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11.5. FAQ : Was ist eine Mezzanine-Finanzierung ? - IHK Eupen

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11.5. FAQ : Was ist eine Mezzanine-Finanzierung ?
Eine Mezzanine-Finanzierung ist eine Finanzierungsform, die neben anderen Finanzierungsformen für ein expandierendes Unternehmen infrage kommt. Diese Finanzierungsform ist noch
zu wenig bekannt, kann aber unter manchen besonderen Umständen einem Unternehmen
und/oder Unternehmer mit Finanzierungsproblemen helfen.
Was ist eine Mezzanine-Finanzierung?
Eine Mezzanine-Finanzierung ist eine Mischform von Eigen- und Fremdkapital. Sie weist
einerseits die Züge von Eigenkapital auf, weil sie denselben Risiken wie das vom Anteilseigner
eingebrachten Kapital unterliegt. Andererseits besitzt sie Merkmale von Fremdkapital, weil es um
einen Kredit geht, auf den Zinsen fällig werden und für den ein Tilgunsplan gilt.
Der Kredit wird so gut wie definitiv hinter alle anderen Schulden zurückgestellt und außerdem
erwartet der Kreditgeber nicht, geschäftliche Bürgschaften zu erhalten. Für dieses
Hochrisikoprofil entschädigt eine Rendite, die beinahe mit den Renditeerwartungen eines
Anteilseigners vergleichbar ist. Bei der Verzinsung kann häufig verhandelt werden, ob vielleicht
ein Teil jährlich als Zinsen ausgezahlt wird und ein Teil als zu kapitalisierender Zins jährlich dem
offenen Kapitalbetrag des Darlehens hinzugefügt wird. Das nachrangige Darlehen wird häufig
anfangs mit kleinen Raten getilgt. Diese Tilgungsraten wachsen im Laufe der Zeit an. Es ist auch
möglich, die Rückzahlung in einer Pauschalsumme zum Ende der Finanzierungslaufzeit zu
vereinbaren.
Eine Mezzanine-Finanzierung wird bei der Berechnung von Finanzkennziffern gelegentlich auch
als Quasi-Eigenkapital behandelt, sodass die Bilanzposition der Gesellschaft deutlich gestärkt
wird.
Die Zinshöhe wird an das Risikoprofil des Unternehmens gekoppelt und kann in Abhängigkeit
vom Erreichen vertraglich festgelegter Ziele schwanken. Werden sie erreicht, kann der Zins nach
unten korrigiert werden, weil das Risiko zurückgeht. Werden die Ziele nicht erreicht, kann der
Zins ebenso gut nach oben korrigiert werden, weil das Risiko des Unternehmens steigt.
Der Mezzanine-Finanzierer möchte sich sichtlich längerfristig engagieren und gibt dadurch der
Gesellschaft ausreichend Zeit, das geplante Wachstum mit der nötigen Ruhe zu verfolgen.
Wann kann eine Mezzanine-Finanzierung sinnvoll sein?
Diese Finanzierungsform kann unter folgenden Umständen unbedingt nützlich sein:
• Ergänzende Finanzierung im Zusammenhang mit der Übertragung von Anteilen
(Generationswechsel, Management-Buy-in/out), falls die klassischen Finanzierungsformen
bereits ausgeschöpft sind
• Expansionsfinanzierung eines Unternehmens, falls klassische Finanzierungsformen bereits
ausgeschöpft sind.
Wichtig ist hierbei, dass der bestehende Eigentümer nicht über seine Position als Anteilseigner
verhandeln muss und dass es keine in solchen Fällen häufigen Verwässerungseffekte gibt. Der
Mezzanine-Finanzierer ist schließlich nicht daran interessiert, selbst Anteilseigner zu werden. Er
wird höchstens eine Figur im Hintergrund und ein aufmerksamer und kritischer Zuhörer für den
Verwaltungsrat sein. Aus dieser Position heraus wird er die Einhaltung der vorgegebenen
Finanzkennziffern verfolgen.
IHK-Infos 06/2012
Seite 68
Ist eine Mezzanine-Finanzierung teuer?
Natürlich wird ein Zins gezahlt, der auf einer Renditeerwartung eines Anteilseigners beruht, um
für das hohe Risiko zu entschädigen. In diesem Zusammenhang muss die Frage nach den
Opportunitätskosten gestellt werden: Was sind die Kosten eines Verwässerungseffekts als
Anteilseigner?
Zu dem Zeitpunkt, zu dem alle anderen Finanzierungsmittel erschöpft sind, muss ein
Anteilseigner/Unternehmer abwägen, ob er seiner Firma mit einer Kapitalspritze eines Dritten zu
Eigenkapital verhelfen will, oder ob er sein geplantes Wachstum mithilfe einer MezzanineFinanzierung finanzieren kann.
Wir gehen davon aus, dass das geplante Wachstum den Wert der Anteile des Anteilseigners
steigen lässt. Bei einer Kapitalspritze hat das die Folge, dass der zu erzeugende Wert für den
Anteilseigner mit einem externen Anteilseigner geteilt werden muss. Die Aufnahme eines
externen Anteilseigners impliziert den Abschied von einem Teil des Wachstums eines zukünftigen
Anteilswerts. Bei der Mezzanine-Finanzierung ist das nicht der Fall. Dagegen steht eine höhere
Zinszahlung, die jedoch bei der die Finanzierung in Anspruch nehmenden Gesellschaft steuerlich
abzugsfähig ist.
Ob eine Mezzanine-Finanzierung in Betracht gezogen wird, ist in jedem Fall aufs Neue zu
beurteilen. Sie muss in erster Linie eine bewusste Wahl des Anteilseigners/Unternehmers sein.
Derartige Finanzierungen dürfen nicht als letzter Rettungsanker für Unternehmen in
Schwierigkeiten betrachtet werden. Sie sind vielmehr eine Lösung für die Finanzierung von
Wachstum und eine strukturelle Kapitalunterstützung für einen vorab klar festgelegten
Zeitraum.
Es gibt heute verschiedene Akteure auf dem Markt, die derartige Finanzierungen anbieten.
KOEN DEBRABANDER
Koen.debrabander@bdo.be
BOO Betriebsrevisoren
BDO-RUNDSCHREIBEN 2012 – NR. 1
IHK-Infos 06/2012
Seite 69
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Gesundheitswesen
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