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Aus der Arbeit der Bandwacht: Die Bandwacht löst das Rätsel: Was

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Aus der Arbeit der Bandwacht:
Die Bandwacht löst das Rätsel: Was ist und woher kommt „VOSA“?
Mit Frequenztabelle, Taschenrechner und Fachwissen einem
Geheimsender auf der Spur
März 1998: Schon seit seinem Erscheinen im 40-m-Band der Funkamateure zuerst auf 7093 kHz und
später auf 7095 kHz gab der Clandestine-Sender **) „Stimme des Südlichen Aserbaidschan“ (Voice of
Southern Azerbaijan = VOSA) den Funkamateuren und BCLs *) Rätsel auf: Wer waren die Betreiber
dieses Senders, und von welchem Staatsgebiet aus sendete der Störenfried? Man wusste von dem
Geheimsender nur: Er sendete von 16.30 bis 17.30 UTC ein Programm in der Azeri-Sprache, das
vorwiegend aus Wortbeiträgen bestand. Sehr häufig erwähnt wurde der Begriff „Aserbaidschan“, und
die Sendungen bezeichneten das Volk im „nördlichen“ Aserbaidschan, also der Republik
Aserbaidschan, als vom „armenischen Feind“ unterdrückt. Dieser armenische Feind werde vom Iran
unterstützt.
Die Peilstrahlen zeigen in den Nahen Osten
Die Peilstrahlen der englischen Fernmeldebehörde und der (deutschen) Regulierungsbehörde für
Telekommunikation und Post (RegTP) wiesen klar in den Nahen Osten in das Dreieck
Jordanien/Israel/Saudi-Arabien. Wer in dieser Gegend konnte ein Interesse haben, den Iran zu
destabilisieren? Das konnte nur Israel mit seinem Geheimdienst MOSSAD sein! Nun, nach
Interventionen der israelischen Amateurfunkvereinigung hat VOSA die Frequenz 7095 kHz wieder
verlassen. Wer von den israelischen Funkamateuren wo interveniert hat, werden wir wohl nie
erfahren.
Vollends klar wurde die Lösung des Rätsels um VOSA, als ich am 7. April 1998 zufällig abends über
die Frequenz 21425 kHz drehte: Dort war das Intermodulationsprodukt zweier Rundfunksender mit
gleichzeitig zwei Programmen zu hören. Die Signalstärke war S 9 + 10 dB. Ich war wie elektrisiert, als
ich sofort in der einen Sprecherin die „Dame“ von der „Stimme des Südlichen Aserbaidschan“ mit
ihren vielen Erwähnungen von „Aserbaidschan“ wieder erkannte. Das andere Programm war in
englischer Sprache. Ich suchte in den Rundfunkbändern oberhalb und unterhalb des 15-mAmateurbandes nach den beiden Programmen; doch nach zwei Minuten um 1556 UTC verschwanden
beide Programme schlagartig. Am nächsten Tag war zur fraglichen Zeit kein Rundfunksender auf
21425 kHz zu hören, doch am Tag darauf war er ab 15.35 UTC wieder da. Wieder suchte ich die
Rundfunkbänder nach den beiden Programmen ab und wurde auf der Frequenz 11605 kHz fündig:
Dort war das englischsprachige Programm von 21425 kHz mit einem überstarken Signal von S 9 + 65
dB zu hören. Es war KOL Israel mit der Ansage: „Shalom from Jerusalem“. Doch auf welcher
Frequenz wurde VOSA gesendet?
Über Email informierte ich OM Wolfgang Büschel, DF5SX, vom World-Wide-DX-Club, einem BCHörerclub, und bat ihn um sein Urteil. Er schrieb noch am gleichen Tag zurück:
„Ich habe vorhin mal 1 ½ Stunden zwischen drei RX gehockt und bin der Sache mit VOSA nach
gegangen. Also, dass VOSA über Israel sendet, ist ja längst bekannt und auch von David Kenny
(einem BCL) bestätigt. Die beobachteten Zufälle bei Senderumschaltungen und die
Theorieüberlegungen werden durch die Kombinationsprodukte der Frequenzen auch im Sommerplan
in der Praxis nur noch mal unterstützt und bestätigt.
10. April 1998
Heute, Freitag war absolut nicht zu hören, außer ganz schwach KOL-Englisch allein auf 21425 kHz für
zwei, drei Minuten. Ich habe alle Frequenzen in den Speicher des SONY und AOR gesetzt: 21425
kHz, 17535 kHz, 15650 kHz, 11605 kHz und 9820 kHz und mit dem Kenwood und besten Murata- und
Collinsfiltern die 9820 kHz beobachtet. Mischprodukt 21425 kHz, KOL-Frequenzen 17535, 15650 und
11605 kHz, mögliche VOSA-Frequenz 9820 kHz (21425 kHz minus 11605 kHz gleich 9820 kHz). Ist
9820 kHz die Sendefrequenz von VOSA?
Die Formel zeigt bei 21425 kHz minus 15650 kHz gleich 11550 kHz oder 21425 kHz minus 17535 kHz
gleich 3890 kHz keine signifikante Frequenz. 9820 kHz war von KTWR Guam (Chinesisch) bis 1500 ?
UTC belegt: Mittleres Signal, eine gute Chance für VOSA, signalmäßig darüber zu liegen. Nach dem
Abschalten von KTWR kam um 1509 UTC ein Tonträger mit bassigem 600-Hz-Ton bis um 15.16 UTC
auf die Frequenz. Das könnten nochmals die Jungs in Guam gewesen sein, die ihre
Antennenabstimmung besorgten. Es könnte jedoch auch schon Voice of America – Cabo Verde
gewesen sein, denn die senden auch auf 9820 kHz. Von 15.56 bis 15.58 UTC stand nochmals ein
leerer Träger auf 9820 kHz.
11. April 1998, Ostersamstag
Intermodulationsprodukte entstehen nach einer mathematischen Formel
Ich habe mich noch mal an meinen Schreibtisch gesetzt und die Möglichkeit für
Intermodulationsprodukte Dritter Ordnung (IM3) ausgerechnet:
Die Formel für das unerwünschte (Sender-) Mischprodukt auf 21425 kHz im Amateurband schein nun
klar zu sein. Checkt es mal in den nächsten Tagen bei guten Ausbreitungsbedingungen und guter
Antenne nach:
VOSA sendet jetzt im Sommer von 15.30 – 16.30 UTC auf 13645 kHz. KOL Israel sendet auf den
Frequenzen 11605, 15650 und 17535 kHz.
Das Intermodulationsprodukt 21425 kHz entsteht nach folgender Formel:
2 x 17535 kHz (KOL) – 13645 kHz (VOSA) = 21425 kHz (IM3-Produkt KOL/VOSA)
Soweit die Überlegungen von OM Wolfgang Büschel, DF5SX, aus Stuttgart.
Andere Kombinationen scheiden aus, da ihre Mischprodukte in kein Rundfunkbänder fallen.
Voraussetzung für solch eine Mischung ist, dass sich die Frequenzen bereits im Sender mischen oder
benachbarte Antennen verwendet werden, die in einander koppeln. Vielleicht wird auch für beide
Programme die gleiche Antenne zur selben Zeit verwendet. Ich glaube nicht an den
„Luxemburgeffekt“. Wenn also die Stimme des Südlichen Aserbaidschan und KOL Israel gleichzeitig
als IM3-Mischprodukt zu hören sind, so stehen Sender bzw. Sendeantennen auf dem gleichen
Grundstück: Die Stimme des Südlichen Aserbaidschan sendet von israelischem Territorium, und die
Stimme des Südlichen Aserbaidschan ist in Wirklichkeit die Stimme des MOSSAD, des israelischen
Geheimdienstes!
12. April 1998, Ostersonntag
Heute, am Ostersonntag, habe ich die Frequenzberechnung von OM Büschel ausprobiert. Sie stimmt!
Auf 21425 kHz war das bekannte Mischprodukt von VOSA und KOL Israel mit S 9 + 25 dB zu hören,
während auf 13645 kHz das Programm in der Azeri-Sprache von VOSA (S 9 + 50 dB) und auf 17535
kHz Programme von KOL-Israel in Französisch bzw. Englisch (S 9 + 60 dB) liefen. Um 15.55 UTC
schaltete KOL-Israel sein Programm ab, und damit verschwand auch der „Geistersender“ auf 21425
kHz. Auf 13645 kHz war die Stimme des Südlichen Aserbaidschan weiterhin bis Sendeschluss um
16.30 UTC zu hören.
Sie sehen, liebe Funkamateure, Bänder nach Bandeindringlingen abzusuchen, kann wie ein
Krimi sein. Es ist das Zusammentragen von Puzzlesteinen zu einem Bild. Hier sind
Sachkenntnis, Ausdauer und Kombinationsgabe gefragt – und vor allem Teamarbeit. Machen
auch Sie mit im Team der Bandwacht!
*) BCL = Broadcast Listener (Rundfunkhörer, der sich auf das Abhören ferner oder interessanter
Radiostationen spezialisiert hat)
**) Clandestine Sender = Geheimsender
Ulrich Bihlmayer, DJ9KR
Leiter der Bandwacht des DARC
Stand: Februar 2005
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Seele and Geist
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