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Heute wissen, was morgen ist. - F.A.Z.-Institut

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was
morgen
ist.
Heute wissen,
ausgabe 1/2014
Vielfältig
Der Mymuesli-Gründer über
gute Ideen von heute und morgen
Ideen zum abheben
Was die Unternehmer
der Zukunft mitbringen
Seite 10
Vielschichtig
Seite 5
Sie versteckt sich und ist doch überall:
die Nanotechnologie
Seite 21
Zukunftsmanager n Editorial
Ausgabe 1/2014
Liebe Zukunftsdenker,
die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland hängt nicht nur davon ab, wie sich große
Konzerne, starke Mittelständler oder ambitionierte Kleinunternehmen für die kommenden Jahre aufstellen. Wachstum und Wohlstand in Deutschland und Europa entstehen auch durch
Unternehmen, die es noch gar nicht gibt. Oder die gerade erst auf den Markt gekommen sind.
Denn junge Unternehmen und mit ihnen mutige Entrepreneure sind wesentliche Elemente,
die über die Zukunft unserer Wirtschaft entscheiden. Um diese These zu belegen, reicht ein Blick
in die Vergangenheit: Vor sechs Jahren war der Mode-Versender Zalando noch nicht einmal
gegründet, inzwischen macht er 1,8 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr (2013). Nicht ganz so groß,
aber dennoch bewundernswert ist die Entwicklung von Spreadshirt. 2001 gegründet, erzielte
die Shirt-Plattform 2012 einen Umsatz in Höhe von 65 Millionen Euro. Die Firma Gameforge aus
Karlsruhe, die Onlinespiele anbietet, ist gerade mal zehn Jahre alt und verzeichnet 400 Millionen Nutzer.
Auch das Beispiel von Mymuesli ist durchaus beeindruckend, wie Gründer Max Wittrock im
Zukunftsmanager-Interview erklärt (Seite 10). 2007 mit 3.500 Euro Kapital gestartet, hat die
Firma inzwischen nicht nur die Mitarbeiterzahl auf beinahe 200 erhöht, sondern auch
noch gezeigt, dass gute Ideen Spaß und Erfolg zugleich versprechen.
Wittrock ist ein gutes Beispiel dafür, wie der Entrepreneur der Zukunft aussehen könnte:
mutig, willens- und durchsetzungsstark, selbstbewusst und flexibel.
Viel Spaß beim Blick in die Zukunft wünschen Ihnen
Markus Garn
Daniel Schleidt
Leiter Innovationsprojekte
Leiter Redaktion Innovationsprojekte
F.A.Z.-InstitutF.A.Z.-Institut
2
Zukunftsmanager n Inhaltsverzeichnis
Ausgabe 1/2014
Titel: Entrepreneur
der Zukunft
Produkte &
Dienstleistungen
Seite 5
Kurz notiert
Seite 21
Abheben oder aussterben
Chamäleon mit Vorbildfunktion
Wie es um die Zukunft des Unternehmers
bestellt ist
Sie versteckt sich und ist doch überall:
die Nanotechnologie
Seite 10
„Unsere Vielfalt sollten wir
bewahren“
Seite 26
Be prepared
Max Wittrock, Gründer von Mymuesli,
über feine Zutaten für gute Ideen
Trends und Gadgets von heute
und morgen
Seite 29
Luxusleben oder Hüttenzauber
Strategie & Kultur
Seite 15
Was wir vom Hotel der Zukunft
erwarten
Bestandsaufnahme: Zukunftsforschung
In welche Richtung entwickelt sich
die Futorologie?
Lebenswelten
Seite 19
Der Weg in die Industrie 4.0
Wie werden die künftigen Entwicklungen
hin zur vernetzten Produktion verlaufen?
3
Seite 32
Die Zukunft der Ernährung
nachhaltig gestalten
Welche Rolle spielt Ernährung in der
aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte?
News
Seiten 37, 38, 39
Bücher
Seiten 37, 38, 39
Veranstaltungen
Seiten 37, 38, 39
15 Fragen an
Seiten 40
Impressum
Seiten 42
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Zukunftsmanager n Ausgabe 1/2014 4
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Zukunftsmanager n Entrepreneur der Zukunft
Ausgabe 1/2014
5
Abheben oder aussterben –
Unternehmer in Deutschland
Von Eva Rossner
© Thinkstock
Deutschland gehen die Gründer aus. Das betrifft aber nicht jede Branche, denn vor allem im IT-Sektor
gibt es immer mehr Start-ups. Ihre Produkte verändern Herstellungsprozesse und Kommunikations­
verhalten – und womöglich auch die Eigenschaften einer ganzen Unternehmergeneration.
Wie ist es um die Zukunft des Entrepreneurs in Deutschland bestellt?
>
Zukunftsmanager n Entrepreneur der Zukunft
Sind die Computerfreaks
von gestern die Unter-
© Thinkstock
nehmer von morgen?
Die schlechte Nachricht zuerst: Gründen in
Deutschland ist out. Diesen Eindruck vermitteln zumindest die Ergebnisse des Gründerreports, der jährlich vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) herausgegeben wird. Aktuell weckt eine Selbstständigkeit nur noch bei 29 Prozent aller Erwerbstätigen Interesse. Analog dazu gab es
laut Bonner Institut für Mittelstandsforschung im Jahr 2012 mit 346.000 auch deutlich weniger Unternehmensgründungen als 2011. Die
gute Nachricht: In einigen Großstädten hat
sich eine vitale
Szene junger
Web- und ITStart-ups
eta-
Ausgabe 1/2014
bliert. Derlei IT-Gründungen machten zwar
erst 3 Prozent aller Gründungen der vergangenen fünf Jahre aus, heißt es. Dennoch
schafften sie schon jetzt mehr als doppelt so
viele Arbeitsplätze wie Unternehmensgründungen in anderen Branchen.
Die IT-Nerds kommen
Die Gründerszene ist im Wandel und mit ihr
der Prototyp des Entrepreneurs. „In Zukunft
sind alle ein bisschen Silicon Valley“, sagt Andreas Steinle. Der Zukunftsforscher ist Geschäftsführer des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main und hat in einer Studie untersucht, wie es um die Zukunft der Unternehmerkulturen in Deutschland steht. Steinle geht davon aus, dass jedes Unternehmen
in Zukunft auch ein kleines IT-Unternehmen
sein wird. Das betrifft den Metzger von nebenan ebenso wie den Industrieproduzenten.
Denn Produktion, Vertrieb und Marketing
werden zunehmend digitalisiert. Die
Veränderung schlägt sich aber
nicht nur in Produkten und Vertriebskanälen nieder. Der Unternehmergeist aus Kalifornien hat auch einen erheblichen Einfluss auf den Unternehmer von morgen.
Dieser ist künftig hochgradig
vernetzt und experimentierfreudig, so die Einschätzung
des Zukunftsforschers. Die Geschwindigkeit, mit der sich neue
6
Produkte und Märkte entwickelten, verändere auch die persönlichen Eigenschaften
des Unternehmers: Er werde kooperativer.
Das müsse er auch, so Steinle, denn er dürfte
mehr denn je auf Teamarbeit angewiesen
sein, schließlich ließen sich nur so alle benötigten Fähigkeiten zur Bewältigung der komplexen Herausforderungen vereinen.
Teamarbeit schaffe Vorteile, sagt Steinle. So
seien die Tage der sogenannten Innovationspipelines gezählt, dort würden Ideen ohnehin nur eingesperrt. Die Zukunft werde vielmehr von sogenannten Innovationskreiseln
bestimmt: „Dort teilen Unternehmen ihre
Ideen von vorneherein“, erklärt der Geschäftsführer. Ideen könnten dann gar nicht
mehr im stillen Kämmerlein perfektioniert
werden und erst nach Jahren auf dem Markt
erscheinen.
Nicht über einen Kamm scheren
Michael Louis ist da anderer Meinung. „Alles
wird schneller, mehr aber auch nicht“, sagt
der Geschäftsführer der Spotfolio GmbH (siehe Infokasten auf Seite 8) und Mitgründer
der Mindjet Corporation, eines Anbieters von
Softwarelösungen zur Erstellung von Mindmaps. Louis hält nicht viel davon, die zahlreichen Hypes aus dem IT-Sektor ohne weiteres auf die Marktrealität in Deutschland zu
übertragen. „Oft wird die Dynamik des Silicon Valley über alle Industrien gestülpt, das
macht keinen Sinn“, sagt er. In Sachen Zukunftsprognose gehe es vielmehr um ei- >
Zukunftsmanager n Entrepreneur der Zukunft
ne branchenabhängige Betrachtung. In der
Pharmabranche tickten die Uhren beispielsweise ganz anders als in der IT-Industrie: „Risiko hin oder her – ab auf den Markt mit dem
Wirkstoff“, so Louis, das könne man in solchen Fällen nicht sagen.
Versuchslabor Silicon
Valley: Ein gutes Finan-
zierungsumfeld ermöglicht einen weiten Blick in
die Zukunft.
Die Entwicklungen rund um die IT-Industrie
aus Kalifornien beobachtet er dennoch mit
großem Interesse, rät allerdings auch zur
Vorsicht. Das Silicon Valley sei eher eine Art
Traumwelt. „Ich möchte nicht sagen, dass
man in Kalifornien den Blick für die Realität
verliert, doch die IT-Unternehmer dort denken extrem weit in die Zukunft“, erklärt der
Geschäftsführer. Sie könnten mit allen Risiken experimentieren. Unternehmer in Deutschland sollten
jedoch darauf achten,
inwiefern es sich
bei den je-
Ausgabe 1/2014
weiligen Trends um passende Geschäftsmodelle handelt.
Das eigene Geschäft zukunftsfähig aufzustellen, dazu reisen immer wieder Delegationen aus Deutschland nach Kalifornien. Entscheider lassen sich für eine bestimmte Zeit
ins „Valley“ versetzen, um von erfolgreichen
Unternehmern zu lernen. Michael Louis
kennt das Silicon Valley und das Gefühl, dass
dort vieles möglich ist. Der Grund für die hohe Risikobereitschaft habe durchaus etwas
mit der Unternehmerkultur zu tun, aber auch
mit den flexiblen Finanzierungsspielräumen.
„Die Venture-Capital-Struktur macht einiges
leichter“, erklärt er. Junge Unternehmen hätten einen besseren Zugang zu Risikokapitalgebern, und Großkunden
seien weniger zurückhaltend,
wenn es darum gehe, die Technologien kleinerer Anbieter zu
nutzen.
© Thinkstock
Eine Frage der Stimmung
Die
Finanzierungsstruktur
lässt sich in Deutschland nicht
von heute auf morgen verändern.
Dennoch sieht Louis Stellschrauben, an denen sich drehen ließe.
So könnten staatliche Förderprogramme etwas übersichtlicher gestaltet sein und Bürokratiehemmnisse abgebaut
werden, findet Louis. „Wir haben Ende August eine GmbH
7
eingetragen. Allein vom Notartermin bis zur
Eintragung der GmbH hat es sechs Wochen
gedauert. Das ist viel zu lange“, sagt Louis.
Auch Jörg Bienert bestätigt diesen Eindruck.
„Entscheidungen, die in Deutschland innerhalb mehrerer Monate getroffen werden, fallen in den Vereinigten Staaten oft innerhalb
eines Tages“, sagt der IT-Gründer. Bienert ist
mit seinem Kölner Unternehmen Parstream
seit 2012 mit fünf Mitarbeitern im Silicon Valley ansässig. Das Data-Analytics-Start-up
fand dort rasch einen Geldgeber, der insgesamt 5,6 Millionen US-Dollar in seine Firma
investierte. „Von Risikoscheu ist keine Spur“,
so Bienert. Die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, sei dort wesentlich ausgeprägter.
In Deutschland könne man sich davon eine
Scheibe abschneiden, findet Spotfolio-Geschäftsführer Michael Louis. „Bei uns herrscht
regelrecht Angst vor Selbstständigkeit.“ Ein
eigenes Unternehmen ginge mit negativen
Attributen wie keinem festem Einkommen
oder unregelmäßigem Urlaub einher. Bleibe
der Erfolg aus, werde die Idee schnell mit dem
Stempel „versagt“ versehen. Ein weiteres Problem: Der Ruf des Unternehmers habe in
Deutschland Schaden genommen, das wirke
sich auf die Gründerkultur aus. „Unternehmergeist wird oft mit hohen Bonuszahlungen und
irgendwelchen Steueraffären gleichgesetzt.
Aber das hat doch nichts mit erfolgreichen unternehmergeführten Betrieben zu tun.“ Unternehmer machten einen guten Job und >
Zukunftsmanager n Entrepreneur der Zukunft
Neue Technologieplattform
Michael Louis hat im vergangenen
Jahr zusammen mit weiteren erfahrenen Unternehmern und Kennern
der VC-Branche das Unternehmen
Spotfolio GmbH gegründet. Spot­
folio ist eine Such- und MatchingPlattform, die innovative deutsche
Technologieunternehmen mit global tätigen Industrieunternehmen
und Mittelständlern zusammenbringt. Das Ziel: bis Ende des Jahres
mit rund 40.000 Unternehmens­
profilen nahezu die gesamten
deutschen Technologieunternehmen auf Spotfolio zu versammeln.
Studie zur Zukunft der
Unter­nehmenskulturen
ÆÆIm Internet
trügen positiv zum gesellschaftlichen Wohlstand bei. Dieses Bild sollte auch in Deutschland vorherrschen. „Das Unternehmertum
muss stärker forciert werden“, sagt Louis.
Immer dazu lernen
Motivation und Gründergeist können durchaus in jungen Jahren gefördert werden. Dabei helfe die richtige Ausbildung, so Andreas
Siebe. Siebe ist Zukunftsforscher und Vorstand der Scenario Management International AG (ScMI). Seine Empfehlung für die Zukunft: in Deutschland eine Gründerkultur
etablieren, die auch im internationalen Vergleich mithalten kann. Doch auch jetzt schon
müsse sich das deutsche Unternehmertum
im internationalen Vergleich nicht verstecken. „Wo gibt es denn sonst so viele erfolgreiche und solide Unternehmen aus dem
Mittelstand?“, fragt Louis. Von den 3,5 Millionen Unternehmen könne sich jedes Einzelne
global sehen lassen. Sicherlich seien Unternehmer künftig vermehrt damit konfrontiert, unterschiedliche Trends gleichzeitig im
Blick haben und auf die Relevanz für das eigene Geschäfts hin überprüfen zu müssen.
Doch darauf werden sich die Betriebe einstellen, da ist sich der Plattformbetreiber sicher. „Es wird noch weitaus mehr regionale
Cluster geben, als das heute schon der Fall
ist“, erklärt er. „Dort werden sich Firmen verschiedenster Branchen zusammenschließen
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Zukunftsmanager n Entrepreneur der Zukunft
Ausgabe 1/2014
10
„Unsere Vielfalt sollten wir bewahren“
Eine Idee mit Zukunft:
Lieblingsmüsli aus
Passau.
Am Anfang war es nur eine Fahrt mit
Freunden zum Baggersee – und die
Erkenntnis, dass Müsli
eine
feine Sache sei. Dann wurde daraus
die größte Müsli-Mix-Plattform der
Welt. Heute hat das mittelständische
Unternehmen Mymuesli rund
150 Mitarbeiter, zwei Produktionsstätten, es liefert in fünf ver-
© mymuesli
schiedene Länder und zeigt
ganz nebenbei, dass
Unternehmen in
Deutschland die
Ideen nicht
ausgehen.
Herr Wittstock, was
gibt’s heute bei Ihnen zum Frühstück?
Natürlich
Müsli.
Nein, im Ernst, wir
frühstücken wirklich
morgens zusammen. Jeden Montag um neun
halten wir im Berliner Büro
ein gemeinsames Frühstück
ab und besprechen die Woche.
Rechner anschalten, Milch aus dem Kühlschrank holen und dann eine Schüssel Müsli
essen, so starten wir in den Tag.
Was hätte der Betreiber einer Müsli-Plattform
auch antworten sollen – etwa, dass Müsli
nicht so sein Ding ist?
Nein, die Antwort geht nicht. Dann würde
unsere Idee auch gar nicht funktionieren.
Wenn ich Menschen von meinem Produkt
überzeugen möchte, muss ich brennen, sobald ich davon spreche. Bei uns sind alle
Mymuesli-Fans, das gehört einfach dazu.
Von 566 Billiarden Variationsmöglichkeiten
für Müsli kann man auch nicht genug bekommen.
Sie wissen, wie man die Werbetrommel rührt.
Waren Ihre Worte schon immer so blumig,
wenn es um Cerealien ging?
Nein, beschlossene Sache war aber, dass wir
Müsli mögen. Wir, dass sind drei Freunde, die
zusammen in Passau studiert haben. Ich bin
Jurist, Hubertus und Philipp haben BWL
studiert – ein Glück, dann hat wenigstens
jemand einen Blick auf unseren Etat. Die Flocken gab es bei uns traditionell zum Frühstück, jeder war aber irgendwie mit dem Angebot unzufrieden. In der einen Variante >
Zukunftsmanager n Entrepreneur der Zukunft
„Die Jungs“
Sie verbrachten einen Tag am
See, hatten eine gute Idee und
werden seither nur noch „die Jungs“
genannt (v.l.n.r.): Max Wittrock,
Philipp Kraiss und Hubertus Bessau
haben gemeinsam die Onlineplattform Mymuesli gegründet.
© mymuesli
Mymuesli ging im April 2007 online
und ist weltweit das erste Angebot
für individuelles Müsli. Mittlerweile
gibt es zwei Produktionsstätten
in Deutschland, Mymuesli gibt es
in 200 Supermärkten, wird in fünf
Länder geliefert, hinzu kommen
Läden in Passau, Regensburg,
München und Stuttgart.
gab es zu viele Rosinen, die andere enthielt
zu viele Nüsse. Irgendwie mussten wir also
ständig Kompromisse eingehen, und das war
der Auslöser für unsere Idee, besseres Müsli
zu kreieren. Das war während einer Fahrt
zum Badesee, es lief gerade der Radiowerbespot einer bekannten Müslisorte. Naja, und
vielleicht ging es uns auch um bessere Radiowerbung.
Ihre Plattform ging 2007 an den Start. Was ist
das besondere an Ihrem Internetmüsli?
Kleine Korrektur: Wir machen kein Internetmüsli, sondern Lieblingsmüsli. Das ist schon
was anderes, denn unsere Idee basiert nicht
nur auf der Möglichkeit, Müsli online zu bestellen. E-Commerce ist wichtig und macht
einen großen teik unseres geschäftsmodells
aus. Aber wir bedienen die Nachfrage nach
individuellem Müsli. Und bespielen verschiedene Kanäle, so zum Beispiel Supermärtke
oder unsere eigenen Mymuesli-Läden.
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Zukunftsmanager n Entrepreneur der Zukunft
Gute Idee: Massenware nach Maß. Sport­
artikelhersteller haben das Bedürfnis der
Kunden nach Individualität aber lange vor
Ihnen erkannt. Sind Sie Vorreiter oder Nachmacher in Sachen Mass Customization?
Wir waren die Ersten, die Müsli gemixt haben.
Eigentlich erstaunlich, dass das Potential noch
niemand vor uns erkannt hat. Müslis füllen
schließlich viele Regale in den Supermärkten.
Aber in Sachen Individualisierung sind wir keine Vorreiter, die gab es ja schon im Mittelalter.
Der Trend zu Mass-Customization, also der
kundenindividuellen Massenproduktion, kam
dann in den neunziger Jahren wieder verstärkt auf. Der Foodbereich hat einfach etwas länger gebraucht, um darauf zu reagieren.
© mymuesli
Haben wir in Zukunft nur genau auf uns zu­
geschnittene und selbst zusammengestellte
Produkte im Schrank?
Ich würde da nicht jedes Produkt über einen
Kamm scheren. Eine individuell auf meine
Bedürfnisse zugeschnittene Butter bringt
mich im Jahr 2056 bestimmt nicht weiter.
Aber ich denke, dass wir immer eine emotionale Bindung zu den Dingen in unserem Alltag brauchen. Deshalb werden wir Produkte
immer mögen, die man im Internet selber
nach dem eigenen Gusto gestalten kann.
Wer bringt mir mein Müsli in Zukunft ins Haus?
Sie spielen auf den Drohnenversand an, oder?
Ich glaube nicht, dass sich die Technologie
über die verschiedenen Branchen hinweg für
den Transport eignet. Womöglich stellen
Ausgabe 1/2014
Drohnen eine passende Versandoption für
Medikamente oder sehr eilige Sendungen dar,
aber zu Müsli passt das wohl eher nicht. Mir
schwebt eine ganz andere Richtung vor, in die
sich die Transport- und Logistikbranche ent­
wickeln könnte: soziale Vernetzung. Bislang
ist der Transport nämlich nicht über Onlineplattformen zwischen verschiedenen Anbietern und Kunden vernetzt. Das könnte sich
ändern. Dabei geht es nicht nur um Onlinevermarktung der Services, sondern um eine Art
Mitfahrgelegenheit für Pakete. Die gibt es
heute schon für Privatpersonen, über das Internet finden sich Fahrer und Mitfahrer und
kommen so gemeinsam von A nach B. In richtig großen Ballungsgebieten wie Peking oder
Jakarta könnte man in Zukunft vielleicht auch
Pakete „Dritten“ mitgeben. Es gibt bereits
einige solcher Testprojekte.
Wie sieht das Lieblingsmüsli der Zukunft aus,
ein Mix aus Daten?
Big Data ist ein Unwort, dass uns in Zukunft
aber sehr viel weiter voranbringen wird, als
wir uns das heute vorstellen können. Wir
sammeln in Passau zwar nicht wie verrückt
personenbezogene Daten, aber wir prüfen
genau, welche Sorten zu welcher Jahreszeit
wie häufig bestellt werden. Ich weiß zum
Beispiel, dass im Februar Müslis mit Nüssen
bevorzugt werden, also kann ich diese Sparte
besser planen. Wir lernen mehr über unsere
Kunden, und durch neue Analysetechnologien können wir uns auf die Verbesserung
des Produkts fokussieren.
12
Wie sieht der Müsliproduzent der Zukunft aus?
Effizient. Die Produktion wird ihren Manufakturcharakter sicherlich nicht verlieren, aber sie
wird effektiver. Wir werden mehr Strom sparen, verschiedene Systeme einbinden und
ständig dazulernen. Das vereinfacht ide Arbeit
für unsere Mitarbeiter und unsere Müslifreunde erhalten schneller ihr Wunschprodukt.
Berlin ist für viele die Trendmetropole in
Deutschland – und ein erfolgreiches Start-up
wie Sie entscheidet sich für Passau?
Mymuesli wird immer in Passau bleiben. Dort
produzieren wir mit Liebe, und deshalb geht
es uns gut. Unser Büro in Berlin ist natürlich
klasse, gerade was das E-Commerce-Geschäft
angeht. Beim Gründen denken viele sofort an
das Silicon Valley und den Prenzlauer Berg:
von heute auf morgen 300 Mitarbeiter und
unfassbare Umsätze. Aber das ist nicht realistisch, zumindest nicht für alle. Es geht doch
nicht darum, hip zu sein, sondern um den
Willen, etwas Eigenes zu machen und das
nötige Durchhaltevermögen.
Ist dieser Wille eine zeitlose Eigenschaft für
Unternehmer?
Unbedingt. Außerdem muss man mit Veränderung gut umgehen können, eigentlich muss
man sie sogar permanent suchen. Ach, und
was das Wichtigste ist: Glaubt an verrückte
Ideen! Henry Ford hat einmal sinngemäß
gesagt, dass sich Menschen neue Produkte
nicht vorstellen können. Wenn er die Leute vor
der Erfindung des Autos gefragt hätte, >
Ausgabe 1/2014
13
„Glaubt an Eure Idee“,
sagt der Gründer und
verrät sein Rezept für
die Zukunft.
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wie sie sich in Zukunft fortbewegen wollen,
hätten sie sich schnellere Pferde gewünscht.
Unternehmen mussten also schon immer
hinter ihren Ideen stehen und sie im Zweifel
gegen den Rest der Welt verteidigen.
Mit Ihrer Idee mussten Sie aber nicht in den
Krieg ziehen, um erfolgreich zu sein, oder?
Wir gingen in der Nacht zum 30. April 2007
online, nach ein paar Stunden kamen die
ersten Bestellungen. Und nach zwei Wochen
waren unsere Vorräte ausverkauft.
© mymuesli
Wie geht es dem deutschen Unternehmer in
Zukunft?
Ich habe einen guten Eindruck von der Gründerszene in Deutschland. Warum sollte das in
Zukunft nicht so bleiben? Immer mehr Hochschulen bemühen sich um die Vermittlung
der richtigen Gründerkultur, und die Finanzierungsstruktur wird auch immer besser. Vor
allem junge Gründer, die gerade von der Uni
kommen, ihr Studium womöglich nur kreditfinanziert bestreiten konnten und rasch auf
ein festes Einkommen angewiesen sind, bekommen Unterstützung. Klar, Gründen ist
hip geworden, das sollten wir mit Vorsicht
genießen. Es kann nämlich nicht nur um
Hightech-Gründer aus der IT-Branche gehen,
wir brauchen auch das kleine Kaffee um die
Ecke. Deutschland lebt von der Vielfalt im
Unternehmertum, und ich hoffe, dass wir uns
das auch in Zukunft bewahren können. <
Das Gespräch führte Eva Roßner.
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F.A.Z.-Institut, Innovationsprojekte
Jennifer Maurer
Telefon: (069) 7591 – 3205 • Mail: j.maurer@faz-institut.de
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Ausgabe 1/2014
15
Zukunftsforschung,
quo vadis?
Project“ erkundet Entwicklungsszenarien
Mit Foresight, Technikfolgenabschätzung
und Technologiefrüherkennung haben sich
solide Ansätze der Zukunftsforschung etabliert. Die erprobten Instrumentenkästen ermöglichen es, auf fundierter Basis verschiedene Zukünfte zu untersuchen. Doch sollte
die Methodenvielfalt nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zukunftsforschung eine
noch recht junge wissenschaftliche Disziplin
ist. Daher bestehen zwischen unternehmerischer Vorausschau und wissenschaftlicher
Zukunftsanalyse bisweilen deutliche konzeptionelle Unterschiede. Was sind also die
nächsten Entwicklungsschritte der Zukunftsforschung, um dieser Herausforderung zu
begegnen?
die deutsche Einheit und lotet im Zukunfts-
Integration der Kognition
Das globale Forschungsprojekt „Millennium
für die Welt von morgen. German Node ist
manager aus, in welche Richtung sich die
Zukunftsforschung entwickelt.
In der Wirtschaft erfolgt die Auseinandersetzung mit der Zukunft häufig stabsmäßig. Der
Strategiestab entwickelt vier Szenarien, >
Zukunftsmanager n Strategie und Kultur
Das „Millennium Project“ ist ein
weltweiter Think-Tank, der sich der
Erkundung globaler Zukünfte verschrieben hat und dezentral als
Nichtregierungsorganisation (NGO)
mit 49 nationalen Knotenpunkten
operiert. Der deutsche Knotenpunkt
„German Node“ wurde 2003 gegründet und vereinigt Vertreter
zentraler Institutionen der deutschen Zukunftsforschung. Grund­
lage der gemeinsamen Arbeit ist
das Ziel, eine zukunftsfähige und
im umfassenden Sinne nachhaltige
Entwicklung in Deutschland wie
Europa voranzutreiben und lang­
fristige Perspektiven vermehrt in
den öffentlichen wie wissenschaft­
lichen Diskurs einzubringen.
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14. Mai 2014
THE SQUAIRE
Flughafen Frankfurt/Main
Treffpunkt Zukunft
Schirmherr
Tarek Al-Wazir
Hessischer Minister
für Wirtschaft, Energie,
Verkehr und Landesentwicklung
Akademisierung der
Zukunftsforschung
Die nächste evolutionäre Stufe der Zukunftsforschung ist die zunehmende Akademisierung der Disziplin aus. Vor fünf Jahren gab es in Deutschland keinen einzigen
Lehrstuhl für Zukunftsforschung. Mittlerweile gehören interdisziplinäre Studiengänge, Austauschprogramme und Förderlinien
zum wissenschaftlichen Alltag. Heute gibt
es einen eigenen Masterstudiengang, ein
Executive-Education-Programm sowie >
www.lebendreipunktnull.net
Initiatoren und Veranstalter
Hauptmedienpartner
Medienpartner
Förderer
Partner
Veranstaltungspartner
Themenpartner
Kofinanziert durch
© Fotolia
„Millennium Project“
und German Node
und die Geschäftsleitung pickt sich das am
sehnlichsten erwünschte Ergebnis für die
Strategieplanung des Unternehmens heraus
– und nicht das wahrscheinlichste. So entsteht eine Verzerrung in Richtung der Erwünschtheit der Entwicklung (Desirability
Bias). Zukunftsforscher haben diese vielen
Wahrnehmungs- und Verhaltensprädispo­
sitionen (Biases) kategorisiert und empirisch
gefasst. So kann der Störeinfluss auf die
Zukunftskompetenz kontrolliert und weitgehend eliminiert werden. Diese Erkenntnisse
haben zum Beispiel Eingang gefunden in
Bias-Trainings im Management-Development. Hier kann die Zukunftsforschung helfen. Durch ein Emerging-Issue-Scanning oder
explorative quantitative und qualitative Szenarien kann der methodisch fundierte Umgang mit der Ungewissheit über Chancen
und Risiken der Zukunft besser in die Routinen des strategischen Managements integriert werden.
16
Ausgabe 1/2014
Zukunftsmanager n Strategie und Kultur
Ausgabe 1/2014
diverse Kurse und Seminare an Hochschulen. Außerdem steigt die Anzahl der Publikationen zu erkenntnistheoretischen und methodischen Grundfragen der Zukunftsforschung seit Jahren. Zwei Zukunftsforschungsjournale mit Peer-Review haben
jüngst ihre Tätigkeit aufgenommen. Immer
wichtiger werden auch Qualitätsstandards
und Gütekriterien – Evaluation und Benchmarking sind keine Fremdworte mehr. Vielleicht werden sich künftig Unternehmen
und Berater „in Foresight“ zertifizieren lassen müssen, um am Markt zu bestehen.
Dann hätten vielleicht auch selbsternannte
Propheten und „Zukunftsgurus“ weniger
Publikum als heute.
Alle unter einem Dach:
Der Zukunftsforschung
tut ein besserer Genera­
© Thinkstock
tionenmix gut.
Disziplinär in Sozialwissenschaften, Ingenieurwissenschaften oder Naturwissenschaften verankerte Zukunftsforscher organisieren sich in interdisziplinären Netzwerken unter dem Dach der Zukunftsforschung. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland
zwar immer noch zurück, doch die Tendenz
ist klar: Die Zukunftsforschung wird immer
wissenschaftlicher. Auch wenn man darüber
streiten mag, ob die Zukunftsforschung eine
eigenständige wissenschaftliche Disziplin ist
oder gar werden sollte oder ob eher der Status einer „Transdisziplin“ angemessen wäre,
spricht doch mittlerweile vieles für eine Verankerung im akademischen Raum. Der akademische Nachwuchs wird seinen Beitrag
dazu leisten, dass sich die Zukunftsforschung
im Rahmen der Forschungseinrichtungen
17
und Universitäten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen beweist und behauptet.
Verjüngung der Community
Gefühlt ist der durchschnittliche Zukunftsforscher jenseits der 50. Die „First and Second
Generation Futurists“ bringen viel Erfahrung
und ausgeprägte Kompetenzen mit. Heute
kann man aber auch schon mit 23 seinen
Master in Zukunftsforschung erhalten: frisches Blut für die Disziplin. Das ist nötig,
denn nur wenige der Nestoren hatten die
explosionsartige Verbreitung der sozialen
Medien auf dem Radar, weil kaum ein 50-Jähriger damals twitterte. Ein besserer Generationenmix tut gut, die Frage ist lediglich, wie
schnell die hierarchischen Strukturen neue
Kräfte nach oben lassen. Und mehr noch:
Können sich innerhalb der Zukunftsforschung neue Ansätze, Konzepte und Methoden schnell genug durchsetzen, um mit der
rasanten Entwicklung der digital geprägten
Realität Schritt zu halten? Onlinekooperationstools, Real-Time-Delphi und Vorhersagemärkte, die agentenbasierte Modellierung
sowie die Nutzung von Big Data zu ForesightZwecken werden ihren Weg machen – innerhalb oder außerhalb der Zukunftsforschung.
Digitalisierung der Zukunftsforschung
Bis zur weiteren Etablierung der Zukunftsforschung in der Wissenschaft ist es unabdinglich, auf Konzepte und Methoden zurückzugreifen, die bei der Unterstützung von Entscheidungen bislang gute Dienste gelei- >
Zukunftsmanager n Strategie und Kultur
© Thinkstock
dungen das komplette Spektrum der Methoden und Bedarfe abdecken. Man könnte das
„Zukunft auf Knopfdruck“ nennen, vorausgesetzt, es wurde vorher ausreichend in kollektive Intelligenz investiert. Hier ist nicht zuletzt auch die vom „Millennium Project“ entwickelte und betriebene Plattform, das „Global Futures Intelligence System“, als Beispiel
anzuführen.
Alles im Blick: Big Data
und Daten­analysen
sollten die Methoden
von Zukunftsexperten
ergänzen.
stet haben. Vor allem im Hinblick auf die
aktuellen Entwicklungen rund um Big Data
und intelligente Datenanalysen besteht die
neue Aufgabe darin, das bestehende Instrumentarium durch neue tragfähige, IT-basierte Konzepte zu ergänzen. Die Foresight-Support-Systems der Zukunft verknüpfen verschiedene Methoden und machen sie für
viele – nicht nur für Experten – anwendbar. Es
sind allumfassende webbasierte Lösungen,
die mit einer Vielzahl von Einzelanwen-
18
Ausgabe 1/2014
Die Zukunftsforschung befindet sich also im
Aufbruch. Die verstärkte Akademisierung
hinterfragt, überprüft und erweitert die vorhandenen methodischen Ansätze. Währenddessen wächst die wissenschaftliche Fundierung der Methoden. Zudem erweist sich die
interdisziplinäre Orientierung der Zukunftsforschung als Vorteil bei der Erweiterung des
Methodenraums. Die Zukunftsforschung befindet sich aber auch im Umbruch: Die
nächsten Entwicklungsschritte werden durch
den wachsenden Einfluss der Computeralgorithmen und eine neue Generation von Zukunftsforschern geprägt werden.<
Der Beitrag wurde gemeinschaftlich verfasst
von Cornelia Daheim, Chair des German Nodes,
Dr. Lars Gerhold, Mitglied des German Nodes,
Cornelius Patscha, Co-Chair des German Nodes,
Jessica Prendergast, Dr. Karlheinz Steinmüller,
Dr. Heiko von der Gracht sowie Prof. Dr. Dr. Axel
Zweck, alle vier Mitglieder des German Nodes.
Kontakt: daheim@z-punkt.de
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System (MES)
MES ist eine prozessnah operierende Ebene eines mehrschichtigen
Fertigungsmanagementsystems,
die deutsche Bezeichnung lautet
„Produktionsleitsystem“. Das MES
ermöglicht die Führung, Lenkung,
Steuerung oder Kontrolle der
Produktion in Echtzeit.
ÆÆIm Internet
Cyber-physical Systems (CPS)
CPS sind Systeme mit eingebetteter
Software und Elektronik, die über
Sensoren und sogenannte Aktoren
mit der Außenwelt verbunden sind.
Man sagt auch, dass die physikalische Welt durch CPS mit der virtuellen Welt zu einem „Internet der
Dinge“ wird.
ÆÆIm Internet
Innovationspotentiale von CPS
ÆÆIm Internet
Industrie 4.0
Industrie 4.0 ist als Zukunftsprojekt
Teil der Hightech-Strategie der Bundesregierung. Das 4.0-Konzept soll
die Informatisierung der klassischen
Industrien wie die Produktions- >
Wie läuft‘s?
Der Weg zur Industrie 4.0
Von Eva Rossner
Deutschland darf den Anschluss ans
digitale Zeitalter nicht verpassen.
Der Plan: Durch die Verbindung von
Mensch, Maschine und System soll
die Spitzenposition deutscher Unternehmen international gefestigt
und ausgebaut werden.
Die Zukunft der Industrie ist vernetzt, zumindest in der Zukunftsversion der Bundesregierung. Doch bislang ist die aktuelle Aus­
einandersetzung mit dem Thema hauptsächlich von Pilotprojekten und langfristigen Visionen gekennzeichnet. Wie die künftige Entwicklung tatsächlich verlaufen wird, ist unklar.
Dieser Informationslücke widmet sich nun die
Analyse der Beratungsfirma ROI Management
Consulting. In ihrer Studie „Industrie 4.0: Szenarien der Entwicklung bis 2034“ formulieren
die Experten unterschiedliche Zukunftsszenarien für die smarte Produktion. Im Ergebnis:
Produktionsleitsystemen wird in Zukunft eine
andere Bedeutung zukommen. Bislang spielen
die „Manufacturing Execution Systems“ (MES)
noch eine zentrale Rolle in der Produktionsplanung, doch bald schon dürften sie von „Cyberphysical Systems“ (CPS) abgelöst werden.
Keine lineare Entwicklung
Die Experten gehen in ihren Untersuchungen
davon aus, dass der intelligente Austausch
zwischen Maschinen, Lagermitteln und Betriebssystemen die gesamte FertigungsinduAutomatisierungsgrad
strie revolutionieren wird. Allerdings wird die
deutsche Industrie nicht branchenübergreifend von der Vernetzungswelle erfasst. Die
Entwicklungspfade verlaufen eher branchenspezifisch, die einzelnen Elemente von Industrie 4.0 werden stark zeitversetzt realisiert.
Die Analyse geht davon aus, dass bis zur vollständigen Vernetzung zwischen zehn und
zwanzig Jahre ins Land ziehen dürften. Das
hat aus Sicht der Forscher vor allem damit zu
tun, dass die IT-Umgebung in den Branchen
sehr unterschiedlich ausgeformt ist, für sys-
Der Weg zu Industrie 4.0
Totale Vernetzung (Industrie 4.0)
Vollkommene Vernetzung der
CPS auch werksübergreifend
Vollkommene Vernetzung
Plug & Produce
innerhalb der Fabrik
„Chaotische“
autonome Fertigung
Smart Products
Autonome
Einzelne CPS
Transportsteuerung
Social Media
Echtzeitsteuerung
M2M-Kommunikation
heute
5 Jahre
10 Jahre
20 Jahre
Zeit
© ROI Management: Consulting AG
Buzzwords aus der
4. industriellen Revolution – und was es
damit auf sich hat
19
Ausgabe 1/2014
technik vorantreiben. Die technologische Grundlage für solche Verfahren sind Cyber-physische Systeme
und das Internet der Dinge.
ÆÆIm Internet
Internet der Dinge
Mit dem Internet der Dinge ist
meist die Verknüpfung physischer
Objekte mit einer virtuellen Repräsentation in einer Internet-ähnlichen Struktur gemeint. Im Alltag
bieten beispielsweise Paketdienstleister auf Basis einer eindeutigen
Identifikation über Strichcodes oder
2-D-Codes die Möglichkeit, Pakete
im Transportprozess über entsprechende Webseiten zu verfolgen.
Ausgabe 1/2014
Szenario 1 (Zeitraum 5–20 Jahre)
Szenario 2 (Zeitraum 5–20 Jahre)
L4:
Enterprise
Resource
Planning (ERP)
Enterprise
Resource
Planning (ERP)
L3: Manufacturing
Execution System
(MES)
„Neue Zwischenebene“
L2: Line Management System
(LMS)
Automatisierung
Prozess-/Maschinensteuerung
L1: Automatisierung
Prozess-/Maschinensteuerung
ÆÆIm Internet
Manufactoring Execution Systems hat eine große Bedeutung.
Mehr Informationen
Glossar zu den relevanten
Fachbegriffen der Industrie 4.0
ÆÆIm Internet
Hightech-Strategie der
Bundesregierung
ÆÆIm Internet
temkompatible Maschinen und Betriebsmittel muss mit einem hohen Investitionsbedarf
gerechnet werden, zudem fehlen die entsprechenden Kommunikations- und Integrationsstandards.
Automatisierung verändert sich
Für die vernetzte Fertigung in Deutschland
haben die Experten einen Zeitplan aufgestellt. In den kommenden fünf Jahren bleibt
noch alles beim Alten. Klassischen Fertigungsmanagementsystemen
wie
MES
kommt weiterhin eine zentrale Bedeutung
in der Industrie zu. Doch über diesen Zeitraum hinaus verschiebt sich die Relevanz der
Steuerungssysteme. Der Grund: Je nachdem,
wie schnell das 4.0-Konzept in der deut-
20
© ROI Management: Consulting AG
Zukunftsmanager n Strategie und Kultur
MES fällt weg: Autonomie und Selbststeuerung durch CPS-Intelligenz
schen Industrie umgesetzt wird, spielen die
Planungs- und Steuerungssysteme eine unterschiedliche Rolle. Im ersten Szenario gehen die Experten von einer holprigen Implementierung der Industrie 4.0 aus und prognostizieren eine höhere Relevanz der MES
als steuernde Instanzen. In einem zweiten
Szenario sind die Berater hinsichtlich der
Umsetzung des Industrie-4.0-Konzepts optimistischer und gehen davon aus, dass die
Produktion optimal für ein digitales Zeitalter
umge­rüstet werden kann. In diesem Szenario verlieren MES an Bedeutung, Cyber-physische Systeme treten in den Vordergrund.
„Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass
der Weg hin zur vollständigen Implementierung von Industrie 4.0 keineswegs linear
und eindeutig vorgezeichnet ist“, sagt ROIVorstand Hans Georg Scheibe. „Sowohl prinzipiell unterschiedliche Szenarien als auch
stark branchen- und geschäftsmodellabhängige Lösungen und Implementierungsumfänge werden das Bild der nächsten Jahre prägen“, so Scheibe. Der Berater rät den
Unternehmen zu einer strategischen Vision
von Industrie 4.0. Dabei sollten sie unbedingt darauf achten, dass sie sich ausreichend Flexibilität bewahren, um weitere
technologische Entwicklungen aufgreifen
und die eigene Roadmap rasch anpassen zu
können. <
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
Zukunftsmanager n Produkte & Dienstleistungen
SERIE
Ausgabe 1/2014
21
Technologieakzeptanz in Deutschland Teil 3: Nanotechnologie
Chamäleon mit Vorbildfunktion
Von Isabel Werthmann
Sie ist mit bloßem Auge nicht sicht-
bar, versteckt sich jedoch in Kosmetik,
Autolack oder Düngemittel: Mit
wenig Lärm hat die Nanotechnologie
Einzug in unseren Alltag gehalten.
Sie verspricht vielfältigen Nutzen,
bringt aber auch Risiken mit sich.
Warum sich aber trotzdem niemand
an ihr zu stören scheint, kann nicht
nur an ihrer winzigen Größe liegen.
Wandelbare Zeitgenossen: Chamäleon
© Thinkstock
und Nanopartikel
Die Multi-Gusto-Pizza könnte der Traum
eines jeden Fastfood-Junkies sein, denn sie
nimmt je nach Einstellung der Mikrowelle
unterschiedliche Geschmacksrichtungen an.
Allein die Watt-Zahl entscheidet, ob die Aromen in den enthaltenen Nanopartikeln eine
Pizza Hawaii, Salami oder Funghi auf den
Tisch zaubern. Das mag Liebhaber der schnellen Küche begeistern, der Einsatz der neuen
Technologie in der Lebensmittelbranche er-
weckt jedoch auch auf Misstrauen. Ein kontrovers diskutiertes Thema also, das Felix
Seibert-Daiker, Moderator der Sendung „Erde
an Zukunft“ im Kinderkanal, reizt: „Die Nanotechnologie ist ein Thema, das diskutiert
wird, das uns beeinflussen wird und dessen
Langzeitfolgen noch nicht abzusehen sind.“
Pommes ohne Ende?
Am meisten fasziniert ihn, dass die Technologie auf so vielen Gebieten zum Einsatz
kommt. Denn die Partikel sind längst nicht
nur in Lebensmitteln enthalten. Sie stecken
in Wasser-, Schmutz- und UV-abweisender
Funktionskleidung, sorgen in der Landwirtschaft für wirksameren Pflanzenschutz, machen Sonnencremes transparenter und flüssiger oder verbessern die Wirksamkeit von
Medikamenten – die Liste ließe sich fortführen. Der Abriss spiegelt wider, in wie vielen
unterschiedlichen Lebensbereichen die Nanotechnologie unser Leben tangiert. Diese
Vielfalt birgt enorme Chancen, doch der Grat
zwischen tatsächlichem Nutzen und überflüssigem Luxus ist häufig schmal. Wo genau
diese Grenze verläuft, fragt sich manchmal
auch Seibert-Daiker.
Sein Lieblingsbeispiel sind mit Nanopartikeln
modifizierte Pommes. Die kleinen Kalorienbomben werden mit weniger Fett zubereitet,
außerdem geben sie das enthaltene Fett
nicht an den Körper ab. „Könnte ich stattdessen nicht einfach weniger Pommes essen?“,
fragt der Moderator. Das Beispiel illustriert
die vielfältigen Möglichkeiten, die neben
nützlichen Innovationen eben auch das ein
oder andere Luxusprodukt einschließen. Die
Konsumenten scheint das jedoch nicht weiter zu stören, im Gegenteil. Der Moderator ist
überrascht, wie positiv das Thema etwa im
Vergleich zur grünen Gentechnik (siehe Heft
6/2013) aufgenommen wird, obwohl die
langfristigen Risiken des Einsatzes von Nanopartikeln noch nicht geklärt sind.
Nano drauf statt Nano drin
Den Eindruck hat auch Jutta Jaksche vom Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. „Der Einsatz von Nanotechnologie in Lebensmit- >
Zukunftsmanager n Produkte & Dienstleistungen
Ausgabe 1/2014
© BASF
den Einsatz von Nanopartikeln – obwohl diese
solche gar nicht enthielten.
Nanoskalige Kristallkeime lassen Beton
schneller härten.
teln oder in Lebensmittelverpackungen wird
von vielen Verbrauchern abgelehnt“, weiß sie
aus dem Kontakt mit den Verbrauchern. In anderen Bereichen wie etwa der Medizinforschung sei die Akzeptanz jedoch größer. Wenn
es darum gehe, Krankheiten zu heilen, würden Verbraucher ein mögliches Risiko eher in
Kauf nehmen. Diese Einstellung hat sogar
schon zu einer regelrecht absurden Verbrauchertäuschung geführt. Während die meisten
Hersteller lieber kein Wort über den Einsatz
umstrittener Technologien verlieren, warben
beispielsweise Kosmetikhersteller mit einer
effektiveren Wirkung ihrer Produkte durch
Seit Juli 2013 schreibt eine Kennzeichnungspflicht den Herstellern von Kosmetikartikeln
nun vor, Nanomaterialien, die direkt mit
dem Körper in Berührung kommen, auf der
Verpackung auszuweisen. Die Verpflichtung
allein beurteilt Jaksche aber als nicht ausreichend. „Die Kennzeichnung verlagert die
Verantwortung zum Verbraucher.“ Der Staat
müsse schon vorher sicherstellen, dass Artikel mit Nanomaterialien erst dann auf den
Markt kommen, wenn jegliche Risiken ausgeschlossen sind. Das ist in einer globalisierten Welt jedoch schwer umsetzbar, da über
Importe ungekennzeichnete Ware auf den
deutschen Markt gelangt. Die Lebensmittelinformationsverordnung der Europäischen
Union, die 2014 in Kraft tritt, hält Jaksche jedoch für einen Schritt in die richtige Richtung. Das Gesetz sieht vor, dass Zutaten aus
technisch hergestellten Nanomaterialen mit
dem Zusatz „(Nano)“ ausgezeichnet werden
müssen.
Gebrauchsanweisung für die Politik
Die Kennzeichnungspflicht ist nur eine der
Maßnahmen, die Wolf-Michael Catenhusen,
stellvertretender Vorsitzender des Nationalen Normenkontrollrates und Mitglied des
Deutschen Ethikrates, der Bundesregierung
empfohlen hat. Als Vorsitzender der NanoKommission des Bundesumweltministeriums hat er die Entwicklung der Nanotechno-
22
logie in Deutschland mit verfolgt und gestaltet. Gemeinsam mit unabhängigen Experten
hat er für die Bundesregierung einen Katalog
mit Leitlinien zum verantwortungsvollen
Umgang mit der Nanotechnologie entwickelt. Einige Empfehlungen wurden berücksichtigt, andere warten noch auf ihre Umsetzung. Für eine bessere Verbraucherinformation schlägt die Kommission ein europaweites
Produktregister vor, das zusätzliche Kontrollen von Produkten aus EU-Ländern erübrigen
würde, dessen Realisierung jedoch noch aussteht.
Außerdem sollten alle Produkte, die Fragen
der Umwelt- und Körperverträglichkeit betreffen, einer professionellen Risikoforschung zugeführt werden. „Wir sind heute
zu einer sehr konkreten Risikobewertung in
der Lage“, beurteilt Catenhusen die Voraussetzungen in Deutschland. Es ist bekannt,
dass Nanopartikel nur bis zu einer bestimmten Größe in die menschliche Zelle eindringen können und dass bestimmte Stoffe
schädigend wirken. Wenn die Struktur der
Partikel nur mit Eigenschaften versehen
wird, die solche Risiken ausschließen, lassen
sich bestimmte Gefahren von vornherein
ausschalten. Die Pflicht zur Finanzierung
einer standardisierten Risikoprüfung aller
Nanoprodukte sieht Catenhusen bei der
Politik. „Die Forschung, die eine Überprüfung der Risikoangaben der Hersteller ermöglicht, muss öffentlich finanziert sein,
damit sie zu 100 Prozent unabhängig ist.“ >
Zukunftsmanager n Produkte & Dienstleistungen
Eine neue Mitmachkultur
Nanopartikel geben der
Oberfläche dieser Textilfasern eine Struktur, die
einen ähnlichen Effekt
aufweist wie die Blätter
der Lotuspflanze. Von
den Blättern dieser Pflanze perlen Wasser und
© BASF
Schmutz einfach ab.
Solche Prüfungen seien natürlich notwendig,
allerdings müssten die Bürger auch davon erfahren. „Wir brauchen in Deutschland eine
zentrale Anlaufstelle für alle, die sich über
Nanotechnologie informieren wollen“, fordert Catenhusen. Das aktuelle Informationsangebot im Internet sei unübersichtlich und
häufig von kommerziellen Eigeninteressen
geprägt. Deshalb fordert die NanoKommission von der Regierung, ein ressortübergreifendes Webangebot zu erstellen, um die Nutzer schon während der Forschungsphase einzubeziehen. „Als junge Technologie wirft die
Nanotechnologie natürlich viele Fragen auf“,
so Catenhusen. Um eine langfristige Akzeptanz der Nanotechnologie zu erreichen,
sollten diese Anliegen schnell und zuverlässig beantwortet werden.
Ausgabe 1/2014
Mit diesem Vorgehen verortet der Experte
Deutschland auf einem guten Weg. Auch
wenn die Bevölkerung der Nanotechnologie
im Lebensmittelbereich noch kritisch gegenübersteht, überwiegt seiner Ansicht nach ein
entspannter Umgang mit dem Thema. „Wenn
es darum geht, dank Nanopartikeln in den Reinigungsmitteln nur noch halb so oft mit dem
Auto in die Waschstraße zu müssen, habe ich
noch keine Protestschilder gesehen“, schmunzelt er. Doch auch in strittigen Bereichen
bleibt die Diskurskultur meist sachlich. „Wir
sind eines der Länder, die am rationalsten mit
dem Thema umgehen.“ Da die deutsche Industrie frühzeitig Begleitforschung initiiert
und den gesellschaftlichen Dialog gesucht
hat, sind verhärtete Pro-und-Contra-Lager gar
nicht erst entstanden. Catenhusen geht davon aus, dass die Industrie aus den Fehlern der
Vergangenheit gelernt hat.
Nano macht’s vor
Mit diesem Lernprozess hat die Nanotechnologie ein Exempel statuiert und kann anderen Technologiefeldern zukünftig als Beispiel
dienen. Genau diesen Ansatz verfolgt die Bayer AG. Auch wenn die Forschungstätigkeiten
im Bereich Nanotechnologie aus geschäftspolitischen Gründen eingestellt wurden, will
man hier aus der Entwicklung lernen. „Wie
schaffen wir eine innovationsfreundliche
Umwelt, die neuen Technologien und Produktionsprozessen aufgeschlossen gegenübersteht?“, umreißt Tobias Helmstorf von
Bayer die grundlegende Fragestellung. Dabei
23
wird das Thema Innovationsakzeptanz bei
Bayer konzernübergreifend diskutiert, unabhängig von Branchen und Anwendungsfeldern.
Dafür müsste aus Helmstorfs Sicht die klassische Produktentwicklung umgekrempelt
werden. Weder für Unternehmen noch für
die Kunden mache es Sinn, Produkte auf den
Markt zu bringen und erst dann festzustellen, dass es damit Probleme gibt. Deshalb
sollten zu Beginn jeder Entwicklung zuerst
mögliche Problemfelder mit den zukünftigen
Stakeholdern analysiert werden. „Um sie in
die Entwicklung einzubinden, müssen wir die
Sorgen und Ängste der Verbraucher kennen.“
Ließen sich diese Bedenken ausräumen, würde das neue Produkt voraussichtlich gut aufgenommen. Produkte, bei denen Widerstände erwartet würden, gelangten so gar nicht
erst zur Marktreife.
Reden, reden, reden
Was Helmstorf von der Nanotechnologie
lernt, sind zum einen Lösungsstrategien, die
sich auch auf andere Unternehmensbereiche
übertragen lassen, so etwa eine frühe Einbindung der Öffentlichkeit und vielfältige Informationsangebote. Zum anderen fällt ihm
auf, dass gerade im Bereich der Nanotechnologie verschiedene Strategien für die Zielgruppen der unterschiedlichen Anwendungsbereiche nötig sind. „Der Verbraucher
reagiert kritisch bei allem, was seinen
engsten Lebensraum tangiert.“ Hier sei >
Zukunftsmanager n Produkte & Dienstleistungen
Der Begriff Nano leitet sich von dem
griechischen Wort Nanos (Zwerg)
ab. Mit der Vorsilbe Nano wird der
Milliardste Teil von etwas bezeichnet. Als Vater der Nanotechnologie
gilt Richard Feynman, der bereits
1959 in einem Vortrag sagte „There‘s
Plenty of Room at the Bottom“
(Ganz unten ist eine Menge Platz).
Eingeläutet wurde die nanowissenschaftliche Revolution 1981 mit dem
Bau des ersten Rastertunnelmikroskops. Damit lassen sich Atome
nicht nur beobachten, sondern auch
mit Hilfe einer feinen Spitze verschieben. Nanotechno­logie ist auf
keine Branche oder Technologie
beschränkt. Biologen, Chemiker,
Physiker, Materialwissenschaftler,
Informatiker und Mediziner arbeiten an Anwendungen. Das Schlagwort Nanotechnologie umfasst ein
breites Spektrum an neuen Werkstoffen, Bauteilen und Systemen,
deren Funktion und Anwendung
auf den besonderen Eigenschaften
nanoskaliger Größenordnung
beruhen.
Um die Technologieaufgeschlossenheit in
der gesamten Bevölkerung zu fördern, bedarf
es verständlicher Kommunikation. Da Seibert-Daiker sein tägliches Brot mit Reden
verdient, kennt er die bestehenden Probleme
zur Genüge. „Experten neigen dazu, sich lang
und breit in einem Vokabular über die Funktionsweise einer Technologie auszulassen, das
selbst ich nicht verstehe“, bemängelt er. „Und
dabei sehe ich mich als dümmsten anzunehmenden Zuschauer.“ Deshalb könnten die
Kommunikationsexperten vor allem eines
vom Kinderfernsehen lernen: die Vermittlung
komplexer Sachverhalte in einfachen Worten. Besonders Bilder hält er für hilfreich, um
abstrakte Technologien greifbar zu machen.
Er ist jedes Mal begeistert, wenn er sieht, auf
welches Interesse komplexe technologische
Themen bei seinen Zuschauern stoßen. Wie
geht das weiter, wo wird das hinführen, fragen die Kinder ihn und er sich schließlich
selbst. „Bei so vielen Möglichkeiten fällt mir
gerade nichts ein.“ Wenn selbst er sich nicht
entscheiden kann, dann muss mit Nano ja
noch einiges möglich sein.<
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Die ersten Wasserstoffautos sollen
2015 auf den Markt kommen. In den
Fahrzeugen gibt es eine Brennstoffzelle, die das chemische Element H
in elektrische Energie umwandelt.
Der Strom wird genutzt, um Elektromotoren anzutreiben. Aus dem Auspuff kommen dann nur noch Wölkchen aus Wasserdampf.
Fernsehfreunde können sich freuen:
Dieses Jahr schon kommen 4K-Fernseher auf den Markt. Die Ultra-HDAuflösung ist mit mindestens 3.840
x 2.160 Bildpunkten viermal höher
als Full-HD. Damit werden Fernsehbilder noch schärfer und brillanter.
Pizza aus dem
3-D-Drucker
Nahrungsmittelknappheit adé:
der 3-D-Druckers könnte es möglich
machen. Zunächst ist das Konzept
allerdings für die Verkostung bei
Ausflügen zum Mars gedacht. Die
NASA arbeitet an einem 3-D-Drucker
für Lebensmittel, damit sich die
Astronauten auf dem Weg durchs
All mit Pizza versorgen können.
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Der neue BRAVIA X9 von Sony mit
4K-Technologie.
© Sony
© Toyota, Honda
© NASA
Mobilität auf Wolke 7
Datenuhren &
Computerbrillen
Der Computer zum Anziehen galt
lange als Utopie. Doch nun sollen
die sogenannten Wearable Com­
puter marktreif sein. Google will
seine Brille noch 2014 in die Läden
bringen, die intelligente und An­
droid-betriebene Galaxy Gear von
Samsung wurde bereits in den USA,
England und Südkorea vermarktet.
Zukunftsmanager n Produkte & Dienstleistungen
27
Ausgabe 1/2014
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Big Data hat ein Imageproblem.
Dabei bietet die smarte Daten­­ana­lyse nicht nur Potential für
Geheimdienstaffären. Die Techno­
logie könnte in Zukunft auch dabei
helfen, die Lebensmittelkontrolle zu
optimieren. Mit Hilfe der digitalen
Überwachung könnte der Weg des
Steaks vom Stall bis zum Teller
transparent werden.
Es kann alles, vor allem schnell
kaputtgehen: das Smartphone.
Entweder es fällt runter oder der
Nutzer tritt drauf – das wird sich
nicht ändern. Vielleicht reparieren
sich aber Glas, Plastik oder Asphalt
bald selbst, denn Forscher arbeiten
an unzerstörbaren Superwerkstoffen. Sie kleben oder verschmelzen und wachsen so eigenständig
wieder zusammen.
Vergammelte Speisen zu überhöhten Preisen – das dürfte in Zukunft
nur noch der Liedtext einer Popgruppe sein. Fraunhofer-Forscher
haben eine Sensorfolie entwickelt,
die in die Packung integriert wird
und dort die Qualitätskontrolle
übernimmt. Bei verdorbener Speise
warnt sie durch einen Farbwechsel.
© Fraunhofer EMFT
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Gäste haben zunächst
keine utopischen Anforderungen: gutes Essen,
gute Preise und quali­
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Ausgabe 1/2014
29
Luxusleben oder Hüttenzauber?
Von Eva Rossner
Ruhig gelegen und dennoch „the
place to be“: Das Hotel der Zukunft.
Doch was interessiert die Gäste wirklich? Im Forschungsprojekt »Future-
Hotel« untersucht das Fraunhofer IAO
aktuell, was sich der Gast im Hotel
von morgen wünscht und welche
Anforderungen er in Zukunft hat.
Ein tropfender Wasserhahn, eine harte Matratze oder stoffeliges Personal: Nur eine
einzige Nacht im falschen Hotel kann eine
Dienstreise zur Zerreißprobe für die eigenen
Nerven und das angesetzte Meeting werden
lassen. Wer den wohlverdienten Urlaub gar
in der Baugrube verbringt und dabei noch
kalten Kaffee und einen schimmeligen Pool
vor der Nase hat, entgleist womöglich völlig.
Um Wutanfällen vorzubeugen und die Anforderungen an das Hotel der Zukunft zu ergründen, untersucht das Forschungsprojekt
„FutureHotel“, was sich der Gast von morgen wünscht. In einer aktuellen Studie
haben die Experten insgesamt 3.380 Hotel-
gäste im deutschsprachigen Raum zu ihren
Bedürfnissen befragt. Im Vordergrund standen Fragen zum Reiseverhalten, zu Hotelauswahl und Buchung, zur Nutzung von
Technologien sowie zur Ausstattung und
zum Serviceangebot.
Gutes Essen und nette Menschen
Die Gäste aus Deutschland, Österreich und
der Schweiz sind sich einig: Das Know-how
der Mitarbeiter und ihre Servicequalitäten
sind ausschlaggebend dafür, wie sich der Aufenthalt in der Unterkunft anfühlt. Und weil
Liebe bekanntlich durch den Magen geht, ist
den Gästen ebenso wichtig, inwiefern kulinarische Köstlichkeiten für ihr leibliches Wohl
sorgen. Dabei möchten sie die Rechnung gern
im Blick behalten und wünschen sich deshalb
transparente Kostenangaben. Nette Menschen, gutes Essen und das Ganze zu einem
vernünftigen und nachvollziehbaren Preis:
Der Hotelgast der Zukunft äußert sich bodenständig und erwartungsgemäß.
Doch damit nicht genug, der aktuelle Trend
zur personalisierten Gestaltung von Konsumprodukten schlägt sich auch in der >
Zukunftsmanager n Produkte & Dienstleistungen
Das Verbundforschungsprojekt
„FutureHotel“ ist unter der Leitung
des Fraunhofer IAO als Innovationsnetzwerk in Zusammenarbeit mit
wichtigen Wirtschaftspartnern
konzipiert. Im Rahmen des Projekts
wird über Fragestellungen für das
Hotel der Zukunft nachgedacht.
Es geht darum, relevante Schlüsselentwicklungen und deren Auswirkungen auf die Hotellerie zu analysieren sowie Optimierungspoten­
tiale im Hotelbetrieb sichtbar zu
machen. Das Ziel: neue und zukunftsweisende Lösungen aufzu­
zeigen, die technologische Inno­­
vationen sowie wirtschaftliche,
öko­logische und gesamtgesellschaftliche Gesichtspunkte
berücksichtigen.
Mehr zur Zukunft des Hotels
ÆÆIm Internet
Umweltschutz nicht im Hotel
Ein spannendes Ergebnis der Studie: Das
Hotel der Zukunft braucht in Sachen Nachhaltigkeit nicht zu punkten. Während jeder
Dritte der Befragten zu Hause großen Wert
auf Umweltschutz legt, fallen Nachhaltigkeitskriterien bei der Auswahl der Unterkunft nicht groß ins Gewicht. Nur jeder
30
zehnte Gast befasst sich mit Umweltschutz,
über die Hälfte der Befragten kennt sich
nach eigenen Angaben bislang nicht gut
mit Hintergründen und gängigen Zertifi­
zierungen für umweltschonende Hotels
aus.<
e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
© gee-ly, Zürich und Fraunhofer IAO, Design: LAVA
Hotel of the future
Hotelbranche nieder. Hoteliers und Reiseanbieter sollten aufhorchen, denn bei all den
kalkulierbaren Annehmlichkeiten möchten
die Gäste ihr Versorgungsprogramm in Zukunft individuell zusammenstellen. Am
liebsten schon vor der Ankunft, fast wie im
Kino oder bei der Sitzplatzauswahl im Flugzeug. Ob es um die passende Ausstattung
geht, den Blick vom Balkon oder gar das
Stockwerk, in dem das Zimmer liegen soll:
Die Hälfte der Befragten möchte ihr Hotelzimmer per Mausklick selbst auswählen.
Am liebsten würden sie auch die Aufenthaltsdauer selbst bestimmen wollen, denn
die Festlegung auf das Urlaubspaket en bloc
ist out. So würden 75 Prozent der Hotelgäste
ihren Aufenthalt gern nach Nächten buchen
oder bei Bedarf die Abreise um bis zu drei
Stunden nach vorn oder hinten verschieben.
Die personalisierten Angebote sollten sogar
so weit reichen, dass starre Zeitvorgaben
durch flexible Check-in- und Check-outZeiten ersetzt werden. Individuell sollte sich
auch die Arbeitsatmosphäre in der Unterkunft gestalten lassen. Das beginnt bei der
mobilen Technik und den möglichen Datentransfers und endet bei unterschiedlichen
Arbeitsplatzvarianten. Vor allem Geschäftsreisende würden in ihrer Unterkunft gern
zwischen gemütlichem Sitzplatz mit Tisch
in Kaffeehaus-Atmosphäre, Einzelarbeitsplatz im Hotelzimmer, ausgestattet wie im
Büro, oder einem großen Esstisch für kommunikatives gemeinschaftliches Arbeiten
wählen.
Ausgabe 1/2014
Kunden wollen in
Zukunft flexibel bestim-
men, wann sie anreisen,
wo das Zimmer liegt und
wie lange sie bleiben.
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Zukunftsmanager n Ausgabe 1/2014 31
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14. März 2014
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26. März 2014 – Frankfurt am Main
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Die Veranstaltung ist für CMOs und
Unternehmensvertreter kostenfrei.
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Kommunikationssteuerung 3.0 –
international, integriert, intermedial
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Casinogebäude
Anmeldung und Information: www.faz-institut.de/kommunikations-controlling
Veranstalter
In Kooperation mit
Medienpartner
Zukunftsmanager n Lebenswelten
SERIE
Beitrag „Zukunft der
Ernährung“ aus der
Ausgabe 6 / 2013
Ausgabe 1/2014
32
NACHHALTIGKEIT Teil 3: Ernährung
Die Zukunft der Ernährung
nachhaltig gestalten
ÆÆIm Internet
Von Ullrich Lorenz
Die Ernährung der Zukunft sollte
nachhaltig sein. Diese Aussage findet
breite Zustimmung. Schwierig wird es
bei der Umsetzung, den hier gibt es
eine Vielzahl unterschiedlicher Ideen
und Positionen. Doch welche Rolle
spielt das Thema Ernährung in der
© Thinkstock
aktuellen Nachhaltigkeitsdebatte?
Freizeit, Wohnen und Ernährung – wie genau
soll eine nachhaltige Lebensweise in Zukunft
ausgestaltet sein? In sieben Szenarien zum
Thema „Ernährung nachhaltig gestalten“
wurde deutlich, wie ein nachhaltiger Umgang mit dem Thema Ernährung in Zukunft
aussehen könnte (siehe Beitrag in Ausgabe
6/2013). Die Ergebnisse zeigen, dass Aspekte
der Nachhaltigkeit selbst in einer industriell
hochentwickelten Lebensmittelproduktion
umfassend berücksichtigt werden können.
Nachhaltige Ernährung – Lösungen
Im Szenarioprozess „Ernährung nachhaltig
gestalten“ wurden nachhaltige Lösungen für
das Nahrungsmittelsystem der Zukunft konstruiert (siehe Beitrag in Ausgabe 6/2013).
Eine Herausforderung, denn die Lösungen
sollten eine ökologische Entlastung beinhalten, gleichzeitig aber auch sozial gerecht
sowie wirtschaftlich tragfähig sein. Dazu
musste die gesamte Wertschöpfungskette
von der landwirtschaftlichen Produktion
über die Weiterverarbeitung bis hin zum
Handel und schließlich der Entsorgung der
Reste betrachtet werden. Wie genau sind die
Forscher bei ihrer Untersuchung vorgegangen? Zunächst wurden 18 Schlüsselfaktoren
identifiziert, dann mögliche Lösungsalternativen diskutiert und daraus schließlich sieben
mögliche Lösungsszenarien entwickelt. Im
Vordergrund standen dabei die Fragen, welche der Lösungen die größte Nähe zum heutigen Zustand hat, welche Lösungen von den
meisten Menschen erwartet werden und
welche wirklich gewünscht sind. Schließlich
wurden die Lösungsräume mit den zuvor
entwickelten Kontextszenarien abgeglichen,
um herauszufinden, welche der Lösungen
sich als besonders robust erweisen könnte.
Effizienz und Verantwortung
Die sieben Szenarien unterteilen sich in zwei
Dimensionen: eine räumliche Dimension
(global, regional, lokal) und eine Akteurs­
dimension (konsumenten- oder anbieter­
getrieben). Globale Lösungen sind eher effi­
zienz- und technikgetrieben, die lokalen
Lösungen zeichnen sich eher durch „Selbermachen“ und Eigenverantwortlichkeit aus.
Beide Ausrichtungen bieten zunächst ei- >
Zukunftsmanager n Lebenswelten
Ausgabe 1/2014
33
ne Entlastung auf der ökologischen Seite und
erfüllen die gesetzten Kriterien von Nachhaltigkeit. Dabei geht es zum einen um Nachhaltigkeit durch Effizienz, zum anderen um
Nachhaltigkeit durch Eigenverantwortlichkeit.
Verschiedene Szenarien
für das Nahrungsmittel-
© ScMI AG
system der Zukunft.
Effizienz lässt sich zumeist durch Skalen­
effekte und Technisierung erreichen. Dazu
werden große Mengen in hochspezialisierten Prozessen produziert und verarbeitet.
Hohe technische und hygienische Standards
können dabei eingehalten werden. Der Konsument muss sich mit diesem Prozess nicht
auseinandersetzen. Er verlässt sich auf eine
große Auswahl, hohe Qualität und hohe
hygienische Standards bei relativ günstigen
Preisen. Das Wissen um die Hygiene, die Qualität der Verarbeitung und den Ursprung der
Grundstoffe liegt vollständig auf der Seite
der Produzenten. Eine Gegenströmung dazu
lehnt eine solche Abkopplung von der Öko­
logie und die damit verbundene Fremdbestimmung des Konsumenten durch den Produzenten ab. Aus dieser Perspektive heraus
soll die Nahrungsmittelproduktion naturnah
und naturverträglich sein. Das Wissen darüber, woher die Grundprodukte kommen,
steht im Vordergrund. Die Lebensmittelproduktion orientiert sich an der Region und an
den Jahreszeiten und nimmt eine eingeschränkte Vielfalt und möglicherweise auch
höhere Preise in Kauf – oder produziert gleich
selbst. >
Zukunftsmanager n Lebenswelten
Mehr Informationen
Die Gesamtstudie steht hier zum
kostenlosen Download bereit:
© Thinkstock
ÆÆIm Internet
Nachhaltige Lebens-
mittelproduktion, da
liegen bei den Befragten
Wunsch und Erwartung
nicht weit auseinander.
34
Ausgabe 1/2014
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Wünsche und Erwartungen
Nachdem die Lösungsraumszenarien ausgearbeitet waren, sollten die Befragten der Untersuchung ihre Bewertung abgeben: Welche der Szenarien sind erwünscht, welche
werden erwartet, und welche Szenarien entsprechen am ehesten der heutigen Situation? Besonders interessant waren die Ergebnisse zu den Erwartungen sowie zur geschätzten Nähe zu heutigen Entwicklungen:
Sie waren beinahe deckungsgleich. Wer also
erwartet, dass die Zukunft der Ernährung in
der industriellen Lebensmittelproduktion
liegt, geht ebenfalls davon aus, dass diese Erwartung gar nicht so unrealistisch ist. Die
der heutigen Zeit als ähnlich empfundenen
Szenarien sind geprägt durch Technisierung,
durch stark vorverarbeitete Lebensmittel
und damit durch einen hohen Grad an
Fremdbestimmung. Die starke Überschneidung von Erwartungsraum und der „Nähe
zum Heute“ macht deutlich, dass in der Gesellschaft das Bild von der technisierten und
effizienzgetriebenen Nahrungsmittelindustrie dominiert und sich das auch nicht unbedingt ändern wird. Die Lösungen, die gewünscht werden (der „Wunschraum“), zeichnen sich hingegen durch einen regionalen
und lokalen Bezug aus und sind durch
Selbstbestimmtheit des Konsumenten, der
gleichzeitig auch Produzent sein kann, definiert. Allerdings wird eine solche Entwicklung von den Teilnehmern nicht unbedingt
erwartet.
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Vom Wunsch zur Wahl
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Zukunftsmanager n Lebenswelten
Vor mehr als zehn Jahren hat die
Bundesregierung die nationale
Nachhaltigkeitsstrategie „Perspektiven für Deutschland“ beschlossen
und damit unterstrichen, dass eine
nachhaltige Entwicklung zentrales
Ziel ihres Regierungshandelns ist.
Die Vorzeichen haben sich seitdem
verändert, die Leitlinien jedoch bestehen nach wie vor: Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, sozialer Zusammenhalt und internationale Verantwortung. Wie kann den
umweltbezogenen Zielen der Nachhaltigkeitsstrategie näher gekommen werden? Um Antworten auf
diese Frage zu finden, haben das
Umweltbundesamt und das Bundesumweltministerium die ScMI AG
beauftragt, „integrierte Nachhaltigkeitsszenarien zur Erreichung der
umweltbezogenen Ziele der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie“ zu
erarbeiten. In einer Serie stellt der
„Zukunftsmanager“ jeweils die einzelnen nachhaltigen Lösungsszenarien vor und diskutiert, wie sich diese Lösungen in möglichen Kontexten entwickeln könnten. In der kommenden Ausgabe, die am 15. April
erscheint, lesen Sie, wie sich die
Wohnsituation vor dem Hintergrund nachhaltigen Handelns entwickeln könnte.
Die hier wiedergegebene Meinung muss
nicht zwingend mit der Meinung des Umweltbundesamtes übereinstimmen.
Nachhaltigkeit im Spannungsfeld
Es geht also einerseits darum, Nachhaltigkeit
durch eine Maximierung der (technischen)
Effizienz zu erreichen. Andererseits sollen
Stoffkreisläufe weitgehend geschlossen werden. Das bedeutet, dass in einem System keine Abfälle mehr entstehen, sondern nur noch
verwertbare Rohstoffe. Dabei ist durchaus
eine hohe technologische Orientierung gegeben, die diese Wiederverwertbarkeit ermöglicht (Konsistenz). Schließlich geht es
darum, dass nicht mehr das „Wie“, sondern
das „Wie viel“ in das Zentrum der Betrachtung gerückt wird (Suffizienz). Während „Suffizienz“ einst häufig als „Verzichts- und Umverteilungsstrategie“ kritisiert wurde, wird
der Ansatz heute stärker in Richtung eines
nichtmateriellen Wohlstandsmodells interpretiert. Er gilt sogar als Lösung für Zivilisationsprobleme, die sich in stressbedingten
Krankheiten oder wachsender sozialer Isolierung niederschlagen.
Legt man diese Grundstrategien zugrunde, so
wird deutlich, dass sich die Szenarien in
einem Spannungsfeld von Konsistenz und
Effizienz auf der einen und „moderner“ Suffizienz auf der anderen Seite befinden. Eine
nachhaltige Lösung wird sich eher nicht in
den Extremen finden lassen. Es lohnt sich daher, sich auch einmal diejenigen Lösungsszenarien anzuschauen, die nicht den „Extremen“ zugeordnet sind und Elemente beider
Dimensionen tragen. Hier ist tatsächlich eine
Mischung aus eigenverantwortlichem Kon-
35
sum und einer regional organisierten Arbeitsteilung zu erkennen. Sowohl die industrielle
Nahrungsmittelproduktion als auch die reine
Selbstversorgung spielen in diesen Lösungsräumen keine dominierende Rolle, wohl aber
das systematische Nutzen der technologischen Innovationen, um Effizienzgewinne
abzuschöpfen, sowie eine klare Rolle des verantwortlichen, fordernden und gestaltenden
Konsumenten. Derartige Lösungsräume fügen sich übrigens in den positiven Erwartungsraum der Kontextszenarien ein.
Als mögliche Schlussfolgerung lässt sich
festhalten, dass die nachhaltige Gestaltung
der Nahrungsmittelversorgung sowohl aus
Produzenten- als auch aus Konsumentensicht ein hohes Verbesserungspotential bietet. Eine moderne Nachhaltigkeitspolitik
muss die drei Gestaltungsprinzipien der
Nachhaltigkeit – Effizienz, Konsistenz und
Suffizienz – zugleich, im Wesentlichen aber
den Menschen, der Nachhaltigkeit leben soll,
mit in die Konzepte einbeziehen.<
Ullrich Lorenz
ist wissenschaftlicher
Mitarbeiter im Fachgebiet
1.1 – Grundsatzfragen, Nachhaltigkeitsstrategie- und
-szenarien im Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau.
ullrich.lorenz@uba.de
© Thinkstock
Zukunftsmanager-Serie
„Nachhaltigkeit“
Ausgabe 1/2014
Effizienz versus Konsis-
tenz – Nachhaltigkeit ist
ein weites Feld.
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Zukunftsmanager n Ausgabe 1/2014 36
g
n
u
n
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Ne
Zukunft
Chemie
Perspektiven auf die Welt von morgen
Facts:
256 Seiten
Leinen Hardcover
mit Kunstplakat als Banderole
Preis: 34,90 Euro
ISBN: 978-3-89981-788-1
I
Medikamente
und Therapien
Illustr atIon
orI a na fen w Ick
Die Chemie
braucht den
kontroversen
Dialog mit der
Gesellschaft
Dr. rola nD mohr
Dr. roland mohr ist Geschäftsführer von Infraserv
höchst.
20
8
Das Buch beleuchtet aus unterschiedlichen Blickwinkeln die zehn wichtigsten,
internationalen Herausforderungen der
Chemiebranche: Von der Zukunft der
Medikamente und Therapien, über die
Trinkwasserqualität und landwirtschaftliche Produktivität bis hin zur Kern- und
Solarenergie. Unter den Autoren finden
sich nationale wie internationale
Meinungsführer, unter anderem Prof.
Dr. Dr. Andreas Barner, Marijn Dekkers,
Prof. Dr. José Goldemberg, Günther
H. Oettinger, Carlo Petrini oder Dr. Hagen
Pfundner. Daneben präsentieren junge
Illustratoren in Bildern und Gedanken ihre
persönliche Zukunftsperspektive auf die
unterschiedlichen Themenfelder.
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Zukunftsmanager n Kurz notiert
Das Buch verfolgt
zwei Ziele: Soziale
Innovatoren werden praxisnah in
der unternehmerischen Entwicklung
ihrer Vorhaben unterstützt. Entscheidern in Wirtschaft und Politik
soll das Potential von Social Business und Social Entrepreneurship
auf­gezeigt werden.
Franz-Theo Gottwald, Klaus Sailer,
Karl Peter Sprinkart: Fair Business:
Wie Social Entrepreneurs die Zukunft
gestalten. Walhalla Fachverlag 2013.
ISBN-13: 978-3802935855
Mai – Juni 2014
Technologie- und Innovationsmanagement
in KMU
Frankfurt am Main
Markt, Managementsysteme, Ideen und
Team: In vier Modulen gibt die Veranstaltung
Einblick in den gesamten Innovationsprozess. So soll das Innovationsmanagement
besser auf Zukunftsmärkte ausgerichtet sowie Potentiale für neue Geschäftsmodelle
erkannt werden.
ÆÆIm Internet
News
Der Natur auf die Füße geschaut
Sie scheinen an der Oberfläche festzukleben
und können sich doch problemlos darauf
bewegen: Geckos. Dank feinster Härchen an
ihren Füßen bleiben sie sogar kopfüber an
Glasscheiben haften. Diese Technik haben
sich jetzt Forscher der kanadischen SimonFraser-Universität in Burnaby zu nutze
gemacht. Die Wissenschaftler haben einen
Roboter entwickelt, der sich an der Außen­
37
Veranstaltungen
© Simon Fraser University School of Engineering Science/MENRVA
Fair Business:
Wie Social Entre­
preneurs die Zukunft
gestalten.
Ausgabe 1/2014
seite von Raumschiffen oder Satelliten entlang bewegen kann. Die Europäische Weltraumagentur ESA teilte mit, dass der Roboter
in Zukunft sowohl auf der Erde als auch im
Weltraum eingesetzt werden könnte. Einen
Test im luftleeren Raum und unter extremen
Temperaturen haben die Roboter-Füße in
einem ESA-Labor im niederländischen Noordwijk jedenfalls bestanden.
20. – 21. Mai 2014
PERSONAL2014 Süd
Stuttgart
Wie sich Arbeitgeber dem demographischen
Wandel stellen können, erfahren Personalverantwortliche auf PERSONAL2014 Süd in
der Messe Stuttgart. Vorträge und Ausstellungsinhalte beleuchten innovatives Employer Branding, Personalentwicklung sowie
Software für die Personalarbeit.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager n Kurz notiert
Welche Konsequenzen wird es
haben, wenn in
Zukunft die über­
wiegende Mehrheit der Weltbevölkerung online ist? Eric Schmidt,
Google-Manager und ObamaBerater, und Jared Cohen, Chef von
Googles Denkfabrik und ehemaliger
Berater von Condoleezza Rice beantworten Fragen rund um die neue
digitale Welt.
Eric Schmidt, Jared Cohen: Die Vernetzung der
Welt: Ein Blick in unsere Zukunft.
Rowohlt E-Book, 2013. ISBN-13: 978-3498064228
News
Bombensicher – Softwareentwickler planen
Luxusleben im Bunker
Larry Hall müsste dieses Objekt unter der
Rubrik „unterirdische Lage“ anpreisen, doch
das tut der Exklusivität des Immobilienobjekts keinen Abbruch. Der ehemalige Softwareentwickler aus dem US-Bundesstaat
Kansas hat eine Luxusimmobilie konstruiert,
die allen Komfort verspricht. Im ausgedienten
Abschussbunker einer Atlas-Interkontinentalrakete hat der Entwickler eine der sichersten
Luxusüberlebenswohnanlagen der Welt geschaffen. Mit knapp drei Meter dicken Betonwänden liegt das Reservoir bis zu 53 Meter
tief in der Erde verborgen. Dort behält man
selbst bei einem Atomschlag einen kühlen
Kopf. Einziger Haken: Die Luxusbuden sind zu
überirdischen Preisen zu haben. Zwischen
1,5 Millionen und 3 Millionen US-Dollar muss
der Sicherheitsbedürftige berappen, um eines
38
Veranstaltungen
der Apartments sein Eigen zu nennen. Doch
das ist bei der Wohnungsgröße keine Seltenheit: Wohnobjekte mit Flächen zwischen
75 und 170 Quadratmeter sind auch in Frankfurt hochpreisig ausgezeichnet. Allerdings
dürfen Bewohner dort selten durch ausgedehnte Badelandschaften, Frischwasseraquarien und Hydrokulturanpflanzungen wandern. Die gehören in der Bunkeranlage zum
Lebensstil. Der Bauherr versichert: Die abgelegene Anlage unter der Einöde von Kansas sei
bis zu fünf Jahre autark. Während oben der
Weltuntergang tobt, können sich die Bewohner also entspannen. Die Farben der LEDBeleuchtung orientieren sich am Tageslichtverlauf, Megabildschirme in den Wohnräumen simulieren den Blick auf San Francisco,
in fischreiche Korallenriffe oder ins All.
© Luxury Survival Condo
Die Vernetzung der
Welt: Ein Blick in
unsere Zukunft.
Ausgabe 1/2014
27. Februar 2014
Internationales Lasersymposium 2014
Dresden
Das Internationale Lasersymposium präsentiert aktuelle Entwicklungen und Innova­
tionen zum Einsatz von Faser- und Scheibenlasern sowie Hochleistungsdiodenlasern in
verschiedensten Bereichen der Materialbearbeitung.
ÆÆIm Internet
20. März 2014
Cloud Computing – Akzeptanzfaktoren
House of IT, Darmstadt
Was macht Unternehmen erfolgreich?, Wo
liegen die Herausforderungen?, Welche IKTLösungen werden eingesetzt? Die Beantwortung dieser Fragen steht im Mittelpunkt der
Kompass-Veranstaltung.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager n Kurz notiert
Ausgabe 1/2014
Veranstaltungen
Aldous Huxley; Brave New World.
Vintage Books 2006. 6. Auflage.
ISBN-13: 978-0099477464.
© Dirk Mahler / Fraunhofer IFF
Brave New World
Das Buch ist bereits
1932 erschienen, was
der Aktualität des
Inhalts aber keinen
Abbruch tut. Es geht
um Vernetzung, Stabilität und
Identität – Themen von heute und
morgen.
39
News
Industrie 4.0: Die Zukunft gehört Unternehmen mit dem
entsprechenden Fachpersonal
Wer seinen Kontrahenten im Wettbewerb
um die digitale Vorherrschaft in Zukunft einen Schritt voraus sein will, muss längst
nicht mehr die besten oder billigsten Maschinen herstellen. Der Kampf wird vor allem
auf dem Gebiet der Informationstechnik
ausgetragen. Entscheidend für die künftige
Marktposition dürfte daher die Fähigkeit der
Unternehmen sein, Massendaten in Echtzeit
zu analysieren – und über das dafür benötigte Personal zu verfügen. Bislang haben das
vor allem die großen IT-Konzerne aus den
USA geschafft. Daher resultieren auch die
Bedenken der deutschen Industrie, dass das
große Geschäft auch künftig vor allem große
US-amerikanische IT-Konzerne wie Google
oder IBM machen. Deutschland könnte sich
aber positionieren, indem es das industrielle
Internet vorantreibt. Das Schlagwort lautet
Industrie 4.0 – doch da ist Eile geboten.
Denn auch hier holen die transatlantischen
Freunde auf. Der US-Konzern General Electric dient als Beispiel: Um das Geschäft mit
dem industriellen Internet in Europa voranzutreiben, stockt der US-Konzern seine Entwicklungsabteilungen derzeit um 20 Prozent mit Softwareentwicklern auf. Und das
sei erst der Anfang, in Europa wolle der Konzern in den kommenden Jahren nochmals
mehrere Hundert Entwickler einstellen.
Wenn Daten der Rohstoff der Zukunft sind
und deutsche Konzerne ihre Geschäfte damit befeuern wollen, sollten die Investitionen in das entsprechende Fachpersonal
ausgeweitet werden. Entsprechende Schulungsangebote bietet zum Beispiel das
Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyseund Informationssysteme IAIS.
14. Mai 2014
Leben 3.0. – Treffpunkt Zukunft
Frankfurt am Main
„Leben 3.0 – Treffpunkt Zukunft“ gibt einen
Einblick in die Welt von morgen: Welche
gesellschaftlichen Trends bieten neue Chancen und Herausforderungen? Welche neuen
Innovationen werden gerade entwickelt?
Welche Vorteile bringen diese dem Verbraucher? Wo existieren Technologie- oder Zukunfts-ängste, und wie kann man diese ausräumen?
ÆÆIm Internet
25. Juni 2014
Industrie 4.0 meets Lean
Regensburg
Das Top Transfer Forum „Industrie 4.0 meets
Lean“ zeigt, dass mit der 4. industriellen
Revolution das Thema Lean Management
einen neuen Auftrieb erfährt. Ziel der Veranstaltung ist es, nicht auf der Metaebene
aktuelle Themen zu diskutieren, sondern
einen nachhaltigen Wissenstransfer beim
Teilnehmer zu erreichen.
ÆÆIm Internet
Zukunftsmanager n 15 Fragen an
Ausgabe 1/2014
40
15 Fragen an Dieter Walch
Dieter Walch, ehemaliger ZDF-Wetterfrosch, Mathematiker und Buchautor
Wie möchten Sie im Jahr 2030 leben?
In einer Welt, die noch Jahreszeiten kennt
und nicht überflutet ist. Aber ich bin guter
Dinge, dass der Klimawandel bis dahin noch
nicht so katastrophale Ausmaße angenommen hat, wie es in einigen Szenarien den Anschein hat.
Wo möchten Sie 2030 leben?
Ich bleibe in Mitteleuropa. Allerdings sollten
wir uns dringend um tragfähige Lösungen
bemühen, um den Lebensraum hier zu erhalten und für alle auch in Zukunft lebenswert
zu gestalten.
Worauf möchten Sie 2030 verzichten können?
Auf das Auto in seiner heutigen Form. Das ist
für mich ein aussterbender Dinosaurier.
Welche Erfindung würde Sie überraschen?
Ein solares Minikraftwerk, dass für den persönlichen Gebrauch erworben werden kann.
Welcher Zukunftstrend ist Ihnen schon heute
ein Dorn im Auge?
Die Entpersonalisierung und damit die
zunehmende Anonymität des Alltags.
Welcher Trend bestimmt 2030 die Welt?
Ich fürchte, dass es die exponentielle Zunah-
me der weltweiten Konflikte sein wird. Die
Ursachen sind Verschwendung in den Industrienationen sowie Bevölkerungswachstum
und Armut in der Dritten Welt.
Welcher Trend der kommenden zehn Jahre
wird in 30 Jahren schon wieder überholt sein?
Worauf möchten Sie nie verzichten müssen?
Auf eine Welt, in der es immer noch viele
Menschen gibt, die Konflikte auf friedliche
Art lösen können.
Die sozialen Netzwerke als Vehikel für die idio-
Was muss noch erfunden werden?
Wir brauchen ein Speicher- und Transport­
system, das es erlaubt, die Sonne als einzige
Energiequelle weltweit zu nutzen.
Ich selbst als zehnjähriger Junge – mit mei-
tische Weitergabe der intimsten Informationen.
Wer oder was würden Sie in 20 Jahren sein
wollen?
ner heutigen Erfahrung –, dann könnte ich
sehen, wie die Menschheit mit den Problemen des 21. Jahrhunderts umgehen wird.
Ben Hur, Martin Luther, Nelson Mandela oder
Luke Skywalker: Mit wem würden Sie aus welchen Gründen tauschen wollen?
Einen Monat lang mit Ben Hur, um mich über
das Zusammenleben der unterschiedlichen
Schichten im Alltag der damaligen Hochkultur zu informieren.
2014, 2150 oder 3210: Wann würden Sie
warum am liebsten leben wollen?
Aus Neugier im Jahre 2150. Dann könnte ich
sehen, ob die heutigen mahnenden Appelle
geholfen haben. Ich fürchte, dass ich sehr
enttäuscht werden würde.
Womit beschäftigen Sie sich 2030 am liebsten?
Ich denke, dass ich mich weiterhin mit dem
Klimawandel und seinen Folgen beschäftigen werde.
Welche Reform wird 2030 von zentraler
Bedeutung sein?
Die Reform der Vereinten Nationen. Nur eine
starke UN wird die globalen Probleme dieses
Jahrhunderts lösen können.
Der Held im Jahr 2030: Was kennzeichnet ihn?
Es wird keinen einzelnen Helden geben, sondern viele Nichtregierungsorganisationen,
die weltweit an den sozialen Brennpunkten
tätig sind und für viele bedürftige Menschen
zu Helden werden.
Dieter Walch
moderierte fast drei
Jahrzehnte lang
den Wetter­bericht
im ZDF. In Frankfurt
am Main studierte
Walch Mathematik
und Physik und
schloss 1968 an der
FU Berlin das Studium der Meteorologie ab. Nach acht Jahren als Dozent
für Satelliten- und Flugmeteorologie
bei der Bundeswehr wechselte er
1981 zum ZDF. 28 Jahre blieb er unter
den „Wetterfröschen“ dem Sender
treu. 2011 erhielt er den EMS Broadcast. In seinen Büchern, Aufsätzen
und Vorträgen beschäftigt er sich bis
heute mit Wetter und Klima sowie
mit den dramatischen Folgen des
Klimawandels für Politik, Wirtschaft
und Gesellschaft.
Die nächste Ausgabe
erscheint am 15. April 2014.
Zukunftsmanager n Corporate Partners | Expertenbeirat
Die Partner des Zukunftsmanagers
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Expertenbeirat
Herausgegeben von
Ausgabe 1/2014
41
Zukunftsmanager n Impressum | Kontakte
Impressum
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F.A.Z.-Institut für Management-,
Markt- und Medieninformationen GmbH,
Innovationsprojekte
Markus Garn, Mitglied der Geschäftsleitung
Leiterin Center Innovationspublikationen:
Saskia Feiber | s.feiber@faz-institut.de
Leiter Redaktion Innovationsprojekte:
Daniel Schleidt | d.schleidt@faz-institut.de
Ausgabe 1/2014
Head 1
Onlinemagazin Zukunftsmanager
Projektkoordinatorin, Anzeigen und Vertrieb:
Jennifer Maurer | j.maurer@faz-institut.de
Redaktion:
Eva Roßner
Von
xxxx| e.rossner@zukunftsmanager-magazin.de
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Anja Desch (F.A.Z.-Institut GmbH)
Verlag:
F.A.Z.-Institut für Management-,
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Geschäftsführer: Volker Sach
Mitglied der Geschäftsleitung: Markus Garn
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Zukunftsforschung
Univ.-Prof. Dr. rer. pol. habil.
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52074 Aachen
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