebereitstellung. Es handelt sich dabei
nicht um ein volkswirtschaftliches Gleichgewichtsmodell.
Der Vergleich eines Szenarios ENERGIEWENDE
(angelehnt an NEP) mit einer REFERENZ (angelehnt
an WWB) zeigt bei einer
moderaten Preisentwicklung für fossile Energieträger im Mittel der Jahre
2015 bis 2050 Mehrkosten
für die ENERGIEWENDE
von 41 Franken pro Person
und Jahr (total 0.36 Mrd.
CHF jährlich), dies sind
knapp 1 % der GesamtkosAbbildung: Kosten der Energieversorgung für Unternehmen und Haushalte (Mittel 2015-2050 pro Jahr)
ten für die Energieversorgung. Bei einem Hochpreisszenario führt die ENERGIEWENDE hingegen zu Einsparungen
von 374 Franken pro Person und Jahr (total 3.3 Mrd. CHF jährlich).
Eine Suffizienz-Variante zeigt die wirtschaftliche Wirkung auf, wenn die Zunahme der
Wohnfläche pro Person halbiert sowie eine 0.5° C tiefere Raumtemperatur und die Stabilisierung der Personenkilometer auf dem Niveau von 2010 erreicht würde. Mit diesen Verhaltensänderungen könnten die mittleren Mehrkosten der ENERGIEWENDE von 41 Franken
pro Person und Jahr in eine ebenso hohe Einsparung umgewandelt werden.
24
Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind nicht nur die unterschiedlichen Gesamtkosten relevant, sondern auch die Verteilung der damit verbundenen Geldflüsse auf Inland und
Ausland. Je nach Preisentwicklung reduziert die ENERGIEWENDE die Geldabflüsse für
Energieträgerimporte im Mittel um jährlich 5 bis 8 Mrd. Franken. Zusätzlich liegt mit
der ENERGIEWENDE aufgrund der Investitionen in Effizienz und Erneuerbare der Kostenanteil im Inland um 5 Mrd. Franken pro Jahr höher. Auch wenn diese Kostendifferenz
zugunsten des Inlandes nicht direkt als volkswirtschaftlicher Gewinn interpretiert werden kann, birgt diese Umschichtung ein erhebliches zusätzliches Wertschöpfungs- und
Beschäftigungspotenzial.
Während sich die Studien des Bundes im Wesentlichen auf Preisszenarien der Internationalen Energieagentur IEA abstützen, die von einem Ölpreisniveau von 2009 um 60 USD/Fass
ausgehen, konnte die vorliegende Arbeit für die moderate Preisvariante als Ausgangspunkt
das effektive Niveau der Jahre 2011 und 2012 um 110 USD/Fass verwenden. Diese Aktualisierung ist ein wichtiger Grund für die relativ geringen Mehrkosten im Vergleich zu den
Arbeiten des Bundes. Die Hochpreisvariante mit einem Ölpreis von 210 USD/Fass im Jahr
2050 stützt sich auf Szenarien der U.S. Energy Administration.
Die Energiewende kann auch als Versicherung gesehen werden. Falls sich die Energiepreise
moderat entwickeln, zahlen wir mit der Energiewende gegenüber der Nicht-Wende eine
«Versicherungsprämie» von 41 Franken. Damit schützen wir uns jedoch vor dem Schaden
von 374 Franken bei hohen Energiepreisen.
–
–
Wenn beide Preisvarianten gleich wahrscheinlich sind, lohnt sich der Abschluss
der Versicherung, das heisst der Einstige in die Energiewende.
(50 %* 41 CHF Kosten < 50 % * 374 CHF Einsparung)
Selbst wenn Preisvariante «moderat» 9 mal wahrscheinlicher ist als die Preisvariante
«hoch», lohnt sich der Abschluss der Versicherung, das heisst die Energiewende.
(90 % * 41 CHF Kosten < 10 % * 374 CHF Einsparung)
Fazit: Eine wirtschaftliche Begründung für des Festhalten an der aktuellen Politik und die
für Ablehnung einer Energiewende ist mit den vorliegenden Resultaten nur haltbar, wenn
folgenden Prämissen gelten:
–
–
Die Preise für fossile Energieträger bleiben dauerhaft tief oder steigen nur moderat an.
Die volkswirtschaftlichen Potenziale der Kostenumlagerung von Importkosten zu Kosten im Inland in der Grössenordnung von 5 Mrd. Franken jährlich werden nicht berücksichtigt oder als geringer beurteilt als die möglichen Mehrkosten der Energiewende von
weniger als einer Mrd. Franken jährlich.
Diese zwei Prämissen werden durch die vorliegende Arbeit in Frage gestellt. Die anstehende, grundlegende energiepolitische Weichenstellung darf sich nicht ausschliesslich auf
optimistische Energiepreisentwicklungen stützen und die Umlagerungen der Kosten für
Energieträgerimporte zu Kosten für Massnahmen im Inland sind mit jährlich 5 Milliarden
Franken so erheblich, dass damit verbundene Wertschöpfungspotenziale und mögliche Beschäftigungseffekte zu berücksichtigen sind.
25
Prof. Dr. Miranda Schreurs
Leiterin Forschungszentrum für Umweltpolitik, Freie Uni Berlin,
Mitglied Sachverständigenrat Umweltfragen BRD
Warum rechnet sich die Deutsche Energiewende?
Mit der Energiewende hat Deutschland ein Experiment größeren Ausmaßes in Angriff genommen. Deutschland will den Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen am Bruttostromverbrauch, also aus Wind, Sonne, Wasserkraft, Geothermie und Biomasse um mindestens 80% bis 2050 steigern. Bis dahin soll eine Energie-Struktur, die stark von fossilen
Brennstoffen abhängig ist, abgelöst werden durch ein vor allem auf erneuerbaren Energien
basierendes Versorgungssystem. Im Jahr 1990 wurde nur 3 % der Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen generiert. Im Jahr 2012 wurden 23 % der Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen produziert. Es sind bereits erhebliche Fortschritte in diese Richtung
gemacht worden. Jedoch sind weitere erhebliche Fortschritte notwendig, wenn die Energiewende gelingen soll.
Das deutsche Interesse am Gelingen der Energiewende hat viele Facetten: Deutschland
könnte seine Klimaschutzziele erreichen und seine Abhängigkeit von Öl und Gas reduzieren, deren Preise langfristig steigen. Es könnte Strom mit erneuerbaren Energien erzeugen,
deren Kosten stetig sinken. Gelingt die Energiewende, kann Deutschland seine technologische Vorreiterschaft im Bereich der Erneuerbaren ausbauen, Exportchancen verbessern,
weitere Arbeitsplätze schaffen und zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit beitragen.
Die Energiewende erfordert quasi eine Revolutionierung der Energieversorgung. Sie erfordert wesentliche Verbesserungen in der Energieeffizienz – fast eine Verdopplung der Energieeffizienzrate im Vergleich mit dem was wir in den letzten zwei Jahrzehnten erreicht
haben. Vorgesehen ist ein weiterer Ausbau der Erneuerbaren Energien, die Entwicklung
von Smart-Grid-Technologien und die Bereitstellung großer elektrischer Speicherkapazitäten. Einer besseren Inter-Konnektivität der deutschen Stromnetze mit den Stromnetzen der
europäischen Nachbarn ist auch erforderlich.
Bewältigt werden muss nicht nur der technologische Übergang in eine kohlenstoff- und
atomfreie Energieerzeugung sondern auch adäquate Governance Strukturen und ein neues
Markt Design.
26
Geri Müller
Präsident SES, Nationalrat Grüne AG, Baden
SCHLUSSREFERAT
Energie kann man nicht bezahlen
Als die ersten Wasserkraftwerke erstellt wurden, wurde der dadurch hergestellte Strom so
berechnet, dass das Kraftwerk in einer bestimmten Anzahl Jahre auf null abgeschrieben
werden musste. So kostete der Strom vor über 100 Jahren bis zu einem Franken pro Kilowattstunde. Man bedenke den Wert dieses Frankens (damit konnte man fast 2 Kg Brot kaufen). Entsprechend sparsam musste man aus Kostengründen mit Strom umgehen. Meine
Eltern mussten bis in die frühen siebziger Jahre erst Geld in die Waschmaschine werfen,
bevor sie gestartet werden konnte. Wäsche waschen hatte damit einen Wert (zum Beispiel
weiss ich noch, dass ein Waschgang 150 g Käse Wert hatte).
Als die Atomkraftwerke erbaut wurden, kostete der Wasserstrom um die 10 Rappen herum.
Der Atomstrom sollte nicht mal die Hälfte kosten. So war es denn auch. Weil diese Atomkraftwerke schwer steuerbar waren und nachts keine Abnehmer da waren, machte man
der Bevölkerung beliebt, doch elektrisch zu heizen. Spätestens dann hätte man realisieren
müssen, dass etwas faul ist. Man wurde regelrecht aufgemuntert, nachts Strom zu verheizen. Strom verlor mehr und mehr seinen Wert.
Im Atomstrompreis war eine Laufzeit von 20 Jahren eingerechnet. Nicht eingerechnet
waren aber der Abbruch der Anlage und die Unschädlichmachung des Atommülls. Diese
Rechnungen kommen erst jetzt auf den Tisch und sie sind happig. Allein der Abbruch eines
AKW kann zweistellige Milliardenkosten verursachen, wie die Erfahrungen zeigen. Und
jetzt? Mag man sie nicht mehr abbauen und möchte sie ewig in Betrieb halten. Den Abbau
bezahlen sollen dann unsere nächsten Generationen. Und die ewige Lagerung ebenso.
Etwas anders sieht es beim Erdöl und Erdgas aus. Letztes Jahr habe ich Ihnen ja das Geschäftsmodell des schlauen Herrn Rockefeller aufgezeigt, der heute von Nespresso kopiert
wird. Nachdem weltweit rund 80% der produzierten und somit auch konsumierten Energie
aus fossilen Quellen stammt, wird die Bedeutung der Abhängigkeit der Industrieländer von
diesem Rohstoff immer klarer. Der Ölpreis bestimmt sogar den Ausgang von US-Präsidentschaftswahlen! Kein Wunder werden dafür Kriege entfacht. Der Irak, der Iran, heute Syrien, gestern Libyen, aber auch Tschetschenien usw. sind dafür Beispiele. Haben diese einen
Einfluss auf den Preis? Nein. Die 1’000 Mia. $ welche der Krieg im Irak kostete, lief über das
Verteidigungskonto der USA und der Allianz.
Und was ist mit den Menschenleben? Die radioaktiv verseuchten Indigenen in den Uranabbauländern? Die tausenden von Kriegsopfern in den Erdölländern? Was kosten die? Wer
bezahlt die Sanierung der Uranminen, welche noch hunderte Jahre strahlen werden? Wer
bezahlt die ölverseuchten Küsten und Meere?
Und wer bezahlt die CO2 - Schäden weltweit? Wer die Folgen des Klimawandels? Ganz einfach: diejenigen, welche von den nichterneuerbaren Energieträgern nichts profitieren werden. Sie werden vermutlich aber auch kein Geld mehr für Sanierungen haben, weil sie die
Energie nicht mehr haben.
Darum: Der Ausstieg aus nicht erneuerbaren Energien ist wirtschaftliches Gebot und zwar
sofort. Jeder Tag länger verteuert die Probleme. Wer als erster 100 % erneuerbare Energien
konsumiert, hat das Eintrittsticket auf sicher in eine Neue Zeit.
27
HERZLICHEN DANK AN UNSERE SPONSOREN
Tagungspartner
Patronatspartner
Sponsoren
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
8
Dateigröße
874 KB
Tags
1/--Seiten
melden