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1 Bernd Gombold 'S LOCH EN DR WAND - B 262 - Kurzinformation

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Bernd Gombold
BALDOUIN, ein junger Geigenlehrer, der berühmt
'S LOCH EN DR WAND
werden möchte, ca. 30 Jahre alt.
- B 262 -
FIDEL, altlediger Bauer mit großem Hof, ca. 55 Jahre alt,
Kurzinformation
bester Freund von Opa.
Was macht ein "Bauern-Schultes", dessen Frau Herr im
DONE, Gemeinderat und in erster Linie Viehhändler, ca.
Haus ist, der gerne und zu oft einen oder mehrere über
40 Jahre alt und mit allen Wassern gewaschen.
den Durst trinkt, wenn er zu allem Überdruß auch noch
GUSTL, Bauer und Gemeinderat, ca. 45 Jahre alt, nicht
erfährt, daß er höchstwahrscheinlich seinen
sehr intelligent.
Bürgermeistertitel verlieren wird, weil seine Gemeinde zu
WILLIBALD, sein richtiger Titel ist Willibald von
klein ist und eingemeindet werden soll? Da kommt ihm
Reichenbach zu Wildenstein ca. 35 Jahre alt,
ein Großindustrieller gerade recht, denn dieser will ein
hochintelligent; junger, dynamisch aufstrebender
Grundstück im Ort kaufen und einen Großbetrieb
Industrieller.
aufmachen. Doch ausgerechnet ein Grundstück eines
DESIREE, arbeitet im zwielichtigen Gewerbe, ca. 30 Jahre
altledigen Bauern soll es sein, der sich strikt weigert,
alt.
auch nur einen Quadratmeter zu verkaufen. Und alles
BÜHNENBILD:
wäre halb so schlimm, wenn da nicht der Opa wäre, der
Eine gut bürgerlich und schwäbisch eingerichtete Stube.
durch ein Loch in der Wand alles sieht und noch mehr
Mindestens sollte das Bühnenbild ein Sofa, Tisch,
hört, durch Streiche das Haus auf den Kopf stellt und die
mehrere Stühle, Fenster und ein "Buffet" (Schrank)
Pläne des Schultes und seiner Gemeinderatskumpanen
zeigen. Je nach Belieben kann es ergänzt werden durch
durchkreuzt. Wen wundert es, daß der Bürgermeister
Wandschränkchen, Kachelofen, Uhr, Schlüsselbrett, Bild
schließlich zu zwielichtigen Methoden greift?
von der Oma, etc.
Das Stück ist im harten Dialekt der schwäbischen Alb
Folgende Ausgänge müssen vorhanden sein:
verfaßt. Dies soll andere Gruppen dazu anregen, im
Ein Ausgang in der Mitte des Bühnenbildes nach außen.
jeweiligen örtlichen Dialekt zu spielen, da der Dialekt
Ein Ausgang nach rechts in Opas Kammer.
wesentlich zum Erfolg des Stücks beiträgt.
Zwei Ausgänge nach links, der eine in die Küche, der
Spieltyp: Abendfüllendes Stück im Bauernmileu
andere in das Schlafzimmer der Eheleute Nägele.
Spielanlaß: Amateurtheaterabend
Wichtig ist, daß auf der rechten Seite des Bühnenbildes
Spielraum: Bühne, ein Bühnenbild
an der Wand zu Opas Kammer ein Spiegel hängt, unter
Darsteller: 7 m, 4 w
dem sich ein Loch in der Wand verbirgt.
Spieldauer: Ca. 150 Minuten
Außerdem wird ein Telefon benötigt.
Aufführungsrecht: Kauf von 12 Textbücher und Gebühr
ERSTER AKT
DIE PERSONEN
1. SZENE
JOSEF NÄGELE, Bauer und Bürgermeister, ca. 50 Jahre
(Sepp liegt im Anzug mit Hut laut schnarchend über dem
alt. Wenn es um seinen Job als Bürgermeister geht, ist er
Tisch, unrasiert, vor ihm stehen der Mostkrug, 3 Gläser
zu allem bereit. Von allen nur Sepp genannt.
und die Schnapsflasche)
ELISABETH NÄGELE, (Elis), seine Frau, ebenso alt wie
ELIS:
Sepp, sehr herrisch, hat die Zügel und ihren Mann fest
(von links aus dem Schlafzimmer, bindet sich die Schürze
im Griff.
um)
BRIGITTE, (Brigittle), deren Tochter, 22 Jahre alt, ähnelt
Pfui Deifel, do henna stenkts schau wieder noch Alkohol
in allem ihrer Mutter.
wia in era Brennerei.
OPA, eigentlich heißt er Sebastian (Baschte), bei allen ist
(Geht ans Fenster und reißt es auf)
erjedoch nur der Opa; ihm ist nur wohl, wenn er etwas
Ja, sag amol, schämst du di überhaupt nemme, do leit er
anstellen kann.
wieder em Koma, dr Herr Gmahl, eiser sauberer
KÄTTER, ihr richtiger Name ist Katharina, sie ist 60 Jahre
Schultes!
alt und die Hauserin der Familie Nägele, eigentlich der
SEPP:
gute Geist des Hauses.
(wacht auf und erschrickt)
1
Wa, wo wer, aua mein Kopf, schrei doch it so!
Ordnung)
ELIS:
Des woiß i guat, s'Oizige was du mit em Hagel am Huat
(nimmt Zeitung und haut sie ihm um den Kopf)
hosch, isch daß du äll ander Täg sternhagelblau hol
Du Lomp, du vosoffener, woisch du überhaupt no, daß a
konnscht!
Weib dahoim hoscht?
BRIGITTE:
SEPP:
(von links Schlafzimmer)
Jo, ond was fir a lautes auweh, mein Schädel.
Recht hot se! Guate Morge Mama, dur au dia Kammer
ELIS:
lüfte ond aufromme, heit konnt doch wieder de Herr
Wär blos no auverschämt, noch staibts aber! Zuersch
Baldoiun, mein Geigelehrer, der kriagt do henna jo vom
will i mol wissa wo du huit nacht wieder warescht? Los,
Einatme en Rausch.
dur dei Maul uff!
SEPP:
SEPP:
Was goht di des a, du Rotzaff! Zerscht gosch du naus
Gmoidrotssitzung hand mir kett, a lange ond schwierige
ond mascht mir s'Morgaessa.
Beschlussfassong.
BRIGITTE:
ELIS:
Mama, muaß i des wirklich doa? Was der huit morga ißt,
Des han i mir glei denkt, hoscht wieder mit deine
bleibt dem jo sowieso it.
saubere Gmoidrät, mit em Viehhändler-Done, dem
ELIS:
Baurebscheißer, ond mit em August a lange ond
Sei so guat, Brigittle, noch ka i glei en Stall, i ben jo doch
durchzechte Nacht kett, so lang, daß es sich nemme
wieder alloi. Der Herr hot jo bestimmt wieder
glohnt hot zum ens Bett gau!
Sprechstond oder suscht a Ausred.
SEPP:
(Brigitte links ab in Küche)
I be halt emol Schultes, Lisbeth, noch ka i it als erschter
SEPP:
aufstau!
So ein Raubier vo Dochter! S'oizig -was bei dera stemmt
ELIS:
ond zutrifft isch ihre Name, do konnt nernmlich "igitt"
Des woiß i guat, daß du de Schultes bischt, ond was für
dren vor.
oin! Bei Nacht bischt du Schultes mit Leib ond Seel, so
ELIS:
innrünschtig, daß de bei Tag dein Rausch ausschlofe
Über dei Dochter brauchsch du it schelte, nemmlich so
muasch ond s'Weib ka dr Stall mache ond de ganz Hof
recht wia du ischt glei ebber! Eiser Brigittle isch a
omtreibe. Dei oizige Tätigkeit als Bauer isch, daß de dir
tüchtigs, ehrlichs ond fleißgs Mädle, s'Abitur hots
vom Viehhändler-Done, dem Lomp, äll 2 Monat en nuie
bschtande, aber du woisch wahrscheinlich it amol was
Gmoidseber aufschwätze lösch.
des ischt. Sobald se en Studienplatz hot, darf se Musik
SEPP:
schtudiere, ond zu zahlscht.
Lisbeth, des hand mir doch so abgmacht. I kriag jo au
SEPP:
d'Hälfte vom Kaufpreis wieder.
Des Geld gib vorher em Viehverein oder versenks en de
ELIS:
tiefschte Stell vo de Donau.
Jo, ond i muaß en 14 Täg vorher emmer mit Erdäpfel
ELIS:
fuatere, dia ma mit E 605 agmacht hot, daß er jo au zum
Du witt sage, des versenkst du en dr schwärzeschte Stell
rechta Zeitpunkt he en dr Steig denna leit ond ihr au no
vo deim Leib, nemlich en deinere Leber!
d'Versicherong bscheiße kenned! So nixnutzige
BRIGITTE:
Gschäfter, do bisch du guat drenn, aber daß mir no koin
(von links mit Tablett, auf dem eine Flasche Bier steht)
Pfennig vo eisere Hagelversicherong kriagt hand, do witt
Do hosch es, Herr Bürgermeister.
du nix davo wissa!
SEPP:
SEPP:
Sag mol spennscht du, i will a Morgaessa, wias de
Was interessiert mi da Hagel, do ka i nix dafir!
Brauch isch.
ELIS:
BRIGITTE:
(bringt während des folgenden Dialogs das Zimmer in
Was glaubsch du, was do dein Mage sait, wenn du
2
zmols ebbes anders wia Bier zu dir nemmscht. Prosit, i
(Zum Opa)
muaß meine Übungsstückle nommol durspiele.
Ond du Schwiegervater, gang na wo du witt, aber gang
(Links ab ins Schlafzimmer)
mir bloß aus dem Weg huit morge! Do wundere i mi no
SEPP:
über mein Mann, der ka jo nix sei bei so einem Vater!
Ja, ja des isch doch ...
(Opa links ab in Küche)
ELIS:
KÄTTER:
(unterbricht ihn)
(altmodisch angezogen mit Schürze und Kopftuch,
Ruhig bischt, sie hot blos d'Wahrheit gsait.
kommt barfuß laut schreiend von links aus dem
BRIGITTE:
Schlafzimmer, hüpft schreiend umher, faßt immer wieder
(kommt nochmals zurück)
an ihre Füße)
Mama, dur au noher de Opa wieder en Holzschopf nei
Auweh, auweh, meine Fiaß, des duat so weh, auweh,
sperra, wenn de Herr Geigelehrer konnt, suscht duat er
ohje ...
em wieder ebbes a!
SEPP:
(Wieder ab)
(faßt sich wieder an den Kopf)
2. SZENE
Jetzt schreit dia au no so, was isch au mit dir los?
OPA:
ELIS:
(von rechts aus seiner Kammer, mit Nachthemd, langen
Om gotts willa, Kätter, was schreisch so, was isch
Unterhosen, Bauhelm auf dem Kopf und Säge in der
basiert?
Hand)
KÄTTER:
Guat Nacht!
Auweh, auweh, meine Fiaß! I han wella meine
ELIS:
Hühnerauge einschmiere, so wia äll morge, aber do hot
Oh, Heiland hilf, daß i den Tag no überleb! A vosoffes
mir ebber mei Fläschle mit Hühneraugewasser ausgleert
Mannsbild, en verrückter Schwiegervater, so ein Graus!
ond aufgfillt mit Franzbranntwein, auweh, des brennt
(Beginnt laut zu werden)
jetz so!
Schwiegervater, was hoscht heit schau wieder vor, ond
ELIS:
sag it älleweil anstatt "Guate Morge" "Guat Nacht"!
(schlägt die Hände über dem Kopf zusammen)
OPA:
Oh Elend, laß di mole!
S'wett doch bald Winter ond kalt, drom han i denkt, i
(Stürmt zur Küchentür links)
gang glei mol nab en Keller ge Heizöl säge!
Schwiegervater, Schwiegervater, komm sofort do rauf!
ELIS:
(Reißt nochmals die Tür auf und brüllt)
Ond den Sturzhelm hoscht bestemmt wegem
Schwiegervater, konnscht jetzt endlich!
Gehörschutz dabei, oder?
OPA:
OPA:
(mit unschuldiger Miene)
Noi, denk au, wenn mir dia schwera Heizölrugele uffs
Guat Nacht, i han di it glei gehört, wa glaubscht, wia
Hirn keied, was do älles basiere ka, do send Leit schau
laut dia Säge duat.
voruckt wore davon!
ELIS:
ELIS:
Schwiegervater, woischt du ebbes vo Kätters Fläschle mit
Dir kenned se höchstens uff de Kopf keie, a Hirn geits
Hühneraugewasser?
bei dir nemlich kois mehr.
OPA:
SEPP:
(kratzt sich am Ohr)
Herrgott nomol, mit dir wetts au nemme besser, Opa!
Was isch basiert, a Henn isch ens Wasser gange?
Jede Tag hosch du nuie Schnapsideen em Kopf!
ELIS:
ELIS:
I han grfoget, ob du ebbes woisch davon!
(zu ihrem Mann)
OPA:
Liaber a Schnapsidee em Kopf als a Schnapsfahne en dr
Ha jo, dia Henn isch vielleicht ens Wasser gange, well se
Gosch!
koine Eier mehr lega ka, oder well koin Gockel me zu era
3
konnt. Woischt Elis, em Alter wett ma oft sentimental.
Noi, des konnt it en Frog, gib mir nomol en Schluck!
ELIS:
(Trinkt aus der Flasche einen kräftigen Schluck)
Des hot doch überhaupt gar koin Wert! Schwiegervater
Wo dei Muatter em Sterbebett glege isch, hot se zu mir
guck dir mol Kätters Fiaß a, wia dick dia Hühnerauge
no gsait: Kätter, baß auf mein Kindskopf auf, hot se
jetzt send!
gsait! Ond des dur i au, blos it em Altersheim! Do gang i
OPA:
vielleicht na, wenn i au a weng älter ben, aber noch mit
Ha no, was ka i do dafür, sie hett halt solle
dem Opa zema, noch nemmed mir s'gleiche Zimmer, mir
Hühneraugewasser druff doa.
zwoi, de Baschte ond i, noch wetts it so langweilig!
KÄTTER:
SEPP:
Schämst du die gar it, du alter Kindskopf, du! Aber moi,
(lacht)
dir hilf i gau.
Ja, Kätter, hosches no it aufgebe, bisch emmer no
(Will aufihn los)
verliebt en de Opa, i han dir doch schau mol gsait, der
SEPP:
isch doch z'alt für di!
(greift ein und hält sie zurück)
KÄTTER:
Kätter, laß den alte Ma en Ruh, siehscht doch, der ka
So a ribeldommes Gschwätz, sogar de alte Abraham aus
bald nemme noche gau. Hock na ond beruhig di! Ond
de Bibel hot no so en jonge Hüpfer kett ond Kender hot
Opa, du gosch sofort nomm en dei Kammer ond losch di
der au no nabrocht!
nemme seh.
SEPP:
(Schiebt ihn hinein, schließt ab und zieht den Schlüssel
(lacht laut auf)
ab)
Aber jetzt brauch i no en Schnaps! Ja, Kätter, bisch du
OPA:
en dein dritte Frühling komme? Ond außerdem, en
(ruft heraus)
junge Hüpfer bisch du au nemme!
Alles bloß, well a Henn ens Wasser gange isch, hä, hä,
KÄTTER:
hä!
So ebbes unverschämtes! Mit dir dät i no lang fertig
ELIS:
wäre, bei mir gäbs dia Sauferei it!
Wenn du it bald om en Platz em Altersheim für dein
(Nimmt ihm die Schnapsflasche und trinkt selbst)
Vater guckescht, noch wär i verruckt en dem Haus, des
Außerdem, en einer alte Kirch ka ma au no a Meß lesa!
isch jo nemme zum Aushalte!
Ond überhaupt, was war huit nacht für a Gelage do
(Mitte ab)
henna, koi Aug han i zudau.
3. SZENE
SEPP:
SEPP:
Oh, Kätter, diskutiert hand mir, du woisch doch, der
(sobald seine Frau draußen ist, holt er den Schnaps, den
Brief vom Landratsamt. Wenn eiser Ort it möglischt bald
seine Frau zuvor weggeräumt hat, wieder aus dem
größer wett durch mehr Einwohner und Industrie, noch
Schrank)
werded mir eingemeindet. Noch bin i dia lengscht Zeit
Oh Graus, oh Graus, i woiß bald nemme was i doa soll.
Schultes gsei!
KÄTTER:
KÄTTER:
Brauscht wieder en Seeletröschter? Komm, gib mir au
Ihr send doch selber schuldig, gand ihr bei Nacht hoim
oin, i kennt grad oin vertrage!
zu eure Weiber ond sorget für Einwohner, anstatt en de
(Zeigt auf Opas Kammer)
Wirtshäuser omenand saufe!
So ein Sempel do denna, duat der mir so ein scharfes
(Nimmt nochmals einen kräftigen Schluck)
Zuig en des Fläschle nei, der wett älleweil mender.
I verstand ui Mannsbilder sowieso it, der oine hot oine
SEPP:
ond will it, ond der ander do danne,
Sell kasch laut sage, der spennt zur Zeit em höchschte
(Zeigt auf Opas Kammer)
Grad. I glaub au bald, daß s'Altersheim s'bescht wär für
könnt oine kriage ond will erscht recht it! Verkehrte
ihn.
Welt, verkehrte, i gang an mei Arbet.
KÄTTER:
(Links Küche ab)
4
SEPP:
it do!
(schüttelt den Kopf)
GUSTL:
So ebbes han i no nia verlebt, dia Kätter ond de Opa!
(sie treten ein)
Duat der dera Franzbranntwein ens Hühneraugefläschle,
Wa glaubscht au, dia hett Feuer gspuckt, wenn dia eis
der Ma muaß em Kopf nemme recht sei. I ben jo
heit Nacht do henna vermischt hett.
allerhand gwöhnt, aber so ein Spenner! Aber jetzt muaß
DONE:
i zerscht no a Runde ens Bett!
Dia dät au jetzt no Fuier spuie, wenn se eis sea dät. I kas
(Links ab Schlafzimmer)
mir leibhaftig vorstella, wia dia den huit morge rond
4. SZENE
gmacht hot, wo se ihn gfonde hot.
(Man hört Geräusche an Opas Tür. Plötzlich geht die Tür
GUSTL:
auf, Opa kommt mit Dietrich in der Hand herein)
Der hot au oin kett wia en Brezelebua! I wett blos wissa,
OPA:
wo er jetzt leit, de Sepp.
Ond ob der Ma em Kopf no recht ischt! Wenn er's
DONE:
nemme wär, noch hätt ihn dia unverschämt Bande schau
Also, wenn er a klei weng Hirn hot, noch hot er sich uff
lang ens Altersheim dau. Aber so wia i zur Zeit spenn,
de Haltstock nuff verzoge.
nemmed dia mi it amol em a Irrehaus, hä, hä, hä! Dia laß
GUSTL:
i alle auf dem Glaube, daß de alt Opa spennt! Auf dia
Des hot gar koin Wert, dia fendet den überall. Guck au,
Art und Weis kriagt ma nemlich mehr mit, äls älle andere
do stoht no dr Schnaps, komm, ein Gläschen in Ehren ...
denked. Bsonders wenn ma en Dietrich hot
DONE:
(Hebt ihn hoch)
Bisch du verruckt, wenn des sei Weib sieht! Du woisch
ond so guat hört ond sieht wia i. S'bescht Hörgerät ond
doch, dia vergönnt oim s'Schwarze onter de
dia bescht Brille isch emmer no a Loch en dr Wand,
Fengernägel.
(Geht zur Wand, die an seine Kammer grenzt und nimmt
GUSTL:
den Spiegel weg, so daß das Loch in der Wand sichtbar
Was dand mir jetzt, gucke mir so denna, ob de Sepp
wird)
oibe leit?
hä, hä, hä, hä! Do henna hanget en Spiegel druff, ond
DONE:
en meiner Kammer a Bild vo dr Mutter Gottes. Wia
Ja, Gustl, fehlts dir do obe? Witt em Haus omenand
bettet ma: Heilige Muatter Gottes, hilf uns armen
laufe ond sellem Weib en d'Fenger komme? Des wär
Sündern ... hä, hä, hä! Wenn dia Weiber oimol do henna
s'gleiche, wia wenn a Sau zum Metzger sprenga dät! Mir
recht butze dätet, noch hättes se des vielleicht schau
gand wieder so leise, wia mir komme send, ond watet
lang entdeckt, aber dia verscheltet liaber zehn Mol am
em Fuchse donna. Des geht it lang, noch treibt en de
Tag de Opa.
Duscht au nab!
(Schaut auf seine Taschenuhr)
GUSTL:
Jessas, s'isch jo gau Zeit, i muaß no älles vorbereite, der
Hosch du a Geld?
Geigeheini konnt doch jetzt gau glei, eiser mißratener
DONE:
Mozart! Moi, dem wär i an Empfang bereite, hä, hä hä ...
De Sepp wett schau ois brenga! Erscht geschtern obend
(Holt aus dem Schrank einen Sack, wirft einen Blick
hot er no em Fuchse bei a paar am Stammtisch
hinein)
d'Feuerwehrabgab eitriebe!
Vorbereitet hän i älles, i muaß mi blos no anziehe.
(Beide Mitte ab)
(Hört draußen Stimmen, schaut zum Fenster)
5. SZENE
Herrgott nomol, jetzt kommed au no eiserne
(Opa kommt aus seiner Kammer, trägt Stirnband, am
Ällerschönschte, eiserne Gmoirät!
nackten Oberkörper lediglich eine zusammengeschnürte,
(Rechts ab in seine Kammer)
ärmellose Weste, Nato-Hosen, Kampfstiefel. Sein Gesicht
DONE:
hat er mit schwarzer Tarnfarbe bemalt, in einer Hand
(schaut zum Fenster herein)
hält er ein Gewehr mit Bajonett, in der anderen ein Beil)
Du, Gustl, d'Luft ischt rein, em Schultes sein Drache isch
OPA:
5
Endlich send dia fott, jetzt ka's los gau. Geigeheini, sei
Oh, mein Gott, nicht ...
auf der Hut, wenn der Opa Wolpertinger jagen tut! Hä,
OPA:
hä, hä ...
Ond jetzt Wolpertinger, schrei zum letzschde mol en
(Opa klettert auf den Schrank und wartet)
dem Leba, schrei so laut du kannsch!
BALDOUIN:
BALDOUIN:
(geht am Fenster vorbei, pfeift eine klassische Melodie,
(liegt auf dem Boden, spürt den Stuhlfuß in seinem
tritt ein mit einem Geigenkoffer in der Hand,
Rücken und schreit wie am Spieß)
altmodische Kleidung)
Hiiiiilllffeeeee ...
Hoffentlich begegne ich nicht schon wieder diesem
(Opa reibt sich die Hände und schließt sich wieder in
schrecklichen Großvater! Bei diesem Verrückten weiß
seine Kammer ein)
man nie, was er im Schilde führt!
KÄTTER:
(Ruft zaghaft)
(von rechts Küche, schlägt die Hände über dem Kopf
Fräulein Brigitte, ich bin's, Baldouin, Ihr Geigenlehrer!
zusammen)
OPA:
Heilige Muatter Gottes, was isch au do husse los?
(springt mit einem gräßlichen Urschrei vom Schrank)
(Sieht den Geigenlehrer, nimmt seinen Stuhl vom Rücken
Huuuaaa ...! Bleib stau, Wolpertinger, endlich han i di!
und fragt)
BALDOUIN:
Ja, gell, dia jonge Leit send au gar nix me gwöhnt, hot
(erschrickt zu Tode, stottert)
der Stuhl so weh dau, daß de so schreischt?
O-o-oh, oh, mein Gott, tun Sie mir bitte nichts, ich bin
BALDOUIN:
unschuldig.
Oh, gute Frau, ein Unmensch mit schwarzem Gesicht,
OPA:
zwei Meter groß und Schultern so breit wie der Schrank
Schweig, oder der Götter Zorn wird dich treffen! Auf die
wollte mich erdolchen. Wie gut, daß Sie mir zu Hilfe
Knie, Wolpertinger!
kamen!
BALDOUIN:
KÄTTER:
(fällt auf die Knie, hebt die Hände flehend empor)
I glaub des Untler hoißt Baschte ond wohnt do danne.
Ich bitte Sie, das muß eine Verwechslung sein, ich bin
(Geht an seine Tür, sieht, daß sie abgeschlossen ist)
nicht der Herr Wolpertinger, ich bin Baldouin.
Noi, des ka it sei, den hot jo de Sepp eigschlosse!
OPA:
(Sie sieht die Schnapsflasche auf dem Tisch stehen)
(fällt ihm ins Wort)
I glaub auf älle Fäll, daß du a weng viel vo dem Schnaps
Ruhe!
vowischt hoscht, noch bischt omgfloge ond noch isch
(Hält ihm das Bajonett unter die Nase)
dir der Stuhl ens Kreuz keit. Aber, Herrschaft nomol,
Koin Mucks mehr, der Stahl do unter deiner Nas hot
deswega schreit ma doch it so, wenn i eiserne Küh noch
schau zwei Weltkrieg überlebt, der macht au vor dir koin
em Kälbere auflupf, schrei i doch au it so!
Halt, Wolpertinger! Jetzt liegscht auf de Bauch, aber
BRIGITTE:
schnell!
(von rechts Schlafzimmer)
BALDOUIN:
Was isch au basiert, so a Gschroi!
(legt sich mit dem Gesicht nach unten und fleht)
KÄTTER:
So seien Sie doch vernünftig, haben Sie Erbarmen, und
Woisch, Brigittle, dei Geigelehrer hot a weng z'vill
lassen Sie mich gehen.
vodwischt.
OPA:
(Zeigt auf die Schnapsflasche)
(greift einen Stuhl, stellt ein Stuhlbein dem Geigenlehrer
BALDOUIN:
in den Rücken)
(will etwas sagen)
Jetzt Wolpertinger, mach deine letzschde Atemzug,
Aber nein doch ...
denn jetzt konnt de vernichtende Stoß!
BRIGITTE:
(Drückt leicht auf den Stuhl)
(ranzt ihn an)
BALDOUIN:
Wa saufed Sie jetzt au schau, i wat schau a halbe Stond,
6
jetzt wetts langsam Zeit!
6. SZENE
(Packt ihn an der Hand und zieht ihnn wie eine Puppe
SEPP:
hinter sich her)
(kommt schlaftrunken herein, gibt ihm die Hand)
BALDOUIN:
Nägele, Griaß Gott!
Ja - jawohl, Fräulein Brigitte ...
KÄTTER:
(Beide ab)
Jetzt braucht ma mi wohl nemme!
KÄTTER:
(Links Küche ab)
(schüttelt den Kopf und will ab)
WILLIBALD:
Jonge Leit, also noi!
Einen wunderschönen Guten Morgen, Herr
(Plötzlich klopft es)
Bürgermeister, mein Name ist Willibald von Reichenbach
Mir kaufed nix an de Tür!
zu Wildenstein. Im Bürgermeisteramt sagte man mir, daß
WILLIBALD:
ich Sie hier finden könnte.
(sympatischer, elegant gekleideter junger Mann, mit
SEPP:
Stock und Aktenkoffer)
Jo, do henna ben i em Normalfall dahoim! I han no
Es liegt nicht in meinem Interesse, Gnädigste, etwas zu
miaße wega de Gmoldtrotssitzung ausschlofe ... ah, ah,
verkaufen. Ganz im Gegenteil, ich möchte etwas kaufen.
ebbes ausformuliere miaße.
KÄTTER:
WILLIBALD:
Mir hand au nix zum verkaufe, Gnädigschder!
Herr Bürgermeister, ich bin kein Freund der Übereile,
WILLIBALD:
aber ich möchte dennoch gleich zur Sache kommen.
Hätten Sie wohl die Güte, mich zu melden.
SEPP:
KÄTTER:
Ja, freile, sitze mir doher, oder.
(verdutzt)
WILLIBALD:
Wenn Sie sich melda wand, noch gand se no grad en
Ich beabsichtige, mich mit einem Teil unseres
d'Kaserne nuff, do braucht ma Leit, bei eis send se
Familienvermögens selbständig zu machen. Ich dachte
falsch, do send se nemlich bei s'Nägeles!
dabei an den Maschinenbaubereich und habe Ihre
WILLIBALD:
Gemeinde als topographisch mängelfrei zur
Wie bitte?
Unternehmensgründung in die engere Auswahl
KÄTTER:
gezogen.
Nägele wia Häfele, blos Nägele, Nägele mit Neger-N ond
SEPP:
Häfele mit Vogel-F.
(schaut verdutzt)
WILLIBALD:
Topo - was???
Hätten Sie nun die Güte, mich beim Herrn Bürgermeister
WILLIBALD:
anzumelden?
Topographisch mängelfrei, kurz und gut, ich möchte
KÄTTER:
mich hier in Ihrer Gemeinde mit einer Unternehmung
Ach so, amelde, i ka halt mol gucke, ob er de Rausch
niederlassen!
ausgschlofe hot! Hot der Gnädischde au en Name?
SEPP:
WILLIBALD:
Ach so, Sie wand bei eis a Gewerbegebiet kaufe, wieso
Willibald von Reichenbach zu Wildenstein!
saget se des it glei, kommed se, trenked se en Schnaps
KÄTTER:
mit - wissed se, mit mir ka ma deutsch schwätze!
So, so, en von ond zu, des, han i mir glei denkt!
WILLIBALD:
(Macht die Tür auf und ruft energisch)
Danke, ich trinke nie Alkohol!
Jooseeeef, he Sepp, komm mol raus, ein Herr auf und
SEPP:
davon will mit dir schwätze!
I normal au it, aber bei so ebbes schau, do ka ma mol a
(Willibald fühlt sich dadurch verletzt und räuspert sich
Ausnahm mache.
auffällig und laut, Kätter sieht ihn merkwürdig an)
WILLIBALD:
Sepp, mach a weng schneller, der kriagt schau Auswürf!
Haben Sie ausreichend Gewerbefläche?
7
SEPP:
bis übermorgen 12 Uhr, dann möchte ich definitiv Ihre
Ha jo, freile, wenn mir älles so vill hättet wia
Zusage, oder ...
Gewerbefläche, noch wärs it schlecht!
SEPP:
WILLIBALD:
Nix oder, Herr Willibald von und zu Reichenstein, sie
Ich habe Ihren Ort schon besichtigt, und an ein
kriaget des Grundstück, Sie hand mei Wort!
bestimmtes Grundstück gedacht, ich glaube hier vom
WILLIBALD:
Fenster ist es zu sehen.
Entscheiden und handeln Sie schnell! Viel Glück!
(Beide gehen ans Fenster)
(Mitte ab)
Schauen Sie, das Gelände dort jenseits der Bundesstraße
SEPP:
mit den vielen Obstbäumen.
(setzt sich geschlagen auf den Stuhl)
SEPP:
Ausgerechnet em Fidel sei Feldwies, ond des au no bis
(erschrickt)
übermorge! Andererseits, 400 Arbeitsplätz, des wär a
D-d-d-des det danne?
guate Gewerbesteuer, ond viel Leit! Noch gäbs koi
WILLIBALD:
Eigmoidung ond i tät Schultes bleibe!
Genau das würde mir zusagen. Ich bezahle jeden
DONE:
erträglichen Preis.
(kommt mit Gustl herein)
SEPP:
So, Sepp, hosch dein Rausch dusse?
N-n-n-noi, des isch vill z'groß für Sie!
GUSTL:
WILLIBALD:
Isch dei Weib it do, kenned mir henna bleibe?
Ich glaube, ich habe mich undeutlich ausgedrückt: Ich
SEPP:
möchte genau auf diesem Grundstück dort einen Betrieb
Wa wand ihr zwoi schau am hella Morge?
mit ca. 400 Mitarbeitern eröffnen!
DONE:
SEPP:
Du, Sepp, s'wär mol wieder Zeit für en Gmoidseber, de
(muß sich setzen)
alt stoht schau anderthalb Monat em Stall!
V-v-v-v-vierhundert??? Isch des an Witz?
SEPP:
WILLIBALD:
Send des eure oizige Sorge, schau wieder so Henderom-
Ich denke doch, daß ich deutlich rede, oder?
Geschäftle? Soll i ui mol was sage, domit isch jetzt
SEPP:
Schluß! I han nemmlich en große Fisch an dr Angel, en
Heiland, Mailand, Schottland, Rußland, Lappland! Dia
Industriebetrieb mit 400 Leit!
sell Wies gehört em boiniga Fidel ond der geit it oin
GUSTL:
Zentimeter her, so lang er koi Weib hot.
Des isch en Schnaps wert!
WILLIBALD:
SEPP:
Wie bitte?
No it pressiere, dia Sach hot oin Haken. Dr feine
SEPP:
Industriepinkel will ausgrechnet em Fidel sei Feldwies!
Ich habe gesait, daß diese Wiese einem beinigen Bauern
GUSTL:
gehört, und der verkauft nix, solang er noch nicht
Marie ond Josef!
geheiratet ischt!
DONE:
WILLIBALD:
Der Fidel isch doch so geizig, der hätt liaber Tag ond
Dann sehe ich mich gezwungen, auf andere Gemeinden
Nacht oin sitze, als wenn er oin Liter Moscht verkomme
auszuweichen. Guten Tag!
läßt, der geit doch nix her!
(Will ab)
SEPP:
SEPP:
Zumindescht it, solang er koi Weib hot, so hot er's seim
Ha-ha-halt, Sie bekommed dia Wies, dofür sorg i!
Vater am Totebett versproche, ond des hält er au!
(Ist aufgesprungen und hält die Tür zu)
GUSTL:
WILLIBALD:
Der Fall isch oifach. Der Fidel braucht halt dia nächschte
Na gut, ich verweile im hiesigen Gasthaus Ochsen noch
paar Woche a Weib!
8
SEPP:
mein Sohn, de Schultes, ond seine zwei Lompe vo
Dia nächschte paar Woche? Späteschtens übermorga om
Gmoidrät wand dir a Feld aluchse, ond do soll noch an
12 Uhr. Kommed mit, mir gand sofort zu em nab!
Maschinebetrieb mit 400 Leit na komme!
(Alle drei Mitte ab)
FIDEL:
7. SZENE
Woher woisch du des?
OPA:
OPA:
(wieder mit normaler Kleidung aus seiner Kammer, eilt
Du woisch doch, s'Loch en dr Wand, i hör älles ond sieh
zum Telefon, das am Schrank steht, wählt Fidels
älles. Ein ganz ein Führnehmer will des kaufe, sei jo it
Nummer)
bled ond gib jo nix her, hosch gehört? De Rescht vozell i
1-4-7-2-8 gang schau na, Fidel. Dädet dia meim beschte
dir später! Aber jetzt ebbes anders: mir miaßed jetzt em
Freind no a Wies aluchse, dia drei Lompe. Ah, Fidel ... i
nette Geigelehrer ond dr Kätter Lektion Nr. zwei erteile. I
bins, de Baschte, ... du, Fidel, eiserne drei Dorfobrigkeite
han schau älles vorbereitet, komm mol her.
send auf em Weg zu dir ... Mach jo it auf, gang henda
(Flüstert ihm etwas ins Ohr)
naus ond komm über s'Wiesewegle schnell zu mir ruff,
FIDEL:
aber glei, es geht um ebbes Wichtigs ... paß aber auf,
(lacht laut auf)
daß di nemig sieht! Bis glei!
Des isch guat! Aber für was isch dia Schnur?
(Legt auf)
OPA:
Den Fidel muß i vorwarne, unbedingt, des geit suscht a
I han doch gsait, dur was i gsait han, als erstes juckt se
Unglück! Wenn der Fidel rauf konnt, vozell i dem älles
an d'Schublad ond holed s'Messer raus, ond noch ... hä,
was i gehört han! Außerdem isch jo no sell lausig
hä, hä ...
Geigemale do, wenn mir do de Fidel hilft, geit des en
(Fidel stellt den Eimer mit Wasser auf den Schrank und
Mords-Spaß. Hä, hä, hä ... I muaß blos no a paar
befestigt die angebundene Schnur am Schubladengriff
Vorbereitonge treffe!
und setzt sich an den Tisch. Opa hat aus seiner Kammer
(Holt aus seiner Kammer einen Eimer mit Wasser hervor
ein Seil geholt und versteckt sich hinter der Tür, aus der
und bindet an den Henkel ein Stück Schnur)
Baldouin kommen wird)
KÄTTER:
Also, Fidel, so wia mir besproche hand ... i glaub er
(kommt in diesem Moment aus der Küche links)
kommt ... i hör ebbes!
Baschte, was geit des schau wieder?
8. SZENE
OPA:
BALDOUIN:
Siehsch doch, i hilf dr Elis a weng d'Melkoimer ausspüla!
(verträumt vor sich hinsprechend aus Schlafzimmer links)
KÄTTER:
Ach, dieses Fräulein Brigitte, sie spielt so wunderschön
(gibt ihm einen Kuß auf die Stirn)
Geige! Wenn ich nicht so schüchtern wäre, hätte ich sie
I haus doch gwißt, en dir steckt a guate Seel!
längst in die Oper eingeladen.
(Geht wieder links Küche ab)
FIDEL:
OPA:
Du kenntesch au mi eilade, oder?
(putzt sich mit seinem Taschentuch die Stirn)
BALDOUIN:
Pfui Deifel nomol, do brauchsch di it wondere, wenn de
(erschrickt)
Aidis
Oh, Verzeihung ... mit wem habe ich das Vergnügen?
(Wie geschrieben sprechen)
FIDEL:
griagscht! Aber Kätter, du wirsch di no wondere! Hä, hä,
Vergnügen? I woiß drom it so recht ob des a Vergnüge
hä ...
geit! Manche Leit dürfed Fidel zu mir sage, du aber it,
FIDEL:
Ilbetritschler!
(kommt in diesem Moment herein)
BALDOUIN:
Baschte, wa geits so pressants?
Ilben - ... wie bitte?
OPA:
FIDEL:
Fidel, guat daß du so schnell gmacht hoscht! Los her:
Du bischt durchschaut, Ilbetritschler, stell di zum Kampf!
9
Baschte, komm!
sitzt an einem kleinen separaten Tisch und hat ein Glas
OPA:
Wasser und eine Scheibe Brot vor sich)
So, Bürschle, jetzt gehörsch de Katz!
ELIS:
BALDOUIN:
Komm, Herr Jesus, sei unser Gast und segne, was du uns
Oh Gott, nicht schon wieder!
bescheret hast. Amen.
OPA:
(Alle bekreuzigen und setzen sich)
(beide drücken ihn gewaltsam auf einen Stuhl, binden
OPA:
ihm ein Halstuch um den Mund und fesseln ihn auf den
(murmelt vor sich hin)
Stuhl)
Vill hoscht mir heit jo it bescheret!
So, Fidel, jetzt wett sich weise, ob der do unserem
(Wirft einen vorwurfsvollen Blick zum Himmel)
IlbetritschlerGift gewachse isch!
ELIS:
(Opa holt die Schnapsflasche und zeigt sie Baldouin)
Genau des was dir zustoht, a Glas Wasser ond a Scheib
Oin Schluck davo, nach hauts di om wia a Maus, wo en
Brot, wenn ma sich so aufführt wia du, noch hot ma it
de Pack mit Rattegift gfloge ischt, hä, hä, hä ...
mehr verdient! Richtet der unsre Kätter en ganze Oimer
(Baldouin will strampeln, es geht aber nicht, gibt Laute
vol mit Wasser na, daß des arm Weib bätschbudelnaß
unter dem Halstuch von sich)
wird! I dät mi schäme en Grondsbode!
Fidel, dur des Halstuch weg!
(Sepp füllt einen Teller mit Speisen und will ihn Opa
(Sie flößen Baldouin einen kräftigen Schluck ein)
hinüberreichen)
BALDOUIN:
Noi, Sepp, blos über mei Leich, bei dem Sempel helfed
(schnappt nach Luft und hustet und brüllt dann)
blos no Maßnahmen, wo am eigene Leib zehred. I kennt
Hilfe, Hillilfeeee ... ich ersticke ...
mi jetzt no aufrega. Fesslet der den Herr Geigelehrer auf
OPA:
de Stuhl na ond flößt em Schnaps ein, daß er schier
Hä, hä, hä ...
vostickt! Der arme Ma, was wett der vo eis denka, wo er
(Beide flüchten Mitte ab)
doch en eiser Brigittle so verliebt isch ond mir älleweil
KÄTTER:
vom Heirate vozellt!
(aus der Küche links, sieht Baldouin in seiner
SEPP:
verzweifelten Lage)
(steht auf, verschluckt sich, hustet)
Oh jessas Gott, was isch au do passiert, a Messer her!
Was, der, der will d'Brigitte heirate? Ja, Himmel, Donner
BALDOUIN:
nomol, i glaub mi stroift a Moped! Zum Heirate gehöred
Hilfe, ich ersticke ...
älleweil no zwoi Personen dazua, ond oiner davon isch
KÄTTER:
de Vater, den ma anstandshalber froged. Vorher geht do
(stürmt zur Schublade, reißt sie auf, in diesem Moment
gar nix! Ond außerdem, was denkt s'Brigittle mit ihrne
stürzt der angebundene Wassereimer voll auf sie hinab
19 Johr überhaupt ans Heirate?
und hängt auf ihrem Kopf. Sie taumelt blind umher und
BRIGITTE:
stößt überall an)
S'Brigittle isch inzwische schau 22 Johr alt und hot
Hilfe, Hilfe, Baschte, Baschte, waresch du des?
d'Mama schau lang gfroged.
OPA:
ELIS:
(kommt ganz gelassen von Mitte herein, lacht Kätter aus)
Ond i han jo gsait, nemmlich dr Herr Baldouin isch en
Hot dir eiser Vroni wieder de Melkoimer aus de Hand
treue, solide ond vor allem em Gegesatz zu do henna
gschlage, hä? I han schau oft gsait, du sollescht beim
gebildete Ma!
Euter butze it so gewaltätig sei, hä, hä, hä, hä, hä ...
OPA:
VORHANG
(von der Seite)
ZWEITER AKT
Selig sind die im Geiste Armen, denn ihrer ist das
1. SZENE
Himmelreich!
(Sepp, Elis, Brigitte, Kätter sitzen am Tisch beim
ELIS:
Mittagessen und erheben sich zum Tischgebet. Nur Opa
Wa hoscht jetzt schau wieder gsait, Schwiegervater?
10
OPA:
OPA:
I han blos gsait, des arme Mädle, der isch doch gar it
Wenn du des duascht, Sepp, noch gib i mein Acker, wo i
reich!
zrückbehalte han, dr Kirch!
ELIS:
SEPP:
Watet ihr blos mol, bis der en zwoite Papageni na geit!
So, so, zmols hilfscht du zu deim Enkele!
BRIGITTE:
OPA:
Du morsch wohl, en zwoite Paganini?
Mir isches it wega dr Brigitte, sondern mir gehts om den
ELIS:
Fidel! Wettesch den uff seine alte Täg no unglücklich
(barsch)
mache? Zum Fidel dät schau eher d'Kätter passe!
Han i vielleicht ebbes anders gsait, ha?
SEPP:
SEPP:
Jawoll, Kätter, du bisch dia richtig Frau am richtige Platz,
Do geht mir jo dr Gaul durch, mei Dochter soll heirate
alloi mit dir kennt der Fidel glücklich wera!
ond de Vater woiß nix davon!
KÄTTER:
(Haut mehrmals empört auf den Tisch)
(hat bisher immer nur gegessen, legt Löffel weg und
Wenn do henna überhaupt oiner seit, ob ond wen du
braust auf)
heirate darfs, noch bin i des ganz alloi, verstande, ihr
Ond wissed ihr, was ihr zwoi send: Zwoi richtige Deppen
zwei!
am falsche Platz. I han dir schau mol gsait, i will den, wo
(Elis ganz baff über das energische Auftreten ihres
i will, ond wenn i den it kriag, wo i will, noch will i gar
Mannes)
koin!
OPA:
OPA:
Jawoll, Sepp, zoigs dena Weiber!
Also i hett do gar nix dagega, wenn du gar koin
SEPP:
wettesch!
Also, Brigittle, los amol her. I als dein Vater han schau
KÄTTER:
älleweil blos s'beschte für di wella. Drom sollesch du au
Oifältige Mannsbilder!
en Ma fenda, wo di glücklich macht ond wo für di sorge
(Links ab in die Küche)
kann, it oiner, wo schau beim Geigespiele Blasen an
OPA:
d'Fenger griagt! I wißt oin für di, der hett a Haus, a Geld
(liest Zeitung)
ond Erfahrung, halt so oin wia du suchscht!
Siehscht, Sepp, do send dia sündige Weibsbilder it so
BRIGITTE:
verschrocke, dia dädet eden mit ins Etablissement
Kenn i den?
nehmen, Anruf genügt, stoht do hane!
SEPP:
SEPP:
Ha freile, i moin dr Fidel, eiser Großbauer, dem wo
(wie vom Geistesblitz getroffen stürzt er auf Opa zu,
d'Feldwies gehört.
entreißt ihm die Zeitung und liest)
BRIGITTE:
... Desiree ist zu jeder Tageszeit für dich da ... auch
(springt zusammen mit ihrer Mutter auf)
besucht sie dich zu Hause ... und erfüllt dir jeden
Was, de altledig Fidel soll i heirate?
Wunsch ... Anruf genügt ... Telefonnummer ...
(Beginnt zu weinen)
(Sepp nimmt einen Zettel, schreibt sich schnell die
Mama, noi, Maaaamaaaaaa ... uhuhuhu ... de Fidel,
Telefonnummer auf, packt Hut und Jacket und stürmt
vorher gang i ens Kloster, i will den Herr Baldouin ...
hinaus)
sonst keiner!
Gott sei dank, i be grettet, i habs!
ELIS:
(Mitte ab)
Sag amol, Sepp, bischt du au no ganz sauber, dätesch
OPA:
du eiser Mädle em Fidel gea!
Endlich send dia älle dusse, noch komm i endlich au zum
(Nimmt Brigitte in den Arm)
Trog!
Komm, mei Mädle, mir gand naus do henna.
(Setzt sich an den Mittagstisch und beginnt gierig zu
(Beide ab links in die Küche)
essen)
11
2. SZENE
bleibed dett, bis i ui schrei!
OPA:
(Done und Gustl Mitte ab. Sepp ruft in die Küche hinaus)
Gett, des glaubsch du nicht, so wia i dia Sach sieh, isch
Elis, Kätter, Brigittle, kommed mol!
der Sepp so unverfrore ond hetzt dem arme Fidel dia
(Elis und Kätter kommen)
zwielichtig Person uff de Hals! Moi, Bürschle, dir wär i
ELIS:
de Spaß verderbe!
Wa witt du?
(Geht zum Telefon und ruft Fidel an)
SEPP:
Fidel, de Baschte isches, los amol her, Neues von der
Wo isch s'Brigittle?
Mafia! Dia drei Lompe wand dir mit Gwalt a Weib
ELIS:
umdrehe ... des woiß i, daß dir des it unrecht wär, aber
Dia liegt en ihre Kammer henda, hot sich eingschlosse
los no, was für eine: de Sepp hot grad d'Telefonnummer
ond heinet schau dia ganz Zeit wega deim bleda
vo einer zwielichtige Gestalt aus dr Zeitung
Gschwätz!
rausgschriebe, ond isch davon gjuckt wia a kastrierts
SEPP:
Seile. Wahrscheinlich geht er zu seine zwoi saubere
(gekünstelt)
Freund zum Pläne schmiede! Aber i han au schau en
So a armes Mädle, i hett ui drei grad a Freid macha
Plan, ond du bischt zumindescht vorgewarnt! Oha, die
wella, guck Elis, d'Hagelversicherung hot 500 Mark
drei kommed schau, i leg auf, bis später!
gschickt nochdem i angrufe han! Ond well ihr jo
(Rechts ab. Sepp kommt mit Done und Gustl von der
sowieso dia ganz Feldarbeit machet, han i denkt, daß
Mitte)
des Geld ui zuestoht, drom gib i ui dia 500 Mark, ond ihr
SEPP:
gand ge einkaufe en d'Stadt ond kaufed a schees Häs!
S'ischt grad niemand henna, kommed rei!
ELIS:
GUSTL:
(verwundert)
Ond was soll noch des Freilein Desiree mache?
Ja, Sepp, so kenn i di jo gar it!
DONE:
SEPP:
Du Huatsempel, verstosch des wieder it?
I woiß halt, was i an dir han. Kaufsch dir ebbes schees,
SEPP:
woisch, nächscht Woch wett doch em Nachbarort
Mir hand genau no oin Tag Zeit, daß der Fidel sei
d'Leichehalle eingweiht, do brauchscht ebbes schees,
Feldwies verkauft, ond des Freilein Desiree soll
ond d'Kätter ond d'Brigittle kriagt au ebbes, gell!
sozusagen em Eilverfahren sei Verkaufsbereitschaft
ELIS:
beschleunige, verstandet ihr mi?
Komm schnell Kätter, suscht überlegt es sich dia Sach no
DONE:
anderscht!
Ond des witt du älles do henna bei dir abwickle, wa seid
(Beide links ab Schlafzimmer)
noch dei Weib ond dia andere?
SEPP:
SEPP:
Hoffentlich macht dr Opa sein Mittagsschlof.
Wenn mir dia Desiree zum Fidel hoim schicked, lot der
(Schaut in seinem Zimmer nach)
dia doch it rei, drom bei eis henna. Ond des mit meim
Jawohl, des baßt au!
Weib got schau, blos brauch i dafür a Geld. Los, Done,
ELIS:
500 Mark mindeschtens!
(beide kommen wieder mit Hut, Mantel und Schirm)
SEPP:
Also, gib eis de Autoschlüssel ond guck amol wieder
Ja kriag i des Geld wieder?
noch dem Brigittle. Ade!
SEPP:
(Beide Mitte ab)
Du hoscht au auf mei Veranlassung koin Klärbeitrag
3. SZENE
zahle miaße, ond an Gmoidshäge isch au bald wieder
SEPP:
fällig, also mach koin Aufstand!
(winkt den beiden hinterher)
(Done gibt ihm widerwillig 500 Mark)
Ade, vill Spaß, land ui Zeit, ha, ha, ha ... Done, Gustl,
Ihr zwoi verstecked ui jetzt dusse em Holzschopf ond
kommed rei, d'Luft isch rein.
12
(Done und Gustl kommen)
Lompearbet von dena drei Bandite. Verstoscht, du bischt
Also, der Plan kann in die Reifephase übergehen!
sozusage en Ratzmaus, ons dia drei meinet, sie seied
(Er wählt Desirees Telefonnummer)
d'Rattefänger ond wand dir a Falle aufstella. Aber dia
... Grüß Gott Freilein Desiree, i han do en dr Zeitung
Falle schnappt no it so schnell zua, dafür sorg i! Hosch
glesa, daß sie au Hausbesuche mached ... ah so, des isch
mi jetzt verschtande, Fidel?
teuer, egal ... i hett do sozusagen ein Patient, der
FIDEL:
dringend a Behandlung nötig hett, aber der traut sich it
Noi, koi oinziges Wort, Baschte!
anzurufen ... jawohl, d'Adress isch "An der Halde 2" ... sie
OPA:
kenned sofort komme, gand sie oifach zur Haustür nei
Des macht au gar nix, trink nomol en Schluck ond gang
en d'Stube ond mached sich's auf em Sofa bequem! ...
wiedr heim. Ond do watesch, bis i dir wieder anruf,
Jawohl, der schüchterne Patient konnt noch glei ... Also
hosch gehört!
vielen Dank!
FIDEL:
(Legt auf)
Wenn du moinscht?
DONE:
(Geht Mitte ab)
(alle drei lachen)
OPA:
Sepp, du schwätzt, wia wenn du des jede Tag mache
So ond jetzt dia Telefonnummer vom Ochse, wo der
dädesch!
führnehme Industrielle wohnt. Aha, do isch se schau.
SEPP:
(Findet sie in der Schublade. Verstellt die Stimme und
Ein Schultes muaß halt en älle Bereich Geschäftle mache
gibt sich als Elis aus)
kenna!
Grüß Gott, Herr von Reichenbach zu Wildenstein, hier
(Wählt die Nummer von Fidel)
spricht Elisabeth Nägele, die Frau des Bürgermeisters ...
... Fidel, jo i bens, dr Sepp ... du Fidel, du muscht mir en
Oh, vielen Dank, auch ich bin verrückt, ah entzückt . ..
Gfalle doa, i ben blos no a halbe Stund dahoim, noch
Mein erkrankter Mann hat mich gebeten, Sie wegen der
isch de Opa alloi dahoim ond dem gehts it guat.
Grundstücksverhandlungen anzurufen, ich kann Ihnen
Kenntesch du it a weng noch em Opa gucke, er liegt uff
das Grundstück zu günstigen Konditionen verkaufen ...
em Sofa en dr Stube ... Danke, des isch nett... Konnscht
Ja, sie kommen am besten gleich, ich erwarte Sie im
später vorbei! Ade! Ha, ha, ha ... Wa glaubed ihr, dia
Wohnzimmer, bis bald!
Desiree macht de Butter woich, noch brauched se mir
(Legt Hörer auf)
blos no uffs Brot schmiere, noch isch d'Feldwies die
So jetzt nemmt do henna älles sein Lauf, hä, hä, hä ...
eiser! Auf geht's, mir gand en Fuchse, do henna nemmt
(Sieht aus dem Fenster)
jetzt älles sein Lauf, ond heit Mittag kommed mir ond
Oha, des muaß dia Desiree sei, ho, ho, ho ... des geit en
erntet eiserne Früchte!
Spaß!
(Alle drei unter grellem Gelächter ab)
(Ab in seine Kammer rechts)
OPA:
4. SZENE
(aus seiner Kammer)
(Desiree von Mitte, total aufgedonnert mit Straps,
Noch bassed no auf, daß do henna it älles verkehrt rom
Strümpfen nach dem letzten Schrei, hochhackige
lauft, ond dia Früchte zmols gfrssa send! Moi, ui Lompe
Schuhe, Mini-Minirock, enger Pullover, völlig
wär i d'Suppe versalze! Hä, hä, hä ...
überschminkt)
FIDEL:
DESIREE:
(stürmt plötzlich von der Mitte rein)
An der Halde 2, das muß es sein.
Baschte, Baschte, was hoscht du, gehts dir it guat?
(Schaut sich um)
OPA:
Hier scheint das Wohnzimmer zu sein, also bin ich
Noi, noi, Fidel, mir gehts so guat wia no nie, hä, hä, hä
richtig. Meine Güte, wie primitiv eingerichtet, und auf
... Komm mir trenked en Schnaps, des isch es wert!
den Typen bin ich erst gespannt. Den Verhältnissen nach
(Beide trinken mehrere Schnäpse)
zu urteilen, trägt er bestimmt Latzhosen und
Des mit meiner Krankheit isch blos wieder so a
Gummistiefel! Igitt, was für ein Mief!
13
(Versprüht Parfum, läßt sich auf dem Sofa nieder, Beine
Du kannst mir auch tausend geben, wenn du soviel hast!
auf den Tisch, packt Sektflasche und zwei Gläser aus)
WILLIBALD:
Keine Musik, keine Kerzen, mein Gott, wie
Pro Quadratmeter?
unromantisch!
DESIREE:
DESIREE:
Ok, Willi-Baby, ich weiß nicht, wie verklemmt du bist,
(hört Tritte)
aber wir rechnen hier nicht nach Quadratmeter ab,
Na, endlich kommt er!
sondern nach Stunden, roger? Aber so, wie du aussiehst,
(Legt sich in Pose)
reicht bei dir der Minutentarif!
WILLIBALD:
WILLIBALD:
(klopft kurz an, tritt ein, räuspert sich verdutzt beim
Das ist sehr außergewöhnlich für
Anblick Desirees)
Grundstücksverhandlungen, ich muß deshalb erst den
Äh, Guten Tag, gnädigste Madam,
Vertrag ändern!
(Verbeugt sich kurz)
DESIREE:
ich habe Sie mir etwas anders vorgestellt und bin jetzt
Ich krieg die Tür nicht zu, jetzt kommt der Typ mit einem
natürlich um so überraschter! Wenn Sie gestatten:
Vertrag! Willst du das ganze etwa schriftlich festhalten?
Willibald von Reichen ...
Komm jetzt endlich zur Sache, Schätzchen!
DESIREE:
WILLIBALD:
(unterbricht ihn)
Es ist üblich, daß man vor dem Notar mit einem Vertrag
Und ich dachte, du bringst statt deines Stocks eine
erscheint!
Mistgabel mit!
DESIREE:
WILLIBALD:
Kleiner Graf von Wildensteinchen! Der Notar also auch
Äh, Verzeihung, äh, es ehrt mich, daß Sie mich hier
noch? Aber deine Mama hast du nicht zufällig zum
erwarten!
Zugucken dabei?
DESIREE:
WILLIBALD:
Hör mal zu, du kleiner Schäker! Ich mach das hier nicht
Meine Frau Mama, als Vermögensverwalterin, möchte
zum Spaß, hast du genügend Geld bei dir?
eine Qualitätsprobe der Bodengüte!
WILLIBALD:
DESIREE:
Ach, Sie bestehen auf Barzahlung?
(springt empört auf)
DESIREE:
Ich glaub mich tritt ein Pferd: Qualitätsprobe, zweifelst
Armer, kleiner Scherzkeks, willst du etwa mit einem Sack
du etwa an meiner Qualität? Du ... du ... du ... du ...
Kartoffeln bezahlen!
mißratener Kuhstall-Macho ...
WILLIBALD:
(Geht drohend auf ihn zu)
Ihre direkte Art verblüfft mich, Sie wollen also gleich
WILLIBALD:
geschäftlich werden?
Ich bitte Sie, es ist unser gutes Recht!
DESIREE:
DESIREE:
Paß mal auf, du mißratener Rockefeller! Zeit hab ich
(schmiert ihm eine)
nicht viel, und Zeit ist Geld! Und wenn du genug Geld
Hier hast du eine Qualitätsprobe, Spießer, elender, zieh
hast, können wir uns, bevor es losgeht, noch eine halbe
Leine, verschwinde schleunigst!
Stunde Ostfriesenwitze erzählen! Ok?
WILLIBALD:
WILLIBALD:
Das hat Folgen, das garantiere ich Ihnen!
Wie Sie wünschen, Gnädigste! Wieviel also?
Unverschämtheit!
DESIREE:
(Geht empört ab und hält sich die Backe)
Na endlich! Einhundert.
DESIREE:
WILLIBALD:
(will ebenfalls ab)
... tausend???
In diesem Haus bleibe ich keine Minute länger!
DESIREE:
OPA:
14
(aus seiner Kammer)
(schenkt Sekt nach, legt sich wieder in Pose)
Halt, Freilein, en kleine Moment!
Na ja, es kann ja nur noch besser werden!
DESIREE:
BALDOUIN:
He, Steinzeitkrieger, aus welcher Höhle hat man dich
(singt)
denn verjagt?
Du bist die Schönste der Welt für mich, Brigittchen ...
OPA:
(Tritt ein und bleibt mit offenem Mund bei Desirees
Wahrscheinlich war dia Höhle glei nebed dem
Anblick stehen)
PapageienNescht, wo ma die bunte Vögel naus gworfe
DESIREE:
hot! Sie hand vorher gsait, Zeit isch Geld! Ond Geld han
Was freut dich denn, daß du so fröhlich singst?
i, also hand sie au Zeit, isch des richtig?
BALDOUIN:
DESIREE:
(stottert)
Wenn du meinst, Alterchen?
I-i-i-ich werde erwartet!
(Sie bleibt überrascht stehen)
DESIREE:
OPA:
Wie recht du hast, Kleiner! Komm und setz dich zu mir!
Also, no hand sie 200 Mark für's erschte, ond jetzt
(Baldouin gehorcht zögernd und setzt sich neben
kommen se mol ganz nah her zu mir!
Desiree. Sie legt ihre Hand um ihn)
(Er flüstert ihr leise etwas ins Ohr)
Was machst du denn mit diesem großen Koffer?
DESIREE:
BALDOUIN:
Aber klar doch, Opa, wenn's weiter nichts ist, ich möchte
D-d-d-d-da ist eine Geige drin.
ja nicht, daß dein Herzschrittmacher kollabiert!
DESIREE:
OPA:
Willst du mir mal deine Geige zeigen? Was macht man
Also gucked se, do henda isch s'Bad, do kenned se durch
damit?
d'Kuche durlaufe, solang mach i de Rescht!
BALDOUIN:
(Desiree links ab)
I-i-i-ich g-g-geige, ääh, ich spiele damit die erste Geige in
So, ond i ruf jetzt zuerscht den Geige-Balduin an, hä, hä,
Mozarts "Don Giovanni".
hä ...
DESIREE:
(Wählt, verstellt seine Stimme und gibt sich als Brigitte
Dann hör mal zu, mein kleiner Giovanni, ab jetzt spiele
aus)
ich die erste Geige, klar?
Hallo, Herr Baldouin, hier ischt d'Brigitte ... i fühl mi no
(Zieht ihn ganz dicht zu sich her)
so unsicher bei dem letzte Übungsstückle vo heit morge,
BALDOUIN:
hettet Sie a bißle Zeit für mi? ... Am beschte glei ... des
A-a-a-aber sicher, Fräulein ...?
wär nett au ja ... Tschüssi!
(Fängt langsam Feuer)
(Äfft den Geigenlehrer nach)
DESIREE:
"Für Sie doch immer, Frl. Brigittchen." So ein
Desiree, nenn mich Desy!
Schmalzhafen!
(Beide trinken das Glas leer, Desiree steht auf und zieht
DESIREE:
ihn ganz dicht zu sich her)
(kommt wieder von links)
Kleiner, kennst du den "Casanova"?
Und, Opa, wie seh ich aus?
BALDOUIN:
OPA:
Aber natürlich!
Wia a Tube Senf, oifach scharf! So, Freilein Desiree, Sie
DESIREE:
miaßed dem jonge Herr oifach a weng Sekt gea, ond
Dann sei einer und komm mit!
nett mit ihm schwätze. Gucked se, do henna en meiner
(Baldouin läßt sich wortlos mit weit offenem Mund von
Kammer stört Sie nemig! I gang solang naus en d'Kuche!
Desiree in Opas Kammer führen. Beide rechts ab)
Hä, hä, hä ...
5. SZENE
(Opa links ab Küche)
OPA:
DESIREE:
(Telefonklingeln. Opa aus der Küche links, nimmt ab)
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Seele and Geist
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