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ENERGIEPOLITIK - WAS IST SACHZWANG, WAS DENKZWANG ?

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Dr. Ursula K och:
©Österreichischer Naturschutzbund; download unter www.biologiezentrum.at
ENERGIEPOLITIK WAS IST SACHZWANG, WAS DENKZWANG ?
Was in der ’’o f f iz ie lle n ” E n ergiep olitik an A rgu m en ten für die F ortsetzu n g des her­
k ö m m lich en (A tom -)K u rses vorgeb racht wird, beruht au f D en k -, n ich t au f S ach zw än ­
gen. P rogn osen w erd en au f A n alysen aus dem V erbrauch der V ergan gen h eit erstellt und
durch die G egenw art la u fen d w id erlegt. Wie es anders besser g e h t, außerhalb der ’’g o ttg e ­
w o llte n D e n k zw ä n g e ” , dafür z eig t Dr. Ursula K och von der S ch w eizerisch en Energie­
stiftu n g am B eispiel der E id g en o ssen sch a ft ein en Weg auf. ’’U m d e n k e n ” ist dab ei ein G e­
b o t der S tu nd e.
Ö sterreich und die S ch w eiz sind ein
klein er Teil ein es g lo b a len S y stem s, und
w ie dieses glob ale S y stem m it der Energie
u m geh t, zeigt Ursula K och au f, eh e sie sich
au f S ch w eizer V erh ältn isse k o n zen triert.
D enn global g eseh en wird vor allem ein
P roblem perm an en t vern ach läß igt, das. in
Z u k u n ft in die sichere K atastrop h e führen
kann: Der A n stieg der K o h len d io x id -K o n zen tra tio n in der A tm osp h äre. CO 2 e n t­
ste h t bei der V erb ren n u n g von fossilen
E nergieträgern, und 7 0 bis 8 0 P rozen t der
B elastung in der A tm osp h äre rühren aus
V erb ren n u n gsp rozessen her. 1981 w aren es
rund 27 M illiarden T o n n en an K o h len ­
d io x id durch die E n ergieerzeu gung aus
K oh le, Erdgas, Erdöl und H olz. A llein der
jährliche V erb rau ch szu w ach s an d iesen fo s ­
silen Energieträgern liegt bei 2 P rozen t.
Jen e natürlichen S y stem e , die K o h len ­
d io x id abbauen k ö n n e n , w erd en g le ic h z e i­
tig in ihrer F u n k tio n im m er m ehr e in g e ­
schränkt: An U rw äldern gehen jährlich
1 1 0 .0 0 0
Q u ad ratk ilom eter durch K ahl­
schlag verloren, das ist m ehr als die G esam t­
fläch e Ö sterreichs, und die W eltm eere sind
von ein em E rd ölfilm üb erzogen , der die
A b so rp tio n v o n C O 2 b eh in d ert.
Das A rgu m en t, A to m e n e rg ie k ö n n te
das C 0 2 -P ro b lem lö se n , führt Ursula K och
rein rechn erisch ad absurdum : U m jen e
E nergiem en ge, die jährlich aus fossilen
B ren n sto ffen erzeu gt w ird, durch A to m ­
kraftw erk e zu ersetzen , wären 2 7 .7 0 0 K ern­
energiean lagen zu je 1 0 0 0 M egaw att n o t ­
w en d ig, dam it allein die W interenergie b e­
reitg estellt w erd en kann.
D er Ersatz von E rdöl durch K ernkraft das
ganze Jahr hin durch würde 15.0Q 0 A to m ­
k raftw erk e erfordern: ’’H eu te ste h e n auf
der W elt 2 7 7 K ernk raftw erke herum , um
nur ein en jäh rlich en Z uw achs an fossilen
Energieträgern zu ersetzen , brauchen wir
3 0 0 bis 5 0 0 A to m a n la g e n ”
N ach ein em S zenariu m der W eltener­
gieversorgung bis zum Jahr 2 0 3 0 wird der
A n teil der fo ssile n E nergieträger w eiter
steigen . S elb st d ie ’’o ffiz ie lle n P rogn osti­
k er” w eisen au f den d am it verb u n d en en
w eiteren A n stieg des C O 2 in der A tm o s­
phäre hin: Ob die N atur diesen A n sto ß
n och wird verk raften k ö n n e n , ersch eine
sehr fraglich. D aß man sich darüber h eu te
sch on G ed ank en m ach en m ü ß te, das regt
Ursula K och an:
Man b efü rch tet bei ein er V erd o p p elu n g des
C 0 2 ‘A u ssto ß es ’’au ß ero rd en tlich e A u sw ir­
kungen au f das w e ltw e ite K lim a ” Das Wär­
m e g le ic h g e w ic h t der Erde wird e m p fin d lich
g estö rt. Das glo b a le K lim a wird sich um
2 bis 3 Grad erw ärm en.
A m N o rd p o l würde dies ein en T em p eratu r­
anstieg von bis zu fü n f Grad C elsius b e d e u ­
ten , die polaren E isk ap p en k ö n n te n sc h m e l­
z en , der M eeresspiegel würde steig en , ganze
K ü sten geb iete k ö n n te n u n ter Wasser g e ­
se tz t w erd en . D ie V egetation sgü rtel w ürden
sich auß erdem versch ieb en : Jeder K lim ato-
39
G egunter
e n kwww.biologiezentrum.at
o n z ep t erarb eitet, ’’w ie man es je tz t
lö g e, der sich h e u te G©Österreichischer
ed ank en m Naturschutzbund;
a ch t, w eist download
praktisch in allen Ländern Europas fin d e t”
au f das C 0 2 'P r o b le m hin . ’’Wir sehen im ­
Sie alle hab en z w ei S ch ritte zur G rundlage:
mer d eu tlich er, daß wir uns hier auf ein
glob ales E x p erim en t ein gelassen haben,
dessen A usgang n o c h kaum überschaubar
o Stab ilisieren des E nergieverbrauchs
is t ”
o
L angfristiges Sen k en des V erbrauchs
E n ergiep olitik wird h e u te n och m it
P rogn osen auf der Basis von T rends der
V ergan gen h eit g em a ch t, die aber von der
G egenw art laufend w id erlegt w erd en . U rsu­
la K och d em o n striert d iese ’’in te llig en te
R a tio n a litä t” am B eisp iel der Sch w eiz:
Trend w erte aus A n a ly sen des vergangenen
V erbrauchs w erd en als Z iele für künftige
E n ergiep olitik v erw en d et: ’’Das ist ein
D en k zw a n g , der e in fach n ic h t gelern t hat,
kreativ m it den geg eb en en U m stän d en u m ­
zugeh en ”
D ie V erb rau ch sp rogn osen w erd en lau­
fen d korrigiert, w eil der ta tsä ch lich e Ver­
brauch u n ter d en V orhersagen lieg t. Die
Sch w eizerisch e E n ergiestiftu n g hat sich
desh alb ’’ein en Scherz e rla u b t” und eine
’’P rogn ose
der
P ro g n o se n ”
errech n et.
R u tsch en die P rogn osen des E id gen össi­
sch en E n ergied ep artem en ts w eiter so w ie
bisher nach u n ten , ’’brauchen wir in der
S ch w eiz 1 9 8 5 v ielleich t k ein e Energie
m eh r”
Daß der V erbrauch in der S c h w eiz seit
1 9 7 2 gesu n k en ist, ’’kü m m ert die P rogn o­
stik er n ic h t, w eil sie sich in ein er h öh eren
Sphäre b e w e g e n ” D ie ’’G esam ten ergiek on z e p tio n s-K o m m issio n ” der S ch w eiz wurde
b eauftragt, m ehrere ’’S zen a rien ” für den
E nergieverbrauch bis zu m Jahr 2 0 0 0 zu
erarbeiten. In allen drei S zenarien, so hat
die E n ergiestiftu n g fe stg e s te llt, b leib t der
gep lan te U m fan g des AK W -A usbauprogram m es gleich; unabhängig vo m Energiever­
brauch: ’’D ie E n d vorstellu n g ist also die
sch ön e neu e A to m w e lt” D erzeit w erden
in der S ch w eiz 1 4 .0 0 0 G igaw attstu n d en
Strom in K ern k raftw erk en produ ziert,
1 0 .7 0 0 davon w erd en e x p o r tie rt. (D iese
Zahlen b ezieh en sich a u f das Jahr 1 9 8 1 ).
D ie
S c h w eiz er isch e
E n ergiestiftun g
’’hat sich das n ic h t gefa llen la sse n ” und ein
40
o h n e größ ere Einbrüche.
D ie versch ied en en Energieträger sollen
e in en anderen A n teil als h eu te haben.
(D azu ist in der S ch w eiz das Buch
’’J en seits der S a c h z w ä n g e ” ersch ien en )
U m sich aber n ic h t nur m it ein em Pa­
pier zu begnügen, hat die E n ergiestiftu n g
im A u ftra g der S tad t S ch affh au sen am
R h ein ein G egenszenariu m am praktischen
B eispiel erstellt.
A ls Ziel w u rd e fix ie r t, den G esam ten ergie­
verbrauch bis zu m Jahre 2 0 3 0 um 45 Pro­
z en t zu sen k en . Für d ie D urchführung sind
drei S ch ritte v orgeseh en .
1.)
O rgan isatorische M aßnahm en: Begren­
zung der R au m tem p eratu r, Einführung
der in d ivid u ellen H eizk o sten rech n u n g ,
E inführung verfein erter H eizregulie­
rung, F örd erun g von sin n vollen Lüf­
tu n g sg e w o h n h e iten , um nur ein ige zu
n e n n en .
2 .)
E inführung von W ärm ed äm m u ngskon­
z ep ten : Isolation v o n W änden, D eck en ,
B ö d en , A n w e n d u n g von F en stern m it
M ehrfachverglasung, W ärm erückgew in­
nu ng und o p tim a le Isolieru ng von G e­
räten . A lle d iese M aßnahm en k ön n en
inn erhalb d es natürlichen A b lau fes der
R e n o v a tio n in den 30 Jahren verw irk­
lic h t w erd en .
N ach den b eid en R ed u k tio n ssch ritten
m u ß ein S u b s titu tio n ssc h r itt folgen :
3 .)
D er v erb leib en d e
V erbrauch
wird
durch andere E nergiearten als Ö l, er­
zeu gt: D urch die V erw en d u n g von
U m geb u n gsw ärm e, S on n en en ergie, B io ­
m asse und W ärm e-K raft-K oppelung.
N a ch d em d ie K ernkraftgegner in der
S ch w eiz ein A to m -V o lk sb e g e h r en knapp
©Österreichischer
” P www.biologiezentrum.at
robieren-W irs” — G eistesh altu n g
verloren, hat die In itiative
im mNaturschutzbund;
erh in zur download unter
n
ic h t m ehr ak zep tieren
F olge g eh ab t, daß das A to m g e se tz revi­
d iert w urde: Es darf je tz t kein n eu es A to m ­
In der D isk u ssion kam Ursula K och
kraftw erk errich tet w erd en , es sei d en n , der
au f ein ’’p h ilo so p h isc h e s P ro b le m ” zu spre­
B edarf wird b ew iesen . Wie dieser ’’berühm ­
ch en , w ie sie es selb st b e z e ic h n e te , näm lich
te B ed a rfsn a ch w eis” je tz t erb racht wird,
näm lich m it ein em ’’äußerst raffin ierten
jen es der B ew eisb ark eit: ’’D ie O pfer sollen
b ew eisen , daß sie O pfer sind? Eine E n tw ic k ­
S y s te m ” , analysiert Ursula K och: Es w er­
lung soll erst dann g e sto p p t w erd en , w enn
den K riterien a n g e w e n d et, nach d en en sich
sie ihre U n b e d e n k lic h k e it n ic h t b ew eisen
der V erbrauch rich ten w ird. Das B r u tto ­
k o n n te ? ” Und au f die R o lle der T ech niker
sozia lp ro d u k t hat den A u ssch lag für den
ein geh en d : ’’D ie G esellsch a ft hat verpaßt,
Strom verbrauch, also 2 ,8 P rozen t m axim al,
sich Ziele zu se tze n . D ie T ech n ik er haben
1,5 P rozen t m inim al. Das b e d e u te t eine
je tz t b eg o n n en , die ge se llsc h a ftlich en Z iele
V erd op p elu n g aller T ä tig k eiten in einer
zu fix ie re n . Eine der sch lim m sten E n tw ic k ­
V o lk sw irtsch a ft, die innerhalb von 25 Jah­
lun gen , die wir uns überhaupt ausdenk en
ren ein en G eld flu ß zur F olge haben. Das
k ön n en . D ie T ech n ik er sagen, daß alles
z w eite K riterium ist die P reisen tw ick lu n g:
m achbar sei; also wird dies zur M axim e er­
Je w eniger der S trom preis gegenüber dem
h o b en . Eine ganz ldein e Interessensgru ppe,
E rdölpreis steig t, d e sto m ehr wird sich ein
die nur a k zep tiert, was m eßbar und zäh l­
Ersatz von Öl durch S trom v o llz ieh en .
bar ist, legt Z iele für uns alle fe st. Wir ha­
A u ß erd em spart m an w en iger oder m ehr,
ben die ganze E n tw ick lu n g in die H ände
förd ert aber in je d e m F all die E lek tro h ei­
ein d im en sio n a ler M en schen gegeb en . Es ist
zung. Das le tz te K riterium ist die V ersor­
unsere S chu ld. Wir m üssen derf T ech n ik ern
g un gssicherh eit: D ie S c h w eiz darf nur alle
diese V eran tw ortu n g w ied er e n tz ie h e n ,
2 0 W inter ein m al in die Lage k o m m e n ,
und zw ar m ö g lic h st s c h n e ll” P rof. Paul
selb st S trom im p ortieren zu m üssen.
Blau ergän zte d iese A u ssage m it der B em er­
In der für die N achw eiserb rin gung
kung, daß es eig en tlich ein e neue Z w e itei­
zu stän d igen
K om m ission
w urde
keine
lung u n ter den M en schen gebe: Eine G rup­
E inigkeit erzielt; es gib t darin n äm lich auch
pe sage, daß alles, was m achbar sei, zu rea­
A to m g eg n er,
darunter
G ew erk sch after,
lisieren ist, solange n ic h t b ew iesen ist, daß
’’die das M ärchen v on der A r b eitsp la tzsi­
die E n tw ick lu n g ins U nglück führt. D ie an­
cherung längst n ic h t m ehr g la u b e n ” In
dere G ruppe m e in t, daß T e ch n o lo g ie n , bei
e in em B uch dieser K om m ission fin d e t sich
denen n ich t b ew iesen ist, daß sie irreversib­
je tz t der Satz: ’’D er B ed arfsn ach w eis ist
len S chad en an rich ten k ö n n te n , auch n ich t
w issen sch a ftlich n ic h t zu erb ringen, ord­
an g ew en d et w erd en dürfen. Z w isch en d ie ­
n u n gsp olitisch ist er fraglich, aber p o litisch
sen b eid en G eistesh a ltu n g en gib t es keine
n ö tig ”
Brücke. Man soll zwar zw isch en M enschen
Ein n eu es A to m -V o lk sb e g e h r en be­
keine G räben au freiß en . A b er d ort, w o es
z eich n e t Ursula K och als ’’ein e m ein er
leb en sb ed ro h en d w ird, darf m an die G ei­
H aup tau fgaben. Wir w o lle n auch ein m al
stesh altu n g ”Probieren-W irs” n ic h t d u ld e n ”
G rund zum F eiern haben
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