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4. Quartal 2007 Klimawandel: Was kann jetzt noch helfen - TÜV Süd

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4. Quartal 2007
TÜV SÜD Journal
Klimawandel: Was kann
jetzt noch helfen? 4
BetrSichV: Keine
Freiheit ohne Risiko 12
Kfz-Markt Indien:
»Das Auto ist König« 16
Kundenbeschwerden:
Auch eine Chance 24
www.tuev-sued.de
www.tuv-sud.com
LIEBE LESERINNEN UND LESER,
»Klimawandel – was kann jetzt noch helfen?«:
Wir haben diese fast verzweifelt klingende Frage bewusst
für die Titelstory des TÜV SÜD Journals gewählt. Denn das
Klima wird sich in den kommenden Jahrzehnten ändern,
egal was die Menschheit noch unternimmt. Es geht jetzt
um die entscheidende Frage, wie wir mit den Folgen
umgehen und was wir tun, um sie möglichst abzumildern.
Jeder von uns kann im Kleinen etwas tun – Busse
nutzen, Bäume pflanzen, Biosprit tanken und die
Steckdose mit Ökostrom speisen. Und im Großen sind
die Unternehmen gefragt, heute noch das Klima von
morgen zu verbessern. Die verschiedenen Systeme zum
Handel mit Emissionszertifikaten zeigen zum Beispiel
einen gangbaren Weg auf: In der freien Marktwirtschaft
erreichen wir durch Drehen an den ökonomischen
Stellschrauben den größten Erfolg, handelbare Zertifikate
versprechen auch Profite. Klimaschutz muss sich rechnen,
muss lukrativ sein, dann tut sich etwas!
TÜV SÜD hat in den vergangenen fünf Jahren im
Rahmen des Kyoto-Protokolls mehr als 400 Projekte in
Entwicklungsländern bearbeitet. Über 100 Projekte wurden inzwischen erfolgreich bei den Vereinten Nationen
registriert und damit für die Teilnahme am internationalen
Emissionshandel zugelassen.
Zu wenig zur Rettung des Weltklimas? Für sich allein
genommen ja – aber jede Tonne CO2 zählt. Und wir können heute beweisen, dass Klimaschutz durchaus für
schwarze Zahlen sorgt.
4 Klimawandel
Viel Freude beim Lesen
Was hilft gegen den Klimawandel?
4
Dr.-Ing. Axel Stepken
Vorsitzender des Vorstandes
TÜV SÜD AG
8
9
Die Klimakatastrophe ist programmiert – und
sie ist von Menschen gemacht. Was kann uns
jetzt noch helfen? Ein Blick auf die kleinen und
großen Ideen zum Thema Klimaschutz rund um
den Globus.
Geothermie-Kraftwerksprojekt in Unterhaching
»Wir brauchen einen Mix an Instrumenten«.
Interview mit Prof. Martin Jänicke
3
12
Liberalisierung im Prüfmarkt
16
24
Automarkt in Indien
Storys
News
12
10
15
16
19
22
24
27
28
Sicher, wirtschaftlich und geprüft: Die 2002 in
Kraft getretene Betriebssicherheitsverordnung
eröffnet Anlagenbetreibern neue Gestaltungsspielräume, legt ihnen aber auch mehr Verantwortung auf.
Interview mit Prof. Dr. Thomas Klindt über das Haftungsrisiko von Anlagenbetreibern und -mitarbeitern
Indiens Weg zur Automacht
Interview mit Ishan Palit, Managing Director von
TÜV SÜD South Asia, über den Automarkt Indien
Interview mit Nick Fry, Teamchef des Honda
Formel-1-Teams, über die technische
Partnerschaft mit TÜV SÜD Automotive
Beschwerdemanagement: Verärgerte Kunden
richtig behandeln
Interview mit Dr. Peter Fankhauser, CEO
Kontinentaleuropa der Thomas Cook Group, zum
Servicequalitäts-Siegel für sein Unternehmen
Humankapital: Sind die Alten die neuen
Champions?
11
21
32
Beschwerden als Chance
NEWS aus Amerika, u.a.:
TÜV SÜD America stellt Prüfdienste neu auf.
NEWS aus Asien, u.a.:
TÜV SÜD South Asia erweitert sein Prüf- und
Zertifizierangebot für die Luft- und Raumfahrt.
NEWS, u.a.:
Messetermine, Impressum und TÜV SÜD Akademie.
NEWS, u.a.:
TÜV SÜD Auto Plus: BMW-Spaß von Anfang an
Was TÜV SÜD so alles macht ...
34
Wiederkehrende Prüfung am laufenden Fahrsteig
Titelfoto zur Titelstory: Junge vor Windkraftanlage
www.tuev-sued.de
Story I Klimawandel
4
Klimawandel – was tun?
Mittlerweile herrscht in der wissenschaftlichen Welt weitgehende Einmütigkeit: Das Klima ändert
sich und die Ursachen dafür sind von Menschen gemacht. Was hilft jetzt (noch) gegen den Klimawandel und seine Folgen? Ein Blick auf kleine und große Ideen rund um den Globus.
er amerikanische Präsident lässt auf dem Dach des
Weißen Hauses Sonnenkollektoren installieren. Er
bringt ein millionenschweres Forschungs- und Entwicklungsprogramm für erneuerbare Energien auf den Weg. In
Kalifornien entstehen große Windparks – 90 Prozent aller
Windräder zur Stromerzeugung auf der Welt. Das Ziel: Bis
zum Jahr 2050 soll Amerika seine Energieversorgung komplett aus erneuerbaren Energien decken. Sind die kühnsten Träume der Klimaforscher wahr geworden? Was wie
eine Utopie klingt, ist Tatsache. Doch liegt dieses Geschehen 30 Jahre zurück und der energiebewusste US-Präsident hieß Jimmy Carter. 1977 wollte Carter seine Landsleute zum Energiesparen erziehen, um nicht mehr von Ölund Gasimporten abhängig zu sein. Voller Weitblick hatte
er erkannt, dass die fossilen Brennstoffe endlich sind.
Doch Amerikas Aufbruch in eine energiebewusste und
D
kontakt
Jens Fleitmann
TÜV SÜD Industrie Service
+49 - 89 5791-1881
+49 - 89 5791-1291
jens.fleitmann@
tuev-sued.de
www.tuev-sued.de
klimafreundliche Zukunft währte nur kurz: Carters Nachfolger Ronald Reagan stoppte das Programm und ließ die
Sonnenkollektoren auf dem Dach des Weißen Hauses
demonstrativ abbauen. Und auch der aktuelle US-Präsident hat kein Herz für den Klimaschutz: Bis heute hat
George W. Bush die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls von
1997 verweigert. Darin wurden von der dritten Weltklimakonferenz Grenzwerte für die Emission von Treibhausgasen festgelegt, die die unterzeichnenden Staaten bis
2012 erreichen sollen. Im Dezember 2007 treffen sich die
Staats- und Regierungschefs auf Bali, um eine Nachfolgevereinbarung zum Kyoto-Protokoll zu verhandeln. Der
sogenannte Bali-Prozess muss bis 2009 abgeschlossen
sein, damit eine Post-Kyoto-Regelung greifen kann.
So starr die Haltung des Präsidenten, so beweglich sind
viele US-Politiker auf Landes- und kommunaler Ebene.
5
Story I Klimawandel
Eine Million neue Bäume für New York (links). Bürgermeister Michael Bloomberg möchte die Luftqualität in der Megacity verbessern und kämpft mit Kommunalpolitikern anderer Großstädte gegen den Klimawandel. Beim C40 Large Cities Climate Summit in New York berieten sie über konkrete Maßnahmen. Oben: Sonnenenergie ist unendlich verfügbar und lässt sich ohne Treibhausgasemissionen gewinnen. Oben rechts: Nutztiere wie Kühe stoßen hochwirksames Methan aus.
Jüngst kündigte New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg an, dass binnen zehn Jahren eine Million Bäume im
Big Apple gepflanzt werden sollen, um die Luftqualität zu
verbessern und die Treibhausgasemissionen der Megacity
auszugleichen. Vor zwei Jahren verordnete Kaliforniens
Gouverneur Arnold Schwarzenegger seinem Staat eine Klimadiät: Bis zum Jahr 2025 soll der Sonnenstaat 20 Prozent
seiner Kohlendioxid-Emissionen reduzieren. Selbst mit der
Industrie legt sich der im November 2006 wiedergewählte
Gouverneur an. Im September vergangenen Jahres reichte
er Klage gegen die sechs größten Automobilkonzerne
Amerikas ein. Er verlangt von ihnen Schadenersatz wegen
der Folgen des Klimawandels. Publikumswirksamer Aktionismus oder mutige Initiative?
Vieles fängt im Kleinen an
Unser Lebensstil löst die vielleicht größte menschengemachte Katastrophe des Planeten Erde aus. Gewohnheiten ändern und technische Möglichkeiten nutzen, um Energie zu sparen, heißt die Devise.
Jeder kann etwas gegen den Klimawandel tun – auch im Büro.
■
ATMOSFAIR – Wer nicht auf Flugreisen verzichten kann oder
will, kann mithilfe von atmosfair die klimaschädliche Wirkung der
Flugreise ausgleichen. Mithilfe eines Emissionsrechners im Internet
lässt sich feststellen, wie viel Klimagase die Reise verursacht. Dafür
zahlt der atmosfair-Kunde einen bestimmten Betrag, mit dem Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern unterstützt werden. Zwei
davon wurden von TÜV SÜD zertifiziert. Die Initiative atmosfair ist
eine gemeinnützige GmbH, die 2003 von Germanwatch und dem
forum anders reisen gegründet wurde. www.atmosfair.de
Vierter UN-Bericht schreckt die Welt auf
■
SERVER BASED COMPUTING – Auch im Büro lassen sich
Energie und damit Kosten sparen. Eine Lösungsmöglichkeit stellt
Seit der 1988 gegründete Weltklimarat der Vereinten
Nationen (IPCC, Intergovernmental Panel on Climate
Change) Anfang 2007 seinen vierten Klimabericht vorlegte
und die Menschheit aufschreckte, zweifelt niemand mehr
daran, dass der Klimawandel menschengemacht ist.
Die Medien vermitteln den Eindruck, die Welt stehe am
Rande einer Katastrophe. Die Politiker reagieren und
überschlagen sich förmlich mit Ideen und Absichtserklärungen zur Rettung des Klimas und damit der Welt.
Anfang März 2007 hat sich die EU beim Brüsseler Klimagipfel darauf geeinigt, bis 2020 den CO2-Ausstoß um 20
Prozent zu verringern, gleichzeitig will die Staatengemeinschaft den Anteil an erneuerbaren Energien auf 20 Prozent
erhöhen. Bereits 1995 hat sich die EU ein offizielles Klimaziel gesetzt: Bis 2100 soll der Anstieg der globalen ➔
die Firma Sun Microsystems vor: Server Based Computing mit
Thin Clients. Statt voll ausgestatteter PCs haben die Mitarbeiter
an ihren Arbeitsplätzen nur noch einen Monitor mit Tastatur bzw.
Maus. Festplatten und stromfressende Prozessoren fehlen. Die
eigentliche Rechenleistung wird von Servern zentral übernommen.
Sun Microsystems rechnet vor, dass ein Unternehmen mit 100 PCArbeitsplätzen im Jahr dadurch 17.100 Euro Stromkosten sparen
könne – von der positiven Klimawirkung durch die Verringerung
des CO2-Ausstoßes ganz zu schweigen.
■
VIDEOKONFERENZEN – Ein Großteil von Dienstreisen ließe sich
vermeiden, wenn Firmen stattdessen Videokonferenzen abhalten
würden. Die Technik hierzu ist in den letzten Jahren so weit verbessert worden, dass die Audio- und Videoqualität nichts mehr zu wünschen übrig lässt: stotterfreie Beiträge der zugeschalteten Kollegen.
Story I Klimawandel
6
Mitteltemperatur auf zwei Grad Celsius begrenzt werden.
Besser spät als nie, möchte man angesichts der langen Geschichte der Klimaschutzdebatte meinen. Bereits 1992 traf
sich die Weltgemeinschaft in Rio zur ersten Weltklimakonferenz. Damals wurde viel debattiert und wenig umgesetzt.
Doch nun scheint es fünf vor zwölf zu sein. Die Folgen des
Klimawandels sind augenscheinlich: extrem heiße Sommer,
verheerende Stürme, schmelzende Gletscher und grüne
Almwiesen im Winter.
Natürlicher Treibhauseffekt gerät aus dem Lot
Der Treibhauseffekt heizt der Menschheit ein. Doch ohne
ihn wäre unsere Erde eine lebensfeindliche Eiswüste.
Die globale Durchschnittstemperatur betrüge ohne den
natürlichen Treibhauseffekt minus 18 Grad Celsius. Denn
Wasserdampf, Kohlendioxid und andere sogenannte Treibhausgase absorbieren einen Teil der von der Erdoberfläche
reflektierten Wärmestrahlung der Sonne, die sonst ins All
abgestrahlt werden würde. Dieser natürliche Treibhauseffekt, der aus unserem Planeten einen heimeligen Himmelskörper macht, hat sich durch menschlichen Einfluss
verstärkt. Deshalb spricht die Fachwelt in diesem Zusammenhang vom anthropogenen Treibhauseffekt.
Seit die Menschheit die fossilen Energieträger exzessiv
nutzt, hat sich der Gehalt an Kohlendioxid in der Atmosphäre erheblich erhöht: Mehr Treibhausgase absorbieren mehr
Wärmestrahlung; das führt zum Anstieg der Temperatur.
Nach Informationen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung ist die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre seit 1850 von 280 ppm (parts per million) auf 380
ppm angestiegen. Die globale Mitteltemperatur hat sich im
20. Jahrhundert um 0,6 bis 0,8 Grad Celsius erhöht. Ohne
eine Begrenzung der Treibhausgasemissionen könne im Jahr
2100 die globale Durchschnittstemperatur im Vergleich zu
1990 um bis zu fünf Grad Celsius höher liegen, so die Potsdamer Wissenschaftler. Die Folgen: Meere versauern, der
Meeresspiegel steigt durch das Abschmelzen der Polkappen,
gleichzeitig wird in großen Teilen der Erde das Trinkwasser
knapp. Dürre und extreme Wetterlagen sind einige weitere
der viel zitierten Folgen.
Doch nicht nur die Natur gerät aus dem Gleichgewicht, auch die Weltwirtschaft kann in Turbulenzen geraten. Mit diesem Wissen steigt die Bereitschaft, etwas
gegen den menschengemachten Treibhauseffekt zu tun.
Nicht zuletzt der Stern-Report, den der ehemalige Chefökonom der Weltbank, Sir Nicholas Stern, Ende Oktober
7
Windenergie: Auch die Nutzung dieser erneuerbaren, das
Story I Klimawandel
heißt stetig verfügbaren Energie hat Potenzial, das beispielsweise mit Offshorewindparks genutzt werden kann.
2006 im Auftrag der britischen Regierung veröffentlichte, hat das Potenzial für schlaflose Nächte: Wenn die Menschheit nicht umsteuert, rechnet
der britische Wirtschaftswissenschaftler vor, werden die Folgen des Klimawandels fünf bis 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts
verschlingen. Eine Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren des
20. Jahrhunderts wäre die Folge.
Trotzdem bleibt Stern Optimist. Sein Vorschlag: heute ein Prozent des
weltweiten Bruttoinlandsprodukts investieren, um den globalen Temperaturanstieg bis 2100 auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Zwar gerät auch
dann das Klimasystem in Turbulenzen, doch wären die Folgen noch beherrschbar, wie Klimawissenschaftler, unter anderem vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, prognostizieren. Stern sieht den Klimawandel als Chance und will mit dem weltweiten Emissionshandel einen
wirtschaftlichen Anreiz für eine Drosselung des CO2-Ausstoßes schaffen.
Doch noch steckt der weltweite Handel mit Emissionszertifikaten in den
Kinderschuhen, obwohl er als Lenkungsinstrument bereits 1997 im KyotoProtokoll aufgeführt wurde.
Der Stern-Bericht wurde im Wesentlichen von dem am 4. Mai 2007
veröffentlichten dritten Teil des IPCC-Reports bestätigt. Darin mahnen
die Klimaforscher zu sofortigem Handeln: Spätestens ab dem Jahr 2015
müsse sich der Ausstoß von Treibhausgasen signifikant verringern. Bis
zur Jahrhundertmitte müsse er um ganze 50 bis 85 Prozent gesenkt werden. Die Technologien hierfür seien größtenteils vorhanden, heißt es im
Bericht des IPCC. Er nennt ein ganzes Maßnahmenbündel, von effizienteren Elektrogeräten über erneuerbare Energien bis hin zur Einlagerung von
Kohlendioxid unter der Erde.
Gerade der Punkt Energieeffizienz ist noch längst nicht ausgereizt.
Seit 1999 macht Japan vor, wie ein staatliches Regulierungsinstrument
die Entwicklung vorantreiben kann. Beim sogenannten Top-Runner-Programm wird das jeweils energiesparsamste Produkt, zum Beispiel eine
Stereoanlage, zum Standard erhoben. In einer gewissen Zeitspanne müssen alle Konkurrenzprodukte die Energieeffizienzwerte des »Top-Runners«
ebenfalls erreichen. Das verschafft Produkten »Made in Japan« einen
Wettbewerbsvorteil in Zeiten größerer Energieknappheit. Bestes Beispiel
ist der Hybridmotor von Toyota; der einstige Sieger des Top-Runner-Programms hat sich zum weltweiten Verkaufsschlager entwickelt. Das japanische Top-Runner-Programm ist nach Ansicht von Experten auch ein
Modell für den europäischen Markt. Der Berliner Umweltpolitik-Experte
Prof. Martin Jänicke: »Energieverbrauchsstandards sind das effektivste
Mittel, um Einsparungen zu erreichen.«
Deutschland setzt derzeit vor allem auf Beratung und Förderung von
erneuerbaren Energien. Das Land hat keine nennenswerten Vorräte an
fossilen Energieträgern und die Verstromung von Importkohle könnte bald
teurer werden als Windenergie, denn die weltweiten Kohlevorräte sind
geringer als vermutet, wie Jörg Schindler von der Beratungsfirma Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH kürzlich bei einem Hearing der Stadt
München erklärte. Er beruft sich dabei auf zwei unabhängige Studien, die
die langfristige Verfügbarkeit und Preisstabilität von Kohle infrage stellen.
Doch noch machen erneuerbare Energien einen Bruchteil des Energiemix
aus, obwohl die schlanken weißen Windräder mittlerweile vielerorts zum
Landschaftsbild gehören und bei Leipzig derzeit das weltgrößte Sonnenkraftwerk mit einer Jahresleistung von 40 Millionen Kilowattstunden entsteht. Auch die Erdwärme ist hierzulande eine wenig entwickelte, aber
ausbaufähige alternative Energiequelle (siehe S. 8). Dass sich die frühzeitige Förderung von erneuerbaren Energien auch für die Gesamtwirtschaft
auszahlt, zeigt sich in Frankfurt (Oder): Dort werden zurzeit gleich drei
Fabriken gebaut, in denen neuartige flexible Solarmodule produziert
werden. In Deutschland entwickelte Technologien für erneuerbare
Energien zählen zur Weltspitze und entwickeln sich nun auch zum
Jobmotor. ■
Anthropogene Treibhausgase – ein Mix aus verschiedenen Substanzen heizt die Erde auf.
Methan CH4
Halogenierte Verbindungen (z. B. FCKW)
10 %
20 %
64 %
Quelle: faz.net
6%
Lachgas N2O
Kohlendioxid CO2
Mit 64 Prozent hat Kohlendioxid den größten Anteil am anthropogenen Treibhauseffekt, gefolgt von Methan mit 20 Prozent.
Kohlendioxid ist eine langlebige Verbindung,
es bleibt Jahrzehnte in der Atmosphäre,
sodass der Treibhauseffekt sehr träge ist.
CO2 entsteht vor allem bei der Verbrennung
von fossilen Energieträgern wie Kohle und
Erdöl. Nach Stefan Rahmstorf, Forscher am
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung,
überführt die Menschheit pro Jahr so viel
CO2 in die Atmosphäre, wie in einer Million
Jahre in der Erde abgelagert wurden.
Methan hat eine 23-fach höhere Treibhauswirkung als Kohlendioxid. Es entsteht
hauptsächlich bei Faul- und Gärprozessen.
Weltweit werden jährlich 500.000 Tonnen
Methan emittiert. 70 Prozent davon durch
menschliche Aktivitäten wie Rinderhaltung,
Reisanbau und die Deponierung von Müll.
Story I Klimawandel
Blick in die Kalina-Anlage:
Stromerzeugung mit relativ
kaltem Tiefenwasser dank
Geothermie
In Unterhaching entsteht zurzeit ein wegweisendes Kraftwerksprojekt: Die Erdwärme
Quelle: Siemens AG
Ammoniak-Wasser-Gemisch.
Wo ist Geothermie in Deutschland möglich?
wird angezapft, um Wohnungen zu heizen
und Strom zu produzieren.
Becken mit hydrothermalen Energieressourcen
Becken mit
potenziellen hydrothermalen Energievorkommen
Becken ohne nachgewiesene bzw. mit
geringen hydrothermalen Energievorkommen
Oberrheingraben
Bayerische
Molasse
Unterhachinger Kraftwerkskreislauf
KalinaAnlage
Stromerzeugung
Thermalwasser-Wärmetauscher
Quelle: Siemens AG
Grundgebirge ohne
oder unter geringer
Sedimentbedeckung
Quelle: Geothermie Unterhaching
nterhaching gilt als Modellanlage. Noch nie zuvor
wurde das süddeutsche Molassebecken in einer
Tiefe von über 3.000 Metern angebohrt, um hydrothermale
Energie aus der Heißwasser führenden Schicht zu gewinnen. Die Besonderheit des von der Gemeinde Unterhaching initiierten Projekts: Neben Fernwärme für 80 Prozent
der Haushalte und öffentlichen Gebäude wird auch Strom
produziert. Möglich macht dies eine neue Technik, die den
Namen Kalina-Prinzip nach ihrem Erfinder, Dr. Alexander
Kalina, trägt. Dabei wird die Wärme des 120 Grad heißen
Tiefenwassers über einen Wärmetauscher an den Kreislauf
mit dem Ammoniak-Wasser-Gemisch abgegeben. Das
Gemisch hat einen niedrigeren Siedepunkt als reines Wasser und ermöglicht deshalb trotz relativ niedriger Temperatur ein ausreichend hohes Druckgefälle für die Stromerzeugung mittels Turbine.
Die Kalina-Technik erlaubt auch bei Temperaturen von
120 Grad Celsius einen wirtschaftlichen Betrieb des Generators. In Dampfturbinen herkömmlicher Kraftwerke herrschen 500 bis 600 Grad mit entsprechenden Drücken. Das
Tiefenwasser, das die Anlage zur Stromgewinnung durchfließt, muss anschließend durch ein zweites Bohrloch wieder zurückgeführt werden. Bohrungen in Unterhaching
haben Anfang des Jahres gezeigt, dass aus 3.500 Metern
Tiefe pro Sekunde 150 Liter Wasser mit einer Temperatur
von 122 Grad Celsius strömen. Die Bedingungen für Geothermie sind in Südbayern besonders günstig, da die Region im sogenannten Molassebecken liegt, das sich vom
Bodensee bis nach Tschechien zieht. Als Molasse werden
die Sedimentschichten bezeichnet, die bei der Gebirgsbildung von Flüssen abgetragen werden. Die Heißwasser
führenden Schichten sind im Molassebecken vergleichsweise nahe an der Oberfläche. ■
U
9
Story I XXXXXXXXXXXXXX
Interview
Prof. Dr. Martin Jänicke leitet die Forschungsstelle Umweltpolitik an der FU Berlin. Der
Umweltpolitik-Experte plädiert für einen Mix an Instrumenten, um mehr Energieeffizienz
und eine Verringerung des CO2-Ausstoßes zu erreichen. Ohne Regulationsmechanismen,
die Innovationen vorantreiben und effizienten Produkten Märkte schaffen, gehe es nicht.
Herr Prof. Jänicke, wie lässt sich mehr Energieeffizienz erreichen?
Um Einsparungen zu erreichen, sind gesetzte Standards
am effektivsten. 77 Länder weltweit haben mittlerweile
den einen oder anderen Standard für Elektrogeräte. Und
die Idee macht Schule. Auch das japanische Top-RunnerModell breitet sich aus. Anspruchsvolle Regulation kann
technischen Fortschritt forcieren. Das setzt aber voraus,
dass der Staat intelligent mit dem Instrument umgeht
und die Regulierungen in engem Kontakt mit der Industrie entwickelt.
Reichen die beim Frühjahrsgipfel der EU beschlossenen Maßnahmen aus, um wie geplant bis
2020 die Energieeffizienz in Europa um 20 Prozent zu
erhöhen?
Beim Thema Energieeffizienz gibt es folgendes Problem:
Wenn man die Politik nicht auch mit den Energieanbietern macht, wird man immer an Grenzen stoßen.
Es kommen zwar sparsamere Elektrogeräte auf den
Markt, aber der Stromverbrauch steigt trotzdem. Die
Energiewirtschaft hat ja das Interesse, neue Märkte zu
erschließen und mehr Strom zu verkaufen. Wenn die
Stromwirtschaft aber daran verdient, dass sie nicht
verkauft, wäre viel gewonnen. Es gibt Erfahrungen aus
Amerika und Großbritannien, dass man den Nichtverbrauch, die »Negawatt«, vergütet. Das ist der entscheidende Punkt für jede Effizienzpolitik, sonst hat man ein
Hase-und-Igel-Rennen zwischen Sparen und Erweiterung
des Energieangebots.
Ist der Emissionshandel ein sinnvolles Instrument,
um den weltweiten Ausstoß von Kohlendioxid zu
reduzieren?
Wir sehen, dass durch den Emissionshandel Entwicklungen in Gang kommen, mit denen man nicht gerechnet
hat, denn die Wirtschaft versteht am ehesten die Sprache der Kosten. Wenn es richtig gemacht wird, ist der
Emissionshandel ein sinnvolles Instrument neben anderen, wie beispielsweise einem Top-Runner-Programm.
Wir brauchen eine Mischung aus allgemein wirkenden
ökonomischen Instrumenten, wie dem Emissionshandel,
und einer Innovationspolitik mit gezielteren staatlichen
Regulationen als Feinsteuerung. Mit der Erhöhung der
Energiepreise allein werden Innovationen für mehr Energieeffizienz in aller Regel nicht ausreichend stimuliert.
Die Energieverteuerung ist hierzu aber die notwendige
Bedingung.
info
Prof. Dr. Martin Jänicke, geboren
Was halten Sie von erneuerbaren Energien,
stoßen die nicht irgendwann an ihre Grenzen?
Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass diejenigen recht
behalten, die prognostizieren, dass man 2050 annähernd
den gesamten Energieverbrauch durch erneuerbare
Energien decken kann. Die Fotovoltaik beispielsweise ist
derzeit ein boomender Markt weltweit: Allein in Deutschland gab es im letzten Jahr eine Steigerung um 50 Prozent und weltweit um über 30 Prozent. Die Solarenergie
wird möglicherweise noch erhebliche Überraschungen
hervorrufen. Auch die Geothermie hat Potenzial, obwohl
sie in Deutschland noch wenig entwickelt ist. Und je
mehr sich eine Technik ausbreitet, desto schneller kommen Verbesserungen und Erfindungen. Die Technik, um
dem Klimawandel zu begegnen, ist bereits verfügbar.
Und derzeit gibt es dort zusätzlich einen Schub an
Innovationen.
1937, studierte Soziologie, Politikwissenschaft, Volkswirtschaft
und Geschichte an der FU Berlin,
wo er 1970 habilitierte. Seit 1986
leitet er die Forschungsstelle für
Umweltpolitik. In den Jahren
1974 bis 1976 war er Planungsberater des Bundeskanzleramtes.
Seit April 1999 ist Martin Jänicke
Mitglied im Sachverständigenrat
für Umweltfragen und war von
2000 bis 2004 dessen stellvertretender Vorsitzender. Seit 2003
ist er Mitglied im Kuratorium
der Deutschen Bundesstiftung
Umwelt. 1998 erhielt er den Preis
der Stiftung Naturschutz Berlin.
News I Amerika
TÜV SÜD America als offizielle
Prüfstelle unter neuer EMVRichtlinie anerkannt
Die EU-Kommission hat TÜV SÜD America offiziell
als U.S. Conformity Assessment Body (CAB) im
Bereich Elektromagnetische Verträglichkeit des
Übereinkommens der USA und EG zur gegenseitigen
Anerkennung (MRA) anerkannt. Das amerikanische
CAB entspricht einer »Benannten Stelle« der EU.
Diese Anerkennung bedeutet, dass TÜV SÜD
America entsprechend der am 20. Juli 2002 in Kraft
getretenen europäischen EMV Richtlinie 2004/108/
EC Prüfungen durchführen und Produktgenehmigungen erteilen darf. TÜV SÜD hat darüber hinaus CABStatus für alle Prüf- und Zulassungsbelange gemäß
der alten EMV Richtlinie 89/336/EWG. Die Standorte
des Unternehmens in New Brighton (Minnesota)
und San Diego (Kalifornien) wurden als offizielle
Prüfstellen anerkannt.
Dank der Zuerkennung des CAB-Status hat TÜV
SÜD America Zugang zu aktuellen Informationen
und technischer Unterstützung. Damit ist das EMVTeam des Unternehmens stets auf dem neuesten
Stand und kann einen perfekten Service liefern.
Kontakt: jelwell@tuvam.com
10
TÜV SÜD America stellt Auditing Services neu auf
TÜV SÜD
America hat
seinen Bereich
Auditing
Services
umstrukturiert,
um ihn konsequent auf die
Kernwerte des
Unternehmens
Calin Moldovean
auszurichten:
Kundendienst, Effizienz, kontinuierliche Verbesserungen sowie Qualität & Integrität. Als
stellvertretender Generaldirektor des Bereichs
wurde kürzlich Calin Moldovean berufen. Er
war zuvor Product Director und Geschäftsführer der Region Ost bei TÜV SÜD Management Service. Calin Moldovean arbeitete
bereits seit über 15 Jahren für TÜV SÜD
America. Als stellvertretender Generaldirektor
ist er nun für alle Belange des TÜV SÜD
Management Service und Medical Health
Service in der NAFTA-Region verantwortlich.
Calin Moldovean war für TÜV SÜD Management Service außerdem als Leiter der operativen Abteilung und Programmleiter im Bereich
Automotive tätig und prüfte in dieser Funktion
Unternehmen in Nordamerika, Europa und
Asien. Er ist zuversichtlich, dass der TÜV durch
die Neuordnung seines breiten Angebots an
Prüfungsdienstleistungen in der Lage sein
wird, MHS Kunden besser zu betreuen. Der
verbesserte Kundenservice werde zudem
Lösungen ermöglichen, die das Geschäft
der Kunden nachhaltig verbessern.
Kontakte: cmoldovean@tuvam.com
Metallurgische Tests erweitern das TÜV SÜD-Angebot
Neues Zulassungsprogramm
für Aufzüge
Im Mai 2007 wurde die neue leistungsbasierte Sicherheitsrichtlinie für Aufzüge und Rolltreppen ASME
A17.7/CSA B44.7 veröffentlicht. Die entsprechenden
Zulassungsverfahren werden in den kommenden drei
bis vier Monaten aufgenommen. Die neue Richtlinie
schafft einen gemeinsamen Standard für die USA und
Kanada. Die Zulassung erfolgt für die USA durch das
ANSI (American National Standards Institute) und für
Kanada durch den SCC (Standards Council of Canada).
Damit sollen neue Technologien in Nordamerika viel
schneller eingeführt werden können als bisher. In
Europa und Asien gestatten leistungsbezogene Richtlinien bereits heute die schnellere Übernahme neuer
Technologien. TÜV SÜD America beantragt zurzeit die
Zulassung für Aufzüge.
Kontakt: gabel@tuvam.com
EST Testing Solutions ist ein Geschäftsbereich von TÜV SÜD America. Er erwarb
kürzlich die Testausrüstungen eines komplementären Laboratoriums und bietet
nun neben seinem breiten Angebot an
Tests in den Bereichen Umwelt, Schwingungsprüfung, Lebensdauer und Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) auch
metallurgische Testverfahren.
Am Tag der offenen Tür des Unternehmens am Standort Holland in
Michigan (USA) wurden das neue
Prüfteam und die neuen und bestehenden
Dienste von TÜV SÜD America vorgestellt.
Zum Serviceangebot gehören jetzt auch
die folgenden metallurgischen Tests:
■ Spektrographische Analysen
■ Härteprüfungen
■ Schlagbiegeversuche nach Charpy
■ Mikrostrukturbewertungen
■ Beschichtungs-/Panzerungsprüfungen
■ Schweißverfahren und
Schweißerqualifizierung
Kontakt: jelwell@tuvam.com
11
Zertifizierung in der Luft- und Raumfahrt
TÜV SÜD South Asia hat sein breites Prüf- und Zertifizierungsangebot für die
Luft- und Raumfahrtindustrie um den AS9100-Standard erweitert. AS9100
definiert die Bereiche der Luft- und Raumfahrtindustrie, die bei der Implementierung eines Qualitätssicherungssystems gemäß ISO 9001:2000 als
»hochriskant« einzustufen sind. Auf dem Hintergrund der Globalisierung der
Luft- und Raumfahrtindustrie und der damit verbundenen Vielfalt regionaler
und nationaler Anforderungen werden inzwischen viele Unternehmen nach
diesem branchenspezifischen Qualitätsstandard zertifiziert.
Kontakt: l.pswamy@tuv-sud.in
News I Asien
shortcuts
Neuer Geschäftsführer bei
TÜV SÜD Philippines
Masanori Matsuda ist neuer Geschäftsführer bei TÜV SÜD Philippines.
Er war zuvor für TÜV SÜD Japan tätig
und hat mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Geschäftsführung und in
globalen Aufgabenbereichen wie Prüfung, Inspektion
und Zertifizierung. Seine Ernennung fiel mit der Feier
zum 10. Jubiläum von TÜV SÜD Philippines als führende
Prüf- und Zulassungsstelle auf den Philippinen zusammen.
Kontakt: angelita.dayao@tuv-sud.ph
Labor für mechanische Tests in
Guangzhou
Carrefour beauftragt TÜV SÜD PSB Thailand
Die Lebensmittelkette Carrefour mit Warenhäusern, Mega- und Supermärkten in 29 Ländern der Erde, kooperiert mit TÜV SÜD PSB Thailand bei der
Einführung eines neuen Programms für das Qualitätsmanagement bei den
Lieferanten seiner Hausmarken in Thailand. TÜV SÜD PSB Thailand wurde
als erstes Prüfunternehmen bestellt, das als externe Zertifizierungsstelle
Carrefour-Lieferanten in Thailand auf Einhaltung verschiedener Standards im
Qualitätsmanagement überprüft, darunter ISO 9001.
Kontakt: shirley.lee@tuv-sud-psb.sg
TÜV SÜD China zertifiziert den
1.111ten Kunden
TÜV SÜD China hat sein 1.111tes
Zertifikat der Donlim Group ausgestellt.
Das Zertifikat wurde am Tag der offenen Tür bei der Tochtergesellschaft von TÜV SÜD in Guangzhou übergeben.
Die Donlim Group entwickelt, erzeugt und vertreibt eine breite Palette elektrischer Konsumgüter.
Kontakt: knut.boettcher@tuv-sud.cn
Die erweiterte Einrichtung für die Prüfung von Gebrauchsgütern von TÜV SÜD Greater China in Guangzhou verfügt
über modernste Prüfsysteme und kann nun eine noch größere Auswahl an mechanischen Produktsicherheitstests
anbieten, insbesondere für Produkte, die wiederholte Testverfahren durchlaufen müssen. Das Labor prüft nicht-elektrische Konsumgüter auf Sicherheit und Funktionalität.
Kontakt: jorg.steinke@tuv-sud.cn
TÜV SÜD Japan präsentiert TÜV-RoiM®
für den japanischen Markt
TÜV SÜD Japan führt das neue Prüfsiegel TÜV-RoiM® ein.
Es handelt sich um ein risikoorientiertes Inspektions- und
Wartungsprogramm für japanische Hersteller in der Prozessindustrie. Das Programm bietet eine risikoorientierte
Managementmethodik, mit der Hersteller nach der Lockerung der Produktsicherheitsgesetze in Japan ihre eigenen
unabhängigen Inspektions- und Wartungsprogramme einführen können.
Kontakt: mami.matsumoto@tuv-sud.jp
PSB Academy eröffnet eine neue Schule
in Xinjiang in China
Die PSB Academy eröffnet im September 2007 ihren fünften Campus in China in Urumqui in der Provinz Xinjiang.
Damit hat die PSB Academy nun acht Hochschulen außerhalb von Singapur – eine in Vietnam, zwei in Indonesien
und fünf in China.
Kontakt: dora.ng@psb-academy.edu.sg
Story I Betriebssicherheitsverordnung
12
Sicher, wirtschaftlich und geprüft
Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) hat Ende des Jahres 2002 die alten Vorschriften für
überwachungsbedürftige Anlagen durch ein ganzheitliches Schutzkonzept ersetzt. Nun eröffnet sie
Arbeitgebern und Anlagenbetreibern ab 1. Januar 2008 einen größeren Gestaltungsspielraum, verpflichtet sie aber auch zur konkreten Umsetzung. Eine Aufgabe mit großer Verantwortung.
enn Anlagenbetreiber die Vorgaben der Betriebssicher-
W heitsverordnung nicht richtig umsetzen, kann ihr
Betrieb im Extremfall vorübergehend geschlossen werden«,
bringt es Prof. Dr. Thomas Klindt, Rechtsexperte für Haftungsfragen, auf den Punkt (siehe Interview auf S. 15). Die Schließung würde die zuständige Behörde anordnen, die wirtschaftlichen Konsequenzen könnten dramatisch sein. Damit es nicht
so weit kommt, müssen sich die Verantwortlichen genau mit
der neuen Freiheit und ihrer Verantwortung auseinandersetzen, die ihnen die Betriebsicherheitsverordnung (BetrSichV)
einräumt und auferlegt. Am 1. Januar 2008 treten nochmals
entscheidende Änderungen in Kraft.
Für wen gilt die Betriebssicherheitsverordnung?
Die BetrSichV ersetzte Anfang 2003 die Arbeitsmittelverordnung und die Einzelverordnungen zu überwachungsbedürftigen Anlagen. Gleichzeitig erfolgte mit ihr die Umsetzung verschiedener EG-Richtlinien in nationales Recht. Obwohl sie nun
schon fast fünf Jahre gilt, ist ihr umfassender Anspruch noch
nicht überall bekannt: denn die Verordnung betrifft alle Unternehmen, die Arbeitsmittel bereitstellen oder überwachungsbedürftige Anlagen betreiben.
Was sind überwachungsbedürftige Anlagen?
Zu den überwachungsbedürftigen Anlagen gehören:
Anlagen unter innerem Überdruck wie Druckbehälteranlagen, Dampfkesselanlagen, Füllanlagen und Leitungen für
gefährliche Gase, Dämpfe oder Flüssigkeiten.
■ Aufzugsanlagen im Sinne der Aufzugsrichtlinie und
■
13
Story I Betriebssicherheitsverordnung
Aufzüge und unter Druck stehende Systeme
in Industrieanlagen gehören zu den überwachungsbedürftigen Anlagen im Sinne der
Betriebssicherheitsverordnung – und müssen
deshalb regelmäßig auf ihre Sicherheit überprüft werden.
einige Aufzugstypen im Sinne der Maschinenrichtlinie,
zudem Personenumlaufaufzüge, Bauaufzüge mit Personenbeförderung und Mühlenbremsfahrstühle.
■ Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen (Ex-Anlagen).
Dazu zählen alle Geräte (elektrische und nicht elektrische
Geräte wie Motoren, Pumpen, Ventilatoren oder Leuchten),
Schutzsysteme (z. B. Flammensperren, Druckentlastungseinrichtungen) und Sicherheits-, Kontroll- und Regelvorrichtungen (z. B. Drehzahlüberwachungen, Motorschutzschalter,
Gaswarnanlagen) im Sinne der ATEX-Richtlinie.
■ Anlagen zur Lagerung und zum Umschlag von entzündlichen, leicht entzündlichen oder hochentzündlichen Flüssigkeiten. Dazu gehören Lageranlagen mit einem Gesamtrauminhalt größer 10.000 Liter, Füllstellen mit einer
Umschlagkapazität größer 1.000 Liter pro Stunde, Tankstellen, Flugfeldbetankungsanlagen und Entleerungsstellen mit einer Umschlagkapazität größer 1.000 Liter
pro Stunde.
Welche Rechte und Pflichten haben
die Unternehmen?
Der Gesetzgeber in Deutschland hat der Sicherheit von
überwachungsbedürftigen Anlagen von jeher eine hohe
Bedeutung beigemessen. Deshalb wurden und werden
Anlagen, von denen ein Gefährdungspotenzial ausgeht,
auf ihre Sicherheit geprüft. Im Zuge der Liberalisierung
des Prüfwesens können sogenannte zugelassene Überwachungsstellen (ZÜS) oder befähigte Personen (für weniger komplexe Anlagen) seit Anfang 2006 Neuanlagen
prüfen, ab dem 1. Januar 2008 auch Altanlagen. Die ZÜS
können privatrechtlich konstituiert sein. Sie müssen von
der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS)
in München akkreditiert und in vielen Bundesländern von
der jeweiligen Landesbehörde zusätzlich benannt werden.
Zugelassene Überwachungsstellen prüfen Anlagen wiederkehrend oder vor Erstinbetriebnahme, kontrollieren die vom
Betreiber ermittelte Prüffrist und zeigen Behörden auch Mängel an, durch die Beschäftigte oder Dritte gefährdet werden.
ZÜS treten zudem als Gutachter im Schadensfall auf. Ab dem
kommenden Jahr können die Unternehmen ihre Überwachungsstelle frei wählen. Zudem können und müssen sie die Prüffristen unter Einhaltung von Höchstgrenzen selbst festlegen.
Gefährdungsbeurteilung, sicherheitstechnische
Bewertung und Explosionsschutzdokument
Der Anlagenbetreiber muss alle Gefährdungen, die von seiner Anlage ausgehen, selbst ermitteln und bewerten. Er
muss weiter dafür Sorge tragen, dass ein sicherer Betrieb
gewährleistet ist. Die Prüffristen werden im Rahmen einer
sicherheitstechnischen Bewertung oder Gefährdungsbeurteilung festgelegt, die seit Anfang 2003 bei Neuanlagen in
den ersten sechs Monaten nach Inbetriebnahme erfolgen
muss, bei Altanlagen bis Ende 2007. Nach der Bewertung
eventuell festgestellter Gefährdungen sollten Schutzmaßnahmen nach dem »Stand der Technik« festgelegt und
umgesetzt werden. Dies wiederum muss erstmalig und
wiederkehrend im Rahmen der festzulegenden Fristen
geprüft werden.
Bereits seit Inkrafttreten der BetrSichV müssen Unternehmen für Neuanlagen, die in explosionsgefährdeten
Bereichen betrieben werden, ein Explosionsschutzdokument
vorlegen. Seit Anfang 2006 gilt diese Vorschrift, die z. B.
Lackiereinrichtungen, Faultürme von Kläranlagen oder Tankanlagen betrifft, auch für Altanlagen. Das Explosionsschutzdokument enthält u. a. eine Anlagenanalyse, einen Prüfungs- und Wartungsplan, Maßnahmen zum Schutz vor
Explosionen sowie Hinweise zur Personalschulung.
Auf der einen Seite können Unternehmen also die
in den Vorschriften der BetrSichV enthaltende Chance nutzen und z. B. sogar Prüffristen in Absprache mit der zuständigen Aufsichtsbehörde in Einzelfällen flexibilisieren. Auf
der anderen Seite laufen sie Gefahr, die Anforderungen der
BetrSichV nicht zu erfüllen. Denn die sicherheitstechnische
Bewertung ist komplex. Wer sie durchführt, muss die
gesetzlichen Vorgaben genau kennen und die Anlage als
ganzheitliches System begreifen, bei dem es gilt, die Wechselwirkungen mit anderen Arbeitsmitteln, verschiedenen
Arbeitsstoffen und der Arbeitsumgebung stets zu berück- ➔
kontakt
Winfried Schock
Leiter Dampf- und
Drucktechnik
TÜV SÜD
Industrie Service
+49 - 89- 57 91- 1914
+49 - 89- 57 91- 1810
winfried.schock@tuev-sued.de
www.tuev-sued.de
Dieter Roas
Leiter Fördertechnik
TÜV SÜD
Industrie Service
+49 - 89- 5791-1242
+49 - 89- 5155 - 2627
dieter.roas@tuev-sued.de
www.tuev-sued.de
Story I Betriebssicherheitsverordnung
14
sichtigen. »Wir helfen unseren Kunden dabei, die Chancen der neuen Regelungen zu nutzen und die Risiken zu
vermeiden«, sagt Winfried Schock, Leiter des Geschäftsfeldes Dampf- und Drucktechnik bei TÜV SÜD. Und zwar
bundesweit, denn TÜV SÜD ist als ZÜS in allen Bundesländern (bis auf Mecklenburg-Vorpommern) zugelassen.
»Wir richten unseren Fokus bei sicherheitstechnischen
Untersuchungen immer öfter auf Konzepte, die für eine
ganzheitliche Anlagentechnik und eine intelligente
Instandhaltung stehen«, erklärt Schock. »Denn große
Anlagenbetreiber wollen Anlagenstillstände unbedingt
vermeiden.« Auch Dieter Roas, Leiter des Geschäftfeldes
Fördertechnik, ist sich sicher, dass TÜV SÜD die Anlagenbetreiber bei der Erfüllung ihrer Pflichten im liberalisierten
Markt optimal unterstützen kann. »Wir haben eine ganze
Reihe innovativer Prüfprodukte entwickelt, die für unsere
Kunden einen echten Mehrwert bedeuten.«
Auf jeden Fall ist jedes Unternehmen gut beraten,
der Sicherheit seiner überwachungsbedürftigen Anlagen
unvermindert große Aufmerksamkeit zu schenken, wie
auch das Interview mit Rechtsanwalt Prof. Dr. Thomas
Klindt (siehe rechts) zeigt. ■
Innovative Prüfansätze
Schlecht ausgelastete oder stillstehende Anlagen können Unternehmen teuer zu
Lebenszyklusmanagement mit gAte
stehen kommen. Ganzheitliche Anlagentechnik und intelligente Instandhaltung
gAte steht für ganzheitliche Anlagentechnik und zielt auf die Betrachtung der
beugen dem vor. TÜV SÜD hat über Jahrzehnte Know-how bei der Überwachung
gesamten Lebenszykluskosten einer bestehenden oder neuen Anlage. Mit gAte
von Anlagen aufgebaut und betreut heute Tausende von kleinen und großen
können die Betriebs- und Instandhaltungskosten um bis zu einem Viertel gesenkt,
Unternehmen, teilweise mit ganzen Expertenteams pro Kunde. In den vergange-
die Verfügbarkeit von Anlagen optimiert und die Risiken proaktiv gesteuert wer-
nen Jahren hat TÜV SÜD eine Reihe neuer Konzepte für das Anlagenmanagement
den. gAte untersucht verschiedene Variablen sowohl unter wirtschaftlichen
und die Instandhaltung entwickelt. Mit ihnen können Betreiber Optimierungspo-
Gesichtspunkten als auch im Hinblick auf die Auswirkungen und die Akzeptanz
tenziale voll ausnutzen, ohne die Zuverlässigkeit und Sicherheit zu gefährden.
von Risiken, die Aufwandsoptimierung für die Instandhaltung sowie die Umweltverträglichkeit. gAte kann branchenübergreifend angepasst und genutzt werden.
TÜV-RoiMR
Mit TÜV-RoiMR wird auf der Grundlage einer genauen Untersuchung einer
ADIASYSTEMR
Anlage und der Auswertung von vorhandenem Datenmaterial ein detailliertes
Dabei handelt es sich um ein computergesteuertes Mess- und Dokumentations-
Konzept für die optimale Instand- und Ersatzteilhaltung entwickelt. Konkret
verfahren für Prüfungen an Aufzügen und Fahrtreppen. Der entscheidende Vorteil
könnte das z. B. so aussehen: Für eine Produktionsanlage wird unter Beach-
ist der Verzicht auf die sonst üblichen Prüfungen mit Gewichten. Die Ergebnisse
tung bestehender Prüffristen eine Risikobewertung erstellt. Dann wird eine
können direkt vor Ort ausgewertet werden.
zweite Risikobewertung unter verlängertem Prüfzyklus (der übrigens immer
von der zuständigen Behörde genehmigt werden muss) erarbeitet. Weil man
netDocX
nun unter dem verlängerten Prüfzyklus die Zeit der Anlagenstillstände, die für
netDocX ist ein innovatives System für die Verwaltung und das Handling von Prüf-
Reinigungsarbeiten notwendig sind, auch für begleitende Prüfmaßnahmen
berichten. Als virtuelles Prüfbuch ermöglicht es eine optimierte Erstellung, Ablage
nutzt, könnte das Risikopotenzial sogar leicht sinken.
und Verwaltung von Prüfberichten und entlastet Unternehmen so bei der aufwendigen und zeitraubenden Verwaltung von Dokumenten.
15
Story I xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Interview
mit Prof. Dr. Thomas Klindt, Fachanwalt für Verwaltungsrecht und
Experte für Haftungsfragen
Herr Prof. Dr. Klindt, warum müssen bestimmte Anlagen
eigentlich gesetzlich überwacht werden, andere nicht?
Der Gesetzgeber hat es im Geräte- und Produktsicherheitsgesetz (GPSG) und in der Betriebssicherheitsverordnung eindeutig formuliert: Es gibt Anlagen, die bedürfen »mit Rücksicht
auf ihre Gefährlichkeit einer besonderen Überwachung«. Der
Gesetzgeber unterstellt diesen Anlagen offenbar eine tendenzielle Grundgefährlichkeit besonders hohen Ausmaßes. Und
deshalb müssen Maßnahmen »zum Schutze der Beschäftigten
und zum Schutze Dritter« abgeleitet werden. Auch das steht
so im Geräte- und Produktsicherheitsgesetz.
Einem Unternehmen droht also kein Ungemach, wenn es
sich an die gesetzlichen Vorgaben hält, die aus dem Geräte- und Produktsicherheitsgesetz und der Betriebssicherheitsverordnung abzuleiten sind?
Ich will es mal so sagen: Die gesetzlichen Vorgaben, die aus
dem GPSG und der BetrSichV abzuleiten sind, sind zwingend
einzuhalten. Gerade die Betriebssicherheitsverordnung lässt
den Betreibern ja aber früher nicht gekannte Freiräume, mit
denen sie verantwortlich umgehen müssen. In der anwaltlichen Praxis bei Unfall- und Haftungsfragen zeigt sich dann
immer wieder, dass sich jedes technische, vertragliche, kaufmännische oder rechtliche Detail viel entscheidender auswirken kann, als die Beteiligten es im alltäglichen Volllastbetrieb
wahrhaben wollen.
Das heißt, es gibt Haftungsrisiken, die nicht im GPSG oder
der BetrSichV zu finden sind?
Ohne Zweifel. Das Strafrecht hat ja nie das Unternehmen,
sondern den Einzelnen als natürliche Person vor Augen. Also
den echten Mitarbeiter, der für einen Schaden verantwortlich
ist. Solche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft konzentrieren
sich auf Straftatbestände, die fast durchgängig nicht im GPSG
oder in der BetrSichV zu finden sind – das wird in der Praxis
oft unterschätzt. Bei Unfällen geht es zum Beispiel um so
schwerwiegende Vorwürfe wie fahrlässige Körperverletzung
oder fahrlässige Tötung. Auch fahrlässige Brandstiftung oder
Umweltverschmutzung kann zur Anklage kommen. Wenn die
technische Unfallursache im Unternehmen schon länger
bekannt war, muss der Angeklagte im schlimmsten Fall mit
einer Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung oder
sogar vorsätzlicher Tötung rechnen. Zudem drohen Angeklagten oft Schadenersatzansprüche von Unfallopfern oder deren
Erben – mit allen kaufmännischen Konsequenzen. Die Suche
nach den Schuldigen konzentriert sich übrigens keinesfalls
allein auf das leitende Management, sondern auch auf einzelne Mitarbeiter. Kommt es zu solchen Untersuchungen, bringt
das oft eine große Unruhe in das betroffene Unternehmen.
info
Prof. Dr. Thomas Klindt gilt als einer
der wenigen Spezialisten im Bereich
des öffentlich-rechtlichen Produktsicherheitsrechts. Seit 2002 hat er
einen Lehrauftrag für Produkt- und
Technikrecht an der Universität Kassel
inne. 2003 wurde Klindt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
in eine 10-köpfige Sachverständigenkommission berufen, die das Gesetzgebungsverfahren zum neuen Geräteund Produktsicherheitsgesetz kritisch
Kann die Überwachungsbehörde eine Anlage im Zweifelsfall auch stilllegen?
Auf jeden Fall. Die Voraussetzungen dafür sind im GPSG und
in der BetrSichV beschrieben. Wenn der Schutz der Beschäftigten und Dritter es erfordert, können unsichere Betriebszustände vonseiten der Überwachungsbehörde unterbunden
werden. Natürlich ist das in der Regel mit einer hochdramatischen Störung des innerbetrieblichen Fertigungs- und Produktionsprozesses verbunden, der ja heute in der Regel durch
Volllastbetrieb, Just-in-time-Produktion und eine First-in-firstout-Politik geprägt ist.
Was also empfehlen Sie Unternehmen mit Blick auf ihr
Sicherheitsmanagement?
Es gilt, jederzeit in jeder Fertigungsstätte und in jedem
Betriebsmodus dauerhaft sicherzustellen, dass überwachungsbedürftige Anlagen im Sinne eines technischen Compliance-Managements sicherheitstechnisch tadellos betrieben
werden. Und dies muss auch dokumentiert sein. Ohne eine
hinreichende technisch-sachverständige Sicherheit wird der
Herausforderung allenfalls durch reinen Zufall entsprochen.
begleitet hat.
Story I Indiens Automarkt
16
Indiens Weg zur Automacht
Indien ist dabei, sich zu einem internationalen Zentrum der Automobilindustrie in den
Bereichen Produktion, Forschung und Entwicklung (F&E) sowie Export und Konsum zu
entwickeln. Antrieb hierfür sind die breiter werdende Verbraucherbasis, eine dynamische
und sehr international ausgerichtete Automobilindustrie sowie die wachstumsorientierte
Politik der Regierung.
ie zunehmende Konsumorientierung in Indien ist heute
unverkennbar. Die aufstrebenden Young Professionals
(Akademiker und junge Berufstätige ohne Studium) des Landes
verdienen mehr Geld und verabschieden sich von den Vorbehalten der älteren Generation gegenüber dem privaten Konsum.
Ganz an westlichen Traditionen orientiert werden Dinge, die
lange Zeit in Indien als Luxus angesehen wurden, zu einer alltäg-
D
Schon heute ist es voll auf Indiens Straßen –
zumindestens in den Großstädten wie hier in
Mumbai (Bombay), mit über 13 Mio. Einwohnern
eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt.
lichen »Notwendigkeit«. Ein Beispiel dafür ist das Auto. In Indien,
dem weltweit größten Markt für Zweiräder, haben immer mehr
Menschen das Bedürfnis, in den Genuss der Annehmlichkeiten
eines Autos und etwa einer Klimaanlage zu kommen. Und
obwohl der einzelne Inder der Mittelschicht kein hohes verfügbares Einkommen haben mag, steckt in der indischen Mittelschicht allein aufgrund ihrer Größe eine enorme kollektive Kauf-
kraft. Laut Schätzungen der Unternehmensberatung McKinsey
wird die indische Mittelschicht, die bereits heute beinahe so groß
ist wie die gesamte Bevölkerung der Vereinigten Staaten, bis
2025 auf 583 Millionen anwachsen. Von entscheidender Bedeutung für das Konsumwachstum sind die verbesserten Möglichkeiten der Kreditfinanzierung. Die Finanzierung von Automobilkäufen in Indien ist heute ein lukratives Geschäft. Manish
Mathur, Chef von A.T. Kearney am Standort Neu-Delhi, sagt, dass
trotz allmählich steigender Zinsen »bei etwa 80 Prozent aller gekauften Autos heute normalerweise 80 bis 90 Prozent des Kaufpreises kreditfinanziert werden«. Angesichts solcher Bedingungen ist es nicht überraschend, dass der Automobilverkauf boomt.
Laut dem Verband indischer Automobilhersteller (Society
of Indian Automobile Manufacturers) haben sich die jährlichen
Verkäufe von Personenwagen in den vergangenen fünf Jahren
verdoppelt. Die Prognosen lassen darauf schließen, dass der
Inlandsabsatz sich bis 2015 verdoppeln oder sogar verdreifachen
wird, was einem Jahreswachstum zwischen zehn und 15 Prozent entspricht. Das sind Wachstumsraten, von denen die Unternehmen auf den gesättigten Märkten im Westen nur träumen
können. Die westlichen Automobilhersteller haben sich daher
dem Kampf der inländischen Hersteller in Indien angeschlossen,
um die Nachfrage nach preiswerten Modellen zu befriedigen.
Indien ist im Bereich Kleinwagen bereits zu einer Art Keimzelle
für Forschung und Entwicklung geworden, da dort die Automobilhersteller um die Gunst von Millionen von Erstautokäufern
buhlen.
Größe ist entscheidend
Vijay Chandorikar, Chef des indischen Büros des Henley Center,
einem Marktforschungsunternehmen mit Sitz in London, sagt,
dass die beliebtesten Automodelle heute alle in der Kompaktklasse zu finden sind: der »Alto« und der »Swift« von Maruti/
Suzuki, der Hyundai »Getz« und der »Indica« von Tata aus heimischer Produktion. »Angesichts des vergleichsweise niedrigen
verfügbaren Pro-Kopf-Einkommens sind es natürlich die preisgünstigeren Autos, die sich am besten verkaufen«, sagt Vijay
Chandorikar. »Und man kann sagen, dass es in den kommenden
Jahren die Kleinwagen aus dem B-Segment sein werden, die
das Wachstum wirklich ankurbeln.«
Da das Wachstum in der Automobilindustrie in den Vereinigten Staaten, Europa und Japan beinahe stagniert, investieren
die ausländischen Hersteller verstärkt in Indien, um sich auf
dem Kleinwagenmarkt ein Stück vom Kuchen zu sichern.
Renault ging 2005 ein Joint Venture mit dem indischen Unternehmen Mahindra & Mahindra ein, um in Indien Produktion und
Marketing seines »Weltautos« Logan aufzubauen, das zu einem
Preis von etwa 7.000 Dollar angeboten wurde. Zusammen mit
Nissan investieren Renault und Mahindra nun in Indiens wohl
zukünftig größte Automobilfabrik für Personenwagen, die bis
2009 über 400.000 Einheiten produzieren soll. Toyota verstärkt
ebenfalls seine Präsenz in Indien und kündigte vor kurzem an,
die Produktionskapazität von 50.000 um mehr als das Zehnfache
auf 600.000 erhöhen und bis 2015 einen Marktanteil von 15 Prozent erreichen zu wollen. General Motors, das sich seit seinem
Markteintritt in Indien 1996 mehr auf Mittelklassewagen konzentriert hatte, orientiert sich nun auch in Richtung Kleinwagen.
Der Chevy Spark von GM ist mit einem Preis von 7.200 Dollar
ein Auto der Kompaktklasse, das laut CEO Rick Wagoner »einen
großen Teil der Indien-Strategie« des Unternehmens ausmacht.
Die aggressivste Strategie im Kleinwagenbereich fuhr bisher
der indische Automobilhersteller Tata Motors 2003 mit der
Ankündigung seiner Pläne für ein nur 2.200 Dollar »teures« Auto,
das es »Volksauto« nannte. Dieses Auto wäre mit Abstand das
billigste aller Zeiten und könnte im Erfolgsfall das Ford Model-T
der Entwicklungsländer im 21. Jahrhundert werden. Tata geht
davon aus, dass sein »Volksauto« 20 Prozent der sieben Millionen
Zweiradkäufer zu Autokäufern machen könnte. Das alleine würde
die aktuellen jährlichen Automobilverkäufe mehr als verdoppeln.
Tata muss seine Pläne vom »Volksauto« erst noch umsetzen, aber
schon die bloße Idee eines Autos in dieser Preisklasse hat das
Rennen um die Gunst der indischen Erstautokäufer weiter angeheizt. Die Markteinführung des viel beworbenen Logan liegt noch
nicht allzu lange zurück und das Team Renault/ Mahindra erwägt
bereits seinerseits ein 3.000-Dollar-Auto anzubieten.
Wachstum ohne Grenzen?
Nichtsdestotrotz wird sich jeder, der die indischen Straßenverhältnisse kennt, vermutlich fragen, ob die indische Infrastruktur
all diese Autos, so klein sie auch sein mögen, verkraften kann.
Es ist kein Zufall, dass Renault seinen Logan für den indischen ➔
Der Tata »Indica« wurde 1998
eingeführt und ist der erste
Pkw, der vollständig in Indien
produziert wurde. Heute ist er
ein nationaler Verkaufsschlager.
Story I Indiens Automarkt
18
Markt mit einer robusteren Federung ausgestattet hat. In ihrem
Bericht über das indische Transportwesen äußert die Weltbank,
dass »die meisten Straßen in Indien schmal und von schlechter
Oberflächenbeschaffenheit sind und dass 40 Prozent der Dörfer
in Indien keinen Zugang zu bei jedem Wetter befahrbaren Straßen haben«. Viele würden sogar so weit gehen zu sagen, dass
die Straßen schon heute mit ihrer Last, einem bunten und dichten Gedränge von Transportmitteln aus dem 19., 20. und 21.
Jahrhundert, überfordert sind, von einer möglichen Verdreifachung der Automenge ganz zu schweigen. Die Staubelastung
in den Stadtzentren ist laut Weltbank schon jetzt sehr schlimm
und »die in den vergangenen zehn Jahren dramatisch um etwa
15 Prozent gestiegene Zahl von Automobilbesitzern hat die
Geschwindigkeit zu Stoßzeiten in den Zentren großer Städte auf
fünf bis zehn Kilometer pro Stunde reduziert«. Da drängt sich
die Frage auf, wie diese Entwicklung weitergeht, wenn Unternehmen wie Tata, Renault, Toyota und GM ihre Absatzziele in
den kommenden Jahren erreichen – unter 5 km/h ist man zu
Fuß schneller!
Eine vor kurzem veröffentlichte Studie der indischen Automobilindustrie, die von IBM und dem Transportation Research
Institute der University of Michigan durchgeführt wurde, warnt
vor den ernst zu nehmenden Grenzen des Wachstums. Wenn
die Stausituation, ganz zu schweigen von der Luftverschmutzung, auf den indischen Straßen sich verschlimmert, könnte das
der Begeisterung der Konsumenten für das Auto einen Dämpfer
verpassen. Gemäß der Studie wird die indische Regierung vehement eingreifen müssen, wenn die Automobilindustrie ihr
Wachstumspotenzial voll ausschöpft. Für die Automobilhersteller gibt es in dieser Hinsicht gute Nachrichten. Das Wachstum
der Automobilindustrie hat für die Regierung derzeit mit die
höchste Priorität.
Sehr autofreundliches Klima
Arbeiter bei der Montage des
»Weltautos« Logan in der
Automobilfabrik von
Renault/Mahindra in Nashik.
Der Boom auf dem indischen Binnenmarkt und der ständige
Zustrom von Investitionen aus dem Ausland, das technische
Können und der Innovationsdrang der Inder sowie die allgemeine Begeisterung für das Automobil sorgen für ein überaus
wachstumsfreundliches Klima in der indischen Automobilindustrie. Die Unterstützung der Regierung ist ebenfalls gegeben. Im
indischen Ministry of Heavy Industries & Public Enterprises hat
man erkannt, dass die Automobilindustrie über ein »sehr großes
Potenzial zur Erhöhung des Beitrags der Produktion zum indischen Bruttoinlandsprodukt« verfügt. So real die Mängel in der
Infrastruktur derzeit auch sein mögen und so sehr die Umweltschützer in Sachen Luftverschmutzung auch Alarm schlagen,
die indische Regierung treibt die Sache weiter voran, und zwar
»volle Kraft voraus«.
Auto ist im Verkehrsmix »König«
Zumindest im Moment ist das Auto König. Während westliche
Regierungen nach Wegen suchen, ihre Abhängigkeit vom Auto
zu reduzieren, treibt Indien den Ausbau seiner Verkehrsinfrastruktur energisch voran. Statt die öffentlichen Verkehrsmittel zu
fördern, setzt man sich verstärkt für den Bau neuer Straßen,
schnelleren Landerwerb und höhere private Investitionen ein.
2006 veröffentlichte die Regierung ihren ehrgeizigen Automotive
Mission Plan (AMP), dessen Ziel es ist, den Beitrag der Automobilindustrie zum BIP bis 2016 zu verdoppeln, 25 Millionen neue
Arbeitsplätze in der Branche zu schaffen und Indien »zum in
Asien bevorzugten Standort für die Entwicklung und Herstellung
von Automobilen und Autoteilen zu machen«.
Dieses hochgesteckte Ziel erscheint eher realisierbar, wenn
man bedenkt, dass Indiens Automobilexporte in den vergangenen fünf Jahren jährlich um satte 40 Prozent gestiegen sind.
Selbst auf europäischen Straßen sind die indischen Automodelle
weiter verbreitet, als viele glauben. Der Alto von Maruti zum
Beispiel wird in Europa als »Suzuki Alto« verkauft und ist ein in
Italien sehr beliebter Kompaktwagen, der in den Niederlanden
bereits 2003 einen Spitzenmarktanteil erreichte. Der Tata Indica
ist in Europa aufgrund Tatas Partnerschaft mit Rover UK als »City
Rover« bekannt. Und Hyundai, Indiens größter Autoexporteur,
verkauft seine Modelle »Made in India« in wirklich jeden Winkel
des westlichen Marktes.
Die Erschließung der Prestigemärkte Europa und Amerika
ist für die Automobilhersteller weltweit nur noch eines von vielen
strategischen Zielen. Der Boom in Indien ist der beste Beweis
dafür, dass der Schwerpunkt des internationalen Automobilmarktes sich in Richtung Osten verschiebt. Der wichtigste
Erfolgsfaktor für die indischen Unternehmen liegt im Moment
direkt vor deren Haustür: Hunderte Millionen begeisterter Verbraucher pushen Automobilabsatz und Innovationen. ■
19
Interview
Interview
mit Ishan Palit, Geschäftsführer von TÜV SÜD South Asia
Die Wachstumszahlen für die indische Automobilindustrie
sind unvorstellbar hoch. Was treibt diese Entwicklung an?
Das Wachstum der Automobilindustrie und aller mit ihr verbundenen Zulieferer und Dienstleistungsunternehmen ist ohne
Zweifel phänomenal. Vor 15 Jahren musste ein Verbraucher,
der ein beliebtes Auto kaufen wollte, mehrere Monate darauf
warten. Er musste sogar im Voraus eine »Reservierungsgebühr« zahlen, um auf eine Warteliste gesetzt zu werden. Heute
kann man einfach hingehen und an Ort und Stelle ein Auto
kaufen. Der Autohändler kümmert sich um die Finanzierung,
Zulassung und Versicherung sowie gegebenenfalls auch um
die Finanzierung der Versicherung. In dieser Hinsicht hat sich
eine Menge getan.
Glauben Sie, dass dem Wachstum auch Grenzen gesetzt
sind? Macht man sich zum Beispiel Sorgen um die Umwelt?
Ja, diese Sorgen gibt es. Und die Gesetze (Homologation) für
Neufahrzeuge sind größtenteils ziemlich streng. Alle Neufahrzeuge müssen zum Beispiel die Emissionsanforderungen der
Euro-III-Norm erfüllen. Das größte Problem ist der Zustand der
Gebrauchtfahrzeuge, die älter als fünf Jahre sind. Es existiert
zwar ein Gesetz zur Überwachung der in Betrieb befindlichen
Fahrzeuge, aber das aktuelle System zur Überwachung der
Sicherheit und Umweltverträglichkeit dieser Fahrzeuge ist
unangemessen und ineffektiv.
Wie sehen die Pläne der Regierung aus, um diesem enormen
Wachstum durch angemessene Normen und Bestimmungen
gerecht zu werden?
Es gibt zum Beispiel das National Automotive Testing and R&D
Implementation Project (NATRIP), das Bestandteil des Automotive Mission Plan 2006-2016 ist. Dieses Projekt bildet die
Grundlage für gesetzliche Bestimmungen und unterstützt
gleichzeitig die Automobilindustrie dabei, international wettbewerbsfähig zu werden. Die Regierung hat sich zum Ziel
gesetzt, der Autoindustrie einen Wettbewerbsvorteil im
Bereich F&E zu verschaffen, indem sie Prüf- und Validierungsmöglichkeiten nach internationalem Standard gewährleistet.
Darüber hinaus wird NATRIP die Regierung durch die Überarbeitung der Central Motor Vehicle Rules mit wichtigen Prüfund Validierungsdaten versorgen, um den Herausforderungen
des wachsenden inländischen Automobilbestands besser
begegnen zu können.
Diese verstärkte Betonung von Prüfung, Zertifizierung und
F&E klingt ganz nach einem guten Betätigungsfeld für den
TÜV SÜD.
Wir haben gut zu tun! Die indische Automobilindustrie orientiert
sich global und die Welt kommt nach Indien. Daraus ergibt sich
ein gewisser Standardisierungsbedarf, damit alle Beteiligten im
Wesentlichen »die gleiche Sprache sprechen können«. Nehmen
wir etwa die Produktion von Autozulieferteilen. Indien ist hier
bereits einer der wichtigsten Exporteure. TÜV SÜD South Asia hat
ein Prüfverfahren entwickelt, das sicherstellt, dass Autoteile, die in
verschiedenen Montagestätten weltweit direkt ans Band gehen
und eingebaut werden, frei von Mängeln sind. Ein weiteres Beispiel ist der Homologationsservice (zur Sicherstellung der Bestimmungskonformität), den wir den indischen Automobilherstellern
wie etwa Tata Motors anbieten. Darin liegt für sie der Schlüssel
zur Erschließung der internationalen Märkte. Und da auch immer
mehr europäische Unternehmen versuchen, auf dem indischen
Markt Fuß zu fassen, bieten wir diesen technische und administrative Unterstützung bei der Entwicklung und Prüfung ihrer
Produkte vor deren Markteinführung in Indien an.
info
Ishan Palit ist in Mumbai, Indien,
geboren und hat die Titel Bachelor of Science und MBA in den
Vereinigten Staaten und darüber
hinaus einen weiteren akademischen Grad der Wirtschaftswissenschaften an der London
School of Economics erworben.
Er ist ISO/TS 16949:2002 und ISO
9001:2000 Lead Auditor und hat
Am Beispiel der indischen Automobilindustrie wird deutlich,
dass gesetzliche Bestimmungen und Maßnahmen zur Qualitätssicherung die wirtschaftliche Expansion tatsächlich fördern können.
Fest steht, dass Faktoren wie Infrastruktur und Verbrauchervertrauen für die Nachhaltigkeit entscheidend sind, besonders bei
einem Wachstum, wie wir es heute in Indien erleben. Und auch
hier gibt es einiges zu tun. Die Kraftstoffqualität an der Zapfsäule
ist zum Beispiel ein Thema. Wir haben das sogenannte »Pure for
Sure«-Programm initiiert, das jährlich mehr als 4.500 Zapfsäulen
hier in Indien überprüft, um sicherzustellen, dass der Kraftstoff
nicht verfälscht wurde und die richtigen Mengen abgegeben werden. Und wir engagieren uns auch sehr stark im Bereich Straßeninfrastruktur, indem wir einen Qualitätssicherungsservice, wie zum
Beispiel im Bereich Audit, Inspektion und Prüfung, für die NHAI
(National Highway Authority of India) und die MSRDC (Maharashtra State Road Development Corporation) anbieten. Wir erwarten
eine deutliche Zunahme der Nachfrage nach unserem Service
angesichts des extrem hohen Investitionsbedarfs im Bereich Infrastruktur, der sich ergibt, wenn Indien ein Straßensystem aufbauen
will, das für die zukünftig zu erwartende Menge an Autos ausgelegt ist.
mehr als 200 Quality-Management-Systemaudits in Unternehmen des Automobil- und Finanzdienstleistungssektors in Indien
und anderen Ländern durchgeführt. Unter seiner Führung
expandierte TÜV SÜD South Asia
auf über 20 Standorte in ganz
Indien und ist heute auch in
Bangladesch und Sri Lanka
vertreten.
www.tuev-sued.de
Paula Mays Schulter trägt viel
von der Last, wenn es darum geht, Unternehmen
erfolgreich für die Zukunft aufzustellen. Zusammen
mit 2.500 Prozessexperten zertifiziert sie Managementsysteme der unterschiedlichsten Branchen.
Das schafft mehr Wert. Auch für Ihr Unternehmen.
TÜV SÜD AG • Tel. 0800 888 4444 • www.tuev-sued.de/schulter
21
TÜV SÜD-SMART gewonnen Sichere Produkte aus China
Stefania Fede aus Stuttgart hat beim TÜV SÜDGewinnspiel den Hauptpreis gewonnen –
einen SMART. Das Glück kam für die Gewinnerin per Post: Die Teilnahmekarte am Gewinnspiel war in ihrem Briefkasten gelandet. Gefragt war nach den 300 Service-Centern von
TÜV SÜD Auto Service sowie nach Internet-Angeboten wie Standortsuche und Online-Erinnerung zur Hauptuntersuchung. Insgesamt gab
es über 60.000 richtige Einsendungen. Aktuell
läuft übrigens wieder ein Gewinnspiel, mehr
dazu unter www.tuev-sued.de/gewinnspiel.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Rückrufaktionen von Produkten aus China wollen TÜV
SÜD und die chinesische Behörde CIQ (China
Inspection and Quarantine) in Zukunft eng
zusammenarbeiten. Durch eine Kooperation
zwischen staatlichen Stellen und Produktprüfungsspezialisten von TÜV SÜD kann die Sicherheit von chinesischen Produkten weiter
verbessert und das Risiko für Verbraucher auf
ein Minimum reduziert werden – davon profitieren Verbraucher und chinesische Produzenten zugleich.
Messevorschau
Für ihre Kunden ist die TÜV SÜD Gruppe
im November 2007 auf folgenden Messen
und Kongressen vertreten:
Deutscher Handelskongress, Berlin,
12.–13.11. 2007, Aussteller: TÜV SÜD
Product Service
Medica, Düsseldorf, 14.–17.11. 2007,
Aussteller: TÜV SÜD Product Service
World Energy Congress, Rom, 11.–15.11.
2007, Aussteller: TÜV SÜD Industrie Service,
TÜV SÜD Italia. Vorstellung eines eigenen
Standards für Klimaschutzprojekte
BHB-Baumarktkongress, Berlin,
21.–22.11. 2007, Aussteller: TÜV SÜD
Product Service
SPS/IPC/Drives, Nürnberg, 27.–29.11.
2007, Aussteller: TÜV SÜD Product Service,
TÜV SÜD Rail
impressum
Verleger und Herausgeber:
TÜV SÜD AG,
Westendstraße 199, 80686 München
Inhaber:
TÜV SÜD e.V. (Alleinaktionär), Dudenstraße 28,
68167 Mannheim
Chefredakteur:
Franz Billinger,
Westendstraße 199, 80686 München
Realisation:
medienfabrik Gütersloh GmbH,
Carl-Bertelsmann-Straße 33, 33311 Gütersloh
Druck:
Niedermayer & Tandler GmbH,
Ludwigstraße 97, 84524 Neuötting
Erscheinungsweise:
vierteljährlich
Fotonachweis:
Andreas Kühlken (1), TÜV SÜD AG (2, 9, 10, 11, 13, 14, 15,
19, 23, 27, 34, 35), Jupiterunlimited (3, 5, 6, 10, 11, 14, 16,
17, 18, 26, 28, 30, 31), Picture Alliance (3, 4, 5, 16, 17, 18,
24, 25, 29, 30), OMV (3, 12, 13), BMW (24), fotocommunity
(5), renault Press (16, 18), www.india-tourism.com (16),
www.bdo-online.de (33)
Unverlangte Einsendungen und Manuskripte gehen in
unser Eigentum über und werden nicht archiviert. Eine
Rücksendung erfolgt nur auf besonderen Wunsch und
bei beigefügtem, ausreichendem Rückporto.
News
TÜV SÜD Akademie
Rechtssicher mit personenbezogenen Daten
»Big brother is watching you . . .« Oder: Wie rechtssicher
wird in einem Unternehmen mit Daten umgegangen? Ein
Datenschutzbeauftragter kann in vielen Fällen für Rechtssicherheit sorgen – und seine Benennung ist inzwischen
nach dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) sogar Pflicht,
wenn im Unternehmen zehn oder mehr Personen mit personenbezogenen Daten arbeiten. Die TÜV SÜD Akademie
bietet für diesen Zweck eine entsprechende Ausbildung an.
Fest steht: Alle Stellen, die personenbezogene Daten
automatisiert erheben, verarbeiten oder nutzen, sind verpflichtet, die Einhaltung der Rechtsvorschriften für den Datenschutz sicherzustellen. Aber wie kann das in der Praxis
funktionieren? Wird kein Datenschutzbeauftragter bestellt
oder ist die Bestellung nicht gültig, können Bußgelder von
bis zu 250.000 Euro verhängt werden. Geschäftsführer, Vorstandsmitglieder oder Aufsichtsräte sind unter Umständen
unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen haftbar.
Eine Berufshaftpflichtversicherung für Aufsichtsräte,
Vorstände und Geschäftsführer (D&O-Police) bewahrt nicht
ohne Weiteres vor diesem Risiko. Zum Beispiel kann bei
nachweislich grob fahrlässigem Verhalten die Versicherungsleistung entfallen. Weiterer wichtiger Aspekt: Jede
Person kann von der datenspeichernden Stelle eine direkte
und unentgeltliche Auskunft über die gespeicherten Daten
verlangen. Wie geht die Unternehmenspraxis mit solchen
Anfragen um? Wer gibt welche Informationen weiter? Wie
wird der betriebliche Datenschutz organisiert? Auch um
diese Fragen kümmert sich ein Datenschutzbeauftragter.
Seminar-Termine:
10.12. – 14.12.2007: Frankfurt
26.11. – 30.11.2007: Leinfelden-E.
05.11. – 09.11.2007: Mannheim
07.04. – 11.04.2008: München
12.02. – 16.02.2008: Berlin
21.01. – 25.01.2008: Dresden
TÜV SÜD Akademie, Kontakt:
Sven Rosenstock
+49 -6 21- 395 123
sven.rosenstock@tuev-sued.de
Interview I Nick Fry
22
Formel 1 2007:
Honda bewegt die Welt
Als technischer Partner hat TÜV SÜD Automotive das Formel-1-Team von Honda
bei der Verbesserung der Reifenleistung unterstützt und so dazu beigetragen, die
Gesamtleistung des RA 107 Earth Car in der Formel-1-Saison 2007 zu verbessern.
In München unterhält TÜV SÜD mit dem »Tire & Wheel Technology Center« das größte unabhängige Reifentestzentrum
Europas. Hier entwickelten die TÜV SÜD-Experten die »TÜV
Tire Temperature Method, T3M«. Ein winziger Sensor misst
die Reifentemperatur selbst bei Geschwindigkeiten von 320
km/h exakt und zuverlässig und übermittelt die gewonnenen
Daten drahtlos. In der Formel 1 demonstrieren die TÜV SÜDExperten ihre innovativen Fähigkeiten – neue Mess- und Analysetechniken sowie neue Simulationsverfahren – vor den Augen
der ganzen Welt. Nick Fry, Hondas Teamchef, spricht im Interview über die Bedeutung der Reifentechnologie und vor allem
des technischen Supports für die Formel 1.
Herr Fry, in der Rennsaison 2007 verwenden alle Teams nur
noch Reifen eines einzigen Herstellers, nämlich die von
Bridgestone. Gab es dennoch verschiedene Reifenqualitäten
in den Rennen?
Lassen Sie mich zuerst betonen, dass Bridgestone sich die
allergrößte Mühe gibt, allen Teams identische Reifen, die auf
höchstem Niveau hergestellt werden, für Tests und Rennen zur
Verfügung zu stellen. In diesem Sinne gibt es also keine Qualitätsunterschiede zwischen den Reifensets, die wir erhalten,
noch zwischen den Teams. Wenden wir uns also der Frage zu,
wie die Reifen sich auf der Strecke verhalten – da geht es
dann um die beiden Reifenspezifikationen, die wir verwenden
müssen: nämlich den weicheren (alternativen) Reifen mit der
weißen Markierungslinie und den härteren (primären) Reifentyp. Abhängig von Faktoren wie Temperatur, Beschaffenheit
des Streckenbelags und der Art, wie man sie einsetzt, unter-
scheiden sich diese Reifentypen in der jeweiligen Leistung sehr
wohl. Wir verwenden vor und während der Rennwochenenden
viel Zeit und Energie darauf, nach der optimalen Konfiguration
des Wagens zu suchen, mit der wir das Beste aus beiden Reifentypen herausholen können. Außerdem versuchen wir herauszufinden, wann wir welchen Reifentyp am besten während
des Rennens einsetzen.
Wie entscheidend ist die Reifenleistung für das Ergebnis
eines Formel-1-Rennens?
Sehr entscheidend. Vier Hauptfaktoren beeinflussen die Leistung des Wagens: Aerodynamik, Motorleistung, Reifenleistung
und natürlich der Fahrer. Die Reifenleistung hängt von vielen
Faktoren ab – und wir versuchen, sie in unserem Sinn zu steuern, indem wir das Design der Aerodynamik und des Fahrwerks
ihren Eigenschaften anpassen. Gutes Management der Reifenleistung sowohl im Qualifying als auch beim Rennen selbst
kann maßgeblich darüber entscheiden, wie man am Ende des
Tages abschneidet.
TÜV SÜD Automotive unterstützt Ihr Team mit Mess-, Analyse- und Simulationsverfahren. Wie kam diese Partnerschaft
zustande?
Einer unserer Ingenieure machte uns darauf aufmerksam, dass
TÜV SÜD Automotive über Technologien und Verfahren verfügt,
die das Honda Racing F1-Team weiterbringen könnten. Er stellte den ersten Kontakt her und sprach mit TÜV SÜD Automotive
über die Ideen und Produkte, die sie uns zur Verfügung stellen
könnten. Dabei stießen wir auf ein besonders interessantes
Interview I Nick Fry
Nick Fry (rechts) und Yasuhiro Wada-san, Chef
des Honda Racing F1 Teams (links), neben
Frank Erath, Sprecher der Geschäftsführung
von TÜV SÜD Automotive, in Monaco.
Thema, nämlich die Reifentemperaturmethode. Damit begann
unsere Zusammenarbeit, die inzwischen zu einer ausgewachsenen, technischen Partnerschaft in vielen verschiedenen Arbeitsbereichen geworden ist.
Welche Reifeneigenschaften lässt Ihr Team analysieren?
Formel-1-Reifen sind sehr komplex und haben großen Einfluss
auf die Gesamtleistung. Wir wollen die Kräfte und Momente
verstehen, die der Reifen auf der Rennstrecke erzeugt, um darauf aufbauend zu einer optimalen Reifenleistung zu kommen.
Diese Kräfte können auf der Strecke selbst z. B. von Messrädern gemessen oder mithilfe anderer Sensoren im Wagen
geschätzt werden, aber wir müssen dazu noch die Schlüsseleigenschaften begreifen, die sie beeinflussen. Zwei dieser
Schlüsseleigenschaften sind der Reifendruck und die Reifentemperatur. Der Druck lässt sich verhältnismäßig einfach messen, aber die Reifentemperatur und vor allem ihre Schwankungen und Veränderungen während eines Rennens auf der
Strecke zu verstehen, das ist etwas ganz anderes. Und das ist
ein Thema, das uns sehr interessiert.
Wieso vertrauen Sie den Experten von TÜV SÜD Automotive?
TÜV SÜD Automotive hat viel Erfahrung, wenn es darum geht,
neueste Technologien und intelligente Testverfahren zu entwickeln, mit denen man ganz reale Situationen verstehen und
verbessern kann. Ihre Expertise im Bereich der Reifenmesstechnik ergänzt unsere eigenen elektronischen Entwicklungen und
Messtechniken geradezu perfekt und hilft uns so, neue Lösungen zu finden. Je weiter sich unsere Partnerschaft entwickelte,
umso mehr Synergieeffekte entstanden zwischen unseren beiden Unternehmen. Das ist eine gute Grundlage, um gemeinsam Fortschritte auf weiteren Gebieten anzugehen.
Auf welcher Formel-1-Rennstrecke fühlen Sie sich am
wohlsten?
Als Team sind wir in der glücklichen Lage, gleich zwei Rennen
auf »Heimstrecken« fahren zu können, nämlich den Großen
Preis von England in Silverstone im Juli und den Großen Preis
von Japan auf dem umgestalteten Fuji International Speedway
im Oktober. Beide Rennen sind etwas ganz Besonderes für
unser Team, denn dort werden jedes Mal viele Honda-Mitarbeiter an der Strecke stehen und uns anfeuern. Aus der Rennperspektive ist es wunderbar, dass der Große Preis von Belgien
in Spa in diesem Jahr wieder auf dem Programm stand. Spa
ist für die Fahrer eine fantastische Strecke mit ein paar
besonders schnellen Kurven, die einen besonders starken
Abtrieb des Wagens erfordern. Dieses Rennen ist eine große
Herausforderung für Fahrer und Ingenieure, die die Konfiguration des Wagens ja optimal anpassen müssen.
Wird die Partnerschaft mit TÜV SÜD Automotive die Entwicklungen bei Bridgestone beeinflussen?
Die Partnerschaft mit TÜV SÜD hilft unserem Team, die Leistungsfähigkeit von Honda in neuem Licht zu sehen und unser
Design und unsere Konfiguration zu verbessern. Die derzeitigen
FIA-Regularien zwingen Bridgestone dazu, allen Teams dieselben Standardreifen zu liefern. Das lässt keinen Spielraum für
spezielle Reifenentwicklungsprogramme, die einzelne Teams
bei Bridgestone in Auftrag geben könnten.
Glauben Sie, TÜV SÜD Automotive könnte seinen technischen Support für das Honda Racing F1-Team auf andere
Bereiche des Fahrzeugs ausdehnen?
Wir sind stets auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, um
den Honda noch weiter zu verbessern. Und wir haben bereits
eine Reihe aufregender Verbesserungsmöglichkeiten entdeckt,
bei denen TÜV SÜD Automotive uns weiterhelfen könnte. Wir
sind zuversichtlich, dass unsere Partnerschaft dem Honda
Racing F1 Team auf lange Sicht nützen wird.
Herr Fry, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Story I Beschwerdemanagement
24
Wenn Kunden sich beschweren
Kunden, die sich beschweren, sind für viele
Unternehmen ein Problem: Denn kein Mitarbeiter setzt sich gern mit Kunden auseinander, die
mit einer Leistung unzufrieden sind. Die Folge:
Kundenbeschwerden laufen ins Leere, weil die
zuständigen Mitarbeiter »nicht erreichbar« sind
oder falsch reagieren. Dabei können Kundenbeschwerden eine echte Chance sein!
arum werden Reklamationen oft so nachlässig
W behandelt? Eine interessante Frage, denn
eigentlich zeigt ein Kunde, der sich beschwert, echtes
Interesse an der Fortsetzung einer Geschäftsbeziehung.
Wer Reklamationen als lästig abtut, verkennt die Realität des Tagesgeschäfts: »Die allerwenigsten Kunden
beschweren sich – denn die meisten kommen bei
Unzufriedenheit gar nicht erst wieder, sondern wechseln direkt zur Konkurrenz«, sagt der Dienstleistungsmanagement-Experte Prof. Dr. Bernd Stauss. Statt auf
reklamierende Kunden zu schimpfen, wie es in vielen
Unternehmen gängige Praxis ist, sollten Firmen deshalb dankbar für jeden Kunden sein, der seinen Ärger
in eine Reklamation und nicht in einen stummen
Lieferantenwechsel münden lässt. Ein sicherlich unangenehmer Aspekt bei Reklamationen ist die Konfronta-
25
tion mit dem Ärger der Kunden – egal, ob berechtigt
oder nicht. Objektiv betrachtet resultiert dieses
Unwohlsein auf Mitarbeiterseite in den meisten Fällen
aus einer Fehlinterpretation des Kundenanliegens:
Natürlich möchte ein verärgerter Kunde sich Luft
machen, aber er will vor allem verstanden werden –
und nur ein extrem kleiner Prozentsatz der reklamierenden Kunden ist an einem persönlichen Streit interessiert. Mit ein wenig Übung gelingt es meistens sehr
schnell, einem unzufriedenen Kunden zu signalisieren:
»Dein Problem ist verstanden und Du bist bei mir damit
genau richtig!« Der Effekt ist oft verblüffend – der Ärger
des Kunden wandelt sich in wenigen Augenblicken zum
nachhaltigen Eindruck, intensiv und gut betreut zu werden, denn der Kunde erhält in dieser Situation die doppelte Bestätigung: »Es war richtig, mich zu beschweren
Story I Beschwerdemanagement
und nicht einfach zu wechseln, denn hier werde ich
ernst genommen und gut betreut!«
Kundenbeschwerden positiv nutzen
So paradox es klingt, es muss also kein schlechtes Zeichen sein, wenn sich viele Kunden beschweren – immer
vorausgesetzt, einer hohen Beschwerdezahl steht eine
kleine Zahl von verlorenen Kunden gegenüber. Das setzt
allerdings voraus, dass die Kunden leicht zugängliche
Kommunikationskanäle vorfinden, um Beschwerden vorzubringen. Dagegen wird ein Kunde, der einmal feststellen musste, dass für seine Beschwerde offensichtlich
niemand zuständig ist oder dass seine Reklamation
keine Beachtung findet oder der im Extremfall sogar im
Umkehrschluss verdächtigt wird, für seine Beschwerde
selbst verantwortlich zu sein, für das Unternehmen zur
tickenden Zeitbombe: Studien gehen davon aus, dass
auf jeden unzufriedenen Kunden, der sich beschwert,
19 weitere enttäuschte Kunden kommen, die sich nicht
beschweren. Jeder dieser Unzufriedenen spricht aber
im Schnitt mit elf weiteren Personen in seinem Umfeld
über seinen Ärger – 13 Prozent der unzufriedenen Kunden sprechen sogar mit 20 anderen Menschen darüber!
Jeder unzufriedene Kunde ist damit ein potenzieller
Multiplikator, den es möglichst schnell zufriedenzustellen gilt, denn: wenn ein Kunde sich beschwert, verdoppelt sich rein statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit, dass er wiederkommt – hilft das Unternehmen ➔
Egal, ob »Traumurlaub« am
verdreckten Strand oder das
»Komfortzimmer« nach
angeblichem Europa-Standard
– gerade in der Reise- und
Urlaubsbranche kommt es
darauf an, bei Kundenbeschwerden schnell und kompetent zu reagieren.
Die Spitze des Eisbergs
Sachebene
10 – 20 %
(Was?)
Gefühle
Beziehungsebene
80 – 90 %
(Wie?)
Gefühle
Mit dem »Eisberg-Modell« lässt
sich gut illustrieren, wie wichtig
die Beziehungsebene im Kundenkontakt ist: Der Gesprächserfolg
ist gar nicht so sehr von den
Sachproblemen abhängig, sondern resultiert zum weitaus größten Teil aus dem »Bauchgefühl«.
Das gilt für Kundenbeschwerden
in besonderem Maße.
Story I Beschwerdemanagement
26
Beschwerdekanäle – die »Ohren« zum Kunden
■
Die mündliche Beschwerde:
■
Die telefonische Beschwerde:
Interessant für Dienstleistungsunternehmen, die ihre Services im direkten
Als »Hotline« reduziert das Telefonat den Aufwand für Kunden und Unter-
Kontakt mit den Kunden erbringen oder über einen Außendienst verfügen.
nehmen bei Beschwerden, vor allem in Kombination mit Free-Call-Nummern.
■
Die schriftliche Beschwerde:
■
Die elektronische Beschwerde:
Als Brief oder Telefax ist dieser Beschwerdeweg für viele Kunden zwar auf-
Die Beschwerde per E-Mail, über Kontaktformulare auf Webseiten oder über
wendig, trotzdem wird dieser »Klassiker« immer noch bevorzugt eingesetzt,
»Webblogs« hat sehr niedrige Dialogbarrieren und ist eine kostengünstige
wenn es um haftungsrechtliche Ansprüche geht.
Alternative zur Schriftform.
■
Die Meinungskarte:
Diese schriftliche Beschwerdevariante verkürzt das Beschwerdeprozedere und
Alle Beschwerdekanäle müssen auf Unternehmensseite intensiv betreut
animiert im Idealfall auch zum positiven Feedback.
und gepflegt und den Kunden auch aktiv kommuniziert werden!
kontakt
Tomislav Vlahovic
TÜV SÜD
Management Service
+49 - 89 - 57 91-25 16
+49 - 89 - 51 55-10 98
tomislav.vlahovic
@tuev-sued.de
www.tuev-sued.de
Wer reklamiert, zeigt Interesse
an der Geschäftsbeziehung.
Deshalb ist es wichtig, dem
unzufriedenen Kunden zu zeigen, dass er und seine Reklamation sehr ernst genommen
werden.
dem Kunden erfolgreich, steigt diese Wahrscheinlichkeit sogar auf das Sechsfache. In der Praxis halten
sich nur wenige Firmen daran. Prof. Stauss: »In der
Betriebswirtschaft hat sich das Beschwerdemanagement längst als konkret berechenbarer Faktor durchgesetzt: Der sinnvolle Umgang mit Beschwerden lässt
sich heute mit Gewinnvergleichsrechnungen als positive Kosten-Nutzen-Rechnung darstellen – ein spezieller
Beschwerdemanagement-Index, BMI genannt, ermöglicht bei sehr geringem methodischen Aufwand sogar
die exakte Berechnung in jedem Unternehmen!«
Unternehmen mit einem modernen Beschwerdemanagement machen es den Kunden deshalb bewusst
leicht, sich zu beschweren: »Beschwerdestimulierung«
lautet der Fachbegriff, der nicht bedeutet, den Kunden
mehr Anlass zur Beschwerde zu geben, sondern für die
Beseitigung von Barrieren steht, die einen Kunden an
einer Beschwerde hindern könnten. »Dabei stehen
nicht die juristisch durchsetzbaren Problemfälle im
Fokus, sondern gerade die kleinen Vorfälle«, sagt Prof.
Stauss. »Eine unfreundliche Bemerkung, eine arrogante Geste oder unzureichende oder falsche Informationen werden nur selten zum Anlass einer Beschwerde.
Die Folge: Das Unternehmen erfährt von der Unzufriedenheit nichts und kann den Kunden so nicht halten!«
Über sogenannte Beschwerdekanäle können Kunden
mündlich, telefonisch, schriftlich oder auch elektronisch ihre Kritik äußern. Wichtig ist, dass die Kundenbeschwerden ernst genommen, bearbeitet und beantwortet werden – dem »Erstkontakt« kommt dabei eine
hohe Bedeutung zu. ■
27
Beschwerdemanagement I Interview
»Beschwerden sind
der Anstoß für mehr
Qualität!«
Dr. Peter Fankhauser, CEO Kontinentaleuropa der Thomas Cook Group
Herr Dr. Fankhauser, Ihr Unternehmen hat als erster
Reiseanbieter das TÜV SÜD-Siegel nach der ISO
10002 erhalten – was genau wurde zertifiziert?
Der Kundenservice der Thomas Cook AG hat seine Kundenbetreuung vor und nach der Reise sowie das Beschwerdemanagement in einem mehrstufigen Prozess
prüfen lassen. Über mehrere Monate hinweg standen
die Servicekultur, die Servicezuverlässigkeit, der Umgang mit Kundenreklamationen und die Qualifikation
der Mitarbeiter sowohl bei Neckermann Reisen als auch
bei Thomas Cook Reisen auf dem Prüfstand. Auf die
abschließende Zertifizierung unserer Servicequalität
durch TÜV SÜD sind wir sehr stolz.
Welches Signal erwarten Sie von der erfolgreichen
Zertifizierung?
Nun, zu allererst zeigt das Siegel von TÜV SÜD unseren
Kunden, dass sie bei den Thomas Cook Veranstaltern in
Deutschland eine ausgezeichnete Servicequalität erwarten dürfen. Uns selbst bestätigt die erfolgreiche Zertifizierung, dass unsere Strategie, dem Kunden eine optimale Betreuung zu bieten, goldrichtig ist. Wir sind
davon überzeugt, dass wir nur so langfristig eine hohe
Kundenzufriedenheit und Kundenbindung erreichen.
besserung der eigenen Leistungsfähigkeit anerkannt
werden. Beschwerden haben für Thomas Cook damit
einen echten Mehrwert und das Unternehmen geht
sogar so weit, sich zur wirksamen und effizienten Bearbeitung von Kundenreklamationen ausdrücklich zu verpflichten. Und letztlich erklären wir bei Thomas Cook die
ständige Verbesserung des Prozesses zur Reklamationsbearbeitung und der Produktqualität zum ständigen Ziel
der Organisation.
Kundenbeschwerden sind für Sie und Ihr Unternehmen also kein Problem, sondern eine Chance?
Absolut, ja! Und das ist ja für Thomas Cook auch wirklich keine neue oder überraschende Erkenntnis: Für uns
als Dienstleister ist die jetzt erfolgte Zertifizierung nur
die konsequente Weiterentwicklung unseres kundenorientierten Qualitätsmanagements, dem wir uns bei
Thomas Cook schon immer verpflichtet gefühlt haben.
Nur das Feedback unserer Kunden führt zu Veränderung
im positiven Sinne, denn das ist eine Veränderung, die
vom Kunden direkt angeregt wird. Unser Kundenservice
übernimmt damit eine extrem wichtige und strategische
Schnittstellenfunktion zwischen den Kunden und unseren Fachabteilungen.
info
Die Thomas Cook AG ist der
zweitgrößte Anbieter von touristischen Leistungen und Produkten in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2005/2006 betrug
der Umsatz mit Veranstalterprodukten und Flugtickets rund 3,6
Milliarden Euro. Im Veranstaltermarkt hält Thomas Cook einen
Marktanteil von mehr als 20
Prozent. Rund 1.100 Reisebüros
– eigene und in Franchise
betriebene Büros – haben im
vergangenen Geschäftsjahr 4,7
Millionen Gäste für ein Veran-
Gibt es Detailergebnisse im TÜV SÜD-Prüfbericht, die
Sie besonders betonen würden?
Da gibt es gleich eine ganze Reihe von Punkten, die
für Thomas Cook von entscheidender Bedeutung sind:
Die Zertifizierung belegt, dass Thomas Cook intern wie
extern eine definierte Servicekultur hat und diese auch
lebt – insbesondere vorgelebt durch die Unternehmensleitung. Wichtig ist auch, dass Kundenbeschwerden bei
Thomas Cook konsequent als informative Quelle zur Ver-
Erwarten Sie weitere Auswirkungen der Zertifizierung
in Ihr Unternehmen hinein?
Selbstverständlich – die Zertifizierung ist ja kein Schlusspunkt einer Entwicklung, sondern ein Meilenstein auf
dem Weg zu mehr Servicequalität, der beständig
beschritten werden muss. Unsere Mitarbeiter werden
noch stärker für das Thema Servicequalität sensibilisiert
und das ganze Unternehmen erhält einen Anstoß, das
Qualitätsmanagement weiter zu konsolidieren.
stalterprodukt des Hauses
gewonnen. Zu Thomas Cook
(rund 4.200 Mitarbeiter in
Deutschland) gehören Neckermann Reisen, Neckermann
Preisknüller, Thomas Cook Reisen, der Last-Minute-Spezialist
Bucher und die Airline Condor.
Die Alten – die
Weltweit stehen Arbeitsmärkte und
Unternehmen vor einer neuen Herausforderung: In allen Industrieländern
steigt die Lebenserwartung, gleichzeitig sinkt die Geburtenrate. Der demographische Wandel ist hochexplosiv.
Was ist zu tun? Wie können Unternehmen und Erwerbstätige gemeinsam Strategien entwickeln?
ie Traumfabrik Hollywood hat die »Alten« entdeckt: Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung
waren in der Kategorie »Beste weibliche Hauptdarstellerin« die 72-jährige Judi Dench und die 61-jährige Helen
Mirren nominiert und in der Kategorie »Bester männlicher Hauptdarsteller« Peter O’Toole, der 75 Jahre alt
ist. Damit war er nicht einmal der Älteste: Clint Eastwood, nominiert in der Kategorie »Bester Regisseur«,
war mit 76 Jahren der Methusalem im illustren Kreis.
Die US-Amerikanerin Meryl Streep, Kandidatin für den
begehrten Oscar in der Kategorie »Beste Schauspielerin«, musste sich bei der Gala im Kodak Theatre mit
57 Jahren fast wie ein Teenager gefühlt haben.
Was für die Filmindustrie gilt, hält auch in der
Werbung Einzug: Die Hauptdarsteller in den Werbespots –
sei es für Versicherungen oder Reisen, sei es für Cremes
und Seifen – haben immer öfter graue Haare und kleine
Fältchen, aber sind aktiv, lebenslustig und machen keineswegs den Eindruck, zum »alten Eisen« zu gehören.
Diese Momentaufnahme wird von einer aktuellen Studie
gestützt, die Dr. Robert N. Butler vom International Long-
D
Was bringt die Zukunft?
Mit ihrer Erfahrung können ältere Arbeitnehmer
vielen Unternehmen
einen neuen Schub
verleihen.
29
Story I Humankapital
neuen Champions?
Champions auf der Bühne und
im Film: Oscar-Gewinnerin
evity Center in New York, Dr. Nancy Etcoff (Harvard University) und Dr. Susie Orbach (London School of Economics) im Auftrag des Kosmetikherstellers Dove in neun
Industrieländern durchgeführt haben. Das Ergebnis: »Die
Generation über 50 definiert Jugend und Alter neu, als
etwas, das mehr ist als nur die Summe an gelebten Jahren. Ein Zeichen von Lebensqualität, Lebendigkeit und
der Freiheit, sich selbst entfalten zu können«, so Etcoff.
Personalentwicklung auf Jugend fixiert
Personalabbau stehen sie ganz oben auf der Liste, bei
Einstellungen ganz unten. Die Folge: Zwischen 25 und 40
Prozent der Arbeitnehmer über 50 in Deutschland, so
eine Studie des Sozialökonomen Prof. Dr. Ernst Küstler
➔
aus dem Jahr 2001, scheiden unfreiwillig aus dem
Helen Mirren (Mitte, 61),
Judi Dench (r., 72) und Clint
Eastwood, der mit 76 Jahren
einer der kreativsten Köpfe in
Hollywood ist (l.).
Arbeitsfitness 67
Der demographische Wandel stellt den Arbeitsmarkt vor neue Herausforderungen.
Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg wird im Jahr 2020
Aber wie sieht die knallharte Realität in der Arbeitswelt
für die Generation über 50 aus? Wie reagieren Unternehmen in den Industrieländern auf das neue Lebensgefühl
der älteren Arbeitnehmer? Wie passen sich die »Alten«
optimal an die Herausforderungen einer globalisierten
Wirtschaftswelt an? Die Fakten spiegeln nämlich eine
andere Situation wider als die der Film- und Werbeindustrie. Viele Unternehmen – ob lokal, regional oder global
tätig – haben in den vergangenen Jahren stark auf eine
jugendfixierte Personalentwicklung gesetzt. Der ideale
Arbeitnehmer ist für sie flexibel, belastbar, mobil, leistungsfähig und vor allem eins: jung. Wer in der modernen Wirtschaftswelt über 50 Jahre alt ist, wird doppelt
bestraft. Den über 50-Jährigen wird eine verminderte
Leistungsfähigkeit attestiert, sie seien nicht mehr belastbar und nicht mehr innovationsfähig. Die Folge: Beim
jeder dritte potenzielle Erwerbstätige älter als 50 Jahre sein. Wie bleiben Unternehmen unter diesen Rahmenbedingungen fit? Um Lösungsstrategien zu entwickeln und
zu diskutieren, hat TÜV SÜD Life Service das Expertenforum »Arbeitsfitness 67« ins
Leben gerufen. Unternehmer, Personalleiter, Betriebsärzte und Wissenschaftler tauschen ihre Erfahrungen alle zwei Monate aus.
Die Themen der kommenden Veranstaltungen:
■
»Oh, du Fröhliche«? Strategien gegen Psycho-Stress unterm Weihnachtsbaum
(11. Dezember 2007)
■
Fit Forever. Tipps für dauerhafte Kreativität und Höchstleistung (27. Februar 2008
mit Dr. Michael Spitzbart)
■
Leadership in turbulenten Zeiten. (Kongress, Mai 2008)
■
Besiegt, aber nicht geschlagen. Wege aus dem John-Wayne-Syndrom
(August 2008)
Infos zur Veranstaltung: Dr. Matthias Starke, TÜV SÜD Life Service, Tel. 089/5190-3305
Story I Humankapital
Folge der »Ein-Kind-Politik«:
30
Erwerbsleben aus – entweder werden sie in die Frühverrentung oder in die Arbeitslosigkeit entlassen. Die Freiheit, sich selbst entfalten zu können, ist daher für viele
über 50-Jährige begrenzt. Als Hartz-IV-Empfänger endet
die neue Freiheit oftmals am Tresen.
Diese Personalstrategie hat gesellschaftliche und
sozialpolitische Auswirkungen, die hochexplosiv sein
können angesichts des demographischen Wandels weltweit. Dabei sind zwei Entwicklungen zu beobachten: Einerseits sinken die Geburtenraten in den Industrieländern,
andererseits steigt dort die Lebenserwartung. Im Jahr
2050 wird zum Beispiel die Hälfte der Bevölkerung in
Deutschland älter als 48 Jahre und ein Drittel 60 Jahre
oder älter sein. Die über 80-Jährigen stellen dann rund
dramatischer. Ende August 2006 überschritt dort die Zahl
der über 65-Jährigen erstmals die 100-Millionen-Marke.
Die Ursache: Im Jahre 1979 führte die Volksrepublik die
»Ein-Kind-Familie« ein und drohte bei Nichteinhaltung
mit drakonischen Strafen. Wissenschaftler der Chinese
Academy of Social Sciences gehen sogar davon aus,
dass in zehn Jahren etwa zehn Prozent der 1,31 Milliarden Chinesen älter sein werden als 65 Jahre. Mittelfristig sei deshalb mit einer Verknappung der Arbeitskräfte
zu rechnen, denn nach ihren demographischen Prognosen wird der Anteil der arbeitsfähigen Chinesen (zwischen 15 und 64 Jahren) ab 2015 schrumpfen. Noch
schneller wächst die Gruppe der »Alten« in Indien, das
sich auf dem Sprung vom Schwellen- zum Industrieland
zwölf Prozent der Bevölkerung, heute sind es nur knapp
vier Prozent. Die deutsche Gesellschaft wird in den nächsten Jahrzehnten aber nicht nur altern, sondern auch
schrumpfen: Statt derzeit 82,3 Millionen werden im
Jahr 2050 nur noch rund 70 Millionen Menschen in der
Bundesrepublik leben – so viele wie in den 50er Jahren
des vergangenen Jahrhunderts. Dies ist die Folge stabil
niedriger Geburtenraten: Seit 30 Jahren liegt sie in
Deutschland bei 140 Kindern pro 100 Frauen. Mit einer
Fertilitätsquote von 1,4 liegt Deutschland im internationalen Vergleich am unteren Ende. In Westeuropa haben
lediglich Italien und Spanien eine niedrigere Geburtenrate. Spitzenreiter bei den Schwellen- und Industrieländern
sind Mexiko (2,57), die Türkei (2,07) und die USA (2,06).
In der Volksrepublik China, der bevölkerungsreichsten Wirtschaftsnation der Welt, ist die Entwicklung noch
befindet. In den kommenden zehn Jahren wird sie um
fast 40 Prozent ansteigen und sich in zwanzig Jahren
sogar mehr als verdoppeln – von heute 52 Millionen auf
116 Millionen im Jahr 2026. Ein Sonderfall unter den
Industrieländern sind die USA. Die Bevölkerung wird dort
in den nächsten Jahrzehnten stetig wachsen. Experten
rechnen mit einem Anstieg von aktuell 300 auf 400 Millionen in den kommenden Dekaden. Der Grund ist eine
Kombination aus einer vergleichsweise hohen Migration
und hohen Geburtenraten, obwohl in den USA Mütter im
Arbeitsleben weniger Schutz genießen als in Europa.
Dabei ist die Familienplanung der Amerikaner je nach
ethnischer Herkunft sehr unterschiedlich. Den größten
Anteil zum anhaltenden Wachstum tragen die HispanoAmerikaner mit einer Geburtenrate von 3,0 Kindern pro
Frau bei. Wie reagieren der Arbeitsmarkt und die Unter-
Chinas Bevölkerung wird
immer älter.
kontakt
D r. M a t t h i a s S t a r ke
TÜV SÜD Life Service
+49 - 89 - 5190- 3305
+49 - 89 - 5190- 3505
matthias.starke@
tuev-sued.de
www.tuev-sued.de
nehmen auf die neuen Herausforderungen durch den
demographischen Wandel? »Das Managementverhalten
der meisten Unternehmen zeigt, dass sie gesunde ältere
Arbeitnehmer noch nicht als Erfolgsfaktoren im Wettbewerb erkannt haben«, sagt Dr. Matthias Starke von
TÜV SÜD Life Service. Die Folgen sind bereits aktuell
auf dem deutschen Arbeitsmarkt spürbar: Die Wirtschaft
boomt, doch es fehlen Fachkräfte. Ohne weitere Maßnahmen, so das Institut der deutschen Wirtschaft, wird
sich dieser Trend sogar noch verschärfen. Die Zahl der
verfügbaren Arbeitskräfte wird sich von derzeit 42 Millionen auf knapp 30 Millionen im Jahr 2050 verringern.
Die Zahl der Hochqualifizierten werde sogar um knapp
2 Millionen auf 8,9 Millionen sinken.
Beispiel China: schneller alt als reich
Eine andere Konsequenz erlebt aktuell die chinesische
Wirtschaft. Zwar entwickeln dort erste Unternehmen
altengerechte Produkte bis hin zu Alters- und Pflegeheimen. Aber wovon im Reich der Mitte in Zukunft die
Älteren leben werden, darauf kennt man dort noch keine
Antwort. Stattdessen wächst die Angst, »schneller alt als
reich« zu werden. Und gerade diese Angst führt grundsätzlich bei älteren Arbeitnehmern zu Verschleißerscheinungen und psychosomatischen Krankheiten. »Das
emotionale Hinterland stimmt bei vielen älteren Arbeitnehmern nicht mehr. Sie fühlen sich unter Druck gesetzt,
gestresst und überfordert«, erzählt Starke und berichtet
von verheerenden Folgen: »Gestörte Worklife-Balance,
hohe Scheidungsquoten und steigende Krankenkosten.«
Wie können Unternehmen und Arbeitnehmer gemeinsam Strategien entwickeln, um dieses Problem zu
lösen? »Die Unternehmen müssen den älteren Arbeitnehmer als wertvolle Ressource entdecken. Er ist mit
seiner Erfahrung in der modernen Arbeitswelt ein Champion und ein wertvoller Mitarbeiter, indem er mit seiner
Kompetenz jüngere Kollegen unterstützt und hilft«, sagt
Starke. »Wenn die ›alten Krieger‹ und die ›jungen Wilden‹ sinnvoll zusammenarbeiten und nicht gegenseitig
ausgespielt werden, kann das jeder Firma einen Schub
nach vorn geben.« Einige Unternehmen haben das
begriffen. Zum Beispiel die Lufthansa-Technik, einer der
größten Arbeitgeber in Hamburg. »Wir sind sehr daran
interessiert, erfahrene Mitarbeiter zu beschäftigen«, sagt
Personalleiterin Stege-Slowak. Lufthansa ist schon
wegen des hohen Aufwands für die Aus- und Weiterbildung daran interessiert, ältere Menschen im Betrieb zu
halten: Für manche Flugzeugreparaturen sind Mechaniker erst nach acht Jahren Schulung zugelassen. Doch
nicht nur die Unternehmen sind gefordert, sich auf den
Wandel einzustellen, sondern auch die Erwerbstätigen.
»Wer emotional gut drauf ist, kann auch Leistung zeigen«, so Starke. Voraussetzung dafür sei die körperliche
und geistige Fitness, z. B. durch lebenslanges Lernen.
Wie diese Fitness erreicht werden kann, zeigt das
»6-Stufen-Fitalprogramm«, das TÜV SÜD Life Service
zusammengestellt hat. Im Mittelpunkt stehen gesunde
Ernährung und Bewegung. Dazu Prof. Dr. Jürgen Beckmann von der Technischen Universität München:
»Sport ist ein wichtiger Anti-Aging-Faktor.«
Generell muss mit dem Alter die Leistungsfähigkeit
nicht nachlassen. Das zeigte auch die Oscar-Zeremonie.
Als es in der Kategorie »Beste weibliche Schauspielerin«
hieß: »And the Oscar goes to …«, betrat die attraktivste
Dame des Abends die Bühne: Helen Mirren. Ein agiler
und lachender Champion, der schon ein klein wenig älter
ist als 50 Jahre. ■
News
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Nach 2.000 Untersuchungen: Eignungs-Check zum Waffenbesitz hat sich bewährt
Die Pläne zur Lockerung des Waffenrechts sind inzwischen wieder zurückgezogen worden. In jedem Fall bewährt hat sich laut TÜV SÜD der psychologische
Eignungs-Check für die Erlaubnis zum Waffenbesitz. Seit der Einführung im
Jahr 2002 hat TÜV SÜD Life Service rund 2.000 entsprechende Untersuchungen durchgeführt. Fazit: Die Checks sind ein wichtiger Beitrag zur öffentlichen
Sicherheit. Dem allergrößten Teil der Untersuchten konnte die Eignung bestä-
tigt werden. Gerhard Laub von TÜV SÜD Life Service: »Der geübte
Blick der TÜV SÜD-Psychologen und wissenschaftlich fundierte
Testverfahren haben aber auch einzelne Personen identifiziert, bei
denen ein Waffenbesitz mit zu großen Problemen verbunden wäre
– insbesondere bei Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum.«
Kontakt: gerhard.laub@tuev-sued.de
TÜV SÜD Auto Plus: BMW-Spaß von Anfang an
Für viele ausländische BMW-Neukunden ist es eine große Verlockung:
Mit dem neuen BMW oder MINI direkt ab Werk gleich die ersten Kilometer
in Deutschland und Europa fahren! TÜV SÜD Auto Plus, ein Tochterunternehmen von TÜV SÜD, lässt diesen Traum Wirklichkeit werden und versorgt
BMW-Neufahrzeugbesitzer mit allen notwendigen Papieren für die Ausfuhr
und die Überführung.
Natürlich gehört ein entsprechendes Ausfuhrkennzeichen für den
neuen Wagen dazu, doch der Full Service bietet den Neuwagenbesitzern
noch viel mehr: »Neben allen notwendigen Zulassungspapieren und Bescheinigungen kümmern wir uns auch um die Zollpapiere, falls der Wagen
auch über EU-Grenzen hinweg überführt wird – ein wichtiger Aspekt für
Kunden aus Amerika, Japan und allen Nicht-EU-Staaten«, so Thomas Fischer,
Regionalleiter Bayern bei TÜV SÜD Auto Plus.
Begleitet wird die Dienstleistung der Auto-Experten mit einem neuartigen internetbasierten Prozess: Alle relevanten Daten werden einmal
korrekt erfasst und stehen in der Folge BMW, der Zulassungsstelle und
TÜV SÜD Auto Plus zu Verfügung – die sonst üblichen und fehleranfälligen Mehrfacherfassungen entfallen damit. »Außerdem können sich alle
Beteiligten jederzeit über den aktuellen Status einer Zulassung informieren«, sagt Thomas Fischer. »Diese Durchgängigkeit ist im Bereich der Ausfuhrkennzeichen bislang einmalig!«
Kontakt: thomas.fischer1@tuev-sued.de
www.tuev-sued.de
Infos & Services bei TÜV SÜD im Internet
Der Internet-Auftritt von TÜV SÜD bietet Geschäfts- und
Privatkunden nützliche Dienstleistungen, Informationen und
Kontakte. Mit dem Kurzporträt ausgewählter Inhalte lädt
das TÜV SÜD Journal zu einem Online-Besuch in die »Mehr
Wert«-Welt von TÜV SÜD ein.
TÜV SÜD sucht Werkstatt-Tester
Was zählt, sind Service und Qualität: Autohäuser und
Automobilhersteller wollen wissen, auf welche Servicequalität der Kunde in Autowerkstätten trifft. TÜV SÜD
nimmt deshalb im Auftrag der Hersteller jährlich Tausende
von Werkstätten unter die Lupe. Dafür werden ständig
Fahrzeughalter der unterschiedlichsten Marken gesucht, die
Kunden einer Markenwerkstatt sind. Die Tester erhalten
eine Aufwandsentschädigung! Anmeldung und weitere
Infos unter www.tuev-sued.de/werkstatt-tester
Einsatz für Betriebsarzt berechnen
Gesundheitsmanagement kompakt von TÜV SÜD: Die
Spezialisten für Arbeitsmedizin von TÜV SÜD Life Service
übernehmen Aufgaben des Betriebsarztes gemäß Arbeitssicherheitsgesetz, beraten Unternehmensleitung und
Mitarbeiter bei individuellen Fragen der Arbeitsmedizin und
analysieren psychische und körperliche Belastungen. Wie
Sie dabei in Ihrem Unternehmen Geld sparen können, finden Sie kompakt bei TÜV SÜD im Internet. Dort können Sie
nun auch online die Einsatzzeiten für den Betriebsarzt und
die Sicherheitsfachkraft berechnen. www.tuev-sued.de/mt
33
LC Auto Consult zeigt,
was Autohäuser erfolgreich macht
Wie wird aus einem zufriedenen Kunden ein Stammkunde?
Und was bewegt einen Stammkunden dazu, Empfehlungen auszusprechen? Diesen und anderen Fragen ging die 1. Branchen-Tagung
der Automobilwirtschaft am 3. Juli in Köln nach. Der Veranstalter,
die LC Auto Consult, stellte das After-Sales-Geschäft bei dieser
Tagung in den Mittelpunkt.
Ein Kunde will nicht nur vor dem Autokauf professionell und
freundlich behandelt werden, sondern insbesondere auch nach
dem Kauf. Und auch von Herstellerseite werden immer höhere
Anforderungen an die Servicequalität der Autohäuser gestellt.
»Deshalb ist es höchste Zeit, sich intensiv mit diesem sensiblen
Geschäftsbereich zu beschäftigen«, sagt Detlef Walker, Geschäftsführer der LC Auto Consult GmbH. Die zentrale Erkenntnis der
Branchentagung lautet deshalb: Nur Kundenzufriedenheit garantiert Mehrerlös!
Auch Prof. Dr. Klaus-Peter Schütt, Moderator und Mitveranstalter
der Branchen-Tagung, betont die Bedeutung der Servicequalität:
»Angesichts der Discount-Mentalität breiter Kundenkreise in unserer
Branche wird sich das Ertragsrisiko zukünftig noch weiter steigern.
Vor allem deshalb wird die Professionalisierung des After Sales zum
überlebenswichtigen Erfolgsfaktor für die ganze Branche!«
Kontakt: d.walker@lc-auto-consult
Neues PAK-Prüfverfahren
Mehrere große Prüfhäuser haben ein neues Bestimmungsverfahren
für die chemische Prüfung von Gummi- und Kunststoffbestandteilen
auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (kurz PAK) entwickelt. In der Vergangenheit hatten verschiedene Bestimmungsverfahren oft zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt. Die Initiative
ging von der Metro Group und TÜV SÜD Product Service aus, das
auch die drei Fachtagungen ausrichtete. Zu den Teilnehmern gehörten TÜV Rheinland/LGA, SGS, Intertek, VDE und Bureau Veritas.
PAK sind Schadstoffe, die als Teeröle überwiegend in Kohleund Erdölprodukten vorkommen. Sie entstehen hauptsächlich bei
der Verbrennung fossiler Energieträger und können bei Menschen
krebserzeugend oder erbgutverändernd wirken.
Das neue, ab sofort geltende Bestimmungsverfahren bildet nun
sogar die Grundlage für PAK-Prüfungen durch Stiftung Warentest.
Kontakt: thomas.oberst@tuev-sued.de
News
Profi-Check eine sichere
Sache für Berufskraftfahrer
Nicht nur Busfahrer müssen fit sein. Für Berufsfahrer im Transportwesen
und in der Fahrgastbeförderung bietet TÜV SÜD Life Service den Profi-Check.
Die Autobahnen werden immer voller, die Zeit wird immer knapper:
Lkw-Fahrer stehen unter erheblichem Druck. Aber auch das Fahren von
Bussen und Taxen wird immer anstrengender. 2006 ist die Zahl tödlicher
Unfälle auf deutschen Straßen zwar insgesamt zurückgegangen, doch
stieg sie bei Benutzern von Bussen und Güterkraftfahrzeugen. Um das
Unfallrisiko so klein wie möglich zu halten, müssen sich Berufsfahrer im
Transportwesen und in der Fahrgastbeförderung bereits seit 1999 regelmäßig auf ihr Leistungs- und Sehvermögen untersuchen lassen. TÜV SÜD Life
Service bietet dazu mit dem Profi-Check unkomplizierte Komplettpakete.
Gefordert werden je nach Führerschein- und Altersklasse spezielle
Untersuchungen des Gesundheitszustands und des Augenlichts im Besonderen. »Wir möchten, dass die Berufskraftfahrer allzeit sicher unterwegs sind«, sagt Gerhard Laub von TÜV SÜD Life Service.
Wer den Führerschein zur Personenbeförderung erwerben möchte,
muss sich zusätzlich noch einem Check von Orientierung, Aufmerksamkeit
und Reaktionsfähigkeit unterziehen. Wenn Busfahrer ab 50 Jahre und Taxifahrer ab 60 darüber hinaus ihren Schein verlängern möchten, gehören
diese Kriterien ebenfalls zum Untersuchungsumfang. »Aber niemand muss
Angst vor den Untersuchungen haben. Sie sind schließlich ein wichtiger
Beitrag dazu, dass sich der Berufskraftfahrer selbst seiner Sache sicher
sein kann«, so der TÜV SÜD-Experte Gerhard Laub.
Kontakt: gerhard.laub@tuev-sued.de
Wa s T Ü V S Ü D s o a l l e s m a c h t . . .
Am laufenden Fahrsteig
Schnell und bequem geht es auf den Fahrsteigen voran. So
heißen die laufenden Bänder, auf denen die Passagiere wie
hier auf dem Münchener Flughafen bequem zu den Terminals
gelangen. Viele der 30,8 Millionen Passagiere pro Jahr werden die Fahrsteige auf dem zweitgrößten deutschen Flughafen zu schätzen wissen. Damit sie immer reibungslos funktionieren, überprüft der TÜV SÜD-Experte Johann Rosskopf
Bremsen, Antriebselemente, Notausschlagtaster, Zustand und
Einstellung der Kämme, Balustradenverkleidung und -sockel
sowie den Handeinlauf auf Betriebssicherheit. Und das jedes
Jahr: Denn Fahrsteige müssen aus Sicherheitsgründen ebenso wie Personenaufzüge regelmäßig geprüft werden.
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Wa s T Ü V S Ü D s o a l l e s m a c h t . . .
TÜV SÜD:
Für Sie weltweit vor Ort
international
Amerika – NAFTA:
TÜV SÜD America Inc.
Cherry Hill Drive 5
01923 Danvers, USA
+ 1- 97 87 39 - 70 00
+ 1- 97 87 77 - 84 41
Europa:
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Westendstraße 199
D-80686 München
Hamburg
+ 49 - 89 - 57 91- 0
+ 49 - 89 - 57 91 - 15 51
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Singapore 118223
+ 65 6773 9731
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Mittel- und Osteuropa:
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Novodvorska 994
CZ-142 21 Praha 4
+ 4 20 - 2- 39 04 - 67 01
+ 4 20 - 2- 39 04 - 67 05
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Hannover
Mönchengladbach
national
Leipzig
Erfurt
Dresden
Köln
Frankfurt
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+ 49 - 89 - 57 91 - 0
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