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Alles Öko oder wAs? - Oesterreichs Energie

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Fa c h m a g a z i n d e r ö s t e r r e i c h i s c h e n E - W i r t s c h a f t
Alles Öko
oder was?
Das Ökostromgesetz 2012
Juni 2011
P.b.b. Verlagspostamt 1050 Wien
Zul.-Nr. GZ 02Z031249 M · Postnummer: 6
Stolze Bilanz
Oesterreichs Energie
„feierte“ zehn Jahre
Liberalisierung des
Strommarkts
Das Buch zu 10 Jahren Liberalisierung.
2001 wurde der österreichische Strommarkt liberalisiert.
In diesem Buch ziehen E-Wirtschaft, Kunden, Politik
und Wissenschaft Bilanz und werfen einen Blick in die
Energiezukunft des Landes.
Bestellung und Informationen:
www.akademie.oesterreichsenergie.at
Inhalt · Editorial
 4„Tschüss, Ciao und uf Wiedrluaga!“
Die neue Energiewelt hat ihre Tücken – das
zeigen aktuelle Einschätzungen, die in Bezug auf
das Ökostromgesetz an Bedeutung gewinnen
15Speed und Energie ins nächste Jahrzehnt
24 Europa im Test-Stress
Der Startschuss für europaweite Sicherheitstests
aller Atomkraftwerke ist gefallen
28 Die E-Wirtschaft will „mehr Europa“
Taten statt
­Ankündigungen
Beim Jahresevent
von Oesterreichs
Energie zeigte sich:
die E-Wirtschaft hat
die Liberalisierung
gut bewältigt
Seite 15
Abschottungsbestrebungen sind mit dem
europäischen Binnenmarkt unvereinbar
30 Denksportaufgabe bis 2025
Milan Frühbauer plädiert dafür, dass Österreich
jetzt darüber nachdenkt, wie das Land für
Investoren attraktiv bleiben kann
32 „Wir werden die Klimaziele schaffen“
Die E-Wirtschaft hat ihre Hausaufgaben zur
Treibhausgasreduktion im Griff, sagt der neue
Sprecher Erzeugung von Oesterreichs Energie,
Karl Heinz Gruber
36Erneuerbare machen als Tourismusziele
Furore
Ein neuer Reiseführer befasst sich ausschließlich
mit regenerativen Reisezielen
39 Zehn Jahre „Minus“ sind genug
Österreich steht vor massiven Investitionen in
die Stromerzeugung, zeigt Christof Zernatto auf
40 Neue Netze braucht das Land
Ausbauten im Übertragungsnetz sind
unverzichtbar, fassten Experten bei einer
Diskussion des Umweltbundesamtes zusammen
45 Kooperation vor Fusion
Regionale Wertschöpfungsnetze werden in
Zukunft forciert, weiß Zukunftsforscher Andreas
Reiter
46 Brennpunkt Europa
Aktuelles zur polnischen Ratspräsidentschaft
und zum Brüssel-Besuch von Präsident Wolfgang
Anzengruber
48 Trafos: Unnötige Verluste verhindern
Besonders effiziente Transformatoren helfen
Erzeugungskapazitäten einzusparen
53 Standardisation Corner
Über Standards für Smart Grids
54Erfahrungen mit der „Major Event Days“-
Methode
Die Nichtverfügbarkeit elektrischer Energie ist
die Größe für die Beschreibung der technischen
Verfügbarkeit in Stromversorgungsnetzen.
Wagenburgen sind
in einem Binnenmarkt unmöglich,
sagte EU-Energiekommissar Günther
Oettinger beim
Europatag in Wien
Seite 28
Wenn der Sommer naht, werden Regierung und Parlament stets noch einmal
besonders aktiv: Im Brennpunkt standen
2011 Energiefragen mit dem Ökostromgesetz, dem Klimaschutzgesetz und dem
Gaswirtschaftsgesetz. Besonders das
Ökostromgesetz war eine „heiße Materie“,
seit Jahren eingefordert, nach Fukushima
brandaktuell und infolge des deutschen
­Atomausstiegs ein politischer Brocken
beachtlicher Größe.
Zumindest der Ministerrat hat diesen
Brocken am 15. Juni fürs Erste einmal
gestemmt. Als Ergebnis sieht man einen
stärkeren Ausbau der nachhaltigen Stromproduktion, einen neuen Einhebungsmechanismus für die Kosten und viele
­administrative Details, die sicher noch im
Zuge der parlamentarischen Behandlung
genau zu diskutieren sein werden.
Ideologisch hat diese Fördermaßnahme
aber ein schweres Zusatzgewicht zu
tragen: Die Bundesregierung verkauft
das Ökostromgesetz als Maßnahme, die
Österreich bis 2015 angeblich atomstromfrei machen werde – eine Behauptung, die
weder technisch noch bilanziell fundiert
ist. Oesterreichs Energie plädiert hier für
weniger PR und mehr Taten.
An den Taten wird man die Politik auch in
den kommenden Jahren zu messen haben
– ob sie nämlich auch zu den Projekten
stehen wird, die diese Förderung auslösen soll. Ob die
notwendigen Kraftwerke
und Leitungen gebaut
werden können, ob die
Volksvertreter ihren
Wählern auch kommunizieren, was der
Umstieg auf nachhaltige Energien bedeutet
und kosten wird.
Ihre
61Termine
62Impressum
Juni 2011
Oesterreichs Energıe. · 3
Foto: Christian Fischer
mitnehmen
Hochkarätige Informationen und ein positives
Resümee über zehn Jahre Liberalisierung
bestimmten den Jahresevent von Oesterreichs
Energie
Ökostromgesetz 2012
‚Tsc
und uf Wi
4 · Oesterreichs Energıe.
Juni 2011
Ökostromgesetz 2012
hüss, Ciao
edrluaga!‘
Nach Fukushima ist Atomkraft in einigen EU-Ländern out,
Ökostrom soll Ersatz bieten. Doch auch diese neue Energiewelt
hat ihre Tücken. Das zeigen die Potenzialab- und -einschätzungen,
die im Zuge der Diskussion um das Ökostromgesetz wieder an
Bedeutung gewinnen.
Juni 2011
Von Ernst Brandstetter
Oesterreichs Energıe. · 5
Ökostromgesetz 2012
R
Die Wasserkraft
wird bis 2020
im Ausmaß von
sieben TWh
ausgebaut
werden.
Masterplan Wasserkraft
6 · Oesterreichs Energıe.
und um Österreich wurde zuletzt
Abschied von der Atomkraft genommen: Dem deutschen „Tschüss“
ab 2022 folgte ein vorsichtiges schweizerisches „uf Wiedrluaga“, denn die Schweizer entschieden sich zwar für den Ausstieg,
aber ohne Zeitlimit. Italien sagte zu Pfings­
ten 2011 „Ciao“ zum Wiedereinstieg, wobei
allerdings unklar ist, ob es sich primär um
ein Votum gegen Atom oder ein stärkeres
gegen Ministerpräsident Berlusconi handelte. Und Österreichs einziges Atomkraftwerk in Zwentendorf produziert inzwischen
Solarstrom.
In Österreich soll das Ökostromgesetz die
Energiewende bringen. Es peilt Ausbauziele
von zehn Mrd. kWh an (eine Mrd. kWh ist
eine Terawattstunde, TWh). Für die einzelnen Ökostromtechnologien wurden für den
Zeitraum 2010 bis 2020 folgende mengenmäßigen Ausbauziele festgelegt:
■■ Wasserkraft: 1000 MW (entspricht einer
auf ein Durchschnittsjahr bezogenen
zusätzlichen Ökostromerzeugung von ca.
vier TWh) – soweit eine Verfügbarkeit der
Standorte gegeben ist.
■■ Windkraft: 2000 MW (entspricht einer
auf ein Durchschnittsjahr bezogenen
zusätzlichen Ökostromerzeugung von ca.
vier TWh), soweit eine Verfügbarkeit der
Standorte gegeben ist.
■■ Biomasse und Biogas: 200 MW (entspricht einer auf ein Durchschnittsjahr
bezogenen zusätzlichen Ökostromerzeugung von ca. 1,3 TWh), soweit eine nachweisliche Verfügbarkeit der eingesetzten
Rohstoffe gegeben ist.
■■ Fotovoltaik: 1000 MW (entspricht einer
auf ein Durchschnittsjahr bezogenen
zusätzlichen Ökostromerzeugung von ca.
einer TWh).
Andererseits gilt ebenfalls noch das Ausbauziel der Energiestrategie von 3,5 TWh
im Bereich der Wasserkraft bis 2015, das
dem von Oesterreichs Energie erstellten
Masterplan Wasserkraft entnommen wurde,
wobei dieser Ausbau ohne Förderungen von
stattengehen könnte. Oesterreichs Energie geht von einem Wasserkraftausbau im
Ausmaß von sieben TWh bis 2020 aus, wie
im Masterplan Wasserkraft seit 2008 nachzulesen ist.
Juni 2011
Ökostromgesetz 2012
Foto: Solar Millennium
In Summe ergeben sich daraus 15,8 TWh
Strom aus Wasserkraft und neuen
er­neuerbaren Energien bis 2020 – ein Wert,
der in Summe leicht über den Berechnungen
liegt, die 2009 im Auftrag von Oesterreichs Energie erstellt wurden und 14,4 TWh
ergaben. Vergleicht man die Zahlen des
­
Ökostromgesetzes mit jenen der Berech­
nungen seitens Oesterreichs Energie,
so zeigen sich Differenzen in fast allen
Bereichen.
Das technische Erzeugungspotenzial der
Wasserkraft liegt bei 55,2 TWh pro Jahr,
das sind 78,8 Prozent der Nettostromerzeugung des Jahres 2009, wovon allerdings schon 77,7 Prozent genutzt werden.
Das photovoltaische Stromerzeugungspotenzial auf Dachflächen, Gebäudefassaden und Lärmschutzwänden liegt je nach
Techno­logie zwischen 9,7 und 22,2 TWh/a.
Dies sind etwa 16 bis 36 Prozent der Nettostromerzeugung des Jahres 2009. Die
Windstromerzeugung zeigt ein technisches
Erzeugungspotenzial von 18 TWh/a (ca.
29 Prozent, bezogen auf die Nettostromerzeugung).
Juni 2011
Zwar bietet auch das technische Erzeugungspotenzial der Geothermie einige
interessante Aspekte, erscheint aber aus
heutiger Sicht wirtschaftlich nur sehr eingeschränkt nutzbar. Das Angebotspotenzial einer Verstromung aus biogenen Rohstoffen (alle Technologien) liegt schließlich
bei 14,8 TWh/a, insgesamt etwa 23,2 Prozent der Nettostromerzeugung. Dabei muss
allerdings zwischen Angebots- und Nachfragepotenzial unterschieden werden.
Nicht jedes Angebot kann auch genutzt
werden. Gibt es beispielsweise zum Zeitpunkt hohen Angebots keine Nachfrage
und keine Speichermöglichkeiten, dann
kann auch das Potenzial nicht genutzt
werden. Die Energiestrategie andererseits geht davon aus, dass das Angebot an
Strom aus erneuerbaren Ressourcen, das
2005 bei 42 TWh lag, bis 2020 auf 50 TWh
technisch und wirtschaftlich gesteigert
werden kann.
Derzeit werden rund 37 TWh Strom aus
Wasserkraft produziert; davon stammen
etwa vierzehn Prozent (5,5 TWh) aus Kleinwasserkraft (Anlagen unter zehn MW). Dies
Info
Das technische Erzeugungspotenzial der Wasserkraft
liegt bei 55,2 TWh pro Jahr,
das sind 78,8 Prozent der
Nettostromerzeugung
des Jahres 2009, wovon
schon 77,7 Prozent genutzt
werden. Das photovoltaische
Erzeugungspotenzial liegt je
nach Technologie zwischen
9,7 und 22,2 TWh/a. Die
Windstromerzeugung zeigt
ein technisches Erzeugungspotenzial von 18 TWh/a
(rund 29 Prozent), bezogen
auf die Nettostromerzeugung.
Oesterreichs Energıe. · 7
Ökostromgesetz 2012
Foto: Oesterreichs Energie/Diana Ljubic
Bis zum Jahr
2015 soll eine
realistische
Ausbaugröße
für Klein-,
Mittel- und
Großkraftwerke
von 12,6 PJ
durch die
Anreize im
Ökostromgesetz
ermöglicht
werden.
Energiestrategie
8 · Oesterreichs Energıe.
entspricht einer Potenzialausnutzung von
über 70 Prozent. Hier profitiert Österreich
von der Aufbauarbeit der vergangenen Jahrzehnte. Auch heute noch ist Wasserkraft
die wirtschaftlich sinnvollste Möglichkeit,
nachhaltigen Strom zu erzeugen, weil der
„Rohstoff“ – ähnlich wie Wind oder Sonnenschein – kostengünstig zur Verfügung steht.
Allerdings steht zu befürchten, dass der
weitere Ausbau durch erhöhte ökologische
Anforderungen nicht im notwendigen
Ausmaß und den Möglichkeiten entsprechend erfolgt. Unter Berücksichtigung der
Restwasserproblematik sowie unter Ausschluss des Weltkulturerbe-Gebietes und
des Natur- und Landschaftsschutzgebietes
der Donau werden aus gegenwärtiger Sicht
langfristig etwa 13 TWh und bis 2020 sieben
TWh (davon zwei TWh Kleinwasserkraft)
erschlossen werden können – wobei es sich
nicht notwendigerweise um zusätzliche
Mengen handelt, sondern teilweise auch um
Stromproduktionsmengen, die bei bestehenden Kraftwerken durch die Erfüllung
gesetzlicher Vorschriften verloren gehen.
Ein (kleinerer) Teil dieses zusätzlich
erschließbaren Wasserkraftpotenzials liegt
im Bereich der Optimierung von Wasserkraftwerken, der weitaus größere Anteil im
Bereich des Neubaus von Anlagen. Insofern
erscheint es überaus optimistisch, wenn
das Ökostromgesetz im Bereich der förderbaren Wasserkraftanlagen von einem Volumen von vier TWh ausgeht – also dem Doppelten der in der Potenzialerhebung angeführten Menge. Die Energiestrategie sieht
vor, bis zum Jahr 2015 eine realistische
Ausbaugröße für Klein-, Mittel- und Groß-
kraftwerke von 12,6 PJ durch energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen und durch
die Anreize im Ökostromgesetz zu ermög­
lichen. Das entspricht 3,5 TWh – eine Zahl,
die sich im Ökostromgesetz nicht widerspiegelt.
Biomasse niedriger bewertet
Mit einem Volumen von 1,3 TWh an zusätzlichen Ökostrom bewertet das Ökostromgesetz die Biomasse offenbar deutlich niedriger als die Potenzialerhebung der E-Wirtschaft und damit dramatisch geringer als
dies die Vertreter der Lobbyingorganisationen aus dem Landwirtschaftsbereich
tun. Die Studie „Erneuerbare Energien in
Österreich“, die im Auftrag von Oesterreichs
Energie entstand, sieht Biomasse bei einem
Potenzial von zusätzlich 2,9 TWh. Studien
der Biomassebefürworter gehen von einem
Verstromungspotenzial für biogene Rohstoffe in Österreich von 4,5 bis 5,5 TWh/a
aus. Die Energiestrategie nennt kein Ausbauziel, sondern verweist auf das damals
gültige Ökostromgesetz.
Bei Photovoltaik sieht die Kaltschmidt-Studie ein technisch-wirtschaftliches Potenzial
von 0,1 TWh, das Ökostromgesetz findet
sich bei 0,7 TWh. Der Photovoltaik-Verband
dagegen ist der Ansicht, man könne bis 2020
„acht Prozent des in Österreich benötigten
elektrischen Stroms aus Sonnenlicht bereit
stellen“. Das wären 5,5 bis sechs TWh.
Rein technisch könnte das Potenzial vorhanden sein, allerdings wäre dessen netzgekoppelte Nutzung mit sehr hohen Investitionen verbunden, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht bisher kaum darstellbar
Juni 2011
m.schneider und
Ökostromgesetz 2012
Ferraz Shawmut
sind jetzt
Foto: Verbund
sind. Das könnte sich nur dann ändern, wenn zukünftig die Preise für Strom aus Fotovoltaik überproportional weiter fallen und gleichzeitig die Strompreise
für die Endverbraucher stark steigen. Die Energiestrategie verzichtet darauf, das Zubaupotenzial zu
quantifizieren.
Neuer Name. Neue Vorteile.
Für einen ungestörten
Energiefluss.
Wird ein windkraftfreundliches Klima unterstellt,
könnte die Windstromerzeugung von derzeit etwa
1,9 TWh auf rund 6,2 TWh im Jahre 2020 ansteigen – das geht aus der im Auftrag von Oester­reichs
Energie erstellten Studie hervor. Dabei wird unterstellt, dass mit den zu erwartenden Wirkungs­
gradverbesserungen neuer Anlagengenerationen das
mit einer zunehmenden Windkraftnutzung durchschnittlich schlechter werdende Windangebot kompensiert werden kann. Der Grund dafür ist, dass
die guten Anlagenstandorte im Allgemeinen zuerst
erschlossen werden, später muss auf Anlagenstandorte mit geringerer Anzahl an Volllaststunden
zurückgegriffen werden, die wirtschaftlich nur mit
besseren Technologien als heute verfügbar darzustellen sind.
In Summe kommt die Studie aus wirtschaftlicher
Sicht dann auf – zusätzlich zu den bestehenden
Standorten – nutzbares Potenzial von 4,3 TWh pro
Jahr und liegt damit praktisch konform mit den
Zielwerten des Ökostromgesetzes. Die Vertreter der
Windkraftbranche geben an, „bis 2015 durch neue
Windparks Österreichs Nettostromimporte ersetzen könnten“, das entspräche etwa einer Verdoppelung der aktuellen Windstromerzeugung. 2,45 GW
Gesamtleistung können sich die Windkraftnutzer bis
2020 vorstellen. Damit besteht immerhin noch Raum
nach oben.
Zum Vergleich: In der Energiestrategie ist dem
Ausbau der Windkraft ebenfalls eine wichtige Rolle
© Photos: MERSEN France
Strom aus Windenergie
Unser neuer Name steht für ein breiteres Produktangebot,
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Juni 2011
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Oesterreichs
Energıe.
· 918 815
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+ 43 (0)1
890 28
office@mschneider.at
Ökostromgesetz 2012
zugeordnet. Bis zum Jahr 2020 sollen demnach die Erzeugungskapazitäten um bis zu
10 PJ durch Neubau und Repowering bestehender Standorte erreicht werden. Das entspricht 2,7 TWh. Das Ökostromgesetz geht
damit um 62 Prozent über die Energiestrategie hinaus.
Dynamischer Verbrauch
Die Ökostrom­
förderung
muss einerseits
finanzierbar sein
und andererseits
das erneuerbare
Potenzial
ausschöpfen.
Reinhold Mitterlehner,
Wirtschaftsminister
Bis 2020 könnten etwa 55,7 TWh/a Strom
aus erneuerbaren Energien bereitgestellt
werden. Dies bedeutet gegenüber heute
(41,4 TWh/a, 2006) einen Anstieg von knapp
35 Prozent. Bei einer als konstant unterstellten Stromnachfrage könnte der Anteil
erneuerbarer Energien von 67 Prozent
(41,4 TWh/a, 2006) auf rund 90 Prozent
(55,7 TWh/a) steigen.
Steigt der Verbrauch durch E-Mobilität,
neue Technologien, geänderte soziale und
gesellschaftliche
Rahmenbedingungen
und andere Ursachen um 20 Prozent
(74,4 TWh/a, 2020) und wird nicht auf die
weiteren Potenziale erneuerbarer Energien
zugegriffen, dann fällt der prozentuale
Beitrag der heute genutzten erneuerbaren
Energien auf nur noch 56 Prozent. Werden
die Potenziale der Erneuerbaren erschlossen, kommt man immerhin noch auf 75 Prozent. Sollte durch zwingende Maßnahmen
die Stromnachfrage um 20 Prozent gesenkt
werden können, dann könnte die gesamte
Nachfrage nach elektrischer Energie aus
erneuerbaren
Energien
bereitgestellt
werden, so die Potenzialstudie.
Öffentliche Akzeptanz
Um die noch beachtlichen Potenziale bei
erneuerbaren Energien für die Stromerzeugung zu erschließen, sind in allen Bereichen
entsprechende öffentliche Akzeptanz und
politische Entscheidungen erforderlich.
Zusätzlich anzuführen ist hier der Ausbau
der Übertragungs- und Verteilnetze. Dass
dies der Politik bewusst ist, zeigt sich auch
an den Formulierungen des Entwurfs für
das Ökostromgesetz. Bei fast allen Technologien findet sich bezüglich Standorten oder
Rohstoffen der Einschub „soweit eine Verfügbarkeit gegeben ist“.
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner
sieht zudem eine notwendige Balance zwischen den Interessen der Wirtschaft und
der Konsumenten, denn die Ökostromförderung müsse einerseits finanzierbar sein und
andererseits das „erneuerbare Potenzial
Stromaustausch mit dem Ausland
Physikalischer Stromaustausch Österreichs
mit seinen Nachbarländern 2009 in TWh
0,3
4,5
6,9
12,0
Österreich im
­Strombinnenmarkt
cz
10 · Oesterreichs Energıe.
8,7
0,2
0,0
d
1,4
0,2
l
0,0
ch
I
Export aus Ö: 18,8 TWh
2,5
0,5
h
1,2
0,0
Österreich importierte im Durchschnitt der letzten fünf Jahre etwa 20,5 TWh
Strom aus dem Ausland und exportierte gleichzeitig 16,4 TWH pro Jahr. Daraus
ergibt sich ein durchschnittlicher Importsaldo von 4,1 TWh pro Jahr, um den
österreichischen Strombedarf zu decken. Österreichs Stromimporte betreffen
vor allem die Grundlast, der Schwerpunkt der Exporte liegt bei Spitzenlast und
Regelenergie.
Voraussetzung für das nachhaltige Energiesystem der Zukunft sind neben den
Speichern und Leitungen der Stromhandel und der grenzüberschreitende Stromaustausch, der für einen Ausgleich der volatilen Erzeugung aus erneuerbaren
Energien sorgen kann. Österreich bildet mit Deutschland einen Markt mit
gemeinsamer Preiszone. Durch die leistungsfähigen Leitungsverbindungen gibt
es keine Kapazitätsbeschränkungen im bilateralen Stromaustausch. Steigen die
Strompreise in Deutschland, wirkt sich das auch auf Österreich aus.
SlO
Import nach Ö: 19,5 TWh
Quelle: Oestereichs Energie, E-Control; Stand 2008
Juni 2011
Ökostromgesetz 2012
Foto: EVN
in dem Maße ausschöpfen, das genehmigungsfähig und technisch in den nächsten
20 Jahren möglich ist“.
Steigende Strompreise
Die Frage, ob der Strom durch den Ausstieg
vor allem Deutschlands aus der Atomkraft
für Österreich teurer wird, ist umstritten:
Für Österreich sieht Wirtschaftsminis­
ter Reinhold Mitterlehner durch den von
Deutschland angekündigten Ausstieg aus
der Atomenergie „keinen dramatischen
Anstieg der Strompreise“. Eine Untersuchung der Universität Leipzig und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung
sieht Mehrbelastungen beim Strompreis nur
„in geringem Ausmaß“. Demnach dürfte der
Spotmarktpreis für Strom im Jahr 2015 um
0,7 Cent pro kWh höher liegen als bei einem
Ausstieg erst 2038, wie die deutsche Regie-
rung es zeitweise plante. Später dürfte der
Strompreis dann bei einem weiteren Ausbau
erneuerbarer Energien wieder sinken.
Die kWh Strom aus Kernkraftwerken koste
heute rund 4,5 Cent, Strom aus erneuerbaren Quellen sei momentan noch wesentlich teurer, erklärte dagegen der deutsche
Wirtschaftsminister Reinhard Brüderle.
Und nach Berechnungen des Instituts der
deutschen Wirtschaft (IW) werde die deutsche Industrie in Zukunft durch höhere
Strompreise jährlich höhere Kosten von
etwa zwei Mrd. Euro haben. Die Papierindustrie sieht sich mit Mehrkosten in der
Größenordnung von 150 Mio. Euro jährlich
konfrontiert, bei der Chemieindustrie sind
es laut IW rund 340 Mio. Euro. Die Metallbranche muss mit Mehrkosten von 460 Mio.
Euro rechnen, und die Stromrechnung der
deutschen Autoindustrie wird durch den
beschleunigten Kernenergieausstieg um
160 Mio. Euro teurer.
Im Gegensatz zu diesen Berechnungen
erklärte eine Studie der deutschen SPDnahen Friedrich-Ebert-Stiftung, dass der
Strompreis trotz des Ausstiegs Deutschland aus der Atomkraft im Jahr 2030 nicht
über dem Niveau von 2010 liegen werde.
Das Schweizer Prognos-Institut befürchtete
wiederum Anfang Mai, dass die Strompreise
in Deutschland wegen des frühzeitigen
Endes der Atomkraft bis zum Jahr 2025 um
bis zu 58 Prozent steigen könnten. Entsprechend unterschiedlich fallen die prognostizierten Kosten aus.
n
Die kWh Strom
aus Kernkraft­
werken kostet
heute rund
4,5 Cent, Strom
aus erneuerbaren
Energien ist
derzeit noch
teurer.
Deutschlands Wirtschaftsminister
Reinhard Brüderle
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Juni 2011
Alles rund um gesundes Bauen,
Renovieren, Finanzieren und
Energiesparen. Mit Oesterreichs
Fokus auf
Energıe. · 11
Umwelt- und Klimaschutz.
Ökostromgesetz 2012
Ökostromgesetz 2012
Aus Gründen der Sicherheit und Diversifizierung der Energieversorgung, des Umweltschutzes, der Erhaltung einer intakten
Umwelt und des sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhalts
stellt der Entwurf des Ökostromgesetzes 2012 die Forcierung
der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen als eine
Maßnahme dar, der höchste Priorität zukommt. Die zur Zeit
palamentarisch behandelte Ökostromgesetznovelle definiert
neue Ausbauziele bis 2020, soll den Rückstau an Projekten
abbauen und das Problem der Deckelung der Ökostromkosten
für den exponierten Industriesektor lösen, die Einspeisetarife
neu regeln und durch einen neuen Einhebungsmodus erhöhte
Transparenz schaffen. Bisher war der Ausbau der neuen Ökostromproduktion in Form des so genannten zusätzlichen jährlichen Unterstützungsvolumens in Höhe von 21 Mio. Euro kontingentiert. Dies bedeutete, dass – zusätzlich zu den jährlichen
Förderungen in Höhe der in den bestehenden Ökostrom­anlagen
vertraglich zugesicherten Einspeisetarife (im Jahr 2010 waren
das rund 340 Mio. Euro) – für die Förderung von im jeweiligen
Jahr neu hinzukommenden Anlagen ein Förderzuwachs von 21
Mio. Euro (Deckelung) jährlich neu zur Verfügung gestellt wurde.
Nunmehr wird das jährliche Zuwachskontingent für neue Ökostromanlagen mit 40 Mio. Euro pro Jahr festgelegt, was in Bezug
auf das bisherige Kontingent von 21 Mio. Euro einer Steigerung
der Förderung von Neuanlagen um über 90 Prozent entspricht.
Weiters werden für die einzelnen Ökostromtechnologien Unterkontingente eingeführt, um zu vermeiden, dass einzelne boomende Technologien das Förderkontingent für Neuanlagen ausschöpfen und den anderen Technologien kein Platz zur technologischen Weiterentwicklung bleibt.
Aufgrund der immer spürbarer werdenden Belastung des Endverbrauchers durch die zunehmende Förderung von Ökostrom
und des tendenziellen Anstiegs bei den durchschnittlichen
Einspeisetarifen werden zudem Maßnahmen zu einer Deckelung der Kosten ergriffen. Im Bereich der Administration der
Ökostromförderung gibt es eine Reihe von Vereinfachungen
und Umgestaltungen. Unter anderem wird der bestehende Rohstoffzuschlag bei Anlagen auf Basis von flüssiger Biomasse
und Biogas in einen Betriebs­kostenzuschlag umgewandelt. Für
Kleinwasserkraftanlagen mit einer Engpassleistung von bis zu
zwei MW wird eine Wahlmöglichkeit zwischen einer Förderung
mittels Einspeisetarife und einer Förderung in Form von Investitionszuschüssen eingeräumt.
In der zukünftigen Finanzierungsstruktur werden die von der
Ökostromabwicklungsstelle abgenommen Ökostrommengen
nicht mehr zu einem über dem Marktpreis liegenden, per Verordnung festgelegten, Ökostrom-Verrechnungspreis den Stromlieferanten zugewiesen, sondern zum aktuellen börsenotierten
Strommarktpreis; der Wert der mit dem Ökostrom mit übertragenen Herkunftsnachweise wird durch Verordnung der E-Control jährlich neu festgesetzt und ist ebenfalls von den Stromhändlern an die Ökostromabwicklungsstelle zu entrichten.
Ökostrompauschale
Die Höhe des Zählpunktpauschales wird in Form der neuen
Bezeichnung Ökostrompauschale im Wesentlichen beibehalten,
jedoch bei der Höhe auf den einzelnen Netzebenen modifiziert.
Die Mittelaufbringung durch die Ökostrompauschale beträgt
zukünftig etwa 103 Mio. Euro. Die Rückvergütung von Ökostromaufwendungen entfällt. Um die Gesamtaufwendungen für
den Ökostrom neben dem von den Stromhändlern und über das
Ökostrompauschale eingebrachte Volumen abdecken zu können,
wird als Ersatz für den weggefallenen Verrechnungspreis ein
prozentueller, transparent in der Netzrechnung auszuweisender
Aufschlag auf Teile des Systemnutzungsentgelts für die Ökostromfinanzierung eingeführt.
Bei einem angenommenen Gesamtmittelbedarf von 340 Mio. Euro
zusätzlich zu den Einnahmen aus der Ökostromvermarktung zum
aktuellen Marktpreis wären aus dem Aufschlag auf das Systemnutzungsentgelt nach Abzug der Ökostrompauschale 226 Mio.
Euro aufzubringen. Bei den als Teile des Systemnutzungsentgelts herangezogenen Netznutzungs- und Netzverlustentgelten
mit einer Höhe von ca. 1,7 Mrd. Euro als Bemessungsgrundlage
entspricht dies einem (gegenwärtigen) Aufschlag in Höhe von
14,5 Prozent. Durch die Forcierung des Ökostroms im Wege der
Anhebung der Fördermittelkontingente und des Abbaus der Warteschlangen ergibt sich kurzfristig ein zusätzlicher Förderbedarf
von 100 Mio. Euro, wodurch der Aufschlag auf etwa 20 Prozent
steigen wird.
Ergänzend wird noch angedacht, einkommensschwache Haushalte gemäß den Kriterien einer GIS-Befreiung (ca. 300.000 Haushalte) mit einer Kostendeckelung in Höhe von 20 Euro zu ent­
lasten, wodurch auf Basis der derzeitigen Fördervolumina rund
sieben Mio. Euro und unter Berücksichtigung des kurzfristigen
zusätzlichen Förderbedarfs von 100 Mio. Euro für den Warteschlangenabbau über zehn Mio. Euro auf die restlichen Stromverbraucher umgewälzt werden.
Unterstützungsvolumen (Mio. Euro)
Energieträger
2003
Marktpreis
2,574
Cent/kWh
2004
Marktpreis
3,063
Cent/kWh
2005
Marktpreis
3,787
Cent/kWh
2006
Marktpreis
5,208
Cent/kWh
2007
Marktpreis
5,108
Cent/kWh
2008
Marktpreis
6,425
Cent/kWh
2009
Marktpreis
5,909
Cent/kWh
Prognose
2010
Marktpreis
4,493
Cent/kWh
24
16
17
1
8
50
26
18
2
8
75
43
25
3
8
71
87
32
5
8
74
156
51
10
8
42
142
61
4
9
49
160
60
3
11
86
192
52
4
11
3
3
2
1
3
1
1
2
70
108
155
205
303
259
284
347
69
77
67
–7
12
–7
–4
5
139
184
223
198
315
252
280
353
Windkraft
Biomasse fest
Biogas
Biomasse flüssig
Photovoltaik
Anderer unterstützter
Ökostrom
(exkl. Wasserkraft)
Summe „sonstiger“
Ökostrom
Kleinwasserkraft
(unterstützt)
Summe unterstützter
Ökostrom
Mit dem Ökostromgesetz 2020 wird, gleichzeitig mit der Umstellung auf eine neue Kontingentsberechnungsmethode, eine Aufstockung des derzeit bestehenden zusätzlichen jährlichen Unterstützungsvolumens von 21 Mio. Euro auf 40 Mio. Euro vorgenommen. Über eine garantierte Einspeisetarifdauer von
durchschnittlich angenommenen 13 Jahren bedeutet dies einen von den Stromkonsumenten zu finanzierenden zusätzlichen Mehraufwand in Höhe von
247 Mio. Euro (statt 21 Mio. Euro pro Jahr multipliziert mit 13 Jahre = 273 Mio. Euro gesamt: 40 Millionen Euro pro Jahr multipliziert mit 13 Jahren =
520 Mio. Euro) für diesen Jahrgang, also diese in einem Jahr (etwa 2012) neu unter einen Förderungsvertrag genommenen zusätzlichen Ökostromanlagen.
Werden jedes Jahr von 2012 bis 2015 Verträge in diesem Ausmaß abgeschlossen, so beträgt der von den Stromkonsumenten dafür aufzubringende Mittelbedarf bei gleichbleibenden Bedingungen nominal 2080 Mio. Euro.
Quellen: OeMAG/Öko-BGVs, Energie-Control GmbH
12 · Oesterreichs Energıe.
Juni 2011
Ökostromgesetz 2012
Harte Fakten gelten
immer noch
Ernst Zeller, Prokurist und Geschäftsfeldleiter Hydropower Pöyry Österreich,
über den Masterplan Wasserkraft und die Potenziale in Europa
Oesterreichs Energie: Und wie sieht es
mit den möglichen Effizienzverbesserungen bei bestehenden Kraftwerken aus?
Ernst Zeller: Auch hier
gilt noch, was damals
gesagt wurde – das Optimierungspotenzial liegt
in der Größenordnung
von einer TWh. Mit der
Preisstruktur ändert sich
die Wirtschaftlichkeit
von Investitionsvorhaben.
Foto: Pyöry Energy
Oesterreichs Energie: Pöyry hat 2008
für Oesterreichs Energie den Masterplan
Wasserkraft erstellt. Was hat sich seither
geändert?
Ernst Zeller: Die Wasserkraftpotenzialstudie basiert auf den damals vorliegenden
Daten, und daran hat sich nichts Wesentliches geändert. Die Wirtschaftlichkeit von
Wasserkraftprojekten ist natürlich eine
zeitlich variable Größe, die von den Energieund Rohstoffpreisen abhängt. Hier gab es in
den letzten Jahren gewisse Schwankungen.
Die Größenordnung des technisch-wirtschaftlichen Potenzials hat sich dadurch
aber kaum verändert.
Darüber hinaus gibt es Kraftwerkstypen, wie z.B. Pumpspeicheranlagen, die
vom natürlichen Wasserkraftpotenzial
­weitgehend unabhängig sind und in der
Studie 2008 daher nicht berücksichtigt
wurden.
Oesterreichs Energie:
Heute wird öfters von überströmten Kraftwerken geredet, die praktisch unsichtbar sind. Was bedeutet
das für die Wasserkraft?
Zur Person
Dipl.-Ing. Ernst Zeller ist studierter Wirtschaftsingenieur
(Studienrichtung: Maschinenbau – Betriebswissenschaft)
und ist seit 1995 bei Pyöry tätig; derzeit leitet er das
Geschäftsfeld Business Area Hydropower. Neben
Österreich konnte er internationale Berufserfahrung,
unter anderem in Bhutan, Äthiopien, Indien, im Iran
und in der Türkei sammeln. Er war unter anderem
für internationale Akquisition und für die
Angebotskoordination für Auslandsaprojekte tätig.
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Juni 2011
Oesterreichs Energıe. · 13
Ökostromgesetz 2012
Foto: Fotolia.com
Ernst Zeller: Auch überströmte Kraftwerke
ändern nichts am Potenzial. Es ist aber eine
sinnvolle Option, auch Orte, wo man nur
geringe Fallhöhen zur Verfügung hat, für
die Stromproduktion zu nutzen. Viele neue
Standorte wird es aber in diesem Bereich
nicht geben – damit bleibt es auch bei der
Potenzialeinschätzung von 13 TWh.
Wir hatten
ausschließlich
positive
Rückmeldungen
auf den
Masterplan
Wasserkraft.
Oesterreichs Energie: Wird der Klimawandel Auswirkungen auf die Nutzung
der Wasserkraft haben?
Ernst Zeller: Das ist eine interessante
Frage, mit der wir uns schon länger
beschäftigen. Der Abfluss wird durch Temperaturanstieg und erhöhte Verdunstung
wahrscheinlich insgesamt zurückgehen.
Im Sommerhalbjahr deutlicher als im
Winter. Da die Niederschläge häufiger in
Form von Regen auftreten werden, wird es
im Winterhalbjahr kurz- und mittelfristig
möglicherweise sogar zu einer leichten
Abflusserhöhung kommen. Langfristig
ist aber in den meisten österreichischen
Flussgebieten mit einem ganzjährigen
Abflussrückgang zu rechnen. Einige
Modelle deuten daraufhin, dass es bei der
Niederschlagsentwicklung ein Nord-SüdGefälle geben wird. Das heißt, dass es im
Süden Österreich etwas trockener wird und
im Norden etwas feuchter.
Oesterreichs Energie: Seit dem Masterplan Wasserkraft sind jetzt einige Jahre
vergangen. Wie waren die Reaktionen
darauf aus Ihrer Sicht?
Ernst Zeller: Wir hatten ausschließlich
positive Rückmeldungen. Der Plan beruht
auf harten Fakten, die auch heute noch
gelten. Man könnte ihn vor allem hinsicht-
14 · Oesterreichs Energıe.
lich der räumlichen Auflösung noch verfeinern, wenn Interesse daran besteht.
Oesterreichs Energie: Sie sind auch
Planer für Wasserkraftanlagen. Wie sieht
die Situation aus Ihrer Sicht aus?
Ernst Zeller: Der Stau bei den Projekten
hält auch heute noch an. Es gibt einige
­Projekte in der Einreichplanung, aber wir
sehen keine großen Beschleunigungs­
tendenzen. Ob es weitere neue Projekte
geben wird, dürfte vor allem von der
Entwicklung des Strompreises abhängen.
Bei Pumpspeicherkraftwerken gibt es hier
derzeit sehr viele Ideen. Allein wir sind in
Vorarbeiten für zehn Standorte involviert.
Oesterreichs Energie: Sie sind auch in
Deutschland tätig. Wie sieht es da aus?
Ernst Zeller: Man spürt dort bereits die
Auswirkungen des Atomausstieges, überdies zieht die deutsche Wirtschaft enorm
an. Es gibt eine große Nachfrage, und hier
geschieht jetzt auch was. Abzuwarten
bleibt, ob auch die Genehmigungsverfahren
rasch durchgezogen werden können. Aber
Planungen für Wasserkraftprojekte haben
insgesamt Hochkonjunktur. Die starke
Nachfrage setzte etwa 2010 ein und geht
noch immer weiter.
Oesterreichs Energie: Wie sehen Sie die
Entwicklung in Osteuropa?
Ernst Zeller: Die Liberalisierung wirkt sich
jetzt auch in Südosteuropa stark aus. Dort
gehen jetzt viele neue Projekte in die Bauphase, und wir sind in der Detailplanung
mit dabei. Ich sehe diese Entwicklung sehr
positiv, während in Österreich vieles eben
zäh verläuft. n
Juni 2011
Politik
Foto: immergenugstrom
gramm Elektromobilität“ festgelegt. Dessen
Ziel ist es, bis 2020 eine Mio. E-Autos auf
deutsche Straßen zu bringen. Um dieses
Ziel zu erreichen, sichert der Bund der
Industrie eine Verdoppelung der Forschungsmittel und damit eine Mrd. Euro
bis 2013 zu. Damit soll vorwiegend die
­Batterietechnik konkurrenzfähig werden.
Im Gegenzug zur Förderung stellt die
Industrie rund 30.000 Arbeitsplätze bis
2020 in Aussicht. Als weitere Maßnahmen
zur Zielerreichung wurden der Wegfall der
Kfz-Steuer für zehn Jahre, Erleichterungen
für Elektro-Dienstwagen-Nutzer und Vorteile beim Parken vorgesehen.
Forschungsoffensive für
Elektroautos
Foto: Siemens
Die deutsche Regierung möchte dem
Elektroauto mit einer milliardenschweren
Forschungsoffensive und Steuervorteilen in
der Energiewende zum Durchbruch verhelfen. Dies wurde mit dem „Regierungspro-
Juni 2011
Italien lehnte
Atompläne ab
Die Italiener haben den Plänen der Regierung Berlusconi zum Atomwiedereinstieg
eine klare Absage erteilt. Zu einer Volks-
Foto: PV-Ivest Italia
Wie Deutschland hat auch die Schweiz den
Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen.
Demnach sollen keine neuen Atomkraftwerke gebaut werden; die fünf bestehenden
Reaktoren sollen jedoch erst abgeschaltet
werden, wenn sie vom Nuklearsicherheitsinspektorat als unsicher eingestuft werden.
Somit wurde kein Datum für den endgültigen Ausstieg festgelegt. Ausschlaggebend
für die Entscheidung waren das durch das
Betreiben von Atomkraftwerken entstehende Risiko für die Bevölkerung sowie
die steigenden Kosten der Kernkraft. Das
Verwirklichen des Atomausstieges könnte
allerdings noch Jahre dauern, da zuvor
noch die zweite Kammer, der Ständerat, die
Regierung und das Parlament über dieses
Thema beraten und entscheiden müssten.
Zudem könnte es auch noch zu einer Volksabstimmung kommen.
abstimmung, bei der es neben der AtomFrage auch um die der Privatisierung der
Wasserversorgungssysteme ging, waren
50 Mio. Italiener aufgerufen. Laut Angaben
des Innenministeriums beteiligten sich
56,9 Prozent der Wahlberechtigten. Damit
wurde das für die Gültigkeit des Referendums notwendige Mindestquorum von
50 Prozent überschritten, was in Italien
seit 1995 nicht mehr gelungen ist.
Bei der von der Opposition angestrengten Volksabstimmung sollten die Italiener entscheiden, ob Berlusconis auf Eis
liegende Pläne für den Wiedereinstieg
in die Atomenergie dauerhaft blockiert
werden. Der Premier gestand die Niederlage ein: „Man kann den klaren Willen der
Italiener nicht ignorieren.“ Man müsse
auf die Aussicht eines Wiedereinstiegs in
die Kernenergie verzichten und sich jetzt
auf die Produktion erneuerbarer Energien
konzentrieren.
„Nachhaltige“
wichtiger
Foto: Bewag
Schweiz: Raus aus der
Atomkraft
Auch nach dem beschleunigten Ausstieg Deutschlands aus der Atomkraft
ist Österreichs Stromversorgung weiterhin
gesichert. Jedoch wären
kritische Situationen in
extrem heißen Sommern
oder kalten Wintern
denkbar, erklärte Barbara
Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Deshalb fordert die
Interessenvertretung der
österreichischen E-Wirt­
schaft vor allem einen
Ausbau der Netze. Wichtig
seien auch der rasche Ausbau der Wasserkraft und
alle anderen Optionen
zur Nutzung erneuerbare
Energien für die Stromproduktion. Weitere Sicherheit
erhalte Österreich durch
den flexiblen Mix aus thermischer und erneuerbarer
Erzeugung, zeigte sich
Schmidt überzeugt.
Festhalten an
der Kernkraft
Während einige Staaten
von der Atomkraft Abstand nehmen, schließen
Slowenien und die Slowakei einen Austritt aus
der Kernkraft definitiv
aus. Die Energieversorgung beider Länder sei
massiv von der Atomkraft
abhängig, argumentierten
die Regierungschefs. Auch
Polen hält an seinem
geplanten Einstieg in die
Atomkraft fest. 2020 soll
das erste polnische Atomkraftwerk ans Netz gehen,
bis 2030 soll ein weiteres
gebaut werden. Saudi-Arabien plant sogar 16 neue
Atomkraftwerke bis 2030.
Oesterreichs Energıe. · 15
Politik
„Speed und Energ
Jahrzehnt mitneh
Hochkarätige Informationen bestimmten den Jahresevent Von
Oesterreichs Energie Mitte Mai. Dabei zeigte sich:
Die Elektrizitätswirtschaft hat die ersten zehn Jahre der
Liberalisierung sehr gut bewältigt. An Herausforderungen ist
aber auch künftig kein Mangel.
16 · Oesterreichs Energıe.
Juni 2011
Politik
A
m 19. Mai feierten rund 150 Gäste
das einjährige Jubiläum des neuen
Markenauftritts von Oesterreich
­Energie. Der Event war dabei auch Anlass
für einen Rückblick auf das erste Jahrzehnt der Liberalisierung des österreichischen Strommarktes. Dazu präsentierte
Barbara ­
Schmidt, Generalsekretärin von
Oesterreichs Energie, zudem das Buch
­
„Strom aufwärts“ mit mehr als 30 Beiträgen
namhafter Autoren, welche die Öffnung des
Strommarktes untersuchten und Zukunfts­
Juni 2011
trends der E-Wirtschaft beleuchteten. Im
Rahmen der Veranstaltung zogen der –
auch für den Konsumentenschutz zuständige – Sozialminister Rudolf Hundsdorfer,
der ehemalige VP-Energiesprecher und
jetzige ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf,
der Präsident von Oesterreichs Energie,
Wolfgang Anzengruber und Generalsekretärin Schmidt Bilanz. Schmidt: „Die Liberalisierung hat zu einer enormen Betriebsamkeit geführt und die Branche in ihren
Strukturen und Prozessen verändert und
Sämtliche Fotos: Oesterreichs Energie/Andy Urban
ie ins nächste
men“
Oesterreichs Energıe. · 17
Politik
Hochkarätige Diskussionsrunde (v.l.n.r).: Generalsekretärin
Dr. Barbara Schmidt, Karlheinz Kopf (Klubobmann
der ÖVP im Nationalrat), Moderator Dr. Thomas Hofer,
Bundesminister Rudolf Hundstorfer (Bundesminister für
Soziales und Konsumentenschutz) und Präsident Dipl.-Ing.
Wolfgang Anzengruber, Vorstandsvorsitzender Verbund.
Österreichs
Energie­unter­
nehmen haben
bemerkens­
werte
Investitionen
getätigt.
Studie von Booz&Co.
Die Spitzen der österreichischen E-Wirtschaft trafen sich
beim Jahresevent von Oesterreichs Energie.
neu aufgestellt. Jetzt gilt es den Speed
und die Energie der vergangenen zehn
Jahre auch in das nächste Jahrzehnt mitzunehmen.“
Als einer der Pioniere bei der nationalstaatlichen Umsetzung der Elektrizitätsbinnenmarktrichtlinie
hat
Österreich
seinen Strommarkt „zügig und komprimiert
umgesetzt“ und dabei eine Reihe von Erfolgen erzielt. Das zeigt eine neue Studie des
Beratungsunternehmens Booz&Co., die im
Auftrag von Oesterreichs Energie erstellt
wurde. So sind nach einem anfänglichen
massiven Rückgang die Preise für Elektrizität zwar wieder gestiegen, doch dies erfolgte
in moderatem Ausmaß. Sowohl bei den Preisen für Industrie- als auch für Haushaltskunden liegt Österreich im Mittelfeld der
Europäischen Union – eine Position, die
sich im Zuge der Strommarktöffnung nicht
wesentlich verändert hat. Die Preisentwicklung für Haushalte entspricht „dem Anstieg
des allgemeinen Preisniveaus“, konstatiert
Booz&Co.
Großer Wettbewerbsdruck
Und die Unternehmensberater verweisen
auf einen oftmals übersehenen Umstand:
Die Energieunternehmen können lediglich
ein Drittel des Preises beeinflussen. Der
große „Rest“, bestehend aus Netzentgel18 · Oesterreichs Energıe.
ten, Steuern und Abgaben, wird durch die
Regulierungsbehörden sowie durch die
Politik vorgegeben. „Wesentliche Treiber
der
Endkunden-Strompreisentwicklung
sind die im Zeitverlauf stark gestiegenen
Preise für Primärenergieträger und der
überproportionale Anstieg der Abgaben
und Steuern. So haben sich für Industriekunden die Abgaben und Steuern seit der
Liberalisierung um nahezu 80 Prozent
erhöht, für Haushaltskunden haben sich
die Steuern und Abgaben sogar mehr als
verdoppelt. Wesentlich hierfür sind die
Kostenbeiträge für Ökostrom“, heißt es in
der Studie.
Auch beim Festlegen der Preise für den
reinen Energieanteil agieren die Unternehmen keineswegs im „luftleeren Raum“. Sie
haben die Entwicklungen an den europäischen Strombörsen zu beachten, an denen
sich die Preise nach Angebot und Nachfrage
bilden. Österreichs E-Wirtschaft steht
damit „unter erheblichem Wettbewerbsdruck“, wie Booz&Co. betont. Insbesondere
haben sie mit Stromangeboten aus Deutschland und der Schweiz zu konkurrieren,
die nicht zuletzt über die Leipziger Energiebörse EEX mit Österreich eine gemeinsame Preiszone bilden.
Die an der EEX und anderen Strombörsen auftretenden, manchmal erheblichen,
Juni 2011
Politik
Mag. Michael Sebanz (Oesterreichs Energie), Dr. Karl Derler
(Geschäftsführer Linz Strom Netz GmbH) und Dipl.-Volksw.
Alexandra Neumann (Oesterreichs Energie), v.l.n.r.
Preisschwankungen werden keineswegs
in vollem Ausmaß an die Kunden weitergegeben. Vielmehr bemüht sich die Elektrizitätswirtschaft im Wesentlichen mit
gutem Erfolg, den Kunden stabile und
kalkulierbare Preise zu bieten. Dies gilt
zumal im Segment der Haushaltskunden.
Der Markt funktioniert gerade auch, was
die bisweilen kritisierten Wechselraten
betrifft, stellt Booz&Co. klar: Mehr als
70 Prozent der Industriekunden haben
ihren Versorger mindestens einmal
gewechselt. Die restlichen 30 Prozent
handelten mit dem „angestammten“ Versorger neue, für sie vorteilhaftere Bezugsbedingungen aus.
Hohe Kundenzufriedenheit
Nach wie vor moderat ist das Wechsel­niveau
mit rund zehn Prozent bei den Haushaltskunden. Doch ist dies, wie das Beratungsunternehmen betont, nicht zuletzt auf die
„unverändert hohe Kundenzufriedenheit“
zurückzuführen, die eine „gewisse Wechselträgheit“ mit sich bringe. Ausdrücklich
betont Booz&Co. auch, dass die finanziellen Anreize für einen Lieferantenwechsel in Österreich erheblich geringer sind
als in anderen Ländern. Lässt sich etwa
in Deutschland oder in Großbritannien
bei einem Wechsel des Stromanbieters im
Juni 2011
Die Räumlichkeiten von Oesterreichs Energie erstrahlten
als stimmungsvolle Gesamtinszenierung: Das Get-together
im Rahmen der Veranstaltung.
Durchschnitt eine Ersparnis von 30 Prozent
erzielen, so liegt dieser Wert in Österreich
bei lediglich neun Prozent.
Erhebliche Investitionen
Zu beachten ist dabei die im europäischen
Vergleich außergewöhnlich gute Markttransparenz, streicht Booz&Co. heraus:
Regelmäßig stellen die Energielieferanten
den Endkunden Informationen über die
aktuellen Entwicklungen auf den für sie
relevanten Energiemärkten zur Verfügung.
Trotz dieses herausfordernden Umfeldes
investieren
die
Elektrizitätsunternehmen erhebliche Summen „in eine effiziente
und umweltfreundliche Stromerzeugung“.
Booz&Co. zufolge liegen die Investitionen
heute sogar über dem Niveau vor der Liberalisierung.
So belaufen sich die Investitionen im Zeitraum 1998 bis 2009 auf etwa vier Mrd.
Euro. Zu Beginn der Liberalisierung sahen
sich die Unternehmen gezwungen, die
Investitionen in den Aus- und Neubau von
Kraftwerken zu drosseln. Wurden etwa
1997 noch 453 Mio. Euro für neue Erzeugungseinheiten ausgegeben, waren es
2001 nur noch 183 Mio. Der Tiefststand
wurde mit lediglich 105 Mio. Euro im Jahr
2002 erreicht. Der Grund dafür waren die
erheblichen Unsicherheiten hinsichtlich
Oesterreichs Energıe. · 19
Politik
Köstliches vom „Flying Buffet“.
Wir werden
die klimaund energie­
politischen
Ziele der EU
erreichen.
Barbara Schmidt,
Generalsekretärin von
Oesterreichs Energie
20 · Oesterreichs Energıe.
Bundesminister für Soziales und Konsumentenschutz
Rudolf Hundstorfer im Gespräch mit Generalsekretärin
Dr. Barbara Schmidt.
der Marktentwicklung. Seit dem Jahr 2006
jedoch ist wiederum ein erheblicher Anstieg
der Inves­titionen zu beobachten. Lag deren
Niveau vor der Liberalisierung bei etwa 400
Mio. Euro pro Jahr, sind es mittlerweile
etwa 600 Mio. Euro. Gerade im Krisenjahr
2009 gab die E-Wirtschaft mit 819 Mio.
Euro mehr Geld für die Erweiterung ihres
Kraftwerksparks aus als je zuvor in den vergangenen 15 Jahren.
Die neuen Anlagen trugen auch erheblich
dazu bei, die Effizienz der Stromerzeugung
zu steigern und die dabei auftretenden
Emissionen an Treibhausgasen zu senken.
Die Effizienz der neuen Gaskraftwerke ist
um 16 Prozent höher als jene alter Anlagen.
Gute Klimabilanz
Auch die Klimabilanz der E-Wirtschaft
kann sich sehen lassen: So wurden die
CO2-Emissionen pro erzeugter KWh seit
2000 um nahezu 40 Prozent reduziert. Seit
1999 konnte die E-Wirtschaft auf diese
Weise etwa 30 Mio. t CO2 einsparen. Bei den
SO2-Emissionen gelang sogar eine Reduktion um 80 Prozent, der Stickoxid-Ausstoß
konnte immerhin stabilisiert werden.
Investiert wurde aber auch in die für die
Versorgung mit elektrischer Energie unverzichtbaren Netze: Nicht weniger als fünf
Mrd. Euro wandten die Übertragungs- und
Verteilnetzbetreiber dafür in den Jahren
1998 bis 2009 auf. Diese Leistung ist umso
bemerkenswerter, als die Regulierungsbehörden die Netztarife seit Beginn der Liberalisierung drastisch gesenkt haben. Für
Haushaltskunden liegen die Tarife heute
um 26 Prozent unter denen vor der Liberalisierung. Wie der EU-weite Vergleich zeigt,
ist dies ein Spitzenwert: In Deutschland
wurden die Netztarife nur um 20 Prozent
reduziert, in Großbritannien, das immer
wieder als Musterland der Liberalisierung
bezeichnet wird, sogar um lediglich 13 Prozent. In Schweden stiegen die Netztarife für
Haushaltskunden sogar, und das kräftig:
Heute bezahlen Kleinkunden um 30 Prozent
höhere Netzgebühren als vor der Öffnung
des Strommarktes.
Von zentraler Bedeutung ist der Netzausbau nicht zuletzt im Zusammenhang mit
der verstärkten Nutzung der Erneuerbaren, die sich in den kommenden Jahren
noch beträchtlich verstärken wird. Die
Pumpspeicherkraftwerke der österreichischen Elektrizitätswirtschaft sind wie
kein anderes derzeit verfügbares Mittel
geeignet, die erheblich schwankende
­Stromerzeugung großer Windparks sowie
Fotovoltaikanlagen auszugleichen. Österreich gilt daher als „grüne Batterie“ Europas.
Juni 2011
Politik
Karlheinz Kopf (Klubobmann der ÖVP im Nationalrat ) und
Präsident Dipl.-Ing. Wolfgang Anzengruber im Gespräch.
Dass sich die Investitionen vor allem für
die Endkunden lohnen, zeigt die Zuverlässigkeit der Stromversorgung, die laut
Booz&Co. „konstant eine der höchsten im
EU-Vergleich“ ist. Müssen österreichische
Kunden mit jährlichen ungeplanten Unterbrechungen der Stromversorgung im
Ausmaß von gerade einmal 37 Minuten
rechnen, so sind spanische Strombezieher mit Ausfällen im vierfachen Ausmaß,
also rund 121 Minuten, konfrontiert. Und
Booz&Co. warnt: „Würde die Nichtverfügbarkeit der Netze Österreichs auf das
Niveau Spaniens ansteigen, würde daraus
ein zusätzlicher volkswirtschaftlicher
Schaden von bis zu 80 Mio. Euro pro Jahr
entstehen.“ Durch ihre Investitionen in die
Netze gelang es den heimischen Energie­
unternehmen, die Netzverluste im Durchschnitt um etwa zwei Prozent pro Jahr zu
senken. Dies brachte finanzielle Einsparungen von rund einer Mrd. Euro sowie
vermiedene CO2-Emissionen von etwa
einer Mio. t mit sich.
Die Kunden wissen die hohe Versorgungssicherheit in Österreich zu schätzen: In
Umfragen wird diese immer wieder als
wichtigstes Merkmal genannt. Die Netzbetreiber wiederum sind entschlossen, die
Leistungsfähigkeit ihrer Leitungen weiter
zu verbessern: Bis 2020 sollen etwa sieben
Juni 2011
V.l.n.r.: Mag. Alexandra Herrmann-Weihs (Oesterreichs
Energie), Dr. Ingemar Breuss (illwerke vkw) und Dr. Erich
Entstrasser (Vorstandsdirektor Tiwag-Netz AG).
Mrd. Euro in deren Aus- und Neubau investiert werden. Dabei sind noch nicht einmal
die Aufwendungen für die „intelligenten“
Stromnetze, also die Smart Grids, die, mit
modernen
Kommunikationstechnologien
ausgestattet, völlig neue Möglichkeiten
eröffnen, um den Kunden noch bessere
Dienstleistungen anzubieten, inkludiert.
Eine davon ist die Elektromobilität, bei
deren flächendeckender Einführung die
E-Wirtschaft in erheblichem Ausmaß involviert ist.
Produktivität wächst
Mit ihrem offensiven Herangehen an die
Herausforderungen des freien Marktes
trägt die E-Wirtschaft erheblich zur positiven Entwicklung der heimischen Volkswirtschaft bei, betont Booz&Co. weiters.
Ihre eigene Arbeitsproduktivität erhöhte
sich im Zuge der Liberalisierung um rund
50 Prozent, eine Entwicklung, die – dem
Beratungsunternehmen zufolge – auch
in anderen liberalisierten Sektoren zu
be­
obachten war. Gleichzeitig sank die
Zahl der Beschäftigten um rund ein Viertel. Zum Vergleich: In Deutschland ging
der Personalstand der Strombranche liberalisierungsbedingt um etwa 20 Prozent
zurück, in Italien sogar um 40 Prozent. Die
schlankeren Strukturen trugen zu einem
Die
Investitions­
kraft der
Netzbetreiber
muss erhalten
bleiben.
ÖVP-Klubobmann und ehemaliger
Energiesprecher Karlheinz Kopf
Oesterreichs Energıe. · 21
Politik
Wolfgang Denk und Ing. Siegfried Bauer (beide Energie
AG Oberösterreich), Dr. Hans Zeinhofer (Geschäftsführer
Enamo GmbH) und Mag. Stefan Zach (EVN), v.l.n.r.
Die
E-Wirtschaft
soll das
hohe Niveau
ihrer Dienst­
leistungen
beibehalten.
Konsumentenschutzminister
Rudolf Hundstorfer
22 · Oesterreichs Energıe.
Verbund-Vorstand Dr. Günther Rabensteiner im Gespräch
mit Mag. Jürgen Bormann und DDr. Karl Gollegger (beide
Geschäftsführung Verbund Sales) und Dr. Karl-Heinz
Gruber (Vorstandsdirektor Verbund Hydro Power), v.l.n.r.
Rückgang der Kosten der Elektrizitätsunternehmen bei und machten die Branche
insgesamt wettbewerbsfähiger.
Die E-Wirtschaft erweist sich zudem eindeutig als innovative und zukunftsorientierte Branche. Seit der Liberalisierung
erhöhte sie ihre Ausgaben für Forschung
und Entwicklung kontinuierlich um rund
vier Prozent pro Jahr. International betrachtet, liegt die Branche damit „im oberen Mittelfeld“. Besondere Bedeutung haben dabei
gemeinsame Aktivitäten mit der öffentlichen Hand. Laut Booz & Co. tragen diese
„maßgeblich zur Absicherung einer effizienten und sicheren Energieversorgung
sowie zum Erreichen der ambitionierten
Klimaziele bei“.
Neue Aufgaben
Klar ist aus Sicht des Beratungsunternehmens freilich eines: Auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird die
E-Wirtschaft, aber auch die Energiepolitik,
eine ganze Reihe von Herausforderungen
zu meistern haben. Eine davon ist die
Frage der Versorgung mit fossilen Primärenergien, die noch für längere Zeit unverzichtbar sind. „Unsichere politische und
wirtschaftliche Situationen in Ländern mit
hohen Vorkommen an Primärenergieträgern führen zu starken Schwankungen der
Preise für Gas und Rohöl und wirken sich
somit auf die Großhandelspreise für Strom
aus. Daher muss für Österreich wie für den
Rest Europas sichergestellt werden, dass
durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und von Energiespeichern
Versorgungsabhängigkeiten weiter minimiert werden, um stabile Strompreise
gewährleisten zu können“, heißt es in der
Studie.
Hinzu kommt, dass Elektromobilität
sowie Dienstleistungen im Zusammenhang mit „Smart Grids“ den Kunden vermittelt und in konkrete, erfahrbare und
allgemein verständliche Vorteile „übersetzt“ werden müssen, um für die Kunden
attraktiv zu sein. Nur auf diese Weise ist
es möglich, einen Massenmarkt zu schaffen, mit dessen Hilfe die neuen Technologien zum kommerziellen Erfolg geführt
werden können.
Klar ist, dass dies alles weitere erhebliche
Investitionen erforderlich machen wird.
Booz&Co. sieht dabei vor allem die (Energie-)Politik in die Pflicht gerufen: Sie sei
aufgefordert, durch geeignete Rahmenbedingungen „die Investitionen der E-Wirtschaft abzusichern und effiziente Antragsverfahren für den Ausbau der Energie­
systeme zu gewährleisten. Hierzu zählt
auch die gezielte staatliche Förderung
Juni 2011
Politik
Dr. Fritz Unterpertinger (Geschäftsführer der
Österreichischen Energieagentur), Dipl.-Ing. Josef Plank
(Präsident von Erneuerbare Energie Österreich) und
Dr. Peter Layr (Vorstandssprecher EVN), v.l.n.r.
von Technologien, die unter CO2-Vermeidungskostenperspektive volkswirtschaftlich sinnvoll sind“. Doch auch die Regulierungsbehörden müssten das Ihre zu einer
sicheren, sauberen und leistbaren Energieversorgung beitragen: „Bei der Regulierung der Netze muss darauf geachtet
werden, dass Anreize in das Regulierungsschema integriert werden, die den Ausbau
zum Smart Grid fördern und die Versorgungssicherheit weiter garantieren.“
Gut aufgestellt
Ein positives Resümee bezüglich der
Strommarktöffnung zog denn auch der
Präsident von Oesterreichs Energie, Wolfgang Anzengruber, obwohl seinerzeit
erhebliche Befürchtungen hinsichtlich der
technischen Umsetzung der Marktöffnung
sowie eines „Ausverkaufs“ der E-Wirtschaft
bestanden haben. „Beides war unbegründet, denn die österreichische E-Wirtschaft
hat mit einer großen Anstrengung die
notwendigen Änderungen und Effizienzsteigerungen erfolgreich herbeigeführt“,
erläuterte Anzengruber. Die vormaligen
Monopolisten seien heute schlagkräftige
„Unternehmen, die sich im internationalen
Wettbewerb behaupten und aktive Partner
am europäischen Strommarkt sind“. Dies
bestätigte auch der ehemalige VP-EnergieJuni 2011
Dipl.-Ing. Hansjörg Tengg (Hansjörg Tengg Management
GmbH), Univ.-Prof. Dr. Stefan Schleicher (Wifo) und
Dr. Susanna Zapreva (Geschäftsführerin Wien Energie),
v.l.n.r.
sprecher und derzeitige ÖVP-Klubobmann
Karlheinz Kopf: „Die Branche hat sich
dramatisch verändert – zum eigenen Vorteil, vor allem aber auch zum Vorteil ihrer
Kunden.“ Zur Vorsicht riet Kopf im Zusammenhang mit den Netztarifen: „Man muss
die Investitionskraft der Netzbetreiber
erhalten.“ Die Regulierungsbehörden seien
eingeladen, diesbezüglich „mit Augenmaß
vorzugehen“. Konsumentenschutzminister
Rudolf Hundstorfer plädierte für ein weiterhin hohes Niveau der Dienstleistungen
der E-Wirtschaft sowie für den Ausbau
der E-Mobilität und der erneuerbaren
Energien. Gerade Letzterer bringe Arbeitsplätze, sowohl beim Errichten der Anlagen
als auch bei deren Wartung und Instandhaltung.
Optimistisch bezüglich der längerfristigen
Perspektiven gab sich Barbara Schmidt, die
Generalsekretärin von Oesterreichs Energie: „Wir als E-Wirtschaft werden 2020
den Staatspreis des Umweltministeriums
bekommen, weil wir als Einzige die klimaund energiepolitischen Ziele der EU erreicht
haben.“ Ihr Fazit: „Zehn Jahre Liberalisierung, ein Jahr Oesterreichs Energie – beides
waren aufwändige Ereignisse, beides ist
heute selbstverständlich. Die E-Wirtschaft
ist gut aufgestellt und für die Zukunft
bestens gerüstet.“
n
Die
Unternehmen
haben
Effizienz­
steigerungen
erfolgreich
herbeigeführt.
Wolfgang Anzengruber, Präsident
von Oesterreichs Energie
Oesterreichs Energıe. · 23
Politik
Europa im Test-
Im Juni fiel der Startschuss für die europaweiten Sicherheitstests aller
Kernkraftwerke in der EU nach einheitlichen Kriterien. Nach zähen
Verhandlungen sind auch die Kritiker mit an Bord. N
och läuft alles nach Plan. Pünktlich mit dem geplanten Beginn der
Sicherheitstests am 1. Juni verschicken die letzten nationalen Aufsichtsbehörden ihre Fragebögen an die Kraftwerksbetreiber. Gefragt wird nach Beschaffenheit
und Zustand der 143 Kraftwerke auf EUBoden, nach Notfallplänen und der Dauer
ihrer Umsetzung. Geprüft wird der Schutz
vor Naturkatastrophen wie Erdbeben oder
Überflutungen, extreme Wetterbedingungen
und auch beliebige Szenarien, in denen
mehrere Unglücksfaktoren gleichzeitig eintreten.
Der Kriterienkatalog ist ein Kompromiss,
auf den sich die EU-Kommission und die
Europäischen Gruppe für nukleare Sicherheit und Abfallentsorgung (Ensreg) nach
langem Ringen geeinigt haben. Deshalb
24 · Oesterreichs Energıe.
Von Tina Friedrich
finden sich zwar die Auswirkungen von
menschlichem Versagen in den zu prüfenden Punkten, nicht jedoch die Gefahr
von Terroranschlägen. Dies ist jedoch Auslegungssache. „Wir berücksichtigen auch
das Versagen des Menschen außerhalb. Das
kann ein Flugzeugabsturz, aber auch ein
Tankerunfall an der Küste eines Kernkraftwerks sein“, betonte etwa EU-Energiekommissar Günther Oettinger.
Die Auswirkungen von Anschlägen, wie zum
Beispiel der Ausfall elektronischer Anlagen
oder des Kühlsystems, werden also sehr
wohl überprüft, nicht jedoch die Schutzmechanismen und Abwehrstrategien gegen den
Anschlag an sich. Oettinger deutlich: „Aus
welchen Gründen das Flugzeug abstürzt, ist
für den bautechnischen Sicherheitsbericht
egal.“
Juni 2011
Politik
Stress
Foto: Fotolia.com
Terrorgefahren
AKW auf die Gefahr von Terrorangriffen zu
testen hieße natürlich, auch Abwehrmaßnahmen zu untersuchen. Dies fällt jedoch
nicht in die Kompetenz der nationalen
Atomaufsichtsbehörden, sagt auch Günter
Liebel, Sektionschef für Allgemeine Umweltpolitik im österreichischen Lebensministerium. Diese Überprüfung obliegt nationalen
Behörden wie dem Innenministerium, der
Polizei, der Armee, oder den Geheimdiensten. „Die Testergebnisse im Bereich der Terrorabwehr sollten nicht öffentlich gemacht
werden, da geht es um Fragen der nationalen Sicherheit. Die Auswirkungen auf
das AKW sind das Entscheidende“, meint
Liebel. Daher wird eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die Risiken durch Terrorangriffe
bewerten soll.
Dass die Länder mit großen Atomprogrammen auf die Gefahren gezielter Flugzeugabstürze durch Terroristen nicht eingehen
wollten, sei nur verständlich, erläutert wiederum die deutsche Grünen-Abgeordnete
Rebecca Harms: „Es ist bekannt, dass die
Reaktoren für dieses Szenario nicht ausJuni 2011
gelegt sind“. Die Gründung einer Arbeitsgruppe rieche nach „Gesichtswahrung“.
Von einer solchen Gruppe, der Vertreter der
EU-Staaten angehören sollen, sei „wenig zu
erwarten“, sagt Harms.
Drei Testphasen
Oettinger sieht einen Drei-Phasen-Test vor:
Nachdem die Kraftwerksbetreiber Daten
gesammelt und in einen Bericht zusammengefasst haben, überprüfen die nationalen
Aufsichtsbehörden diese Berichte. In einem
dritten Schritt kommt es zu „Peer Reviews“,
einer Überprüfung auf europäischer Ebene.
Teams bestehend aus Experten der Mitgliedsländer und einem Vertreter der EUKommission. Sie nehmen die nationalen
Berichte unter die Lupe. Ihnen muss auch der
Zugang zu den Reaktoren gewährt werden.
Welche Konsequenzen gezogen werden
– also auch die Entscheidung, wann ein
­Kraftwerk geschlossen wird –, liegt in der
Verantwortung der Mitgliedstaaten. Ein
Atomausstieg sei jedenfalls nicht das Ziel
der Stresstests, so Oettinger mit einem Seitenhieb auf Österreich. „Wir stehen nicht
Info
Bei den Stresstests soll
es einen Drei-PhasenPlan geben. Nachdem die
Kraftwerksbetreiber Daten
gesammelt und in einem
Bericht zusammengefasst
haben, überprüfen die
­nationalen Aufsichtsbehörden diesen Bericht, dann
folgt eine Prüfung auf europäischer Ebene.
Oesterreichs Energıe. · 25
für eine Art Abschaltautomatismus zur Verfügung. Das ist zwar die allgemeine Meinung in Wien, aber das ist nicht mein Auftrag.“
Selbstkontrolle
Die Tests sind
natürlich
freiwillig,
und wie tief
der Test geht,
beantworten
ausschließlich
die nationalen
Behörden.
Ensreg-Vorsitzender
Andrej Stritar
Im Gegensatz zum Energiekommissar, dem
das Wort „freiwillig“ nicht über die Lippen
kam, spricht Andrej Stritar, der Vorsitzende
der Ensreg, offen über einen der Knackpunkte der Tests. „Die Tests sind natürlich
freiwillig, und auch wie tief der Test geht,
wie genau die einzelnen Kraftwerke geprüft
werden, beantworten letztlich die nationalen Behörden“, so der Slowene. Günter
Liebel sieht in diesem Umstand nicht unbedingt einen Nachteil: „Alle haben gesagt, ja,
wir tun das. Es ist nicht selbstverständlich,
dass eine nationale Behörde ihre Entscheidungen und Berichte von anderen Staaten
beurteilen und evaluieren lässt.“
Kritik kommt vor allem von den NGO. Dass
sich AKW-Betreiber selbst überprüfen
sollen, ist für Global 2000 so, als würden
„Autofahrer den Technikern vom Öamtc
erklären, warum sie sich selber das Pickerl
verleihen dürfen.“ In die gleiche Kerbe
schlägt die Greenpeace-Kritik: Die Überprüfung der Atomkraftwerke den Betreibern
und Atombehörden zu überlassen bedeute,
„den Bock zum Gärtner zu machen“, formulieren sie.
Widerstand der Atomnationen
Innerhalb eines Jahres soll nach den Plänen
der EU-Kommission der Stresstest in seiner
Gesamtheit durchgeführt worden sein. Die
nationalen Berichte sollen bis Dezember
abgeschlossen sein, jene der europäischen
Aufsichtsbehörden bis April des folgenden
Jahres. Für den EU-Gipfel im Juni 2012
wird der Abschlussbericht erwartet.
Letzter Schritt ist die Überarbeitung der
EU-Richtlinie zur nuklearen Sicherheit und
die Einbeziehung von EU-Nachbarländern.
Explizit erging Oettingers Einladung an die
Schweiz, Russland, die Ukraine, Kroatien,
Armenien und die Türkei.
Dabei war es schwierig genug, innerhalb
Europas alle Länder an einen Tisch zu
26 · Oesterreichs Energıe.
bekommen. Mehrmals musste Oettinger die
Verkündung des Verhandlungsergebnisses
verschieben. Insbesondere Großbritannien
und Frankreich legen sich quer, aber auch
Tschechien war ein vehementer Gegner der
Stresstests. Das Land betreibt derzeit sechs
Reaktoren und will weiterhin bauen. Der
jüngste Atom-Unfall in Japan habe nichts
an der Absicht geändert, das aus österreichischer Sicht umstrittene AKW Temelin um
zwei Reaktorblöcke zu erweitern, hieß es in
einer Stellungnahme.
Auch Großbritannien will weiter an Bauprojekten für fünf weitere AKW auf britischem Boden festhalten. Derzeit verfügt
das Land über 19 Reaktoren. Ein Zwischenbericht der britischen Nuklearaufsicht
kam im Mai zu dem Schluss, die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen schützten
die britischen Kraftwerke selbst vor den
unwahrscheinlichsten Risiken. Extreme
Naturereignisse wie jene, die in Fukushima
die Katastrophe verursacht hatten, seien in
Großbritannien undenkbar. Außerdem hatte
Großbritannien, ebenso wie Frankreich, die
Sorge, geheime Daten über die nationale
Sicherheit in EU-weiten, transparenten
Stresstests veröffentlichen zu müssen. So
erklärte Oettinger bei einem Vortrag die
Haltung Frankreichs und Großbritanniens.
Die Länder wollten einfach nicht preisgeben, „was ihre Airforce gegen Terror macht,
und sie wollen auch ihre Anti-Terror-Strategien nicht offenlegen – alles andere darf
aber geprüft werden“.
Aus Paris kommen verschiedene Signale.
Beim gemeinsamen Beschluss der Stresstests während des März-Gipfels der EUStaats- und Regierungschefs in Brüssel fand
der französische Präsident Nicolas Sarkozy
noch klare Worte: „Jedes einzelne AKW, das
den Test nicht bestehen sollte, wird abgeschaltet.“ Als die Tests konkreter wurden
und Ausstiegsszenarien nicht mehr nur auf
dem Papier bestanden, betonte Frankreich
immer wieder die Bedeutung von Atomkraft
für den Klimaschutz. Der französische Premierminister Francois Fillon ist überzeugt,
dass es „unmöglich“ sei, dass die Klimaziele
erreicht werden, sollte man jetzt großteils
Juni 2011
Foto: Celuca
Politik
Politik
auf Atomenergie verzichten. „Wir akzeptieren diese Entscheidung, aber das wird
unsere Politik sicherlich nicht beeinflussen“, so Fillon. Auch Sarkozy hält Atom­
energie für ein wichtiges Instrument zum
Klimaschutz. In Frankreich stehen mit 58
die meisten europäischen Meiler. 80 Prozent
der nationalen Stromversorgung geschieht
mit Hilfe von Atomstrom.
Atomausstieg
Mitten in die Debatte platzte dann die Meldung, dass Deutschland sich für den Atom­
ausstieg bis 2022 entschieden hat. Die gleiche Regierung, die noch wenige Monate
zuvor die Laufzeit ihrer AKW verlängert
hat, beschließt nun den stufenweisen Komplettausstieg. Französische Medien warnen
denn auch prompt vor einem Anstieg der
Strompreise um bis zu 30 Prozent aufgrund
dieser Entscheidung.
Das rigorose Vorgehen der schwarz-gelben
Regierung in Deutschland ist nicht unumstritten. Berlin hatte immer wieder mit
seinen Alleingängen in der Atompolitik
Kopfschütteln in Brüssel ausgelöst. Erst
nahm die Regierung von Angela Merkel nach
dem Unglück in Fukushima kurzerhand
sieben ältere Atomkraftwerke vom Netz,
dann unterzog sie die verbliebenen Meiler
einem Stresstest, und nun soll der Ausstieg
folgen. Beinahe zeitgleich hatte auch die
Schweiz den Ausstieg aus der Atomenergie
bis spätestens 2034 angekündigt.
Österreichs Umweltminister Nikolaus Berlakovich – der „Stresstest“ als Bezeichnung
für die AKW-Sicherheitsprüfung in Brüssel
überhaupt erst salonfähig gemacht hat –
zeigte sich sowohl mit dem Verhandlungsergebnis als auch mit dem Atomausstieg von
Deutschland und der Schweiz zufrieden.
Berlakovich gratulierte der Schweiz und
ergriff die Gelegenheit, das Nachbarland
in seine neu gegründete Anti-Atom-Allianz
einzuladen. „Diese Entscheidung hat eine
ganz starke Signalwirkung. Die Entwicklung in der Schweiz und in Deutschland
macht deutlich, dass in Europa ein Umdenken stattfindet.“ Die Stresstests seien ein
wichtiges Element auf diesem Weg.
Juni 2011
Die Niederlande, Belgien und Luxemburg
haben wiederum bei einem Gipfeltreffen
der Benelux-Länder im Mai eine Kooperation bei den AKW-Stresstests beschlossen.
Gemeinsame Tests
Experten aus den drei Ländern sollen
jeweils die Überprüfungen in einem Nachbarland begleiten. Dies sei ein Zeichen
für gute Zusammenarbeit, betont der belgische Premierminister Yves Leterme. Laut
Entwurf sollen die Benelux-Tests für alle
Atomanlagen, also auch für atomare Forschungseinrichtungen, gelten. So umfangreich die belgischen Tests auch ausfallen
mögen, echte Konsequenzen können sie vorerst nicht haben. Den Beschluss, 2015 mit
dem Ausstieg zu beginnen, kann nur eine
ordentliche Regierung fällen. Doch Leterme
ist überzeugt, dass keine Regierung, die
in Zukunft über die Laufzeiten der AKW
zu entscheiden habe, die Ergebnisse der
Stresstests ignorieren könnte.
Dieser öffentliche Druck ist es auch, der
die neuen EU-weiten Tests von bisherigen
standardmäßigen
Sicherheitsprüfungen
unterscheidet, sagte Ensreg-Chef Stritar zu
Journalisten in Brüssel. „Der Mehrwert bei
diesen Stresstests sind Sie; die aufmerksame Presse, die Fragen stellt und nachhakt und uns auf die Finger schaut.“ Günter
Liebel vom Lebensministerium betont
dagegen die gemeinsame Entscheidung zur
Transparenz.
„Das ist das eigentlich Bahnbrechende an
diesem Verhandlungsergebnis: Dass erstmals alle Länder nach gemeinsam erarbeiteten Kriterien ihre Kraftwerke untersuchen, und alle Berichte öffentlich gemacht
werden. Vor allem in dieser Dichte gab es
das bisher nicht.“
Der Vorsitzende des Energieausschusses
im Europaparlament, der deutsche EVPAbgeordnete Herbert Reul, denkt laut über
verbindliche Schlussfolgerungen aus den
Tests nach, die seinem Wunsch gemäß in
neuen Richtlinien resultieren sollen. „Wenn
am Ende mehr europäische Zuständigkeit
herauskäme, hätten sich die Stresstests
gelohnt“, betont er.
n
Die Länder
wollen ihre
Anti-TerrorStrategie nicht
offenlegen –
alles andere
darf geprüft
werden.
EU-Kommissar Günther Oettinger
Oesterreichs Energıe. · 27
Foto: Fotolia.com
Politik
E-Wirtschaft will
„mehr Europa“
Abschottungsbestrebungen sind mit dem europäischen Binnenmarkt
unvereinbar, Wagenburgen sinnlos, unterstrich EU-Energiekommissar Günther
Oettinger beim Europatag der Wirtschaftskammer Österreich in Wien. Dort
plädierten auch Vertreter der E-Wirtschaft für mehr europäische Ziele.
W
ir brauchen eine gemeinsame
europäische Energiepolitik, keine
Autarkie- und Autonomiebe­
strebungen.“ Das betonte EU-Energiekommissar Günther Oettinger beim Europatag
der Wirtschaftskammer Österreich (WKO),
der heuer unter dem Motto „Energieschub
durch Europa – Die neue Energiepolitik der
Union und ihre Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft“ stand. Oettinger
erläuterte, die Importabhängigkeit der EU
hinsichtlich fossiler Energieträger wachse,
weil der Bedarf steige und die europäischen Reserven zurückgingen. Auch hätten
manche Länder, aus denen die Union solche
Energieträger bezieht, „eine andere Kultur
als wir“. Die sehen „Energie durchaus
auch als politisches Instrument an“. Daher
müsse die EU eine gemeinsame Energiestrategie ent-
28 · Oesterreichs Energıe.
wickeln. „Die Europäische Union ist der
größte Energie-Markt der Welt. Wenn wir
eine Einkaufsgemeinschaft bilden, sind wir
eine Macht“, sagte Oettinger.
Ohnehin habe ihm bis jetzt noch niemand
erklären können, was mit dem Begriff
„Energieautarkie“ eigentlich gemeint sei.
Eine solche lasse sich, wenn überhaupt,
bestenfalls annähernd bilanziell darstellen,
und auch das nur in Gegenden ohne Industrie, sagte Oettinger: „Wo es Industrie gibt,
funktioniert das einfach nicht.“ Eine DeIndustrialisierung Europas jedoch könne
wohl niemand ernsthaft wollen.
Drehscheibe Österreich
Falls Österreich unter dem Titel „Autarkie“ anstrebe, Strom zu exportieren, solle
es dies gerne tun. „Wagenburgen“, denen
hierzulande manche das Wort redeten, sind
jedoch mit dem europäischen Binnenmarkt
unvereinbar, stellte der Energiekommissar
klar. Überdies liege Österreich nun
einmal „dem Erdteil inmitten“ und habe daher
eine
wichtige
Funktion als
Juni 2011
Politik
Energie-Drehscheibe. Dies gelte zumal auch
im Erdgasbereich.
Die unter österreichischer Federführung
geplante Nabucco-Pipeline, mit der Erdgas
aus dem kaspischen Raum zum Handelsknoten Baumgarten an der niederösterreichisch-slowakischen Grenze transportiert
werden soll, „stärkt Europa“, konstatierte
Oettinger, und im Elektrizitätsbereich wiederum spielten die österreichischen Pumpspeicherkraftwerke eine zentrale Rolle, um
Ausgleichsenergie bereitzustellen. Angesichts des steigenden Anteils erneuerbarer
Energien am Strommix werde die Bedeutung
solcher Kraftwerke noch weiter zunehmen.
Nur mit ihrer Hilfe lasse sich eine weitgehend auf erneuerbaren Energien basierende
Stromversorgung, die auch leistbar sei,
darstellen. Daher mache eine abgeschottete „Wagenburg Österreich“ weder aus
ökologischen noch ökonomischen Gründen
Sinn. Ausdrücklich sprach sich ­
Oettinger
in diesem Zusammenhang für eine massive
Verstärkung der Strom- und Erdgasnetze
aus.
Durchwachsene Bilanz
In Salzburg gibt es derzeit jedoch Widerstand gegen den Bau der 380-kV-Leitung.
„Die sagen, sie wollen keine Stromleitungen,
sie wollen die Festspiele. Aber das Geld, das
mit den Stromtransporten erwirtschaftet
wird, fließt in Form von Dividenden teilweise an den Bund. Und der Bund subventioniert über den Finanzausgleich mit den
Ländern wiederum die Festspiele. Dieser
Zusammenhang sei zwar ein wenig kompliziert, aber man sollte ihn den Menschen
unbedingt verdeutlichen“, riet Oettinger.
Dass der europäische Energiebinnenmarkt
leider noch nicht ganz funktioniert, bedauerte auch der Vorstand der E-Control Walter
Boltz. Bei der Liberalisierung handle es
sich um „ein dickes Brett, an dem lange zu
bohren ist und bei dem man wahrscheinlich erst bei der Mitte angelangt ist“. Die
Vorgaben der EU seien teils wenig konkret,
oft auch, weil dies die Mitgliedstaaten nicht
anders wünschten. Und bisweilen bremse
die Kommission auch selbst. So habe Oettinger den Staaten freiwillig eine „Gnadenfrist“ zur Umsetzung des Dritten Binnenmarktpakets eingeräumt. Diese läuft bis
September. Ursprünglich hätte die Implementierung des Pakets bis März 2011 abgeschlossen sein sollen.
Juni 2011
Allerdings ist aus seiner Sicht „Europa“
noch nicht in allen Köpfen angekommen. Oft
werde nach Lösungen auf nationalstaatlicher Ebene gesucht, ohne die Auswirkungen
auf die Nachbarländer zu bedenken. Boltz
ergänzte, die Vision hinter dem Dritten Binnenmarktpaket sei ein „integrierter Großhandelsmarkt für Energie mit möglichst
niedrigen Preisen für die Kunden sowie
attraktiven Investitionsmöglichkeiten für
die Strom-und Gaswirtschaft“.
Er warnte vor „ausufernden Marktinterventionen“ im Zusammenhang mit dem
Ausbau der erneuerbaren Energien und dem
in einigen Ländern geplanten Ausstieg aus
der Kernkraft. Dies führe zu einer „Planung
des Energiemixes und damit auch zu einer
Ausschaltung des Wettbewerbs“. Wegen der
Kosten für erneuerbare Energien, CO2-Zertifikate und den Ausbau der Netze müsse auch
die Wirtschaft mit tendenziell steigenden
Stromkosten rechnen, sagte Boltz. Umso
wichtiger werde das Thema Energieeffizienz:
„Es wäre hilfreich, wenn die EU in diesem
Bereich verbindliche Ziele vorgeben würde.“
Für zügigere Genehmigungsverfahren für
den Netzausbau sprach sich wiederum
Verbund-Vorstandsdirektorin Ulrike Baumgartner-Gabitzer aus. Sie erinnerte an die
Kainachtalleitung, deren Realisierung mehr
als 20 Jahre in Anspruch genommen hat. Es
gebe kein Instrument der Trassensicherung
während eines Genehmigungsverfahrens,
kritisierte die Verbund-Managerin. Daher
könnten auf der Trasse liegende Flächen
nahezu jederzeit umgewidmet werden, was
das Projekt weiter behindere, wenn nicht
sogar verhindere.
Notwendige Unterstützung
Überdies fehlten einheitliche Regeln hinsichtlich der erlaubten Stärke der Magnetfelder, die von den Stromleitungen erzeugt
werden. Auch diesbezüglich bestehe dringender Handlungsbedarf seitens der Politik.
Notwendig sei aber auch ein besseres Regulierungsregime, das eine angemessene Verzinsung der Investitionen in die Leitungen
erlaube, betonte Baumgartner-Gabitzer. Sie
verwies auf die seit Beginn der Liberalisierung erfolgten Senkungen der Netztarife
um 26,8 Prozent. Wie Baumgartner-Gabitzer
betonte, ist die E-Wirtschaft bereit, Lücken
im Übertragungsnetz zu schließen: „Wir
brauchen dafür allerdings die Unterstützung der Politik und des Regulators.“
n
Als „EUEinkaufs­
gemein­schaft“
sind wir eine
Macht.
EU-Energiekommissar Günther
Oettinger
Info
Die Leitungen der im European Network of Transmission System Operators
for Electricity (Entso-E)
kooperierenden Übertragungsnetzbetreiber haben
eine Gesamtlänge von
rund 300.000 km. Um die
wachsende Einspeisung von
Strom aus erneuerbaren
Energien ohne Probleme
zu bewältigen, müssen
bis 2020 neue Leitungen
mit 35.300 km Länge neu
errichtet und solche mit
6900 km Länge ertüchtigt
werden, sieht der Ten Year
Network Development Plan
(Tyndp) der Entso-E vor. Die
EU-Kommission kündigte
im Frühjahr 2011 Vorschläge
für europaweit einheitliche
Genehmigungsverfahren
an, um die Realisierung von
Leitungsbauten zu erleichtern.
Oesterreichs Energıe. · 29
Wirtschaft
Foto: Tiwag
Tiroler
Energie-Ehe
Tirols Landeshauptmann
Günther Platter und sein
Südtiroler Amtskollege
Luis Durnwalder wollen
die länderübergreifenden
Beteiligungen an den
Stromversorgern Tiwag
und SEL AG verstärken.
Die Tiwag-Tochter TigasErdgas Tirol ist bereits an
der Südtiroler Gasgesellschaft SEL Gas beteiligt.
Die Landeshauptleute
wollen auch den Zusammenschluss der Stromleitung über den Brenner
schaffen, der innerhalb
eines Jahres vollzogen
werden soll. Dem Stromzusammenschluss sollen
auch Fusionen in den
Bereichen Glasfaserkabeln,
Breitbandinternet oder
Telefonie folgen. Auch mit
Bayern will man stärker
zusammenarbeiten.
30 · Oesterreichs Energıe.
Energie AG
wieder im Plus
Siemens-Chef Peter Löscher hofft im
Zusammenhang mit dem geplanten Atomausstieg Deutschlands auf einen Auftragsschub. Der Konzern könne das Land bei der
Energiewende unterstützen, denn er verfüge über die dafür notwendigen Technologien, sagte Löscher. Rund 20 GW Leistung
aus den heutigen Atomkraftwerken müssen
bis spätestens 2022 ersetzt werden, und je
höher der Anteil der Erneuerbaren im Netz
ist, desto wichtiger werden effiziente Gasund Dampf-Kraftwerke, denn sie halten
die Netze stabil. In den ersten drei Monaten dieses Jahres waren bei Siemens vor
allem die Aufträge in der Energiesparte um
51 Prozent nach oben geschnellt. Von der
Atomkraft wendet sich der Konzern hingegen zunehmend ab.
Zuwächse für
EnergieAllianz
Die EnergieAllianz Austria hat im
Geschäftsjahr 2009/10 mehr Strom und
Gas verkauft. Stark waren vor allem die
Zuwächse in Deutschland. Der Umsatz
blieb mit rund zwei Mrd. Euro (minus
0,7 Prozent) stabil. Die verkaufte Strommenge (inklusive Handel und Netz) stieg
um 4,7 Prozent auf 18.829 GWh. Der
Gasabsatz erhöhte sich um vier Prozent auf 17.383 GWh. Das Ergebnis der
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT)
und der Jahresüberschuss stiegen von
82,4 auf rund 119 Mio. Euro. Der Bilanzverlust betrug diesmal minus 5,5 im
Vergleich minus 3,3 Mio. Euro im Vorjahr.
In Deutschland ist der Stromverkauf im
abgelaufenen Geschäftsjahr (per Ende
September) um 151 Prozent auf 1743 GWh
gestiegen. Der Gesamtumsatz in Deutschland lag bei 168 Mio. Euro.
Die Energie AG Oberösterreich (EAG) ist
in der Ende März abgeschlossenen Halbjahresbilanz wieder mit allen Geschäftsbereichen im Plus; auch mit dem in der
AVE-Gruppe zusammengefassten Segment
Entsorgung, das im Vergleichszeitraum
des Vorjahres noch rote Zahlen geschrieben hatte. Generaldirektor Leo Windtner rechnet trotz teilweise ungünstiger
Rahmenbedingungen mit einer Weiterführung der stabilen Ergebnisentwicklung.
Der Umsatz der EAG ist in den ersten
sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres um 159,1 Mio. (15,6 Prozent) auf
1,17 Mrd. Euro gewachsen. Das EBIT hat
um 39 Prozent auf 100,9 Mio. Euro zugelegt. Durch Um- und Neustrukturierungen
in der AVE-Gruppe konnte das EBIT bei
einer Umsatzsteigerung um 27,8 Prozent
auf 225,3 Mio. Euro von minus 12,5 auf
plus 9,4 Mio. Euro gedreht werden.
Sorgenia setzt auf
Erneuerbare
Die italienische Verbund-Beteiligung Sorgenia hat ein Abkommen mit der US-Investitionsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts
(KKR) zur Gründung eines Joint Ventures
für die Produktion von Windenergie in
Frankreich geschlossen. In das Joint Venture sollen Sorgenias Assets in Frankreich
einfließen, die eine Kapazität von 153 MW
haben. Außerdem sind neue Windparks mit
einer Kapazität von 95 MW in Planung.
Sorgenia will, gemäß seinem Entwicklungsplan, in den nächsten fünf Jahren
500 Mio. Euro in den Bereich erneuerbarer
Energien investieren und seine Produktion
von Windenergie verdoppeln.
Foto: Fotolia.com
Die VKW besitzt nun über
drei Viertel der Vorarlberger Erdgas GmbH (VEG).
Die Aufstockung des
Stammkapital-Anteils von
71 auf über 75 Prozent
war Voraussetzung zur angekündigten Integration
der VEG in den illwerke/
vkw-Konzern. Nach Angaben der VKW haben bisher
die Gemeinden Lauterach
und Hard (Bezirk Bregenz)
sowie Rankweil (Bezirk
Feldkirch) und Bürs (Bezirk
Bludenz) ihre VEG-Anteile
an die VKW veräußert.
Weitere Vertragsunterzeichnungen mit anderen
Kommunen sind geplant.
Auftragsschub durch
Atomausstieg
Foto: Siemens
VKW erhöhte
Anteil an VEG
Juni 2011
Kommentar
von Milan Frühbauer
Denksportaufgabe für 2025
Die deutsche Energiepolitik hat den Ausstieg aus der Kernkraft beschlossen. Mit
Ablaufdatum. Hierzulande wird hingegen
– wir brauchen ja mangels Einstieg den
Ausstieg nicht – mit Zieldatum der Einstieg
in die nationale Energieautarkie diskutiert: Mehr an politischer Verdrängung der
Funktionsmechanismen des Europäischen
Binnenmarktkonzeptes ist kaum mehr
denkbar.
Doch wann kommt der Einstieg in die
Sicherung des Aufstiegs? Es wäre für
Österreich eine mehr als lohnende Denkaufgabe, schon jetzt darüber nachzudenken, wie dieses Land – bleiben wir beim
Jahr 2025 – für internationale Investoren
attraktiv bleiben kann.
Der Hintergrund ist leicht erklärt: Die
heimische Wirtschaft ist auch deshalb
so rasch zu einem konjunkturellen Aufschwung übergegangen, weil die Volkswirtschaften in den Ländern Ost- und Südosteuropas wieder dynamisch wachsen; mit
Zuwachsraten, die rund das Doppelte jener
in den westlichen Industriestaaten Europas ausmachen. Doch wird diese Konjunkturlokomotive aus österreichischer Sicht
ewig unter Dampf stehen?
In den meisten Ländern des so genannten
CEE-Raumes sind umfassende Investitionen in die industrielle Infrastruktur
im Gange. Gleichzeitig kommt es zu einer
Modernisierung diverser Dienstleistungs­
angebote und zur breitflächigen Sanierung
der Metropolen wie Prag, Warschau, Budapest oder Sofia.
Die Lebensqualität in diesen Ländern
wird sich nachhaltig verbessern. Dazu
kommen attraktive Steuersätze und
Staatshaushalte, die teilweise eine deutlich geringere Verschuldung des Staates
zu bedienen haben, als dies etwa in
Österreich der Fall ist. Denn hierzulande
macht der jährliche Zinsendienst allein
des Bundes schon so viel aus wie das
Land für Forschung und Entwicklung
insgesamt ausgibt, und zwar GebietsJuni 2011
körperschaften und Privatunternehmen
zusammen.
Wo da die Zusammenhänge liegen?
Nun, derzeit ist dieses Land nicht nur
export­seitig und bei den aktiven Direkt­
investitionen stark in den CEE-Ländern
engagiert. Was wachstumsfördernd
hinzukommt, das sind rund 400 regionale
Headquarters, die von Österreich aus die
Emerging Markets im Osten und im Süd­
osten bearbeiten. Deren Beitrag zur konjunkturellen Entwicklung wird oft sträflich
unterschätzt. Allein ihr Bedarf an hochqualitativen, unternehmensnahen Dienstleistungen sichert hierzulande tausende
wertschöpfungsintensive Arbeitsplätze,
von den Wirtschaftstreuhändern über die
Rechtsanwälte bis zu den Marktforschern
und Marketingstrategen.
Doch wo steht geschrieben, dass diese
Unternehmenseinheiten aus schier aller
Welt auch im Jahre 2025 den Standort
Österreich als alternativlos betrachten
werden? Was macht uns so sicher, dass bis
dahin nicht Prag oder gar Bukarest diese
Funktion zu übernehmen vermögen?
Es wäre also hoch an der Zeit, wenn sich
die politischen Verantwortungsträger
und die Unternehmensführungen mit
stark internationalem Zuschnitt den Kopf
­darüber zerbrächen, wie die Standortqualität des Landes mittelfristig erhalten
werden kann. Und zwar unter den Rahmenbedingungen aufstrebender Länder
bzw. Metropolen in der Nachbarschaft, die
uns in einem Jahrzehnt in Sachen Infrastruktur und Lebensqualität möglicherweise um nichts nachstehen werden.
Das wäre eine nationale Denksportaufgabe,
wohl wert, dass sich die Eliten des Landes
ihrer annehmen. Gewiss, das ist kein leichtes Unterfangen, jedenfalls nicht an zwei
Halbtagen – zeitlich bedrängt durch zwei
Pressekonferenzen – in zugegeben frischer
Semmering-Luft zu bewerkstelligen. Das
wäre ein längeres Klausurprogramm. Aber
es lohnte sich allemal.
Dkfm. Milan Frühbauer,
langjähriger Chefredakteur der
Wochenzeitschrift „industrie“,
Journalist und Universitätslektor
für Öffentlichkeitsarbeit
Oesterreichs Energıe. · 31
Wirtschaft
„Wir werden die Kli
Österreichs E-Wirtschaft hat ihre Hausaufgaben zur Treibhausgas-Reduktion
gut im Griff, erklärt der neue Sprecher Erzeugung von Oesterreichs Energie,
Karl Heinz Gruber, Vorstand der Verbund Power AG.
In zehn Jahren
haben wir
die Ziele der
Energiestrategie
nicht nur
erreicht,
sondern
übertroffen.
Oesterreichs Energie: Deutschland
hat den Ausstieg aus der Atomenergie
beschlossen, und damit gehen schrittweise
enorme Kraftwerkskapazitäten vom Netz.
Was bedeutet das für die österreichische
Stromerzeugung?
Karl Heinz Gruber: Dieser Beschluss ist
zwar eine nationale Maßnahme Deutschlands, stellt aber auch für uns als Nachbarland eine große Herausforderung dar.
Es müssen nicht nur in Deutschland rasch
Alternativen gesucht werden – die gesamten Stromflüsse in Europa werden gehörig
verschoben. Positiv ist, dass durch die
damit steigenden Strompreise Projekte, die
bisher aus betriebswirtschaftlicher Sicht an
der Grenze des Machbaren waren, wieder
interessanter werden.
Allerdings stört mich an der aktuellen
Diskussion, dass die Wasserkraft bei
der Chancenbewertung für erneuerbare
Energien immer noch zu wenig Berücksichtigung findet. Die EU-27 haben noch
ein sehr hohes Erschließungspotenzial an
Wasserkraft, konkret fast 180 Mrd. kWh,
der österreichische Anteil daran liegt bei
etwa sieben Prozent.
Oesterreichs Energie: Wie sehen Sie die
anderen erneuerbaren Energien?
Karl Heinz Gruber: Neben der Wasserkraft, die weiterhin die absolute Nummer
eins bei den erneuerbaren Energieträgern bleiben wird, werden Photovoltaik
und Windkraft jetzt sicher mit noch mehr
Rückenwind entwickelt werden. Der Ausbau
der Photovoltaik ist allerdings nach wie
vor eine Frage der Kosten. Das Interesse
muss auf Technologien gelegt werden, die
den größten energie- und volkswirtschaftlichen Effekt haben und in Zukunft bringen
werden, und das bei gleichzeitiger Emissionsvermeidung. Deshalb muss der weitere
32 · Oesterreichs Energıe.
Von Ernst Brandstetter
Ausbau der erneuerbaren Energien in Richtung Wasserkraft gehen, die mit Abstand die
wirtschaftlichste Energieform ist
Oesterreichs Energie: Was bedeutet das
jetzt für Österreich?
Karl Heinz Gruber: Erstens: Ich hoffe, dass
es wieder zu einer Stärkung des Bewusstseins dafür kommt, welchen Schatz wir mit
unserer Wasserkraft eigentlich haben. Wenn
das öffentliche Bekenntnis für die erneuerbaren Energien insgesamt steigt, dann
werden wir auch einen sanften Ausbau der
Wasserkraft ermöglichen. Zweites Thema ist
die Zunahme des Bedarfes an Ausgleichsund Regelenergie durch den massiven
Ausbau von Wind und Photovoltaik – nicht
nur bei uns, sondern insbesondere in
Deutschland.
Wenn es tatsächlich zu dieser geplanten
Erhöhung der installierten Leistung bei
diesen Energieformen kommt, gibt es
zusätzlichen Bedarf an ausgleichenden
Erzeugungsformen, konkret an Pumpspeicherenergie. Und drittens sind alle Maßnahmen zu ergreifen, um die Effizienz der
Stromproduktion in unseren Kraftwerken
zu erhöhen.
Oesterreichs Energie: Wenn in Deutschland hohe Erzeugungskapazitäten vom
Netz gehen, hat das auch noch andere
Konsequenzen für Österreich?
Karl Heinz Gruber: Wir werden uns auf
jeden Fall zukünftig noch mehr anstrengen
müssen, viel Eigenerzeugung zu haben und
hier wiederum einen möglichst hohen Anteil
an erneuerbaren Energien. Bei der Wasserkraft können wir in den kommenden Jahren
zusätzlich etwa zehn Prozent oder sieben
Mrd. kWh ausbauen. Die Stromproduktion
aus Windkraft können wir mittelfristig
verdoppeln, und Photovoltaik ist – wie
Juni 2011
Wirtschaft
maziele schaffen“
schon gesagt – eine reine Geldfrage. Ich
persönlich erwarte, dass wir in den kommenden Jahren aus dieser Situation einen
Technologieschub für alle Bereiche erleben
werden – und in Summe kann Österreich
langfristig von den geänderten Rahmenbedingungen profitieren. Sollten wir den
gerade dargelegten Erzeugungsausbau
aber nicht schaffen, muss uns bewusst
sein, dass wir in Zukunft mehr Stromimporte benötigen. Ob dieser Strom so sauber
erzeugt wird wie unsere mögliche Eigenproduktion, ist eine andere Frage.
Die wichtigste Aufgabe ist es,
eine für Mensch und Umwelt
verträgliche Stromversorgung
zu vernünftigen Bedingungen
sicher zu stellen.
Foto: Andy Urban
Zur Person
Dipl.-Ing. Karl Heinz Gruber
ist Vorsitzender des Lenkungsausschusses Erzeugung von Oesterreichs Energie, Sprecher Erzeugung von
Oesterreichs Energie und
Vorstand der Verbund
Hydro Power AG.
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rb
an
Oesterreichs Energie: Umweltminister
Berlakovich plant aktuell die Energieautarkie, wie passt das mit den Planungen und Prognosen der E-Wirtschaft
zusammen?
Karl Heinz Gruber: Autarkie kann und
wird es nicht geben, es sei denn, man entfernt die grenzüberschreitenden Leitungen
und schottet Österreich ab. Die Physik
jedenfalls kennt keine Landesgrenzen,
und die physikalischen Grundgesetze
können auch von der Politik nicht ausgehebelt
werden. Es muss
ein sinnvolles
Gesamtsystem
geschaffen
werden, bei dem die Energieträger dort
genutzt werden, wo sie das beste Potenzial
haben. Das ist im Groben der Wind in Nord­
europa, die Sonne im Süden und die Wasserkraft in den Alpen. Das macht sowohl
Juni 2011
Oesterreichs Energıe. · 33
Wirtschaft
StromAutarkie ist
heute viel eher
möglich als die
totale EnergieAutarkie.
volkswirtschaftlich als auch ökologisch
Sinn. Voraussetzung dafür ist allerdings,
dass wir immer Europa als Ganzes betrachten und die entsprechenden Netzinfrastruktur schaffen.
Strom-Autarkie im weiteren Sinne ist heute
viel eher möglich als eine totale EnergieAutarkie. In einer über das Jahr verteilten
Gesamt-Strombilanz kann Österreich ohne
Importe auskommen. Der Erfolg hängt
davon ab, wie sich die Strom-Anwendungen
entwickeln und uns die nötige Akzeptanz
zur Umsetzung der Projekte geschenkt
wird.
Oesterreichs Energie: Wie könnte die
Stromversorgung Österreichs aus Ihrer
Sicht in zehn Jahren aussehen?
Karl Heinz Gruber: In zehn Jahren haben
wir in Österreich die Ziele der Energiestrategie nicht nur erreicht, sondern übertroffen. Die möglichen Potenziale an erneuerbaren Energien im Wasser-, Wind- und
Photovoltaikbereich werden weitestgehend
ausgebaut sein. Wir haben als wichtige
Ergänzung effiziente Gaskraftwerke im
Einsatz, vor allem in Bereichen, wo KraftWärme-Kopplung möglich ist.
Biomassekraftwerke und Abfallverbrennungsanlagen ergänzen den Erzeugungspark. Und sicherlich werden zur Sicherung
der Stromversorgung auch noch einige
hochmoderne Kohlekraftwerke mit Wärmeauskopplung in Betrieb sein. Wir werden,
was den Strom angeht, die Klimaziele
in Österreich auf jeden Fall erfüllen. Die
Technologie dafür haben wir, es geht nur
darum, die Akzeptanz zu schaffen, dass wir
die passenden Technologien auch an den
optimalen Standorten einsetzen können.
Oesterreichs Energie: Werden die Bürger
diesen Weg mitgehen?
Karl Heinz Gruber: Ich sehe es als eine
unserer ganz wichtigen Aufgaben an, den
Menschen die komplexen Mechanismen
des europäischen Energiesystems so einfach wie möglich verständlich zu machen.
Es muss uns gelingen, die technischen
Schritte von der Stromerzeugung bis zur
Stromentnahme aus der Steckdose für die
Bürger verständlich zu machen. Nur wenn
uns gelingt, die Gesamtzusammenhänge
dazustellen, wird es möglich sein, neue
Kraftwerke dort zu bauen, wo sie auch am
effizientesten sind.
34 · Oesterreichs Energıe.
Oesterreichs Energie: Was sind die wichtigsten Aufgaben, die wir heute angehen
müssen?
Karl Heinz Gruber: Wichtigste Aufgabe
ist es, eine für Mensch und Umwelt verträgliche Stromversorgung zu vernünftigen
Bedingungen sicherzustellen. Und zwar
unter der Prämisse, die Ziele des Klimaschutzes auch tatsächlich zu erreichen.
Dazu wird die reine Effizienzsteigerung
alleine nicht ausreichen, wir müssen auch
neue, in allen Belangen nachhaltige Erzeugungseinheiten errichten. Dazu brauchen
wir gleiche rechtliche und wirtschaftliche
Rahmenbedingungen für alle Technologien
und bei den Menschen das Bewusstsein,
dass sie diese Fragen persönlich betreffen
und sie damit ihre Zukunft gestalten.
Oesterreichs Energie: Österreichs E-Wirtschaft hat die Liberalisierung hervorragend gemeistert. Was erwarten Sie in den
kommenden Jahren?
Karl Heinz Gruber: Nicht nur der Verbund,
sondern auch alle anderen Elektrizitätsunternehmen haben seit Beginn der Liberalisierung ein hartes Sparprogramm durchgezogen. Es ist uns gelungen, die Zeiten des
starken Strompreisverfalls einigermaßen
gut zu überstehen. Heute sind wir wieder
fit für den Markt und nehmen wieder eine
aktive Rolle bei der Entwicklung einer nachhaltigen Stromzukunft in Europa ein.
Oesterreichs Energie: Wie haben Sie diese
Entwicklung miterlebt?
Karl Heinz Gruber: Ich habe als Assistent
von meinem Vorgänger Herbert Schröfelbauer rund um die Jahrtausendwende diese
wirklich harte Phase aktiv erlebt. Die neuen
Rahmenbedingungen haben uns gezwungen, unpopuläre, aber absolut notwendige
Entscheidungen zu treffen. Wir mussten
die Belegschaft beim Verbund mehr als
halbieren, zum Glück konnten wir über
entsprechende Sozialprogramme diesen
personellen Schnitt so sanft und erträglich
wie möglich vollziehen.
Zahlreiche gute Projekte, die wir damals
im Portfolio hatten, mussten in die Schublade gelegt werden – mit ein Grund, dass
Österreich zum Nettoimporteur von Strom
wurde. Erst ab 2002 erholte sich die Situation langsam, und man konnte wieder
über Investitionsentscheidungen nachdenken. Heute haben wir wieder die Chance,
Juni 2011
Wirtschaft
wichtige Kraftwerksprojekte in Österreich
umzusetzen und dabei auch zusätzliche
Arbeitsplätze zu schaffen. Allein im Verbund haben wir rund 25 Projekte mit einem
Gesamtvolumen von drei Mrd. Euro in
Arbeit, in der gesamten E-Wirtschaft sind
es über 80 Projekte.
Oesterreichs Energie: Sehen Sie die
Gefahr, dass die Regulierung immer stärker in den liberalisierten Bereich eingreift?
Zum Beispiel steigende Netztarife für
Erzeuger?
Karl Heinz Gruber: Regulierung gehört –
wie wir gelernt haben – mittlerweile zum
liberalisierten Markt, und wir haben damit
zu leben. Es kann allerdings nicht so weitergehen, dass besonders die Erzeugung durch
die Regulierung immer stärker belastet
wird. Österreich liegt mitten in Europa und
steht mit allen umliegenden Ländern in
physikalischer und marktwirtschaftlicher
Verbindung.
Besser wäre es aus meiner Sicht, die einzelnen Technologien im freien Wettbewerb
agieren zu lassen und diesen Wettbewerb
nicht durch verschiedene Netztarife oder
unterschiedliche Einspeisetarife zu verzerren. Belastungen der Erzeugung durch
Netztarife sind – wenn überhaupt – nur
dann sinnvoll, wenn sie europaweit gleich
sind.
Ein Beispiel: Österreichs großes Asset sind
die Pumpspeicher, und wir alle wissen,
dass hier zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden müssen. Nur so können wir
die Ausbauziele der erneuerbaren Energieformen Wind und Sonne auch wirklich
umsetzen. Eine Belastung dieser Anlagen
durch hohe Netztarife würde aber gerade
diesem Ausbau und dem Betrieb entgegenwirken.
Oesterreichs Energie: Als Vorsitzender
des Lenkungsausschusses Erzeugung von
Oesterreichs Energie sprechen Sie nicht
nur für Wasserkraft, die Stärke des Verbund?
Karl Heinz Gruber: Obwohl ich natürlich
als Vorstand der Verbund Hydro Power AG
voll und ganz auf Wasserkraft setze, ver­
stehe ich mich als Sprecher Erzeugung von
Oesterreichs Energie selbstverständlich als
Vertreter aller Stromerzeugungstechnologien, unserer Mitgliedsunternehmen.
Hier kommt mir meine bisherige berufliche
Juni 2011
Ich setze voll und ganz auf
Wasserkraft.
Foto: Andy Urban
Erfahrung beim Verbund zu gute. Nach
meinem Start vor 20 Jahren in Kärnten
im thermischen Kraftwerksbereich habe
ich durch verschiedene Funktionen im
Konzern bis heute mein Wissensspektrum
in den Bereichen der neuen erneuerbaren
Energien und der Wasserkraft verbreitern
können. Dazu zählten die Errichtung der
ersten 1,5-MW-Windkraftanlage in Österreich ebenso wie die Umsetzung der Restmüllverwertungsanlage in Kärnten oder die
Errichtung von über 2000-MW-Gasturbinenkraftwerken, Windparks und Photovoltaikanlagen unserer Italien-Tochter.
Mit meiner Funktion in der Verbund Hydro
Power AG wurde ich zu einem glühender
Verfechter der sauberen Wasserkraft. Aber
wie erwähnt, vertrete ich alle Erzeugungsbereiche und werde mich mit aller Kraft
und Sorgfalt für den österreichischen
Erzeugungsmix einsetzen.
n
Es kann
nicht so
weitergehen,
dass die
Erzeugung
durch die
Regulierung
immer stärker
belastet wird.
Oesterreichs Energıe. · 35
Wirtschaft
Erneuerbare machen als
Tourismusziele Furore
Foto: May
Erstmals wurde ein Reiseführer herausgebracht, der sich ausschlieSSlich
„regenerativen Reisezielen“ widmet. Oesterreichs Energie hat im
„Erneuerbaren-Baedeker“ geblättert. L
Info
Der Fachautor Martin Frey
hat erstmals in seinem
Reiseführer zu den „Erneuerbaren“ in Deutschland
pro Bundesland zehn Ziele
und vielfältige Initiativen
beschrieben. Als besonders
fortschrittlich erweisen sich
dabei die Klöster.
36 · Oesterreichs Energıe.
autlos gleitet das Schiffchen über die
Spree. Nicht einmal ein Dutzend Personen passen drauf, und doch ist es
eine Besonderheit: ein Solarboot, von Sonnenenergie angetrieben. Eines der Beispiele
für die Anwendung erneuerbarer Energien
in Deutschland, wie sie im kürzlich vorgestellten Reiseführer aus dem Hause Baedeker angeführt werden. „Deutschland
– Erneuerbare Energien entdecken“ nennt
sich das Buch und wurde von Martin Frey,
einem Fachjournalisten aus dem Energiebereich, zusammengestellt. Es führt zu mehr
als 160 Reisezielen, die bemerkenswerte
Standorte der erneuerbaren Energien vorstellen.
Es hat derzeit fast den Anschein, als würden
die Deutschen aus der Not mit der Energiewende eine Tugend machen wollen: Mehr
und mehr finden sie sich in den Abschied
von der ohnedies wenig geschätzten Atom-
Von Stephan May
energie und verlieren die Scheu vor deren
regenerativen Erben. Noch gibt es die
Reserviertheit im Lande gegenüber einer
Ansammlung von Windrädern, doch es wird
auch versucht, das neue Zusammenleben
mit den Erneuerbaren sinnstiftend umzusetzen.
Seit 16 Jahren beschäftige er sich schon mit
der Materie, sagt Autor Frey. „Dass man die
Zukunft schon leben kann, ist die Idee, die
hinter diesem Reiseführer steckt.“ Außerdem: „Es gibt viele Vordenker, die es verdient
haben, die Früchte ihrer Arbeit zu ernten.“
Die seien jetzt, in Zeiten hastiger Umstellungen auf dem Energiesektor, gefragte
Berater. Und was man auf den ersten Blick
vielleicht nicht für möglich gehalten hätte:
Just in den Klöstern wird an der neuen
Zukunft gearbeitet: „Da sitzen Mönche und
Nonnen, die sind innovativer und fitter als
manche Politiker, die meinen, sie seien auf
Juni 2011
Wirtschaft
der Höhe der Zeit“, sagt Frey. „Das ist eine
jahrhundertealte Tradition, dass man sich
selbst versorgt.“
Erfolgsgeschichte
Diese „Inseln“ seien Vorbilder, die anschaulich machen würden, wie es später einmal
flächendeckend aussehen werde. Der Reiseführer soll aber nicht ein Handbuch für
Insider sein. Man merkt es Frey an, dass er
der Gefahr entgegenarbeitet, man könne ihn
als grünen Idealisten abstempeln. Deshalb
hat er sein Buch für alle – Familien, Individualisten, Fachleute – angelegt: „Man soll
es sich gut gehen lassen“, sagt er, „Man soll
sich am Ziel informieren, dort übernachten,
Kunst und Kultur erleben.“ Er wolle einen
Mehrfachnutzen für den Reisenden erreichen. Deshalb gibt es in dem Buch unterschiedliche Kapitel: Der blaue Teil informiert mit Fakten. Die Auswirkungen des Klimawandels werden beleuchtet, die erneuerbaren Energien als Erfolgsgeschichte für
die Wirtschaft erläutert.
„Ich will auch über kleine, lokale Lösungen
informieren“, ergänzt Frey. „Die erneuerbaren Energien sind vielfältig zu ernten, in
Kombination miteinander, mit geeigneter
Speicherung.“
Daran schließen sieben Routenvorschläge,
vom Karwendelgebirge bis zur Mecklenburgischen Seenplatte, mit denen sich mehrere
Ziele innerhalb von ein bis zwei Wochen
bereisen lassen. Vornehmlich mit den
öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Elektro-
auto oder dem Fahrrad, versteht sich. Ein
Abschnitt erklärt die Technologien im Einzelnen, ein anderer ist der Kartenteil.
Den größten Teil des Buchs nimmt die
Beschreibung der einzelnen Reiseziele ein,
jeweils mit Angabe der nächsten Haltestelle von Bus und Bahn. Anders als in den
gängigen Reiseführern sind hier etwa die
Highlights der deutschen Hauptstadt das
Regierungsviertel mit seiner ökologischen
Wärmeversorgung, der Hauptbahnhof mit
seinen 1700 m2 Solarzellen auf dem Hallendach – und eben das kleine Solarboot.
Solarboot aus Kreuzberg
Leben könne man von diesem Charterfahrzeug nicht, gibt Herr Michael, der Eigentümer aus Berlin-Kreuzberg, allerdings zu,
während wir durch das Regierungsviertel schippern. Das Geschäft ist mehr vom
Wetter abhängig als das Boot selbst. Denn
dieses versorgt sich mittels Batterie und
funktioniert auch ohne Sonne. 16 Akkus mit
einer Kapazität von 230 Amperestunden
weist es auf und zwei Motoren. Als Dach hat
das Schiffchen 16 m2 Solarzellen.
Es wäre ja auch wirklich idyllisch, mit dem
lautlosen Gefährt durch die geschäftige
Stadt zu schaukeln, würden nicht andauernd die dicht besetzten dicken Ausflugskähne der Berliner Reedereien überholen
und die Dieselschwaden aus ihren Auspuffrohren auf das kleine Boot pusten. „Wenn
die Sonne scheint, kann man ohne Ende
fahren“, sagt der Kapitän über sein Vehikel.
Schon
95 Prozent
der Deutschen
halten die
verstärkte
Nutzung der
erneuerbaren
Energien für
wichtig.
Forsa-Studie
Störlichtbogenschutz mit DEHNarc
A
ls effektiver Störlichtbogenschutz sollte ein Schutzsystem eingesetzt werden, das durch extrem kurze
Abschaltzeiten die verheerenden Auswirkungen eines
Störlichtbogens stark reduziert. Entscheidend dabei ist
die sehr schnelle Übertragung des Störlichtbogenstromes in einen kurzgeschlossenen Parallelzweig, den
sogenannten Kurzschließer. Das effektive Zusammenwirken zwischen Lichtbogenerfassung und Kurzschließer
löscht bereits nach wenigen Millisekunden den Störlichtbogen, noch bevor die Überstromschutzeinrichtung zum
Auslösen kommt. Das schnelle und aufeinander abgestimmte Zusammenwirken der Komponenten des Störlichtbogenschutzsystems DEHNarc, bestehend aus optischer Erfassung, Steuergerät und Kurzschließereinheit,
Juni 2011
sorgt in NS-Schaltanlagen für
kürzeste Abschaltzeiten beim
Entstehen von Störlichtbögen.
Durch diese Präventivmaßnahme werden Personen vor den
Auswirkungen von Störlichtbögen geschützt, Anlagenschäden und folglich Anlagenausfälle
sowie die daraus resultierenden
Kos­ten vermieden.
Leseranfragen bitte an: DEHN
AUSTRIA, Volkersdorf 8,
A-4470 Enns, Tel. 0 72 23/803 56, Fax 0 72 23/803 73,
Internet: http://www.dehn.at, E-Mail: info@dehn.at
Oesterreichs Energıe. · 37
Wirtschaft
Die bayerische Benediktinerabtei
Münsterschwarzach weist seit
2008 eine ausgeglichene
CO2-Bilanz auf.
Foto: Abtei Münsterschwarzach
Zehn
regenerative
Reiseziele pro
Bundesland
sind in
Deutschland
nicht das
Ende der
Fahnenstange.
Fachautor Martin Frey
38 · Oesterreichs Energıe.
12 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit des
dreizehn Jahre alten Boots. Ursprünglich
war es eine Fähre über den Bodensee zwischen der Schweiz und Deutschland, bevor
es umgebaut und nach Berlin gebracht
wurde. Auf dem Bodensee versehen heute
größere Solarboote ihren Dienst. Auch sie
sind Ausflugsziele des Reiseführers.
Ungefähr zehn Ziele pro Bundesland hat
der Autor beschrieben. „Das ist nicht das
Ende der Fahnenstange“, sagt er. „Es gibt
eine Riesendichte, ich kenne bestimmt 500
Ziele.“ Er habe einfach einmal Lust auf die
neuen Technologien machen wollen. Für den
Verlag wäre darüber hinaus die touristische
Infrastruktur eines Ortes, der Freizeit­
aspekt, wichtig für die Auswahl gewesen.
„Essen, Trinken, Kultur und Freizeit – das
macht einen Touristenort der erneuerbaren
Energien aus“, sagt Frey. Dabei habe er Wert
auf regionales Essen und Trinken gelegt:
„Das ist auch Energieeinsparung und hilft
den erneuerbaren Energien“, sagt er.
Windpark mit Gasthaus
Beispiel Willingen in Rheinland-Pfalz: Dort
ist ein Windpark mit einem Gasthaus kombiniert, wo Seminare zum Thema erneuerbare Energien angeboten werden. Die bayrische Benediktinerabtei Münsterschwarzach weist seit 2008 eine ausgeglichene
CO2-Bilanz auf – nicht zuletzt dank der
1,2-MW-Hackschnitzelheizung.
Man erfährt vieles über die zahlreichen Initiativen, die mittlerweile klaglos funktionieren und sich mitunter zu regionalen Stromversorgern gemausert haben. Schön­
au im
Schwarzwald etwa gilt als Ort der „Stromrebellen“: 1997 gelang es den Bürgern, das
Stromnetz zurückzukaufen, die seither ihre
eigenen Energieversorger sind. Ein Beispiel dafür, dass die erneuerbaren Energien
in der Bevölkerung inzwischen mehr und
mehr akzeptiert sind.
Die frühe Einbindung in neue Projekte sei
sehr wichtig, sagt Irina Rau von der Forschungsgruppe Umweltpsychologie an der
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.
„Wenn so etwas wie dieses Buch zum Tourismus beitragen kann, dann könnte das
ein weiterer, Akzeptanz fördernder, Aspekt
sein“, meint sie. Wesentlich für die Bevölkerung sei zudem die Frage, ob auch sie etwas
von den im Ort neu einziehenden regenerativen Energien hat oder nur der Betreiber.
Raus aus der Nische
Laut einer Forsa-Umfrage aus dem vergangenen Jahr halten immerhin 95 Prozent der
Deutschen den Ausbau und die verstärkte
Nutzung der erneuerbaren Energien für
wichtig. Dieser Wunsch geht quer durch alle
Altersschichten, Bildungsniveaus und politischen Zugehörigkeiten. Dafür wird auch
ein höherer Strompreis in Kauf genommen.
Selbst in der eigenen Umgebung sind die
Anlagen inzwischen nicht mehr unwillkommen: Bis zu 75 Prozent stimmen dem zu.
Interessanter Nebenaspekt: Mehr als die
Hälfte der installierten Leistung der Regenerativen ist in der Hand von Privatpersonen oder Landwirten. In den letzten
Jahren ist zudem ein Trend zur Professionalisierung zu bemerken: Aus der Bürgerinitiative wird das Bürgerunternehmen.
Das Selbstbewusstsein der erneuerbaren
Energien wächst also, schon haben sie ihre
Nische verlassen; noch dazu, wo sie nun
erstmals sogar zu Pilgerzielen geworden
sind.
n
Juni 2011
Kommentar
von Christof Zernatto
Zehn Jahre „Minus“ sind genug
Im September 2011 jährt sich zum zehnten
Mal die Voll-Liberalisierung des Strommarkts in Österreich. Die E-Wirtschaft
hat diesen Systemwechsel von Monopolbetrieben der Daseinsvorsorge zu wettbewerbsorientierten Unternehmen bravourös
gemeistert. Über 130 Stromlieferanten
wollen inzwischen die Kunden mit den
nötigen Kilowattstunden versorgen. Und
alle können diese Energie gleichberechtigt
über die entbündelten Netze liefern.
Nur etwa ein Drittel des Strompreises
entfällt auf den tatsächlichen Energiepreis. Die Netzentgelte – ebenfalls etwa
ein ­Drittel – werden vom Regulator festgelegt, und die Unternehmen haben nur
beschränkten Gestaltungsraum im Rahmen
der Anreizregulierung. Ein weiteres Drittel
des Endkundenpreises entfällt schließlich
auf Steuern und Abgaben. In mehreren
Schritten hat die Regulierungsbehörde
zudem die Netzentgelte gesenkt, sodass
Österreich heute geradezu als Paradebeispiel der Senkung der Netzgebühren
bezeichnet werden kann. Aktuell liegen
die Netzentgelte um 26 Prozent unter dem
Niveau zum Start der Regulierung. In
Deutschland hält man aktuell bei minus
20 Prozent. Im Mutterland der Liberalisierung – das Werk der Baroness Thatcher of
Kesteven – steht man inzwischen wieder
bei minus dreizehn Prozent und in Schweden sogar bei plus 30 Prozent.
Trotz des zunehmenden Wettbewerbs und
eingezwängt in das enge Regulierungskorsett hat Österreichs E-Wirtschaft ihre
Verantwortung zur Sicherung der Versorgung bestens erfüllt: Seit Beginn der
Liberalisierung wurden rund vier Mrd.
Euro in die Stromerzeugung investiert.
Insbesondere ab 2006 gab es wieder einen
starken Anstieg der Investitionen, so dass
das heutige Investitionsniveau von rund
600 Mio. € pro Jahr sogar deutlich über
dem Vor-Liberalisierungsniveau von rund
400 Mio. € pro Jahr liegt.
Auch die Netzbetreiber investierten trotz
der massiven Reduktionen der Netztarife
nach der Liberalisierung kumuliert rund
Juni 2011
fünf Mrd. Euro in die Netzinfrastruktur.
Damit wurde nicht nur der Ausbau des
europäischen Verbundnetzes gefördert,
sondern auch die Versorgungszuverlässigkeit gesichert. Die Netzverluste sanken
so um rund zwei Prozent pro Jahr. Umgerechnet bedeutet das Einsparungen von
rund einer Mrd. Euro oder einer Mio. t CO2;
soweit die Vergangenheit.
Blickt man in die Zukunft, wird rasch
klar, dass wir vor massiven Investitionen
in die Stromerzeugung aus nachhaltigen
Quellen und in die Netze stehen. Österreichs E-Wirtschaft hat bisher auf der
Erzeugungsseite Projekte mit einer Inves­
titionssumme von über acht Mrd. Euro
präsentiert. Im Netzbereich sind derzeit
für Instandhaltung und den Ausbau der
Infrastruktur Investitionen von sieben
Mrd. Euro sichtbar. Dazu kommen noch
Milliarden-Investitionen für Smart Grids.
Und das ist noch nicht alles: Der Atomausstieg Deutschlands lässt dort bereits
die Netzbetreiber zittern, denn sie sehen
eine steigende Gefahr durch den Wegfall
von gesicherter Kraftwerksleistung. 2006
saßen in ganz Europa zehn Mio. Menschen
im Dunkeln, bloß weil das deutsche Verbundsystem es nicht verkraftet hatte, dass
eine einzige Leitung abgeschaltet werden
musste, damit ein neues Schiff die Ems
passieren konnte. Auch in Österreich gab
es Auswirkungen; der Großteil des Netz­
gebiets konnte nur mit knapper Not stabilisiert werden. Deutschland erwägt daher
inzwischen Sondergesetze zur Beschleunigung des Netzausbaus.
Sondergesetze wird Österreich nicht
brauchen. Es würde schon genügen, wenn
die bestehenden Gesetze und Verfahrensdauern eingehalten würden, wenn es um
Leitungsprojekte geht. Und natürlich wird
man mehr Geld in die Netze investieren
müssen – mit Rückwirkungen auf die
Netztarife. Zehn Jahre „Minus“ sind genug,
jetzt brauchen wir eine zukunftsgerichtete
Regulierung.
www.versorgungssicherheit.at
Dr. Christof Zernatto, Sprecher
des Forums Versorgungssicherheit
Das Forum Versorgungssicherheit
ist ein gemeinnütziger Verein.
Es setzt sich für die langfristige
Sicherung und Erhaltung der
hohen Qualitätsstandards der
österreichischen Energie- und
Wasserversorgung ein. Es wird
bereits von über 220 bedeutenden
Persönlichkeiten aus Politik,
Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur
und Sport getragen.
Oesterreichs Energıe. · 39
Wirtschaft
Neue Netze
braucht das Land
Foto: Siemens
Grundsätzlich ist eine Stromversorgung, die weitestgehend auf erneuerbaren
Energien beruht, denkbar. Die Voraussetzung dafür sind allerdings
leistungsstarke Netze, verlauteten Experten und Proponenten der
Erneuerbaren bei einer Podiumsdiskussion des Umweltbundesamts.
G
ezielte Ausbauten im Übertragungsnetz sind unverzichtbar, wenn das
künftige System zur Stromversorgung weitgehend auf erneuerbaren Energien wie Wind und Solarenergie beruhen
soll. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle
Untersuchungen von Experten der Technischen Universitäten Wien und Graz, die
bei einer Podiumsdiskussion des Umweltbundesamtes (UBA) in Wien präsentiert
wurden.
40 · Oesterreichs Energıe.
Wie Hans Auer von von der Energy Economics Group (EEG) der TU Wien erläuterte,
ist in den kommenden Jahren weiterhin
mit einem tendenziell steigenden Strombedarf zu rechnen. Nicht zuletzt durch
Effizienz­gewinne bei Elektrogeräten könne
zwar kurz- bis mittelfristig ein Stagnieren
oder sogar ein leichtes Sinken des Bedarfs
erwartet werden. „Das ist aber mit Sicherheit keine langfristige Entwicklung“, warnte
Auer. Neue Anwendungen wie etwa die ElekJuni 2011
Wirtschaft
tromobilität würden im Gegenteil zu einem
zumindest moderaten Bedarfszuwachs
führen. Klar ist laut Auer, dass dieser weitgehend mit erneuerbaren Energien gedeckt
werden wird. Der derzeit bestehende Kraftwerkspark altert, und bei Ersatzbauten
müsse nicht zuletzt auf klima­
politische
Vorgaben sowie auf die Endlichkeit fossiler
Energieträger wie Kohle und Erdgas Rücksicht genommen werden.
Internationaler Kontext
Immer deutlicher zeigt sich auch, dass der
Ausgleich der stark schwankenden Stromerzeugung großer Windparks und Photovoltaikanlagen nur international erfolgen
kann. Dies setzt leistungsfähige Übertragungsnetze voraus. Was Österreich betrifft,
stellt sich die Situation laut Auer wie folgt
dar: Bis etwa 2030 dürfte die Stromerzeugung aus Wasserkraftwerken von derzeit
rund 40 TWh pro Jahr auf etwa 56 TWh
anwachsen. Weitere vier TWh lassen sich
ihm zufolge bis 2040 realisieren, danach
gibt es „nur noch marginales zusätzliches
Wasserkraftpotenzial“.
Eine immer wichtigere Rolle spielen die
Pumpspeicherkraftwerke im internationalen Kontext: Auer und seine Kollegen
erwarten, dass nur etwa ein Drittel des
mit solchen Anlagen erzeugten Stroms der
Deckung der Inlandsnachfrage dienen wird.
Zwei Drittel dagegen werden als Regel- und
Ausgleichsenergie für den europäischen
Strombinnenmarkt zur Verfügung stehen.
Was die Windkraft betrifft, ist in Österreich eher mit einem verhaltenen Ausbau
zu rechnen: Bis 2030 dürften Anlagen mit
etwa 3000 MW installiert sein, derzeit sind
es etwa 1000 MW. Das Gesamtpotenzial der
Windkraft liegt Auer zufolge bei rund 4000
MW und dürfte bis 2050 ausgeschöpft sein.
Erheblich mehr ist längerfristig bei der Photovoltaik möglich: Unter Nutzung gebäudeintegrierter Technologien ließen sich bis
2050 Anlagen mit einer Gesamtleistung von
rund 18.000 MW installieren, was etwa der
Leistung des existierenden österreichischen
Kraftwerksparks entspricht. Rund 18 TWh
Strom könnten damit erzeugt werden.
1000 Szenarien, ein Ergebnis
Doch was heißt das für die Netze? Das
untersuchte Herbert Renner vom Institut
für Elektrische Anlagen der Technischen
Universität (TU Graz). Gemeinsam mit
Juni 2011
seinen Kollegen entwarf er ein detailliertes
Modell des Übertragungsnetzes in der ehemaligen Regelzone Ostösterreich der Austrian Power Grid (APG), die das gesamte
Bundesgebiet mit Ausnahme Tirols und
Vorarlbergs umfasste.
Seit Jänner 2011 wird bekanntlich auch
das Tiroler Übertragungsnetz von der APG
gemanagt. Renner erarbeitete drei Varianten für die künftige Netznutzung: Die erste
besteht darin, dass der Ausgleich schwankender Stromerzeugung ausschließlich
innerhalb Österreichs stattfindet und keine
Importe oder Exporte erfolgen. „Variante
zwei“ bildet im Wesentlichen die derzeitige Lage ab, bei der sich die Exporte und
Importe auf etwa 4200 MW belaufen. In
der dritten Variante wurde eine Verdopplung der Importe und Exporte auf etwa
8500 MW angenommen. Aufbauend auf
diesen Varianten untersuchten Renner und
seine ­
Mitarbeiter rund 1000 unterschiedliche Szenarien.
Wie der Wissenschaftler betonte, ließen die
Ergebnisse an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig: Mit zunehmender dezentraler
Einspeisung von Strom aus erneuerbaren
Energiequellen steigt auch die Netzbelas­
tung an. Vor allem in den westlichen Regionen des Netzgebietes könnten kritische
Zustände auftreten. Überlastungsgefahr
besteht aber auch für Leitungen, die Österreich mit seinen östlichen Nachbarstaaten
verbinden. „Es ist deshalb dringend erforderlich, die bestehenden Übertragungsnetze
zu verstärken und zu erweitern. Nur so ist
der ungehinderte Stromtransport zwischen
den Erzeugungseinheiten, den Speichern
und den Verbrauchern möglich.“ Phasenschieber, mit denen Stromflüsse gesteuert
werden können, seien zweifellos hilfreich
bei der Bewältigung kritischer Netzzustände. Allerdings nützten auch sie wenig,
wenn auf den Leitungen keine Kapazitäten
zum Abtransport überschüssigen Stroms
existierten.
Europäischer „Supergrid“
Den Ausbau der Übertragungsnetze im
Interesse der erneuerbaren Energien forderte auch Sven Teske, Renewable Energy
Director bei Greenpeace International. Ihm
zufolge wird die Leistung der Windparks in
Europa im Jahr 2050 mit rund 357 GW mehr
als vier Mal so hoch sein wie heute. Eine
noch erheblich stärkere Leistungszunahme
Der Strom­
bedarf sinkt
langfristig
sicher nicht.
Hans Auer,
Energy Economics Group
Info
Je nach Szenario werden
die Netze durch den Ausbau
der erneuerbaren Energien
und die dadurch bedingten
Stromtransporte für
Ausgleichs- und Regelenergie unterschiedlich stark
belastet, zeigt eine Studie
Herbert Renners von der
TU Graz. Das Wachstum
der Verbraucherlast bewegt
sich im Vergleich zu 2009
zwischen 50 und 154 Prozent. Problematisch werden
könnte die Netzbelastung
vor allem im Westen sowie
im Osten des untersuchten
Netzgebietes. Unverzichtbar für einen sicheren
Netzbetrieb sind Pumpspeicherkraftwerke, die eine
wesentliche Rolle bei der
Bewältigung des Leistungsausgleichs zwischen Netzlast und Einspeisung aus
Wind- und Photovoltaikkraftwerken übernehmen.
Oesterreichs Energıe. · 41
Wirtschaft
Foto: EVN
Die Netz­
betreiber sind
mittlwerweile
unsere
bevorzugten
Gesprächs­
partner.
Dörte Fouquet, European
Renewable Energy Federation
42 · Oesterreichs Energıe.
erwartet Teske für die Photovoltaik: Sind
derzeit europaweit Photovoltaikanlagen mit
etwa zehn GW Leistung installiert, werden
es 2050 solche mit 370 GW sein.
„Fast 100 Prozent des europäischen Strombedarfs werden 2050 mit erneuerbaren
Energieträgern gedeckt“, prognostizierte
Teske und fügte hinzu: Um die stark
schwankende Stromproduktion der einzelnen Erzeugungseinheiten auszugleichen,
würden freilich bestens ausgebaute Netze
benötigt. Greenpeace propagiert in diesem
Zusammenhang den Aufbau eines europäischen „Supergrid“, über das die Stromerzeugung großer Windparks in West- und
Nordwesteuropa mit jener leistungsstarker
Solarkraftwerke im Süden des Kontinents
und eventuell auch in Nordafrika ausgeglichen werden kann.
Österreich kommt in diesem Verbund eine
nicht nur geografisch zentrale Rolle zu,
betonte Teske: „Aus unserer Sicht ist Österreich die ‚grüne Batterie‘ Europas, in welcher der Strom aus den Nachbarländern
zwischengespeichert wird.“ Ähnlich argumentierte die Direktorin der European
Renewable Energy Federation (EREF), Dörte
Fouquet. Der nach allgemeiner Einschätzung wachsende Strombedarf müsse mit
erneuerbaren Energien gedeckt werden:
„Kohle und Kernenergie können kein Thema
mehr sein.“
Lob zollte Foquet den europäischen Netzbetreibern: „Sie sind mittlerweile unsere
bevorzugten Gesprächspartner. Denn sie
wissen, was für einen sicheren Betrieb der
Netze erforderlich ist, und sie tun alles
ihnen Mögliche, um diesen zu gewährleis­
ten.“ Genau das sei aber die Voraussetzung
für die primär auf erneuerbaren Energien
basierende Stromversorgung der Zukunft.
Als Befürworter des Ausbaus der Netze
zeigte sich zum wiederholten Mal auch
Josef Plank, der Präsident des Verbandes
„Erneuerbare Energie Österreich“ (EEÖ).
Ihm zufolge gibt es keine Alternative zu
einer so weit wie möglich auf erneuerbaren
Energien abgestützten Stromversorgung.
Juni 2011
Wirtschaft
Foto: Bewag
Doch eine solche lasse sich „mit vernünftigem Ressourceneinsatz“ nur gewährleis­
ten, wenn leistungsfähige Übertragungsund Verteilnetze zur Verfügung stehen.
Herausforderung für Österreich
Ohnehin ist Österreich mit einigen besonderen Herausforderungen hinsichtlich
seiner Stromnetze konfrontiert, erläuterte
der Technische Vorstandsdirektor der
APG, Heinz Kaupa. Die „gebirgige Landesstruktur“ mache das Netzmanagement
nicht immer einfach, und einige Leitungen
zählten mit rund 50 Jahren auch nicht
mehr zu den neuesten. Dazu komme der
europaweit geplante massive Ausbau der
„Erneuerbaren“, insbesondere der Windenergie. Laut der „European Wind Integration Study“ (EWIS-Studie) der Entso-E,
des Verbandes der europäischen Übertragungsnetzbetreiber, wird die Leistung der
installierten Windparks im Jahr 2020 mit
rund 200 GW etwa doppelt so hoch sein wie
heute. Studien von Umweltorganisationen
Juni 2011
wie Global 2000, Greenpeace und des WWF
sowie wissenschaftlicher Institutionen wie
der Energy Economics Group der TU Wien
und der TU Graz wiesen in dieselbe Richtung. Grundsätzlich sei eine zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energien beruhende
Stromversorgung durchaus darstellbar,
jedoch nur bei entsprechendem Ausbau der
Übertragungs- aber auch Verteilnetze. „Für
uns ist die Konsequenz klar: Wir haben
erheblichen Handlungsbedarf“, betonte
Kaupa. Es gelte, die Energieversorgung als
umfassendes System aus Erzeugungs- und
Speichereinheiten, Netzen sowie Stromabnehmern zu betrachten. Wenig hilfreich
sind laut Kaupa dagegen auf einzelne Komponenten des Systems fokussierte Sichtweisen. Politische Entscheidungsträger
tendierten bisweilen dazu, Ziele vorzugeben, wie etwa einen bestimmten Anteil
erneuerbarer Energien an der Deckung des
Strombedarfs. Leider würden nur selten die
sich daraus für die Netze ergebenden Konsequenzen berücksichtigt. n
Wir haben
erheblichen
Handlungs­
bedarf.
Heinz Kaupa, Vorstandsdirektor
Austrian Power Grid
Oesterreichs Energıe. · 43
Wirtschaft
Foto: Renault
Beteiligung an
Innkraftwerke
Wien Energie und EVN
werden sich mit jeweils
13 Prozent an der Verbund
Innkraftwerke GmbH
beteiligen. Die Umsetzung
der Transaktion erfolgt
nach Vorliegen der wettbewerbsrechtlichen Genehmigungen. Der Erwerb von
dreizehn Laufkraftwerken
am Inn in Bayern war die
bisher größte Akquisition
in der Verbund-Geschichte.
Der Stromkonzern erwarb
eine installierte Leistung
von 312 MW. Die jährliche
Erzeugung der Kraftwerke
beträgt 1847 GWh, doppelt
so viel wie jene des Kraftwerks Wien-Freudenau.
44 · Oesterreichs Energıe.
Foto: Siemens
„Der Aufbau der E-Mobilität bedeutet den Auf- und
Ausbau eines öffentlich
zugänglichen Stromtankstellennetzes sowie
ergänzende Maßnahmen
im Wohn- und Bürobau“,
erklärte Barbara Schmidt,
Generalsekretärin von
Oesterreichs Energie. Vor­
aussetzung für den Erfolg
der E-Mobilität sind auch
entsprechende Marktregeln für Bereitstellung und
Nutzung von Elektrizität
für die Fahrzeuge und ein
gesamtösterreichisches
Clearing- und Bezahlsys­
tem auf Basis einheitlicher
Kommunikationsschnittstellen. Schmidt weiter:
„Wir brauchen aber auch
die Chance, ausreichend
Strom aus nachhaltigen
Quellen für die E-Mobilität
bereitzustellen. Das geht
nur mittels verstärkter
Nutzung inländischer
Ressourcen.“
OffshoreMilliardengeschäft
Der Ausbau von Offshore-Windparks
könnte sich zum Milliardengeschäft für
die Bauwirtschaft entwickeln: Von den
rund 75 Mrd. Euro, die in den kommenden Jahren in die 40 geplanten Windparks
in der Nord- und Ostsee fließen werden,
könnten rund 30 Mrd. Euro an die Bauwirtschaft gehen. Baukonzerne wie Strabag,
Bilfinger Berger oder Hochtief haben
aufgrund der komplexen Anforderungen Vorteile beim Bau solcher OffshoreAnlagen. Allerdings seien die technischen
Herausforderungen und die Investitionskosten hoch, daher handle es sich um ein
Hochrisikogeschäft, warnen Experten. Der
Strabag-Konzern hat außerdem mitgeteilt,
sich an zwei Projektentwicklungsunternehmen zu beteiligen, die 15 Nordsee-Windparks mit 850 Windrädern innerhalb der
nächsten 15 Jahre errichten wollen.
investiert, sagte Google-Technikchef Urs
Hölzle. Neben der Unterstützung erneuerbarer Energien ist das eigentliche
Hauptmotiv jedoch ein kommerzielles:
Rund 400 Mio. Dollar (277 Mio. Euro) hat
der Konzern in regenerative Energieträger investiert, etwa 90 Prozent davon in
gewinnorientierte Finanzinvestitionen.
Neben Renditen geht es dem InternetRiesen wohl auch darum, seine eigenen
Stromkosten langfristig zu senken, denn
der Konzern gibt jedes Jahr enorme
Summen, vor allem für seine großen
Rechenzentren, aus.
Verbund prüft
Übernahme
Der Verbund könnte nun doch bei der
Stromverteilung von Antalya, Burdur und
Isparta in der Türkei zum Zug kommen.
Ursprünglich sollte die Akdeniz Electric
Distribution im Rahmen ihrer Privatisierung an die türkische Park Holding gehen.
Die Park Holding erklärte nun allerdings
überraschend, den Kaufpreis von rund
801 Mio. Euro nicht aufbringen zu können.
Das ursprünglich zweitgereihte Joint Venture von Verbund und der Sabanci-Gruppe
hatte 773 Mio. Euro für den Stromverteiler
geboten. Man müsse nun eine mögliche
Übernahme der Akdeniz Elektrik Dagitim
nochmals prüfen, äußerste der Verbund
dazu in einer Stellungnahme, weil seit der
Ausschreibung mittlerweile schon einige
Zeit verstrichen sei.
Google setzt auf
Erneuerbare
Der Internetkonzern Google setzt auf
erneuerbare Energien. Zwei bis drei
Prozent seiner Finanzmittel habe der
Konzern in regenerative Energieträger
Toshiba kauft
Landis+Gyr
Foto: Wikimedia Commons
Marktregeln
für E-Mobilität
gefordert
Den japanischen Technologiekonzern
Toshiba hat Landis+Gyr für 2,3 Mrd.
Dollar übernommen. Management und
Produktangebot sowie Firmenname bleiben unverändert, alle Mitarbeiter werden
übernommen. Durch den neuen Partner
will Landis+Gyr seine Marktposition
weiter ausbauen, und neuer Weltmarktführer im Bereich Smart Grids werden.
Das Unternehmen wird diesen Sortimentsbereich in den kommenden Jahren stetig
erweitern. Mit dem Zukauf investiert
Toshiba in den Ausbau ihrer Smart-GridProdukte und -Services.
Juni 2011
Brennpunkt Europa
Aktuelles zur polnischen Ratspräsidentschaft
und zum Brüssel-Besuch von Präsident
Wolfgang Anzengruber
Im zweiten Halbjahr 2011 hat mit Polen wieder ein groSSer Mitgliedstaat die
EU-Ratspräsidentschaft inne und damit die Gelegenheit, Prioritäten
festzulegen und in wichtigen Fragen entscheidende Schritte vorwärts
zu machen. Neben den Herausforderungen der Euro-Rettung und der
Finanzmarktstabilisierung werden auch wichtige branchenrelevante Themen
auf der Agenda stehen.
Im Energiebereich übernimmt die
Ratspräsidentschaft Polens die Markttransparenz-Verordnung
(Remit)
von ihren ungarischen Vorgängern
und will diese gemeinsam mit dem
Europaparlament zu einer Einigung
führen. Bei weiteren Dossiers wie
der Energieeffizienz-Richtlinie und
der Energy Road-Map 2050 sowie bei
den Legislativakten des Infrastrukturpakets
(Genehmigungsbeschleunigung, Finanzierung, Anerkennung
von Inves­titionen in den Netztarifen)
hängt die neue Präsidentschaft von
der rechtzeitigen Vorlage entsprechender Vorschläge durch die EUKommission ab. Gerade infolge des
nunmehr beschlossenen deutschen
Atomausstiegs werden wohl auch
die Fortschritte und Ergebnisse bei
den mittlerweile vereinbarten AKWStresstests mit großem Interesse verfolgt werden. Ein informelles Treffen
der EU-Energieminister ist für den 19.
und den 20. September im polnischen
Wrocław/Breslau geplant.
Klimakonferenz in Durban
Umweltweltpolitisch steht das Thema
Klimaschutz – und hier vor allem die
Positionierung der EU für die internationale Klimakonferenz im südafrikanischen Durban – prominent auf der
Agenda. Einigungen strebt Polen bei
der Biozid- und der Elektroschrottgesetzgebung und in den Verhandlungen
zur Seveso-III-Richtlinie an. Auch mit
den Themen Ressourceneffizienz und
biologische Vielfalt wird sich die Präsidentschaft aller Voraussicht nach
Juni 2011
Von Michael Sebanz
beschäftigen. Das sechste Umwelt­
aktionsprogramm soll in Vorbereitung
eines siebten überprüft und bewertet werden. Bei zeitgerechter Vorlage
durch die EU-Kommission könnten
auch die Verhandlungen über die
Richtlinie für prioritäre Stoffe nach
der Wasserrahmenrichtlinie gestartet
werden.
Die EU-Finanzminister erwarten unter
anderem die Fortführung der Ratsverhandlungen zur Derivate-Verordnung
EMIR und – sofern sich die Vorlage
durch die EU-Kommission nicht verzögert – den Verhandlungsstart bei
der Finanzmarktrichtlinie (Mifid)
und der Marktmissbrauchsrichtlinie
(MAD).
Anzengruber: Brüssel-Besuch
Die Fülle an branchenrelevanten
Dossiers führt sehr deutlich vor
Augen, wie wichtig die EU sowie die
politischen und gesetzgeberische
Arbeiten in Brüssel für die E-Wirtschaft sind. Die Präsenz der Branche
und die aktive Beteiligung am EUEntscheidungsfindungsprozess sind
unerlässlich.
Am 31. Mai und 1. Juni stattete der
Präsident von Oesterreichs Energie,
Verbund-Vorstandsdirektor Wolfgang
Anzengruber, Brüssel einen Besuch
ab. Ein Sondertreffen des Österreichischen Energiekreises Brüssel stand
ganz im Zeichen der Klimaschutzleis­
tungen und entsprechender infrastruktureller Bedürfnisse der Branche.
Neben vielen Österreichern aus den
EU-Institutionen, Diplomaten, Sozial-
partnern, Unternehmens- und Interessenvertretern folgten auch zahlreiche
Deutsche und Schweizer der Einladung von Oesterreichs ­Energie. JeanArnold Vinois, Leiter der Abteilung
für Versorgungssicherheit und Netze,
brachte interessante Einblicke in die
Pläne der Energiegeneraldirektion der
EU-Kommission.
Hochrangige Gespräche
Weitere Programmhöhepunkte waren
eine Pressekonferenz mit MedienKorrespondenten und ein Treffen mit
Österreichs EU-Botschafter Walter
Grahammer sowie mit hochrangigen
Diplomaten, Finanz- und Wirtschaftsexperten. Der arbeitsreiche Tag fand
seinen Abschluss in einem ausführlichen Gespräch von Präsident Anzengruber mit Peter Vis, Kabinettchef von
Klimakommissarin Connie Hedegaard,
und Jos Delbeke, dem KlimaschutzGeneraldirektor der EU-Kommission.
Die Leistungen und Bedürfnisse der
österreichischen E-Wirtschaft, ihr
Beitrag zur Erreichung der Klimaziele und das nötige leistungs- und
inves­titionsfreundliche
Regelungsumfeld standen dabei im Mittelpunkt.
Präsident Anzengruber unterstrich
die Rolle der Pumpspeicherkraft als
„grüne Batterie Europas“ und deren
große Bedeutung für den Erneuerbaren-Ausbau. Österreichs alpine
Speicher seien ein wertvoller und
unverzichtbarer Partner, wenn es um
den Erneuerbaren-Ausbau in Europa
mit Sonnenenergie aus dem Süden und
Windenergie aus dem Norden gehe. n
Oesterreichs Energıe. · 45
Technik
Der Erdölkonzern Shell baut die weltweit
erste schwimmende Anlage zur Gewinnung und Verflüssigung von Erdgas. Das
„Mammut-Floß“ mit einer Länge von 488
m und einem Gewicht von rund 600.000
t soll vor der Küste Nordwestaustraliens
verankert werden. Allein 260.000 t Stahl
sollen verbaut werden, rund fünfmal mehr
als in der Sydney Harbour Bridge. Damit
soll es größer als vier Fußballfelder und
schwerer als sechs Flugzeugträger sein.
Gebaut werden soll es in einer Schiffswerft
in Südkorea.
Foto: RAG
Bessere Technik bei
Solarzellen-Produktion
Weltrekord
Die neue Gasturbine im
Deutschen Kraftwerk
­Irsching 4 ist Weltrekordhalter in Sachen
Wirkungsgrad: Mit einer
Leistung von 578 MW
und einem Wirkungsgrad von 60,75 Prozent
(netto) wurde die angepeilte Effizienzbestmarke
deutlich übertroffen. Die
Gasturbine von Siemens
ist für 400 MW im reinen
Gasturbinenbetrieb und
600 MW im GuD-Betrieb
ausgelegt. Übertroffen
wurden auch die Ziele
in puncto Betriebsflexibilität; eine Eigenschaft,
die aufgrund des immer
höher werdenden Anteils
fluktuierender Netzeinspeisung von Windkraftund Solaranlagen für die
Stabilität im Stromnetz
entscheidend ist.
46 · Oesterreichs Energıe.
Batterien bleiben
Schwachstelle
Fortschritte bei der effizienten Bandbeschichtung von Dünnschichtsolarmodulen
hat das Zentrum für Sonnenenergie- und
Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg erreicht: Die Forscher aus Stuttgart
können in einer Anlage mit kontinuierlichem Durchlauf nun die wichtigsten Herstellungsschritte am Stück durchführen.
Demnächst wollen sie alle Arbeitsschritte
zusammen umsetzen, was eine wirtschaftlichere Fertigung begünstigt.
Die Solarzellen erreichen schon heute
10,2 Prozent Wirkungsgrad. Ziel der
Forscher sind fertig verschaltete Solarmodule mit noch höheren Wirkungsgraden.
Durch Massenfertigung könnte so eine
neue Generation preisgünstiger, flexibler
Photovoltaikmodule entstehen. Das Potenzial flexibler Dünnschichtsolarmodule auf
Kunststoff-Folie ist enorm: Solarzellen auf
T-Shirts und Jacken, Module auf Autos
oder Leichtbauflugzeugen sind nur einige
Beispiele.
Die Batterien bleiben weiter Hemmschuh
einer zügigen Weiterentwicklung in der
E-Mobilität. Bis sie über die Reichweite
eines heutigen Benzinfahrzeugs verfügen
werden, würden noch mindestens 50 bis
70 Jahre vergehen, so Andreas Gutsch,
Wissenschafter am Karlsruher Institut für
Technologie. Erst rund zwanzig Prozent
hätten E-Mobile im Vergleich zur Leis­
tungsfähigkeit eines Benziners erreicht,
so Gutsch. Ungelöst sei auch weiterhin
das Problem des schnellen Betankens. Die
Idee, an der Tankstelle einfach eine neue
Batterie eingesetzt zu bekommen, nannte
Gutsch verlockend, aber unrealistisch,
denn dafür müssten sich die Automobilkonzerne vorher auf gemeinsame Standards einigen.
GuD-Kraftwerke
unverzichtbar
Selbst Greenpeace verweist nun auf die
Notwendigkeit zusätzlicher Gas- und
Dampfkraftwerke, um den Ausstieg aus
der Atomkraft in Europa voranzutreiben,
sagt Anton Smolak, technischer Geschäftsführer von Verbund Thermal Power. Denn
die hochflexiblen thermischen Kraftwerke
sind Vorbedingung für den weiteren
Ausbau von Wind- und Solarstrom im
gesamten europäischen Raum. Hocheffiziente Gas- und Dampfkraftwerke, wie
das geplante Wärmekraftwerk Klagenfurt,
sind für den angestrebten Ausbau der
erneuerbaren Energien unerlässlich. Die
umweltfreundliche Kraft-Wärme-Kopplung
sichert zudem – gerade in Klagenfurt ein
Dauerthema – eine feinstaubfreie Fernwärmeversorgung.
Foto: Verbund Thermal Power
In einem stillgelegten
Bergwerk im Ruhrgebiet
soll ein Pumpspeicherkraftwerk entstehen. Der
Steinkohlekonzern RAG
und die Universitäten
Essen/Duisburg und
Bochum wollen den Bau
verwirklichen. Aus statischen Gründen werden
weder Zechen geflutet
noch unterirdische Seen
neu angelegt, sondern
bestimmte Stollen und
Schächte wasserdicht ausgekleidet, um sie als Rohrleitungssystem zu nutzen.
Das Steinkohlebergwerk
„Auguste Victoria“ in
Marl, das Ende 2015 zur
Schließung ansteht, soll
das erste Kraftwerk unter
Tage beherbergen.
Schwimmende
Flüssiggas-Anlage
Foto: Shell
Pumpspeicher­
kraftwerk im
Bergwerk
Juni 2011
Kommentar
von Andreas Reiter
Kooperation vor Fusion
Österreich wächst in den nächsten Jahrzehnten stetig an Bevölkerung, im Jahr
2030 werden über neun Millionen Menschen im Land leben. Insbesondere wachsen dabei die großen Stadtregionen Wien,
Graz, Linz-Wels sowie extrem verdichtete
Räume wie das Vorarlberger Rheintal.
Die Abwanderung aus strukturschwachen
Gebieten in die Städte hält weiterhin an,
die Kluft zwischen urbanen Gewinner- und
peripheren Verlierer-Regionen wird größer.
Noch aber lebt die Hälfte der Österreicher
in ländlichen Gemeinden. Viele davon freilich in sehr kleinen: zwei Drittel aller Kommunen haben weniger als 2000 Einwohner,
in 600 Gemeinden leben sogar weniger als
1000 Menschen.
Angesichts der knappen öffentlichen
Haushalte und der demografischen Entwicklung ist hier ein Zusammenschluss
von Gemeinden – Experten sehen die ideale
Größe heimischer Gemeinden bei 2000
bis 5000 Einwohnern – mittelfristig wohl
mehr als überfällig. Doch vor der Fusion
ist die Kooperation. Schon heute nutzen
Gemeinden verstärkt Kooperationen, etwa
einen gemeinsamen Bauhof, um Ressourcen zu sparen. Dabei entdecken sie neue
Gestaltungspotenziale, unter anderem bei
der Energieversorgung. Zentrale Trends
im Energiesektor – wie der Ausbau der
erneuerbaren Energien, Dezentralisierung
und Smart Grids – beeinflussen auch die
Energiestrategien von Gemeinden. Immer
mehr Lokalpolitiker träumen von lokaler
Energieunabhängigkeit.
Das Bewusstsein für die Nutzung vorhandener erneuerbarer Ressourcen (Biomasse,
Windkraft) nimmt im ländlichen, ohnehin
der Nachhaltigkeit stärker verpflichteten,
Raum zu. Zahlreiche Klima- und Energiemodellregionen sind in ganz Österreich
entstanden, Pilotprojekte für energieautarke Kommunen und Regionen (zum
Beispiel Fotovoltaik-Anlagen auf gemeindeeigenen Dächern) werden vom Bund
gefördert.
Auch wenn Kommunen nach größerer
Energie-Unabhängigkeit streben, sollten
sie dennoch vielfältige strategische
Juni 2011
­ ptionen auf dem Weg dorthin prüfen.
O
Welche Form der Kooperation ist am sinnvollsten und mit wem? Eine Möglichkeit
dabei: ein größerer Energieversorger. In
Kufstein etwa wurde „Österreichs größtes
und leistungsstärkstes Biomasse-Heizkraftwerk“ von den dortigen Stadtwerken
mit der Tiwag gemeinsam errichtet.
Strategische Partnerschaften sind für
kommunale Energiehersteller besonders
bei hoch investiven überregionalen Projekten (zum Beispiel bei Windkraftanlagen)
unverzichtbar. In Deutschland ist derzeit
eine zunehmende „Rekommunalisierung“
zu beobachten, eine Renaissance der guten
alten Stadtwerke, die das Energiegeschäft
wieder unter das eigene Dach zurückholen.
Im Ruhrgebiet hat vor Kurzem ein Konsortium aus sieben regionalen Stadtwerken
dem Mischkonzern Evonik die Mehrheit
am Stromerzeuger Steag abgekauft.
Die Energielandschaft wird immer fragmentierter. Nicht nur Kommunen und
Privathaushalte versorgen sich künftig
stärker dezentral, auch Unternehmen
aus energieintensiven Branchen machen
sich da und dort energieautark, meist mit
eigenen Blockheizkraftwerken. Steigende
Strompreise, die Absicherung vor Blackouts – aktuell etwa in Deutschland nach
dem angekündigten Atomausstieg – tragen
mit zu diesem Streben nach Unabhängigkeit bei.
Energieversorger werden sich mit neuen
Strategien und hybriden Geschäftsmodellen auf diese veränderte Marktstruktur
einstellen müssen. Sie werden dabei umso
erfolgreicher sein, je mehr sie die Werthaltung der lokalen Akteure verstehen. Der
Wunsch nach regionaler Autarkie ist nicht
nur ein energiepolitisches Thema, er manifestiert sich auch in anderen Bereichen in
Wirtschaft und Gesellschaft. Die Bedeutung von Regionen gegenüber dem Nationalstaat nimmt zu, regionale Wertschöpfungsnetze werden forciert. Denn: Die
regionale Identität ist für viele ein Airbag
auf der Fahrt in die globale Gesellschaft.
Mag. Andreas Reiter,
ZTB Zukunftsbüro
a.reiter@ztb-zukunft.com
Oesterreichs Energıe. · 47
Technik
Foto: Siemens
Trafos: Unnötige
Verluste verhindern
Besonders effiziente Transformatoren im Energieversorgungsnetz helfen
Erzeugungskapazitäten einzusparen. Die technologischen Entwicklungen
gehen derzeit auch in Richtung geräuschoptimierter Systeme und zum Ersatz
mineralischer Trafoöle.
Z
war sind die Prinzipien des Transformators seit den Entdeckungen von
Michael Faraday im neunzehnten
Jahrhundert schon lange bekannt und
scheinen in der Praxis ausgereift, doch
prägen viele Innovationen dieses Schlüsselgebiet der Energietechnik. In der Stromversorgungskette vom Erzeuger zum Verbraucher bilden die Ortsnetztransformatoren
die letzte Ebene.
Angeschlossen an das Mittelspannungsnetz mit 10 bis 30 kV übertragen sie bis zu
2500 kVA und stellen auf der Unterspannungsseite 230/400 V bereit. Trotz hohem
48 · Oesterreichs Energıe.
Von Helmut Mitteregger
Wirkungsgrad von rund 99 Prozent bei
Nennlast haben diese Komponenten durch
die Leerlaufverluste insgesamt eine nicht
zu vernachlässigende Bedeutung. Sie verursachen weltweit Verluste von zwei bis drei
Prozent der generierten elektrischen Energie. Die durchschnittliche jährliche Auslastung eines Ortsnetz-Trafos liegt unter
40 Prozent.
In einer Studie für die 27 EU-Staaten zeigt
sich, dass 4,5 Mio. installierte Verteiltransformatoren 38 TWh pro Jahr an Verlusten
verursachen. Das ist mehr als der gesamte
Elektrizitätsverbrauch von Dänemark und
Juni 2011
Technik
entspricht einem Ausstoß von jährlich
30 Mio. t CO2. Aus der Studie kann man auch
ableiten, welche Tragweite Einsparungen
in diesem Bereich hätten. Würden sich die
Verluste in allen installierten Verteiltransformatoren Europas um 50 Prozent reduzieren lassen, könnte damit die Stromproduktion von fünf Kernkraftwerken kompensiert
werden.
Sparpotenzial
Eine Verlustreduktion dieser Größenordnung und mehr ist mit Transformatoren
der neuesten Generation machbar, wobei
die beiden unterschiedlichen Ursachen der
Übertragungseinbußen zu beachten sind:
Einerseits treten lastunabhängige Leerlaufverluste auf, die im Eisenkern durch
Ummagnetisierung infolge der angelegten
Wechselspannung (Hysterese-Verluste) und
durch Wirbelströme auftreten. Andererseits
kommt es zu Lastverlusten, die vom elek­
trischen Widerstand in den Transformatorwicklungen und von der angelegten Last
abhängen.
Insgesamt ergibt sich damit eine lastabhängige Wirkungsgradkurve: Bei niedriger
Auslastung des Transformators dominieren
die Leerlaufverluste, bei hoher Auslastung
hingegen die Lastverluste. Hierbei eröffnen
Transformatoren mit amorphen Metallkernen ein Sparpotenzial. Gegenüber herkömmlichen, kornorientierten Kernen mit
kristalliner Struktur können jene der amorphen Metallkerntransformatoren (amorphous metal distribution transformers;
AMDT) aufgrund fehlender Korngrenzen
leichter ummagnetisiert werden.
Bei den modernen ABB-Trockentransformatoren der Linie EcoDry kommen amorphe Kernbleche zum Einsatz. Die Eigenschaften dieses Materials ohne kristalline
Struktur ergeben Leerlaufverluste, die um
bis zu 70 Prozent tiefer als bei normalem
Kernblech liegen sollen. Das verlustoptimierte Design dieser EcoDry-Transformatoren wurde unter Verwendung neuester
Simulationsmethoden erreicht, die im ABBForschungszentrum im schweizerischen
Baden-Dättwil entwickelt wurden.
Sicher und umweltfreundlich
Da Trockentransformatoren konstruktionsbedingt höhere Leerlaufverluste als Öltransformatoren aufweisen, fällt die Verlustreduktion bei ihnen stärker ins Gewicht. Mit
Juni 2011
EcoDry-Trockentransformatoren ist es erstmals möglich, niedrigere Verlustwerte als
mit Öltransformatoren zu erzielen. So wird
die Verlustoptimierung mit den bekannten
Vorteilen von Trockentransformatoren kombiniert: Sie sind sicher, umweltfreundlich
und hochwertig, weil bei ihnen im Vergleich
zu Öltransformatoren weder Brand- noch
Explosionsgefahr besteht.
Da keine Substanzen auslaufen können,
entfallen die Kosten für Schutz- und Auffangvorrichtungen. Dank hoher Materialbeständigkeit weisen sie eine hohe mechanische Festigkeit bei Erschütterungen
oder Vibrationen sowie insgesamt eine
lange Lebensdauer auf. Im Vergleich mit
einem
Standard-Trockentransformator
­ergeben sich für die EcoDry-Modelle über
die Betriebsjahre ohnehin enorme Einsparungen: Bereits beim Betrieb eines kleinen
1000-kVA-Trockentransformators
kann
über 20 Jahre in der Ökobilanz das Äquivalent von 140 t CO2-Emissionen vermieden
werden, was der Verbrennung von 60.000 l
Erdöl entspricht.
Amorphe Bleche
Transformatoren mit amorphem Kern sind
etwas größer, ihr Anschaffungspreis auch
etwas höher. In der Vollkostenbetrachtung
über die Lebensdauer werden diese Mehrausgaben durch die reduzierten Verlust­
kosten aber mehr als kompensiert. Eine
Life-Cycle-Kostenstudie von ABB zeigt,
dass der gesamte umwelttechnische Einfluss eines AMDT nur 40 Prozent eines handelsüblichen Verteiltrafos ausmacht.
Prominente Kundschaft hat ABB unter
anderem durch die Forschungseinrichtung
CERN, das für die Versorgung des LHC
(Large Hadron Collider) auf die Transformatoren „EcoDry 99plus“ setzt. Die Familie
der EcoDry-Transformatoren umfasst drei
Linien, die für eine Reduktion von Lastverlusten, von Leerlaufverlusten bzw. für eine
optimierte Kombination beider Eigenschaften ausgelegt sind. Das „grüne“ Transformator-Portfolio von ABB für Verteiltransformatoren beinhaltet auch Transformatoren
mit konventionellem Mineralöl (ebenfalls
mit amorphen Metallkernen) oder mit biologisch abbaubarer Flüssigkeit auf Pflanzenölbasis (Biotemp).
Amorphe Bleche werden in einem Rascherstarrungsprozess hergestellt. Eine Legierungsschmelze, die auf Eisen, Silizium
Info
Der englische Naturforscher
Michael Faraday stellte 1831
erstmals das Induktionsprinzip vor. Erst 50 Jahre
später wurde der erste
Transformator entwickelt.
Lucien Gaulard und John
Dixon Gibbs stellten ihn
1881 erstmals in London
vor, da hieß er aber noch
„Sekundär-Generator“.
Wesentlich verbreitet und
verbessert wurde die Technik durch das Unternehmen
von George Westinghouse
in Pittsburgh/USA, der das
Wechselstromsystem in
Netzen für Beleuchtungszwecke nutzte. 1891 wurde
der erste Drehstromtransformator durch AEG in
Berlin vorgestellt.
Oesterreichs Energıe. · 49
Technik
Linkes Bild: Sparsame Trafos
werden auch von fernöstlichen
Herstellern geliefert. Foto: Everpower
Rechtes Bild: Die Material­
verarbeitung extrem dünner
Bleche in mehreren Schichten
erfordert Spezialmaschinen (siehe
auch Bild rechts unten).
Foto: Heinrich Georg GmbH
Bei mehr als
10.000 Trafos ist
das Einsparungs­
potenzial
besonders groß.
Peter Weinelt, Geschäftsführer Wien
Energie Stromnetz
50 · Oesterreichs Energıe.
und Bor basiert, wird dabei in einer Tausendstelsekunde verfestigt. Dadurch bleibt
keine Zeit, kristalline Strukturen auszubilden. Dieser ungeordnete Zustand wird als
amorph bezeichnet. Auch Siemens setzt
diese Technologie erfolgreich ein und bietet
diese Transformatoren bis 1000 kVA an.
Außerdem werden Entwicklungsaktivitäten
mit Lieferanten für noch effizientere korn­
orientierte Blechsorten gesetzt.
Mit diesen Materialien können aktuelle und
zukünftige Leerlaufverlust-Anforderungen
für Ortsnetz-Transformatoren und auch für
größere Bauleistungen erfüllt werden. Bei
den neuen amorphen Transformatoren von
Siemens besteht der Kern aus gewickelten,
sehr dünnen Folien, anstatt aus den sonst
üblichen geschichteten Transformator­
blechen. Die Trafos mit dem gewickelten
Kernmaterial weisen um bis zu 65 Prozent
reduzierte Leerlaufverluste auf.
Solche Verluste entstehen durch die Ummagnetisierung des Trafokerns, bei der sich
zwischen den Molekularmagneten kleine
Stromkreise bilden, die den Wirkungsgrad
des Transformators beeinträchtigen. Je
dünner die Schichten des Trafokerns sind,
desto geringer fallen die Wirbelstromverluste aus. Hier kommen die positiven Eigenschaften des amorphen Kernmaterials zum
Tragen, das mit einer „Dicke“ von 0,025 mm
wesentlich dünner als herkömmliche Kernbleche ist (Standard 0,23–0,35 mm). Das
Material wird beim Herstellungsprozess
nach dem Schockgefrieren und dem Walzen
zu sogenannten „amorphous ribbons“ aufgewickelt. Da die sehr dünnen und spröden Folien empfindlich auf Spannungen
oder mechanische Belastungen reagieren,
gestaltet sich der Verarbeitungsprozess als
schwierig. Die in Europa verbreitete Kernlegetechnik kann nicht angewendet werden.
Hier wird mit anderen, ebenfalls zuverlässigen Methoden Abhilfe geschaffen.
Vier Trafos mit der sparsamen Technologie
von Siemens werden seit Kurzem bei Wien
Energie eingesetzt. Jeder dieser Trafos,
die bei Siemens Transformers Austria in
Weiz gefertigt wurden, erspart etwa so viel
Strom wie ein Wiener Haushalt benötigt.
„Bei einer üblichen Lebensdauer von etwa
50 Jahren und mehr als 10.000 Trafos im
Versorgungsgebiet ist das Einsparungspotenzial sehr groß,” so Wien Energie
Stromnetz-Geschäftsführer Peter Weinelt.
Siemens ist einer der größten Transformatorenhersteller weltweit und verfügt über
21 Werke. Der Standort in Weiz ist dabei
der weltweit größte. Siemens produziert
energieeffiziente amorphe Trafos auch in
Kanada und Ungarn. Die Siemens Transformers Werke in Weiz und Linz bauen zudem
Trafos mit alternativen Isolierflüssigkeiten.
Die synthetischen Ester sind feuerbeständig, umweltverträglicher als mineralische
Isolierflüssigkeiten, biologisch abbaubar
und können die Lebensdauer der Trafos verlängern. Da alternative Isolierflüssigkeiten
etwa fünf Mal teurer sind als herkömmliches Mineralöl, entwickelte das Unternehmen eine flüssigkeitssparende Konstruktion
des Transformators.
Geometrie optimiert
Innovativ ist auch der jüngst von ABB vorgestellte TriDry-Trockentransformator mit
dreieckigem Grundriss. Dank seines symmetrischen Aufbaus sind Leerlaufverluste,
Raumbedarf, Gewicht, Geräuschpegel, Einschaltstrom, Oberwellengehalt und magnetische Streufelder automatisch reduziert.
Seit Jahrzehnten werden dreiphasige Leistungstransformatoren als lineare Gebilde
gebaut, das heißt, die drei Phasen befinden
Juni 2011
Technik
sich in einer Reihe nebeneinander. In DreiPhasen-Wechselstromsystemen bricht dies
die System-Symmetrie. Dadurch wird das
Material des Transformators nur unvollständig genutzt.
Dank seines dreieckigen Grundrisses
stellt der TriDry die Symmetrie wieder her,
erlaubt Gewichts- und Platzeinsparungen
und bietet neben anderen Vorteilen auf
natürliche Weise eine erhöhte Energieeffizienz. Die neuartige Kernkonstruktion
gibt dem TriDry den Namen, der sich von
„triangular“ ableitet, also dreieckig. Jeder
der drei Schenkel ist jeweils direkt mit den
beiden anderen verbunden, und der magnetische Fluss im Kern erhält symmetrische
und verkürzte Wege. Außerdem öffnet sich
ihm ein zusätzlicher Pfad. Neben dem
üblichen rechteckförmigen Pfad über Kernschenkel und Joche ist es ihm nun auch
möglich, über die in Dreiecksform angeordneten Joche zu fließen. Der Transformator ist 15 bis 20 Prozent leichter als ein
vergleichbarer Standardtransformator, ein
Vorteil bei Installationen in Gebäuden mit
begrenzter Tragfähigkeit des Bodens, oder
Lastbegrenzungen bei Transportliften.
Kürzere Bauform
Der dreieckige Grundriss des Transformators erlaubt eine deutlich kürzere Bauform,
wobei er nur unwesentlich größer wird. Die
Grundrissfläche wird so um etwa 25 Prozent kompakter, wodurch sich eine Vielzahl
von Aufstellungsmöglichkeiten ergeben. Es
reduzieren sich zudem die Leerlaufverluste
des Transformators automatisch um rund
20 Prozent. Daher bietet ABB den TriDry in
Bezug auf die Leerlaufverluste nur in verlustredu-
zierter Ausführung an (B0 oder A0 gemäß
EN 50541-1). Der reduzierte Geräuschpegel liegt fünf bis zehn dB(A) unter dem von
konventionellen Transformatoren. Dank
des zusätzlichen Rückschlusspfads über
die Joche reduziert sich der TransformatorEinschaltstrom um 30 bis 50 Prozent, und
der Gehalt an Oberwellen vermindert sich
signifikant. Es gibt Ausführungen mit Leistungen bis 2500 kVA sowie mit den Spannungen 10 und 20 kV.
Zur Anbindung von zentralen Wechselrichtern für Alternativenergieanlagen im
Bereich Solar und Windkraft bietet die
deutsche SMA Solar Technology AG schlüsselfertige Mittelspannungsstationen an.
Für die Transformer Compact Stations
500SC bis 1600SC in leichter Stahlbauweise
sind verschiedene Optionen erhältlich, von
der Mittelspannungsschaltanlage bis zum
amorphen Transformator mit stark reduzierten Leerlaufverlusten. Leerlaufverluste
erreichen etwa bei einem 1600-kVA-Trafo
mit amorphem Kern 510 W gegenüber
einem mit Eisenkern, die bei 1700 W liegen.
Die indische CG Group (Crompton G
­ reaves),
bekannt durch die Übernahme der belgischen Pauwels Gruppe im Jahr 2005, hat
weit zurückreichende Erfahrungen mit
AMDTs. Die Gruppe liefert amorphe Trafos
von 15 kVA (einphasig) bis 2,5 MVA (dreiphasig) bis 36 kV. Es stehen „pole-mounted“ (auf
Masten montierbare) und „pad-mounted“
(Kabinen-) Transformatoren zur Verfügung.
Ein dreieckiger
Grundriss des
Transformators
erlaubt eine
deutlich kürzere
Bauform.
Austria Brown Bovery
Neue Prototypen
Neue Wege geht man unter anderem auch
am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
der deutschen Helmholtz-Gemeinschaft. Am
Institut für Technische Physik (ITeP) wird
der Einsatz von Hochtemperatur-Supraleitern (HTSL) bei Transformatoren untersucht.
Diese erhalten aktiv strombegren­
zende Eigenschaften, sind damit
Foto: Heinrich Georg GmbH
Juni 2011
Oesterreichs Energıe. · 51
Technik
Symmetrie des neuen TriDry von
ABB bewirkt unter anderem eine
Reduktion der magnetischen
Streufelder.
Foto: ABB
kurzschlussfest
und
können deutlich kleiner gebaut werden. Bei
supraleitenden Strombegrenzern
erscheint
eine kurzfristige Einführung von Prototypen
für die Mittelspannung
bereits sehr wahrscheinlich.
Auf der internationalen
Messe „Cwieme 2011“ (Coil
Winding, Insulation and
Electrical Manufacturing
Exhibition and Conference) in Berlin hat auch
die Maschinenfabrik Heinrich Georg GmbH aus dem deutschen Kreuztal innovative Technologien für die Transformatorenherstellung präsentiert. Zur Produktion von verlustarmen Kernen stehen
neue
Transformatorenblechschneideanlagen bereit, die „Step-lap“-Schneidfolgen
ermöglichen. Querteilanlagen für amorphes
Material wurden mit komplett neu ent­
wickeltem Antriebssystem vorgestellt, das
dafür ausgelegt ist, bis zu 465 Folien pro
Minute zu schneiden. Für die Transformatorenindustrie stehen unter anderem auch
Längsteilanlagen zum Spalten von kornorientiertem und nicht kornorientiertem Elektroband, Reaktorkernblechschneidanlagen
zur Fertigung von Drosselspulenkernen,
Wickelkernanlagen sowie Kernlege- und
Kernmontagetische parat.
Höchste Leistungen
Im oberen Bereich der Leistungsskala hat
Siemens in Weiz für einen Kunden in New
York einen besonders leisen Transformator entwickelt und gebaut, der im Vollbetrieb nur 52,4 dB(A) entwickelt. Der ConEd
420 MVA Super Low Noise Transformer
(Spannungen 335/136/13,2 kV HV/LV/TV)
wurde in jeder Hinsicht mit geräuschreduzierenden Lösungen versehen, von innovativer Vibrationsisolation bis zu leisen
Pumpen und Kühlern.
Ein vergleichbarer Transformator ohne
Maßnahmen zur Geräuschreduktion hat
einen Schalldruckpegel von rund 80 Dezibel. Dies entspricht in etwa der Lautstärke
von starkem Straßenlärm, 60 Dezibel dagegen nur normaler Sprachlautstärke. Auch
die spezielle Geometrie für den Transport
war eine Herausforderung bei der Umset52 · Oesterreichs Energıe.
zung dieses 200 t schweren Systems.
Den größten Trafo Österreichs lieferte Siemens
Ende des vorigen Jahres
an das Verbund-Kraftwerk in Mellach. Der
zweite regelbare Maschinentransformator für das
Gas- und Dampfturbinenkraftwerk ist in vollständig aufgebautem Zustand
zwölf Meter lang, sechs
Meter breit und acht Meter
hoch. Das Transportgewicht
des Trafos beträgt über 250 t.
Das Gesamtgewicht inklusive 95.000 l
Transformatorenöl beläuft sich auf rund
340 t. Darin enthalten sind rund 50 t hochwertiges Wickelkupfer und 160 t Bleche für
den Trafo-Kern. Das Verbund-Kraftwerk in
Mellach wird Ende 2011 mit einer installierten Leistung von 832 MW Strom und
bis zu 400 MW Fernwärme in Betrieb gehen
und verfügt über eine hocheffiziente Fernwärmeauskopplung.
Die Roll Holding AG, ein Schweizer Tradi­
tionsunterunternehmen, hat vom US-Unternehmen Bechtel zudem einen Großauftrag
über die Lieferung mehrerer Hochleistungstransformatoren erhalten. Die Transformatoren werden im solarthermischen
Kraftwerk im kalifornischen Ivanpah in
den USA zum Einsatz kommen. Der Auftrag umfasst die Herstellung und Lieferung
mehrerer Transformatoren der Größenklassen 12 MVA und 150 MVA, die ab der
zweiten Jahreshälfte 2011 bereitgestellt
werden. Das Solarkraftwerk in Ivanpah ist
das weltweit größte derzeit im Bau befindliche solarthermische Kraftwerksprojekt.
Die Anlage befindet sich in der MojaveWüste in Kalifornien (USA), rund 65 km südwestlich von Las Vegas. Sie wird mit ihrer
Erzeugungsmenge die kommerzielle solarthermische Energieproduktion der USA
gegenüber heute verdoppeln. Die Leistung
des Kraftwerks Ivanpah von 370 MW erneuerbarer Energie wird die Stromversorgung
von über 140.000 Privathaushalten decken
und entspricht jährlichen Kohlendioxideinsparungen von rund 400.000 t. Der Bau des
aus drei separaten solarthermischen Anlagen bestehenden Kraftwerkkomplexes hat
im Oktober 2010 begonnen, die erste der
Anlagen soll Mitte 2012 ans Netz gehen. n
Juni 2011
Standardisation Corner
Standards für Smart Grids
Die Europäischen Kommission (EK)
hat erkannt, dass für eine Umsetzung
der 20/20/20-Ziele weitere Koordination und Lenkung notwendig ist als
nur die bisher verabschiedeten EURichtlinien. Daher wendet sich die
EK durch Mandate an die drei großen
europäischen Standardisierungsorganisationen: CEN1, Cenelec2 und ETSI3.
In so einem Mandat legt die EK zu
jeweils einem aktuellen, wesentlichen
Thema fest, innerhalb welches zeitlichen und thematischen Rahmens
die Standardisierungsorganisationen
bestimmte Aufgaben voranzutreiben
haben.
Im Mandat M441 vom März 2009 liegt
der Schwerpunkt darauf, die Entwicklung einer offenen Architektur für
Smart Metering voranzutreiben und
zu standardisieren sowie einheitliche
Kommunikationsprotokolle festzulegen. Dies wird erreicht, indem harmonisierte europäische Normen erarbeitet werden.
Einen ähnlichen Weg hat die EK nun
bei der Veröffentlichung des Mandats
M490 zum Thema Smart Grids eingeschlagen. Ziel der Standardisierungsorganisationen soll es sein, innerhalb
des gemeinsamen europäischen Rahmens einheitliche Normen zu schaffen
sowie bereits bestehende Normen zu
aktualisieren und anzupassen.
Wesentliche Punkte des Mandates
M490 sind dabei die Datensicherheit
(Smart Grid Information Security)
sowie der Datenschutz und Schutz
der Privatsphäre (data protection
and privacy). Daher wird im Mandat
mehrfach auf den Schutz der Daten
und die Datensicherheit hingewiesen. Die Kommission legt großen Wert
darauf, dass bereits zu Beginn beim
Systemdesign die hohen Sicherheitsanforderungen beachtet werden, um
Juni 2011
den Anforderungen aller beteiligten
Benutzer bzw. Nutzer von Smart Grids
Rechnung zu tragen.
Einheitlicher Rahmen
Die EK schlägt daher vor, einen einheitlichen Rahmen zu schaffen, welcher alle Akteure rund um Smart Grids
und deren Kommunikation umfasst.
Dieser Rahmen muss eine hohe Kompatibilität von Smart Grids für unterschiedlichste Dienste und Angebote
ermöglichen und die Vorgaben aller
beteiligten Interessengruppen beinhalten. Die EK wünscht sich dabei
eine für alle Beteiligten möglichst
transparente Arbeitsweise.
Innerhalb dieses Rahmens fordert die
EK von den Standardisierungsorganisationen folgende Ergebnisse:
■■ eine technische Referenzarchitektur
■■ einen Strauß konsistenter Normen,
welche den Informationsaustausch
unterstützen und die Integration
aller Nutzer erlauben
■■ ein Prozedere, wie die beiden
oberen Punkte gepflegt, auf aktuellem Stand gehalten und den strengen Bedingungen gerecht werden
können.
Bis Ende Februar 2012 sind von den
Standardisierungsorganisationen die
oben erwähnte Referenzarchitektur
und das Prozedere zu liefern. Parallel dazu soll bis Ende 2012 ein erstes
Bündel von Normen für Smart Grids
verfügbar sein. Wie knapp diese von
der EK vorgegebene Zeitspanne ist,
wird im Vergleich mit der gängigen
Dauer für die Erstellung von europäischen Normen sichtbar. Üblicherweise benötigt eine Norm, wegen
entsprechender Bearbeitungs- und
Einspruchfristen in den unterschiedlichen Phasen bis zur Publikation, für
ihre Erstellung 36 Monate.
Die Standardisierungsorganisationen
CEN, Cenelec und ETSI waren bislang nicht untätig und haben bereits
erkannt, dass eine entsprechende
Koordination erforderlich ist. Dazu
hat sich vor mehr als einem Jahr, im
Mai 2010, die Joint Working Group
Smart Grids (JWG SG) konstituiert,
um die Erstellung von Normen im
Bereich Smart Grids europaweit zu
koordinieren.
Joint Working Group
Im März wurde der Bericht der
JWG-SG finalisiert, und in der Folge
ist er durch die einzelnen Standardisierungsorganisationen
freigegeben worden. Der Bericht ist auf den
Websites von CEN4, Cenelec5 und
ETSI6 verfügbar. Der Bericht zeigt
auf, welche Rahmenbedingungen und
welche Normen notwendig sind, um
auf dem Weg zur europäischen Vision
von Smart Grids rasch voranzukommen.
Bezugnehmend auf das Mandat der EK
wurde die JWG-SG in die Smart Grids
Coordination Group (SG-CG) umgeformt und übernimmt von nun an die
Koordination zur Erarbeitung der im
Mandat M490 geforderten Ergebnisse.
Die aktuelle Aufgabe der Gruppe ist
es, die Lücken in der Standardisierung
aufzudecken und entsprechend ihrer
Priorität zu bearbeiten.
Weiter Informationen erhalten Sie
bei Oesterreichs Energie, Technisches
Consulting, Dipl.-Ing. Armin Selhofer,
MSc; Tel. 01/501 98-232.
omité Européen de Normalisation
C
Comité Européen de Normalisation Électrotechnique
European Telecommunications Standards Institute
4
http://www.cen.eu/cen/Sectors/Sectors/UtilitiesAndEnergy/SmartGrids/
5
http://www.cenelec.eu/aboutcenelec/whatwedo/technologysectors/smartgrids.html
6
http://www.etsi.org/website/technologies/smartgrids.
aspx
1
2
3
Oesterreichs Energıe. · 53
Technik
serfahrungen
Praxiserfahrungen
Praxiserfahrungen
mit dermit
Major
der Event
Major
mit der
Days
Event
Major
Methode
Days
Event
Methode
Days
in
Methode
in
in
rreich
Österreich
zwischen
Österreich
zwischen
2004zwischen
und
2004
2009
und
2004
2009
und 2009
Praxiserfahrungen mit der „Major Event Days“
ige
Derzeitige
Problematik
Derzeitige
Problematik
internationaler
Problematik
internationaler
Vergleiche
internationaler
VergleicheVergleiche
Methode in Österreich zwischen 2004 und 2009
verfügbarkeit
Die Nichtverfügbarkeit
elektrischer
Die Nichtverfügbarkeit
elektrischer
Energie ist die
Energie
elektrischer
derzeit
istpraktisch
dieEnergie
derzeit
einzige
ist
praktisch
die gängige
derzeit
einzige
praktisch
Größe
gängige
füreinzige
die
Größe
gängige
für die Größe für die
bung
Beschreibung
der technischen
Beschreibung
der technischen
Verfügbarkeit
derVerfügbarkeit
technischen
in Stromversorgungsnetzen.
Verfügbarkeit
in Stromversorgungsnetzen.
in Stromversorgungsnetzen.
n beziehen
Deswegen
sich
beziehen
Deswegen
Regulatoren
sichbeziehen
Regulatoren
bei den sich
wesentlichen
bei
Regulatoren
den wesentlichen
Vergleichen
bei den wesentlichen
Vergleichen
zwischen Ländern
zwischen
Vergleichen
meist
Ländern
zwischen
meistLändern meist
Kenngröße
Dimension
f die
primär
Nichtverfügbarkeit
auf dieprimär
Nichtverfügbarkeit
auf
(Zuverlässigkeit).
die Nichtverfügbarkeit
(Zuverlässigkeit).
(Zuverlässigkeit).
Derzeitige Problematik
internationaler Vergleiche
Empfehlung
Gemäß Empfehlung
der UNIPEDE-Expertengruppe
Gemäßder
Empfehlung
UNIPEDE-Expertengruppe
der UNIPEDE-Expertengruppe
DISQUAL wird
DISQUAL
die Nichtverfügbarkeit
wird
DISQUAL
die Nichtverfügbarkeit
wird
nach
dieder
Nichtverfügbarkeit
nach der
nach der
Häufigkeit
1/a
Die
Nichtverfügbarkeit
elektrischer
Methode
gängigen
b (Zählung
Methode
gängigen
der
b (Zählung
installierten
Methode
der
b installierten
(Zählung
Trafobemessungsleistung
derTrafobemessungsleistung
installierten Trafobemessungsleistung
Sr in Betrieb)
Srinindrei
Betrieb) Sr
in drei
in Betrieb) in drei
Energie
ist
derzeit
praktisch
einßenKenngrößen
beschrieben
beschrieben
Kenngrößen
(siehe Tabelle
(siehe
beschrieben
1die
Übersicht
Tabelle
(siehe
1der
Übersicht
Indizes
Tabelle
der
).1 Übersicht
Indizes
). der Indizes ).
Hu
Beschreibung
Anzahl von Versorgungsunterbrechungen pro Jahr
Mittlere Dauer aller
aufgetretenen Versorgungsunterbrechungen im Jahr
Mittlere Nichtverfügbarkeit im Jahr
als Produkt Qu =
Hu x Tu
Kurzbezeichnung
Disqual Methode b
Asifi (Average System Interruption Frequency Index)
zige gängige Größe für die BeschreiAcidi (Average Customer
Min
bung der technischen Verfügbarkeit in
Interruption Duration
DISQUAL Methode
DISQUAL
b Methode
DISQUAL
b Methode b
Stromversorgungsnetzen.
Index), analog Caidi bei
Tu
ASIFI (Average
ASIFI
System
(Average
ASIFI
System
(Average System
t Häufigkeit
1/a Deswegen
Häufigkeit
1/aAnzahl beziehen
von1/a
Anzahl von
Anzahl
von
Zählung der Kunden
sich
Regulatoren
Interruption Interruption
Frequency
Frequency
Interruption Frequency
Versorgungsunterbrechungen
Versorgungsunterbrechungen
Versorgungsunterbrechungen
Asidi
Nichtverfügbarkeit
min/a
bei
wesentlichen Vergleichen
zwi-Index)
Hu
Hu den
pro Jahr pro Jahr
pro JahrIndex)
(Average System InterrupQu Index)
schen Ländern meist primär auf die
tion Duration Index)
ACIDI (Average
Customer
(Average
ACIDI
Customer
(Average Customer
auer
Mittlere
Min
DauerMittlere
MinMittlere
Dauer Dauer
Min
Mittlere
aller DauerMittlere
aller Dauer
aller ACIDI
Nichtverfügbarkeit
(Zuverlässigkeit).
Interruption Interruption
Duration Duration
Interruption Duration
aufgetretenen
aufgetretenenaufgetretenen
Tu
Tu
Gemäß
Empfehlung
der
UnipedeIndex), analog
Index),
CAIDI
analog
bei Index),
analog
bei der
CAIDI
bei
Versorgungsunterbrechungen
Versorgungsunterbrechungen
Versorgungsunterbrechungen
Tabelle
1:CAIDI
Übersicht
Indizes
Zählungdie
derZählung
Kundender Kunden
Zählung der Kunden
im Jahr
im Jahr
im Jahrwird
Expertengruppe
Disqual
LNichtverfügbarkeit
…Lgesamte
…L(Customer
gesamte
gesamte
installierte
Leistung
installierte
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im System
Leistung
im System
im System
T
T ASIDI
Tinstallierte
nach
gänAverage
Interruption
Dura- wie beispielsweise Stürme, andere
ügbar
Nichtverfügbar
min/a Nichtverfügbarkeit
Nichtverfügbar
min/a
Mittlere Nichtverfügbarkeit
min/a
Mittlere Nichtverfügbarkeit
Mittlere
im der
ASIDI
im
im …ASIDI
keit Qu
keit Qu Jahr
als Produkt
Jahr
Qu=Produkt
Hu Jahr
x Tu
Qu=
als
Produkt
x Tu
Hu
xiStörungsdauer
Tu Index)
riHu
...riQu=
Störungsdauer
...rtion
...
in Minuten
Störungsdauer
inund
Minuten
in Minuten
Naturkatastrophen oder Fälle von
gigen
Methode
b als
(Zählung
der
instalSaidi
(System
Average
(Average System
(Average System
(Average System
Ni
N
…NAnzahl
…der
Anzahl
…der
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unterbrochenen
derKunden
unterbrochenen
je
Kunden
Ausfall
je
Kunden
Ausfall
je Ausfall
i
i unterbrochenen
höherer Gewalt.
lierten Trafobemessungsleistung
Sr
inInterruption
Interruption
Index)
erhoben,
Interruption
Duration
Duration
InterruptionDuration
Duration
NIndex)
…NGesamtanzahl
…NGesamtanzahl
…
der
Gesamtanzahl
Kunden
der Kunden
der Kunden
T
T Index)
T
Index)
Betrieb) in drei Kenngrößen beschriewenn
auch
unter
unterschiedlichen In den vier bislang publizierten BenchIn den meisten
In den europäischen
meisten
In den europäischen
meisten
Ländern
europäischen
Ländern
werden SAIFI
Ländern
werden
(System
SAIFI
werden
Average
(System
SAIFI Average
(System
Interruption
Average
Interruption
Frequency
Interruption
Frequency
Index) Frequency
Index) Index)
marking
Reports
„On the Quality of
ben
Namen
undAverage
abweichenden
GewichÜbersicht
Tabelleder
1 Übersicht
Indizes
Tabelle
der(siehe
1Indizes
ÜbersichtTabelle
der Indizes 1 Übersicht der
CAIDI (Customer
CAIDI (Customer
CAIDI
Average
(Customer
Average
Interruption
Interruption
Duration
Interruption
Duration
Index) und
Duration
Index)
SAIDI
und
(System
Index)
SAIDI
und
(System
Average
SAIDI (System
Average
Interruption
Average
Interruption
Interruption
Duration Duration
Index) erhoben,
Duration
Index)
erhoben,
wenn
Index)
auch
erhoben,
wenn
unter
auch
unterschiedlichen
wenn
unter
auch
unterschiedlichen
unter unterschiedlichen
Namen
und
Namen
abweichenden
und
Namen
abweichenden
und abweichenden
Electricity
Supply“ (siehe [2] und [6])
Indizes ).
tungen
(etwa
nach
Kunden
DisqualGewichtungen
Gewichtungen
(etwa
Gewichtungen
nach
(etwa
Kunden
nach
DISQUAL-Methode
Kunden
nach DISQUAL-Methode
Kunden DISQUAL-Methode
a oder Leistung
a oder Leistung
Methode
a oder Leistung
Methode
b, ) der Methode
b, ) der b, ) der
hat
die
Vereinigung europäischer
Methode
a(etwa
oder
Leistung
Methode
b,)
 ri 
Seite
Li 2.4.7
ri ([2];
L31ff).
ri 2.4.7
Li 
ri LiUnterbrechungen
2.4.7
i ([2];
Unterbrechungen
([2];
Seite
31ff).
Seite 31ff).
 Li
i Li
i Lii Li  ri i Li  ri i Unterbrechungen
i
i
i
Unterbrechungen
([2]; 2.4.7 Seite Regulatoren auf die Problematik eines
 ACIDI  der

ACIDI
ASIDI
ASIDI ACIDI

ASIFI 
ASIFI
  ASIDI 
LT
LT
LT  Li
i Li
i Li
LT
LT
LT
derzeit praktisch undurchführbaren
31ff).
i
i  ri N i  ri
hingewiesen. UnterLi … unterbrochene Leistung je Ausi N i i N i i N i  N i  ri N i  ri N i  ri i N i  rii N Quervergleiches
i
i
i CAIDI  CAIDI  CAIDI  i
unterbrochene
… unterbrochene
…jeunterbrochene
Ausfall
Leistung je Ausfall
Leistung je Ausfall
Li
LLeistung
i



SAIFI
SAIFI
SAIFI
SAIDI
SAIDI
SAIDI



Erfassungsmodi hinsichtfall
Ni  Ni
NT
NT
NT
NT
NT
NT
i N i i schiedliche
i
lich Spannungsebenen
und Grenzwert
LT … gesamte installierte Leistung im
Versorgungsunterbrechungen
Versorgungsunterbrechungen
Versorgungsunterbrechungen
für die Störungsdauer insbesondere
System
Versorgungs­
Unterschieden
Unterschieden
wird
Unterschieden
gemeinhin
wird gemeinhin
zwischen
wird gemeinhin
zwischen
geplanten
zwischen
geplanten
und ungeplanten
geplanten
und ungeplanten
Versorgungsunterbrechungen.
und ungeplanten
Versorgungsunterbrechungen.
Versorgungsunterbrechungen.
aber
bei angekündigten
der
Definition der „Exceptiri ... S
törungsdauer in Minuten
unterbrechungen
Dies ist sinnvoll,
Dies ist da
sinnvoll,
Dies
sichistdiese
da
sinnvoll,
sich
für diese
den
da sich
Kunden
für diese
den unterschiedlich
Kunden
für den unterschiedlich
Kunden
auswirken;
unterschiedlich
auswirken;
bei einer
auswirken;
bei
angekündigten
einer bei
einer angekündigten
Events“
([2]; 2.1.6 Seite 9ff), der
Ni
…
Anzahl der unterbrochenen
Unterschieden
wird
gemeinhin
zwigeplantengeplanten
Versorgungsunterbrechung
geplanten
Versorgungsunterbrechung
Versorgungsunterbrechung
kann
sichkann
der
Konsument
sichkann
der Konsument
sich
vorbereiten
der
Konsument
vorbereiten
undonal
dadurch
vorbereiten
und
dadurch
und dadurch
entstehende
entstehende
Kosten
entstehende
und
Kosten
Unannehmlichkeiten
und
Kosten
Unannehmlichkeiten
und Unannehmlichkeiten
sindungeplanten
vermeidbar
sind vermeidbar
(siehe
sind vermeidbar
auch
(siehe
[1]).auch
Die
(siehe
Gründe
[1]).auch
Diefür
Gründe
[1]). Diefür
GründeEreignisse,
für
außergewöhnlichen
werten
Kunden je Ausfall
schen
geplanten
und
Verungeplante
ungeplante
Versorgungsunterbrechungen
ungeplante
Versorgungsunterbrechungen
Versorgungsunterbrechungen
sind zahlreich
sind zahlreich
undsind
reichen
zahlreich
undz.B.
reichen
von
undtechnischen
z.B.
reichen
von technischen
z.B.Gründen
von technischen
Gründen Gründen
NT… Gesamtanzahl der Kunden
sorgungsunterbrechungen.
Dies ist die erhobenen Kennzahlen in ihrer Verüber Blitzschläge
über Blitzschläge
bis
über
hin
Blitzschläge
zubis
menschlichem
hin zubis
menschlichem
hin zu
Versagen.
menschlichem
Versagen.
Versagen.
In den meisten europäischen Län- sinnvoll, da sich diese für den Kunden gleichbarkeit deutlich ab. Differierende
Zusätzlich
Zusätzlich
zu dieser
Zusätzlich
zu
Unterscheidung
dieserzu
Unterscheidung
dieserwerden
Unterscheidung
international
werden international
werden
oftmals
international
-auch
oftmals
in Österreich-auch
oftmals
in Österreich-auch
bei den
in Österreichbei den bei den
Sichtweisen,
denn
unter „Höherer
unterschiedlich
auswirken;
bei„außergewöhnlichen
einer
dern werden SAIFI (Systemungeplanten
Average
ungeplanten
Störungen
ungeplanten
Störungen
Fälle von
Störungen
Fälle
sogenannten
vonFälle
sogenannten
von
„außergewöhnlichen
sogenannten
„außergewöhnlichen
Ereignissen“
Ereignissen“
aus der
Ereignissen“
Statistik
aus der was
Statistik
aus der
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ausgenommen.
ausgenommen.
Dabei
ausgenommen.
handelt
Dabeies
handelt
sich
Dabei
um
es
handelt
Versorgungsausfälle
sich
um
es Versorgungsausfälle
sich um Versorgungsausfälle
eines
solchen
eines Ausmaßes,
solchen
eines Ausmaßes,
solchen
die„Force
das
Ausmaßes,
die Majeure“,
das die das „Acts of God“
Gewalt“,
angekündigten
geplanten
VersorInterruption Frequency Index)
Caidi
normale Störgeschehen
normale Störgeschehen
normale
weit
Störgeschehen
übertreffen,
weit übertreffen,
wie
weitbeispielsweise
übertreffen,
wie beispielsweise
wie
Stürme,
beispielsweise
andere
Stürme,Naturkatastrophen
andere
Stürme,Naturkatastrophen
andere Naturkatastrophen
oder
oder
oder
gungsunterbrechung
kann sich der usw. zu verstehen ist, führen zu weiteFälle vonFälle
höherer
vonFälle
Gewalt.
höherer
von Gewalt.
höherer Gewalt.
Konsument vorbereiten, und dadurch ren Abweichungen zwischen den NatiIn den vier
In bislang
den vier
Inpublizierten
bislang
den vierpublizierten
bislang
Benchmarking
publizierten
Benchmarking
Reports
Benchmarking
„ON
Reports
THE„ON
Reports
QUALITY
THE„ON
QUALITY
OFTHE
ELECTRICITY
QUALITY
OF ELECTRICITY
OF ELECTRICITY
Dipl.-Ing. (FH) Karl Scheida,
onalstaaten
entstehende
Kosten
und
UnannehmSUPPLY“SUPPLY“
(siehe [2]
SUPPLY“
(siehe
und[6])
[2]hat
(siehe
und[6])
die [2]
Vereinigung
hat
und[6])
die Vereinigung
hateuropäischer
die
Vereinigung
europäischer
Regulatoren
europäischer
Regulatoren
auf die
Regulatoren
Problematik
auf die Problematik
aufeines
die(siehe
Problematik
einesauch
eines[2]; 2.7 Seite
MSc studierte Elektronik und
derzeitig derzeitig
praktischderzeitig
praktisch
undurchführbaren
praktisch
undurchführbaren
undurchführbaren
Quervergleiches
Quervergleiches
hingewiesen.
Quervergleiches
hingewiesen.
Unterschiedliche
hingewiesen.
Unterschiedliche
Unterschiedliche
Erfassungsmodi
Erfassungsmodi
42ff).Erfassungsmodi
lichkeiten
sind
vermeidbar
(siehe
Technisches Umweltmanagement
hinsichtlich
hinsichtlich
Spannungsebenen
hinsichtlich
Spannungsebenen
Spannungsebenen
und Grenzwert
und Grenzwert
fürund
die Grenzwert
Störungsdauer
für die Störungsdauer
für die
insbesondere
Störungsdauer
insbesondere
aberinsbesondere
bei der
aber bei der
aber bei der
in Wien. Nach mehrjährigem
Nicht
zuletzt
könnte zusätzlich der
auch
[1]).
Die
Gründe
für
ungeplante
DefinitionDefinition
der “Exceptional
Definition
der “Exceptional
Events“
der “Exceptional
([2];
Events“
2.1.6([2];
Events“
Seite
2.1.6
9ff),
([2];
Seite
der
2.1.6
außergewöhnlichen
9ff),Seite
der außergewöhnlichen
9ff), der außergewöhnlichen
Ereignisse,
Ereignisse,
wertenEreignisse,
werten werten
Einsatz als Sachverständiger
die erhobenen
die erhobenen
Kennzahlen
die
erhobenen
Kennzahlen
in ihrer
Kennzahlen
Vergleichbarkeit
in ihrer Vergleichbarkeit
in ihrerdeutlich
Vergleichbarkeit
ab.
deutlich
Differierende
ab.
deutlich
Differierende
Sichtweisen,
ab.
Differierende
Sichtweisen,
was Sichtweisen,
denn
was dennwas denn
Eindruck
entstehen,
dass dieser
Versorgungsunterbrechungen
sind
im Bereich von Seil- und
unter „Höherer
unter „Höherer
Gewalt“,
unter „Höherer
Gewalt“,
„Force Majeure“,
Gewalt“,
„Force Majeure“,
„Acts
„Force
ofMajeure“,
God“
„Actsusw.
of God“
„Acts
zu verstehen
usw.
of God“
zu verstehen
usw.
ist, führen
zu verstehen
ist,
zuführen
weiteren
ist,
zuführen
weiteren
zu weiteren
Spielraum
von
einigen Staaten zur
zahlreich
und reichen
z.B.
von
techSchienenbahnen ist er seit Juni
Abweichungen
Abweichungen
zwischen
Abweichungen
zwischen
den Nationalstaaten
zwischen
den Nationalstaaten
den(siehe
Nationalstaaten
auch
(siehe
[2]; auch
2.7
(siehe
Seite
[2]; auch
2.7
42ff).
Seite
[2]; 2.7
42ff).
Seite 42ff).
2010 für Oesterreichs Energie im
nischen Gründen über Blitzschläge optischen Verbesserung der natioBereich Netze tätig.
Nicht zuletzt
Nichtkönnte
zuletzt
Nicht
zusätzlich
könnte
zuletztzusätzlich
könnte
der Eindruck
zusätzlich
der Eindruck
entstehen,
der Eindruck
entstehen,
dass dieser
entstehen,
dass
Spielraum
dieser
dass
Spielraum
von
dieser
einigen
Spielraum
vonStaaten
einigen
vonStaaten
einigen Staaten
nalen
Versorgungszuverlässigkeitsbis Verbesserung
hin der
zuVerbesserung
menschlichem
Versagen.
zur optischen
zur optischen
Verbesserung
zur optischen
nationalen
der nationalen
Versorgungszuverlässigkeits-Zahlen
der nationalen
Versorgungszuverlässigkeits-Zahlen
Versorgungszuverlässigkeits-Zahlen
genutzt wird,
genutzt
wenn
wird,
genutzt
wenn
wird, wenn
Zusätzlich zu dieser Unterscheidung zahlen genutzt wird, wenn z.B. wie in
werden international oftmals – auch Portugal jedes Jahr ein ähnlich hoher
Dipl.-HTL-Ing. Reinhard
Prozentanteil
als
in Österreich – bei den ungeplanten nennenswerter
Nenning VKW-Netz
AG, Verantwortlich für
Störungen Fälle von so genannten „Höhere Gewalt“ bezeichnet wird.
Verteilernetzplanung,
„außergewöhnlichen Ereignissen“ aus Als Beispiel für die derzeitige ProbleSchwerpunkte: Netzbetrieb,
[TT.MM.JJJJ][TT.MM.JJJJ]
, Oesterreichs
[TT.MM.JJJJ]
, Oesterreichs
Energie 2/13
, Oesterreichs
Energie 2/13Energie 2/13
der Statistik genommen. Dabei han- matik des Vergleichs zwischen unterSpannungshaltung, Zuverlässigkeit
und Sicherheit. Bei Oesterreichs
delt es sich um Versorgungsausfälle schiedlichen Ländern Europas ist in
Energie Stv. Vorsitzender des
eines solchen Ausmaßes, die das nor- Abbildung 1 ein Vergleich zwischen
AK Verteilernetze
male Störgeschehen weit übertreffen, Österreich und Portugal angeführt.
ße Kenngröße
Dimension
Kenngröße
Dimension
Beschreibung
Dimension
BeschreibungBeschreibung
Kurzbezeichnung
Kurzbezeichnung
Kurzbezeichnung
Mittlere
Dauer
54 · Oesterreichs Energıe.
Juni 2011
Technik
[%]
Anteil
von
außergew.
Gesamtnichtverfügbarkeit
Anteil
von
Außergew.Ereignissen
Ereignissen an
an Gesamtnichtverfügbarkeit
60
55
50
Beurteilung entfällt bei der Methode
nach IEEE 1366. Das statistische Verfahren berücksichtigt ausschließlich
die tatsächliche Betroffenheit des
Stromnetzsystems.
Fachexperten von Oesterreichs Energie beschäftigen sich seit einigen
Jahren mit Vorschlägen zu einer Harmonisierung des europäischen Verfügbarkeitsvergleiches (siehe auch [3]
und [4]).
45
40
35
30
25
20
15
10
5
0
2002
2003
2004
2005
Österreich
Portugal
2006
2007
Das Verfahren der Major
Event Days
massive Betroffenheit der Bevölkerung und der Einsa
In der Prüfung verschiedener in
(Feuerwehr, Bundesheer, …). Tatsächlich kann die N
Europa gängiger Verfahren zur
entkoppelt, folglich für die zuständigen Behörden nur
Bestimmung der „Höheren Gewalt“
Der Unterschied
der Beurteilung der außergewöhnlichen Ereignisse wird hier deutlich: Während in
Berechnung
Anerkennung durch die Behörden auch noch finanzie
Portugal konstant 2009
jährlich zwischen 25 und 35% der Nichtverfügbarkeit als höhere Gewalt
empfiehlt sich die Verwendung eines
Bereitstellung von Finanzmitteln aus dem Katastroph
ausgewiesen werden, werden in Österreich durchaus auch höhere Beiträge angegeben, die durch
möglichst objektiven Verfahrens, das
(auch je nach Finanzlage) unterschiedlich gehandha
einzelne, tatsächliche Ereignisse, wie Hochwasser, Stürme oder den UCTE-Ausfall vom 4. November
ohne zusätzliche beschreibende Elemenschlichen Beurteilung entfällt bei der Methode na
Berechnun
g gibt es auch Jahre mit deutlich geringeren außergewöhnlichen
2006 verursacht wurden.
[1] Ebenso
mente auskommt,
um robust
und
berücksichtigt
ausschließlich
die tatsächliche
Betroffe
Anteilen.
Berechnung 2009
2010
objektiv zu sein. Die Empfehlung geht
Berechnung 2010
aufgrund inzwischen
gesammelter
Fachexperten
von Oesterreichs
Energie (vormals VE
Situation / Erfahrungen
in Österreich
Berechnung
Berechnung 2011
Vorschlägen
einer Harmonisierung
des europäisc
Erfahrungenzu klar
in Richtung des
Für die Erfassung des Störungsgeschehens
im Rahmen der Ausfalls- und Störstatistik (ASS) werden
und
[4])
2011
mathematischen
Verfahrens, das in
auch in Österreich bisher, in Ermangelung eines besseren Verfahrens, Naturkatastrophen nur dann
der amerikanischen Norm IEEE 1366
anerkannt, wenn es ein offizielles Schreiben einer zuständigen Behörde (meist des
[5] eine Berechnung sog. „Major Event
Landeshauptmannes) gibt. Hauptkriterium für die Anerkennung als Naturkatastrophe ist damit dieDas Verfahren der Major Event Days
Days“ (MED) beschreibt. Als ein rein
In der Prüfung verschiedener in Europa gängiger Ver
statistisches Verfahren, das es ermögempfiehlt sich die Verwendung eines möglichst objek
licht, Ausnahmeereignisse zu idenbeschreibende Elemente auskommt, um robust und
tifizieren, wurde erstmals 2008 die
inzwischen gesammelter Erfahrungen klar in Richtun
Methode der Berechnung von Major
amerikanischen Norm IEEE 1366 [5] eine Berechnun
Abbildung 2: Rollierende Berechnung des TMED-Wertes
Event Days vorgestellt und Berech[TT.MM.JJJJ] , Oesterreichs Energie
Als3/13
ein rein statistisches Verfahren, das es ermöglich
nungen für die Jahre 2004 und 2005
erstmals 2008 die Methode der Berechnung von Maj
Der Unterschied bei der Beurteilung katastrophen nur dann anerkannt, veröffentlicht [3].
die Jahre 2004 und 2005 veröffentlicht [3].
außergewöhnlicher Ereignisse wird wenn es ein offizielles Schreiben einer Als Major Event Days werden jene
Tage
bezeichnet,
bei werden
welchenjene
derTage
Asidibezeichnet,
hier deutlich: Während in Portugal zuständigen Behörde (meist des Lan- Als
Major
Event Days
konstant jährlich zwischen 25 und deshauptmannes) gibt. Hauptkrite- die Schranke von
  2 , 5
35 Prozent der Nichtverfügbarkeit als rium für die Anerkennung als Natur- TMED  e
höhere Gewalt ausgewiesen werden, katastrophe ist damit die massive überschreitet,
überschreitet,wobei
wobei
µ der
Mittelwert
µ der
Mittelwert
und σ die Stand
werden in Österreich durchaus auch Betroffenheit der Bevölkerung und der und µ die Standardabweichung der
höhere Beiträge angegeben, die durch Einsatz der Organe des Katastrophen- logarithmierten Werte sind.
einzelne, tatsächliche Ereignisse, wie schutzes (Feuerwehr, Bundesheer, …). Dabei werden die täglichen Asidi
Hochwasser, Stürme oder den UCTE- Tatsächlich kann die Netzsituation aus den Datenbeständen der ASS der
Ausfall vom 4. November 2006 verur- von Naturkatastrophen aber ent- zurückliegenden 5 Jahre berechnet
sacht wurden [1]. Ebenso gibt es auch koppelt, folglich für die zuständigen (siehe Abbildung 3). Im darauffolJahre mit deutlich geringeren außer- Behörden nur schwer erkennbar sein. genden Jahr werden die Daten des
Zudem spielen bei der Anerkennung ersten Jahres gelöscht und jene des
gewöhnlichen Anteilen.
durch die Behörden auch noch finanzi- letzten Jahres hinzugefügt.
elle Gründe eine Rolle. Die damit ver- Somit erfolgt eine langsame AnpasSituation/Erfahrungen in
bundene Bereitstellung von Finanz- sung an Trends (etwa aufgrund kliÖsterreich
Für die Erfassung des Störungsge- mitteln aus dem Katastrophenfonds matischer Veränderungen oder eines
schehens im Rahmen der Ausfalls- wird in den einzelnen Bundesländern geänderten Verhältnisses von Erd­
und Störstatistik (ASS) werden auch (auch je nach Finanzlage) unterschied- kabeln zu Freileitungen). Andererseits
in Österreich bisher, in Ermangelung lich gehandhabt. Die Abhängigkeit bewirken kurzzeitige Einflüsse, wie
eines besseren Verfahrens, Natur- von solcher subjektiven, menschlichen etwa außergewöhnliche Stürme, nur
Abbildung 1: Exemplarischer Vergleich zwischen Österreich und Portugal
Juni 2011
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
Abbildung 1 Exemplarischer Vergleich zwischen Österreich und Portugal
Oesterreichs Energıe. · 55
Berechnung des TMED für Österreich aus den Daten 2004 bis 2008
MEDs 2004 bis 2008
Technik
25
Wichtige Eigenschaften/
Einschränkungen des
Verfahrens
Die Methode der Major-Event-Days ist
in IEEE 1366 gut erläutert. Ergänzend
werden hier aufgrund der realen Auswertungen gefundene Eigenschaften, aber
auch Einschränkungen beschrieben.
56 · Oesterreichs Energıe.
Mittelwert; 0,25
01.10.2008
01.07.2008
01.04.2008
01.01.2008
01.10.2007
20.03.2007
01.07.2007
01.01.2007
01.10.2006
01.07.2006
01.04.2006
01.01.2006
01.10.2005
01.07.2005
01.04.2005
01.01.2005
01.07.2004
5
01.10.2004
06.07.2004 23.08.2005
03.01.2006
09.08.2004
2,16
01.04.2007
10
0
Asidi mit
T_MED
Mittelwert
23.11.2004
01.04.2004
Aus den Basisdaten der ASS der Jahre
2004 bis 2008 ergibt sich nach der
IEEE 1366 ein TMED für das folgende
Jahr 2009 von 2,16 min (siehe Abbildung 3). Wichtig ist hier festzuhalten,
dass der errechnete Schwellenwert
genau genommen noch nicht auf die
Jahre 2004 bis 2008 anwendbar ist,
sondern vielmehr aus diesen errechnet wird. Eine Anwendung ist somit
erstmals für das Jahr 2009 ganz korrekt im Sinne der Norm. In diesem
Beitrag wird aber der sehr konstante
Schwellenwert TMED in Ermangelung
verfügbarer Vorjahreswerte (1999–
2003) in einer ausreichend genauen
Näherung auch für die Vorjahre 2004–
2008 unterlegt:
Die MEDs werden Einzelereignissen
gegenübergestellt, wie sie in den Veröffentlichungen der Zentralanstalt
für Meteorologie und Geodynamik in
Wien (ZAMG) genannt sind (siehe [7]).
Die Übereinstimmung der MEDs mit
den objektiven Wetterdaten der ZAMG
in Tabelle 2 ist solide und auch die
Höhe der MEDs-Beträge eine glaubhafte Bestätigung der Stichhaltigkeit.
Drei Werten aus 2004 und einem aus
dem Jahre 2007, welche jeweils knapp
an der Schwelle liegen, konnten keine
entsprechenden Erwähnungen der
ZAMG gegenübergestellt werden. Dies
ist jedoch von untergeordneter Bedeutung, da der Schwellenwert von 2,16
ja im strengen Sinn nur für das Jahr
2009 Gültigkeit hat und hier nur als
grobe Abschätzung dienen kann.
27.01.2008
01.03.2008
15
01.01.2004
Berechnung des TMED für
Österreich aus den Daten
2004 bis 2008
19.01.2007
20
Asidi [min/d]
eine geringe Schwankung des Schwellenwertes TMED. Dieser Wert weist
somit wegen seiner Datenbasis von
5 Jahren eine relative Stabilität bzw.
Konstanz auf.
Datum
Abbildung 3: Berechnung und Anwendung der MED 2004 bis 2008
Abbildung 3 Berechnung und Anwendung der MEDs 2004 bis 2008
Jahr
MED
Ereignis lt. Jahresbericht ZAMG
6.7.derSchwere
inbis
der2008
Steiermark
und
Kärnten
Aus2004
den Basisdaten
ASS derUnwetter
Jahre 2004
ergibt sich
nach
der IEEE 1366 ein TMED für
Steiermark
(Neuberg
anist
der
Mürz,
Mürztal),
dieses
das folgende Jahr9.8.
2009Gewitter
von 2,16 in
minder
(siehe
Abbildung
3). Wichtig
hier
festzuhalten,
dass
der
Gewitter
als einziges
ZAMG
im Jahre
Jahresbericht
nichtanwendbar
genannt. ist,
errechnete Schwellenwert
genau ist
genommen
nochbei
nicht
auf die
2004 bis 2008
23.11.
Anhaltende
Sturmlage
sondern vielmehr
aus diesen
errechnet
wird. Eine Anwendung ist somit erstmals für das Jahr 2009
ganz
korrekt22.+23.8.
im Sinne der
Norm. In diesem
Beitrag
wird aber
der sehr konstante Schwellenwert TMED
2005
Hochwasser
in Tirol,
Vorarlberg,
Burgenland
2006
2007
2008
2009
3.1.
27.+29.6.
18.+19.1.
20.3.
21.6.
6.9.
27.1.
1.3.
23.7.
Ergiebige Neuschneemengen in Ostösterreich
Schwere Unwetter in ganz Österreich
Sturm „Kyrill“
Starke Nassschneefälle in Kärnten, Steiermark, Burgenland
Schwere Gewitterstürme in ganz Österreich
Überflutungen in Niederösterreich
[TT.MM.JJJJ] , Oesterreichs Energie
Sturm „Paula“
Sturm „Emma“
„Saharaluft“ trifft auf markante Kaltfront, blitzreiche Gewitter
Tabelle 2: Zuordnung MED/Ereignisse der ZAMG-Unwetterberichte
Aus Signifikanzgründen wird eine
statistisch relevante Anzahl von Versorgungsunterbrechungen benötigt;
die Methode ist deshalb für Nationalstaaten prädestiniert, für einzelne (große) Bundesländer nur eingeschränkt und für einzelne Netzbetreiber nicht anwendbar. Dies ist als
wichtige Einschränkung des Verfahrens jedenfalls zu berücksichtigen.
Alle
Versorgungsunterbrechungen
an den als MED identifizierten Tagen
werden aus dem Österreich-Wert
herausgerechnet, auch wenn nicht
das gesamte Bundesgebiet betroffen war (z.B. Hochwasser nur in Ostösterreich). Diese meist sehr geringen
ungeplanten Anteile von Großereignissen nicht betroffener Regionen
werden aus dem nicht betroffenen,
ungeplanten Anteil entfernt und dem
MED-Anteil zugerechnet (eine kleine
Unschärfe, die aber in der Praxis aufgrund der gemachten Erfahrungen
keine Bedeutung hat).
Es werden alle Häufungen erfasst,
auch solche, die nicht durch Wetterereignisse verursacht werden, wie z.B.
menschlicher Einfluss beim UCTEAusfall vom 4. November 2006, bei dem
aufgrund einer menschlichen Fehleinschätzung die Abschaltung einer
Höchstspannungsleitung über die
Ems in Deutschland für das gefahrlose Passieren eines Kreuzfahrtschiffes eine Serie von weiteren Ausfällen
und eine Auftrennung des UCTENetzes bewirkte. Da rund 15 Mio Menschen von einem Versorgungsausfall
betroffen waren, ist die Zuordnung zu
einem Major Event Day auch ohne eine
Naturkatastrophe begründet.
Wie in weiterer Folge gezeigt wird,
kann bei zeitlicher Überlappung eines
Großereignisses über zwei Tage (Fortdauer über Mitternacht) der Effekt
eintreten, dass das MED-Verfahren
keine Überschreitung des MEDSchwellwertes bringt, da das Verfahren jeden der beiden Tage gesondert
Juni 2011
5/13
MEDs 2009
hervor. In Ermangelung einer behördlichen Bestätigung bleibt dieser Tag nach den geltenden
Maßstäben ein „Normalereignis“.
6
Technik
Asidi mit geplanten [min/d]
Unschärfen irgendeiner Art stecken unvermeidbar auch in jedem statistischen Modell und würden bei
allgemeiner
Anwendung alle Länder, dann aber ohne menschlichen Einfluss, treffen. Die MED5
23.07.2009; 4,83
Methode hat sich in einem mehrjährigen Prüfverfahren in Österreich als sehr belastbar erwiesen und
einer behördlichen Bestätigung bleibt
empfiehlt
sich
deshalb
für
den
europäischen
Verfügbarkeitsvergleich.
4
dieser Tag nach den geltenden Maß-
Gelöscht: Asidi mit geplanten
stäben ein „Normalereignis“.
Verlauf
3 der Jahre 2004 − 2009
T_MED
Mittelwert ungeplanten, Unschärfen irgendeiner Art stecken
Die Resultate für die jährlichen
ASIDI der Major Event Days bzw. der verbleibenden
2,16
unvermeidbar auch in jedem statisti„gewöhnlichen“
Störungen sind in Abbildung 3 dargestellt.
2
außergewöhnliche
28.01.2009; 1,3
schen Modell und würden bei allgeWettersituationen
Mittelwert; 0,15
Der IEEE 13661,16
zufolge werden jene täglichen ASIDI, welche die Schranke TMED übertreffen, von den
meiner Anwendung alle Länder, dann
1
31.12.2009
17.12.2009
03.12.2009
19.11.2009
05.11.2009
22.10.2009
08.10.2009
24.09.2009
10.09.2009
27.08.2009
13.08.2009
30.07.2009
16.07.2009
02.07.2009
18.06.2009
04.06.2009
21.05.2009
07.05.2009
23.04.2009
09.04.2009
26.03.2009
12.03.2009
26.02.2009
12.02.2009
29.01.2009
15.01.2009
01.01.2009
gesamten ungeplanten Störungen abgezogen. Die durch außergewöhnliche
Ereignisse verursachten
28.01. Nassschnee
Störungen sollten extra dargestellt werden. Über dieses Verfahren Major Event Days zu identifizierenaber ohne menschlichen Einfluss,
Saharasand + Sturm
0 der Signifikanz nur ab einer gewissen Größe der Stichprobe 23.07.
ist wegen
sinnvoll,
deshalb können mit treffen. Die MED-Methode hat sich in
diesem Verfahren nur Aussagen für Nationalstaaten wie Österreich, nicht aber für einzelne
einem mehrjährigen Prüfverfahren in
Netzbetreiber getroffen werden.
Österreich als sehr belastbar erwie-
Datum
Dieses
objektive mathematische Verfahren ist zudem seit Jahren in Irland in Anwendung.
Abbildung 4: Berechnung der MED 2009
Abbildung 4 Berechnung der MEDs 2009
sen und empfiehlt sich deshalb für den
europäischen Verfügbarkeitsvergleich.
Asidi in Österreich 2004 bis 2009
Für 140,00
das Jahr 2009 ergibt sich auf Basis der Vordaten 2004 bis 2008 das folgende Bild (siehe
Abbildung 4):
Verlauf der Jahre 2004–2009
Die Resultate für die jährlichen Asidi
der Major Event Days bzw. der verAm 28. und 29.01.2009 traten in der Weststeiermark umfangreiche Versorgungsunterbrechungen bleibenden ungeplanten, „gewöhninfolge
schwerer Schneefälle auf. Darauf wurde auch angesichts chaotischer Zustände auf den
lichen“ Störungen sind in Abbildung 3
100,00
54,01
Straßen damals der Katastrophenzustand ausgerufen.
Da sich die Ereignisse aber über zwei Tage
dargestellt.
verteilten, führten sie gemäß der Berechnung nach IEEE 1366 an40,85
keinem der beiden Tage zu einem
Der IEEE 1366 zufolge werden jene
80,00
11,86
MED in Österreich. Bei Addition der ASIDI-Werte
der beiden Tage 28. und 29.01.2009 wäre
MEDsder
täglichen Asidi, welche die Schranke
geplant
Schwellenwert32,5TMED erreicht worden. Dies kann durchaus als eine kleine, aber hinnehmbare
ungeplant
60,00
TMED übertreffen, von den gesamten
22,38
Schwachstelle
des MED-Verfahrens
gewertet
werden,
welche
bereits
in
der
Formulierung
der
Norm
24,17
8,07
4,84
19,57
IEEE 1366 als bekannt beschrieben wird. Im Vergleich zu den derzeit stark differierenden Kriterien ungeplanten Störungen abgezogen.
17,17
20,93
20,46
40,00
zur Festlegung
der „Höheren
Gewalt“ in den einzelnen europäischen Staaten wiegt der
Die durch außergewöhnliche EreigQualitätsgewinn durch die Objektivierung eines statistischen Verfahrens weit mehr.
nisse verursachten Störungen sollten
48,07
45,47
43,69
20,00
Interessanterweise
war der31,35
nicht „ausgerufene“ Tag 23.07.2009 – in der Grafik36,65
(siehe Abbildung 4) extra dargestellt werden. Über dieses
30,33
deutlich ersichtlich – für das österreichische Stromnetz wesentlich gravierender und geht auch aus Verfahren Major Event Days zu iden0,00
den Daten
der2004
ZAMG als markantes
Wetterereignis
„Saharaluft
und
Kaltfront“ und
somit als MED
tifizieren ist wegen der Signifikanz
2005
2006
2007
2008
2009
nur ab einer gewissen Größe der
Abbildung 5: Resultate der Major Event Days (MED) Berechnungen für 2004 bis 2009, jährliche
Stichprobe sinnvoll, deshalb können
ungeplante Nichtverfügbarkeit, verursacht durch gewöhnliche Störungen bzw. Major Event Days.
mit diesem Verfahren nur Aussagen
berechnet. Eine Addition der beiden Addition der Asidi-Werte der beiden für Nationalstaaten wie Österreich,
Tage könnte trotzdem zu einem MED Tage 28. und 29. 01. 2009 wäre der nicht aber für einzelne Netzbetreiber
führen. Dies ist bei der Betrachtung Schwellenwert TMED
erreicht
worden.
[TT.MM.JJJJ]
, Oesterreichs
Energie 8/13getroffen werden. Dieses objektive
mathematische Verfahren ist zudem
einer Vielzahl von MED in einem Fall Dies kann durchaus
als , eine
kleine,
[TT.MM.JJJJ]
Oesterreichs
Energie 9/13
aufgetreten, ergab aber auch dann aber hinnehmbare Schwachstelle des seit Jahren in Irland in Anwendung.
nur eine geringe Überschreitung des MED-Verfahrens gewertet werden, Die dargestellte Form der Darstellung
Schwellwertes.
welche bereits in der Formulierung als Stapeldiagramm (siehe Abbildung
der Norm IEEE 1366 als bekannt 5) erweist sich als sehr übersichtlich,
beschrieben wird. Im Vergleich zu den entfernt keine Informationen und
Berechnungen
derzeit stark differierenden Kriterien erlaubt doch eine Betrachtung des
für das Jahr 2009
Für das Jahr 2009 ergibt sich auf zur Festlegung der „Höheren Gewalt“ „üblichen“ ungeplanten StörungsgeBasis der Vordaten 2004 bis 2008 das in den einzelnen europäischen Staa- schehens ohne die MED-Anteile (blau),
ten wiegt der Qualitätsgewinn durch der geplanten Abschaltungen (rot) und
folgende Bild (siehe Abbildung 4):
Am 28. und 29. 01. 2009 traten in der die Objektivierung eines statistischen der außergewöhnlichen MED-Ereignisse (gelb) im wahren Ausmaß, wie
Weststeiermark umfangreiche Versor- Verfahrens weit mehr.
gungsunterbrechungen infolge schwe- Interessanterweise war der nicht sie von den Kunden auch tatsächlich
rer Schneefälle auf. Darauf wurde „ausgerufene“ Tag 23. 07. 2009 – in der erlebt wurden. Die Streichung von
auch angesichts chaotischer Zustände Grafik (siehe Abbildung 4) deutlich Anteilen mindert die Aussagekraft und
auf den Straßen damals der Katastro- ersichtlich – für das österreichische stellt im Grunde die Kundenbetroffenphenzustand ausgerufen. Da sich die Stromnetz wesentlich gravierender heit – zumindest teilweise – in Abrede.
Ereignisse aber über zwei Tage verteil- und geht auch aus den Daten der Eine Veröffentlichung der Nichtverten, führten sie gemäß der Berechnung ZAMG als markantes Wetterereignis fügbarkeiten der europäischen Nationach IEEE 1366 an keinem der beiden „Saharaluft und Kaltfront“ und somit nalstaaten auf dieser Basis wäre eine
Tage zu einem MED in Österreich. Bei als MED hervor. In Ermangelung willkommene Qualitätsverbesserung
Asidi [min/a]
120,00
Juni 2011
Oesterreichs Energıe. · 57
Technik
der Vergleichbarkeit und ein bedeutender Schritt zu einer seriösen Darstellung der wahren Verhältnisse in
den Stromnetzen. Ergänzende Harmonisierungen und Festlegungen bei den
Zählgrößen (Trafoleistung, Kundenanzahl), bei den Spannungsebenen und
beim Grenzwert der Störungsdauer
stehen dann trotzdem noch an.
Gute Argumente für die
Methode der MED
1. Die Datenbasis für die Auswertung
nach IEEE 1366 ist sehr schlank und
praktisch in allen Ländern durch
die ohnehin übliche Erfassung der
Versorgungsunterbrechungen vorgegeben, es sind keine zusätzlichen
Erhebungen notwendig
2. Die einfachen Berechnungen sind
z.B. mit Excel (oder mit vergleichbaren Standardprogrammen wie
etwa Open Office) auch ohne höhere
mathematische Kenntnisse leicht
und schnell durchzuführen.
3. In der Berechnung gibt es keinen
Platz für Interpretationen oder individuelle Einflussnahme, durch die
rein statistische Behandlung ist
maximale Objektivität gewährleistet.
4. Das Verfahren basiert auf der internationalen Norm IEEE 1366 und
ist mittlerweile jahrelang erprobt
(USA, Irland, Österreich, …)
5. Es werden europaweit vergleichbare
Zahlen generiert, welche eine übersichtliche Darstellung der Wahrheit
aus Kundensicht in feiner Auflösung
nach geplant, ungeplant und MEDAnteilen bietet.
Zusammenfassung
Internationale Vergleiche der Nichtverfügbarkeit von elektrischer Energie
werden häufig angestellt, sie tragen
auch zum Image eines Landes als
sicher versorgter Standort bei. Oftmals
werden von den einzelnen Ländern
allerdings so genannte außergewöhnliche Ereignisse aus den Statistiken
genommen. Dies wird damit gerechtfertigt, dass einzelne Ereignisse die
Nichtverfügbarkeit in Abhängigkeit
von der Netzstruktur stark erhöhen
können und keine Aussage über das
„normale“ Störungsgeschehen erlauben. Für einen seriösen Vergleich ist
allerdings ein nachvollziehbares Verfahren der Identifizierung solcher
Ereignisse vonnöten. Die Vergleichbarkeit ist derzeit aber unter anderem wegen unterschiedlicher Erfassungskriterien der Staaten bei der
„Höheren Gewalt“ sehr schlecht. Als
Methode bietet sich als ein rein statistisches Verfahren das so genannte
Major Event Days (MED), Verfahren
nach IEEE 1366 [5] an. Die auf diese
Weise identifizierten Tage, an denen
ein außergewöhnliches Störgeschehen
zu beobachten ist, sollten getrennt
dargestellt und beurteilt werden.
Für Österreich ergeben sich zwischen 2004 und 2009 insgesamt 15
Major Event Days, die einerseits auf
die großen Stürme Kyrill, Paula und
Emma zurückzuführen sind, andererseits auch auf kleinere Wetterereignisse, die auf die Stromversorgung
Österreichs großen Einfluss hatten.
Das Verfahren liefert nachvollziehbare Ergebnisse, die sich mit dem
dokumentierten
Wettergeschehen
zeitlich decken, und wird von Oesterreichs Energie für die Identifizierung
von außergewöhnlichen Ereignissen
empfohlen, insbesondere im Hinblick
auf internationale Vergleiche.
Referenzen
[1] Schneider F. et al., Johannes-Kepler-Universität Linz, Umsorgte Versorgungssicherheit –
eine empirische Analyse für den Strommarkt
in (Ober-)Österreich (2007), erschienen im
Trauner Verlag, ISBN 978-3-85499-231-8
[2] CEER, 2008. 4th Benchmarking Report On
Quality Of Electricity Supply 2008. Online im
Internet:
http://www.energy-regulators.eu/
portal/page/portal/EER_HOME/EER_PUBLICATIONS/CEER_ERGEG_PAPERS/Electricity/2008 (Stand Dezember 2008), S. 42 ff
[3] Klöckl B., Nenning R., Ruhrnößl U., Spitzl
W., 2008. Harmonisierungsvorschlag für den
europäischen Verfügbarkeitsvergleich. VEÖ
Journal, September 2008.
[4] Ruppert E., Major Event Days-Methode: Auswertung für Österreich 2007 und 2008, VEÖ
Journal, März 2010
[5] IEEE Standard 1366, 2003. IEEE Guide for
Electric Power Distribution Reliability Indices.
[6] CEER, 2005. 3rd Benchmarking Report on
Quality of Electricity Supply 2008. Online im
Internet:
http://www.energy-regulators.eu/
portal/page/portal/EER_HOME/EER_PUBLICATIONS/CEER_ERGEG_PAPERS/Electricity/2005/CEER_3RDBR-QOES_2005-12-06.
PDF (Stand 6. Dezember 2005), S. 112
[7] Unwetterbericht,
http://www.zamg.ac.at/
klima/klima_monat/unwetterbericht/,
Abfrage am 2011.04.07
Kurzfassung | Abstract
Praxiserfahrungen mit der
„Major Event Days“ Methode in
­Österreich zwischen 2004 und 2009
Pracitcal Experience with the
Method of “Major Event Days” in
Austria between 2004 and 2009
Die ungeplante Nichtverfügbarkeit von elektrischer Energie
ist eine wichtige Kennzahl, die international oft verglichen
wird. Von vielen Ländern werden so genannte außergewöhnliche Ereignisse, wie beispielsweise Stürme oder andere Fälle
höherer Gewalt, aus den Berechnungen für Kennzahlen ausgenommen, was zu Lasten eines seriösen Vergleichs geht. Für die
Identifizierung solcher Tage mit außergewöhnlichem Störungsgeschehen wird das Major Event Days-Verfahren vorgestellt,
mit dem außergewöhnliche Ereignisse auf rein statistische Art
bestimmt werden können. Berechnungsergebnisse für Österreich für das Jahr 2004 bis 2009 zeigen, dass das Verfahren
treffsicher ist, Elementarereignisse wie die Stürme Kyrill,
Emma und Paula wurden einwandfrei identifiziert.
In Irland ist dieses Verfahren bereits seit Jahren in Anwendung.
Continuity of electrical supply is subject to many international
assessments. Various countries exclude so called exceptional events since big disasters such as storms or other cases
of force majeure tend to have high influence on the results
without having any significance for assessment of “common”
interruptions. Hence, international compatibility of continuity indices suffers due to a lack of common standards. As an
alternative option, a statistical method which can be used to
identify Major Event Days is presented. Results based on continuity data of Austria between 2004 and 2009 are reasonable.
For example storms like Kyrill, Emma and Paula were identified as Major Event Days.
In Ireland this method is being used since years, too.
58 · Oesterreichs Energıe.
Juni 2011
Blitzlichter
Die EVN will in Niederösterreich Pumpspeicherkraftwerke bauen. Die EVN
begründen dies damit, dass dies eine
Ausgleichsmöglichkeit für die schwer
regelbare Windkraft wäre. In Niederösterreich wäre vor allem das Donautal für ein
Pumpspeicherkraftwerk geeignet, hieß
es. Derzeit stünden mehrere Standorte
zur Diskussion. Zudem wird derzeit noch
geprüft, Wasserkraftwerke auf die Pumpspeichertechnologie umzubauen. Eines
dieser Kraftwerke gibt es schon in Ottenstein im Bezirk Krems, wo das Wasser zwischen zwei Stauseen zu Energie umgewandelt wird. Der Bau eines Werks mit 250 bis
400 MW Leistung würde zwischen 350
und 400 Mio. Euro kosten. Wie es in einem
ORF-Beitrag hieß, möchte die EVN in den
nächsten Jahren insgesamt 800 Mio. Euro
in erneuerbare Energien investieren.
Foto: Wien Energie Fernwärme
Als sichtbares Zeichen für den Umweltschutz sind die Schulen der Stadt Wien
mit Wien Energie Fernwärme eine Klimaschutzpartnerschaft eingegangen:
Durch die Nutzung von Fernwärme haben
250 Schulen im Jahr 2010 über 76.000 t
an CO2-Emissionen eingespart. Bestätigt
werden diese Einsparungen nun durch
ein Zertifikat der Technischen Universität
Wien. Wien Energie Fernwärme-Geschäftsführer Thomas Irschik (links im Bild) sagte
dazu: „Wir sind uns unserer Verantwortung
für unsere Umwelt und die nachfolgenden
Generationen bewusst. Die Partnerschaft
mit den Wiener Schulen ist ein herausra-
Juni 2011
Foto: Energie Steiermark
Wiener Schulen
sparen CO2 ein
Steiermark: Neues
E-Mobility-Angebot
Elektrofahrräder können in der Grazer
Innenstadt direkt von der Energie Steiermark gemietet werden. „Wir sind stolz
darauf, in der steirischen Landeshauptstadt den größten zentralen Verleih von
Elektro-Fahrrädern in ganz Österreich
starten zu können“, freute sich der Vorstandssprecher der Energie Steiermark,
Oswin Kois.
Der neue E-Bike-Verleih wurde von Energielandesrat Landeshauptmannstellvertreter Siegfried Schrittwieser eröffnet. Um
14,90 Euro pro Tag sitzt man bereits am
Sattel und radelt „mit Rückenwind“ durch
die steirische Landeshauptstadt. Getankt
wird ausschließlich mit Grün-Strom.
Buchen kann man über Telefon, Internet oder direkt vor Ort. Der Shop ist von
Montag bis Sonntag geöffnet. Die Nachfrage ist jedenfalls überdurchschnittlich
groß: in der Südsteiermark gab es allein im
letzten Jahr mehr als 3000 Buchungen.
Die Energie Steiermark erwartet sich auch
für Graz Buchungen in dieser Größenordnung.
Beyrer löst
Michaelis ab
Die Hauptversammlung der
OMV hat
Mitte Mai
den künftigen Alleinvorstand
ihres Kernaktionärs ÖIAG, Markus
Beyrer, zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates
gewählt. Beyrer löst damit
Peter Michaelis ab, der am
1. Juli auch die Führung
der Staatsholding an
Beyrer übergibt. Dem OMVAufsichtsrat gehören somit
auch künftig zehn von
der Hauptversammlung
gewählte Mitglieder an.
Laut OMV-Chef Gerhard
Roiss will die OMV heuer
2,7 Mrd. Euro investieren. Die Verzögerung
des Gaspipeline-Projekts
Nabucco sollte laut Roiss
nicht überbewertet
werden: „Nabucco ist ein
europäisches Projekt und
ein Jahrhundertprojekt,
es ist daher nicht wichtig,
ob es ein Jahr früher oder
später in Betrieb geht.“
Foto: IV
gendes Beispiel für gelebte Nachhaltigkeit.“ Und Robert Oppenauer (Bild Mitte),
Leiter der Magistratsabteilung Wiener
Schulen, sowie Bildungsstadtrat Christian
Oxonitsch (rechts im Bild) betonten die
Wichtigkeit dessen, dass Klimaschutz nicht
nur ein wichtiger Aspekt in den Lehrplänen
ist, sondern aktiv gelebt wird.
Insgesamt werden durch Fernwärme in der
Bundeshauptstadt bereits jetzt jährlich
CO2-Emissionen von rund 1,9 Mio. t vermieden. Ohne Fernwärme wäre in Wien der
Bedarf an Primärenergie um 42 Prozent
größer, die Treibhausgasemissionen wären
um 52 Prozent höher.
Neuer
Geschäfts­führer
Die Gesellschafter der
Verbund
Thermal
Power haben Robert
Koubek zum
Geschäftsführer bestellt. Koubek wird Anton
Smolka nachfolgen, der
Ende November 2011 nach
37 Jahren bei Verbund
und zehn Jahre als Geschäftsführer der Verbund
Thermal Power in den
Ruhestand treten wird.
Koubek konnte sich als
studierter Maschinenbauer über seine beruflichen
Stationen bei ABB, VA Tech
und OMV als erfolgreicher
und internationaler
Projektleiter für Kraftwerksbauten etablieren.
Seit 2009 ist Koubek für
den Verbund in Frankreich
tätig.
Oesterreichs Energıe. · 59
Foto: Verbund
EVN setzt auf Pump­
speicherkraftwerke
Blitzlichter
Foto: Bilderbox
Neues Gebäude
in Kagran
Wien Energie Stromnetz
kommt noch näher zu den
Kunden. Mit einem Betriebsgebäude in Kagran
wird ein neuer Stützpunkt für die Betreuung
des Netzgebietes nördlich
der Donau errichtet. Dies
ermöglicht schnellere Wege
für den Einsatz zu den
Kunden. Insgesamt inves­
tiert Wien Energie Stromnetze 8,5 Mio. Euro in das
neue Betriebsgebäude, in
dem rund 140 Mitarbeiter
arbeiten werden.
60 · Oesterreichs Energıe.
ins Innere der Mühldorfer Sperre werfen,
wo alles Wissenswerte über die Stromerzeugung aus Wasserkraft erläutert wird.
Immer mehr E-Autos
Foto: Bewag
In Potzneusiedl im Burgenland erfolgte
Mitte Mai der Spatenstich für einen neuen
Windpark der Bewag. Nach heuer sollen
zwei Windkraftanlagenmit jeweils 7,5
MW Leistung den Betrieb aufnehmen. Die
Bewag plant binnen drei Jahren im Bereich
Windkraft Investitionen im Ausmaß von
rund 350 Mio. Euro. Derzeit erzeugen
206 Windräder im Burgenland etwa die
Hälfte des verbrauchten Stroms. 138 davon
werden von der Bewag betrieben. Mit den
neuen Windrädern sollen über 4000 Haushalte mit Strom versorgt werden können.
Vor rund einem Jahr wurden die ersten
serienreifen Elektroautos in Österreich
vorgestellt, seit dem Herbst des Vorjahres
bietet ElectroDrive Salzburg, eine Tochter
der Salzburg AG, E-Autos zum Leasing
oder zum Kauf an. Die Bilanz nach gut
einem Jahr: Es wurden bisher 40 Fahrzeuge mit Elektromotor auf die Straßen
Salzburgs gebracht. „Wir sind zufrieden
mit dieser Entwicklung. Es ist ein erster,
Foto: Salzburg AG
Stromrechnungen können
auch verständlich sein. Zu
diesem Schluss kam der
Verein für Konsumenteninformation (VKI). Der VKI
überprüfte die Stromrechnungen von 22 Anbietern
auf deren Verständlichkeit. Sieben Mal wurde
das Testurteil „sehr gut“
vergeben. Unter den besten
fünf Stromrechnungen ist
auch jene der Salzburg AG.
Arno Gasteiger, Vorstand
der Salzburg AG, dazu:
„Wir bemühen uns um
eine verständliche und
nachvollziehbare Rechnung und freuen uns, dass
unsere Anstrengungen
anerkannt werden.“ „Leider sind wir an sehr viele
rechtliche und behördliche
Auflagen gebunden, die
eine einfache Darstellung
erschweren“, erklärt Robert Pumsenberger, Leiter
des Bereiches Kundenservice und Informatik
der Salzburg AG. Um trotz
der Vielzahl an Vorgaben eine verständliche
Rechnung zu bekommen,
arbeitet man eng mit dem
Konsumentenschutz und
der E-Control zusammen.
Zudem, so Pumsenberger,
wurden auch die Empfehlungen des neuen VKI-Vergleichstests aufgegriffen.
Spatenstich für
Bewag-Windpark
Mit Reißeck-Bahn auf
2200 Meter
guter Schritt“, sagte der Geschäftsführer
von ElectroDrive Salzburg, Alois Schöss­
wendter. Zudem hat das Unternehmen
allein im heurigen Frühjahr 150 neue
E-Fahrräder an den Kunden gebracht. Bei
den E-Fahrrädern ist der Marktdurchbruch
bereits gelungen.
Der Verbund lädt Touristen auch in der
Saison 2011 ein, mit den Reißeck-Bergbahnen bequem in 2200 m Seehöhe zu
gelangen, dort atemberaubende Natur zu
erleben und gleichzeitig einen Einblick in
die Symbiose von Wasserkraft und Umwelt
zu gewinnen. Die Reißeck-Standseilbahn
überwindet in 25 Minuten einen Höhenunterschied von 1516 m. Am Schoberboden
angekommen, können die Besucher in Europas höchstgelegene private Schmalspurbahn umsteigen, die direkt am Bergrestaurant Reißeck endet. Interessierte, die etwas
über die Erzeugung von Strom aus Wasserkraft erfahren wollen, können einen Blick
APG präsentiert
Grobtrasse
Foto: Verbund Touristik
„Sehr gut“ für
die Rechnung
Für den zweiten Abschnitt der 380-kVLeitung vom Umspannwerk Salzburg in
Elixhausen bis Piesendorf/Kaprun präsentierte der Projektbetreiber Austrian Power
Grid (APG) Mitte Mai eine Grobtrasse.
Diese folgt weitgehend jenem Korridor, den
eine Expertenkommission vor rund einem
Jahr festgelegt hat. Im Pinzgau, wo die
Trasse über große Strecken im Mittelgebirge verläuft, steht der Verlauf weitgehend
fest, genauso wie im Pongau. Schwieriger
ist es im dicht besiedelten Flach- und Tennengau. Der Stand der Planungen wurde
bei Bürgerinformationen der Bevölkerung
vorgestellt.
Juni 2011
Termine
Oesterreichs Energie Akademie
14. bis 15. September 2011
17. bis 19. Oktober 2011
Power Quality
Verteilnetzplanung
Seminar, Graz
Seminar, Salzburg
Die Rahmenbedingungen für die Versorgung mit elektrischem
Strom sind einem stetigen Veränderungsprozess unterworfen. Einerseits steigen die Anforderungen an das Netz wie
beispielsweise durch die dezentrale Einspeisung, andererseits ergeben sich Änderungen im regulatorischen sowie im
normativen Bereich. Die Veranstaltung soll die einschlägige
Entwicklung darstellen und die Zukunft in diesem Bereich zur
Diskussion stellen.
Verteilnetzplaner stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen! Umso wichtiger ist es, up-to-date zu sein! Dieses
Seminar bietet Praktikern in den Unternehmen eine Übersicht
über das aktuelle Wissen, das unter den heutigen Rahmenbedingungen benötigt wird, um zukunftssichere Planungsentscheidungen vorbereiten und treffen zu können. Anhand
von Praxisbeispielen, die in Gruppenarbeiten diskutiert und
präsentiert werden, wird die Bewertung von Planungsvarianten
geübt.
20. bis 21. September 2011, Salzburg
4. bis 5. Oktober 2011, Graz
Betrieb von elektrischen Anlagen nach
ÖVE/ÖNORM EN 50110
Seminar
Gemäß ÖVE/ÖNORM EN 50110 muss jede elektrische Anlage
unter einer Person, dem/der Anlagenverantwortlichen, betrieben werden. Diese trägt die Verantwortung für alle technischen
und organisatorischen Tätigkeiten, die für den sicheren Betrieb
der elektrischen Anlage erforderlich sind. Bei dieser Veranstaltung erhalten Sie alle wichtigen Informationen in einem praxisorientierten Rahmen zur ÖVE/ÖNORM EN 50110, um Ihre
elektrischen Anlagen technisch und rechtlich korrekt betreiben
zu können.
11. bis 13. Oktober 2011
Brandschutz im
Elektrizitätsunternehmen
Seminar, Lebring
Diese Basisausbildung ermöglicht Ihnen einen Brandschutzpass zu erlangen und wendet sich damit an jene Mitarbeiter
in Elektrizitätsunternehmen bzw. Mehrspartenunternehmen,
die als Brandschutzbeauftragte tätig sind oder als solche
eingesetzt werden sollen, sowie an Mitarbeiter projektierender
Abteilungen, die mit Aufgaben des Brandschutzes befasst sind.
Auch Brandschutzwarte können diese umfassende Ausbildung
besuchen.
12. bis 13. Oktober 2011
Fortbildung für Brandschutzbeauftragte
und Brandschutzwarte
9. bis 10. November 2011
Fortbildungsseminar für Arbeitnehmerschutzverantwortliche und
­Sicherheitsvertrauenspersonen (SVP) in
Elektrizitätsunternehmen
Seminar, Salzburg
Das SVP-Fortbildungsseminar richtet sich an Sicherheitsvertrauenspersonen in Elektrizitätsunternehmen, die ihre Aufgabe
als SVP bereits einige Zeit wahrnehmen. Im Rahmen des Seminars können sich die Teilnehmer über die aktuelle Gesetzeslage
informieren und durch den Erfahrungsaustausch über die
Unternehmensgrenzen hinweg neue Impulse für ihre Tätigkeit mitnehmen. Das Seminar wird durch erfahrene Praktiker
aus den Elektrizitätsunternehmen sowie einem Experten des
Arbeitsinspektorates begleitet.
15. bis 17. November 2011
Schutztechnik I
Seminar, Salzburg
Die Veranstaltung wendet sich an Betriebstechniker allgemein
sowie an alle jene Dienstnehmer eines Unternehmens, die im
Kern- oder Randbereich ihres Arbeitsgebietes mit Schutzfragen
konfrontiert sind. Bei diesem Seminar werden theoretische
Grundlagen der Schutztechnik vermittelt sowie durch Gruppenarbeiten und Übungen vertieft. Darüber hinaus ist genügend Zeit für Diskussion und Erfahrungsaustausch vorgesehen.
Information und Anmeldung:
Seminar, Lebring
Diese Veranstaltung wendet sich an jene Mitarbeiter in Elektrizitätsunternehmen, die als Brandschutzbeauftragte oder
Brandschutzwarte tätig sind oder als solche eingesetzt werden
sollen und bereits einen Brandschutzpass mit Ausgabedatum
2006 oder früher besitzen. Entsprechend der technischen
Richtlinie für vorbeugenden Brandschutz – TVB O 117 – ist
von Brandschutzbeauftragten innerhalb von fünf Jahren ein
Fortbildungsseminar zu besuchen, um die Verlängerung der
Gültigkeit des Brandschutzpasses um weiter fünf Jahre zu
erlangen und aktuelle Informationen über Neuerungen auf dem
Gebiet des Brandschutzes zu erhalten.
Juni 2011
1040 Wien, Brahmsplatz 3
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Oesterreichs Energıe. · 61
Termine
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62 · Oesterreichs Energıe.
September 2011
19. bis 21. September
Gas 2011
Seminar, Wien (A)
Institute for International Research (IIR), Frau Jana Kremser, Linke Wienzeile 234, 1150 Wien
Tel.: +43 (0)1/891 59-212, Fax: +43 (0)1/891 59-200
E-Mail: jana.kremser@iir.at, Internet: www.iir.at
26. September
Eurelectric Conference – Water for Wind & Sun
Konferenz, Brüssel (BE)
Union of the Electricity Industry – EURELECTRIC, Frau Emily O’Leary,
Blvd. de l’Impéatrice 66, 1000 Brüssel
Tel.: +32 (0)2/515 10-62, Fax: +32 (0)2/515 10-69
E-Mail: eoleary@eurelectric.org, Internet: www.eurelectric.org
27. bis 28. September
11. Internationales Anwenderforum
Oberflächennahe Geothermie
Anwenderforum, Regensburg (D)
Ostbayerisches Technologie-Transfer-Institut (OTTI), Frau Anita Scheidacker,
Wernerwerkstraße 4, 93049 Regensburg
Tel.: +49 (0)941/296 88-55, Fax: +49 (0)941/296 88-54
E-Mail: anita.scheidacker@otti.de, Internet: www.otti.de
Oktober 2011
6. bis 7. Oktober
7th European Conference on
Green Power Marketing 2011
Forum, Zürich (CH)
Green Power Marketing GmbH, Frau Dr. Devrim Yetergil, Weberstraße 10, 8004 Zürich
Tel.: +41 (0)43/322 05-57, Fax: +41 (0)43/322 05-59
E-Mail: devrim.yetergil@greenpowermarketing.org, Internet: www.greenpowermarketing.org
November 2011
10. November
Eurelectric Conference –
Renewables to the European Market
Konferenz, Brüssel (BE)
Union of the Electricity Industry – EURELECTRIC, Frau Emily O’Leary,
Blvd. de l’Impéatrice 66, 1000 Brüssel
Tel.: +32 (0)2/515 10-62, Fax: +32 (0)2/515 10-69
E-Mail: eoleary@eurelectric.org, Internet: www.eurelectric.org
Juni 2011
Gutes Management steigert Produktivität
und Umsatz und hilft Ihnen, Ihr Unternehmen
gewinnbringend zu führen!
Malik General Management Seminare
2011 in Österreich
basierend auf den Bestsellern von Prof. Dr. Fredmund Malik
Alle Te
rmine
Wirksam Führen
www.
unter
RedEd
.at
Prinzipien, Methoden und Praxisrüstzeug für richtiges und gutes Management
basierend auf dem Bestseller «Führen – Leisten – Leben» von Prof. Dr. Fredmund Malik
NEU
„Reflexions- und Anwendungstag“ – am optional buchbaren 3. Seminartag haben Sie Gelegenheit,
die Inhalte des Kompaktseminars ausführlich zu reflektieren und Ihre eigenen Fallbeispiele und
Führungsfragen zu bearbeiten.
Strategisches Management
Erfolgreiche Navigation von Unternehmen
In diesem praxisorientierten und kompakten Seminar erlernen Sie in nur 2 Tagen die
bestehende Strategie zu beurteilen, künftige Erfolgsfaktoren zu identifizieren und
eine robuste Strategie für Ihr Unternehmen bzw. einen Unternehmensbereich zu entwickeln.
Schlagkräftige Organisationsstrukturen schaffen
Grenzen herkömmlichen Organisierens überwinden –
neue strukturelle Lösungen für zuverlässiges Funktionieren
NEU
Changing Change Management
Ein neues Change Verständnis für das Meistern
der heutigen Herausforderungen an Organisationen
Alle Termine und Infos unter www.RedEd.at
vBb
Oder fordern Sie das Programm direkt an: information@RedEd.at
Seit Tausenden Jahren erneuern sich die Auwälder an der Donau bei Steyregg, Oberösterreich.
Warum braucht
Oesterreichs Energie
neue Netze?
Weil Energie in unserer Natur liegt.
Österreich nimmt bei der Versorgungssicherheit nach wie vor
einen Spitzenplatz in Europa ein, wir haben uns an die sichere
Versorgung mit Strom gewöhnt. Doch steigender Verbrauch und
die stärkere Nutzung erneuerbarer Energien machen ein klares
Bekenntnis zum Netzausbau notwendig.
Österreichs E-Wirtschaft bringt die Energie zu den Menschen.
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