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3 Was wird unter chronischer myeloischer Leukämie - Buecher.de

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Link zum Titel: Rainer Haas / Ralf Kronenwetter, Fragen und Antworten zur hämatopoetischen Stammzelle
Deutscher Ärzte-Verlag 2005
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3 Was wird unter chronischer myeloischer
Leukämie verstanden?
Unter chronischer myeloischer Leukämie (CML) ist eine klonale Erkrankung einer pluripotenten hämatopoetischen Stammzelle zu verstehen, die
bei 95% der Patienten durch eine charakteristische Translokation, näm-
a
b
lich die t(9;22), gekennzeichnet ist
(s. Abb. 3). Dadurch kommt es zu einer
Umlagerung des auf Chromosom 9
lokalisierten ABL-Gens in die auf Chromosom 22 gelegene Region des BCRGens (Break point cluster region), was
zu einer pathologischen Funktion des ABL-Genproduktes
führt. Bei diesem durch die
Translokation neu entstandenen
Fusionsprotein handelt es sich
um eine abnorme Tyrosinkinase,
deren fehlerhafte Funktion zu
einer Vielzahl abnormer Regulationsvorgänge bei der Proliferation der Stammzelle führt.
Abb. 3: Blutausstrich und Molekularbiologie der CML. (A) Der
Blutausstrich zeigt eine Leukozytose mit einer pathologischen
Linksverschiebung. (B) Durch
eine reziproke Translokation zwischen den Chromosomen 9 und
22 entsteht das PhiladelphiaChromosom. Das daraus resultierende BCR-ABL-Fusionsgen
kodiert für eine aktivierte Tyrosinkinase. In Abhängigkeit von
der Bruchstelle innerhalb des
Wildtyp-BCR-Gens entstehen die
beiden CML-typischen Spleißvarianten b2a2 und b3a2 oder die
ALL-typische Variante e1a2
3 Was wird unter chronischer myeloischer Leukämie verstanden?
3.1 Wie wurde die Rolle der
allogenen Transplantation für
Patienten mit CML
traditionell eingeschätzt?
Noch immer gilt die chronische myeloische Leukämie als eine Erkrankung, die nur durch eine allogene
Blutstammzelltransplantation geheilt werden kann. Diese Einschätzung beruht auf den Erfahrungen der
letzten zwei Jahrzehnte, die gezeigt
haben, dass abhängig vom Risikoprofil (Hasford score) durch eine zytoreduktive Therapie in Kombination
mit α-Interferon zwar grundsätzlich
Überlebenszeiten von 15–20 Jahren
nach Diagnosestellung möglich sind,
jedoch die mittlere Überlebenszeit für
die gesamte Patientengruppe nur bei
etwa 3,5 Jahren liegt. Dies liegt daran,
dass die Erkrankung zumeist nach der
initial chronischen Phase, in der die
o.g. Medikamente nicht nur zu hämatologischen, sondern auch partiellen und sogar kompletten zytogenetischen Remissionen führen können,
fortschreitet und nach Durchlaufen
der akzelerierten Phase in einen terminalen Blastenschub einmündet,
der fast immer therapierefraktär ist.
Deshalb betrachtet man die CML als
eine klassische Standardindikation für
eine allogene Transplantation. Eine
Transplantation mit den Blutstamm-
Teil III
zellen
eines
HLA-identischen
Geschwisterspenders kommt dabei –
sofern verfügbar – für Patienten bis
zum 60. Lebensjahr infrage, während
eine Transplantation mit den Blutstammzellen eines HLA-identischen
Fremdspenders für Patienten bis zum
50. Lebensjahr als möglich gilt. Die
Transplantation sollte idealerweise in
der ersten chronischen Phase innerhalb des ersten Jahres nach Diagnosestellung erfolgen, während Transplantationen in akzelerierter Phase oder
im Blastenschub bestenfalls als Ultima ratio im Sinne individueller Heilungsversuche mit nur geringen
Erfolgsaussichten anzusehen sind.
Offen bleibt die Frage des geeigneten Transplantationszeitpunktes für
die Patienten, die über einen passenden Geschwisterspender verfügen
und durch die medikamentöse Therapie in eine komplette Remission
gekommen sind. Demgegenüber ist
der therapeutische Nutzen einer
autologen Transplantation sehr zweifelhaft, da es per definitionem nach
der myeloablativen Hochdosistherapie durch die autologen – und weiterhin mehr oder weniger PhiladelphiaChromosom-positiven – Stammzellen bestenfalls zu einer Verminderung, nicht aber zu einem Verschwinden des malignen Stammzellklons kommen kann.
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Gesundheitswesen
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